Kategorie: Alltag

  • 24-12-24 Samstags steht unser Wasserspielzeug DOGGY zur Verfügung

    24-12-24 Samstags steht unser Wasserspielzeug DOGGY zur Verfügung

    Schlafen, schlafen nicht mehr ganz so müde. Der Kalender gönnt uns drei Tage zwischen den Zeiten – nicht mehr Alltag, aber auch noch nicht Weihnachten – und diese wirken wie ein langsames Ausatmen über 72 Stunden.

    Von beiden Seiten schwappt es herein in diese Tage der unwirklichen Schwerelosigkeit. Die Downton-Abbey-Filme auf DVD fühlen sich weihnachtlich ein. Ebenso der wiederentdeckte Sherry zum Roman. Paketeinpacken und ein letzter Gang in den Supermarkt gehören noch in die Rubrik Alltag. Die letzten verschollenen Pakete tauchen auf. Noch sind nicht alle angekommen, aber bei den Übrigen wissen wir immerhin ungefähr wo auf dem DHL-Weg sie sich befinden.

    Innerlich überschlage ich kurz Seminar- und Klausurtermine und denke, dass ich eigentlich dafür etwas tun müsste. Aber zu kostbar erscheinen mir diese Tage des Schwebens zwischen den Zeiten.

    Mehrere Tage hintereinander las ich konzentriert ein Buch – wann passierte dies zuletzt? Weiterhin in Olga Tokarczuks Jakobsbüchern, die sich langsam dem Ende nähern. Die Protagonisten werden alt, die neue Welt, die sie um sich herum erleben, ist nicht mehr die Welt des Buches, nicht mehr wirklich die ihre.

    I feel like I am living on another planet now – sagt die Dowager Countess of Grantham im Downton-Abbey-Film – Everybody does, lautet die Antwort, you only need to live long enough.

    Ich las Nils Minkars Newsletter und über Deutschland und Frankreich und das Elend der jeweiligen Politik; kurz darauf „Schleswig-Holstein. Die Kulturzeitschrift für den Norden.“ mit einem Portrait von Carl Friedrich Cramer – deutscher Intellektueller zur Zeit der französischen Revolution. Er war Übersetzer von Schiller ins Französische und Übersetzer von Rousseau und Diderot ins Deutsche – glühender Anhänger der französischen Revolution, aus Kiel vertrieben nach Paris und am Ende in Frankreich politisch so heimatlos wie in Deutschland. Ein Minkmar des späten 18. Jahrhunderts und auch nicht.

    Die Mahlzeiten eine Mischung aus Tiefkühler-zum-Jahresende-ausleeren (Pomeranzenmarmelade, Skinny Boullabaisse aus Tiefkühl-Muscheln und Garnelen), Frankfurter Kranz bei Bäcker Plentz und Rehgulasch-Reste. Wir kaufen letzten Lauch. Denn weil wir Heiligabend zu zweit verbringen und total crazy sind, wird es Fondue irlandaise geben aus Cheddar, Guiness, Whiskey und Worcestersauce mit Roggenbrot und Lauch.

    Mr. Darcy – Ettenbühl Sunset – Tuscany Superb – Betty Prior

    Das allerletzte verschollene Paket lokalisierten wir in dem Schreibwarenladen/DHL-Filiale auf den Märkischen Hamptons. Zum Glück kennen sie uns und die Siedlung, wissen, dass es im Winter ein paar Tage dauern kann bis wir kommen, und behielten das Paket trotz Fristablaufs im Laden.

    Der Wasserversorgen hatte uns hinausgerufen. Wir sollten zum Jahresende den Zählerstand mitteilen. Dazu: Durchatmen, Weite. Trotz windigem Nieselregen die Freude draußen zu sein und den Himmel zu sehen. Stanwell Perpetual macht ihrem Namen alle Ehre und blüht noch. Selbst Violina scheint noch eine Knospe hervorzubringen.

    Wir überwanden die klamme Nässe, setzten Mr. Darcy und Ettenbühl Sunset (Beet), Tuscany Superb (die Alte-Rosen-Allee-in-Entstehen) und Betty Prior (Vorgarten).

    Festtagspreis wie früher

    Endlich wieder schwimmen gehen, wie seit Wochen nicht mehr. Endlich den schwarzen peinlichen Fleck auf meiner inneren Berliner Schwimmbadlandschaft füllen: Wir nutzten die Fahrt zu den Latifundien für einen Abstecher im Stadtbad Hennigsdorf. Dies eröffnete nach Neubau 2023 und noch nie war ich dort.

    Vorgänger: das aqua Hennigsdorf, von mir geliebter Typenbau der DDR-Volksschwimmhalle C. Schlicht und doch von einer untypischen Eleganz für den Arbeiter- und Bauernstaat mit Diktaturhintergrund. Jetzt abgerissen.

    Der Neubau überrascht: in Bahnhofsnähe – sogar öffentlich erreichbar. Von außen so schlicht, dass wir ihn mit dem Auto ein paarmal umrunden, bevor wir das Schwimmbad ausmachen. Innen: Im Geiste seines Vorgängers. Schlicht – keine zusätzliche Deko, ein Schwimmerbecken, ein Nichtschwimmer, ein kleines niedriges Nichtschwimmer und ein Planschbecken – Holz, Stein und Glas. Jegliche Gestaltung besteht aus Funktionselementen.

    Ein Bad, das mitdenkt wie ich mir wünsche: Föne umonst; im Schuhausziehbereich stehen Schuhlöffel; die Verriegelung der Kabinen mit dem besten störungsfreisten System; in den Duschen ausreichend Ablagen und Haken. An der Decke eine Markierung für die Rückenschwimmer. Ein Bad in dem irgendwie alles funktional ist, und zusammen doch irgendwie schön.

    Die Digitaluhr in der Halle fungiert auch als Anzeigetafel. Ich erfahre, dass Mittwochs und Freitags(?) eine Bahn für Flossen- Anzug und Geräteschwimmen frei ist, sowie das Samstag das große Wasserspielzeug DOGGY im Schwimmerbecken bespielt werden kann.

    Weil Ferien sind, hat das Bad Montagmittag für die Öffentlichkeit geöffnet. Weil Festtage sind, bezahlen wir einen Eintrittspreis wie früher.

    Kein Weihnachtslied

    Elke Brüser beobachtet Kraniche: Geflügelte November-Fischer

    Dieser Haushalt hat zu Weihnachten ein besseres Verhältnis als zu Deko. Und so besteht die Weihnachtsschmückung aus einem Adventskranz, einem Herrnhuter Stern und der immerwährenden Lichterkette, die im Frühjahr und Herbst als Kinobeleuchtung für Beamer-Abende fungiert und im Dezember als Weihnachtsschmuck. Die einzige Variante eines Weihnachtsbaums, die ich mir für mein Heim vorstellen kann, steht sowieso im Garten und sieht ungefähr so aus. Aber Garten und Wohnung liegen weit auseinander – also nichts.

    Dennoch finde ich das Konzept Weihnachtsbaum spannend, habe einiges über ökologisch-nachhaltiges Weihnachtsbaum und Gardenwashing bei Gunhild Rudolph gelernt: Die Tradition des Weihnachtsbaums und Der ökologische Weihnachstbaum.

    Die Kaltmamsell sah ein Theaterstück über (im weitestmöglichen Sinne) ein Schwimmvereinsmitglied. Die Bühnendeko immerhin ausschließlich in Schwimmbadblau und Rot: Journal Sonntag, 22. Dezember 2024 – Laufwetterglück, Eine Zierde für den Verein im Marstall

    Zum Abschluss ein Weihnachtslied, das eigentlich kein Weihnachtslied ist. Schedryk, ukrainisches Volkslied über die Ernte und später bekannt geworden als Carol of the Bells. Ich muss dringend in die Ukraine sobald man dort nicht mehr von russischen Drohnen abgeschossen wird: The Unknown Ukrainian Carol that everyone knows

  • 24-12-22 Borneo

    24-12-22 Borneo

    Schlafen, schlafen, müde, müde, schlafen, schlafen. Der letzte Arbeitstag des Jahres ist überstanden, meine weitere Jahresplanung lässt sich als schlafen, schlafen, müde, müde zusammenfassen.

    Mir ist gar nicht so klar, was genau so anstrengend war in den letzten Wochen aber schlafen, schlafen, müde, müde.

    Erfreulicherweise ließ sich der Freitag aller Freitage auf Arbeit so an, wie erhofft. Ich sah Kaminfeuer auf Monitoren, Tumbleweed auf den Fluren und laut verleumderischer Gerüchte – die ich natürlich nicht glaube – soll es sogar zu vereinzeltem Trinken von Glühwein im Büro gekommen sein.

    Letzte Aufgaben: Etwas Weihnachtsplanen. Langsam tauchen die mitte Dezember verlorenen Pakete wieder auf und machen Einsammelrunden erforderlich. Selbst die BBB-Weihnachts-Aufmerksamkeit fand sich wieder bei einer Überraschungsnachbarin.

    Dafür verschwinden alte Klamotten, Bücher und sonstiges aus dem Haushalt.

    Die Filiale von Bäckerei Thoben schloss. Die Shell-Tankstelle Platinum verkauft kein Autogas mehr. Im DHL-Späti3 hingen lauter Palästina-Flaggen im Innenraum. Im GLS/UPS-Späti hing ein handgeschriebener Zettel von Lena & Charlotte „Lieber Onkel. Es ist toll, dass Du da bist.“

    Der Fernuni-Kurs Betriebliche Informationssysteme schickte Klausurinfos. Die ganzen Code- und SAP-Detail-Aufgaben aus dem Kurs sind wirklich nicht klausurrelevant; dabei sind sie eigentlich ganz spannend.

    Eben wegen dieses Kurses stieß ich auf einen Wikipedia-Gletscher. Der Artikel Webservice hat seit 2012 einen Hinweis, dass er überarbeitet werden sollte. Er wurde sogar überarbeitet. 2020. Aber noch läuft die Diskussion, ob der Hinweis damit wieder weg kann.

    An der Hausfassade nutzte ein erster Graffitisprayer das weiterhin herumstehende Gerüst für eine Verewigung im zweiten Stock. Brutaler ging jemand anderes vor, der eine Scheibe in der Haustür des Mehrfamilienhauses einschlug.

    Nachbar 2L, den ich im Treppenhaus traf, war aufgeregt. Vermutlich hatte er recht. Ich kann mich nur noch zu „War nicht die Erste. Wird nicht die letzte sein.“ aufraffen.

    Dafür weiß ich endlich, wem das futuristische E-Auto im Hinterhof gehört. Bei Gelegenheit werd‘ ich ihn ansprechen, wie er das hier in der Gegend mit dem Aufladen macht.

    Madame spielte mit ihrem neuen Geburtstagsspielzeug. Dafür musste sie das Eisfach entleeren und verarbeitete tiefgefrorene Pomeranzen in Marmelade. Eine Verwöhnwoche für mich steht an mit Rehgulasch aus dem Slow cooker und Eggs Benedict zum Frühstück.

    Nicht-Weihnachtskleinfamilienfeier bei Sagar mit Thali und Ente Malai. Angesichts des Anlasses erfreulich unweihnachtlich. Wir lernte, dass le pianiste langsam in eine familienähnliche Gemeinschaft mit dem Sohn von Frank Zander integriert wird.

    Erste Gedanken eines Jahresrückblicks: Acht Klausuren, eine Seminararbeit, eine Pergola, eine Freibadkabane; zwei Wochen Abenteuer im Baltikum, eine Goldene Hochzeit. Das Auto fährt wieder (Meine Güte), der Abfluss läuft (Meine Güte), Dach fehlt weiterhin (Meine Güte). Bei einer gewissen Anstalt öffentlichen Rechts setzte sich nach zwei Jahren des Anschiebens einiges an Bewegung; was nun Action erfordert und noch mehr Action erfordern wird.

    Hauptsache ich brauche keine Raunächte für das Jahresendnachdenken. Diese brandneu erfundene ewige Tradition ist milde amüsant, aber in ihrer „wir-brennen-schon-seit-1000-Jahren-Räucherstäbchen-für-Odin“-Variante auch manchmal anstrengend.

    Uneins waren wir, ob die DDR die Drei-Haselnüsse-für-Aschenbrödel-Begeisterung in die Deutsche Einheit eingebracht hat. Für mich war das immer ein Film, der im Westen zwar im Fernsehen kam, aber nicht niemals nie auf einem Level mit zum Beispiel Sissi oder dem Kleinen Lord stand. Während die Ostbekanntschaft ihn immer als DEN Weihnachtsfilm ansah. Gefühl kolonisiert er auch die West-Weihnachtsbräuche jedes Jahr mehr, ist dabei Sissi oder Loriot weit hinter sich zu lassen.

    Planungen für den Jahresanfang: Endlich das Spotify-Abo kündigen. Aktueller Alternativplan: Qobuz für Musik und die Apple-Podcast-App für Podcasts.

    Resilienz und Bettelampel

    Ein 85. Geburtstag im Bohrerhof.

    Gelernt bzw. wiedererinnert: Bettelampel heißt das: Bedienungsanleitung Ampel.

    Waffle House ist ein Phänomen der amerikanischen Südstaaten. Eine Kette, die alle verbindet. Im Waffle House kann mensch beim 24-Stunden-Frühstück alle Einheimischen aus allen Ways of Life finden. Sie ist einfach immer offen und da. Wie sehr sie da ist, zeigt dass die FEMA, die amerikanische Katastrophenschutzbehörde, einen Waffle House Index hat: Dort wo selbst Waffle House geschlossen hat, ist die Katastrophe am katastrophalsten.

    USA Today berichtet darüber wie Waffle House seine Resilienz erreicht: Viel Logistik (z.B.: wenn ihr wist dass ein Hurricane kommt, mahlt Kaffeebohnen für mehrere Tage vor – ihr wisst nicht ob ihr Strom haben werdet, gut für den Fall ausgebildete Employees und freiwillige in Jump Teams, die nach der Katastrophe kommen: ‚Waffle House Index‘ is a real thing during disasters. How does the restaurant chain do it?

    UCLA, eine der besten staatlichen Unis der USA, bietet einen neuen KI-generierten Kurs zur Literaturgeschichte an. Es ist noch schlimmer als man denken könnte: UCLA’s new AI-designed literature course has the worst-looking textbook cover I’ve ever seen.

    Warum weg von Spotify. Der Dienst erfindet Künstler und flutet seine Playlists mit ihnen, um Tantiemen zu sparen: The Ugly Truth About Spotify Is Finally Revealed

  • 24-12-19 Liste von Filmen, die in „The Holiday“ empfohlen werden (18×0- (13,7))

    24-12-19 Liste von Filmen, die in „The Holiday“ empfohlen werden (18×0- (13,7))

    Richard of York gave battle in vain.

    Mit dieser Eselsbrücke lernen englische Schüler*innen die Farben des Regenbogens (Red, Orange, Yellow, Green, Blue, Indigo, Violet). Unter pubertierenden Penäler*innen auch gern umgedichtet zu Richard of York gave battle in Vagina.

    Dieses wichtige Wissen erlangten wir durch die Fernsehserie Taskmaster.

    Der Innsbrucker Platz ist Nummer 2 der Unfallschwerpunkte in Berlin. Als Mensch der den Platz regelmäßig überquert und regelmäßig Unfallfahrzeuge am Rande des Platzes stehen sieht, wundert mich das gar nicht.

    Die Lotto-Stiftung fördert eine Produktion der Komischen Oper von Jesus Christ Superstar im Flughafen Tempelhof. I need tickets. Entweder wird es großes Desaster oder eine begeisternde Sache – auf jeden Fall denkwürdig.

    Madame beorderte die Deckenlochbohrer zur Deckenlochstopfung. Stand aktuell: Gestopft, nicht gemalert. Auch die angedrohte Rohrfreilegung im Bad passierte noch nicht. Aber wir erfuhren, dass auf dem Dachboden – unserer Decke – das erste Mal seit Menschengedenken eine Dämmung auf dem Fußoden angebracht ist, unsere Wohnung also wärmer werden sollte als je zuvor.

    Der Kaptain widerfuhr eine Erscheinung aus der Vergangenheit. Mein Ex-Mitbewohner in Leipzig und (einige Jahre später) Ex-Genosse in Kiel tauchte in der Dithmarscher Landeszeitung auf. Er ist neuer ehrenamtlicher Geschäftsführer von Sarahs Getreuen in Schleswig-Holstein. Das ist jetzt einerseits überraschend, andererseits auch nicht. Hauptsache die Frisur sitzt.

    Wer jemals links der Mitte in Hamburg politisch aktiv war, weiß dass Hamburg ein ganz besonderer Ort voll bizarrer Überraschungen ist. Das BSW setzt diesen Trend fort: Sieben Mitglieder des Bündnisses Sahra Wagenknecht haben am Wochenende ohne Kenntnis des Bundesvorstandes einen Landesverband in Hamburg gegründet. Diesen Landesverband nennen sie „Bündnis für Vernunft und Gerechtigkeit“, ohne den Namen der Gründerin der Bundespartei Sahra Wagenknecht

    Unvergessen die Sitzung im Hamburger Gewerkschaftshaus 2001 als erst Mitglieder des anstrengenden Flügels des Saals verwiesen wurden. Nur damit sie kurze Zeit darauf im 1. Stock mit Plakaten auf dem Fenstersims balancierend und an die Scheiben hämmernd wieder auftauchten.

    Während der Postbote noch darum kämpft, jeden Großbrief an sein Ziel zu bringen, hat DHL in Schöneberg kapituliert. Die Weihnachtsaufmerksamkeit der BBB kam bei Kollegen bereits letzten Mittwoch an, hier noch nicht. Diverse Pakete befinden sich seit >1 Woche im Status „in der Zustellregion angekommen.“

    Bluten in Lichterfelde

    Während mir die rechte Hand des DRK seit Wochen Mails und Briefe sendete, um mich zur Blutspende zu treiben, weiß ich, dass die linke Hand des DRKs mich eiskalt abweisen würde, wenn ich käme. Grimpfung und Mandelentzündung sei dank. Also wartete ich brav meine Frist ab, bevor ich Dienstagabend den M85 Richtung Charité nahm.

    Die Deko dezent weihnachtlich, die Mitarbeiter*innen und Ehrenamtlichen sowieso immer total freundlich. Ich geriet an denselben Arzt bei dem vor zwei Versuchen die Chemie irgendwie nicht stimmte. Diesmal war alles okay und prompt waren auch die Werte okay.

    Das Spritzen blieb störrisch. Ich lernte den Einmal-sofort-Eispack kennen, der zur Blauer-Fleck-Vermeidung auf den Arm kam. Weil fast Weihnachten ist, ging ich sogar mit einem kleinen Geschenk in Form eines Kuschelschals nach Hause.

    Der eigentliche Grund, warum ich zur Blutspende gehe, war auch vorhanden: die Freiwilligen servierten frisch gestrichene Heckerle-Stullen.

    Wenig neues bei der immerwährenden Querdenkerdemo auf der Schloßstraße. Dieselben 10 Menschen, dieselben Schilder („Zahle bar!“ / „WHO – NATO – EU“ / Irgendwasmitfrieden) und derselbe Aufbau wie immer. Ihr Durchhaltevermögen schwächelt allerdings. Dass sie während meines Blutspenderückwegs bereits komplett zusammengepackt hatten, ist neu. Das gab es seit Corona nicht mehr.

    Alle Filme mit Irene Dunne

    Nach dem Regeltermin Blutspendet am Dienstag folgte der Regeltermin Fetch am Mittwoch. Das Odeon bringt einmal pro Monat eine klassische RomCom, wie alles im Odeon in OV/OmU. Im Dezember natürlich einen Weihnachtsfilm. Nach Love Actually im Dezember 2023 folgte 2024 Nancy Meyers The Holiday („Liebe braucht keine Ferien“) von 2006.

    Der Plot so realistisch wie zum Beispiel der Plot von Top Gun. Zu Weihnachten tauschen eine liebesleidende Engländerin (Iris – Kate Winslet) und eine liebesleidende Amerikanerin (Amanda – Cameron Diaz) ihre Wohnungen. Beide lernen jemand kennen (Graham – Jude Law – lernt Amanda kennen; Miles – Jack Black – lernt Iris kennen).

    Aber auf einer emotionalen Ebene ist alles wahr und jede*r kann sich in einem Charakter wiederfinden. Kate Winslet, Cameron Diaz, Jack Black und Jude Law sind allesamt vollkommen hinreißend, die Szenen charmant und Vieles fühlt sich vollkommen korrekt an.

    Was den Film aber groß macht, wird durch das fünfte Rad am Wagen neben den beiden Paaren, dargestellt: Arthur Abbott, Drehbuchautor aus der großen Zeit in Hollywood und Zufallsbekanntschaft von Iris/Kate Winslet in L.A.

    Abbott (ohne Alter, sein Schauspieler Eli Wallach war beim Dreh 90 Jahre alt) entführt Iris in die Welt des alten Hollywoods. Er bringt sie in seine Wohnung voller Memorabilia. Abbott erzählt Anekdoten von damals, nutzt dabei schöne Wörter wie gumptious oder Schmock und empfiehlt historische Filme. Meine Lieblingsszene des Films findet statt, als Abbott mit ein paar alten Kumpels eine Channuka1-Party2 bei Iris in Amandas Haus schmeißt.

    Wo Abbott aufhört, macht Miles weiter. Der Charakter ist Komponist von Filmmusik, er gestaltet den Film zu einer Hommage an die Filmmusik und insbesondere an den Komponisten Hans Zimmer.

    Zimmer komponierte die Musik für The Holiday. Im Film wird das Heimstudio von Miles gezeigt – dies ist eine ziemlich genaue Kopie des Studios, das Zimmer damals bei sich im Haus hatte.

    Die IMDB verzeichnet weit über 50 Verbindungen zu anderen Filmen. Vor allem aber von Filmen, die als DVDs in Regalen stehen. Ihre Titel sind ohne Anhalten von The Holiday kaum erkennbar.

    Das Blog watchingforever zählt nicht nur die Filme auf, die erwähnt werden, sondern geht auch tiefer darauf ein, wo Filme Nancy Meyer Filme referenzierte ohne sie explizit zu nennen: ‘The Holiday’: a modern rom-com with a classic movie heart:

    Von Arthur Abbott erwähnt

    His Girl Friday („Sein Mädchen für besondere Fälle“) (1940 – Klassiker der Screwball-Komödie, Rotten Tomatoes 99/100, in verschiedensten Listen der besten Filme aller Zeiten; und mir komplett unbekannt).

    The Lady Eve („Die Falschspielerin“) (1941) – Unkonventioneller Screwball-Klassiker

    Allgemein Filme mit Irene Dunne.

    Bluebeard’s Eighth Wife („Blaubarts achte Frau“) (1938 von Ernst Lubitsch) – wird nicht explizit erwähnt. Aber wenn Arthur das Konzept meet-cute erklärt, schildert er dazu eine Szene aus dem Film.

    In der Videothek

    Jaws („Der Weiße Hai“) 1975 – Filmmusik von John Williams – Miles performt die Titelsequenz

    Driving Miss Daisy („Miss Daisy und ihr Chaffeur“), 1989, Filmmusik von Hans Zimmer. Auch angesungen von Miles.

    The Graduate („Die Reifeprüfung“) 1967 – Songs von Paul Simon. Hello Mrs Robinson angesungen von Miles. Dustin Hoffmann hat ein Cameo als Videotheksbesucher und schüttelt den Kopf.

    Chariots of Fire („Die Stunde des Siegers“) 1981 – Musik von Vangelis.

    The Mission („Die Mission“) – 1986 – Musik von Ennio Morricone.

    Sonstige Erwähnungen

    Cinema Paradiso (1988, Musik von Ennio Morricone / Andrea Morricone) – Die Filmmusik läuft in Miles Auto als er Iris das erste Mal trifft.

    Mon Oncle („Mein Onkel“) – 1958 – das Poster hängt prominent in Amandas Haus.

    Once Upon a Time in America (Es war einmal in Amerika) 1984 – Musik von Ennio Morricone; die Titelmelodie von The Holiday beginnt mit den ersten Takten von Deborahs Theme aus Once Upon a Time.

    Der Mann im Mond braucht keine KI

    Da His Girl Friday in den USA keinem Copyright mehr unterliegt, beherbegt Wikipedia den kompletten Film.

    Wo ich schob bei Watchingforever rumstöberte entdeckte ich „Just Imagine“ It’s a pre-Code sci-fi musical comedy with Busby Berkley-like dance numbers, vaudevillian humor, a trip to Mars and a man brought back to life after 50 years.

    Die ehemaligen humoristischen Songwriter des Lumpenpacks kombinieren Billy Joel mit Slime: WZF?! (2.4 Update) feat. Alligatoah

    Maik Riecken mit vielen spannenden Gedanken zu KI in der Schule, insbesondere zum Thema „was passiert eigentlich kognitiv bei den Lernenden wenn sie KI nutzen“?: KI in der Schule? Ist sie nun einmal da und muss man sich deswegen damit beschäftigen? (via Hajo Inwanowitsch)

    Anmerkungen

    1. Überhaupt Chanukka-Party. Natürlich fand ich die Szene total schön, andererseits verfluchte ich meine Landsleute: wir könnten hier auch einfach nette, spannende Chanukka-Parties in Deutschland haben, wenn wir nicht die Feiernden vertrieben und ausgerottet hätten. ↩︎
    2. Der Weihnachtsfilm mit Chanukka-, Weihnachts und Silvesterparty. Wie es sein sollte. ↩︎
  • 24-12-17 Myrrhe, Dill und Weihnachts-Apes (Die Abrechnung)

    24-12-17 Myrrhe, Dill und Weihnachts-Apes (Die Abrechnung)

    Mistviecher elendige! Drei Grad wärmer und die Stechmücken stürzen sich wieder auf mich als wäre Mitte August. Nur fokussieren sie sich eine Woche vor Weihnachten auf Hände und Gesicht. Das erklärt auch die Klimakatastrophe nicht mehr.

    Halal Süßigkeiten gegenüber von Edeka-Kaiser-Richard (Ex Nemo-Feinkost, Ex mediterrane Feinkost) erfindet sich als Wonder Crepes wieder.

    In unserem Schlafzimmer liegt ein neues meterlanges Plastikteil. Madame sammelte dies herabhängend vom Baugerüst durch’s Fenster ein, bevor es auf dem Hof und jemandem auf den Kopf fällt.

    Der Postbote brachte einen Großbrief (zu groß für den Briefkasten) das Treppenhaus hinauf und entschuldigte sich vielfach dass er den gestrigen Brief ähnlicher Art hatte zurückgehen lassen. (naja, wir waren halt nicht da..) Aber das war trotzdem tragisch für ihn. Denn er legte Wert darauf, dass er noch echter Postangestellter ist und keine DHL-Aushilfskraft. Er hat den Ehrgeiz wirklich alle Briefe ans Ziel zu bringen.

    Samstag bereitete Madame vegetarisches Bigos mit Schweinegulasch im Slow Cooker zu. Das Rezept aus Polen vegetarisch sieht ein Bigos mit geräucherten Pflaumen und Pilzen vor. Dies landete im Slowi, nur wanderte eine handvoll Schwein als Aromazutat mit ins Gericht.

    Dazu ein knappes Fuder Dill.

    Es galt etwas Herzhaftes zu kochen, das ebenso timingfreundlich war, denn Dr.D&Dr.E würden irgendwann, vermutlich reichlich erschöpft, aus dem Süden eintreffen.

    Im Gänsemarsch durch Aleppo

    Samstagabend kamen Dr.D&Dr.E – frisch nach einer Woche der Anstrengung aus dem Schwäbischen von der Autobahn in unserer Wohnung. Sie hielten sich tapfer, und wie gewohnt folgte eine weite Tour d’Horizon unter besonderer Berücksichtigung verschiedener Dachbauarbeiten und der Situation in Syrien. In der guten alten Zeit war Dr.E vielfach in dem Land gewesen, 2007 kam Dr.D mit.

    Dr.E erzählte die Szene, wie er in der Prä-Smartphone-Zeit für einen Bekannten Myrrhe aus Aleppo mitbringen sollte. Sein Händler des Vertrauens konnte zwar deutsch, aber nicht gut genug für solche Begriffe. Es war ein Wort aus der Bibel – also gingen Dr.E, Dr.D und Bekannter über den Basar zu einem weiteren bekannten christlichen Händler.

    Der hatte zwar eine Bibel – aber die war in Hocharabisch, das dortige Wort sagte ihm auch nichts. Also gingen (inzwischen Dr.D, Dr.E, der erste Händler und der zweite Händler) zu einem gebildeten Armenischen Händler. Auch der wusste nicht weiter. Aber er kannte einen Sekretär des Patriarchen1, den er anrufen konnte. Der Sekretär war im Gebet – aber da die Sache in diesem Moment dringlich war, kam der Sekretär des Patriarchen aus dem Gebet. Er wusste weiter. Und der Armenier kannte einen Händler.

    Also gingen Dr.D, Dr.E, der erste Händler, der zweite Händler und der Armenier zum Gewürzhändler. Der war allerdings wenig überrascht und fragte auf deutsch: „Haben Sie Halsweh? Myrrhe hilft.“

    Schiff = 3*Bahn

    Der Rest des Wochenendes. Überfällige Haushaltsbürokratie. Wieder eine Tasche Bücher losgeworden. Eine Haushalts-Excel etwas mehr verformelt, langsam wird die ganze Handausrechnerei peinlich. Beim Aufräumen hatten wir die PIN für den elektronischen Personalausweis wiedergefunden. Ich richtete diesen ein, entdeckte, dass ein WordPress-Plugin zur Anmeldung mit dem Perso bei WordPress existiert.

    Auch Housekeeping: Im Blog testweise WP Armour Honeypot installiert. Mir schmeicheln diese 60 Komplimente auf chinesisch und englisch, die mehrmals die Woche in der Kommentarspalte eingehen. Aber manchmal in schlechten Momenten der Selbstkasteiung zweifle ich an der Ernsthaftigkeit des Lobs. Auch sind sie ein wenig anstrengend im wegmoderieren.2

    Auch zur Haushalts-Bürokratie gehörte die Abrechnung für die Baltikumsreise. WIr bezahlten insgesamt 2800€, davon ungefähr die Hälfte für Transport und ungefähr die Hälfte für Kosten vor Ort. Im Einzelnen für 2 Personen, 12 Tage mit 10 Übernachtungen:

    • Fähre (Travemünde – Helsinki Außenkabine, Helsinki – Tallinn Spontankauf) 1080€
    • Hotels (Helsinki(1), Tallinn (2), Riga (2), Vilnius (2), Warschau (1) – fast alle mit Frühstück) 830€
    • Bahn (Berlin-Travemünde, Tallinn-Riga-Vilnius-Warschau-Berlin, überwiegend 1. Klasse) 330€
    • Essen, Einkäufe etc. 360€

    Damit liegen wir beim Thema Hotels, Bahn, Rest genau in der Preislage wie letztes Jahr in Polen. Die 1000 Euro für die Fähren (samt zwei Übernachtungen auf der Finnland-Fähre) kamen diesmal extra hinzu.

    Viva Viva Nikolausi

    Du merkst, dass du in einer Großstadt lebst, wenn innerhalb von 10 Minuten erst eine fahnenschwenkende Gruppe die Freiheit Palästinas fordert und dich direkt danach 300 Weihnachtsmänner auf Motorrädern passieren.

    Friedlich flanierte ich mit Haferdrink, Äpfeln und Weihnachtskarten entlang des Kaiser-Richard-Platzes als mir die leere Hauptstraße auffiel. Auf den zweiten Blick: Viel Blaulicht Richtung Süd. Auf den dritten Blick: Zwei Polizisten, die den DHL-Boten beknieten die Straße zu räumen, bevor seinem Auto etwas passiert.

    Auf den ersten Hör: klingt nach Palästina-Demo. Da ich einerseits neugierig bin, andererseits die Demo schon mal aus der Ferne und aggro erlebt hatte, ging ich Richtung Heimat ihr entgegen, aber wechselte die Straßenseite. Die Demo klein (100 Menschen? 200?), die Stimmung so aggressiv wie erwartet, die Polizeibegleitung massiv.

    Nur sah ich weiter Blaulicht in der Ferne als die Demo schon vorbei war. Ich lief weiter in die Richtung, und keine zwei Minuten später kam er: der Motorrad-Weihnachtsmann-Korso. Hunderte von Motorrädern, festlich weihnachtlich geschmückt, und gelenkt von lauter Weihnachtsmännern und Engeln auf ihrer jährlichen Tour durch die Stadt. So speziell, so nett. Neu am Ende: der Ape-Block, mit zwei, drei Dutzend Piaggio Apes im blinkenden Weihnachts-Dekor.

    Ich vermute die Polizei wollte den Schöneberger Dorfanger nutzen, um die Weihnachtsmänner die Palästina-Demo überholen zu lassen. Dort befinden sich etwa 20 Meter Grünfläche zwischen beiden Fahrspuren, ein Direktkontakt kann so vermieden werden. Leider war ich schon weiter: den Anblick beider Events gleichzeitig hätte ich gerne gesehen.

    Im original-Disney Film ist Philo eine halbe Ziege

    Der SC Wedding, Abteilung Synchronschwimmen gab uns die Chance, wieder in der Sportschwimmhalle Schöneberg, das Synchron-Weihnachtsmärchen zu sehen. Die gesamte Abteilung von den kleinsten bis zum amtierenden Europameister Frithjof Seidel stürzten sich ins Wasser und spielten Herkules (Version Disney 1997 nicht Version Homer, Pseudo-Homer, Sophokles et al) nach.

    Im Prinzip in der Musicalvariante: Handlung oft an Land oder von den Erzählern vorgetragen, Tanz- und Actionszenen geschwommen im Wasser.

    Die Teams inszenierten selber, so kam es zu einer Mischung aus Laientheater mit dem besten was deutsche Synchronartistik zu bieten hat. Die Aufführung charmant, die Wasserszenen atemberaubend. Wir beide hatten den Eindruck: seit dem letzten Jahr hat das Team die Wasser-Choreographie besser auf die Handlung abgestimmt. Da stimmte fast alles.

    Als die Männer aus dem Zweiten Weltkrieg heimkehrten, wurden für die Amputierten sogenannte Versehrtenbäder eröffnet

    Holger beendet sein Linux-auf-dem-Smartphone-Experiment. „Ist es schon Zeit für ein Fazit? Ich weiss nicht. Aktuell habe ich die Lust verloren, mich damit zu beschäftigen, wie ein verwöhntes Kind einen Tag nach Weihnachten. Wer hauptsächlich telefonieren und solche Basics wie Mail, Office und Webseiten-aufrufen machen will, der ist mit dem Gerät gut bedient.“

    Was ist Multiple Sklerose? „Weil ich hier im Blog bisher vor allem über einzelne Aspekte meines Alltags mit MS geschrieben habe, möchte ich jetzt einen Schritt zurückgehen und erstmal die Grundlagen erklären.“

    Dieses Jahr wird ein Stuttgart-Trip obligatorisch. Im Haus der Geschichte Baden-Württemberg wird eine Ausstellung über das Schwimmbad und das Baden ausgestellt. So lehrt diese Ausstellung am Beispiel des Schwimmbads, dass gesellschaftliche Fragen oft komplex sind und nicht eindeutig zu beantworten.

    Tolles Buch meiner Jugend. Der Weltatlas. Dementsprechend freue ich mich über eine Karte von Fediverse (Mastondon und anderes..)-Aktiven: die Fedikarte

    Frau Rabe mit der Langversion zur Burlesque: Wie sie Striptanz zur Bastel-Mutti machte.

    Anmerkungen

    1. Ich vermute der armenisch-katholische Patriarch. In Frage kämen aber auch die Patriarchen von Aleppo der melkitisch-griechischen-katholischen Kirche, der chaldäisch-kathloschen Kirche, der maronitischen Kirche oder der syrisch-katholischen Kirche. ↩︎
    2. Danke an Pixelboomer für den Hinweis via einem Kommentar im Kommentarpost zu Claudia Klinger. ↩︎
  • 24-12-15 Die Bratwurst ist die Boulette (Genderfluid)

    24-12-15 Die Bratwurst ist die Boulette (Genderfluid)

    Uberblogr, der Blog-Webring in dem ich auch Mitglied bin, wird 100 (Mitglieder stark). Glückwunsch!

    Wenn das Brandenburger Tor Amerika ist: Neben mir in der U-Bahn-Station unterhielten sich zwei elegant gekleidete Amerikanerinnen über die Unterschiede zwischen New York und LA. Auf der Bank daneben, offenbar nicht zu den beiden gehörig, saß ein Mann mit Bass-Pro-Shops-Mütze.

    Fahrradladen Fahrbar zieht um. Anscheinend doch nicht zum ehemaligen Klavierbauer. In dessen Fenster hängt ein „Zu vermieten“-Schild.

    Im Aleppo Market hängt eine große Fahne der syrischen Republik in der Tür.

    Im Berliner Internet sehe ich (vermutlich) Palästinenser-Fahnen auf einer syrischen Freudendemo. Was mich irritiert: Ist doch die palästinensische Flagge identisch zur Flagge von Assads Baath-Partei. (und das auch nicht zufällig).

    Gute Nachrichten: Es gibt zunehmend Haferdrinks im Kühlregal. Die scheinen mir auch lokaler produziert und haben mehr mit „normalen“ Lebensmitteln zu tun denn mit chemischer Industrie als viele Haferdrink-Konkurrenzprodukte.

    Madame bekam einen Ice Cream Scoop. Nach einer anstrengenden Woche erweckten sie Calzone und Milchkaffee im Marienkäfer wieder zum Leben.

    Überhaupt ist die Pizzeria Marienkäfer ein weiterer Anlaufpunkt in der gastronomischen Schreckenslandschaft Berlin-Mitte-Mitte.

    Am 13. Dezember war Rechnungsschluss für 2024. Nächste Woche dürfte sich die Lage in allen Arbeitsbereichen entspannen.

    Bei der Fight Academy: Kleine Kinder liegen im Karateanzug bäuchlings auf dem Boden. Die Trainerin versucht sie an den Beinen durch die Gegend zu ziehen. Ich glaube, ich habe einen Sport für mich gefunden.

    Die Camembertecken-Notlage

    Wenige Wochen nach dem offiziellen Teamtag folgte die privat organisierte Team-Weihnachtsfeier. Die findet seit Anbeginn aller Zeiten beim Gänseessen im Nikolaiviertel statt. Wir hielten die Tradition aufrecht.

    Wenig überraschend: ein Laden gefüllt bis an die letzte Stuhlkante, Inneneinrichtung im Stil „urig, aber wenn du länger als zwei Stunden bleibst tut dir vom Sitzen alles weh“ und einfach mal ein netter Abend. Alle gut drauf, alle für Freitag-nach-stressigen-Wochen erfreulich entspannt, zum klönen, scherzen und Schabernack aufgelegt.

    Das Essen okayisch bis gut, die Portionen sparsam. Ein Kollege versuchte für alle eine Käseplatte nachzubestellen. Das scheiterte daran, dass gar kein Käse auf der Karte stand. Nach divesern Verhandlungen einigte man sich auf acht Ecken überbackener Camembert, etwas Salat und Kartoffelsalat und zwei Bouletten. Auf der Rechnung dann Bratwurst. Nachfrage: Welche Bratwurst. Niemand hatte Bratwurst. „Das sind die Bouletten.“

    Auch ungewohnt: beim Zahlen mussten wir sagen, wie wir bezahlen wollten. Und so kamen die Rechnungen für die Visa-Gans, die Master-Ente, die Bar-Ente und das EC-Sellerieschnitzel.

    Der Abend sah eine Fahrt von Büro in den Südkreuz Offices in’s Nikolaiviertel vor´(5,5 Kilometer Luftlinie). Zwei Kollegen wollten unbedingt mit dem Auto fahren, boten mir eine Mitfahrgelegenheit an. Ich lehnte ab, weil ich das Auto innerhalb des Berliner S-Bahn-Rings für das sinnloseste Verkehrsmittel halte. Lieber mit S-Bahn und U-Bahn S2 (Südkreuz) ->U5 (Rotes Rathaus).

    Es kam wie es kommen musste: Am Brandenburger Tor hatte ich längeren ungeahnten Aufenthalt, weil die U5 technische Probleme hatte .. und war am Ende immer noch 26 Minuten vor den auftofahrenden Kollegen in der Lokalität. Auch nicht überraschend: Am schnellsten war der Moabiter auf dem Fahrrad.

    Der ich-fahre-mit-dem-Auto-Kollege fliegt seit Jahren jeweils für ein Wochenende mit einem Freundeskreis nach Mallorca. Faszinierend, dass ich den echt mag und sympathisch finde und er doch so ein komplett anderes Leben führt.

    Kicklinepsychedelics

    Wir sind verwöhnt. Die Berliner Komische Oper unter Barrie Kosky war zu Recht weltweit gefeiert und wurde mit Preisen überhäuft. Er hob unterhaltsames Musiktheater auf neue Ebenen. Aber wir können ja nicht immer nur in die Komische Oper – und so beschlossen wir, auch einmal die Bildungslücke Friedrichstadtpalast zu füllen.

    Auffallend: Im Gegensatz zur Komischen Oper verzichtete der Friedrichstadtpalast auf jeglichen Humor, jegliche Anzüglichkeit und jegliche Metaebenen. Im Palast war das Bestreben ein erkennbar, ein breites internationales Publikum anzusprechen. Alles was potenziell missverständlich sein könnte, wurde gestrichen. Alles, was dargeboten wurde, war direkt und ohne doppelten Boden.

    Ansonsten waren wir beide positiv überrascht, nahezu geflasht. Im Einzelnen:

    Das Programm hieß „Falling in Love“ (Aha), die Kostüme waren von Gaultier (wer’s braucht) und außerdem wurden drölfzig Millionen Swarowsky-Steine in Kulisse und Kostümen verbaut. (Okay). So richtig eine Erwartung hatten wir nicht. Dass die Zeit der Nummernrevue vorbei ist, war irgendwie klar, aber was stattdessen kommen sollte, wussten wir auch nicht.

    Wir waren neugierig. „Falling in Love“ ist ja erstmal ein universelles Thema und bietet Anschluss in alle Richtungen.

    Auf einer Skala von „Ist nachvollziehbar“ bis „Zauberflöte“ hat die Handlung von Falling in Love einen gewissen Drang Richtung Zauberflöte:

    Es gibt die Diamantenstadt der drei Farben. Jedes Wesen dort gehört einer der drei Farben an, die Verhalten und Wesen bestimmen. Die taube Dichterin You (im weißen Kostüm) findet sich in keiner der drei Farben wieder, fühlt sich allein und verloren. Eines Tages fällt sie in eine Unterwelt, trifft Me und (Chamä)Leon, die die starre Farbwelt schon lange hinter sich gelassen. Irgendwie steigen die drei wieder auf, brechen die starre Diamentenwelt wieder auf, alles wird bunt, vielfarbig und frei.

    Die Handlung im ersten Teil spielt überwiegend in der Stadt und handelt vom Fall Yous. Die Handlung im zweiten Teil spielt im Wiederaufstieg.

    In der Pause verließen wir den Saal, mit konfligierenden Gefühlen: Tänzer*innen großartig, Kostüme und Bühne spektakulär. Handlung schlimm, Musik ganz schlimm. Das Orchester ließ ab und an sein Können aufblitzen, war aber im dargebotenen belanglosen Schlagerrock mit Soul-Elementen verloren. Zu Ende hin wurde es besser. Ich hatte mehr als einmal den Eindruck „Es fehlt nicht viel, um richtig großartig zu sein. Mehr Mut, nicht ganz so brav und gefällig, ihr seid kurz davor große Kunst zu machen.“

    Im zweiten Teil merkten wir: Es war Absicht. Passte zur Handlung. Der erste Teil auch formal und musikalisch in der erstarrten Welt. Der zweite Teil in allem viel mutiger, spannender, herausragender. Kostüme und Choreos, die der Komischen Oper würdig wären, eine atemberaubende Nummer halb Trampolin, halb Tanz mit zehn Artist*innen die durcheinander wirbeln, die Musik die Song-Struktur immer wieder verlassend.

    Im Wesentlichen saß ich sprachlos im Sitz und dachte „Wow.“

    (Und auch noch: Das ganze Programm war politisch so auf die Fresse, wie ich es bei tourismusfreundlicher Unterhaltung nie im Leben erwartet hätte. Es ging um eine lesbische Liebe, bei der eine Partnerin taub ist und Gebärdensprache vertanzte. Freiheit, Selbstbestimmung und Offenheit war Dauerthema. Je länger das Stück dauerte und je mehr es der Freiheits-Offenheits-Utopie kam, desto mehr war dort ein tanzender Regenbogen auf der Bühne, desto mehr lösten sich die Männer-und-Frauen-Kostüme in genderfluiden Phantasiegebilden als Kleidung auf. Auch in dieser Hinsicht. Im Wesentlichen saß ich sprachlos im Sitz und dachte „Wow.“)

    Burlesque und SQL

    Es ist erstaunlich schwierig, Filmaufnahmen von Falling in Love zu finden (gerade vom zweiten Teil). Ein bißchen was ist hier: Jean Paul Gaultier’s glamorous revue for Berlin’s Friedrichstadt-Palast.

    (Auch kurz: die Kickline. Wer hätte gedacht, dass der älteste Variete-Standard der Welt so frisch und abgefahren wirkt.)

    Und zum Friedrichstadtpalast-Publikum muss ich auch noch mal schreiben: Give me glamour, Baby.

    Frau Rabe tanzt Burlesque.

    Claudia Klingt schreibt ein WordPress.com-Kommentar-Erklärstück.

    Herr Rau lässt Schüler per SQL auf die Firefox-Favoriten los.

    Warum ADHS und Depression zusammenhängen (tldr; ADHS bedeutet mehr soziale Zurückstoßung. ADHS bedeutet im Allgemeinen ein Leben mit mehr Stress und weniger inneren Ressourcen, um mit Stress umzugehen).

  • 24-12-12 Wannsee 2 – Unter dem Sternenhimmel

    24-12-12 Wannsee 2 – Unter dem Sternenhimmel

    Dunkelbeige ist Pantone-Farbe des Jahres 2025.

    Der Brazilian-Waxing-Shop ist jetzt Laser by.. Der Kampf gegen die Haare bleibt. Die Methoden ändern sich.

    Home Area ist wieder ausgezogen. Letzte Worte „Abverkauf wegen Umbaus 20%, 30%, 40%“. Little did they tell dass der Umbau gleich das ganze Geschäftsmodell betrifft. Wenn jemand einen Laden an einer Stelle mieten möchte, die überhaupt kein Glück bringt.. ich könnte vermitteln.

    Bessere Geschäftslage: der Marheinekeplatz in Kreuzberg. Für mich regelmäßiges Ziel, um Bücher abzuholen. Was ich an Buchhandlung Hammett schätze ist die schöne Beratung „Ich benötige einen Krimi für folgende Person..“ und ich gehe mit einem wunderbar passenden Werk heraus von dem ich vorher noch nie gehört hatte.

    An Madames Nachbarbüro tauchte eine Wichteltür auf. Überall diese Wichtel pötzlich. Daran sind bestimmt die Freizügigkeit und Schengen schuld.

    Wenn an einem Berliner Mittagstisch „Jägersauce mit Hack“ angeboten wird, dann blitzt die deutsche Teilung auf. Wird es süße Tomatensauce geben (Ost) oder Pilz-Rahm-Sauce (West)?

    Als etwas größeres Büro betreibt man Konferenzräume. Wenn man ein Berliner Schwimmbadbetreiber ist, heißen die Räume „Wannsee 1“, „Wannsee 2“ oder [Sommerbad am] „Insulaner“. Wenn man eine IT mit weit gefaßtem Aufgabenspektrum hat, ist diese auch für Konferenztechnik zuständig. Und auf jeden Fall verbrachte ich in den letzten Tagen zu viele Stunden in Wannsee 2.

    Irritierend, die Uni, wo ich inzwischen beim Modul „Betriebliche Informationssysteme“ angekommen bin. (Nicht zu verwecheln mit Modellierung betrieblicher Informationssysteme aus dem vorletzten Semester) Das ist einerseits eine Art „ausgewählte best-of-Inhalte aus verschiedenen anderen Modulen“ und möchte dann plötzlich in den Einsendeaufgaben Programmierkunststücke in C# auf die im gesamten Kurstext nicht hingearbeitet wird. Ich fand aber schon heraus, dass diese in keinster Weise klausurreleant sind. Warum? Warum trainiere ich in einem Kurs Fußball, verlange in den Übungen plötzlich Seiltanz und die Abschlussprüfung geht wieder über Fußball?

    Mittwochabend dachte ich noch, diese Tage sind der Alltag des Alltäglichen. Arbeit (eher viel), auf dem Heimweg vielleicht noch kurz eingekauft. Und in der Wohnung dann essen/kochen, etwas Fernuni oder im Internet rumlesen. Dann früh ins Bett und bis zum Tröten- und Luftschlangenevent donnerstagmorgen vor sich hin alltagen.

    Ich betrat die Wohnung, und es wurde unalltäglich. Auf dem Bett lag Geröll und abgeplatzte Farbe – typische Baustellenfolgen. Hatte Madame vielleicht gelüftet und durch das Fenster – nein, hatte sie nicht. Sie schaute hinauf und entdeckte zwei Löcher in der Zimmerdecke. Da hatten die Dachgeschossausbauer es zu gut mit ihrem Dach gemeint.

    Immerhin waren die Bauarbeiter noch anwesend. Jemand sprach fließend deutsch und versprach überzeugend baldige Reparatur. Darüber hinaus versprach er auch eine neu gedämmte Decke über unseren Köpfen in den nächsten Tagen. Noch aber versuchen wir durch die Bohrlöcher den Sternenhimmel zu sehen.

    Außerdem bat der Dachbauarbeiter darum, dass sie bei uns in Bad müssen, um Wand und Decke aufzubrechen, um an die Regenrinne zu kommen. Hier wird Einem etwas geboten.

    Jule KI-Socke

    Noch zwei Nachträge zur Jule-Stinkesocke-Doku:

    (1) Das erste mal, dass ich in halbwegs seriösem Fernsehen eine Szene sah, die „durch KI erstellt wurde.“ Wenn es darum ging, Blogtexte der fiktiven Jule zu zitieren, las eine „KI-Jule.“ Ich vermute, eine echte junge Frau im Rollstuhl hat vorgelesen, die danach in eine Jule umgewandelt wurde.

    (2) Spannend das Ende. Fazit war so ungefähr: die Mehrheitsgesellschaft möchte von Behinderten immer das große Drama: entweder Leiden und Weltuntergang oder Helden- und Auferstehungsgeschichten. Dabei ist das Leben im Rollstuhl genauso alltäglich und langweilig wie anderes Leben auch, nur mit mehr anstrengenden Hindernissen – Rollstuhlfahrer*innen möchten weder als Held*innen wahrgenommen werden noch als vom Schicksal gestrafte, sondern erstmal nur als sie selber wie sie sind.

    Dann Abmoderation. Moderator Nudelkopf, der außer seiner Frisur offensichtlich sportlich auf zwei Beinen unterwegs war und fernsehmoderatorschön ist, saß plötzlich im Rollstuhl, reflektierte über seine Position als Moderator. Nach Computertrick-Graphik saß dann Lorelei Holtmann in genau demselben Rollstuhl – vorher in der Sendung als rollstuhlfahrende Gesprächspartnerin eingeführt. Ihre letzten Worte „Hättet ihr mir auch so zugehört wie dem Moderator?“ und Abfahrt.

    Beginn Abspann. Zweite Zeile: „Buch: Lorelei Holtmann.“ Wir haben ihr zugehört ohne es zu merken.

    Tastatur und Touch

    Christianes Laptop ist zurück und damit auch Christiane.

    Lebens-ABC: ADHS

    Gelernt: je älter mensch wird, desto trockener die Haut, desto schlechter lassen sich Touch-Monitore bedienen. Ich hatte ja keine Ahnung. (via Kieselblog)

    Auch beim Flusskiesel: Mit KI gegen Edeka.

    Christian jawl hmbl sah die Jule-Doku auch und war wenig begeistert. Teil 1 und Teil 2.

  • 24-12-10 Vertraulichkeit und Integrität des Geschenkeprozesses

    24-12-10 Vertraulichkeit und Integrität des Geschenkeprozesses

    Am Innsbrucker Platz schwenkte ein einsamer Syrer die jetzt weltbekannte Flagge der syrischen Opposition.

    Die Berliner Verkehrsbetriebe weisen seit neustem in ihren Durchsagen darauf hin, dass Tik Toks und Telefonate in den Kopfhörer gehören und nicht auf den Lautsprecher.

    Immerhin noch keine Durchsagen, dass man bitte die Leute nicht verprügeln soll, die sich über zuviel Lärm oder Rauchen in der Bahn beschweren.

    Schöne Bahnerlebnisse: eine 2-Mann-Kombo mit Banjo, Kontrabass und Mundharmonika, die gut gespielten originellen Countryblues in der S-Bahn spielten. Zurecht sammelten sie ziemlich viel Geld ein.

    Die Crowdfarming-Linsen keimen (so wie sie sollen). Die Crowdfarming-Avocados warten nun bei den Nachbarn auf ihre Auslösung.

    Der Autofan in mir weint. Die Produktion der Piaggio Ape wird zum Jahresende eingestellt. Eine Welt in der die Ape nicht umweltfreundlich genug ist, ein 3,5-Tonnen-SUV aber kein Problem darstellt, verstehe ich nicht immer.1

    Dank Thomas Gigold entdeckten wir die ZDF-Minidoku zu Jule Stinkesocke2. Inhaltlich wenig neues, aber als Wenig-ÖR-Fernsehzuschauer fasziniert mich der Stil der Sendung. Die Herrenfrisur Nudelkopf ist inzwischen im seriösen Fernsehen angekommen. Sämtliche Gespräche wirken so als wären die Gesprächspartner auf einer Couch vor generischen Videokonferenzhintergründe drapiert – so clean, so glatt, so eigentümliche Farbkonzepte.

    Ich überlegte, ob es möglich wäre, als literarisches Experiment über Jahre hinweg so eine Fake-Figur wie Jule aufzubauen, ohne Opfer zu erzeugen. Vermutlich nicht – nicht in der Reichweite. Jules Reichweite und Größe erreicht mensch nur, wenn es Menschen gibt, die sich emotional tief auf den Account einlassen, ihm eisern folgen und die Kunde verbreiten. Die wären aber emotional immer tief betroffen, wenn der Fake sich enttarnt.

    Möglich wäre ein Fake nur mit Miniaccount wie diesem hier. Aber wer würde Jahre intensiven Texttheaters investieren ohne dass es jemand mitbekommt?

    Nach dem Samstagsauflug standen Sonntag und Montagabend im Zeichen des Geschenkeeintütens – ein wenig wortwörtlich, ein wenig mehr metaphorisch. Denn es gilt verschiedene Anlässe und verschiedene Personen zu koordinieren. Da das natürlich alles der Vertraulichkeit unterliegt, kann ich schlecht in Details gehen.

    Aber, doch, ich wurde auch zu einem Wunschzettel genötigt. Nachdem die Ergodox sowohl das Geschenkbudget als auch das Spontanentscheidungslimit weit sprengte, machte ich doch in Dekadenz und eine Logitech MX Master 3s landete auf der Liste. Immerhin ist die Entscheidung für die Mouse innerlich schon seit Monaten gefallen, es fehlt nur noch ein Anlass.

    Automatische Pseudonomisierug

    Frage: Woran merken Sie, dass Sie sich im akademischen Umfeld bewegen?

    Antwort: Sie bekommen eine Aufgabe „Schreiben sie 5 Sätze (etwa 100 Wörter).“

    Ganz ging mein Plan nicht auf, die Einsendeaufgaben Informationsmanagement in KW49 zu beenden. Der Montagabend in KW50 war’s. Ich hangelte mich brav durch alle Multiple-Choice-Fragen, zählte die sieben Gewährleistungsziele des Standard-Datenschutzmodells auf (Verfügbarkeit, Datenminimierung, Integrität, Vertraulichkeit, Nichtverkettung, Transparenz, Intervenierbarkeit) und beantwortete die Textaufgaben.

    Dieser zweite Teil des Moduls kann sich nicht über mangelnde Praxisnähe beschweren. Die Textaufgaben hätte ich vermutlich 1:1 durch Textschnipsel beantworten können, die dieses Jahr im Team so formuliert worden. Aber natürlich ist es einfacher die entsprechenden Abschnitte pädagogisch didaktisch aufbereitet im Lehrbrief wiederzufinden als in den Tiefen des Team-Archivs.

    Jetzt allerdings werde ich jeglichen Gedanken an Informationsmanagement aus meinem Hirn verbannen, und das Thema erst am 24. Februar wieder hervorkramen, in der Hoffnung in drei Wochen im Februar/März ein paar hundert Definitionen und Beschreibungen rechtzeitig für die Klausur auswendig zu lernen.

    Interstellar

    Das Stadtbad Lichtenberg ist das architektonisch spannendste Bad Berlins. Steht es doch in zwei Epochen, in denen der Stil öffentlicher Bauten sich radikal wandelte. Die Fundamente und die ursprüngliche Planung entstanden in der unabhängigen Stadt Lichtenberg im deutschen Kaiserreich.

    Der Bau und die Neuplanung fanden im Berlin der Weimarer Republik statt. Und so ist es halb wilhelminischer Schnörkelpalast (siehe auch Stadtbad Charlottenburg, Stadtbad Neukölln) und halb Neues-Bauen-Bauhaus-beeinflusst (siehe auch Stadtbad Mitte, Stadtbad Schöneberg).

    Leider schwumm ich dort nie. Denn es teilt das Schicksal vieler Berliner Bäder: Irgendwann kam aufgrund mangelnder Wartung die Havarie und seitdem liegt es still. In Lichtenberg ereignete sich die finale Havarie 1991, vor meiner Berliner Zeit.

    So lang es lange still, war lange gesperrt und drohte über Jahre komplett einzufallen – während niemand das bodenlose Kostenloch in Obhut nehmen sollte. Aber die Lichtenberger kämpften, hatte doch halb Ostberlin hier schwimmen gelernt, und sie wussten welch Kleinod sie an der Hand hatten.

    Die Geschichte der Irrungen und Wirrungen führte dazu, man das Gebäude wieder betreten kann, ohne Deckenteile auf den Kopf zu bekommen. Es dient wieder für Veranstaltungen – und seit einigen Monaten für eine Art Kunstausstellung.

    Stadtbad RELOADED: Ambilight nennt sich der Spaß. Mobile Tablets zeigen Multimediakunst, einige Lichtinstallationen sind im Raum, beschallt wird alles von Hans-Zimmer-Filmmusik.

    Aber was nimmt man nicht auf sich, um dieses herausragende Bad zu sehen. Professor Transformation begleitete am netten Abend, der uns noch zu Phở und Glasnudeln führte und uns eine Busfahrt quer durch Neukölln bescherte.

    Der Osten ist kein Zoo

    Buggisch: Bloggen über Männergrippe das malad sein, das eben keine Männergrippe ist. Auch malad jenseits der Männergrippe: Henning Uhle.

    Die New York Times kürt die 63 stylishten Wesen des Jahres 2024: Neben Charli XCX, dem Baby-Nilpferd Moo Deng und Mark Eydelshteyn taucht auch Sandra Hüller in der Liste auf.

    Es rappelt in der Szene. Eine Beigefluencerin verklagt eine andere Beigefluencerin, weil diese ihr Konzept klaut. Beide bestreiten ihren Lebensunterhalt durch das Beigefluencen, ein ökonomischer Grund für eine solche Klage ist vorhanden. Rechtlich aber ist das spannend, denn die Frage, wo und ob eine urheberrechtliche schützbare „Schöpfung“ im Bereich von Influencer-Stil vorliegt, ist noch ungeklärt. Can You Copyright a Vibe?

    Ein Interview mit Marieke Reimann, einzige ostdeutsche Chefredakteurin bei einem westdeutschen Sender über die seltsame Wahrnehmung des Ostens im Westen. Sie spricht die üblichen Themen an. Seltsame Verallgemeinerungen, extreme Unkenntnis im Westen über Ostdeutschland und Osteuropa, und auch solche Themen, dass sämtliche Zeitungen Ostdeutschlands westdeutschen Verlagen gehören. Was dann dazu führt, dass auch 2024 noch einen starken Drang zur Exotik-Berichterstattung gibt:

    Wir müssen von diesem Fokus auf die Wahl- und Jubiläumsberichterstattung weg. Es reicht einfach nicht, wenn westdeutsche Reporter*innen vor den Wahlen „mal kurz rüberschauen“, indem sie vielleicht einen Roadtrip durch den Osten machen. Der Osten ist kein Zoo und auch kein Kriegsgebiet. Er findet genauso zwischendurch statt.

    Anmerkungen

    1. Immerhin kann die Welt halbwegs erklären. Irgendwann vor längerer Zeit setzen die deutschen Autobauer eine Regelung durch, dass nicht bewertet wird, wie umweltfreundlich ein Auto insgesamt ist, sondern wie umweltfreundlich pro Kilo Gewicht. Wenn also ein Auto fünfmal soviel wiegt wie ein anderes, aber nur viermal so viele Schadstoffe ausstößt, gilt es als umweltfreundlicher. Das war das Ende der europäischen Kleinwagen. In weniger flapsig beim Umweltbundesamt: Die herstellerspezifischen Zielwerte ergeben sich aus dem durchschnittlichen Fahrzeuggewicht der Neufahrzeuge des Herstellers: Je höher dieser Durchschnitt liegt, desto höher können die spezifischen CO2-Emissionen eines Herstellers sein, ohne das Ziel der CO2-Regulierung zu verfehlen ↩︎
    2. Jule Stinkesocke, fiktive Figur einer jungen behinderten Frau, die frei von der Leber weg über Leben, Sex und Zärtlichkeit schrieb. Wurde über 15 Jahre eine Internetgallionsfigur für junge behinderte Frauen, bis herauskam, dass sie gar nicht existiert. Der Mensch an der Tastatur war mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit an mittelalter Mann. ↩︎