Schlagwort: Wir schon wieder

  • 25-08-03 Bachelurlaub

    25-08-03 Bachelurlaub

    Madame lernte Hillary kennen, Singer-Songwriterin aus New Mexico, später dann ein sächsisches Ehepaar, das Steak tartare essen wollte.

    Ich traf den Bauleiter unserer Dachbaustelle. Gute Nachricht: Wenn sie mit dem Dach fertig sind, ist unsere Wohnung zur Renovierung vorgemerkt – was nötig ist, angesichts der ganzen Schäden, die sich über die letzten zweieinhalb Jahre Baustelle über unseren Köpfen angesammelt haben. Schlechte Nachricht: Wenn sie mit dem Dach fertig sind, ist unsere Wohnung zur Renovierung vorgemerkt – leider stehen Wohnung renovieren und gleichzeitige wohnen in einer Wohnung in einem gewissen inneren Spannungsverhältnis.

    Es war ein letzter dreiviertel Arbeitstag und ein erster Tag der freien Tage zur Vorantreibung der Bachelorarbeit – der Bachelurlaub. Ich machte aber erstmal Urlaub vom Bachelor und verbrachte den Samstag auf den Latifundien.

    Trotz Urlaub, Strohwitwertum und potenzieller Lernverhöhlung gelang es mir bisher, Struktur im Alltag aufrecht zu erhalten. Vier von fünf Abendessen waren ordnungsgemäß gekocht und hatten jeweils drei Gänge. (1 – immer Gemüserohkost, 3 – immer Obst. Ich will auch nicht übertreiben)

    Ausgelesen: Wir schon wieder – 16 jüdische Erzählungen. Die letzten drei Texte. Einer (der der Herausgeberin) ein bißchen belanglos, Ljudmila Ulitzkajas Dankesworte an die Antisemiten eindrucksvoll, aber irgendwie mehr Statement als literarischer Text und Was hättest du getan?, der Deutschland 2025 gut und schmerzhaft trift. Erst beim Nachsehen wird mir bewusst, dass der Text von Dana Vowinckel ist, deren Gewässer im Ziplock hier länger von Madame im Bungalow gelesen wurde.

    Ratatouille verpönt

    Wenn wir verreisen, stelle ich fest, vor lauter Reiserei komme ich nicht zum Schreiben und es passiert eh zu viel, um es zu würdigen.

    Dies passiert selbst, wenn ich gar nicht mitfahre. Alleine Madames Telefonerzählungen aus Paris-Versailles-Bayeux sprengen jeden Blograhmen. Allein die Serenade in Versailles bietet genug Stoff für eine ganze Reihe.

    Deshalb nur ein Detail: der Potager du roi – der königlichen Küchengarten. Der ist durch alle Revolutionen und politischen Verwerfungen seit dem 17. Jahrhundert im Betrieb – Obst und Gemüse wollten alle Versailles-Zuständigen.

    Madame bekam eine Führung auf französisch. Sie erfuhr: Aus bürokratischen Gründen fördert der Staat den Garten – Weltkulturerbe seit 1979 und Teil von Versailles – nicht, so dass sie alleine von Eintrittsgeldern leben und dem Verkauf ihrer Erzeugnisse.

    Denn es gibt einen Stand, an dem frisches königliches Obst und Gemüse verkauft wird.

    Der Klimawandel zeigt sich auch hier: der Anbau wechselt weg vom Obst hin zum Gemüse.

    Eine Änderung gegenüber der Geschichte: Ludwig XIV war größer Obst und Gemüsefan. Aber zu seiner Zeit war mediterranes Gemüse (im Wesentlichen alle Zutaten der Ratatouille) verpönt. so dass hier Feigen und Äpfel wuchsen.

    Original Reise Ratatouille

    Der Bachelurlaub begann im 248er Bus vom Südkreuz in den Bergmannkiez. Schon vor vielen Wochen hatte ich Original Sin: President Biden’s Decline, Its Cover-Up, and His Disastrous Choice to Run Again in der Hammett-Buchhandlung bestellt und dann über viele Wochen nicht abgeholt. Endlich Zeit es zu ändern.

    Wie es sich für eine gute Buchhandlung gehört: Ich betrat den Laden. Und während ich noch in der Tür stand, sah Christian mich, drehte sich sofort um, und holte das Buch aus dem Vormerkregal. Beste Buchhandlung.

    Und weil ich nicht anders kann, also in einer Buchhandlung spontan ein Buch zu kaufen, kam ein antiquarisches Exemplar von Rainer Erlers Reise in eine strahlende Zukunft (Verlag das neue Berlin, 1986) hinzu.

    Und weil ich ja Urlaub habe, wandelte ich in die neben gelegene Marheineke-Markthalle. Im Gedenken an Madames Frankreichtour entdeckte ich Le Bretagne, die mir ein vortreffliches Ratatouille-Galette servierten und dazu eine überzeugende französische Konditorei-Auswahl im Tresen stehen hatten.

    Der Schrei des Rotmilans

    Fahren auf die Latifundien in dichtem Bodennebel. Der Regen hinterlässt spuren. An der Raststätte Stolper Heide1 sucht der Kassierer jeden möglichen Rabatt heraus, den er noch finden kann. Dabei ist die Raststätte eh schon die preiswerteste Quelle für Autogas.

    Wöchentliches Mähen im August – das Wetter ist ernstlich kaputt. Der Garten wirkt so üppig wie nie – zumindest was das leuchtende Grün angeht, bewegt er sich überraschend stark in Richtung englischer Landhausgarten. Nur wächst das Gras auf den Wegen auch wie blöde.

    Nach Mäh- und Falläpfelrunde folgte die Besorgungsrunde: Die letzten Bratwürste vor dem Urlaub der Metzgerei, Rasenmäherbenzin, Altglasverbringung, Gemüse und alkoholfreies Bier, ein Stück Erdbeerschnitte am Kremmener Marktplatz. Über dem Marktplatz kreiste ein Storch.

    Nachmittag eine Geräuschkulisse aus dem Schrei des Rotmilans und herüberwehenden Fetzen der Speedwaybahn.

    Fast beinahe lasse ich alle selbstgesteckten Regeln sausen und werde üppig. Der Garten zeigt sich nach all‘ dem Regen in paradiesischer Paradiesheit zudem mit besten Wolken. Meine Regel: 1 Post – 1 Bild wankt. Denn welches nehmen?

    Aber egal. Ich bleibe bei einem Bild. Ich entscheide mich für zwei Mitbewohner*innen, die sich bisher allen halbwegs scharfen Fotos entzogen: Chorthippus brunneus (aka brauner Grashüpfer – sehr häufig, aber halt sprunghaft im Versuch ihn zu fotografieren) und eine Schwebfliege (Ehrlich gesagt, keine Ahnung, wie häufig sie sind – wir haben so viel gelb-schwarze Insekten aller Art, dass ich nur noch selten bestimme)2. Auch habe ich immer keine Lust, sie zu fangen, einzufrieren und dann ihre Geschlechtsteile unter dem Mikroskop zu bestimmen.

    Chorthippus brunneus an Armbanduhr
    Schwebfliege an Wilder Möhre

    Teletext und Blitz nach oben

    Aharoni kann etwas, was vermutlich niemand sonst auf dieser Welt: Wirrwarr-Text, der auf englisch geschrieben wurde, aber auf hebräisch ausgegeben wird, fließend lesen. My Useless Super-Power: Reading Incorrectly Encoded Teletext

    I guess this is BookTok speaking: eine geschlossene Veranstaltung um 23:00h zur Präsentation einer neuen Young Adult Reihe.

    Konstantin freut sich: In einem Raum mit über 3 Meter Höhe und 99 Jahren an Geschichte aufwachen. – und da sagt der Berliner Altbaubewohner: Ha! Das habe ich jeden Morgen!

    Ein Blitz nach oben, fotografiert aus der ISS. (via Das BlaBlog)

    Urlaub in der Normandie scheint im Trend zu liegen: Saint-Valéry-en-Caux: kleines Küstenstädtchen in der Normandie

    Urlaub im Balkan. Karen verlässt ausnahmsweise den Zug: Turku-Sarajevo mit dem Zug: (9) Split – Dubrovnik

    Mit dem Boot. Über Geld wird eh zu selten geredet: Was kostet ein Bootsurlaub in Friesland?

    Mehr als Urlaub: Holger und Angela geben den Schlüssel zum Liegeplatz ab und steigen für 13 Monate aufs Boot.

    Anmerkungen

    1. Ich glaube eine der wenigen Autobahnraststätten, die nicht zum Tank&Rast-Imperium gehört. ↩︎
    2. Der Halluzinator lässt sich übrigens nur mühsam davon abbringen, dass es sich bei dem Tier um eine Wespe handelt. Selbst wenn ich dazu sage, dass es eine Schwebfliege sein soll. Er verweist dabei jedes Mal auf die Wespentaille als ausschlaggebendes Merkmal. Und was sehen wir auf dem Foto NICHT: Genau, eine Wespentaille. ↩︎
  • 25-07-26 Regen Rauch Regen Pilze Gänse Regen Brombeere

    25-07-26 Regen Rauch Regen Pilze Gänse Regen Brombeere

    Zum Merken: der Edeka in Kremmen schließt um 20 Uhr, der Lidl um 21 Uhr. Damit sind Lidl/Kremmen und Netto/Schwante die beiden Supermärkte der Wahl für Last-minute-Einkäufe.

    Auf dem Netto-Parkplatz in Vehlefanz stand ein Auto dessen Front überwiegend aus Klebeband bestand. Respekt dafür, damit noch durch die Gegend fahren zu können.

    Madame schreibt zuviel Text für zuwenige Seiten. Aber da lässt sich mit der Formatierung arbeiten.

    Der Dorfstorch ist zurück.

    Es waren zwei Urlaubstage auf den Latifundien.

    Es war ein Mix aus grauem Himmel, kurzer sonniger Schwüle und einem überraschenden Regenschauer nach dem nächsten.

    Irgendwie geriet ich in ein Impfgegner-Rabbithole, das sich in ein Sonnenschutz-Gegner-Rabbithole weiter entwickelte. Ich fragte mich „Gibt es schon eine Verschwörungstheorie gegen das Zähneputzen? Hat die AfD sie schon aufgegriffen?“

    Das Jugendzentrum Hennigsdorf heißt Conny Island und als jemand für den das Leipziger Conne Island einst zweites Wohnzimmer war, freut mich das besonders.

    Der Lokalzeitung entnehme ich, dass es eine „offizielle Grillsaison“ gibt, und frage mich seitdem wer diese festlegt? Die UNO-Unterbehörde für das Grillwesen?

    Etwas weiter hinten im Generalanzeiger eine Anzeige unter „Kontakte“. Der gesamte Text: „Polin macht Alles! 0152..“. Ich denke sofort an die große Kiste mit verhedderten Ladekabeln bei der Arbeit, die schon seit drei Monaten niemand entknoten will. Vielleicht könnte die Polin..

    Zwoi sechs

    Die Brombeere ist zurück. Nachdem wir die Brombeere bereits fünfmal komplett mit allen Wurzeln und einem Eimer umgebende Erde ausgegraben hatten (Mai ’24, April ’24, März ’24, August ’23 und Mai ’23), steckte sie schon wieder einen Trieb aus der Erde. Immerhin wuchs sie noch auf der richtigen Seite der Wurzelsperre.

    So grub ich sie wieder einmal aus, buddelte knapp 50 Zentimeter tief der Wurzel hinterher und entsorgte wieder einmal einen 10 Liter Eimer Erde in den Hausmüll. Zumindest wissen wir, warum wir sie ausbuddeln. Diese Brombeere ist ein Monster. Zwoi halt.

    Ich kann mich nicht erinnern, den Garten je im Hochsommer so grün gesehen zu haben. Auf dem Feld nebenan bildet sich der erste kleine See, die Erde ist in ihren oberen Schichten nasser Brösel.

    So also sähe der Garten aus, wenn wir regelmäßig gießen würden!

    Zum Beispiel wachsen Pilze. Die speisepilzartigen mit Fruchtkörpern, die sich schon bis zu einem halben Hexenring am Thingplatz auswuchsen. Aber natürlich auch diejenigen Pilze, die Blätter und Stämme anderer Pflanzen wie Rosen befallen, und weniger erwünscht sind.

    Da traf es sich gut, dass ich das nasse Wetter und die nicht-mehr-vorhandene Waldbrandstufe nutzen wollte, um ebenjenen pilzigen Rosenschnitt zu verbrennen. Das schöne an halbwilden Gartenteilen ist es, dass ich dort bedenkenlos Löcher graben und danach wieder zuschütten kann, ohne dass es für ästhetische Verwerfungen sorgt.

    Nachteile des nassen Wetters: Meine Güte hat das alles geraucht. Ich glaube ich habe ungesundes Zeug im Gegenwert von zwei Schachteln Zigaretten eingeatmet und roch danach wie ein frischer Räucheraal. Denn dieses Rosenschnittzeug ist dünn und voller Stacheln, so dass es sich nur schwer schichten und verbrennen lässt und sich gerne ineinander aber auch in meinen Klamotten verhakt. Ein großes Abenteuer im Nahkampf mit dem Feuer.

    Sogar zwei Stunden ganz ohne Regen erwischt ich. Welch Wunder!

    Die Beetrosen hingegen lieben das nasse Wetter. Die kommen mit ihren Wurzeln nicht so tief wie die Sträucher, freuen sich über den feuchten Boden. Überhaupt wirken die Beete so lebendig wie nie.

    Überraschend auch für den Juli: Gänseschwärme. Die fressen sich gerade auf den gemähten Rapsfeldern neben den Latifundien satt, fliegen in Schwärmen direkt über unsere Köpfe nach Hause zum Nachtplatz.

    Quattro Stagioni e due caffè

    Am Marktplatz Kremmen steht eine Hand-Wasserpumpe, wie ich sie sonst nur aus Berlin kenne.

    Grillen ist weiterin wetterschwierig. Außerdem haben wir ungewohnt viel Zeit und können Sachen unternehmen, die wir „schon immer mal“ unternehmen wollten.

    Darunter fällt der Besuch des Altstadtstübchens / L’antica Torino in Kremmen. Eine Pizzeria in einer Brandenburger Kleinstadt, die nicht einmal von Italiener*innen betrieben wird, weckt großes Misstrauen.

    Aber irgendwie strömte die Karte positive Vibes aus, ebenso wie der Betreiber, den wir einst zufällig vor seinem Ristorante trafen, und wollten es doch einmal versuchen. Welch weise Entscheidung.

    Nicht nur, war das lokal voller guter Vibes. Auch die Pizza war gut. Also nicht nur gut-für-Brandenburg, sondern auch da-würde-ich-auch-in-Italien-nochmal hingehen. Guter norditalienischer Stil mit großem Teig und genau der richtigen Mengen an Blasenbildung am Rand, Belag der erfreulich nach Tomate (Madame) bzw. Artischocken und Paprila (ich) schmeckte. Gerne wieder.

    Danach ein Last minute Trip zum Lidl unter dem Storchenturm, um Chips und Bargeld zu holen.

    Alter Fabrikschornstein mit Storchennest und zwei Störchen gegen das Licht im Sonnenuntergang

    In Erinnerung bleibt ein inneres Bild von Schneewelten

    Ausgelesen: Emily Wildes Encyclopedia of Fairies. Das Ende ist ein wenig meh, ändert aber nichts daran, wie schön das Buch an sich ist. Eine nette Mischung aus Fantasy, the most unlikely RomCom character on Earth und einer intensiven Beschreibung einer nordeuropäischen Landschaft.

    Autorin Heather Fawcett ist unter anderem Archäologin – und es zeigt darin, wie intensiv und detailreich sie Landschaft wahrnehmen und beschreiben kann. Ebenso wie es sich beim abgeklärten Blick auf die Welt der Wissenschaft (Hier: Dryadology/Feenkund, Cambrigde 1909) zeigt und auch darin, wie es ist, komplett in einer Recherche und einem Thema zu versinken.

    Emily Wilde, Dryadoloin aus Cambridge, auf Expeditionsreise in ein unbekanntes Land – mich erinnert es an Spitzbergen – und dem Versuch, den Einheimischen ihre Geheimnisse im Umgang mit den Fairies zu entlocken.

    Besonders sympathisch: Sie erklärt nicht das Feenwesen und die Welt. Die „Welt“ besteht größtenteils aus einem Dorf und den Wäldern, Bergen und Gletschern drumherum, sowie einer Briefverbindung ins ferne Cambridge. Die „Erklärung“ der Feen erfolgt aus Sicht der Wissenschaft 1909, durch die Forscherin selbst, die halt weiß, dass sie wenig weiß und gerne mit Fußnoten verschiedene Theorien referiert.

    Beste Urlaubslektüre.

    Gelesen: weitere Texte in Wir schon wieder – 16 jüdische Erzählungen. Ein Text von Eva Menasse, der sich relativ schnell als politische Streitschrift entpuppt und für mich genauso uninteressant wie die meisten politischen Streitschriften.

    Das Essay/die Selbstreflexion Die 13 toten Nachbarinnen1 von Dmitrij Kapitelman stoppt mich erstmal am Lesen. Der Text schmerzt. Kapitelmann wohnt neben dem Mahnmal „Jüdische Opfer des Faschismus“, einer Skulptur die 13 verhärmte Frauenfiguren darstellt, und reflektion darüber was dies mit ihm macht, wie sich sein Verhältnis zum Mahnmal und zur Erinnerung ändert, wie er reagiert wenn rechte „Friedensdemos“ am Mahnmal vorbeiziehen.

    Zug in Split, Segelboot in Flensburg und ein erfundenes Buch

    Karen berichtet weiter von der Balkan-Zug-Reise. Kapitel 6: Zagreb und doppelwow für Turku-Sarajevo mit dem Zug: (7) Zagreb – Split

    Deutlich gefährlicher. Die Marina in Flensburg

    Neues vom Halluzinator: Er erfindet Bücher, die dann in der Buchhandlung gar nicht erhältlich sind. Seltsam wird es, wenn gleich mehrere Kundinnen dasselbe nicht-existente-Buch kaufen wollen: 26.7.2025 Vertrauen und Charlotte

    Im weiteren Sinne verbringe ich vermutlich 50% meiner Arbeitszeit mit Datenschutz und Informationssicherheit, bzw. der Frage wer unter welchen Umständen auf welche Systeme zugreifen darf und wer nicht. Da freue ich mich doch über Daten schützen mit gutem Bauchgefühl (via wasmachstdueigentlichso)

    So alt, dass ich mein Auto mit dem Pinsel reinige, werde ich wohl nie werden.

    Wie kaputt das Internet ist, merkt mensch wenn mensch einfache Antworten auf einfache Fragen sucht. Zum Beispiel „wie kriege ich Kunststoff, der sich altersbedingt selbst verschmoddert hat, wieder schön.“ Es folgen erstmal 20 Treffer bei denen in 10 Seiten die Antwort nach drei Seiten Text steht und bei anderen zehn steht sie gar nicht. Holger macht es besser: Der löst Probleme und schreibt darüber: Also nahm ich kurzerhand Ethanol, also klassisches Spiritus. Und das ging prima! Klebrigen Kunststoff reinigen

    Anmerkungen

    1. Anscheinend zuerst erschienen in der Zeit: Hier mit Paywall-Link: https://www.zeit.de/zeit-magazin/2023/33/holocaust-denkmal-berlin-mitte-juden-nationalsozialismus ↩︎
  • 25-07-22 Die Skorpionfliege liebt Funklöcher

    25-07-22 Die Skorpionfliege liebt Funklöcher

    Das Parkhaus der Spandau Arcaden funktioniert mittlerweile mit Kamera statt mit Schranke. In Parkbereich E3 hängt eine Schuhsohle in der Außenwand.

    Madame entdeckte die Big-in-Japan-Coverversion von Ane Brun und damit auch gleich Bruns Gesamtwerk.

    Es war ein Sonntag und ein freier Montag auf den Latifundien. Montags mit einer kleinen Exkursion zum Bahnhof Spandau.

    Ich lese mich weiter durch „Wir schon wieder – 16 jüdische Erzählungen.“ Ich versuche, mich nach jeweils zwei Texten zu bremsen, weil sonst die Texte ineinander übergehen, ich nicht mehr richtig mitbekomme, was ich lese. Montag kam ich zu Texten von Lena Gorelik und Elfriede Jelinek – beide relativ direkt politisch, beide intelligent aber ohne bei mir wirklich etwas auszulösen.

    Dafür stolperte ich noch über ein Marina-Frenk-Zitat. Nach ihrem Hadern mit der imperialen Sprache des Russischen überlegt sie, welche Sprache nie anderen Menschen aufgezwungen wurde – und kommt auf Jiddisch; dessen einziger Nachteil ist seine Nähe zum Deutschen, und die Tatsache, dass Frenk es (noch) nicht spricht.

    Madame hörte Alpenpodcast. Sie lernte, dass die Hautkrebsrate in der Schweiz deutlich höher ist als in Deutschland und Österreich. Sie lernte auch, dass die Nutzung von Sonnenschutz in der Schweiz deutlich seltener ist als in Deutschland oder Österreich.

    Ich hörte im Insulanerbecken einen Dialog: „Ich bin eine Spitzensportlerin gefangen im Körper eines faulen Menschen.“ Sind wir das nicht alle?

    We meet at Dunkin‘ Donuts

    Nicht immer hängen Zugreiseprobleme mit der Deutschen Bahn zusammen. Manchmal ist es auch die SBB, die die S-Bahn zu Tagesrandzeiten streicht und damit die Weiterfahrt ab Basel verunmöglicht.

    Zum Glück bemerkten wir dies rechtzeitig, die Markgräfter Gäste konnten sich auf einen früheren Zug, den ICE 373, umbuchen, und so fuhren wir zeitverkürzt zum Bahnhof Spandau.

    Die Fahrt beinhaltete nicht nur 20 Kilometer der besten Hoppelpisten Brandenburgs und Berlins, sondern auch einige Kilometer Panoramafahrt durch das Katastrophengebiet Spandauer Forst. Meine Güte.

    Wir hatten zwar gelesen, dass die beiden Kurzstürme vor ein paar Wochen Verhehrungen angerichtet hatten. Aber es ist etwas Anderes über Kilometer einen umgestürzten großen Baum nach dem nächsten zu sehen. Teilweise waren diese schon zersägt, teilweise hatten ihre Wurzeln Teile des Straßenbanketts mitgerissen, teilweise lagen sie auch in ganzer Länge noch quer hängend über anderen Bäumen.

    Ich zählte nicht und schaute nur halb hin – die Hoppelpiste wollte ja Aufmerksamkeit – aber es sah nach Hunderten gefallener Bäume aus, die man nur von der Straße aus sehen kann.

    Erfreulich normal der Bahnhof Spandau: Besuch absetzen, Auto in der Parkgarage der Arcaden parken, wiedertreffen bei Donkin‘ Donuts mit Panoramascheibe auf den Bahnhofsvorplatz und schließlich an Gleis 4 zum ICE373 nach Interlaken-Ost.

    Die Deutsche Bahn erreicht schließlich mit gut 15 Minuten Verspätung Basel Bad, was gerade auf dieser Strecke einer herausragenden Glanzleistung entspricht.

    Pilze und Flechten – im Juli

    Selbsttätige Kreativität der Technik bedarf nicht zwingend einer generativen KI. Manchmal reicht auch die Autokorrektur. Da wollte ich mit dicken Finger schreiben „die Skorpionfliege liebt dunkl[es feuchtes Gelände]“ schon stand in der Notizapp „die Skorpionfliege liebt Funklöcher.“

    Auf dem Weg zum Kompost saß eine einsame Skorpionfliege auf dem Getüm; gut zu sehen vor dem monoton orangen Hintergrund und optisch eine der spektakulärern Fliegen der Gegend. Ich staunte und bestimmte nachträglich.

    Ich las nach und stellte fest „Insekt des Jahres 2018“, sowie „Waldbewohner. Liebt es dunkel und feucht.“

    Das war originell. Die Latifundien sind im Sommer durchgehend trocken, heiß und vollsonnig. Aber diesen Sommer ist alles anders. Auf das heiße Wochenende folgt die nächste Regenwoche.

    Das Re-Arrangement der Autos fand statt. Der Rennpolo ist wieder in Wochenend-West. Die Übergabe fand unter Hinzuziehung von Erdbeerkuchen und Waldbeerkuchen in der Mittelmark statt. Ein Sonntag in hitziger Heiße: Die Kuchencreme am Schmelzen. Wir selbst schützten uns unter dem Pergola-Schattiernetz mit Verstärkung durch den Sonnenschirm in Sichtweite der Gartendusche.

    Am Montag: Regen ohne Ende. Vollkommen unbekannte Insekten im Bungalow, die sich anscheinend vor dem Wasser flüchteten. Was sind diese schwarzen Käfer?

    Aber auch bekannte Insekten auf überdachten Abwegen: Abends, ich im Sessel, lesen, ein Pfump neben mir. Madame meinte, es klang wie ein Ball, der herunterfiel. Nur dass wir keine Bälle an der Bungalowdecke haben. Neugierige Forschung enthüllte ein Heupferd, welches sich mindestens ein paar Stunden lang im Wohnzimmer aufgehalten hatte.

    Wir wiesen ihm den Weg in den Regen.

    Große Königskerze auf Wiese. Links im Vordergrund Paletten mit gestapeltem Holz, rechts neben der Königskerze ein sehr viel kleinerer Sauerkirsch-Baum
    Zugeflogen: Königskerze

    Die Skorpionfliege liebt Funklöcher wäre ein toller Titel für eine schrägen Indie-Superhelden-Comic. Wer mag?

    Sektglas in der Kaffeeküche, Garnele im Dumpling

    Madame fuhr einst mit dem Zug von Ljubljana nach Zagreb. Die Strecke war so schön, dass sie beschloss, einmal mit dem Zug ganz Ex-Jugoslawien und den Balkan abfahren zu müssen. Dieses Jahr waren Karen und Familie dort unterwegs. Erst in Ljubljana (Turku-Sarajevo mit dem Zug: (4) Ljubljana) , dann auf genau jener Zugstrecke: Ljubljana-Zagreb: Turku-Sarajevo mit dem Zug: (5) Ljubljana – Zagreb.

    Herr Rau, der Jean Pütz der Heim-KI beendet seine Serie: Stilwell Brain Revisited, und mein erstes JavaScript-ProgrammDas letzte Neuronale Netz für eine Weile, VERSPROCHEN! Wer ihn nicht liest, könnte wenigstens ganz unten meine JavaScript-Künste bewundern und will umherklicken.

    In der Kaffeeküche steht auf der Spüle nahezu täglich ein gebrauchtes Sektglas mit einem Kaffeelöffel darin. Abgesehen von der Frage, warum der- oder diejenige nicht in der Lage ist, es direkt in die Spülmaschine zu stellen, wüsste ich gerne, was darin zuvor verzehrt wurde.

    Wilma Pane-Bistecca kochte offene Dumplings mit Garnelen und die sehen toll aus.

    Durch Herrn Paul lernte ich: Die S-Bahn Berlin macht mittlerweile Videos zu Baustellen damit zusammenhängenden Fahrplanänderungen. (Direktlink zum Video S3)

  • 25-07-19 Ich werde dieses Tüchlein in Cassios Gemach verlieren

    25-07-19 Ich werde dieses Tüchlein in Cassios Gemach verlieren

    Ich liege auf dem Bett und denke an Julia. Langsam habe ich Ideen, wie ich die JuMP-Optimierung in der Julia programming language möglichst sinnvoll in Funktionen packen kann, so dass das alles nicht ganz so sehr nach der improvisierten Baumarktlösung aussieht, die es im Grunde ist und bis Ende August auch bleiben wird.

    Ich freute mich, dass es auch anderen so geht: „Manchmal lege ich mich früher ins Bett, um über Mathe nachzudenken“ Ich fürchte allerdings, dies ist die einzige Gemeinsamkeit zwischen mir und Hannah Cairo.

    Madame verbringt 40 Minuten auf dem Bahnhof Eichwalde. Strom kaputt. Der S-Bahnfahrer scheuchte sie aus dem Zug, solange der Batterie-Rest-Strom noch eine Öffnung der Türen ermöglichte.

    Vor dem Nachbarhaus waren Gerüstbauer zugange. Aber anscheinend bauten sie weder ein Gerüst auf noch ein Gerüst ab. Aber wir freuen uns ja, wenn wir überhaupt Bewegung von Bauarbeitern sehen, selbst ganz ohne Baustelle.

    Ich wehrte einen Montags-nach-dem-Urlaub-um-sieben-Uhr-morgens-Termin ab.

    Es war ein Bürofreitag und ein Latifundiensamstag mit Berlinexkursion.

    Ich las ein bißchen herum. In Granta blieb ich diesmal allerdings eher an der Biographie einer Autorin hängen „She is a part time climate justice organiser“ und freute mich an der Inner-Satz-Fallhöhe zwischen absoluter Weltrettung und Widrigkeiten des Alltags.

    Sonst weiter in Wir schon wieder – 16 jüdische Erzählungen. Die Texte von Joe Fleisch und Marina Frenk. Beide spannend.

    Der Fleisch- Text: Wie der prozionistische Reichskanzler Kroll Rumpelstielzchen und die anti-zionistische TV-Journalistin Gayle „FistAss“ Hasardeur aufeinandertrafen – der Schilderung einer Diskussion Kroll Rumpelstielzchen und einer amerikanischen AlArabiya-Journalistin dachte ich während des Lesens: Viertes Reich, eine Fernsehmoderatorin, die vor laufender Kamera kotzt, Gaza-Hamas-Vorträge mit Hitlerbärtchen – muss das alles sein? Muss wirklich der sprachliche Lautstärkeregler des Textes permanent voll aufgedreht sein? Dann aber stellte ich fest, dass unter der Oberfläche genug Substanz ist, um noch länger über den Text nachzudenken.

    Marina Frenks Text Ein Versuch, sich zu verabschieden hatte mich sofort: Sprache und ihre seelische Auswirkung. Der Versuch, die Muttersprache, russisch, aus politischen Gründen nicht mehr zu reden. Changieren zwischen Politik und Poetologie mit Identität. Ich begann Frenk zu recherchieren: Stellte fest: Sie schreibt und schauspielert und macht Musik, und ich bin noch gespannter – es gelang mir aber nicht herauszufinden, ob sie jetzt gerade etwas auf einer Bühne macht.

    Unterwasserscheinwerfer

    Seit drei Jahren lädt der Insulaner zur Nacht. Der Insulaner selbst ist ein Trümmerberg, der nach dem Zweiten Weltkrieg entstand. Dort befindet sich ein Park, ein Planetarium samt Sternwarte, das Insulanerbad und die Spielstätte der Shakespeare-Company.

    Seit drei Jahren koopieren die drei zur Langen Nacht: das Schwimmbad bietet Schwimmen bis Mitternacht, Shakespeare bietet ein Sonderprogramm, das teilweise auf dem Badgelände stattfindet und ebenso die Sternwarte.

    Wenn in unserem dritten Wohnzimmer so etwas stattfindet, wollen wir natürlich hin. Wir beobachten wie sich alles einspielt: die Sternwarte hatte große von innen beleuchtete Darstellungen der Planeten auf der Liegewiese platziert und ein mobilbes Planetarium aufgebaut. Im Bad gab es einen DJ und erstmals auch Unterwasserscheinwerfer, der Übergang zum Theater war offen, dort gab es die Bar und immer wieder auf der Bühne einzelne Szenen aus ihren Stücken.

    Wir reisten aus der Mittelmark an und begannen beim Inder – Korma, Saag und Vindaloo. Am Nebentisch eine größere Familie, die wir später im Bad wiedersehen sollten. Dann ab ins Freibad. Entweder gleich mit Getränken in die Gastronomie-Liegestühle oder in die neue Saisonkabine und ins Wasser.

    Wie geplante verdunkelte sich der Himmel, die Beleuchtung aus farbigen Scheinwerfern zeigte immer mehr Effekt. Halblauf lief Musik, der Fünf-Meter-Turm war geöffnet und die Schwimmer*innen freuten sich.

    Zum Abschluss: zwei Szenen Othello bei Shakespeare. Die tragische Wendung des Stücks: Desdemona verliert ihr Taschentuch, Jago schiebt dies Cassios unter und Othello ist überzeugt, dass Desdemona und Cassios ihn betrügen, das Unglück nimmt seinen Lauf. Zwei Schaupieler, eine Schauspielerin, zehn Minuten und doch einmal das ganze Elend der Menschheit eindrucksvoll vorgeführt.

    Marderparty Schmetterlingswolke

    Die Schubkarre entdeckt eine zweite Karriere als Mini-Swimming-Pool, auf dem Rasen sind Schleimspuren der Schnecken und alles zusammen ist grün wie seit Monaten nicht mehr. Eine Woche Regen hinterließ Spuren im Garten.

    Die Rosenblüten sind größtenteils abgeschlagen, die Erde ist einmal durchgeweicht. Aber jetzt ist wieder trocken und heiß, uns springt alles entgegen.

    Wortwörtlich: Insekten. Kaum streife ich beim Wege-Mähen Stauden oder Gräser springen und fliegen sie empor. Eine unbedachte Bewegung und schon stehe ich in einer Wolke aus weißen, braunen, rötlichen und blaunen Schmetterlingen. Einmal mit dem Fuß durchs Gras und drei empörte Grashüpfer springen noch. Einmal den Lavendel angehaucht und sechs Hummeln hummeln herum. Es ist Insektenwetter.

    Die Zahl der Schwalbenschwänze steigerte sich auf zwei. So schön.

    Die/der Marder freut sich, dass der Subaru wieder da ist. Die Fußspuren aus Lehm auf Dach und Rückfenster deuten auf eine Party hin, die Verdauungshinterlassenschaften auf der Motorhaube ehrlich gesagt auch.

    Der Bauer mähte das Rapsfeld. Am Himmel ein Rotmilan.

    Kein Rotmilan.

    Kobern-Gondorf-Prag-Ljubljana

    Christiane erstand einen Comic von Brétécher und Monsieur eine Kettensäge

    Der Halluzinator empfiehlt mir regelmäßig The Gleaners zu sehen. Ich freute mich, auch mal eine menschliche Empfehlung zu lesen: Gesehen: The Gleaners and I (2000) – Politische Nachlese

    Karen reiste weiter: Turku-Sarajevo mit dem Zug. Folge 2: Prag und Folge 3: Prag – Graz – Ljubljana

    Kubiwahn liest Judith Hermann auf tschechisch um Tschechisch zu lernen.

    Plötzlich – kurz vor Kobern-Gondorf („Wo war Gondorf als die Westfold fiel?“) – habe ich ein starkes Gefühl der Großartigkeit. Damit meine ich nicht meine eigene Großartigkeit, sondern die des Lebens in diesem einen Moment. Ist es nicht großartig, abwechselnd lesend und aus dem Fenster schauend durch eine so schöne Gegend kutschiert zu werden?

    Ich lese und staune: Der KI – Themenbuch – Verlag® bietet freien Autoren und Ghostwritern in der Jetztzeit die Möglichkeit eigene Klima bezogene Umweltbücher zu schreiben! Im Zeichen der Umweltzerstörung und der sich anbahnenden Klimakatastrophen ist es wichtig, dass viele Autoren mit ihren KI-Umweltbüchern die Menschen auf die kommenden Umweltveränderungen vorbereiten! (Mit Link. Ich halte euch alle für erwachsen und seelisch gefestigt genug, dass ihr das weder als Empfehlung noch als Werbung interpretiert.)

  • 25-06-29 Laufkundschaft im Nirwana

    25-06-29 Laufkundschaft im Nirwana

    Auf der Budapest Pride waren mehrere hunderttausend Menschen. Besser werden die Nachrichten nicht.

    In Steglitz kann mensch Austernmesser mit einem Griff aus zerstoßenen Austernschalen kaufen.

    Es war ein Donnerstagabend, ein Office-Freitag und ein Latifundien-Samstag, durchgehend schwül bei wechselndem Temperaturen. Von: 21 Grad und schwül bis zu „Ladevorgang des Telefons unterbrochen bis dieses wieder normale Temperaturen hat.“

    Teile der Kollegenschaft verabschiedeten sich ins lange Wochenende auf das Fusion-Festival. Natürlich nur Verwaltung, die anderen müssen hitzegenervte Berliner*innen in den Freibädern bändigen.

    Auf dem Weg ins Büro: der Geruch von frischem Asphalt am Morgen. Immerhin eine Baustelle, die erkennbare Fortschritte macht.

    Das märkische DHL versucht seit zwei Tagen ein Paket auszuliefern, scheitert aber immer an „Krankheit oder Unfall oder Arbeitszeitüberschreitung.“ Was schade ist – nachdem Pakete und Briefe in Berlin schon längerem ein Glücksspiel sind, war die Lage in den märkischen Hamptons bis 2024 mustergültig. Pakete kamen wie angekündigt, Wünsche funktionierten und wir kannten die Austrägerin. Offenbar gab es eine Umorganisation.

    Ein Lob der Schöneberger Nachbarin von gegenüber. Diese erschafft ein wahres grünes Paradies auf ihrem Balkon.

    Gelesen: Carlo Levi „Die doppelte Nacht“ und weiter in „Wir schon wieder.“ Später dazu mehr.

    Die 606 mit Mangolikör

    Es war Donnerstag am späten Nachmittag. Für den Abend war ein mittlerer Weltuntergang angekündigt, vorher war es the new normal mit Temperaturen jenseits der 30-Grad-und-Schwüle. Ich also im besten IT-im-Home-Office-bei-30-Grad-Outfit, Madame hatte sich noch aufgerafft ins Insulanerbad zu gehen.

    Anruf von der Bank: Wir haben noch ein Konto, wegen dem sie uns seit über 10 Jahren nicht gesehen haben – das stimmt. Es ist ein reines Funktionskonto, das macht was es soll und keinerlei Aufmerksamkeit bedarf.

    Und weil die Bank keine aktuellen Ausweise und Unterschriften haben, soll das Konto jetzt gesperrt werden – WHAT??? Es stellte sich heraus, dass sie uns im Februar ein Dokument geschickt hatten – das wurde auch ausgefüllt und unterschrieben – aber falsch! WHAT???

    Wir können aber gleich bis 18 Uhr in Steglitz vorbeikommen und Ausweise zeigen. Es war 17:20h in Schöneberg und ich so unvorbereitet auf Außeneinsätze wie mensch nur sein kann. Außerdem: Schwül, Unwetter.

    Aber hilft ja nichts. Ich habe etwas herausgesucht was auf den ersten Blick als ernsthafte Hose erkennbar war. Wir sind zum Bus, dann nach Steglitz und im Eilschritt zur Bank. WIr waren mal echte Laufkundschaft.

    Dann haben wir brav Ausweise eingescannt, drei Stammdatenverträge unterschrieben, erfahren, dass die Dame gerade nur die Vertretung ist1, während wir aus dem Fenster sahen, wie der Himmel immer dunkler wurde, die Bäume sich wild schüttelten. Aber wenn das Banksystem 30 Sekunden benötigt, um den Stammdatenvertrag zu öffnen, dann benötigt es halt 30 Sekunden.

    Wir kamen im trockenen Sturm wieder aus der Bank. Es waren noch ein paar Meter zur Bushaltestelle. Madame bemerkte, dass sie nach Möglichkeit nicht vom einem Baum erschlagen werden möchte und wir jetzt einfach ins nächstes Lokal gehen, dort mit einem Abendessen den Sturm überbrücken.

    Jenseits der Kreuzung war „…sches Restaurant“ an einer Fassade zu lesen. Leider war die Kreuzung sechsspurig mit dichtem Verkehr, so dass wir die grünen Ampeln abwarten mussten. Und der Regen begann, und nach 15 Sekunden waren wir nass. Also die letzten Meter im Laufschritt ins Restaurant. Der Abend der Laufkundschaft zum Zweiten.

    Das entpuppte sich als „indisches Restaurant Nirwana“. Sie waren sicher hocherfreut uns durchgeschwitzt und vollgeregnet im Hause begrüßen zu dürfen, waren aber trotzdem ausgesprochen nett.

    Idunda ist auf Hochzeitsreise in Kopenhagen

    Wir kamen auf Zoos zu sprechen und inspiriert von Frau Brüllen fragte Madame sich, was auf den Basler Zooelefanten ihrer Jugend wurde. Die beiden Anwesenden und Idunda, die laut Schild, immer auf Hochzeitsreise in Kopenhagen war.

    Dabei stieß Madame auf die Geschichte der fünf Elefäntli, die alle als Babies vom Zoo Basel gekauft wurden – natürlich eine Riesenattraktion waren, und auch gerne mal durch die Stadt geführt wurden; auch war es üblich, dass Kinder auf ihnen reiten durften. Soweit rekonstruierbar waren diese immer im Elefantenhaus angekettet. Zu Madames Zeiten waren zwei davon bereits gestorben, Idunda war unterwegs und die anderen beiden standen im Zoo.

    Welch unterschied zu heute. Im Jahr 2025 bereibt der Zoo Basel eine „berührungslose Haltung“, die natürlich sehr viel näher am natürlichen Leben der Elefanten ist, zum Beispiel auch aber bedeutet, dass medizinische Maßnahmen nur stattfinden können, wenn die Elefanten aktiv mitmachen. Und wenn nicht, dann nicht. Wie jetzt als eine Elefantenkuh starb, weil ihr Baby im Körper starb aber nicht entfernt werden konnte, und jetzt auch die Mutter starb.

    A long way seit den Fünf Elefäntli.

    Zum Glück ist der Garten eh viel zu trocken zum Kohlanbau

    Madame brachte Bitumen entlang der Gierschfront aus. Während Nachbar Ost gerade Giersch produziert, verhält sich der Bambus auf der Seite von Nachbar West friedlich – vermutlich ist es dem zu trocken.

    Über der Wiese 30-40 Kohlweißlinge gleichzeitig. Dem benachbarten Rapsfeld sei dank. Dazu Schachbrettfalter, Zitronenfalter, Kleinzeug (Schwebfliegen, Käfer, Bienen) aller Art und die großen Holzbienen. Madame vergleicht ihren Flug mit Militärhubschraubern: groß, dunkel und immer sehr zielgerichtet etwas ansteuernd.

    Eine Wiese in gelb und rosa und violett. Die Knautien blühen noch, inzwischen aber hat das Labkraut die halbe Wiese eingenommen und blüht im bezaubernden Gelb. Darüber eine rosa-weiße Schicht aus rankenden Platterbsen. Hätten wir etwas von geplant, wir hätten es uns nicht besser ausdenken können.

    Da die Temperaturen erträglich sind, erfolgte leichtes Sommeraufräumen – Mohn an diversen Stellen abmähen, Schönheitskorrekturen mit der Heckenschere und die diesjährige Finalisierung des Wiesenwegkonzeptes. Die Pergola bekam ihr Schattiernetz, so dass auch die Sonnetage kommen können.

    Den Rosen geht es geht, Apple Blossom fühlt sich sichtlich wohl.

    And I knew it complete

    Prägendes Erlebnis meiner ehemaligen Interrail-Fahrt: der knallevolle Nachtzug von Montpellier nach Calais – nur ein Abteil war fast leer. Was sich erklärte, wenn man die Tür öffnete: Es stank massiv nach Alkohol. Ich war damals ebenso unerschrocken wie faul und zog einen Sitzplatz mit Abenteuer dem Gangstehen vor. Ich lernte einen lustigen Polen kennen, der mir Rotwein aus einer Plastik-Colaflasche anbot und mir ausführlich vom Theaterfestival in Avignon erzählte. Seitdem bin ich Fan des Festivals, freue mich natürlich wenn Christiane noch etwas mehr dazu schreibt: Erinnerungen an Avignon

    What’s the Right Way to Translate Chinese Dish Names? (via Kaltmamsell)

    Beste Art der Fernreise: von der aus Vietnam stammenden Kollegin zu deren Hochzeit in Vietnam eingeladen werden.

    Der Herr Flusskiesel hat seine Blogroll überarbeitet und eine kleine und feine Liste zusammengestellt. Und das sage ich nicht nur, weil iberty darauf steht.

    Posts mit Billy Joel werden hier natürlich immer verlinkt: It’s sad and it’s sweet

    Famous last words

    Es gibt zwei Gründe, warum ich noch ein New-York-Times-Abo habe. Einerseits. Durch mehrfaches kündigen und Bleib-hier-Angebote zahle ich derzeit nur 2 Euro im Monat dafür. Andererseits der Dealbook-Newsletter, der halt Nachrichten aus Perspektive der Finanzwirtschaft erzählt. Einerseits eine Perspektive, die ich sonst woanders nur schwerlich bekomme, andererseits sortiert der ziemlich gut nach relevanten Themen und irrelevanten Sau-durchs-Dorf-Debatten durch. Zum Wochenende zum Klimawandel (und ja, ich halte den Tonfall für Sarkasmus):


    Banks have started to bake this [Klimawandel-]forecast, once thought extreme, into their research. A recent report from Morgan Stanley on the air-conditioning market, which is expected to benefit from increases in urbanization as well as the frequency and intensity of heat waves, said its “base case” was a 3 percent rise in average global temperatures. In that scenario, how much did analysts expect the cooling market to grow by 2030?

    A. 16 percent, to $272 billion

    B. 41 percent, to $331 billion

    C. 104 percent, to $479.4 billion


    1. Unser Glück vermutlich. Der eigentlich zuständige Herr hätte uns vermutlich einfach in die Kontosperrung laufen lassen und dann einen Formbrief geschickt. ↩︎
  • 25-05-29 Inverse Engelkurven

    25-05-29 Inverse Engelkurven

    Madame folgt jetzt dem Mastodon-Account von Owls in Towels.

    Ich schraubte den ersten erneuerten CO-Melder an. Schickeres Design als der End-of-Life-Vorgänger. Aber der neue Melder zeigt auch keine Zahlen mehr an. Er kennt nur noch „alles okay“ oder „MEEP! MEEP! MEEP! ALARM! ALARM!“. Hoffen wir, dass es einfach bei „alles okay“ bleibt.

    Ich sammelte zufällig einen Stellenbewerber vor der Tür der Südkreuz Offices auf, und gab ihn am Empfang ab. Drei Minuten später bin ich mit einem Teller Erdbeerkuchen wieder an ihm vorbei. Erste Eindrücke vom neuen Arbeitgeber, so wichtig.

    Nahe der Südkreuz Offices öffnete ein neuer möglicher Mittagessenspot: Nonna Anna. Es ist schon spannend zu sehen, wie sich die ehemalige Brachfläche nach und nach entwickelt.

    Auf dem häuslichen Hinterhofparkplatz fand eine Rearrondierung zwischen Pflegedienst, Zahnarztpraxis und Nachbar 4L statt. Nur unser Parkplatz, und natürlich das Kartzenstreuwrack, blieben unberührt.

    Im Baustellenkäfig für das Dach lagern nicht nur Dachziegel, sondern jetzt auch Ziegelsteine.

    Wohnen am Rande des Weltgeschehens: dass Wolodymyr Selenskyj frühzeitig Berlin wieder verlässt, merkte ich daran, dass sich überraschend früh am Nachmittag seines Staatsbesuchs 10 Polizei-Wannen an der Kreuzung Sachsendamm/Hauptstraße bereit machten, um die Kreuzung abzusperren. Denn dort führt die übliche Schnellstrecke Verteidigungsministerium -> Martin-Luther-Straße -> Sachsendamm -> Autobahn -> Flughafen entlang, die oft und gerne für Staatsbesuche kurzzeitig abgesperrt wird.

    In ChatGPT stoperte ich über den GPT-Marketplace. Soweit ich verstehe, kann ich dort Zugang zu Programmen erwerben, die auf der Basis von ChatGPT aufbauen. Spannend, dass in den Top10 der vorgeschlagenen GPT-Anwendungen gleich mehrere auftauchen, die anspreisen, dass sie KI-erstellten Text verschleiern können, damit er nicht als KI-Text enttarnt wird. Die andere Hälfte sind Anwendungen, die verschleierten KI-Text nachweisen können wollen.

    Ich stolperte über die Sängerin Mirel Wagner. Zuerst musikalisch. Mein Eindruck: Da ist jemand tief in die amerikanische Seele hinabgestiegen. Und dann ist Mirel Wagner gar keine Amerikanern. Die erste Recherche ergab: Geboren in Äthiopien und aufgewachsen in Finnland. Okay.

    Die zweite Recherche ergab: seit 2016 verschwand Mirel Wagner nach zwei Alben von der Bildfläche. Es gibt Gerüchte eines Auftritts von 2019 in Finnland. Und das war es. Wo ist sie hin?

    Vor der Sommerpause

    Neben dem Stadtbad Lankwitz existieren jetzt Padel-Plätze. Die Werbung findet vor allem in Englisch statt.

    Nachdem ich (ich!) letzte Woche aus Gründen mangelnder Internetlesefähigkeit vor einem unzugänglichen Schwimmbad stand, stand noch ein Badbesuch aus. Diesmal die unkomplizierte Variante: mit der S26 direkt von der Arbeit nach Lankwitz, dann ein paar Meter laufen, und dann ins Stadtbad Lankwitz. Der letzte Besuch bevor es am Wochenende den Sommer über schließt.

    Eine meiner Lieblingskassiererinnen tadelte mich, weil ich dieses Jahr so selten im Insulanerbad bin. Sie hat natürlich recht. Aber ich habe Gründe. Das Stadtbad Lankwitz: Wie immer, schön, entspannend, wohltuend, schwebend. Etwas viel Slalom für meinen Geschmack, aber was gibt es Besseres als mit Kopf unter Wasser zu schweben?

    Hoffnung auf die Alten Rosen

    Mittwoch Abend begrüßte uns eine Fledermaus, die über den Latifundien im Zick-Zack kurvte.

    Donnerstag, Himmelfahrt, erläuterte Madame gerade die Gemeinsamkeiten zwischen deutschen NS-Flüchtlingen in der Türkei in den 1930er/1940ern und den jetzigen syrischen Bürgerkriegsflüchtlingen dort, als sie innehielt. Direkt über unseren Köpfen, im Tiefflug über der Terrasse, ein Storch. Zum Atemanhalten.

    Etwas später: der diesjährig bisher vermisste Rotmilan ist zurück, drehte seine Runden über dem Rapsfeld.

    Die Latifundien an Himmelfahrt als Flugshow.

    Madame krautete 4L. Die Alten Rosen scheinen je Rose eine Knospe am Rosentriebbohrer vorbei zu bringen. Der Mohn ist regengeknickt, blüht aber prächtig wie noch nie dieses Jahr. Der Jasmin lässt langsam nach, die Abelie hält weiter durch.

    Auf der Terrasse gelesen: Den ersten Text von Wir schon wieder – 16 jüdische Erzählungen.

    Posaunen tönen, Donner dröhnt

    Viele der letzten Jahre sah Christi Himmelfahrt so aus, dass ich arbeitete (150% Feiertagszuschlag for the win) und Madame die Steuererlärung vorbereitete. Maximal romantisch also für einen freien Frühlingstag. Inzwischen existiert die Möglichkeit der Feiertagsarbeit in meinem Leben nicht mehr, und so können wir tun, was an diesem Tag vorgesehen ist: Wir gingen zum Gottesdienst.

    Verschiedene Gemeinden aus dem nordwestlichen Berliner Umland laden zum Open-Air-Gottesdienst auf dem Dorfplatz Klein-Ziethen. Unter Bäumen, direkt vor einem Spielplatz und auf Bänken brachte die Mittelmark zwei Prädikantinnen, einen Pastor, zehn Posaunenchor-Spielende und vielleicht 40 bis 60 Gottesdienstbesucher*innen hervor.

    Der Gottesdienst folgte in Ablauf und Programm eher dem Anspruch „niedrige Einstiegshürde für Gelegenheitskommende“. Aber so im Wechsel zwischen Sonne und Wolken, mit Blick auf den improvisierten Altar und Spielgeräte, Vogelzwitschern, Taubengurren und leichten Wind, war das eher traumhaft.

    Posaunen, Hörner und Trompeten spielten. Die Prädikantinnen waren beide bezaubernd, in ihrem Zusammenspiel eine einzige Freude. Wir erfuhren, dass es im Juli ein Tauffest am Beetzsee gibt.

    Zur dramatischen Steigerung: Donnergrollen kurz vor Ende. Aber kein Gewitter.

    Inferiore Güter

    Samstag läuft die Absendezeit für die Einsendeaufgaben ab. Wie erwartet, gestalten sich die Aufgaben für die Mikroökonomik als deutlich widerständiger denn als die für das Knowledge Management. Also eindeutig auch spannender und interessanter, aber schon so, dass man nachdenken muss und nicht nur nachschlagen kann.

    Das Modul hat eine starke Mathematikorientierung. So sind die Aufgaben vor allem Rechenaufgaben. An sich machbar (hey, wofür belege ich hier seit Semestern Mathemodule!). Aber dennoch nichts, bei ich sofort die richtige Formel und ihre Kurven einfach so aus dem Ärmel schütteln kann.

    Es geht eigentlich um die Grundbegriffe. Eine Person hat die Präferenzen a und b mit einer Präferenzkurve dazu. Die Preise folgen folgender Funktion und das Budget ist so und so. Wenn sich jetzt die Funktion der Preise ändert, was bedeutet das für die Konsumentenrente? Wie es sich für ein Basisseminar gehört, die Grundbegriffe. Aber ich würde behaupten, für ein Wiwi-Modul findet das alles am oberen Ende des mathematischen Anspruchs statt.

    Und so versuche ich die Nachfragekurven, die Präferenzkurven (auch in invers), die Engelkurve, den Cobb-Douglas-Konsumenten und das alles Speedzulernen bzw. Speedzuwiedergholen. Auf dass ich dieses Kapitelchen des Studiums möglichst schnell hinter mich bringe.

    Denn es wartet ja bereits die Bachelorarbeit.

    This is German Verwaltungsakt

    Falls Sie jemanden kennen, der jemanden kennt, der jemanden kennt, der fünf Hühnchen vermisst, mutmaßlich Paduaner-Sundheimer-Mixe, Großraum Buchen, Oberneudorf-Einbach nahe der B27 die Ecke: Sie sind hier. In Sicherheit. Klein Hühnchen möchte bitte aus dem Kinderparadies abgeholt werden.

    Bei Frau Novemberregen regnets im Mai. In bizarr.

    Es gibt eine Steuerprüfung und dafür neue Infos der Muttergesellschaft: [H]urra, wir kriegen jetzt diese ganzen spannenden Infos! „Aber die werden sie uns nicht geben, das wird ein riesiger Kampf!“, sorgte sich die Steuerberaterin und ich sagte „aber wir werden ihn gewinnen, denn wir können sagen ‚we have German formellen Verwaltungsakt‘ und dann wissen wir alles

    Der Versuch, ein Sieben-Tage-Interrail-Ticket zu nutzen, wenn frau die Reise in Finnland starten muss: Einmal von hinter Gottes Rücken nach Europa und zurück

    Was ist naturaDB, fragt Gunhild Rudolph: naturaDB ist eine Online-Datenbank, die genau das macht, was vielen Gartenwebseiten fehlt: Sie denkt mit – ökologisch, nachhaltig, standortgerecht. Statt nur auf Blütenfarbe und Wuchshöhe zu setzen für den besten Verkaufserfolg, filterst Du hier nach ökologischen Kriterien: Welche ist heimisch? Welche Pflanze passt zu meinem Boden? Welche hilft Insekten wirklich?

    Herr Rau erschließt sich und uns LLMs. Folge 2: Token.