Schlagwort: Stettin

  • 25-03-11 Schwimmbadbahnen (metaphorisch)

    25-03-11 Schwimmbadbahnen (metaphorisch)

    Die SPD-Schöneberg verteilt Flyer zum gemeinsamen Iftar-Treffen. Aus dem Bus heraus sah ich ein Iftar-Angebot bei einem Imbiss. Ramadan und Fastenbrechen sind ein Thema in Schöneberg.

    Das Elektro-Swapfiets auf dem Hinterhof hat eine Lieferbox montiert. Vielleicht versucht sich ein neuer Nachbar mal wieder als Essenslieferant. Vor drei Jahren, bei den Spaniern aus dem Vorderhaus, fragte ich mich noch, warum sie so oft Essen bestellen. Irgendwann merkte ich, dass der Mann in Lieferando-Uniform immer derselbe war und anscheinend mit in der Wohnung wohnte.

    Ich überlege, wie ich nach der Bachelorarbeit einen Urlaub machen kann, in dem ich einfach nur an die Decke starre und gelegentlich schwimmen gehe. Derzeit finde ich „Stettin, Hotel mit Schwimmbad, im November“ eine gute Idee. Seeluft, echte Stadt, aber Wetter schlecht. Das ist gut zum Drinnenbleiben.

    Der Kaptain scharmütziert mit der Krankenkasse.

    Unser Büronachbar veranstaltete den AI Monday.

    Ein Tag Sonne reicht für eine Mittagspause im Parkliegestuhl mit Blick auf das Gasometer. Auf dem Rückweg treffe ich Jenni from the Bad und wir planen ein gemeinsames Basketballturnier im BBB-Pausenraum. Nur ein ganz paar kleine Genehmigungen noch..

    Kaffeegartenrunde

    Sonntag begann auf der Terrasse mit Kaffee (Pulver) in der Hand und einem Blick auf die gefrorene Wiese. Dann lieber schnell den Kaffee gekocht, zwei Tassen ans Bett verbracht und dort noch einige Zeit herumgelegen.

    Sonntag, zweiter Versuch, begann einige Stunden später mit Kaffee (flüssig) auf der Terrasse, Aufbackbrötchen und dem Deutschlandfunk-Rundfunkgottesdienst.

    Wir machten uns weiter über die Spitzmaus und ihre Lebensumstände kundig. Ausgehend von den Recherchen beschlossen wir die Reinigungsarbeiten, um ihren ehemaligen Fundort etwas zu eskalieren und räumlich auszudehnen.

    Alles in sonntäglich angemessenem Schneckentempo.

    Von den Schnecken sehen wir noch keine Zeichen. Aber am Kompost ein Gesumse als stände ich inmitten eines Bienenschwarms. Ich schaute hinauf, sah erste Blüten an Schlehe und/oder Weißdorn, aber immer noch keine Insekten. Ich tippe auf Tarn-Hummelköniginnen.

    PÖST

    Madame ist für die nächsten Monate durch mit Bildungswissenschaft. Ich noch nicht.

    Die seltsame Praxisnähe meines Fernuni-Moduls ist manchmal irritierend.

    Also: nicht praktisch im Sinne von Technik. Wie es sich für ein „Management“-Modul gehört, besteht ein relevanter Teil des Moduls aus Luftschlössern, substanzlosen Buzzwords und dem Hype des Tages. Aber hey, Bullshit-Bingo-Kenntnisse sind ein auf dem Markt nachgefragter Skill. Das Modul bringt auf jeden Fall die richtigen Buzzwords, und desöfteren auch Technikkompetenz mit sich.

    Aber was Projekt- und Prozessmanagement angeht.. es ist erschreckend. Es kann passieren, dass ich Abends eine halbe Lektion zum Thema Prozessanalyse durchgehe und dann tagsüber bei den BBB das neu erworbene Wissen einwerfen kann.

    Etwas irritierend: Das Modul hat eine Neigung zum deutschen Begriff. Geschäftsprozessanalyse statt Business Process Analytics, Informationssystem statt Information System – gegen den Trend, aber überzeugend gemacht.

    Nur bei den Abkürzung wird es seltsam. In VUCA1 steht das C für Komplexität. Aha. Und in PEST 2das E für ökonomisch. Jawoll. Andererseits: PÖST wäre auch eine seltsame Abkürzung.

    Mit dabei, mal wieder, meine guten Freunde die Modellierungssprachen.

    Besondere Freude: in der weltweit verbreiteten BPMN (Business Process Model and Notation) werden einzelnen Prozesse in sogenannten Pool Lanes modelliert – auf deutsch Schwimmbadbahnen.3

    Wie groß war meine Freude als ich in der Verwaltung einen echten „Prozess Schwimmbadbahnenbelegung“ in BPMN sah. Pool-Lane-Vergabe in einem Pool-Lane-Prozess. So meta!

    Faune Parisienne

    Netzrumsumpfen.

    Ich suchte auf Youtube ein Slime-Video, anlässlich „der Lage“: Goldene Türme wachsen nicht endlos – sie stürzen ein. .

    Um mir klar zu machen, wie lange das schon her ist, und wieviel älter ich bin, begrüßte mich Youtube mit Werbung für Anti-Verstopfungs-Mittel.

    Geht es nur mir so? Seit Jahren zeigt mir Youtube in seinen Empfehlungen immer nur „best of AfD“. Ich soll laut Youtube immer nur Videos sehen, in denen die Grünen/die Gutmenschen/irgendeine Frau „zerstört“ wird. Jetzt weisen mich jetzt dieselben Empfehlungen auf „AfD = Arschkarte für Doofe“, „Trump destroyed Bourbon Whiskey“, „Fox ABANDONS Trump“ hin. Eine 180-Grad-Wende ohne dass sich mein Surfverhalten verändert hätte.

    Auch beim Netzrumsumpfen: Zeit für das wunderbare Blog/Gemischtwarenladen Messy Nessy Chic – Cabaret of Chic Curiosities gehabt. Alles, was Paris und Europa besonders macht.

    Aktuell mit Artikeln zu „The Women who served Wine on the Battlefield“, „The Initimate Little World of Nun Boxes“ und „In 1970s Paris an American Magazine Broke All the Rules.“

    Die Artikel schön, die käuflichen Curiosities leider eher im gehobenen Preissegment. Aber dieses Schaltuch mit Faune Parisienne! Hart zu widerstehen.

    (Entdeckt via Thomas Gigold)

    Uschi über die Lörracher Christuskirche.

    Legoktm verabschiedet sich von FiveThirtyEight

    Christiane schaut Meghans Netflix-Show und wird Pamela-Anderson-Fan.

    Wohl wahr. Wäre SIE in Elternzeit gegangen, würde ich Bianco: Nur Papa nimmt Elternzeit nicht verlinken.

    Anmerkungen

    1. Volatility, Uncertainty, Complexity, Ambiguity ↩︎
    2. Poltical, Economical, Social, Technical ↩︎
    3. Diejenigen Leser*innen, die sich mit BPMN auskennen, mögen jetzt nicht in Detaildiskussionen ausbrechen. ↩︎
  • 24-05-23 Gestreckter Rückwärtssalto

    24-05-23 Gestreckter Rückwärtssalto

    Gestern war Tag des Schwimmmeisters.

    Wir recherchierten Hotels. Ich fand eine Besprechung:

    24h Restaurant, Wechselstube, Apotheke, Tabakladen, Zahnarzt, Zoogeschäft, Bordell, Supermarkt und eine dem ehemaligen Stadttor nachempfundene Tankstelle … bei diesem Hotel bleiben keine Wünsche offen.

    Ich bin gebucht, Zoogeschäft und Tankstelle im historischen Stadttordesign; mehr als ich je von einem Hotel erwartet hätte.

    Der neu eröffnete M&M-Spätkauf ist jetzt DHL-Filiale. Ich hoffe Dein Späti bleibt es auch. So eine große Berliner Straße wird doch wohl zwei Späti-DHLs innerhalb eines Blocks verkraften.

    Saisonkabinenbesuch Nr. 3 im Insulaner. Damit 26,67€ / Besuch.

    Kaum verstehe ich, warum Menschen ihre Schwimmbadzeit damit verbringen, sich erst in Schlangen zu stellen und dann Treppen zu steigen. Aber ich erfreue mich, wenn sie am Ende ihrer Aktionen einen nahezu formvollendeten gestreckten Rückwärtssalto vom 3-Meter-Brett hinbekommen.

    Freiheit, Liebe, Liste

    In Polen hingen nur wenige Europawahlplakate. Überraschend: die Plakate, die wir sahen, waren nahezu identisch gestaltet, unabhängig von der Partei: Grau-weißer Hintergrund, ein großes Bild eines älteren weißen Mannes und dessen Name, dazu ein Slogan, der Partei/Bündnisname und etwas Kontrastfarbe je nach Partei.

    Die Plakate sahen so uniform aus, dass ich fast eine behördliche Vorgabe vermute.

    (Okay, dass die Person auf dem Plakat ein älterer weißer Mann ist, hat vermutlich mehr mit polnischer Gesellschaft zu tun als mit direkten Vorgaben.)

    Zurück in Berlin passiere ich auf dem Arbeitsweg kurz hintereinander zwei FDP-Plakate Wirtschaft liebt Freiheit so wie Du. und Migration steuern. Das provoziert zwei Fragen:

    • Lieben Migrantinnen und Migranten keine Freiheit?
    • Ist Freiheitsliebe vielleicht nicht das einzige Entscheidungskriterium?

    Hey, Mackarela

    Nachzutragen von Stettin bleibt der wunderbare Bagel-Laden Bajgle Krola Jana direkt in der Altstadt. Sei es, weil er uns inmitten heftiger Gewitterschauer Obdach bot; sei es weil er alberne Namen für die Bagel hatte, die dennoch Sinn ergaben („The Full Monty“, „Ave Cesar“, „Hey, Mackarela“..); sei es, weil Madame die ganze Woche über vom Hey, Mackarela schwärmte.

    R87508

    In Rzepin im Powiat Słubicki, Woiwodschaft Lebus wohnen 6600 Einwohner. Dort stehen zwei Innenstadthotels. Die Stadt beherbergt einen Bahnhof mit etwa 40 Güter- und 8 Personengleisen. Dort leben 100.000 Mücken.

    In Rzepin treffen sich die beiden Bahnstrecken Stettin<->Breslau und Berlin<->Warschau. Dort befindet sich der letzte polnische Bahnhof vor der deutschen Grenze.

    Da die Strecke Berlin<->Stettin seit Jahren durch eine Baustelle gesperrt ist, fuhren wir von Stettin mit Polregio R87508 nach Rzepin und dann im EC40 weiter nach Berlin.

    Der DB-Zugbegleiter zweifelt: Da sind sie ja einen riesigen Umweg gefahren!

    Wir: Wie sonst? Baustelle! Was hätten Sie gemacht?

    Zugbegleiter: Da gibt es doch diese Busse, diese Flixbusse..

    Dabei war unsere Fahrt mit Polregio sehr schön. 24 Halts in zwei Stunden, wir sahen entzückende Orte, entzückende Landschaften und mehr als einen einsamen Bahnsteig im Weizenfeld. In Chojna steht ein Bahnhofsgebäude mit toller Typographie.

    Als wir wieder im „großen“ Zug saßen, fiel positiv auf: der deutsche Zugchef im EC hat sich nicht nur auf deutsch und englisch betätigt, sondern sogar sich auch auf polnisch bemüht.

    Neben uns; Gesprächseröffnungen from hell.

    Deutscher Mann, Typ Julian Assange, versucht mit junger Ukrainerin ins Gespräch zu kommen. Sie hat schon erklärt, dass sie eine Freundin besucht und das erste mal in Deutschland ist. Er, 15 Minuten nach Grenzüberquerung, während sie sich die ganze Zeit gegenübersaßen „How do you like Germany so far?“

    Statue eines Bahnarbeiters, im Hintergrund die Oder und ein fliegender Vogel mit gespreizten Federn.

    Beweislast, Betrug, Beweisumkehr, Unschuldsvermutung

    Herr Rau zum Thema Hausaufgaben und Alleinaufgaben. Ich bin aus dem Thema ja schon länger raus und gehörte eh zur nur wenig von Hausaufgaben betroffenen Fraktion „schnell & faul“, kann das interessiert als Außenstehender lesen: Alleinaufgaben statt Hausaufgaben

    Am Rhein beim Postwestfalen. That’s the spirit!:

    anzumerken ist, dass ich relativ plötzlich in ein Projekt mit hoher Management Attention und sportlicher Zeitplanung involviert bin; ich nehme an, in nicht allzu ferner Zukunft, jedenfalls lange vor meinem Ruhestand, wird sich niemand mehr dafür interessieren. Wie auch immer – ich werde mein Möglichstes dazu beitragen, auf dass ein mögliches Scheitern nicht mir anzulasten ist.

  • 24-05-21 Chop chop szczeciński (Toccata und Fuge)

    24-05-21 Chop chop szczeciński (Toccata und Fuge)

    Madame wollte vom Topfpflanzenmarkt Päonien mitbringen. Bis wir allerdings beim Markt waren, war der Päonienstand verschwunden. Stattdessen: Buchweizenhonig.

    Ein Kellner wollte sagen, dass ein bestimmter Bereich des Restaurants nicht bedient wird: „This area is out of order.“

    Montag (Feiertag in Deutschland, nicht in Polen). Wir hatten uns vor dem Gewitter in einen Pavillon der Hakenterrasse geflüchtet. Von dort schauten wir Milchkaffee trinkend auf die Nawigator XXI, das Schulschiff der Politechnika Morska (Fachhochschule des Meeres).

    Plötzlich sammelten sich 30 kleine Menschen (aus der Entfernung) mit Köffern in Matrosenanzug, die das Schiff bestiegen. Es ging auf große Schulfahrt!

    Irgendwie war ich auf der falschen Uni. Die Unis Leipzig und Hamburg boten keine Sea-going programs an.

    Hotelentdeckung: Eine Glaskaraffe im Zimmer und ein Wassersprudelspender auf dem Gang statt Flaschenwasser. Bitte mehr davon.

    Die Stadtgeographie Stettins blieb weiter spannend. Stettin ist wie jede von uns bereiste polnische Großstadt eine moderne, weltgewandte, energetische Stadt. „Wir wollen Zukunft“ strömen die Menschen aus.

    Nur ihr geograophisches und historisches Zentrum, die Altstadt ist eine eigentümlich leblose Energiefalle. Es gibt ein Hotel, einige Restaurants mit touristischer Ausrichtung und viele Wohnhäusern deren Bewohner*innen lieber nicht rausgehen.

    Für Touristen zur Erstorientierung durchaus verstörend; für Entdeckernaturen aber spannend.

    Die Wikipedia beschreibt es als:

    Nach 1945 übernahm die gründerzeitliche Neustadt mit ihrer überwiegend gut erhaltenen Blockrandbebauung anstelle der fast völlig zerstörten Altstadt die meisten Zentrumsfunktionen. Ein dominierender Stadtmittelpunkt ist in der Neustadt nicht erkennbar.

    Deckschrubben, Matrose

    Neben der diversen Zentren der Neustadt versucht die Stadt ein weiteres Zentrum zu etablieren: den Innenstadthafen. Was London, Rotterdam, Hamburg und Danzig schon konnten, kann Stettin schließlich auch. Nicht-mehr-benötigtes-Hafengelände zu Hipsterinnenstadt. Wichtiges Bauwerk dabei: das vor einem Jahr im Mai 2023 eröffnete nautische Meeresmuseum (Morskie Centrum Nauki).

    In prominenter Lage, auf der noch „falschen“ Oderseite, in einem Gebäude, das aussieht wie ein großes Schiff. Das Museumszentrum erstreckt sich über mehrere Stockwerke. Es ist ein Mittmachzentrum. Jede Station weist einen Erklärteil auf und einen „mach selber etwas.“

    Die Stationen sind verschieden: Mal ist es eine Rudermaschine, mal ein kleines Segelboot mit Windmaschine auf dem man „gegen den Wind“ segeln kann, mal Morsegeräte.

    Es gibt aber auch Aufgaben wie „Deck schrubben“, den Vergleich zwischen Bett/Hängematte auf einem schaukelnden Schiff und Physik-Simulatoren (eindrucksvoll: wie viel stabiler liegt ein Katamaran im Wasser als ein Standardsegelboot).

    Wer es bis in den dritten Stock schafft, darf sich als Matros*in bzw. Kapitän*in verkleiden.

    Ein großer Spaß das Zentrum.

    Kathedralenfahrstuhl

    Um weitere Stadtzentren zu finden folgten wir dem roten Faden, einer Stadttour, die ganz wortwörtlich als sieben Kilometer langer roter Strich auf die Bürgersteige gemalt ist

    Durch die Uptown-Downtown-Aufteilung der Stadt in ein „unten“ auf Meeresspiegel (Altstadt, Hafen) und ein „oben“ (Neustadt, Modernes Stettin) ergibt sich die natürliche 1A-Lage Stettins: Direkt am Hang – oben mit Blick nach unten. Dort liegen alle Regierungsgebäude seit dem Schloss der Pommerschen Herzöge aber auch die Hauptkirche, die Jakobikirche/-kathedrale. .

    Das backsteingothische Gebäude weist im Wesentlichen das Baujahr 1971 auf. Die Zerstörungen der Stettiner Innenstadt ließen selbst von so einem imposanten Kirche wenig übrig. Die katholische Kirche baute das einst evangelische Gotteshaus nach.

    Im Innern fällt das Baujahr zum Beispiel dadurch auf, wie gleichmäßig die industriell gefertigten Backsteine sind. Noch auffallender: der Personenfahrstuhl im Kirchturm, der auf eine echte verglaste Aussichtsplattform führt. Das fühlt sich mehr nach Fernsehturm Berlin als nach gotischer Kathedrale an.

    Blick vom Turm der Jakobikirche. Im Vordergrund Kirchendach mit Laterne, im Hintergrund Hafen und Altstadt. Wilde Wolken am Himmel.
    Blick vom Kirchturm auf Altstadt, Palast der Pommerschen Herzöge (weiß), Hafen und im Hintergrund der Dammsche See.

    Eindeutig kathedral war aber das Orgelkonzert. Etwas gleichzeitig mit uns betrat eine polnische Schulklasse das Gebäude. Die bekamen eine kurze Einführung zur Kirche, direkt danach eine Orgeldemonstration. Von den höchsten Pfeifen zu den tiefsten Tönen; verschiedenen Soundeffekte. Und am Ende ein kleines Konzert der Orgelklassiker mit Ave Maria, the Prince of Denmark’s March und die Toccata und Fuge d-Moll BWV 565.

    Wie Kirchenorgeln funktionieren: wenn eine Gruppe die Orgel hört, hören sie alle. Wir durften überraschend und ungeplant dem Konzert lauschen. Juhu!

    Sozialistischer Dosenfisch zu Stadtspezialität

    Bestes Essen: die Deska Szczecińska, die Stettiner Fischplatte in einem Brauereirestaurant. Sie bestand aus frittierten Sardinen, einem Hüttenkäse-Makrelen-Aufstrich (überhaupt Makrelen: Große Thema in der Stadt), Hering und der lokalen Spezialität hausgemachter Paprykarz szczeciński.

    Die mag ich: Fisch, Reis, Tomatenmark, Zwiebeln und viele (scharfe) Gewürze trifft all meine Essensfreuden. Auch mag ich die Entstehungsgeschichte des Gerichts:

    Es waren die 1960er. Kommunistische Arbeiter sollten satt werden. Kommunistischen Staaten schickten ihre Fischfangflotten in die weite Welt, um Essen heran zu schiffen, das zu Konservenfisch wurde.

    Es entsteht bei der Umwandlung von ganzem frischen Fisch in filettierten Konservenfisch Verschnitt. Ein Direktor der Konservenfabrik Greif in Stettin suchte eine Möglichkeit, seinen Arbeitern auch Fischverschnittkonserven schmackhaft zu machen.

    Da die polnische Fischereiflotte zu dieser Zeit vor allem vor Westafrika fischte, entdeckte er angeblich ein westafrikanisches Rezept Chop Chop – das aus Zutaten nachgebaut wurde, die im Stettin der 1960er verlässlich vorhanden waren.

    An dieser Geschichte mag ich alles: Sie erfindet keine ewige Tradition; sie ist offen damit, dass sie auf Imitation und Adaption beruht; prosaischer als „Konserve für Reste“ kann ein Ursprung nicht sein. Ich mag, dass sich das Gericht von der billigen Konserve zur hausgemachten Spezialität teurer Restaurants entwickelte. Und als i-Tüpfelchen kennt mein Internet kein afrikanisches Gericht namens Chop chop.

  • 24-05-18 Stettin Oder Uptown-Downtown

    24-05-18 Stettin Oder Uptown-Downtown

    Die EM kommt. In der Verwaltung tauchen erste Fanartikel auf. Ich sah eine Schwarz-Rot-Gold-Einkaufstasche ebenso wie M&Ms in diesen Farben.

    Endlich gehen die Feiertage vorbei. Die Feiertagswochen waren kein Spaß. Die Leute, die etwas von uns wollten, blieben alle in Berlin. Die Leute, die hätten helfen können, waren abwesend. Schlechtes Timing. Zum chilligen (endlich!) Freitag Nachmittag dann noch ein kleiner Bang. Nichts, was mich direkt betrifft, aber doch etwas zum Luftholen.

    Zu Hause der private SAP-Online-Kurs und ein Fluchen meinerseits. Dafür, dass der nicht umsonst war, stören mich inkonsistenzen zwischen Video, Text und Live-SAP-System erheblich.

    Besonders nervig, wenn du irgendwann am Anfang zB Buchung 6430 anlegen sollst und vier Lektionen weiter dann immer Buchung 6503 aufrufen sollst, um damit weiter zu arbeiten. Was natürlich dazu führt, dass ich nie so genau weiß, ob an dieser konkreten Stelle ich jetzt nicht aufgepasst habe oder ob der Kurs buggy ist.

    Hingegen am Schwärmen: Madame besorgte bei der Marktschwärmerei Fleisch vom Weideschwein. Meine Güte schmeckte das großartig. Die Menschen vor 150 Jahren haben zwar gehungert, gefroren und sich von Februar bis Mai nur von Grießbrei ernährt. Aber wenn sie mal Fleisch oder Gemüse hatten, war das wenigstens beste geschmackliche Bioqualität.

    Gelesen unterwegs. Stephen Harrison: The Editors. Ich bin auf Seite 30 und total hingerissen. Es gibt ihn, den guten Wikipedia-Roman. Juhu!

    Dank des Karnevals der Kulturen stellte die BVG die Buslinie zwischen uns und dem Bahnhof Südkreuz ein. Leider, ohne uns bescheid zu sagen. Es erhöht den Abenteuerreiz im Leben, wenn wir es erst mit Koffern an der Bushaltestelle entdeckend.

    Spielhallenkaffee

    F: Herr southpark, sie fahren also Pfingstsamstag mit dem Zug aus Berlin Richtung Ostsee? Sind sie bescheuert?

    A: Öh.

    F: Obwohl sie gar nicht wirklich an die Ostsee wollen?

    A: Öh.

    Das Problem überfüllter Pfingstzüge, die nicht mehr anhalten, von der Bundespolizei geräumt werden und auch ansonsten wenig empfehlenswert sind, fiel uns recht spät auf. Wir beschlossen es mit einer Mischung aus etwas Geld und frühem Aufstehen totzuschlagen. Auf mit dem 1. Klasse-Supersparpreis im ICE1078 um 7:36h.

    Soweit so chillig. Aber es brachte uns eine Stunde Aufenthalt in Pasewalk, der Heimat der telefonischen Telefonauskunft. Dort treffen sich die Bahnstrecken Berlin-Rügen und Lübeck-Stettin, entsprechend imposant ist der Bahnhof.

    Leider lange her.

    Obwohl Dutzende Menschen sich im Bahnhof herumtrieben und Wartezeiten überwunden, ersteckte sich das komplette Entertainment- Geschäfts- und Gastronomieangebot auf „SPIELHALLE. 10 bis 24 Uhr. Kaffee to go.“

    In Löcknitz: Ein Mann, der bewegungslos am Bahnsteig neben (s)einem Koffer lag; auf dem Rücken, Hoodie aufgeklappt. Auf Ansprache nicht reagierend. Erst als der Zugführer kam, ihn schüttelte und energischer auf ihn einredete, setzte er sich auf. Anscheinend wollte er schlafen. Die Aufregung verlief sich, der Zug fuhr davon, im Fortfahren sahen wir, wie der Mann am Bahnsteig sich seitlich einrollte.

    Topfpflanzenmarkt

    Stettin! Ostsee! Eine Stadt, in der wir am Hafen vorbei vom Bahnhof zum Hotel laufen, hat schon gewonnen. Uns begrüßte ein Denkmal des Heringshandels. Ich fühlte mich zu Hause.

    Die oft übersehene Großstadt nahe Berlins. Deutlich näher als Rostock, deutlich größer als Magdeburg und doch.. gefühlt unendlich weit weg. Welch Verlust!

    Unseren Stettin-Trip haben wir aus verschiedensten Gründen mehrfach verschoben. Aber endlich fand er statt. Großstadt mit Meerwind, es gibt fast nichts besseres.

    Dabei anders als andere polnische Städte, die wir besuchten. Dort vereint ein zentraler Marktplatz Bars, Restaurants und Schnusch-Läden. Die Einheimischen gehen in Shopping Malls einkaufen, die sich recht kreisförmig in weiterem Abstand vom Marktplatz angesiedelt haben.

    Hier eine seltsam unzusammenhängende Stadt. Ein kleiner Teil der Stadt mit dem Marktplatz, einigen Restaurant und einigen alten Gebäuden, liegt auf Höhe des Meeresspiegels direkt an der Oder. Alles Andere, Geschäfte, die meisten Bars und Restaurants liegen auf dem Hang, dort einige Nebenzentren bildend.

    Wir liefen fast alles ab. Vom Bahnhof (unten) zum Hotel (unten), vorbei am Schloss der Pommerschen Herzöge (oben), Bagel essen (unten), durch den EU-Park wieder hoch. Dann zur Tourist-Info (oben), zur Bogusława Fußgängerzone (oben) und den Hakenterrassen mit Hafenblick (von oben nach unten). Dort ein überraschender Pflanzen-Markt – gut dass wir mit dem Zug sind.

    Abends wieder Essen unten im Touriviertel, das eines der (weniger stylischen) Ausgehviertel ist. Burger von heimischen Wild und Heilbutt. Lecker war’s.

    Alles unter Mauerseglern, in Dauer-Meerbrise und vollkommen Heuschnupfenfrei.

    Irgendwie schön wie Rostock, und in vielem an die Stadt erinnernd, aber halt doch anders.

  • 24-05-02 Obstbaumwegblick

    24-05-02 Obstbaumwegblick

    Es war der Nachmittag vor dem Feiertag. Die wahren Herr*innen der Tiefgarage, die Tauben, standen schon bereit, um wieder die Herrschaft über den Raum zu ergreifen.

    Madame buchte eine Zugfahrkarte nach Pasewalk.

    Stettin besitzt, ähnlich wie Hannover, einen durchgezogenen aufgemalten Roten Faden durch die Stadt, an dem sich alle Sehenswürdigkeiten befinden.

    Der McDonalds am Autohof Oberkrämer hat eröffnet.

    Der Haupt-Lidl schließt um 22 Uhr. Es gibt keinen Grund, sich zu beeilen, um noch um 20:50h dort zu sein.

    Aus informierter Quelle erfuhr ich: Die jungen Herren, die wundersamerweise in den fetten Karren durch Berlin cruisen, folgen dem Motto Sharing is Caring. Wenn man eine 1000 Euro-Mercedes-AMG-Leasingrate durch acht Personen teilt, kommen bezahlbare Summen heraus. Ein Glück dem, der das Auto nicht zum Transport benötigt.

    Der Wikiphotographer traf DEVO auf dem Sundance Film Festival.

    Madame las Annette, ein Heldinnenepos und war sehr begeistert.

    Dienstag noch geträumt, heute schon Realität. Ich nahm (stummgeschaltet) an einer Videokonferenz teil, Headset an einem Ohr, während ich auf dem anderen Ohr mit dem Handy telefonierte. Soll jetzt aber keine Gewohnheit werden.

    Da dieses Jahr alles vier Wochen zu früh ist, beginnt auch mein Pseudoheuschnupfen Ende April. Noch weigere ich mich, diese Realität anzuerkennen.

    Es war die Nachtigall und nicht die Krickente

    Ankunft in der Mittelmark Dienstag Abend: wir hören eine Nachtigall und die Autobahn. Madame und ich zücken je verschiedene Vogelbestimmungsapps. Die bieten Saatkrähe, Waldkauz, Krickente oder Uhu. Keine Nachtigall.

    Am Feiertag flog eine Drohne über das Grundstück und filmte über den Südsee. Labten sich dort Brandgänse? Eine Fotofalle nahm vielleicht einen Waschbären auf. Vielleicht war es auch ein Löwe.

    Der FDGO-Biker klagte über den Wind, schien sich aber sonst zu amüsieren. Gerne stellt er Menschen die Frage, ob sie richtig sind.

    Der Floratempel bekam weitere Balken. Wir können den Blick durch die späteren Rosen antizipieren: Genau auf und entlang des Obstbaumwegs. Als wir diesen anlegten, existierte noch kein Gedanke an die Lauzebo – aber der Blick ist apart.

    In der Abelie entdeckten wir einen Klimawandelmigrant: der Trauer-Rosenkäfer – laut unserem Bestimmungsbuch noch mediterran und selten in Süddeutschland, laut diverse Websites inzwischen deutschlandweit verbreitet.

    Faszinierend: die Abelie riecht sehr schön. Aber in einer Intensität, die selbst für Menschen in einem halben Meter Abstand die Assoziation „Opiumhöhle“ entstehen lässt. Wie sieht das für einen Käfer aus, der quasi in den Blüten sitzt, die auch halb so groß sind wie er selber?

    Kann er nichts riechen? Oder lebt er in einem Dauer-High auf das Elon Musk neidisch wäre?

    Rosen-Träuerkäfer in Abelie.

    Ursula und?

    Kurzes politisches Quiz für zwischendurch: Wer sind die deutschen Spitzenkandidaten der Europawahl?

    • der CDU
    • der CSU
    • der SPD
    • der Grünen
    • der FDP
    • der AfD
    • der Linken
    • von Volt

    (Auflösung)

    Black Forest, der Nationalkuchen Trinidads

    Schon lange war ich stolz auf mein Nischenwissen, dass die Schwarzwälder Kirschtorte in Pakistan als Nationalkuchen gilt. Was ich aber lernte: nicht nur in Pakistan. Trinidados schwören, dass „Black Forest Cake“ mit Rum IHR Nationalkuchen ist. Anscheinend ist das halbe britische Empire der Meinung. Nur in Deutschland ist die Torte aus der Mode: How Did Black Forest Cake Become the World’s Favorite Dessert? -Dessert lovers from Chile to Pakistan to Fiji claim it as a national treat. How did it get there from the woods of Germany?

    Flachbauten in Baulücken. (via Buddenbohm, der via Ute Vogel)

    Von derselben Fotografin: Nachkriegswohnbau für berufstätige alleinstehende Frauen

    Die Zeit chillt: Die Freibadsaison hat begonnen. Berlin zum Beispiel, wo sich die Leute sonst eher anblaffen oder ignorieren, verwandelt sich darum nun kurz in eine Stadt des Lächelns.

    (Noch schöner, wenn man den bärtigen Mensch an der Kasse persönlich kennt ;-))