Schlagwort: Polizei

  • 25-01-23 Am Abschlusstag der Berlinale ist Bundestagswahl

    25-01-23 Am Abschlusstag der Berlinale ist Bundestagswahl

    Chemnitz feiert sich als Kulturhauptstadt Europas. Alles was ich davon höre, bestätigt, warum ich Chemnitz so feiere (derzeit dauerhaft, unabhängig von Auszeichnungen).

    Ein Family Office kaufte die Kaiser-Richard-Passage in Schöneberg von einem anderen Family Office. Wir hoffen, dass das neue Family Office keine großen Pläne hat und vor allem den Blumenladen am Platz belässt.

    Unser Büronachbar Amadeus Fire hat ein neues Logo. Es sieht so aus, als hätte ich mir ein paar Klebebuchstaben bei Basteln Spielen Schenken gekauft, und beim Aufkleben wären die auch noch kaputt gegangen.

    Der Briefträger hatte weniger Lust als im Dezember. Vielleicht war auch das Trinkgeld nicht gut genug. Bei uns im Hausflur fand sich auf die Briefkästen gestapelt eine komplette Briefladung für das Hinterhaus und ein großes Paket zum Mitnehmen für das Hinterhaus.

    Irritierend: Das große Paket bestand offensichtlich aus 15 zusammengefalteten kleinen Paketschachteln, die in einer Folie zusammengepackt wurden.

    Der neue Brotschmortopf hat sich eingebrotet: Seine Erzeugnisse werden von Woche zu Woche besser.

    Die Deutsche Bahn beschloss den Berlin-Fernverkehr heute in Teilen exklusiv über Spandau abzuwickeln. Und so musste Madame erst einmal nach Spandau reisen, bevor sie in den ICE 279 nach Basel Bad steigen konnte.

    Zwei aufdringliche Haustürdrücker versuchten dem Kaptain einen neuen Gas-Vertrag aufzuschwatzen. Deutlich wurde das erst als sie sich an allen Anwesenden vorbei ins Wohnzimmer gedrängt hatten. Zum Glück konnte der Kaptain sagen „Ich habe keine Unterlagen. Das macht alles mein Sohn.“, und daran kamen sie auch nicht vorbei.

    Passend dazu hat der echte Gasversorger in Dithmarschen die Preise um 20% erhöht. Es scheint aber auch nichts wirklich Besseres zu geben gerade.

    Die zweite gelochte Silversterraketenscheibe ist ausgetauscht. Jetzt fehlt halt noch das Dach. Das fehlt aber auch schon seit August.

    Über meinem Kopf kracht und rumpelt es. Der Vermieter ist sicher, dass der sich vergrößernde Riss in der Decke nur ein kosmetisches Problem ist. Eigentlich halte ich ihn in dieser Hinsicht für kompetent.

    Noch an der Wand: die Silvesterraketen-Explosionsspuren. Sollten wir die Wand neu streichen oder lieber die Spuren einfach Einrahmen und sie zu Kunst oder Mahnung oder so erklären?

    Zu unserer leichten Überraschung ermittelt die Polizei noch in der Cause Silvesterrakete. Sie rief mit ein paar Fragen an. Ich wette weiterhin, dass man den Täter mit ein paar Wochen Instagram/TikTok-Sichtung finden würde. Aber wer hat dafür Zeit und Kompetenz?

    Spannende Sachen passieren noch im Büro. Aber das sind derart ungelegte Eier, dass wir noch darüber reden wie wir den Eierlegeprozess planen können.

    Madame ist gen Basel unterwegs. Wenn ich in mich höre und frage, wozu ich die sturmfreie Bude nutzen könnte, höre ich ein deutliches „Schlafen.“ Mir reichen Hagen-Nachwehen, Eierlegeplanung plus Alltagsgeschäft plus vermutlich eine untergründige Erkältung, um mich ziemlich auszuknocken.

    Und natürlich das übliche Problem: Weihnachten ist vorbei. Neujahrsaktivitäten sind vorbei. Und immer noch sind ein paar Monate Winter übrig.

    Für Berlin gilt die Regel: Egal wie frühlingshaft es sich zwischendurch anfühlt: Der Winter kann nicht vorbei sein, bevor die Berlinale vorbei ist. Denn diese wird zielsicher in die kältesten Tage des Jahres gelegt.

    Habeck oder Baerbock? – Baerbock.

    Gerne teile ich einen Aufruf aus vertrauenswürdiger Quelle:

    Wie kann man dem #Populismus Kontra geben? Mit Rede- und Führungsfähigkeiten! Die vermitteln #Toastmasters seit 100 Jahren. Ich will jetzt einen Club gründen, der sich an junge Leute in Politik und Zivilgesellschaft richtet.Stimmen für Morgen Toastmasters Berlin

    Madame empfiehlt den Alles-gesagt-Podcast mit Friedrich Merz. Er wird einem nicht unbedingt sympathisch – aber vieles was er macht, ergibt mehr Sinn. Auch erstaunlich – und merztypisch – für einen Berufspolitiker legt er sich erstaunlich oft auf Aussagen fest.

    Um 2000 habe ich in Schleswig-Holstein Politik gemacht. Es gab immer wieder Überschneidungen mit Hamburg. Und GENAU SO war Hamburger linke Politik schon vor 25 Jahren:

    Am 11. Januar [wurde] Bijan Tavassoli als [BSW-]Gegenkandidat für [den-Wagenknecht-Favoriten} vorgeschlagen.. Doch Tavassoli hatte am Vormittag ein Hausverbot vo[m] Veranstalter … bekommen und im Anschluss von der hinzu gerufenen Polizei einen Platzverweis.. Nachdem am Nachmittag der Veranstalter aber erneut beim Kommissariat erschienen sei und erklärte, dass jener 33-Jährige „seitens des Veranstalters fälschlicherweise von der Veranstaltung ausgeschlossen worden war“, hätte die Polizei versucht, den Mann von dem „nunmehr hinfälligen Platzverweis“ in Kenntnis zu setzen, ihn aber nicht erreicht … Als Tavassoli gegen 17 Uhr am Veranstaltungsort eintraf, wollten die Türsteher ihn wieder nicht einlassen. Der Veranstalter teilte mit, die Wahl sei schon gelaufen.

    GENAUSO. Alles fließt, aber das bleibt gleich.

    Pikachus Frühsport: Rajio Taisō

    Wer politischen Content haben will, der mir auf den ersten Blick sinnvoll erscheint: Weltgeschehen und gute Laune

  • 24-06-13 Pi Sigma Bowtie

    24-06-13 Pi Sigma Bowtie

    Die Gerüste sind verschwunden. Das Über-dem-Bordell-Mural entpuppte sich als Nike-Werbung.

    Länger – Monate schon – sind die Gerüste am Hinterhaus verschwunden. Bauarbeiten sind keine mehr zu erkennen. Der ausgebaute Dachboden steht weiterhin leer.

    Entweder der Investor hat so viel Geld, dass er den Markt auswarten kann. Oder er hat so wenig Geld, dass es für Wasser- und Stromanschluss nicht mehr reicht.

    Im ähnlichen Limbo befindet sich das Hoftor. Das ist seit einem Monat halb montiert, die Farbe grundiert aber das Tor nicht gestrichen. Es wird seitdem nicht mehr angefasst.

    In diesem Haus stellt das kein überraschendes Vorgehen dar. Nur wirkten die Handwerker, die die erste Hälfte ablieferten, ungewöhnlich kompetent. Aber vielleicht war mit einem halben Hoftor auch das gute Handwerkerkarma für 2024 aufgebraucht.

    Noch ungewöhlicher: Obwohl das Tor weiß grundiert ist, hat seit einem Monat noch niemand ein Griffito am Tor angebracht. Ich zweifle an Schöneberg Central. Wenigstens wurde die nächtliche Lungerei im Hinterhof wieder eröffnet.

    Mir träumte, ich wäre bei einer Wikipedia-Konkurrenz aktiv. Leider wurden uns die Server abgeschaltet und wir mussten unter Zeitdruck alle Daten sichern.

    Katherine Ryan gewann die zweite Staffel von Taskmaster. Greg Davies, der Taskmaster, spielt die Rolle des Tatortreinigers in der englischen Tatortreiniger-Adaption The Cleaner.

    Beinschlitz ist der diesjährige Trend bei Abiball-Kleidern.

    Die Gurkenernte im Spreewald hat begonnen. Es beginnen die jährlichen zwei Wochen ultimativer Brandenburgküche: Frischer Spargel mit frischen Spreewaldgurken.

    Die Bahnstrecke Richtung Latifundien soll ausgebaut werden. Jetzt wirklich und ehrlich. Indianerehrenwort.

    Der Alltag bietet diese Woche überraschend viel Interaktion mit dem politischen Geschehen. Nach Wahlhilfe bei der Europawahl und nach die-Polizei-schützt-unser-Haus-vor-der-Palästinademo nun Staatsbesuch und Ukrainekonferenz.

    Einmal mit dem Fahrrad quer durch die Polizeiabsperrungen. An jeder Kreuzung hier mindestens zwei Polizeiwannen mit Kennzeichen aus Nordrhein-Westfalen und Hamburg. Ein epischer Stau durch komplette Stadtteile. Kaum S-Bahn. Kolleg*innen, die über Stunden auf dem Weg zur Arbeit verschollen waren.

    Nur ich fuhr mit dem Fahrrad am Stau vorbei. Es erfreut mein kleines schadenfrohes Herz bei jedem Anlass.

    Aus einer Wohnküche heraus schaute ich auf die Paul-Gerhardt-Kirche. Der Blick sorgt für ziemlich viel Fragen auf Aufregung.

    Eine Website weist mich darauf hin, dass meine Kreditkarte demnächst abläuft. Es wird ein großer Spaß werden, diese an passenden und unpassenden Stellen zu ersetzen.

    Permutieren

    Neben der Teilnahme am Weltgeschehen gelang es mir, ein paar Seiten Fernuni zu bearbeiten. Das Modul Sicherheit im Internet und Datenbanken erreicht den Teil Datenbanken. Und kaum hab ich mal fünf Seiten am Stück unkonzentriert gelesen, schon fand ich mich inmitten höherer Mathematik wieder.

    Endlich wieder neue Symbole. Endlich Bowtie.

    \(\bowtie \)

    Also zurück, sorgfältiger lesen. Ganz so schlimm ist es nicht mit der Relationalen Algebra. Aber ich war ganz froh über die diversen Mathemodule der letzten Semester, die mich viel über die formale Denkweise dahinter lehrten ebenso wie über die Notation.

    Faszinierend. Ich mache noch an einer anderen Uni einen kommerziellen SAP-Kurs. Während der SAP-Kurs auf der Oberfläche arbeitet und erklärt, welche Schalter welche Module wie aktivieren, kommt der Hagener Datenbanken-Kurs vom anderen Ende: „Nun stellen wir uns mal ganz dumm: Was ist eine relationale Datenbank?“

    Man muss das Thema einkreisen.

    Antreten und zählen

    Lin trat in Magdeburg für die SPD an.

    Hotel Mama streikt in Berlin.

    Ilka ging in Skandinavien nicht schwimmen.

    Sieglinde Geisel in der FAZ bespricht den weissrussischen Roman Europas Hunde von Alhierd Bacharevičs. Ich bin interessiert.

  • 24-01-23 Perleberg steht auf. Berlin sucht die Demo.

    24-01-23 Perleberg steht auf. Berlin sucht die Demo.

    Cora Schumacher (Dschungelcamp), die Buffalo Bills (NFL-Playoffs) und Ron DeSantis (US-Präsidentschaftswahl) sind raus.

    Der Gemeinderat von Norderwöhrden/Dithmarschen (290 Einwohner) stimmte mit 4:3 dem Bau einer Batteriefabrik für 4,5 Milliarden Euro zu. Und in seinem Ablauf ist das schon etwas absurd.

    Madame und ich gingen zur Antifa-Demo und saßen danach auf dem Sofa fernsehen. Wie so ein altes Ehepaar.

    Wir entließen den roten Fundstuhl in die Freiheit.

    Mächtig, gewaltig

    Madame bereitete Gans. Im Januar. Im Januar gibt es keine Gänse.

    Erster Versuch beim Spargel- und Gänsehof, dessen weidende Gänseherde wir regelmäßig passieren. Auskunft dort: „Nach Weihnachten gibt es keine Gänse mehr.“

    Zweiter Versuch: Der „Geflügelfleischer“ der Nachbarschaft, der problemlos Fasane, Wachteln, Tauben, französische Schwarzfußhühner, Mandarinenten und Amselzungen besorgen kann: „Gans. Januar. Hmm, hmmm, hmm. Schwierig.“

    Schließlich gelang es dem Geflügelspezialisten, eine tiefgekühlte und vom Fachmann im Kühlhaus aufgetaute „Weidegans aus dem grünen Oldenburger Münsterland“ aufzutreiben. Madame bereitete in einer 2-Tages-Aktion zu.

    Das genaue Rezept samt Schnickschnack, Füllung und Sauce steht auf dem Rezeptblog, low-n-slow. Das wichtigste:

    • Gans, 4,3 Kilogramm
    • 1 – Eine Stunde im Backofen bei 220 Grad garen.
    • 2 – Dann 8 Stunden über Nacht bei 80 Grad im Backofen schmoren.
    • 3 – Herunterkühlen lassen auf Transporttemperatur
    • 4 – Mit dem Subaru-Gänsetaxi nach Friedrichshain kutschieren
    • 5 – Bei 180 Grad 30 Minuten wieder heiß machen
    • 6 – Bei Heißluft überknuspern

    Die Schritte 3 bis 5 sind optional.

    Ein nachgeholtes Gebutstagsgeschenk bot sich als Anlaß an. Wir redeten vom Business (Ablauf von Bewerbungsverfahren, internationaler Lizenzhandel, „Immer dieses Connecten!“), von Familiärem und von Jonglierkursen. Dann Antifa.

    U-Bahn voll und trotzdem da: Die Fußgänger-Antifa

    Die schlechte Nachricht vorweg: Offensichtlich habe ich in meinem Leben an zu vielen Antifa-Demos bei gleichzeitiger Anwesenheit von Nazis teilgenommen: Seitdem ich am Wochenende Demofeeling hatte, hängt mein Hirn auf Dauerschleife. Es grölt ununterbrochen: „Hier! marschiert! der nationale Widerstand!“. Das ist unschön. Vielleicht ist es auch nur die Erkältung.

    Interessant: Bei etwa 100.000 Menschen scheint die Belastungsgrenze deutscher Großstädte für spontane Versammlungen erreicht. Hamburg und München brachen wegen Überfüllung ab. Berlin hatte mit dem Platz der Republik, dem Bürgerforum, dem Brandenburger Tor mit Pariser Platz, der Straße des 17. Juni, der Straße Unter den Linden und dem Tiergarten noch viel Platz für Menschen. Nur gelangten die Menschen nicht mehr bis dorthin.

    Beeindruckend: Wir versuchten um 15:30h an der Samariterstraße (6 Kilometer Luftlinie und 10 U-Bahnstationen vom Demo-Ort entfernt) zur Demo zu gelangen. Der gesamte Bahnsteig war voll mit Menschen, halt so wirklich aus der Nachbarschaft in jung und alt, viele Familien, spontan selbst gebastelte Plakate und eine einfach positive Stimmung. Die wenigen Plätze, die in den hereinfahrenden U-Bahnen noch quetschbar waren, waren stets schnell gefüllt. Wir hatten keine Chance, in eine der Bahnen zu gelangen.

    Also antizyklisch noch ein paar Stationen aus der Stadt herausgefahren, ausgestiegen, wieder in die richtige Richtung eingestiegen und am Brandenburger Tor aus der U-Bahn geworfen worden. Dort wurde es unübersichtlich. Es war so viel Demo und so viele Menschen unterwegs, dass nicht so ganz klar, wo die Demo war.

    Gut, dass wir so den Weg vom Brandenburger Tor zum Reichstagsgebäude kennen. Der Plan „Folge-den-Menschen-die-so-aussehen-als-würden-sie-zur-Demo-gehen“, wäre nicht aufgegangen. Denn sie waren überall, und sie bewegten sich in alle Richtungen.

    Menschen mit Postern strömten durch den Tiergarten, kamen vom 17. Juni oder aus Richtung Potsdamer Platz. Andere waren am Gehen. Gegen 18 Uhr gingen wir wieder und immer noch kam ein Strom neuer Demonstrant*innen herangelaufen. Bis zur Museumsinsel (etwa zwei Kilometer östlich der Demo) waren alle U-Bahn-Stationen außer Betrieb genommen. Bis dorthin war die gesamte Straße Unter den Linden für den Verkehr gesperrt, denn den Platz benötigten Demonstrat*innen auf Hin- oder Rückweg.

    Ich traue mir nicht zu, zu schätzen, wie viele Menschen gleichzeitig vor dem Reichstag standen. Aber ich habe den Eindruck, dass zu jedem gegebenen Zeitpunkt ein Vielfaches an Menschen durch die komplette Innenstadt zog, entweder auf dem Hin- oder Rückweg zur Demonstration.

    Menschenmenge auf dem Weg durch den Tiergarten
    Nicht die Demo, sondern einer der Zugangswege durch den Tiergarten.

    Sticken gegen Nazis

    Gesehen: Leuchtplakate (sei es Plakate mit Lichterketten oder von innen beleuchtete Lichttafeln mit ‚Nie wieder ist jetzt‘-Aufschrift); ein Plakat „Darkroom links gegen rechts.“ Flaggen, die aus Metall-Brandschutzdecken bestanden; ein Plakat „Merz ist mitgemeint“; „Wir sind mehr“, „Wir sind das Volk“; der obligatorische Brezelverkäufer hatte seinen Bauchladen anlaßgemäß geschmückt.

    Premiere: Eine Mini-Demo in der Demo gegen die Demo. Etwa 20-30 Personen mit Palästina-Flaggen, deren englischen Transpis nach sie vor allem dagegen demonstrierten, dass die ganzen Anti-Nazi-Demonstranten nicht auch zur Free-Palestine-Demo kommen.

    Premiere: Meine erste Großdemo bei der ich keine Hubschrauber hörte. Später sahen wir verschiedene Drohnen weit über dem Gelände fliegen.

    Unfassbar: Mehrere ältere Damen hatten ein bettlakengroßes Demo-Transparent mitgebracht, nicht bemalt sondern bestickt war. Ich hoffe, ein*e Museumskorator*in hat das gleich für die Nachwelt gesichert.

    Vor allem aber: So viele Menschen, die so wirkten als wären sie komplettemang aus den Bussen, Bibliotheken, Supermärkten der Gegend gekommen.

    Noch beeindruckender: Allein in Cottbus waren so viele Menschen auf der Straße wie der Bauernverband letzte Woche bundesweit nach Berlin organisieren konnte.

    Mein Herz erwärmend: Die Prignitz ist wunderschön. Vor allem auch, weil es die menschenleerste Gegend Deutschlands ist. Wenn ihr eine Deutschlandkarte seht, auf der zum Beispiel Straßen, Bahnstrecken, Mobilfunkmasten, Schwimmbäder, Kneipen et cetera eingezeichnet sind – dann ist in diesen Karten oben rechts ein großes Loch sichtbar, in dem sich gar nichts befindet. Das ist die Prignitz.

    In dieser Prignitz, in Perleberg, 600 bis 1000 Menschen demonstrierten. Wow! Ich habe Zweifel ob an einem normalen Samstag überhaupt so viele Prignitzer ihr zu Hause verlassen.

    Wohnungsdetektive

    Der Filmflötist bekam eine Eigenbedarfskündigung. Nachdem er seit 1944 in derselben Straße und seit 1971 im selben Haus wohnt. Anscheinend kann seine Eigentümerin (die derzeit zur Miete in einer anderen Berliner Wohnung lebt) sich Miete und Nebenkosten ihrer aktuellen Wohnung nicht mehr leisten. Ebenso typisch wie bitter.

    Der Berliner Wohnungsmarkt ist wild. Deshalb vielleicht hilfreich: der Berliner Mieterverein empfiehlt eine*n Detektiv*in bei Eigenbedarfskündigung: Vorgeschobener Eigenbedarf: Profi-Detektiv hat meistens Erfolg

    Die Presse in der Nachbarschaft: Wie ein Eigentümerkollektiv politisch aktiver international anerkannter Architekt*innen, Künst­le­r*in­nen und Ku­ra­to­r*in­nen in der Schöneberger Ebersstraße versucht, ihre Mieter aus deren Wohnungen herauszuekeln. (Erinnert mich tatsächlich an die Zustände teilweise hier im Haus, nur dass unsere Ex-Eigentümer deutlich schlechter organisiert waren): Mie­te­r*in­nen nicht erwünscht.

    Ist das ein Grammophon?

    Frau Herzbruch mit Demoneid.

    Karen fährt weiter Bahn: Turku-Warschau mit dem Zug: (4) Kaunas-Warschau. (Wobei ich den Warschauer Bahnhof ja auf seine spezielle Art sehr mochte).

    Die Lage zwischen der Hamburger Wikipedia-Community und Wikimedia Deutschland ist so verfahren, dass es schon zu einem gemeinsamen Statement kommen musste.

    Pavel Richter, ehemals Geschäftsführer von Wikimedia Deutschland (und in der Funktion auch einige Zeit Vorgesetzter meines Vorgesetzten), macht zukünftig vielleicht Paid-Editing auf Wikipedia-Diskussionsseiten: Benutzer:Pavel Richter (Consolvi GmbH)

    Die seltsamen 50. Geburtstage: A friend of mine manages an event place in Scotland, and they’ve banned 50ths. Hen nights, stag dos, 40ths, no problem: but some combination of the manic nihilism that sweeps over people and the middle-aged mal-coordination that crept up on them leads to a wild amount of breakage.

    Anderswo in Berlin: Trauer um den Hertha-Präsident: Das ganze Stadion war in schwarz gekleidet. Nur einzelne verteilte hellblaue Tupfer jener Menschen, die Kays sogenannte Präsidentenjacke trugen, jene Jacke, die er trug, als wir ihn vor anderthalb Jahren ins höchste Amt unseres Vereines wählten. Es wurden keine Banner der Fanclubs und Fangruppen gehängt, keine Fahnen, nichts. Nur ein langes, schwarzes Banner unten im Umlauf.

    Falls jemand Demoblogberichte aus Nicht-Berlin-München-Hamburg-Köln kennt, gerne in die Kommentare.

  • 23-01-06 Eins, zwei Polizei

    23-01-06 Eins, zwei Polizei

    Kollege P möchte am Montag beim Strategieworkshop mit nacktem Oberkörper einradfahren und dabei mit vier Bällen jonglieren. Vielleicht habe ich aber auch etwas falsch verstanden.

    Madame setzte ihre Forschungreihe zu Fahrradmonteur:innen fort.

    Ich bin zu wochen-end-müde für Integralrechnung (und recht optimistisch für die Zeitplanung meine Einreichaufgaben), so dass ich mir einen freien Abend gönne. Während Madame weiter The Crown schaut, las ich in Granta und finde, die heute gelesene Kurzgeschichte hat zuviel Berghain-Bezug.

    Es war der Tag der zwei Polizeieinsätze:

    Polizeiwagen steht zwischen zwei Bürohäusern. Spätabends, es hat geregnet, künstlicher Lichter spiegeln sich, im Hintergrund ein Sonnenuntergang.
    Dieser Polizeiwagen hat mit keinem der Einsätze zu tun, stand aber dekorativ herum.

    Morgens, auf dem Weg Richtung meiner üblichen Klimakleberautobahnabfahrt denke ich noch: „Keine Polizei bewacht die Abfahrt. Wie seltsam“, während mich ein Kleinbus mit Blaulicht wild überholt und die dort schon klebenden Mitglieder der letzten Generation umschwärmt.

    Ich unternehme ja zwangsläufig eine Langzeituntersuchung dieser Abfahrt. Und nur wenn ich beim Vorbeiradeln denke „Naja, keine Polizei heute?“ oder „Nanu, das ist wenig Polizei“ wird die Abfahrt später beklebt. Was ein unglaublicher Zufall sein kann. Oder sie haben Quellen in der Polizei. Oder die letzte Generation hat Spähposten, die alle in Frage kommenden Stellen abfährt und Meldung an die Zentrale gibt.

    Polizeieinsatz Nummer 2, Rückweg: Ich stehe an einer roten Fußgängerampfel. Plötzlich will neben mir eine Jugendliche auf Leih-E-Roller über die Straße fahren, fährt aber leider in die Fahrertür eines vorbeifahrenden Kleinwagens. Roller strauchelt, Kleinwagen fährt weiter. Direkt hinter dem Kleinwagen eine Polizei, die sich erstmal erkundigt, ob jemand verletzt ist. (Nein, alle okay.) Doppelzweifel an der Menschheit: warum fährt man mit seinem E-Roller orthogonal bei Rot auf eine stark befahrene Straße? Warum hält man mit dem Auto nicht an, wenn einem gerade ein E-Roller in die Tür geraten ist? Dem/r Fahrerflüchtigen wünsche ich auf jeden Fall eine verbeulte Tür.

    Deutlich drastischer als Polizei geht es bei Geheimdiensten zu. Dawn (Democracy for the Arab World now) berichtet, dass 2020 zwei Wikipedia-Administratoren Ziyad al-Sofiani und Osama Khalid aufgrund ihrer Wikipedia-Tätigkeit zu acht bis 32 Jahren Gefängnis in Saudi-Arabien verurteilt wurden. Es liegt nahe, dass die Geschichte mit den 16 überraschend durch die Wikimedia Foundation gesperrten Wikipedia-Accounts zusammenhängt. Die Wikimedia Foundation allerdings gibt nur extrem kurz angebundene und kryptische Statements zum Thema ab.

    Abendessen: Pan Haggerty mit Wirsing nach Miss South. Erstaunlich, dass der Slow Cooker aus so simplen Zutaten (Sellerie, Kartoffeln, Roter Beete) soviel Aroma herauszaubern kann.