Kategorie: Alltag

  • 26-02-26 Produziert von Ruby de Cadence & moderiert von Gisela Kloppke

    26-02-26 Produziert von Ruby de Cadence & moderiert von Gisela Kloppke

    Im geschützten Innenhof der Südkreuz Offices schieben sich die ersten rosa Blätter aus den Knospen hervor.

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    Auf dem Weg zum Südkreuz-Office-Innenhof herrschte Nebel. Ich erwartete halb, dass Vincent Munier mit einer Kamera hinter einer Mülltonne hervorspringt und atmosphärische Aufnahmen für seinen nächsten Film „Der Gesang der Büroparks“ anfertigt.

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    In der S-Bahn: Eine Gruppe Frauen in Ver.di-Streikkleidung drängte sich in den Gang. Ich dachte „Haltet durch. An Euch hängt die westliche Zivilisation!“ Denn zwischen uns und dem Abgrund stehen vor allem Menschen, die noch zu organisierter zivilgesellschaftlich-politischer Aktion in der Lage sind – vor allem die Gewerkschaften.

    Ich hätte es ihnen auch sagen können. Aber ich fürchte der Gedankengang ist zu komplex für die zwei Minuten zwischen Innsbrucker Platz und Schöneberg.

    Passend dazu las ich eine Besprechung zu Anton Jägers Buch Hyperpolitik (hier noch im Regal der zu lesenden Bücher):

    Derzeit besonders schlüssig erscheint mir dieser Unterschied in Abgrenzung zur Massenpolitik des zwanzigsten Jahrhunderts. Jäger dazu: Die Massenpolitik der Zeit Webers war nicht weniger aufgeheizt als unsere hyperpolitische Ära. Sie war aber viel stärker institutionalisiert. Politik wird so zur Hyperpolitik, weil wir ihr alleine gegenüberstehen und weil die Instrumente der Vergemeinschaftung, derer wir uns bedienen, bloße Behelfe ohne Wirkung sind: Aus den sozialen Medien kommen wir nach politischen Auseinandersetzungen genauso raus wie wir reingegangen sind. Sie mögen wie politische Auseinandersetzung wirken, verändern aber nichts.

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    When Gemüslichkeit gives you a Riesenknolle Sellerie, make Sellerie-Ananas-Garnelen-Salat

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    Yorck Kinos berichten von stark steigenden Besucherzahlen in den letzten Jahren. Als Grund geben sie sinngemäß an: Gerade Jüngere entdecken Kino als Gemeinschaftserlebnis. Sofort denke ich wieder an High School Musical im Odeon als ein ganzer voller Kinosaal quasi jeden einzelnen Song mitsang und teilweise mittanzte.

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    Wir stellten fest: Wenn wir die neue Wohnung verlassen und dann einfach nur die Straße runterlaufen, landen wir nach gar nicht so viel Wegstrecke am Ku’damm. Spannend.

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    Im Vorgarten des Weißen Hauses wird ein Käfigmatch stattfinden. Und das ist auch alles was man derzeit über die US-Regierung wissen muss.

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    Angewandte Politikwissenschaft: IT-Berechtigungskonzepte.

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    Es waren drei Tage der Arbeit mit Burlesque-Billy-Wilder-Intermezzo

    Italia Starter Pack

    Am Dienstag begann das San Remo Festival. Die RAI stellte alle Songs auf Youtube, und wie immer gibt es von den fünf Abenden(!) des Wettbewerbs wieder einen Livestream.

    Ich habe mich erst einmal quer durch die Songs gezappt, weiß aber schon jetzt, dass Sayf gewinnen wird. So ein unfassbar unschuldig-verschmitztes Herzensbrecher-Lächeln ist der Top-Ass-Super-Trumpf in jedem Televoting: Sayf canta Tu mi piaci tanto

    Eine Erinnerung wird wach. Damals als wir bei der Wikimania im Hinterland des Lago di Como waren und der Programmpunkt Country Dancing im englischen Programmheft stand. Wir dachten an eine schräge Übersetzung ins Englische und erwarteten auf italienische Volkstänze. Und was passierte: Ein ganzes Dorf marschierte in Röcken, engen Jeans, Cowboystiefeln und mit Cowboyhüten auf und legte eine sehr eindrucksvolle Square Dance Performance auf dem Dorfplatz ab. Jetzt auch in San Remo: J-Ax canta Italia starter pack

    Große Augen = Lastschriftverfahren

    Weiterhin sind die Hälfte der Rolltreppen am Hauptbahnhof gesperrt und 90% der Rolltreppen am Südkreuz. Dienstag standen einige Techniker in den Rolltreppen und betrachteten ihr Handy. Das einzig erkennbare Ergebnis: Von Tag zu Tag nimmt Größe und Auffälligkeit der Absperrungen zu. Und so schleppen sich weiterhin alle mit Kind, Kegel, Koffer und Fahrrad die 90 Stufen bis zum Bahnsteig hoch oder stellen sich in die Schlange der beiden Fahrstühle.

    In dem, was 15 Minuten von der Wohnungstür bis zu den Südkreuz Offices sein sollten, bot die Deutsche Bahn eine Signalstörung am Bundesplatz auf, eine weitere Signalstörung in Tempelhof und die immer noch vorherrschende Großrolltreppenschadenslage.

    Ernstlich angefasst wurde ich aber erst beim letzten Hindernis im Bahnhof: Der Wegelagerertruppe, die meine Unterschrift unter einen Dauerauftrag zur Rettung flauschiger Kinder und ausgebeuteter Welpen haben wollte. Bei allen vorherigen Hindernissen kann ich immer noch sagen, das ist Unglück, Überforderung, Opfer der Umstände – aber die Entscheidung, die eigenen Fahrgäste den Geld-aus-der-Tasche-Ziehern vorzuwerfen, ist eben das – eine bewusste Entscheidung. Und die nehme ich der Bahn übel.

    Riesenpfauenfederfächer

    Some like it hot and some even hotter. In seinem Bestreben Kino als Gemeinschaftsevent zu verstärken, betreiben die Yorck-Kinos eine Menge Aktionen. Manchmal greifen sie auch nur geschickt das auf, was ihnen zugespielt wird.

    Le Ciné Burlesque – eine Burlesque-Show gefolgt von einem Filmklassiker – stammt als Idee aus der Berliner Burlesque-Szene, wurde aber geschickt aufgegriffen. So sehr, dass der „Chef des Hauses“ vom Cinema Paris selbst mit Stöckelschuhen, Kleid und Netzstrumpfhose auf der Bühne stand und dort die „Assistenz der Show“ Karen gab.

    Schon das Publikum war eine Show. Ich würde sagen, 80% weiblich im Outfit zwischen Metal-Hoodie und Glitzer-as-can-be. Ich könnte es zusammenfassen als „Komische-Oper-nach-dem-zweiten-Cocktail“.

    Unter der Moderation der bärtigen Diva Gisela Kloppke traten vier Acts mit sechs Nummern auf. Jade Pearl Baker sang, Jackie Lu und Ruby de Cadence und Rosi Rabbit tanzten.

    Spannend wie vielfältig es sein kann. An einem Ende der Skala Jackie Lu, die im weiteren Tanzleben als Profitänzerin zwischen AIDA-Shows, MDR Fernsehballett und Hollywoodkino lebt, der man die Jahre an Drill, Athletik und Perfektion ansah. Am anderen Ende Rosi Rabbit, Urgestein der Burlesque-Szene, Trainerin, Produzentin und alles was dazu gehört, mit einem normalmenschlicheren Körper aber einer ähnlich grandiosen Technik. Was Rosi mit diesen beiden Fächern in Original Pfauenradgröße anstellte – der Wahnsinn.

    In der Pause gab im Cinema-Paris-Foyer im Institut français Tombolalose, Signature Cocktails und Pasties, die von Mimi Oh la la handgefertigt wurden.

    Nobody’s perfect

    Nach der Pause kam nichts geringeres als Some Like it Hot. Ein Film, der so sehr Klassiker ist, dass selbst das Klassiker-Label gesprengt wird. Es war sehr schön, ihn endlich einmal auf einer großen Leinwand zu sehen, viele Gesichtsbewegungen, Kostüme und Ausstattungsdetails das erste Mal überhaupt zu bemerken.

    (Mal ganz abgesehen davon, dass wir beide den Eindruck hatten, ganze Szenen erstmalig zu sehen, die nie in der ARD/ZDF-Version vorkamen).

    Laut American Film Institute die beste amerikanische Komödie aller Zeiten. Laut Gisela Kloppke der Film, der einem kleinen glitzernden Jungen gezeigt hat, dass Männer in Frauenkleidern brillieren können. Und ach, einfach von Anfang bis Ende ein Meisterwerk.

    Tanzen, Schwimmen, Kekse essen

    Mehr Tanz! Zum Beispiel in Finnland in der 11.(?) Klasse.

    Damals am Toten Meer, als das Freibad bei 38 Grad Außentemperatur geschlossen war, „Saison ist vorbei. Es ist Herbst.“ Frau Brüllen ging schwimmen.

    The Mochi files.

    Herr Rau bespricht vier Jahre mit seinem Fairphone. Ich fühle vage mein Gefühl bestätigt, dass nicht die Hardware der entscheidende Faktor ist, sondern die Dauer wie lange das Betriebssystem aktualisiert wird. Da scheint mir Android auf dem Fairphone auch nicht weiter zu sein als iOS auf dem iPhone.

  • 26-02-24 Wir müssen unter der Kiefer noch nach Kot suchen

    26-02-24 Wir müssen unter der Kiefer noch nach Kot suchen

    Das Datum für das Einweihungs-Open-House steht. Die Einladung steht auch schon fast. Gestern fertigte ein freundlicher Kassenmitarbeiter noch ein freundliches Strandkorbfoto von uns beiden an.

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    Madame kehrte aus Basel zurück. Sie hatte knapp 25 Kilo Kaffee und Raclettekäse im Gepäck-

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    Letztens war hier im Haus ein Wasserballspiel mit Publikum. Und statt uns Bescheid zu sagen, hat die Badbesatzung nachträglich besorgt gefragt, ob uns der Lärm gestört hat. NEIN! Wir haben nichts gehört. Sonst wären wir ja dazu gekommen.

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    Auch wurde ich beim Duschen getadelt, weil wir zu den falschen Zeiten schwimmen gehen.

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    Vielleicht schreibe ich mal wieder einen Wikipedia-Artikel. Zur Zeit schwanke ich thematisch zwischen Morris und WEP.

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    Der Currywurststand gegenüber vom Eck-Edeka hat sonntags „Ruhige Tag“. Wir sollten uns daran ein Beispiel nehmen.

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    Vielleicht schreibe ich auch keinen Wikipedia-Artikel und mache öfter Ruhige Tag.

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    Miss Fluffy schrieb den ersten Durchgang eines Buchs, ich bin angemessen beeindruckt und begeistert.

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    Es war ein Sonntag im Garten und ein Montag mit Arbeit und Kino.

    Markierung und Markierungs-Vermeidung

    Nebenbei vertiefe ich mich weiter in das Fernuni-Modul zur Digitalen Diversität. Je tiefer ich mich eingrabe, je mehr Julia Krönung eigene Forschung einfließen lässt, desto beeindruckter werde ich.

    Angesichts seiner Zielgruppe muss das Modul vermutlich wirklich beim Urschleim anfangen und sich in Tipselschritten nach vorne bewegen. Angesichts des Umfelds ist vermutlich auch die vielfach abgesicherte Defensive vieler Aussagen erklärbar. Aber wenn es dann tiefer in den Stoff geht, freue ich mich an neu zu lernendem und inhaltlicher Substanz.

    Vielleicht wird BIGSI, der Lehrstuhl für Betriebs­wirtschafts­lehre, insb. Gestaltung soziotechnischer Informationssysteme doch ein Lehrstuhl für Seminar und Masterarbeit. Aber erstmal die Klausur überstehen.

    Das Schmatzen des Gartenbodens

    Wir sind aufgetaut. Der Garten ist aufgetaut. Ein guter Zeitpunkt, um zu schauen, wie er den Frost überstand.

    Wir fuhren auf die Latifundien, sondierten Rohre und Innenräume (sieht alles gut aus) suchten im Garten nach offensichtlichem Erfrorenem (nichts) und Frühlingsanzeichen (wenig).

    Auf den Feldern nördlich und südlich der Latifundien bilden sich schon wieder Nordsee und Südsee. Diese sind im Vergleich zu vorherigen Jahren noch schmächtig.

    Noch ist es norddeutscher Winter mit Regen und Wind, noch ist es kein Frühling. Noch haben wir nach etwas Logistik, etwas Kontrolle und dreimaligem Durchatmen wieder unsere Sachen gepackt und sind zurück nach Wilmersdorf gefahren.

    Einzelne Zweige eines Apfelbaums im Spätzwinter. Einzelne Wassertropfen hängen am Baum, Knospen sind erkennbar, ebenso wie Flechten an den Zweigen. Im Hintergrund nasser grüner und brauner Boden, ein Beet, das vor allem aus schwarzen Stauden des Vorjahres besteht.

    Der Gesang der Wälder

    Ich entdeckte: Es existiert eine Bus-Direttissima mit dem 249er von unserer Wohnung zum Cinema Paris. Das heißt, ich könnte vom Südkreuz aus über den Ku’damm zum After-Work-Kino fahren und dann direkt nach Hause.

    Ich entdeckte: Neben dem Cinema Paris eröffnet ein bis 24 Uhr geöffnetere Rewe. Gut für Einkäufe nach dem After-Work-Kino.

    Es gab Le Chant des forêts / Das Flüstern der Wälder12. Der französische Dokumentarfilmer Vincent Munier filmt wie er, sein Vater Michel Munier und sein Sohn Simon Munier in den heimischen Vogesen die Natur beobachten. Naturaufnahmen überwiegen, Menschen kommen spärlich ins Bild und zu Wort. Es gibt wenig Dialoge, eher kurze Erzählungen von Michel Munier (Opa) gegenüber Simon (Enkel).

    Da Michels Herzensvogel das Auerhuhn in den Vogesen inzwischen nicht mehr auffindbar ist, absolvieren sie eine Reise nach Norwegen, um es dort zu finden. Aber, der Film geht konsequent von der Spur zum Geräusch zum Bild, finden sie seinen Kot – den Munier früher nutzte, um das Haus nach Kiefernharz riechen zu lassen.

    Beeindruckend: Die Naturaufnahmen. Das langsame Erzähltempo. Die Tatsache, dass Tiere vor allem als Geräusch vorkommen (der titelgebende Gesang der Wälder) und nur mit Glück gesehen werden können. Vincent Munier schafft es das Gefühl vom Übernachten an der Beobachtungsstelle zu vermitteln, vom improvisierten Lagerfeuer, vom Stapfen durch den Schnee.

    Weniger beeindruckend: Zwei Drittel der Aufnahmen bestehen aus Nebel oder Gegenlicht oder Nebel im Gegenlicht. Manchmal hatte ich das Gefühl eines Fünf-Gang-Menüs bei dem alle fünf Gänge aus Sahne und Zucker bestehen. Auch war der Gesang der Wälder großartig, der nicht-Gesang schwierig. Zu viele Szenen sind nicht nur Natur-Tonspur, sondern sie werden mit einem quatschigen New-Age-Geklimper unterlegt. Als würde Munier (oder sein Produzent) dem eigenen Material nicht trauen und dies noch unbedingt bis zum Anschlag aufpimpen wollen – welch Verschwendung.

    Ach, dieses Eis

    Frau Krautundrübe ging ins Burgtheater: Wien, Wien (1)

    Christiane war bei den Mimosen: Mimosen – outdoor

    Eis eins: Der kleine Laden war nur spärlich besetzt und ihre ‚Coupe Noisette‘ ist eine meiner Lieblinge. Zudem dachte ich, dass ich ein Zeichen setzen sollte, ein Wink mit dem Scheunentor an das Universum und gerade jetzt ein Eis verspeise

    Eis zwei: Daheim dann der skurrilste Moment des Tages: es hatte sich ein richtiger Schneesturm entwickelt, wir waren sehr froh, als wir im warmen Haus waren, da dingelte es draussen und… es hielt ein Eiswagen vor der Tür. Wir haben so ein bisschen perplex geguckt, da ist er bimmelnd weitergefahren und aus allen Häusern sind die Leute rausgeströmt (im Schneesturm) und haben halt Eis gekauft.

    Bubble Tea eins: As you may have read on the news, there is currently a blizzard hitting New York City, so I did the reasonable thing to do and hunkered down under a warm blanket went outside to try a new boba shop!

    Herr Buddenbohm sah den Meyerhoff-Film: Wir waren beide hochzufrieden. Und, noch wesentlich erstaunlicher, die Herzdame war nach dem Film nicht mehr übellaunig.

    Anmerkungen

    1. Yorck-Unlimited-Besuch No. 12 – 19,83€ pro Besuch ↩︎
    2. Sehr eigenwilliger deutscher Titel mal wieder – der Wald im Film trötet, rumpelt, röhrt. kreischt, zwitschert – er singt. Aber er flüstert nicht, nur die Menschen flüstern. ↩︎
  • 26-02-21 Westberlinfahrten

    26-02-21 Westberlinfahrten

    Eine Parfümwolke umhüllte mich in der U-Bahn. Geschmacksrichtung: Kirschbonbon.

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    Das Knirschen von Streusplit begleitet meine Wege. Vor der Autowaschanlage bildete sich eine epische Schlange: 40 Autos? 50 Autos? Samstagvormittag und das Ende von Eis und Schnee kombinierten sich zur höchsten Autowaschanlagenbetreiberbeglückung.

    Endlich kann ich wieder lüften ohne die Wohnung sofort in einen Iglu zu verwandeln.

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    Paten-E liebt Spätzle.

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    An der Bushaltestelle erzählte eine junge Frau in hippiesker Aufmachung ihrer Freundin wie sie anlässlich einer Buchmesse das erste mal in einem Edel-Business-Hotel übernachtete: „Es war crazy aber auch inspirierend.“

    Im Eck-Edeka erzählte mir eine etwas ältere Frau im Brustton tiefer Überzeugung: „Was soll ich mit Wein? Ich brauch Bier!“

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    Kaum hatte ich Donnerstag geschrieben, dass meine Hilfsbereitschaft für den Monat aufgebraucht ist, bekam ich eine Mail von einem der fünf Menschen, die mich jederzeit wegen privaten IT-Problemen kontaktieren dürfen.

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    Das syrische Restaurant Planet Cuisine am Kleistpark bietet ein Ramadan-Menü mit Hauptgericht (2 Speisen nach Wahl), Ayran und Datteln. Das kommt auf die innere Liste.

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    Der steigende Zuzug von Inder*innen nach Berlin zeigt sich an der steigenden Zahl von Lebensmittelläden mit indischen Produkten. Eine begrüßenswerte Erscheinung.

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    Es kommt der Punkt im Arbeitsleben an dem ich mich frage „Können unsere Kassenrechner eigentlich Sound ausgeben?“

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    Am Südkreuz eröffnete Bäcker Dreißig by Wöllhaf. Der Moabiter schleppte mich in der Hoffnung auf Eröffnungsangebote hin. Aber es gab nichts besseres als „Sechs Brötchen für den Preis von fünf.“

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    Beim Kaptain fiel nachts um vier bei Minusgraden und starkem Ostwind die Heizung aus. Der örtliche Sänitär- und Heizungshandwerker verwies auf viele andere ausgefallene Heizungen und erklärte Unpässlichkeit.

    Zum Glück scheint beim Anderen, erfahrungsgemäß schwierigen, Heizungdienst mittlerweile ein Generationswechsel stattgefunden zu haben: der Sohn erwies sich als ungeahnt schnell, freundlich und verbindlich.

    Oh wie schön ist ein warmes Haus.

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    Es war ein Arbeitsfreitag und ein Gruschtelsamstag.

    Am 20. März findet die Klausur statt

    Langsam lerne ich etwas ernsthafter für die Digitale-Diversitäts-Klausur. Dabei lernte ich Neues gelernt: Nicht unbedingt inhaltlich im Kern, aber doch, dass dafür inzwischen feste etablierte Theorieanätze existieren:

    • Die IT-Identität (im Sinne von „Mein Dauergamen / meine Programmierkenntnisse / meine Teilnahme an der eSports-Excel-Weltmeisterschaft sind Teil meiner Identität genau wie Geschlecht, Ethnie, und Überzeugungen)
    • Stereotype threat / Stereotype lift: Wenn Menschen wissen, dass ihre Gruppe bei einer Aufgabe als stereotypisch „schlecht abschneidend“ angesehen wird und sie befürchten durch ihr eigenes ungenügendes Abschneiden dieses Stereotyp in der Situation zu verstärken, führt allein dieses Wissen und die Befürchtung zu schlechteren Leistungen. Im speziellen Fall „Digitale Diversität“ erklärt am alten Klassiker Frauen-und-Mint. Und es führt natürlich auch zur Problemvermeidung, indem sich Mitglieder der entsprechenden Gruppen gar nicht erst in entsprechende Sitiuationen begeben.

    Immer wieder nett, „eigene“ Bücher in der Oxfam-Verkaufsauslage zu sehen

    Ausgelesen: Dashiell Hammetts The Dain Curse. Meine zwischenzeitlich schwindende Liebe zum Buch kehrte zurück. Dazu irgendwann mehr. An sich ging es diese Tage eher darum, Bücher durch die Gegend zu fahren als darum, sie zu lesen.

    Es waren Tage der Buchlogistik. Mein Versuch in Schöneberg ein Büchereibuch abzuholen, scheiterte am Bibliotheksausweis. Dieser war zwischen Bestellung und Abholung abgelaufen. Man könnte denken: „Prima, du warst ja eh gerade in der Bücherei.“ Aber ha! Diese spezielle Zweigstelle wird von Ehrenamtlichen betrieben, die keine Stammdaten bearbeiten dürfen. Nicht einmal, um profan Ausweise zu verlängern.

    Also begab ich mich nach Wilmersdorf für ein Miniabenteuer: Meinem Erstbesuch in der eigentlich örtlich für uns zuständigen Dietrich-Bonhoeffer-Bibliothek. Die war freundlich und höflich, aber diese Bibliothekar*innen eigene innere Begeisterung und Drang anderen Menschen zum Lesen und Wissen zu verhelfen, fehlte; sowohl am Tresen wie auch in der ganzen Ausstattung. Irgendwie fühlte sich das emotional kalt an. Ich werde weiter beobachten.

    Also dann mit gültigem Ausweis zurück nach Schöneberg, um Exhalation: Stories von Ted Chiang abzuholen. Immerhin ist mein Jahresmotto ja „Einatmen – Ausatmen.“ In der Thomas-Dehler-Bibliothek habe ich wieder Menschen getroffen, die einem am liebsten sofort die ganze Bibliothek zeigen und vorführen würden und ihre Lieblingsbücher präsentieren – wie ich es kenne.

    Am Samstag absolvierte ich den Gang, den wir seit Monaten hinter uns bringen, und wohl auch noch in sinkender Intensität hinter uns bringen: Ich brachte Bücher zu Oxfam. „Guten Tag, ich habe eine Tasche Buch.“

    Der 101er-Bus hält neben dem Schillertheater

    Während ich dies schreibe, sitzt Madame im ICE 278 Basel->Berlin. Überraschenderweise wird dieser am Bahnhof Zoo halten. Noch überraschendererweise ist das für uns von Belang.

    Es ist spannend. Eigentlich sind wir nur zwei Kilometer parallel zum S-Bahn-Ring gezogen. Aber „unser Berlin“ fühlt sich anders an. Nicht nur im Nahbereich, Alt-Wilmersdorf ist deutlich kleinstädtischer als Alt-Schöneberg. Auch im weiteren Verlauf: Wir sind in einer anderen Einfahrtsschneise in die Stadt gelandet.

    Fielen wir bis 2025 in den Bus oder die S-Bahn auf dem Weg „in die Stadt“ landeten wir entweder an der Schloßstraße in Steglitz oder irgendwo zwischen Potsdamer Platz und Friedrichstraße, da wo auch Brandenburger Tor, Unter den Linden und viele Ministerien sind. Eine Gegend, die bis 1990 oft brach lag, sich seit 1990 neu erfunden hat.

    Ab 2026 führt uns der Weg „in die Stadt“ in Richtung Zoo, Wittenbergplatz, Ku’damm. Das klassische Westberlin. Eine Gegend, die sich immernoch neu finden muss und den Verlust der zentralen Berliner Stadtzentrumsrolle verknusen.

    Und auch wir müssen uns noch finden. Festgestellt: Hit Markt Ulrich am Bahnhof Zoo kann ein ganz normaler Supermarkt auf dem Weg nach Hause sein. Einschließlich des sehr selbstvergessenen Menschen, der auf einer kleinen Eisfläche schnelle Umdrehungen um sich selber machte, der Dame, die dem wartenden Ampelpublikum lautstark etwas verworrenes von Menschenrechten erzählte und dem was die Zeitung wohl „Auseinandersetzung im Obdachlosenmilieu“ nennen würde – immerhin ohne Gewalt.

    Langsam lerne ich die Orientierung durch die Labyrinth-U-Bahn-Station Fehrbelliner Platz. Noch nicht lerne ich, dass ich in der U7 von Schöneberg aus meist nach Westen will und nicht nach Osten.

    Nächtlicher Blick von der Kreuzung am Bahnhof Zoo Richtung Ku'damm. Eine Radfahrerin im Vordergrund, Autos, Teile des Bikinis Hauses und des Zoo-Palastes. Im Hintergrund Europa-Center und Kaiser-Wilhelm-Gedächtnis-KIrche

    Das Sakral muss anspringen

    In einem Blog las ich die Formulierung „das Sakral muss anspringen“ führ „es muss sich richtig anfühlen“, und ich möchte die bitte übernehmen, allein schon um meinen Mitmenschen auf den Keks zu gehen.

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    Jens Bemme über die (wikipedistische) Erschließung historischer sächsischer Tanzkarten: Ordnung muss sein. Extra-Touren mit historischen Tanzkarten – und mit GLAM

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    Johannes mit einem Rückblick auf die Kreuzberger Konzertkasse Koka 36.

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    Christiane war in der Mimosen-Forcerie.

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    Angela und Holger auf dem Karneval in A Coruña.

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    Gestern verschlungenes Unterwegssein mit verschiedenen Zielen. Sitze in der U-Bahn auf dem Weg von der Friseurin nachhause und lese in meinem Buch, „Herkunft“ von Saša Stanišic. Ein Mann steht auf und sagt, während er auf dem Weg zur Tür ist, „das ist ein sehr guter Autor“. Bin erstaunt, dass jemand etwas sagt, einmal, und kann nur kurz zustimmen, was ihn freut.

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    In Hamburg hatte ich nur das Bett und den Schreibtisch. Wie im Hotel. Da kann ich auch nicht lesen. Außer ich verreise mit meiner Frau, wenn sie neben mir liegt, dann lese ich bis in die Nacht hinein. Vielleicht liegt es auch an ihr und nicht am Bett.

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    I’m autistic. Don’t panic. […] Some people who know me may be very surprised to read that I’m autistic. Others will be surprised that it took me so long to figure it out. I understand both.

  • 26-02-19 The Rest is Silence

    26-02-19 The Rest is Silence

    Ich versuche den Frühling herbeizuziehen, indem ich möglichst oft die Wetterseite im Internet öffne. Irgendwann sollen es zehn Grad werden!

    Währenddessen berichtet der Kaptain von Schneeverwehungen in Dithmarschen. Kurz darauf ein Video-Meeting mit einem Dienstleister aus Nordfriesland, der von seinen Schneebergen erzählt.

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    Madame besuchte mit Miss Candy Bar den Zoo das Naturkundemuseum den Zoo in Basel. Sie sahen Flamingos.

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    Mich besuchte eine Kohlmeise. Einmal kurz das Fenster zum Lüften geöffnet, schon hing der niedliche Vogel auf der falschen Seite vom Schlafzimmerfenster.

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    Ich hätte nicht das Bild von der Reparatur-Rolltreppe am Südkreuz posten sollen. Postwendend kam die Nachricht: Wie ein Sprecher der Deutschen Bahn dem rbb am Mittwochabend sagte, sind bei einem bestimmten Rolltreppen-Typ zuletzt Defekte am Getriebe aufgetreten. Als Vorsichtsmaßnahme seien nun am Hauptbahnhof 42 von 50 Rolltreppen außer Betrieb genommen worden. Am Bahnhof Südkreuz seien 10 von 20 Rolltreppen betroffen.

    Und die anderen 10 sind vermutlich sowieso grad in Reparatur.

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    Es waren drei Tage der Arbeit ohne Madame mit Kino und Gemüseabholung.

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    Eigentlich finde ich, es reicht, dass ich acht Stunden am Tag aufmerksam und verbindlich bin und versuche schnell und umfassend in allen (IT-)Lebenslagen zu helfen. Den Rest der Zeit darf ich dann auch selbstvergessen rumgrummeln.

    Manchmal lässt es sich nicht vermeiden.

    Mittwoch absolvierte ich meine guten Taten für den Monat.

    Morgens leitete ich einen jungen Mann, der drei Worte englisch sprach und anscheinend auch mit lateinischen Buchstaben Probleme hatte aus der S-Bahn und zu seinem Gleis Richtung FEX zum BER.

    Abends half ich der älteren Dame an der Gemüsli-Abholstation, die das dort übliche es-ist-dunkel-und-immer-fehlt-eine-Hand-Problem hatte, indem ich leuchtete und ansagte, was sie einpacken kann.

    Damit ist auch gut für den Februar.

    Solawi am Fußballplatz

    Wir sind ja „damals“ (im Spätsommer 2025) der Solawi Gemüslichkeit unter anderem deshalb beigetreten, weil der Abholpunkt praktisch lag. Nicht ahnten wir, dass wir schon kurz darauf umziehen würden. Jetzt liegt der ABholpunkt immer noch okay. Aber vor allem ist das Projekt sympathisch.

    Falls wir je wechseln wollten (oder die Gemüslichkeit langfristig doch zu sehr auf Kante genäht ist): Das Gemüse Syndikat ist ein Zusammenschluss zweier Höfe, einer davon in Kremmen, und hat seine Lieferstation im Nachbarschaftshaus an der Wilmersdorfer Dorfaue am Ufer des Sees Fußballplatzes.

    Essig? Apfelsaft?

    Der Ortsteil Neukölln im Bezirk Neukölln ist spannend. Im Wesentlichen verläuft er entlang dreier Ausfallstraßen Richtung Brandenburg. Im Osten die Sonnenallee, die so nah an Little Arabia kommt wie nur irgendmöglich. Laut, bunt, anstrengend, spannend.

    Im Westen die Hermannstraße: Auch irgendwie Neukölln, aber im Vergleich immer etwas leblos, leer nicht wirklich wissend ob das jetzt wirklich schon Neukölln oder eher hippes Kreuzberg oder doch Brandenburg sein möchte.

    Dazwischen: Die Karl-Marx-Straße: Die Straße in der migrantisches Kultur und Hipstertum zusammen jede Menge Handy-Flagship-Stores, schicke Cafés und Imbisse jeder Art hervorzauberten. Dort findet sich ein edler Kunstbedarfsladen neben Import-Exports, zudem auch der Heimathafen Neukölln, die Neuköllner Oper und das Passage Kino.

    Alfred-Scholz-Platz Neukölln. Eine leichte Schneedecke, Einige Menschen sind zu Fuß unterwegs. Abendlicht eines trüben Tages. Im HIntergrund ein beleuchtetes Werbeplakat.

    Das einzig mir bekannte Yorck-Kino mit Kronleuchter und im Sommer einem Klavier auf dem Innenhof. Spannende Gegend.

    Überraschend im Saal: Ein leichter Geruch umwehte mich kurz währned des Films. Zu schwach um zu stören, aber merkbar genug um Interesse zu wecken. Säuerlich-durchdringend. Erst dachte ich: Fermentation. Aber dazu war es irgendwie zu sauer. Dann „Essig“, dafür war es aber nicht durchdringend genug. Am Ende einigte ich mich auf vergorenen Apfelsaft. Gar nicht unpassend für einen Film, der im 15. Jahrhundert spielt und naturnah angelegt ist.

    Aber was machte der Geruch im Kino?

    Agnes

    Im Kino gewesen: Hamnet1. Ein wenig hatte ich mich gedrückt, weil mir der Trailer zu sehr „amerikanisch-hollywood-konventionell“ war. Welch Irrtum!

    • Ich bin eher nicht der Typ, der im Kino heult. Aber diesmal erforderte es starkes Zusammenreißen und Taschentücher habe ich auch benötigt. Womit ich in dem Kinosaal bei weitem nicht die einzige Person war.
    • Ich habe nur sehr sehr selten so derart klug gebaute Filme gesehen. Da passte einfach alles, vom Plotaufbau über die Bilder, Räume, Kostüme und die Musik.
    • Womit der Film in seiner Mischung aus Klugheit und emotionaler Wucht dem echten Shakespeare überraschend nahe kommt.

    Wikipedia-Diskussionsseiten

    Porträt des Autors als Trommelhase ohne Duracell. Und da steht man dann, in seinem rosafarbenen Plüsch, und fühlt sich seltsam sinnlos.

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    Wo sind die Audiokommentare hin? Auf den DVDs waren die oft spannender als der eigentliche Film. Immerhin fand ich zu Hamnet ein Video: Paul Mescal, Jessie Buckley & Director Chloe Zhao Break Down a Scene From ‚Hamnet‘

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    Ein klassischer Fall von „Schau halt aus dem Fenster.“ Aber „Will haben“

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    Herr Feinanteil fährt in die große Stadt: Wenn wir in Berlin sind versuchen wir uns immer an einem neuen Stadtteil, um das Flair dort möglichst direkt zu kosten. Die Unterschiede sind bislang kleiner, als man denkt. Was uns dieses Mal z.B. sofort auffällt: in Friedrichshain, aber auch im Rest von Berlin wird flächendeckend gegen die Räum- und Streupflicht auf Gehwegen verstoßen.

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    Holger verweist auf die Wikipedia-Diskussionsseite(!) zur Frage A Coruña oder La Coruña. Und dann legt er nach:

    Ich hatte mich ursprünglich hauptsächlich darum gekümmert, dass der [Wikipedia-]Artikel über Rasenmäherrennen auf dem aktuellen Stand kommt, weil ich damals quasi die deutsche Meisterschaft erfunden habe (eRWM , ist ne andere Geschichte). Der damals vorhandene Artikel war absolut veraltet, wie das manchmal so ist bei Themen, die nicht alle interessieren (Da könnte ich eigentlich mal wieder reingucken…). Ich habe gerade in meinem eigenen Wikipedia-Account nachgeschaut: Dort ist der letzte, der älteste Eintrag in meiner Edit-Liste vom 21 September 2006. Juhu: Ich habe ein Jubiläumsjahr – 20 Jahre aktiv bei Wikipedia! Das ist schon erstaunlich lange,

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    There’s a story behind every Wikipedia edit. This here is just one out of many millions. It starts from an award for LGBT reality TV stars and ends with Biblical Hebrew vowels and a village in Cornwall.

    Anmerkungen

    1. Yorck Unlimited Besuch No. 11 – also 21,64€ pro Besuch. ↩︎

  • 26-02-17 Trecker, Wolfsriss und ein Dirigent in Pritzwalk

    26-02-17 Trecker, Wolfsriss und ein Dirigent in Pritzwalk

    Madame kaufte ein gebrauchtes Buch. Im Buch: Ein Bibliotheksstempel aus Wales. Gerade mal ein Jahr alt. Wir rätseln, was wohl passierte damit die Caernarfon library das Buch bereits nach einem Jahr wieder aussortierte. Die Hälfte der bibliothekseigenen Beschriftung ist in walisisch. Wie schön.

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    Der Winter ist nicht vorbei, solange nicht Berlinale war. Auch dieses Jahr.

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    Wobei unser Berlinale-Besuch ausfiel. Der einzige Film, für den wir in geeignetem Kino zu geeigneter Zeit noch Karten bekamen, entpuppte sich auf den zweiten Blick nicht als athmosphärisch düsterer Film über Textilfabriken in Indonesien sondern als ausgemachter Tricktechnik-reicher-Horrorstreifen mit viel Kunstblut, worauf wir dann beide keine Lust hatten.

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    Weiter gelesen: Dashiell Hammetts The Dain Curse. Zwischenzeitlich frage ich mich, obwohl es in Hammetts Hirn eine Verbindung von The Main Course zu The Dain Curse gab. Inzwischen bin ich in Teil 3 und frage mich, ob er nicht selbst für mich zu sehr ins Alberne abgleitet. Aber ich werde sehen.

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    Die Welt warf einen verspäteten Zug, einen Toilettenraucher, eine gesprungene Scheibe und eine Verspätung wegen der Verspätung auf Madame. Aber es gelang ihr mit ICE371 nach Basel durchzukommen. Mir ist noch unklar, ob die Scheibe sprang als der Raucher entschärft werden musste.

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    Ich meldete mich für die Klausur zur Digitalen Diversität an. Ich beschloss, dass mir das inhaltlich gar nichts Neues gegenüber meinem aktuellen Kenntnisstand abverlangt, und ich die für die Klausur nötige Auswendiglernerei schon mit überschaubarem Aufwand hinbekommen werde.

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    Es war ein Sonntag der Heimerholung und ein Montag der Arbeit.

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    Beim Postwestfalen lese ich: Ich weiß nicht, ob sie wirklich neu ist oder ob ich sie einfach bislang nicht wahrgenommen hatte, jedenfalls habe ich den Eindruck, die Baustellen, große wie kleine, werden ständig mehr, nie wird eine fertig. Auch das wird langsam etwas unheimlich, wobei es mir fernliegt, daraus eine Verschwörung oder ähnlich finstere Pläne abzuleiten.

    Ich weiß auch nicht wie er darauf kommt.

    Bild einer Rolltreppen-Baustelle. Die Baustelle abgesperrt, die Rolltreppe nur noch in Teilen vorhanden, drei Gestalten in der Ferne mit Warnweste. Dazu ein Schild "Erneuerung der Rolltreppe bis Dezember 2025." Aufgenommen wurde das Bild im Februar 2026.

    Vandalismus-Touch-Feier

    Es ist nicht alles perfekt an dieser Wohnung. Sonntagabend stellte ich die gelbe Tonne an die Straße, Montagmorgen bekam ich sie ohne Decke und mit gerissenem Griff (?!?) zurück. Aber hier gibt es eine Hauseigentümerin, die das interessiert, die sich kümmert und darüber auch noch mit uns redet.

    Und wo ich bei der Wohnungsbeschwerung sind: das Touch-Bedienfeld am Induktionsherd, das wir nicht vermeiden konnten, ist genau so ein umständlicher Blödsinn wie vorher geahnt. Aber es gibt zum Glück schlimmere Probleme.

    Noch drei volle Umzugskartons. Bereits letzte Woche kam das Umzugsunternehmen und holte weitere 27 leere Kartons ab. Die letzten drei Kartons werden wir bezeiten über den Altpapiercontainer oder die BSR entsorgen.

    Damit konnten wir auch ein Datum für eine kleine Einzugsfeier festlegen. Vermutlich werden es ein paar Stunden Open House bzw. Open Wohnung werden, an der Interessierte mal reinschauen können, ein paar Stullen abgreifen, eine Miniatur-Wohnungsführung bekommen und dann wieder gehen.

    Sie wird seltsamerweise (nachmittags) an genau dem Tag stattfinden an dem ich (vormittags) die Klausur Digitale Diversität schreiben werden. Das aber passt ja zum Einzug, der quasi auch nahtlos an die Bachelorprüfung anschloss.

    Natürlich seid ihr Tapferen, die bis hierhin gelesen haben, eingeladen. Wer aufmerksam mitliest, wird sich vermutlich eh erschließen können, wo genau wir wohnen – aber wer kommen mag, melde sich doch einfach für Details.

    Ihr erster Trecker

    Unsere solidarische Landwirtschaft, die Gemüslichkeit, hatte Hybrid-Mitgliederversammlung. Es war spannend. So spannend.

    1. Dachte ich allgemein: Das ist ja wirklich wie im Bilderbuch. Zwei bis fünf Leute, die weitgehend in Handarbeit einen Miniatur-Acker (0,75 Hektar) bewirtschaften und daher kommt unser Gemüse. Die Äpfel pflückt ein Rentner von der alten Streuobstwiese, den Käse macht eine Schäferin im Alleinbetrieb in der Prignitz. Noch näher-an-der-Natur geht es nicht.
    2. Der Wirtschaftsinformatiker dachte die ganze Zeit „Oh Gott oh Gott. Das kann nicht funktionieren. Das ist so sehr auf Kante genäht und so ohne jede Reserve. Oh Gott!“
    3. Der Sozialromantiker in mir: Und trotzdem machen sie es. Yeah! Nieder mit Hoch auf!

    Das gemüsliche Detail

    Die Versammlung des Vereins fand vor Ort in Wittenberge in der Prignitz statt, es ließ sich aber auch über das Konferentprogramm Big Blue Button teilnehmen. Wir fanden es kontraproduktiv für eine Versammlung einen ganzen Tag durch die Gegend zu fahren und nahmen per Video teil. Wir lernten, beziehungsweise wiederholten:

    • Die Solawi besteht aus einem Verein, in dem wir Mitglied sind. Dieser bezahlt den rechtlich unabhängigen Gartenbaubetrieb Levin Müller. Faktisch sind beide Entitäten eng miteinander verschmolzen, so dass es in der Versammlung um beides ging.
    • Der Gartenbaubetrieb plant 2026 mit 2,7 Vollzeitäquivalent-Stellen, die 0,75 Hektar Acker bewirtschaften, zu einem Großteil in Handarbeit und vollständig in Superbioplus-Qualität.
    • Das Gemüse wird einmal die Woche an Abholstationen in der Prignitz und in Berlin ausgeliefert. Es gibt was es gibt.
    • Dank Förderprogrammen konnte letztes Jahr ein erster kleiner Trecker und eine etwas professionellere Bewässerung angeschafft werden.
    • Zum Netzwerk gehören ein Rentner, der eine Streuobstwiese pflegt, eine Schäferin und ein Bäcker.
    • Der Bäcker Lam Trần Đình lernte ursprünglich das Dirigieren am Konzerthaus Berlin und der Bayerischen Kammerphilharmonie bevor er Chordirektor und Kapellmeister am Theater Kiel wurde. Dann hatte er keine Lust mehr und machte eine Lehre zum Sauerteigbäcker in Berlin-Moabit bevor er sich mit seiner Ein-Mann-Bäckerei in Pritzwalk selbstständig machte. Zur Zeit hat er drei Backtage, weil er Dienstag in Berlin-Dahlem dirigieren muss. Und nachdem er hingebungsvoll von seinen Roggen- und Mischbroten erzählte, und bei jedem Zuhörer große Lust auf sein Brot weckte, kündigte er an, dass der Aufwand für die Solawi zu groß ist – er bäckt nur noch in der Prignitz.
    • Schäferin Anna Winter erzählte unschönes vom Wolf, der auch hier Schafe riss und neue schwerer umständlichere Zäune nötig macht. Wir freuten uns, dass die Schäferin mit bayerischem Akzent ihren Halloumi, der nicht Halloumi heißen kann, dann halt Hallodri nannte.
    • Sympathisch auch, dass sie vor allem in die Prignitz und die dortigen Küchen streben. Aber solange sie von der Prignitz alleine nicht leben können, unterstützen wir gerne, zumal wenn wir dafür komplett großartiges Gemüse abgreifen.

    Falls jemand dies als (unbeauftragte, unbezahlte) Werbung ansieht: Stimmt, soll es sein. Zeichnet Anteile. Ist super.

    Mandelblüte @Jihad

    Ich freue mich, wenn Margrit den Haselanten als eben solchen bezeichnet: Im Nachhinein denke ich, ich hätte noch Gespräch abgebrochen wegen unfähiger KI sagen sollen. Falls mal ein Nicht-Haselant diese Gesprächsverläufe auswertet.

    Hier hat rechtzeitig zur Berlinale mit sibirischem Minustemperatur-Wind einzug gehalten, woanders blühen die Mandeln.

    Der Einzug in ein neues Heim und so viele Kleinigkeiten und Großigkeiten, die es zu erledigen gilt. Ausgabe Wunnibar: 27. Oktober – 09. November 2025

    Ein Handwerker braucht meinen Wohnungsschlüssel, um einem möglichen Leck in der Wasserleitung nachzugehen. Es ist ein netter Typ, berlinert, er gibt mir seine Nummer. Auf Telegram erscheint er mit dem Usernamen @Jihad.

  • 26-02-15 Julien!

    26-02-15 Julien!

    Madame und die evangelische Musiklehrerin saunierten zu Limone-Eis.

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    Wir nutzten die eisfreien Wege und den Besuch aus Hamburg-Einbeck zu einem Spaziergang durch unseren neuen Kiez: Alt-Wilmersdorf.

    Es ist immer noch faszinierend zu sehen, dass ganze historische Struktur Alt-Wilmersdorfs mit Straßen, Grundstücksgrenzen und Gebäuden auf einen See ausgerichtet ist – der nicht mehr existiert. Alt-Wilmersdorf schmiegt sich an einen Fußballplatz. der auf dem zugeschütteten See errichtet wurde. Kirche, Herrenhaus und ehemalige Bürgerhäuser haben großzügige Gartengrundstücke, die auf den Fußballplatz zulaufen.

    Dabei entdeckt: Der Schölerpark, ein ehemaliger Barockpark, der sich im Laufe der Jahrhunderte in eine naturnahe ruhige Grünoase am See Fußballplatz verwandelte.

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    Zum Abschied gab es ein Strandkorbfoto, denn in unserem Schwimmbadfoyer haben wir jetzt Zugriff auf einen Haus-Strandkorb.

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    Schwerer Fehler: Im Fire 1973 bestellte ich einen Ananassalat1, der relativ großzügig mit Chilis versehen war. Und vielleicht muss ich mich jetzt den Rest meines Lebens nur noch von diesem Ananassalat ernähren. Vielleicht im Wechsel mit den Marillenknödeln der Nussbaumerin.

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    Der Kaptain experimentiert mit Smoothies. Ich finde das sehr spannend.

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    Im Café in Zehlendorf hörte ich den ausdauernden Vortrag einer (semi)professionellen Zahnarztfunktionärin am Nachbartisch. Ich hoffte auf Details zum Versorgungswerk-Skandal, leider aber war es im Wesentlichen eine exorbitante Bejammerung ihrer mangelnden Anerkennung. („Ich dachte das ist wie in der Wirtschaft – wer gut ist, kommt nach oben. Dem ist aber in der Politik nicht so!“)

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    Es war ein Freitag und Samstag mit Besuch und Aktivitäten.

    Mid-century Noir

    Kreuzberg, 2026

    Plottwist: Ich war auf dem Weg zu einem Kinofilm, bei dem ein zentraler Plotpunkt ist, dass die Hauptperson im Fahrstuhl feststeckt. Und was passiert: Ich stecke in der U-Bahn fest. Gut 20 Minuten standen wir im Bahnhof Yorckstraße, betreut von einer zunehmend genervten U-Bahnfahrerin und einem rustikaler Mann mit Warnweste. Wir, an den Scheiben kratzend in den Waggons wie im Zoo, auf dem Bahnsteig die stets zunehmende Menschenmenge, die gerne fahren würde aber nicht konnte.

    Am Ende „wir müssen evakuieren!“ Sie öffneten eine Tür per Notöffnung, und unter dem Warnpiepen der Tür ergoss sich die ganze U-Bahn in den Bahnhof. Angesichts des zu erwartbaren folgenden Aufräumchaos beschloss ich, den Rest der Strecke in der Nacht durch den Dauerregen zu laufen: Southpark auf der Yorckstraße statt Jeanne Moreau auf dem Champs Elysee.

    Paris, 1958

    Um einen Schritt zurück zu treten:

    Ich hatte die Jeanne-Moreau-auf-dem-Champs-Elysee-Szene gesehen2: Jeanne Moreau in „Lift to the Scaffold“ (Miles Davis Theme). Mein Gedanke war klar: Und wenn sie die restlichen 86 Minuten des Filmes nur schreiende Teletubbies zeigen sollte: Ich muss diesen Film sehen.

    Welch glückliche Fügung, dass auch er es in das Boulevard-Noir-Programm von Yorck geschafft hatte.3

    Fahrstuhl zum Schafott/ Ascenseur pour l’échafaud von 1958 ist ein Noir/Nouvelle-Vague-Klassiker. Zwei Paare begehen je einen Mord: ein „älteres“ (Julien Travernier und Florence Cavala – so 30/40 Jahre alt) und ein jüngeres (Lois und Veronique – unter 20).

    Die Älteren haben nicht nur Nachnamen sondern auch einen Plan. Sie haben eine Lebensgeschichte (Ehefrau eines Waffenhändlers bzw- Exfallschirmjäger), die Jüngeren haben Energie und romantische Ideen. Die älteren haben einen sorgsam ausgearbeiteten Plan, die jüngeren überschießende Emotionen. Aber durch einen stecken gebliebenen Fahrstuhl und viele Zufälle verheddern sich beide Geschichten untrennbar ineinander.

    Die Geschichte spielt in weniger als 24 Stunden an einem Tag und vor allem in einer Nacht in Paris.

    Nie wurde Paris so amerikanisch inszeniert4. Selten war es so cool. Es waren noch Zeiten als Paris nicht europäisch-altertümlich-romantisch insiziniert wurde, sondern das stylishte der Moderne aufbot: Das brandneue stylische Bürogebäude in bester Nachkriegsmoderne Rue de Courcelles 29, im Innern mit der modernsten Büroausstattung der Zeit, die beiden Autos, ein 1952 Chevrolet Styline de Luxe Cabrio und ein Mercedes 300SL (der mit den Flügeltüren.) und jede Menge Gadgets, die „klassische Moderne“ schreien.

    Und natürlich die Nachtszene am Champe Elysee, die Filmgeschichte schrieb: Jeanne Moreau, für damalige Filmstandards kaum geschmickt, natürliches Licht (bei Nacht!) und der Score, den Miles Davis an einem Abend über die Szene improvisierte.

    Von der Galliarde her gedacht

    Von Eiche bis Welle

    Normalerweise komme ich vielleicht einmal im Jahr ins alte Zehlendorfer Ortszentrum nach Zehlendorf/Eiche. Aber 2026 verläuft unser Leben eh anders, und so war dies schon der zweite Besuch dort im Februar.

    Dabei entdeckt: Es gibt eine Bus-Direttissima von unserer neuen Wohnung nach Zehlendorf/Eiche.

    Dabei entdeckt: In einem Schaufenster an der Clayallee steht eine Auslage mit Maulkörben, effektvoller inszeniert als jede Boutique des Stadtteils.

    In Zehlendorf recherchierte ich: Berlins skurrilstes öffentliches Schwimmbad ist weiterhin geöffnet. Dort. wo einst das Stadtbad Zehlendorf stand, befindet sich seit 2008 ein Einkaufszentrum, die Zehlendorfer Welle. Das Stadtbad wurde abgerissen und verkauft in jenen Jahren, in denen Berlin sich als „arm aber sexy“ verkaufte. Im Gegensatz zum SEZ wurde aber offensichtlich gelernt: Anscheinend musste der Investor sich verpflichten weiterhin ein Schwimmbad am Leben zu halten.

    Ein alter Stelle in neuem Gebäude besteht ein öffentlichers Schwimmbad innerhalb eines Fitnessclubs innerhalb des Einkaufszentrums.

    Der einzige Hinweis, dass dieses Bad zur besucherärmsten Zeit werktags von 12 bis 16 Uhr öffentlich ist, findet sich direkt vor Ort, unterhalb der normalen Öffnungszeiten – nichts im Internet, nichts irgendwo, der Besuch dort verläuft erst über den Fitnessclub-Tresen durch den Spezialeingang für die Öffentlichkeit.

    Das Bad sieht auf Fotos eindrucksvoll aus. Vor Ort dann nicht mehr so sehr: die großen Fensterfronten haben dahinter alle in ein paar Metern Abstand eine Wand, das Becken ist 1,35m (oder so) tief und mit Folie verkleidet. Aber natürlich sortiert die Schwierigkeit des Zugangs Menschen aus: Es ist ruhig, zu öffentlichkeitszeiten relativ leer und alle sind mehr oder weniger sportlich, auf jeden Fall aber in sportlichen Absichten, unterwegs.

    Double – Simple – Simple – Double- Simple – Double – Simple

    Wir aber wollten nicht schwimmen. Denn es war Samstagabend, die öffentliche Schwimmbad-Zeit war schon lange vorbei. Wir wollten tanzen: historisch5 tanzen. Das Motto war Ü300 und nach dem Programm des Maison Voltaire e.V. – Verein zur Förderung von historischen Theatertechniken und Alter Musik stehen nur Tänze auf dem Programm, die älter als 300 Jahre alt sind.

    Wir kamen das erste Mal seit Corona und fanden es unverändert vor. Eine feste Gruppe aus Amateuren geleitet von einer Musikwissenschaftlerein im Orchester und einem Choreographen als Tanzmeister findet sich zusammen. Manche kommen seit Jahren zu jedem Treffen und sind entsprechend geübt, manche, wie wir, kommen alle paar Jahre mal und stolpern dementsprechend durch die Gegend.

    Aber das macht nichts. Das ist Konzept. Wir bei echten historischen Bällen auch treffen Bewegungswunder auf Stolperstiesel und alle haben einen schönen Abend. Anders als bei echten Bällen allerdings geht es hier wirklich nur ums Tanzen: keinerlei „gesellschaftliche Interaktion“ findet statt, der Dresscode „as you like it“ von T-Shirt und abgelaufenen Ballettschläppchen bis zum echten Kostüm.

    Madame hatte Bass- und Tenoflöte dabei, die evangelische Musiklehrerin ihre Geige und ich nur mich selbst. Erfreulich überraschend: auch nach Jahren der Abwesenheit wurden wir wiedererkannt und anscheinend erfreut und herzlich begrüßt.

    Das Programm dieses Mal überraschend neuzeitlich: Es begann mit Country Dances, gefolgt von Branles d’ecosse bis Hinauf zum Ländler („Ein deutscher Tanz im 3/8-Takt, von mäßig geschwinder Bewegung und heiterem hüpfendem Charakter„) und als ewiger Abschluss, der Ü300-Dauerbrenner: Hole on the Wall.

    As always: Tanzen setzt Glückshormone frei. So krass.

    Überall gediegene, freundliche Hemdsärmeligkeit

    Vom Eise bedeckt ist Ostsee und Bodden.

    Ahlen ist wirklich Westfalen pur. Neben dem Bahnhof gibt es sogar eine öffentliche Toilette: Kostenfrei und aus beschussfestem Edelstahl. Überall gediegene, freundliche Hemdsärmeligkeit. Mit schickem Foto. (Vom Blogger in Ahlen, nicht von der Toilette)

    Der Teppich und die Motten. Ich fühle mit: Was für ein Tag {12von12 Februar 26}

    Eine Schriftstellerin, die selber alle erwähnten Songs ihres Buchs auflistet. So lobenswert. Judith Holofernes: Hummelhirn, alle Songs!

    Ich begeistere mich über jeden Beitrag zu KI/neuronalem Lernen, der über „ich habe einen Chatbot benutzt und eine Meinung“ hinausgeht. Der Samenkorn einer Sternstunde dazu mal wieder bei Herrn Rau: Maschinelles Lernen im Informatikunterricht.

    Ausgearbeitetes Rumnerden: Warum Straßen(-netzwerke) in Computerspielen anders funktionieren als in der Realität: Then I stopped stumbling around and started asking why? I tried to understand how engineers design roads and how game developers code them. That’s when I ran straight into the fundamental issue – right at the base of it. And it comes to something every developer knows about and loves: The Bezier Spline (via onli blogging)

    Anmerkungen

    1. mit Rucola mit einer hausgemachten Ingwer-Honig-Sauce, verfeinert mit Erdnüssen und Röstzwiebeln und Entenfleisch. ↩︎
    2. Nicht genau dieses Video, aber halt die Filmszene ↩︎
    3. Also Yorck-Unlimited-Besuch No. 10 – 23,80€ pro Besuch. ↩︎
    4. Sagte Robin der vermutliche Filmwissenschaftler, der die Einleitung sprach. In all meiner Ahnungslosigkeit neige ich dazu, ihm zuzusprechen. ↩︎
    5. Oder auch nicht: Es gab eine längere Pausendiskussion ob man überhaupt von „historischen Tänzen“ reden kann, wenn diese von modernen Menschen des Jahres 2026 getanzt werden, oder ob es nicht „frühe Tänze“ sein sollten. ↩︎
  • 26-02-12 Rhythm is a Lichtschalter

    26-02-12 Rhythm is a Lichtschalter

    Beim Bahnhofsbäcker gibt es ein Valentinstagsangebot mit zwei Croissants. Denn was gibt es romantischeres als ein Candle-Light-Dinner in der zugigen Durchgangshalle eines ICE-Bahnhofs?

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    Die Autobahnbaustelle begann. Wir hoffen, der dortige Piepsomat läuft nicht dauerhaft. Der ist durchdringender zu hören als die ganze Autobahn.

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    In der S-Bahn von vorne links ein Telefonat auf niederländisch, von hinten rechts eines in einer osteuropäischen Sprache. Bester Soundtrack.

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    Auch auf S-Bahn-Weg zur Arbeit erhasche ich täglich einen kurzen Blick auf die alte Wohnung. Bisher stellte sich noch nie ein Gefühl der Wehmut ein, sondern immer das Gefühl „Du musst nach dem Rechten sehen, was die Hallodris gerade angestellt..“ sofort gefolgt von: „NEIN! Nicht mehr unser Problem. Juhu!“.

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    Umzug hilft, um zu verstehen, wie fest der Alltag choreographiert ist. Auch nach drei Monaten in der neuen Wohnung, entwickle ich gerade erst wieder den festen Fahr-zur-Arbeit-Rhythmus von zuvor.

    Auch die Heizungsgewöhnung läuft langsam. Von einem Thermostat mit Zeitschaltung im Wohnzimmer wechselten wir auf mehrere einzelne Heizungsdrehknöpfe. Es laufen noch ziemlich oft Heizungen anders als sie sollten. Aber es wird.

    Nur bis wir nicht mehr an die leere Wand tatschen, dort wo in der alten Wohnung der Lichtschalter war – das wird noch dauern.

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    Es waren drei Tage der Arbeit.

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    Letztens im Supermarkt erzählte ein Kassierer seine Geschichte: Gelernter Schreiner, dann als Tonmeister 16 Jahre auf einem Kreuzfahrtschiff Ableitungsleiter Technik gewesen, jetzt das erste mal wieder dauerhaft an festem Ort als Aldi-Kassierer. So spannend. Kunde: „Ich habe auch ein Segelboot.“

    Wero

    Unsere Filmauswahl zur Berlinale verläuft nach dem üblichen Muster. Wir suchen einen Zeitpunkt, schauen im Laufe des Tages was es noch gibt und gehen bei den übrigen beiden buchbaren Filmen zur Hälfte nach Film und nach Aufführungsort. Dieses Jahr also das Haus der Berliner Festspiele.

    Dank der Berlinale zahlte ich das erste Mal etwas mit dem europäischen Zahlsystem Wero. Und das wirkt weit weniger sperrig als befürchtet: Auf der Website steht ein QR-Code, den scanne ich mit der Bank-App ein und alles ist easy.

    Aber: Soweit ich verstehe, herrscht wirklich und definitiv App- und Handy-Zwang.

    Noch weiß ich nicht, wie das geht, wenn ich direkt auf dem Handy etwas kaufe.

    Die Zwillingsschwester war’s

    Angelesen: The Dain Curse 1– der zweite Roman aus dem Dashiell-Hammett-Sammelband. Und sei es, dass ich besser in seinen Stil gefunden habe, sei es, dass Hammett selber besser in seinen Stil gefunden hat: I’m loving it.

    Ich nehme jetzt die Enstehung als Pulp-Magazin-Roman2 ernst. Jeden Monat erschien eine Folge: Das heißt jedes Kapitel ist eine abgeschlossene Kurzgeschichte mit neuem Plottwist. Das heißt: Ich lese immer ein Kapitel, freue mich schon auf den Twist und mache dann erstmal kürzer oder länger Pause bevor ich mich dem nächsten Kapitel/der nächsten Folge widme.

    Dieses Buch fliegt. Und wie es fliegt. Aufregend, mitreissend, eine Plot-Achterbahnfahrt zwischen Großen Gefühlen und großer Kriminalität. Selbst die übertriebenen Albernheiten („Der Mann hat die falsche Zwillingsschwester geheiratet und sie dann ermordet! Nein, die andere Zwillingsschwester hat die erste Schwester ermordet! Nein, das Kind der ersten war’s! Ja, aber nur nachdem die zweite Zwillingsschwester es entsprechend dressiert hat!“) passen hervorragend rein, wie ein Achterbahn-Looping mit Wasserfall: Komplett over the top, aber das ist ja der Reiz.

    Pedibus ad mercatum ferramentarium

    Das Eis ist geschmolzen, meine Fußwege erweitern sich.

    Ich lernte: Der ukrainische Supermarkt, der eigentlich Kaviar- und Fischgroßhändler ist, hat nicht nur ein gigantisches Kaviar- Fisch- und Fleischangebot, sondern auch eine Hausmarke für hausgemachtes frisches Sauerkraut „aus eigener Herstellung“.3 Überhaupt, wenn dieses ganze Fermentations-Kühlregal nicht von Ruslan in einem Gewerbegebiet neben der Stadtautobahn aufgestellt worden wäre, sondern von Robby, Tobby und Fliedibert in einem Health-Start-Up-Pop-Up-Store im Prenzlauer Berg: Alle Influencer-Accounts und deren nachgelagerten Medien wären voll von dem Regal.

    Ein weiterer Weg führte mich zum Baumarkt. Dabei verläuft ein Drittel der Wegstrecke vom Büro bis zur Grundstücksgrenze und zwei Drittel des Weges über den Parkplatz. Ein seltsames Großstadtleben in dem Baumarkt und IKEA räumlich die „Fachgeschäfte nebenan“ sind, nur in überdimensioniert. So überdimensioniert, dass ich kurz davor war, mich in die Mitte zu stellen und verzweifelt zu rufen: „Ich will doch einfach nur einen Schraubenzieher!“

    Aber am Ende fand ich fast alles: Kabelmanagementbedarf, ein Gerät um auch die ganzen neumodischen Torx 2.0-Schrauben zu handeln und einen Schmutzradierer. Nur einen Ersatz für das simple beim Umzug verlorene Stromkabel des CD-Players, den fand ich nicht.

    Der Einstieg des Karnevals in Halloween

    Anke Gröner, die Wikipedia und die Quellen: Dienstag, 10. Februar 2026 – Fußnoten feiern

    Frau Brüllen und ihr Einstieg bei Big Pharma.

    Herr Buddenbohm und sein Einstieg als Pinterest-Trend.

    Als Kind wollte ich immer Stadtbahnfahrer bei der Üstra werden und Tramfahrer in Basel könnte ich mir abstrakt immer noch vorstellen: Sakana hat seinen alten Kreativjob an den Nagel gehängt und ist jetzt U-Bahn-Fahrer geworden, und ich wollte ihm schon lange sagen, wie schön ich das finde. Das sei für mich durchaus ein Plan B, falls ich irgendwann im Laufe des Alterns keinen Job mehr finde. U-Bahn-Fahren stelle ich mir gut vor. Dummerweise holte er mich mit den Alltagsgeschichten aus seinem U-Bahnerleben in die Realität zurück.

    Karnevalsentwicklungen im Sauerland: Bemerkenswert ist zudem eine neuere Entwicklung: Erziehungsberechtigte ziehen als Begleitpersonal von Haustür zu Haustür, um ihre Kinder bei was auch immer zu unterstützen

    Herr Paul: Warum für ihn Diversität in Bridgerton funktioniert, im neuen Wilhelm-Tell-Film aber nicht.

    Persönlich hätte ich „Everything everywhere“ statt „Schweigen der Lämmer“ genommen

    In den Blogs lese ich wilde Diskussionen zum Thema „KI in Blogs“ und nicht ganz so wilde Diskussionen zum Thema „die fünf besten Oscar-ausgezeichneten Filme.“ Ich dachte, ich kombiniere beides und befrage den Haselant, was er sagen würde, was meine fünf liebsten oscarausgezeichneten Filme sind (einschließlich der haselantischen Begründungen):

    The Apartment (1960) – Büroalltag als moralische Abrissbirne, aber mit Herz, das nicht kitscht. Perfekt, wenn du gern beobachtest, wie Systeme Menschen formen und Menschen Systeme ausnutzen.

    The Godfather (1972) – Nicht “ich mag Gangsterfilme”, sondern “ich mag, wie Macht riecht, wenn sie geschniegelt daherkommt”. Familienroman als Betriebswirtschaft des Unheils.

    No Country for Old Men (2007) – Existenzangst in der Landschaft, Schicksal in Cowboystiefeln, und eine Stille, die lauter ist als der Piepsomat deiner Autobahnbaustelle.

    The Silence of the Lambs (1991) – Thriller, ja, aber eigentlich: ein Duett aus Blicken, Status, Sprache. Außerdem: selten war “Kompetenz” so sexy-unheimlich.

    Parasite (2019) – Klassenkampf als Architekturführung mit Falltür. Extrem unterhaltsam und dabei so präzise, dass es weh tut.

    Godfather/der Pate und Silence of the Lambs/Schweigen der Lämmer habe ich sogar gesehen.

    Anmerkungen

    1. Weil er quasi dasselbe sagt wie ich nur anders, möchte ich doch noch Reviews from My Couch zitieren: The novel is incredibly ambitious, and there probably isn’t a reader on the planet who could give you a brief synopsis. A rollercoaster of plotting it may be, but “The Dain Curse” is also a thoroughly enjoyable read. … Like all Hammett novels, a close read is required. That’s not a problem, because it’s easy to soak up the words like a sponge. But don’t be scared off by reports that the novel is hard to follow; the reader must simply be as dedicated as the Op is. ↩︎
    2. Im Original erschien die Geschichte 1928/1929 in Black Mask. ↩︎
    3. Das sehr wenig mit dem bekannten abgekochten Dosensauerkraut zu tun hat. Soviel habe ich gelernt: Sauerkraut niemals kochen, auch nicht in der Herstellung, das zerstört den kompletten Geschmack. ↩︎