Schlagwort: Neukölln

  • 26-02-19 The Rest is Silence

    26-02-19 The Rest is Silence

    Ich versuche den Frühling herbeizuziehen, indem ich möglichst oft die Wetterseite im Internet öffne. Irgendwann sollen es zehn Grad werden!

    Währenddessen berichtet der Kaptain von Schneeverwehungen in Dithmarschen. Kurz darauf ein Video-Meeting mit einem Dienstleister aus Nordfriesland, der von seinen Schneebergen erzählt.

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    Madame besuchte mit Miss Candy Bar den Zoo das Naturkundemuseum den Zoo in Basel. Sie sahen Flamingos.

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    Mich besuchte eine Kohlmeise. Einmal kurz das Fenster zum Lüften geöffnet, schon hing der niedliche Vogel auf der falschen Seite vom Schlafzimmerfenster.

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    Ich hätte nicht das Bild von der Reparatur-Rolltreppe am Südkreuz posten sollen. Postwendend kam die Nachricht: Wie ein Sprecher der Deutschen Bahn dem rbb am Mittwochabend sagte, sind bei einem bestimmten Rolltreppen-Typ zuletzt Defekte am Getriebe aufgetreten. Als Vorsichtsmaßnahme seien nun am Hauptbahnhof 42 von 50 Rolltreppen außer Betrieb genommen worden. Am Bahnhof Südkreuz seien 10 von 20 Rolltreppen betroffen.

    Und die anderen 10 sind vermutlich sowieso grad in Reparatur.

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    Es waren drei Tage der Arbeit ohne Madame mit Kino und Gemüseabholung.

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    Eigentlich finde ich, es reicht, dass ich acht Stunden am Tag aufmerksam und verbindlich bin und versuche schnell und umfassend in allen (IT-)Lebenslagen zu helfen. Den Rest der Zeit darf ich dann auch selbstvergessen rumgrummeln.

    Manchmal lässt es sich nicht vermeiden.

    Mittwoch absolvierte ich meine guten Taten für den Monat.

    Morgens leitete ich einen jungen Mann, der drei Worte englisch sprach und anscheinend auch mit lateinischen Buchstaben Probleme hatte aus der S-Bahn und zu seinem Gleis Richtung FEX zum BER.

    Abends half ich der älteren Dame an der Gemüsli-Abholstation, die das dort übliche es-ist-dunkel-und-immer-fehlt-eine-Hand-Problem hatte, indem ich leuchtete und ansagte, was sie einpacken kann.

    Damit ist auch gut für den Februar.

    Solawi am Fußballplatz

    Wir sind ja „damals“ (im Spätsommer 2025) der Solawi Gemüslichkeit unter anderem deshalb beigetreten, weil der Abholpunkt praktisch lag. Nicht ahnten wir, dass wir schon kurz darauf umziehen würden. Jetzt liegt der ABholpunkt immer noch okay. Aber vor allem ist das Projekt sympathisch.

    Falls wir je wechseln wollten (oder die Gemüslichkeit langfristig doch zu sehr auf Kante genäht ist): Das Gemüse Syndikat ist ein Zusammenschluss zweier Höfe, einer davon in Kremmen, und hat seine Lieferstation im Nachbarschaftshaus an der Wilmersdorfer Dorfaue am Ufer des Sees Fußballplatzes.

    Essig? Apfelsaft?

    Der Ortsteil Neukölln im Bezirk Neukölln ist spannend. Im Wesentlichen verläuft er entlang dreier Ausfallstraßen Richtung Brandenburg. Im Osten die Sonnenallee, die so nah an Little Arabia kommt wie nur irgendmöglich. Laut, bunt, anstrengend, spannend.

    Im Westen die Hermannstraße: Auch irgendwie Neukölln, aber im Vergleich immer etwas leblos, leer nicht wirklich wissend ob das jetzt wirklich schon Neukölln oder eher hippes Kreuzberg oder doch Brandenburg sein möchte.

    Dazwischen: Die Karl-Marx-Straße: Die Straße in der migrantisches Kultur und Hipstertum zusammen jede Menge Handy-Flagship-Stores, schicke Cafés und Imbisse jeder Art hervorzauberten. Dort findet sich ein edler Kunstbedarfsladen neben Import-Exports, zudem auch der Heimathafen Neukölln, die Neuköllner Oper und das Passage Kino.

    Alfred-Scholz-Platz Neukölln. Eine leichte Schneedecke, Einige Menschen sind zu Fuß unterwegs. Abendlicht eines trüben Tages. Im HIntergrund ein beleuchtetes Werbeplakat.

    Das einzig mir bekannte Yorck-Kino mit Kronleuchter und im Sommer einem Klavier auf dem Innenhof. Spannende Gegend.

    Überraschend im Saal: Ein leichter Geruch umwehte mich kurz währned des Films. Zu schwach um zu stören, aber merkbar genug um Interesse zu wecken. Säuerlich-durchdringend. Erst dachte ich: Fermentation. Aber dazu war es irgendwie zu sauer. Dann „Essig“, dafür war es aber nicht durchdringend genug. Am Ende einigte ich mich auf vergorenen Apfelsaft. Gar nicht unpassend für einen Film, der im 15. Jahrhundert spielt und naturnah angelegt ist.

    Aber was machte der Geruch im Kino?

    Agnes

    Im Kino gewesen: Hamnet1. Ein wenig hatte ich mich gedrückt, weil mir der Trailer zu sehr „amerikanisch-hollywood-konventionell“ war. Welch Irrtum!

    • Ich bin eher nicht der Typ, der im Kino heult. Aber diesmal erforderte es starkes Zusammenreißen und Taschentücher habe ich auch benötigt. Womit ich in dem Kinosaal bei weitem nicht die einzige Person war.
    • Ich habe nur sehr sehr selten so derart klug gebaute Filme gesehen. Da passte einfach alles, vom Plotaufbau über die Bilder, Räume, Kostüme und die Musik.
    • Womit der Film in seiner Mischung aus Klugheit und emotionaler Wucht dem echten Shakespeare überraschend nahe kommt.

    Wikipedia-Diskussionsseiten

    Porträt des Autors als Trommelhase ohne Duracell. Und da steht man dann, in seinem rosafarbenen Plüsch, und fühlt sich seltsam sinnlos.

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    Wo sind die Audiokommentare hin? Auf den DVDs waren die oft spannender als der eigentliche Film. Immerhin fand ich zu Hamnet ein Video: Paul Mescal, Jessie Buckley & Director Chloe Zhao Break Down a Scene From ‚Hamnet‘

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    Ein klassischer Fall von „Schau halt aus dem Fenster.“ Aber „Will haben“

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    Herr Feinanteil fährt in die große Stadt: Wenn wir in Berlin sind versuchen wir uns immer an einem neuen Stadtteil, um das Flair dort möglichst direkt zu kosten. Die Unterschiede sind bislang kleiner, als man denkt. Was uns dieses Mal z.B. sofort auffällt: in Friedrichshain, aber auch im Rest von Berlin wird flächendeckend gegen die Räum- und Streupflicht auf Gehwegen verstoßen.

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    Holger verweist auf die Wikipedia-Diskussionsseite(!) zur Frage A Coruña oder La Coruña. Und dann legt er nach:

    Ich hatte mich ursprünglich hauptsächlich darum gekümmert, dass der [Wikipedia-]Artikel über Rasenmäherrennen auf dem aktuellen Stand kommt, weil ich damals quasi die deutsche Meisterschaft erfunden habe (eRWM , ist ne andere Geschichte). Der damals vorhandene Artikel war absolut veraltet, wie das manchmal so ist bei Themen, die nicht alle interessieren (Da könnte ich eigentlich mal wieder reingucken…). Ich habe gerade in meinem eigenen Wikipedia-Account nachgeschaut: Dort ist der letzte, der älteste Eintrag in meiner Edit-Liste vom 21 September 2006. Juhu: Ich habe ein Jubiläumsjahr – 20 Jahre aktiv bei Wikipedia! Das ist schon erstaunlich lange,

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    There’s a story behind every Wikipedia edit. This here is just one out of many millions. It starts from an award for LGBT reality TV stars and ends with Biblical Hebrew vowels and a village in Cornwall.

    Anmerkungen

    1. Yorck Unlimited Besuch No. 11 – also 21,64€ pro Besuch. ↩︎

  • 26-01-29 Bilder von Hinterköpfen

    26-01-29 Bilder von Hinterköpfen

    Im Südkreuz ein Schwarm Spatzen.

    Im Netto Rollbergviertel stehen die ersten Paletten mit Milka-Osterhasen.

    Im Kino lernte ich von einem neuen Beruf. Yorck-Kinos suchen eine „Fachkraft Fein- und Sonderreinigung“. Wie ich mir zusammenrecherchierte scheint das eine besondere Spezialisierung für die Erstreinigung nach Neu- oder Umbauten zu sein.

    Es waren drei Tage der Arbeit zwischen Eis, Erkältung und Kino.

    Wie es sich gehört, sind wir beide mit latenter Erkältung unterwegs. Nie schlimm genug, um wirklich zu sagen „ich bin krank“. Aber doch nervig genug für verstopfte Nasen, gelegentliche Glieder- oder Kopfschmerzen und ein Schlafbedürfnis jenseits des Normalen.

    Um Madames Schwimmhallenbesuchsvorsprung nicht zu groß werden zu lassen, verlegte ich die Mobile-Arbeits-Tags-Mittagspause wieder in die Schwimmhalle. Entweder ich werde jetzt gesund oder wenigstens richtig krank.

    Wahrscheinlich trägt auch die Stallhaltung unsererseits zum Ansatz einer Unpässlichkeit bei. Aber auf den Eiswegen da draußen möchte mensch keinen Schritt mehr laufen als unbedingt nötig.

    Aktueller Stand:

    • Auf wenig genutzten Wegen liegt eine Art zu Eis gefrorener Schnee
    • Auf sehr stark genutzten Wegen (zB die ersten drei Meter vor dem U-Bahn-Zugang): das Eis wurde durch zuviel Reibung aufgelöst, auf den nächsten drei Metern bilden sich Löcher im Eispanzer, bevor wieder etwas weiter Weg die Eisplatte beginnt.
    • Denn auf stark genutzte Wegen wurde das Schnee-Eis durch den Druck der vorbei laufenden Menschen zu blanken Eisplatten komprimiert. Befördert wird das durch die 21. Jahrhundert-Variante des ausgelagerten Winterdienstes, der gerne in Eiltempo mit einem Autolein den Schnee vom Eis fegt und – ohne zu streuen – die Eisflächen übrig lässt.

    Die Mall der tropfenden Eimer

    Ich war erst auf dem Weg ins Kino und lief durch ein Gebäude, dass mich geradezu anschrie: „Dreh einen Film in mir! Oder fünf! Hole Jim Jarmusch, Aki Kaurismäki und Marion Ade!“

    Das Einkaufszentrum Kindl Boulevard im Rollbergviertel hat alles was einen Unort auszeichnet: Eine Mall voll leerstehender Geschäfte, 1990er-billig-Investoren-Architektur, Behörden- und Jobcenterflure in den höheren Stockwerken und eine tiefe Aura der Hoffnungslosigkeit, die seit mindestens 2007 andauert. Ein Mann der durch die Gänge wankte und „Deutschland! Deutschland!“ sang.

    Aber wie geballt! Wie ausdrucksstark! Wie geschickt wird die Lost Mall akzentuiert durch den Laden für afghanische Festkleidung (türkische Hochzeitsläden sind nichts dagegen) und das Arthouse Kino.

    Noch aber fehlt der Film zum Boulevard. Noch ist der stärkste Anspruch auf Ruhm des Boulvards seine Eimersammlung. Regelmäßig bei Starkregen stehen die ganze Länge des Durchgangs entlang Putzeimer, die den Regen auffangen.

    Gleich möchte ich das Drehbuch beginnen: Die einsame Arbeiterin im Asia Imbiss des Marktes, eigentlich Filipina muss sie sich als Vietnamesin ausgeben „um ins Konzept zu passen.“ Ein Cast aus Stammgästen aus Bürgeramt und Jobcenter-Mitarbeitern. Dazu Gelegenheitsbesucher*innen: Jobcenter-„Kunden“, die Wärme brauchen, verirrte Gäste des Arthouse-Kinos und Gäste des Business-Hotels, die ausversehen den falschen Ausgang nahmen. Eine zärtliche Liebesgeschichte zwischen der Asia-Imbiss-Mitarbeiterin und einem Jobcenter-Sachbearbeiter bahnt sich an. Dann entdeckt er, dass sie keinen Aufenthaltsstatus besitzt. Er setzt dadurch eine Lawine von Ereignissen in Gang und muss sich am Ende in die Berliner Halbwelt begeben, um sie wieder zu finden.

    一一

    Dabei war ich nicht gekommen, um einen Film zu schreiben, sondern um einen Film zu sehen1. Und was für ein Film: 一一 , in lateinischer Umschrift Yī yī. englischer Titel Yi Yi – A one and a two2, ein Klassiker derTaiwan New Wave und Stammgast in „Die besten Filme des 21. Jahrhunderts“-Listen3.

    Was für ein spannender Film! Nicht im Sinne von Plot, Spannung, Suspense. Eher im Gegenteil. Der Film vermeidet alles, was mensch in Storytelling-Seminare lernt: Kein Spannungsbogen, keine Emotionalisierung, kein Charakter, der einen als Zuschauer emotional an die Hand nimmt und zur Identifikation auffordert. Aber:

    Jede Einstellung ein Gemälde. Jedes Autogeräusch ein Sound. Jede Sekunde voll menschlichem Leben. Der Film vermeidet Konventionen, löst sie geradezu auf, und schafft dadurch eine besondere Atmosphäre. Fast fühlte ich mich wie im Zauberberg – die Zeit aufgelöst, ich fragte mich kurz, gibt es überhaupt eine Handlung?

    Dann fiel mir auf: Eine Geburt, eine erste Liebe, eine Hochzeit, ein vielleicht-Suizidversuch, mehrere Ehedramen, ein Mutter-Tochter-Drama, ein Schlaganfall, ein Mord, eine Beerdingung – das ganze volle Leben war in allen Facetten präsent.

    Und weil der Film so voll war, mich auch mit einigen Tagen Abstand immer noch dezent überfordert, versuche ich mich auf einige wenige Aspekte konzentrieren4.

    Der Plot: Von Hochzeit und Beerdigung

    Zentrale Charaktere sind NJ (Vater), Min-Min (Mutter), Ting-Ting (Tochter, 13) und Yang-Yang (Sohn, 8). Der Film beginnt mit der Hochzeit von Min-Mins-Bruder, einem rechten Hallodri, die von des Bruders Ex-Freundin erfolgreich gesprengt wird. Am selben Tag erleidet Min-Mins Mutter einen Schlaganfall und fällt ins Koma.

    Wie es sich für eine Familie gehört, löst sich die Handlung in zahlreiche Subplots auf (Min-Min im Kloster, NJ trifft seine Jugendliebe wieder, Ting-Ting (sie und ihre beste Freundin Lili haben nacheinander denselben Freund, der auch mit Lilis Mutter zusammen ist, die wiederum eine Affäre mit Lilis Englischlehrer hat, mit dem auch Lili eine Affäre beginnt), der drohende Untergang mit NJs Unternehmen) und bei der Beerdigung der Großmutter wieder zusammenzufinden.

    Straßengrundrauschen

    Irgendwann fiel mir auf: Ich höre im Film nur Musik, wenn auch die Charaktere selber Musik hören. Sei es Hintergrund in einer Bar, jemand spielt Klavier, jemand singt.

    Dann fiel mir auf: Eigentlich höre ich immer das, was die Charaktere auch hören. Vielleicht Musik, vielleicht eine röhrende Küchenmaschine, vielleicht einen Streit aus der Nachbarwohnung, sehr oft höre ich Autos, denn die Geschichte spielt in der Großstadt. Es schafft eine ungahnte Unmittelbarkeit.

    Noch später fiel mir auf: Ich höre nicht „einfach“ das, was jetzt realistisch wäre. Alles hat Rhythmus, alles rahmt die Handlung, setzte Akzente. Fußböden quietschen als würden sie sagen „Hotel mit Vergangenheit für Menschen mit Vergangenheit“, Straßen erzeugen ein prägnantes Hintergrundrauschen. Alles im Fluss.

    Filme vom Leben

    Irgendwo in der Zeitlosigkeit des Film gehen Ying-Ying und ihr Freund ins Kino und unterhalten sich. Sie bevorzugt RomComs, er realistisches Drama. Sie: „Warum Filme ansehen, die einfach vom normalen Leben handeln. Wäre es nicht sinnvoller, einfach rauszugehen und zu Leben.“ Er: „Mein Onkel sagt, seitdem das Kino erfunden wurde, leben wir dreimal so lang wie zuvor.“

    Später: Yang-Yang macht mit seiner neuen Kameras Fotos von Hinterköpfen und schenkt sie den fotografierten. „Damit du das sehen kannst, was du sonst nicht siehst.“

    Belgrad- A Coruna – Malcom F.

    Auf Geschäftsreise in Belgrad.

    Auf Privatreise. Einfach mal in den Bus steigen.

    hmble Musik.

    How Browsers work – in interaktiv. (via Stefan)

    I’m a linguist, and when people find out about it, they very often ask how many languages I speak. I hate it.

    Haselantische Zugabe

    Vorscht! Bitte nicht scheten. (Prompt: Erstelle mir eine Illustration zum vorhergehenden Text)

    Anmerkungen

    1. Yorck-Unlimited-Besuch No. 7 – ergo 34€ pro Besuch. ↩︎
    2. 一 ist das Zeichen für eins. 一一 als eins, eins bezeihungsweise normalerweise gemeint als „eins nach dem anderen.“ Schreibt man die Striche nicht nach- sondern übereinander, ist es das Zeichen für zwei. ↩︎
    3. Was meine Banausigkeit unterstreicht mit der ich von diesem Film das erste Mal in meinem Leben vor etwa zwei Wochen erfuhr. ↩︎
    4. Nur als kleine Anmerkung was noch alles ginge: Ein langer Text, der sich mit dem Einsatz von Hokkien, der indigenen Sprache Taiwans, im Unterschied zum chinesischen Mandarin befasst: Feeling Seen: Edward Yang’s Yi Yi ↩︎
  • 25-10-01 Stadtbäume. Und eine Tram. (Paris)

    25-10-01 Stadtbäume. Und eine Tram. (Paris)

    Haltung besitzen Menschen, die in der Pariser Metro stehend zweihändig ein Hardcover lesen können, sich dementsprechend nirgends festhalten, aber auf der wilden Fahrt auch nicht einmal wackeln. Ein neues Lebensziel für mich.

    Diese Zeilen entstehen an Tag anderthalb in Tübingen und ich schreibe über Paris. Wir reisen schneller als ich schreiben kann. Der Blog geht nach. Vielleicht gehe ich auch selber nach. Soviel Input.

    Montag war ein Tag des Laufens in Paris.

    Am Sonntag war noch der Weg der Weg und das Ziel das Ziel gewesen. Hätten wir uns direkt zu den Tres riches heures, dem Spectale du Pferd und der Hulten/Tinguely/de Saint Phalle-Ausstellung beamen können, hätten wir es ernstlich in Erwägung gezogen – allein um den Stress zu reduzieren.

    Am Montag sollte es anders sein: Wir hatten ein paar Punkte auf der Route (Parc des Buttes-Chaumont / Parc Belleville / Rue Oberkampf / Bibliothèque nationale de France (Site François-Mitterrand)). Aber der Weg war mindestens genauso das Ziel. Paris-Bummel war angesagt. Er führte uns durch das 20., 19. und 11. Arrondissement, umfasste die Rue Belleville, den Boulevard Belleville, die Rue Oberkampf, den Boulevard du Temple und den Place de la République.

    Lustigerweise hatten wir trotz arg verschiedener Herangehensweise an beiden Tagen ähnlich viele Schritte auf dem Handy. Aber ich werde am Beginn beginnen

    7bis – Kasperltheater

    Es war ein Teig der Steinbrüche.

    Der Park von Buttes Chaumont wurde 1867 auf dem Gelände eines ehemaligen Steinbruchs angelegt.

    Der Untergrund ist felsig. Allein der Weg mit der Metro bis zum Park ein kleines Abenteuer. Der Weg spannend, den die Metrolinie 7bis fährt – ich vermute aufgrund des Bodens – nur einspurig ausgeführt, fährt im kleinen Kreis bis zum Park. Wie ich lernte, wurde sie 1967 von der großen Linie 7 abgetrennt und seitdem offensichtlich museal genau im Zustand von 1967 bewahrt. Der Aufstieg von der Station in den Park geht hoch genug, dass ein Fahrstuhl der Standard-Transport weg ist.

    Er weist für Paris beträchtliche Höhenunterschiede auf. Zentraler Punkt ist die Île du Belvédère, ein Einzelfelsen mit Aussichtstempel darauf. Um ihn herum der See, weitere Hügel, aufwendig gepflegte Blumenbeete, ein pittoreskes Kasperltheater (wegen Herbst geschlossen) und eine pittoreske Kinder-Schiffsschaukel alter Schule (also für zwei Personen, die schon selbst Schaukeln müssen).

    Die große Kaskade wird gelegentlich angeschaltet, sie versorgt einen sich malerisch schlängelnden Felsen-„Wildbach“, der im See um die Île du Belvédère endet. Die kleine Kaskade läuft dauerhaft.

    Im Park sind Pariser*innen, unterwegs, die Tai Chi betreiben, Hunde ausführen, Joggen, Picknicken – die Menschen fast so picturesque wie der Park selber. Und wenn in Paris die Revolution ausbricht, werden im Park immer noch schöne Menschen Tai Chi betreiben.

    Flöten und Pinkeln

    Buttes-Chaumont hatte starkes Die-zauberhafte-Welt-der-Amelie-Feeling. Menschen machen schöne Sachen in malerischer Umgebung. Nicht weit entfernt lag aber Belleville und der Parc Belleville.

    Belleville war als wildes, urbanes, migrantisches Paris versprochen worden. Ich würde sagen, wenn man die Schöneberger Hauptstraße und die Neuköllner Sonnenallee kennt, gab es wenig Überraschungen. Aber der Park war schon anders als der Parc des Buttes-Chaumont. Der Parc Belleville wurde 1988 auf dem Hanggelände eines ehemaligen Steinbruchs angelegt – dementsprechend steil geht er bergab.

    Er ist terrassiert, die einzelnen Terrassen immer nur wenige Meter breit, und überwiegend neben den Wegen dicht mit Bäumen und Sträuchern bewachsen. Abgesehen von einigen Aussichtspunkten (mit Blick auf den Eiffelturm) ist er also eher unübersichtlich.

    Und so betraten wir den Park an einer engen Stelle, links und rechts lagen noch Privatgrundstücke, und der erste Parkbesucher, der uns begegnete, war ein Mann der an einem Baum pinkelte. Das war nicht mehr Amelie-Land.

    Etwas weiter im Park, wir hatten mittlerweile verschiedene picknickende Studentinnengruppen passiert, fanden wir ein Bänkchen vor uns, aßen in Belleville gekaufte Pastilla-Pastetchen, und konnten beobachten, wir gut solche Hänge Klang transportieren. Wir hörten ein Doppelkonzert aus Ukulele (vermutlich eher oben am Hang) und Flöte (eher unten am Hang).

    Einen Abstieg weiter am Vertikalspielplatz folgte ein schlafender Obdachloser, der seine spärliche Kleidung am Zaun zum Trocknen aufgehängt hatte.

    Von Neukölln nach Prenzlberg

    Die Rue Oberkampf bot mir zwei Attraktionen. Das älteste Schwimmbad von Paris, die Piscine Oberkampf und eine städtische Duschanstalt/Badeanstalt . Diese in Oberkampf war leider geschlossen, aber weitere scheinen weiterhin in Betrieb.

    Vor allem aber war die Rue Oberkampf als Zentrum des Pariser Nachtlebens angepriesen. Und weil wir alt und langweilig sind, wollten wir dieses lieber am frühen Nachmittag inspizieren. Wir entdeckten zwei Zentren:

    Ein Zentrum östlich der Avenue de la Republique – eine enge Straße, die schmalen Bürgersteige vollgestellt mit Kaffeeplätzen, alles im Zustand, der sagte „bitte gib mir frische Farbe“ – das Neukölln-Feeling aus Belleville blieb präsent.

    Nach der Rue weiter im Westen waren wir plötzlich in einer Fußgängerzone im Prenzlauer Berg angelegt – reichlich Platz, die lokale dreimal so teuer, schicken Läden und Bäckereien, die unsere Großeltern schon nicht mehr als solche erkennen würden.

    Zum Abschluss der Rue tranken wir sehr teuren sehr guten Kaffee („inspiriert aus Kyoto“) und entdeckten Rougier&Pie. Der Laden, der ungefähr so eine normale Papeterie/Bastelgeschäft ist wie der Eiffelturm ein normaler Aussichstturm ist.

    Es gelang uns erfreulicherweise nicht das komplette Reisebudget dort auszugeben, nach harter Schlacht zogen wir nur mit einer handvoll französischer Schulhefte (die guten Großen mit den tollen Karos) und einem Notizbuch von dannen.

    Es folgte die Metro, mal wieder über Chatelet, in den Süden.

    Collette non

    Die letzte Etappe brachte uns aus dem Nordosten der Stadt auf die falsche Seite der Seine. Die Bibliothèque nationale de France (Site François-Mitterrand) liegt zwar fast direkt am Fluss, aber am falschen Ufer. Und so bemühten wir die Metro genau der Devise „Alle Wege führen nach Châtelet“ und wieder hatten wir einen lustigen Wandertag durch die verschiedenen Bereiche der Station.

    An der BNF angekommen, waren wir in einem komplett neuen Stadtviertel: Anscheinend um 1990/2000 komplett neu gebaut, viele Hochhäuser, viele Büros, so ein wenig Potsdamer-Platz-Vibes-in-gepflegter.

    Die BNF selber: Ein Prunkbau irgendwo zwischen Brutalismus und Postmoderne – wir beiden mussten spontan an das Londoner Barbican Centre denken.

    Wir den Collette-Ausstellungsbesuch waren wir beide zu erschöpft. Aber wir merkten uns immerhin: ab 17 Uhr ist der Eintritt frei. Das zur Bibliothek gehörige Kino führt aktuelle Filme in der Originalversion auf. Und der Eintritt auf die schicke Aussichtsterrasse mit den schicken Luxembourg-Liegestühlen und den Blick auf den Wald im Innenhof ist ganztägig möglich.

    Lauter Gründe zum Wiederkehren.

    Letzte Erforschung: Paris hat eine Straßenbahn. Madame entdeckte diese zufällig, als ihr die Navigo-App eine Straßenbahnfahrkarte zum Kauf anbot.

    Wir suchten sie auf dem Netzplan, fanden sie schließlich. Die Linien 3a und 3b führen als Dreiviertelring einmal weit um die Pariser Innenstadt und ein Zweig kam bei uns vorbei. Wir ließen uns in ganz unbekannte Gegenden bringen, südlich der Seine, noch ein ganzes Stück südlich des Quartiert Latin bis zum Gelände um die Université Paris Cité. Auch spannend.

    Aber nicht mehr für uns. Nicht an diesem Tag.

  • 25-06-03 Dinner mit Aussicht auf Regen

    25-06-03 Dinner mit Aussicht auf Regen

    Madame errang in Säkularisierungstheorie und Facetten und Wahrnehmung religiöser Vielfalt je 100%.

    Nachzutragen ist: Das in diesem Blog bereits erwähnte Klavierkonzert von Severin von Eckardstein hat seinen Weg in die Deutschlandfunk-Audiothek gefunden: Severin von Eckardstein beim Berliner Klavierfestival.

    Emma von Adecco schrieb mir eine Handy-Nachricht. „Hallo! Ich bin Emma von Adecco. Wir haben eine Stelle als Freiberufler zu besetzen. Kann ich Ihnen mehr Einzelheiten geben? Reply STOP Exit.“ Fast wäre ich neugierig genug gewesen, um nachzufragen.

    Nachbarin Polizei hat auf ihrem Gartenparkplatz drei Glasflaschen aufgestellt, kurz bevor der Parkplatz ins Beet übergeht. Die LowTech-Variante eines Einparkpiepsers?

    Gelesen (in Teilen): Tales from the Manuscript of Saragossa. Ein Deutscher las die englische Übersetzung eines französischen Buchs, das ein Pole geschrieben hatte, welches von einem Niederländer in Spanien handelt, der Geschichten aus Italien erzählt. Wilde Angelegenheit. Später kommt mehr dazu.

    Das allererste mal länger in Berlin war ich im Rahmen eines Praktikums. Frau Tampon-Sögel beherbergte mich in ihrer Wohnung in Weissensee. Sechs Wochen lang fuhr ich jeden Tag mit der U8 zum Hermannplatz und stieg dort um in die U7 zum Südstern. Wenn ich aus der richtigen Perspektive in der U-Bahn-Station Hermannplatz unterwegs bin, habe ich manchmal immer noch den Geruch der Ofenheizung aus der damaligen Wohnung in der Nase.

    Kathedrale der Elektrizität

    Neukölln ist das neue Südkreuz. Nein, eigentlich nicht. Aber wie im Südkreuz auch, steht in der Passage zwischen Karl-Marx-Straße und Richardstraße ein Klavier. Dieses gehört zum Restaurant Vorwerck (Iberty: 2023) und begrüßt die Gäste.

    Ich aber wollte nur ein bisschen bummeln zwischen dem migrantisch geprägten Kleingewerbe an der Karl-Marx-Straße und der Richardstraße, die gerade noch so auf dem schmalen Grad zwischen Boheme, Verfall und übler Gentrifizierung balanciert, um sehenswert zu sein. Nicht zu vergessen, dass hier die 1000 Quadratmeter Neukölln liegen, in der der Stadtbild an seine alte Zeit als Böhmisch Rixdorf erinnert und dörflich wirkt.

    Tourist in der eigenen Stadt: Noch auf dem Hinterhof bei Restaurant/ Neuköllner Oper/ Kino wurden aufwendige Blumengestecke zusammengesteckt. Ich lief langsam die aufkommende Schwüle des Wochenendes spürend durch die Passage zur Richardstraße. Dort steht das expressionistische Umspannwerk (siehe: Kathedrale der Elektrizität). Ich fand Musikinstrumentenwerkstätten ebenso wie das auf Biographien spezialisierte Antiquariat. Auf der Rückseite das Ensemble Neuköllner Hochniederkultur mit der Neuköllner Oper, dem Heimathafen Neukölln, dem Vorwerck und eben den Passage-Kinos.

    Dort erwartete mich ein Kinoposter, dass es mir den Rücken kalt herunter laufen lassen lies, zum Glück zu einem anderen Film. In meinem Film traf ich ein Mutter-Tochter-Gespann, Mutter mit osteuropäischem Akzent und ein mittelaltes Männer-Duo, unklar ob Paar oder nicht. Und ein märchenhafter Film: Flow. Ich begab mich in Reihe 4, Platz 3 und lehnte mich im Sessel zurück. Ich war früh, musste aufpassen, in der Wärme des Tages nicht einzuschlafen.

    Schnurchel, schnurf

    Endlich einmal ein Filmheld für mich: Ein Capybara, das den halben Film über schläft und schnarcht und die andere Hälfte über andere Tiere rettet.

    Ich wollte ins Kino. Drei Filme kamen in Frage: Pane, Amore e Fantasia (Italien, 1953), Ghost in the Shell (Japan, 1997) und Flow (Lettland, 2024). Ich warf Würfel befragte den Halluzinator und er riet:

    • Pane, amore e Fantasia: Ja, wenn du Hitze und Lächeln suchst, mit einem kleinen Aperitivo danach.
    • Ghost in the Shell: Ja, aber mit ruhigem Geist und offenen Pupillen, Wenn du dich verlieren willst, tief drinnen.
    • Flow: Ja, Wenn du leise Schönheit willst, wenn du bereit bist zu fühlen, ohne dass jemand spricht.

    Meine Entscheidung fiel dann weniger poetisch aus, richtete sich danach, welcher Film Samstagnachmittag lief in einem mir bisher unbekannten Kino. Und so landete ich im Passage-Kino Neukölln in Saal 4 und sah Flow. (Trailer)

    Der Film war Originalversion angekündigt. Aber das hatte vermutlich keine Auswirkungen, denn es gibt keinen Dialog. Null. Eine Welt ohne Menschen, nur Tiere – die zwar untereinander kommunizieren, aber durch Geräusche, Gesten, Körperlichkeit.

    Eine lettisch-belgisch-französische Koproduktion, in der ich mir einbilde sowohl osteuropäische märchenhafte Poesie zu finden wie auch französischen Willen zum Stil. Eine Welt, in der Menschen einst waren, sie ist voller menschlicher Artefakte. Aber nicht erklört (von wem auch?). Eine Gruppe von Tieren, Katze, Lemur, Sekretärsvogel, Labrador und eben das Capybara retten sich auf ein Floß.

    Es gibt nicht wirklich einen Plot (wie auch ohne formulierte Ziele?), sie erleben, werden getrieben, versuchen im Fluß zu blieben. Geschaffen wurde der Animationsfilm ausschließlich mit der Open-Source-Software Blender und gewann eine Latte Preise.

    Wir waren letzten Sommer im Lettland, wo jede Menge Plakate zum Film hingen, und er der meistgesehene Film der lettischen Geschichte ist. Aber selbst für Nicht-Letter: Er ist sicher einer der speziellsten Filme, die ich in den letzten Jahren sah.

    Schwalben kommen, Schwalben gehen, Schwalben kommen

    Was für ein seltsamer Sonntag. Die Wettervorhersage hatte leichtes Getröpfel (Berlin) bzw. schwere Weltuntergänge (Latifundien) vorhergesagt, und ich war auf den Latifundien.

    Einen halben Tag blieb ich damit beschäftigt, alle fünf Minuten in den Bungalow zu verschwinden, weil es entweder anfing zu regnen oder in der Sonne drückend heiß wurde, oder wieder rauszugehen, weil es gerade wieder angenehm war.

    Terrassenfrühstück und Kaffeegartenrunde gelangen noch. Dann kam ein leichter Regen. Ich packte alles zusammen, und alles ich dann im Bungalow saß, dachte ich, jetzt ist wieder trocken. Das Spiel wiederholte sich. Als der Regen vor war, kam Sonne. Auf der ungeschützten Terrasse in der Sonne merkte ich die Schwüle sofort und ging wieder rein. Dann kam eine Wolke und ich ging wieder raus.

    Außer Lesen und Bachelorarbieren war ich mit dem Wetter-hin-und-her vollauf beschäftigt. Auch die Tiere schienen verwirrt. Ich sah wenige von ihnen. Kurz vor dem eigentlichen Unwetter ein Schwarm Schwalben wild über dem Grundstück. Dann kam das Unwetter gar nicht bzw zog nördlich und südlich an mir vorbei, und wieder der Schwarm Schwalben.

    Ich glaube, ich habe ein- und dieselbe Fliege dreimal durch die Haustür wieder nach Draußen gelassen.

    Mein Plan war es während des für den Abend angekündigten Weltuntergangs zu Essen, und dann nach dessen Ende wieder nach Schöneberg zu fahren? Mangels Weltuntergangs fiel mein Plan in sich zusammen.

    Am Ende saß ich auf der Terrasse, aß Staudensellerie und Paprika, trank Buttermilch und sah die spektakulärsten Gewitterwolken, die alle in der Ferne von mir vorbeizogen.

    Ethik oder Diversität oder Gestaltung?

    Eine andere Entscheidung liegt noch vor mir. Eigentlich wäre es Zeit mich für das Wintersemester 25/26, nach Plan Mastersemester 1, zurückzumelden. Aber es ist sinnvoll, gleich die Module anzugeben, die man nächstes Semester belegen will.

    Dafür muss man wissen, welche Module man belegen will. Und bei einem kann ich mich nicht entscheiden.

    Die Rahmenbedingungen: An sich möchte ich die Masterarbeit Wirtschaftsinformatik irgendwann bei einem Lehrstuhl Wirtschaftsinformatik schreiben. Dazu empfiehlt es sich, sie alle mal im Modul kennengelernt zu haben. Vier kenne ich schon, der fünfte fehlt mir noch: BIGSI, der Lehrstuhl für Betriebs­wirtschafts­lehre, insb. Gestaltung soziotechnischer Informationssysteme. Dieser bietet drei Module an: Digitale Ethik, Digitale Diversität oder Socio-Technical Information Systems Design.

    • Digitale Ethik ist ein Bachelormodul, das sich mit etwas Zähneknirschen für den Master anerkennen lässt. Wäre (hey, Nebenfach-Magister-Philosoph!) natürlich weit in meiner Komfortzone. Andererseits bin ich da auch weit in meinem „Someone is wrong on the Internet!“-Bereich. Also bitte, soll ich mir von BWLern was über Philosophie erzählen lassen?!?
    • Digitale Diversität ist ein Mastermodul. Da gilt das mit der Komfortzone eingeschränkt. Zu meiner Studienzeit war die Identitätspolitik entweder sehr abstrakt (hallo, französische Poststrukturalisten) oder fand in den unwissenschaftlichen Nebenfächern (aka Geisteswissenschaften) statt. Zur Soziologie war sie noch nicht wirklich vorgedrungen. Aber insgesamt liegt das auch nah an dem was ich sonst mache und denke.
    • Socio-Technical Information Systems Design ist ein englischsprachiges Modul (wenn auch erfreulicherweise viel näher an proper English als Knowledge Management..) und liegt im Komfortbereich, weil es sehr meinen derzeitigen Interessen entspricht – auch wenn ich hier vermutlich am wenigsten Vorwissen habe.

    Und so lange ich mich nicht entschieden habe, kann ich mich nicht rückmelden.

    (halber Bürotag klimatisiert, Rückflug mit Schlafen, 8,5 Stunden, 29 Grad auf 19 Grad): Jetzt wird es mega-spannend denn: Konzeptwechsel!

    Herr Mess über KI im Alltagseinsatz. Deckt ungefähr meine Erfahrungen: Mir hilft es beim lateralen Denken, weil es oft genug schräge, unerwartete Ergebnisse liefert und unerwartete aber nicht unpassende Wissensbrocken hervorzaubert. Oder halt frei erfundenes. Wenn ich Inspiration suche ist mir das fast egal. Aber never ever glaubt ohne Kontrolle, was ihr da lest: KI-Krisen. (und ja, sie hat noch das anderes Einsatzgebiet, das in einer seriösen Welt spielt, dass sich als unbezahlter Praktikant zusammenfassen lässt. Braucht Aufsicht und klare Ansagen, Qualität voller Überraschungen, aber sie verschnellert einiges deutlich)

    Julia Pracht übersetzte für das Alpine Museum München und lernte einiges über Sand- und Kalkstein.

    Frau Novemberregen on a run. Oder eher: On a flight. Ich habe jedes Wort gefeiert.

  • 24-03-16 Sanitätsservice Pissarek

    24-03-16 Sanitätsservice Pissarek

    Im Hausflur steht eine Matratze. Das ist erstmal nicht ungewöhnlich. Außergewöhnlich ist es dadurch, dass sie neu und originalverpackt ist. Es steht eine Empfängerin auf dem Paket, die mir im Haus unbekannt ist.

    Madame bekam zu Recht Blumen.

    Typisches durch-die-Stadt-treiben-lassen nach der Klausur: 248er-Bus, U7, zu Fuß laufen, Schwimmbad, X71-Bus, am Hafenbecken sitzen und der Bootsschule zusehen, U6 und M46.

    Mäandern durch die Stadt führte mich unter anderem zur alten Wirkungsstätte am Ullsteinhaus. Dafür, dass die Samwer-Brüder einst Großes ankündigten, wirkt alles unverändert. Nur die Currywurstbude neben dem Einkaufszentrum verschwand. Die U-Bahn-Baustelle ist in den letzten zwei Jahren gewachsen.

    In Neukölln steht eine Pizzeria Cordoba. Hauptsache Griechenland.

    Neben meinem Bus hielt ein Kastenwagen vom Sanitätsservice Pissarek. Ich grinste. Ich hoffe, sie melden sich mit „Läuft“ am Telefon.

    Gelernt: wenn jemand sagt, dass er die Fernuni-Online-Klausuren nicht Online schreiben kann, besteht die Möglichkeit nach Hagen zu kommen und die Klausuren vor Ort zu schreiben.

    (Bereits gewusst: Es gibt umfangreiche Sonderregelungen und -Bestimmungen für JVA-Einsitzende, aber die laufen nochmal anders.)

    Schokoladenfabrik

    Die BWL-Klausur dieses Semester ist Vergangenheit.

    Inzwischen habe ich ganz gut Routine im Online-Klausur-Verfahren: Aufbau und Rückbau des klausurgerechten Arbeitsplatzes läuft von mal zu mal schneller. Die Klausur selbst mochte ich.

    Angesetzt war die Klausur von 8:55h bis 11:00h. Um 9:13h hatte ich den Eindruck, dass ich genug Punkte zum Bestehen zusammengesammelt hatte. Um 9.33h hatte ich alle Fragen beantwortet. Um 10:00h hatte ich alles doppelt gecheckt und alle Rechnungen soweit möglich mit anderen Rechenwegen nochmal gerechnet.

    (Also erst aufgelöst, dann umgeformt statt anders herum. Handgerechnete Teile diesmal mit Taschenrechner bzw. umbekehrt etc.)

    Um 1030h hatte ich dann alles, wo es Hakler gab oder Ergebnisse in den ersten beiden Runden nicht übereinstimmten noch ein drittes und viertel Mal durchgegangen.

    Und dann stellte ich langsam fest, dass ich meine Lösungen und Rechenwege auswendig konnte.

    Weitere Korrekturrunden hätten nur etwas gebracht, wenn ich zwischendurch 10 Minuten auf den Balkon hätte gehen können, kurz ein Youtube-Clip sehen – halt lauter Sachen, die im Rahmen einer Klausur nicht möglich sind.

    Also gab ich ab. Wenn ich hier nicht bestanden habe, muss ich heute morgen vielleicht ein hallizugenes Stadium der Besundseinsverwirrung durchlaufen haben.

    50-Meter-Bahnen

    Nach der Klausur ist vor der Klausur ist nach der Klausur. Oder so. Es galt drei Klausuren (eine geschrieben, eine noch-zuschreiben, von einer das Ergebnis bekommen) zu verarbeiten.

    Auf jeden Fall wollte ich mir nach Abgabe Anspannung vom Leibe schwimmen. Und da ich noch einen halben Tag übrig hatte, konnte ich mich nahe der brandenburgischen Landesgrenze begeben.

    Mit der U7 ging es nach Gropiusstadt und dann durch den Frühling zum Kombibad Gropiusstadt. Ein echter Vorteil der Großsiedlungen sind ihre reichlichen Grünflächen. Ein Vorteil, den sie bei knapp 20 Grad, Sonnenschein und Frühblühern allüberall perfekt ausspielen können. Es roch nicht nur nach Frühjahr, das Frühjahr wirkte intensiv aus sämtliche Sinne ein.

    Der Spaziergang war architektonisch spannend, seelenwärmend und voller Rentner*innen?

    Wo kamen sie her? Inmitten der Gropiusstädter gingen selbst unsere Eltern noch als junge Hüpfer durch. Uns verkaufen sie in Gropiusstadt vermutlich nicht mal Alkohol ohne Ausweiskontrolle.

    Wo wollten sie hin? Ins Schwimmbad! Meine Güte war das voll. Eine grau-weiße Haarmenge wogte über den Wellen.

    Zum Glück war das Becken in drei Bereiche geteilt: Sportschwimmer, Unsportschwimmer und Menschen-die-sich-im-Wasser-unterhalten-wollen. Das hat gut funktioniert. Die 50-Meter-Bahn in Gropiusstadt half, damit die Rentner*innen sich verteilen konnten.

    Ich war im Flow, die Sonne schien, das Fenster erlaubte den vorfreudigen Blick auf das Freibadgelände. Elend des Lebens: würde ich nicht soviel Zeit damit verbringen, für die die Bäder zu arbeiten, hätte ich mehr Zeit zum Schwimmen.

    Aber auch so: alles molto perfetto und wunderbar, um die eine Klausur (BWL) aus dem System zu bekommen und die andere (Mathe) innerlich zu verarbeiten.

    Blick auf den Vorplatz Kombibad Gropiusstadt vor strahlend blauem Frühlingshimel. Ein noch kahler Baum, angeschlossene Fahrräder, ein Mann der auf das Bad zuläuft.

    Bye, bye Zahlentheorie

    Nahezu Zeitgleich mit dem Verfassen der BWL-Gedöns-Klausur kam die Notennachricht der Mathematische-Grundlagen-Klausur.

    Es war knapp. Leider von der falschen Seite. 27 Punkte hätte zum Bestehen gereicht, bei mir waren es 25 Punkte und die Note „n.b.“ wie „nicht bestanden.“. Manchmal hat man Glück und manchmal läuft es so.

    Spontan hörte ich tief in mich hinein, wie ich damit umgehen will und wie es mit dem Masterplan steht und hörte ein überraschend lautes: „Fuck You! Jetzt erst recht. Ich hab die Tortur doch nicht für ein blödes „nb“ auf mich genommen.“ Okay.

    Nach einer Nacht des darüber Schlafens und einmal drüber Schwimmen stimmt die Grundtendenz immer noch. Aber ist natürlich ambivalenter geworden, offenbart Schmerz und Freude.

    Schmerz, denn es kratzt am Ego. Mein Selbstbild ist das eines Menschen, der Klausuren besteht und erst recht Mathe-Klausuren. Nun ist Uni-Mathe-Mathe etwas Anderes als anderes Mathe. Die Durchfallquote von knapp 60% bei der Klausur sagt auch etwas. Zumal die Schreibenden kein repräsentativer Schnitt durch die Gesellschaft sind. Dennoch: Autsch,

    Schmerz, denn die Lernerei war aufwendig im letzten Semester. Ich hatte die Hoffnung, es im Sommersemester ruhiger angehen zu lassen. Und nicht den Mist schon wieder vor der Nase zu haben.

    Schmerz, denn ich muss mir den Platz freiräumen für die Mathematische Grundlagen. Mein schöner innerer Plan für die nächsten drei Semester geht nicht mehr. Das bedeutet mindestens, dass das Modul Zahlentheorie auf Unbestimmt verschoben wird.

    Freude, denn ich habe wenig Zweifel, dass es nächstes Semester etwas wird mit der Klausur und mir. Zwei Punkte sind nicht viel; die kann ich mir in einem Semester erarbeiten.

    Zumal ich weiß, woran es haperte: Zuwenig praktische Übung, zuwenig Aufgaben gerechnet. Das wusste ich auch schon vor der Klausur. Aber es war eine bewusste Entscheidung.

    Meiner Erfahrung bringt es mir wenig, bei den Rechnungen im Nebel zu stochern, wenn ich die Grundsystematik nicht verinnerlicht haben. Die zu verstehen war ein Kampf. Aber ich bilde mir, den Kmapf habe ich gewonnen.

    Da ich mir diesmal den langen, ausführlichen Teil erspare, der da lautet „was wollen die von mir?!?“, kann ich von Anfang an mit rechnen loslegen. Darauf freue mich.

    Freude, denn der Titel „Mathematische Grundlagen“ scheint Programm. Auf dem Inhalt dieses Moduls baut die komplette Uni-Mathematik auf. Wenn das Fundament schief sitzt, kann der Aufbau nicht gut werden. Inhaltlich ist es mir lieber, die Inhalte dieses Kurses sitzen fest als „irgendwo so durchgemogelt.“

    Also wieder angemeldet und auf in’s Abenteuer.

    Stand

    10 Klausuren insgesamt geschrieben, eine dieses Semester noch ausstehend. Bei zweien fehlt noch die Bewertung, sieben sind bestanden, eine ist nicht bestanden. Bachelor Wirtschaftsinformatik: 70 von 180 nötigen ECTS. Eventueller Bachelor Mathematisch-Technische-Softwareentwicklung: 10 von 180 ECTS plus ein Fehlversuch.

    Why libertarian cities fail

    Als wir letzten Sommer bei knapp 40 Grad in Warschau waren, sahen wir gelegentlich einfache Wasserschläuche in den Straßen, die für Sprühnebel sorgten. Das schien mir sofort ein überzeugendes Konzept zur Stadtkühlung im Sommer. Die SPD Schöneberg sieht das auch so und möchte es einführen: Wassernebel gegen Hitzeinseln.

    Schönes aus dem Autorenleben: Cover Animal For ActivityPub Book (via Tröt)

    Auch viaa Tröt: Why libertarian cities fail.

    Blog-Schreiben als Teil des Schulunterrichts. Spannend. Schreibenblog.

    Anke Gröner freut sich über den ICE neo.

  • 24-02-27 La chute bedeutet Untergang oder Fall oder Sturz

    24-02-27 La chute bedeutet Untergang oder Fall oder Sturz

    Einer der wenigen Wurstaufschnitte, die gänzlich ohne zugesetzten Zucker auskommen. ist der „Italienische Landschinken luftgetrocknet“ von Edeka.

    Madame und ich unterhielten uns beim Abendessen über Platons Höhlengleichnis.

    Madame lernte während ihre Heuristik Projektplätze verteilte.

    Dienstag ist mobiles-Arbeiten-Tag, denn die BVG streikt nicht. Als nicht-BVG-betroffener Radfahrer fahre ich an Streiktagen in die Verwaltung, damit wir ausreichend IT-Anwesende haben. Montag hingegen der spontane Gedanke „Wer zum Geier?“.

    Nach dem Klausurlaub folgen drei Wochen Work+Learn. Der Lernteil beginnt mit Teilkostenrechnung und Vollkostenrechnung.

    Einmal im Leben sahen wir auf der Berlinale einen Wettbewerbsfilm und prompt gewann er den Goldenen Bären. Glückwunsch an Dahomey.

    Dabei fiel uns auf, dass das Wort Dahomey im ganzen Film nicht vorkommt. Wir haben keine Ahnung wie der Begriff korrekt auf Fon ausgesprochen wird.

    Klausurlaub bestand diesen Februar aus viel Klausur und wenig Urlaub. Nach der Freitagsklausur am Wochenende wollte ich aus Überschwang gleich weiterlernen, bremste mich aber selber. Einzig ein wenig Herumlesen beim vielleicht-Bachelorarbeit-betreuenden Lehrstuhl erlaubte ich mir. Entdeckung: Viele der dort vergebenen Themen drehen sich um Metaheuristiken.

    Ich bemühte mich, mich unifern kopf-frei-kommend zu betätigen. Ein wenig herumdaddeln in der Wikipedia. Ein Samstagabendschwumm im Stadtbad Lankwitz (immer noch viele Gäste, aber wenigstens keine Bahnen für Vereine gesperrt). Sonntags folgte eine Stadtrundfahrt mit dem M43er-Bus von Schöneberg zum Ostkreuz mit Zwischenstopp im Kino.

    Das Apriltemperaturen-Wetter im Februar ist gleichzeitig schön und unbehaglich. Reine Freude löst das vermehrte Himmelslicht aus. Im Hellen zur Arbeit, im Hellen unterwegs und dazu ein lodernder Spätwinterhimmel wie aus den Gedichten der Ahnen.

    P.I.M.P.

    Es gibt eine Art von Filmen, die mich schon von weitem die Flucht ergreifen lässt: Dramen über mittelalte Paare (mindestens ein Teil ist Schriftsteller*in), die sich auseinandergelebt haben, geschrieben von Teilen mittelalter Paare.

    Am Sonntag sah ich einen solchen Film. Er war spektakulär gut: Anatomie d’une chute, auf deutsch: Anatomie eines Falles. (auch: Anatomie eines Untergangs wäre eine mögliche Übersetzung.) von Justine Triet.

    Ein Paar (Sandra und Samuel Voyter) lebt mit ihrem Sohn (Daniel) in einem einsamen Haus in den französischen Alpen. Nach einem Spaziergang findet der Sohn den Vater, offensichtlich an einem Schlag auf den Kopf gestorben. Schnell stellt sich heraus: Entweder Samuel sprang vom Dachboden, oder Sandra schlug ihn dort tot und warf ihn vom Dachboden hinunter vor das Haus.

    Ein zweieinhalbstündiger Alptraum beginnt. Der Sohn erlebt einen Gerichtsprozess, in dem eine Partei versucht seine Mutter als Mörderin darzustellen, die ihres Mannes überdrüssig wurde; die andere Partei versucht seinen Vater als einen im Leben gescheiterten Menschen darzustellen, der dieses Scheitern nicht mehr ertrug.

    Der Prozess findet ein Urteil. Der „echte“ Verlauf des fraglichen Vormittags bleibt dunkel. Aber schnell ist die Frage „war sie ist?“ gar nicht mehr so entscheidend. Als Zuschauer frage ich eher „wie können normale, fehlbare Menschen, die keinesfalls Monster sind in so eine Alptraumsituation geraten?“

    Wenn ich nicht nur einfach denke „Argh, ist das alles furchtbar.“Der Film bietet gar keinen Moment des Comic Reliefs, oder eines anderen Reliefs, sondern hält das Leiden von Minute drei bis Minute 151 durch.

    Die kluge Kameraführung, die klug eingesetzte Musik und die großartigen Schauspieler (Sandra Hüller als Sandra Voyter, Milo Machado Graner als Daniel Voyter und Antoine Reinarzt als Staatsanwalt) gestalten jede der 148 Leidensminuten erlebenswert.

    Schauen im Original (OmeU) lohnt. Sprache ist ein wichtiges Element. Hüller spielt eine deutsche Schriftstellerin, die nur stockend französisch spricht und vor allem fließend englisch redet. Wer wann mit wem in welcher Sprache redet, ist entscheidend für Dramaturgie und Stimmung.

    Im Internet lese ich, dass in der deutschen Fassung durchgehend deutsch geredet wird. Das kann ich mir nicht recht vorstellen.

    Reweflair

    Filmschauen verband ich mit einer Premiere: Auf ins Rollberg-Kino.

    Das Rollberg-Viertel ist eines dieser Viertel, bei dessen Nennung jeder AfD-Politiker anfängt, begeistert zu sabbern. Bekannt vor allem aus dem Blaulichtreport der Zeitungen. Der einschlägige Wikipedia-Artikel verlinkt im zweitem Absatz nacheinander die Begriffe Sozialwohnung, türkischstämmig, arabischstämmig, Transfereinkommen, Hartz IV, Armutsgrenze, Kinderarmut. Im weiteren Verlauf informiert er mich, dass die Kriminalität stark abnahm seitdem es ein Quartiersmanagement gibt.

    Werkstattgebäude, in dem nun ein Dojo Werbung für Taekwondo, MMA, Yoga und Schach macht. Dramatischer Sonnenuntergangshimmel, auf dem Dojo zwei Aufblasfiguren, die Karateka darstellen sollen.

    Und noch überraschender: das Kino hat das Flair von Langenhagen bei Hannover. Es liegt im Nebengebäude eines 1990er-Einkaufszentrums. Die Architektur auf dem Weg erweckt den Anschein, als ginge es zur Einkauszentrumsverwaltung. Das Foyer sachlich, in dunklen Tönen, aber sympathisch. Der Saal klein, aber mit schönen Sesseln und einem tollen Glitzervorhang.

    Dem Kinokompendium entnehme ich, dass an diesem Ort einst in den 1920ern mit dem 2500-Sitzplätze-fassenden Mercedes Palast hier das größte Berliner Kino stand. Das Rollbergkino selber ist eine Neugründung von 1996, in dessen fünf Sälen seit 2010 ausschließlich Originalversionen von Filmen laufen. Seit einigen Jahren sind die Untertitel englisch. Dabei gibt es nicht nur Arthouse-Filme, sondern auch mal mainstreamigeres Programm.

    Im Kino eine mir neue Form genderneutraler Toiletten: Es gab gar keine Genderbezeichnung, sondern „Sitz- und Stehtoiletten“ und „Sitz- und Rollstuhltoilette.“ Meine Rechtschreibprüfung möchte aus genderneutral einen Gendarmenmarkt machen.

    Unterwasserpfeifen

    Ein Talking-Heads-Konzertfilm kommt in die Kinos. Jetzt geht das Achtzigerjahre-Revival zu weit.

    Den deutschen Synchronschwimm-Pionier Frithjof Seidel hatten wir im Dezember schon mal im Wasser gesehen. Um so erfreulicher, dass der Tagesspiegel ein Interview mit ihm veröffentlicht. (leider paywall) Viel Infos dazu, wie es ist als spätberufener Mann in einer reinen Frauendomäne aufzuschlagen. Aber auch spannende Nebeninfos wie:

    Und dann piepen wir auch unter Wasser, das ist ein bisschen so, wie Delfine miteinander kommunizieren. Wenn wir zum Beispiel ohne Musik trainieren, piept immer einer den Takt, damit man die Bewegung gleichzeitig macht.

    Die Herausforderung viele mathematische Formeln schreiben zu müssen, teilweise beu Klausuren, hat in mir einen Recherchedrang nach geeigneten Stiften ausgelöst. Die Recherche brachte mich zu Klausurenstift.de, der anscheinend intensiv dokumentenechte Qualitätsschreiber testete. Auf ein paar der Modelle stief ich auch schon, andere habe ich zum Testen bestellt.

    Christiane persönlich über die Ukraine und den Krieg: Zwei Jahre.

    Anlässlich der Berlinale waren wir erstmals in der Verti Music Hall. Hotel Mama auch. Die Beschreibungen kommen mir bekannt vor.

  • 23-08-15 Zugluft (wäre schön)

    23-08-15 Zugluft (wäre schön)

    Rolltreppe, Bahnhof Südkreuz, hinter mir ein telefonierender Mann im besten Beratersprech „Also ich hab echt keinen Kopf für den Burger. Es wäre gut, wenn du das schon mal aus dem Urlaub heraus anschieben würdest.“ Und ich freue mich, in einer komplett anderen Welt zu leben.

    Die neuen Garnituren der S-Bahn sind klimatisiert. Vielleicht lege ich das „mobile Arbeiten“ doch mal wörtlich aus und fahre einfach acht Stunden am Tag mit der Ringbahn.

    Wenn ich mir vornehme „Keine überdachte Kultur vor Mitte Oktober“, kann man es ja mal unüberdacht probieren. Madame besorgte Karten für Frances Ha im Freiluftkino am Kulturforum. Aufgrund zahlreicher Regen- und Unwetterwarnungen verzichteten wir. Und während im Norden und Süden, im Osten und Westen von Berlin anscheinend größere Weltuntergänge stattfanden, zerstoben die Wolken am Berliner Schutzschild.

    (Oder war es die Wärmeglocke über der Stadt, die erfolgreich jede andere Luftmasse stoppte und umleitete?)

    Madame folgt in ihrer Rekonvaleszenz dem Motto „Gehen sie ins Museum, wir haben Klimaanlagen.“ Sie war von

    Die Kunst der Gesellschaft 1900–1945. Sammlung der Nationalgalerie (Neue Nationalgalerie) und Suddenly Wonderful – Zukunftsideen für Westberliner Großbauten der 1970er Jahre (Berlinische Galerie) äußerst angetan.

    Secessionen – Klimt, Stuck, Liebermann (Alte Nationalgalerie) war zu viel. Zu viel Trubel. Zu viele Leute. Aber auch zu viele Bilder, die die eigentliche Ausstellungsidee erschlugen.

    Heute versuchte ich, eine Dame zu überzeugen, dass das riesige Gebäude vor ihrer Nase auf dem „DB BERLIN SÜDKREUZ“ stand, der Bahnhof Südkreuz ist, an dem ihr Flixtrain abfahren soll. Sie schaute skeptisch und ging dann in eine andere Richtung.

    In meinem bizarren BVG-Drama „Wir verkaufen dir keine Abos, verraten aber auch auf mehrfache Rückfrage nicht, warum nicht“, bekam ich einen Anruf einer BVG-Hotline. Leider verpasste ich ihn und dann wusste wieder niemand von nichts.

    Ein anderer Arm der BVG verkaufte mir bereits in Juni klaglos ein Deutschlandticket. Und auch nach mehreren Monaten fühlt es sich immer noch seltsam an, einfach so in ein Öffi zu steigen ohne vorher eine Karte zu besorgen.

    U-Bahn-Station Hermannplatz
    Baustelle U-Bahnhof Hermannplatz

    Bereits vor einigen Wochen besiegte die Schlichtungsstelle Energie die eon und eon berechnete brav nachträglich den Preis, der schon letztes Jahr korrekt gewesen wäre. (Heißt: etwa die Hälfte von dem was sie ursprünglich verlangten). Was aber natürlich auch heißt: Nur diejenigen, die penetrant sind, die Schlichtungsstelle kennen und dort einen Antrag ausfüllen können, profitieren. Im Normalfall sind das halt auch diejenigen, die es am wenigsten nötig haben.

    Ein Ausflug führte mich ins tiefe Neukölln an den Hermannplatz. Ich kehrte mit vier Passbildern zurück, staunte über die Vielfalt in meiner Stadt, aber auch darüber, dass das Neuköllner Durchschnittsalter anscheinend bei 24 Jahren liegt.

    Barbie wird der erste Nicht-Action-Film seit 25 Jahren sein, der erfolgreichste Hollywood-Produktion des Jahres sein wird.

    A twelve-bar blues instrumental standard first recorded by Jimmy Forrest

    Ein Weg führt von Duke Ellington zu James Brown via dem Jimmy-Forest-Jazz-Standard Night train. Und weil sie so schön ist, hier eine James-Brown-Liveversion.

    Karen wies bereits darauf hin, dass nicht nur die ÖBB neue Schlafwagen bestellt, sondern auch die finnische Bahn. Madame fand eine zusätzliche Meldung der Trenitalia über ein Auftragsvolumen von 730 Millionen Euro: Italian state operator Trenitalia has awarded a contract of 70 sleeping coaches, and up to 370 total railway coaches to the manufacturer Škoda.

    Keine neuen Wagen, aber neue alte Strecken: TUI lässt den Nachtzug-Ferienexpress wiederauferstehen: Im TUI-Express durch Europa.

    Und wo ich schon dabei war, fand ich diese Übersicht aus dem Januar 2022 über die existierenden Nachtzugwagen und mögliche Interessenten für neue Modelle: Where we stand with the need to order new night trains