Schlagwort: Kornellkirsche

  • 26-05-02 Flossenprothesen Schtetldämonen (Berlin->Köln)

    26-05-02 Flossenprothesen Schtetldämonen (Berlin->Köln)

    Ich stieg aus der U-Bahn-Station, konnte keinen Straßennamen erkennen. Also öffnete ich Organic Maps. Dann lud ich die Köln-Karte herunter. Dann versuchte ich mich zu orientieren, wo ich bin. Dann versuchte ich mich zu orientieren, wo das Hotel ist. Dann schaute ich in die von mir bestimmte Richtung. Dann sah ich 20 Meter direkt vor mir ein großes Schild „HOTEL“. Okay.

    *

    Freude zum 1. Mai: Nicht nur Bollerwagentrupps und Damengruppen mit kleinen Fläschchen in der Hand waren unterwegs, sondern auch ein Aufrechter, der mit Parteifahne auf dem Bahnsteig Genoss*innen einsammelte.

    *

    Madame erzählte, dass die Kornellkirsche in der Schweiz auch Tierlibaum genannt wird, wegen der ganzen Tierli, die dort herumsummen. Wir dachten, das bezieht sich auf Blüten und Früchte. Aber auch jetzt, im reinen Blattstadium, ist der Baum voller Insekten. Uns ist unklar warum. Eine mysteriöse Freude.

    *

    Madame bestimmte einen rötlichen Spatz als Bluthänfling. Von den Latifundien erzählte sie, dass ein einziges Summen im Apfelbaum herrscht. Sie erzählte dies, während mehrere Vögel versuchten, sich lautstark in unser Telefonat einzumischen.

    *

    Es war ein Bahnfahrfeiertag, davor die Berliner Harfe der Kabbala, danach der Kölner Gesang der Sirenen.

    S5 Richtung Mahlsdorf

    Mein Handy piepte. Die Bahn teilte mir mit, dass es auf meiner Verbindung über Spandau nach Köln ein Problem gibt. Die S3 nach Spandau fällt aus. Stattdessen fährt die S 3.

    Damit konnte ich leben. Zumal ich entgegen dem Wunsch der Bahn gar nicht nach Spandau fuhr, sondern den Hauptbahnhof ausgewählt hatte, um in den ICE940 nach Köln zu besteigen.

    Und weil ich so früh dran war, fuhr ich in der S-Bahn am Hauptbahnhof vorbei gleich weiter zum Ostbahnhof. Denn:

    • Ich bin Unordnungsreisender und wenn ich die Auswahl habe zwischen einem Weg den ich nahezu auswendig kennen (Hbf) und einem, den ich nur wenig kenne (Ostbahnhof) neige ich zu letzterem.
    • Wurde die Bahnfahrt bezahlt und geplant von jemandem-der-nicht-ich-bin. So hatte ich einen Platz in einem Zug „mit hohem erwarteten Fahrgastaufkommen“ in der zweiten Klasse. Ich hoffte darauf, mich bereits häuslich einrichten zu können, bevor am Hauptbahnhof die Massen kommen.
    • Schrumpfte meine exorbitant großzügige Reiseplanung durch den Umweg auf eine Reiseplanung zusammen, die normale Menschen als großzügig ansehen. Ich konnte mich an jedem Punkt an dem die S-Bahn auf freier Strecke stockte oder sich die Türen nicht schließen liessen, mit Adrenalin microdosen.

    Belohnt wurde ich mit einer faszinierenden Tirade einer älteren Dame, die einen komplett ratlosen freundlichen jungen Mann zehn Minuten lang beschimpfte, warum Berlin schlimm ist, und alle weg wollen, und Bürgergeldempfänger alle zwei Fernseher geschenkt bekommen und in Berlin alle unhöflich sind und niemand mehr Geld hat.

    Ich glaube es begann damit, dass jemand die Dame am Alex leicht rüpelig vor den Augen der Polizei auf der Treppe hat, ohne dass die Polizei einschritt. Ich glaube der Hauptgrund für die unstoppbare Gefühlsaufwallung war, dass jetzt auch die zweite Tochter der Dame samt Enkelkind aus Berlin wegzieht und sie alleine zurücklässt.

    Wofür allerdings der junge Mann nichts konnte.

    ICE940 Richtung Köln

    Aus dem Zug betrachtet, ist Düsseldorf gar nicht so glamourös wie ich immer dachte. Duisburg hingegen entsprach ungefähr meinen Vorstellungen. Beide Bahnhöfe waren mir komplett unbekannt. Anscheinend bin ich bisher immer durch einen Tunnel nach Köln gefahren.

    Da ich im gebuchten Zug auf dem gebuchten Platz am Ziel ankam, gilt die Bahnreise als erfolgreich absolviert. Ich sah eine frühlingshafte Landschaft und las Vilnius – eine Stadt in Europa zu Ende. Weierhin eine große Empfehlung.

    Im Großraumwagen waren viele Familien mit jungen Kindern. Abstrakt fand ich das gut, weil ZUKUNFT. Ganz konkret in diesem Moment über sechs Stunden hinweg möchte ich anmerken, dass die Zukunft doch recht laut war.

    Dank Tiptoi und Marcel dem Feuerwehrmann konnte ich mein Wissen über die Feuerwehr runderneuern. Allerdings machte es mir Sorgen, dass der Lieblingssatz des tiptoienden Kindes war „Hilfe, ich bin in der Tür eingeklemmt! Helft mir!“

    Leah steht für die Zahl 36

    Zeitlich vor dem Maiausflug lag das Walpurgisnachtkonzert in der Philharmonie. Kaum hatte das Klavierfestival mit dem besten Konzert des Festivals geendet, lied das DSO zum Casual Concert.

    Ich kannte niemand

    Unser Konzerthinterunssitzer musste sich auskennen. Immerhin kannte er drei Philharmoniker persönlich, teilte er seiner Begleitung mit. Leider spielten die gar nicht, sondern das DSO. Aber würden die Philharmoniker auftreten, würde er drei von ihnen persönlich kennen.

    Wenig überraschend konnte er sich nur mühsam beherrschen, die Einführung ins Programm nicht durch ein geflüstertes Co-Referat zu ergänzen, und natürlich hatte er zwei Sekunden nach Ende des Konzerts eine quasi druckreife und abschließende Meinung zum Gehörten.

    Auch desöfteren erwähnt: Dirigent Kent Nagano war ein Bernstein-Schüler

    So sehr es mich schmerzte, ihm innerlich zuzustimmen. In einem hatte er Recht. Die Einführung war schlecht. Es ist mir ein Rätsel, wie mensch ein Stück, das insgesamt nur 40 Minuten dauert, 50 Minuten lang einführen kann, und dabei dann fast nicht über Musik redet.

    Dabei hatte der Abend alle Chancen.

    • Ein sperriges Stück von Leonard Bernstein, das seit seinem Erscheinen 1974 bis zu diesem Abend noch nie in Deutschland aufgeführt wurde.
    • Mit Ausflügen in die Atonalität interpretiert durch Kabbala und Zahlenmystik.
    • Die zum Ballett gesetzte Legende des Dybbuk – eine alte jüdische Legende; wie Romeo und Julia im Schtetl, nur das zwischendurch gebrochene Versprechen, Dämonen und Rabbiner, die einen Exorzismus betreiben, vorkommen.
    • Allein der Anblick der Instrumente versprach einiges: Sechs Bässe, Harfe, Flügel und 10 bis 15 Meter Percussion einschließlich Glockenspiel, Xylophon und zwei Gongs.
    • Auch eher selten im Ballett: in der Besetzungsliste standen auch zwei Sänger: Bass und Bariton.

    Eigentlich bietet das Casual Concert eine hervorragende Gelegenheit, um solche sperrigen Stücke zu vermitteln. Die Einführung findet im Saal mit dem kompletten Orchester auf der Bühne statt. Es gibt zum Beispiel die Gelegenheit:

    • einzelne Stimmen oder Instrumente herauszunehmen, allein zu besprechen und dann im Zusammenklang (z.B. warum klingt diese Harfe anders als normale Harfen im Konzert)
    • Stellen, die zeitlich auseinanderliegen, direkt hintereinander zu spielen und so zu zeigen, wie bestimmte Motive immer wieder auftauchen, sich aber im Laufe des Konzerts ändern und verwandeln.

    Stattdessen: Ein ewiges Wiederkauen und nochmaliges Wiederkauen und wiederwiederkauen der Handlung.

    Leider war danach die Luft ein wenig raus. Ob wir ermattet waren, ob das Orchester ermattet war, oder ob das Stück nach dem Motto funktionierte „hm-irgendwas-stimmt-noch-nicht-ach-dann-pack-ich-halt-noch-ein-Percussioninstrument-dazu“ war nicht mehr ganz klar.

    Spannendes Stück; ich würde es gerne mal unter besseren Umständen hören. Bleibt zu hoffen, dass es bis zur nächsten deutschen Aufführung nicht wieder 52 Jahre dauert.

    Am Ende: Kiemen

    Auch in Köln blieb es bei kultureller Exorbitanz. Es blieb dabei, dass ich dachte „eine halbe Stunde kürzer wäre auch okay gewesen“, es blieb in einer Zwischenebene zwischen Menschlichem und Nicht-Menschlichem.

    Nach Köln-Begehungen beendete ich den Abend im Programmkino Filmpalette. Es lief Sirens Call.

    Vor dem Kino hatte mich der Kellner im Café nebenan noch gefragt, was ich für einen Film sehen wollte. Ich hatte Probleme, es zu formulieren. Danach hätte ich noch mehr Probleme gehabt.

    Der Film geht um die real existierende Mermaid Una und die Gruppe der Merfolk in Portland.- einer Gruppe von Wesen, die davon ausgehen falsch im Körper eines Menschen gelandet zu seien, da sie eigentlich Meerfrauen/-männer/-wesen sind.

    In selteneren Teilen ist der Film Dokumentation, in der der Mensch um Una spricht, eine Doktorin der Psychologie, die mit Strafgefangenen arbeitet, und die Merfolk bei Veranstaltungen und Protesten in den USA unter Trump gezeigt werden.

    In häufigeren Teilen versucht der Film eine Una-Erzählung: aus der Perspektive der Meerjungfrau, die sich im komischen Körper eines Menschen findet, gleichgesinnte sucht und sich zu orientieren versucht. Es ist eine sehr träumerische, surreale Nachstellung von Unas Jugend, wie sie durch New York, Florida, Las Vegas driftete, immer mit dem Gefühl, nicht dazu zu gehören.

    Keine Dokumentation; denn eine Mermaid würde keine Dokumentation drehen, sondern etwas zwischen Meditation und Traum, in Blau, spielend in billigen Hotels, Diners und mit sehnsuchtsvollem Blick in Aquarien.

    War es ein guter Film? Ich bin nicht sicher. War es ein inspirierender Film: Ganz unbedingt!

    Kernkompetenz alles mit Klavier

    poupoulab zum Klavierfestival: Berliner Klavierfestival 2026. Marc-André Hamelin

    Been there, done that: „Zugegebenermaßen liegt meine Kernkompetenz eher bei Eisbären. Aber Eisbären interessierten an dem Abend niemanden.“

    Manchmal wenn ich die Informatik-Module durchblättere, kommen mir die ganzen „KI“-Diskussionen in den Sinn, dass Vibecoding mit KI programmieren überflüssig macht. Und mir kommen noch mehr die ganzen frisch-arbeitslosen Programmierer*innen auf Mastodon in den Sinn, die gerade neue Jobs suchen. Dann frage ich mich: Lerne ich gerade das richtige. Dann denke ich an reale Software mit der ich 39 Stunden in der Woche zu tun habe, gehe in mich und denke „auf jeden Fall!“ In anderen Worten bei Thomas: Coding, Viben und Probleme

    was ge­blie­ben ist: blog­gen ist wei­ter­hin ein rand­phä­no­men. und das ist auch nicht wei­ter schlimm. im ge­gen­teil.

  • 26-03-26 Senior IT Administrator:in (d/w/m) oder Stellvertretende Abteilungsleitung IT (d/w/m)

    26-03-26 Senior IT Administrator:in (d/w/m) oder Stellvertretende Abteilungsleitung IT (d/w/m)

    Die Berliner Bäder vergeben aktuell zwei IT-Jobs: Senior IT Administrator:in und Stellvertretende Abteilungsleitung IT. Da ihr hier gelandet sein, beweist ihr Geschmack und Kompetenz und deshalb: Wenn es für Euch in Frage kommt: Bewerbt euch gerne!

    Die Stellen sind im öffentlichen Dienst, mit allen Vor- und Nachteilen, im Microsoft-geprägter Umgebung. Ihr müsst es nicht lieben, solltet davon aber auch keine Bauchschmerzen bekommen. Ihr dürft/könnt/müsst mit mir zusammenarbeiten. Für Fragen dazu bin ich natürlich auch absprechbar.

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    Ende der unbezahlten Werbeeinblendung.

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    Madame vermisste Vögel in der Kornellkirsche. Wie auf Zuruf kamen in der nächsten Minute zwei Meisen und kurz danach auch noch ein Eichelhäher. Ein schönes Tier!

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    Während die Kornellkirsche langsam an Blühkraft verliert, befindet sich die nebenstehende Verdachtskirsche kurz vor dem Ausbruch. Wir hoffen, dass sie sich gut mit dem angesagten Nachtfrost koordiniert.

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    Videomeeting mit Dienstleister „unten in Thüringen.“ Angesichts des Schnees auf seinem Dachfenster sah das für mich eher nach „oben in Thüringen“ aus. Wir einigten uns auf „700 Meter über dem Meeresspiegel kurz vor der bayerischen Landesgrenze.“

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    Ich habe die Ehre, 80 Seiten eines Romans-in-Entstehung lesen zu dürfen, und der ist richtig, richtig gut. Ein Wow-Moment.

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    Edeka Duolingo installierte Kameras über den SB-Terminals.

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    Im Südkreuz, eine junge Frau in Influencer-Beige mit Plüsch-Alpaka im Arm, das fast so groß war wie sie selbst. Und ich dachte immer, der Slogan „Alpakas-sind-die-neuen-Einhörner“ wäre nie aus den Laboren der Werbeabteilungen entkommen.

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    Im Südkreuz auf der Treppe (die Rolltreppen sind weiter außer Gefecht) rannte ein junger Mann mit Angel, Netz und entsprechenden Hut und Hose die Treppe hoch. Wohl doch kein so entspannendes Hobby.

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    Es waren drei Arbeitstage unterbrochen von Nachtkino.

    Das schwappende Geräusch der letzten Wellen

    Ich war mal wieder im Becken. Leider konnte ich nicht wirklich schwimmen. Irgendwie war ich die Hälfte der Zeit von dem Gedanken absorbiert: „Und ich wohne hier. Wie krass ist das?“

    Vielleicht weil es leerer war als sonst. Vielleicht weil ich mehr „Raum“ mitbekam und weniger auf andere Personen achten musste. Die guten Vorsätze aus dem Januar sind längst alle vergessen. Der beginnende Frühling zieht Menschen aus den Hallenbädern und nach draußen.

    Ich nutzte wieder einmal die Zeit, zum Vor-ins-Bettgehen-schwimmen-weil-es-so-schön-nah-ist. Und in den letzten paar Minuten vor dem Ende der Badezeit teilten wir uns zu dritt ein komplettes 25-Meter-Becken; während des draußen schon lange dunkel war, die Rettungsschwimmer*innen und Fachkräfte langsam begannen, zusammenzupacken und dieser ganze Raum in eine seltsam melancholisch-ruhige Stimmung versank.

    Geister in Neukölln

    Ein Traum in Türkis

    An der Kreuzung neben unserer Wohnung ist eine Autowaschstraße mit Boxen zum Auto-Selberwaschen. An der Herrmannstraße/Neukölln ist ein „Selbstwasch Hundesalon“.

    Das Neues Off-Kino in Neukölln wirkt, als hätten sie das Odeon umgebaut und dabei Wes Anderson als Stilberater eingestellt. Vielleicht habe ich neues Lieblingskino.1

    Ich unternahm geistig eine der heftigeren filmischen Achterbahnfahrten meines Lebens. Im gefühlten Tempo von 10 km/h. Der Kinobesuch am Dienstag2 ließ mich ähnlich sprachlos mit offenem Mund zurück wie damals in Sommer La Chimera. Nur war der Film diesmal nicht italienisch sondern thailändisch, mir fehlte also auch noch eine Menge kultureller Referenzrahmen. Die Frage „Was ist seltsam? Was ist normal?“ wird nochmal spannender, wenn ich keine Ahnung habe, was Macher*innen und Zielpublikum des Films als „normal“ empfinden.

    Geister existieren, wenn sie erinnern oder wenn sie erinnert werden

    A Useful Ghost / ผีใช้ได้ค่ะ (Thailand, Singapur, Deutschland, Frankreich 2025) ist das Erstlingswerks des Regisseurs Ratchapoom Boonbunchachoke. Er lief im Rahmen der In the mood-Reihe der Yorck Kinos. Der Film ist mit Hilfe internationaler Gelder aus Berlinale Weltfonds und ähnlichem entstanden, aber komplett mit einem thailändischen Team gedreht.

    Auch in Thailand läuft der als eine Art Arthouse-Film, hat aber gerade bei den weiblichen Hauptdarstellerinnen etablierte Mainstream-Stars am Start.

    Es handelt sich um eine queere Geister-Komödie / politischer Film / Sozialsatire.

    Es beginnt damit, dass ein Staubsauger nachts hustet und Staub wieder ausspuckt, läuft über die Krankenhausszene in der eine Krankenschwester mit einem Staubsauger darüber diskutiert, ob sie als Geist-der-Ehefrau-im-Staubsauger sich an die Besuchszeiten halten muss oder als Ehefrau zu jeder Zeit kommen darf und endet nach über zwei Stunden in einer Szene, in der die Geister des Massakers von 2010 blutige Rache am zuständigen Minister nehmen.

    Zwischendurch ist es eine Art Meditation über Fortschritt und seine Kosten und die Bedeutung der Erinnerung.

    Wie meine Eingangsworte vermuten lassen: Es ist schwer, den Plot in seiner ganzen Komplexität wieder zu geben. Es geht um Geister, die nicht gehen können, weil sie lieben und andere, weil sie noch offene Rechnungen mit den Lebenden haben. Es geht darum, wie die Lebenden versuchen, diese Geister auszunutzen (daher der Titel „A Useful Ghost“) und die Opfer, die dabei anfallen. Und zuletzt ist der Film queer: Mal fast klassisch (Mann-Mann) mal ungewöhnlich (Mann-Geist-Staubsauger).

    Neues Off Kino von außen. Nachts, Schaukästen und Ankündigungstafel über dem Eingang erleuchtet mit "A Useful Ghost"

    Das Denkmal für die Revolution von 1932 fällt

    • Für seine Komplexität und Absurdität ist der Film sehr langsam erzählt. Lange Einstellungen, spärlicher Dialog, Schauspielern auf engem Raum.
    • Es ist ein Erstlingswerk. Ich vermute, jede*r erfahrene Regisseur*in hätte versucht die 800 spannenden Ideen des Film auf 8 zu kürzen, und jede davon mehr durchzuerzählen. Das wäre dann ein formal besserer Film geworden – aber halt auch viel weniger spannend.
    • Mir fehlt jeglicher Referenzrahmen für thailändischen Film. Aber ich vermute, dass dieser Film auch in Thailand aus dem Rahmen fällt. Um so spannender, dass er mit Davika Hoorne und Apasiri Nitibhon zwei echte dortige Stars an Land zog – soweit ich recherchieren konnte, im Fall Hoorne aus persönlicher Bekanntschaft und weil sie das Drehbuch spannend fand.
    • Dass das gestürzte Denkmal, geräumt zugunsten einer Shopping-Mall, an die Revolution von 1932 erinnerte, zum Beispiel musste ich mir erst im Nachhinein anlesen. Bei einem Film, der sich so nachdrücklich um das Thema Erinnern dreht, war das eine Bedeutungsebene, die mir fast entgangen wäre.
    • Die Staubsaugerfabrik sieht so aus wie deutsche Fabriken in den Filmen aus den 1960ern/1970ern, bei denen ich immer denke „die gibt es nicht mehr.“ Doch gibt es: in Thailand.
    • Was ich am Film spannend finde: So sehr die Story die greifbare Realität verlässt, so sehr zeigt er Alltag in einer Welt, die mir sehr fremd ist.
    • Dieser Regisseur ist kein Freund buddhistischer Mönche. Wahrlich nicht. Aber ihre Szenen sind sehr lustig.
    • Ich liebe den Film dafür, dass der Minister als charmanter Sympathieträger eingeführt wird, und sich erst langsam seine Seite als Massaker-Befehlender offenbart. Wobei er als Mensch im eins-zu-eins immer noch charmant und sympathisch bleibt, auch wenn schon klar ist, wie viele Leute er hat umbringen lassen.

    Licht und Schatten

    poupou auf der Suche nach parfümfreien Deo: Parfümfrei: Deoprobleme (unbezahlte Werbung)

    Madame kann beisteuern: Auch Fish&Chips ist ein hervorragenden einarmiges Essen: Abends aßen wir im Restaurant. Bei der Auswahl bin ich zurzeit etwas eingeschränkt, da ich möglichst Gerichte wähle, die problemlos einhändig zu essen sind, etwa Penne mit Rindfleischstreifen oder Erbseneintopf, weil das Essen mit Messer und Gabel wegen der Armschiene etwas mühsam ist. Auch weiterhin gute Genesung.

    Licht und Schatten und licht und ton.

    Ich würde diese Beobachtung aus der S-Bahn bestätigen: Dabei habe ich festgestellt: Man liest offensichtlich wieder. Entgegen all der Meldungen zur Krise des Buches und der Buchhandlungen hatten eine Unzahl von Solo-Personen Bücher in der Hand, und zwar Bücher aller Art

    CW häusliche & sexuelle Gewalt: Grandma’s Hands

    Der grosse Herr Maus, der montags erst um zehn in der Schule sein muss, bekam kurz vor halb zehn einen Anruf von einer unbekannten Nummer. Da sie aber nicht nach einer Werbenummer aussah und er ausserdem einen Rückruf aus der Poliklinik erwartete, ging er glücklicherweise ran. Es war eine Lehrerin, die Aufsicht bei den Abiturprüfungen hatte, und nun anrief, um zu fragen, ob der grosse Herr Maus denn gar nicht zum Deutschabi – das er genau wie die grosse Schwester vor zwei Jahren jetzt schon schreibt – zu kommen gedenke. Ich hörte ihn nur panisch „Was, heute? Jetzt?!“ ins Telefon rufen

    Anmerkungen

    1. Auch das Kino-Kompendium scheint mir ungewöhnlich enthusiastisch im Tonfall. Zu recht. ↩︎
    2. Yorck Unlimted No. 16, damit 14,88€ pro Film. ↩︎

  • 26-03-19 Suche Empfehlungen für Litauen-Bücher (Tapferes, kleines Handrührgerät)

    26-03-19 Suche Empfehlungen für Litauen-Bücher (Tapferes, kleines Handrührgerät)

    Am Südkreuz, ein Service-Fahrzeug der Hamburger Hochbahn.

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    Nachdem dort am Südkreuz die Plätze ausgehen, an denen sich „Rolltreppe-kaputt“-Absperrungen und Schilder aufstellen lassen, dehnt DB InfraGo die Hinweise auf die Laufbänder an den digitalen Abfahrtstafeln aus. „Nur wenige Fahrtreppen verfügbar“ teilen sie mir mit. Ach.

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    Ein Forschungsprojekt möchte mich als neuem Studiumsabsolventen für das Projekt „Dynamische Bildungs- und Erwerbsverläufe“ über „..die Veränderungen, die sich im Leben junger Menschen oft in kurzer Zeit ereignen“ befragen. Offenbar ist mein persönlicher Bildungs- und Erwerbsverlauf zu dynamisch, um in deren Raster zu passen.

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    Mein Supermarkt teilt mir etwas von Eierlieferproblemen mit, informiert aber auch mit „Hochdruck an einer Eierlösung“ zu arbeiten. Leider tauchen vor meinem inneren Auge sofort Supermarktmitarbeiter in der Hocke mit angespanntem Gesichtsausdruck auf.

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    Muss mensch auch erstmal schaffen: Als Kulturstaatsminister zur Leipziger Buchmesse kommen, und von allen Besucher*innen, dem Börsenverein des Buchhandels und dem Oberbürgermeister auf der Eröffnungsfeier abgewatscht werden.

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    Das Schöne an der Wohnung: Wenn ich um 20 Uhr beschließe noch mal schwimmen zu gehen, aber bis 20:45 Uhr lethargisch im Sessel hänge, komme ich trotzdem noch vierzehn Minuten vor dem 21-Uhr-Einlasschluss ans Drehkreuz.

    Der Nachteil: Wenn einen alle Rettungsschwimmer*innen und Fachkräfte am Beckenrand persönlich kennen, fühle ich mich genötigt nicht allzu planschig im Becken rumzufaulenzen.

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    In der Mittagspause: Gespräche welches Kind auf das monochrom beigste aller Essen besteht.

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    Es waren drei Arbeitstage im Zeichen kommender Ereignisse.

    The Thin Man möchte in der Thomas-Dehler-Bibliothek abgegeben werden

    Die gesammelten Romane von Dashiel Hammett mussten zurück in die Bibliothek.

    Es gab eine Vormerkung einer anderen Person – was mich rein abstrakt freut, das Buch wird noch gelesen. Konkret bedeutet es für mich einen Abbruch inmitten der Lektüre.

    Leider fehlen mir noch The Glass Key und The Thin Man in meiner Lektüreliste. Aber das wird. Bei der weiteren Maltese-Falcon-Lektüre stellte ich fest, wie sehr sich der Film in meinem Hirn verankert hat.

    Der ist eine sehr getreuliche Adaption des Buches und ich konnte gar nicht anders als vor meinem inneren Auge stets die Filmszenen zu sehen und zu denken „kenn ich schon“. An den wenigen Stellen an denen das Buch abwich und noch ein paar Extraschlenker einbaute, war ich sofort wieder aufmerksam und begeistert.

    Vilnius Poker – was noch?

    Langsam könnte ich mich in Voraussicht des Sommers eh auf eine neue Gegend eingrooven.

    Es wird Zeit für die Litauen-Lektüre: Sachbücher, aber vor allem Romane, um ein Gefühl für die Gegend zu bekommen. Mein Internet spuckte bisher Vilnius Poker und Silva rerum als wichtige Romane über Litauen aus – aber selbst Silva rerum ist schon in keiner Sprache mehr erhältlich, die ich verstehe.

    Wer also gute Romane und Sachbücher über Litauen auf deutsch oder englisch empfehlen kann – immer her damit!

    Das letzte Kimchi

    Es ist vorbei. Die letzte Gemüslichkeits-Lieferung der Saison lag im Spanholzschrank an der Bibliothek. Die Solawi hat die Lager geräumt und fand dort neben den (seltenen) Kartoffeln auch noch Grünkohl, Spinat und Kimchi. Es werden noch einmal Festtage werden bevor der Monat der Gemüseentbehrungen kommt.

    Die nächste Lieferung kommt im Mai, wenn wieder etwas Frisches zu ernten gibt.

    Die Gemüslicher suchen noch mindestens 15 Mitglieder für das nächste Jahr. Falls ihr in Berlin oder der Prignitz wohnt, Gemüse tatsächlich mögt (und nicht nur denkt ’sollte ich öfter‘) und regelmäßig so von Anfang an selbst kocht, vermitteln wir gerne.

    (Das sind natürlich keine offiziellen Einstiegsvoraussetzungen. Aber ohne diese Eigenschaften wird es unerfreulich werden, jede Woche Überraschungsgemüse verarbeiten zu müssen.)

    Rueblitorte und Gin Tonic

    Unsere Vermieterin meinte es gut mit uns – also nicht mit uns direkt, sondern allgemein mit den Bewohner*innen unserer Wohnung. Die Kornellkirsche vor dem Fenster ist eine einzige Pracht – und das zu einer Zeit, in der sonst nur erste Knospen zu sehen sich und sich die ersten Forsythien gerade ganz vorsichtig ein bißchen ans Blühen wagen.

    Wenn es dann draußen heiß wird, haben wir Schatten, dann schicke Kirschen und am Ende wunderbar farbiges Laub.

    Blick in eine leuchtend gelbe blühende Kornellkirsche

    Gespannt sind wir, was auf dem Garten-Parkplatz noch wächst. Nur anhand der leeren Sträucher und Bäume lässt sich das meistens nicht raten. Aber bald werden wir Blüten und Blätter sehen und mehr wissen. Eine handvoll Forsythien ist da. Das wissen wir schon.

    Die Kirsche wird einen schönen Hintergrund liefern zum Wohnungs-mit-Menschen-Einweihungs-Anlass.

    Madame bewältigte große Teigmengen, die zwei Kuchenbleche bis zum Anschlag füllten. Unser kleiner Handmixer ist für solche Einsätze nicht gedacht. Tapfer stand er bis zum Bauch im Teig, seine „Füße“ immer noch nicht am Boden der Schüssel. Aber er und Madame rührten und rührten, Optik und Geruch der Kuchen sind vielversprechend.

    Dabei wieder gelernt: Falls wir mal ein paar Kästen Getränke bringen, kommt ein Lieferdienst und sofern er die richtige Zufahrt findet, ist selbst das Ausladen und Hochbringen ein Traum: Abstellen direkt vor dem Eingang, eine breite Treppe und das war’s. Die Knusprei werden wir vermutlich wiederholen.

    Die Charta der Vielfalt geht auf Gardenswartz and Rowe, 2003 zurück

    Bevor der Kuchen zum Einsatz kommt, findet morgen die Digitale-Diversitäts-Klausur statt. Offenbar bin ich jetzt im Master-Studiengang ein alter, abgeklärter Student: noch nie an der Fernuni ging ich derart unvorbereitet in eine Klausur.

    Ich setze darauf, dass die Klausur inhaltlich tief in meinem eigenen Komfortbereich liegt. Die Bestehensquoten in den letzten Semestern lagen irgendwo zwischen >90% und >98%. Trotz arg hemdsärmeliger Vorbereitung mache ich mir trotzdem Bestehenshoffnungen. Die Noten waren mir ja schon im Bachelorstudium egal – ich will den Schein.

    Ich hoffe, wenn ich die Charta der Vielfalt auswendig kann und verstehe wie ein paar theoretische Konzepte funktionieren, sollte der größe Teil funktionieren.

    Planvoll mit dem Staubsauger

    Weil solche spontanen Ausflüge aber besonders viel Spaß machen, haben wir zur Feier unseres Hochzeitstages eine unglaublich schlecht geplante Reise unternommen. – die aber richtig schön klingt.

    Christa Chorherr blickt auf Rätselrallies zurück: Verschwundenes gesellschaftliches Leben

    Den Gedanken hatte ich noch nie, aber er ist treffend: „Für mich ist Teams ein wenig wie ein schlechtes Betriebssystem als Anwendung auf einem mittelmäßigen Betriebssystem.

    Wenn man bei unserem Staubsaugerroboter auf einen Knopf drückt fängt er an zu saugen und fährt dorthin, wo halt Platz ist, und wenn man wieder auf einen Knopf drückt, hört er damit auf. Das ist alles. Umso faszinierter bin ich, was Felix an dem seinen alles rumbastelt.

    Carsten möchte uns nicht mit allzusehr mit seiner gesundheitlichen Beeinträchtigung behelligen. Aber, (klingt das schon fast pietätlos?), ich fühlte mich von der Schilderung gut unterhalten und lernte auch etwas: Woche 11/2026: Alles Gute Und natürlich vor allem gutes Abheilen!

  • 26-03-12 Whisky. Danach auf den Boden legen und Musik hören.

    26-03-12 Whisky. Danach auf den Boden legen und Musik hören.

    Bienen und Schwebfliegen schwirren in der Kornellkirsche. Auch wenn wir theoretisch auf einen Parkplatz schauen wirkt es optisch wie ein Garten. Es ist ein sehr sympathischer Parkplatz.

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    Mir träumte von wilden Abenteuern in einer Ferienwohnung. Diese Wohnung ähnelte stark unserer neuen Wohnung. Was passt: Auch fünf Monate nach Einzug fühlt es sich hier immer noch im positiven Sinn nach Ferienwohnung an. Alles so leicht und hell (und halt auch kleiner) und mit Blick ins Grüne.

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    Die defekten Rolltreppen am Hauptbahnhof/Südkreuz werden langsam ein Berliner Wahlkampfthema.

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    Die Fernuni schickte mir eine erste Einladung zur Absolventen-Ehrung am Campus Berlin.

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    Originellerweise schickt mir die Fernuni auch lauter Einladungen für Studien-Anfangs-Veranstaltungen. Das Sommersemster 2026 wird halt mein erstes offizielles Mastersemester sein.

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    Gastronomische Hyperkorrektur am Café neben dem Büro: „Kalbsschnitzel Wiener Art.“

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    WordPress möchte im Halbtagestakt Updates auf neue Versionen installiert haben. Das ist bei Software ein schlechtes Zeichen. Die Logs sprechen dann auch wenig überraschend von Sicherheitsupdates.

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    Es waren drei Arbeitstage.

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    Was alles in wenigen Stunden eines gewöhnlichen Werktages passieren kann. Einiges wird Nachwirkungen über Monate haben, anderes ging schnell vorbei.

    Karpfenchinkali

    Besonders nett an diesem Werktag war das Kleintreffen der Karpfengruppe. Wie der gesamte Mittwochnachmittag stand auch dieses erstmal unter einem schlechten Stern: Nicht nur sagte die Hälfte der Anwesenden wegen Unwohlsein ab, selbst die als Ort avisierte Resonanz schloß sich an: Heute wegen Krankheit geschlossen.

    Dann aber wurde es schnell besser. Der Georgier direkt gegenüber der Resonanz (Il Ostan) hatte nicht nur geöffnet, sondern auch Plätze in der Abendrestsonne, georgisches Bier und allerlei Teigtaschen mit Kartoffeln, Pilzen, Hack, Käse und Schmand. Ich glaube jemand schwebte vor Freude über Nudeln mit Kartoffeln.

    Ach, diese Chinkali, diese wunderbaren Chinkali.

    Wir redeten darüber dass Informationswissenschaft- und Kommunikationswissenschaft ja nahezu dasselbe sind und Informatik und professionelle Kommunikation damit quasi auch.

    Es ging um Athen und Berlin-Websiten, um den Youtube-Kanal unserer Arbeitgeberin und Gründe, um aus Leipzig wegzuziehen. Außerdem um Geschwindigkeit, so ganz allgemein.

    Ein Teller mit Khinkali und ein Gefäss mit überbackenen Teigtaschen auf einem Tisch,

    Ihr seid Spaghetti!

    Bevor es hätte ausufernd werden können, musste ich aufbrechen. Denn um weiter aus seinem nachmittäglichen Formtief herauszukommen, hatte der Mittwoch einen Film auf das Programm gesetzt.1 Die Spielplandaten von „Ach diese Lücke, diese entsetzliche Lücke“ schwinden. Bevor sich der Film ganz aus dem Kinoprogramm verschwindet, wollten Madame und ich ihn sehen. Es lief Abends im Kant Kino Saal 4.

    Ich testete neue Westberlin-Strecken. Mit der M46 zum Ku’damm, dann ein paar Meter zu Fuß und mit dem X34 die Kant-Straße hinunter, um Madame zu treffen. Eine Stadt, die ich schon ewig kenne, aber auf neuen Wegen mit neuen Perpesktiven – erwähnte ich schon ein gewissess Ferienwohnungs-Feeling in den letzten Wochen?

    Schauspielschulenfilme

    Ach diese Lücke.. ist einfach ein schöner Film. Und wie es sich gehört bei einem Film über eine Schauspielschule, insbesonders ein sehr schön gespielter Film.

    Der Film orientiert sich am gleichnamigen autobiographischen Roman von Joachim Meyerhoff. Er schildert die Zeit wie Meyerhoff von 1989 bis 19922 an der Otto-Falckenberg-Schauspielschule in München studierte, während er gleichzeitig bei seinen Großeltern: einer ehemaligen Filmdiva (Inge Birkmann) und einem emeritierten Philosophieprofessor (Hermann Krings) wohnte.

    Es ist einerseits ein Film über einen jungen Mann, der immer mehr zu sich selbst und ins Leben findet und andererseits über ein altes Paar, das immer weniger wird und am Ende komplett aus dem Leben schwindet; ein Film mit zwei Bewegungsrichtungen zum Leben und im Leben stehend: Lustig, traurig, anrührend, beängstigend, fröhlich.

    Ins Leben hinein

    Diese Doppelbewegung. Da ist der junge Joachim, halb aus Trotz zur Schauspieler kommend, halb aus Überzeugung. Der Joachim, der irgendwie schon dazu gehören möchte, aber sich allem verweigert was irgendwie peinlich, herausfordernd oder seltsam ist.

    Und eine Schauspielschule bietet sehr viele Gelegenheiten für peinliche Herausforderungen. („Jetzt seid ihr Spaghetti! Und ihr fallt in kochendes Wasser!“) Immer in diesem seltsamen Zwischenspiel, dass er eigentlich dazu gehören will – aber nicht so!

    Sehr schön besetzt mit Bruno Alexander, der als einziger Schauspieler einer wichtigen Rolle im Film nie an einer Schauspielschule war – und vielleicht deshalb das Befremden über das Leben dort und auch eine Art des Spiels besonders gut herüberbringen konnte.

    Aus dem Leben heraus

    Hach, und das Paar, die Großeltern (gespielt von Senta Berger und Michael Wittenborn). So aufeinander eingespielt und nach Außen schrullig wirkend wie vermutlich viele ältere Paare. Wir fühlten uns sehr erkannt. Auch wenn wir kein Duo-Gurgeln betreiben oder Punkt fünf zur Schlag zahlreicher Uhren den Whisky öffnen – wahrscheinlich bietet jedes Paar genug Beobachtungen für solche Momente.

    Sie sind hinreißend, wenn sie gemeinsam aber getrennt Gymnastik machen. Oder wenn er, Ordinarius für Philosophie, immer wieder gerne zustimmend wiederholt, was sie gerade gesagt hat. Oder wenn sie, zu Meyerhoffs befremden, erklären, dass sie Musik am besten nebeneinander auf dem Teppichboden liegend hören können und das sofort in die Tat umsetzen. Damit dann der eine oder die andere oder beide nach diversen Champagner und Whisky am Abend vom Treppenlift ins Schlafzimmer gehievt werden.

    Es ist anrührend, wenn man sieht wie die Routinen und Abläufe immer ein wenig weiterschrumpfen, weil es nicht mehr geht. Während gleichzeitig der junge Meyerhoff immer weiter ausgreift, größere Kreise zieht, in die Wellt tritt.

    Wirklich ein schöner berührender Film. Nicht ganz so großartig in Kamera, Ausstattung und Sound wie Hamnet – aber ähnlich großartig gespielt.

    Hit is muchel to seggen all þat pinunge hie on me uuroȝten

    Ein sehr schönes Experiment. Ein durchgehender Reisebericht, der in jedem Absatz sprachlich ein Jahrhundert zurückrutscht. Bei mir kostet es ab 1500 Mühe, ab 1200 bin ich raus.: How far back in time can you understand English? (via The Curious About Everything Newsletter #60)

    Auch über die englische Sprache schreibt Herr Rau. Konkreter vor allem über /æ/, /e/ und /ɪ/: Aussprache-Spiele und -Videos

    Um im Thema der letzten Einträge zu bleiben, legt der Guardian nach: The unbelievable life of Leo Sayer! The songs, the sex, being swindled – and a spooky phone call from Elvis

    Anmerkungen

    1. Yorck Unlimited No. 15 dieses Jahr – 15,86€ pro Besuch. ↩︎
    2. Punktgenau dasselbe Jahr in dem der andere große Schauspielschulenfilm Kleine Haie gedreht wurde. Die beide grundverschiedene Filme sind aber dasselbe Setting haben. Anlass für ein Double Feature. ↩︎
  • 26-03-05 Gefühle zeigen mit dem Zimmermannshammer

    26-03-05 Gefühle zeigen mit dem Zimmermannshammer

    Madame betreut diese Woche Finanzjudoka.

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    Eine Ladung Mehrfachstecker wanderte in den Keller. Nicht nur ist die neue Wohnung sehr viel heller als die alte, was zu einem überraschend großen Klemmlampenüberschuss führte, auch hat sie viel mehr Steckdosen an besseren Positionen, was den Bedarf an Mehrfachsteckern senkt.

    Auch noch Umzugsnachbereitung: Die Vasen erblickten wieder das Tageslicht.

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    Im Baz-Luhmann-Interview zu Elvis las ich den Satz: Even early on he had sideburns and was wearing makeup at school — it was coming out of his inventive mind. He was bullied a lot. Und spontan dachte ich an jemand Anderen, der immer zu anders und geschminkt und zu exzentrisch war, und dem Leute sagten, er könne nicht singen – Daniel Küblböck. Der Elvis seiner Generation?

    Auch entdecke ich inzwischen, dass Bob Dylan ein rieser Elvis-Fan war. Das Hören von Heartbreak Hotel beschrieb Dylan als lebensverändernd. Wobei ich von Dylan noch weniger Ahnung habe als von Elvis. Aber ich lernte gleich mit: Es gibt ein Dylan-Album Highway 61, dass der Straße von Dylans Heimat Minnesota in den Süden nach Memphis und Mississippi gewidmet ist.

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    Im Bus vor spielte jemand Stereotyp eines jungen Mannes von heute, indem er wechselnd einen Poker-Livestream auf seinem Handy betrachtete und eine Börsenseite öffnete.

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    Im Südkreuz wurden die Rolltreppen natürlich nicht repariert. Dafür tauchte ein weiteres Schild mit einem Hinweis auf, dass die Rolltreppen wirklich, wirklich kaputt sind.

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    Es waren drei Arbeitstage mit Kinointermezzo.

    Nur ein klitzekleiner Dauerauftrag

    Bevor die Wegelagerer zur Rettung flauschiger ausgebeuteter Babies vom Südkreuz abzogen, raffte ich mich doch noch zu einem Gespräch mit ihnen auf. Wozu habe ich im Leben eine fünfstellige Zahl an Telefonaten mit Menschen geführt, die dringend und aufgeregt etwas von mir wollten, wenn nicht für solche Momente? Ich setzte mich also innerlich gerade hin, ging in den Modus „Jedes Gespräch ein Tanz – und ich führe“ und ließ mich ansprechen.

    Die Dame am Stand sagte ihre Sprüchlein auf, ich sagte meine Sprüchlein auf. Und je nach meiner Lust mal schneller oder langsamer lenke ich das Gespräch dahin, dass die Spendensammlerin meinen flauschigen ausgebeuteten Babies etwas wegnehmen müsste, um es ihren flauschigen ausgegebeuteten Babies zu geben.

    Dann gibt es zwei Möglichkeiten: (1) Die Person erkennt, dass sie verloren hat. Sie verlässt den Verkaufsmodus und dann führte ich schon echt nette spannende Gespräche mit den Leuten an solchen Ständen. Viele sind ja happy, wenn überhaupt mal jemand freundlich zu ihnen ist. (2) Oder die Person erkennt es nicht und fängt an, gegen meine flauschigen ausgebeuteten Babies zu argumentieren. Dann muss ich leider kurz unhöflich werden und das Gespräch beenden.

    Hallo Greenpeace, Eure Spendensammler gehörten leider zur zweiten Kategorie. Schlechter Stil.

    Es ist die Kornellkirsche und nicht die Lärche

    Der Strauch enttarnte sich.

    Seitdem wir im Dezember einzogen, schauten wir auf einen Baumstrauch vor unserem Fenster. Flapsig als „Baum“ bezeichnet, auch weil er ein paar Meter hoch ist, war angesichts der Wuchsform schon früh wahrscheinlich, dass dort ein großer Strauch steht.

    Aber welcher? An der leeren Pflanze, nur Rinde ohne Blätter oder Blüten konnten wir es nicht erkennen.

    Bis Madame die Tage auffiel, dass die sehr hellgrünen Knospen bei näherer Betrachtung schon beginnende Blüten waren. Die wurden etwas größer und gelber und offenbarten ihre ganze Pracht.

    Es ist eine Kornellkirsche: ein in Deutschland auch wild vorkommender Strauch, der im Vorfrühling blüht – wie wir sehen können – wichtige Insektenweide und später mit seinen „Kirschen“ Vogelfutterstrauch. Ein belebter Strauch, der einen Großteil des Jahres über Farbe, Insekten und Vögel direkt vor das Fenster bringt.

    Sehr sympathisch.

    Ausschnitt einer blühenden Kornellkirsche in der Sonne

    entreiß dich seiner Hand wie eine Gazelle, / wie ein Vogel der Hand des Jägers!

    Im Kino1. Mit mir zusammen waren lauter Menschen, die beim originalen Filmrelease 2003 von Oldboy noch weit jenseits der zulässigen Altersgrenze für diesen Film waren.

    Einfach nur fühlen

    Vor dem Film kam eine Werbung für einen anderen Film: Quentin Tarantinos Kill Bill kommt in einer ungeschnittenen Version zurück in die Kinos. Ich dachte beim Sehen gleichzeitig: „Kill Bill ist so unfassbar cool.“ und „Ich hab echt keine Lust mehr auf cool inszenierte Gewalt.“

    Ein wenig befürchtete ich, auch in meiner aktuellen Vorstellung in genau so einem Film gelandet zu sein: Park Chan-wooks Oldboy ist ein von vorne bis hinten durchchereographierter Film mit einem Gewaltlevel am Anschlag.

    Und doch ist er kein bißchen wie ein Quentin-Tarantino-Film.

    Bei Park ist die Gewalt nie Form. Sie ist Ausdruck des Inneren Schmerzes. Und der ist in diesem Film hoch. Wo in der Oper eine Arie gesungen wird, um den Gefühlen Ausdruck zu verleihen, greift hier Protagonist Oh Dae-su zum Zimmermannshammer um seinem Gegenüber methodisch die Zähne zu ziehen.

    Ein Stop in der Handlung; reine gestaltete Emotion. Keine schöne Emotion, aber innerer Ausdruck.

    Der ganze Film ist überbordend wie eine Oper, surreal und phantastisch wie eine Mischung aus Kafka und griechischem Götterspel: Die dunkle Oper Lady Macbeth von Mzensk letzte Woche war eine gute Vorbereitung, ich verließ das Kant Kino ähnlich durchgemangelt wie letzte Woche das Schillertheater.

    15 Jahre lang Teigtaschen

    Der Film beginnt mit dem koreanischen Geschäftsmann Oh Dae-su (gespielt von Choi Min-sik), der am Geburtstag seiner kleinen Tochter stockbetrunken auf der Polizeiwache festgehalten wird. Nachdem er diese endlich verlassen kann, wird er entführt und findet sich in einer wohnungsartigen Gefängniszelle wieder.

    In dieser Zelle verbringt er 15 Jahre ohne zu wissen warum. Von seinem besten und einzigem Freund in der Zelle, dem Fernseher, erfährt er zwischendurch, dass seine Frau ermordet wurde. Eines Tages findet er sich genauso unerklärlich in der Freiheit wieder wie er vorher aus dieser Verschwand.

    Nach seiner Freilassung versucht Oh Dae-su Graf-von-Monte-Christo-artig Rache an seinen Peinigern zu nehmen. Ohne zu wissen, dass diese schon Graf-von-Monte-Christo-artig Rache an ihm nehmen.

    Dabei ist in der Konstellation sein Peiniger Lee Woo-jin (Yoo Ji-tae) eine Art griechischer Gott, der zwar voll innerem Schmerz ist, aber in dieser Situation unangreifbar allesbeherrschend, während Oh Dae-su den kleinen Sterblichen darstellt, der all eine Kraft, Emotion, Schmerz, Wut aufbietet und doch nur durch das Labyrinth rennt, dass Lee Woo-jin für ihn gebaut hat.

    Oh Dae-su ist jemand, der den Geburtstag seiner Tochter betrunken auf der Polizeiwache verbringt – nicht unbedingt sympathisch, sicher kein Übermensch, aber voller Drang und Gefühl. Er steht einem Gegner gegenüber, der 15 Jahre komplett durchgeplant hat.

    „Du stellst die falschen Fragen: Die Frage ist nicht, warum jemand dich 15 Jahre eingesperrt hat, sondern warum du nach genau 15 Jahren freigelassen wurdest?“

    So sehen wir Oh Dae-su, verzweifelt auf der Suche nach dem Grund und Lee Woo-jin verzweifelnd an dem Grund, wie sie sich in den Abgrund treiben.

    No-brainer. Ein Lob der Bürokratie.

    Was ich richtig schön finde: Während des Kopierens sieht man ja Dateinamen vorbei huschen. Und während bei mir da voll wichtiger Scheiß wie „Socialmediakonzept Weihnachtskampagne 2007“ oder „Rebriefing wichtiges Vorgespräch Dezember 2011“ durchläuft, synchronisiert gerade der Schul-Ordner der Liebsten: „So lebten Oma und Opa“, „der Igel“ oder „Zahlenraum bis 20“. Ein no-brainer, was da eigentlich wichtiger ist.

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    Karen erst als Grenzgängerin auf Zypern, wenig später mit der Bunker-App.

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    That one XKCD thing, now interactive

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    KI für Fortgeschrittene: Support-Tickets durchsuchbar machen mit RAG-Search – eine Anleitung

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    Den neuen Jim Jarmusch sehen oder nicht? Ich liebe Jarmusch-Filme, finde aber den Trailer sehr abtörnend. Christian hat offenbar ein komplett anderes Verständnis von Filmen als ich und findet ihn gut.

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    Viele vermeintliche Kämpfer für die Meinungsfreiheit sind ihre größten Gegner. Die Debatte um sogenannte Blasen ist auch schon lange kontraproduktiv. Und Wolfram Weimer macht wieder Wolfram-Weimer-Sachen.

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    Auch war die estnische Justizministerin und Ministerin für Digitales vor Ort, die über die Wandlung der estnischen Verwaltung referierte. Dabei sagte sie so lustige Sachen wie: „Wir lieben Deutschland wegen der Regeln und wegen der Bürokratie!“ Und das meinte sie vollkommen ernst. Sie hätten nach der Unabhängigkeit von der Sowjetunion das deutsche Justizsystem nämlich 1:1 kopiert, und darauf aufbauend war es ihnen möglich, verbindliche Regeln für ihre IT-Systeme zu entwickeln. Sie sagte, unsere Bürokratie sei nach wie vor super, es ginge nur alles etwas langsam.

    Anmerkungen

    1. Yorck Unlimited No. 13 – 18,31€ pro Kinobesuch. ↩︎