Schlagwort: Finnland

  • 26-06-27 Menschen, die im Schatten stehen

    26-06-27 Menschen, die im Schatten stehen

    Rein prophylaktisch schauten wir, bis zu welchen Temperaturen eigentlich Ticketlesegeräte und Datenschränke in den Freibädern ausgelegt sind.

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    Madame studierte die Guide-Michelin-Websites für Warschau.

    *

    Rosa Rosarium Uetersen leuchtet.

    *

    Jungerwachsene in Deutschland-Trikots am Bahnhof Zoo unterhielten sich über das Autofahren unter Alkoholeinfluss. Eine von ihnen stellte die meines Erachtens verwegene These auf: „Da fährt man mit Tunnelblick. Da ist man viel konzentrierter als ohne Alkohol.“

    *

    Es waren.. heiß!

    Hitze

    Unser Bungalow-Thermometer reicht nur bis 40 Grad. Offenbar wurde es in besseren Zeiten gestaltet. Denn es war seit Tagen heiß. Am Mittwoch lief es mit Mitte 30 Grad an, steigerte sich über die nächsten Tage bis zum derzeitigen Höhepunkt von 39 Grad in den Märkischen Hamptons.

    Wir bewegen uns vom Schatten zu klimatisierten Bereichen und wieder zurück. Wir entdecken, dass die Wohnung (Baujahr 1961) sehr viel hitzebeständiger ist als das Büro (Baujahr 2022) und das obwohl das Büro eine Wärmepumpen-Klimaregulierung hat. Aber bei einer raumhohen kompletten Glasfront Richtung Süden, Richtung sechsspurige Straße und Autobahn, hilft die auch nicht mehr.

    Am Bahnhof Südkreuz stellten sich die Tesla-Mitarbeiter*innen, die auf den Shuttle-Bus warteten, in den Schatten der wenigen Bäumchen. Denn der Bahnhofsvorplatz ist gut dafür gemacht, Menschen vom Bahnhof hin irgendwo nach Berlin zu bringen. Er verbindet das aber mit der architektonischen Hilfsaussage „Hau bloß ab.“ Der Drang zur schattenfreien Betonfläche ist groß, Sitzplätze sind spärlich, und Sitzplätze im Schatten, offensichtlich nicht vorgesehen.

    Sommerbuch

    Es begann mit einer vereisten Ostsee, und ich spürte wie ein ganzer kleiner Kinosaal neidisches Verlangen entfand. Wir waren in das klimatisierte Delphi Lux gekommen am Zoo gekommen, um den Film Sommerbuch1nach Tove Janssons – of Mumins Fame – Buch Sommerbuch zu sehen.

    Im Sommerbuch geht es um eine Dreigruppe – Kind, Vater, Oma (Glenn Close) – die einen Sommer in einem Mökki auf einem Inselchen in der finnischen Ostsee verbringen. Die dazu gehörige Mutter ist vor kurzem gestorben. Der Vater flüchtet sich in Arbeit, die Oma versucht sich um die Tochter zu kümmern, kämpft aber auch mit ihrem Alter, die Tochter versucht irgendwo einen Weg zu finden.

    Es wird manchmal gesprochen, manchmal gerudert, oft durch die Natur gelaufen. Nachbar Eriksson auf seinem Motorboot wird oft erwartet, kommt aber nie vorbei. Die Tochter fragt, Papa hat was zu tun und Oma kann sich manchmal zu ihrem eigenen Unwillen nicht erinnern.

    Die Einstellungen sind ruhig, die Musik von Hania Rani auch meistens, die Ostsee und das Inselchen ist dauerpräsent. Es ist eine Szenerie, die zeitlos wirkt und doch offenbar in den 1960ern/1970ern spielt. Es ist auf seine Art sehr friedlich, und doch nah genug am Leben, um nicht idyllisch zu werden. Es ist ein Film, ein Tempo, eine Ruhe, der seelisch entspannt, wo körperliche Entspannung nicht hinkommt.

    Vielleicht lag es aber auch nur am klimatisierten Kino. Denn heiß.

    Ich hatte ausnahmsweise die S-Bahn zum Kino genommen, denn die Ringbahn ist ordentlich klimatisiert. Das war diese Woche ein unschlagbarer Vorteil.

    Der Schmetterling des Jahres 2023

    Es ist Dunkelgartenzeit. Am hellichten Tag lautet der derzeitige Latifundienplan, möglichst regungslos unter dem Apfelbaum zu verharren, oder gleich ganz in klimatisierte Räume zu flüchten. Die Hauptzeit für den Garten-Garten sind dementsprechend der Morgen und sehr frühe Vormittag sowie die Dämmerung und danach.

    Ich begann mich zu fragen, ob Schmetterlunge eine Hitzegrenze haben? Bisher ging ich davon aus, dass diese nach dem Motto leben, je mehr Sonne, desto gut. Inzwischen scheinen auch diese, in die frühen Vormittags- und späten Abendstunden auszuweichen.

    Samstag verteilten sie sich: Am Lavendel oben im Garten die Kohlweißlinge, in der MItte über der Wiese die Schachbrettfalter, unten Richtung Feld und Beeren kleine braunorange Falter. Ein besonderer Fund war das Grüne Ampferwidderchen, Schmetterling des Jahres 2023.

    Ich liebe seinen Glanz. (aber nur vorsichtig, sonst wird es zu aktiv und Aktivität ist nicht gut bei diesem Wetter)

    Grünes Ampferwidderchen an Knautie.

    Couscous und Ribs

    Besondere Zeiten2 verlangen besondere Maßnahmen.

    Wir gingen ins Kino3. Ins klimatisierte Kino. Madame hatte die Idee und plante, aber es entstand am Samstag ein amerikanischer Tag: Wir fuhren eine Stunde mit 100 km/h4 im klimatsierten SUV über die Autobahn, fuhren ins Parkhaus, gingen ins klimatisierte Kino, wo es Cola und Fanta-Slushi gab.

    Im Kino saßen wir auf Ledersesseln, die sich elektrisch in Liegesessel verwandelten. Danach gingen wir einmal kurz über den Platz in Tony Roma’s Rip Place (natürlich klimatisiert), aßen Ribs mit Eistee und fuhren danach wieder eine Stunde mit 100 km/h nach Hause.

    Währenddessen war die Außentemperatur immerhin um zehn Grad von 40 auf 30 Grad gefallen.

    Auch wenn bei mir Kino gehen, immer bedeutet Kino gehen, nicht Film sehen, Ort, Publikum, Reise sind immer wichtig, war das Verhältnis noch nie so deutlich zu ungunsten des Films wie an diesem Samstag: Hauptsache klimatisierte Liegesessel.

    Um so schöner, dass der Film trotzdem schön war: Couscous und Geheimnisse ist eine französische Culture Clash Komödie über einen Koch, Sohn einer alleinerziehenden Mutter, die aus Algerien nach Frankreich einwanderte, der versucht die Ansprüche die Familie und Welt durch konsequente Vermeidung und Durchschummeln zu bewältigen.

    Das muss schief gehen, allerlei Konflikte entstehen, eskalieren, werden gelöst und am Ende haben sich alle lieb. Das war liebevoll gemacht und ist ein wirklich schöner Film für einen netten Nachmittag oder Abend.

    Besonders freute es mich, dass es kein Kunstfilm war, kein Problemfilm, sondern eine Mainstream-Komödie, die trotzdem aus der Perspektive der französisch-algerischen Familie erzählte. Nicht: Es gibt „normale Franzosen“, die die Fremden integrieren müssen und am Ende sind alle toleranter, sondern die Migration ist die Normalität und die Einwandererperspektive ist diejenige die vor allem erzählt.

    Außerhalb eines echten Kunst- oder Aktivismusfilm-Milieus fallen mir da nur wenige deutsche Vergleiche ein.

    Wie es leuchtet

    Meistens wenn wir auf die Latifundien fahren, dann bestehen die letzten Kilometer aus einer sechsspurigen Autobahn, auf der links und rechts Lärmschutzwände stehen. Selbst mich als Liebhaber unwirtlicher Orte, vermag dies nicht auf die Dauer zu fesseln.

    Am Samstagabend allerdings fuhren wir direkt auf den geöffneten Höllenschlund zu. Zumindest schien dies der Himmel zu versprechen. Eine Art „Sonnenuntergang“ in intensivem Schwefelgelb, darin wilde Wolkenformationen, links davon ein tiefes Schwarz, indem immer wieder lange Blitzkaskasden parallel zum Horizont entlangliefen.

    „The greatest Show on Earth“, wie einst ein berühmter Zirkusdirektor sagte. Nur dass es beim Gewitter an sich vermutlich eher zutraf. Und so bewunderte ich mit offenem Mund den Anblick, machte mir gleichzeitig Sorgen, dass die Schnauze des Subarus genau auf die Mitte dieses Höllenschlundes gerichtet war, wir ihm jede Sekunde knapp 30 Meter näher kamen.

    Ich war nicht böse, als wir noch vor dem Unterwetter im Bungalow ankamen, und diese Greatest Show mit Rotwein von der Terrasse aus sehen konnten. Der Sturm, der Regen und die Bodenblitze zogen schlußendlich knapp südlich an uns vorbei. Aber ein ganzer Himmel, der gleichzeitig für eine halbe Sekunden von einem kompletten Netz aus Blitzen überzogen war. Ich weiß nicht, ob ich so etwas je sah.

    Link

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    Im Nachgang zum Film Backrooms bemerkte ich, dass zwar Wikipedien in 28 Sprachen Artikel zum Konzept liminal space haben, nicht aber die deutsche Wikipedia. Ich begann bereits zu überlegen, wie sich diese Lücke füllen lässt, da las ich bei Herrn Rau über seine diesjährigen Abiturient*innen „außerdem habe ich sehr das Gefühl, dass viele davon, oder jedenfalls einige, und damit vielleicht mehr als sonst, Dinge aus meinem Unterricht mitgenommen haben. Und sei es nur „liminale Orte“, die sich manche vorgenommen hatten, irgendwie in das Deutschabitur einzubauen.“ Jetzt müssen wir sie nur noch überzeugen, das gleich in der Online-Enzyklopädie einzubauen.

    Anmerkungen

    1. Yorck Unlimited No. 36 – d.h. 6,61€ pro Kinobesuch ↩︎
    2. Wobei „besondere Zeiten“ natürlich schwierig ist, in dem Zusammenhang. Denn Klimawandel yadda, yadda.. Gerichtet auf die Vergangenheit und gerichtet auf das was ich als „normal“ gelernt habe, ist das Wetter crazy. Gerichtet auf die Zukunft hätten wir mehr als nur unverschämtes Glück, wenn the normal etwa 40 Grad bleibt. ↩︎
    3. Nicht in eines der Yorck-Gruppe. Deshalb voll gezahlt. ↩︎
    4. Okay, ich fahre immer 100 km/h. Alles darüber hinaus wird unentspannt und kostet zuviel Treibstoff. ↩︎
  • 26-05-13 Almost a Hongkongromcon

    26-05-13 Almost a Hongkongromcon

    Erdbeerkauf im Donnerhall.

    Seit letzter Woche hat die Gemüslichkeit ihre Lieferungen wieder aufgenommen. Sie sind wie die Natur draußen: Grün. Viel Salat, selbst der Fenchel besteht zu größeren Teilen aus Fenchelgrün. Wir testen noch ob Bak Choi und Tatsoi wirklich zwei verschiedenen Pflanzen sind, wie von den Gemüslichern behauptet.

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    Bei drei Grad Außentemperatur ein einsamer Turnschuh (grau, Erwachsenengröße) im S-Bahn-Gleisbett.

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    Die Morgende verbringe ich niesend. Es fühlt sich nach meinem Pseudo-Heuschnupfen an. Aber da dessen Saison von Juni bis Oktober läuft, kann er es gar nicht sein. Bis Anfang Juni werde ich ihn ignorieren – was nicht so einfach ist, während ich andauernd niese.

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    Die idyllisch aussehende Kleinfamilie in der Ringbahn, bei der beide Erwachsene hingebungsvoll mit dem herzzreissend niedlichen Kleinkind spielten, unterhielt sich intensiv im italienisch bzw. französisch gefärbten Englisch über Unterhaltszahlungen von ihm an sie.

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    Es war ein finnisch beeinflusster Feiertag vervort von zwei schwäbisch-honkongisch beeinflussten Arbeitstagen.

    Rheingau

    Am Innsi, an der alten Wohnung versuchten ein Blaulicht-martinhornführender Krankenwagen in Ost-West-Richtung und ein Blaulicht-martinhornführender Feuerwehrwagen in Nord-Süd-Richtung einander auszuweichen. Die alte Wohngegend bot zweifellos mehr Unterhaltungswert als die neue, war aber auch anstrengender.

    In der Wiesbadener Straße, in der Nähe der neuen Wohnung, blüht ein Straßenbaumkastanienblütenmeer, um so imposanter angesichts der Größe alter Kastanienbäume.

    Noch ist es gewöhnungsbedürtig, wie schnell wir von der neuen Wohnung in wirklich grünen Wohngegenden Berlins wie dem Rheingauviertel sind. Ein Blick auf das Luftbild macht es eigentlich deutlich: Der Grunewald ragt von Südwesten her bis zur Ringbahn als grünes Stück quer durch die bürgerlichen Wohngegenden, die selbst auf dem Satellit viel grüner, weniger rot und grau aussehen, als Rest-Berlin. Am letzten Ausläufer dieser Grünüberlappung wohnen wir und betrachten Parkplatzfüchse.

    Nolle

    Nach Monaten der Sanierung der Zwischendecke fährt die U3 wieder ihre komplette Strecke. Endlich wieder direttissima nach Kreuzberg-Ost zum Görli, Kotti und Prinzi. Endlich kann ich in Schöneberg wieder in einen beliebigen Bus steigen, der mich zu einer Verbindung mit meiner Heimat-U-Bahn bringen wird.

    Und das beste: Die BVG sanierte im angekündigten Zeitrahmen. Natürlich nutzte ich die erstbeste Gelegenheit, die neu-alte-Strecke wieder zu erfahren, nahm den 106er bis zur Nolle und stieg in die Katakomben hinab.

    Die Strecke funktioniert wieder. Die Station ist nach der Zwischendeckensanierung wieder funktionsfähig. Allerdings hatte ich mir auch optisch als Ergebnis einer Deckensanierung in dieser Station mehr 19.-Jahrhundert-Historismus und weniger imporivisierter Versorgungstunnel vorgestellt..

    Schwaben

    Es galt ein Geburtstagsgeschenk zu überreichen. Um der Ehrwürdigkeit des Geschenks gerecht zu werden, sollte dies nicht am Bürorand geschehen. Die Karpfengruppe nahm dies als Anlass, wieder auszugehen. Wir suchten einen Italienier, der nicht nur Pizza und Pasta verkauft. Wir landeten beim Schwaben. bei Blanquette, Rumpsteak und Maultaschen.

    Es ging genug um Arbeit, um irgendwann zu entdecken, dass eine komplett andere Abteilung ein ähnliches Problem hat wie wir – vielleicht sogar gelöst – eventuell sollten wir sie sogar fragen – und genug um Privates um Kletterfelsen, Worshipkonzerte und AfD-nahe Verwandte und -Bekannte zu besprechen.

    DJ OneNote schuldete mir noch ein Bier. Und wie man es als guter Freund macht, suchte ich mir das teuerste Bier heraus, das die Karte zu bieten hatte: Der Biermeter.

    Von hinten links im Uhrzeigersinn: Zwickel, alkoholfrei, Ur-Paulaner (oder so), Paulaner Pils, Fürstenberg Pils, Hefeweizen

    Finnland

    Die Exkursionsgruppe Kultur traf sich im Felleshus der Nordischen Botschafen: Wir wollten das Geheimnis des finnischen Glücks erkunden. Ernsthaft glücklich heißt die Ausstellung, die von der Botschaft von Finnland in Zusammenarbeit mit Visit Finland und dem Happiness Experience Museum in Helsinki veranstaltet wurde.

    Angekündigt wurde die Ausstellung als Beitrag zur Frage, warum Finnland seit Jahren zuverlässig jedes Jahr den World Happiness Index anführt.

    Es war netter Vormittag. Die Ausstellung zeigte, was an Finnland sympathisch ist: Schüler*innen-orientierte Schule, klares Design mit Holz, Wald, weiten Abstand zu anderen Menschen, Pinienduft und Zimtschnecken.

    Tiefere Fragen blieben aus: „Wie schafft es ein Land, das glücklichste zu sein und gleichzeitig Europa in Suizidraten und Drogentoten anzuführen?“, zum Beispiel ist eine ziemlich offensichtliche Frage, die weder gestellt noch gar beantwortet wurde. Dafür waren die Veranstalter vermutlich falsch.

    Außerdem wissen wir ja, dass der finnische Weg zum Glück der Verzicht auf Salz und Gewürze ist. Eat as bland as you can, oder so.

    Wir aber hatten einen sehr netten Feiertagsvormittag inmitten von viel Holz, ausgesprochen schickem Design, Traummöbeln und Kardamonschnecken.

    Lautsprecher als/mit Baum. Laut Prospekt auch zum Umarmen.

    Neukölln

    In Schöneberg schloss das European Headquarter von Böregcegi oder so ähnlich. Das ist kulinarisch bedauerlich, weil es dort vortreffliche Teigwaren gab. Aber die Gegend wird es angesichts der 14 türkischen Schnellimbisse, Bäckereien und Frühstücksläden, die sich in 80 Metern Umgebung befinden, verkraften.

    Im Kindl Boulevard schloss das Afghanische Festmodengeschäft. Das ist eine kleine Katastrophe. Enthielt dieser eine Laden doch ausreichend Farbenfreude, Überschwang, Exaltiertheit und Üppigkeit, um für ein komplettes sonst leerstehendes Einkaufszentrum zu reichen.

    Jetzt muss das Jobcenter ganz am Ende der Passage als Ort der Vitalität herhalten. Der Weg führte mich wieder zur athmosphärischten halfdead Mall Berlins, denn an ihrem Ende liegt das stilistisch unyorckigste der Yorck Kinos. Im manchmal-OV-Kino Rollbergkinos lief die Asien-Reihe in the mood1. Filme, die mir vorher komplett fremd waren, aus denen ich bisher aber immer mit großem Gewinn herausging. Am Dienstag: Comrades, almost a love story.2

    True sign

    Hongkong

    Erwartet hatte ich eine Hongkongromcon; eine RomCom (Romantic Comedy), die in Hongkong spielt. Ich bekam sie, aber in einer tieferen, emotionaleren, schöneren Form. In der Boy-meets-Girl-Geschichte verbirgt sich

    • ein Film über Migration
    • über den Versuch, verschiedene Lebensentwürfe kompatibel zu machen
    • die Schwierigkeit, Träume zu leben ohne dabei andere Menschen zu verletzen
    • die Sängerin Teresa Teng
    • den Wunsch nach Zukunft bei Verhaftung an der Vergangenheit
    • die wilden Jahre Hongkongs in den 1980ern als die Briten verschwanden, die Festlandschinesen der Volksrepublik aber noch nicht da waren

    Figuren

    In einem McDonalds treffen sich Li Xiao-Jun und Li Qiao3 – er als verpeilter Festlandschinese bei seinem ersten McDonalds-Besuch, der Probleme hat „Hamburger“ und „Coke“ auszusprechen, sie als weltläufige leicht arrogante Bedienung aus Hongkong, die ihm das alles genervt erklärt, um ihn am Ende noch an eine Scam-Sprachschule zu vermitteln, von der sie Provision bekommt.

    Der Zuschauer*in fällt an dieser Stelle vielleicht auf, dass sie in all‘ ihrer Weltläufigkeit bei McDonalds arbeitet und in der Sprachschule putzt – dass vielleicht nicht alles so glänzend ist, wie sie sagt. Dem planlosen Li Xiao-Jun bleibt es vorerst verborgen.

    Einsamkeit treibt sie zueinander. Aber auch die Chance, die sie sieht, Li Xiao-Jun als naiven Helfer für ihre zahlreichen Geschäftsideen einzuspannen. Denn Li Qiao ist genauso frisch aus der Volksrepublik in Hongkong angekommen wie Lai – sie aber möchte groß hinauskommen, um eine Hongkong-Woman von Welt werden, während er nur genug Geld als Koch verdienen möchte, um seine Freundin nachzuholen.

    Der Ort, die Welt

    Der Film entstand 1996, ein Jahr bevor Hongkong an die Volksrepublik übergeben wurde und absehbar viel von seiner Eigenständigkeit verlieren würde, spielt größtenteils 1986/1987 als diese Hongkongness in voller Blüte stand, die Stadt zahllose Chinesen anzog, die hier ihr Glück versuchten.

    Beide zeigen Zerrissenheit zwischen ihrer Herkunft und der Weltmetropole. Li Xiao-Jun hin- und hergerissen zwischen seiner Freundin/Verlobten Xiao Ting und Li Qiao, Li Qiao selbst hin- und hergerissen zwischen dem einfach-direkten Li Xiao-Jun und all den Gelegenheiten, die Hongkong bietet. Sie treffen sich emotional bei ihrer gemeinsamen Liebe für die chinesische Sängerin Teresa Tang – von der kein*e Hongkonger*in je zugeben würde sie zu mögen aus Angst für eine*n Festlandschines*in gehalten zu werden.

    Gerade Maggie Cheung als Li Qiao spielt atemberaubend: Mit der Energie, Selbstbeherrschung und Toughness, die jemand ausstrahlen muss, der es „schaffen“ will, nur leicht zurückgenommen, in den Momenten in denen sie sich öffnet, einsam, melancholisch oder voller Liebeskummer.

    Habe ich geweint? Vielleicht ein bißchen.

    Links

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    Hach, ein Bücherregal mit Daniil Charms und Isaak Babel: Bücherliebe – 4 –

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    Komplimente für’s Leben zu behalten: “Sie sind aber auch toll abgerollt!” (weiter hinten auch noch mit Prinzenbad-Feature-Link-Empfehlung)

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    Frau Herzbruch auf Curaçao – Teil 1, und Teil 2 und Teil 3.

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    Kein Wunder, dass es draußen kalt ist: Die Filmfestspiele in Cannes beginnen. Wie schon letztes Jahr, die Blogosphären-Canneskorrespondentin Christiane gibt alles: Dies und das Anfang Mai.

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    Die S-Bahn fährt durch die Dunkelheit. Die Straßenlaternen leuchten noch vergeblich gegen die Finsternis an. Sie wirken wie Teiche aus gelben Licht, um die sich die durstigen Schatten sammeln. Doch bald wird wohl die Sonne aufgehen und die Nacht vertreiben. Die Nacht weiß das, weswegen sie sich noch trotzig an die Welt klammert.

    Anmerkungen

    1. Falls jemand hier zufällig Kontakt zur Kinokette hat – ich würde gerne platzieren, dass sie dringend eine Bollywood-Reihe starten müssen. ↩︎
    2. Yorck-Unlimited-Besuch No. 24 – 9,92€ pro Besuch. ↩︎
    3. Ich stelle gerade fest, dass die englischen Untertitel des Films eine vollkommen andere Umschrift der chinesischen Namen haben als der englische Wikipedia-Artikel. Das macht mich fertig. Beispiel: Li Qiau (Film) ist laut Wikipeida Lee Kiu. ↩︎
  • Zehn Tage um die Ostsee – die Rahmendaten

    Zur Referenz

    Die Blogposts

    Tage

    Sonntag, 21. Juli

    • Anreise: ICE806 B->HH RE 6 HH-> Travemünde
    • Essen: Travemünder-Woche-Buden: Fish & Chips & Porcetta
    • Aktiv: Travemünder Woche, Travemünde-Bummel, Ostseebaden, Einschiffen

    Montag 22. Juli

    • Übernachtung: Finnlady
    • Essen: Finnlady
    • Aktiv: Finnlady

    Dienstag 23. Juli

    • Übernachtung: Finnlady
    • Essen: Finnlady / Proviant / Supermarkteinkauf in Helsinki
    • Aktiv: Ausschiffen, quer durch Helsinki laufen – Freibad im Hafenbecken, Dom, Temppeliaukio-Kirche, Sibelius-Park, Strand

    Mitwoch 24. Juli

    • Übernachtung: Töölö Towers
    • Essen: Proviant / Supermarkteinkauf in Helsinki
    • Aktiv: Tramfahren durch Helsinki
    • Reise: Mit der Megastar nach Tallinn

    Donnerstag 25. Juli

    Freitag 26. Juli

    • Reise: elron 10/330 „Baltic Express“ Tallinn -> Valga und mit Vivi Valga -> Riga
    • Aktiv: Markthallen, Stadt- und Parkbummel durch Valga, Abendspaziergang in Riga
    • Essen Proviant, am Bahnhofskiosk Tallinn gekauft, Lido in Riga (Pilaw, Beefsteak)

    Samstag 27. Juli

    • Übernachtung: Rixwell Old Palace, Riga
    • Essen: Hotel / Restaurant Province (Zeppeline, Kartoffelpuffer)
    • Aktiv: Mit der Tram und zu Fuß durch Riga. Lesen in Parks.

    Sonntag 28. Juli

    • Reise: LTG Link 891 Riga -> Vilnius
    • Essen: Hotel / Lido im Bahnhof Riga (Shashlik, Huhn) / Supermarktproviant
    • Aktiv: Mehr Parks in Riga

    Montag 29. Juli

    Dienstag 30. Juli

    • Reise: LTG Link 23 Vilnius -> Mockava; PKP Intercity 143 Mockava -> Warschau
    • Aktiv: Noch mal Vilnius im trockenen sehen, Markthalle von Innen
    • Essen: Hotel / Proviant / Browary Warszawskie (Roggenbrot + Hering, Fischpierogi, Burger, Gebratener Blumenkohl, Sernik, Pawlowa)

    Mittwoch 31. Juli

    • Übernachtung; Polonia Palace
    • Reise: EC44 Warschau-> Frankfurt/Oder, RE1 Frankfurt/Oder -> Erkner; S-Bahn Berlin
    • Essen: Hotel / Speisewagen (Kotelet schabowy)

    Siehe auch

    Neun Tage in Polen – die Rahmendaten

     

  • 24-07-25 Zebrastreifenpudergruppe (Helsinki-Tallinn)

    24-07-25 Zebrastreifenpudergruppe (Helsinki-Tallinn)

    Angekommen im Hotel in Tallinn.

    Inzwischen genutzt: zwei Fernzüge (Berlin->HH, HH->Travemünde), zwei Fernfähren (Travemünde->Helsinki, Helsinki->Tallinn), zwei Hoppserfähren (in Travemünde), eine S-Bahn (Berlin), eine U-Bahn (Helsinki), acht Trams (Helsinki), zwei Linienbusse (Travemünde, Helsinki), zwei Shuttlebusse (Travemünde, Helsinki) und einiges zu Fuß gelaufen.

    Wal, da bläst er!

    Nachzutragen bleibt der Schweinswal. Da fuhren wir insgesamt 32 Stunden kreuz und quer über die Ostsee. Und wo sahen wir einen Schweinswal: Travemünde-Hafen. Immer wieder an der selben Stelle: kurz auftauchend, Rücken und Flosse zeigend und wieder abtauchend. Weniger Minuten später dasselbe Spiel.

    Rentierdöner

    Ich muss zugeben, meine Vorstellung von Helsinki war bisher nicht-existent. Insofern war alles neu, aufregend und überraschend.

    Angefangen bei den Felsen. Helsinki ist in Schären hinein gebaut. Schon bei der Einfahrt in den Hafen hielt die Fähre immer wieder auf Felsen im Meer zu, nur um dann 10 Meter an ihnen vorbei zu gleiten. Ich staunte, dass dies geht, ohne das komplette Schiff unten aufzureißen. Aber wir kamen unbeschadet an.

    In der Stadt selber dann immer wieder Felsen im Stadtbild. Oder wir kamen unvermittelt am Meer an. Eine Stadt in der immer wieder Felsen oder Meer sind – daran kann ich mich gewöhnen.

    Wir begannen dort, wo alle beginnen. In der Innenstadt. Die erinnerte in ihren durchgehenden Klassizismus wechselnd an Potsdam oder St. Petersburg, Der Klassizismus reichte direkt an den Hafen. Im Hafen, dort wo einst Industrie war, befindet sich im Jahr 2024 ein einfrig genutztes Freibad. Wir tranken in der benachbarten Rooftop-Bar mit Blick auf Freibad, Hafen und Dom alkoholfreie Cocktails.

    Die Reisegruppen waren auch da. Mit dem Kreuzfahrtschiff gekommen? Für Europa-in-sieben-Tagen liegt die Stadt ja eigentlich zu fernab von allem. Auch anwesend: Die Anbieter für Reisegruppenbedarf. Sie boten 50 shades of Lachs (Wow!), Lachssuppe, Rentierfleisch mit alles (einschließlich als Füllung für den Döner), Bärenschmalz, gerne auch Weihnachtsmannmerchandise und Elchfiguren.

    Töölön torni

    Man möchte nur ein preiswertes Hotel buchen und landet in einer Attraktion an sich. Die Töölön-Türme wurden in den 1950ern als Schwesternwohnheim gebaut. Inzwischen dienen sie als Studierendenwohnheim und Hotel. Alles, wirklich alles, an den Türmen ruft einem Bauhaus entgegen: Klare Formen, geometrische Muster, dazu die klassischen Baumateralien Holz, Stein, Metall. Allein den Frühstücksraum mit seinen vielfachen Mustern könnte man in einen Stadtführer aufnehmen.

    Und dazu, für einen Deutschen wahrlich ungewohnt. Es war größtenteils originalgetreu erhalten (inklusive zum Beispiel der Türklinken), aber in einem Top-Zustand, den man wohl nur erreicht, wenn man etwas dauernd pflegt. Behutsam modernisiert: aber vieles wirkte wie Modernes Leben in den 1950ern sich wohl anfühlte.

    Passend dazu der Stadtteil Töölö, der in wenigen Jahren entstand. Zumindest dort wo wir waren eine durchgehende 1950er-Jahre-Bebauung in schön aufzubieten hatte. Dazu gehörten Wandreliefs, Kioske in geschwungenen Formen, zahlreiche Fahnestangen an den Häusern (?!?) und spektakuläre (ehemalige) Tankstellen.

    Kivi

    Ich las: Helsinki wird regelmäßig als eine der lebenswertesten Städte der Welt gewählt. Nach meinem oberflächlichen Eindruck wundert mich das nicht: Felsen, Meer, alles funktioniert, die Menschen sind durchgehend nett und höflich. Selbst das jugendherbergsartige Frühstück in den Töölön Towers hatte eine Auswahl und Qualität, vor dem sich die meisten Hotels verstecken müssten.

    So gingen wir des Abends zum Sibelius-Park und zum Strand. Wir passierten eine Menge Straßenmarkierungen, die uns vollkommen unauffällig erschienen und den Berliner Normalzustand hatten. Auf dem Rückweg trafen wir ein zwei-Mann-Puderkommando, die jeden Zebrastreifen, jede Kreuzberger-Polster-Markierung nachzogen.

    Aber wie wir wissen: gute Leben schreiben schlechte Geschichten und gute Geschichten handeln meist von schlechten Leben. Lebenswerte Städte sind nur selten spektakulär.

    Eine Ausnahme bildet die unterirdische Stadt. Seit den 1960ern baut Helsinki unterirdisch im Fels. Anfangs für den Fall, dass die Russen kommen und unterirdische Bunker benötigt werden. Heute auch soweit ich verstand, um Energie zu sparen, aus Schutz vor den Elementen und um Platz zu sparen. Und natürlich weil es geht: im Berliner Schlamm wäre eine unterirdische Stadt nicht möglich.

    So gibt es ein Hallenbad im Fels (leider im Juli) geschlossen oder die Temppeliaukion kirkko, die in den 1960ern in den Fels hineingebaut wurde.

    Selten war ich in einer Kirche, in der „der Schöpfung nahe sein“ so unmittelbar funktionierte.

    Inneres der Temppeliaukion kirkko - Orgel vor Granit

    Sauna – Saun

    Überall Saunen in Helsinki: Die Töölön torni hatten alleine vier Saunen. Jeweils in jedem der beiden Türme jeweils eine für Männlein und Weiblein.

    Wenig unterschied in Tallinn. Unser Hotel begrüßte uns mit einem Schild zur „Saun“. Wenn wir vom Hotel in die Altstadt gehen, laufen wir durch das ehemalige „Saunator“ – historisch benannt nach einer Sauna in seiner Nähe.

    Uns brachte die Megastar. Zwei Stunden mit dem Schiff von Helsinki nach Tallinn. Im Gegensatz zum „ein Shuttle Bus fährt sie durch den Frachthafen. Sollten sie dort zu Fuß gehen werden sie unmittelbar von einem Container erschlagen“, war der Einstieg nobel. Die Megastart wirkte auf mich wie eine Flughafenlounge in schön – dieselbe Art von Shops, Restaurants und Lounges – aber mit genügend Sitzplätzen für alle und alle waren entspannt, denn sie wussten ja, wann sie ankommen würden.

    Wir allerdings verbrachten die Fahrt auf dem Sonnendeck, können zum ganzen Entertainment wenig sagen.

    Sign of the Times: Die Schiffsdurchsage, dass wir gleich finnische Gewässer verlassen und dann die interessanten Sachen im Shop verkauft werden. Drei Minuten später lag das Flaggschiff der finnischen Küstenwache auf der Grenze. Etwas später, in estnischem Gewässern, patrollierte die estnische Marine.

    Infoveritas

    An Bord gelesen: den Rest von The Editors (kostenlose Vorabkopie). Harrison baute ein Stephen-King-artiges fulminantes Finals auf: die guten und die bösen haben sich alle gefunden. Es kommt zur finalen Auseinandersetzung, die an mehreren verbundenen Orten spielt. Und dann franst es aus, wird lahm. Dennoch: sehr schönes Buch und die Wikipedia in ihrem sein erschreckend gut getroffen.

    Christiane über Löffellisten und Holzskulpturen: Bucket List.

    Kellerkind zündete in Frankfurt eine Kerze an.

  • 24-07-23 Bei Rauchentwicklung kriechen Sie zum Ausgang (Berlin-Travemünde-Helsinki)

    24-07-23 Bei Rauchentwicklung kriechen Sie zum Ausgang (Berlin-Travemünde-Helsinki)

    Zwei Tage und zwei Nächte unterwegs.

    Dabei bisher ein Schiff (Finnlady Travemünde-Helsinki), zwei Züge (ICE806 Berlin-Hamburg; RE8 Hamburg-Travemünde) und verschiedene Nahverkehrsmittel (S-Bahn, Metro, Tram, Linienbus. Shuttlebus) benutzt.

    Zustand: K.o.. Glücklich.

    Im Detail

    Transfers

    Der Transfer in Travemünde stand uns am meisten auf der ganzen Reise bevor. Er involvierte die Deutsche Bahn. Und nach den Bahnerfahrungen der letzten Jahre rechnete ich mal 10 Stunden Reserve in die Anreise Berlin->Travemünde ein.

    Manchmal aber funktioniert auch alles und dann wären wir halt 10 Stunden zu früh. So kam es. Immerhin hatten wir Schließfächer am Bahnhof Travemünde Strand ausfindig gemacht, Travemünde selbst war sehr freundlich zu uns. (wer auch mal sucht: auf dem Bahnsteig, Richtung Bahnhof, dem Gleis zugewandt, leicht zu übersehen)

    Ankunft mit dem Linienbus am Hafenhaus Travemünde gegen 21:30h, wir warteten in einer eher unwirtlichen Halle auf dem Shuttle Bus zum Schiff, der einzig offene Laden – das Weinkontor – machte erstaunlich viel Umsatz mit der skandinavischen Kundschaft.

    Der Shuttle Bus setzte uns auf dem Frachtdeck ab – wir passierten mehrere Dutzend Audi-Neuwagen – und dann hieß es wieder warten bis die Kabinen bereit sind. Irgendwann zwischen Mitternacht und Eins waren die Kabinen bereit und dann wurde alles gut.

    Der Transfer in Helsinki war besser organisiert. Über eine Gangway ging es zum Fahrstuhl, der uns zum bereits wartenden Shuttle-Bus bracht. Der Shuttle-Bus setzte uns am Tulli (Zoll) ab, direkt gegenüber wartete ein Linienbus. Der lieferte uns an der Metro Helsinki ab. Mit Metro und Tram kamen wir an den Töölö Towers an. Dazu ein andernmal.

    Scatman

    Travemünde veranstalteten freundlicherweise ein komplettes Volksfest, um uns den Tag über zu entertainen. Wir wanderten alles ab. nutzten die eine Fähre quer über den Hafen (Danke, Deutschlandticket!), erbummelten den Priwall, liefen wieder zurück und aßen Fish & Chips.

    Zwischendurch erst der Shany-Chor-Travemünde, dann eine zwei-Mann-Combo mit Gitarre und echtem Bass, die eine eigenwillige, witzige und musikalisch gekonnte Interpretation durch die Rock-Geschichte bot. (Bassist: „Ein komplett schwarzer Bass mit komplett schwarzen Seiten auf einer Bühne in der prallen Sonne – das war nicht zu Ende gedacht.“ Sänger: Baute an möglichen und unmöglichen Stellen immer wieder „I’m a Scatman“ ein.)

    WIr schlenderten zum Hafen, sahen den Rennseglern zu, die von den Wettbewerben der Travemünder wieder nach Hause segelten.

    Dann weiter zum Strand. Madame gelang es mit Hilfe der EasyPark-App die Kurtaxe zu bezahlen und wir gingen baden. Dann weiter zum Porchetta-Stand. Und zurück zum Hafen, unserem eigenen Schiff beim Einlaufen zuschauen.

    Stadtbummel, Konzert gehört, Volksfest besucht, Viermaster und Regattesegler gesehen, im Meer baden gewesen – für einen Tag, der als „Anreisetag“ im Plan stand, war das okay.

    Fracht/Fährschiff Finnlady fährt im Hafen Travemünde ein.

    Windstärke 9

    Einschlafen bei der Hafenausfahrt aus Travemünde, mühsam die Augen aufhaltend, dankbar für das Fenster in der Kabine. Aufwachen kurz hinter Bornholm. Der Fernseher in der Kabine brachte immer mal wieder die aktuelle Position auf einer Landkarte; er bracht die absolute Windgeschwindigkeit an Deck (zusammengesetzt aus Fahrtwind und echtem Wind, lag teilweise bei Windstärke 9); und vor allem brachte er bei jedem Einschalten wichtige Hinweise wie eine Lebensrettungsjacke anzulegen ist, oder dass man sich bei Rauchentwicklung kriechend fortbewegen soll.

    Eine Bildungsreise!

    10 Quadratmeter Kabine für zwei Personen sind bei so einer Aktion mehr als ausreichend – von all den drei Übernachtungsreisen auf Schiffen war dies die beste. Zumal das Bett überraschend gut war.

    Die Finnlady ist, wie all‘ ihre Schwesterschiffe ein Frachtschiff, das auch PKW und Fußpassagiere mitnimmt. Das Entertainmentangebot beschränkt sich auf ein Restaurant (deutlich besser als erwartet), eine Bar mit Barfood und ein Café.

    Natürlich gab es eine Sauna – finnisches Schiff. Hauptentertainment für alle anderen Gäste waren die Leute im Handtuch mit Bier in der Hand, die zwischen den Saunagängen an die frische Luft aufs Sonnendeck gingen, sich um Wind abkühlen.

    Unser Plan war:, dass wir anderthalb Tage auf dem Außendeck sitzen und ein Buch lesen: hat hervorragend funktioniert, zu Bar und Café können wir deshalb nichts sagen.

    Bis hinter Bornholm sahen wir noch Schiffe. Es wirkte fast autobahnartig. Dann gabelten sich die Wege: eine Hauptroute südlich der Küste entlang, und wir, die wir nördlich nach Finnland fuhren. Wir, unsere Bücher, die Fähre und die Saunagäste in ihren Handtüchern waren allein im weiten Meer.

    The Editors

    Gelesen: The Editors von Stephen Harrison. (Kostenloses Vorabexemplar, gedruckt): Eine Onlineenzyklopädie und die Lage explodiert. Die Enzyklopädie heißt Infopendium, aber sagen wir mal, ich weiß nicht ob je einen derart treffenden Text – fiktional oder dokumentarisch – über das wahre Innenleben der Wikipedia gelesen habe. Der Wikipedianer in mir feierte die ganze Zeit und dachte nur „so wahr. so wahr“, der nicht-Wikipedianer fragte sich, ob sich das auch anderen Menschen erschließt.

    So ab dem ersten Drittel wurde die Frage beantwortet: Harrison nimmt sich ein paar Freiheiten mehr gegenüber der wahren Enzyklopädie und sein Plot hebt ab: ich glaube das Buch funktioniert auch für nicht-Wikipedistas. Auf der Fähre bin ich bis kurz vor das Ende gekommen, erlebte noch eine freudige Überraschung, kurz vor Schluß und freue mich auf heute abendliches Finallesen.

    Nitpicking auf hohem Niveau: das ganze ist ein Ensemblestück mit verschiedenen Plotlinien, die sich am Ende treffen. Eins, zwei Plotlinien weniger wären auch okay gewesen. Irgendwie schade, aber bei einem männlichen Autor nicht überraschend, die beiden stärksten lebendisgten Charaktere des Casts sind beides Männer. Die Frauen fallen da ab.

    Jetzt warte ich bis das Buch offiziell erscheint, dann kann ich es kaufen und Wikipedian-interessierter Bekanntschaft bei Gelegenheit schenken.

    Onlinegelesen

    Nada. Kein Internet an Bord, mir schwaches Signal vom Land zu erhaschen war mir zu mühselig. Madame war fleißiger und hielt mich über die aktuellen Biden-Harris-Entwicklungen auf dem Laufenden.

  • 23-03-28 Gurka Inlagd

    23-03-28 Gurka Inlagd

    Mr. Elliott packte ein Paket voller Baustellenhütchen aus. Vielleicht ganz praktisch. Der Quartalswechsel wirft Schatten voraus.

    Ein abteilungsfremder Kollege hatte etwas zu feiern. Dazu besorgte er für alle Anwesenden mehrere Packungen IKEA-Hot-Dogs besorgt. Das empfand ich als charmante Idee.

    In Schöneberg begegnete uns ein Geschäftsmann, der darauf hinwies, dass er als israelischer Entrepreneur sehr verhandlungsfreudig sei. Wir antworteten, dass wir als deutsche öffentlich Bedienstete unflexibel und stur sind.

    Frau Hinten im Garten malte Postkarten. Von November bis März und im März.

    Karen wählte in Finnland: Wählen leicht gemacht.

    Ich lernte: Es herrscht eine Art Social-Media-Kleinkrieg zwischen Menschen, die mit alten Büchern umgehen und der Öffentlichkeit. Die Öffentlichkeit besteht darauf, dass diese Bücher mit weißen Handschuhen angefasst werden müssen. Menschen, die davon Ahnung haben, lehnen das ab – dann durch die Handschuhe verliert man Tastsinn; man neigt eher dazu, Seiten einzureißen oder Bücher aus den Händen gleiten zu lassen.

    Sieht die Öffentlichkeit aber ein mit-nackten-Händen-behandeltes Buch regt sie sich auf. Das Ganze führt soweit, dass zum Beispiel die großen Auktionshäuser intern kostbare Bücher mit den Händen fassen, bei öffentlichen Auftritten aber Handschuhe benutzen.

    Die frühmorgendliche Sonne verleitete mich dazu, nur mit Pullover begleitet zur Arbeit aufzubrechen. Nur damit ich nach 200 Metern durch einen Schneesturm radelte.

    Blick von oben auf einen kleinen blühenden Obstbaum, darunter ein Gartenweg,

    Aber seit heute Abend ist das Fahrrad ist eh beim Fahrradmeister, der Bremsen, Schutzblech und mögliche Überraschungsschäden in Ordnung bringt. Ab morgen darf ich den ÖPNV benutzen.

    Spannendes Fundstück zum Thema U-Bahn in Berlin. Geschrieben von Pedestrian Observations.

    Der/die Autor*in ist Anhänger*in von Öffentlichen Nahverkehr und Fußgängerfreundlichkeit, hat trotzdem/deswegen gar keine Geduld oder Verständnis für die zahlreichen Lebenslügen und Schrulligkeiten der deutschen Verkehrslinken und ihrer Fahrrad/Tram-Begeisterung. Eine spannende Lektüre aus einer für Deutschen ungewohnten Perspektive.