Schlagwort: Julia

  • 25-07-19 Ich werde dieses Tüchlein in Cassios Gemach verlieren

    25-07-19 Ich werde dieses Tüchlein in Cassios Gemach verlieren

    Ich liege auf dem Bett und denke an Julia. Langsam habe ich Ideen, wie ich die JuMP-Optimierung in der Julia programming language möglichst sinnvoll in Funktionen packen kann, so dass das alles nicht ganz so sehr nach der improvisierten Baumarktlösung aussieht, die es im Grunde ist und bis Ende August auch bleiben wird.

    Ich freute mich, dass es auch anderen so geht: „Manchmal lege ich mich früher ins Bett, um über Mathe nachzudenken“ Ich fürchte allerdings, dies ist die einzige Gemeinsamkeit zwischen mir und Hannah Cairo.

    Madame verbringt 40 Minuten auf dem Bahnhof Eichwalde. Strom kaputt. Der S-Bahnfahrer scheuchte sie aus dem Zug, solange der Batterie-Rest-Strom noch eine Öffnung der Türen ermöglichte.

    Vor dem Nachbarhaus waren Gerüstbauer zugange. Aber anscheinend bauten sie weder ein Gerüst auf noch ein Gerüst ab. Aber wir freuen uns ja, wenn wir überhaupt Bewegung von Bauarbeitern sehen, selbst ganz ohne Baustelle.

    Ich wehrte einen Montags-nach-dem-Urlaub-um-sieben-Uhr-morgens-Termin ab.

    Es war ein Bürofreitag und ein Latifundiensamstag mit Berlinexkursion.

    Ich las ein bißchen herum. In Granta blieb ich diesmal allerdings eher an der Biographie einer Autorin hängen „She is a part time climate justice organiser“ und freute mich an der Inner-Satz-Fallhöhe zwischen absoluter Weltrettung und Widrigkeiten des Alltags.

    Sonst weiter in Wir schon wieder – 16 jüdische Erzählungen. Die Texte von Joe Fleisch und Marina Frenk. Beide spannend.

    Der Fleisch- Text: Wie der prozionistische Reichskanzler Kroll Rumpelstielzchen und die anti-zionistische TV-Journalistin Gayle „FistAss“ Hasardeur aufeinandertrafen – der Schilderung einer Diskussion Kroll Rumpelstielzchen und einer amerikanischen AlArabiya-Journalistin dachte ich während des Lesens: Viertes Reich, eine Fernsehmoderatorin, die vor laufender Kamera kotzt, Gaza-Hamas-Vorträge mit Hitlerbärtchen – muss das alles sein? Muss wirklich der sprachliche Lautstärkeregler des Textes permanent voll aufgedreht sein? Dann aber stellte ich fest, dass unter der Oberfläche genug Substanz ist, um noch länger über den Text nachzudenken.

    Marina Frenks Text Ein Versuch, sich zu verabschieden hatte mich sofort: Sprache und ihre seelische Auswirkung. Der Versuch, die Muttersprache, russisch, aus politischen Gründen nicht mehr zu reden. Changieren zwischen Politik und Poetologie mit Identität. Ich begann Frenk zu recherchieren: Stellte fest: Sie schreibt und schauspielert und macht Musik, und ich bin noch gespannter – es gelang mir aber nicht herauszufinden, ob sie jetzt gerade etwas auf einer Bühne macht.

    Unterwasserscheinwerfer

    Seit drei Jahren lädt der Insulaner zur Nacht. Der Insulaner selbst ist ein Trümmerberg, der nach dem Zweiten Weltkrieg entstand. Dort befindet sich ein Park, ein Planetarium samt Sternwarte, das Insulanerbad und die Spielstätte der Shakespeare-Company.

    Seit drei Jahren koopieren die drei zur Langen Nacht: das Schwimmbad bietet Schwimmen bis Mitternacht, Shakespeare bietet ein Sonderprogramm, das teilweise auf dem Badgelände stattfindet und ebenso die Sternwarte.

    Wenn in unserem dritten Wohnzimmer so etwas stattfindet, wollen wir natürlich hin. Wir beobachten wie sich alles einspielt: die Sternwarte hatte große von innen beleuchtete Darstellungen der Planeten auf der Liegewiese platziert und ein mobilbes Planetarium aufgebaut. Im Bad gab es einen DJ und erstmals auch Unterwasserscheinwerfer, der Übergang zum Theater war offen, dort gab es die Bar und immer wieder auf der Bühne einzelne Szenen aus ihren Stücken.

    Wir reisten aus der Mittelmark an und begannen beim Inder – Korma, Saag und Vindaloo. Am Nebentisch eine größere Familie, die wir später im Bad wiedersehen sollten. Dann ab ins Freibad. Entweder gleich mit Getränken in die Gastronomie-Liegestühle oder in die neue Saisonkabine und ins Wasser.

    Wie geplante verdunkelte sich der Himmel, die Beleuchtung aus farbigen Scheinwerfern zeigte immer mehr Effekt. Halblauf lief Musik, der Fünf-Meter-Turm war geöffnet und die Schwimmer*innen freuten sich.

    Zum Abschluss: zwei Szenen Othello bei Shakespeare. Die tragische Wendung des Stücks: Desdemona verliert ihr Taschentuch, Jago schiebt dies Cassios unter und Othello ist überzeugt, dass Desdemona und Cassios ihn betrügen, das Unglück nimmt seinen Lauf. Zwei Schaupieler, eine Schauspielerin, zehn Minuten und doch einmal das ganze Elend der Menschheit eindrucksvoll vorgeführt.

    Marderparty Schmetterlingswolke

    Die Schubkarre entdeckt eine zweite Karriere als Mini-Swimming-Pool, auf dem Rasen sind Schleimspuren der Schnecken und alles zusammen ist grün wie seit Monaten nicht mehr. Eine Woche Regen hinterließ Spuren im Garten.

    Die Rosenblüten sind größtenteils abgeschlagen, die Erde ist einmal durchgeweicht. Aber jetzt ist wieder trocken und heiß, uns springt alles entgegen.

    Wortwörtlich: Insekten. Kaum streife ich beim Wege-Mähen Stauden oder Gräser springen und fliegen sie empor. Eine unbedachte Bewegung und schon stehe ich in einer Wolke aus weißen, braunen, rötlichen und blaunen Schmetterlingen. Einmal mit dem Fuß durchs Gras und drei empörte Grashüpfer springen noch. Einmal den Lavendel angehaucht und sechs Hummeln hummeln herum. Es ist Insektenwetter.

    Die Zahl der Schwalbenschwänze steigerte sich auf zwei. So schön.

    Die/der Marder freut sich, dass der Subaru wieder da ist. Die Fußspuren aus Lehm auf Dach und Rückfenster deuten auf eine Party hin, die Verdauungshinterlassenschaften auf der Motorhaube ehrlich gesagt auch.

    Der Bauer mähte das Rapsfeld. Am Himmel ein Rotmilan.

    Kein Rotmilan.

    Kobern-Gondorf-Prag-Ljubljana

    Christiane erstand einen Comic von Brétécher und Monsieur eine Kettensäge

    Der Halluzinator empfiehlt mir regelmäßig The Gleaners zu sehen. Ich freute mich, auch mal eine menschliche Empfehlung zu lesen: Gesehen: The Gleaners and I (2000) – Politische Nachlese

    Karen reiste weiter: Turku-Sarajevo mit dem Zug. Folge 2: Prag und Folge 3: Prag – Graz – Ljubljana

    Kubiwahn liest Judith Hermann auf tschechisch um Tschechisch zu lernen.

    Plötzlich – kurz vor Kobern-Gondorf („Wo war Gondorf als die Westfold fiel?“) – habe ich ein starkes Gefühl der Großartigkeit. Damit meine ich nicht meine eigene Großartigkeit, sondern die des Lebens in diesem einen Moment. Ist es nicht großartig, abwechselnd lesend und aus dem Fenster schauend durch eine so schöne Gegend kutschiert zu werden?

    Ich lese und staune: Der KI – Themenbuch – Verlag® bietet freien Autoren und Ghostwritern in der Jetztzeit die Möglichkeit eigene Klima bezogene Umweltbücher zu schreiben! Im Zeichen der Umweltzerstörung und der sich anbahnenden Klimakatastrophen ist es wichtig, dass viele Autoren mit ihren KI-Umweltbüchern die Menschen auf die kommenden Umweltveränderungen vorbereiten! (Mit Link. Ich halte euch alle für erwachsen und seelisch gefestigt genug, dass ihr das weder als Empfehlung noch als Werbung interpretiert.)

  • 25-07-17 Kabane! Kabane! Kabane!

    25-07-17 Kabane! Kabane! Kabane!

    Zeichen des Herbstes: Die Komische Oper schickt ihren ersten Programmflyer für die Saison ’25/’26.

    Zeichen des Sommers: Endlich wurden die Saisonkabinen im Insulanerbad zur Vermietung freigegeben und noch freudiger gelang es mir sogar, eine zu mieten. Die Kabane ist zurück.

    Zeichen des Sommers: Madame wechselte in die sommerfrische Frisur.

    Mittwoch hatte sie ein Gespräch mit ihrem Dienstherrn, das einen leichten Hoffnungsschimmer auf irgendwannige Aufwertung meines Grabsteins umfasste. Immerhin möchte ich da im Falle eines Falles „Gatte einer Superobergeheimregierungsrätin dritten Grades“ drauf stehen haben.

    In der Ebersstraße eröffnete Cosmetique Susanne.

    Direkt am Innsi wurde das Gerüst am Platz-Umrandungs-Haus abgeräumt.

    Ich erläuterte einem DPD-Paketboten, dass man mit polnischer SIM-Karte im Handy nicht nur die +49 für Deutschland vorwählen muss, sondern auch die führende Null bei der Ortsvorwahl weglassen.

    Es gelang mir, ein wenig zu lesen. Weiter in Granta 163 Best of Young British Novelists 2023. Die Geschichte Ivor von Camilla Grudova blieb hängen. Die ist gleichzeitig verstörend, originell und gewinnt ihre Spannung daraus, dass der Ich-Erzähler das alles für vollkommen normal hält.

    Schiefgelesen.net hat mehr zu Grudova und verweist auf einen anderen Text von ihr in Granta: My art has often been criticised for being too gross, too bodily, but I am only recounting what I have seen and cleaned up in the service industry.

    Es waren drei Arbeitstage, überwiegend im Büro, in einem angenehm kühlen Juli

    Bewunderung auf dem Arbeitsweg für die Erzieher*innen und Lehrer*innen die größere Kindergruppen durch die Straßen lotsen. Ich würde Panik bekommen bei dem Gedanken, jetzt für 30 kleine Kinder verantwortlich zu sein, die über die bevölkerten Bürgersteige einer stark befahrenen vier- bis sechsspurigen Straße wandern müssen.

    Mein Arbeitsweg führt mich die meisten Tage direkt am abgebrannten Haus ein paar Straßen weiter vorbei. Jedesmal mit dem Gedanken: „Und ich bin morgens noch vorbeigelaufen, habe gesehen wie sie am Baugerüst gearbeitet haben und einfach nur ‚interessant‘ gedacht. Meine Fresse, ein paar Minuten unachtsam, jetzt ist ein ganzes Mehrfamilienhaus unbewohnbar und muss vermutlich abgerissen werden. Menschen sind innerhalb weniger Minuten obdach- und besitzlos geworden.“

    Ich denke natürlich auch: „So ein Baugerüst und so eine Dachbaustelle haben/hatten wir auch. Die haben da oben auch mit Feuer gearbeitet. Glück gehabt.“

    „Unsere“ Dachbaustelle fährt leere Paletten und abgeschnittenes Holz ab. Das weckt in mir die Hoffnung, dass irgendein Abschnitt fertig ist und Zwischen-Aufgeräumt wird.

    Erfreulicherweise funktioniert derzeit auch Warmwasser.

    Jemand beschwerte sich auf Mastodon über dienstliche Mails, die mit „Brudi“ anfangen. Ich glaube ich habe eine neue Mail-Standardbegrüßung gefunden. Muss nur noch überlegen, wie ich mit Schwesti umgehe.

    Zeichen des Herbstes: Es wird eine Arbeitsdeadline am 30. Oktober angesprochen und jemand sagt „wenn man die Urlaube rausrechnet, ist das quasi nächste Woche.“

    Bauzaun und Beginn des Tunnels unter eine Brücke mit verschiedenen Graffitti. Unter anderem "FCK Afd" und "Nazis Boxn". Im Hintergrund ein halber Bagger und das Dach eines historischen Schulgebäudes.

    Ohne Nüsse mit Märkischer Landmann

    Nach vielfachen Verschiebungen fand der Treff der Karpfentruppe1 in der Resonanz statt. Erfreulicherweise dieselbe Resonanz, die schon den Wikipedia-Stammtisch beherbergt. Und auch dieses mal fand die Wahl der Lokalität ohne meinen Beitrag statt – ist halt einfach schön dort.

    Wir begannen mit veganer Pizza ohne Nüsse bei der unkomplizierten Pizzeria nebenan, betrachteten aus der Ferne das abgebrannte Haus („die gute andere Pizzeria!“) und zogen auf die Resonanz-Terrasse weiter. Reden und Technik und Organisation, Projekte und Sternzeichen, die Oberlausitz und die AfD.

    Gerne wieder.

    optimize!.jl

    Meine eigene Woche Urlaub steht bevor und findet mich im inneren Driespalt. Einerseits ist diese Woche fest als „Wirklich, wirklich Urlaub“ vorgemerkt, denn es wird die einzige Woche dieses Sommers werden, in dem ich bachelorarbeitsfrei nehmen wollte.

    Andererseits sah der Zeitplan halt auch vor, dass ich in der Bachelorarbeit schon an anderen Stellen unterwegs bin als ich gerade bin. Und da ich ab nächsten Montag viel arbeitsfrei habe und nur sporadisch arbeite, aber eigentlich auch gerade vieles Spannendes in den Südkreuz Offices anliegt, überlege ich, wann ich die Arbeit eigentlich machen soll. Eine Woche – so viele Möglichkeiten.

    Aber noch bin ich im Alltag und kann ohne schlechtes Gewissen bachelorieren.

    Nach der gut einwöchigen Pause bewege ich mich gedanklich zurück zur Bachelorarbeit. Das bedeutet das ich VS Code/Julia öffne und erstmal

    msg = "Hello World"
    println(msg)

    vorfinde.

    Das reicht noch nicht, bringt aber gedanklich Gewöhnung zurück. Schnell aber bin ich wieder im JuMP-Tutorial und gehe noch einmal durch, wie das mit der Linearen Optimierung via JuMP funktioniert.

    (der folgende Abschnitt kommt vor allem, damit ich es einmal aufschreibe und es mir so besser merken kann). Im einfachen Beispiel:

    model = Model(HiGHS.Optimizer) #- Sagen, dass jetzt ein Optimierung kommt und diese per HiGHS gelöst werden soll
    @variable(model, xHG >= 0) #- Variablen festlegen
    @objective(model, Max, 4xHG + 2xHK + 2xSP + 2xFI + 6xFR + 4xNA) #- Zielfunktion aufschreiben, festlegen ob Minimierung oder Maximierung
    @constraint(model, c1, 3.5xHG + 2xHK + 4xSP + 2xFI + 8xFR + 0.5xNA <= 100) #- Nebenbedingungen aufschreiben
    optimize!(model) #- Modell wird gelöst. Leider ist das Ergebnis kaum entzifferbar und es bedarf weiterer Befehle, um damit etwas sinnvolles herauszubekommen
    
    #- Bei komplexeren Modellen lohnt es, sämtliche Zahlen vorher in einer CSV oder ähnlichen Datei zu schreiben und die im ersten Schritt zu importieren. -#
    

    Wenn ich das Modell jetzt einmal komplett durch JuMP/HiGHS laufen lassen, habe ich folgendes Ergebnis (das mir in der Form nicht viel mehr sagt als Euch vermutlich):

    Activating project at `C:\Users\dirki\.julia\environments\v1.11`
    Running HiGHS 1.11.0 (git hash: 364c83a51e): Copyright (c) 2025 HiGHS under MIT licence terms
    LP   has 11 rows; 6 cols; 32 nonzeros
    Coefficient ranges:
      Matrix [5e-01, 3e+01]
      Cost   [2e+00, 6e+00]
      Bound  [0e+00, 0e+00]
      RHS    [1e+00, 5e+01]
    Presolving model
    5 rows, 6 cols, 26 nonzeros  0s
    5 rows, 6 cols, 26 nonzeros  0s
    Presolve : Reductions: rows 5(-6); columns 6(-0); elements 26(-6)
    Solving the presolved LP
    Using EKK dual simplex solver - serial
      Iteration        Objective     Infeasibilities num(sum)
              0     0.0000000000e+00 Ph1: 0(0) 0s
              5    -1.5442105263e+01 Pr: 0(0) 0s
    Solving the original LP from the solution after postsolve
    Model status        : Optimal
    Simplex   iterations: 5
    Objective value     :  1.5442105263e+01
    P-D objective error :  0.0000000000e+00
    HiGHS run time      :          0.02

    Stadt-Druide mit dem Zug

    Der umgezogene Edeka Wesselburen bekommt sogar eine Pressemitteilung aus der Konzernzentrale spendiert: Kaufmann Alexander Kemper eröffnet neuen EDEKA-Markt in Wesselburen

    Berlin hat eine Stadt-Druidin: Kaa Faensen – Stadt-Druide in Berlin

    Jonas hat das Talent, irgendwohin zu gehen und es sieht auf den Fotos immer einladend und interesseweckend aus: Ein sommerlicher Tag im liebreizenden Luxemburg.

    Karen wieder on Tour: Turku-Sarajevo mit dem Zug: (1) Turku – Stockholm – Berlin – Prag

    „Temu greift mit Tütensuppen an“, steht in der Zeitung. Auch das noch.

    Anmerkungen

    1. Fragt nicht. Es ist kompliziert. Und ich kriege auch nicht mehr zusammen, woher der Name stammt. Es hat irgendwas mit generativer KI zu tun. ↩︎
  • 25-06-17 JuMP HiGHS

    25-06-17 JuMP HiGHS

    Der Mädchen-Späti überreichte mir eine rosa Teekanne und die Theory of Linear and Integer Programming.

    Es war ein heißer schwüler Sonntag in den märkischen Hamptons und ein überraschend kühl-schwüler Montag in den Südkreuz Offices. Heiß, schwül, heiß schwül, gerade der Sonntag war nahe der Grenze der Erträglichkeit.

    Deshalb zu angenehmeren Themen:

    Ein Nachtrag zum letzten Post: Madame denkt bei der Wiener Straße in Kreuzberg an den Song Görli Görli von P.R. Kantate und dessen Textzeilen:

    Weil ick wohne inne Wiena, bin een Balina
    Und och een Schlawina
    Sing üba’n Hintahof meene eegnen Lieda
    Wohne inne Wiena, bin een Balina
    Und och een Schlawina
    Doch dit is Dir ejal

    An der Grunewaldstraße/ Ecke Goltzstraße eröffnet eine neue Cambio-Carsharing-Station. Diese Nachricht begrüße ich.

    Gelesen: Die Anfängte von Carlo Levi: Die Doppelte Nacht – diese Lektüre wird nicht einfach sein.

    Gelesen: Eine Granta-Geschichte von Sarah Bernstein. Ein Ausschnitt aus Study for Obedience. Auch wenn die Kulturkritikreferenzen natürlich literarischer sind, musste ich vor allem an Stephen King denken. Diese Mischung aus banaler Alltäglichkeit in der Geschichte, in der Nichts passiert, und dem alltäglichen kleinen Ort im Nichts, in dem sich einfach alles bedrohlich anführt. Das ist King at his best.

    Dem Gemüseangebot nach gehen zur Zeit vor allem Zucchini und Kohlrabi. Das ist nicht das Schlechteste. Aus der Experimentalküche: Kalte Joghurt-Zucchinisuppe und danach – weniger Experimental – Nürnberger Würstchen und Fenchen-Orangensalat. Noch haben wir letzte Crowdfarming-Orangen.

    Unter der Gartendusche geschrieben

    Dieses Wochenende flog kein nächtlicher Rettungshubschrauber über den Bungalow. Dafür heulte die Feuerwehrsirene Nachts um vier. An sich finde ich Sirenen als Ausbund von Low-Tech-Resilienz-und-Redundanz super. Aber wenn sie quasi neben dem Bett mitten in der Nacht losgeht, trübt sich diese generelle Freude am Objekt kurz ein.

    Immerhin, um vier war das Wetter noch in Ordnung. Später dann: Hochsommer. Der Sonnenschirm verließ sein Lager ebenso wie die Gartendusche. Madame wagte sich in die Hitzefalle Schlafboden, um dort Ordnung zu schaffen.

    Mohn ist aus. Noch nicht ganz. Aber die Blühfreude der Mohnblumen lässt deutlich nach, die Kräfte der Pflanzen scheinen langsam zu erlahmen. Jetzt können wir nur darauf hoffen, dass die Samen sich weit und erfolgreich verteilen.

    Dafür blühen die Rosen. Die Robustas mit einem leuchtenen roten Band in zwei Meter Höhe, wie wir es noch nie sahen. Die Rosarium Uetersen schlängelt sich mit ihrem dunklen Rosa an den leuchten roten Robustas vorbei. Selbst die Alten Rosen blühen, offensichtlich konnte Madame sie vor der Totalentblütung durch den Rosentriebbohrer bewahren.

    Und so haben Mme. Hardy, Alba und Tuscany je eine Blüte in weit, weiß und violett. Die älteren und größeren Pink Moss (in Pink) und Gallica versicolor (rot-weiß) haben nachgeradezu viele Büten.

    In der Wiese aus Fußhöhe: die rosa-violett leuchtenden Nelken, auf Brusthöhe die Knautien, die eine nie gesehene Pracht aufbieten. Umso schöner, weil beide ein Geschenk sind, nie bewusst von uns in die Wiese gesetzt wurden.

    Julia, oh Julia

    Ich habe Zeit, mich näher mit Julia zu befassen; der Programmiersprache. Und quasi alles was ich sehe gefällt mir.

    Zuerst: ich glaube sie kann (fast nativ) alles was ich benötige. Lineare Algebra ist quasi ihre eingebaute Superkraft. Mit Hilfe der JuMP-Erweiterung kann Lineare Programme lösen, die ihr in fast normaler mathematischer Notation gereicht werden. Sie unterstützt 54 Solver, von denen mir derzeit HiGHS der beste zu sein scheint. Und mit Hilfe von ParametricOptInterface.jl kann sie sogar Parametrisierung, ohne dass ich mich dreifach durchs Fenster verbiegen muss.

    Was mir aber fast wichtiger ist. Der Spirit stimmt.

    Die Julia-Community hat Chancen auf den albernsten Buchtitel ever: Romeo and Julia, where Romeo is Basic Statistics. Aber auch andere Bücher, die mehr vielleicht mehr nutzen, haben einen angenehmen Vibe. Da wäre zum Beispiel Julia Programming for Operations Research 2/e oder auch die allgemeine Einführung, die ich schon wieder nicht mehr finde.

    Ihr „gentle“ Youtube-Tutorial hatte mich, als sie drei Voraussetzungen erwähnten, die man erfüllen muss, um Julia zu lernen. Eine, und am wichtigsten: The ability to create folders and subfolders. Immer nötig, oft unterschätzt, diese Fähigkeit.

    Und so verschwand ich vor allem um Juliaversum. Immerhin nicht auch ein bißchen ganz normalen Text für die Bachelorarbeit zu produzieren; hocherfreut wie gut das gerade funktioniert.

    Labskau

    In meiner Schulzeit hatte Niedersachsen in der 5./6. Klasse die Orientierungsstufe erfunden; ein klarer politischer Kompromiss zwischen den Menschen, die lange eine Gesamtschule wollten und denjenigen, die klassisch nach der fünften Klasse die Schüler*innen separieren wollten. Innerhalb der Orientierungsstufe wurden bestimmte Fächer zusammen unterrichtet, andere wie zB Mathe in A-, B-, und C-Kurs unterteilt. AUsgehend von dieser Erfahrung las ich gespannt den differenzierten Bericht zur Binnendifferenzierung innerhalb einer Schulform: Differenzierung: Gut für die Kinder oder die Lehrer?

    Mein Opa war Seemann (entlang der Levante, von der ich als Kind immer nicht wusste, wo die liegt). Und als Seemann wusste er, wie man Labskaus macht. Lustigerweise hat er immer Labskau‘ gesagt, aber das nur nebenbei.

    Endlich einmal ein bißchen Glamour für/über/bei/mit Wikipedia: wikipedia-x-armedangels

  • 25-06-15 Julia, die Himbeerlimonade und ich

    25-06-15 Julia, die Himbeerlimonade und ich

    Madame brachte Gartenkirschen von der Keramik mit.

    Das Kreischen der Mauersegler ist in der Wohnung zu hören.

    Es war das Ende der Woche. Ein Arbeitsfreitag und ein Samstag in Berlin-Kreuzberg. Der erste Tag des Hochsommers.

    Er begann mit einem kühlen Freitagsarbeitsweg. Ich war eine halbe Stunde früher dran also sonst. Und plötzlich waren die Straßen nicht mehr voller Pendler*innen sondern voller Jogger*innen. Der kleine Sportplatz im Cheruskerpark war noch ungenutzt. Die Sonne kam erst im Laufe des Tages.

    Freitag war der Hochsommer noch so frisch, dass Menschen freiwillig auf der Sonnenseite der Straße gingen. Bis Samstag hatte sich das bereits geändert.

    An der Bushaltestelle ein Mann mit zotteligem Haar und Bart, etwa 30, der sein Shirt hochgezogen hatte mit den Hüften kreiste und auf seinen Sixpack zeigte. Ich fragte mich, ob das für Schöneberg noch als normal gilt oder eher nicht.

    Der neueste Imbiss-Trend scheinen Steak-Döner zu sein. Vermutlich der Nachfolger des Smash-Burger. Diverse Läden eröffnen oder stehen kurz davor.

    Nachdem wir seit Jahren Crêpes Suzette essen wollen, und es irgendwie nie klappt, nicht einmal in Paris, entdeckte ich, dass in Prenzlauer Berg eine ganze Crêperie namens Suzette steht, die acht oder neun flambierte Crêpes im Angebot hat. Da sollte es wohl mal funktionieren.

    In der deutschen Wikipedia erschien ein Artikel zum South Park Tower. Das freut mich. Umso spannender, weil ich das Hochhaus schon in echt gesehen habe – unwissend welchen Namen es trägt.

    Die Welt sollte mehr sein wie Kreuzberg

    In der ehemaligen Bechstein-Klavierfabrik befindet sich heute eine Tauchschule mit eigenem Schwimmbecken. Gegenüber dem Wellenbad am Spreewaldplatz hat ein Koreaner eröffnet, der Teigtaschen mit Kimchi verkauft.

    Ich wandelte durch einen Straßenblock Kreuzberg und staunte: Jeder Meter sind andere spannende Aufkleber und Graffiti. Eingänge und Häuser mit Kletterblumen bewachsen, und trotzdem halten sich immer noch Lebensmittelläden und andere Geschäfte des täglichen Bedarfs.

    Auf der Straße kam mir ein Wesen in einer Art Ordensornat entgegen, das in seiner genderfluiden Großartigkeit schon fast die Mühsal der menschlichen Ebene verlassen hatte und wirkte wie direkt auf dem Weg zum Mars.

    Und ich dachte, die Welt sollte mehr sein wie Kreuzberg. Dann wäre sie besser. Nicht zu 100% und überall. Aber so generell.

    Alle drei Meter kam mir eine neue Romanidee in den Sinn. Ich dachte, hier sollte dringend ein Roman geschrieben werden. Dann sah ich das Straßenschild: Wiener Straße. Und natürlich hatte schon jemand die Idee.

    Meine zweite Assoziation angesichts des Straßenschilds war origineller: Leitungsstörung. Unser Telekom-Anbieter schickt uns Mails, wenn an irgendeinem Schwimmbadstandort die Leitung zickt. Da steht aber nie das Bad bei, sondern nur die Straßenadresse. Eine davon ist die Wiener Straße.

    Dann gilt es zu ergründen: Welches Bad? Ist das jetzt ein Problem, oder wird das Bad eh grad renoviert und steht im Rohnau? Wobei die meisten Bäder so groß sind, dass sie mehrere Adressen an verschiedenen Straßen haben. Aber der Ehrgeiz besteht natürlich, nur anhand der Adresse das Bad zu erkennen ohne nachschauen zu müssen. Und so überlege ich sofort „Welches Bad“, wenn ich Wiener Straße lese.

    Aber klar, das Wellenbad am Spreewaldplatz, das dort steht, befindet sich in einer Grundsanierung. Kein Wunder, dass öfter Störungsmeldungen kommen.

    Ich aber wollte ins das ehemalige Umspannwerk direkt neben der ehemaligen Desinfections-Anstalt I. Denn dort fand eine Versammlung statt.

    60 von 113000

    Wir waren nicht anlasslos in Kreuzberg. Wikimedia Deutschland, die Gesellschaft zur Förderung freien Wissens hatte zur Mitgliederversammlung geladen.

    Die Geschichte zwischen Wikimedia und Wikipedia ist lang und kompliziert. So kommen zur MV fast keine aktiven Wikipedistas mehr; ein Großteil der Teilnehmer*innen sind pensionierte Studienrät*innen, die Wikipedia unterstützen wollen und dann vor Ort überrascht erfahren, dass Wikimedia und Wikipedia verschiedene Sachen sind.

    Inzwischen wurde aber ein passendes Format gefunden: ein Abend und ein Vormittag, in dem den Mitgliedern Wikimedia erklärt wird, und ein Nachtmittag mit der eigentlichen Versammlung, in der es um Abstimmungen und Ähnliches geht.

    Als Fast-Gründungsmitglied, ex-Präsidiumsmitglied und Ex-Angestellter des Vereins finde ich es ganz nett, zumindest einmal im Jahr zu schauen wie es ihm geht. Zumal ich das als Mitglied einer Zählkommission machen kann, die aus lauter Wikipedia-Veteran*innen besteht. (Danke auch an Nicole für das Kümmern darum!)

    Der Verein hat inzwischen 113.000 Mitglieder, von denen sich 60 an den offenen Abstimmungen vor Ort oder im Livestream beteiligten. Zur Wahl der Kassenprüfer*innen wurden 350 Stimmen abgegeben. 112.650 Mitglieder beteiligten sich nicht.

    Der Verein ist in vielerlei Hinsicht skurril. Aber es war ein sehr netter Tag. Madame lernte noch die Storck-Unternehmenskommunikation kennen. Ich hörte Musik. Vormittags in Kreuzberg, Nachmittags in der Versammlung.

    (Der Rückblick-Blogpost beim Verein)

    Tätowierungen und Lambdas

    Wahrscheinlich war es der Kreuzberg-Vibe, der auf mich überging. Plötzlich hatte ich den Gedanken: Tattoo. Und da ich halt auch in Gedanken die ganze Zeit bei der Bachelorarbeit war, dachte ich: Warum sollte nicht die Zielfunktion meines Modells auf den Unterarm:

    \[max. x_0 = 2x_{HG} + 2x_{HK} + 6x_{FI} + 3x_{FR} + 1x_{SP} + 4x_{NA} \]

    Aber dann fiel mir ein, dass die Bachelorarbeits-Zielfunktion noch gar nicht 100% feststeht und in dieser Variante die Lambdas fehlen und überhaupt.

    Eigentlich versuche ich ja vor allem, gerade Textmenge zu schaffen, indem ich blind Sachen herunterschreibe. In meinen Hirn steht LE langsam nicht mehr als großspurige Abkürzung für „Leipzig, fast so cool wie LA“ sondern für Kleinergleich. Auf englisch: lesser equal. In LaTeX: \le. Aber dafür brauche ich einen Monitor und einen Schreibtisch und die Gewissheit, mindestens eine halbe Stunde lang weder von Innen noch von Außen gestört zu werden.

    Aber ich danke auch zu anderen Zeiten über die Arbeit nach. Quasi dauernd danke ich innerlich Gilbert Strang und Vašek Chvatal, weil sie so viele meiner Fragen beantworteten. Und neben der Tattoo-Idee beschäftigt mich noch eine andere Frage: ich muss mein Modell ja nicht nur aufstellen und erläutern, sondern auch lösen. Von Hand ist das eigentlich nicht mehr machbar.

    Also braucht es technische Hilfe. Mein Ursprungsplan: Alles in R schreiben , weil ich R mag. Aber der Plan hat Probleme. R ist eine Statistiksprache und kann ein paar Sachen nicht, die ich brauche. Also kam die Idee: R und ein bißchen in der Programmiersprache Julia. Die hat native Unterstützung linearer Programme und ist für meine Zwecke wie geschaffen.

    Jetzt, am Landwehrkanal, beschloss ich, R einfach R sein zu lassen, und mich nur Julia zuzuwenden. Als ich den Halluzinator fragte, ob er mir mehr zu Julia und Linearen Programmen erzählen kann, hat der mir gleich ein einfaches Modell mit einem Limonadenstand mit zwei Angeboten (Zitronenlimo und Himbeerlimo und einem variablen Zuckerpreis) sowie dessen Implementierung in Julia aufgebaut.

    Ich bin ziemlich gefeit gegen zuviel-KI-in-einer-Arbeit, einfach weil ich mich weigere Sachen aufzuschreiben, die ich nicht komplett selbst verstehe. Aber ich war beeidruckt.

    Neuruppin – Hochschwarzwald – Mallorca

    Maik Horn fährt mit dem Traktor von Neuruppin nach Mallorca.

    Frau Brüllen als Schwimmbadinfluencerin. Und natürlich habe ich mich zwei Absätze gefragt, seit wann sie Finanzratgeber liest.