Treppenhaus den Institut français mit französischer Beschriftung, Wandbildern und dem Schild Cinema Paris - Balkon.

26-02-26 Produziert von Ruby de Cadence & moderiert von Gisela Kloppke

Im geschützten Innenhof der Südkreuz Offices schieben sich die ersten rosa Blätter aus den Knospen hervor.

**
Auf dem Weg zum Südkreuz-Office-Innenhof herrschte Nebel. Ich erwartete halb, dass Vincent Munier mit einer Kamera hinter einer Mülltonne hervorspringt und atmosphärische Aufnahmen für seinen nächsten Film „Der Gesang der Büroparks“ anfertigt.

**

In der S-Bahn: Eine Gruppe Frauen in Ver.di-Streikkleidung drängte sich in den Gang. Ich dachte „Haltet durch. An Euch hängt die westliche Zivilisation!“ Denn zwischen uns und dem Abgrund stehen vor allem Menschen, die noch zu organisierter zivilgesellschaftlich-politischer Aktion in der Lage sind – vor allem die Gewerkschaften.

Ich hätte es ihnen auch sagen können. Aber ich fürchte der Gedankengang ist zu komplex für die zwei Minuten zwischen Innsbrucker Platz und Schöneberg.

Passend dazu las ich eine Besprechung zu Anton Jägers Buch Hyperpolitik (hier noch im Regal der zu lesenden Bücher):

Derzeit besonders schlüssig erscheint mir dieser Unterschied in Abgrenzung zur Massenpolitik des zwanzigsten Jahrhunderts. Jäger dazu: Die Massenpolitik der Zeit Webers war nicht weniger aufgeheizt als unsere hyperpolitische Ära. Sie war aber viel stärker institutionalisiert. Politik wird so zur Hyperpolitik, weil wir ihr alleine gegenüberstehen und weil die Instrumente der Vergemeinschaftung, derer wir uns bedienen, bloße Behelfe ohne Wirkung sind: Aus den sozialen Medien kommen wir nach politischen Auseinandersetzungen genauso raus wie wir reingegangen sind. Sie mögen wie politische Auseinandersetzung wirken, verändern aber nichts.

**

When Gemüslichkeit gives you a Riesenknolle Sellerie, make Sellerie-Ananas-Garnelen-Salat

**

Yorck Kinos berichten von stark steigenden Besucherzahlen in den letzten Jahren. Als Grund geben sie sinngemäß an: Gerade Jüngere entdecken Kino als Gemeinschaftserlebnis. Sofort denke ich wieder an High School Musical im Odeon als ein ganzer voller Kinosaal quasi jeden einzelnen Song mitsang und teilweise mittanzte.

**

Wir stellten fest: Wenn wir die neue Wohnung verlassen und dann einfach nur die Straße runterlaufen, landen wir nach gar nicht so viel Wegstrecke am Ku’damm. Spannend.

**

Im Vorgarten des Weißen Hauses wird ein Käfigmatch stattfinden. Und das ist auch alles was man derzeit über die US-Regierung wissen muss.

**

Angewandte Politikwissenschaft: IT-Berechtigungskonzepte.

**

Es waren drei Tage der Arbeit mit Burlesque-Billy-Wilder-Intermezzo

Italia Starter Pack

Am Dienstag begann das San Remo Festival. Die RAI stellte alle Songs auf Youtube, und wie immer gibt es von den fünf Abenden(!) des Wettbewerbs wieder einen Livestream.

Ich habe mich erst einmal quer durch die Songs gezappt, weiß aber schon jetzt, dass Sayf gewinnen wird. So ein unfassbar unschuldig-verschmitztes Herzensbrecher-Lächeln ist der Top-Ass-Super-Trumpf in jedem Televoting: Sayf canta Tu mi piaci tanto

Eine Erinnerung wird wach. Damals als wir bei der Wikimania im Hinterland des Lago di Como waren und der Programmpunkt Country Dancing im englischen Programmheft stand. Wir dachten an eine schräge Übersetzung ins Englische und erwarteten auf italienische Volkstänze. Und was passierte: Ein ganzes Dorf marschierte in Röcken, engen Jeans, Cowboystiefeln und mit Cowboyhüten auf und legte eine sehr eindrucksvolle Square Dance Performance auf dem Dorfplatz ab. Jetzt auch in San Remo: J-Ax canta Italia starter pack

Große Augen = Lastschriftverfahren

Weiterhin sind die Hälfte der Rolltreppen am Hauptbahnhof gesperrt und 90% der Rolltreppen am Südkreuz. Dienstag standen einige Techniker in den Rolltreppen und betrachteten ihr Handy. Das einzig erkennbare Ergebnis: Von Tag zu Tag nimmt Größe und Auffälligkeit der Absperrungen zu. Und so schleppen sich weiterhin alle mit Kind, Kegel, Koffer und Fahrrad die 90 Stufen bis zum Bahnsteig hoch oder stellen sich in die Schlange der beiden Fahrstühle.

In dem, was 15 Minuten von der Wohnungstür bis zu den Südkreuz Offices sein sollten, bot die Deutsche Bahn eine Signalstörung am Bundesplatz auf, eine weitere Signalstörung in Tempelhof und die immer noch vorherrschende Großrolltreppenschadenslage.

Ernstlich angefasst wurde ich aber erst beim letzten Hindernis im Bahnhof: Der Wegelagerertruppe, die meine Unterschrift unter einen Dauerauftrag zur Rettung flauschiger Kinder und ausgebeuteter Welpen haben wollte. Bei allen vorherigen Hindernissen kann ich immer noch sagen, das ist Unglück, Überforderung, Opfer der Umstände – aber die Entscheidung, die eigenen Fahrgäste den Geld-aus-der-Tasche-Ziehern vorzuwerfen, ist eben das – eine bewusste Entscheidung. Und die nehme ich der Bahn übel.

Riesenpfauenfederfächer

Some like it hot and some even hotter. In seinem Bestreben Kino als Gemeinschaftsevent zu verstärken, betreiben die Yorck-Kinos eine Menge Aktionen. Manchmal greifen sie auch nur geschickt das auf, was ihnen zugespielt wird.

Le Ciné Burlesque – eine Burlesque-Show gefolgt von einem Filmklassiker – stammt als Idee aus der Berliner Burlesque-Szene, wurde aber geschickt aufgegriffen. So sehr, dass der „Chef des Hauses“ vom Cinema Paris selbst mit Stöckelschuhen, Kleid und Netzstrumpfhose auf der Bühne stand und dort die „Assistenz der Show“ Karen gab.

Schon das Publikum war eine Show. Ich würde sagen, 80% weiblich im Outfit zwischen Metal-Hoodie und Glitzer-as-can-be. Ich könnte es zusammenfassen als „Komische-Oper-nach-dem-zweiten-Cocktail“.

Unter der Moderation der bärtigen Diva Gisela Kloppke traten vier Acts mit sechs Nummern auf. Jade Pearl Baker sang, Jackie Lu und Ruby de Cadence und Rosi Rabbit tanzten.

Spannend wie vielfältig es sein kann. An einem Ende der Skala Jackie Lu, die im weiteren Tanzleben als Profitänzerin zwischen AIDA-Shows, MDR Fernsehballett und Hollywoodkino lebt, der man die Jahre an Drill, Athletik und Perfektion ansah. Am anderen Ende Rosi Rabbit, Urgestein der Burlesque-Szene, Trainerin, Produzentin und alles was dazu gehört, mit einem normalmenschlicheren Körper aber einer ähnlich grandiosen Technik. Was Rosi mit diesen beiden Fächern in Original Pfauenradgröße anstellte – der Wahnsinn.

In der Pause gab im Cinema-Paris-Foyer im Institut français Tombolalose, Signature Cocktails und Pasties, die von Mimi Oh la la handgefertigt wurden.

Nobody’s perfect

Nach der Pause kam nichts geringeres als Some Like it Hot. Ein Film, der so sehr Klassiker ist, dass selbst das Klassiker-Label gesprengt wird. Es war sehr schön, ihn endlich einmal auf einer großen Leinwand zu sehen, viele Gesichtsbewegungen, Kostüme und Ausstattungsdetails das erste Mal überhaupt zu bemerken.

(Mal ganz abgesehen davon, dass wir beide den Eindruck hatten, ganze Szenen erstmalig zu sehen, die nie in der ARD/ZDF-Version vorkamen).

Laut American Film Institute die beste amerikanische Komödie aller Zeiten. Laut Gisela Kloppke der Film, der einem kleinen glitzernden Jungen gezeigt hat, dass Männer in Frauenkleidern brillieren können. Und ach, einfach von Anfang bis Ende ein Meisterwerk.

Tanzen, Schwimmen, Kekse essen

Mehr Tanz! Zum Beispiel in Finnland in der 11.(?) Klasse.

Damals am Toten Meer, als das Freibad bei 38 Grad Außentemperatur geschlossen war, „Saison ist vorbei. Es ist Herbst.“ Frau Brüllen ging schwimmen.

The Mochi files.

Herr Rau bespricht vier Jahre mit seinem Fairphone. Ich fühle vage mein Gefühl bestätigt, dass nicht die Hardware der entscheidende Faktor ist, sondern die Dauer wie lange das Betriebssystem aktualisiert wird. Da scheint mir Android auf dem Fairphone auch nicht weiter zu sein als iOS auf dem iPhone.

2 Gedanken zu „26-02-26 Produziert von Ruby de Cadence & moderiert von Gisela Kloppke“

  1. Ja, in der 11. Klasse. (In Finnland macht man nach 12 Jahren Abitur.)

    Wobei die Finnen gar nicht „11. Klasse“ sagen, sondern „2. Klasse Gymnasium“, weil man ja erst nach der 9. Klasse entweder ans Gymnasium oder die Berufsschule wechselt.

    (Mein Fairphone 1 hat damals übrigens an den Modulen gelitten. So gut die Idee ist, so wackelig waren die einzelnen Module miteinander verbunden. Eine Weile lang hat es noch eine Lage Klebeband unterm Mikrofonmodul getan, dann bin ich ein paar Monate mit Headset zusätzlich zum Handy rumgerannt, um überhaupt noch telefonieren zu können, aber weil das leider überhaupt nicht praktikabel war, musste dann leider nach nur vier Jahren ein anderes Handy her. Schade. Ich wäre gern beim Fairphone geblieben.)

    1. Aber spannend mit den Fairphone-Erfahrungen. Ich war damals ja auch kurz davor mir eines zu kaufen und war nur nicht in der Lage, ein Gebrauchtgerät zu finden. Vielleichgt nächstes Mal wenn die Module bis dahin besser sind..

Kommentare sind geschlossen.