Der Träger des FIFA-Friedenspreis für herausragende Leistungen für Frieden und Völkerverständigung startet einen Großkrieg in Nahost und das kann man sich alles gar nicht ausdenken.
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Die S-Bahn sagte mir durch „Wegen Bauarbeiten auf den Linien S… .. … finden umfangreiche Bauarbeiten statt.“
Keine erkennbaren Bauarbeiten finden weiterhin auf dem rolltreppenlosen Bahnhof Südkreuz statt.
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Mir wurde eine neue Telefontechnik entdeckt: 30 cm vom Mund entfernt halten und dann reinbrüllen. Immerhin weiß ich jetzt alles über das letzte Bewerbungsgespräch der Telefonierenden.
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Tischtelefone gibt es immer noch und wieder im Café Keese. Dieses passierten wir als dort ein Film gedreht wurde. An der Straße stand die übliche Karawane der 30 Crew- Bühnen- Catering- und Materialwagen. Der Eingang ausgeleuchtet mit Schweinwerfern und in Lametta getaucht. Direkt danaben eine Kiste „15 x Bommel, 2 x Haushalt.“
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Kaum diskutierten wir hier über Auerhühner in den Vogesen und im Schwarzwald, da setzte die Regionalzeitung „Die Rückkehr der Auerhühner in die Lausitz“ auf die Titelseite.
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Kaum diskutierten wir, ob Shisha-Bars noch in sind, lasen wir dass der Berliner Bürgermeister Kai Wegner und der Berliner SPD-Fraktionschef Raed Saleh regelmäßig zur Shisha im Charlottenburger Restaurant Palace treffen.
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Madame bestellte eine 2002 gestaltete Mid-Century Deckenlampe für unsere Mid-Century-Baudenkmal-Wohnung. Die Post lieferte Kabelmanagementbedarf in die Packstation.
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Es war ein Arbeitsfreitag und ein Gartensamstag mit Oper und Angrillen.
Datteln
Vor die Oper setzen wir den Dönerteller. Rüya am Ernst-Reuter-Platz1 befindet sich nicht nur in Laufweite des Schillertheaters, sondern bietet auch ganz vortreffliche Dönerteller. Wenn die Oper um 19 Uhr beginnt, stellen wir uns um 17.35h in die Bestellschlange, bestellen um 17:42h und wundern uns, dass uns kurz darauf eine Schale Datteln frei Tisch serviert wird.
Kurzes Stutzen. Dann gleiten uns nacheinander die Gedanken „Ramadan“, „Fastenbrechen“, und „wann ist das heute?“ ins Hirn. Ein Blick in das Mobilgerät: Iftar war um 17:40h. Wir haben perfektes Timing. Und perfekter Dönerteller wie immer. Aufgewertet dadurch, dass der plötzliche Pseudofrühling, der gerade über uns hereinbricht, uns an die Außentische verleitete. Alles schmeckt besser, wenn es im Freien gegessen wird.
Скука = Skuka = Langeweile
Es begann mit einem Hinweis:

Bitte beachten Sie: Die Inszenierung enthält Darstellungen körperlicher und sexualisierter Gewalt/Vergewaltigung.
Eine anregende Vorstellung wünscht Ihnen Ihr Besucherservice der Komischen Oper Berlin
Zwei Tage vor jedem Besuch bekommen wir eine Mail der Komischen Oper. Normalerweise enthält die ein paar nette Worte zum Stück, einen Hinweis auf die Einführung eine halbe Stunde vor Beginn und den Hinweis. auf nicht vorhandenen Parkplätze. Dieses mal also mit Triggerwarnung.
Und ehrlich gesagt war das jetzt weder das Bewegendste noch das Herausfordernste der Oper. Ich verstand, warum Barrie Kosky diese Oper seit vielen Jahren inszenieren will – aber auch, warum er so viele Jahre zögerte es zu tun. That was intense. Wir wurden zweieinhalb Stunden am Kragen gepackt, durch die Gegend geschleudert, durchgewalkt, hochgehoben und in groteskte Tänze gezwungen. Sowohl musikalisch wie auch in der Inszenierung.
Bei der Tragödie ist das Ende durch die Ausgangskonstellation schon festgelegt
Deshalb beginne ich mit dem einfachsten Teil: dem Plot. Die Oper beginnt mit einem Arioso der Katerina Ismailowa (gesungen/gespielt von Ambur Braid), die auf dem russischen Dorf als Ehefrau eines an ihr uninteressierten Kaufmanns im Goldenen Käfig vor Langeweile („Skuka“ / Скука) vergeht. Einzige Gesellschaft ist ihr herrschsüchtiger/sadistischer Schwiegervater mit seiner Vorliebe für „Pilzchen“ (грибки /gribkí) zum Essen.
Es kommt wie es kommen muss. Katerina beginnt eine Affäre mit dem Arbeiter Sergej ihres Mannes. Um nicht enttarnt zu werden, vergiftet sie die schwiegerväterlichen gribki mit Rattengift. Ihr Mann kommt ihr trotzdem auf die Spur, zeigt zum ersten Mal Aufmerksamkeit für sie indem er sie verprügelt, was auch sein Ende besiegelt.
Katerina heiratet Sergej, die Hochzeit wird von der Polizei gesprengt, Katerina und Sergej finden sich wieder auf dem Marsch ins Lager nach Sibirien. Dort will Sergej von Katerina nichts mehr wissen. Katerina ermordet erst seine neue Geliebte und dann sich selber.
Frei nach Tschechow: Wenn du ein Paar Strümpfe im vierten Akt einführst, dann musst du sie auch benutzen
Es begann, indem Katerina Ismailowa auf dem Bauch lag und sang. Und so wenig ich praktisch vom Singen verstehe, desto sicher bin ich mir, dass bäuchlings eine sehr ungeeignete Position dafür ist.
Die Besetzungsliste der Oper kennt 19 Rollen. Aber eigentlich ist es ein Ein-Personen-Stück der Katerina Ismailowa. Was Ambur Braid in den 150 Minuten über die Bühne, auf dem Bühnenende, auf und unter dem Bett lief, sprang, rollte, gezerrt wurde, geschubst wurde, schubste, kletterte – durchgehend barfuss oder in High Heels – wäre schon eine krasse Meisterleistung wenn sie niemals den Mund aufgemacht hätte.
Aber sie hat auch noch fast durchgehend gesungen, keine einfache Partie führwahr.
Der Trailer gibt einen ziemlich guten Eindruck der Inszenierung.
Die Unbarmherzigkeit der Tänze
Wenn Du auf dem Rang sitzt und siehst die acht Zusatzblechbläser in den Orchestergraben einmarschen, dann weisst du: Gleich ist was los.
Die Lady Macbeth von Mzensk war Dmity Schostakowitschs zweite (und letzte) Oper. Sie feierte nach ihrer Uraufführung 1934 rasende Erfolge, bis Stalin 1936 einer Aufführung beiwohnte. Stalin hasste sie und verbannte Schostakowitsch für den Rest seines Lebens zu einer Existenz als gefeierter Staatskünstler, der immer den Koffer bereit hatte, weil die Zwangsabreise ins Gulag drohte.
Dazu führte auch dazu, dass der immer noch wilde ausgelassene Schostakowitsch nach 1936 nur noch die vorsichtige gezähmte Version desjenigen Schostakowitsch war, der noch Lady Macbeth von Mzensk geschrieben hatte. Musik zwischen Verzweiflung, „Pornophonie“, Lärm, grotesken Tänzen, entstellter Zirkusmusik und dem Trauermarsch nach Sibirien. Schostakowitsch arbeitet sich durch ein musikalisches Repertoire in hohem Tempo, stellt es um, entstellt es und setzt es wieder zusammen.
Das ist zum Zuhören eine einzige Achterbahnfahrt. Ich will gar nicht wissen wie es zu spielen oder zu singen ist.

Der Begriff „Krokanten“ ist das „zum Bleistift“ unserer Generation
Nur der Feuerdorn hat Frostschäden
Eigentlich hätten wir nach dieser Oper einen Tag Erholung benötigt. Aber unsere Arbeitgeberinnen wollten uns Freitag noch sehen, so dass wir entsprechend durchgewalkt ins Wochenende wandelten.
Aber dann: Latifundien, Sonne, Garten! Nach Silvester die zweite Übernachtung des Jahres und der erste Aufenthalt ohne Heizung, fast überwiegend draußen.
Madame legte Schneeglöckchen frei. In den 24 Stunden unsere Aufenthalts zwängten sich allüberall Narzissen durch die nasse Erde. Kraniche tröteten, eine Gänseschwarm graste den Acker jenseits des Zauns ab. Über der Haustür kreiste ein Rotmilan. Noch ist alles braun und gelb und schwarz. Aber es ist auf dem Sprung.
Kammspieß und Rinderhack
Herzigster Moment der Tage: das fröhliche Lächeln, fast Lachen der Fleischfachverkäuferin, die uns seit Monaten das erste Mal sah. Deren Fleischerei ist seit Herbst baustellenabgeschnitten von ihren Kund*innen. In den Monaten, die wir nicht mehr in den märkischen Hapmtons waren, hat sich Rinderstolz&Wildelust einen Verkaufswagen zulegt und vagabundiert.
Aber wir fanden sie!
Und sie freute sich! So schön.
Fast genauso schön: Angrillen mit Rote Beete, Blumenkohl, Spießen vom Schweinekamm und Burger-Patties aus Rinderhack.
Vamos a la Theater
I recently spent a few months in one of these abandoned timelines: the one where the microwave oven replaced the stove. First, I had to get myself a copy of the world’s saddest book. Microwave Cooking, for One (via onli blogging)
Vom Puschel Herdwick-Wolle zum Band. Und einer der besten Italopop-Songs aller Zeiten. Und Mimosen. In einem Post! 2026 #8 / #9 – Herdwick-Wolle verarbeitet und zum Band verwebt
Die Kaltmamsell war im Theater und „das Stück Istanbul“ möchte ich auf jeden Fall sehen, wenn es in der Nähe gespielt wird.
Heiko versucht ein Jugendkonto für seine Tochter zu eröffnen und scheitert an der KI: ING – Das Gesamtbild und das System entscheidet
Noch nie im Leben hörte ich von Sendai. Gut, dass Claudia hinfuhr und berichtet: Ein Tag in Sendai.
Künstliche Bauchpinselung
Letztens spielte ich ein bißchen mit dem Haselant und einem knappen Dutzend bekannter und regelmäßig schreibender Blogs: „Wenn es verfilt würde, wer würde die Hauptperson darstellen“.. „welche*r Autor*in ähnelt es im Stil“, welcher Myer-Briggs-Typ ist es. Halt lauter Unfug, dessen Ergebnisse mal mehr oder weniger sinnvoll waren.
Eine der Antworten, die mich am ehesten überzeugte war spannenderweise „Wenn dieses Blog ein Tanz wäre, dann wäre es.“ Bei „.. wäre ein Foxtrott“ oder „.. wäre ein Wiener Walzer“ dachte ich sofort „stimmt.“
Natürlich habe ich auch Iberty gefragt. Iberty ist Lindy Hop: „Cut, Break, Improvisation, Call-and-response. Popkultur und Straße, Energie und plötzliche Ruhe. Viele kleine „Moves“ hintereinander, und doch hält ein Groove alles zusammen.“ Zusammengefasst auf einen Song: Caravan Palace – Lone Digger. Ich fühle mich ausreichend gebauchpinselt.
Anmerkungen
- Für die zahlreichen Menschen, die sich wie wir fragen, warum es einen Rüyam in Schöneberg gibt und einen Rüya in Charlottenburg, mit offensichtlich sehr ähnlicher Gestaltung, Konzept und Döner, hat Felix B. aus Riegel am Kaiserstuhl auf Tripadvisor einen Hinweis: „das „Rüya“ in Schöneberg nennt sich nach dem Verkauf nun Rüyam und die jetzigen Inhaber versuchen mit Kräften diesen beschriebenen Spirit am Leben zu halten.. Etwas fehlt. Und was genau, das weiß man spätestens, wenn man das neu eröffnete Rüya (in der ursprünglichen Schöneberger Besetzung) entdeckt & besucht hat.“ Als Menschen, die das Schöneberger Rüya im Verschlag kannten und liebten, haben wir keine Möglichkeit die Story zu überprüfen. Aber sie klingt plausibel: das Charlottenburger Rüya ist in Spirit und Essen näher am alten Schöneberger Rüya als das heutige Schöneberger Rüyam. ↩︎