Im Späti/Café/Kneipe direkt neben dem Friseur: Eine Frau mit eindrucksvollen Alufolien-Konstruktionen im Haar trank erstmal einen Kaffee.
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Im dm, der mal wieder umgeräumt hat, gab ich beim Irren durch den dritten Gang mit Haarpflegemitteln eine weitere Stimme im Chor der überforderten Männer: „Ich will doch einfach nur duschen!“
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Sensen sind maßangepasst. Früher wurden Metall und Schneiden an die Sensende*n angepasst. Seitdem es kaum mehr Schmiede gibt, wird der Baum, aka der Holzgriff geändert.
In der Ex-DDR kursieren noch viele Sensen aus sowjetischer Produktion. Vermutlich wurden diese nach Gewicht im Plan bemessen. Auf jeden Fall sind sie immer besonders schwer und dick.
Das bedeutet, sie sind umständlich und mühselig zu nutzen. Und da selbst eine normale dünne Sense länger lebt als die sensende Person werden die besonders unhandlichen Sowjetsensen noch Generationen lang im Umlauf sein.
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Obwohl es eine sehr alte und erdverbundene Tätigkeit ist, ist das Sensenvokabular für die Tätigkeiten und Teile in ganz Deutschland identisch. Nur beim Griff/Stiel gibt es Unterschiede: Für den Norden und die Mitte ist es der (Sensen-)Baum, für den Süd(west)en auch der Worb.
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Es war ein nass-feuchtes Dengelwochenende und ein Bowlmontag.
wp2shell
Der Blogzoo war Angang August überwiegend offline. Die Kommunikation mit dem Hoster verlief schwierig. Je mehr ich selber sah, was passiert war, desto mehr Blogteile nahm ich offline oder löschte sie ganz.
Das Blog jagt sich deshalb noch selbst hinterher. Veröffentlicht am 15. August, geschrieben am 6. August, erlebt vom 1. bis 4. August. Das Blog-Ich ist dem Lebens-ich noch 11 Tage hinterher.
Am 10er: Spiderman-Werbung
Das Wetter blieb seltsam. Mal heiß, mal nicht so heiß, immer schwül und von überraschenden Regenschauern geprägt.
Am Volkspark waren die Wege voll, weil Sommer, und die Wiesen leer, weil klatschnass nach dem letzten Regen. Die verschiedenen Hochzeitsgesellschaften, die aus dem Standesamt Schöneberg gekommen waren, drängten sich an den Parkrändern.

Ich dachte an Warschau-Chopin-Nasse-Hosen-Vibes.
Samstag war es weit genug abgekühlt, dass ich wieder ins Freibad ging. Da ich von der Wohnung aus startete, ging es nicht ins Sommerwohnzimmer Insulanerbad, sondern ins Lochow, aka Sommerbad Wilmersdorf.
Eigentlich mochte ich das Bad sehr – es hat eine schöne Anlage und erinnert stark an das beste aller Bäder, das inzwischen abgerissene Freibad Godshorn, aber durch Lebensverlagerung und längere Sanierung trennten sich unsere Wege.
Ebenso wie der Umzug sie wieder zusammenführte. Es liegt um die Ecke, Madame schwärmte mir mehrfach vor, und ein größerer Teil des Personals von „unserem“ Bad arbeitet dort im Sommer.
Nach diversen Einkaufstouren durch Schöneberg/Wilmersdorf (kühler aber schwüler) suchte es das Lochowbad das erste Mal seit der Renovierung auf. Es ist schön geworden: mit neuem Edelstahlbecken, überdachtem Unterstand am Beckenrand und der 10-Meter-Turm ist noch da.
Ich schwamm ein paar Ründchen in den beginnenden Sonnenuntergang hinein und war danach heruntergekühlt wie schon lange nicht mehr.

Wenn Lokführer nach Hause gehen
Kurz nach mir kam Madame in die Wohnung. ICE72 und ICE1130 sollten sie von Basel nach Berlin gebracht bringen.
Bis Berlin verlief die Reise für DB-Verhältnisse komplikationsarm. Der schwierigste Teil lag auf dem allerletzten Halt zwischen Berlin-Hauptbahnhof und Berlin-Südkreuz. Hier scheiterte der Bahn, der Zug stand still und nach 15 Minuten wurde verkündet, dass der Lokführer, der den Zug diese letzte Station hätte fahren sollen, leider nicht kam.
Auch nicht kam die relevante alternative S-Bahn gen Westen, denn die wurde die Woche über bebaustellt. Die Regios auf der Strecke hingegen fahren den ganzen Sommer nicht. Es ist erstaunlich wie effektiv die Deutsche Bahn selbst ein hochredundates System wie den innerberliner Verkehr zum Erliegen bringen kann.
Ist das schon Spreewald?
Samstagabend ging ein Gewitter nieder.
Als wir uns Sonntag in beginnender Wärme auf den Weg in den Südwesten machen, gerieten wir bei Johannisthal neben dem Teltowkanal in dichten Nebel – der nächtliche Regen der wieder verdunstet. Dieser verließ uns bis Märkisch Buchholz nicht.
Bis zum Flughafen Schönefeld/BER fuhren wir noch im dichten Verkehr, je weiter nach Süden wir kamen, lichtete es sich. Bei der Ausfahrt Storkow ging es, wir fuhren so sehr durch ländliches Brandenburg, dass ich keine Ahnung mehr hatte, wo ich war.
Ein Laden am Wegesrand bot Spreewald-Spezialitäten? Ist das schon Spreewald? (Inzwischen nachgeschaut: Nein. Noch waren wir im Dahmeland, aber nah an der Grenze zum Spreewald)
Auf einem Fußballplatz grasten Kühe. Oder auf einer Weide hatte jemand zwei Tore aufgestellt.
Im Nebel folgten wir der Wegbeschreibung („nehmt diese, Google Maps zeigt Sandwege“), bogen am Kriegerdenkmal links von der Dorfstraße ab, dann an Spielplatz und Feuerwehr vorbei wieder links und dann in die Waldstraße hinein.

Im Nebel waren wir angekommen: Madame wollte sensen und hier sollte der Sensenkurs stattfinden. Die Dengelhocker waren schon aufgebaut.
Da ich noch für die Fernuni-Klausur lernen wollte, und es einfach in dutzenden Kilometern Umkreis am Sonntag nichts gab, wo ich mich mit einem Tablet hätte sinnvoll hinsetzen, und ab und an einen Kaffee bekommen können, fuhr ich wieder zurück. Und weil das Auto ja auch mal Abenteuer erleben will, nahm ich den Schotterweg.
Nicht mit Rücken, mit Gewichtsverlagerung
Madame dengelte derweil. Ein thüringisch-sächsisches Pärchen reist von Schleswig-Holstein bis zum Bodensee, um in Mission des deutsch-österreichischen Sensenvereins Sensenkurse abzuhalten. (Keine Kurse in Österreich, weil die Österreicher sich nur ungern von Deutschen Sachen erklären lassen)
Es begann mit ausführlichem mehrstündigem Dengeln, dann folgte wiederholtes Wetzen und schließlich mähen. Der Kursleiter, der nicht als der Sensenmann bezeichnet werden mag. vertrat dabei die angehneme Attitüde, die beides umfasste: „Das ist komplex, was wir hier machen. Nehmt es ernst. Konzentriert euch. Macht es nicht irgendwie“ und „Ihr schafft das alle“.
Madame lernte, was es mit dem Dengeln nun auf sich hat, und durfte vermutlich zwei Stunden lang an einem Blatt herumdengeln.
Sie lernte: Nasses Gras senst sich besser als trockenes Gras. Also genau andersherum als beim rasenmähen.
Sie lernte: Viele Teilnehmer*innen von Sensenkursen haben entweder Wiesen ähnlich wie wir, oder haben nur Sonntags Zeit für den Rasen und brauchen eine geräuschlose Rasenschnittmethode. Gerne läuft es auch so ab, dass erst die Frau aus einem Paar kommt, und dann eins, zwei Jahre später der dazugehörige Partner auch will. Madame war auf jeden Fall schon da.
Um 15:30h holte ich sie wieder samt Sense, Sensenhocker und Schlagdengelapparat (offenbar ist das das Fachwort) ab.
Spätestens als wir die Sense nach Berlin transportieren mussten, fühlten wir uns darin bestätigt, in dem Fall auf den Zug verzichtet zu haben. Mein Internet sagt zwar, dass Sensen nicht unter die Bestimmung der Waffen- und Messerverbotszonen fallen. Aber ob das „Im Auftrag von DB Sicherheit“ auch sagen würde?
Thai-Bowl
Es gab mit Madame zusammen wetterangemessen weitere Šaltibarščiai, mit Madame zurückgekehrt auch endlich wieder as bewährte Sauerteigroggenvollkornbrot.


Montag, der erste Tag nach dem Urlaub in dem ich halbwegs wieder im Alltagsrhythmus war und langsam alles zusammen-flow’te.
Aufbruch um 7:50h bei 16 Grad. Aber selbst da knallte die Sonne schon, um zu zeigen, dass sie noch großes Vorhatte. Sie lief sich erst für den Rest der Woche ein.

Aus gegebenem Anlass waren wir als Team außergewöhnlich lange beim Lunch und ausnahmsweise in der Roten Insel – die einen edleren Anspruch vor sich her trägt und edlere Preise nimmt, als sie normalerweise einlösen kann. Gerade der Service wirkt gerne so als wäre er gestern eingestellt, und die kubanische Schweizerin kann geradezu emotional werden, wenn es um den dortigen Kaffee geht.
Aber mensch sitzt trotzdem netter als sonstwo in direkter Büroumgebung und bei den wechselhaften Talenten der Roten Insel gehört Kochen zu ihren Stärken.
Es war sehr schön, sehr angehm, sehr informativ und auch insofern hat die Nachurlaubs-Re-Integration für mich wieder funktioniert.
Fünf Minuten nach Wiederkehr wussten wir auch wieder, warum normalerweise nicht das komplette Team gleichzeitig länger beim Essen sein sollte. Aber das war es wert.
Links
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Christine aus den südfranzösischen Bergen: Nach dem Gewitter ist vor dem Gewitter
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Die Kaltmamsell auf einer Geburtstagsfeier in der Raketenstation Hombroich, Teil 1 und Teil 2 und Teil 3
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Karen zurück: Halbeuropatour ’26 (8): Malá Fatra-Kielce-Suwałki-Rīga-Tallinn-Turku. Wo mir wieder einfällt, dass ich in der Suwałki-Augustow-Mockawa-Ecke auch mal länger Urlaub machen will und nicht immer nur durchfahren.
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Auch eine Fährrückfahrt: [Fr, 24.7.2026 – Trüffel, Fähre, Hummeln]
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Der Flusskiesel besucht freundlicherweise Orte an die ich schon immer mal wollte, aber irgendwie nie hinkomme, und berichtet darüber: Militärhistorisches Museum der Bundeswehr – Flugplatz Berlin-Gatow
Kommentare
6 Kommentare zu „26-08-06 Sense and Schlagdengelapparat“
Ich bin freudig überrascht wegen des Sensenkurses. Als Kind vom Dorf haben wir das gelernt, die Sensen waren deutlich vor sowjetischer Produktion. Nur so fix wetzen wie der Vater konnten wir nie und Dengeln war Opa-Aufgabe. Ich fand Sense nicht so gefährlich wie Sicheln. Die sehen harmloser aus, aber da kann man auch deutlich Blutfluss verursachen.
Spannend. Ich dachte ja, Sensen hat mensch entweder mal als Kind gelernt oder es ist unmöglich reinzukommen. Und für einfach-mal-probieren erschien es dann doch zu scharf und zu sehr auf richtige Technik ausgerichte.
Ach, einfach ausprobieren. Welche Seite scharf ist, kann man gut erkennen und Körperteile fern halten. Und wetzen einfach langsamer. Ist Übungssache. Nur halt nicht währenddessen rumkaspern und Sense nicht rumliegen lassen.
Papa Kiesel kann ja sensen, auch wenn er es mangels Notwendigkeit nicht mehr tut. Für mich hatte das immer was von Zauberei, weil ich das Sensen als Kind einfach nicht gerafft habe.
Einmal, da war ich schon erwachsen, saßen wir nach einem samstäglichen Grillen abends leicht angeschickert hinter dem Elternhaus, da holte Papa Kiesel plötzlich so ein Teil aus Kuhhorn aus dem Keller. Das Horn konnte man sich an den Grütel klemmen. Ins Horn kam Wasser rein und dann der Wetzstein. So hatte man beim Sensen immer einen feuchten Wetzstein zur Hand.
Der (lokal?) plattdeutsche Name für das Horn ist übrigens „Schlockert“. Der heißt so, weil das Teil halt beim Sensen immer so schlockert.
Der „internationale“ Name dafür ist Kumpf. Das kommt vermutlich von Kuhhorn. Ich bin dazu aber zu blöd, ich bücke much zu oft nach irgendwas und dann kippt das Wasser aus.
Danke für die Info! „Kumpf“ kannte ich als Begriff noch nicht.