Schlagwort: Hammett

  • 23-12-10 Let’s talk about Faxgeräte

    23-12-10 Let’s talk about Faxgeräte

    Elite Kickboxing zieht um. Was schade ist. Elite Kickboxing ist entgegen seines Namens immer Kinder- und Jugendsport gewesen, mit vielen Mädchen und jungen Frauen im Kickboxring. Elite Kickboxing spülte mitsamt der Eltern ein angenehmes Laufpublikum in diese hallodrihafte Geschäftsgegend.

    Neulich beim Gang durch die Straßen: Eine Apotheke, die groß im Schaufenster „Lösungen“ gegen Wlan, 5G und andere Strahlungen anbietet. Ich frage mich dann immer: Innere Überzeugung oder zynischer Kundenfang im Schwurbelmillieu? Und was von Beidem ist schlimmer?

    Im Supermarkt entdeckt: Navel negra. Dunkelgrün-beige Orangen. Farblich mal was anderes, vielleicht keine Verbesserung. Im Innenleben entdeckten wir noch keinen Unterschied zu Normalorangen.

    Die Jahres-Stromabrechnung kam. 2,5% gespart. Zwei neue Verbraucher (das Spielzeug, Rombitombi), zweimal effizienter geworden (Waschmaschine ersetzt, die letzten Energiesparbirnen alter Prägung durch LEDs ersetzt). Vermutlich bestand der entscheidende Unterschied in den 10 Tagen Urlaub, die wir gar nicht in der Wohnung waren.

    Überhaupt: 2023 bot den ersten gemeinsamen Urlaub, der über ein verlängertes Wochenende hinausging, seit 2019.

    Ich lese Jahresrückblickaufforderungen „Welches Ziel hast Du dir gesetzt und nicht erreicht?“ Ich war ehrlich gesagt so eingebunden in „im Job komplett ankommen“ und „Fernstudienmodule“, dass ich nichtmal dazu kam, mir andere Ziele zu setzen. Also schon am Ziel gescheitert, mir Ziele zu setzen.

    Weihnachtspakete abgeholt. Dieses Jahr nicht so sehr über die Nachbarschaft verteilt, sondern größtenteils bei einem Späti. Immer mit der Frage: wie viele Pakete von uns liegen beim Späti? Übersehen wir wieder eines, dass dann zurück geht als nicht-abgeholt? Aber wir sind fast vollständig.

    Madame musste eine längere Exkursion machen. „Pano Bakery“ in der Monumentenstraße verkauft keinerlei Backwaren. Es handelt sich um den ungünstigst gelegenen Späti, der dafür den nettesten und zuvorkommensten Späti-Betreiber südlich der Spree behaust.

    Weihnachtsbücher bestellt und abgeholt. Vom Hammett-Buchhändler gelobt worden für die schöne Bestellung. Leider kann ich keine Titel nennen. Spion*innen lesen mit.

    Nach Hammett der Versuch mit dem 248er nach Hause zu fahren. Der Bus fuhr durch enge Straßen im Fliegerviertel und dann war es passiert. Vor uns blockierte ein Rettungswagen im Einsatz die Straße. PKWs konnten sich vorbeiquetschen. Für einen Linienbus allerdings war die Lücke zu schmal. Der Bus kam nicht vor und nicht zurück. Viele Fahrgäst*innen stiegen aus.

    Ich hatte keine Lust, 192 Euro Buch durch Tempelhof zu tragen und blieb. Fahrgäste rauchten. Durch die Tür beschwerten sich gescheiterte Fahrgäste, die von weiter entfernt liegenden Haltstellen herbeigelaufen waren. Die Busfahrerin versuchte den Abstand auszumessen, ob es vielleicht doch geht. Als sich nach 30 MInuten ein 248er-Bus-Stau an dieser Stelle zu bilden begann, gab ich auf.

    Direkt gegenüber vom Bus sah ich eine Kneipe. Name. „Keine Eile.“

    Nasenadapter

    Zwei Advents-Essen. Die Team-Weihnachtsfeier am Freitag, das traditionelle Cousin/Cousinen-Essen am Samstag, dieses Jahr mit Gastzugängen. Das Samstag-Essen (Sauerteigbrot mit veganem Schmalz, geräucherte Selleriesuppe, Sicilian Style Citrus Fruit Salad, als Hauptgang, Linsen Stroganoff, Käseplatte, selbstgebackener Stolle) war kulinarisch das überlegene Erlebnis gegenüber Freitag (Gänsekeule mit Sparbeilage).

    Beide Abende sehr schön. Spannend der Unterschied zwischen einer Gruppe aus Fachinformatikern und einer der Gruppe der Akademiker*innen des Wortes. Themen über die beiden Abende verteilt: Kann man lernen lernen? Umlaufmappen. Besuch aus den USA. Wer ist zuständig für’s Kassenwesen? Unterwegs in Georgien und Armenien. Kirchenfunk. DECT-Telefone.

    Bei beiden Veranstaltungen gingen die Gespräche unter anderem um Verwaltungsdigitalisierung. Einmal mehr aus Sicht der Digitalisierer, einmal mehr aus Sicht der Verwaltung und Nutzenden.

    Eines der spannenderen Erkenntnisse des Wirtschaftsinformatik-Studiums: Mein Bauchgefühl trügt nicht. Es gibt umfangreiche Forschung zum „Produktivitätsparadoxon der Digitalisierung“. Und der Frage: „In vielen Organisationen wurde massiv in Digitalisierung investiert. Aber die Organisationen werden dadurch nicht produktiver. Warum?“ Nachdem Unternehmen die Erkenntnis in den 1980ern und 1990ern gewannen, kommt sie so langsam auch in Behörden an. Nur weil etwas digital läuft, läuft es noch nicht besser. Gerade in den ersten Jahren werden massive Umstellungsschmerzen auftreten.

    Kunsthandwerker

    Die erwähnte Frankfurter Holbein-Ausstellung findet statt als Kooperation zwischen dem Frankfurter Städel (Fachmuseum für Hans Holbein d.Ä.) und dem Kunsthistorischen Museum Wien (Fachmuseum für Hans Burgkmair d.Ä.). Beide Künstler waren im 15./16. Jahrhundert in der damaligen Weltmetropole Augsburg tätig. Die war eine der wichtigsten Handelsstädte der damaligen Zeit, was auch Künstler anzog.

    Holbein d.Ä. und Burgkmair d.Ä. waren zwei der renommiertesten Künstler, fertigten sowohl Porträts wie religiöse Kunst. Die Ausstellung vertritt die These: Holbein der Ältere war durch die realistische niederländische Landschaftsmalerei geprägt. Burgkmair prägte die auftrebende italienische Renaissancemalerei. Sie beide vertraten in Augsburg ihren jeweiligen Stil. Holbein der Jüngere wuchs in diesem Kunstklima auf, verstand es daher beide Stilwelten zu verknüpfen und zu transzendieren.

    Die Ausstellung ist umfangreich. Sie lebt davon, dass Augsburg zu dieser Zeit Kunstmekka war und bietet weitere Werke anderer Künstler der Zeit. Sie geht in die Tiefe und lässt einen in die Renaissance nördlich der Alpen einsteigen.

    Wieder in Erinnerung gerufen: Diejenigen Künstler, die auch nach 500 Jahren noch im Museum hängen, teilweise als Genies verehrt werden, waren damals (reiche, angesehene) Handwerker; die in der Handwerkszunft organisiert waren und natürlich im Standesgefüge der damaligen Stadtgesellschaft die Handwerkerrolle ausfüllten. Welch Unterschied zum künstlerischen Selbstbild 2023.

    Ergänzt werden die zahlreichen Bilder mit umfangreiches digitales Begleitmaterial und einen empfehlenswerten Audio-Guide. (der ebenso wie das Begleitmaterial auch ohne Ausstellungsbesuch nutzbar ist).

    Hans Holbein d.Ä.: Katharina Schwarz als Hl. Katharina.

    BSR-Orange und Hertha-Blau

    Kellerkind geht ins Kloster

    Frau Catonique zwischen Dunkelheit und Konzert.

    Wer „Silver Spinning“ mochte, mag vielleicht auch diese Bücher. Cory Doctorows Buch-Jahresrückblick.

    Wichtiges Wissen für Berliner*innen: Wo gibt es Wolle in den Farben BSR-Orange und Hertha-Blau?

    Spannendes Wissen für Berliner*innen: Wie funktioniert die Fahrdienstleitung der S-Bahn?

    Für eventuell mitlesende Journalist*innen: die Berliner Bäder suchen eine Leitung Kommunikation/Pressesprecher*in. Erfahrungen in der Krisenkommunikation sind wünschenswert.

  • 23-09-14 Eigenkapitalrendite veganer Hackfleischproduktion

    23-09-14 Eigenkapitalrendite veganer Hackfleischproduktion

    Madame soll melden, ob sie einen Besucherparkplatz benötigt.

    Der Herbst naht. Lidl verkauft Weißwurst. Der Herbst naht. RTL kündigt die nächste Staffel Ninja Warrior Germany an.

    Der Fahrstuhl der Hinterhausbaustelle verschwand. Entweder sie haben jetzt alles Schwere und Sperrige vom Dach entfernt und neues Schweres und Sperriges hinaufverfrachtet. Oder das Geld ging ihnen aus. Oder jemand hat vergessen, den Mietvertrag zu verlängern. Alles ist möglich.

    „Unser“ Fahrtstuhl ist noch da. Und passend zum Klausurtermin hat mal wieder jemand lautstark auf dem Dach gearbeitet.

    Freundlicherweise waren die lauten Bohr-Zeiten immer nur einige Minuten kurz und über einem anderen Abschnitt der Wohnung. Nicht so gut war, dass dann auch noch auf dem Hof eine Mischung aus Laubbläser und Presslufthammer losging. (Keine Ahnung was – konnte ja nicht rausschauen, ich stand unter Klausuraufsicht). Immer sehr passend, wenn die Klausur eine Onlineklausur ist und ein Teil über eine Zoomkonferenz mit zwangsweise offenem Mikro läuft. Ich hoffe, bei den anderen kam der Baustellengeräuschpegel nur gedämpft an.

    r(*) = (e1/-2e0) x ((Wurzel(e1/2e0 – e2/eo)) -1)

    Ich stellte fest: Offensichtlich habe ich keine Blogleser*innen, die hier BWL-Korrektur lesen. Meine Ausführungen zum Cashflow vor ein paar Tagen waren falsch – aber zum Glück merkte ich es noch rechtzeitig. In der Klausur erschien auch prompt eine Frage zum Themenkomplex.

    Vor der Klausur kamen die letzten Tage der Vorbereitung. Wieder in Schöneberg. Wieder ging es mir am letzten halben Tag, vor allem darum, den Kopf frei zu kriegen und mir wieder etwas Flexibiliät in Hirn zu schaffen. Das heißt normalerweise Park + Schwimmbad.

    Diesmal nicht.

    Ich möchte die Chance nutzen, um unaufgefordert Gesundheitstipps zu geben: Falls Ihr vorhabt, Euch einen schwall kochendes Wasser über den Bauch zu kippen: Haltet ein!

    Es fühlt sich nicht so toll an. Das optische Resultat ist meines Erachtens verbesserungsfähig. Und vor allem: Danach habt Ihr länger eine größere nicht-verheilte-Wunde – mit der Schwimmen nicht möglich ist. Und das ist das Schlimmste!

    Irgendwie habe ich Mittwoch überstanden. Die Klausur entsprach im Wesentlichen meinen Erwartungen: (a) Wenn ich scheitere, dann nur an eigener Dämlichkeit. (b) Wie ich mich kenne, liegt das komplett im Bereich des Möglichen.

    K_0 = – 1000 + (200×1,02^-1) + (500×1,03^-2) + (500×1,01^-3)

    Also, einloggen heute um 8.40h, dem Zoom-Meeting beitreten, den Name auf Nachname, Vorname (park, south) ändern und den Bildschirm freigeben. Die Klausuraufsicht spricht Einzelne an, die bei einem der beiden Punkte Probleme haben.

    Um 8.55h werden die Fragen freigeschaltet. Um etwa 9.10h spricht mich eine Aufsicht via Breakout-Session an, lässt sich Personalausweis, Taschenrechner und leere Schmierblätter zeigen.

    Ich folge meinen üblichen Verfahren:

    1. Runde – alles überfliegen, so dass ich eine ungefähres Gefühl habe, für das was kommt.

    2. Runde – alle Fragen beantworten, bei denen ich ohne Überlegen entweder die Antwort weiß (MC) oder weiß was ich rechnen muss.

    3. Runde – Fragen, die mich einige Minuten des Überlegens kosten (Ich weiß, ich weiß die Formel – muss sie mir aber erstmal korrekt ins Gedächtnis rufen. Oder auch: Aufgabe mehrfach lesen, um sicher zu sein, wie ich sie verstehen muss.)

    4. Runde – Fragen, bei denen ich überhaupt mal überlegen muss, was der Ansatz sein könnte.

    Glücklicherweise war ich danach mit allen Fragen durch. Es war kurz nach 10 und ich hatte noch fast eine Stunde Zeit.

    Und dann kam: Gegenrechnen und gegenrechnen. Im Wesentlichen bestanden die Aufgaben aus Berechnungen, die etwas Taschenrechnerartistik verlangten. Auch wenn ich mich überzeugt hatte, dass all‘ meine Ergebnisse zumindest ein plausibles Ergebnis hatten; ich in der richtigen Größenordnung ankam- Verrechner sind bei mir immer möglich.

    Und wenn ich mal irgendwo 1,02 statt 1,03 getippt habe oder einen Term ganz vergaß – dann schreibe ich halt 330,679 statt der korrekten 337,987 – dann sind das Null Punkte bei der Frage.

    Naja, ich fand Verrechner und dann noch einige Verrechner und irgendwann fand ich keine mehr, war aber auch schon so gehirnmatschig, dass mein Rechnen vermutlich nicht mehr besser geworden ist.

    Um 11 Uhr war Schluß. Passend gewürdigt mit einem wilden Bimmeln vieler Handies in Hörweite der Klausurteilnehmer*innen. Und damit war mein 3. Fernuni-Semester beendet. Ich kann raten: Legt Euch wichtige Termine auf 11 Uhr am Alarmtag, das macht Stimmung.

    Nach der Klausur. Mit beschmiertem Schmierpapier und ordnungsgemäßen Taschenrechner.

    1, 2 und 3 – vorbei

    Damit ist Semester 3 des Fernuni-Abenteuers vorbei. Aktueller Stand: Bestes Semester. Sei es die wilde Achterbahnfahrt der Algo-Mathe, sei es Investition und Finanzierung (das ich viel zu lange sträflich ignoriert habe, eigentlich finde ich auch das inhaltlich spannend.)

    Langsam komme ich im ganzen Prozess auch so an, dass ich auf dem Fahrrad das neue Kranzler Eck/den Fernuni-Campus-Berlin ohne Nachdenken finde. Mein Arbeits- und Lernrhythmus wird besser. Meine Klausurvorbereitung zumindest etwas entspannter. Ich bekomme ein besseres Gefühl dafür, wie die Fernuni so tickt und was sie wirklich von mir will.

    (Wie immer half mir Inaugenscheinname: Zum Studientag nach Hagen fahren war trotz 38 Grad und Bahn-Chaos jeden Schweißtropfen wert).

    Morgen stehen vermutlich die Unterlagen für Semester 4 auf dem Briefkasten.

    Da ich immer noch nicht schwimmen durfte, also ausgiebig seufzen. Danach brach ich auf zur nächstbesten Alternative: Mit Ringbahn, U7 und Bus zum Bürgeramt Wasserstadt und meinen neuen Personalausweis abholen.

    Und jetzt bin ich knülle.

    Türkischer Basar

    Noch ein Gesundheitstipp: Nicht vom eigenen Steuerordner erschlagen lassen. Zum Glück sah Madame das ähnlich und wehrte das herabfallende Regalbrett ab.

    Bücher, auch nicht-Krimis, kaufe ich bei Hammett. Und gratuliere herzlich dazu, schon wieder den Deutschen Buchhandelspreis gewonnen zu haben.

    Karen war unterwätigt von Florenz und sah zu wenig von Pisa.

    Nachdem der Silobrand den NDR nach Wesselburen gelockt hatte, entdeckten die Journalisten auch gleich die rumänische Community. Ist auch nicht ganz einfach. Ein 3000-Einwohner-Städtchen (Land, Schleswig-Holstein, starker Rentneranteil), in das in wenigen Jahren mehrere hundert Rumänische Landarbeiter*innen ziehen. Sagen wir mal, die Auffassungen, was „normal“ und „richtig“ ist divergieren stark. Bisher verhalten sich alle Beteiligten vergleichsweise zivil.

    Für einen (Wirtschafts)Informatik-Studenten, dessen Arbeitsplatz sich im Organigramm unter Informationstechnologie->Infrastruktur findet, war mein Verhältnis zum „Programmieren“, immer etwas schwierig. Ich fand und finde es ziemlich umständlich, dem Rechner wirklich buchstabenweise erklären zu müssen, was er tun soll. Meine Neigung zu Tippfehlern ist in dem Kontext nicht hilfreich.

    Aber inzwischen verstehe ich genug vom Thema, um Programmiersprache als Konzept total spannend zu finden und auch, wie verschiedene Sprachen bestimmte Strukturen ähnlich oder halt verschiedenen lösen. Mit Genuß las ich „Python erklärt für Benutzer von R„.

    Ich habe leichte Hoffnung. Hoffnung, dass die Medien-Schul-Universitäts-Deutschen es schaffen, „Gastarbeitergeschichte“ auch als Teil „ihrer“ Geschichte zu begreifen. Vielleicht entwickelt sich eine kollektive deutsch Geschichtserzählung, die die Zeit der 1950 und folgende ebenso aus Sicht der Gastarbeiter*innen erzählt, wie aus Sicht der hier schon ansässigen.

    Auf jeden Fall hörte ich letztens im Deutschlandfunk Kalenderblatt ohne jedes Tamtam einen Rückblick auf den Ford-Streik 1973. Über eine neue Geschichts-Plakette in Schöneberg zum Türkischen Bazar in der Hochbahn stieß ich auf den Film Aşk, Mark ve Ölüm (Liebe, DM und Tod), der immerhin einen Berlinale-Publikumspreis gewann. Auch auf DLF mitten in der Lied und Folksendung spielte der Song Onda Calabra – dessen Video auch Italien-in-Deutschland-unglamouröse-Variante spiegelt.

  • 23-05-30 Uelzen Hildesheim Wohnmobil

    23-05-30 Uelzen Hildesheim Wohnmobil

    Der Regio nach Sylt ratterte am Bad vorbei. Ich hatte etwas Mitleid. „Ihr müsste noch Anderthalb Stunden im im überfüllten Ferienregio sitzen, während ich hier schon Nordsee, Wind, Sonne und Wasser in Dithmarschen habe.“

    Ich umrundete gemählich schwadernde Osteuropäerinnen mit Kopftuch. Madame hatte sich zurückgezogen und las weiter in Stadt Land Raub. Der junge Mann in der neofarbenen Badehose übte sich an formvollendeten Köppern vom 5-Meter-Turm. Der Güterzug nach Hamburg rauschte vorbei.

    Wir schwelgten im 29-Grad-Freibad – beheizt durch die Abwärme der Raffinerie, deren Erzeugnisse nach Hamburg fuhren. Nachdem das Meer sich rar gemacht hatte, holten wir den Schwimmausflug im Freibad Hemmingstedt nach. Erfreut darüber, dass auch in ländlichen Kleinstadtfreibädern inzwischen Currywurst (Rindfleisch) auf der Karte steht.

    Es folgten die anderen Standard-Programmpunkte: Wandeln am Eidersperrwerk, wandeln am Deich und Scholle essen am Büsumer Hafen. Herr Ch. wollte nach Heide gebracht werden, damit er zusammen mit der Landjugend zur Albersdorfer Pfingstfete fahren konnte.

    Radtourschild mit Schaf-Route und Kohl-Route
    Kohl-Route und Schaf-Route. Wie es sich gehört.

    Nebenbei, immer wieder: LU(LR)-Zerlegung und Cholesky-Zerlegung. Die Einsendeaufgaben ruhen in diesem Semester nie. Ich hatte es natürlich nicht geschafft, sie vor dem langen Wochenende abzugeben. Immerhin: inzwischen sind einige Aufgaben eingereicht, vier Stunden vor Abgabeschluss.

    Auf der Rückfahrt; die Strecke von Büsum zur Autobahn. Ich zählte Kennzeichen auf: Hamburg – Pinneberg – Einheimisch – Pinneberg – Essen – Hannover – Schweiz – Hamburg – Einheimisch – Einheimisch – Irgendwasausbadenwürttemberg – Itzehoe – Einheimisch – Uelzen – Hildesheim – Wohnmobil. Die pfingstlichen Urlauberkolonnen rollen.

    Girl Gone Missing

    Madame gestaltete derweil naturnahe Blumenkäste und las Stadt Land Raub. Die deutsche Übersetzung von Girl Gone Missing war über den Hammett-Newsletter und dann diverse Irrungen in Madames Hände gelangt. Ihren gelegentlichen Äußerungen nach sprach sie dem Buch jegliche Krimihaftigkeit ab. Deswegen war sie von der Geschichte der Native Americans in Minnesota sehr angetan. Sie zitierte zustimmend eine Kritik „Es passiert nicht viel auf der Handlungsebene. Aber es passiert viel mit den Menschen.“

    Der Kaptain entdeckte den Whats-App-Status.

    Im Kofferraum fand sich ein halber Kaninster mit Winter-Scheibenreiger.

    Von mir gelesen: Horst Evers: Bumm! Ich zweifelte schon beim Kauf, weil sich das Buch eigentlich zu sehr nach persönlicher Komfortzone von mir anhörte. Bei der bisher gelesenen ersten Hälfte bin ich unterwältigt. Aber ich erinnere mich an den Vorgänger, den ich auch lange unterwältigend fand, bis ein furioses Finale alles zusammenfügte.

    Frau Rabe folgte einer norwegischen Hochspannungsleitung.

    Beim Guardian gab es eine #metoo-Affäre und in der britischen Presse rollt Tumbleweed vorbei. Die nytimes berichtet über Nicht-Berichte: A British Reporter Had a Big #MeToo Scoop. Her Editor Killed It. (Paywall entfernt).

    Politico produzierte eine Grafik-Multimedia-Reportage über den neuen European Sleeper Train von Berlin nach Brüssel. (Achtung, lädt ewig)

    Shocking! Die Hamptons sind nicht mehr Hip!

    Merken für das nächste Jahr. Alle Mauer-Blumenkästen beim Kaptain zusammen fassen etwa 100 bis 120 Liter Blumenerde. In der Hütte sind noch 100 Liter.

  • 23-03-02 Autostraßen

    23-03-02 Autostraßen

    Madame ent-wickelte sich.

    Des Kaptains Versicherung bezahlt für den Unfallschaden, den ihr ein unbekannter Gegner auf dem Supermarkt-Parkplatz hinzugefügt hat. Das ist eine beruhigende Nachricht. In des Kaptains Nachbarschaft rufen Menschen die Polizei, weil bei anderen Menschen, beziehungsweise ihren Autos, der TÜV abgelaufen ist.

    Uns begegneten gleich drei Polizeiwagen. Als wir harmlos vom Kurzbaden im Stadtbad Schöneberg nach Hause schlenderten, ereignete sich vor unseren Augen ein Auffahrunfall. Zwei Autos, beide deutlich zu schnell unterwegs, fuhren Slalom. Einer setzte sich vor den anderen. Der andere fuhr mit Karacho hintendrauf. Fast hätten sich die Beteiligten danach geprügelt. Fast möchte man froh sein, dass sie sich nur gegenseitig die Autos demolierten.

    Sahnehäubchen: Eines der beiden Autos entsprach dem Klischee, war offensichtlich getunt und mit extra großem Auspuff versehen. Das andere allerdings war ein Fahrschulwagen. Der hochemotional aus dem Auto springende Mensch ein Fahrlehrer. Die arg eingeschüchtere Fahrschülerin saß noch auf dem Fahrersitz.

    Schwarz-Weiß Bild von 1959. Mehrere Autos stehen nach einem Unfall auf einer Landstraße.
    Bild: Five-car road accident in Caernarfon von: Geoff Charles (1909-2002), Geoff Charles‘ photographs also form part of the Europeana Libraries Project Lizenz: Creative Commons CC0 1.0 Universal Public Domain Dedication

    Auch wenn ich schon bei diversen Unfällen anbei war, war dies der erste den ich wirklich sah. Beide Autos ließen vorher den Motor aufheulen und fuhren so auffallend, dass ich sie schon vorher betrachtete. Wir machten brav unsere Aussage, hinterließen die Personalien und wandelten der Wege.

    Am alten Arbeitsplatz vermisse ich überhaupt nicht das häufige Aufstehen zwischen 3:30h und 4:30h. Aber ich vermisse sehr die halbe Stunde auf dem Rad durch das nächtlich-frühmorgendliche Berlin, mit Sonnenaufgang und ohne Menschen. Dringend muss ich mir eine regelmäßige Radstrecke suchen, die länger als der derzeitige Mini-Arbeitsweg ist. Aber es sollte halt auch eine Strecke sein, in der ich nicht in Feierabendverkehr und irre Autofahrer gerate und trotzdem etwas von der Stadt sehe.

    Dienstagabend konnte ich zumindest nach Kreuzberg radeln zur Buchhandlung des Vertrauens. Alleine die paar Meter durch das Tempelhofer Fliegerviertel, hinaus zum Platz der Luftbrücke, dann wieder hinab bis zum Kreuzberger Bergmannkiez: Es war einfach schön.

    Ich holte Klausurlektüre ab (Kracher wie: Aktiengesetz 49. Auflage mit Corona-Sonderrecht und Wichtige Steuerrichtlinien 39. Auflage, aber auch ein wenig was schönes wie Gioacchino Criaco: Die Söhne der Winde. Des Hammett-Buchhändlers Augen leuchteten als er mir das Buch übergab – und das ist immer ein gutes Zeichen.

    Wenn ich das Fenster aufmache, höre ich ein Rauschen. Das sind die fallenden Umfragewerte der Berliner SPD. Die Partei, die bei der Wahl mehr abgestraft wurde als alle anderen; die Partei, die seit 32 Jahren in der Regierung sitzt, sagt jetzt „Wir haben verstanden, die Leute wollen Änderung. Deshalb bleiben wir – ohne einen Tick an Personal oder Programm zu ändern – an der Regierung“. Und damit die Leute überhaupt nicht verstehen, warum sie uns je wieder wählen sollten, nehmen wir dieselbe Muff-Koalition, die schon in den 1990ern das ganze Elend anrichtete, unter dem die Verwaltung bis heute leidet.

    Madame empfiehlt das Blog National Trust Scones.

    In der Wikipedia findet zum dritten Mal der Ukraine’s Cultural Diplomacy Month 2023 statt. Er dient dazu, ukrainische Kultur in den weltweiten Wikipedien besser darzustellen. Der zweite Cultural Diplomacy Month fiel direkt in den Kriegsausbruch.

    Passionierte Blogleser interessiert sicher auch „Diaries of Note“ – jeden Tag ein anderer Tagebucheintrag. Mal von Kafka, mal von komplett Unbekannten.

    Montag streikt der öffentliche Dienst in Berlin. Mein erster Streik! Ich bin so aufgeregt.

    Die Wikipedia:Auskunft ist eine Unterseite der Wikipedia, auf der allgemeine Wissensfragen gestellt werden können. Ich bin dahingeschmolzen bei dieser Frage:

    Guten Morgen,

    (Sie werden meine Sprachfehler entschuldigen, ich benutze einen Übersetzer).

    Als Kind habe ich die Geschichten der „Menschen aus Fulda“ gelesen. Nach dieser Erzählung, zunächst intelligent und gebildet, waren sie überfordert und beschlossen, sich als dumm auszugeben. Nur dass sie durch Glauben wirklich geworden sind. Daher eine ganze Reihe lustiger Missgeschicke. Meine Fragen : Ist es ein klassisches Märchen aus der deutschen Folklore oder eine Erfindung eines neueren Autors? Wo würde ich ein deutsches Buch finden, das darüber spricht? Und warum wird es nicht im „Kultur“-Teil des Artikels Fulda erwähnt?

    Danke

  • 22-11-25 Foul am Bosporus

    22-11-25 Foul am Bosporus

    D brachte einen Eimer Frösche mit.

    Eine Pizzeria bat um Gnade.

    Die Buffalo Bills gewannen gestern gegen Detroit mit 28 zu 25 durch ein Field Goal in letzter Sekunde. Hurra. Es war ein spannendes Spiel. Danach dann die Dallas Cowboys gegen die New York Giants mit 28 zu 20. Es ist spannend, dass jedes Jahr seit 1954 die Detroit Lions am Thanksgiving-Tag spielen, die Dallas Cowboys jedes Jahr seit 1966.

    Der heutige Tag war vergessenheitsgetrieben. Mein ursprünglicher Plan war es, nach der Arbeit nach Kreuzberg zu radeln, ein paar Bücher abzuholen und dann nach Hause zu fahren. Ein vergessenes Portmonnaie zwang mich zur Umplanung. Also erst wieder nach Hause. Da es nun kalt, nass ungemütlich und überhaupt Freitag war, beschloss ich zu Hause im Schaukelschaf zu bleiben. Ein vergessener Fahrradhelm zwang mich, die vier Stockwerke wieder nach unten zu laufen. Und wo ich schon unten war, konnte ich dann ja auch gleich noch weiter nach Kreuzberg..

    Also fuhr ich zur Hammett-Krimibuchhandlung, bei ich – mal wieder ganz der Punk – lauter Nicht-Krimis bestellt hatte:

    Kathryn Davis: The Silk Road (ich finde keine brauchbare Zwei-Satz-Zusammenfassung, aber diese Besprechung fast gut zusammen was ich mir erhoffe: „The Extraordinary Enigmatic: Kathryn Davis’s ‘The Silk Road’“)

    Richard Grant: Dispatches from Pluto – ein New Yorker zieht nach Mississippi und schreibt Dispatches von dort. Vermutlich sehr viel unkomplizierter als The Silk Road. Ich freue mich einfach, mal wieder etwas aus der Gegend zu lesen.

    Adam Bertram: Powershell for Sysadmins – ehrlich gesagt erhoffe ich mir ein paar nette IT-Kartentricks für Entertainment im Arbeitsalltag.

    Und natürlich kann ich nicht an dieser Buchhandlung vorbei, ohne einen Krimi aus der Gebrauchtbuchkiste zu nehmen: Celil Oker – Foul am Bosporus.

    Nachtaufnahme der Hammett-Buchhandlung von Außen. Logo in Gelb und Schwarz, zwei erleuchtete Fensterscheiben. Dahinter sind Bücher zu erkennen.

    Überhaupt solltet ihr auch dort vorbeigehen. Als Kleinstverleger mit Lokalbezug kenne ich ja mittlerweile viele Berliner Buchhandlungen quasi „von der anderen Seite.“ Zum Beispiel war ich angenehm überrascht, dass auch der Riese Dussmann sich nicht zu fein ist, ein Quartett in Miniauflage zu bestellen – und mir am Ende 10% der gesamten Auflage abnimmt. Trotzdem zieht es mich natürlich zum netten Indieladen: Hammett zeichnet sich dadurch aus, dass sie cool sind und in erreichbarer Nähe für mich sitzen. Das ist sehr angenehm.

    Madame bildet sich derweil über Kuhhörner fort und trötet mit Lumi-Nutzer:innen.

    Fundstück: ein Wired-Artikel: How the Queen of England Beat Everyone to the Internet. Alleine schon wegen des großartigen Fotos von Elisabeth II an einem Arpanet-Rechner.