Schlagwort: Yorck

  • 26-04-25 Das Klappern der Grasmücke

    26-04-25 Das Klappern der Grasmücke

    Madame sah den Parkplatz-Fuchs wieder. Sie sah den Nachbarschaftsfuchs, den wir in der eisigen Eiseszeit im Januar verloren glaubten. Sie lief abends die Treppe zum Parkplatz hinab, der Fuchs verschwand vor ihr ins Gebüsch. Ich jubiliere.

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    Eine U-Bahn-Mitfahrerin in Höhe Blissestraße informierte empathisch ihr Mobiltelefon: „Lukas, darüber werde ich jetzt nicht diskutieren! Es ist mir Scheißegal!“

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    Im BPAF waren Rolltreppen-Handwerker*innen unterwegs. Vermutlich. Zumindest war die Rolltreppe geöffnet. Aus ihrem Inneren klangen Geräusche, die Handwerker*innen für gewöhnlich beim Handwerken machen.

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    Die Fernuni lädt mich zur Alumni-Feier in die Ufa-Fabrik, 300 Meter von meiner Ex-Arbeitgeberin entfernt, die mich zum Fernstudium inspirierte. Es wird das Saxophonquartett Quadrophon begleiten.

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    Es war ein Arbeits-Schwimm-Freitag, ein halblatifundaler Samstag und ein Arthouse-Donnerstagabend.

    Zwei Bücher über eine Stadt im Wald

    Eher unwillig durchblätterte ich einen unerquicklichen Reiseführer für Litauen. Er war dünn, ich war durchgeblättert bevor ich aufgeben konnte. Warum veröffentlichen Menschen Bücher, die keine Lust auf Schreiben haben? Meine Hoffnung hing am nächsten Buch, das Madame mir aus der Bibliothek mitgebracht hatte:

    Tomas Venclovas Vilnius – Eine Stadt in Europa.

    Alleine schon der erste Satz:

    Der Raum, in dem meine Stadt sich angesiedelt hat, hat keine klaren Grenzen.

    Ich atmete ein, breitete innerlich die Arme aus und ließ mich in den Text fallen. Ich bereute es nicht. So viel klassisch osteuropäische Gelehrsamkeit, soviel Wärme trotz kritischem Denkvermögen. Dieses Buch ist ein Traum.

    Ein Bungalow im Feld

    Mein Geist wandert ab und an Richtung Sommer. Mein Herz lebt im Frühling.

    Aus den Augenwinkeln sah ich beim Rasenmähen1 eine Taube elegant einen halben Meter über den benachbarten Acker gleiten. Später rüttelte die Taube über dem Acker. Ich beschloss, dass die Taube wohl ein Turmfalke war.

    Die Sonne schien, letzte Woche hatte es geregnet, und der Frühling kannte kein Halten mehr.

    Schon bei der Ankunft in den märkischen Hamptons begrüsste uns ein wild singender Vogel. Da es kurz vor Mitternacht war, war es wohl eine Nachtigall und keine Amsel.

    Ein ausuferndes Vogelkonzert begleitete unsere Wege bei Sonnenlicht.

    Besonders fiel mir ein Schmettern auf – ich bedankte mich beim Handy, dass mir innerhalb von einer Minute sagte, dass das Schmettern in Fachkreisen als Klappern (wie das einer Mühle) bezeichnet wird, und klares Anzeichen für die Klappergrasmücke ist.

    Später: Ein Schatten zog über mich. Ich schaute hinauf: Ein Storch kreiste keine Zehn Meter über mir. Später: Ein Schatten neben mir. Ein bisher unbekannter Nachbar hatte sich neben dem lauten Rasenmäher angenähert, fragte, ob er WD40 für ein Anhängerkupplungsschloss leihen kann.

    Erstaunlich, wie die Schlüsselblumen nach Jahren des Zögerns, sich doch entschieden, den Garten zu mögen und sich auszubreiten.

    In der Pseudowiese2 nimmt der Löwenzahn das Gelb der Narzissen auf und tupft diese mit gelben Punkten. In der echten Wiese wachsen die Blätterbüschel der Knautien empor und versprechen den Sommer.

    Erstaunlich, dass die eine rote Tulpe unter dem Rotdorn sich im Laufe weniger Tage in drei rote Tulpen verwandelte. Wir beide könnten schwören, dass auch 2025 dort nur eine Tulpe stand.

    Erstaunlich, wie viele Blüten das kleine Bäumchen der Köstlichen von Charneaux tragen kann.

    Während die Mirabelle schon durch ist, beginnen die Äpfel das volle Programm zu fahren. Zurzeit sind sie halb rose Knospe, halb weiße Blüte. Bällebad ist nichts dagegen.

    Yevgeni

    Kulturelles Überangebot führte Donnerstag zum Split. Während ich Richtung Kreuzberg ins Kino verschwand, fuhr Madame nach Mitte-Mitte ins Konzerthaus zum Berliner Klavierfestival.

    Yevgeni Sudbin spielte Bachs Fantasie & Fuge a-Moll BWV 904, Skrjabins Sonate Nr. 10 op. 70, Chopins Ballade Nr. 4 f-Moll op. 52, Bach-Rachmaninovs Prélude, Gavotte & Gigue aus der Violin-Partita Nr. 3, Scarlattis Sonaten K. 466, K. 208 und K. 455 und Tschaikowski-Sudbins Fantasie-Ouvertüre zu Romeo & Julia.

    Ich will nicht sagen, dass sich Routine einstellte, oder dass Sudbin jetzt nicht von Eckhardstein heranreichte. Aber sie leuchtete nicht ganz so sehr. Während fast ein Zwischenstück, Skrjabins Sonate Nr. 10 op. 70, sie bis in den Kern bewegte, blieb sie beim eigentlichen Hauptstück des Abends, der Ouvertüre zu Romeo & Julia reservierter.

    Beeindruckend, wahrlich beeindruckend, wie Sudbin die Klangbreite eines kompletten Orchesters von den Flöten über die Streicher bis zum schweren Gerät nur mit einem Klavier erzeugen kann (Hier eine ältere Aufnahme von Sudbin mit demselben Stück)

    Trotzdem konnte sie sich des Kommentars nicht erwehren, dass es ja heutzutage schon Tonaufnahmen gibt und es eigentlich nicht mehr nötig ist, komplette Orchestersätze nur für Klavier zu arrangieren.

    Vera

    Nach dem IMAX-Ausflug vom Montag, war ich zurück in meiner Arthouse-Kuschelwelt3. Es ist eine Welt, in der mensch an einem komplett normalen Donnerstag einen großen Kinosaal durch einen Schwarzweißfilm von 1944 ausverkauft bekommt. Wie schön.

    Laura (Regie: Otto Preminger) lief in der Yorck-Reihe Boulevard Noir im großen Saal im Yorck Kino und war ein Highlight dieser an Highlights reichen Reihe.

    Murder is my favorite crime

    Ein Vergleich mit dem kürzlich gesehen Maltese Falcon drängt sich auf. Beides sind Klassiker des Genres, die vor allem zeigen, wie sich schöne, beneidenswert gut angezogene, Menschen in stilvollen Innenräumen Dialoge zum Auswendiglernen an die Ohren werfen.

    Der Falke spielt in San Francisco, Laura in New York. Beim Falken geht es am Ende um einen Schatz aus dem ausklingenden Mittelalter, bei Laura um den klassischen Femizid. Der Falke ist vermutlich der ikonischere, cleverere, gewitztere der beiden Filme mit den besseren Schauspieler*innen; Laura der klügere und meines Erachtens bessere Film.

    I don’t use a pen. I write with a goose quill dipped in venom.

    Dabei möchte ich den Klassiker Maltese Falcon auf gar keinsten Fall schlechtreden – es ist ein großartiger Film. Aber er bietet sich zum Vergleich an. Wo der Falke alles auf Humphrey Bogart zentriert, er ist die schönste Figur im Film, hat die komplette Bildschirmpräsenz, ist der Good Guy und derjenige mit den coolen Sprüchen, kreiert Laura ein Ensemblestück:

    Der Typ mit den großartigen Sprüchen ist jemand anderes als der Detektiv und wieder jemand anderes ist die schönste Person. Wer die höchste Bildschirmpräsenz, ist streitbar. Aus einem Ensemble, das im Falken um die Sonne Bogart kreist wird in Laura ein instabiles System mehrerer Kraftzentren stets zwischen Explosion und Kollaps.

    Wo der Falke schon mit einer reichlich abstrusen Geschichte anfängt, der Schatz des Malteserordens, und sich dann voll in in diese Absurdität hineinwirft, nimmt Laura die allgegenwärtigste aller Mordgeschichten, der Besitzergreifende Ex-Nicht-mal-Liebhaber war’s, und webt darum ein kunstvolles Netz der Irrungen und Wirrungen. Im Falken spielen Figuren, bei Laura sind es Menschen.

    I never have been and I never will be bound by anything I don’t do of my own free will

    Nur halb war ich dann überrascht, dass der Ursprungstext von Laura von Vera stammte. Überrascht, weil ich nicht gedacht hätte, dass Hollywood 1944 eine Frau an derart prominenter Stelle kommen ließ. Nicht überrascht, weil sich der Film weiblich gedacht anfühlte.

    Vera Caspary, die Frau, die das Buch zu Laura schrieb, ist eines Films würdig. Tochter russisch-deutsch-jüdischer Einwanderer verdiente sie ihr erstes Geld, indem sie den fiktiven „Sergei Marinoff School of Classic Dancing“ Fernlehrkurs und andere Fernlehrkurse erfand von deren Themen sie wenig verstand.

    Zeitlebens hielt sie und sich selbst und ihre Mutter durch fragwürdige Copywriting-Jobs am Existenzminimum am Leben haltend bis sie ihren ersten Erfolg hatte, und die Geschichte Thicker Than Water an Paramount verkaufte. Dieselbe Geschichte verkaufte sie mit kleinen Abwandlungen noch achtmal an andere Abnehmer.

    Ihr Leben blieb bewegt, Erfolg mit Laura, Pleite mit Investitionspech, Blacklisting in der McCarthy Ära, und schließlich ein Leben als mäßig erfolgreiche Romanautorin.

    Laura Hunt: But you write about people with such real understanding and sentiment. That’s what makes your column so good.
    Waldo Lydecker: Sentiment comes easily at 50 cents a word.

    Auto Anker Buch Bus

    poupou war beim Berliner Klavierfestival und sah Yevgeni Sudbin: Berliner Klavierfestival 2026. Yevgeny Sudbin

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    Holger und Angela ankern in der Biskaya: AZ13 – Ankern in der Ria de Cedeira

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    Merken für Potsdam: Die Linie 603 wird auch als Cecilienhof-Linie bezeichnet. Unterwegs kann man die Französische Kirche, das Holländische Viertel, die Gotische Bibliothek, den Treffpunkt Freizeit und den neuen Garten sehen, außerdem das 7. Städtchen, das Fontane-Archiv und enorm viele Villen. Und man muss nicht mal aussteigen, das ist ein Rundkurs. Zwischendurch ist allerdings das Pflaster so schlecht, dass es einem fast die Plomben aus dem Zahn haut.

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    Nichts ist mehr Entertainment als Autowaschstraße: Auto waschen.

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    Zum Welttag des Buches. Der Kaffeehaussitzer blickt auf seine detaillierte Prognose aus dem Jahr 2016 „Der Buchmarkt der Zukunft“ zurück: Im März 2016 erschien ein Text von mir in der Zeitschrift »Streifband«, dem Magazin des Studienganges Buchherstellung an der HTWK Leipzig. Er trug den Titel »Kaffeesatzlesen für die nächste Dekade«. Ich war gebeten worden, einen Beitrag über die Zukunft der Buchbranche zu schreiben

    Anmerkungen

    1. Anmähen für 2026 ↩︎
    2. In der echten Wiese – also dort wo wir nur einmal im Jahr mähen, wächst kein Löwenzahn mehr. Dieser wächst nur auf den Mähwegen und -flächen, die regelmäßig kurz gehalten werden. ↩︎
    3. Yorck Unlimited No. 21. Damit 11,33€ pro Besuch und damit auch preiswertertester als die Online-Karte in den B-Kinos. Oder anders gesagt: Preiswerter als jede reguläre Eintrittskarte. ↩︎
  • 26-03-28 Schokohimbeeren mit Sahne

    26-03-28 Schokohimbeeren mit Sahne

    Warum ist Jens Spahn noch im Amt?

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    Die Dammstraße zu den Latifundien ist repariert. Das Otterwechsel-Schild ist zurück!

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    Das Schlafzimmerradio ist kaputt. Der Whiskey ist alle. Selbst falls sich das Radio als irreparabel erweist, kann es sein, dass der Whiskey-Ersatz teurer wird als der Radio-Ersatz.

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    Schlechtes Zeichen: Ich gebe in den letzten Wochen zu oft mein Arbeitspasswort in den Privatrechner ein. Mein Geist hat Bürolösungsprobleme.

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    Dort hatten wir ein Datenstrukturgespräch mit dem technischen Service: Ich habe in kurzer Zeit erstaunlich viel über die eigentliche Schwimmbadtechnik mit ihren Pumpen, Filtern und Flockungsmitteln gelernt.

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    Am U-Bahnhof, eine Säule ist mit Folie abhängt. Darauf ein gedruckter Zettel „Achtung, chemische Behandlung.“ Auf dem Zettel eine handschriftliche Ergänzung „Zauber“. Vermutlich das einzige, was der Infrastruktur noch hilft.

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    U-Bahn-Gedanke 1: Immerhin kein Meth. Gedanke 2: Auch Alkohol kann verdammt kaputt machen.

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    An der Tankstelle: der erste Elektro-LKW, den ich bewusst sah1. Mit großer E-Power-Aufschrift und erkennbarer Batterie unterhalb der Ladefläche.

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    Die Einzugsparty führt zu verstärkten Sozialleben auch außerhalb der Party, mit den ganzen Menschen, die am 20.3. keine Zeit hatten. Am Donnerstag gab es Familienessen mit Kindern. Wir erfuhren, wie es sich bei Siemens Energiy arbeitet. Die Kinder freuten sich an der Bolognese und nicht so sehr an den eingelegten Tomaten der Vorspeise. Spontankreation am Tisch: Himbeeren mit Schokoüberzug, die dann mit Sahne übergossen wurden. Schmeckte wohl nicht so gut, wie sich die kleine Kreativgestalterin das vorher dachte.

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    Es war ein Donnerstagabendessen, ein Arbeitsfreitag und ein Gartensamstag.

    Die Männer kummen alleweil wieder zurück

    Ich frage mich, wie ich Jahrzehnte mit Tomaten auf den Augen, bzw. eher auf den Ohren, herumlaufen konnte. Warum entging mir Joy Fleming? Spätestens, dass sie als einzige Deutsche eine Veröffentlichung beim Label of all Labels, Stax, hatte, hätte mich aufwecken müssen.

    Aber irgendwie war da zuviel „Ein Lied muss eine Brücke sein“ und schlechte Schlagerjahre, um zu entdecken wie großartig sie ist. Naja, nachdem ich heute morgen im Radio2Ich sing fer’s Finanzamt“ entdeckte und dann gleich zum Neckarbrückeblues vorstieß, war ich hin und weg.

    Deutschland hatte Weltniveau und hat es nicht gemerkt.

    Einzelne Narzissen blühen, die Forsysthie bildet einen leuchtenden Block gelb im Hintergrund

    Auf dem Sanddorn: ein Rotkehlchen in Augenhöhe. Auf der Ramblerrosenunterlage: eine wild randalierende Blaumeise.

    Auf der Terrasse unter dem Vordach: Toni, die Nachbarskatze, von der Sitzwarte aus auf das Ende des Regens wartend.

    Vom Himmel: Der Regen. Madame nutzte kurz eine Regenpause, um mit der Heckenschere weiter zu arbeiten. Ich drehte die Runde zwischen E10-Benzin, dem Fleischereiwagen (mit Wildschinken) und dem Eierautomaten.

    Danach sitzen wir im Bungalow, freuen uns an den sichtbaren Knospen an den Birnen und den ersten zartgrünen Blättern des Zierapfels. WIr hören Musik, lesen Buch lesen, lesen Lokalzeitung, trinken Tee trinken, Kaffee trinken, Whiskey trinken, mehr Buch lesen, Internet lesen.

    Respect the Dressing room

    Aus dem Kino lernen wir: Zum Beispiel: Auf dem Boden liegen und Musik hören. Der Nachhall des Donnerstagsfilms3 bot sich an. Mo‘ Better Blues lief bei Boulevard Noir, den wie Robin, der großartige Kurator der Serie vor Beginn der Vorstellung anmerkte: Es passt atmosphärisch zum Vibe, den ich mit der Reihe schaffen möchte. Mo‘ Better Blues gehört zu den Musikfilmen mit dem besten Soundtrack. Eingespielt von Branford Marsalis und Terence Blanchard.

    Außerdem hatte der Film mir etwas zum Denken gegeben. Einerseits ein Meisterwerk. Tolle Musik, wahnsinnig gut gut gespielt, großartige Kostüme und emotional ergreifend. Das Ende ist so seltsam, dass es auf jeden Fall denkwürdig ist.

    Andererseits: Die Juden und die Frauen.

    Spike Lee spielt den glücklosen Hallodri

    Um die Grundlagen zu schaffen. Der Film konzentriert sich auf den Jazz-Trompeter Minifield „Bleek“ Gilliam (Denzel Washington) und das Bleek Quintett, das in einem New Yorker Nachtclub auftritt. Bleek ist von seiner Musik besessen, vernachlässigt sein Leben, seine „Freunde“, seine Frauen (plural) und eigentlich alles aus sich und seiner Musik. Der Film folgt ihm, wie sein Leben aufgrund dieser Egozentrik langsam zerfällt bis er vor dem Nachtclub mit seiner Trompete zusammengeschlagen wird, dabei so schwer verletzt wird, dass er nicht mehr spielen kann.

    Dann kommt das überraschende Ende, dass er mit Nervigkeit eine der beiden Frauen doch noch herumkriegt, sie romantisch heiraten, einen kleinen Trompetersohn kriegen und glücklich im Brownstone wohnen. Ist das ernst gemeint? Regisseur Spike Lee doesn’t tell.

    Uneasyness

    Problem eins, Wikipedia informiert mich: For his portrayal of Jewish nightclub owners Moe and Josh Flatbush, Lee drew the ire of the Anti-Defamation League (ADL), B’nai B’rith, and other such Jewish organizations. The ADL claimed that the characterizations of the nightclub owners „dredge up an age-old and highly dangerous form of anti-Semitic stereotyping“. – Ja, stimmt, das ist offensichtlich.

    Unübersichtlicher wird es bei den Frauen. Der Film spielt in einem misogynen Milieu, er ist sich nur irgendwie uneins, ob er es kritisiert, neutral darstellt oder doch mitträgt.

    Dem Film ist bewusst, dass das Milieu frauenfeindlich ist und manchmal kritsiert er es. Faszinierend die Szenen, in denen einerseits maskuliner schlimmer „Dressing room talk“ in der Garderobe zu hören ist, geschnitten mit dem Auftritt eines Black American Fips Asmussen, der so den Dressing-Room-Talk so schlimm und unerträglich auf die Spitze treibt, dass es jedem Film-Sehendem auffallen muss.

    Dass Bleeks Beziehungsmodell egoistisch und selbstbezogen ist, wird auch deutlich.

    Anderseits sind die Jazzer halt trotzdem unfassbar cool im Film, bei allem Scheiß den sie machen.

    Trotzdem schafft der Film nicht einmal den Bechdel-Test.

    Trotzdem sind die Frauen auch in der Filmästhetik Spiegel für Bleek und keine eigenständigen Charaktere. Trotzdem wird die eine Frau, die einfach selber in die Garderobe kommt, als unfassbar ’nagging‘ dargestellt, und jedem Zuseher ist nachvillziehbar, dass sie die Heiligkeit der Garderobe kurz vor dem Auftritt verletzt.

    Eingang zum großen Saal des Yorck Kinos, an der Tür ein Plakat von Mo Better Blues

    Exhalation

    There always have been arguments showing that free will is an illusion, some based on hard physics, others based on pure logic. Most people agree that these arguments are irrefutable, but no one really accepts the conclusion. The experience of having free will is too powerful for an argument to overrule. What it takes is a demonstration, and that’s what a Predictor provides.

    Eine der Philosophie-Studiums-Diskussionen, die mir in Erinnerung blieb, war die Diskussion, ob wir nicht nur Philosophie im engeren Sinn lesen sollten, sondern auch Literatur. Edel-Science-Fiction wie Stanislaw Lem wurde gerne als Beispiel genannt.

    Derzeit fiel mir ein ähnliches Buch in die Hand. Ted Chiangs: Exhalation. Eine vielfach preisgekrönte (Hugo, Nebula, Locus Awards) Kurzgeschichtensammlung. Das Buch schillert zwischen eleganter Erzählung und Gedankenexperiment; stellt philosophische Fragen in Geschichten verpackt.

    Manchmal vielleicht zu schwebend und ins spekulative abgleitend. Aber eine bereichernde Lektüre. BHätte ich es nicht aus der Bibliothek geborgt, wäre es ein Buch zum behalten.

    Wirklich Palmöl?

    Markus schrieb über die 30 verschiedenen Pflanzen, die man in der Woche aufnehmen soll. Sofort stellten sich mir Definitionsprobleme: Zählt Zucker wirklich mit? Was ist mit dem veganen Zwiebelschmalz von heute morgen? Zählen da alle 9 erkennbaren Pflanzen der Zutatenliste? Oder nur die Hauptzutaten Palmöl und Zwiebel? Zählt Palmöl überhaupt?

    Aber wie so oft, nur weil etwas theoretisch unmöglich ist, kann es praktisch trotzdem funktionieren. Und bei Sicherheit, dass ich auch konservativ gezählt in einer Woche weit jenseits der 30 landen werde, fing ich heute morgen an:

    • 1- Weizen (Party-Reste, aufgetaute Laugenstangen)
    • 2- Zwiebel (das Schmalz + Zwiebel (Bolognese) + Röstzwiebel (zum Salat))
    • 3 – Ölpalme (das Schmalz)
    • 4- Ananas
    • 5-13 Pflücksalat aus dem Plastikschälchen mit neunerlei Grünzeug (Rucola, Bull’s Blood, Tatso-Mizuna, Batavia rot, Batavia grün, Baby Spinat, roter Mangold)
    • 14 – Tomate (Bolognese)
    • 15 – Knoblauch (Bolognese)
    • 16 – Ernteanteil-Karotte (Bolognese)
    • 17 – Ernteanteil-Sellerie (Bolognese)
    • 18 – Ernteantel-Pastinake (Bolognese)
    • 19 – Pfeffer (Bolognese)
    • 20 – Oregano (Bolognese)
    • 21 – Lorbeerblatt (Bologense)
    • 22 – Olivenöl (Bolognese)
    • 23 – Ernteanteil-Kartoffeln
    • 24 – Tee (getrunken)
    • 25 – Wein (Weiß – Bolognese; Rot -getrunken)
    • 26 – Rapsöl (Salat)
    • 27 – Mais (Bourbon-Whiskey)
    • 28 – Bockshornklee (im Käse)
    • 29 – Kümmel (im Käse)

    Selbst wenn man um den Mais und Batavia grün/rot diskutieren kann. Ich bin recht zuversichtlich, dass wir in den nächsten sechs Tagen weit über 30 kommen.

    Die albanische Nationalkrabbe möchte Swingtanzen. Oder so.

    Wo ich schon beim Surfen in alter deutscher Musik war: Die allererste Sendung vom Talentschuppen aus Baden-Baden (1967).

    Auch in meiner ausgewählten RSS-Timeline las ich das zweite Blog, bei dessen Post ich von vorne bis hinten dachte „Das ist dieses typische Haselanten-Gesülze. Wie langweilig!“ Beide gehen eher in die semiprofessionelle Richtung, und eigentlich schätze ich ihre Attitüde. Aber irgendwie sehe ich trotzdem nicht, warum ich mich durch die entsprechenden Texte arbeiten soll. Wenn ich den Haselanten direkt befrage, bekomme ich wenigstens personalisierte Antworten.

    Eine unverkennbare eigene Stimme haben:

    Gelesen wird immer weniger (Auch gleich zum Zusammenhang zwischen lesen und schreiben)

    Es sollte allgemein mehr über Arbeit geschrieben werden: Gemeinsam konstruktiv

    Ich hatte ja keine Ahnung. Von Nichts! Aber jetzt ist mein Leben reicher: Ein Hoch auf japanischen Rock und Pop: Das Tsuta Rock Festival

    Flusskiesel sichtet die albanische Nationalkrabbe und mir beschwert das mindestens eine halbe Stunde gute Laune.

    Just do it! Ich möchte fast doch wieder mit dem Swingtanz anfangen, wenn ich das höre, ich möchte mich spontan irgendwo anmelden. Dieses Gefühl wird sich gleich wieder geben, ich weiß, aber dennoch … Ich würde behaupten, dass Männer, die alleine irgendwo beim Tanzen auflaufen, vermittelt sind, bevor sie auch nur „Ach ich weiß nicht“ denken können.

    Anmerkungen

    1. Nicht an der Zapfsäule. Am Halten, um Kaffee und ne Bockwurst zu kaufen. ↩︎
    2. Klassik, Pop et cetera natürlich. Die beste Sendung für augenöffnende Musikentdeckungen. ↩︎
    3. Yorck-Unlimited-No 17 – damit 14€ pro Karte. Das ist bei Yorck der Normalpreis-an-der-Abendkasse-für-einen-Film-mit-Überlänge. ↩︎
  • 26-01-17 Tomaten ohne Dose (Alumnus)

    26-01-17 Tomaten ohne Dose (Alumnus)

    Im U-Bahn-Bahnhof: Ein Mann demonstriert seiner Freundin den ausrutschvermeidenden Pinguin-Gang in einer Lautstärke, dass die halbe Station etwas davon hat.

    Die Hifi-Anlage läuft und auch ein Festnetztelefon ist wieder angeschlossen. Ein Großteil der Kochbücher hat auch wieder einen gemeinsamen Platz im Bücherregal gefunden. Langsam geht es voran, aber es geht.

    Allerdings auch mit neuer Challenge: Das Stromkabel vom CD-Player verschwand.

    Wir lernen beim Umzug: Zum Beispiel, dass unser altes Bügeleisen sofort den FI-Schalter der Sicherung heraushaut. Was uns bisher vor allem deshalb verborgen blieb, weil die alte Wohnung gar keinen FI-Schalter hatte. Also besitzen wir jetzt neues Bügeleisen in neuer Wohnung, was vermutlich eine gute Entdeckung war.

    Den verirrten amazon-Boten konnte ich beim zweiten Versuch auf der Straße auflesen. Ich versuchte ihm zu zeigen, wo unser Eingang liegt. Er aber war so froh sein Paket loszuwerden, dass ich mir nicht sicher bin, ob er mir zuhörte.

    Um nicht wieder durcheinander zu kommen. Wir waren Schwimmen. Samstag Nachmittag. Bis zum Schlussgong.1 Es ist faszinierend: obwohl ich Total Immersion bisher nur oberflächlich und am Rande verfolgte, habe ich schon den Eindruck, dass es meinen Stil verbessert, mein Schwimmen besser und schöner macht. Ich bleibe dran.

    Ich bekam eine Einladung in das Alumni-Netzwerk der Fernuniversität in Hagen. Dank eines Server Errors 500 weiß ich nicht genau, ob ich nun beigreten bin oder nicht. Außerdem darf ich Mitglied des Absolventenkreises der Freunde der Fernuni werden.

    Es war ein entbehrlich unentspannter freitäglicher Arbeitstag und ein umso besserer Samstag.

    Ein kleines Familienunternehmen

    Ein Nachtrag zum Bikini-Haus: Ich wurde neugierig, wem die Concept-Mall eigentlich gehört. Und stieß auf eines der armen gebeutelten Familienunternehmen, die derzeit soviel Leiden, mit Sitz in München.

    Der Schörghuber Unternehmensgruppe ( 6600 Angestellte, 2 Milliarden Euro Umsatz 2024) gehört nicht nur das Bikini-Haus sondern – meist unter dem Namen Bayerische Hausbau – auch jede Menge anderer Immobilien; vor allem in München, aber wenn es passt auch in Hamburg und Berlin. Und eine ganze Reihe Edel-Hotels und Golfplätze. Sowie die Paulaner- und die Hacker-Pschorr-Brauereien, sowie größere Teile an Kulmbacher mitsamt des guten Punk-Biers Sterni. Damit betreiben sie auch gleich drei Festzelte auf dem Oktoberfest und beliefern insgesamt fünf Festzelte mit Bier.

    Vor der Räucherfischtheke: ein rumänisches Regal

    Wir unternahmen weitere Erkundungstouren in das Wunderland, das da ist der ukrainisch-polnische Supermarkt. Nicht nur, dass er eine eigene Kaviartheke hat (mit immer mindestens drei verschiedenen offenen Sorten). Er hat auch eine eigene Räucherfischtheke zusätzlich zur Frischfischtheke. Aus dem was die Fleischtheke bietet, ließe sich vermutlich auch wieder ein komplettes Rind zusammensetzen. (Geflügel eh). So spannend.

    Madame durchsuchte das Kühlregal indem nur frisches (lebendiges) Fermentiertes steht und entschied sich für Tomaten in Salz eingelegt. Ob es schmeckt? Wie es schmeckt? Wir wissen es nicht. Unsere Versuche, uns durch die diversen frischen Kefir-Sorten zu trinken dauern noch an.

    Neben den gesalzenen Tomaten brachte sie noch einen frisch an der Theke ausgenommenen und entschuppten Seelachs mit (der sich heute Abend in eine Pseudo-Bouillabaisse verwandelte) sowie Ochsenschwanz und Beinscheibe für das sonntägliche Schmorgericht.

    Nur Dosentomaten gibt es nicht. 14 verschiedene Sorten frische Tomaten, im Kühlregal fünfzehn Varianten mittelasiatischer Tomaten- und Paprikasaucen. Aber keine Dosentomaten. Das kam überraschend.

    Auch gelernt: Normalerweise besucht eine heterogene Kundschaft den Laden. Am Samstagabend allerdings hatte ich den Eindruck, ich bin im gesamten Geschäft der einzige deutsche Muttersprachler. So spannend!

    Mr. Archer was so alive yesterday, so solid and hearty…

    In Sachen Kino erfolgte wieder der Schluss einer Bildungslücke. Rein zeitlich ging es gegenüber „Die Mörder sind unter uns“ am Mittwoch einen Schritt zurück (von 1946 nach 1941), stilistisch aber nach vorne (von Expressionismus/Noir zu reinem Noir). In seiner Reihe Boulevard Noir zeigt das Yorck Kino The Maltese Falcon (dt: Die Spur des Falken2) Dank Yorck Unlimited3 für uns auch zum schmalen Taler.

    Ein Low-Budget-Film, gedreht in drei Wochen, der ein ganzes Genre begründete und als 1988 einer der ersten 25 „historischen wertvollen Filme“ in das neu geschaffene National Film Registry der Library of Congress aufgenommen wurde.

    Ist er gut: Auf jeden Fall. Ist er so gut wie die Auszeichnungen vermuten lassen? Vielleicht.

    Die Handlung folgt den Spuren des Privatdektives Sam Spades, der durch Ruth Wonderly/Brigid O’Shaughnessy (Mary Astor) in die Geschichte um den Raub des Maltese Falcon hineingezogen wird. Spades, O’Shaugnessy, Joel Cairo (Peter Lorre) und Kasper Gutman (Sydney Greenstreet) versuchen sich alle gegenseitig zu betrugen. Etwa alle fünf Minuten nimmt der Film im Netz der Intrigen und Täuschungen eine neue Wendung und eine Täuschungsebene mehr taucht auf.

    Sehr schön: Nachdem ich wenige Tage vorher Hildegard Knef in einer unpassenden Muttchen-Rolle sehen musste, hier die wandelbare Ruth Wonderly/Brigid O’Shaughnessy, die die Handlung nicht nur auslöst sondern bis zum Ende vorantreibt, vor nichts zurückschreckt und vielleicht der stärkste Charakter des kompletten Films ist.

    Es beginnt als harmlose Geschichte um eine verschwundene Schwester, es endet mit drei Toten, einem Kriminalfall über drei Kontinente, einem abbrannten Passagierschiff und einer Liebe, die im Gefängnis endet. Dabei lebt der Film (Low Budget) vor allem von Dialog und herausragender Schauspielkunst.

    Es ist von der ersten bis zur letzten Sekunde eine Freude.

    Was nicht ganz so eine Freude war: Der Bogart-Faktor. Wenn wir richtig aufpassten, gibt es in 90 Minuten Film einen einzigen Dialog an dem Spade/Bogart nicht teilnimmt. Der findet am Telefon zwischen Spades Seketärin Effie und O’Shaughnessy statt – im Wesentlichen hört man O’Shaughnessy am anderen Ende des Telefons schreien.

    Ein Qualitätskriterium für einen Film: Gibt es einen Dialog zwischen zwei Figuren an dem Humphrey Bogart nicht teilnimmt? Hier nur haarscharf.

    Von der Arbeit

    Zugbegleiterin: Mit dem neuen Giruno unterwegs: Der Giruno ist ein moderner und sehr angenehm leise fahrender Triebzug der sehr schön eingeteilt ist. Was aber leider oft die Fahrgäste etwas überfordert.

    Krankenschwester: Die Tage auf der Station waren einfach nur anstrengend. Nicht das große C macht uns mehr den Ärger, es ist jetzt die alte und bekannte, sich immer wieder neu erfindende Grippe, die uns das Leben als Krankenschwester schwer macht. Das Sahnehäubchen zu einer Infektionskrankheit mit Isolationshintergrund sind die dementen Patienten, die ständig ihr Zimmer verlassen, die einfach nicht verstehen wollen, dass die nicht Infizierten keinen Wert auf Ansteckung legen. Und dann sind da die Isolierten, die sich zu Tode langweilen und das Pflegepersonal ständig herbeiklingeln.

    Softwarentwicklungschefmensch: Ich stelle gerade wieder Mitarbeiterinnen ein. Product Manager, Entwickler und Softwarearchitekten. Interessanterweise kommen momentan grob 95% der Bewerbungen von Menschen aus Pakistan. Viele davon leben bereits in Deutschland. Die Gespräche waren größtenteils gut. Ich habe 5 Stellen zu vergeben, nur die Pakistaner qualifizieren sich dafür, niemand aus Russland, Frankreich oder der Ukraine. Aus Deutschland gab es nur einen einzigen Bewerber, der einerseits wenig Erfahrung hatte, aber von astronomischen Gehaltsvorstellungen träumte. Ich könnte die besten fünf Pakistaner einstellen, aber jetzt mache ich mir ernsthaft Gedanken über eine seltsame Form von fehlender Diversität.

    Aus der Freizeit: Hitler! (Something is possibly wrong in Wikipedia)

    Anmerkungen

    1. Für Madame bedeutet das Besuch Nr. 6 mit ihrer Monatskarte, also 6,33€ pro Besuch. ↩︎
    2. Wie ich erfuhr hat die Deutsche Version „Die Spur des Falken“ andere Dialoge (sie ist sehr viel humorvoller als das amerikanische Original) und ist musikalischer auch leichter und beswingter. Man könnte überlegen, ob es jetzt zwei Versionen eines Films oder doch zwei verschiedene Filme sind. ↩︎
    3. Damit Yorck Unlimited Besuch Nr. 4 -> 59,50€ pro Besuch. ↩︎
  • 26-01-08 Der Vampir tanzte Jig im 9/8-Takt

    26-01-08 Der Vampir tanzte Jig im 9/8-Takt

    Laut Asterix-das Kartenspiel bestand das römische Heer vor allem aus Generälen, Legionären und Hornisten. Wer vier Hornisten in seine Truppe sammeln kann, bekommt 100 Bonuspunkte.

    Die Benutzung einer Küche macht mehr Spaß, wenn die Spülmaschine und vor allem der Wasseranschluss in der Küche problemlos funktioniert.

    Noch 13 unausgepackte Umzugskartons, derzeit aber auch noch einige neu angebrachte ungenutzte Regalbretter.

    Madame nutzte die Chance der funktionierenden Küche zum Einkauf bei Ledo, brachte guten frischen Kimchi, noch frischere Artischocken und Doraden mit. Das Suppenhuhn hatten wir an Neujahr aus dem Suppenhuhnautomat nahe der Latifundien gelassen.

    Es waren die letzten Tage zwischen Weihnachten und dem zurückkehrenden ernsthaften Ernst des Lebens. Einer davon mit Arbeit, einer mit Besuch aus Wien, und zwei Filmen.

    Der wir-Schwimmen-zu-Hause-Streak hielt zumindest bis zum 4. Januar. Wenn ich richtig rechne, waren wir am 2. und am 4. im Becken. Madame besorgte sich eine Monatskarte und beschloss, sich mit Total Immersion zu beschäftigen. Das bringt uns gerade einige Zeit ins Nichtschwimmer– Lehr-Schwimmbecken, um lustige Übungen zu machen. Auch wenn wir verschiedene Startpunkte haben, profitieren wir beide stark davon.

    (Immer noch mit dem eigenartigen Gefühl, dass vermutlich jede Person am Beckenrand weiß wer wir sind und im Zweifel interessiert zuschaut).

    Der Yorck-Unlimited-Pass verleitete zu zwei Kinobesuchen in den ersten drei Tagen des Jahres (damit bisher 119 Euro/Besuch). Beide Filme waren auf ihre Art episch, manchmal schwierig, aber hochspannend: New York, New York im Rahmen der Reihe Boulevard Noir im Yorck-Kino und Sinners im Odeon.

    Start spreading the news

    Das Jahr beginn mit einem Martin-Scorsese-Musical. New York, New York von 1977 bewies warum das Genre des Depri-Musicals sich nicht durchsetzte. Aber was für ein Film. Ein Film

    • Der eine Hommage an die Hollywood-Musicals der 1940er war
    • Aber sich in einem 1970er gritty Sozialrealismus zu Hause fühlte
    • Ein Vehikel für Robert de Niro und Liza Minella darstellte
    • Zeigte, dass der Mensch der künstlerisch auf der „richtigen und wahren“ Seite steht trotzdem ein totales Arschloch sein kann
    • Jazz und Swing der 1940er feierte (in seiner BigBand- und seiner Harlem-Club-Version. So spannend wie verschieden sich eine eigentlich sehr ähnliche Musik im Film anhören kann)
    • Der auf Rassentrennung der USA in den 1940ern/1950ern hinwies
    • Vollkommen zurecht Liza Minellas Hairstylist im Vorspann erwähnte (Sydney Guilaroff – „a British-American hair stylist during Hollywood’s Golden Age, and the first to receive on-screen credit in films“)
    • Großartige Musiknummern hatte
    • Halb ausversehen eine Hymne in die Welt setzte. (eben jenes New York, New York – man musste sich beim Zusehen immer wieder sagen, dass der Song dem damaligen Publikum komplett unbekannt war, weil eben nur für den Film geschrieben)yout
    • Mit seit einer Woche einen Ohrwurm in den Kopf setzt
    • Großartige immer wieder Tricktechniken der 1940er zitierte
    • Ein spaciges Musical im Musical vorführte
    • Das vermutlich unpassendste und schlechtgelaunteste Liebes- und Ehepaar der Musicalgeschichte porträtierte

    This movie ain’t no fun. Aber so so spannend und mitreissend beim zusehen.

    Ain’t no Haints

    Sinners (Titel im deutschen Verleih: Blood and Sinners) ist fast 50 Jahre jünger als New York, New York, aber wie dieser Film auch ein unfrohes Musical. Bei Sinners sind die Probleme Vampire und Rassismus.

    Der Film, laut irgendwelcher Internetseiten derzeit übrigens Oscar-Frontrunner, ist einerseits ein klassischer Genrefilm Vampire des Jahres 2025 mit demenstprechend viel Blut, Gewalt und Trickeffekten. Brauch ich nicht, kann ich (im Gegensatz zu Madame) aber auch ganz gut ignorieren, und die Genrekonventionen einfach als Mittel zum Zweck ansehen:

    Der Film erzählt eine Geschichte über das Schwarze Mississippi der 1930er. Die Sklaverei ist de jure seit über 60 Jahren beendet, de facto existiert sie durch das Sharecorpping-System weiter. Schwarze arbeiten auf den endlosen Baumwollplantagen und werden mit selbstgeschnitzten Holzdollars bezahlt. Wer aufmuckt kommt ins Gefängnis, oder wird vom Ku-Klux-Klan geholt. Die einzige, oft vergebliche Hoffnung: die Great Migration, die Flucht in den Norden nach Chicago, New York und in andere Großstädte.

    Erzählt ist er aus einer Schwarzen Perspektive. Ausbeutung und Rassismus werden thematisiert, vor allem aber die schwarze Kultur der Zeit gefeiert. Weiße kommen fast nicht vor. Die einzigen Sympathieträger sind Mary (weiß aussehend mit schwarzem Großvater, damit nach US-Rassenlogik selber schwarz) und der irischstämmige Vampir. Selbst der Vampir ist sympathischer und menschlicher als die Weißen aus Mississippi.

    Spannend: der Vampir ist Europäer. Sowohl der Vampir im Film wie auch der Vampirmythos. Die Hoodoo-Wissende der Gemeinde erwähnt mehrmals, dass sie sich mit Haints, den Geistern des Hoodoo, auskennt, von Vampiren aber bisher nur härte und diese nie sah.

    Kern des Films sind zwei Musiknummern: das als Blues beginnend Lied to you, das „die Geister der Vergangenheit und Zukunft beschwört, in eine Melange mit Gospel, Rock und Hip Hop übergeht“ und die Vampirnummer Road to Dublin zu der der Obervampir einen Jig tanzt.

    Auch ein wirklich spannender Film. Man muss nur halt nur den 2020er-Action-Blut-FX-Schlacht-Teil mögen oder zumindest tolerieren. Ich liebte den Film, schon weil sie die einzige echte und beste Art des Englischen Reden: Delta Englisch – wie es sich gehört.

    Schnee!

    Auf dem Weg nach Hause: Schnee schippen. Das erste Mal in Berlin. Wenn das Bad abends geschlossen ist, sind wir die einzig Anwesenden. Wenn wir über das große Grundstück zur Straße kommen wollen, empfiehlt es sich den knöchelhohen Schnee aus dem Weg zu schippen bevor er festfriert.

    Außerdem ist unserer beider Verbundenheit mit den Besitzern von Wohnung und Grundstück sehr viel höher als in der vorherigen Wohnung.

    Freundlicherweise haben die Kolleg*innen Schaufeln und Streugut so im Keller gelagert, dass wir dort herankommen. Dabei gesehen: Der Fuchs ist auch noch da.

    Niki Kater Quark

    Julia war im Sprengel-Museum Hannover.

    Daniel schrieb eine Geschichte.

    Thomas schrieb handgemachten Quark. Ha!

    Darüber machte ich mir noch nie Gedanken: Wie viel kosten ÖPNV-Monatskarten im Vergleich zur Einzelfahrt. In Europa liegt die der Preis der Monatskarte irgendwo zwischen 12 Fahrten (Prag), 16 (Berlin mit Deutschlandticket) 20 Fahrten (die meisten italienischen Städte) bis zu etwa 35 Fahrten (Paris). Andererseits sind die Monatskarten in London und Istanbul so teuer, dass ihr Erwerb in gar keinem Szenario Sinn ergeben, in Nordamerika liegt die Ratio bei knapp 50 Fahrten bevor die Monatskarte lohnt.

    Ein bißchen umherschweifend im Stil, aber im nächsten Leben werde ich Keyboard-Nerd: Non-Canon Wordprocessors und ihre Keyboards.

  • 26-01-01 New Years New York, New York im Yorck

    26-01-01 New Years New York, New York im Yorck

    Im Adventskalender der Seemannsmission gewannen wir „Maritime Bettwäsche“. Jetzt müssen wir diese allerdings an der Seemannsmission Brunsbüttel abholen.

    Die Töpfe wandern. Viele der Töpfe, die wir einst „erbten“, weil die Vorbesitzer sich einen Induktionsherd anschafften, geben wir als neue Induktionsherdsbenutzer jetzt selber weiter. Einige Exemplare wandern über den Umweg unserer Küche von den Eltern zur Tochter.

    Madame las einen Regency-Roman und fragte sich, wie das damals eigentlich mit den Pferdewechseln an den Kutschenstationen waren? Haben die damals einfach so die Pferde durchgetauscht und irgendjemand hat am Ende den alten Klepper abbekommen?

    Schreibe ich dieses Jahr ausnahmsweise einen Gesamt-Jahresrückblick im Blog? Vielleicht. Aber nicht jetzt. Jetzt folgt ein Zwei-Tages-Rückblick.

    Es war Silvester und Neujahr.

    Eierlikör, Marmelade, Pflaumenmus, Mandel-Marzipan

    Silvester begann am 30. Dezember abends. Wir hatten beschlossen, schon Dienstag auf die Latifundien zu fahren, auf dass wir dort am 31. Dezember mehr Tageslicht abbekommen, weil wir schon morgens anwesend sind.

    Es war spannend: Wir waren seit Ende Oktober nicht mehr auf den Latifundien. Ende Oktober hatten wir nur die Wintervorbereitung light absolviert – nicht ahnend, dass es acht Wochen mit einigen -10-Grad-Nächten dauern würde, bis wir zurückkämen.

    Es stellte sich die Frage: kämen wir überhaupt bis dorthin? Auch der 17 Jahre alte Subaru hatte in den letzten acht Wochen nur vielfach die Zwei-Kilometer-Kurzstrecke zwischen alter und neuer Berliner Wohnung zurückgelegt. Bei ausgeprägten Minustemperaturen neigte das Auto in den letzten Jahren auch zum Zicken, gerade auch seine Batterie.

    Aber: Alles ging. Der Motor zündete als wäre er neu. Der latifundale Zugang zum Wasseranschluss war seit dem letzten Frühjahr überwachsen und jetzt zugefroren, lies sich aber freilegen. Einzig ein vergessenes Gardena-Plastik-Gartenschlauchteil hat es vielleicht durchs Eis gerissen, das wäre verschmerzbar. Alle echten Autos, Leitungen und Getränkeflaschen haben alles unbeschadet überstanden.

    Madame absolvierte einen Kneipp-Tag: Nach der vormittäglichen Sauna kam nun der Bungalow mit einer Innentemperatur von 3 Grad hinzu. Aber nach diversen Stunden des Heizens wurden die Temperaturen erträglich, bis zum Silvestermorgen sogar fast angenehm.

    Es folgten am 31. mittags einige letzte Besorgungen (Das Buch Der Schwarm in die Büchertelefonzelle zurückbringen, Baguette und Pfannkuchen (Eierlikör, Marmelade, Pflaumenmus, Mandel-Marzipan) kaufen). Bei Tageslicht konnten wir noch den Grünspecht sehen, der den halben Garten umpflügte und das Rotkäppchen auf dem Zaunpfahl („Robin in the snow!„). Es folgte der lange dunkle Abend des Lesens und Chillens und Tomaten-Käsefondue und Nachbars Kinderfeuerwerk aus dem Fenster sehen.

    Es war so dunkel und so ruhig, um Mitternacht schliefen wir schon beide sanft vor uns hin, selbst durch Böller und Feuerwerk nur wenige Sekunden aus dem Schlaf gerissen.

    Back to the Ä

    Dass mein Geist langsam wieder aufnahmefähig für weitere Themen merkte ich im Bungalow. Dort fiel mein Blick auf das 800-Seiten-Monstrum „Moderne Betriebssysteme“ von Andrew S. Tanenbaum. Das ist in seiner Version von 2003 eher modern im historischen Sinn; aber die Grundlagen sind ja seit 2003 unverändert. Und vor allem: Ich hatte Lust es zu lesen und anscheinend auch wieder geistige Kapazität dafür. Das Studium kann weitergehen.

    Denn auch wenn ich es die letzten Monate komplett ignorierte: Ich studiere noch auf den Master Wirtschaftsinformartik. Und das Semester ist schon fast zu Ende. Irgendwann fiel mir auf, dass ich mich für das nächste Sommersemester Rückmelden muss, und mich voller Übermut noch dieses Semester für Klausuren anmelden kann.

    Die Online-Rückmeldung schickte mich in eine Warteschleifen:

    Die Online-Rückmeldung über den virtuellen Studienplatz ist für Sie leider nicht möglich, da Sie Ihren aktuellen Studiengang erfolgreich abgeschlossen haben. Für eine Rückmeldung mit Änderung [sic!] des Studiengangs, zum Beispiel zur Fortsetzung Ihres Studiums im Masterstudiengang oder den Wechsel in einen anderen Studiengang oder zum Akademiestudium nutzen Sie bitte den „Antrag auf Rückmeldung mit Änderung“. [sic!]

    Also füllte ich das online-PDF-Formular Antrag auf Rückmeldung mit Änderung für das Sommersemester aus. Ich kreuzte alle Module dieses Semesters als „belege ich als Wiederholer“ an (you never know) und noch zwei dazu als neu-zu-belegendes (vielleicht klappt ja auch noch etwas). Das ergibt:

    Als Wiederholer

    • Einführung in die imperative Programmierung
    • Datenstrukturen und Algorithmen
    • Digitale Diversität

    Neu

    • Einführung in die objektorientierte Programmierung1
    • Dienstleistungsmanagement

    Was genau ich davon wirklich studieren werde, entscheidet sich in den Klausuren, die ich in den nächsten Wochen vielleicht belege und vielleicht bestehe.

    I want to wake up in a city that doesn′t sleep

    Neujahrs-Abends: Ein Drama, das sich als Musical tarnt. Martin Scorseses New York, New York mit Liza Minelli und Robert de Niro im Yorck-Kino. Die dortige Kinoreihe Boulevard Noir könnte mein Liebling aller Kinoreihen der Yorck-Kinos werden.

    Eskalation!

    Man muss sich das Leben als Reaktion auf von Algorithmen geschaffene Situationen vorstellen

    Joel malte einen Leuchtturm.

    Konzert des Jahres: Eine Schweizer Partyband in Chemnitz. (Merken für mich: am 18. April in der Stadthalle Falkensee – Beispiel)

    Percy Puddletree eskaliert noch mehr (mit Fotobeweis): The same procedure

    Konstantins Tochter möchte doch nur Computerspiele spielen: Und mir immer wieder die Frage gestellt: „Kann ich nicht eine Frau waehlen?“

    Frau Zimtkringel versteht die Algorithmen nicht, die Menschen auf ihren Blog bringen:

    Nun habe ich aber gerade festgestellt, dass ein Rezept aus 2018 (!) in diesem Jahr dem Käsekuchen fast den Rang abläuft. What? Why? Ok, der magische Zauberbegriff scheint hier Airfryer zu sein. Leute, baut irgendwo den Begriff Airfryer oder Heißluftfritteuse ein und landet ein Klickwunder! Vor Zeiten habe ich mal schnelle Paprika-Antipasti aus dem Airfryer gebastelt und eben dieses uralte, pupsige 08/15-Rezept wurde in den letzten zwölf Monaten im sehr hohen fünfstelligen-Bereich aufgerufen. Echt jetzt, Leute? Warum?

    Anmerkungen

    1. Für Informatiker. „Einführung in die objektorientierte Programmierung (für Wirtschaftsinformatiker)“ habe ich schon irgendwann 2023 belegt und bestanden. ↩︎

  • 25-12-16 Elinor liebt Edward. Brandon liebt Marianne liebt Willoughby

    25-12-16 Elinor liebt Edward. Brandon liebt Marianne liebt Willoughby

    Nur noch ein Karton steht im Wohnzimmer. Langsam beginnt sich die Wohnung einem Zustand zu nähern, der schon fast als Normalität durchgehen könnte.

    Langsam habe ich sogar wieder Geist für andere Themen. – Wie jetzt, nächste Woche ist Weihnachten?

    Der Bahnhof Südkreuz ist wieder ein echter Bahnhof. Denn nach Wochen der Umbauzeiten fahren wieder Züge.

    Passend dazu eröffnete Einstein Kaffee.

    Madame testete die neu eröffnete Dresdner Bahn zwischen der Hafenstadt und dem Südkreuz und stellte fest, dass sie vor allem aus Lärmschutzwänden besteht. Als Panoramafahrt wird diese Strecke nicht in die Reiseführer eingehen.

    Ich beginne mich auch langsam an die Arbeitsanfahrt per Ringbahn zu gewöhnen. Wenn denn irgendwann der Umzug wirklich ganz vorbei und überstanden ist, denke ich noch einmal über ein neues Fahrrad nach.

    Arbeitstage, die damit beginnen, dass ich quasi noch in Jacke und weit entfernt von einer Kaffeetasse unter dem Tisch liege und nach losen Kabeln suche, sind verbesserungsfähig. Später tauchten dann gleich zwei lange verschollene Geister auf und spukten kurz herum. Wahrhaft ein denkwürdiger Tag.

    Es war ein kultureller Sonntag und ein alltäglicher Montag.

    Der Sonntag begann im Bayerischen Viertel. Ich passierte das Denkmal an der Synagoge Münchner Straße, anscheinend hatte vor nicht so langer Zeit eine Trauerfeier stattgefunden. (9. November?)

    Otterngezücht!

    Noch vor der Kultur begann der Sonntag mit Sonne. Ich stand im kleinen Park knapp neben der Kirche am Heilsbronnen, ließ mir die Wintersonne ins Gesicht scheinen und atmete. Endlich Ruhe. Endlich einmal andere Aktivitäten fernab jeder privaten oder dienstlichen Logistik. Sonne. Atmen. Sonne. Grün. Atmen.

    Es folgte Kultur 1: Händel. Madame sang im Heilsbronnen Teile des Messias. Die dortige Gemeinde feierte zum Dritten Advent eine Deutsche Messe. Denn weil die dortige Gemeinde nicht nur arg konservativ sondern auch musikfreundlich ist, gab es Kirchenkreisorchester plus Solosänger plus Chor im Gottesdienst.

    Und es war schön. Und es war rührend. Und der Tenor war ganz besonders rührend. Und selbst die Predigt der Vikarin, schlug gekonnt den Bogen von der besinnlich-glitzendern Vorweihnachtszeit zur Bibelstelle der Woche „Ihr Schlangen! Ihr Otterngezücht! Wie wollt ihr dem Gericht der Hölle entgehen? und wieder zurück.

    Schon fast niedlich und entzückend die Verabschiedung ebenjener Vikarin, deren Vikariat mit diesem Gottesdienst endete.

    Yes. It w-was conducted, eh, oddly enough, in Plymouth.

    Am Abend Kultur 2. Wir trafen uns im Wartesaal bei okayem irgendwie-italienischen Essen mit Professor Transformation und the manchester Entrepreneuress. Der Wartesaal war hier praktisch gelegenes Mittel zum Zweck: eigentlich wollten wir ins Delphi Lux.

    Die Yorck Kinos betreiben allerlei Filmreihen jenseits der aktuellen Kinoprogramms. In der Reihe Screen Legends lief Sense and Sensibility, die legendäre Verfilmung von 1995 mit Emma Thompson, Kate Winslet, Hugh Grant und Alan Rickman.

    Ich konnte damit zwei Bildungslücken schließen: ich kannte den Film nicht, welche Frevel. Und obwohl ich schon viel über Jane Austen gelesen hatte, habe ich noch nie etwas von ihr gelesen. Okay, habe ich immer noch nicht. Aber ich habe ein Gefühl dafür bekommen, was Menschen an ihr schätzen.

    Zum Film: Liebe und Schmerz, Lachen und Leiden. Überraschenderweise musste ich an Toni Erdmann denken, daran dass alles eigentlich ganz furchtbar ist, aber dennoch irgendwie schön und lustig.

    An Shakespeare musste ich denken: So stehen wir Menschlein da, lächerlich wie wir sind, durchschaut bis auf die Knochen, und dennoch liebenswert.

    Selten sah ich einen Film, der seine Protagonist*innen mit soviel Wärme und Liebe behandelt, während er gleichzeitig erbarmungslos das System seziert, in dem sie sich bewegen.

    Großes Kino.

    Buch nach Serie, Film nach Buch

    Ausgelesen: Tomasz Duszyński: Glatz. Ein polnischer Krimi-Bestseller, der 1920 in der (damals Deutschen) Kleinstadt Glatz in Niederschlesien spielt.

    Ein merkwürdiges Buch. Ich hatte die Hoffnung, dass Duszyński die Form des Krimis vor allem nutzt, um eine Geschichte von Glatz, Kleinstadt in Niederschlesien 1920 zu erzählen. Denn diese Zeit und dieser Ort sind weder in der deutschen noch in der polnischen Historie Präsent. Ich merke beim Lesen, dass Duszyński in die Archive gestiegen war, alle Lokalitäten, Vereine und Speisekarten des historischen Glatz kannte. Alle tauchten auf. Aber leider, lässt er in der Stadt Menschen auftreten, die wie frisch aus dem Jahr 2025 wirken, so denken und reden wie Menschen in einer aktuellen Netflix-Serie, nicht wie in 1920. Überhaupt hat man den Eindruck eine Netflix-Serie zu lesen mit viel Gewalt, etwas Sex, etwas Politik, nur dass sich alle Beteiligten kurz vor Drehbeginn schnell historische Kostüme übergeworfen haben und jemand die Autos gegen Kutschen tauschte. Oddly anachronistic, aber nicht in einem guten Sinne.

    Noch nutze ich den Haselanten für Produktempfehlungen, denn noch sind die Large Language Models angenehm werbefrei und halbwegs zuverlässig. Aber mir ist klar, dass dies nur ein kurzes Zeitfenster lang andauern wird. Denn die Horden stürmen: Re: Marketing für KIs

    Was sind das denn für Menschen, die sich einen Muppet-Film in der Originalsprache im Kino ansehen, was für ein gesellschaftliches Segment fühlt sich da angesprochen und angezogen?