Kategorie: Alltag

  • 25-01-26 Die Rückkehr des Schornsteins

    25-01-26 Die Rückkehr des Schornsteins

    Bei dm sind die nature-Geschirrspültabs aus. Leider sind dies die einzigen Tabs, bei denen das Silber mit in die Spülmaschine kann ohne danach seltsam auszusehen.

    Dafür gibt es Ramadan-Kalender im Laden. Sagt mir: Irgendwann demnächst muss Ramadan sein.

    Es gibt keine Graupen mehr. Wie kann ein Nahrungsmittel, das Oma Uetersen regelmäßig zubereitet hat, nicht einmal mehr in großen Vollsortimentern auftauchen? Erdmandelmehl my ass. Ich will Graupen. Zum Glück wohne ich in einer Stadt, in der es auch osteuropäische Supermärkte gibt.

    Freundlicherweise eröffnete ein Ledo ein paar Busstationen weiter an der Goebenstraße. Ich nutzte die Chance, den Laden mal näher zu betrachten. Nicht ganz so beeindruckend wie der Ur-Ledo im Schmargendorf, aber gerade Fisch- und Fleischtheke beeindruckend genug. Er verkaufte mir Graupen – und wo ich schon da war auch Kwas und Smetana.

    Nur auf Kaviar hatte ich keine Lust. Irgendwie ist Ledo eigentlich und ursprünglich ein Kaviar-Großhändler, so dass es dort an der Fischtheke immer mindestens 20 Sorten falschen und echten Kaviar aller Arten gibt.

    Es gelang mir letzte Woche, eine Lesebrille im leeren 10-Quadratmeter-Zimmer der Hagener Bildungsherberge zu verlieren und danach drei Tage lang nicht mehr wiederzufinden. Diese Woche: Mit Brille im Wohnzimmer losgelaufen, ohne Brille im Schlafzimmer angekommen. Es ist ein Rätsel.

    Die Zukunft der Kaiser-Richard-Passage klingt nicht gut. Ich fand eine längere Pressemitteilung vom Verkauf der Nachbarschaftspassage: Weiterhin soll das Nutzerspektrum optimiert und das Gebäude zeitgemäß revitalisiert werden.

    Weiterhin wildes Getöse ab 8 Uhr, auch am Samstag, auf dem Dachboden. Die Baustelle besteht seit anderthalb Jahren. Seit einem guten halben Jahr sind wir dachlos. Bisher sahen wir nur Sachen verschwinden. (Seien es Teile des alten Dachbodens, seien es Baumaterialien die nach oben fuhren). Einziges sichtbares Erzeugnis des Baus waren große Mengen Müll.

    Und nun: ein Ergebnis. Auf dem Dach steht ein neuer Schornstein. Er durchbricht die Dachabdeckungszeltplane. Es passiert Konstruktives. Es gibt Hoffnung.

    Die wöchentliche Palästina-Demo stand diesmal am Potsdamer Platz. Die Gegendemo hatte sich vergrößert: Fünf Personen, dabei unter anderem Regenbogenflagge mit Davidstern und zwei IDF-Flaggen.

    Um mich selbst zu zitieren:

    Etwas weniger gespannt bin ich, wie Friedrich Merz seine Kanzlerkandidatur versemmeln wird. Ich habe noch keine Vorstellung über den Ablauf – aber darüber, dass er an sich selber scheitern wird, bin ich sicher.

    Er gibt sich alle Mühe.

    Principe

    Derzeit existieren im Netz verschiedene Vorschläge, wie mensch sich als politisch interessierte Person vor Donald Trumps Überwältigungsstrategie schützen kann. Ich empfehle beispielsweise ein Buch zu lesen: Der Fürst / Il Principe.

    Nicht so sehr, weil es toll ist (ist es), sondern weil die Trump-Bagage es offensichtlich auswendig gelernt hat, es als 1:1-Handlungsanweisung nimmt und jetzt das Programm abspielt. Zwei Kernpunkte sind mir in Erinnerung geblieben:

    • Es ist für den Herrscher besser gefürchtet zu werden, als geliebt zu werden. Denn Liebe und Zuneigung sind flatterhaft. Sie können von einem auf den anderen Tag plözlich verschwinden. Furcht hingegen ist stabil und zuverlässig.
    • Der Fürst soll alle unpopulären Grausamkeiten am Anfang seiner Herrschaft begehen. Denn in diesem Moment hat er die größte Macht, die unpopulären Maßnahmen werden über die Zeit vergessen werden.

    Betrachten sie Ausstellungsstück A in Washington. Und ja, es hilft gegen Überwältigung, wenn man die Strukturen dahinter in etwa nachvollziehen kann.

    Aber wo ich eh schon beim Thema Donald Trump bin, stelle ich eine Prognose auf:

    Panta rhei / Alles fließt und mit der Realität lässt sich nicht verhandeln.

    • Es wird ein Punkt kommen, an dem sich Trumpismus erschöpft hat und die Menschen seiner Überdrüssig sind. Soviel ist sicher.
    • Weniger sicher bin ich mir, ob die USA bis dahin noch fähig sind, einen friedlichen Machtwechsel durchzuführen. Und genau das ist das eine wichtige Gefecht das dort geschlagen werden muss. Und das wirklich die Aufmerksamkeit auch hier lohnt.

    So, ich hoffe, das war es dann mit Trump im Blog für dieses Halbjahr.

    Selbstgemalte Pappschilder

    In Bautzen demonstrierten 45 Menschen gegen Rechtsruck. Und vor jeder einzelnen Demonstrant*in verbeuge ich mich und ziehe meinen Hut. In Neuruppin waren es 500.

    In Berlin auf eine solche Demo zu gehen, ist deutlich einfacher. Dafür landet man als Berliner*in in den Fernsehnachrichten. Das ist als Effekt nicht zu unterschätzen. Also trotz aller Gründe1 dagegen auf zum Brandenburger Tor, als Brandmauer gegen Faschismus auflaufen.

    Der Linienbus Richtung Stadtmitte war schon bei uns voll besetzt – also von hinten links mit U4 und U2 bis zum Potsdamer Platz und den Rest gelaufen. Um mich herum, Menschenmassen mit demselben Ziel. Am beeindruckendsten fand ich die nicht enden-wollende Kolonne aus Radfahrer*innen.

    Die Demo diesmal stand vor dem Brandenburger, nicht dem Reichstag. Der Ort erwies sich als besser geeignet: Er war besser zu beschallen. Die Menschenmenge verlief sich weniger auf dem riesigen Gelände.

    Die Demozahlen schwanken zwischen 30.000 (Polizei) und 100.000 (Veranstalter). Ich traue mir aus meiner Position keinerlei Aussage zu. Zu groß die Menge, die zu unübersichtlich und groß das Gelände, zuviel „normaler“ Verkehr der dort auch noch stattfand.

    Verglichen mit dem Januar 2024 waren es weniger Menschen. Aber wie damals ein großes Spektrum stinknormaler Berliner*innen, die ich alle so im Alltag im Bus treffen könnte. Wie 2024 war die Demo besonders überzeugend und ergreifend durch die vielen selbst gemalten Plakate.

    Und es ist ein Marathon – nicht eine Demo ist wichtig, wichtiger ist, dass sich diese nach einem Jahr wiederholen ließ.

    Jeep ducking

    Herr Mess reflektiert über Lehrergesundheit und Arbeitsumstände.

    Gerade noch setzte ich „Besuch eine Bouillons“ auf die Paris-Liste, da schreibt Nils Minkmar (unter Bezug auf arte) schon vom Comeback des Bouillons. (hier der arte-Beitrag auf deutsch)

    Ich bin totaler Metallbau-Laie; finde aber sehr spannend wie so etwas ablaufen kann: Lauf, OL-AF, lauf!

    Kunal Mehta (einer meiner Mastodon-Admins) ist auch Wikipedianer und gibt einen Rückblick über sein Wikipedia-Jahr 2024. Dabei gelernt: Es gibt Jeep ducking – den Brauch anderen Jeep-Fahrern eine Plastikente auf das Auto zu setzen.

    Anmerkungen

    1. Angefangen bei „Ich find den Co-Veranstalter Campact doof“ bis zu „In der Zeit könnte ich auch lernen“ ↩︎
  • 25-01-23 Am Abschlusstag der Berlinale ist Bundestagswahl

    25-01-23 Am Abschlusstag der Berlinale ist Bundestagswahl

    Chemnitz feiert sich als Kulturhauptstadt Europas. Alles was ich davon höre, bestätigt, warum ich Chemnitz so feiere (derzeit dauerhaft, unabhängig von Auszeichnungen).

    Ein Family Office kaufte die Kaiser-Richard-Passage in Schöneberg von einem anderen Family Office. Wir hoffen, dass das neue Family Office keine großen Pläne hat und vor allem den Blumenladen am Platz belässt.

    Unser Büronachbar Amadeus Fire hat ein neues Logo. Es sieht so aus, als hätte ich mir ein paar Klebebuchstaben bei Basteln Spielen Schenken gekauft, und beim Aufkleben wären die auch noch kaputt gegangen.

    Der Briefträger hatte weniger Lust als im Dezember. Vielleicht war auch das Trinkgeld nicht gut genug. Bei uns im Hausflur fand sich auf die Briefkästen gestapelt eine komplette Briefladung für das Hinterhaus und ein großes Paket zum Mitnehmen für das Hinterhaus.

    Irritierend: Das große Paket bestand offensichtlich aus 15 zusammengefalteten kleinen Paketschachteln, die in einer Folie zusammengepackt wurden.

    Der neue Brotschmortopf hat sich eingebrotet: Seine Erzeugnisse werden von Woche zu Woche besser.

    Die Deutsche Bahn beschloss den Berlin-Fernverkehr heute in Teilen exklusiv über Spandau abzuwickeln. Und so musste Madame erst einmal nach Spandau reisen, bevor sie in den ICE 279 nach Basel Bad steigen konnte.

    Zwei aufdringliche Haustürdrücker versuchten dem Kaptain einen neuen Gas-Vertrag aufzuschwatzen. Deutlich wurde das erst als sie sich an allen Anwesenden vorbei ins Wohnzimmer gedrängt hatten. Zum Glück konnte der Kaptain sagen „Ich habe keine Unterlagen. Das macht alles mein Sohn.“, und daran kamen sie auch nicht vorbei.

    Passend dazu hat der echte Gasversorger in Dithmarschen die Preise um 20% erhöht. Es scheint aber auch nichts wirklich Besseres zu geben gerade.

    Die zweite gelochte Silversterraketenscheibe ist ausgetauscht. Jetzt fehlt halt noch das Dach. Das fehlt aber auch schon seit August.

    Über meinem Kopf kracht und rumpelt es. Der Vermieter ist sicher, dass der sich vergrößernde Riss in der Decke nur ein kosmetisches Problem ist. Eigentlich halte ich ihn in dieser Hinsicht für kompetent.

    Noch an der Wand: die Silvesterraketen-Explosionsspuren. Sollten wir die Wand neu streichen oder lieber die Spuren einfach Einrahmen und sie zu Kunst oder Mahnung oder so erklären?

    Zu unserer leichten Überraschung ermittelt die Polizei noch in der Cause Silvesterrakete. Sie rief mit ein paar Fragen an. Ich wette weiterhin, dass man den Täter mit ein paar Wochen Instagram/TikTok-Sichtung finden würde. Aber wer hat dafür Zeit und Kompetenz?

    Spannende Sachen passieren noch im Büro. Aber das sind derart ungelegte Eier, dass wir noch darüber reden wie wir den Eierlegeprozess planen können.

    Madame ist gen Basel unterwegs. Wenn ich in mich höre und frage, wozu ich die sturmfreie Bude nutzen könnte, höre ich ein deutliches „Schlafen.“ Mir reichen Hagen-Nachwehen, Eierlegeplanung plus Alltagsgeschäft plus vermutlich eine untergründige Erkältung, um mich ziemlich auszuknocken.

    Und natürlich das übliche Problem: Weihnachten ist vorbei. Neujahrsaktivitäten sind vorbei. Und immer noch sind ein paar Monate Winter übrig.

    Für Berlin gilt die Regel: Egal wie frühlingshaft es sich zwischendurch anfühlt: Der Winter kann nicht vorbei sein, bevor die Berlinale vorbei ist. Denn diese wird zielsicher in die kältesten Tage des Jahres gelegt.

    Habeck oder Baerbock? – Baerbock.

    Gerne teile ich einen Aufruf aus vertrauenswürdiger Quelle:

    Wie kann man dem #Populismus Kontra geben? Mit Rede- und Führungsfähigkeiten! Die vermitteln #Toastmasters seit 100 Jahren. Ich will jetzt einen Club gründen, der sich an junge Leute in Politik und Zivilgesellschaft richtet.Stimmen für Morgen Toastmasters Berlin

    Madame empfiehlt den Alles-gesagt-Podcast mit Friedrich Merz. Er wird einem nicht unbedingt sympathisch – aber vieles was er macht, ergibt mehr Sinn. Auch erstaunlich – und merztypisch – für einen Berufspolitiker legt er sich erstaunlich oft auf Aussagen fest.

    Um 2000 habe ich in Schleswig-Holstein Politik gemacht. Es gab immer wieder Überschneidungen mit Hamburg. Und GENAU SO war Hamburger linke Politik schon vor 25 Jahren:

    Am 11. Januar [wurde] Bijan Tavassoli als [BSW-]Gegenkandidat für [den-Wagenknecht-Favoriten} vorgeschlagen.. Doch Tavassoli hatte am Vormittag ein Hausverbot vo[m] Veranstalter … bekommen und im Anschluss von der hinzu gerufenen Polizei einen Platzverweis.. Nachdem am Nachmittag der Veranstalter aber erneut beim Kommissariat erschienen sei und erklärte, dass jener 33-Jährige „seitens des Veranstalters fälschlicherweise von der Veranstaltung ausgeschlossen worden war“, hätte die Polizei versucht, den Mann von dem „nunmehr hinfälligen Platzverweis“ in Kenntnis zu setzen, ihn aber nicht erreicht … Als Tavassoli gegen 17 Uhr am Veranstaltungsort eintraf, wollten die Türsteher ihn wieder nicht einlassen. Der Veranstalter teilte mit, die Wahl sei schon gelaufen.

    GENAUSO. Alles fließt, aber das bleibt gleich.

    Pikachus Frühsport: Rajio Taisō

    Wer politischen Content haben will, der mir auf den ersten Blick sinnvoll erscheint: Weltgeschehen und gute Laune

  • 25-01-21 Pulled Bambi (Hagen -> Berlin)

    25-01-21 Pulled Bambi (Hagen -> Berlin)

    Madame fuhr zum Nordbahnhof. Sie entdeckte unbekannte Ecken Berlins.

    In Hagen hatte ich mal wieder eine Buchidee: Der Campusroman Fernuni. Endlich ein Campusroman ohne Studierende und Lehrende. Vermutlich handelte er von Menschen, die ihre Hunde ausführen und einer Studenbriefversandslogistikerin.

    Anscheinend haben wir einen neuen Bauarbeitertrupp auf dem Dach gewonnen. Dieser befördert eine Art Kalkstein-Lego-Steine aufs Dach, vermutlich als Wand- und/oder Dämmmaterial. Ein Dachstuhl wäre mir lieber. Aber wir sind schon froh wenn die Baustelle lebt.

    Mit dem Moabiter lief ich beim Bistro Rote Insel vorbei. Das hat noch nicht eröffnet.

    Aber als wir versuchten hineinzulinsen, öffnete sich eine Tür. Die Macher luden uns auf ihre Baustelle ein und führten ihre dolle Siebträgermaschine vor. Nur den Anspruch, dass sie „das beste Essen Schönebergs“ zubereiten werden, glaubten wir nicht. Ehrlich gesagt, angesichts der Konkurrenz wäre selbst „das beste Essen des Häuserblocks“ eine ziemliche Herausforderung.

    Madame zog das Reh aus dem Tiefkühler, das sie vor vielen Monaten zum Geburtstag bekommen hatte. Es verbrachte einige Stunden im Slow Cooker, dazu Brokkoli und Möhren und Birnen – und, oh, meine Güte war das großartig. Genau den Punkt getroffen an dem es zart am auseinanderfallen war, aber sich noch schneiden ließ, aromatisch bis in die letzte Faser.

    Wir mussten allerdings schneiden, verzichtet auf das Zerrupfen a la Pulled Pork. Schon allein weil wir nicht wussten, wie Reh auf englisch heißt und wir nicht Pulled Bambi essen wollten.

    Ich legte den Ordner F:\lernen\FU Hagen\Bachelorarbeit an. Ich füllte ihn mit ersten Gedanken zum ökonomischen Beispiel, an dem ich die mathematischen Modelle der Arbeit durchkaspern will. Es wird vermutlich um Schwimmbäder gehen. Dabei festgestellt: Seit der Seminararbeit im November habe ich schon wieder einiges an LaTeX vergessen.

    Aber alles suutsche. Ich kann mich erst in drei Wochen überhaupt formal um einen Bachelorarbeitsplatz bewerben. Der Prozess wird sich im besten Fall noch einige Monate hinziehen.

    Auch für die Fernuni, für das „normale“ Modul Betriebliche Informationssysteme, installierte ich die SAP-GUI auf dem Privatrechner. Hätte ich auch nicht gedacht, dass sich dieses Programm je auf einem privaten Gerät von mir findet.

    Aus Einbeck with love

    Hagen, die Stadt in der der gesamte ÖPNV aus Bussen besteht – aber immerhin heißt der Betreiber Hagener Straßenbahn (HST).

    Zwei Hagen-Nachträge

    Nachts in der Buchhandlung

    Bei meinem Gang in die Innenstadt hatte ich die Museen gesehen. Erster Gedanke: eine Verbindungsstraße von Downtown nach Museum ist eigentlich immer spannend. Zweiter Gedanke, nach Blick die Straße hinunter: Vielleicht auch nicht. Wirkte doch arg spielhallenlastig die Straße.

    Später suchte ich: Irgendwo in dieser Innenstadt muss doch eine Buchhandlung sein. Ist sie: Die Buchhandlung am Rathaus liegt in genau jener Marienstraße zwischen Innenstadt und Museen.

    Ich betrat die leere Buchhandlung. Kurze Zeit später hörte ich ein Telefongespräch mit. Ich lernte: mensch kann sich Abends in der Buchhandlung einschließen lassen. Im Verkaufsraum steht ein gedeckter Tisch, man kann sich mit Freund*innen und Bekannt*innen ungestört dem Abendessen und den Büchern widmen, zwischen Ladenschluss und 22 Uhr. Dann kommt der Buchhändler wieder uns lässt einen heraus.

    Wie großartig ist das denn? Und welcher Buchliebhaber hat nicht genau diesen Traum? Allein und ungestört in der Buchhandlung. Alleine das wäre ein Grund nach Hagen zu ziehen. Fast zumíndest.

    Buchkauf funktionierte auch tagsüber:

    Sonnenuntergangsnebel

    Nachdem ich Mittwoch halbfreiwillig nur das Hagener Sportbad besuchte, wollte ich den Sole-Erlebnisbad-Teil nachholen. Immerhin hatte mein letzter Hagener Erlebnisbadbesuch an einem Wochenende bei 33 Grad stattgefunden – das Bad war knallevoll, komplett vermüllt und überhaupt in einem denkbar schlechten Zustand. Es konnte nur besser werden.

    Also wieder mit dem Bus den Berg hinunter gefahren. Mich wieder gefagt, wie man eine Bushaltestelle an eine sechsspurige Straße bauen kann, und weit und breit ist keine Ampel zu sehen, wieder am Parkhaus vorbei zum Bad gelaufen.

    Dieses mal aber kaufte ich die drei Stunden Sole/Erlebnisbad. Statt Miniatur-Umkleide gab es die üblichen Unisex-Wechselkabinen mit Schranklabyrinth dahinter. Statt Ein-Euro-Pfandsystem gab es elektronische Armbänder, mit denen ich auch hätte am Bistro bezahlen können.

    Mich aber zog es in die Sole, im Außenbecken. Zwei Grad Außentemperatur, 32 Grad Wassertemperatur, eine orange-lila-Sonnenuntergang, der durch den aufscheinenden Nebel durchschneit, verstärkt durch den Wasserdampfnebel. Teilweise gelang es mir nicht, den anderen Beckenrand zu sehen.

    Aber ich entdecke in Schild: die Sülbecker Thermalsole wird in Südniedernachsen bei Einbeck gefördert. Dann wird sie in Tankwagen geladen, bis nach Hagen gefahren, dort auf Badetemperatur erhitzt und dann bei Null-Grad in ein Außenbecken gelassen.

    Joah. Ist total schön, sollte man vielleicht trotzdem überdenken.

    Mühe war ich Känguru, schlief auf dem Rückweg im nu.

    Und dann: Auf Wiedersehen Hagen!

    Der Künstler als Lehrer für Handel und Gewerbe – Hauptbahnhof Hagen.

    Cirque d’hiver Luxembourg

    Zwar hatte ich in Hagen gleich zwei Romane für die weitere Reise gekauft. Im Zug war mir dann aber kürzeren Lesestrecken. Ich zog Paris – mal anders aus der Tasche und begann vor mich hin zu überlegen, was sich alles in drei Tagen Paris anstellen lässt.

    Paris – Sollte schon sein

    • Jardin Louxemburg – immerhin steht Luxembourg (Stuhl) bei uns im Garten. Zudem verbrachte ich Wochen meines Lebens damit den Wikipedia-Artikel zum Französischen Senat zu schreiben: Amtssitz: Palais de Luxembourg. Den will ich natürlich auch in echt sehen.
    • Laufen entlang des Canal Saint-Martin (oder Böötchen fahren Canal-Seine, das klingt auch ganz attraktiv). Scheint mir die bedeutendste Attraktion in Hotelnähe zu sein.
    • Böötchen fahren (entweder Batobus oder Saint-Martin + Seine)
    • Sainte-Chapelle und Notre Dame. Hey, Paris! Notre Dame kommt natürlich nur auf die Liste, wenn wir nicht drei Stunden zwischen amerikanischen Reisegruppen anstehen müssen, um hinein zu kommen.
    • Historisch baden gehen. Die Piscine Oberkampf scheint das hotelnächste historische Bad zu sein – aber so klein.

    Paris – Wäre nett

    • Der Winterzirkus Cirque d’hiver – immerhin sehr sollte der auch funktionieren ohne Französisch zu können; ist zudem in der Nähe vom Hotel und scheint mir auch typisch für die Stadt zu sein.
    • Außerdem natürlich der Gare de l’Est selber, wenn wir schon dort wohnen. Aber noch ist das eh alles lange hin, alles kann sich noch ändern.

    Also falls jemand bis hierhin las und noch Paris-Tipps oder Ratschläge hat, immer her damit.

    Auch gerne genommen: einen Tipp dafür wie ich in wenigen Wochen rudimentäres Basis-Französisch lerne. Mit Duolingo habe ich mich überworfen – ich höre also auf alles außer Duolingo..

    Nizza – Berlin – Chemnitz

    Poupou war in der Rineke-Dijkstra-Ausstellung in der Berlinischen Galerie: Berlin: Berlinische Galerie: Rineke Dijkstra. Still – Moving. Portraits 1992-2024

    Christine war in Nizza in der Oper.

    Ein Notfallarmband ist besser als kein Notfallarmband. (Via Kaltmamsell, genauen Link finde ich nicht mehr wieder.)

    Schlachtetage sind besondere Tage. Sie finden in unserem Fall nur alle zwei Jahre statt und benötigen Planung.

    Fotos von der Chemnitz-Kulturhauptstadt-Europas-Eröffnung

  • 25-01-19 Grundschöttel! (Hagen)

    25-01-19 Grundschöttel! (Hagen)

    Nena kommt aus Hagen. Nina Hagen hingegen kommt aus Berlin.

    Ich bin körperlich wieder in Berlin, gedanklich aber noch in Hagen.

    Am Bahnhof Hagen fuhr ICE 859 nahezu pünktlich mit angekündigten Wagen in der angekündigten Reihenfolge ein. Vorher genoss ich das Spektakel der An- und Abreisenden in der Hagener Bahnhofshalle.

    Davor gab es Znüni im Café Vicenzo.

    Denn Café Vicenzo löste mein samstagliches Zeitproblem. Das Zimmer musste ich bis spätestens um 10 Uhr verlassen, den Zug durfte ich frühestens um 12:30h besteigen. Reisezeit vom Zimmer zum Zug: Eine gute halbe Stunde.

    Also dachte ich, ich fahre erstmal in die Stadt. Dann steige ich an einem Punkt aus, von dem aus selbst ich zu Fuß den Bahnhof finde. Und dann wird es wohl eine Bäckerei geben, in der ich noch Kaffee und ein zweites Frühstück bekomme und etwas Zeit verbringen kann.

    Ich fuhr bis zum Theaterplatz. Dort gab es keine Bäckerei, aber etwas viel Besseres: Café Vicenzo. Rein äußerlich eine Mischung aus Italianita, Shabby Chic und Hagen-Style. Am Tresen hing ein Poster, dass Vicenzo selbst ein Konzert zum 20jährigen Café-Jubiläum geben wird.

    Auf der Karte die üblichen Kaffeespezialitäten und eine kleine Frühstückskarte mit Brötchen und Rührei. Das Café gut gefüllt, anscheinend fast alles Stammgäste. Ich fiel mit großem Koffer sofort auf – und wurde ausnehmend herzlich behandelt. Nach etwa einer Dreiviertelstunde Aufenthalt hatte ich den Eindruck, selber kurz vorm Einzug in die Stammgastkategorie zu sein.

    Aber leider – so schön wie es alles war – baldige Rückkehr nach Hagen ist für mich nicht zu erwarten.

    Aufgewachsen im Schatten der Müllverbrennungsanlage Krefeld

    Aber bevor ich aus Hagen aufbrach, galt es dort Donnerstag und Freitag zu verbringen.

    Der Rest der Woche begann mit dem Seminar. Ich war ja durch, konnte also unbeschwert zuhören. Es gab drei Themenblöcke:

    (a) Eher abstrakt zum Thema Postoptimalitätsanalyse in der Linearen Programmierung. In diesem Block war ich mit meinem Vortrag gelandet. Grob gesagt geht es dabei um eine Problemstellung, der der ich etwas maximieren (Ertrag) oder minimieren (Abfall, Co2, Kosten) möchte – unter bestimmten Rahmenbedingungen.

    Um ein Beispiel zu bringen: Ich möchte C02 mininierem, muss aber innerhalb eines Tages drei Wölfe, eine Tonne Salat und eine Schafherde über den Fluss bringen. Dafür stehen mir verschiedene Transportmittel zur Verfügung mit jeweils eigener CO2-Erzeugung und Transportkapazitäten. Was ist die optimale Mischung an Transportmitteln?

    Dabei bestimmte ich im ersten Schritt mathematisch eine optimale Lösung. Im zweiten Schritt kann ich aus dem Ergebnis der Berechnung diverses Anderes ablesen – um die Frage nach dem „Anderen“ dreht sich die Analyse nach (post) Bestimmung der optimalen Lösung; also die Postoptimalitätsanalyse.

    (b) Block 2: Effizienmesseung bei Banken. Hier lag die Herausforderung darin, dass es bei Banken gar nicht so einfach ist zu sagen, was relevanter Input und was relevanter Output ist. Einzelne Werte (zB Menge der vergebenen Kredite) wird mal als Input und mal als Output gewertet,

    (c) Block 3: Multikriterielle Entscheidungsprobleme am Beispiel Abfallswirtschaft.

    Wir müssen eine Entscheidung treffen- zum Beispiel über die Anschaffung von Müllwagen, Standorte von Abfallverbrennungsanlagen, Auswahl der Müllbehandlungsmethode. Dafür gibt es verschiedene Ziele und Kriterien (ökonomisch, ökologisch, sozial). Die Ziele widersprechen sich in Teilen und funktionieren in verschiedenen „Einheiten“. Es lässt sich also nicht einfach drei Geld minus vier Sozialeinheiten rechnen. Wie formuliere ich dennoch ein abstraktes mathematisches Modell für solche Themen?

    Die Teilnehmer*innen waren überwiegend Ingenieure und BWLer – beides keine Gruppen, die für ihre unkonventielle Herzlichkeit bekannt sind. Ich glaube, es war die erste Uni-Veranstaltung meines Lebens bei der sich auch die Studierenden untereinander siezten.

    Aber im Laufe der Tage lockerten sie auf.

    Irgendwann zeigte sich auch, dass wir am Lehrstuhl Wirtschaftsmathematik unterwegs waren und nicht etwa bei Marketing oder Controlling. Irgendwann schimmerte unter den weißen und karierten Hemden und den Kostümchen doch deutlich das Nerdtum hervor. Und da wurde es auch menschlich spannend.

    Aber ich hatte mir nach dem Seminar noch etwas Zeit für die Stadt und Sightseeing gegönnt.

    Besuchen sie unser gemütliches Wohnzimmercafé mit dem Flughafenabsperrband

    Links! Welch Idee!

    Nach Verlassen der Bildungsherberge wendete ich mich automatisch immer nach rechts (Nordost), denn dort liegen Uni, Edeka und der Umstieg zum Westfalenbad. Nun empfahl Thomas in den Kommentaren:

    Wenn du die Eppenhauser Straße stadteinwärts gehst (von der Herberge aus Feithstraße nach links und dann an der Aral-Tankstelle rechts)..

    Potzblitz! Ich kann ja einfach mal vom Grundstück kommen und dann nach links laufen! Er hat recht. Und so lief ich links, dann an der Araltankstelle rechts und dann die Eppenhauser Straße hinunter.

    Ein wenig fühlte ich mich wie in New York. Ehrlicherweise lag es vermutlich weniger an Hagen – mehr daran, dass mein letzter Gang alleine eine unbekannte lange Straße entlang Richtung Stadtzentrum 2015 entlang des Broadways verlief.

    Auf dem Weg in die Stadt passierte ich den „Schwedischen Kiosk“ und „Golden Dog Beauty“. Dort schaute mich der Golden Dog, ein Labrador mit großen Augen, hingebungsvoll direkt durch das Schaufenster an, so dass alle bösen Gedanken an überschminkte Kampfhundausführerinnen sofort von mir wichen.

    Ich lief weiter in die Stadt, staunte über die vielen authentisch aussehenden italienischen Eiscafés und das Café de Paris – landete aber im Colazione. Einem Café inmitten eines halbleeren Einkaufszentrums, das versuchte Gemütlichkeit mittels Polstermöbeln herzustellen.

    Es hätte allerdings geholfen, wenn diese Möbel alt. luxuriös und shabby gewesen wären, nicht offensichtich brandneu und preiswert. Auch die Lage inmiten der großen Einkaufszentrumshalle, von dieser getrennt durch Flughafenabsperrbänder, half nicht.

    Ach, Hagen, Du unvollendete. Wie wirst du mir immer sympathischer. Ich nahm einen Kaffee und begann im Wikipedia-Artikel zur Stadt zu schmöckern.

    Der Wikipedia-Eintrag zu Hagen bot manchmal wenig überraschendes:

    Das Risiko, beim Radfahren in Hagen zu verunglücken ist gegenüber dem Bundesdurchschnitt um den Faktor 10 erhöht.[35] Hagen belegt in Fahrradklima-Tests des ADFC[36] regelmäßig den letzten Platz unter allen deutschen Großstädten, so zuletzt 2020.[37]

    Er bot Fakten, die inhaltlich nicht überraschten, aber doch in ihrer Form:

    Die größten Steigungen (mit mindestens 20 %) innerhalb des Hagener Stadtgebiets:

    • Treppenstraße in Altenhagen mit 28 %
    • Böhmerstraße in der Stadtmitte mit 27 %
    • Ewaldstraße in Wehringhausen mit 27 %
    • Rehstraße in Wehringhausen mit 26 %
    • Tunnelstraße in Wehringhausen mit 26 %

    und er bot gänzlich Überraschendes:

    Im Jahr 2017 wurde Hagen in die 27. Auflage des Duden aufgenommen.

    Weitere Wege führten mich zur Buchhandlung am Rathaus. Auch die wäre eine Abschweifung wert, die später kommen wird. Wie so oft in der Stadt das Erlebnis: Meine Güte, sind die alle herzlich hier. Noch ein Laden, bei dem ich nach 20 Minuten das Gefühl hatte, schon halb zur Stammkundschaft zu gehören.

    Hohenlimburg via Donnerkuhle

    Bei meiner Planung der restlichen freien Zeit hatte ich ein Problem. Einerseits dachte ich, ich habe noch so wenig von Hagen gesehen; gerne würde ich in der Stadt bleiben. Andererseits wollte ich natürlich auch das Deutschlandticket ausfahren. Im ÖPNV lernt man viel über eine Gegend.

    Ich studierte den Netzplan mit dem Wasserlosen Tal, dem Felsental, Wetter und Witten und stolperte über einen Eintrag: Grundschöttel.

    Auch eine Gemeinde? Oder einfach ein Ausruf des Kartographen? „Grundschöttel aber auch! Was hier wieder ist!“

    Eine Lösung meines Problems allerdings brachte nicht der Plan, sondern Wikipedia:

    Diese informierte mich, dass Hohenlimburg 1975 nach Hagen eingemeindet wurde. Kurz darauf sah ich einen Bus mit Ziel „Hohenlimburg Bf.“ und dachte Heureka! Mein Problem ist gelöst, wie ich gleichzeitig in Hagen bleiben und doch durch die Gegend fahren kann.

    Ich suchte den nächsten 522er Bus, fuhr vom Rathaus Hagen nach „Hohenlimburg Mitte.“ Wie zu erwarten führte die Strecke über einen Berg und verlief entlang eines Waldes. Der Bus hielt in Heidnocken, Hünenpforte, Totenhofweg und Donnerkuhle. Selbst eine große Farbrikanlage fand sich an der Strecke: „Bilstein – ein Name im Kaltband!“

    Nur als ich in Hohemlimburg ausstieg, entfuhr mir ein „Grundschöttel! Was ist denn hier passiert?“

    Nach einigen Metern Fußweg entdeckte ich, dass mich der Bus an der schlimmsten Ecke von Hohemlimburg-Zentrum vor die Tür gesetzt hatte. Immerhin gab es fünfzehn Meter weiter um die Ecke eine funktionsfähige Trinkhalle.

    Weiter hinein ins Zentrum: Ein kleiner sympathischer Wochenmark und eine „gemeinnützig geführte“ Buchhandlung. Die Fußgängerzone mit ihren geschwenkten Gäßchen, dem leichten auf- und ab und den alten Häusern, hätte Märklin-Modellanlagenpontenzial.

    Aber hier herrschte nicht das pralle Leben, sondern ein Leerstand, der schon nicht mehr erschreckend war. Wenn ich im Zentrum der Fußgängerzone durch eine Schaufensterscheibe sehe, und im Inneren des Ladens liegt Schutt; an der Wand im Innenraum ist ein großer gezeichneter Penis und daneben steht „Gangbang.“ So richtig aufmunternd wirkt das nicht.

    Nach meiner Runde also zum Hohenlimburger Bahnhofsrewe, Vorräte aufstocken, und im Nebel zurück zur Herberge. Das Westfalenbad wartete erneut. Aber dazu später mehr.

    Merken: Desmos

    Gelernt: Desmos ist ein schikes Onlinetool, um Graphen und ähnliches darzustellen.

    Rein äußerlich war ich extrem begeistert vom Gebäude der Tanzschüle Siebenhühner. The sixties are alive and swinging.

  • 25-01-16 Sportler/Doping (Hagen)

    25-01-16 Sportler/Doping (Hagen)

    Um mit einer Lektüreempfehlung zu beginnen. In den Kommentaren zum Salatpost schreibt Thomas, wie es einem Lokführer (Triebfahrzeugführer?) nach einem „Personenschaden“ mit seinem Arbeitgeber ergeht. Hochspannend, und mir gibt es Vertrauen in die Deutsche Bahn.

    In Hagen hängen die Wahlplakate. Geht es nach Wahlplakatdichte wird es ein Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen der CDU mit Direktkandidatin Tijen Ataoğlu und der MLPD ohne erkennbare Direktkandidatur. Abgeschlagen auf Rang 3 das BSW. Andere Parteien sind nicht präsent.

    In der realen Welt hingegen wurde der Wahlkreis Hagen durchgehend seit 1961 von der SPD gewonnen.

    Im Bus auf meiner Stammstrecke DRK (Bildungsherberge) und Fernuni-Polizeipräsidium(Edeka)-Loxbaum (Umstieg zum Westfalenbad) stutzte ich kurz beim Einsteigen, dachte, im Bus sitzt der Wikipedia-Benutzer Sebastian Wallroth.

    Er war es natürlich nicht. Stattdessen sprach mich der Mann beim Aussteigen an „Sie sind der einzige, der nicht auf sein Handy geschaut hat!“.

    Fasziniert bin ich weiterhin vom Fernuni-Campus, der irgendwie ein Unicampus ist, mangels anwesender Student*innen und anwesenden Lehrpersonals aber auch nicht. Gefühlt sehe ich auf den Wegen immer nur Anwohner*innen, die ihre Hunde ausführen – nette Parklandschaft.

    Irgendwie ein Lost Place, aber auch nicht. Denn obwohl es immer verlassen wirkt, ist halt alles in Schuss, gepflegt und funktioniert. Zur Mittagszeit kommen aus dem Nichts zahlreiche Menschen, die Mensa ist prall gefüllt.

    Als Connoisseur des Unerwarteten natürlich mein Platz.

    Aber ich war ja nicht nur gekommen, um die Fernuni zu bestaunen.

    Das Seminar

    Ich kam für das Seminar. Der bestimmte Artikel ist korrekt.

    Denn das Fernstudium zeichnet sich zumindest bei den Wirtschaftsinformatikern und den Wiwis dadurch aus, dass es im gesamten Studium zu genau einer Pflichtzusammenkunft mit dem Lehrpersonal kommt: In dem Seminar.

    Ich kann (je nach Lehrstuhl, Semester, Mondstand) noch an weiteren Formaten wie Mentoriaten, Tutorien, Studientagen oder anderen Formaten teilnehmen, die das Treffen anderer Menschen beinhalten – aber ich muss nicht. Das Seminar ist singulär.

    Der genaue Ablauf ist je nach Lehrstuhl verschieden. Hier beim Lehrstuhl bwlquam (BWL Methoden, insbesondere Wirtschaftsmathematik) existierte eine Themenliste. Man konnte sich Themen priorisieren und diese wurden dann Ende September zugeteilt. Bis Ende November musste die Seminararbeit eingereicht werden (12 Seiten, vorgegebenes Format, ich hab einfach das LaTeX-Template des Lehrstuhls benutzt). Dann gab es eine Rückmeldung.

    Und nun das Treffen in Hagen selbst. Im großen Mehrzweckgebäude, Seminarsaal B mit 20 Student*innen (16 Studenten, 4 Studentinnen). WIe immer in Hagen eine lustige Mischung. Drei im Bachelor, siebzehn im Master, im bisherigen Bildungsweg vom Fachabi bis zum Dr. Ing. alles dabei. Aber auch: bei 17 Masterstudent*innen (plus ich) hatten 18 von 20 auf jeden Fall schon einen Uniabschluss. Das Alter reichte von Anfang 20 bis um-die-Fünfzig mit deutlicher Häufung zwischen 35 und 45.

    Den Tag über gab es Vorträge. Jeweils 20 Minuten Vortrag plus 15 Minuten Diskussion. Ich durfte den allerersten Vortrag halten – was ich als Glück empfand. Dann war ich durch – und ich konnte beim Rest des Seminars einfach zuhören und mitmachen, ohne die ganze Zeit im Hintergrund an mein Thema zu denken.

    Ich denke ich hielt einen der erinnerungswürdigeren Vorträge der Veranstaltung und bin mir ziemlich sicher bestanden zu haben – damit ist ein Ziel erreicht.

    Das andere Ziel: Bachelorarbeit an genau diesem Lehrstuhl. Da beginnt jetzt erst die offizielle Bewerbungsphase – aber ich bin auch hier ziemlich zuversichtlich, dass es gut gehen wird und ich im SoSe2025 meine Bachelorarbeit schreiben werden.

    Meine Güte. Das geht in einem Tempo.

    Nächste Woche gibt es ein reines Onlineseminar das Lehrstuhls. Das hat sich – entgegen der Ausschreibung – zum reinen Bachelorseminar entwickelt, weil die meisten Bacheloratis lieber online teilnehmen wollten.

    Auch wenn es weder vom Alter noch von der akademischen Vorbildung her hinkommt. Da sich zufällig ein Seminar des Lehrstuhls zum Bachelorseminar entwickelte und das andere zum (fast)Masterseminar, fühle ich mich als Bachelor im Masterseminar natürlich so als wäre ich gerade zum Erwachsenentisch befördert worden.

    Das Seminar fand in Raum 121 des Mehrzweckgebäudes statt. Im Gebäude selbst eine Plakette, die erst erklärt, warum es sich hier um einen beispielhaften und vorbildlichen Bau der 1970er handelt, nur um damit zu enden, dass alle nachfolgenden Gebäude der Fernuni komplett anders gebaut wurden.

    Schwimmen

    Abends dann natürlich die perfekte Tätigkeit zum Runterkommen: Abkühlen, Kopf unter Wasser und behutsam bewegen: Auf ins Schwimmbad.

    Wenn ich in Berlin mein Mitarbeiterkärtchen an der Kasse vorzeige, um ins Bad zu kommen, entspinnt sich oft folgender Dialog:

    Ich: „Einmal schwimmen.“

    Kassenkraft: „Schwimmen?“

    Ich: „Schwimmen!“

    Gemeint ist „Du willst wirklich nicht in die Sauna, du kämst doch umsonst rein?“ Antwort: „Nein, wirklich, ich möchte nur schwimmen.“

    Als also im Westfalenbad gefragt wurde „Schwimmen?“ antwortete ich reflexhaft „Schwimmen!“ Erst als ich mit dem Drehkreuz kollidierte, war mir klar, dass die Frage gar nicht Schwimmbad oder Sauna war, sondern Sportbad oder Sole/Spaßbad.

    Auf ins Sportbad, das seinen eigenen Eingang und eigene Kabinen hat. Beim Sport existiert noch die Miniatur-Sammelumkleide, die auf kurzem Weg direkt zum Lehrschwimmbecken führt. Dieses umrundete ich, sah die Taschen von „Triathlon NRW“ und sondierte, dass knapp die Hälfte der Bahnen von Vereinen belegt war. Darunter mehrere junge Fragen mit Team-Deutschland-Badekappen.

    Ich begab mich zu den anderen: Hach. 50 Meter. Hach, ein Riesenbecken, mit Schwimmautobahn, ordentlicher Ausstattung. Immer noch schwer zu glauben, dass es nur ein (der kleinere) Teil des gesamten Schwimmbadkomplexes war.

    Nach meinen Bahnen noch etwas ausspannen im wärmeren Lehrschwimmbecken. Auf dem Weg dorthin Freude über eine Tür, die Beschriftet war mit „Sportler/Doping“. Immerhin ehrlich.

    Irgendwann gegen 20 Uhr begab ich mich umständlich zurück zur Herberge – autogerechte Stadt my ass!

    Käsetoast Volkskanzler

    Gelesen: Walter Moers: Die Insel der Tausend Leuchttürme. Als ehemaliger Nordseeküstenbewohner fand ich vieles erfreulich treffend überzeichnet, phantastisch überdreht und gut beobachtet – wie es so ist an den deutschen Nordseeküstenkurbädern. Irgendwann wird es dann aber viel Welt retten – der Auserwählte – die ausgewählte Gruppe tapferer Exzentriker – Yadda, yadda, braucht kein Mensch. Gern gelesen, aber würde ich nicht unbedingt weiterempfehlen.

    Viel mehr Salate sollten als Zutat Käsetoast enthalten. Chilli und Ciabatta: Chicorée-Salat mit Käsetoast.

    Sari hat spannende Blogpläne für 2025: Bloggerschnack im Januar: Was möchtest du dieses Jahr erreichen?

    Weniger spannend, mehr beängstigend, die Lage ist Österreich. Kraut und Rüben: Warum wir keinen „Volkskanzler“ brauchen

  • 25-01-14 Wasserloses Tal (Berlin -> Hagen)

    25-01-14 Wasserloses Tal (Berlin -> Hagen)

    Die Bildungsherberge übermittelte mir meinen Türcode.

    Der Vertreter des Vermieters ersetzte höchstselbst die erste demolierte Silvesterraketenscheibe und brachte die zweite zum Glaser.

    Ein weiterer Karriereschritt steht bevor. Ich bin nicht nur betrieblicher Brandschutzhelfer, sondern werde Ende Januar auch Ersthelfer sein.

    Madame versuchte Schwerenöter zur Räson zu bringen.

    Später recherchierte sie weiter zum Noonsong. Dieser wurde etabliert von einem Berliner Professor für evangelische Liturgie, der sich Idee bei den Anglikanern abschaute, die ihren Evensong wieder der liturgischen Vesper enlehnte haben.

    Zurück in Berlin setzte er sich mit einem katholischen Kollegen und Freund zusammen und sie erschufen ein Format, dass sich an den Evensong anlehnt und sowohl evangelisch wie katholisch akzeptabel ist. Anscheinend wechseln sich auch wöchentlich evangelisch und katholische Geistliche ab,

    Sie erreichten einige Effekte: Ein ästhetisch schöner Gottesdienst; es gibt die Chancen, dass die hunderten von nie gesungenen Kirchenliedern des Repertoires einmal von professionellen Sängern aufgeführt werden. Und die Kirche ist einmal die Woche ziemlich voll.

    In Hagen befinden sich fünf Kopien der Seminarpräsentation (drei digital, zwei auf Papier). Was auch immer bei diesem Seminar passieren wird; es wird nicht daran scheitern, dass Mittwoch im Gebäude 8, 1. Etage Raum B121 keine Präsentation vorliegt.

    Noch rechtzeitig entdeckte ich, dass eine Deadline zur Präsentationseinreichung via Mail existiert – done.

    Auch rechtzeitig entdeckte ich, dass ich zum gemeinsamen Abendessen des Seminars im Gasthaus Humpert am Höing zusagen muss – done. Ich habe keine Ahnung, was Dortmunder Salzkuchen ist – aber es klingt spannend und ich möchte probieren.

    Wo ich dabei bin, Hagen-Recherche: Das Westfalenbad erforschte ich bereits beim letzten Besuch im Sommer 2023. Fazit damals (bei 36 Grad und einem komplett überfüllten Bad): „ein spektakuläres Schwimmbad – ob im guten Sinne, bin ich noch unentschieden.“

    Andere Großstädte mit potenziell spannenden Schwimmbäder in der Nähe:

    • Wuppertal. Okay, die Schwimmoper kenne ich schon.
    • Dortmund: mit Südbad, Nordbad und der Soletherme im Landschaftspark.

    Auch schaute ich nach Theatern in Hagen. Eine einzige Vorführung läuft, während ich mich in der Stadt aufhalte. Es handelt sich (ungelogen) um Freibad oder Shut up and swim! Leider läuft das Stück während ich meinen Vortrag halten werde.

    Letzter Schritt am Abend vor der Reise: Noch einmal den DB Navigator checken. Nicht, dass dessen zunehmende Überraschungen mich morgens am Bahnsteig erwischen. Er gab sein ganzes Programm:

    • Bitte melden sie sich neu an und geben sie ihr Passwort von Hand ein. – Jedes mal wieder ein Spaß bei einem Zufallskennwort mit 24 Zeichen.
    • Bitte wechseln sie ihren Nutzernamen. Er muss jetzt eine E-Mail sein. Gnarf.
    • Ihr Passwort (24 Zeichen, Zufallsfolge) ist nicht sicher genug. Bitte fügen sie ein Sonderzeichen hinzu. Gnarf.
    • Dafür eine Abschlussüberraschung. An ihrer Rückreiseverbindung hat sich nichts geändert. Dafür ist die Zugbindung aufgehoben.
    • Singen Sie ihre Glücksmelodie

    Die Bahnfahrt selbst mit ICE 952 begann wie erwartet; erst hatten BVG und S-Bahn Probleme mich zum Südkreuz zu bringen. Am Hauptbahnhof gab es einen Überraschungs-Bahnsteigwechsel fünf Minuten nach angezeigter Abfahrt des Zuges. Aber nachdem ich im ICE saß, verlief alles wunderbar. Die Bahn erfreute mich sogar mit einer funktionierenden Zugteilung in Hamm.

    Leider begann es mir die gesamte Strecke von Berlin bis Hagen nicht, herauszuhören, ob der telefonierende Mensch hinter mir zur Führung einer großen Uni gehörte oder zum BMBF. Nur dass er vom „lieben Senatsmenschen“ sprach, ließ mich zur Uni tendieren. Denn die „lieben Senatsmenschen“ kenne ich auch aus meiner Arbeit in einer Berliner AöR.

    Die Busfahrt im 527er Richtung Loxberg bis zur Bildungsherberge wieder abenteuerlich. Der Bus fährt eine halbe Stunde einmal um Hagen herum. Und auch wenn ich schon aus dem Jahr 2023 weiß, wie es ist, zweifle ich doch, wenn ich noch 15 Minuten vom Ziel entfernt bin, und an Haltestellen wie „Wasserloses Tal“ oder „Am Waldrand“ vorbeikomme – die auch so aussehen wie sie heißen. Aber ich kam an.

    Alles wird super. Dann so im Fokus/Film gewesen, dass ich entgegen aller selbst gesetzter Regeln nicht am Dienstag bloggte,

    Hallo Kassenautomat

    Während ich mich anschickte, nach Westen zu Fahren um Westfalenbad und andere zu erkunden, musste ich aber erst einmal Hausaufgaben machen

    Selbst auf meiner Berliner Schwimmbadliste befinden sich aktuell weiße Flecken, weil schneller gebaut und saniert wird, als ich zum Besuchen komme.

    Zeit zum Hauptbahnhof zu fahren und ein paar Meter zum ehemaligen Poststadion zu laufen.

    Das Stadtbad Tiergarten kenne und schätze ich schon länger. Das letzte Berliner Bad, das beim Bau noch mit Wannenabteilung gebaut wurde. Aber bei der Eröffnung Mitte der 1980er blieb diese gleich geschlossen. Nach gut 30 Jahren wurde es erstmal richtig saniert.

    Es bedurfte danach noch 350 Tage bevor ich nach Umbau und Wiedereröffnung endlich wieder die Pforten durchschritt.

    Es war Sonntag. Es war ernstlich voll. Wir bewegten uns auf einer 50-Meter-Bahn. Es war alles wunderbar hell. Ich bin ein Fan der neuen Deckengestaltung. Auch das alte Mosaik wurde gerettet.

    Ich war vorher Fan und bin es noch mehr. Besonders Highlight für mich natürlich: der eine neue Kassenautomat der Berliner Bäder.

    Sportkegeln

    Ich weiß, ihr wolltet schon immer einen tiefen Einblick in die Welt des Sportkegelns.

    Slow cooker ist super. Kohlsuppe ist super. Beides zusammen sollte also superduper sein. Mal bei Gelegenheit testen: Meine magische Kohlsuppe

    Meine Güte. Quälende Hustenanfälle, allmorgendliche Kopfschmerzen, Eitergeruch in der Nase: und immer noch solche Fotos aus Tenerrifa: Hustend auf dem Vulkan tanzen.

    Freier Parkplatz aber schlechte Vibes

    Die ARD mit einem Podcast über „Rechtsextreme haben die Offenheit Wikipedias genutzt, um Informationen und Diskurse unerkannt zu manipulieren.“ Dunkel kann ich mich daran erinnern, so etwas mitbekommen zu haben. Oder ist es schon länger her? Mal reinhören.

  • 25-01-12 Wie kann ich Salat verkaufen?

    25-01-12 Wie kann ich Salat verkaufen?

    Die Autobahn Gmbh des Bundes beginnt, die Dauerbeleuchtung der Berliner Stadtautobahn abzuschalten. Ich warte darauf, dass Matthias Döpfner sich an der Rudolph-Wissel-Brücke festkettet.

    Dafür beschloss jemand, unsere Treppenhausbeleuchtung auf Dauerbetrieb zu stellen. Aus Gewohnheit drücke ich trotzdem bei jedem zweiten Treppenhausgang den Lichtschalter.

    Auch aus Gewohnheit wollte ich in den Südkreuz Offices wieder die Treppe nehmen. Aber ein hilfreicher Kollege erinnerte mich an die guten Vorsätze – also nahm ich brav den Fahrstuhl.

    Der Fahrradmeister kehrt am 20. Januar aus dem Urlaub zurück. Am 17. Januar beginnt die BVG zu streiken. Vermutlich darf ich mich mit gestrandeten BVG-Nutzern und deren ausgebuddelten Kellergefährten um Reparaturtermine für das malade Fahrrad streiten.

    Madame empfiehlt die vierte Staffel der dänischen Fernsehserie Borgen, um die politische Situation Grönlands zu verstehen. Die Staffel dreht sich um genau um das Thema Grönland und die Dänen – und wenige andere fiktionale Formate sind derart genau und präzise wenn es darum geht, echte Politik in ihrem Ablauf zu schildern.

    Dumpfe Geräusche gehen des Nachts vom Haus aus. Ich vermute, Schnee rutscht von der Dachersatzplane hinab, um auf Gerüst, Nebenhaus oder Hof zu fallen. Ich versuche die Geräusche nicht allzu beunruhigend zu finden und freue mich über die schneefreie Wettervorhersage der nächsten Tage.

    Nachbar 3L hat sich entschieden, seine eigene Wohnung zu kaufen. Einerseits keine schlechte Idee. Andererseits habe ich immer die Worte des ehemaligen Hausmeisters im Ohr „Abreissen! Alles abreissen! Das Haus ist nicht mehr zu retten!“.

    Madame unterhielt sich mit einer Bekannten, die in Schöneberg auf halber Strecke zwischen uns und dem Kugelbombenhaus wohnt. Sie berichtete von einer Art Osterfeuer in der Silvesternacht direkt vor ihrem Erdgeschoss-Fenster – improvisiert aus Mülltonnen und dem was die Freunde des rabiaten Silvesterfestes so fanden. Am Ende brannte das Osterfeuer alleine, weil die Freunde des Böllerns weiterzogen. Dieselbe Bekannte verbringt seit Jahren Silvester in Berlin, weil sie das Gefühl hat, auf ihre Wohnung aufpassen zu müssen.

    Mein Arbeitgeber investiert Geld, schickt mir (und vermutlich allen anderen Angestellten) per Briefpost eine Aufforderung, sich als Wahlhelfer zu registrieren. Ich bin kurz davor zurückzuschreiben „Bin ich doch schon längst!“ Aber das bringt mir auch nichts.

    Eine halbe Stunde Meditation und Musik

    Berlin ist überraschend. Entdeckte ich noch letzte Woche das Pop-Art-Brutalismus Wunderwerk U-Bahnhof-Schloßstraße, fand Madame den Noonsong in der Kirche am Hohenzollernplatz.

    Der Evensong ist in der anglikanischen Kirche eine gesungene Form des Abendgottesdienstes, der in größeren Kirchen meist als Choral Evensong, also als größtenteils vom Chor gesungener Gottesdienst ausgeführt wird. Bei jedem Aufenthalt in Großbritannien ein empfehlenswertes Erlebnis.

    Nach 16 Jahren in Berlin entdeckt: Es gibt einen Noonsong – also einen samstäglichen evangelischen Mittagsgottesdienst mit gesungener Liturgie – zeitlich passend zum Markt vor der Kirche und gesungen von Profisängern. Es bedurfte 697 Durchführungen bevor wir ihn entdeckten.

    Überraschend: Obwohl die Veranstaltung alle Pflichtelemente der evangelischen Liturgie umfasste, gilt sie anscheinend nicht als Gottesdienst. Angekündigt wird sie als „Meditation und Musik.“

    Beeindruckende Veranstaltung – beeindruckende Kirche. Leider ohne mich, denn ich bastelte an Folien.

    Geistig umschalten

    Hagen, die Metropole Südwestfalens, ist spannend. Ich glaube, ich habe in meinem Leben noch keine derart autogerechte Stadt erlebt. Und das sage ich als gebürtiger Hannoveraner.

    Obwohl ich mit ÖPNV anreisen werde, freue ich mich auf die Stadt. Irgendwie clickte es beim letzten mal, und ich hatte mich in all ihrer Seltsamkeit in „das Tor zum Sauerland“ verliebt.

    Aber die Welt schickt mich nicht nur zum Vergnügen nach Hagen. Vorher muss ich das Uni-Seminar „Angewandte Optimierung“ mit meinem Vortrag „Sensitivitätsanalyse des Begrenzungsvektors“ bestehen.

    Ich versuche, mich geistig neu zu arrangieren. Nach Weihnachten in Dithmarschen, Silvester in Hannover und der letzten intensiven Arbeitswoche, versuche ich mich voll in die gedankliche Welt „Uniseminar in Hagen“ zu werfen. Es knirscht im gedanklichen Gebälk.1 Aber es wird.

    Schritt 1: Meine Seminararbeit in Folien packen und dabei die Hinweise des Lehrstuhls berücksichtigen. Irgendwie hilf- aber auch arbeitsreich: „In Tabelle 2.2 ist ein Tippfehler“ oder „Überprüfen sie nochmal die Ergebnisse in Gleichung 3.7.“

    Das verspricht noch einige Arbeit, deren Ergebnis am Ende vermutlich eine geänderte Ziffer irgendwo in der Tabelle sein wird.

    Dabei überlegen: Stelle ich alles unter das plakative Motto „Wie kann ich Salat verkaufen“? Das wird vermutlich Anschaulichkeit und Erinnerungswert des Vortrags erhöhen. Aber vielleicht senkt es das Vertrauen in die mathematisch-wirtschaftswissenschaftliche Seriösität des Vortragenden.

    Aber, da es mein Vortrag ist, werde ich ihn natürlich unter das Motto stellen.

    Schritt 2: Die eigentliche Reise nach Hagen vorbereiten – insbesondere mich selbst koordinieren wann ich mit welchem Material wo sein muss. Ich fange damit an, dass ich die Präsentation in mindestens drei Kopien dabei haben möchte. Ich behalte im Hinterkopf, dass die Bildungsherberge, die mich beherbergen wird, am Ende der Welt liegt und ich ferienwohnungsartig selbst für mein Frühstück sorgen muss.

    Noch weiter verbuddelt im Hinterkopf beginne ich auch schon innerlich den eigentlichen Vortrag vorzubereiten. Dafür benötige ich immerhin kein Material und kann das auch im Zug oder in der Herberge fortsetzen.

    Gute Sache: Ich bin der allererste Vorturner im Seminar-Programm. Das heißt, ich bin im Mittwoch Vormittag durch und kann danach bis Samstag Spaß am Seminar und in Hagen haben.

    Madame, die ja unter anderem „Selbstorgansation während des Studiums“ unterrichtet, empfiehlt als Vortragsvorbereitung Mai Thi Nguyen-Kims Vortrag So hältst du einen guten Vortrag. Ich schließe mich dem an.

    The State of Wikipedia

    Zwischen Arbeitsmodus und Unimodus hatte die Welt in Form von Madame einen Wikipedia-Stammtisch angesetzt. Wieder in der Resonanz, wieder in kleiner Runde und wieder extrem angenehm.

    Thema: Sekundärzitäte und deren Problematik.

    Thema: Als Elter möchte man nicht im Berlin in der Kneipe sitzen und dann von zu Hause aus Potsdam die Nachricht kriegen „Wo ist der Verbandskasten?“ Immerhin verlief alles glimpflich. Es war eine Blutwunde, aber keine schlimme.

    Thema: Ein eisiger Wind zieht auf. Die Heritage Foundation (der Trump-nahe Think Tank) versucht den feuchten Traum jeglicher Diktatoren und Faschisten zu erfüllen: Anonyme Wikipedia-Autor*innen aufspüren und öffentlich machen, die ungenehmes Schreiben. Leider wird eine Bewegung, die sich im Umfeld von Elon Musk, Peter Thiel und den Tech-Mogulen from hell bewegt, sowohl das Geld wie auch die technische Expertise haben, um das umzusetzen.

    Wir fragen uns, ob Wikimedia dem etwas entgegensetzen kann. Die Organisationen haben soviel Geld und Mitarbeiter wie – aber auch so wenig Ahnung von der Wikipedia wie es jeden Außenstehenden erschüttern würde.

    Merken: Die heiße Zitrone ist echt lecker.

    Wir sind keine 80 mehr

    Die American Mathematical Society veröffentlicht einen Artikel: An der Wikipedia mitmachen für Mathematiker. (Princ-wiki-a Mathematica: Wikipedia Editing and Mathematics)

    In Friedberg (Hessen) erfand sich ein Jugendstil-Hallenbad als Theater wieder.

    Wie es der Zugbegleiterin ergeht, wenn sich Menschen vor den Zug stürzen. Hauptaufgabe: Verhindern, dass die Menschen im Zug am Rad drehen: Samstagsplausch 25/2 „Schattenseiten“

    Alle 56 Parteien, die an der Bundestagswahl teilnehmen möchten. Die müssen noch vom Bundeswahlleiter zugelassen werden. Bei der DÖNER-Partei oder der iNSDAP sehe ich wenig Chancen. (via mthie)

    Christa Chorherr kann schreiben Wir sind keine 80 mehr, geht aber noch mit den Enkeln in neumodische Restaurants.

    1. Etwas blöd, dass ich Montag keinen Urlaub genommen habe, und die ganzen Arbeitsgedanken noch nicht ganz so weit aus den aktiven Hirnregionen schieben kann, wie ich gerade gerne würde. ↩︎