Schlagwort: Rollbergkino

  • 26-05-13 Almost a Hongkongromcon

    26-05-13 Almost a Hongkongromcon

    Erdbeerkauf im Donnerhall.

    Seit letzter Woche hat die Gemüslichkeit ihre Lieferungen wieder aufgenommen. Sie sind wie die Natur draußen: Grün. Viel Salat, selbst der Fenchel besteht zu größeren Teilen aus Fenchelgrün. Wir testen noch ob Bak Choi und Tatsoi wirklich zwei verschiedenen Pflanzen sind, wie von den Gemüslichern behauptet.

    *

    Bei drei Grad Außentemperatur ein einsamer Turnschuh (grau, Erwachsenengröße) im S-Bahn-Gleisbett.

    *

    Die Morgende verbringe ich niesend. Es fühlt sich nach meinem Pseudo-Heuschnupfen an. Aber da dessen Saison von Juni bis Oktober läuft, kann er es gar nicht sein. Bis Anfang Juni werde ich ihn ignorieren – was nicht so einfach ist, während ich andauernd niese.

    *

    Die idyllisch aussehende Kleinfamilie in der Ringbahn, bei der beide Erwachsene hingebungsvoll mit dem herzzreissend niedlichen Kleinkind spielten, unterhielt sich intensiv im italienisch bzw. französisch gefärbten Englisch über Unterhaltszahlungen von ihm an sie.

    *

    Es war ein finnisch beeinflusster Feiertag vervort von zwei schwäbisch-honkongisch beeinflussten Arbeitstagen.

    Rheingau

    Am Innsi, an der alten Wohnung versuchten ein Blaulicht-martinhornführender Krankenwagen in Ost-West-Richtung und ein Blaulicht-martinhornführender Feuerwehrwagen in Nord-Süd-Richtung einander auszuweichen. Die alte Wohngegend bot zweifellos mehr Unterhaltungswert als die neue, war aber auch anstrengender.

    In der Wiesbadener Straße, in der Nähe der neuen Wohnung, blüht ein Straßenbaumkastanienblütenmeer, um so imposanter angesichts der Größe alter Kastanienbäume.

    Noch ist es gewöhnungsbedürtig, wie schnell wir von der neuen Wohnung in wirklich grünen Wohngegenden Berlins wie dem Rheingauviertel sind. Ein Blick auf das Luftbild macht es eigentlich deutlich: Der Grunewald ragt von Südwesten her bis zur Ringbahn als grünes Stück quer durch die bürgerlichen Wohngegenden, die selbst auf dem Satellit viel grüner, weniger rot und grau aussehen, als Rest-Berlin. Am letzten Ausläufer dieser Grünüberlappung wohnen wir und betrachten Parkplatzfüchse.

    Nolle

    Nach Monaten der Sanierung der Zwischendecke fährt die U3 wieder ihre komplette Strecke. Endlich wieder direttissima nach Kreuzberg-Ost zum Görli, Kotti und Prinzi. Endlich kann ich in Schöneberg wieder in einen beliebigen Bus steigen, der mich zu einer Verbindung mit meiner Heimat-U-Bahn bringen wird.

    Und das beste: Die BVG sanierte im angekündigten Zeitrahmen. Natürlich nutzte ich die erstbeste Gelegenheit, die neu-alte-Strecke wieder zu erfahren, nahm den 106er bis zur Nolle und stieg in die Katakomben hinab.

    Die Strecke funktioniert wieder. Die Station ist nach der Zwischendeckensanierung wieder funktionsfähig. Allerdings hatte ich mir auch optisch als Ergebnis einer Deckensanierung in dieser Station mehr 19.-Jahrhundert-Historismus und weniger imporivisierter Versorgungstunnel vorgestellt..

    Schwaben

    Es galt ein Geburtstagsgeschenk zu überreichen. Um der Ehrwürdigkeit des Geschenks gerecht zu werden, sollte dies nicht am Bürorand geschehen. Die Karpfengruppe nahm dies als Anlass, wieder auszugehen. Wir suchten einen Italienier, der nicht nur Pizza und Pasta verkauft. Wir landeten beim Schwaben. bei Blanquette, Rumpsteak und Maultaschen.

    Es ging genug um Arbeit, um irgendwann zu entdecken, dass eine komplett andere Abteilung ein ähnliches Problem hat wie wir – vielleicht sogar gelöst – eventuell sollten wir sie sogar fragen – und genug um Privates um Kletterfelsen, Worshipkonzerte und AfD-nahe Verwandte und -Bekannte zu besprechen.

    DJ OneNote schuldete mir noch ein Bier. Und wie man es als guter Freund macht, suchte ich mir das teuerste Bier heraus, das die Karte zu bieten hatte: Der Biermeter.

    Von hinten links im Uhrzeigersinn: Zwickel, alkoholfrei, Ur-Paulaner (oder so), Paulaner Pils, Fürstenberg Pils, Hefeweizen

    Finnland

    Die Exkursionsgruppe Kultur traf sich im Felleshus der Nordischen Botschafen: Wir wollten das Geheimnis des finnischen Glücks erkunden. Ernsthaft glücklich heißt die Ausstellung, die von der Botschaft von Finnland in Zusammenarbeit mit Visit Finland und dem Happiness Experience Museum in Helsinki veranstaltet wurde.

    Angekündigt wurde die Ausstellung als Beitrag zur Frage, warum Finnland seit Jahren zuverlässig jedes Jahr den World Happiness Index anführt.

    Es war netter Vormittag. Die Ausstellung zeigte, was an Finnland sympathisch ist: Schüler*innen-orientierte Schule, klares Design mit Holz, Wald, weiten Abstand zu anderen Menschen, Pinienduft und Zimtschnecken.

    Tiefere Fragen blieben aus: „Wie schafft es ein Land, das glücklichste zu sein und gleichzeitig Europa in Suizidraten und Drogentoten anzuführen?“, zum Beispiel ist eine ziemlich offensichtliche Frage, die weder gestellt noch gar beantwortet wurde. Dafür waren die Veranstalter vermutlich falsch.

    Außerdem wissen wir ja, dass der finnische Weg zum Glück der Verzicht auf Salz und Gewürze ist. Eat as bland as you can, oder so.

    Wir aber hatten einen sehr netten Feiertagsvormittag inmitten von viel Holz, ausgesprochen schickem Design, Traummöbeln und Kardamonschnecken.

    Lautsprecher als/mit Baum. Laut Prospekt auch zum Umarmen.

    Neukölln

    In Schöneberg schloss das European Headquarter von Böregcegi oder so ähnlich. Das ist kulinarisch bedauerlich, weil es dort vortreffliche Teigwaren gab. Aber die Gegend wird es angesichts der 14 türkischen Schnellimbisse, Bäckereien und Frühstücksläden, die sich in 80 Metern Umgebung befinden, verkraften.

    Im Kindl Boulevard schloss das Afghanische Festmodengeschäft. Das ist eine kleine Katastrophe. Enthielt dieser eine Laden doch ausreichend Farbenfreude, Überschwang, Exaltiertheit und Üppigkeit, um für ein komplettes sonst leerstehendes Einkaufszentrum zu reichen.

    Jetzt muss das Jobcenter ganz am Ende der Passage als Ort der Vitalität herhalten. Der Weg führte mich wieder zur athmosphärischten halfdead Mall Berlins, denn an ihrem Ende liegt das stilistisch unyorckigste der Yorck Kinos. Im manchmal-OV-Kino Rollbergkinos lief die Asien-Reihe in the mood1. Filme, die mir vorher komplett fremd waren, aus denen ich bisher aber immer mit großem Gewinn herausging. Am Dienstag: Comrades, almost a love story.2

    True sign

    Hongkong

    Erwartet hatte ich eine Hongkongromcon; eine RomCom (Romantic Comedy), die in Hongkong spielt. Ich bekam sie, aber in einer tieferen, emotionaleren, schöneren Form. In der Boy-meets-Girl-Geschichte verbirgt sich

    • ein Film über Migration
    • über den Versuch, verschiedene Lebensentwürfe kompatibel zu machen
    • die Schwierigkeit, Träume zu leben ohne dabei andere Menschen zu verletzen
    • die Sängerin Teresa Teng
    • den Wunsch nach Zukunft bei Verhaftung an der Vergangenheit
    • die wilden Jahre Hongkongs in den 1980ern als die Briten verschwanden, die Festlandschinesen der Volksrepublik aber noch nicht da waren

    Figuren

    In einem McDonalds treffen sich Li Xiao-Jun und Li Qiao3 – er als verpeilter Festlandschinese bei seinem ersten McDonalds-Besuch, der Probleme hat „Hamburger“ und „Coke“ auszusprechen, sie als weltläufige leicht arrogante Bedienung aus Hongkong, die ihm das alles genervt erklärt, um ihn am Ende noch an eine Scam-Sprachschule zu vermitteln, von der sie Provision bekommt.

    Der Zuschauer*in fällt an dieser Stelle vielleicht auf, dass sie in all‘ ihrer Weltläufigkeit bei McDonalds arbeitet und in der Sprachschule putzt – dass vielleicht nicht alles so glänzend ist, wie sie sagt. Dem planlosen Li Xiao-Jun bleibt es vorerst verborgen.

    Einsamkeit treibt sie zueinander. Aber auch die Chance, die sie sieht, Li Xiao-Jun als naiven Helfer für ihre zahlreichen Geschäftsideen einzuspannen. Denn Li Qiao ist genauso frisch aus der Volksrepublik in Hongkong angekommen wie Lai – sie aber möchte groß hinauskommen, um eine Hongkong-Woman von Welt werden, während er nur genug Geld als Koch verdienen möchte, um seine Freundin nachzuholen.

    Der Ort, die Welt

    Der Film entstand 1996, ein Jahr bevor Hongkong an die Volksrepublik übergeben wurde und absehbar viel von seiner Eigenständigkeit verlieren würde, spielt größtenteils 1986/1987 als diese Hongkongness in voller Blüte stand, die Stadt zahllose Chinesen anzog, die hier ihr Glück versuchten.

    Beide zeigen Zerrissenheit zwischen ihrer Herkunft und der Weltmetropole. Li Xiao-Jun hin- und hergerissen zwischen seiner Freundin/Verlobten Xiao Ting und Li Qiao, Li Qiao selbst hin- und hergerissen zwischen dem einfach-direkten Li Xiao-Jun und all den Gelegenheiten, die Hongkong bietet. Sie treffen sich emotional bei ihrer gemeinsamen Liebe für die chinesische Sängerin Teresa Tang – von der kein*e Hongkonger*in je zugeben würde sie zu mögen aus Angst für eine*n Festlandschines*in gehalten zu werden.

    Gerade Maggie Cheung als Li Qiao spielt atemberaubend: Mit der Energie, Selbstbeherrschung und Toughness, die jemand ausstrahlen muss, der es „schaffen“ will, nur leicht zurückgenommen, in den Momenten in denen sie sich öffnet, einsam, melancholisch oder voller Liebeskummer.

    Habe ich geweint? Vielleicht ein bißchen.

    Links

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    Hach, ein Bücherregal mit Daniil Charms und Isaak Babel: Bücherliebe – 4 –

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    Komplimente für’s Leben zu behalten: “Sie sind aber auch toll abgerollt!” (weiter hinten auch noch mit Prinzenbad-Feature-Link-Empfehlung)

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    Frau Herzbruch auf Curaçao – Teil 1, und Teil 2 und Teil 3.

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    Kein Wunder, dass es draußen kalt ist: Die Filmfestspiele in Cannes beginnen. Wie schon letztes Jahr, die Blogosphären-Canneskorrespondentin Christiane gibt alles: Dies und das Anfang Mai.

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    Die S-Bahn fährt durch die Dunkelheit. Die Straßenlaternen leuchten noch vergeblich gegen die Finsternis an. Sie wirken wie Teiche aus gelben Licht, um die sich die durstigen Schatten sammeln. Doch bald wird wohl die Sonne aufgehen und die Nacht vertreiben. Die Nacht weiß das, weswegen sie sich noch trotzig an die Welt klammert.

    Anmerkungen

    1. Falls jemand hier zufällig Kontakt zur Kinokette hat – ich würde gerne platzieren, dass sie dringend eine Bollywood-Reihe starten müssen. ↩︎
    2. Yorck-Unlimited-Besuch No. 24 – 9,92€ pro Besuch. ↩︎
    3. Ich stelle gerade fest, dass die englischen Untertitel des Films eine vollkommen andere Umschrift der chinesischen Namen haben als der englische Wikipedia-Artikel. Das macht mich fertig. Beispiel: Li Qiau (Film) ist laut Wikipeida Lee Kiu. ↩︎
  • 26-02-10 Ausgemummelt (Découper un fugu)

    26-02-10 Ausgemummelt (Découper un fugu)

    Andere Menschen stellen Duftkerzen auf. Ich mörsere ein wenig Kreuzkümmel.

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    Vielleicht sollte ich ein Symposium für Innenarchitektur, Gärten und Wintergärten veranstalten, nur damit ich Symposium für Innen*Architekt*Innen auf die Plakate schreiben kann.

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    Von Madame und Zio macchina, beide in verschiedenen Funktionen mit Prüfungsaufsichten befasst, lernte ich die neusten Betrugsversuchs-Techniken: Der Stift, der aussieht wie ein Textmarker, aber eigentlich ein Scanner ist, der den Klausurtext ausliest und über die Smart Watch an ChatGPT schickt; die Handyhülle, die genau so aussieht wie ein zugelassener Taschenrechner.

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    Das schöne, wenn mensch deutlich schneller arbeitet als die Umgebung, und dazu noch Zeug, bei dem kaum jemand beurteilen kann, was mensch eigentlich macht – mensch kann relativ ungestört mal ein paar Tage konzentriert vor sich rumnerden.

    Ich bin sehr sehr happy über das dabei entstandene Ticketauswertungs-Skript und ich bin kurz davor, alte Fernuni-Statistik-Module rauszukramen, um die Sache even more fancy zu machen. In the long run wird das soo schick und soo viel Arbeit und Zeit sparen. (die ich dann wieder zum Rumnerden..)

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    Eine Mutter las in der S-Bahn ihrem Kind Janosch vor. Das war sehr schön.

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    Es waren Tage der Arbeit mit Kino und Schrauben.

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    Ein Gefühl wie im Vampirfilm. Seit Wochen führt Berlin einen aussichtslos scheinenden Kampf gegen das Eis. Verwundete allüberall. Erst gestern lief wieder eine junge Frau mit erkennbarem Pflaster für gebrochene Nasen an unserem Fenster vorbei. Erst ließ sich die Stadt aus Blödheit überrumpeln, danach half nichts mehr, und das angebliche Wundermittel Salz blieb folgenlos.

    Bis ein Sonnenstrahl kam. Und wie im Film der Vampir von nichts auf gleich verschwindet ist, ist es hier das Eis.

    Noch ist der erste Samstag im Frühling (dota) noch ein wenig entfernt. Aber wir haben über Null Grad. Die Berliner*innen, die sich in den letzten Wochen in immer mehr Kleidungsschichten einmummelten, Schals über Mützen über Buffs über weitere Mützen zogen, mummelten sich in Minuten wieder aus. Sie sind wieder als Menschen erkennbar. Das allgemeine Aufatmen ist spürbar.

    Ich begann Feldforschung im Kindl Boulevard für mein Buch, das dort spielen wird. Dann Kino.

    Er isst immer nur Chips

    Es war ein Film über Kochen1. Eigentlich ist Winter in Sokcho ein wunderschöner Film über Identität, Zugehörigkeit, zwischenmenschliches auf allen Ebenen, Körperlichkeiten – aber das alles in einer sehr spröden, leisen, poetischen Form.

    Die einzigen Moment in denen es filmisch intensiv auf die Glocke geht, die Farben springen, die Nahaufnahmen fast schamlos werden, ist beim Essen und vor allem beim Kochen: Tintenfische in verschiedenen Variationen, Sashimi, andere Fische, Pajeon (Korean Pancakes) und verschiedenes Gemüse.

    Kein anderer Moment ist so intensiv körperlich wie das Füllen und Verschließen der Tintenfischtuben.

    Kein anderer Moment ist so rührend, traurig, rom-com-ig wie der Moment als die Heldin Sooha (Bella Kim) aus Sokcho (Südkorea an der Grenze zu Nordkorea) für den das-Koreanische-gar-nicht-mögenden Franzosen Yan (Roschdy Zem) ein Boeuf Bourgignon zu kochen versucht und dazu ein französisches Youtube-Video konsultiert. („Für das Fleisch gehen sie einfach zu ihrem Metzger und sagen sie, sie wollen Boeuf Bourgignon machen..“).

    Und, frei nach Tschechow2: Wenn mensch einen Fugu3 im Film einführt, dann muss mensch den Fugu auch im Film benutzen.

    Bürsten

    Sokcho, Mittelstadt am südkoreanischen Meer, nahe der Grenze zu Nordkorea. Im Sommer mit Bergen und Meer ein beliebtes Touristenziel im Winter ist Sokcho as trist as can be. Graue Felsen im Hintergrund, blaugraues Meer, eine Stadt, weder klein noch groß in grauer Nachkriegsarchitektur.

    Sooha, Tochter einer südkoreanerischen Fischhändlerin und eines verschollenen Franzosen arbeitet in einer Pension zusammen mit dem älteren Herrn Park. Ihr Freund möchte Model in Seoul werden. Sie wird zu mehr Karriere, baldiger Heirat und Schönheits-OPs gedrängt, hadert mit sich selbst und allem. Bis der französische Comiczeichner Yan nach Sokcho kommt.

    Liebt sie ihn? Vermutlich nicht. Löst er vieles in ihr aus? Auf jeden Fall. Ist er an ihr interessiert: Eher nicht. Sie reden über Nordkorea und eigentlich geht es über Sein, Liebe, Leben, Körper. Sooha bürstet ihrer Mutter die Haare, sie reden über ihren Vater, dabei geht es über Sein, Liebe, Leben, Geschichte, Familie, Körper. Sie wäscht einen Tintenflecken aus der Decke. Sie reden. Dabei geht es über.. You get it.

    Alles in grau, blau, Bewegungen spärlich, Tonfall gedämpft. Wenn es emotional wird, wechselt der Film in Tuschezeichnungen.

    Ich werde dringend die xkcd-Comics suchen, in denen Menschen auf Bürostuhlen durch die Gegend fahren

    Madame bekam ein DHL-Kleinpaket. Leider mit einem etwas obskuren Absender, so dass die schöne Volte, sich ein Paket von Speedo ins Schwimmbad senden zu lassen, verloren ging.

    Ich bekam ein UPS-Großpaket und das Angebot, mir zwei starke Schwimmeister zu organisieren, um es in die Wohnung zu tragen. Zu den ausgenudelten Sachen, die vielleicht gar nicht erst hätten umziehen sollen, gehörte mein alter Schreibtischstuhl.

    Langsam gestand ich mir ein, dass es eine auffallende Häufung von Rücken-ist-schlecht-Tagen an Home office-Tagen gibt und das eventuell der alte Stuhl etwas damit zu tun haben könnte. Madame schenkte mir nachträglich zum Geburtstag einen neuen Stuhl.

    Und wenn ich die Auswahl habe, etwas gut funktionierendes und solide Gebautes in der Variante seriös oder der Variante albern zu bekommen, nehme ich natürlich albern.

    Das Gaming Chair war zielgruppengerecht. Das 37-Kilo-Paket kündigte bereits den Unboxing-Moment an, die Anleitung war aufgemacht wie Videospielgoodies und eigentlich wartete ich nur auf die Trainingsmission, in der ich Schrauben übe. Allein der Aufbau war eine Show, voller Liebe im Detail: Ich sage nur: Stuhl fast durchgehend in Schwarz (bzw. charcoal), aber eine rote Schraube in der roten Fingerklemmsicherung.

    Schreib an die Borsten eine Ode

    Irgendwo im Internet las ich ähnlich der David-Lynch-Geburtstags-Festspiele „David Lynch. Die einen lieben ihn, die anderen verstehen ihn nicht.“ Ich glaube, das waren die Vibes, die mich schon in den Neunzigern abschreckten. Zumal das damals gerne von Leuten gesagt wurde, deren Filmgeschmack eher unterkomplex war.

    Der noch-nicht-erste-Samstag-des-Frühlings bringt Schmelzwasserseen.

    Via Vanessa Giese zum Bürstenlied.

    Jetzt muss ich mal ein Jahr lang nicht mimosenneidisch auf Südfrankreich sein, gleich kann ich filmneidisch werden. Christiane bei Hildegard Knef: Regen, ein Film und keine Mimosen

    Im Kino: Boeuf Bourgignon. Im Blog nebenan: Coq au vin.

    wenn ich nicht schreibe, habe ich festgestellt, dann träumt mein körper davon. vom schreiben, als wäre es ein sport. wie tennisspieler oder skifahrerinnen vielleicht, die sich auf das durch training geschaffende muskelgedächtnis verlassen. müssen. die ebenfalls, so stelle ich mir das vor, nicht mehr wirklich wissen, was sie wann genau tun, müssen. die es dennoch tun, und es gelingt. irgendwie.

    Anmerkungen

    1. Yorck-Unlimited No. 9 – 26,44€ pro Besuch. ↩︎
    2. Nach Wikipedia: Tschechows Waffe (oder Tschechows Gewehr; russisch Чеховское ружьё) ist ein Erzählprinzip, das betont, dass jedes Element einer Geschichte notwendig sein muss, während irrelevante Elemente entfernt werden sollten. Wenn demnach eine Waffe in einer Geschichte vorkommt, muss es dafür einen Grund geben, beispielsweise dass sie später abgefeuert wird. ↩︎
    3. Nach Wikipedia: In einer besonderen Zubereitungstechnik werden die durch das darin enthaltene Tetrodotoxin hochgiftigen Körperteile wie Eierstock, Darm, Rogen, Leber und je nach Kugelfischart auch die Haut vorsichtig entfernt und meist nur das ungiftige Muskelfleisch verwendet. Daher muss heute in Japan jeder, der mit Fang, Handel oder Zubereitung zu tun hat, eine spezielle Lizenz besitzen. Für die Zubereitungslizenz muss der Koch zwei Jahre in einem Fugurestaurant gearbeitet haben und dann eine Prüfung ablegen. ↩︎

  • 26-01-29 Bilder von Hinterköpfen

    26-01-29 Bilder von Hinterköpfen

    Im Südkreuz ein Schwarm Spatzen.

    Im Netto Rollbergviertel stehen die ersten Paletten mit Milka-Osterhasen.

    Im Kino lernte ich von einem neuen Beruf. Yorck-Kinos suchen eine „Fachkraft Fein- und Sonderreinigung“. Wie ich mir zusammenrecherchierte scheint das eine besondere Spezialisierung für die Erstreinigung nach Neu- oder Umbauten zu sein.

    Es waren drei Tage der Arbeit zwischen Eis, Erkältung und Kino.

    Wie es sich gehört, sind wir beide mit latenter Erkältung unterwegs. Nie schlimm genug, um wirklich zu sagen „ich bin krank“. Aber doch nervig genug für verstopfte Nasen, gelegentliche Glieder- oder Kopfschmerzen und ein Schlafbedürfnis jenseits des Normalen.

    Um Madames Schwimmhallenbesuchsvorsprung nicht zu groß werden zu lassen, verlegte ich die Mobile-Arbeits-Tags-Mittagspause wieder in die Schwimmhalle. Entweder ich werde jetzt gesund oder wenigstens richtig krank.

    Wahrscheinlich trägt auch die Stallhaltung unsererseits zum Ansatz einer Unpässlichkeit bei. Aber auf den Eiswegen da draußen möchte mensch keinen Schritt mehr laufen als unbedingt nötig.

    Aktueller Stand:

    • Auf wenig genutzten Wegen liegt eine Art zu Eis gefrorener Schnee
    • Auf sehr stark genutzten Wegen (zB die ersten drei Meter vor dem U-Bahn-Zugang): das Eis wurde durch zuviel Reibung aufgelöst, auf den nächsten drei Metern bilden sich Löcher im Eispanzer, bevor wieder etwas weiter Weg die Eisplatte beginnt.
    • Denn auf stark genutzte Wegen wurde das Schnee-Eis durch den Druck der vorbei laufenden Menschen zu blanken Eisplatten komprimiert. Befördert wird das durch die 21. Jahrhundert-Variante des ausgelagerten Winterdienstes, der gerne in Eiltempo mit einem Autolein den Schnee vom Eis fegt und – ohne zu streuen – die Eisflächen übrig lässt.

    Die Mall der tropfenden Eimer

    Ich war erst auf dem Weg ins Kino und lief durch ein Gebäude, dass mich geradezu anschrie: „Dreh einen Film in mir! Oder fünf! Hole Jim Jarmusch, Aki Kaurismäki und Marion Ade!“

    Das Einkaufszentrum Kindl Boulevard im Rollbergviertel hat alles was einen Unort auszeichnet: Eine Mall voll leerstehender Geschäfte, 1990er-billig-Investoren-Architektur, Behörden- und Jobcenterflure in den höheren Stockwerken und eine tiefe Aura der Hoffnungslosigkeit, die seit mindestens 2007 andauert. Ein Mann der durch die Gänge wankte und „Deutschland! Deutschland!“ sang.

    Aber wie geballt! Wie ausdrucksstark! Wie geschickt wird die Lost Mall akzentuiert durch den Laden für afghanische Festkleidung (türkische Hochzeitsläden sind nichts dagegen) und das Arthouse Kino.

    Noch aber fehlt der Film zum Boulevard. Noch ist der stärkste Anspruch auf Ruhm des Boulvards seine Eimersammlung. Regelmäßig bei Starkregen stehen die ganze Länge des Durchgangs entlang Putzeimer, die den Regen auffangen.

    Gleich möchte ich das Drehbuch beginnen: Die einsame Arbeiterin im Asia Imbiss des Marktes, eigentlich Filipina muss sie sich als Vietnamesin ausgeben „um ins Konzept zu passen.“ Ein Cast aus Stammgästen aus Bürgeramt und Jobcenter-Mitarbeitern. Dazu Gelegenheitsbesucher*innen: Jobcenter-„Kunden“, die Wärme brauchen, verirrte Gäste des Arthouse-Kinos und Gäste des Business-Hotels, die ausversehen den falschen Ausgang nahmen. Eine zärtliche Liebesgeschichte zwischen der Asia-Imbiss-Mitarbeiterin und einem Jobcenter-Sachbearbeiter bahnt sich an. Dann entdeckt er, dass sie keinen Aufenthaltsstatus besitzt. Er setzt dadurch eine Lawine von Ereignissen in Gang und muss sich am Ende in die Berliner Halbwelt begeben, um sie wieder zu finden.

    一一

    Dabei war ich nicht gekommen, um einen Film zu schreiben, sondern um einen Film zu sehen1. Und was für ein Film: 一一 , in lateinischer Umschrift Yī yī. englischer Titel Yi Yi – A one and a two2, ein Klassiker derTaiwan New Wave und Stammgast in „Die besten Filme des 21. Jahrhunderts“-Listen3.

    Was für ein spannender Film! Nicht im Sinne von Plot, Spannung, Suspense. Eher im Gegenteil. Der Film vermeidet alles, was mensch in Storytelling-Seminare lernt: Kein Spannungsbogen, keine Emotionalisierung, kein Charakter, der einen als Zuschauer emotional an die Hand nimmt und zur Identifikation auffordert. Aber:

    Jede Einstellung ein Gemälde. Jedes Autogeräusch ein Sound. Jede Sekunde voll menschlichem Leben. Der Film vermeidet Konventionen, löst sie geradezu auf, und schafft dadurch eine besondere Atmosphäre. Fast fühlte ich mich wie im Zauberberg – die Zeit aufgelöst, ich fragte mich kurz, gibt es überhaupt eine Handlung?

    Dann fiel mir auf: Eine Geburt, eine erste Liebe, eine Hochzeit, ein vielleicht-Suizidversuch, mehrere Ehedramen, ein Mutter-Tochter-Drama, ein Schlaganfall, ein Mord, eine Beerdingung – das ganze volle Leben war in allen Facetten präsent.

    Und weil der Film so voll war, mich auch mit einigen Tagen Abstand immer noch dezent überfordert, versuche ich mich auf einige wenige Aspekte konzentrieren4.

    Der Plot: Von Hochzeit und Beerdigung

    Zentrale Charaktere sind NJ (Vater), Min-Min (Mutter), Ting-Ting (Tochter, 13) und Yang-Yang (Sohn, 8). Der Film beginnt mit der Hochzeit von Min-Mins-Bruder, einem rechten Hallodri, die von des Bruders Ex-Freundin erfolgreich gesprengt wird. Am selben Tag erleidet Min-Mins Mutter einen Schlaganfall und fällt ins Koma.

    Wie es sich für eine Familie gehört, löst sich die Handlung in zahlreiche Subplots auf (Min-Min im Kloster, NJ trifft seine Jugendliebe wieder, Ting-Ting (sie und ihre beste Freundin Lili haben nacheinander denselben Freund, der auch mit Lilis Mutter zusammen ist, die wiederum eine Affäre mit Lilis Englischlehrer hat, mit dem auch Lili eine Affäre beginnt), der drohende Untergang mit NJs Unternehmen) und bei der Beerdigung der Großmutter wieder zusammenzufinden.

    Straßengrundrauschen

    Irgendwann fiel mir auf: Ich höre im Film nur Musik, wenn auch die Charaktere selber Musik hören. Sei es Hintergrund in einer Bar, jemand spielt Klavier, jemand singt.

    Dann fiel mir auf: Eigentlich höre ich immer das, was die Charaktere auch hören. Vielleicht Musik, vielleicht eine röhrende Küchenmaschine, vielleicht einen Streit aus der Nachbarwohnung, sehr oft höre ich Autos, denn die Geschichte spielt in der Großstadt. Es schafft eine ungahnte Unmittelbarkeit.

    Noch später fiel mir auf: Ich höre nicht „einfach“ das, was jetzt realistisch wäre. Alles hat Rhythmus, alles rahmt die Handlung, setzte Akzente. Fußböden quietschen als würden sie sagen „Hotel mit Vergangenheit für Menschen mit Vergangenheit“, Straßen erzeugen ein prägnantes Hintergrundrauschen. Alles im Fluss.

    Filme vom Leben

    Irgendwo in der Zeitlosigkeit des Film gehen Ying-Ying und ihr Freund ins Kino und unterhalten sich. Sie bevorzugt RomComs, er realistisches Drama. Sie: „Warum Filme ansehen, die einfach vom normalen Leben handeln. Wäre es nicht sinnvoller, einfach rauszugehen und zu Leben.“ Er: „Mein Onkel sagt, seitdem das Kino erfunden wurde, leben wir dreimal so lang wie zuvor.“

    Später: Yang-Yang macht mit seiner neuen Kameras Fotos von Hinterköpfen und schenkt sie den fotografierten. „Damit du das sehen kannst, was du sonst nicht siehst.“

    Belgrad- A Coruna – Malcom F.

    Auf Geschäftsreise in Belgrad.

    Auf Privatreise. Einfach mal in den Bus steigen.

    hmble Musik.

    How Browsers work – in interaktiv. (via Stefan)

    I’m a linguist, and when people find out about it, they very often ask how many languages I speak. I hate it.

    Haselantische Zugabe

    Vorscht! Bitte nicht scheten. (Prompt: Erstelle mir eine Illustration zum vorhergehenden Text)

    Anmerkungen

    1. Yorck-Unlimited-Besuch No. 7 – ergo 34€ pro Besuch. ↩︎
    2. 一 ist das Zeichen für eins. 一一 als eins, eins bezeihungsweise normalerweise gemeint als „eins nach dem anderen.“ Schreibt man die Striche nicht nach- sondern übereinander, ist es das Zeichen für zwei. ↩︎
    3. Was meine Banausigkeit unterstreicht mit der ich von diesem Film das erste Mal in meinem Leben vor etwa zwei Wochen erfuhr. ↩︎
    4. Nur als kleine Anmerkung was noch alles ginge: Ein langer Text, der sich mit dem Einsatz von Hokkien, der indigenen Sprache Taiwans, im Unterschied zum chinesischen Mandarin befasst: Feeling Seen: Edward Yang’s Yi Yi ↩︎
  • 24-02-27 La chute bedeutet Untergang oder Fall oder Sturz

    24-02-27 La chute bedeutet Untergang oder Fall oder Sturz

    Einer der wenigen Wurstaufschnitte, die gänzlich ohne zugesetzten Zucker auskommen. ist der „Italienische Landschinken luftgetrocknet“ von Edeka.

    Madame und ich unterhielten uns beim Abendessen über Platons Höhlengleichnis.

    Madame lernte während ihre Heuristik Projektplätze verteilte.

    Dienstag ist mobiles-Arbeiten-Tag, denn die BVG streikt nicht. Als nicht-BVG-betroffener Radfahrer fahre ich an Streiktagen in die Verwaltung, damit wir ausreichend IT-Anwesende haben. Montag hingegen der spontane Gedanke „Wer zum Geier?“.

    Nach dem Klausurlaub folgen drei Wochen Work+Learn. Der Lernteil beginnt mit Teilkostenrechnung und Vollkostenrechnung.

    Einmal im Leben sahen wir auf der Berlinale einen Wettbewerbsfilm und prompt gewann er den Goldenen Bären. Glückwunsch an Dahomey.

    Dabei fiel uns auf, dass das Wort Dahomey im ganzen Film nicht vorkommt. Wir haben keine Ahnung wie der Begriff korrekt auf Fon ausgesprochen wird.

    Klausurlaub bestand diesen Februar aus viel Klausur und wenig Urlaub. Nach der Freitagsklausur am Wochenende wollte ich aus Überschwang gleich weiterlernen, bremste mich aber selber. Einzig ein wenig Herumlesen beim vielleicht-Bachelorarbeit-betreuenden Lehrstuhl erlaubte ich mir. Entdeckung: Viele der dort vergebenen Themen drehen sich um Metaheuristiken.

    Ich bemühte mich, mich unifern kopf-frei-kommend zu betätigen. Ein wenig herumdaddeln in der Wikipedia. Ein Samstagabendschwumm im Stadtbad Lankwitz (immer noch viele Gäste, aber wenigstens keine Bahnen für Vereine gesperrt). Sonntags folgte eine Stadtrundfahrt mit dem M43er-Bus von Schöneberg zum Ostkreuz mit Zwischenstopp im Kino.

    Das Apriltemperaturen-Wetter im Februar ist gleichzeitig schön und unbehaglich. Reine Freude löst das vermehrte Himmelslicht aus. Im Hellen zur Arbeit, im Hellen unterwegs und dazu ein lodernder Spätwinterhimmel wie aus den Gedichten der Ahnen.

    P.I.M.P.

    Es gibt eine Art von Filmen, die mich schon von weitem die Flucht ergreifen lässt: Dramen über mittelalte Paare (mindestens ein Teil ist Schriftsteller*in), die sich auseinandergelebt haben, geschrieben von Teilen mittelalter Paare.

    Am Sonntag sah ich einen solchen Film. Er war spektakulär gut: Anatomie d’une chute, auf deutsch: Anatomie eines Falles. (auch: Anatomie eines Untergangs wäre eine mögliche Übersetzung.) von Justine Triet.

    Ein Paar (Sandra und Samuel Voyter) lebt mit ihrem Sohn (Daniel) in einem einsamen Haus in den französischen Alpen. Nach einem Spaziergang findet der Sohn den Vater, offensichtlich an einem Schlag auf den Kopf gestorben. Schnell stellt sich heraus: Entweder Samuel sprang vom Dachboden, oder Sandra schlug ihn dort tot und warf ihn vom Dachboden hinunter vor das Haus.

    Ein zweieinhalbstündiger Alptraum beginnt. Der Sohn erlebt einen Gerichtsprozess, in dem eine Partei versucht seine Mutter als Mörderin darzustellen, die ihres Mannes überdrüssig wurde; die andere Partei versucht seinen Vater als einen im Leben gescheiterten Menschen darzustellen, der dieses Scheitern nicht mehr ertrug.

    Der Prozess findet ein Urteil. Der „echte“ Verlauf des fraglichen Vormittags bleibt dunkel. Aber schnell ist die Frage „war sie ist?“ gar nicht mehr so entscheidend. Als Zuschauer frage ich eher „wie können normale, fehlbare Menschen, die keinesfalls Monster sind in so eine Alptraumsituation geraten?“

    Wenn ich nicht nur einfach denke „Argh, ist das alles furchtbar.“Der Film bietet gar keinen Moment des Comic Reliefs, oder eines anderen Reliefs, sondern hält das Leiden von Minute drei bis Minute 151 durch.

    Die kluge Kameraführung, die klug eingesetzte Musik und die großartigen Schauspieler (Sandra Hüller als Sandra Voyter, Milo Machado Graner als Daniel Voyter und Antoine Reinarzt als Staatsanwalt) gestalten jede der 148 Leidensminuten erlebenswert.

    Schauen im Original (OmeU) lohnt. Sprache ist ein wichtiges Element. Hüller spielt eine deutsche Schriftstellerin, die nur stockend französisch spricht und vor allem fließend englisch redet. Wer wann mit wem in welcher Sprache redet, ist entscheidend für Dramaturgie und Stimmung.

    Im Internet lese ich, dass in der deutschen Fassung durchgehend deutsch geredet wird. Das kann ich mir nicht recht vorstellen.

    Reweflair

    Filmschauen verband ich mit einer Premiere: Auf ins Rollberg-Kino.

    Das Rollberg-Viertel ist eines dieser Viertel, bei dessen Nennung jeder AfD-Politiker anfängt, begeistert zu sabbern. Bekannt vor allem aus dem Blaulichtreport der Zeitungen. Der einschlägige Wikipedia-Artikel verlinkt im zweitem Absatz nacheinander die Begriffe Sozialwohnung, türkischstämmig, arabischstämmig, Transfereinkommen, Hartz IV, Armutsgrenze, Kinderarmut. Im weiteren Verlauf informiert er mich, dass die Kriminalität stark abnahm seitdem es ein Quartiersmanagement gibt.

    Werkstattgebäude, in dem nun ein Dojo Werbung für Taekwondo, MMA, Yoga und Schach macht. Dramatischer Sonnenuntergangshimmel, auf dem Dojo zwei Aufblasfiguren, die Karateka darstellen sollen.

    Und noch überraschender: das Kino hat das Flair von Langenhagen bei Hannover. Es liegt im Nebengebäude eines 1990er-Einkaufszentrums. Die Architektur auf dem Weg erweckt den Anschein, als ginge es zur Einkauszentrumsverwaltung. Das Foyer sachlich, in dunklen Tönen, aber sympathisch. Der Saal klein, aber mit schönen Sesseln und einem tollen Glitzervorhang.

    Dem Kinokompendium entnehme ich, dass an diesem Ort einst in den 1920ern mit dem 2500-Sitzplätze-fassenden Mercedes Palast hier das größte Berliner Kino stand. Das Rollbergkino selber ist eine Neugründung von 1996, in dessen fünf Sälen seit 2010 ausschließlich Originalversionen von Filmen laufen. Seit einigen Jahren sind die Untertitel englisch. Dabei gibt es nicht nur Arthouse-Filme, sondern auch mal mainstreamigeres Programm.

    Im Kino eine mir neue Form genderneutraler Toiletten: Es gab gar keine Genderbezeichnung, sondern „Sitz- und Stehtoiletten“ und „Sitz- und Rollstuhltoilette.“ Meine Rechtschreibprüfung möchte aus genderneutral einen Gendarmenmarkt machen.

    Unterwasserpfeifen

    Ein Talking-Heads-Konzertfilm kommt in die Kinos. Jetzt geht das Achtzigerjahre-Revival zu weit.

    Den deutschen Synchronschwimm-Pionier Frithjof Seidel hatten wir im Dezember schon mal im Wasser gesehen. Um so erfreulicher, dass der Tagesspiegel ein Interview mit ihm veröffentlicht. (leider paywall) Viel Infos dazu, wie es ist als spätberufener Mann in einer reinen Frauendomäne aufzuschlagen. Aber auch spannende Nebeninfos wie:

    Und dann piepen wir auch unter Wasser, das ist ein bisschen so, wie Delfine miteinander kommunizieren. Wenn wir zum Beispiel ohne Musik trainieren, piept immer einer den Takt, damit man die Bewegung gleichzeitig macht.

    Die Herausforderung viele mathematische Formeln schreiben zu müssen, teilweise beu Klausuren, hat in mir einen Recherchedrang nach geeigneten Stiften ausgelöst. Die Recherche brachte mich zu Klausurenstift.de, der anscheinend intensiv dokumentenechte Qualitätsschreiber testete. Auf ein paar der Modelle stief ich auch schon, andere habe ich zum Testen bestellt.

    Christiane persönlich über die Ukraine und den Krieg: Zwei Jahre.

    Anlässlich der Berlinale waren wir erstmals in der Verti Music Hall. Hotel Mama auch. Die Beschreibungen kommen mir bekannt vor.