Schlagwort: Rosentriebbohrer

  • 26-05-28 Ente im Totholz

    26-05-28 Ente im Totholz

    Soargwlbruxh

    (Keine Ahnung, aber steht in den Notizen)

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    Über das Internet trafen die letzten Heimfahrmeldungen der Besuchsgruppe Tauferinnerung ein. Der letzte Endgegner war das defekte Signal bei Lüneburg.

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    Madame pflanzte Zitronenthymian und eine Johannisbeere und säte kalifornischen Mohn.

    *

    Der Kaptain fand Word wieder auf dem Rechner.

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    Es waren drei Tage des Mikrourlaubs in den märkischen Hamptons mit Bussard ohne Oper.

    Grün zu bunt

    Der Bussard schrie, das Gras wogte, der Bauer sprühte Pestizide.

    Der Garten schaltet in den Sommermodus. Noch ist Grün die vorherrschende Farbe. Aber beinahe stündlich konnten wir Sträuchern, Stauden, Rosen und Ausgesähtem beim Aufblühen zusehen. Beim Versuch aufzuschreiben, was alles kreuchte, fleuchte, blühte, loslegte, schlug ich nur irgendwann die Hände über dem Kopf zusammen: „So viel! So viel! Wer soll dem allen Aufmerksamkeit schenken!“

    Selbst die Pfingstrose blühte rechtzeitig zu Pfingsten.

    Wichtig, weil für uns handlungsleitend: Die Rosentriebbohrer bohren weiter und tötet Knospen. Ihre Zahl ist gegenüber dem letzten Jahr zurückgegangen. Aber gerade wenn sie Knospen an den nur einmal blühenden Alten Rosen zerstören, ist das unerfreulich.

    Manchmal allerdings braucht es auch gar keine bohrenden Solitärwespen. Manchmal kann ich das auch alleine. Das von mir geschobene Benzinreh knabberte leider die versteckt gelegenen Knospen und Trieb der Tuscany Superb ab.

    Wichtig, weil Atmosphäre: Anscheinend sind diverse Gräser in der letzten Woche um einen guten halben Meter gewachsen. Wo sie mir bestenfalls bis zum Knie gingen, sind Teile der Wiese schon wieder schulterhoch. Die Wiese wogte im Wind, darüber ein Wölkchenhimmel, Gartengrasmücke und Amsel sangen um die Wette, während darüber ein Miniaturschwarm Stare kreiste.

    Die neu gesetzten Astern sind angewachsen. Scarman’s Himalayan Musk an der Pergola deutet erstmalig an wie buschig und prächtig das einst werden kann.

    Der Greifvogel, der ein wenig wie ein Rotmilan wirkte, aber etwas unruhiger flog, ließ sich anhand seines Schreis als Bussard erkennen.

    Eine Premiere: Enten im Garten. Normalerweise fliegen die gelegentlich am Hinter-dem-Zaun-Acker vorbei. Aber noch nie waren sie im Garten. Jetzt fast mehrfach. Eine setzte sich erst auf den Totholzstapel, dann verschwand sie darin, und wir sahen sie nie wieder.

    Später fand Madame, beim Versuch den Brötchenwagen abzupassen, das Nest des Turmfalken im Dorf. Es befindet sich in einem kleinen Türmchen, der Falke selbst zeigte es ihr, indem er lautstark und entschieden zwei Tauben aus dem Türmchen verjagte.

    Rucola als verbindendes Element

    Am Montag grillte ich experimental. Der Urlaubstag bot sich für Mikro-Abenteuer an, wie den zweiten Einsatz des Grill-Pizzasteins. Mir war nach Lahmacun, also sollte es Lahmacun geben: Hefeteig, eingerieben mit einer Tomaten-Hack-Masse, auf dem Stein kurz gegrillt und dann mit zweilerlei Salat befüllt (1 – Rucola, 2 – Tomate-Käse-Joghurt). Das war sehr fein. Aber es zeigte sich auch, dass ich wenig Übung mit Hefeteig und noch weniger mit den Pizzastein habe. Es war eine Arie der Umständlichkeit. Das schreit nach Wiederholung.

    Soargwlbruxh = Spargelbruch will mir inzwischen scheinen. Den kauften wir beim Spargelhof in der schon geschälten Variante1 für schnelle Zubereitung.

    Am Dienstag nach der Exkursion bereitete Madame ihn zu Salat mit Schinken und Kratzete zu. Mittwoch, zurück in Berlin streckte sie ihn mit Parmesan (Crowdfarming), jungen Zwiebeln (Gemüslichkeit), Sekt (Reste-der-Taufgruppe), und Milchreis-Reis (aus dem Joghurtglas in der Vorratsschublade, keine Ahnung woher ursprünglich: BioCompany? dm?) zu einem höchst schmackhaften Spargelrisotto serviert mit Rucola (Gemüslichkeit).

    Ich packte meinen Koffer und..

    Ich packte meinen Koffer und ich packte ein: Eine Badehose (nicht gebraucht) und zwei Opernkarten (nicht gebraucht) und ein Fernuni-Skript (gebraucht).

    Nymphensee/Waldbad

    Wir dachten, wir sind schlau und verlegen den Badeausflug dieses heißen Pfingstwochenendes auf den Dienstag, den Werktag. Es half wenig. Die 30 Grad schlugen den Werktag. Am Parkplatz des Nymphensees angekommen, sahen null freie Parkplätze und dafür mehrere Autos im Suchkreis fahren. Das sagte uns: Für unseren Geschmack zu voll.

    Aber da wir eh schon fast in Falkensee waren, schlug das Navi noch das Waldbad Falkensee vor. Dies ist mir bisher komplett unbekannt – und das kann nicht so bleiben. Von außen sah es nett aus, ein richtig unkompliziertes übersichtliches Kleinstadtbad. Aber natürlich war es auch viel zu voll.

    Aber es war eine wirklich schöne Landpartie durch den Brandenburger Sommer.

    Der Gesang der Vögel

    Sogar fest mit Termin im Kalender stand Orlando von Olga Neuwirth in der Komischen Oper. Gebucht hatte ich diese im April 2025, nicht bemerkend, dass dies kurz nach Pfingsten war, nicht wissend, dass ich Urlaub haben würde, die Gemüslichkeitsabholung die Logistik verkompliziert und nicht mal ahnend, dass ich den Tag bei perfekten 22 Grad mit Sonne und leichter Brise auf den Latifundien verbringen würde.

    Irgendwann fragte ich mich „Mal angenommen, jemand würde dir jetzt die Karten für heute Abend schenken, würdest du sie annehmen?“ Mein Spontanantwort war „Auf gar keinen Fall!“. Zum Glück dachte Madame ähnlich, und so war der Fall pro Bluthänfling und Contra Oper entschieden.

    Die fünf Dimensionen der SERVQUAL

    Wirklich benutzt aus dem Koffer habe ich die Fernuni-Skripte zum Thema Dienstleistungsmanagement. Aus denen lernte ich etwas über Value-in-expectation, value-in-use, den Service Blueprint und die fünf Dimensionen der SERVQUAL lernte.

    Die fünf Dimensionen der SERVQUAL beschreiben nicht etwa, wie man Kunden quälen kann, sondern sie stehen für SERVceQUALität.

    Dennoch ähnelt das BWL-Modul Dienstleistungsmanagement in vielem der Anleitung zum Leiden am Dasein. Immer wieder geht es darum, wie Anbieter Kosten verringern können, indem sie nicht-Basis-Leistungen der Dienstleitungen streichen oder Teile des Serviceprozesses an Kunden abgeben („den Kunden stärker in die Value-Co-Creation einbinden“).

    Das klingt im Modul recht sachlich, aber vor meinem inneren Auge sehe ich natürlich sofort Selbstbedienung aus der Hölle, irre Call-Center-Antwortbots und den oft scheiternden Versuch bei irgendeinem Dienstleister irgendwie eine’n kompetente*n Ansprechpartner*in zu bekommen.

    Überhaupt lernte ich, meinen nächsten Restaurant- oder Friseurbesuch in vollkommen neuen Worten zu beschreiben. Service-in-use und Service-in-expectation vielleicht, vermutlich aber nutze ich eher die Sichtbarkeitslinie und das Service Skript. Nur der Ausdruck „Kundenkontaktpersonal“ klingt für mich eher wie eine justiziable Beleidigung, denn wie eine sachliche Beschreibung.2

    „Sie..! Sie…! Sie Kundenkontaktpersonal!!“

    „Kehraus“ ist ein Kurzfilm von 1990 über Straßenkehrer in Leipzig

    Weil Zeit und Energie für Mikroabenteuer war, wollten wir auch endlich den Beamer bezwingen. Wir bauten das Gartenkino auf, und im vierten oder fünften Anlauf lief alles. Wir wussten inzwischen wie sich die Leinwand aufhängt, konnten den Beamer bedienen und schafften es sogar, Filme zu streamen. Ab 21:18 war es dunkel genug, damit auf der Leinwand langsam Figuren erkennbar waren, ab 21:50h war es möglich, ernstlich Filme zu sehen.

    Der Kabel-Adapter-Sammlung sei dank.

    Wir schauten via Filmfriend erst das Kurzprogramm über das Seebad Taucha 1924 zur Beamer- und Leinwand-Kalibrierung, dann Spielfilme:

    Am Montag: Toast – ein Film basierend auf den tragischen Jugenderinnerungen des britischen Food-Autors Nigel Slater: Über Aufwachsen im Großbritannien der 1960er, begeistert von Essen, erst mit einer liebenvollen Mutter, deren größte kulinarische Errungenschaft Toast ist, dann mit einer Stiefmutter, die hervorragend kocht, aber immer in Rivalität und Feindschaft zu Nigel verbunden bleibt. Ein trauriger Film, ein schöner Film, ein Film über eine vergangene Zeit.

    Am Dienstag Wilde Maus von Josef Hader. Ein Film, der uns an Toni Erdmann erinnerte. Sehr tragisch, sehr lustig, sehr gnadenlos zu seinen Figuren und dabei gleichzeitig sehr liebevoll. Wie seltsam Menschen sind, was für bescheuerte Sachen sie machen, wie sehr sie sich lächerlich machen. Der Film nimmt wenig darauf, seine Protagonisten in all ihrer Lächerlichkeit zu zeigen, aber genau deshalb hat er sie lieb. Wirklich schön.

    Noch schöner: Kino unter dem Sternenhimmel mit großem Wagen, Abendstern und Mond, dazu immer wieder die hereingewehte Duftwolke der Abelie.

    Rechner richten

    Zu Hause dann Arbeitstagsvorbereitung (Madame) bzw. Fernuni-Einsendeaufgaben (ich). Beim Blick in den Donnerstagskalender fragte ich mich, welcher Depp mir ein 9-Uhr-Meeting direkt nach der Rückkehr in den Kalender legte; ich kam aber zu dem Schluss, dass nur ich das angesetzt haben könnte.

    Links

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    Ohrenschmaus hatte mehr Erfolg als wir am Nymphensee, ist allerdings auch anständigerweise zu Fuß dorthin gelaufen: 66 Seen Weg I, Pfingsten 2026, 3 Brieselang – Henningsdorf 23,5

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    Frau Herzbruch in Curaçao – Tag 11 und Tag 12.

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    Frau Rabe badet weiter auf Island und empfiehlt das Spa eher nicht.

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    Eine Ausstellung, die ich vielleicht sehen wollte und jetzt ganz sicher sehen will, dank readinginsweden: 23. Mai 2026 Kunst klingt, fühlt, duftet

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    Ich müsste lange nachdenken, um darauf zu kommen, wann ich zuletzt so etwas wie ein veritables Freudentänzchen bei einem erwachsenen Menschen gesehen habe. Zumindest abseits von großen Sportübertragungen und dergleichen, wo so etwas nicht weiter auffällt und in der kollektiven Begeisterung untergeht. Hier aber, in der Wandelhalle, pardon, in der Grand Hall – es kommt mir geradezu spektakulär vor. Und nicht nur mir, einigen Umstehenden geht es ähnlich.

    Anmerkungen

    ~ Der Erdbeerpreis sank unter 10 Euro / Kilogramm.

    ~ Erste größere Ausfahrt des Subarus nach Inspektion in neuer Werkstatt. Er fuhr tadellos und klingt besser als zuvor.

    1. Unser Verdacht: Es handelt sich im Ausschuss aus dem benachbarten Restaurant: Spargel, der beim Schälen in mehrere Teile brach, nicht mehr serviert werden kann, aber noch im Hofladen verkauft. ↩︎
    2. Was ich ja aus nicht-privaten Gründen spannend gefunden hätte: Die Anwedung der Konzepte nicht nur auf übersichtliche Fälle wie „Essen gehen“ sondern auch auf IT-Service-Management. Da wird es nämlich deutlich unübersichtlicher. Aber leider nein. ↩︎
  • 26-05-19 Die Goldglänzenden Rosenkäfer fliegen wieder

    26-05-19 Die Goldglänzenden Rosenkäfer fliegen wieder

    Eine Taube flog über das Feld, verwandelte sich in einen Turmfalken und begann zu rütteln.

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    Auf der Suche nach einem Altkleidercontainer fuhr Madame mit dem Fahrrad einen Sack alter Wäsche zum Ku’damm und zurück.

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    In der S-Bahn eine junge Frau mit stark zerrissener Jeans, Sonnenbrille, Piercings und einem Polizei-Hoodie, der samt seinen Wappen überraschend offiziell aussah. Entweder die bestgetarnte oder die schlechtestgetarnte Zivilpolizistin meines Lebens.
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    Im Garten las ich alte Blogposts, stellte fest, dass die Natur die letzten Jahre zu diesem Zeitpunkt immer weiter war (und oftmals noch trockener), dass mein Alternaria-Allergie-Antritts-Termin gar nicht im Juni liegt, sondern eher Mitte Mai und dass die Arbeitswoche vor Pfingsten immer unerfreulich war.
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    Es war ein Rest Grünwochenende und ein Arbeitstag mit Schwarz-Weiß-Abschluss

    Falls die Person mitliest: Wir suchen die Schenker*innen des Mattei Cap Corse – der ist fein

    Es begann mit fehlenden Kabeln. Zum Samstagabend wollten wir endlich den Gartenbeamer einweihen, der seit mehreren Jahren ein Leben in Schränken und Kisten führt. Aber schnell fiel uns wieder auf, warum er so ein Schattendasein führte:

    Der Beamer war damals fortschrittlich für eine Zukunft gebaut worden, die so nie kam. Sein Betriebsmodus ist kabelloses Screensharing bzw. Chromecast – ein Verfahren bei dem 2026 sämtliche Streamer und Mediatheken (selbst Filmfriend, selbst die ARD mit dem ESC) sofort aus Kopierschutzgründen das Streamen abbrechen. Die Alternative ist „Videoübertragung per USB-C“ – auch ein Technikstandard, der sie nie durchsetzte.

    Unser Abend also setzte sich also ohne Beamer fort, aber dafür mit einer Großbestellung an Adaptern und Kabeln. Wir werden die gescheiterte Zukunft ja wohl besiegen.

    Der Beamer kam zurück in die Kiste. Wir griffen stattdessen in das Regal und zogen den vollanalogen Mattei Cap Corse heraus, der sich auf der Einzugsparty, vermutlich als Gastgeschenk, in den Haushalt schlich, füllten ihn mit Tonic und Zitronentzesten auf und schauten auf dem Laptopmonitor Teile des ESCs. Als wir am nächsten Morgen das Ergebnis mitbekamen waren wir einig: Der Barangaranga-Sieg1 war verdient. Das muss ja wohl ein Dancefloor-Crasher dieses Sommers werden.

    Vor dem Duke-of-Cambridge war das Rosentriebbohrer-Sprühzeug aus

    Frühstück auf der Terrasse im Schlafanzug aber mit Strohhut. Ich glaube das war der Stil Adelsverwahrlosung. (Auch wenn der verwahrloste Adel im Allgemeinen edlere Schlafanzüge trägt als ich, der Strohhut hat das wieder rausgerissen.)

    Ein Admiral flog vorbei. Die Sonnentage lockten sämtliche Insekten, die die Latifundien zur Zeit zu bieten haben, hervor. Miniaturschmetterlinge in braun, schwarz, orange und gelb; Goldglänzende Rosenkäfer und Trauer-Rosenkäfer, die wir vor allem betrunken torkelnd in Rosen- und Abelienblüten kennen, müssen aktuell mangels Rosen- und Abelienblüten noch mit den ersten Skabiosen vorlieb nehmen. Sie wirken deutlich koordinierter als sonst.

    Die erste Pfingsrosenblüte behauptete seit Freitag sich gleich sofort öffnen zu wollen, ohne es je zu machen.

    Luft und Licht liefen zur herrlichsten Frühsommerform auf.

    Madame, die den Gesang der Dorngrasmücke inzwischen auch spontan ohne App erkennt, wies mich in den Vogel ein und so konnte ich ihn auch sehen. Halt braun und sehr klein.

    Und ob mein Körper gerade begann vom Wochenend- in den Urlaubsmodus zu schalten, ob es Allergiedingsnebenwirkungen waren, ob das es komische Wetter war, das irgendwie gleichzeitig zu kalt, perfekt und zu warm war, meine Güte war ich erschöpft, freute mich an Tieren und Pflanzen, die aus der Ferne leuchteten und widmete mich dem Gartentischbestiarium.

    Nach Käsejalapenobratwurst und Zitronenkohlrabi fuhren wir rechtzeitig nach Wilmersdorf für erfolgreiche Entmarderung (Auto) bzw. Entwuschelung (ich).

    Vielleicht setze ich mich auch nur mal einen Nachmittag und Abend ins Foyer und schaue Leute

    In der U-Bahn: „nuschelruschelnuschelngrrss Weichenstörung nuschelruschelnuschelknörz“ Diese Art der Ansagen fehlt mir schon sehr, seit die BVG alles von professionellen Sprecher*innen einsprechen und von Band abspielen lässt.

    Die U2 aber öffnete kurz ein Fenster in die Vergangenheit, bevor sie uns weiter Richtung Mitte brachte.

    Wir waren bis zum Alex gefahren, ich hatte mich dort wie es sich gehört leicht verlaufen, um dann schließlich Richtung Strausberger Platz unter den Platanen2 im Schatten zum Kino zu wandeln.

    Kurz vor dem Kino am verlassenen Laden: Ein Obdachlosencamp. Erstaunlich offensiv gelegen, mitten an der Prachtstraße. Erst beim Näherkommen fiel mir auf, dass der verlassene Laden ein Luxus-Campinggeschäft ist und das Obdachlosencamp seine Bürgersteig-Zeltausstellung.

    Von dort aus konnte ich schon das große Sandra-Hüller-Plakat am Kino sehen, das den Film Rose3 ankündigte.

    Der Weg führte fast auf die Bezirksgrenze Mitte/Friedrichshain in das frisch renovierte Kino International. Das ehemalige DDR-Premierenkino, eine Ikone der Ostmoderne, mit dem vielleicht schicksten Foyer der Yorck-Kinos, ist heute ein Programmkino deluxe. Es lief leiser brasilianischer Bar-Jazz, der mich an dota erinnerte, insbesondere als ein portugiesischer Text mehrfach das deutsch gesungene Wort „Elisabeth“ umspielte.

    Suzanna sang für Rose, Suzanna sang für sich

    Es war ein Film, bei dem ich zögerte. Zu Schwarz-Weiß schien mir die Vorschau, zu sehr „wir machen einen ernsthaften Film über Gender“, zu eindeutig in seiner Aussage, wenig ambivalenzambitioniert.

    Andererseits sprachen gleich zwei Frauen dafür, ihn zu sehen: Madame wollte Rose sehen. Und bei Hauptdarstellerin Sandra Hüller habe ich nicht nur großes Vertrauen in ihre Schauspielerei, sondern auch in ihre Filmauswahl.

    Of course, they were right. Ich war währenddessen angetan, und mit zeitlichem Abstand vergrößert sich die Begeisterung: ein Film zum dauerhaft-im-Herzen tragen.

    The Basics

    Rose ist ein Film, der von einem Österreicher im Harz gedreht wurde, 2026 erst auf der Berlinale einen Preis für die beste Schauspielerin gewann und dann in die Kinos kam.

    Es geht um Rose (Sandra Hüller), die als Soldat aus dem 30jährigen Krieg zurückkehrt, als Mann das Erbe eines Hofes antritt, dort prosperiert. Sie heiratet als Mann Suzanna (Caro Braun), die Tochter des benachbarten Großbauern. Diese bekommt ein Kind. Durch einen medizinischen Notfall fliegt die Geschichte auf. Rose stirbt durch das Schwert, Suzanne im Sack im Fluss.

    Es gab einigen Knatsch, weil der Film auf mehreren Quellen beruht, insbesondere einem Buch von Angela Steidele. Es übernimmt sie aber nicht. sondern führt bedeutsame Änderungen ein, wie vor allem dass die Buch-Rose ihre Männlichkeit samt Sex voll auslebte, in heutigen Worten vermutlich ein Transmann war, die Film-Rose aber in „die Hose schlüpft, um etwas mehr Freiheit zu haben“ – das ist schon eine starke Änderung. In anderen Worten: Die Handlung wurde entqueert.

    Je mehr ich aber den Film sah, desto weniger konnte ich die Kritik nachvollziehen. Das Buch erzählt die Geschichte einer bestimmten Person. Der Film ist eine artifizielle Meditation über Geschlecht und Frauenrollen, durchgeführt an zwei Personen.

    Freiheit durch Kontrolle

    Der Film war in einer Ästhetik, die mich extrem an Tarkowskis Serkalo/Der Spiegel erinnerte, den ich schon im Januar liebte; ähnlich wirklich-unwirklich, durch Künstlichkeit ins emotionale Herz treffend. Die Erzählstimme, die Bildgestaltung, die mal Film sagte, mal Theater, mal Klassikergemälde, und natürlich das Aufgehen von Mensch und Haus in der umgebenden Natur; vermutlich ein glücklicher Zufall, aber als Rose allein durch das verwilderte Feld lief, über ihr ein rüttelnder Falke, der sehr nach der-war-beim-Drehen-wirklich-da aussah: Marvellous.

    Und ach, allein über die Musik werden Abschlussarbeiten geschrieben werden.

    Aber am Ende waren es zwei Menschen:

    Sandra Hüller spielt eine Frau, die vorgibt ein Mann zu sein. Sie spielt zu spielen, und das ist wohl der Punkt, den sie selber spannend fand. Es ist faszinierend zu sehen, wie begrenzt sie spielt, wie kontrolliert, ausdruckslos; sowieso im begrenzteren Ausdrucksrepertoire, das Männern im Normfallfall zu Verfügung steht, hier noch einmal eingeschränkt durch die Vorsicht, nur ja nicht zu expressiv, zu „weiblich“ zu wirken. Der Mann, eingezwängt in dichte Kleidung, fast schon in Starre spielend.

    Wie faszinierend zum Ende hin, nach der Enttarnung, die Rose „als sie selbst“ zu sehen. Immer noch ein Mensch, gezeichnet vom Krieg, trainiert darauf keine Emotionen zu zeigen, und doch so anders als vorher.

    Wie faszinierend Roses Partnerin Suzanna, vorgestellt als „sittsame Frau, in allen weiblichen Belangen kompetent“, gedrängt in eine Ehe mit einem hergelaufenen Krieger. Wie sie auf ihre eigene Art verschlossen und starr ist.

    Wie Suzanna singt, kurz nach der Hochzeit für Rose, fast unmelodiös, schleppend, aus ihrem eigenen Lied fallend. Wie froh und laut sie später singt, als sie verkündet, Schwanger zu sein. Wie sehr der Wandel von in-eine-gezwängter-Frau zu ihre-Rolle-findender-Frau zu Co-Verschwörerin-von-Rose sie immer größer und lebendiger werden lässt.

    Je mehr und je länger ich über Rose nachdenke, desto lieber mag ich den Film.

    Links

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    Cannes – dies und das vom Filmfestival

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    Frau Herzbruch auf Curaçao Teil 7 und Teil 8 und Teil 9.

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    See me fascinated. In diesem Garten läuft alles 180 Grad anders als es mir für unseren eigenen vorstellen kann. Aber um so interessierter lese ich: Ich weiss ja, was alles ansteht (einen Baum wieder ausgraben und höher einsetzen, dafür muss der Rasen aufgeschnitten und wieder zugeklebt werden

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    Alle unsere Baltikumsausflüge scheinen über Travemünde zu führen. Um so spannender zu lesen, wenn jemand dort sogar übernachtet: Travemünde – mit der Fähre zum Frühstück

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    Es gäbe in japanischen Schwimmbädern — die recht seicht sind — eigene Spuren für Aquawalking, das unter älteren Menschen sehr populär wäre, sagt A.

    Notat

    ~ Zugänge: T-Shirt (weiß, Segelboote) und T-Shirt (sand)
    ~ Zugangsnachtrag: Defektes Schlafzimmerradio (Bungalow) ersetzt
    ~ Autogas getankt für 1,19€
    ~ Getestet: Imren-Döner (Hauptstraße) wiederholenswert

    Anmerkungen

    1. Ich liebe, dass sie einerseits selbst im Sieg noch soviel Dance-Choreo hinbekommen und andererseits mega-ausgelassen dabei wirken. Zurecht gewonnen, sag ich ja. ↩︎
    2. Speaking figuratevly, ich hab ehrlich gesagt überhaupt nicht darauf geachtet, welche Bäume mir Schatten spenden ↩︎
    3. Yorck Unlimted No. 25 – damit 9,52€ pro Besuch. ↩︎
  • 25-05-29 Inverse Engelkurven

    25-05-29 Inverse Engelkurven

    Madame folgt jetzt dem Mastodon-Account von Owls in Towels.

    Ich schraubte den ersten erneuerten CO-Melder an. Schickeres Design als der End-of-Life-Vorgänger. Aber der neue Melder zeigt auch keine Zahlen mehr an. Er kennt nur noch „alles okay“ oder „MEEP! MEEP! MEEP! ALARM! ALARM!“. Hoffen wir, dass es einfach bei „alles okay“ bleibt.

    Ich sammelte zufällig einen Stellenbewerber vor der Tür der Südkreuz Offices auf, und gab ihn am Empfang ab. Drei Minuten später bin ich mit einem Teller Erdbeerkuchen wieder an ihm vorbei. Erste Eindrücke vom neuen Arbeitgeber, so wichtig.

    Nahe der Südkreuz Offices öffnete ein neuer möglicher Mittagessenspot: Nonna Anna. Es ist schon spannend zu sehen, wie sich die ehemalige Brachfläche nach und nach entwickelt.

    Auf dem häuslichen Hinterhofparkplatz fand eine Rearrondierung zwischen Pflegedienst, Zahnarztpraxis und Nachbar 4L statt. Nur unser Parkplatz, und natürlich das Kartzenstreuwrack, blieben unberührt.

    Im Baustellenkäfig für das Dach lagern nicht nur Dachziegel, sondern jetzt auch Ziegelsteine.

    Wohnen am Rande des Weltgeschehens: dass Wolodymyr Selenskyj frühzeitig Berlin wieder verlässt, merkte ich daran, dass sich überraschend früh am Nachmittag seines Staatsbesuchs 10 Polizei-Wannen an der Kreuzung Sachsendamm/Hauptstraße bereit machten, um die Kreuzung abzusperren. Denn dort führt die übliche Schnellstrecke Verteidigungsministerium -> Martin-Luther-Straße -> Sachsendamm -> Autobahn -> Flughafen entlang, die oft und gerne für Staatsbesuche kurzzeitig abgesperrt wird.

    In ChatGPT stoperte ich über den GPT-Marketplace. Soweit ich verstehe, kann ich dort Zugang zu Programmen erwerben, die auf der Basis von ChatGPT aufbauen. Spannend, dass in den Top10 der vorgeschlagenen GPT-Anwendungen gleich mehrere auftauchen, die anspreisen, dass sie KI-erstellten Text verschleiern können, damit er nicht als KI-Text enttarnt wird. Die andere Hälfte sind Anwendungen, die verschleierten KI-Text nachweisen können wollen.

    Ich stolperte über die Sängerin Mirel Wagner. Zuerst musikalisch. Mein Eindruck: Da ist jemand tief in die amerikanische Seele hinabgestiegen. Und dann ist Mirel Wagner gar keine Amerikanern. Die erste Recherche ergab: Geboren in Äthiopien und aufgewachsen in Finnland. Okay.

    Die zweite Recherche ergab: seit 2016 verschwand Mirel Wagner nach zwei Alben von der Bildfläche. Es gibt Gerüchte eines Auftritts von 2019 in Finnland. Und das war es. Wo ist sie hin?

    Vor der Sommerpause

    Neben dem Stadtbad Lankwitz existieren jetzt Padel-Plätze. Die Werbung findet vor allem in Englisch statt.

    Nachdem ich (ich!) letzte Woche aus Gründen mangelnder Internetlesefähigkeit vor einem unzugänglichen Schwimmbad stand, stand noch ein Badbesuch aus. Diesmal die unkomplizierte Variante: mit der S26 direkt von der Arbeit nach Lankwitz, dann ein paar Meter laufen, und dann ins Stadtbad Lankwitz. Der letzte Besuch bevor es am Wochenende den Sommer über schließt.

    Eine meiner Lieblingskassiererinnen tadelte mich, weil ich dieses Jahr so selten im Insulanerbad bin. Sie hat natürlich recht. Aber ich habe Gründe. Das Stadtbad Lankwitz: Wie immer, schön, entspannend, wohltuend, schwebend. Etwas viel Slalom für meinen Geschmack, aber was gibt es Besseres als mit Kopf unter Wasser zu schweben?

    Hoffnung auf die Alten Rosen

    Mittwoch Abend begrüßte uns eine Fledermaus, die über den Latifundien im Zick-Zack kurvte.

    Donnerstag, Himmelfahrt, erläuterte Madame gerade die Gemeinsamkeiten zwischen deutschen NS-Flüchtlingen in der Türkei in den 1930er/1940ern und den jetzigen syrischen Bürgerkriegsflüchtlingen dort, als sie innehielt. Direkt über unseren Köpfen, im Tiefflug über der Terrasse, ein Storch. Zum Atemanhalten.

    Etwas später: der diesjährig bisher vermisste Rotmilan ist zurück, drehte seine Runden über dem Rapsfeld.

    Die Latifundien an Himmelfahrt als Flugshow.

    Madame krautete 4L. Die Alten Rosen scheinen je Rose eine Knospe am Rosentriebbohrer vorbei zu bringen. Der Mohn ist regengeknickt, blüht aber prächtig wie noch nie dieses Jahr. Der Jasmin lässt langsam nach, die Abelie hält weiter durch.

    Auf der Terrasse gelesen: Den ersten Text von Wir schon wieder – 16 jüdische Erzählungen.

    Posaunen tönen, Donner dröhnt

    Viele der letzten Jahre sah Christi Himmelfahrt so aus, dass ich arbeitete (150% Feiertagszuschlag for the win) und Madame die Steuererlärung vorbereitete. Maximal romantisch also für einen freien Frühlingstag. Inzwischen existiert die Möglichkeit der Feiertagsarbeit in meinem Leben nicht mehr, und so können wir tun, was an diesem Tag vorgesehen ist: Wir gingen zum Gottesdienst.

    Verschiedene Gemeinden aus dem nordwestlichen Berliner Umland laden zum Open-Air-Gottesdienst auf dem Dorfplatz Klein-Ziethen. Unter Bäumen, direkt vor einem Spielplatz und auf Bänken brachte die Mittelmark zwei Prädikantinnen, einen Pastor, zehn Posaunenchor-Spielende und vielleicht 40 bis 60 Gottesdienstbesucher*innen hervor.

    Der Gottesdienst folgte in Ablauf und Programm eher dem Anspruch „niedrige Einstiegshürde für Gelegenheitskommende“. Aber so im Wechsel zwischen Sonne und Wolken, mit Blick auf den improvisierten Altar und Spielgeräte, Vogelzwitschern, Taubengurren und leichten Wind, war das eher traumhaft.

    Posaunen, Hörner und Trompeten spielten. Die Prädikantinnen waren beide bezaubernd, in ihrem Zusammenspiel eine einzige Freude. Wir erfuhren, dass es im Juli ein Tauffest am Beetzsee gibt.

    Zur dramatischen Steigerung: Donnergrollen kurz vor Ende. Aber kein Gewitter.

    Inferiore Güter

    Samstag läuft die Absendezeit für die Einsendeaufgaben ab. Wie erwartet, gestalten sich die Aufgaben für die Mikroökonomik als deutlich widerständiger denn als die für das Knowledge Management. Also eindeutig auch spannender und interessanter, aber schon so, dass man nachdenken muss und nicht nur nachschlagen kann.

    Das Modul hat eine starke Mathematikorientierung. So sind die Aufgaben vor allem Rechenaufgaben. An sich machbar (hey, wofür belege ich hier seit Semestern Mathemodule!). Aber dennoch nichts, bei ich sofort die richtige Formel und ihre Kurven einfach so aus dem Ärmel schütteln kann.

    Es geht eigentlich um die Grundbegriffe. Eine Person hat die Präferenzen a und b mit einer Präferenzkurve dazu. Die Preise folgen folgender Funktion und das Budget ist so und so. Wenn sich jetzt die Funktion der Preise ändert, was bedeutet das für die Konsumentenrente? Wie es sich für ein Basisseminar gehört, die Grundbegriffe. Aber ich würde behaupten, für ein Wiwi-Modul findet das alles am oberen Ende des mathematischen Anspruchs statt.

    Und so versuche ich die Nachfragekurven, die Präferenzkurven (auch in invers), die Engelkurve, den Cobb-Douglas-Konsumenten und das alles Speedzulernen bzw. Speedzuwiedergholen. Auf dass ich dieses Kapitelchen des Studiums möglichst schnell hinter mich bringe.

    Denn es wartet ja bereits die Bachelorarbeit.

    This is German Verwaltungsakt

    Falls Sie jemanden kennen, der jemanden kennt, der jemanden kennt, der fünf Hühnchen vermisst, mutmaßlich Paduaner-Sundheimer-Mixe, Großraum Buchen, Oberneudorf-Einbach nahe der B27 die Ecke: Sie sind hier. In Sicherheit. Klein Hühnchen möchte bitte aus dem Kinderparadies abgeholt werden.

    Bei Frau Novemberregen regnets im Mai. In bizarr.

    Es gibt eine Steuerprüfung und dafür neue Infos der Muttergesellschaft: [H]urra, wir kriegen jetzt diese ganzen spannenden Infos! „Aber die werden sie uns nicht geben, das wird ein riesiger Kampf!“, sorgte sich die Steuerberaterin und ich sagte „aber wir werden ihn gewinnen, denn wir können sagen ‚we have German formellen Verwaltungsakt‘ und dann wissen wir alles

    Der Versuch, ein Sieben-Tage-Interrail-Ticket zu nutzen, wenn frau die Reise in Finnland starten muss: Einmal von hinter Gottes Rücken nach Europa und zurück

    Was ist naturaDB, fragt Gunhild Rudolph: naturaDB ist eine Online-Datenbank, die genau das macht, was vielen Gartenwebseiten fehlt: Sie denkt mit – ökologisch, nachhaltig, standortgerecht. Statt nur auf Blütenfarbe und Wuchshöhe zu setzen für den besten Verkaufserfolg, filterst Du hier nach ökologischen Kriterien: Welche ist heimisch? Welche Pflanze passt zu meinem Boden? Welche hilft Insekten wirklich?

    Herr Rau erschließt sich und uns LLMs. Folge 2: Token.

  • 25-05-20 Croissants schnabulieren, Kirschrosinen (Dithmarschen – Berlin)

    25-05-20 Croissants schnabulieren, Kirschrosinen (Dithmarschen – Berlin)

    Es ist zu trocken. Der Zierapfel setzt keine Früchte an. Die Mirabellen beginnen zu vertrocknen.

    Madame nahm das Linientaxi auf die Latifundien. Der Fahrer: Ein Landsmann von Jenseits des Limes. Dort entkrautete sie Beet 1R und hing ein Foto eines Berliner Ponys an die Wand.

    Am Morgen stand sie Aug in Aug mit einem Reh direkt hinter dem Zaun.

    Der Kaptain beginnt ernstlich mit Packen.

    Mit dem ESC bin ich nach dem Finale wieder versöhnt. Sehr schöne, witzige Show der Schweizer Gastgeber, ein verdienter Gewinner und eine deutlich vielfältigere Songauswahl. Spannend: wie oft der ARD-Moderator „Stefan Raab“ sagte – bis dann die eher mäßige Platzierung des deutschen Titels offensichtlich wurde, und auch der Heilsgott des deutschen ESCs nicht mehr angerufen werden musste.

    Bei der EBU werden viele Menschen tief durchgeatmet haben, dass Israel nicht gewann. Den Stress, den ESC in einem weltemotionalisierenden Kriegsgebiet auszurichten, wird sich dort niemand antun wollen.

    Die Shell-Tankstelle am Sachsendamm soll abgerissen werden und einem zehnstöckigen Bürohaus weichen. Ich möchte jemand am Kragen nehmen, schütteln und sagen „Wohnungen! Berlin braucht Wohnungen!“

    Wir haben Peak Franzbrötchen erreicht. Es gibt jetzt Franzbrötchen-Likör namens Franzi.

    Waldmeistereis am Multimediabrunnen

    Zum Abschluss, ein Gang durch die Sommermetropole Dithmarschens: Büsum. Ich bewunderte Baustellen, Schuhgeschäfte und natürlich das Meer.

    Vor dem Rathaus saß ich mit Waldmeistereis und betrachtete den Multimediabrunnen: ein kleines Wasserspiel, mit LEDs beleuchtet, die am frühen Abend mehr zu erahnen als zu sehen waren. Mich freute, dass in dieser tiefschwarzen bis ehemals tiefbraunen Gegend ein Regenbogen geflaggt war.

    Noch mehr freute mich allerdings der Anblick des Rathauses an sich. Saßen doch vor 13 Jahren Madame und ich mit einer sehr motivierten Standesbeamtin hinter diesen Mauern. Während wir noch im Modus waren, dass Heiraten ja auch ganz nett sein könnte, war die Dame fest gewillt und sofort und unter allen Umstüänden zu vermählen.

    Es dauerte dann doch noch ein paar Wochen – aber die Entscheidung und damit das Rathaus machen mich immer noch glücklich. Ich saß also gut.

    Auch gut saß ich auf einer Bank am Strand, Wind in den Haaren, das Meer vor mir, las ich in meinem bisherigen Modellentwurf für die Bachelorarbeit und überarbeitete ihn innerlich.

    Der perfekte Ort, um über so etwas nachzudenken. Leider allerdings nicht der perfekte Ort, um es dann strukturiert niederzuschreiben: Also zurück an den Schreibtisch, zurück nach Berlin.

    Ho fatti salti mortali

    Abfahrt Dithmarschen: 10:15h, Ankunft in den mittelmärkischen Hamptons: 15:45. Zwischendurch: Gemüse am Hofladen kaufen, A23/ A7/ Hamburg/ A24/ Latte Macchiato in Schaalsee/ A24/ A10/ Tanken/Spargelhof/ Latifundien.

    Ich wollte ja nur eine Kleinigkeit, dachte, das geht auch an direkt an der Autobahn. Aber naja, bei 7,50€ für ein belegtes Käsebrot werde selbst ich preissensibel und verzichte.

    An der Autobahn lagen tote Waschbären.

    Weiterhin begleitete mich Annalisas Italo-Pop-CD E Poi Siamo Finiti Nel Vortice. Wenn man diese nur oft genug hört, fällt auf, dass Bellissima eigentlich ein Sport-lied ist, das sich als Liebeslied tarnt: ich kämpfe darum, elastischer zu sein // Ich habe Salti Mortali gemacht // Ich gehe ins Bett in Adidas-Shorts // Lass uns die Sport-Musik auflegen.

    Zum Ende der Fahrt eine kurze Einkehr am Hofladen des Spargelhofs. Mir war zu Ohren gekommen, dass die Milchorräte ausgingen. Hier fand ein kleiner Clash der Kulturen statt.

    Ich dachte „Der Hofladen halt ein nahe gelegener Supermarkt mit speziellen Angebot, der Sonntags geöffnet hat. Ich will nach Hause und muss auf Klo.“ Die meisten anderen Besucher*innen dachten: „Oh Tagesausflug! Ah! Zum Spargelhof! Uh! Da haben wir Spargel gegessen! Und es gibt auch noch Andenken! Und nicht nur Spargellikör und Erdbeernudeln, sondern sogar Käse, Milch, Fleisch und Gemüse! Wow! Lass uns jede Milchtüte einzeln betrachten!“

    Aber ich blieb höflich und habe auch niemand aus dem Weg geschoben. Mit Milch und Croissants verließ ich den Laden.

    Im Duft der Abelie

    Und dann die Latifundien: Noch ist alles grün. Ein wenig Regen unter der Woche ließ den Mohn sprießen, der Ginster zeigt Blütenansätze, die Pfingstrosen sind auf. Die Erbsen wachsen weiter, die Abelie betört alles in mehreren Metern umkreist. Man möchte nur die Arme ausbreiten und Aah sagen.

    Aber auch: es ist zu trocken. Am Kirschbaum hängen eingetrocknete Früchte, eher an Rosinen erinnernd als an Kirschen. Eine Blüte erlebt auch der Rosentriebbohrer (entweder Blennocampa elongatula – aufwärtssteigend; oder Ardis brunniventris – abwärtssteigend) frisst die Rosenknospen auf. Das ist insbesondere bei den einmalblühenden Alten Rosen misslich, denn dieses Jahre werden es Nullmalblühende Rosen – so zerstörerisch ist die Wespe.

    Auf dem Schreibtisch wartete Vašek Chvátal auf mich; also vielmehr sein Buch Linear Programming, frisch mit der Post eingetroffen aus der UB Hagen. Mir ist noch nicht ganz klar, wann ich es lesen werde. Aber es ist wichtig – und zitieren sollte ich es auf jeden Fall.

    Entschuldigt das leicht monothematische derzeit zur Linearen Programmierung. Aber ich kann versprechen, dass es noch schlimmer werden wird.

    Milli Vanilli und die brüllende Sonne

    Christiane bei den Filmfestspielen in Cannes. Die Eröffnung. Und wie sie versuchte, den Film Amrum on Faith Akin zu sehen.

    Kieselblog in Neustadt. Eine Installation über abgerissene Bauten im Ruhrgebiet. Mit Schwimmbad natürlich.

    Farnientes finden das beste italienische Eis Frankfurts. In einer japanischen Eisdiele.

    Bei Kreuzkümmel-Lamm war ich gekauft.

    Julia Pracht fuhr mit dem Zug on Sarajevo nach Mostar.

    Die BBC mit einem bezaubernden Gartenvideo von 1979: “All I know is you put the hairy end of the plant in the garden”. Via Messy Nessy.

    Markus über die Sonne. Gäbe es schallwellenübertragende Luft zwischen uns und ihr, würde sie mit 100 Dezibel brüllen:

    Würde in einem solchen Szenario plötzlich die Sonne erlöschen, würden es noch 14 Jahre dauern, bis die letzten Schallwellen die Erde erreicht haben. Wir würden also 14 Jahre lang auf einem finsteren, vereisten Planeten verbringen, während uns 14 Jahre lang eine gestorbene Sonne mit hundert Dezibel anbrüllt.