Kategorie: Alltag

  • 25-01-09 Fischsticker aus Steglitz

    25-01-09 Fischsticker aus Steglitz

    Der rbb24 titelt nebeneinander „Schnee wird erwartet“ und „Koks-Taxi hochgenommen.“ Schnee wird erwartet, aber kommt nicht.

    Währenddessen nähern sich die Brände in Los Angeles dem Hollywood-Zeichen.

    Die Ninja Creami droppt ihr Messer. Das ist unerfreulich – dann testen wir mal den Gewährleistungsprozess des Händlers.

    Madame erwarb eine Discounter-„Rettertüte“ mit andernfalls unverkäuflichen Lebensmitteln. Das bescherte uns so seltenes Januaressen wie Himbeeren oder Grüne Bohnen.

    Überraschendes vom Haus. Während die Hausverwaltung sich zum Thema „Silvesterrakete durchschlug Fensterscheiben“ erwartungsgemäß quer stellt, wurde der Beauftragte des Wohnungseigentümers tätig. Er schleppte ein kaputtes Oberlicht höchstselbst zum nächsten Glaser. Ich weiß nicht, ob ich emotional damit klarkomme.

    Auf dem Dachboden scheinen Arbeiten zu laufen, die sich nach dem Abflämmen von Teerpappe anhören. Das Dach selber fehlt weiterhin.

    Dafür teilte mir ein Kontaktformular-Bot (vmtl mit KI) der neuen Hausratversicherung mit, dass diese Gerüste am Gebäude nicht als bemerkenswerk ansieht. Ich möge die Versicherung bitte von einer Mitteilung über Baugerüste verschonen.

    Diesen „lesen“ der Kontaktaufnahme und die Antwort „Das müssen sie gar nicht senden – wollen sie trotzdem?“ ist mir neu und wirkt überraschend futuristisch.

    Offensichtlich fassten einige Kollegen einige Vorsätze für das neue Jahr. Auch ansonsten nehme ich einen frischen Wind der Abteilung wahr. Dieser war natürlich besonders deutlich, weil wir ein schickes Strategiemeeting beim Blumenfisch hatten. Ein Seminarraum, fast um die Ecke vom Büro, freundlich eingerichtet, freundlich begastgebert – Hauptsache wir essen nichts vom Obst der anderen Gruppe!

    Weil ich zu früh kam, gönnte ich mir ein kurzes Einhalten beim Blumenfisch-Café mit erster Arbeit. So mit gekauftem Kaffee und aufgeklapptem Laptop am Cafétresen kamen ungeahnte ich-bin-jung-und-arbeite-irgendeinen-wasmitMedien-Unfug-Vibes über mich.

    Der knirschende Organisationskörper, der sich zum Jahresstart in Bewegung setzt, lädt weiterhin Schmerzen bei mir ab. Mein knirschender Körper reagiert daraufhin mit Ruhebedürfnis. Außer Heimweg und Rückweg bleibt wenig.

    Immerhin nutzte ich den Heimweg, um in meiner Freizeit(!) mit eigenem Geld(!!) mein Lieblings-Arbeitsmaterial zu kaufen: Identische Fisch-Sticker mit denen jeweils zusammengehörige Mäuse und Tastaturen im Gebrauchtlagerbestand gekennzeichnet werden. Es hat sich über die Zeit als einfachste und zuverlässigste Low-Tech-Lösung erwiesen. Außerdem erfreut sie mein Herz.

    Einziges Problem beim Kauf: „Werken Spielen Schenken“ in der Steglitzer Schloßstraße leidet noch am Weihnachts- und Silvesterdekoansturm. Alle Regale sind leer. Es war nicht einfach Sticker in der richtigen Größe zu finden, mit denen sich jeweils Paare basteln ließen.

    Auf der Hinfahrt: Lebenspremiere im U-Bahnhof Schlossstraße. Anscheinend kam ich bisher mein ganzes Leben mit Bus oder Fahrrad an diesen Ort. Niemals fuhr ich U-Bahn. Was für eine tolle Pop-Architektur. Wie konnte ich sie bisher übersehen?

    Auf der Heimfahrt im M48-Bus ein live-Loriot-Impro-Theater. Zwei ältere Herren am Berlinern. Einer immer happy „Ach, guck mal! Da habe ich gearbeitet! Das war spannend! Schau! Was stehen hier für eindrucksvolle neue Bauten!“, der andere stets missgelaunt „Immer dieser Stau. Ich steig gleich aus! Hier steht gar nicht wo wir sind! Was soll das!“ Sie kamen glänzend miteinander klar.

    Grießschaum politische Verfolgung

    Herr Rau liebäugelt als Gründungsbibliothekar einer Schulbibliothek.

    Die Heritage Foundation, Autoren vom Project2025 und quasi der denkende Arm von MAGA, kündigt an, Wikipedia-Autoren verfolgen zu wollen, die ungewünschtes Schreiben. Vorerst mit der klassischen Taktik des Doxxing, also veröffentlichen von Namen und Adressen. Scoop: Heritage Foundation plans to ‘identify and target’ Wikipedia editors

    Dabei entdeckt. Es gibt in der englischen Wikipedia eine Seite über Personal security practices für Wikipedianer*innen.

    Auch eine mögliche Reisevorbereitung. Die Zubereitung von Roosamanna ehk mannavaht – Rosa Fruchtmousse oder Grießschaum aus Estland

    Lidl macht jetzt in schick. Discount deluxe: So versucht sich Lidl in Berlin als Warenhaus-Retter

  • 25-01-07 Transformative Vibes

    25-01-07 Transformative Vibes

    Die „aromatische, tiefgelbe Premiumkartoffel“ Leyla ist Kartoffel des Jahres 2025.

    Freitag soll es schneien. Es wirkt nicht so, als kämen unser Dachbauarbeiter bis dahin dazu, ein Dach zu errichten.

    Das letzte verlorene Paket hat seine Bestimmung erreicht.

    Fahre jetzt das eine Stockwerk von der Straße ins Büro mit dem Fahrstuhl. Falls jemand schräg schaut, sage ich „Neujahrsvorsätze.“

    Leider fahre ich auch Bus. Das Fahrrad ist malad und der Fahrradmeister bis zum 20. Januar im Urlaub.

    Im Arbeitschat wurden mir „transformative Vibes“ versprochen – und das ist schon sprachlich eine so deutliche Änderung gegenüber dem sonst üblichen rustikalen Berliner Behördencharme der Organisation, dass ich gespannt auf die weitere Entwicklung bin.

    Etwas weniger gespannt bin ich, wie Friedrich Merz seine Kanzlerkandidatur versemmeln wird. Ich habe noch keine Vorstellung über den Ablauf – aber darüber, dass er an sich selber scheitern wird, bin ich sicher.

    Madame wurde durch die S-Bahn auf eine längere Ersatzbusexkursion durch Treptow geschickt.

    Die Organisation setzt sich nach der Weihnachts/Silvesterruhe wieder in Bewegung. Und wenn man quasi an einem der Gelenke der Orga sitzt, tut das erstmal ziemlich weh.

    Ich neige dazu, mich abends einfach im Wohnzimmer auf den Rücken zu legen und die Decke anzustarren. Keine weiteren Aktivitäten. Aber da sind ja die Silvesterraketen-Explosionsspuren – auch nicht entspannend.

    Nach so einer Explosion macht mensch sich übrigens ganz andere Gedanken zum Thema Wohnungsbrand. Ein erstes Ergebnis: wir haben jetzt eine Hausratversicherung.

    Bisher war unsere Logik: Wir haben nichts, was so teuer und unersetzlich ist, dass wir es nicht im Zweifel selber ersetzen können. Aber der Gedanke, dass alles gleichzeitig weg sein könnte (fast gewesen wäre), ließ uns noch einmal neu nachdenken. Das hätten wir sein können oder auch das.

    Immerhin sind die meisten wichtigen Dokumente digital(isiert). Eine Kopie existiert außerhalb der Wohnung. Aber auch in diesem Bereich werden wir noch eine Bestandsaufnahme machen.

    Einfach nur so zum Spaß

    Wenn ich eine Reise recherchiere, beginnt es natürlich mit den Schwimmbädern. Paris hat reichhaltiges zu bieten: Die schönsten und ältesten Schwimmbäder von Paris, die unter Denkmalschutz stehen. Ich erinnere mich, einst einen deutschen Blogpost zur französischen Schwimmbadetikette gelesen zu haben, finde ihn aber leider nicht wieder. Falls jemand Tipps hat: gerne.

    Film schauen, wäre eine Idee der Einstimmung. Bekannte Sehenswürdigkeiten und die Filme, in denen sie zu sehen sind: Paris durch die Magie von Filmen neu entdecken. Geht auch anders herum: 35 Filme, die in Paris spielen.

    Um die Ecke und woanders in Deutschland: der Zensusatlas ist veröffentlicht. Grunddaten zu Bevölkerung, Wohnsituation und Heizung in 100×100-Meter-Quadraten für ganz Deutschland. (via a weng kalle)

    In Berlin liegt das Otherland, die wunderbare Schwesterbuchhandlung vom Hammett. Durch den Tagesspiegel lernte ich, dass der Macher inzwischen in Wittenberge lebt und einen hochspannenden Sci/Fantasy-Verlag betreibt. Porträt des Wittenberger Carcosa Verlags: In fernen Gefilden so nah. (leider inzwischen mit Paywall, deshalb hier ganz einfach die Verlagswebsite)

    Falls wir noch ein Konzert in den Kalender gequetscht bekommen, wäre das RSB eine Idee. Die klingen allesamt spannend. (auf die Idee gekommen via Hotel Mama)

    Molly White setzt sich mit Elon Musks spendet-nicht-an-Wikipedia-Aufruf auseinander. Sie ordnet ihn in die ganze Kampagne der politischen Rechtsextremen gegen Wikipedia ein: Elon Musk and the right’s war on Wikipedia.

    (Zwischenbemerkung: Wikipedia benötigt kein Geld, sondern Beteiligung. Wer etwas Gutes tun will, trägt tausendmal mehr durch direkte Beteiligung bei.)

    Für Freunde der deutschen Südstaaten-Küche: Hopping John.

    Inzwischen fand ich auch die Diskussion zum Ende von McBrikett und den Kokoko-Eggs im Grillsportvereins-Forum. Ich lese vor allem zwei Meinungen heraus „Die ganzen Kokos-Dinger sind unnützer Hype, ich kaufe das 10-Euro-Angebot im Baumarkt“ oder „BlackSellig. Deren Kokosbriketts sind vermutlich eh dieselben in anderer Verpackung.“

  • 25-01-05 Ab jetzt auch Alkohol erhältlich

    25-01-05 Ab jetzt auch Alkohol erhältlich

    Draparnaldia erecta ist Alge des Jahres 2025.

    McBrikett stellt den Betrieb ein, und ich frage mich, was die besten aller denkbaren Grillbriketts ersetzen soll? Ich muss beim Grillsportverein suchen, denn das Problem werden viele haben.

    Im Dithmarscher Garten steht eine Ladung Kohlosseums-Sauerkraut. Besser wäre es, diese wäre mit mir in die Berliner Wohnung gereist.

    Ich bin zurück in Berlin, versuche Reste von Weihnachten und Silvester zu verräumen, beginne langsam mir Gedanken, um das Fernuni-Seminar und meinen Vortrag zu machen. Noch 10 Tage Tage.

    Ein letztes verwirrtes Paket ist übrig. Das nahm ich in einem Moment der Unaufmerksamkeit für eine unbekannte Nachbarin entgegen. Vermutlich aus dem Hinter- oder Nebenhaus. Aber auch dort steht der entsprechende Name auf keiner Klingel. Wir überlegen, ihr eine Postkarte zu schreiben, dass wir das Paket haben – aber fürchten, die Postkarte wird auch im Nirvana landen.

    Ich staune, wieviel Geld ich einem Sanitärbetrieb dafür zahlen soll, dass er das Verstopfungsproblem nicht lösen konnte.

    Auf einem Schöneberg-Spaziergang sehen ein wir grellpinkes Poster eines Süßigkeiten-Shops. Darauf mit Klebeband befestigt ein ausgedruckter Zettel „Jetzt auch Alkohol erhältlich!“

    Okay.

    Spiegel online titelt „Chefin der Grünen Jugend entschuldigt sich für Kommentar über Männer mit Böllerverletzungen“. Ich lese den Artikel gar nicht erst, kenne den Kommentar nicht, gehe aber davon aus, dass sie Recht gehabt haben wird.

    Als hätte Silvester nicht gereicht, sahen wir gestern Nacht einen Rettungshubschrauber in der Nachbarschaft landen. Angesichts der Zirkelei, die dafür nötig ist, muss es wirklich dringend gewesen sein. Lese heute im Tagesspiegel nach: „Mann hatte Auseinandersetzung mit Frau. Als die Polizei kam, hatet er seine Kleidung mit brennbarer Flüssigkeit getränkt. Als die Polizei die Wohnung betrat, hat er sich selbst angezündet, ist auf die Polizisten zugelaufen und hat an deren Schutzkleidung gezerrt.

    Stoff aus dem Alpträume sind.

    Silvester in Berlin

    Zurück in der Wohnung bestaune ich regelmäßig die Explosionsspuren, die die Silvesterrakete IN UNSEREM WOHNZIMMER hinterlassen hat, und denke regelmäßig „Meine Güte. Das war knapp mit dem Wohnungsbrand“.

    Währenddessen lese ich andere Silvesterberichte aus Berlin:

    Um 22 Uhr gehen wir mit unserem Kinderfeuerwerk vor die Türe, sind aber nach nicht mal 10 Minuten wieder zu Hause, weil auf unseren Straßen gefühlt die Welt untergeht und die Kinder sich damit extrem unwohl fühlen. Schon am Morgen haben wir zwei ausgebrannte Autos vor unseren Türen wiedergefunden. (Heldenhaushalt: Unsere ersten Wochenlieblinge im neuen Jahr 01/2025)

    Bei Nachbars hats gebrannt, brannt, brannt. Habe ich mir nicht ausgedacht. Per gezielter Silvesterrakete wurde ein Balkonbrand ausgelöst. … Unser Briefkasten wurde außerdem per Böller kaputtgesprengt, im Schrebergarten um die Ecke eine Hecke abgefackelt. (Readinginsweden: 4.1.2024 Warum?)

    Kurz nachdem wir bei den Nachbarn waren, klingelte Frau Casino, die auch eingeladen war, mich an. Sie komme nicht an unser Haus heran. Vor dem Haus würde es brennen. Ich verstand nicht, wovon wie sprach. Dann gingen wir alle zum Fenster und sahen die Flammen und die Feuerwehr. Drei Autos standen in Brand. (mequito: [Di, 31.12.2024 – the purge])

    Nordseeoffice

    Nach Plan werde ich im Jahr 2025 etwas mehr Flexibilität in der Arbeit haben als bisher. Ich hoffe es klappt. Am Donnerstag/Freitag erfolgte ein erster Test unter erleichterten die-Hälfte-ist-noch-im-Urlaub-Bedingungen, ob Nordsee-Office funktioniert.

    Im Prinzip ja: Nur der Versuch, auf einem Laptopbildschirm gleichzeitig auf einem Server und bei einem User aufgeschaltet zu sein, und dann auf dem eigenen Laptop noch etwas zu finden, war herausfordernd.

    Wir haben gemütliche Abende auf dem Sofa mit dem Airfryer und einfach so chillen.

    Auf der Rückfahrt in Eile. Der Wetterbericht hatte größere Schneefälle in Norddeutschland angekündigt. Diesen wäre ich gerne entkommen. Aus dem Auto sah ich die schwarz-rosa Wolken mit Niederschlag, der bis zur Erde reichte. Erfreulicherweise immer einige Kilometer entfernt. Bis Hamburg lag Schnee – aber immer neben der Straße.

    Zwischenstopp bei McDonalds. Ich versuche den Betrieb zu trollen, indem ich den McPlant-Burger UND den Salat bestelle. Sei Salat im Getriebe und versuche mit unorthodox-überraschenden Bestellungen den Prozess durcheinander zu bringen. Noch besser übrigens: Mehrwegbecher. Die Pfand-Zurückgabe ist so komplex, dass McD damit einfach Verlust machen muss.

    Berlin

    Der andere Grund für eine eilige Rückkehr war Besuch. Frau elIncognito war gekommen für ein Wochenende in Berlin. Nach abendlichem Quatschen liefen wir am Samstag kreuz und quer durch Schöneberg.

    Wir zeigten lokale Sehenswürdigkeiten: das Kugelbombenhaus (mehrere Glaserwagen standen davor, waren auch am Wochenende im Einsatz), die Stauden-Resterampe, den türkischen Edelsupermarkt, den griechischen Supermarkt, den afghanischen Supermarkt und die Afghan Bakery. Ab diesem Wochenende wird el mit einem Berliner BVG-Deutschlandticket durch München fahren.

    Nachmittags Neukölln. Fast wären wir in das Jemenistische Restaurant gegangen. Es sah einladend aus und roch phantastisch. Aber wir waren nicht die einzigen mit der Idee: Alles voll. Wir gelangten dorthin nach dem Stadtbad.

    Das Stadtbad Neukölln. Eines der prächtigsten Bäder der Stadt in all seiner wilhelminischen Glorie. Da nur die Kleine Halle offen war, gingen wir in diese. Das Becken angenehm leer. Wir konnten Bahnen schwimmen, dieser waren aber kurz. Und wir konnten das prachtvolle Bad bewundern.

    In der Kabine fragte mich ein englischer Muttersprachler nach deutschen Schwimmbadbräuchen. „Can I take the towel inside? Or is there a social norm against it?“ Bei einem schwimmbadfreudigen Soziologen einen gefährliche Frage. Don’t get me started about social norms. Aber ich beschränkte mich auf ein Ja und gute Wünsche für’s Schwimmen.

    Auch Weinnachtsbäume brennen

    Blogleserisch finde ich es wirklich misslich, dass alle gleichzeitig Jahresrückblicke posten. Wer soll die denn lesen? Wie wäre es, jede*r bekommt eine Jahreswoche zugelost, an der der persönliche Rückblick und Ausblick geschrieben wird?

    Nicht nur Silvester. Auch Weihnachten: Nachdem im Januar meine Ex-Schwiegermutter in spe mit dem Weihnachtsbaum und dem halben Haus verbrannt ist und der Ex-Schwiegervater in spe wochenlang im Krankenhaus liegen musste, kann ich nur sagen: So etwas im nahen Umfeld zu erleben, das ist eine Zäsur.

    Schöner. Weihnachtsmarkt in Basel und Lörrach und Matisse-Ausstellung in Riehen.

    Ich nutze die Gelegenheit, noch einmal poupous Matisse-Ausstellungs-Bericht zu posten: Riehen/Basel: Fondation Beyeler: Matisse. Einladung zur Reise

    Kellerkind wird in einer evangelische Kirche zu viel gepredigt.

    Wie wäre es mal mit Entrecôte double Café de Paris? Das klingt nachahmenswert.

  • 25-01-02 Breit, feierlich – Schnell und energisch – Cadenza (Silvesterrakete explodiert in Wohnung)

    25-01-02 Breit, feierlich – Schnell und energisch – Cadenza (Silvesterrakete explodiert in Wohnung)

    Hobbybrauer können seit dem 1. Januar 500 Liter jährlich steuerfrei brauen. Die Quote erhöht sich von 200 Litern im Jahr 2024. Auch neu: Deutsche Staatsangehörige müssen in deutschen Hotels keine Meldezettel mehr ausfüllen.

    Wenn ich also endlich meine Kleinbrauerei in einem Hotelzimmer öffne, kann ich mein kleines Reich der Anarchie eröffnen.

    Der Urlaub ist vorbei. Madame kehrte mit dem ICE 845 von Hannover-Hauptbahnhof nach Berlin-Südkreuz zurück. Ich kutschierte den Kaptain durch Regen und Sturmböen zurück von der Conti-Fabrik nach Dithmarschen. Mittwoch arbeite ich mobil aus der Ferne.

    Ob ich noch einmal an den Deich komme? Der erste Versuch blieb Mittwoch aus. Irgendwann sollte auch ich akzeptieren, dass die Natur sagt „Shelter in space.“

    Die Nordseeküste kann nicht nur dichten Nebel im Winter. Sie kann auch Orkanregen. Wieder Wasser von oben, von unten, von links und von rechts. Wieder würden mich Quallen in der Luft nicht wundern. Nur würden sie mir jetzt mit 100 km/h direkt ins Gesicht fliegen. Und das muss nich.

    Action?

    Herr southpark. Ich Vorsatz für das neue Jahr war „mehr Action!“ Wie haben Sie denn Silvester verbracht?

    Also um Mitternacht saß ich auf dem Bett mit einer Tasse Ingwertee in der Hand. Wir schauten fern. Aber davor war ich auf einem Konzert. In einer Kirche. Mit Mama.

    Morgens absolvierten wir eine Hannover-Stadtrundfahrt entlang des Maschsees nach Hemmingen, zurück an den Nanas vorbei, die Uni passiert und die Herrenhäuser Gärten umrundet. Da also wohnt die EKD! Über den goldenen Bahlsen-Keks ging es zurück auf die Memory Lane nach Langenhagen. Das Eiscafé Venezia existiert noch und verkauft weiterhin Spaghetti-Eis. Das andere Café wechselte Besitzer und Namen, verkaufte uns aber Silvester-Pfannkuchen (Variante Schornsteinfeger, Mehrfrucht und Champagner.)

    Mehr Action

    Ein eindrucksvoller Start in das Jahr. WIe ging es weiter?

    Am Neujahrsmorgen um 10:34 legten wir eine filmreife „Mann läuft zum Bahnhof und kriegt aus dem abfahrenden Zug etwas gereicht“ hin.

    Ein Konzert. Wir waren auf einem Konzert. Vor Beginn entledigte ich mich der Jacke, und gab Madame mein Portmonnaie zur Verwahrung in die Handtasche. Und dann war das Konzert vorüber, ich musste Ingwertee trinken und fernsehen und hatte keine Aufmerksamkeit für den Geldbeutel.

    Am 1. verabschiedete sich Madame Richtung Bahnhof, ich wollte noch duschen, Sachen verstauen, den Kaptain einsammeln et cetera. Irgendwann überlegte ich, wo ich das Portmonnaie während der Autofahrt verwahren sollte.

    Wo war es überhaupt? Ich überlegte „Madames Handtasche. Am Bahnhof. Kurz davor einen Zug nach Berlin zu besteigen.“

    Es war 10:16h, das Hotel liegt eine U-Bahn-Station vom Bahnhof entfernt, der Zug sollte um 10:31h fahren. Ich versuchte, beide Schuhe und die Jacke gleichzeitig anzuziehen und kontaktierte Madame (die bestätigte den Standort der Brieftasche). Ich begab mich so schnell mich morsche Knochen und mangelnde Kondition lassen, zur Bahn. Drei Minuten Wartezeit. Abfahrt 10:27. Madame morst derweil Bahnsteig und ihren Standort durch.

    Ankunft an der Bahnstation Bahnhof 10:30, ich stürme schleiche, aber so schnell wie seit 2013 nicht mehr, Richtung Bahnsteig. Madame meldet 3 Minuten Verspätung des Zugs der gerade einsteigt. Auf zu Gleis 10. Unten orientieren: wo ist Abschnitt D? Rolltreppe hochgehastet. Meine Luft! Mein Atem!

    Ich sah von der Treppe aus die ersten Füße auf dem Bahnsteig und hörte „Zug blabla Gleis 10 fährt ab. Richtung Berlin. Bitte treten sie von den Türen zurück.“ Auf den Bahnsteig gesprungen. Madame stand noch an der Tür, wedelte mit dem Geldbeutel. Mit letzter Kraft dorthin gelaufen, ihr die Brieftasche aus der Hand gerissenund das überraschende Gefühl von Seitenstechen erlebt.

    Der ICE fuhr derweil ab.

    Das sollte eigentlich reichen für ein Jahr. Aber es sollte noch dramatischer kommen.

    Vorher aber ein kurzes Andante.

    Andante

    Das Silvesterkonzert: in Hannovers Hauptkirche, der Marktkirche, spielten der Marktkirchen-Organist Ulfert Schmidt und der Nachwuchstrompetengott in spe Matvey Ovchinnikov. Sie führten ein Konzert für die Drei Orgeln der Marktkirche sowie Piccolo, D-und B-Trompete auf.

    Wie es sich für einen solchen Anlass gehört, spielten sie ein schönes Potpourri aus Loeillet, Telemann, einem schwedischen Weihnachtslied und anderen. Mein musikalisches Highlight: Alexander Arutjunjan mit seinem Concerto in As-Dur und den Sätzen Breit, feierlich – Schnell und energisch – Cadenza.

    Das Publikum: die bessere Hannoveraner Stadtgesellschaft mit starkem Hang zum Grauhaarigen. Sie nahmen das Kulturangebot an, bevor sie um Mitternacht zur privaten Silvesterfeier gelangten.

    Es war festlich, es war schön, es war nachdenklich, jubelnd, lustig, wie es sein sollte.

    Vorher: Garten. Gärten. Herrenhäuser Gärten. Vielleicht das Hannover-Highlight mit seinem Barock-Garten. Als guter Barock-Garten hat er genug Architektur, Hecken und Spaliere, um auch im Winter zu funktionieren. Vielleicht funktioniert er zu dieser Jahreszeit sogar besser, denn die Architektur der Gestaltung lässt sich ohne störende Blätter besser erkennen.

    So eine Pracht nur fünf Bahnstationen von der Innenstadt entfernt.

    Überraschend: die Grotte der inoffiziellen Stadtkünstlerin Niki de Saint Phalle. Diese durfte das heilige Gelände der Herrenhäuser Gärten mit ihrer Kunst schmücken. Zurecht.

    Noch mehr Action

    Dieses Silvester lernte ich was eine Kugelbombe ist.

    In Kremmen, nahe der Latifundien, sprengte sich ein Mann mit einer Kugelbombe in die Luft und starb.

    Eine andere Kugelbombe explodierte in Schöneberg. Sie beschädigte sieben Gebäude und barst in einem Wohnhaus sämtliche Scheiben. Sie brachte mehrere Menschen ins Krankenhaus.

    Es traf keine direkten Nachbarn. Aber das Haus liegt noch locker in dem Bereich, den ich Alltagskiez nennen würde. Einst residierte nebenan mein Zahnarzt, ein Haus weiter links befindet sich ein Stammlokal. Ganz allgemein fühlt sich die Gegend zu sehr nach „zu Hause“ an, als dass ich dort mehrere Kilo Sprengstoff haben möchte.

    Als wir die Nachricht von Hannover aus mitbekamen, schauten wir uns an, und dachten, gut, dass wir nicht in Berlin waren. Gut, dass auf dem Balkon nichts Brennbares ist. Little did we know.

    Madame kam in die Wohnung und meldete „alles okay.“ Dann meldete sie „Löcher im Fenster (Oberlicht der Balkontür)“ und Raketenreste im Wohnzimmer.

    Dann rief sie die Polizei. Die kam und zusammen rekonstruierten sie: Anscheinend hatten Menschen (okay, Männer.. immer Männer) von der Straße aus versucht, unter die Dachfolie zu schießen. Dabei hatte eine Rakete beide Altbaufenster über der Balkontür zerschlagen.

    Die Rakete war gegen die Zimmerdecke geschlagen. Von der Decke prallte sie Richtung Boden. Sie traf auf dem Wohnzimmertisch eine Notenmappe. Dort prallte sie wieder ab, diesmal gegen die Zimmerwand. An der Wand explodierte sie. Die explodierenden Reste stürzten auf den Boden, wo sie dem Einband des „Wikipedia-Lexikon in einem Band“ landeten, das als Türstopper dient.

    Das Wikipedia-Lexikon erwies sich als brandresistent.

    2025. Das Jahr, in dem wir erst filmreife Abschiedsszenen hinlegen und uns dann ein Wikipedia-Einbänder vor einem Wohnungsbrand rettet. Und das war nur Tag 1.

  • 24-12-31 Das Ü steht für Überlandwerke

    24-12-31 Das Ü steht für Überlandwerke

    Hannover wirft Fragen auf:

    Zum Beispiel: Was mache ich hier gerade? Wie kommt die größte begehbare Weihnachtspyramide der Welt ausgerechnet in diese Stadt? Warum laufen in der Astor Film Lounge so wenige OV-Filme?

    Ist halb Berlin aus Niedersachsen zugezogen? (Die „wo fährst du Weihnachten hin“-Gespräche deuten darauf hin.)

    Warum haben Niedersachsenstadion, Stadionbad, Landesmuseum und Sprengelmuseum keine vernünftige Stadtbahnanbindung durch die Üstra? Und wofür steht das Ü in Üstra?

    Ich kenne einige Antworten:

    Ich kam in die Stadt zurück als Kind der Stadt Hannover. Ein oder zweimal pro Jahrzehnt sollte ich schauen, ob die Stadt noch so ist wie sie sein sollte. Als Kind meiner Mutter schien es mir eine gute Idee, mit dieser zurück nach Hannover zu kehren.

    Das Ü kam in die Üstra, denn einst betrieb das Unternehmen auch die Stromnetze der Region Hannover außerhalb des Stadtgebiets.

    Nicht-Hannover-Fragen:

    Andere Fragen: Wird Madame die finnische Strickanleitung bezwingen? – Ja.

    Starb mit Jimmy Carter eine der wenigen Männer, die die Welt noch spirituell zusammenhielten? -Vielleicht.

    Sollte mensch Neujahrsvorsätze schon jetzt verkünden oder erst nach Neujahr. Egal. Vorsatz 2025: Mehr Rosakoalaflamingocapybaraglitzereinhorn! Mehr Action!

    Eine Konstante: Die Piratenpartei

    In Wesselburenerkoog reisten wir nach Weihnachten bereits auf der Memory Lane. Wir besuchten das Café, in dem wir einst die erfolgreiche Jasagung vor dem Standesamt gefeiert hatten. Wo wir schon auf der Memory Lane unterwegs waren, folgten wir ihr die A7 entlang Richtung Süden. Vorbei an Harburger Berge, Brunautal und Allertal bis zum Autobahnkreuz Hannover Nord.

    In Langenhagen (b. Hannover) war ein noch viel weiterer Sprung zurück geplant: Ein Besuch in dem chinesischen Restaurant stand auf dem Plan, in das wir seit der Grundschule nach den Schulzeugnissen einkehrten. Aber ach, das Fu Yüan ist nicht mehr.

    Beim letzten Versuch so um 2019 hatte es noch durchgehalten und mich mit ordnungesgemäßem Schweinefleisch Süß-Sauer bewirtschaftet. Aber diesmal zusammen mit dem Kaptain: Nada. Entweder zog eine Shisha-Bar an seinem Standort ein oder ein Wing-Tsun-Studio.

    Wir drehten quer über den Parkplatz: auf zum neu eröffneten Chinarestaurant Empire am anderen Ende Langenhagens. Lieber falsch chinesisch essen gehen als gar nicht chinesisch essen gehen.

    Weiter entlang der Memory Lane nach Süden, auf zum Thema „in die Stadt fahren“: In Hannover ist von den drei großen Kaufhäusern der Innenstadt (Kaufhof, Karstadt, Horten) nur noch eines im Betrieb (Kaufhof) – die beiden anderen stehen leer. Aber die übrigen Innenstadt wirkt überraschend vital. Wenig Leerstand, Straßen und Geschäfte voll, Auslagen und Angebote nicht so wirkend als würde gerade eine Krise bekämpft.

    Auch vital, jetzt wie beim letzten Besuch: Die Piratenpartei, die Unterschriften für eine Wahlteilnahme sammelt.

    Von unserem Hotel neben der Conti-Fabrik aus drehten wir die übliche Innenstadtrunde: Hauptbahnhof, Passarelle, Kröpcke-Uhr und Kröpcke-Café mit heißer Schokolade. Über die Karmarschstraße beim Mäntelhaus Kaiser ins Schaufenster geschaut und bei Schuh-Neumann Spontanshopping gemacht. Weiter rollerten wir Richtung Steintor. Das Stadtrundgangsende erfolgte, wie es sein soll, am Bratwurst-Glöckle.

    Es fühlte sich mehr in der Zeit an als noch 2019, und gleichzeitig ewig konstant.

    Vom Rad in den Rückwärtssalto vom Fünfer

    Am Nachmittag (aufgrund der Dunkelheit gefühlt Mitternacht) folgte eine andere Runde down Memory Lane. Auch dank der Üstra, die offenbar schon vor Jahrzehnten beschloss, Stadion und Umland nicht richtig anzubinden, so dass wir noch bisschen Spaziergang bekamen.

    Es folgte eine Runde zum Aegidientorplatz, zu Fuß am Rathaus vorbei, im Dunkeln am Leineufer entlang getastet bis hin zum Niedersachsenstadion. Ach, damals im Stadion, die glorreichen Spiele gegen Preußen Münster, den VfL Osnabrück und den SV Meppen. Unvergessen natürlich der Pokalsieg (als Zweitligist!) 1992.

    Diesmal führte der Weg aber am Stadion vorbei bis zum Stadionbad. Wie konnte ich es übersehen? Welch bizarre Launen des Schicksals verhinderten, dass ich dort war?

    Ein Hallenbad mit 50-Meter-Bahnen und 10-Meter-Sprungturm. In seiner Form erinnernd an die Alsterschwimmhalle. Baujahr 1972 und in Teilen so aussehend. Die Umkleidekabinen: im besten Sammelumkleidenstil wie ihn die DDR-Bauten aus Hohenschönhausen nicht besser hinbekommen. Die Duschen neu.

    Die Deko an den Schwimmmeisterräumen: gleichzeitig sehr individuell aussehend und in der Gestaltung professionell. Der geöffnete 10-Meter-Turm, der anscheinend dauerhaft für die Öffentlichkeit zugänglich ist: Wow.

    Wir schwammen und joggten uns erfolgreich müde und hungrig. Danach fanden wir Grünkohl und Bregenwurst und Lokal – wie es sein sollte in dieser Stadt.

    Jetzt zu einer ganz andere Frage

    Kann ein Airfryer Bratkartoffeln? Ja, schreibt Frau Zimtkringel: Würzige Bratkartoffeln aus dem Airfryer.

  • 24-12-28 Kein Kuchen für Nazis im Nebel

    24-12-28 Kein Kuchen für Nazis im Nebel

    Die Taube ist zu zerbrechlich und schwach, um den Frieden zu bringen. Deshalb steigt ein Adler hinab. Mit seiner Größe und Kraft übernimmt er die Mission der schwachen Taube: Der Friedensadler kommt.

    Die Kastelruther Spatzen – sie leben noch – haben ihr neues Lied dem Friedensadler gewidmet. (Hintergrund: Aus der Taube wird der „Friedensadler“) Und dieses erfuhr ich nur dank des linearen Fernsehens.

    Weihnachten – die große Zeit des linearen Fernsehens. Denn wenn die Familien aus Nah und Fern zusammenkommen, werden sie sich nicht nur zu Braten und Keksen zusammensetzen, sondern auch zum Fernsehen. Auch die Kinder, die seit Jahren nur noch Streamen; auch die Enkel, die Fernsehen in ein Zeitalter mit Dampfloks einsortieren.

    Spannend: Ich sah eine Dokumentation über Jacques Mayol – legendärer Apnoe-Taucher der 1970er, der den Tiefenweltrekoed im Freitauchen auf 100 Meter steigerte.

    WIe jedesmal war ich fasziniert von einem Sport, der gleichzeitig Höchstleistung verlangt und totale Entspannung bei der Durchführung. Nur, wer ihre Körperfunktionen so herunterfährt, dass sie kaum Sauerstoff benötigen, kann lange genug ohne Atmen durchhalten.

    Mayol, und das Wissenschaftlerteam, das ihn begleitete, schrieben Joga und den dortigen Atemübungen mindestens die Hälfte seines Erfolges zu.

    Weniger spannend: Ich sah die Doku um 4 Uhr Nachts, während ich vor Schmerzen nicht schlafen konnte, im Zustand kompletter Übermüdung. Ein Hoch auf die Feiertage – nachdem mir mit Ibu (immerhin noch ausreichend) genug Schmerzdämpfung gelang, um einzuschlafen – durfte ich den Schlaf bis in den Vormittag hinein nachholen.

    Northvolt im Nebel

    Werktags fuhren die übliche Runde nach Heide mit einer Auswahl der üblichen Programmpunkte:

    • [ ] Baumarkt
    • [X] Elektromarkt
    • [ ] Recyclinghof
    • [X] Wischmanns Hofladen
    • [X] Edeka Frauen
    • [X] Kohlosseum

    Ein seltener Stopp auf der Runde: Der Drogeriemarkt. Ich hatte die Lesebrille vergessen! Wie sollte ich die Hörzu entziffern können so baräugig?

    Die Wege dorthin führten uns durch die Dithmascher Unterwasserwelt. Der Nebel ist stark, die Augen sind schwach. Wasser von oben, von unten von links und von rechts. Die Sicht beträgt fünf Meter, das Gefühl ist „im Aquarium, in dem ich wunderbarerweise noch Atmen kann“. Würden Quallen durch den Nebel treiben wäre ich nicht im geringsten überrascht.

    Auf der Straße kamen uns die Kolonnen der Kurkrötenautos aus dem Nebel entgegen. Kennzeichenlesen: HH – PI – H – PI – KI – WL – HH – ES – E – HH – DO – IZ – PI – OH. Der Weihnachtsansturm an die Nordsee geht los. Gut, dass wir antizyklisch fahren werden.

    Links der Straße nach Heide lag die feiertagsruhige Northvolt-Baustelle. Wird die Batteriefabrik noch gebaut werden? Wie viele Jahrzehnte werden die Grünen in dieser Gegend benötigen, um sich vom Imageverlust zu erholen, sollte sie nicht gebaut werden?

    Wir hatten Zeit, und konnten uns die Luxusrunde nach Heide leisten: die Runde einschließlich der Dithmarscher Wasserwelt, um einmal den Körper zu wässern und durchzubewegen.

    Die Wasserwelt erfüllt drei der vier Anforderungen1, die ich an ein gutes Schwimmbad stelle und landet damit in meinen Top 5 aller Schwimmbäder.

    Die Wasserwelt erlaubt die komplette Runde von kalt nach warm, von anstrengend zu wohlig. Wir begannen mit ein paar Runden auf der 50-Meter-Bahn, hüpften danach kurz ins Außenbecken und suhlten uns abschließend in der warmen Sole.

    Dank einer Bedienungsanleitung für den Hubboden lernte ich: Die Dithmarscher Wasserwelt wurde 1975 gebaut. Ich hätte sie jünger geschätzt, freue mich aber: 1975 ist ein guter Jahrgang.

    Sonst könnte der Abend peinlich enden

    Was sollen wir essen sieben Tage lang? Was sollen wir essen? Was ein Fest!

    Auswärts: Sushi-Rolls und Momo – das alterehrwürdige Rentnerparadies Büsum kann inzwischen hippe Edel-Systemgastronomie-Sushi-Läden. Wir bleiben neugierig auf die Veränderungen.

    Auswärts: Trümmertorte und Eierlikörtorte. Wir bleiben traditionell. Das Koog-Café in Wesselburenerkoog ist schon deshalb das beste Café des Landstrichs, da wir dort einsat nach unserer standesamtlichen Hochzeit einkehrten. Darüber hinaus backen dort die Meister der Trümmertorte. Sie besitzen die netten FC-Sankt-Pauli-Verbindungen, die ein sicheres Mittel gegen jegliche Biederkeitsgefahr darstellen. Neu entdeckt: ein braun-weiß (St. Pauli) gestaltetes Schild: Kein Kuchen für Nazis.

    Zwei Junge Damen saßen mit am Tisch. Man konnte ihnen ansehen wie sie vor Cringe vergingen als wir uns über Lese- und andere altersnotwendigen Brillen unterhielten. Endlich sind wir in einem Alter in dem wir Jugendliche allein durch unsere bloße Anwesenheit in die Verzweiflung treiben können!

    Auswärts: Burger vom Raketenofen. Wir waren auf Kotzenbüller Landgüter eingeladen, bewunderten das Baumhaus und die Spielscheune im Sockel der ehemaligen Windmühle. Der Marschboden war kurz davor, sich in Wattenmeer zurückzuverwandeln. Die Schafe sind inzwischen ausgezogen, aber die Hühner gackerten friedlich in ihrem Gartenteil. Ein junger Mann spielte mit der neuen Feuerwehr. Er drohte „sonst wird der Abend peinlich enden!“ falls er keinen Weihnachtspunsch bekäme.

    Wir lüfteten uns aus, fuhren auf einen Spielplatz und wanderten durch die Dünen Sankt Peter Ording. Wenn man nur oft genug im Kreis läuft, kann man dort stundenlang wandern. Zum Glück fanden wir Maleens Knoll und den Aussichtspunkt, der uns einen Überblick über Dünen und Wald erlaubte.

    Heimwärtiges Essen: Linsensalat, Zwiebelsuppe und Rosenkohl, die drittbeste Kohlsorte.

    Anmerkungen

    1. (I) 50-Meter-Bahn (II) Spannende Architektur (III) Außenbecken (IV) viel Platz zum Schwadern. ↩︎
  • 24-12-26 Es geschah zur Zeit da Quirinius Statthalter in Syrien war

    24-12-26 Es geschah zur Zeit da Quirinius Statthalter in Syrien war

    Ein Kind ward geboren. Die Eltern werden für die nächsten 18 Jahre das Geburtstagsgeschenk am frühen Morgen und Bescherung am Abend in Einklang bringen müssen. Willkommen E!

    Die heilige Nacht in Berlin von ungeahnter Ruhe. Selbst das immerwährende großstädtische Hintergrundrauschen verstummte. Um so auffallender vereinzelte Martinhörner, gegen 3 Uhr Nachts etwas das klang als würde ein Kind sein neu erhaltenes Alarmanlagen-Radau-Gerät ausprobieren.

    Beim Blick in die leeren Busse, die vor der Haustür fahren, der kurze Gedanke „das wäre etwas für mich.“ Busfahren an Heilig Abend ist eine dieser unwirklichen Zwischenwelten, nur halb in dieser Realität, die mich reizen. Leider dürfte ich die Busse aber nicht an Heiligabend fahren, sondern müsste auch wochentags zur Rush Hour ran. Weit weniger reizvoll.

    Das Internet rotiert, denn Elon Musk rief dazu auf, keineswegs für Wikipedia zu spenden. Dazu möchte ich sagen: Geld hat Wikipedia genug. Wer helfen will, möge sich praktisch beteiligen. Wikipedia braucht kein Geld, sondern Zeit, Grips und neue Gedanken.

    Der Tag vor dem heiligen Abend verlief mit Werken: Sachen sortieren, Müll rausbringen, Rombitombi anfeuern – höchst unheilige Geschäftigkeit. Am späten Nachmittag brach Madame zum ersten Auftritt auf, ich blieb in letzter Geschäftigkeit.

    Nach ihrer Rückkehr begann der heilige Abend: Fondue Irlandaise, weihnachtliche Shanties und die Paris-Playlist. Eine große rote Kerze substituierte als Weihnachtsbaum, Madame reichte Sloe Gin aus eigener Ernte und Gurkensorbet. Insbesondere das Experimentalfondue mit Lauch in der Chaddar-Guiness-Käsemischung erwies sich als überraschend großartig. Gerne wieder. Zum Beispiel diese Woche. Und die nächste. Sowie die Woche danach.

    Ich begleitete zum zweiten Auftritt.

    Mittwoch ging es gen Norden. In Berlin fuhren wir bei leichtem Hochnebel los. Kurzer Zwischenstopp um die Rosen zu streicheln. In Dithmarschen kamen wir in einer Wassersuppe an. Schon wieder eine unwirkliche Zwischenwelt im Nebel, an der die Grenze zwischen den Realitäten zu verschwimmen scheinen, normal unmögliches möglich erscheint.

    Wie es sich gehört, selbst die leuchtende und blinkende Raffinerie war nicht mehr zu sehen. Dithmarschen, das Land das eigentlich Wasser ist. Dem Meer von Hand abgerungen, und doch bedarf es nur eines solchen Tages und die Grenzen verfließen. Ist das wirklich noch Erde? Ist es schon Unterwasser? Die Jahreszeit in der das Land zu sich selber kommt.

    Kyrie Kyrie

    Dienstag absolvierte Madame zwei Auftritte:

    Nachmittags sang sie in Alt-Schöneberg im frugalen Ritus, mit lebendiger Arche auf dem Kirchhof: Alpakas, Ziegen und Esel vor der Kirche und einer Pfarrerin, die von Gott wechselnd in der männlichen und weiblichen Form redet.

    Abends ging ich mit in die Kirche. Auf ins gutbürgerliche Bayerische Viertel zum Heilsbronnen. Frugal blieb nichts.

    Nur selten denke ich bei evangelischen Gottesdiensten „Zweites vatikanisches Konzil“. Hier lag der Gedanke nahe. Die drei gottesdienstenden Damen (immerhin, dort blieb es evangelisch) in weißen Prunkgewändern. Die Liturgie weitgehend gesungen, wie es sich einst gehörte mit dem Rücken zur Gemeinde, Gesicht zum Altar. Die Weihnachtsgeschichte wurde gelesen und wie es sich für eine Messe geziemt, wurde das Abendmahl gereicht.

    Eine Hälfte von mir dachte „Yeah, Pathos, Ritual, Bling-Bling!“, die andere norddeutsch-evangelisch sozialisierte Hälfte dachte „Heidentum! Tanz um das Goldene Kalb! Hokus-Pokus!“

    Aber es ist Weihnachten. Wann wäre die Zeit für die große übertriebene Geste, wenn nicht an Weihnachten?

    Das Fürbittengebet schloß die „Soldaten an der Front“ ein. Ich überlegte kurz, ob ich mich im Jahrhundert geirrt hatte. Aber nein. Passt schon leider.

    Du weißt dass du in Berlin bist, wenn du die Evangelische Messe mit High Church Ritus in der vollen Kirche verlässt, 150 Meter läufst und dann in der U-Bahn Menschen beim Crack-Rauchen siehst.

    Gare de l’Est

    In vielen Familien gibt es den Brauch, dass sich Erwachsene nichts zu Weihnachten schenken. Das ist sehr vernünftig. Aber würden wir das auch so halten, käme ich dieses Jahr nicht nach Paris, und das wäre ja schade.

    Um es mit Joseph Hader zu sagen: Der Eine kommt nach Paris. Der Andere kommt nicht nach Paris. Wie das Leben halt so is. Dededipdebndipdebn..

    Nach Plan also werde ich 2025 von der Andere zu der Eine wechseln. Ich beginne schon einmal mein Paris-Bild von den drei Klischees „Eiffelturm-Selfie, niedliches kleines Café und Mona LIsa“ zu überarbeiten und stelle fest: doch eine echte Metropole. Mit Geographie und Geschichte. Und mittelalterlichem Stadtkern, spannenden Schwimmbädern, historischen Passagen voller indischer Restaurants – es wird spannend.

    Außerdem darf ich in Berlin Hauptbahnhof in einen Zug zeigen, an dem das Fahrtziel „Paris“ steht. Und besser kann es nicht werden.

    Durch

    Weihachten ist Zeit zum Lesen. Vielleicht nicht den Zauberberg. Der ist eher ein Jahresprojekt. Holger schreibt fast alles, an was ich auch beim Lesen dachte: Durch: Der Zauberberg

    Der letzte Tag vor Weihnachten im Leben einer Einkaufszentrumsbuchhändlerin: Unzählige Bücher und Spiele habe ich verkauft (sogar eine Kuschelschlange in lebensgroß hatte ich an der Kasse).

    Einschulung in den USA (speziell in Washington, D.C.). Annegret Hünerfürst: Hurra ich bin ein Schulkind – #Elternalltag