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  • 26-02-05 Rammstein. Ein Film platzt. (The photographers room, Kaunas)

    26-02-05 Rammstein. Ein Film platzt. (The photographers room, Kaunas)

    Im Antiquariat Bücherkeller neben unserer alten Wohnung hängt ein Schild Betrieb ruht. Leider aber erwartbar gestaltet sich die Suche nach einem Nachfolger für die Antiquariatsführung schwierig.

    Auch der zweite Versuch mit einem Festnetztelefon gestaltet sich kompliziert. Nachdem Telefon Nummer eins nicht mit der Fritzbox reden mochte, fehlten bei Nummer 2 die Akkus in der Packung. Das ist an sich ein behebbares Problem. Nur nicht jetzt, wo mensch, außer in Notlagen, nicht in die Eislandschaft Berlin hinausgehen mag.

    Crack tut nicht gut. Anschauungsbeispiele sieht Madame leider reichlich derzeit an den Schöneberger U-Bahn-Stationen. Ausgerechnet erblickt bei der Rückkehr von Kirchenchor und solidarischem Gemüse im gut bildungsbürgerlichen Bayerischen Viertel. Bei Minus zehn in kurzer Hose, jegliches Temperaturempfinden schon lange zerstört.

    Nachdem ich Madame die Haustür geöffnet hatte, roch ich, dass es wieder Kimchi gab; der deutlich besser schmeckt als er riecht, Zeit wieder Raclettekäse zu besorgen.

    Um 5:50h stand ich in der Tür, wollte Schnee schippen und stellte fest, dass der Schnee sich in Eisregen verwandelt hatte. Dann lieber umkehren, in der Hoffnung, dass eine Crème-Brûlée-Konsistenz des Schneeeises besser zu handeln ist, als reines Eis auf glattem geräumten Weg.

    Es gibt keine Hotels in Travemünde mehr. Bis auf Schlafstrandkorb Nummer 7 ist alles ausgebucht, wenn wir eine Übernachtung benötigen.

    This escalated quickly. Vor drei Tagen überlegten wir noch grob, ob wir im Sommer ganz grundsätzlich mit oder gegen den Uhrzeiger reisen wollen. Jetzt haben wir einen Fährplätz ab Klaipėda, eine Bahnkarte nach Warschau sowie Hotels in Warschau (Polonia Palace), Kaunas (Bōheme House mit dem Photographers Room), Vilnius (Comfort Rock’n’Roll Hotel), Klaipėda (Dangė) und Lübeck (Premier Inn gegenüber vom Bahnhof) gebucht. Einzig die Züge in Polen und Litauen fehlen noch – die können erst 60/30 Tage vor Abfahrt gebucht werden.

    Es waren Tage der Arbeit zwischen Eis, Schnee und David Lynch.

    Spannender, aber inputreicher Arbeitstag am Mittwoch und ich hing abends in den Seilen. Madame besorgte Butter Chicken und Mulligatawny Soup von Sagar.

    In einer Arbeits-Nebenhandlung: Ich überwand meine Selbstverwirrung mit dem R-Script und bin jetzt an dem Punkt an dem Ticketauswertung von links nach rechts und von oben nach unten wirklich Spaß macht.

    Man sieht ihn um die Kirche schleichen

    Das Jahr 2026 wird das Jahr der geschlossenen Film-Bildungslücken. Eine der größeren Lücken betraf die Person David Lynch. Dessen große Zeit lag eigentlich genau in der Zeit in der ich viel upp’n Schwutsch war, viel gesehen hab, neugierig auf alles war. Im Freundes- und Bekanntenkreis war Lynch immer Thema: Frisch, herausfordernd, edgy wäre eigentlich mein Ding gewesen. Eigentlich hätte ich damals irgendwas von ihm sehen müssen. Aber irgendwie waren das immer falsche Vibes, die von seinen Filmen und Serien ausgingen, immer fühlte ich „Ne, ach doch nicht.“

    Jetzt bin ich älter und kann noch einmal neu schauen.

    Ich sah meinen ersten David-Lynch-Film: Lost Highway1. Und ich sah meinen letzten David-Lynch-Film. Irgendwie möchte ich mich gar nicht soviel gedanklich mit dem Film beschäftigen. Das wäre mir kostbare Gedankenverschwendung.

    • Quasi alles was ich am Film nicht mochte (und das zwar ziemlich viel) wurde sehr unvorteilhaft dadurch verstärkt, dass der Film komplett besoffen von seiner eigenen gefühlten Großartigkeit war. Eigentlich hätte er auch die ganze Zeit in Riesen-Blinkschrift einblenden können „Ich bin Kunst! Ich bin edgy! Wow!!“
    • Im Nachhinein überlege ich jetzt: Gibt es irgendwas, was ich am Film wirklich mochte? – Nein. Gibt es irgendwas, was ich an ihm interessant fand? – Nein. Fast gefiel mir immerhin die Stelle an der Lou Reeds This Magic Moment als Hintergrundmusik auftauchte. Und Rammsteins Heirate mich war zumindest an diesem Punkt im Film originell.

    Mit oder ohne h

    Spannender als der Film selber waren die äußeren Umstände: der Film lief abends im Kant Kino/Kantstraße in der Yorck-Filmreihe Best of Cinema.

    Lange war ich nicht mehr Abends in der Kantstraße. Ich las schon von vielen Asiatischen Restaurants dort. Aber erst bei Dunkelheit mit ihrer Leuchtschrift fällt richtig auf, dass über viele Blocks hin ein Hotpot-Laden neben Fried Korean Chicken und Phở-Spezialisten steht. Der einzige Burrito-Anbieter wirkte seltsam unpassend. Laut lachen musse ich als ich inmitten lauter Ramen-Shops ein Fachgeschäft für Rahmen (und Bilder) fand.

    Im Kino selbst: Das Publikum war überraschend jung, der Median um die 30, hatte aber genau diese „Ich bin anders aber auch cool“-Vibes, die ich erwartete.

    Noch überraschender. Der Film läuft in einer Yorck-Outside-of-the-Box-Reihe. Normalerweise haben die ein kuratiertes Programm und gute Namen (zum Mongay für you-can-guess oder Boulevard Noir für you-can-guess-as-well oder Fetch (nach einem Ausdruck aus Mean Girls) für RomCom/Teen/Musicals).

    Die Reihe Best of Cinema hat nun den schlimmstmöglichen Namen und die darin gezeigten Filme wirken auch eher eklektisch, oft gute Filme aber sicher nicht best of Cinema.

    Ich lernte: Die Reihe ist keine Yorck-Reihe sondern eine Reihe des französischen Filmproduzenten Studiocanal mit dessen Filmen. Wenn ihr ein Arthouse-Kino in der Nähe habt, sind die Chancen gut, dass die Filme da auch jeweils an diesem Tag laufen. Noch überraschender: Sie wird gesponsert vom Fernsehsender Kabel eins. Dass ich mal einen Film präsentiert von Kabel eins sehen würde.

    Besser stricken als TypeScript

    Während wir unsere Gemüslichkeits-Yacons immer noch leicht befremdlich finden, widmet sich Frau Zimtkringel der Cherimoya,

    Herr Paul bringt sich stricken bei.

    Kalle hält altes MacOS am leben: mit adobe cs4 in die zukunft

    Nico schreibt eine Stelle aus: Sage klar, was du zu bieten hast. Und was dich von anderen unterscheidet. Denn React, TypeScript, nextJS und Tailwind, das können alle. Doch, alle. Außer mir vielleicht. Finde mal heraus warum.

    Readinginsweden versucht mit der Bahn nach Köln zu fahren: Jetzt ist unser Zug defekt und kann nicht losfahren, denn er ist neu, so wird es durchgesagt.

    Ich liebte das schon mit Fünf: Ich hätte nicht gedacht, dass ich einmal … äh … alt genug? Geistig abwesend genug? Keine Ahnung, was für ein Adjektiv noch passen könnte genug? wäre, um mich ernsthaft darauf zu freuen, mit meinem Auto in die Waschanlage zu fahren, dort einfach sitzenzubleiben, während es um mich herum schäumt und wachst und wedelt und bläst,

    Anmerkungen

    1. Yorck Unlimited Besuch No. 8 – 29,75€ pro Besuch. ↩︎

  • 23-08-27 Der letzte James Grieve (Sechsbindige Furchenbiene)

    23-08-27 Der letzte James Grieve (Sechsbindige Furchenbiene)

    Madame las einarmig Kant.

    Zwei Gärten weiter wurde ein Kindergeburtstag gefeitert. Zum Abschluss gönnten sich die Eltern zwei Lieder der Rammstein GbR in Siedlungslautsstärke.

    Madame zeichnet Pergolen. Beziehungsweise – da auch Zeichnen einarmig schwierig ist – überlegt sie an Zeichnungen, die sie zweiarmig anfertigen kann, sobald die Orthese verschwunden ist.

    Ungeahnte Zustände herrschten im Bungalow. Wir suchten Jacken und Socken! Der Sonnenschirm blieb im Schuppen. Wir schlossen Fenster, bevor es zwingend notwendig wurde. Irgendwann sagten wir „Es wird kühl, wir könnten jetzt reingehen.“ Ich konnte am hellichten Tag von der Terrasse zum Apfelbaum laufen, ohne das Gefühl zu erleiden, an Hitzschlag zu sterben. Es gab wieder Essen zu normalen Zeiten, weil ich mich vor 20 Uhr zu seiner Zubereitung aufraffen konnte. So herrlich.

    Die Kaffeegartenrunde musste nicht mehr im Halbschlaf durchgeführt werden, weil es sonst zu heiß würde. Prompt entdeckte ich ein neues Insekt: Wespenartig, aber länger und schlanker und mit auffallend weißen Binden. Nach längerem Suchen in Büchern und dem Netz: Anscheinend ein männliches Exemplar einer Sechsbindigen Furchenbiene. (Halictus sexcinctus)

    Von mir übersehen, aber von Madame entdeckt: Eine Tarn-Libelle.

    Braun-weiße Libelle an braun-weißem Pflanzenstängel

    Überhaupt: Angesichts dessen wie trocken die Latifundien eigentlich sind, fliegen erstaunlich viele Libellen vorbei.

    Auch überflogen: Kraniche. Ist schon die Zeit des Rückflugs?

    Madame möchte mehr Gaura. (Auch sehr schön, aber mit einer Schönheit, die sich nur schwer auf Fotos bannen lässt).

    Dem Blog entnahm ich, dass wir vor genau einem Jahr auf Helgoland waren. Spontan schaue ich, ob es eigentlich Bildungsurlaub gibt, der auf Helgoland stattfindet: Gibt es. Aber die Themen finde ich öde.

    Dem Blog entnahm ich, dass wir letztes Jahr am 11. September die Alkmene-Äpfel ernteten. Das wäre ein Plan für dieses Jahr. Vorausgesetzt, wir finden die fünf Äpfel ganz oben am Baum wieder. So ist mit den Äpfeln: Letztes Jahr gab er uns noch eimerweise Ernte, dieses Jahr keine. Dafür trägt James Grieve.

    James Grieve, der Apfelbaum, der dieses Jahr immer gibt. Wieder gab es einen Fallapfelcrumble. Es wird der letzte gewesen sein. Wir beschlossen: die Sommeräpfel sind reif. jetzt wird geerntet.

    (Einschub: Vielleicht sollte ich auch den von mir selbst geschriebenen Wikipedia-Artikel zum Apfel öfter lesen. So einiges erschien mir gerade komplett neu.)

    New Orleans / Grünheide

    Dafür gelesen: Tony Fenelly: Robins Hochzeit. Der letzte Band der Matty-Sinclair-Trilogie. Einerseits weniger gelungen als die beiden Bände zuvor, andererseits besser.

    • Weniger schön: Die Handlung ist in ihren Themen ambitionierter. Aber damit der Plot das hinbekommt, rumpelt seine Konstruktion erheblich und die Glaubwürdigkeit der Handlung wirkt mehr als einmal fadenscheinig.
    • Die Romane spielen in den 1980ern in der schwulen Halbwelt von New Orleans. Dort kommen viele Begriffe vor, die das Standardamerikanische nicht kennt und schon gar nicht das Standarddeutsche. Mir war zuerst eine deutsche Übersetzung in die Hände gefallen, und die zog mich in ihren Bann. Ich weiß gar nicht, ob die Übersetzerin Mechthild Küpper die damalige Szenesprache nutzte, oder ihren eigenen Jargon erfand. Es gab so einen ganz gewissen Sound. Der dritte Teil hat einen anderen Übersetzer, der deutlich näher am Standarddeutschen schreibt: Womit das Buch noch mehr holpert als nur durch den Plot bedingt.
    • Spannend: Ein Krimi, in den 1980ern geschrieben und veröffentlicht, der sich mit der Frage auseinandersetzt: Wie ist es denn nun, wenn Schwule unter den damaligen Bedingungen einen „Bund für’s Leben“ schließen wollen? Was ist möglich und wie sieht es mit dem Selbstbild aus?
    • Chilling: Eine Szene im Kitt’s, eine Art schwuler Gentlemen’s Club in New Orleans mit Séparées im Obergeschoss für ihr-wisst-schon-was. In dem Club taucht als Nebenfigur eine verhärmte Gestalt auf, die Wunderheilungen gegen AIDS nachjagt. Wenn man weiß, wie sehr AIDS in den 1980ern die gesamte Subkultur zerstörte und dass genau solche Clubs Opfer von AIDS wurden – nur eine kurze Szene, ohne weitere Relevanz für die Handlung. Aber für mich nachdrücklich.

    Beim Radio-DAB-Durchzappen über eine wunderlich-schöne Austropop-Sendung gestolpert. Mit Georg Kreisler, der EAV, Reinhard Fendrich und Hubert von Goisern. In einer Individualität der Anordnung wie ich sie nur aus den Anfangsjahren des deutschen Privatradios erinnere, oder aus den stets schwindenen Nischenfenstern im ÖR-Rundfunk. Oder halt aus selbstgemachten Sendern wie Radio FSK (Hamburg) oder dem Offenen Kanal Westküste (Dithmarschen). Dafür allerdings wirkte die ganze Austropop-Sendung viel zu professionell.

    Gefunden: Es sendet Radio Ginseng. Aus Grünheide bei der Tesla-Fabrik Berlin. Ein Radio das von sich sagt: „Radio Ginseng – das sind reife und sehr reife Menschen, die Sendungen produzieren“. Es hat im positiven Sinne alle Offenheit und Individualität von unkommerziellen Radio, aber in einer Professionalität, die ich dort noch nie so hörte.

    Von Vergessenem

    Madame las nicht Kant, sondern Michael J. Sandel über Kant. Komplett vergessen hatte ich, dass ich in meinem Studium politischer Philopshie natürlich auch einst Sandel und seine Rawls-Kritik las. Komplett aus den Augen verloren. Jetzt ist er in Harvard und war „einflussreichster Ausländer in China.“

    Über vergessene Künstler schrieb der Guardian: „‘That’s it? It’s over? I was 30. What a brutal business’: pop stars on life after the spotlight moves on“ (Gefunden via Anke Gröner)

    Anke Gröner schrieb auch einen Wikipedia-Artikel.

    In Südfrankreich war es noch heißer als in Berlin oder in Italien.

    Kellerkind war in Wittenberg.

    Karens Europa-Nachtzugreise machte Zwischenstation in Athen.

    Herr Rau bloggt Tagebuch.

    Zu recherchieren: Hat Kant je etwas zum Königsberger Brückenproblem geschrieben?