Kategorie: Alltag

  • 26-02-10 Ausgemummelt (Découper un fugu)

    26-02-10 Ausgemummelt (Découper un fugu)

    Andere Menschen stellen Duftkerzen auf. Ich mörsere ein wenig Kreuzkümmel.

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    Vielleicht sollte ich ein Symposium für Innenarchitektur, Gärten und Wintergärten veranstalten, nur damit ich Symposium für Innen*Architekt*Innen auf die Plakate schreiben kann.

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    Von Madame und Zio macchina, beide in verschiedenen Funktionen mit Prüfungsaufsichten befasst, lernte ich die neusten Betrugsversuchs-Techniken: Der Stift, der aussieht wie ein Textmarker, aber eigentlich ein Scanner ist, der den Klausurtext ausliest und über die Smart Watch an ChatGPT schickt; die Handyhülle, die genau so aussieht wie ein zugelassener Taschenrechner.

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    Das schöne, wenn mensch deutlich schneller arbeitet als die Umgebung, und dazu noch Zeug, bei dem kaum jemand beurteilen kann, was mensch eigentlich macht – mensch kann relativ ungestört mal ein paar Tage konzentriert vor sich rumnerden.

    Ich bin sehr sehr happy über das dabei entstandene Ticketauswertungs-Skript und ich bin kurz davor, alte Fernuni-Statistik-Module rauszukramen, um die Sache even more fancy zu machen. In the long run wird das soo schick und soo viel Arbeit und Zeit sparen. (die ich dann wieder zum Rumnerden..)

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    Eine Mutter las in der S-Bahn ihrem Kind Janosch vor. Das war sehr schön.

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    Es waren Tage der Arbeit mit Kino und Schrauben.

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    Ein Gefühl wie im Vampirfilm. Seit Wochen führt Berlin einen aussichtslos scheinenden Kampf gegen das Eis. Verwundete allüberall. Erst gestern lief wieder eine junge Frau mit erkennbarem Pflaster für gebrochene Nasen an unserem Fenster vorbei. Erst ließ sich die Stadt aus Blödheit überrumpeln, danach half nichts mehr, und das angebliche Wundermittel Salz blieb folgenlos.

    Bis ein Sonnenstrahl kam. Und wie im Film der Vampir von nichts auf gleich verschwindet ist, ist es hier das Eis.

    Noch ist der erste Samstag im Frühling (dota) noch ein wenig entfernt. Aber wir haben über Null Grad. Die Berliner*innen, die sich in den letzten Wochen in immer mehr Kleidungsschichten einmummelten, Schals über Mützen über Buffs über weitere Mützen zogen, mummelten sich in Minuten wieder aus. Sie sind wieder als Menschen erkennbar. Das allgemeine Aufatmen ist spürbar.

    Ich begann Feldforschung im Kindl Boulevard für mein Buch, das dort spielen wird. Dann Kino.

    Er isst immer nur Chips

    Es war ein Film über Kochen1. Eigentlich ist Winter in Sokcho ein wunderschöner Film über Identität, Zugehörigkeit, zwischenmenschliches auf allen Ebenen, Körperlichkeiten – aber das alles in einer sehr spröden, leisen, poetischen Form.

    Die einzigen Moment in denen es filmisch intensiv auf die Glocke geht, die Farben springen, die Nahaufnahmen fast schamlos werden, ist beim Essen und vor allem beim Kochen: Tintenfische in verschiedenen Variationen, Sashimi, andere Fische, Pajeon (Korean Pancakes) und verschiedenes Gemüse.

    Kein anderer Moment ist so intensiv körperlich wie das Füllen und Verschließen der Tintenfischtuben.

    Kein anderer Moment ist so rührend, traurig, rom-com-ig wie der Moment als die Heldin Sooha (Bella Kim) aus Sokcho (Südkorea an der Grenze zu Nordkorea) für den das-Koreanische-gar-nicht-mögenden Franzosen Yan (Roschdy Zem) ein Boeuf Bourgignon zu kochen versucht und dazu ein französisches Youtube-Video konsultiert. („Für das Fleisch gehen sie einfach zu ihrem Metzger und sagen sie, sie wollen Boeuf Bourgignon machen..“).

    Und, frei nach Tschechow2: Wenn mensch einen Fugu3 im Film einführt, dann muss mensch den Fugu auch im Film benutzen.

    Bürsten

    Sokcho, Mittelstadt am südkoreanischen Meer, nahe der Grenze zu Nordkorea. Im Sommer mit Bergen und Meer ein beliebtes Touristenziel im Winter ist Sokcho as trist as can be. Graue Felsen im Hintergrund, blaugraues Meer, eine Stadt, weder klein noch groß in grauer Nachkriegsarchitektur.

    Sooha, Tochter einer südkoreanerischen Fischhändlerin und eines verschollenen Franzosen arbeitet in einer Pension zusammen mit dem älteren Herrn Park. Ihr Freund möchte Model in Seoul werden. Sie wird zu mehr Karriere, baldiger Heirat und Schönheits-OPs gedrängt, hadert mit sich selbst und allem. Bis der französische Comiczeichner Yan nach Sokcho kommt.

    Liebt sie ihn? Vermutlich nicht. Löst er vieles in ihr aus? Auf jeden Fall. Ist er an ihr interessiert: Eher nicht. Sie reden über Nordkorea und eigentlich geht es über Sein, Liebe, Leben, Körper. Sooha bürstet ihrer Mutter die Haare, sie reden über ihren Vater, dabei geht es über Sein, Liebe, Leben, Geschichte, Familie, Körper. Sie wäscht einen Tintenflecken aus der Decke. Sie reden. Dabei geht es über.. You get it.

    Alles in grau, blau, Bewegungen spärlich, Tonfall gedämpft. Wenn es emotional wird, wechselt der Film in Tuschezeichnungen.

    Ich werde dringend die xkcd-Comics suchen, in denen Menschen auf Bürostuhlen durch die Gegend fahren

    Madame bekam ein DHL-Kleinpaket. Leider mit einem etwas obskuren Absender, so dass die schöne Volte, sich ein Paket von Speedo ins Schwimmbad senden zu lassen, verloren ging.

    Ich bekam ein UPS-Großpaket und das Angebot, mir zwei starke Schwimmeister zu organisieren, um es in die Wohnung zu tragen. Zu den ausgenudelten Sachen, die vielleicht gar nicht erst hätten umziehen sollen, gehörte mein alter Schreibtischstuhl.

    Langsam gestand ich mir ein, dass es eine auffallende Häufung von Rücken-ist-schlecht-Tagen an Home office-Tagen gibt und das eventuell der alte Stuhl etwas damit zu tun haben könnte. Madame schenkte mir nachträglich zum Geburtstag einen neuen Stuhl.

    Und wenn ich die Auswahl habe, etwas gut funktionierendes und solide Gebautes in der Variante seriös oder der Variante albern zu bekommen, nehme ich natürlich albern.

    Das Gaming Chair war zielgruppengerecht. Das 37-Kilo-Paket kündigte bereits den Unboxing-Moment an, die Anleitung war aufgemacht wie Videospielgoodies und eigentlich wartete ich nur auf die Trainingsmission, in der ich Schrauben übe. Allein der Aufbau war eine Show, voller Liebe im Detail: Ich sage nur: Stuhl fast durchgehend in Schwarz (bzw. charcoal), aber eine rote Schraube in der roten Fingerklemmsicherung.

    Schreib an die Borsten eine Ode

    Irgendwo im Internet las ich ähnlich der David-Lynch-Geburtstags-Festspiele „David Lynch. Die einen lieben ihn, die anderen verstehen ihn nicht.“ Ich glaube, das waren die Vibes, die mich schon in den Neunzigern abschreckten. Zumal das damals gerne von Leuten gesagt wurde, deren Filmgeschmack eher unterkomplex war.

    Der noch-nicht-erste-Samstag-des-Frühlings bringt Schmelzwasserseen.

    Via Vanessa Giese zum Bürstenlied.

    Jetzt muss ich mal ein Jahr lang nicht mimosenneidisch auf Südfrankreich sein, gleich kann ich filmneidisch werden. Christiane bei Hildegard Knef: Regen, ein Film und keine Mimosen

    Im Kino: Boeuf Bourgignon. Im Blog nebenan: Coq au vin.

    wenn ich nicht schreibe, habe ich festgestellt, dann träumt mein körper davon. vom schreiben, als wäre es ein sport. wie tennisspieler oder skifahrerinnen vielleicht, die sich auf das durch training geschaffende muskelgedächtnis verlassen. müssen. die ebenfalls, so stelle ich mir das vor, nicht mehr wirklich wissen, was sie wann genau tun, müssen. die es dennoch tun, und es gelingt. irgendwie.

    Anmerkungen

    1. Yorck-Unlimited No. 9 – 26,44€ pro Besuch. ↩︎
    2. Nach Wikipedia: Tschechows Waffe (oder Tschechows Gewehr; russisch Чеховское ружьё) ist ein Erzählprinzip, das betont, dass jedes Element einer Geschichte notwendig sein muss, während irrelevante Elemente entfernt werden sollten. Wenn demnach eine Waffe in einer Geschichte vorkommt, muss es dafür einen Grund geben, beispielsweise dass sie später abgefeuert wird. ↩︎
    3. Nach Wikipedia: In einer besonderen Zubereitungstechnik werden die durch das darin enthaltene Tetrodotoxin hochgiftigen Körperteile wie Eierstock, Darm, Rogen, Leber und je nach Kugelfischart auch die Haut vorsichtig entfernt und meist nur das ungiftige Muskelfleisch verwendet. Daher muss heute in Japan jeder, der mit Fang, Handel oder Zubereitung zu tun hat, eine spezielle Lizenz besitzen. Für die Zubereitungslizenz muss der Koch zwei Jahre in einem Fugurestaurant gearbeitet haben und dann eine Prüfung ablegen. ↩︎

  • 26-02-08 Gletscher Südkreuz (Topfenknödel)

    26-02-08 Gletscher Südkreuz (Topfenknödel)

    Das Freibad Wesselburen gab eine Pressekonferenz zur neuen Saison. Auch ich merke, dass ich öfter an Freibäder denke. Und überhaupt: Bald ist Frühling.

    Am Baum: Wieder Blaumeisen. Der Fuchs bleibt derzeit verschwunden.

    Der Kaptain fragt, warum wir „immer im Osten“ Urlaub machen. Die Aussage würde ich so absolut nicht unterschreiben. Aber ich würde behaupten, „der Osten“ erzählt die spannenderen Geschichten.

    Noch aber haben stecken wir weit entfernt von Freibad und Sommerurlaub im Winter. Erste Büromeldungen am Freitag sprachen vom Gletscher Südkreuz – der Bahnhof auf allen abschüssigen Wegen Richtung Südkreuz Offices von Eisplatten umgeben. Der Eisabstieg zu den Offices blieb herausfordernd.

    Es gab Stürze, aber immerhin blieben alle unverletzt. Bis Mittag begann ein sanftes Tauen. Ich bringen den Müll zwar noch in Straßenschuhen raus (weil nass, dezent rutschig und dreckig), gehe aber bei deren Auswahl wieder nach leichter Anziehbarkeit statt nach Profil und lasse auch die Jacke in der Wohnung.

    In den Offices angekommen, hatte ich Spaß mit R und nebenbei eine krasse Lernkurve.

    Unter anderem lernte ich: Intern speichert Excel ein Kalenderdatum nicht als Datum sondern als Zahl. Genauer als „Zahl der Tage, die seit dem 31.12.1899 vergangen sind.“ Das muss man doch für Unerwartetes ausnutzen können.

    Es war ein Freitag der Arbeit, Abende des Ausgehens und ein Samstag des Gruschtelns.

    Langsam sollte ich mir Gedanken machen, ob ich dieses Semester die Klausur „Digitale Diversität“ schreiben möchte. Die scheint mir vergleichsweise einfach. Dennoch sollte ich mit Lernen beginnen, wenn ich es etwas werden soll.

    Eigentümlichkeiten der neuen Wohnung: Madame wird im Badeanzug im Schwimmbad von hinten von Menschen angesprochen, dass die digitale Bestellung vom Sauna-Aufgussmitteln nicht funktioniert. Und nein, eigentlich arbeitet sie immer noch der Hafenstadt und nicht hier.

    Sie war bereits das zweite Mal diesen Monat total immersiv schwimmen, fragte sich dabei, warum Eltern die selbst anscheinend weder Lust noch ernstliche Kenntnis vom Schwimmen besitzen, jetzt unbedingt selber ihren Kindern unmotiviertes schlechtes Schwimmen beibringen wollen.

    Das Gemüsli zog nach drinnen. Bei Minus zehn Grad wollte doch niemand das Gemüse über Stunden in einem Sperrholzschrank im Freien lagern.

    Nach verschiedenen auswärtigen Essen begann die Gemüsli-Verarbeitung dieser Woche am Samstag. Wie immer im Winter mit dem „Kimchi“1 – das schmeckt ganz hervorragend, ist aber olfaktorisch dominant im Kühlschrank. Wieder mit Raclette-Käse – die Mischung aus guter Würze, saurer Frische und der fetthaltig-herzhaften Umschmeichlung durch Käse funktioniert erstaunlich gut.

    Ein Schnitzel = 4l Bier. Angeblich. Es war weit weniger.

    Es war nötig. Nach Anlaufzeiten im öffentlich-rechtlichen Glazialtempo passiert jetzt wirklich digitale Transformation. Die ist an verschiedenen Enden anstrengend. Wir als Team müssen auch neu zusammenruckeln und so wurde es dringend Zeit für ein Treffen der Jungkarpfen2, auch Teilprojektteam Nicht-Man-Cave zum gegenseitigen Seelestreicheln mit Kommunikationsbegleitung. Sehr schön, sehr gut, sehr wiederholenswert. Und das Schnitzel mit Süßer-Senf-Panade kann ich weiterempfehlen.

    Goldener Muskateller und Schinken

    Es war ein wildes Ausgehleben. Nach dem schwäbischen Restaurant am Donnerstag, folgte Freitag eine (österreichische) Heurigenwirtschaft. Die Nussbaumerin betreibt ein Restaurant in Charlottenburg und eine Heurigenwirtschaft in Zehlendorf knapp jenseits der Wilmersdorfer Bezirksgrenze.

    Zia sociale und zio macchina luden Madame als verspätetes Geburtsgstagsgeschenk ein. Ich hatte Glück und durfte dabei sein. Wie es sich gehört: Es gab eine kleine Karte aus kleinen Schmankerln und dem Mittagstisch der letzten Tage. Es gab überhaupt nur zwei Tische und ein wunderbares Weinangebot.

    Wir schlemmten: Goldener Gelber Muskateller aus der Wachau, Grüner Veltliner und einem Rosé dessen Details ich mir Banause nicht merkte. Dazu Gulasch, Tafelspitz, Käsekrainer, eine Schinkenplatte und oh, himmlischste aller Freuden: Marillenknödel aus Topfenteig. Dafür dass ich gar nicht so der Süße bin, waren die Knödel vortrefflichst. Also außergewöhnlich. Unfassbar gut. Wann gehen wir wieder?

    Beim Aufbauen von IKEA-Regalen verschiedenen Alters kann mensch beobachten wie stark sich selbst ein identisches Design über die Jahre im Detail veränderte

    Diese Woche vollendeten sich die letzten beiden größeren Umzugs-Baustellen: die alte Wohnung ist übergeben (YAY!) und wir haben wieder einen echten Stromvertrag, sind aus der Grundversorgung heraus. (Yay).

    Am Samstag ging es mit Kleinkram weiter: die magnetischen Whiteboards hängen, Klavier und Schrankvitrine sind von Zeug freigeräumt. Wir beschlossen, dass die restlichen Regalbretter wirklich auf die Latifundien können und luden diese ins Auto. Nach einer endgültigen CD-Regal-Platz-Einigung schraubten wir die letzten beiden Regale an.

    Falls ich mich in Zukunft frage, wie alt meine Bettdecke eigentlich ist, so gilt dann die Formel „Zahl der Tage seit dem 7. Februar 2026“. Der Vor- und Nachteil des Umzugs ist ja, dass man wirklich alles was mensch mit sich rumschleppt mehrfach in der Hand hat, kritisch anschaut und denkt „Das ist aber schon arg durchgenudelt, ehrlich gesagt.“

    Red Harvest

    Ausgelesen: Dashiell Hammetts Red Harvest. Immer noch unschlüssig wie ich es finde. Großartiger Plot-Bau, großartiges Alle-ziehen-alle-über-den-Tisch, eine Athmosphäre die sich genau so rau, brutal und desillusioniert anfühlt wie es in Minenstädten im US-Westen um 1930 vermutlich war. Aber trotzdem schweifte ich gedanklich immer wieder ab, weil mich keiner der Charaktere wirklich interessierte.

    Ähnlich spannend wie der Inhalt war das physische Buch. 1979 wurde es als englische Ausgabe aller Hammett-Romane gedruckt, trägt es einen Stempel US Army und gehörte zu einer US-Army-Library. Aus Gründen, die ich gerne kennen würde, gelangte es dann in die Bibliothek Altglienicke (tief im Osten Berlins) und der untere Rand landete einmal offenbar in der Badewanne. Ein Buch mit echter Geschichte. Ich frage mich, ob ich es der Bibliothek abschwatzen kann, wenn ich vorschlage, es durch ein neueres Exemplar in besserem Zustand zu ersetzen.

    Stricken in der Stadtbibliothek, Spaß mit dem Haselanten

    taz: Sie haben auf dem 39. Chaos Communication Congress einen Vortrag über Stricken gehalten. Wie passt das zu einem der größten Hackertreffen der Welt?

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    Servicetipp: Falls Sie mal um 10 aus der Ferienwohnung raus müssen, der Zug erst um 12.30 fährt und es feucht kalt draußen ist: Gehen Sie wie wir heute in die Stadtbibliothek vor Ort.

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    Henning, Dipl.-Ing. Garten und Landschaftsbau und 10 Jahre „Einkäufer Pflanze“ bei Otto hat den Haselanten einen Vorgarten gestalten lassen. Ergebnis: Mindblowing. So würde ich es formulieren. Während ChatGPT vor einem Jahr noch nicht einmal wusste, dass Sommerflieder ein invasiver Neophyt ist, erstellt das System heute eine nahezu perfekte Sortenliste und ist in der Lage, eine korrekte Stückliste, einen Pflanzplan und eine Kostenschätzung zu erstellen – und das alles ohne zusätzliches Eingreifen des Nutzers.

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    Herr Buddenbohm währenddessen: Die Folge jedenfalls ist, dass die KI alle meine Fragen stets kritisch prüft und zerlegt. Und da ich auch gebeten habe, mich mit zu viel anbiedernder, übergriffiger Freundlichkeit zu verschonen, reagiert die Software nach den letzten Updates nun in etwa so auf meine Fragen, wie es mein Mathelehrer damals in den Achtzigern tat, als ich mich um die siebte Klasse herum mehr und mehr dem schulischen Untergang annäherte: Also deutlich spürbar von oben herab. Kalt, unangreifbar und vor allem uneinholbar und demonstrativ viel schlauer als ich. Außerdem noch unangenehm direkt und distanzlos sowie vom klar erkennbaren Willen zur argumentativen Vernichtung getrieben.

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    Ohrenschmaus wandert quer in Schnee und Eis durch die märkischen Hamptons auf der alten Hamburger Poststraße: Brandenburgischer Jakobsweg: 1. Henningsdorf – Groß Ziethen 26

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    Frau Maultaschen Ravioli sah alte Kunst: Miomarito und ich waren nämlich heute Nachmittag im neugestalteten Diözesanmuseum Rottenburg und das ist wirklich sehr toll. Man muss nicht mal unbedingt ein Freund von sakraler Kunst des Spätmittelalters/Frührenaissance sein, ich finde einfach die Gestaltung schon den Hammer

    Anmerkungen

    1. Ich vermute, eine Koreaner*in würde uns fassungslos anschauen, wenn wir das fermentierte Kraut dort als Kimchi bezeichneten. Was seinem Geschmack aber zum Glück nicht schadet. ↩︎
    2. Die Geschichte woher der Name kommt ist kompliziert und ich habe sie ehrlich gesagt komplett vergessen. ↩︎
  • 26-02-05 Rammstein. Ein Film platzt. (The photographers room, Kaunas)

    26-02-05 Rammstein. Ein Film platzt. (The photographers room, Kaunas)

    Im Antiquariat Bücherkeller neben unserer alten Wohnung hängt ein Schild Betrieb ruht. Leider aber erwartbar gestaltet sich die Suche nach einem Nachfolger für die Antiquariatsführung schwierig.

    Auch der zweite Versuch mit einem Festnetztelefon gestaltet sich kompliziert. Nachdem Telefon Nummer eins nicht mit der Fritzbox reden mochte, fehlten bei Nummer 2 die Akkus in der Packung. Das ist an sich ein behebbares Problem. Nur nicht jetzt, wo mensch, außer in Notlagen, nicht in die Eislandschaft Berlin hinausgehen mag.

    Crack tut nicht gut. Anschauungsbeispiele sieht Madame leider reichlich derzeit an den Schöneberger U-Bahn-Stationen. Ausgerechnet erblickt bei der Rückkehr von Kirchenchor und solidarischem Gemüse im gut bildungsbürgerlichen Bayerischen Viertel. Bei Minus zehn in kurzer Hose, jegliches Temperaturempfinden schon lange zerstört.

    Nachdem ich Madame die Haustür geöffnet hatte, roch ich, dass es wieder Kimchi gab; der deutlich besser schmeckt als er riecht, Zeit wieder Raclettekäse zu besorgen.

    Um 5:50h stand ich in der Tür, wollte Schnee schippen und stellte fest, dass der Schnee sich in Eisregen verwandelt hatte. Dann lieber umkehren, in der Hoffnung, dass eine Crème-Brûlée-Konsistenz des Schneeeises besser zu handeln ist, als reines Eis auf glattem geräumten Weg.

    Es gibt keine Hotels in Travemünde mehr. Bis auf Schlafstrandkorb Nummer 7 ist alles ausgebucht, wenn wir eine Übernachtung benötigen.

    This escalated quickly. Vor drei Tagen überlegten wir noch grob, ob wir im Sommer ganz grundsätzlich mit oder gegen den Uhrzeiger reisen wollen. Jetzt haben wir einen Fährplätz ab Klaipėda, eine Bahnkarte nach Warschau sowie Hotels in Warschau (Polonia Palace), Kaunas (Bōheme House mit dem Photographers Room), Vilnius (Comfort Rock’n’Roll Hotel), Klaipėda (Dangė) und Lübeck (Premier Inn gegenüber vom Bahnhof) gebucht. Einzig die Züge in Polen und Litauen fehlen noch – die können erst 60/30 Tage vor Abfahrt gebucht werden.

    Es waren Tage der Arbeit zwischen Eis, Schnee und David Lynch.

    Spannender, aber inputreicher Arbeitstag am Mittwoch und ich hing abends in den Seilen. Madame besorgte Butter Chicken und Mulligatawny Soup von Sagar.

    In einer Arbeits-Nebenhandlung: Ich überwand meine Selbstverwirrung mit dem R-Script und bin jetzt an dem Punkt an dem Ticketauswertung von links nach rechts und von oben nach unten wirklich Spaß macht.

    Man sieht ihn um die Kirche schleichen

    Das Jahr 2026 wird das Jahr der geschlossenen Film-Bildungslücken. Eine der größeren Lücken betraf die Person David Lynch. Dessen große Zeit lag eigentlich genau in der Zeit in der ich viel upp’n Schwutsch war, viel gesehen hab, neugierig auf alles war. Im Freundes- und Bekanntenkreis war Lynch immer Thema: Frisch, herausfordernd, edgy wäre eigentlich mein Ding gewesen. Eigentlich hätte ich damals irgendwas von ihm sehen müssen. Aber irgendwie waren das immer falsche Vibes, die von seinen Filmen und Serien ausgingen, immer fühlte ich „Ne, ach doch nicht.“

    Jetzt bin ich älter und kann noch einmal neu schauen.

    Ich sah meinen ersten David-Lynch-Film: Lost Highway1. Und ich sah meinen letzten David-Lynch-Film. Irgendwie möchte ich mich gar nicht soviel gedanklich mit dem Film beschäftigen. Das wäre mir kostbare Gedankenverschwendung.

    • Quasi alles was ich am Film nicht mochte (und das zwar ziemlich viel) wurde sehr unvorteilhaft dadurch verstärkt, dass der Film komplett besoffen von seiner eigenen gefühlten Großartigkeit war. Eigentlich hätte er auch die ganze Zeit in Riesen-Blinkschrift einblenden können „Ich bin Kunst! Ich bin edgy! Wow!!“
    • Im Nachhinein überlege ich jetzt: Gibt es irgendwas, was ich am Film wirklich mochte? – Nein. Gibt es irgendwas, was ich an ihm interessant fand? – Nein. Fast gefiel mir immerhin die Stelle an der Lou Reeds This Magic Moment als Hintergrundmusik auftauchte. Und Rammsteins Heirate mich war zumindest an diesem Punkt im Film originell.

    Mit oder ohne h

    Spannender als der Film selber waren die äußeren Umstände: der Film lief abends im Kant Kino/Kantstraße in der Yorck-Filmreihe Best of Cinema.

    Lange war ich nicht mehr Abends in der Kantstraße. Ich las schon von vielen Asiatischen Restaurants dort. Aber erst bei Dunkelheit mit ihrer Leuchtschrift fällt richtig auf, dass über viele Blocks hin ein Hotpot-Laden neben Fried Korean Chicken und Phở-Spezialisten steht. Der einzige Burrito-Anbieter wirkte seltsam unpassend. Laut lachen musse ich als ich inmitten lauter Ramen-Shops ein Fachgeschäft für Rahmen (und Bilder) fand.

    Im Kino selbst: Das Publikum war überraschend jung, der Median um die 30, hatte aber genau diese „Ich bin anders aber auch cool“-Vibes, die ich erwartete.

    Noch überraschender. Der Film läuft in einer Yorck-Outside-of-the-Box-Reihe. Normalerweise haben die ein kuratiertes Programm und gute Namen (zum Mongay für you-can-guess oder Boulevard Noir für you-can-guess-as-well oder Fetch (nach einem Ausdruck aus Mean Girls) für RomCom/Teen/Musicals).

    Die Reihe Best of Cinema hat nun den schlimmstmöglichen Namen und die darin gezeigten Filme wirken auch eher eklektisch, oft gute Filme aber sicher nicht best of Cinema.

    Ich lernte: Die Reihe ist keine Yorck-Reihe sondern eine Reihe des französischen Filmproduzenten Studiocanal mit dessen Filmen. Wenn ihr ein Arthouse-Kino in der Nähe habt, sind die Chancen gut, dass die Filme da auch jeweils an diesem Tag laufen. Noch überraschender: Sie wird gesponsert vom Fernsehsender Kabel eins. Dass ich mal einen Film präsentiert von Kabel eins sehen würde.

    Besser stricken als TypeScript

    Während wir unsere Gemüslichkeits-Yacons immer noch leicht befremdlich finden, widmet sich Frau Zimtkringel der Cherimoya,

    Herr Paul bringt sich stricken bei.

    Kalle hält altes MacOS am leben: mit adobe cs4 in die zukunft

    Nico schreibt eine Stelle aus: Sage klar, was du zu bieten hast. Und was dich von anderen unterscheidet. Denn React, TypeScript, nextJS und Tailwind, das können alle. Doch, alle. Außer mir vielleicht. Finde mal heraus warum.

    Readinginsweden versucht mit der Bahn nach Köln zu fahren: Jetzt ist unser Zug defekt und kann nicht losfahren, denn er ist neu, so wird es durchgesagt.

    Ich liebte das schon mit Fünf: Ich hätte nicht gedacht, dass ich einmal … äh … alt genug? Geistig abwesend genug? Keine Ahnung, was für ein Adjektiv noch passen könnte genug? wäre, um mich ernsthaft darauf zu freuen, mit meinem Auto in die Waschanlage zu fahren, dort einfach sitzenzubleiben, während es um mich herum schäumt und wachst und wedelt und bläst,

    Anmerkungen

    1. Yorck Unlimited Besuch No. 8 – 29,75€ pro Besuch. ↩︎

  • 26-02-03 Auto: „pött-pöff-KNALL“ Tür: „bloong – bloong“ Hulot: „Hulot“

    26-02-03 Auto: „pött-pöff-KNALL“ Tür: „bloong – bloong“ Hulot: „Hulot“

    Ich änderte den „Heimatort“ im Navi nach Wilmersdorf. Es ist erstaunlich in wie vielen Kleinigkeiten sich so ein Umzug bemerkbar macht.

    Nach Überwindung einiger Komplikationen haben wir ab dem 6. auch einen „echten“ Stromvertag jenseits der Grundversorgung in Wilmersdorf.

    Madame kehrte erfolgreich und begeistert aus Bremen zurück. Weitgehend unter Kooperation der Deutschen Bahn.

    Die Urlaubsplanung entwickelt sich von „Mit dem Zug nach Trelleborg und dort auf die Fähre nach Kleipeda“ zu „Mit dem Zug nach Kleipeda und dort auf die Fähre nach Travemünde.“

    Es war ein Sonntag des Gruschtelns und ein Montag zwischen Übergabe und Bali-Jubiläum.

    Vom Greise befreit sind Wege und Straßen

    Stand des Wetters: Um den Müll vor die Haustür zu bringen, zog ich mir eine dicke Winterjacke und ordentliche Schuhe an. Nicht, dass ich ausrutsche, und dann bei Minus 10 Grad im Pullover mit gebrochenem Bein hilflos auf dem Hof liege.

    Samstag sah ich eine Frau mit einem Paar Schlittschuhen, die sie über der Schulter gehängt hatte, aus der U-Bahn kommen. Mein erster Gedanke war: „Sie war auf einer Eislaufbahn.“ Mein zweiter Gedanke: „Sie hat einfach die richtigen Schuhe für den derzeitigen Stand der Gehwege.“

    Mein Gedanke war halb ernsthaft, halb im Scherze. Aber er war wahrhaftig. Am nächsten Tag sah ich im Internet, dass jemand in Sichtweite der Südkreuz Offices tatsächlich Schlittschuh auf dem Geh- und Fahrradweg gefahren war: „Schlittschuhlaufen auf Fahrradweg in Berlin

    Stand des Winters: Ein geplantes Treffen am nächsten Samstag verkompliziert sich wegen einer gebrochenen Speiche (Unterarm) nach Sturz. Unser Vermieter heute kam mit einem geschienten Arm wegen gebrochenem Handgelenk nach Sturz.

    Es war in Schöneberg im Jahr 2008

    Neben vielen Kleinigkeiten umfasst der Umzug auch Großigkeiten. Die Übergabe der alten Wohnung zum Beispiel. Seit dem 2. Februar sind wir sie endgültig los. Nach 18 Jahren. Die Übergabe verlief schnell und nett (allem Irrsinn im Hause zum Trotze, der persönliche Beauftragte unseres Vermieters war immer extrem nett und zugänglich).

    Wir waren uns mit ihm einig, dass die Wohnung ein riesiges Potenzial hat. Aber auch, dass der Zustand der Wohnung schlecht ist und nur noch übertroffen wird vom katastrophalen Zustand des ganzen Hauses. Aber nicht mehr unser Problem:

    • Nicht die diversen Wasserschäden und Dutzende Risse in den Wänden, die wir dem Dachstuhlausbau verdanken.
    • Nicht die Fenster, deren Rahmen schon lange Morsch waren und denen die Monate ohne Dachrinne (Dachstuhlausbau..) endgültig den Rest gaben.
    • Nicht die Gastherme, die brav und tapfer durch jeden Berliner Winter heizte, die aber auch schon einige Jahrzehnte auf dem Buckel hat.
    • Nicht die Elektrik auf dem Stand der Technik 1949.
    • Nicht die Wasserrohre, vermutlich Stand der Technik 1915.

    Wir sind endgültig und vollkommen raus.

    Zelebrieren in Zehlendorf

    Danach galt es zu feiern. Nicht ganz einfach an diesem Tag der Begann mit einem abgerissenen Handtaschengriff, an dem es minus zehn Grad hatte, die Wege vereist waren und die BVG streikte.

    Bei all meiner Liebe für Gewerkschaften: Liebe ver.di ihr hättet Held*innen der Stadt werden werden können, hättet ihr Sonntag Mittag eine Pressemitteilung verschickt „Ey, sorry, Leute. Wir haben grad aus dem Fenster geschaut. Ist ja unzumutbar draußen für Fußgänger und Radfahrer. In Berlin-Brandenburg ist der Streik verschoben.“

    Aber nein.

    Zum Glück half uns die S-Bahn . An der S1 liegen die alte Wohnung, der Karstadt an der Schloßstraße (mit einem großartigen Handtaschenverkäufer) und die Zehlendorfer Innenstadt mit dem Tomasa.

    Im Tomasa gab es Brunch, viel Kaffee und natürlich Sekt. Wir saßen und redeten, saßen und tranken, saßen und lasen (Sonntagszeitung bzw. Bialik), schliefen fast ein und tranken mehr Kaffee. Wie so Student*innen. Unser Termin war erst drei Stunden später.

    Eine Frage des Timings

    Nachdem wir wechselnd durchgefroren und gesättigt waren ging es, nicht lachen, ins Kino. Die 80-Jahre-Bali-Festwoche dauert an. Wieder mit einem Klassiker: „Les vacances de M. Hulot„, 1953 produziert von Jacques Tati, der auch die Hauptrolle spielt.

    Natürlich vergleiche ich innerlich mit „Serkalo“ (Tarkowski) von drei Tagen zuvor. Einerseits Filme, die kaum miteinander zu tun haben: Serkalo: meditativ, den Film als Genre fast auflösend, erdenschwer und mit der Natur verbunden. Tati: Spritzig, schnell, in bester Buster-Keaton-Tradition; obwohl 20 Jahre älter wirkt Tati moderner als Tarkowski.

    Und doch haben sie Gemeinsamkeiten: das Vertrauen in das Bild. Der weitgehende Verzicht auf Dialog, Sprache kommt vor, ist aber mindestens genauso sehr Sound wie Bedeutunsgträger. Beide Filme sind sehr körperlich. Bedeutung kommt aus Bild und Sound.

    In den Ferien

    Die Ferien des Monsieur Hulot erzählt die Geschichte einer Ferienwoche (mehrere Ferienwochen?) an der französischen Atlantikküste. Menschen kommen mit Zug, Bus, Auto und wie Hulot mit seinem 30 Jahre alten scheppernden knallenden trötenden „Motomobil“ dem Salmson AL3.

    Die Menschen erleben kleinere und größere Abenteuer, die vor allem durch die Tolpatschigkeit des immer lieben immer hilfsbereiten Monsieur Hulot ausgelöst werden. Sei es, dass erfolglos versucht Kayak zu fahren oder daran scheitern zu reiten oder weil er ein Bild gerade rücken möchte. (Wer den Loriot-Sketch kennt, hier ist die Inspiration für den Loriot-Sketch mit dem schiefen Bild).

    Die Szene, in der Hulot versucht, mit einen Mit-Urlauber den bereits abgefahrenen Bus zu erreichen und sich am Ende mit einer Beerdigungsgesellschaft anfreundet gehört zu den großartigetsen Verfolgungsjagden der Filmgeschichte.

    Immer liebevoll, immer voller Spott – die Menschen, und insbesondere die Urlauber der 1950er, immer durchschauen und doch nie blossstellend.

    Bloong – Töff – Explosion

    In einem Film in dem wenig gesprochen wird, und wenn gesprochen wird, wird immer noch wenig gesagt, spielen Musik und Sound eine große Rolle. War es bei Tarkows Bach, der als Mauer im Raum steht – das Bild unterlegt die Musik, nicht umgekehrt, ist es bei Tati das fröhlich beschwingte „Quel Temps Fait-Il A Paris?“, das allein durch ewige Wiederholung die ganze Albernheit der geplant fröhlichen Urlaubszeit in Szene setzt.

    Töne verschwinden nicht, sie sind gesetzt. Das Knallen und Pöttern von Hulots Salmson trägt ganze Handlungsstränge. Selbst die Restaurant-Schwingtür mit ihrem ewig Bloong Bloong hat mehr Charaktertiefe als die meisten Actionfilmfiguren. Jeder Ton ein Gewinn für den Film.

    1953

    Worüber wir auch staunten. 1953. Acht Jahre nach Ende des Zweiten Weltkriegs. Für alle Beteiligten am Film war das gefühlt Vorgestern. Wir staunten über solch explosionsreichen Feuerwerksszenen, gedreht von Leuten, die alle noch Bombenexplosionen im Ohr hatten. Und doch so modern. Es bedürfte nur Änderungen im Detail und mensch könnte den Film nahezu identisch im Jahr 2026 drehen.

    „Magie“ und Traum

    Lasst mich mit Texten über „KI“ in Ruhe. Außer bei Thomas. Der weiß wovon er schreibt, unter anderem von der „Magie“ von Claude Code.

    Finnland kann Winter offenbar besser. Mit Verkehrszeichen, die auf die gebürsteten Radwege projeziert werden und in Oulo wird es ein Traum in Weiß.

    Derweil aus Frankreich: Lustiges Regenspielzeug für das Fahrrad: Rainjoy Bub-up.

    Sie werden verstehen, dass der C. Wiederkehr-Vorschlag Latein zu kürzen mich wie ein Keulenschlag getroffen hat. Latein zu kürzen geht für mich gar nicht.

  • 26-01-31 Gewöhnlich erkannten wir die Unsrigen sofort, sobald sie hinter einem Busch auf freiem Gelände hervorkamen

    26-01-31 Gewöhnlich erkannten wir die Unsrigen sofort, sobald sie hinter einem Busch auf freiem Gelände hervorkamen

    Madame fuhr nach Bremen. Dachte sie. Dann war sie in Oldenburg. Am Ende kam sie doch in Bremen an.

    Sie schwärmt seitdem vom Hotel gegenüber vom Bahnhof.Nur am Namen sollte das Hotel noch arbeiten: Plaza Premium Columbus Hotel Bremen. Meine Güte.

    Sie traf und trifft eine der unverstandensten Gruppen des freien Internets: Wikipedia-Administrator*innen.

    Urlaubsplanüberlegungen: Mit der Fähre direkt nach Klaipeda? Oder mit dem Zug nach Kopenhagen/Trelleborg und von dort mit der Fähre nach Klaipedia? Oder ganz anders?

    Martinhörner zur Mitternacht. Ein Geräusch, das wir so geballt seit der Schöneberger Hauptstraße nicht mehr hörten. Im Halbschalf dachte ich „Stadtautobahn.“

    Die Berliner Feuerwehr berichtet, dass ihr zeitweise die Rettungswagen ausgehen. Die Unfallkrankhäuser schieben ähnlich viele Einsätze wie an Silvester. Willkommen in der Eiswüste Berlin. Allein an der Ampel gegenüber dem Büro – leicht abschüssig, inzwischen eine blanke Eisplatte – sah ich bei meinen letzten drei Überquerungen jedesmal eine Person stürzen.

    Life-Hack einer jungen Mutter: An den besonders schlimmen Stellen den Kinderwagen (ohne Kind nehme ich an) an wacklig wirkende Menschen ausleihen, damit diese einen Impro-Rollator nutzen können.

    Aufgrund der Eislandschaft Berlin haben die Berliner Öffentlichen Bibliotheken ihre Leihfrist um drei Wochen verlängert. Niemand soll gezwungen sein, vor die Tür zu gehen und sich ein Bein zu brechen, beim Versuch etwas zurückzugeben. Ehrenmenschen.

    Es war ein Wochenendanfang zwischen Eis und Kino mit besonderer Aufmerksamkeit aufs Atmen.

    Sprachi

    Im Radio geriet ich an das „rbb Jugendradio“ Fritz. Und ich staunte, Im Fünfminutentakt hörte ich Wörter, die ich noch nie in einem deutschen Text gesprochen gehört habe. Das meiste waren Übernahmen aus dem amerikanischen Social-Media-Kontext1 und dürfen als solche gerne weiter jenseits meines Wortschatzes bleiben. Schön fand ich „Schickt eine Sprachi an..“ – da stimmen Albernheit von Wort und Tätigkeit doch wunderbar überein. Das sollte ich übernehmen.

    BANIS

    In Zehlendorf an der Bushaltestelle. Eine auf den ersten Blick normal wirkende Frau schreit mit bewunderungswürdiger Ausdauer die leere Fläche vor sich an. „Du FOTZE! Du hast mir nicht zu sagen! Du Schwanzlutscherin!“

    Später in der Wohnung. In den frisch gefallenen Schnee vor unserem Fenster schrieb jemand vier Meter breit: „PENIS“.

    Der Winter schlägt den Berliner*innen auf’s Gemüt.

    Am nächsten Morgen: Fuchsspuren verliefen durch das Wort. Bis Vormittags hatte jemand PENIS in BANIS verwandelt. (oder B8NIS)

    Michael Haneke sah diesen Film 25mal

    Ein Kino hatte mich nach Zehlendorf gelockt. Die Bahnhofslichtspiele (Bali) feiern ihren 80. Geburtstag. Einst in den 1960ern/1970ern ein an diesem Ort unerwarteter Hotspot des Westberliner Politkinos, seit 2024 von einem ehemaligen Rechtsanwalt übernommen, dem ich unterstelle sich damit einen Jugendtraum zu erfüllen.

    Das Kino: mit alten Filmpostern an der Wand, Klavier und Jukebox im Saal, vor der ersten Reihe einige Bistrotische, alles hat eine Aura des Jugendzentrums. Muss ich explizit sagen, dass ich es sehr mochte?

    Anlässlich des 80. Geburtstags veranstaltet das Kino eine Woche der Filmklassiker. Da ich nicht alles sehen kann und will, entschied ich mich zur Füllung einer Bildungslücke. Andrei Tarkowski’s Der Spiegel (Зеркало -> Serkalo, UdSSR 1975)2.

    Ein Film der mich an Yi Yi vom Mittwoch erinnerte: Plot und Erzählstruktur sind noch aufgelöster als in Yi Yi. Jede Einstellung ein Gemälde, jeder der knappen Dialoge halb Gedicht halb Meditation/Gebet, (außer die Teile in denen tatsächlich Gedichte gesprochen werden) jedes Geräusch ein Teil des Soundtracks. Ein Film, der in seiner Logik des emotionalen Fließens näher an Musik liegt als an gängigen Filmen.

    Matsch

    Es gibt keinen Plot. Die Rahmenhandlung lautet, dass ein 40jähriger Dichter sich im Moment seines Todes an sein Leben erinnert. Diese Rahmenhandlung habe ich während des Films nicht bemerkt, habe erst im Nachhinein davon gelesen.

    Es ist eine Abfolge von Erinnerungsfragmenten Tarkowskis, immer wieder springend, immer wieder in Erinnerungen an Träume übergehend an seine Kindheit und als junger Erwachsener. Oft springt der Film; ein Wort oder eine Handlung, die in einer Sequenz erwähnen werden, öffnen die Tor in die nächste Sequenz.

    Im Wesentlichen gibt es drei Orte, die immer wieder auftauchen: russisches Landleben auf der Blockhaus-Datscha, der Dichter als kleines Kind (etwa 1935); Moskau im Zweiten Weltkrieg; der Dichter als Erwachsener mit kleinem Sohn (1960er/1970er). Wir sehen aus der Sicht des Dichters: Mutter und Ehefrau werden von derselben Schauspielerin gespielt ebenso wie der Dichter als Junge und sein Sohn.

    Wo die Handlung schwimmt, und die konsitente Realität sich auflöst und die reale Realität um so stärker. Bilder vom Matsch, ich fühle mich nass; Bilder vom brennenden Haus, ich rieche das Feuer. Oft genug schafft es der Film, jegliche Vernunftkontrolle zu umgehen und sofort zu den tieferen Hirnschichten des haptschen Fühlens und Riechens vorzudringen.

    Bach, Bruegel, Artemeyev

    Ein Film in vier Stimmen.

    Der Film beginnt mit Bach und der Film endet mit Bach. Dazwischen Purcell und Pergolesis Stabat Mater. Selten erklingt Musik, aber wenn, dann ist sie raumgreifend, nie nur Hintergrund sondern Architektur der Szene.

    Ein andere Modus: Die eigentliche „Filmmusik“ von Eduard Artemjew. Oft elektronisch, nur selten als Musik erkennbar, oft komponiert aus Natur- und Umgebungsgeräuschen, elektronisch aufgearbeitet und verfremdet. Wie der ganze Film: es ist ein halb träumerischer Übergang zwischen Umgebung und Gefühl, subjektiv empfundenem und vorgefundenen.

    Dritter Modus: Geräusch. Ähnlich wie in Yi Yi, nie „nur“ Geräusch, sondern immer Rhythmus, Verstärker, gesetzt, oft erst die Szene machend.

    Vierter Modus: Gedicht. Tarkowskis Vater, der Dichter Arseni Tarkowski, liest seine eigenen Gedichte während im Film etwas anderes passiert. Auch hier zählt Klang mehr als Worte (wenn man kein russisch kann und den Untertext liest eh). Der Klang des Gedichts als eigene Musik.

    Flüssiges Land, zähflüssiges Buch

    Es waren Tage der Auflösung: Neben den Filmen Yi Yi und Serkalo, in denen sich Filmkonventionen und Realitätssicht auflösten, las ich auch Raphaela Edelbauers „Das flüssige Land“ aus. Hier löst sich buchstäblich das Land auf.

    Leider ist, trotz aller sprachlichen Brillanz, das Buch konventioneller als die beiden Filme. Und auch die wunderschöne Idee der österreichischen Kleinstadt im Wechselgebiet, nicht ganz von dieser Welt, halb im 19. Jahrhundert, halb im Jetzt, wortwörtlich verschlungen von den Sünden der Vergangenheit, wird im Laufe des Romans immer mehr entmagischt und immer „realistischer.“ Wodurch auffällt, wie sehr die innere Logik hakt. Inhaltlich strebt das Buch dem fulminanten Höhepunkt zu, stilistisch fällt es auseinander. Schade. Am Ende doch kein Buch, das dauerhaft im Regal bleiben wird.

    Leiter weg, Blumenkohl her

    Die Logistikwochen lassen in ihrer Intensität nach. Aber noch sind sie nicht vorbei. Nachdem die Schöneberger Wohnung inzwischen leer ist, war das Auto voll. Denn Bretter, die große Leiter und der latifundinische Staubsauger sollten alle nach Brandenburg. Dem Subaru würde es nicht schaden, auch mal wieder bewegt zu werden.

    Also auf in die märkischen Hamptons. Die letzten Meter über den Plattenweg Richtung Siedlung mit dem Auto rutschen. Die weiße Schneelandschaft bestaunen. Einatmen. Ausatmen. Weite. Stille. Mit Schnee noch weiter und stiller als normalerweise.

    Alles stand noch. Alles sah noch gut aus. Das Grundstück war, abgesehen von Katzenspuren, unberührt. Bier und Brause hatten erwartungsgemäß den Temperaturen standgehalten.

    Stehen. Schauen. Atmen. Nichts hören. Wieder atmen. Augen schließen. Atmen.

    Nach einem Zwischenstop beim Supermarkt beschloss ich das Haus nicht mehr zu verlassen. Also ging ich ins Schwimmbad.

    Total Immersiv

    Wie schnell Systeme zusammenbrechen. In unserem Hausbad gibt es eine als solche gekennzeichnete Sportbahn. Bei der Treppe ist der Bereich Totholz und dazwischen liegt der Bereich der Bahnenschwimmer ohne sportlichen Ehrgeiz. Je nach Laune und Beckenfüllung bin ich beim Totholz oder beim Bahnenschwimmen, ich bin ja aus Jux und Dollerei unterwegs, nicht aus sportlichen Gründen. Naja, heute war ein echtes Totholz-Pärchen unterwegs das zwei Drittel der Bahnschwimmbreite einnahmen. Sofort brach die Unordnung aus. Zwei Leute von 40 Anwesenden. Und alles wurde schwierig.

    Im tiefen Becken ein bißchen mit der Totalen Immersion herumspielen. Und wie immer, wenn mensch in einem komplexen Bewegungsablauf auf einen Teil bewusst achtet (hier: An welchem Punkt beginne ich den Armzug nach hinten?) gerät alles andere in Unordnung.

    Leider gehört zum komplexen Bewegungsablauf Kraulschwimmen auch das Atmen. Und naja, es gelang mir erfolgreich weder zu ertrinken noch auf halber Strecke hustend zusammenzubrechen. Nachdem ich meinen Stolz überwunden hatte, und von 3-Zug-Atmung auf 2-Zug-Atmung umgestellt hatte, hielt ich sogar länger als acht Meter durch.

    Wien du wunderbare

    I feel Joel. Manchmal hat man das Gefühl, das rein physisch links und rechte Sachen kaputt gehen und mensch mit den reparieren gar nicht hinterherkommt. Aber das neu gekauft Auto noch beim Händler, das ist krass: Dinge gehen kaputt.

    Weiter südlich gibt es weniger Eis aber mehr Schnee: Mehr davon, und zwei und drei und vier.

    Wien du wunderbare I: Früher konnte man mit Romantauschzentralen gutes Geld verdienen, heute tröpfelt das Geschäft mit Groschenromanen nur noch. (via Blütenstaub)

    Wien du wunderbare II: “waun I mi scho aufbrezln muass, gibt’s hoid a a Brez’n dazua” Camp Catatonia beim Wiener Ball der Wissenschaft und ich liebe einfach alles an diesem Text.

    Eine längeres Gespräch mit einer Mathe-Kollegin, die in der 5. Klasse einen Schüler hat, der im Zahlenraum bis 10 noch immer die Finger zu Hilfe nimmt. Beim Blick ins Grundschul-Zeugnis stellte sich dann heraus, dass er in der vierten Klasse in Mathematik gar keine Note, sondern nur ein paar freundliche Worte erhalten hatte. Und da regen sich andere über die vermeintliche Abschaffung der schriftlichen Division auf …

    Anmerkungen

    1. Zum Beispiel: „Musiker A macht legit 1:1 dieselbe Musik wie B“. Also im Sinne von engl. legitimate/legitim, ganz genau, wahrhaftig, wirklich. ↩︎
    2. Die Post-Überschrift („Gewöhnlich erkannten wir..“) ist der erste Satz im eigentlichen Film. Es gelang mir nicht, ihn sinnvoll in den Text hier einzuarbeiten, ↩︎

  • 26-01-29 Bilder von Hinterköpfen

    26-01-29 Bilder von Hinterköpfen

    Im Südkreuz ein Schwarm Spatzen.

    Im Netto Rollbergviertel stehen die ersten Paletten mit Milka-Osterhasen.

    Im Kino lernte ich von einem neuen Beruf. Yorck-Kinos suchen eine „Fachkraft Fein- und Sonderreinigung“. Wie ich mir zusammenrecherchierte scheint das eine besondere Spezialisierung für die Erstreinigung nach Neu- oder Umbauten zu sein.

    Es waren drei Tage der Arbeit zwischen Eis, Erkältung und Kino.

    Wie es sich gehört, sind wir beide mit latenter Erkältung unterwegs. Nie schlimm genug, um wirklich zu sagen „ich bin krank“. Aber doch nervig genug für verstopfte Nasen, gelegentliche Glieder- oder Kopfschmerzen und ein Schlafbedürfnis jenseits des Normalen.

    Um Madames Schwimmhallenbesuchsvorsprung nicht zu groß werden zu lassen, verlegte ich die Mobile-Arbeits-Tags-Mittagspause wieder in die Schwimmhalle. Entweder ich werde jetzt gesund oder wenigstens richtig krank.

    Wahrscheinlich trägt auch die Stallhaltung unsererseits zum Ansatz einer Unpässlichkeit bei. Aber auf den Eiswegen da draußen möchte mensch keinen Schritt mehr laufen als unbedingt nötig.

    Aktueller Stand:

    • Auf wenig genutzten Wegen liegt eine Art zu Eis gefrorener Schnee
    • Auf sehr stark genutzten Wegen (zB die ersten drei Meter vor dem U-Bahn-Zugang): das Eis wurde durch zuviel Reibung aufgelöst, auf den nächsten drei Metern bilden sich Löcher im Eispanzer, bevor wieder etwas weiter Weg die Eisplatte beginnt.
    • Denn auf stark genutzte Wegen wurde das Schnee-Eis durch den Druck der vorbei laufenden Menschen zu blanken Eisplatten komprimiert. Befördert wird das durch die 21. Jahrhundert-Variante des ausgelagerten Winterdienstes, der gerne in Eiltempo mit einem Autolein den Schnee vom Eis fegt und – ohne zu streuen – die Eisflächen übrig lässt.

    Die Mall der tropfenden Eimer

    Ich war erst auf dem Weg ins Kino und lief durch ein Gebäude, dass mich geradezu anschrie: „Dreh einen Film in mir! Oder fünf! Hole Jim Jarmusch, Aki Kaurismäki und Marion Ade!“

    Das Einkaufszentrum Kindl Boulevard im Rollbergviertel hat alles was einen Unort auszeichnet: Eine Mall voll leerstehender Geschäfte, 1990er-billig-Investoren-Architektur, Behörden- und Jobcenterflure in den höheren Stockwerken und eine tiefe Aura der Hoffnungslosigkeit, die seit mindestens 2007 andauert. Ein Mann der durch die Gänge wankte und „Deutschland! Deutschland!“ sang.

    Aber wie geballt! Wie ausdrucksstark! Wie geschickt wird die Lost Mall akzentuiert durch den Laden für afghanische Festkleidung (türkische Hochzeitsläden sind nichts dagegen) und das Arthouse Kino.

    Noch aber fehlt der Film zum Boulevard. Noch ist der stärkste Anspruch auf Ruhm des Boulvards seine Eimersammlung. Regelmäßig bei Starkregen stehen die ganze Länge des Durchgangs entlang Putzeimer, die den Regen auffangen.

    Gleich möchte ich das Drehbuch beginnen: Die einsame Arbeiterin im Asia Imbiss des Marktes, eigentlich Filipina muss sie sich als Vietnamesin ausgeben „um ins Konzept zu passen.“ Ein Cast aus Stammgästen aus Bürgeramt und Jobcenter-Mitarbeitern. Dazu Gelegenheitsbesucher*innen: Jobcenter-„Kunden“, die Wärme brauchen, verirrte Gäste des Arthouse-Kinos und Gäste des Business-Hotels, die ausversehen den falschen Ausgang nahmen. Eine zärtliche Liebesgeschichte zwischen der Asia-Imbiss-Mitarbeiterin und einem Jobcenter-Sachbearbeiter bahnt sich an. Dann entdeckt er, dass sie keinen Aufenthaltsstatus besitzt. Er setzt dadurch eine Lawine von Ereignissen in Gang und muss sich am Ende in die Berliner Halbwelt begeben, um sie wieder zu finden.

    一一

    Dabei war ich nicht gekommen, um einen Film zu schreiben, sondern um einen Film zu sehen1. Und was für ein Film: 一一 , in lateinischer Umschrift Yī yī. englischer Titel Yi Yi – A one and a two2, ein Klassiker derTaiwan New Wave und Stammgast in „Die besten Filme des 21. Jahrhunderts“-Listen3.

    Was für ein spannender Film! Nicht im Sinne von Plot, Spannung, Suspense. Eher im Gegenteil. Der Film vermeidet alles, was mensch in Storytelling-Seminare lernt: Kein Spannungsbogen, keine Emotionalisierung, kein Charakter, der einen als Zuschauer emotional an die Hand nimmt und zur Identifikation auffordert. Aber:

    Jede Einstellung ein Gemälde. Jedes Autogeräusch ein Sound. Jede Sekunde voll menschlichem Leben. Der Film vermeidet Konventionen, löst sie geradezu auf, und schafft dadurch eine besondere Atmosphäre. Fast fühlte ich mich wie im Zauberberg – die Zeit aufgelöst, ich fragte mich kurz, gibt es überhaupt eine Handlung?

    Dann fiel mir auf: Eine Geburt, eine erste Liebe, eine Hochzeit, ein vielleicht-Suizidversuch, mehrere Ehedramen, ein Mutter-Tochter-Drama, ein Schlaganfall, ein Mord, eine Beerdingung – das ganze volle Leben war in allen Facetten präsent.

    Und weil der Film so voll war, mich auch mit einigen Tagen Abstand immer noch dezent überfordert, versuche ich mich auf einige wenige Aspekte konzentrieren4.

    Der Plot: Von Hochzeit und Beerdigung

    Zentrale Charaktere sind NJ (Vater), Min-Min (Mutter), Ting-Ting (Tochter, 13) und Yang-Yang (Sohn, 8). Der Film beginnt mit der Hochzeit von Min-Mins-Bruder, einem rechten Hallodri, die von des Bruders Ex-Freundin erfolgreich gesprengt wird. Am selben Tag erleidet Min-Mins Mutter einen Schlaganfall und fällt ins Koma.

    Wie es sich für eine Familie gehört, löst sich die Handlung in zahlreiche Subplots auf (Min-Min im Kloster, NJ trifft seine Jugendliebe wieder, Ting-Ting (sie und ihre beste Freundin Lili haben nacheinander denselben Freund, der auch mit Lilis Mutter zusammen ist, die wiederum eine Affäre mit Lilis Englischlehrer hat, mit dem auch Lili eine Affäre beginnt), der drohende Untergang mit NJs Unternehmen) und bei der Beerdigung der Großmutter wieder zusammenzufinden.

    Straßengrundrauschen

    Irgendwann fiel mir auf: Ich höre im Film nur Musik, wenn auch die Charaktere selber Musik hören. Sei es Hintergrund in einer Bar, jemand spielt Klavier, jemand singt.

    Dann fiel mir auf: Eigentlich höre ich immer das, was die Charaktere auch hören. Vielleicht Musik, vielleicht eine röhrende Küchenmaschine, vielleicht einen Streit aus der Nachbarwohnung, sehr oft höre ich Autos, denn die Geschichte spielt in der Großstadt. Es schafft eine ungahnte Unmittelbarkeit.

    Noch später fiel mir auf: Ich höre nicht „einfach“ das, was jetzt realistisch wäre. Alles hat Rhythmus, alles rahmt die Handlung, setzte Akzente. Fußböden quietschen als würden sie sagen „Hotel mit Vergangenheit für Menschen mit Vergangenheit“, Straßen erzeugen ein prägnantes Hintergrundrauschen. Alles im Fluss.

    Filme vom Leben

    Irgendwo in der Zeitlosigkeit des Film gehen Ying-Ying und ihr Freund ins Kino und unterhalten sich. Sie bevorzugt RomComs, er realistisches Drama. Sie: „Warum Filme ansehen, die einfach vom normalen Leben handeln. Wäre es nicht sinnvoller, einfach rauszugehen und zu Leben.“ Er: „Mein Onkel sagt, seitdem das Kino erfunden wurde, leben wir dreimal so lang wie zuvor.“

    Später: Yang-Yang macht mit seiner neuen Kameras Fotos von Hinterköpfen und schenkt sie den fotografierten. „Damit du das sehen kannst, was du sonst nicht siehst.“

    Belgrad- A Coruna – Malcom F.

    Auf Geschäftsreise in Belgrad.

    Auf Privatreise. Einfach mal in den Bus steigen.

    hmble Musik.

    How Browsers work – in interaktiv. (via Stefan)

    I’m a linguist, and when people find out about it, they very often ask how many languages I speak. I hate it.

    Haselantische Zugabe

    Vorscht! Bitte nicht scheten. (Prompt: Erstelle mir eine Illustration zum vorhergehenden Text)

    Anmerkungen

    1. Yorck-Unlimited-Besuch No. 7 – ergo 34€ pro Besuch. ↩︎
    2. 一 ist das Zeichen für eins. 一一 als eins, eins bezeihungsweise normalerweise gemeint als „eins nach dem anderen.“ Schreibt man die Striche nicht nach- sondern übereinander, ist es das Zeichen für zwei. ↩︎
    3. Was meine Banausigkeit unterstreicht mit der ich von diesem Film das erste Mal in meinem Leben vor etwa zwei Wochen erfuhr. ↩︎
    4. Nur als kleine Anmerkung was noch alles ginge: Ein langer Text, der sich mit dem Einsatz von Hokkien, der indigenen Sprache Taiwans, im Unterschied zum chinesischen Mandarin befasst: Feeling Seen: Edward Yang’s Yi Yi ↩︎
  • 26-01-27 Address to a Haggis (Letzte Putzrunde)

    26-01-27 Address to a Haggis (Letzte Putzrunde)

    Ich habe eine DJ-Anfrage von „Oskar“ für ein „House Event in Berlin Schöneberg mit exklusivem Publikum.“ Es werden 200-300 Gäste erwartet, der DJ allerdings soll nicht ganz so exklusiv sein, der wird nach dem Tarif „Günstiger DJ für private Feiern“ bezahlt. Ergo 400-700€.

    Allerdings bin ich weiterhin kein DJ. Ich gebe zu, eine freiberufliche Tätigkeit, bei der mir mittlerweile täglich mehrere Angebote eingehen, hatte ich auch noch nie. Vielleicht sollte ich doch noch „günstiger Freizeit-DJ“ werden.

    Der Ex-Wiener Feinbäcker am Südkreuz verwandelt sich in Dreißig bei Wöllhaf. Oder anders gesagt: Ein Bahnhofsdienstleister (Wöllhaf) verkauft mit seinen Leuten Lizenzprodukte einer sächsischen Traditionsbäckerei.

    Das Festnetztelefon befindet sich wieder auf dem Rückweg. Alcatel-Mobilteil und Fritzbox-Basis mochten sich nicht. Also werde ich wohl in den Sauren Apfel der Langeweile beißen, der da heißt Gigaset.

    In den Kisten tauchten viele viele alte Laptops auf. Ich werde mich irgendwann doch mit der Komplettlöschung ihrer Festplatten beschäftigen müssen und dann 20 Kilo Laptop zur BSR bringen.

    Per Signal kam eim Foto eines handgeschriebenes Rezepts für Vegetarian Haggis.

    Es war ein Sonntag des Aufräumens und Ausgehens und ein Arbeitsmontag des Eises.

    The Leiter has left the building

    Jetzt ist sie leer, leer. Und wir sind wieder heraus, heraus. Die letzte Schöneberger Aufräum- und Ausmistaktion ist beendet. Die alte Wohnung ist bereit für die Übergabe.

    Am Ende trug Madame den Putzeimer voller Schmutzwasser vier Stockwerke hinunter bis zum nächsten Gulli, um nicht mit ihm wieder durch die gewienerte Wohnung zu müssen.

    Die große Leiter zum Erreichen von Altbau-Decken und -Gardinenstangen liegt im Auto und wartet auf ihre endgültige Übersiedlung auf die Latifundien, ebenso wie diverse Bretter aus mutigeren Regal- und Schrankbefestigungskonstruktionen und der Zweitstaubsauger.

    Zuletzt merkten wir, dass weder das Opern-Plakat an der Tür außen noch der Stadtplan an der Tür innen zum unverrückbaren Bestand der Wohnung gehören, sondern einst von uns angebracht wurden. Gerne hätte ich den Stadtplan gerettet. Der ist mittlerweile historisch – vieles hat sich seitdem in der Stadt geändert; und der produzierende Verlag wurde im Februar 2025 aus dem Handelsregister gelöscht.

    Aber natürlich: Ein Stadtplan, der fast 17 Jahre an einer Tür geklebt hat, lässt sich nicht zerstörungsfrei von dieser Tür entfernen.

    Cragganmore ist komplexer als Irn-Bru

    Für mehr Lyrik im Restaurant!

    Sonntagabend führte uns der Weg ins Brlo Charlottenburg zum Burns Supper mit Gieza Poke. Ein Lob mit Bekanntschaft mit schottischer Verwandtschaft.

    All mein Wissen über das Burns Supper habe ich aus der Wikipedia. Es ist ein lustiger, mehr oder weniger ritueller Abend zur Feier des schottischen Nationaldichters Robert Burns, der seit 1801 jährlich weltweit am 25. Januar begangen wird, wenn sich genug Freunde Schottlands finden.

    Unser Abend war nicht ganz so formal, wir waren ja in Berlin, die Schotten und ihre Nachfahren waren in der Minderzahl, und eine Moderation durch eine Drag Queen ist im Original auch nicht vorgesehen. Aber so fröhlich und warmherzig wie man es sich von Schott*innen beim Feiern vorstellt.

    Es gab Essen: Cullen Skink, Haggis mit Neeps und Tattie und zum Nachtisch Cranachan. Es gab natürlich auch Getränke: Bier (wir waren ja bei einer Craft-Bier-Brauerei zu Gast), das offizielle schottische Nationalgetränk Whisky (Bowmore, Cragganmore, Dalwhinnie) und das echte schottische Nationalgetränk Irn-Bru.

    Und es gab Programm. Gieza Poke in formvollendeten Outfit begann mit Ausspracheübungen des Scots (das ch..). Es folgte Lyrik, Dudelsackmusik vom Band, die Address to a Haggis samt ritueller Haggis-Anschneidezeremonie und mehr Lyrik. Dann auch vorgelesen von den deutschen, englischen und schottischen Gästen. Als das Pub Quiz zu Robert Burns begann, brachen wir auf, der frühe Wecker nervt den Feierenden.

    Zum Abschluss erfuhren wir: Das Ganze war ein Event der Brlo-Azubis, die quasi alles vom Konzept bis zu Service und Küche vor Ort selber gemacht haben – Chapeau.

    Encore:

    Fair fa‘ your honest, sonsie face,
    Great chieftain o‘ the pudding race!
    Aboon them a‘ yet tak your place,
    Painch, tripe, or thairm:
    Weel are ye wordy o‘ a grace
    As lang’s my arm.

    Ye Pow’rs, wha mak mankind your care,
    And dish them out their bill o‘ fare,
    Auld Scotland wants nae skinking ware
    That jaups in luggies;
    But, if ye wish her gratefu‘ prayer,
    Gie her a haggis!

    (Robert Burns: Address to a Haggis)

    Es rutscht

    Parkplatzausblicks-Entertainment: das Eisballett des kleinen Schneeräumfahrzeugs. Also so balettig wie ich Ballett tanzen würde. Wegen des großen Erfolgs beschloss der Winter 2025/2026 eine Wiederholung des Features Blitzeis, und diesmal even more extreme.

    U-Bahn-Geländer, die von einer Eisschicht wie von Glas überzogen waren. Dito Ampeln, Laternen und Oberleitungen. Eine Tram, die zwei Tage lang nicht fährt. S-Bahn und U-Bahn am Montagmorgen in Teilstücke zerfallen. Madames Weg in die Hafenstadt verdoppelte sich. Während Berlin zum Gehen ungemütlich war, entpuppte sich die Hafenstadt als blanke Eispiste.

    Ich hatte mehr Glück, mein Weg war kurz genug, um innerhalb eines der Zerfalls-Teilstücke der S-Bahn zu liegen. Aber es war ein Tag, an dem wir keinen Schritt aus dem Gebäude heraus machten, der nicht nötig war.

    Gut, dass der Weg zum Schwimmbad, keinerlei Außentätigkeiten enthält. Madames Besuch Nummer 9. Ich liege weit zurück. (Damit 4,22€ pro Besuch).

    Zum Aufwärmen: Dampfnudeln mit Vanüllesauce.

    Gossip-Manzai

    Passend zum Festnetztelefon: Die Gossip Bench, das kombinierte Mid-Century-Möbel zum Sitzen und Telefonieren. (#5)

    I had no idea: Japans Comedy-Szene live: Manzai