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  • 23-03-11 Klausurlaub

    23-03-11 Klausurlaub

    Madame machte einen Paketboten glücklich. Beziehungsweise machte sie ihn weniger unglücklich, indem sie zwanzig Kilo Edelstahl/Gusseisen im Laden kaufte anstatt diese online zu bestellen.

    Freitag um 15:40h brach mein Klausurlaub aus. Eigentlich habe ich Urlaub: Ich werde diesen aber vor allem nutzen, um für Klausuren zu lernen und diese auch zu schreiben. Was einerseits schön ist: ich bin ein Mensch, der sich freut, wenn er fünf Tage am Stück intensiv Mathe machen darf.

    Aber es ist auch bedauerlich, denn ich fühle mich urlaubsreif. Ich könnte es auch gut brauchen, ganze Tage damit zu verbringen, zu lesen, ins Schwimmbad zu gehen, ziellos mit dem Rad durch Berlin zu kullern und „echte“ Blogposts oder andere „echte“ Texte zu schreiben.

    „Echte“ Texte bei mir sind Texte für die zutrifft:

    • Ein Text hat genau ein Thema.
    • Im Vorfeld des Schreibens habe ich recherchiert und mir eine innere Struktur überlegt.
    • Nach dem Niederschreiben lese ich den Text mehrfach korrektur.

    Es geht um Texte, wie sie in Poolhopping stehen oder in low-n-slow oder in Fahrrad-Datenautobahn oder auch im verschollenen Schwimmbadbuch. Derzeit fehlen mir dazu gedankliche Ruhe und Struktur. Nach Arbeit und Klausurlernen komme ich nur zu dem Verfahren, das ich gerade machen: Gedanken, Meinungen und Beobachtungen unstrukturiert in den Raum werfen.

    Lesen, Schwimmen, Texte schreiben, werde ich trotz Urlaub bis zur letzten Klausur nur eingeschränkt können. Denn zwischen mir und dieser Freizeitgestaltungen stehen ungefähr 1600 Seiten Mathe, Statistik, Steuerlehre und Doppik. Diese Woche ist Mathe und Statistik das Thema.

    Derzeit lese ich die diesbezüglichen 800 Seiten noch einmal durch. In der Hoffnung, dass ich bei jedem Fachbegriff und jeder Art der Fragestellung zumindest weiß, ich welche Richtung es geht. Danach geht es an die Vertiefung.

    Nach Durchsicht alter Statistik-Klausuren habe ich festgestellt, dass die Klausurfragen einfacher erscheinen als die Fragen der Übungsaufgaben. Es kommt eine Variante des 80/20-Prinzips zur Anwendung. 80% der Fragen (und möglichen Punkte) beziehen sich auf 20% des Stoffs. Also werde ich mich vorerst darauf konzentrieren, die Statistik-Grundlagen auch alkoholisiert und verschlafen nachts um 3 Uhr korrekt wiedergeben zu können. Wenn das geschafft ist, kann ich mich dem Funky-Statistik-Stuff widmen. Bei der eigentlichen Mathematik (Analysis, Vektoren und Matritzen) denke ich „passt schon“. Die spielt im aktuellen Lernen die zweite Geige.

    Bild: Einfluss des Stichprobenumfang auf die Gütefunktion eines einseitigen Hypothesentests von: Qniemiec Lizenz: Creative Commons Attribution-Share Alike 3.0 Unported(*)

    Zur Hirnschonung funktioniert Fernsehen besser als Lesen und Schreiben. Das ist gut, denn der März ist der Monat des Jahres in der Kitchen Impossible und Let’s Dance gleichzeitig laufen. Als Gelegenheits-Mediathek-Streamer kommen wir kaum hinterher.

    Wir entdeckten spannende Zusatzangebote: Den Podcast Tanz oder gar nicht der Ex-Let’s-Dance-Profitänzer:innen Oana Nechiti und Erich Klann – die ganz spannende Einblicke in Hintergründe geben; oder auch darin, wie ein Profitänzer und -trainer die einzelnen Tänze sieht. Es wirkt nicht so als wären sie verbittert. Aber offenbar ist die Trennung von Paar und Sendung endgültig. Was der Inhaltstiefe des Podcasts entgegenkommt.

    Die KitchenImpossible-Kitchen-Rezepte von Food & Co kannten wir schon. Aber Frau Food & Co war in der aktuellen Staffel als Jury in der Sendung selbst. Und auch der Post erlaubt einen anderen Blick hinter die Kulissen.

    Wo ich bei Linktipps bin: Joan Collins‘ Tagebucheintrag als sie John Major Stylingtipps gab. Diaries of Note: What advice can you give to Mr. Major?

    Herr Rau als Jean Pütz der Heim-KI bloggt über Teil 4 seiner KI-Experimente: KI: Reinforcement Learning 4 (Autofahren) während Frau Herzbruch lang, ausführlich und hochgradig unterhaltsam mit sich hadert, um am Ende dann doch noch etwas KI-Theorie von sich zu geben.

    Im Internet stolperte ich über die ersten ESC-Wettquoten. Hoher Favorit ist Schweden. An sich ist das nicht überraschend beim ESC-Dauergewinner und heimlicher Heimat der Welt-Chart-Popsongs. Überraschend ist, dass Schweden seinen Beitrag erst heute Abend wählen wird. Und die Wetter demnach sagen „Irgendwas aus Schweden, egal was, wird beliebter sein als alle anderen Beiträge, die schon feststehen.“ Dann folgt die Ukraine, die mich leider musikalisch gar nicht abholt. Und dann Finnland mit Cha cha. Der Beitrag ist .. wie sage ich.. unbeige.

    (*) Ich würde nicht darauf wetten, dass das Bild genug originäre Schöpfungshöhe hat, um unter den Urheberrechtsschutz fallen. Aber das ist ein anderes Thema aus dem bereits beendeten Studium von mir.

  • 23-03-05 B(#WMDEDGT) = {B: B(+) ∩ DotM(5)}

    23-03-05 B(#WMDEDGT) = {B: B(+) ∩ DotM(5)}

    Gegen sieben wachte ich auf, war versucht mich an den Schreibtisch oder ins Schwimmbad zu stürzen. Dann dachte ich: Die nächsten 10 tage werden noch anstrengend genug. Erst einmal schlafen. Der Schlaf reichte bis etwa 8.30h.

    Mein Abendgedanke von gestern klärte sich schnell. Ich hatte mich noch gefragt „Ist der deutsche ESC-Beitrag wirklich eingängig genug für den ESC?“ Heute morgen wachte ich mit einem Blood-and-Glitter-Ohrwurm auf. Offensichtlich ist der Song eingängig genug.

    Da Madame weiterhin abwesend ist, muss ich mir Kaffee und Frühstück alleine machen (immerhin mit ihrem Sauerteigbrot), verdödelte bis etwa 10 Uhr zwischen Bett, Küchentisch, Internet, gedruckter FAS und Radio. Ich spielte etwas mit der Artifakt-App herum: Eine neue App, die sich als „TikTok für Text“ anpreist und vor allem persönlich ausgesuchte Presseartikel in einem „For You“-Stream zeigen soll.

    Prinzipiell finde ich das Konzept total furchtbar. Ich bin aber neugieriges Spielkind und beeindruckt, dass die App in zwei Tagen bereits ihre Empfehlungen von Buzzfeed-Empfehlungen auf The Hill, die South China Morning Post und Al Jazeera umgestellt hat.

    Ich las Texte über Cyberkriminalität via Anlagebetrug und die Geschichte, mal zum Lachen, mal zum Weinen über die FNUs der Welt (also eigentlich zum Weinen, aber so geschrieben, dass ich mehrfach Lachen musste).

    FNU steht für „First Name Unknown“. Der Name wird vor allem Leuten verliehen, die ein US-Visa beantragen. Fnu landet anstelle des Vornamens im Visa wenn die US-Behörden den (meist) asiatischen Pass fehlinterpretieren. Und wenn in deinem Visa Fnu steht, heißt du auch in der Social Security Fnu, im Führerschein, in der Personalakte deines Arbeitgebers und in deinem Uber-Fahrer-Profil.

    Auch wenn der Artikel vor allem von den USA handelt, Deutsche Behörden können das auch:

    I once faced a similar experience when applying for a work permit at the Kreisverswaltungsreferat in Munich. My atypical passport threw a wrench in the neat system of German naming conventions. Instead of looking up from their computer and confirming my name—an act that would have taken a total of four seconds—the officer handed over a work permit with a name that ended with a cold, mechanical “+” symbol. George Joseph +. A new and improved version of my previous self. One that was capable of pronouncing words like Kreisverswaltungsreferat to unsuspecting Bavarians.

    Gegen 11:00h hatte ich die Morgenmüdigkeit überwunden, lief zum Stadtbad Schöneberg, denn ich war mit der Chefin verabredet. (Bzw. ich hatte mein Kommen angekündigt und sie sagte, sie ist eh am Beckenrand).

    Blick auf das Stadtbad Schöneberg. Im Vordergrund Krokusse in violett.

    Es ist lustig: Wenn ich privat ins Bad gehe und dort Menschen treffe, mit denen ich dienstlich zu tun habe: Ich fühle mich immer noch ein wenig so, wie damals als aufstrebender Musikjournalist, der plötzlich bei „richtigen“ Bands in den Backstagebereich darf.

    Ich hörte im Eingangsbereich: Ein Vater argumentierte mit seinem Kind, darüber ob sie jetzt schwimmen gegen sollten. Während der Vater Präzedenzfälle der letzten drei Jahre anführte, auf wechselnde Prämissen und logische Inkonsequenzen hinwies, kam das Kind zum Kern der Sachen „Nein! Will nicht!“

    Sonntagsangemessen plantschte ich mehr als dass ich schwamm. Trotzdem verspüre ich gegen 18:30h einen leichten Muskelkater im Rücken. Vielleicht bin ich doch ein paar mehr Bahnen geschwommen als zwischendurch gedacht. Ich verließ gegen 12:15h das Bad und telefonierte mit Madame.

    Wieder zu Hause gab es ein weiteres Käsebrot gegen den Nach-Schwimm-Hunger, dann machte ich mich auf an den Schreibtisch. In 10 Tagen findet die Mathe-Statistik-Klausur statt, in 16 Tagen diejenige zum Externen Rechnungswesen. Während das Summenzeichen Σ seine irritierende Rolle als unnötiger Störfaktor überwunden hat, suchte ich länger zu verstehen, wieso plötzlich eine Ableitung in der Regressionsanalyse auftaucht.

    Schreibtischaufsicht mit aufgeschlagenem Heft (Einträge mit Bleistift) und Mathe-Kurs-Unterlagen. Danaben eine Tasse Tee.

    Ich wandelte, immer begleitet vom Klausurenwundermittel Radio Tutta Italiania, zwischen Schaukelschaf, Wohnzimmertisch und Schreibtisch umher. Mich begleitete Lakritz-Minz-Tee. Bis ich gegen 17:20h beschloss, dass mein Hirn Matsch ist.

    Zur Ablenkung begann ich mit Kochen (Weißkohl, Kartoffeln, scharfe Tomatensauce – drei Sachen, die ich eher selten bekomme, wenn Madame anwesend ist). Mein Plan, frische Luft zu bekommen, indem ich die Wäsche abhänge scheiterte daran, dass diese nicht trocken war.

    Nach einem Blick auf’s Hygrometer (Luftfeuchtigkeit knapp über 40% im Wohnzimmer) holte ich die Wäsche ins Wohnzimmer. Ich verweilte noch einige Minuten auf dem Balkon, betrachtete Touristen und ihre Rollkoffer auf der Straße.

    Analoges Thermo/Hygrometer vor Tapete. 18 Grad, etwas über 40% Luftfeuchtigkeit.

    Gegen 18:00h begann ich damit den Blogpost für WMDEDGT, also „Was machst Du eigentlich den ganzen Tag“, die Blogaktion bei Frau Brüllen zum 5. des Monats zu schreiben. Zu anderen den anderen Posts bitte hier entlang.

    Nach dem Abendessen ging es nochmal zwei Stunden an den Schreibtisch (Satz von Bayes). Jetzt bin ich endgültig durch. Ich werde die Küche noch aufräumen und den Rest des Abends mit dem Streamen der Let’s-Dance-Folge von Freitag verbringen.

  • 23-03-04 Rammstein on estrogen

    23-03-04 Rammstein on estrogen

    Madame brach gen langes Wochenende auf. Das brachte mich in eine ungeahnte Situation: Die übliche Samstagroutine fiel aus, aber ein ungeahntes Reich der Freiheit eröffnete sich. Ich hätte wieder schlafen gehen können – der gestrige Freitag war ja überraschend anstrengend geworden. Oder gleich in den Mathebüchern verschwinden. Ich konnte einfach so auf das Rad steigen, denken „ich komme irgendwann wieder“ und dann verschwinden. Oder den ganzen Tag eine explosions-und-blutreiche Serien per Beamer im Wohnzimmer sehen.

    Die vielen Möglichkeiten überforderten mich. Immer wenn ich dabei war, etwas anzufangen, viel mir auf, wie viele andere Möglichkeiten ich mir damit verschließen – und so lief ich wie ein sehr müdes und langsames aufgeschrecktes Huhn durch die Wohnung. Bis ich mich dann irgendwann auf „Privatmails aufräumen, Papierstapel auf dem Schreibtisch wegkriegen“ geeinigt hatte – das musste auf jeden Fall mal sein.

    Bei der Gelegenheit konnte ich die neue gebührenfreie Kreditkarte in Betrieb nehmen. Test erfolgreich: Sie erfüllt den einen Zweck für den sie angeschafft wurde und lässt mich gebührenfrei von den Geldautomaten der Umgebung Bargeld abgeben. Wichtiger: Im neu eingerichteten Onlinebanking wechselte ich vom „bösen“ Revolving Credit (ich zahle pro Monat nur einen kleinen Teil der Ausgaben zurück, der Rest bleibt als Schulden auf dem Kreditkartenkonto und wird teuer verzinst) zum „guten“ Charge-Verfahren (ich zahle am Ende des Monats Alles; kein Kredit, keine Zinsen).

    Das ganze Verfahren lässt mich traurig zurück: der aus Banksicht einzige Sinn der Karte scheint darin zu bestehen, Leute zum Schuldenmachen zu bringen, die sie vorerst nicht zurückzahlen zu können und daraus mit Phantasiezinsen Geld zu verdienen. Aber um so weniger Hemmungen habe ich, mir aus der Karte eine kostenlose Dienstleistung zu basteln.

    Screenshot der Onlinebanking-Website. Tilgungsrate: 100%

    Irgendwann schwang ich mich doch noch auf’s Rad. Aber weil ich weiterhin etwas unkoordiniert war, fuhr ich einfach mal wieder den alten Arbeitsweg ab – dort habe ich noch jede kleine Erhebung, jede Kurve und jede Bodenwelle in den Beinen und landete noch im alten Supermarkt.

    Vor mir an der Kasse: Ein Einkauf von zwei Packungen Salat, drei Flaschen Wein. In meinem Kopf formte sich der Gedanke „Desolat leben, aber gesund – ein passendes Motto der gesellschaftlichen Entwicklung.“ Da nahm die Dame auch noch zwei Packungen Zigaretten und das Motto zerstob in meinem Kopf.

    Inspiriert von der Kaltmamsell schaute ich bei VG Wort vorbei (wie zu erwarten war, nix Gutes in 2022 für mich), schrieb eine verspätete Geburtstagskarte und sortierte alte Schwimmbadkarten in die Schwimmbadkartensammelportmonnaietasche.

    Überraschend gut gefiel mir der deutsche ESC-Beitrag. „Rammstein on estrogen“ wie ein Youtube-Kommentator schrieb. Und da deutsche Welterfolge die Scorpions, Rammstein und Scooter sind, hat die Band vielleicht sogar Chancen.

    Auf Tröt las ich die Geschichte des russischen 1439. Regiments. Ein Staat, der so mit ihren eigenen Leuten umgeht, ist weit davon entfernt friedensbereit oder auch nur -fähig zu sein.

    Sonst ist heute dann doch vor allem ein Italopop-Fernuni-Statistik-Tag.

    Urlaubstip: Es gibt Rabatt auf die Interrail-Tickets.