Unter dem Strauch, die herabgefallenen Kornelkirschen. Wenn ich dort mit weißen Schuhsohlen hindurchgehe, sehe ich danach aus als würde ich durch Blutlachen waten.
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Es leuchtet! Ein Dreivierteljahr nach Einzug ist es gelungen, dass die Haustürnummer leuchtet. Immerhin rechtzeitig bevor die langen Nächte wieder kommen.
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Es regnet! Jetzt gerade! Bei 21 Grad. Welche Wonne!
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Leider wurden die Blogposts durch Meta-Blog-Ereignisse überrollt. Deshalb holpert die Veröffentlichungsfrequenz weiter vor sich hin. Dieser Post ist veröffentlicht am 14. August, geschrieben am 1. August und bezieht sich auf die Woche vom 27. Juli bis 31. Juli. Das Blog-Ich ist dem Lebens-Ich noch 14 Tage hinterher.
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Es war eine Offline-Holperwoche

Zurechtruckeln
Mein persönliches IT-Standardmaß für erfolgreichen Urlaub ist: Wer sein Passwort vergessen hat, dem ist der Urlaub gelungen.
An mein Passwort konnte ich mich noch erinnern.1
Aber dafür vergaß ich Transponder und Schließfachschlüssel. Außerdem erinnerte ich mich nur noch schemenhaft, wer ich bin, was ich arbeite und was die ganzen Leute im Büro von mir wollen.
Offenbar war ich gedanklich weit weg gewesen.
Erfreulicherweise hatte sich niemand von uns im Urlaub etwas gebrochen, oder war andernweitig krank geworden. Aber zumindest eine nervige Rest-Erkältung schleppte ich mit mir herum.
Montag hatten wir noch Betten und Sideboards bei Froraum betrachtet, dann aber war Madame auch schon wieder weg.
Sie war mit ICE2589 und ICE109 nach Basel gefahren, so dass auch da der Rhythmus anders war. Die Temperaturen zum Ende der Woche machten Lust darauf möglichst ganztätig bewegungslos unter einem Strahl kalten Wassers zu verharren.. und naja, alles nicht einfach.
Immerhin: Die Kolleg*innen und mein Kalender waren gnädig zu mir. Noch konnte ich viel Kleinkram machen. Bei den größeren Sachen, die vorbeiliefen konnte ich mich auf eine Rolle als „+1“ beschränken. Ich glaube bis nächste Woche kann ich auch alleine wieder Größeres.

Die Lücke
„Google hat festgestellt, dass abdul..@gmail.com als Inhaber hinzugefügt wurde“
Und dann war da dieses Ereignis, das meine Bloggerei ins Schlingern brachte.
Ich bekam eine Mail, dass eine zusätzliche Person bei der Google Search Console für Low-and-slow.de eingetragen war. Das war seltsam: Ich dachte, ich sei Google auf allen Blogs schon lange los. Vor allem aber war ich mir sicher, keine weiteren Personen dort eingetragen zu haben.
Ich konnte die Person aus der Search Console rauswerfen. Aber dabei bekam ich die Info: „Da sie durch einen Code im html von low-and-slow bestätigt ist, kann sie jederzeit wieder rein.“
Das war dann mehr als seltsam, das war schon beunruhigend.
Auf den html-Code des Blogs sollte wirklich nur ich zugreifen können.
Ein Schritt weiter stellte ich fest: Ich konnte nicht mehr auf das Blog-html zugreifen. Ich konnte nicht einmal mehr auf das komplette Blog zugreifen.
Ich konnte mich beim Blog nicht mehr einloggen. Es enthielt offensichtliches Phishing.
Also suchte ich bei low-and-slow den Weg ins Backend-Backend und nahm im Rahmen meiner Möglichkeiten alles Offline bzw. löschte alles was ging.
Lernen über .htaccess, unangenehme Methode
Ich lernte die aktiv ausgenutzte WordPress-Exploit-Kette namens „wp2shell“ kennen.
Vermutlich am frühen Morgen des 27. Juli (also sogar kurz nach der Rückkehr) hatte sich jemand in das Blog-Backend geschoben und wer weiß was gemacht2. Der Phishing-Versuch auf low-n-slow war offensichtlich.
Ein anderes Blog von „meinem“ Server war komplett offline gegangen.
Der Rest des Blog-Zoos sah auf den ersten Blick von Außen gut aus. Spätestens als der Server das überfällige WordPress-Update blockierte, war aber klar, dass auich bei diesen etwas nicht stimmt.
Nachdem ich mir dann im Backend-Backend die Dateien angesehen hatte, sah es gar nicht mehr gut aus.
Die Kommunikation mit dem Hoster war wochenangemessen auch eher holprig. Und naja, einigten uns, dass er ein Backup von allem vom 14. Juli herstellt (bevor wp2shell in freier Wildbahn war).3
Dann werde ich erstmal sehr schnell alle Passwörter wieder ändern und WordPress auf die aktuelle Version hochziehen und mir Gedanken machen, wie ich mit dem Hosting in Zeiten von KI-Schadsoftware weiter umgehe.
Der Gedanke „bis dieses Blog jemand findet, dauert es eh zwei Jahre“. oder mit mehr glamour formuliert „security through obscurity“, scheint hinfällig.
On the good side: Ich lernte viel über Webhosting und WordPress im Allgemeinen und mein WordPress-Hosting im ganz besonderen.
On the bad side: ich saß und trommelte mit den Fingern auf den Schreibtisch, weil mich die Blog-Absenz nicht nur Zeit und Nerven kostete, sondern das nicht-Schreiben-können (ich schreibe eigentlich immer direkt in die WordPress-Weboberfläche) meinen Versuchen, wieder einen Alltagsrhythmus zu finden, überraschend abträglich war.
Frei nach Buddenbohm/Susan Sontag: Wenn ich nicht schreibe, was ich gar nicht was ich denken soll.
The Gemüslichkeit
Immerhin konnte ich mich an Terminen abhangeln:
Die Mittwochsabholung des Solidarischen Ernteanteils zum Beispiel, natürlich mit vorherigem Bibliotheksbesuch direkt daneben. Es gab Zucchini (you don’t say), Tomaten natürlich, Grünkohl(!) oder Rote Beete.
Vor mir am Schrank bediente sich die süße Zweiergruppe, freundschaftlich-vertraut, aber offensichtlich in verschiedenen Haushalt lebend, die sich einen halben Ernteanteil teilten (also jeder ein Viertel), dann mit größeren Teilen ihres Anteils (Grünkohl zB) nichts anzufangen wussten und am Ende unglücklich waren, warum sie so wenig bekamen.
Mir bescherte die wöchentliche Gemüslichkeit eine feine Grünkohlpfanne mit frischem Frischkäse und an den nächsten Tagen Šaltibarščiai – auch bekannt als litauische Pink Soup.

It’s okay with me
Kino half, nach Berlin zurückzufinden. Bei 34 Grad fuhr ich ins leidlich klimatisierte Yorck Kino, um den nächsten Film aus der Boulevard-Noir-Reihe4 – präsentiert und anmoderiert von meinem persönlichen Star Robin – zu sehen.
Der 1973er-Robert-Altman-Film The Long Goodbye/ Der Tod kennt keine Wiederkehr war ein Film bei dem für mich wirklich alles perfekt funkionierte: Setting, Plot, Schauspieler, Musik, Befindlichkeiten, Humor, Kostüme.. Volltreffer.
Robert Altman verfilmte den späten Raymond-Chandler-Roman The Long Goodbye einige Jahrzehnte nach der großen Zeit der Bogart-als-Detektiv-Noirs.
Altmans Ansatz ist, dass Detektiv Philipp Marlowe (Elliott Gould) aus der Zeit gefallen ist. Ein 1950s man in a 1970s setting. Es ist keine Zeitreise: Also Marlowe ist in den 1970ern ein mittelalter Mann, der dementsprechend um 1930 geboren sein muss. Aber Einstellung und Wesen von Marlow passen eher in die 1950er.
Er trägt Anzüge mit Krawatte, fährt ein altmodisches Auto, glaubt an Loyalität und Absprachen auf Vertrauensbasis – und wird in ein L.A. versetzt, in dem Drogen allgegenwärtig sind, junge Frauen Yoga machen und Kerzen ziehen, die Polizei keinerlei Interesse mehr daran hat, Verbrechen wirklich aufzuklären sondern lieber Demonstrant*innen festnimmt, in dem sich Gated Communities bilden und Brutalität Alltag geworden ist.5
Marlowe versucht sich dort, mal lustig, mal traurig, sehr oft melancholisch, zurechtzufinden, immer wieder sein Mantra „It’s okay with me“ sagend, mal mehr, mal weniger überzeugend.
Der Film floppte zweimal: Erst wurde er komplett falsch als eine Art James-Bond-Film vermarktet, dann als bissige Satire. Beides ist er nicht: Er ist manchmal satirisisch, teilweise sehr lustig. Aber er ist oft melancholisch. Und er liebt seine Stadt bei voller Klarheit darüber, wie furchtbar sie ist.
Und, wie toll die Reihe ist: 34 Grad, Klimatisierung im Kino noch neu und ihre Wirkung im vollen Saal fraglich, fraglich, Ende Juli, unbekannter Film, der 50 Jahre alt ist: Und ein großer Kinosaal war (wie immer) komplett ausverkauft.
Wie toll die Reihe ist, weil ich Zusammenhänge sehe und noch Refrenzfilme aus den letzten Monaten im Hinterkopf habe:
Da wären die klassischen Noirs mit ihrer starken Konzentration auf einen Detektiv, die bei Altman gleichzeitig re-inszeniert und unterlaufen wird.
Da wäre aber auch American Gigolo von 1980 als Vergleich, der vor einigen Wochen im Boulevard Noir lief. American Gigolo spielt fast im selben Los Angeles: Die Innenstadt abgefuckt (nur weniger politisch als 1973), die Gated Communities am Meer zynisch und dekadent. Aber während Marlowe/Elliott Gould 1973 verloren versucht, seinen Weg zu finden, ist Julian Kaye/Richard Gere 1980 längst Teil des Systems.
Beide sind die einzigen Anzugträger in einer informellen Cord-Leder-Welt. Marlowe/Gould als der letzte Anzugträger einer vergangenen Ära, Kaye/Gere als erster Armani-Anzugträger der kommenden 1980er.
In zwei Wochen läuft im Boulevard Noir Heißes Eisen/The Big Heat von Fritz Lang von 1953.6

Etwas ganz Besonderes
Weil der Donnerstagsfilm so erfreulich war, setzte ich mit dem Freitagsfilm im Delphi Lux fort.7 Etwas ganz Besonderes war stilistisch ganz anders, aber ähnlich großartig, vielleicht auch weil Regisseurin Eva Trobisch so genau hinschauen kann.
Anfang und Endes des Films ist eine Familie in Greiz (bei Gera, Thüringen). Sie besteht aus zwei Großeltern, die daran scheitern das alte Familienhotel finanziell über Wasser zu halten, deren beiden Kindern – Tochter in den Westen gegangen, hat studiert, will jetzt das EU geförderte Heimatmuseum aufmöbeln, Sohn blieb, heiratete in Greiz, pendelte zum Arbeiten jede Woche in den Westen, verlor dadurch die Frau, die Ex-Frau des Sohns, dem neuen Mann der Ex-Frau, die Angestellte im Hotel und drei Enkel der Großeltern.
Wie halt Familien im Jahr 2026 so sind.
Eine der Enkellinen, Lea, 16 (Frida Hornemann) bewirbt sich bei einer Castingshow. Sie wird für die Endrunde genommen und darf/muss nach München zu den Shows.
Der Film zeigt ein paar Monate im Leben der Familie, grob von Leas Qualifikation für die Fernsehcastings bis zum Ende der Show; am Ende ist alles anders und nichts anders – wie das im Leben so ist.
Der Film lebt einerseits von den Gegensätzen zwischen der sehr soliden, spröden, down-to-earth-bis-zum-Exzess thüringischen Kleinstadt und dem aufgedrehten großen Showapparat der Castingshow. SIe kollidieren immer wieder, und Lea steht in der Mitte der Kollision.
Vor allem aber beobachtet der Film die Familie und das Geflecht der einzelnen Familienmitglieder: Alle sind irgendwie unausstehlich, aber man muss sie alle lieb haben.
Oma Christel, die sich an alte Glanzzeiten des Waldhotels klammert (ob sie je existierten, bleibt offen) und die derzeitige schwierige Lage nicht sehen will.
Mutter Rieke, die froh ist „nichts Besonderes“ zu sein und nur Gutes für die Gruppe will, außer halt manchmal wenn sie Gutes für sich selber will,
Tante Kati, studiert im Westen, weltgewandt, stilsicher, mit den Greizer*innen kollidierend bei der Frage, wie die Vergangenheit von Greiz aussah, und konfrontiert mit Vorwürfen, dass eine „von Draußen“ den Greizern ihr eigenes Leben erzähken will.
Enkel Edgar, Sohn von Kati und überzeugter Antifaschist.
Und Lea, die spröde, kaum aus sich heraus gehende, beobachtende, die nicht sagen kann, was an ihr besonders ist, die mit ihren 16 vielleicht die wildeste Vergangenheit von allen hat – vielleicht auch nicht.
An der Schmerzlichkeit der Beobachtung erinnerte mich der Film mehr als einmal an Toni Erdmann. Immer wieder denkt man „Du kannst doch nicht!.. ach, nein, eigentlich musst du“ wie sie sich selber das Leben schwer machen und sich doch dadurch helfen.
Jederzeit wieder.
Nicht Greiz
Als ich aus dem Kino trat: Straßenpersonal das wild fluchend von dannen zog, kurz dahinter Menschen in Kellneruniformen, die sie vertrieben, am Rande zerschlagene Reste eines Außengastronomie-Tohuwabohus und kurz darauf Polizei, die im Laufschritt hinter dem Straßenpersonal herjoggte. Back in Berlin.
Links
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Falls Sie mal in Oslo baden wollen: für Gressholmen muss man deutlich mehr kraxeln können.
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Meine »The Odyssey«-IMAX-Vorstellung wurde abgebrochen
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Der Flusskiesel fährt in die Hafenstadt.

Anmerkungen
- 2-4LA_J8_l4fsS:vyWZ02z:5X-l7UK – aber verratet es nicht weiter. ↩︎
- Soweit mein Stand beim Schreiben des Posts am 1. August. Inzwischen weiß ich, dass der eigentliche Einbruch bereits am 21. Juli erfolgte. ↩︎
- Oder auch nicht.. ↩︎
- Yorck Unlimited No. 38 – 6,26€ pro Besuch. ↩︎
- Es ist erstaunlich wie wenig Brutalität wirklich gezeigt wird. Aber die eine Szene verändert einen Charakter stark, hängt auch nach Wochen noch in meinem Kopf. ↩︎
- Auch superspannend, weil The Big Heat 1953 gedreht wurde, ein größerer Teil der Beteiligten sich aber Verhalten als würden sie in einem 1970er/1980er Neo-Noir mitspielen. Das Spiegelbild zu The Long Goodbye. ↩︎
- Yorck Unlimited No. 39 – 6,10€ pro Besuch. ↩︎
Kommentare
2 Kommentare zu „26-08-01 Offlinegeholper“
Irgendwie ist die Schriftart schwer zu lesen (für mich)
Oha. Da muss ich mal schauen. Das ist tatsächlich die Standard-Schrift vom Standard-Theme, weil ich dachte, das werden echte Designer*innen ausgesucht haben, die haben sicher von Lesbarkeit viel mehr Ahnung als ich. Dem scheint nicht so.