Schlagwort: Sylt

  • 24-05-28 Unter der Sitzwarte (Lila Flecken auf der Wetterkarte)

    24-05-28 Unter der Sitzwarte (Lila Flecken auf der Wetterkarte)

    Sind zwei Armlehnen soviel wert wie ein Schubkarrenrad? Der Markt sagt ja.

    Was ist Dein Lieblingsartikel im Grundgesetz?

    Für Fortschgeschrittene: Was ist Dein Lieblingsartikel (Grundrechte ausgenommen)?

    Ich hätte kochen sollen, konnte meinen Blick aber nicht von den Mauerseglern abwenden, die vor dem bald-kommt-das-Gewitter-Himmel ihre Runden drehten.

    Mir träumte, ich fahre im Reisebus nach Kiew. Um uns herum Feuergefechte. Uns im Bus passierte nichts. Aber die Stimmung war angespannt. Das war das Stichwort – volle Anspannung. Mit einem Krampf im Bein wachte ich aus dem Traum auf. Bein gelockert, todmüde ohne Bürgerkriegsträume wieder eingeschlafen.

    Eine Ente transportierte Lehm von Glien (altslawisch für Lehm) nach Wochenend-West (neuberlinerisch für Sand).

    Montag richtete Madame zwei Quadratmeter Steglitz häuslich mit Badenhandtuch und Poolkit ein. (Besuch 5 / 16€ pro Besuch).

    Einst hängte ich im Spätsommer „Nazis raus“-Plakate an Laternenpfähle in Kampen auf Sylt. Selten sagt mir der Weltgeist so deutlich, dass ich meiner Zeit voraus war.

    Ich mag Schmalkalden. Zwei Leben vor diesem Leben kannte ich einen coolen Menschen aus Schmalkalden. In unserer aufrührerischen Gruppe der Weltverbesserer war er vielleicht der weiseste.

    Diese Schmalkalden-Zuneigung wurde bei der Thüringer Kommunalwahl bestätigt: SPD-Bürgermeister gewählt mit 66%, im Landkreis Schmalkalden-Meiningen eine direkt gewählte SPD-Landrätin.

    Ich glaube wir sollten dort hin und die Stadt ein Wochenende lang näher untersuchen. Wir könnten es kombinieren mit einem Besuch der Viba Nougat-Welt, die in der Nougat-Allee 1 in Schmalkalden liegt. Vielleicht hilft Schokolade auch einfach gegen Faschismus.

    Waschbärspuren

    Wir weihten Laubola Floratempel mit Hefezopf und Zitronenwasser ein. Vor uns hatte bereits der Hausrotschwanz die Dachbalken als Sitzwarte bezogen.

    Sonntag setzte Madame Frauenmäntel an die Alten Rosen.

    Eine Solitärwespe schleppte in Form einer Raupe – doppelt so groß wie die Wespe – Vorräte für die Kinder an.

    Das neue Ettenbühl-Video zeigt Bilder, wie Scarmans Himalayan Musk große Walnussbäume und Häuser überwächst. Toi, toi, toi, dass wir unseren frischgepflanzten Rambler jemals in den Griff bekommen.

    Ich widmete mich meinen Lieblingshobby: Endgültiges Ausgraben der Brombeere. (Genau – diejenige Brombeere, die wir schon im Mai ’23, August ’23, Oktober ’23, März ’24 und im April 2024 endgültig ausgruben. Ich glaube es ist verständlich, warum wir Furcht vor ihrem Ausbreitungsdrang haben.)

    Letztens vermuteten wir eine Waschbärsichtung. Dann dachten wir: Das kann nicht sein. Wären hier Waschbären unterwegs, hätten uns die Nachbarn schon Schreckgeschichten von ihnen erzählt.

    Dieses Wochenende erzählte Frau Tegel Schreckgeschichten vom Waschbär.

    Madame brachte Blumen mit und weihte die neue Vase vom Prellbock ein.

    All‘ das fand statt in einer Luft so dick, dass sie Widerstand leistete, gehen erschwerte. Am Himmel sahen wir Gewitterwolken, auf der Wetterkarte vorbeiziehende lila Gewitterflecken. Aber sie alle umgingen uns.

    Im Hintergrund dröhnte der Speedway-Ring.

    Blick durch Holzbalken auf einen stark wolkigen Himmel

    Skandinavienkai

    Jon Worth fuhr mit dem Fahrrad auf eine Finnlines-Fähre ab Travemünde.

    Auf der anderen Seite der Nordsee wird in Norwegen gestreikt. Das läuft anders als in Deutschland. Streik mit Streikpflicht und Ausnahmegenehmigung und einer wird die IT weggenommen während des Streiks.

    Google like it’s 2001 mit Erklärung.

  • 23-05-30 Uelzen Hildesheim Wohnmobil

    23-05-30 Uelzen Hildesheim Wohnmobil

    Der Regio nach Sylt ratterte am Bad vorbei. Ich hatte etwas Mitleid. „Ihr müsste noch Anderthalb Stunden im im überfüllten Ferienregio sitzen, während ich hier schon Nordsee, Wind, Sonne und Wasser in Dithmarschen habe.“

    Ich umrundete gemählich schwadernde Osteuropäerinnen mit Kopftuch. Madame hatte sich zurückgezogen und las weiter in Stadt Land Raub. Der junge Mann in der neofarbenen Badehose übte sich an formvollendeten Köppern vom 5-Meter-Turm. Der Güterzug nach Hamburg rauschte vorbei.

    Wir schwelgten im 29-Grad-Freibad – beheizt durch die Abwärme der Raffinerie, deren Erzeugnisse nach Hamburg fuhren. Nachdem das Meer sich rar gemacht hatte, holten wir den Schwimmausflug im Freibad Hemmingstedt nach. Erfreut darüber, dass auch in ländlichen Kleinstadtfreibädern inzwischen Currywurst (Rindfleisch) auf der Karte steht.

    Es folgten die anderen Standard-Programmpunkte: Wandeln am Eidersperrwerk, wandeln am Deich und Scholle essen am Büsumer Hafen. Herr Ch. wollte nach Heide gebracht werden, damit er zusammen mit der Landjugend zur Albersdorfer Pfingstfete fahren konnte.

    Radtourschild mit Schaf-Route und Kohl-Route
    Kohl-Route und Schaf-Route. Wie es sich gehört.

    Nebenbei, immer wieder: LU(LR)-Zerlegung und Cholesky-Zerlegung. Die Einsendeaufgaben ruhen in diesem Semester nie. Ich hatte es natürlich nicht geschafft, sie vor dem langen Wochenende abzugeben. Immerhin: inzwischen sind einige Aufgaben eingereicht, vier Stunden vor Abgabeschluss.

    Auf der Rückfahrt; die Strecke von Büsum zur Autobahn. Ich zählte Kennzeichen auf: Hamburg – Pinneberg – Einheimisch – Pinneberg – Essen – Hannover – Schweiz – Hamburg – Einheimisch – Einheimisch – Irgendwasausbadenwürttemberg – Itzehoe – Einheimisch – Uelzen – Hildesheim – Wohnmobil. Die pfingstlichen Urlauberkolonnen rollen.

    Girl Gone Missing

    Madame gestaltete derweil naturnahe Blumenkäste und las Stadt Land Raub. Die deutsche Übersetzung von Girl Gone Missing war über den Hammett-Newsletter und dann diverse Irrungen in Madames Hände gelangt. Ihren gelegentlichen Äußerungen nach sprach sie dem Buch jegliche Krimihaftigkeit ab. Deswegen war sie von der Geschichte der Native Americans in Minnesota sehr angetan. Sie zitierte zustimmend eine Kritik „Es passiert nicht viel auf der Handlungsebene. Aber es passiert viel mit den Menschen.“

    Der Kaptain entdeckte den Whats-App-Status.

    Im Kofferraum fand sich ein halber Kaninster mit Winter-Scheibenreiger.

    Von mir gelesen: Horst Evers: Bumm! Ich zweifelte schon beim Kauf, weil sich das Buch eigentlich zu sehr nach persönlicher Komfortzone von mir anhörte. Bei der bisher gelesenen ersten Hälfte bin ich unterwältigt. Aber ich erinnere mich an den Vorgänger, den ich auch lange unterwältigend fand, bis ein furioses Finale alles zusammenfügte.

    Frau Rabe folgte einer norwegischen Hochspannungsleitung.

    Beim Guardian gab es eine #metoo-Affäre und in der britischen Presse rollt Tumbleweed vorbei. Die nytimes berichtet über Nicht-Berichte: A British Reporter Had a Big #MeToo Scoop. Her Editor Killed It. (Paywall entfernt).

    Politico produzierte eine Grafik-Multimedia-Reportage über den neuen European Sleeper Train von Berlin nach Brüssel. (Achtung, lädt ewig)

    Shocking! Die Hamptons sind nicht mehr Hip!

    Merken für das nächste Jahr. Alle Mauer-Blumenkästen beim Kaptain zusammen fassen etwa 100 bis 120 Liter Blumenerde. In der Hütte sind noch 100 Liter.

  • 23-05-16 Fluch der Karibik

    23-05-16 Fluch der Karibik

    Die Hinter-dem-Büro-Baustelle dichtet das Tiefgaragendach mit Dachpappe ab. Das Dach liegt genau auf Bodenhöhe. Es sieht so aus, als würden mehrere Lagen Dachpappe direkt auf den Erdboden verlegt. Darauf wird ein halber Meter angekarrter Erde kommen, um Natur zu suggerieren. Die Hinterhausbaustelle zog Schläuche quer über den Hinterhof. Irgendeine weitere Baustelle sperrte spontan den Radweg vor unserem Haus.

    Der Bungalow-Wasserzählerwechsel mit Verplombung ist in all‘ seinen Verästelungen durchlaufen. Damit ist die letzte der dortigen Winter-’22/’23-Aufgaben vollendet.

    Der Kaptain schickte Fotos aus Sylt – ich bewundere, dass sie eine Wohnung mieten konnte, die im Erdgeschoss liegt, Meerblick hat und bezahlbar ist. Madame stand am Spandauer Damm.

    Meine Lieblings-Event-Mitarbeiterin (MLEM) testete freundlicherweise einen neu erfundenen Prozess.

    Zur mittelfristigen Erhaltung meiner geistigen Gesundheit nahm ich mir vor „Keine Uni auf der Arbeit. Auch nicht in den Pausen.“ Jetzt aber bin ich aber an einem Punkt, an dem ernsthaft Neugier und Ehrgeiz geweckt sind, Ich will wissen, wie diese komischen Mathe-Sachen funktionieren. Ich nahm mehrfach Mathe mit zur Mittagspause – weiß aber noch nicht was ich davon halte.

    Matritzenrechnungen mit zahlreichen Variablen
    Mathematiker haben es nicht so mit Zahlen.

    Weißer Flügel in Neukölln

    Neukölln gab alles. In der U7 zwischen Mehringdamm und Karl-Marx-Straße der junge Mann, gestylt, mit seiner großartigen Pastell-Neon-leuchtenden Boombox, der viel zu laut Achtziger-Jahre-Pop spielte und tanzen wollte. Das Publikum im Wagen schwankte zwischen amüsiert und genervt. Mit der ganz genervten Radfahrerin versuchte der junge Herr sich anzufreunden.

    Wir waren auf dem Weg zu Professor Transformation. Mit unserem Gourmet-Sachverständigen waren wir im „Vorwerck“, dem Event-Restaurant im Erdgeschoss der Neuköllner Oper verabredet. Ich haderte etwas – mehrgängiges Essen in Innenräumen fällt für mich unter Kultur, und damit unter Winteraktivitäten, – aber Madame und Professor Transformation waren von einem dortigen Zufallsbesuch so begeistert, dass ich zum geplanten Essen mitkam.

    Lohnend. Es gab ein 3-Gänge-Menü (Schaum vom Tomatenessenz mit Spalten von Rotweinschalotten), Kalbsrückensteak, Süßkartoffel gefüllt mit Graupen-Risotto und Azuki-Bohnen und New York Cheesecake. Durchgehend kompetent gekocht.

    Dazu, für uns nicht geplant, kamen wir zur Grand Piano Show. Wechselnd setzen sich Kellner an den weißen Flügel und spielen Pophits, Filmmusik, Klassik, die Tische raten gegeneinander. Wer zuerst den richtigen Song ruft, bekommt einen Punkt. Wir waren eher schlecht (3 Pünktchen brachten uns I will Survive, Jeannie und Time Warp). Über das Konzept an sich herrschte an unserem Tisch Uneinigkeit:

    Die klavierspielenden Kellner sind schick – wo muss man schon Fluch der Karibik am Flügel vorspielen, um Kellner zu werden? Ín seiner eigentümlichen Anmutung könnte das ganze Restaurant direkt dem New York Magazine entsprungen sein. Für Berliner Verhältnisse wirkte alles ungewohnt großstädtisch.

    Andererseits war das Essen eigentlich so gut, dass es hätte alleiniger Star des Abends sein sollen und nicht noch mit einer Klaviershow um unsere Aufmerksamkeit buhlen müssen. Aber wir kommen wieder, spätestens im Winter.

    Schafe und Scones

    Frau Herzbruch wurde zur Handball-Eishockeymutter (und als ehemaliger Kreismeister im Kleinfeldhandball kommt mir alles sehr bekannt vor.)

    Sarah Merker von den National Trust Scones besuchte die sconefreien Birmingham Back to Backs.

    Frauherr Streifzug verbrachte die ersten Wochen eines Sabbaticals auf den Orkneys und brachte unter anderem großartige Schafsbilder mit.

    Wem es entging. Meine „du meine Güte-Meldung des Monats:“ Zwei Öl/Gasfelder in Turkmenistan setzen mehr Treibhausgase frei als das komplette Vereinigte Königreich mit alles. Sprich: der Effekt, dort die Lecks zu stopfen wäre größer als die Umstellung eines kompletten westlichen Industriestaates auf Null Treibhauseffekt. Bei dem Thema merkt man immer mal wieder wie klein, unbedeutend und unwichtig man in dieser Welt ist.

  • 23-04-20 Schulte-Ufer, Ihme-Ufer

    23-04-20 Schulte-Ufer, Ihme-Ufer

    Morgens schaue ich die Tage aus dem Fenster auf den Regen in grau. Dann schaue ich auf den Dürremonitor und denke „gut, gut.“ Dann überlege ich, dass vier Wochen mit Buch im Bett – bis die Sonne kommt – auch eine Option wären.

    Ich aber stehe auf, radle zum Südkreuz und darf den Jahreszeiten-Diskonnekt noch vergrößern. Denn die Vorbereitung der Freibadsaison ist natürlich ein Thema. Was für den Einzelhandel die Weihnachtszeit sind für Badbetreiber die Sommerferien.

    Ein Küchenwarenfachgeschäft war nicht in der Lage Madame einen Ersatz für einen zerstörten Topfdeckel zu verkaufen. Es wirkte aber auch nicht sehr willig, dafür irgendwelche Umstände auf sich zu nehmen.

    Beschriftung auf einem Topfboden. "Ecoline" von Schulte-Ufer

    Entdeckung bei dieser Gelegenheit: Der noch sehr neue aber recht bizarre Edeka im Forum Steglitz zeigt mit geschlossenen Ständen und außer-Betrieb-seienden Attraktionen bereits im ersten Jahr deutliche Verfallserscheinungen.

    Erfolgreicher war der Online-Kauf zweier Matratzen, die in erstaunlich kleinen Paketen geliefert wurde. Wir packten sie aus, rollten sie aus und müssen nun 48 Stunden warten, bis sie sich auf volle Größe und Festigkeit entwickelt haben. Diese moderne Technik ist so faszinierend.

    Der Kaptain buchte einen Zug nach Sylt. Ich erfuhr, dass es inzwischen rote und blaue Autoreisezüge auf die Insel gibt. Rot: Deutsche Bahn. Blau: Railroad Development Corporation, die mittlerweile auch den Autoreisezug Hamburg -> Lörrach und den Nachtzug Hamburg -> Stockholm betreibt. Zeitweise existierte ein Nachtzug zwischen Sylt und Salzburg.

    Die Pedestrian Observations stellen Überlegungen zu einem möglichen Netz von Hochgeschwindigkeitszügen in Ostmitteleuropa an. Obwohl Bevlökerungsdichte und -verteilung unvorteilhaft sind, kommt er auf lohnende Strecken. Die insbesondere lohnen würde, wenn der Anschluss an das Deutsche Netz über Berlin gelänge: Eastern European High-Speed Rail

    Herr Rau entdeckte eine Proto-IKEA-Anleitung in Wilhelm Hauffs Die Bettlerin vom Pont des Arts (1826)

    Die taz hat einen langen Artikel zum Ihme-Zentrum. Als Sohn der Stadt Hannover verfolge ich das Bauwerk und seine Geschichte seit Jahrzehnten fasziniert. Dass ausgerechnet Lars Windhorst sich als Geier versuchen darf, war mir allerdings entgangen.

    Zufällig geriet ich auf die Seite der Goldenen Blogger und stellte fest: mich reizt dort wenig. Zuviel wirkt mir wie da „gewollter Journalismus, aber mit noch weniger Recherche-Budget und mehr Meinung.“

    Entdeckung via Tröt. Der Autor des Buchs zum Wikinger-Stricken (Viking Knitting) sieht genauso aus wie er aussehen muss. Selten war ein Autorenfoto auf dem Buch-Cover so passend.