Schlagwort: Cinema Paris

  • 26-07-09 Samedi 29 juillet: Ich bin Tochter des Korsaren

    26-07-09 Samedi 29 juillet: Ich bin Tochter des Korsaren

    Madame lud Ms. Bilanz zum Pistazieneis a la casa in la casa ein.

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    Der Kaptain erzählte vom Bad-Bramstedt-Besuch. Alles nicht so einfach dort. Vor allem weil es nicht Dithmarschen ist. Aber der Kaptain konnte helfen.

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    Post und vor allem PIN haben auch nach Monaten der Gewöhnung noch Probleme, unseren Briefkasten zu finden. Wir bekamen am Ende doch mehrere Briefe mit Aufklebern „unbekannt“ oder Stempeln „unbekannt verzogen“ übergeben.

    Ich überzeugte meine Arbeitgeberin, meiner Postadresse noch eine Wegbeschreibung hinzuzufügen.

    Madame war im Bürgeramt am Hohenzollernplatz, ausprobieren, inwieweit auch behördliche Prozesse Anmerkungen bei der Postadresse zulassen. Wir hatten Glück: Die Wegbeschreibung steht so auch im Mietvertrag und ist somit offiziell genug für ein Berliner Bürgeramt.

    Jetzt müssen wir noch auf die Lesefähigkeiten des Briefbot*in vertrauen. Immerhin weiß das Bürgeramt auch schon, dass PIN-Bot*innen anscheinend jede Woche ihr „Revier“ ändern und pro Brief genau drei Sekunden Suchzeit haben oder so.

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    Kaum fahre ich mal eine Woche lang nicht mehr mit Ringbahn, schon ist die Rolltreppe der Gegenwart ganz verschwunden. An ihrer Stelle klafft ein Loch.

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    Es war radelnde Arbeitstage inmitten eines well behaved summers.

    Nicht vergessen: Beim Funkhaus einmal grüßend an den Helm tippen

    Den Fahrradhelm vergaß ich schon wieder.

    Aber langsam groovt es sich ein. Langsam beginne ich auch auf der neuen Strecke ein Kurven- Hubbel- und Bremsgedächtnis zu etablieren. Auch der optimale Fotoschlenker auf die Stadtparkbrücke entsteht. Es wird nicht mehr lange dauern, dann läuft die eigentliche Strecke im Blindflug. Dann kann ich mich ausschließlich auf den Verkehr konzentrieren, den Wind im offenen Haar spüren und Glasscherben ausweichen. Denn vorausschauend fährt es sich am besten, wenn ich im Vorhinein weiß was kommt

    Südkreuz-Office-Tiefgarage. Mensch beachte das inzwischen durchgehende Anti-Tauben-Netz unter der Decke.

    Der Rückweg führte am KaDeWe vorbei hin zum Schuhdiscount. Ich brauchte noch gute lauffähige Schuhe für touristisches Stadtlaufen, die nicht schon vorher halb am auseinanderfallen sind. Endlich wieder einmal der nette Weg durch’s Bayerische Viertel Richtung Wittenbergplatz.

    Verregneter Blick den Tauentzien hinunter Richtung Europacenter, Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche, Shoe City Outlet und Hochhäuser am Zoo.
    West! West! Westberlin!

    Getrieben vom eigenen Schwung die letzten Meter bis zum Beckenrand gleiten lassen

    Anscheinend gehen die Eichenprozessionsspinnerabsperrbänder zur Neige. Am Hans-Baluschek-Park war ein Großteil der betroffenen Bäume nurmehr durch ein aufgespraytes „E“ in rosa gekennzeichnet. Denn, gute Nachricht, ich radelte wieder einmal durch den Hans-Baluschek-Park, der Südkreuz und Insulaner miteinander verbindet.

    Langsam kommt zusammen, was zusammen gehört: Freibad und Fahrrad, der kleine After-Work-Ausritt zum Insulaner, ein Abendplantsch und dann weiter in die Wohnung. Ich hatte ihn vermisst, den Fahrradhain: vom Format einer Halle, fast durchgehend beschattet, und doch angenehm luftdurchzogen und soweit ich sah ohne Eichenprozessionsspinner.

    Vielleicht, wenn das nächste mal 35 Grad plus sind, und ich nicht mehr in das Freibad gehen mag, stelle ich mich einfach dort hin, genieße Schatten und Lufthauch.

    Noch aber muss ich mir die Gedanken nicht machen: noch herrschten 23 Grad bei strahlendem Sonnenschein. Ich konnte hinein, die Kabane genießen1 und noch mehr konnte ich das leidlich leere Becken genießen: ein bißchen Kraul-Total-Immersion üben, ein bißchen mehr rumwabern und ein bißchen auf der Beckenterrasse das Wetter genießen.

    Danach übte ich den neuen Rückweg nach Wilmersdorf. Ich stellte fest, ich radle direkt am Rüdi vorbei. Die ganzen schicken Fachgeschäfte für das verwöhnte Bürgertum haben zu dieser Zeit zwar schon geschlossen, aber die BioCompany und vor allem der Rüdesheimer Weinbrunnen sind noch geöffnet.

    Gerne wieder.

    Leichtigkeit Vielleichtigkeit

    Tja, Sommer. Dieses Jahr übt er noch. Ich liebe Sturm bei 22 Grad, glaube aber ich bin damit eher allein. Dennoch besser als 41 Grad. Solange der vor-der-Haustür-Sommer noch seine Gestalt sucht, gehen wir ins Kino, schauen Sommer von vor 30 Jahren prä-Klimaerwärmung. Eric Rohmers Conte d’été / Sommer von 1996 lief im Ciné Club, der Reihe mit französischen Klassikern im Cinema Paris.2

    Der Mathematik-Absolvent und unentdeckte Shanty-Komponist Gaspard (Melvil Poupaud) verbringt einige Sommerwochen zwischen Uni-Abschluss und Berufseinstieg, zwischen Mittjuli und Augustanfang am Strand der Bretagne. Die Tage werden einzeln mit einer Art Kalendereinblendung aufgezählt, was dem Film einen leicht dokumentarischen Hauch verleiht.

    Dort, im Badeort Dinard, wartet er auf seine vielleicht-Freundin Lena (Aurélia Nolin), die er vielleicht liebt. Während er wartet, lernt er Margot (Amanda Langlet) kennen, die ihn vielleicht liebt und er vielleicht sie. Margot, macht ihn mit Solène (Gwenaëlle Simon) bekannt.

    Gaspard liebt vielleicht Solène, diese allerdings verlangt von ihm eine klare Entscheidung. Gaspard trifft eine Entscheidung – allerdings jeden halben Tag eine neue Andere Entscheidung.

    Am Ende hat Gaspard drei Frauen versprochen, dass er jeweils mit ihnen zusammen ein paar Tage auf der Insel Ouessant verbringen wird; jeweils allein und jeweils in der letzten Woche bevor er arbeiten muss. Er macht, was wohl fast jeder Mann in dieser Situation angesichts dieser Entscheidung machen würde. Er nuschelt „muss ein Mischpult kaufen“ und macht sich aus dem Staub.

    Die äußere Handlung ist spärlich. Gaspard läuft allein durch Dinard an der bretonischen Smaragdküste. Gaspard sitzt allein im Zimmer und schreibt an seinem Shanty Fille de Corsaire. Margot und Gaspard laufen am Strand von Dinard und reden miteinander. Lena und Gaspard laufen am Stand von Saint-Lunaire und reden miteinander. Solène und Gaspard sind zusammen am Strand von Saint Malo und reden miteinander.

    Menschen am Übergang zwischen Studium und echtem Beruf treffen sich in der Jahreszeit in der normalen Regeln des Alltags ausgesetzt sind, alles in den speziellen Sommermodus fällt. Nur Solène ist entschiedener, will Klarheit. Vor allem mit Solène passiert Handlung jenseits des „sie laufen zu zweit am Meer entlang und reden“. Mit Solène findet der emotionale Höhepunkt statt: Die Ausfahrt auf dem Boot in den Ärmelkanal mit Familie, Akkordion und sie singt Fille de Corsaire.

    Ein Film unentschiedener Leichtigkeit. Wie ein guter Sommer selbst, wunderbar um sich hineinzulegen, aber mit einem natürlichen Ende versehen wenn der erwachsene Alltag kommt und Entscheidungen möchte.

    Ein Seemannslied über die Ebenen Mexikos

    In Sommer werden zwei Shanties gesungen. Neben der Tochter des Korsaren, extra geschrieben für den Film, kommt auch Santiano vor.

    Von Santiano dachte ich, ich kenne den Song, gesungen von der gleichnamigen deutschen Band, die vermutlich einen Song schrieben, um sich selbst zu feiern. Um so verwunderter war ich den Song, hier zu hören, viele Jahre bevor Santiano (Band) sich gründete und vor allem mit einem Text über Saint Malo an der Küste der Bretagne.

    Ist das vielleicht gar kein Santiano-eigener Song? Aber auch kein englischer Shanty, den Santiano (Band) einfach eingedeutscht haben? Ist es eventuell französisch? Hat sich hier ein Stück französische Kultur in den deutschen Mittelaltermarkt-Kanon geschlichen?

    Jein.

    Soweit ich weiß: Santiano (deutsch) und ist eine rockige Überarbeitung von Santiano (französisch)3. Der Text blieb dabei weitgehend unverändert, allerdings wurde bei der deutschen Übersetzung Saint-Malo in der Bretagne durch Hamburg ersetzt. Der eigentliche Ausdruck Santiano hat dabei keine Bedeutung, ist eher Marker von Exotik und Ferne.

    Santiano hat im franzöischen Text auch keine echte Bedeutung, Santiano und Saint-Malo sind aber klanglich so nahe, dass ich als Hörer davon ausgehe, das irgendeine Verbindung besteht.

    Das französische Lied hat Hugues Aufray – bekannt vor allem als Interpret französischer Bob Dylan-Coversversionen – einem älteren englischen Shanty Santiana entnommen4. Es erwarteten mich zwei Überraschungen: Santiana ist ein echter Shanty, wirklich aus dem 19. Jahrhundert5 und wohl wirklich auf Schiffen als Arbeitslied gesungen.6

    Und der Text handelt von den Ebenen Mexikos und General/Präsident Antonio López de Santa Anna und dem mexikanischen Unabhängigkeitskrieg. Entgegen den Lyriks des Songs allerdings ging der Krieg nicht gut aus für Santa Anna – und das trotz der Unterstützung durch private britische Soldaten – also Soldaten die nicht im Auftrag von UK kämpften, aber eigentlich normalerweise schon britische Soldaten waren.

    Santiano ist Santiana ist Santa Anna ist ein Name. Und der hat nur höchst indirekt etwas mit Seefahrt zu tun. Das kam überraschend.

    Links

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    Der Tagesspiegel hat sich den Südkreuz-Rolltreppen auch mal wieder angenommen (leider mittlerweile mit Paywall): „Fürs Eigenheim oder dergleichen“: Berliner Student bietet defekte Rolltreppen vom Südkreuz in einer Kleinanzeige an

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    hotel mama sah linie 1: linie 1 war wirklich lustig und kam so frisch und gutgelaunt rüber wie am ersten tag, dabei lief es zum 2343. mal oder so. theater voll bis auf den letzten platz, publikum singt mit. 5 vorhänge.

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    Ein Hotel sollte ein wirtlicher Ort sein. Unser aktuelles Hotel für drei Tage ist kein wirtlicher Ort.

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    Wann sind eigentlich Internet-Cafés und öffentliche Internet-Terminals ausgestorben? (via kaltmamsell). Ich kann zwei Datenpunkte liefern: 2011 als wir in Yorkshire noch eine Überfahrt von Felixstowe(?) auf den Kontinent zurückbuchen mussten, fest davon ausgegangen waren, es Internet-Café zu erledigen – und es gab keins. Nada. Nichts. Nicht einmal in York. Am Ende fuhren wir direkt in den Hafen zum Fährbüro. 2011 waren Internet-Cafés in Deutschland noch total üblich, im nicht-großstädtischen UK aber komplett ausgestroben. Der zweite Datenpunkt ist 2020 als unser damaliger Nachbarspäte/Internetcafé per Schild verkündete: „Interweg wegen Corona geschlossen.“ Ich glaube das war am Ende des Ende der dortigen Terminals. Mittlerweile wurden sie durch einen Billardtisch ersetzt.

    Anmerkungen

    1. Kabanenbesuch No 5/2026 – damit 16 Euro pro Besuch. ↩︎
    2. Yorck Unlimited No. 37 – damit 6,43€ pro Besuch ↩︎
    3. Tolles Video auch. Ehrlich. ↩︎
    4. Für eine lange Liste traditioneller Einspielungen: Mainy Norfolk: Santy Anna / The Plains of Mexico ↩︎
    5. Laut dem Shanty-Blog Wild Chants with Doggerel Words war der erster Druck 1868: #30-32 Santiana/ The Plains of Mexico ↩︎
    6. Roud-Index No. 207! Das allerdings öffnete gleich das nächste Kaninchenloch „Was ist der Roud Index und wie funktioniert seine Nummerierung? Ein andernmal.“ ↩︎

  • 26-06-14 Blandine avec la großer Rucksack multicolore

    26-06-14 Blandine avec la großer Rucksack multicolore

    Manchmal haben Leute am Südkreuz-Klavier umfangreiche Klaviernoten dabei und spielen anspruchsvolle Klavierprogramme. Manchmal spielt auch jemand schief Alle meine Entchen.

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    In der U-üc informierte Sophia ihre Freundin, dass Anton mittlerweile zur coolen Gang gehört. Ihre Freundin konnte das nicht glauben. Anton war früher doch der Uncoolste überhaupt, schon allein weil er auf dem Schulhof immer Ameisen aß.

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    Manchmal videocalle ich mit Dienstleistern und ich sehe vor meinem inneren Auge einen Stapel brennender Geldscheine.

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    Wie schon bei der Männerfußball-EM 2024 versuche ich das Organisationsinterne Tippspiel zur WM 2026 fernab jeder Ahnung oder jedes Interesses mit statistischer Heuristik zu gewinnen. Letztes Mal kosteten mich gefühlsgewallte Tipps den Sieg. Dieses mal wird stur heuristisch getippt. Nach dem 1:1 zwischen der Schweiz und Katar führte dies bisher zu Platz 21 von 46. Aber the power of Statistik liegt in der großen Zahl der zu tippenden Spiele.

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    Es war ein Wilmersdorf-Pariser Werktagsausklang und ein feuchtfröhlicher Wochenendauftakt.

    Unten Idylle, oben Screaming Party

    In ihren Mehrchorwochen war Madame wieder Chor, der am Ex-See probt. Und wieder war der Gartenfuchs anwesend, der später von den Gartenkaninchen abgelöst wurden. Zwischendurch spielten kleine Jungs im Garten Fußball und schauten dann dem Chor zu. Die manchmalige Dörflichkeit von Wilmersdorf erstaunt uns weiterhin.

    Jedes mit Absperrband umwickelte und an einen Poller gebundene Auto hat eine Geschichte. Manchmal ist Wilmersdorf auch städtisch.

    Wie ich zwei Kilo Mehl und eine Packung Klopapier durch Wilmersdorf trug

    Das Schöne an einem Umzug ist. Auch nach einem halben Jahr muss ich nach dem Vollkornroggenmehleinkauf nur einmal nicht die Diretissima nehmen, sondern nach links abbiegen und entdecken komplett neue Gegenden.

    Meine Güte. Welch schwäbisch-wohlhabende Idylle haben wir in der Nachbarschaft. Die drei Straßenzüge um die Gasteiner Straße, die Sigmaringer Straße und den Leon-Jessel-Platz sind offenbar einem Katalog für gediegenes Großstadtleben entstiegen. Das ist weder Wilmersdorf als Dorf noch Wilmersdorf als Berlin-Innenstadt, das ist Wilmersdorf als wohlhabender Randbereich einer kleineren Großstadt.

    Altbauten, Kopfsteinpflaster, viel Grün, eine niedliche Straßenmöblierung, einige wenige einladend wirkende Restaurants, die gut eingesessen und dennoch erreichbar-edel wirken. Irgendwie war es passend, dass dort auch die Hobby- und Kleintierzüchter Verlagsgesellschaft wohnt. Und das um die Ecke.

    Über mir formierten sich Mauersegler zu ihren ersten Screaming Parties des Sommers. An den Bäumen wiesen Absperrbänder auf zahlreichen Eichenprozessionsspinner hin. Denn wo ein alter Eichenbestand, da Eichenprozessionsspinner.. Irgendwas ist halt immer.

    In der Mitte des Komplexes das Goethe-Gymnasium. Laut Wikipedia ein traditionsreiches altsprachliches humanistisches Gymnasium, das Schüler*innen „von der Sexta bis zur Prima“ betreut. Und – ich weiß nicht ob ich das je in Berlin sah – Gebäude, Hof und Umfeld sahen Immaculate aus, wie der Neusprachler sagen würde.

    Ich lese das weitere Schulportrait auf Wikipedia und mein jungendliches ich ist neidisch: Da wäre ich gerne zur Schule gegangen.

    La double Blandine

    Ich sah einen Spielfilm, der etwa eine Minuten lang im Technikkeller eines Schwimmbads spielte. Und schon allein damit sollte klar sein, dass jetzt eine Lobpreisung folgt.

    Zum Glück verdienen die restlichen 77 Minuten des Films diese auch. Denn je länger ich Le Rendez-vous de l’été / Sommer in Paris1 sacken lasse, desto lieber mag ich den Film. Je mehr ich darüber nachdenke, desto mehr ergibt der Vergleich mit Jacque Tati’s Playtime Sinn.

    Das Rendez-vous mit dem Sommer ist keine klassische Komödie – der Film ist glaube ich gänzlich pointenfrei. Aber wie die immer leicht alienhafte Blandine mit ihrem großen bunten Rücksack und dem Umhängehandy (gespielt von Blandine Medec) durch Paris stolpert gibt sie allein durch ihre Anwesenheit der Stadt die Gelegenheit ihren ganzen Wahnsinn bloßzulegen.

    Die Handlung folgt Blandine, die aus Bayeux nach Paris reist, um einige Schwimmwettbewerbe während der Olympischen Spiele 2024 zu sehen. Daran scheitert sie. Sie trifft ihre seit Jahren entfremdete Halbschwester Julie, toughe Pariserin, die aber so sehr mit der Auseinandersetzung mit ihrem Ex beschäftigt ist, dass sie Blandine nur am Rande wahrnimmt.

    Ihren 30. Geburtstag „feiert“ Blandine indem die Jungendherberge sie vor die Tür setzt, weil sie die Altersgrenze überschritten hat. Blandine irrt immer wieder einsam durch die Stadt, durch die Olympiafeiern, vorbei an den Touri-Attraktionen, aber viel öfter durch die echten Wohnviertel, wo ihre Familie sind. Nur der Elektriker Benjamin, der auch Nachts am Olympia-Schwimmstadion arbeitet, zeigt Interesse an ihr, gibt ihr das Gefühl nicht allein durch die Gegend zu irren.

    Dabei ist insbesondere Blandine gespielt von Blandine beeindruckend. Diese schafft es gleichzeitig so verloren und verworfen in der Welt zu wirken wie alle in dieser sich fühlen und nur selten so aussehen. Sie strahlt eine herzliche Freundlichkeit weit jenseits der Grenze zur Naivität aus, und vermittelz doch auch gleichzeitig den Eindruck, als wäre mehr Lebensweisheit in ihr als im ganzen Paris um sie herum.

    Zum Abschluss spielt sie auf dem Bahnhofsklavier am Gare du Nord, steigt in den Zug nach Bayeux und sitzt in der Abschlusseinstellung am Omaha Beach mit Blick auf den Ärmelkanal.

    Mauersegler zu Staren

    Nach dem Kino der Garten. Eine Nachtfahrt auf die Latifundien. Am Morgen ein Anblick, der meine Formulierungsfähigkeiten übersteigt. So spektakulär war er noch nie. Anscheinend waren Frost und Regen dieses Jahr genau richtig.

    Ich möchte meine Arme ausbreiten und darin herumrollen, über mir Hummeln, Falter, Bienen, Solitärwespen, Fliegen und kleine Starenschwärme.

    Tatsächlich aber mähte ich die Wege nach. Wir trafen Spargelkönigin und Lebkuchenprinz beim Einkauf von Spargel und Nudossi. Wir fuhren nach Wochend-West zur Doppelgeburtstagsfeier mit Regen vor dem Fenster, Kuchen, Aristocats, Regen vor dem Fenster und Familienupdates.

    Dann zu den Latifundien. Ich öffnete die Autotür und sagte spontan „Was für ein Geruch!“

    Hach.

    Links

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    Ein Mann kommt von der Naturweide hinter mir mit einer großen Plane. Er zieht sie hinter sich her und transportiert Zeugs: Erde, Wurzeln und sicher auch tausend Jahre alte Artefakte.

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    Oh, Zeiten: „Die Schülerschaft wirkte dieses Jahr etwas irritiert und unsicher auf mich. Die häufigste Frage meiner Schützlinge war “Welches Spezialthema würden Sie mir empfehlen?” Und zwar fast durchgängig. Dass man sich mit 19 Jahren nicht selbständig zu einer Entscheidung durchringen kann, war mir völlig neu.“ und noch ein Abitursrückblick.

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    „Ois is Blues“ hat der Willy Michl mal gesungen, das seh ich auch so.

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    Christine im italienischen Hinterland und ich bin von den Anblicken begeistert.

    Anmerkungen

    ~ Wenn die deutsch-englische Hybridsprache Denglisch ist, ist die Überschrift dann Dranzösisch?

    ~ Haushaltszugang: Je ein Zahlenschloss in blau und grün für Schwimmbadspind und ähnliches. Der Code ist vierstellig.

    1. Yorck Unlimited No. 33 – 7,21€ pro Besuch. ↩︎
  • 26-02-26 Produziert von Ruby de Cadence & moderiert von Gisela Kloppke

    26-02-26 Produziert von Ruby de Cadence & moderiert von Gisela Kloppke

    Im geschützten Innenhof der Südkreuz Offices schieben sich die ersten rosa Blätter aus den Knospen hervor.

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    Auf dem Weg zum Südkreuz-Office-Innenhof herrschte Nebel. Ich erwartete halb, dass Vincent Munier mit einer Kamera hinter einer Mülltonne hervorspringt und atmosphärische Aufnahmen für seinen nächsten Film „Der Gesang der Büroparks“ anfertigt.

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    In der S-Bahn: Eine Gruppe Frauen in Ver.di-Streikkleidung drängte sich in den Gang. Ich dachte „Haltet durch. An Euch hängt die westliche Zivilisation!“ Denn zwischen uns und dem Abgrund stehen vor allem Menschen, die noch zu organisierter zivilgesellschaftlich-politischer Aktion in der Lage sind – vor allem die Gewerkschaften.

    Ich hätte es ihnen auch sagen können. Aber ich fürchte der Gedankengang ist zu komplex für die zwei Minuten zwischen Innsbrucker Platz und Schöneberg.

    Passend dazu las ich eine Besprechung zu Anton Jägers Buch Hyperpolitik (hier noch im Regal der zu lesenden Bücher):

    Derzeit besonders schlüssig erscheint mir dieser Unterschied in Abgrenzung zur Massenpolitik des zwanzigsten Jahrhunderts. Jäger dazu: Die Massenpolitik der Zeit Webers war nicht weniger aufgeheizt als unsere hyperpolitische Ära. Sie war aber viel stärker institutionalisiert. Politik wird so zur Hyperpolitik, weil wir ihr alleine gegenüberstehen und weil die Instrumente der Vergemeinschaftung, derer wir uns bedienen, bloße Behelfe ohne Wirkung sind: Aus den sozialen Medien kommen wir nach politischen Auseinandersetzungen genauso raus wie wir reingegangen sind. Sie mögen wie politische Auseinandersetzung wirken, verändern aber nichts.

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    When Gemüslichkeit gives you a Riesenknolle Sellerie, make Sellerie-Ananas-Garnelen-Salat

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    Yorck Kinos berichten von stark steigenden Besucherzahlen in den letzten Jahren. Als Grund geben sie sinngemäß an: Gerade Jüngere entdecken Kino als Gemeinschaftserlebnis. Sofort denke ich wieder an High School Musical im Odeon als ein ganzer voller Kinosaal quasi jeden einzelnen Song mitsang und teilweise mittanzte.

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    Wir stellten fest: Wenn wir die neue Wohnung verlassen und dann einfach nur die Straße runterlaufen, landen wir nach gar nicht so viel Wegstrecke am Ku’damm. Spannend.

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    Im Vorgarten des Weißen Hauses wird ein Käfigmatch stattfinden. Und das ist auch alles was man derzeit über die US-Regierung wissen muss.

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    Angewandte Politikwissenschaft: IT-Berechtigungskonzepte.

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    Es waren drei Tage der Arbeit mit Burlesque-Billy-Wilder-Intermezzo

    Italia Starter Pack

    Am Dienstag begann das San Remo Festival. Die RAI stellte alle Songs auf Youtube, und wie immer gibt es von den fünf Abenden(!) des Wettbewerbs wieder einen Livestream.

    Ich habe mich erst einmal quer durch die Songs gezappt, weiß aber schon jetzt, dass Sayf gewinnen wird. So ein unfassbar unschuldig-verschmitztes Herzensbrecher-Lächeln ist der Top-Ass-Super-Trumpf in jedem Televoting: Sayf canta Tu mi piaci tanto

    Eine Erinnerung wird wach. Damals als wir bei der Wikimania im Hinterland des Lago di Como waren und der Programmpunkt Country Dancing im englischen Programmheft stand. Wir dachten an eine schräge Übersetzung ins Englische und erwarteten auf italienische Volkstänze. Und was passierte: Ein ganzes Dorf marschierte in Röcken, engen Jeans, Cowboystiefeln und mit Cowboyhüten auf und legte eine sehr eindrucksvolle Square Dance Performance auf dem Dorfplatz ab. Jetzt auch in San Remo: J-Ax canta Italia starter pack

    Große Augen = Lastschriftverfahren

    Weiterhin sind die Hälfte der Rolltreppen am Hauptbahnhof gesperrt und 90% der Rolltreppen am Südkreuz. Dienstag standen einige Techniker in den Rolltreppen und betrachteten ihr Handy. Das einzig erkennbare Ergebnis: Von Tag zu Tag nimmt Größe und Auffälligkeit der Absperrungen zu. Und so schleppen sich weiterhin alle mit Kind, Kegel, Koffer und Fahrrad die 90 Stufen bis zum Bahnsteig hoch oder stellen sich in die Schlange der beiden Fahrstühle.

    In dem, was 15 Minuten von der Wohnungstür bis zu den Südkreuz Offices sein sollten, bot die Deutsche Bahn eine Signalstörung am Bundesplatz auf, eine weitere Signalstörung in Tempelhof und die immer noch vorherrschende Großrolltreppenschadenslage.

    Ernstlich angefasst wurde ich aber erst beim letzten Hindernis im Bahnhof: Der Wegelagerertruppe, die meine Unterschrift unter einen Dauerauftrag zur Rettung flauschiger Kinder und ausgebeuteter Welpen haben wollte. Bei allen vorherigen Hindernissen kann ich immer noch sagen, das ist Unglück, Überforderung, Opfer der Umstände – aber die Entscheidung, die eigenen Fahrgäste den Geld-aus-der-Tasche-Ziehern vorzuwerfen, ist eben das – eine bewusste Entscheidung. Und die nehme ich der Bahn übel.

    Riesenpfauenfederfächer

    Some like it hot and some even hotter. In seinem Bestreben Kino als Gemeinschaftsevent zu verstärken, betreiben die Yorck-Kinos eine Menge Aktionen. Manchmal greifen sie auch nur geschickt das auf, was ihnen zugespielt wird.

    Le Ciné Burlesque – eine Burlesque-Show gefolgt von einem Filmklassiker – stammt als Idee aus der Berliner Burlesque-Szene, wurde aber geschickt aufgegriffen. So sehr, dass der „Chef des Hauses“ vom Cinema Paris selbst mit Stöckelschuhen, Kleid und Netzstrumpfhose auf der Bühne stand und dort die „Assistenz der Show“ Karen gab.

    Schon das Publikum war eine Show. Ich würde sagen, 80% weiblich im Outfit zwischen Metal-Hoodie und Glitzer-as-can-be. Ich könnte es zusammenfassen als „Komische-Oper-nach-dem-zweiten-Cocktail“.

    Unter der Moderation der bärtigen Diva Gisela Kloppke traten vier Acts mit sechs Nummern auf. Jade Pearl Baker sang, Jackie Lu und Ruby de Cadence und Rosi Rabbit tanzten.

    Spannend wie vielfältig es sein kann. An einem Ende der Skala Jackie Lu, die im weiteren Tanzleben als Profitänzerin zwischen AIDA-Shows, MDR Fernsehballett und Hollywoodkino lebt, der man die Jahre an Drill, Athletik und Perfektion ansah. Am anderen Ende Rosi Rabbit, Urgestein der Burlesque-Szene, Trainerin, Produzentin und alles was dazu gehört, mit einem normalmenschlicheren Körper aber einer ähnlich grandiosen Technik. Was Rosi mit diesen beiden Fächern in Original Pfauenradgröße anstellte – der Wahnsinn.

    In der Pause gab im Cinema-Paris-Foyer im Institut français Tombolalose, Signature Cocktails und Pasties, die von Mimi Oh la la handgefertigt wurden.

    Nobody’s perfect

    Nach der Pause kam nichts geringeres als Some Like it Hot. Ein Film, der so sehr Klassiker ist, dass selbst das Klassiker-Label gesprengt wird. Es war sehr schön, ihn endlich einmal auf einer großen Leinwand zu sehen, viele Gesichtsbewegungen, Kostüme und Ausstattungsdetails das erste Mal überhaupt zu bemerken.

    (Mal ganz abgesehen davon, dass wir beide den Eindruck hatten, ganze Szenen erstmalig zu sehen, die nie in der ARD/ZDF-Version vorkamen).

    Laut American Film Institute die beste amerikanische Komödie aller Zeiten. Laut Gisela Kloppke der Film, der einem kleinen glitzernden Jungen gezeigt hat, dass Männer in Frauenkleidern brillieren können. Und ach, einfach von Anfang bis Ende ein Meisterwerk.

    Tanzen, Schwimmen, Kekse essen

    Mehr Tanz! Zum Beispiel in Finnland in der 11.(?) Klasse.

    Damals am Toten Meer, als das Freibad bei 38 Grad Außentemperatur geschlossen war, „Saison ist vorbei. Es ist Herbst.“ Frau Brüllen ging schwimmen.

    The Mochi files.

    Herr Rau bespricht vier Jahre mit seinem Fairphone. Ich fühle vage mein Gefühl bestätigt, dass nicht die Hardware der entscheidende Faktor ist, sondern die Dauer wie lange das Betriebssystem aktualisiert wird. Da scheint mir Android auf dem Fairphone auch nicht weiter zu sein als iOS auf dem iPhone.

  • 26-02-24 Wir müssen unter der Kiefer noch nach Kot suchen

    26-02-24 Wir müssen unter der Kiefer noch nach Kot suchen

    Das Datum für das Einweihungs-Open-House steht. Die Einladung steht auch schon fast. Gestern fertigte ein freundlicher Kassenmitarbeiter noch ein freundliches Strandkorbfoto von uns beiden an.

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    Madame kehrte aus Basel zurück. Sie hatte knapp 25 Kilo Kaffee und Raclettekäse im Gepäck-

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    Letztens war hier im Haus ein Wasserballspiel mit Publikum. Und statt uns Bescheid zu sagen, hat die Badbesatzung nachträglich besorgt gefragt, ob uns der Lärm gestört hat. NEIN! Wir haben nichts gehört. Sonst wären wir ja dazu gekommen.

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    Auch wurde ich beim Duschen getadelt, weil wir zu den falschen Zeiten schwimmen gehen.

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    Vielleicht schreibe ich mal wieder einen Wikipedia-Artikel. Zur Zeit schwanke ich thematisch zwischen Morris und WEP.

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    Der Currywurststand gegenüber vom Eck-Edeka hat sonntags „Ruhige Tag“. Wir sollten uns daran ein Beispiel nehmen.

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    Vielleicht schreibe ich auch keinen Wikipedia-Artikel und mache öfter Ruhige Tag.

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    Miss Fluffy schrieb den ersten Durchgang eines Buchs, ich bin angemessen beeindruckt und begeistert.

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    Es war ein Sonntag im Garten und ein Montag mit Arbeit und Kino.

    Markierung und Markierungs-Vermeidung

    Nebenbei vertiefe ich mich weiter in das Fernuni-Modul zur Digitalen Diversität. Je tiefer ich mich eingrabe, je mehr Julia Krönung eigene Forschung einfließen lässt, desto beeindruckter werde ich.

    Angesichts seiner Zielgruppe muss das Modul vermutlich wirklich beim Urschleim anfangen und sich in Tipselschritten nach vorne bewegen. Angesichts des Umfelds ist vermutlich auch die vielfach abgesicherte Defensive vieler Aussagen erklärbar. Aber wenn es dann tiefer in den Stoff geht, freue ich mich an neu zu lernendem und inhaltlicher Substanz.

    Vielleicht wird BIGSI, der Lehrstuhl für Betriebs­wirtschafts­lehre, insb. Gestaltung soziotechnischer Informationssysteme doch ein Lehrstuhl für Seminar und Masterarbeit. Aber erstmal die Klausur überstehen.

    Das Schmatzen des Gartenbodens

    Wir sind aufgetaut. Der Garten ist aufgetaut. Ein guter Zeitpunkt, um zu schauen, wie er den Frost überstand.

    Wir fuhren auf die Latifundien, sondierten Rohre und Innenräume (sieht alles gut aus) suchten im Garten nach offensichtlichem Erfrorenem (nichts) und Frühlingsanzeichen (wenig).

    Auf den Feldern nördlich und südlich der Latifundien bilden sich schon wieder Nordsee und Südsee. Diese sind im Vergleich zu vorherigen Jahren noch schmächtig.

    Noch ist es norddeutscher Winter mit Regen und Wind, noch ist es kein Frühling. Noch haben wir nach etwas Logistik, etwas Kontrolle und dreimaligem Durchatmen wieder unsere Sachen gepackt und sind zurück nach Wilmersdorf gefahren.

    Einzelne Zweige eines Apfelbaums im Spätzwinter. Einzelne Wassertropfen hängen am Baum, Knospen sind erkennbar, ebenso wie Flechten an den Zweigen. Im Hintergrund nasser grüner und brauner Boden, ein Beet, das vor allem aus schwarzen Stauden des Vorjahres besteht.

    Der Gesang der Wälder

    Ich entdeckte: Es existiert eine Bus-Direttissima mit dem 249er von unserer Wohnung zum Cinema Paris. Das heißt, ich könnte vom Südkreuz aus über den Ku’damm zum After-Work-Kino fahren und dann direkt nach Hause.

    Ich entdeckte: Neben dem Cinema Paris eröffnet ein bis 24 Uhr geöffnetere Rewe. Gut für Einkäufe nach dem After-Work-Kino.

    Es gab Le Chant des forêts / Das Flüstern der Wälder12. Der französische Dokumentarfilmer Vincent Munier filmt wie er, sein Vater Michel Munier und sein Sohn Simon Munier in den heimischen Vogesen die Natur beobachten. Naturaufnahmen überwiegen, Menschen kommen spärlich ins Bild und zu Wort. Es gibt wenig Dialoge, eher kurze Erzählungen von Michel Munier (Opa) gegenüber Simon (Enkel).

    Da Michels Herzensvogel das Auerhuhn in den Vogesen inzwischen nicht mehr auffindbar ist, absolvieren sie eine Reise nach Norwegen, um es dort zu finden. Aber, der Film geht konsequent von der Spur zum Geräusch zum Bild, finden sie seinen Kot – den Munier früher nutzte, um das Haus nach Kiefernharz riechen zu lassen.

    Beeindruckend: Die Naturaufnahmen. Das langsame Erzähltempo. Die Tatsache, dass Tiere vor allem als Geräusch vorkommen (der titelgebende Gesang der Wälder) und nur mit Glück gesehen werden können. Vincent Munier schafft es das Gefühl vom Übernachten an der Beobachtungsstelle zu vermitteln, vom improvisierten Lagerfeuer, vom Stapfen durch den Schnee.

    Weniger beeindruckend: Zwei Drittel der Aufnahmen bestehen aus Nebel oder Gegenlicht oder Nebel im Gegenlicht. Manchmal hatte ich das Gefühl eines Fünf-Gang-Menüs bei dem alle fünf Gänge aus Sahne und Zucker bestehen. Auch war der Gesang der Wälder großartig, der nicht-Gesang schwierig. Zu viele Szenen sind nicht nur Natur-Tonspur, sondern sie werden mit einem quatschigen New-Age-Geklimper unterlegt. Als würde Munier (oder sein Produzent) dem eigenen Material nicht trauen und dies noch unbedingt bis zum Anschlag aufpimpen wollen – welch Verschwendung.

    Ach, dieses Eis

    Frau Krautundrübe ging ins Burgtheater: Wien, Wien (1)

    Christiane war bei den Mimosen: Mimosen – outdoor

    Eis eins: Der kleine Laden war nur spärlich besetzt und ihre ‚Coupe Noisette‘ ist eine meiner Lieblinge. Zudem dachte ich, dass ich ein Zeichen setzen sollte, ein Wink mit dem Scheunentor an das Universum und gerade jetzt ein Eis verspeise

    Eis zwei: Daheim dann der skurrilste Moment des Tages: es hatte sich ein richtiger Schneesturm entwickelt, wir waren sehr froh, als wir im warmen Haus waren, da dingelte es draussen und… es hielt ein Eiswagen vor der Tür. Wir haben so ein bisschen perplex geguckt, da ist er bimmelnd weitergefahren und aus allen Häusern sind die Leute rausgeströmt (im Schneesturm) und haben halt Eis gekauft.

    Bubble Tea eins: As you may have read on the news, there is currently a blizzard hitting New York City, so I did the reasonable thing to do and hunkered down under a warm blanket went outside to try a new boba shop!

    Herr Buddenbohm sah den Meyerhoff-Film: Wir waren beide hochzufrieden. Und, noch wesentlich erstaunlicher, die Herzdame war nach dem Film nicht mehr übellaunig.

    Anmerkungen

    1. Yorck-Unlimited-Besuch No. 12 – 19,83€ pro Besuch ↩︎
    2. Sehr eigenwilliger deutscher Titel mal wieder – der Wald im Film trötet, rumpelt, röhrt. kreischt, zwitschert – er singt. Aber er flüstert nicht, nur die Menschen flüstern. ↩︎
  • 25-08-10 Neuntausend Wörter

    25-08-10 Neuntausend Wörter

    Die Dachbauarbeiter befestigen eine Regenrinnenhalterung an der Hauswand. Das ist prinzipiell gut, dann fließt der Regen vielleicht irgendwann nicht mehr direkt an unsere Fenster. Allerdings bedeutete es auch Männer mit Bohrmaschinen, die Samstag um acht mehr oder weniger direkt vor dem Schlafzimmerfenster standen und an der Außenmauer bohrten. Naja, ich wollte ja eh an der Bachelorarbeit weiter schreiben.

    In drei Tagen acht Jahreszeiten. Erst hat die LP mit Vivaldis Vier Jahreszeiten eine bedeutende Rolle im Film Vermiglio gespielt – zu dem später mehr – dann wurden Ausschnitte des Werks im Deutschlandfunkgottesdienst gespielt samt Klimawandelpredigt.

    Es waren zweieinhalbtage Bachelurlaub, unterbrochen durch einige kurze Exkusionen ins Kino und ins Schwimmbad.

    Nachdem es mit der Kabane lange schwierig war, kann ich diese mittlerweile nutzen und kam auf die Kabanenbesuche drei (Freitag – 25 Grad – bedeckt, Bad leer) und vier (Samstag – 30 Grad – Sonne, Bad knallevoll). Am Freitag die Premiere, dass ich gleich zwei Kolleginnen im Becken getroffen habe, eine davon sogar in ihrer Freizeit.

    Trümmelbachfälle

    Madame setzte ihren Interrailurlaub in der Schweiz fort.

    Sie ließ sich mehrfach koreanisch bekochen.

    Tagesüber besichtigte sie einen Indoor-Wasserfall. Die Trümmelbachfälle haben sich so tief in den Berg hinein geschnitten, dass sie inzwischen ihre eigene Höhle gebaut haben. Über zehn einzelne Fälle fällt das Wasser der Gletscher von Eiger, Mönch und Jungfrau insgesamt 140 Meter tief. Die oberen der Fälle erreicht kein Tageslicht mehr, so tief liegen sie im Berg.

    Wenn es realiter nur halb so spektakulär aussieht wie auf Madames Fotos und Filmchen bin ich schwer beeindruckt.

    Aber die brachte auch die Erkenntnis mit: Lauterbrunnen, quasi der Startpunkt „nach oben“ Richtung Eiger, Mönch und Jungfrau, ist in den Sommerferien ganz schön voll.

    Vermiglio

    Nachdem meine dritte Knacknuss geknackt war, dachte ich, ich mache mir etwas Schönes und gehe ins Kino. Es folgte eine Triangulation aus „beste Zeit“ und „schöner Film“ und „Kino, in dem ich noch nicht war“ und es wurde Vermiglio am Donnerstag Abend im Cinema Paris.

    Das Cinema Paris gehörte einst zum Institut français im Maison de France, ist mittlerweile unabhängig vom Institut und wird – wie das Odeon bei uns um die Ecke – von den Yorck-Kinos bespielt. Ich stellte fest: an diesem Ende des Ku’damms an dem das Kino liegt, war ich quasi noch nie. Es ist überraschend viel frankophonie noch vorhanden.

    Vermiglio, ein italienischer Film, dem mehrere Filmbeschreibungsseiten sogar einen Plot attestieren. Ich habe ihn zwar den Plot gefunden. Da er aber keineswegs handlungstreibend ist oder sonst von großer Relevanz für den Film, werde ich ihn einfach ignorieren.

    Am Ende schildert Vermiglio ein knappes Jahr (Winter 1944 bis Herbst 1945) einer zwölfköpfigen Lehrerfamilie in einem Bergdorf der italienischen Alpen. Die Berge sind großartig, die Räume sind eng und kalt. Es wird gehungert. Andauernd trifft man dieselben Menschen. Alle paar Wochen stirbt jemand. Gefühlt war es eine Mischung aus Heidi (die Alpen-Kulisse, die Kostüme) in dunkel, eng und deprimierend und Ein Hof und 11 Geschwister in gebildeter entlegener Armut.

    Mehr oder weniger die drei Hauptpersonen sind die Schwestern Lucia (vielleicht 18), Ada (15/16) und Flavia (12/13), die versuchen für sich einen Platz in der Welt zu finden – die vor allem aus diesem Dorf besteht; eine Welt, die durch den Zweiten Weltkrieg im Tal noch beengter ist. Schlüsselszenen sind die drei, die Abends unter Kerzenschein in ihrem Holzbett liegen und Geheimnisse austauschen.

    Wirklich großartig. Aber fröhlich ist echt was anders. 1

    Abend/nächtliche Frontansicht des Maison de France. "Maison de France" und "CInema Paris" auf der Fassade in klassischen Neonbuchstaben, unten im klassischen Kinowechselbuchstabenformat angekündigt "Vermiglio"

    Da isser wieder der Gilbert

    Die Bachelorarbeit hat inzwischen 9000 Worte. Damit ist die geforderte Mindestanzahl geschafft. Es sind noch nicht die richtigen 9000. Noch gibt es auch die ein oder andere inhaltliche Lücke – aber ich weiß, wie ich sie füllen will.

    Es nähert sich. Ich kann beim Überarbeiten jetzt auch mit gutem Gewissen Absätze streichen, und Füllmaterial ausbauen. Es wird.

    Zwischendurch eine lustige Wiederentdeckung. Ich habe ja während der Vorarbeiten diverse Videos zu Linearer Algebra mit Gilbert Strang, dem Matheprofessor, der immer so wirkt, als wäre er dein bester Freund, geschaut. Leider hat er keinen direkten Bezug zu meinem Thema.

    Einen direkten Bezug hat aber die Programmiersprache Julia, weil ich in der ein bißchen rechnen werde. Und als dieser Sprache hinterher recherchierte, stieß ich auf den Aufsatz, in dem sie quasi der akademischen Welt vorgestellt wird:

    Bezanson, J., Edelman, A., Karpinski, S. & Shah, V. B. (2017). Julia: A Fresh Approach to Numerical Computing. SIAM Review, 59(1), 65–98. https://doi.org/10.1137/141000671

    Diesen Aufsatz las ich nichtsahnend und dann dieser Absatz:

    Julia has symmetric tridiagonal matrices as a special type. For example, we may define Gil Strang’s favorite matrix (the second-order di fference matrix; see Figure 1) in a way that uses only O(n) memory.“ ..

    Figur eins ist ein Foto einer 11×11-Matrix aus beschrifteten Cupcakes, definiert im Beschreibungstext als strang(n) =

    Anderes Fundstück für mich: A comprehensive study of Mixed Integer Programming with JuMP on Julia (Part 1) AUf jeden Fall praktisch, aber ist das zitabel?

    Nicht zitabel, aber eine Hilfe bei den elenden Rechnungsmarathon, den Lineare Programme so mit sich bringen: Simple Pivot Tool

    Radeln

    Der Herr Flusskiesel ist Schuhfluencer. Als ich Bus einem Bär-Schuhgeschäft vorbeifuhr, wäre ich fast spontan aus dem Bus gesprungen, weil er schon so überzeugend von diesen Schuhen schwärmte.

    Lebensberatung von Frau Novemberregen: [E]s gibt nur eine einzige Strategie: die innere Haltung. Sich voll hineinwerfen und im Kopf keine andere Wirklichkeit zulassen.“ Kein „aber was, wenn“, keinen doppelten Boden mitdenken, all-in gehen. Ist das anstrengend? Ja, sehr! Kann das schiefgehen und man steht hinterher blöd da? Absolut! Das ist der Preis. Plus anschauliches Beispiel.

    Inzwischen haben viele Teilnehmer*innen des Transcontinental Race 11 dieses beendet und gut 4000 Kilometer quer durch Europa in 10 bis 14 Tagen auf dem Fahrrad zurückgelegt. Alle Fähr- und Brückenprobleme sind überwunden. Mir neu waren die Hundeprobleme mit großen frei laufenden und lebenden Hunden in Südosteuropa, denen mensch nachts auch nur so mittelgern auf dem Fahrrad begegnet.

    Dabei entdeckt: Letztes Jahr drehte das ZDF eine Dokumentation zum Rennen: Das verrückteste Radrennend er Welt. Insbesondere beeindruckt von Jana Kesenheimer, die einfach unfassbare Leistungen vollbringt und dabei halt auch noch ne nette, bodenständige Frau aus dem Schwarzwald ist.

    Noch weiter mit dem Rad fährt Rebis. Diese verließ Almaty.

    Karen fuhr diesmal gar nicht mit dem Zug: Turku-Sarajevo mit dem Zug: (11) Dubrovnik – Mostar

    Für mehr osteuropäische Gemüseküche. Magentratzerl bespricht das Buch Kapusta.

    Fundstück:

    Also, I am NOT the author of More Than a Mom: Living a Full And Balanced Life When Your Child Has Special Needs. I’ve asked Goodreads to remove it from my page several times but it keeps getting re-added. If you have questions about this title, please direct them to the other Heather Fawcett!

    Anmerkungen

    1. Es gibt einige Szenen immerhin, die unglaublich komisch sind. Und die ihren Reiz auch daher beziehen, dass die beteiligten Personen im Film jegliche Wahrnehmung der Komic fehlt. Beispiel: Ein Baby, das an Keuchhusten leidet (extrem unkomisch) und mit Kohlwickeln behandelt wird, die sich als eine Art Krone aus Kohlblättern auf des Babys Kopf entpuppen. Ein Anblick zum Schreien – aber natürlich würde niemand in der Situation im Film auch nur Lächeln. ↩︎