Kategorie: Alltag

  • 26-03-14 Das Nötigste, einem rohen Menschen Gesittung beizubringen, ist Wasser und Seife (Berlin->Tübingen)

    26-03-14 Das Nötigste, einem rohen Menschen Gesittung beizubringen, ist Wasser und Seife (Berlin->Tübingen)

    Auf dem Arbeitsweg: Kalt, Sonne und endlich passt das Wetter zur umgebenden Natur. Es riecht nach Frühling. Vielleicht war es aber auch nur der Duft des Waschmittels aus der naheliegenden Autowaschanlage.

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    Vor Hanau standen die Störche.

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    Einst las ich einen Politthriller des deutschen Ursula-K.-LeGuin-Übersetzers Gisbert Haefs1. Soweit ich den Plot aus meiner Erinnerung rekonstruieren kann, ging es um den kalten Krieg und einen Saboteur in Deutschland. Seine Sabotage bestand darin, ein hohes Amt anzustreben und dann das Vertrauen in den deutschen Staat zu untergraben, indem er unsinnige Projekte voranbringt. Im speziellen Fall des Buchs: Ein Autobahnkreuz mitten in Büsum.

    Naja, wenn ich derzeit Politik mitbekomme, denke ich öfters an diesen Roman. Gerade bei Merz‘ Gruseltruppe weiß ich gar nicht wen ich herausgreifen soll. Aber ich bleibe beim Bundeskulturnarren. Der hat nicht nur etwas gegen Buchhandlungen sondern offenbar auch gegen Bücher. Er möchte den Erweiterungsbau der Deutschen Nationalbibliothek stoppen, weil in Zukunft keine Bücher mehr gesammelt werden müssen:

    Es sei nicht einzusehen, dass man so viel Geld in ein Lager für physische Medien investiere – und das in Zeiten der Digitalisierung! Im Übrigen wäre es im Sinne eines „Bürokratieabbaus“, wenn künftig nur noch ein Exemplar jeder Publikation gesammelt würde, und das, wo möglich, „ausschließlich in digitaler Form“.

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    Die Endabrechnung für den Schöneberger Strom kam. Damit sind wir jetzt wirklich, wirklich mit allem aus der alten Wohnung durch.

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    Die erste Wilmersdorfer Deckenlampe hängt. Farbton: Bernstein. Material: recycled.

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    Es war ein Arbeitsfreitag und ein Reisesamstag.

    Via Kopfbahnhof

    Am Südkreuz vor uns: Der ICE direkt nach Paris Est. Aber nicht an diesem Wochende.

    Steht – fährt

    Die nichtrollenden Berliner Bahnhofsrolltreppen bekamen mittlerweile einen halbseitigen Artikel in der Dithmarscher Landeszeitung gewidmet.

    Wir konnten es glücklicherweise so einrichten, dass sie S-Bahn uns zum höchsten Punkt des Bahnhofs brachte und wir Richtung ICE595 nur hinabsteigen mussten.

    ICE595 – der Kopfbahnhof-ICE. Über Leipzig (Richtungswechsel) nach Frankfurt (Richtungswechsel) und Stuttgart (Richtungswechsel) nach München (wäre Richtungswechsel wenn nicht Fahrtende).

    Vielleicht beflügelten ihn die Kopfbahnhöfe: Er war durchgehend pünktlich, mit allen angekündigten Wagen in der angekündigten Reihenfolge – und selbst das Bistro hatte durchgehend geöffnet. So einen Erfolg auf ganzer Linie hatten wir seit Jahren nicht mehr.

    Zugchef mobiler Verkäufer

    Schon länger fällt mir auf, dass die Deutsche Bahn ihre Zugchefs anscheinend durch ein Sprechtraining schickt. Seit einiger Zeit sind alle Ansagen auffallend klar ausgesprochen und erkennbar betont. DAfür haben sie mehr Freiheit im Wortlaut „Hello dear guests, my name is Brad Sneijeder“ allerdings war die Krönung. Offenbar lebt dort ein alter Traum weiter, mal eine Radio-Morningshow zu moderieren.

    Auch die Kaffeeversorgung per Onlinebestellung am Platz funktionierte tadellos. Würde jede Zugfahrt so verlaufen wie diese, würde ich glänzende Augen bekommen, wenn ich Deutsche Bahn sagte.

    Ich hätte einen weiteren Vorschlag für Personal: Erinnert sich noch jemand an die mobilen Brezel- ine Eisverkäufer*innen zwischen Göttingen und Kassel? Als wir zwischen Offenbach und Frankfurt die grünen Felder mit Grüne-Sauce-Kräutern passierten, dachte ich „Jetzt ein mobiler Grüne-Saucen-Verkauf, der die Kräuterbüschel im Zug verkauft. Das würde ich nehmen.“

    Über den Berg auf die Autobahn

    Spannend wurde der Rest der Fahrt nach Tübingen. Wir lesen seit Jahren das Fachblog für Bahnprobleme zwischen Stuttgart und Tübingen und waren gespannt. Es stellte sich heraus: Entgegen aller Planungen stießen wir auf das ultimate Bahnproblem bzw. das Ende aller Bahnprobleme: Schienenersatzverkehr.

    Dieser fuhr ohne Zwischenstopps direkt nach Tübingen und das weitgehend nach Plan. Madame erwischte einen überfüllten Linienbus, ich später einen halbvollen Reisebus, die uns problemlos bis an den Tübinger Hauptbahnhof fuhren. Aber vor dem SEV kam die Metropole im Talkessel.

    Stuttgart

    Stuttgart gab sich Mühe das Klischee der schwierigen Innenstadt vorzuführen. Kaum hatte ich einen Drogeriemarkt betreten, wurden dort zwei Jugendliche von der Polizei hinausbegleitet.

    Einst war ich als Kind/Jungjugendlicher in Stuttgart. Ich erinnere mich fast nur an den Bahnhof, der dank Baustelle kaum mehr wieder zu erkennen ist. Nur die Ecke gegenüber wirkt unverändert. Sogar mit historischem Crepes-Stand seit 1980.

    Einmal durch weitere Baustellen ging es in den oberen Schlossgarten. Ein wirklich schönes Zentrum mit Kultur (Theatern), dem Schloss und dem modern gebauten Landtag. Und einer schwäbischen Pragmatik, die ich mir für Berlin wünschen würde.

    Bild aus dem Stuttharter Schlossgarten. Im Hintegrund Park davor ein halbleeres gepflegtes Bild. Im Vordergrund Bilder "Straßburger Platz / Place des Strasbourg/ Strossburjer Platz" und "Vorsicht Skater. Skaten an Sitzungstagen untersagt"

    Schwimmen schauen

    Der Umsteigestopp in Stuttgart war praktisch. Bot er mir doch die Chance durch das Bahnhofslabyrinth Stuttgart 21 und den Schlossgarten zum Haus der Geschichte Baden-Württemberg zu laufen, „Frei Schwimmen“ anzusehen: eine Ausstellung zur Kulturgeschichte des Schwimmens (in Baden-Württemberg).

    Bei dieser standen wir im Herbst schon vor verschlossenen Türen, freundlicherweise wurde sie aber wegen des großen Erfolges um ein paar Monate verlängert. Jetzt also:

    Die Ausstellung findet im Untergeschosses statt, in einem großen Raum, ich würde schätze in etwa Schwimmhallenformat, in der mittels semitransparenter Wände in verschiedene Abschnitte geteilt ist.

    Frauen! Männer!

    Die Abschnitte sind chrono-thematisch geordnet: Eigentlich hat jeder Abschnitt ein Thema; zum Teil lassen sich diese aber direkt auf einem Zeitstrahl anordnen („Fürstenbäder“, „Schwimmen in der NS-Diktatur“), von oben geschaffene Arbeiterbäder („Das Nötigste, einem rohen Menschen Gesittung beizubringen, ist Wasser und Seife“). Die allgemeineren Abschnitte („Sport“, „Bekleidung“) wurden dann auf einen bestimmten Zeitabschnitt fokussiert (Sport auf die Weimarer Republik, Bekleidung auf das Kaiserreich) und fanden sich auch in der Chronologie weiter.

    Die Betonung lag auf Kultur und Zusammenleben, bei denen im Bad Vieles verstärkt wird, dadurch dass Formalismen und Gebräuche (Kleidung! Abstand!) die Problemlagen in der Öffentlichkeit gestalten, wegfallen. Es ist vieles unmittelbarer.

    Natürlich der Klassiker in vielen Varianten: Man(n) sieht Frau viertel- halb- ganz unbekleidet. Schön zusammengebracht in einem Doppelinterview mit einer Frau, die für Burkini-Erlaubnis in Bädern kämpft und einer Frau, die für Oben-ohne-Erlaubnis-für-Frauen in Bädern kämpft.

    Aber auch allgemeiner die Frage: Wer kann zusammen schwimmen: Arbeiter und Fürsten? Männer und Frauen? Juden und andere Deutsche? Französische Zwangsarbeiter und russische Zwangsarbeiter?

    Das Sein als Material

    Schön und spannend fand ich, dass wirklich alle Themenblöcke an Beispielen und Fällen aus Baden und Württemberg dargestellt wurden. Vor allem wurden die dargestellt an vielen Bildern und Erklärungen. Die materiellen Ausstellungsstücke waren sorgfältig ausgewählt.

    Mein Lieblingsstück war dabei optisch nur mittel beeindruckend, brachte aber fast alle Themen der Ausstellung gut zusammen: eine Tür des Lorettobades in Freiburg, des einzigen deutschen Bades mit reinem „Damenbereich“, die ebenjenen Badebereich vom allgemeinen Schwimmbad trennt.

    Meine beiden anderen Lieblingsstücke hatten nur indirekt mit Schwimmen und den gesellschaftlichen Problemlagen zu tun: Dieser Vorläufer eines Solariums und etwas ähnliches als allumschwingende Dusche, bei der sich jemand in die Mitte stellt und dann von etwas 15 Duschköpfen aus allen Richtungen abgestrahl wird.

    Hingehen?

    Hingehen!

    Allerdings läuft die Ausstellung nur noch bis zum 12. April.

    Und weil ich noch nicht gemäkelt habe:

    Der Welt fehlt weiterhin der Foucault des Schwimmbadwesens. Ein Thema, das gemeinschaftsbetont ist, dass eine ihm so innenwohnende Körperlichkeit hat, wie das Schwimmen, bietet sich nach einer Foucault-Behandlung an. Aber natürlich kann ich sowas nicht von einer solchen Ausstellung verlangen. Dafür in welchem Umfeld für welches Publikum diese Ausstellung stattfand, war sie richtig richtig schön.

    Im Rahmen des Möglichen wäre m.E. ein Abschnitt über Technik (von Goldorfen zum chemischen Kampfstoff Chlor) , dem gigantischen Energieverbrauch eines Bades und neuen Lösungen gewesen. Aber es braucht ja auch noch Material für die Folgeausstellung.

    Tübingen abend

    In Tübingen: vom Bahnhof zum Hotel, zweimal durchatmen. Vom Hotel zum Neckarmüller, erste Verwandtschaft treffen und ordentlich schwäbisch essen, vom Neckarmüller in die Hotelbar: Rotwein und Hertha BSC auf dem Großbildschirm. (1:1 gegen Bochum, wir gingen allerdings schon als es noch 1:0 für Hertha stand).

    Bücher Besen Kompostieren

    Uwe bereitet das Bundeskulturnarr-Buchhandlungsdesaster noch einmal umfassend auf und kauft Bücher: In Berlin gewesen. Bücher gekauft.

    Teures Papier erinnert sich an den DNB-Besuch: Geht es noch mehr daneben?

    Wie ein Regenbogenbesen entsteht

    Da werde ich nostalgisch: Musikkritik ist nicht tot, selbst wenn sie nach einem Shitstorm komisch riecht. Warum der Diskurs über Pop wichtig ist, wo er lebt und wo nicht.

    Heiko wird nostalgisch. Über seinen erfolgreichsten Tweet: Internetreparatur an Donauwelle

    Aus dem Maschinenraum der US-Justiz. Lego berichtet von einem Besuch der liberalen Supreme Court Judge Sonia Sotomayor an seiner Law School: Exclusive: Justice Sotomayor on AI, taxes and more

    Poupous Post über „Kein Naturgarten“ führte zu einem spannenden Link via Kommentar zu Claudias Naturnah gärtnern – was meinen wir damit?

    Anmerkungen

    1. Die aktuelle Überprüfung meiner Erinnerung sagt mir, dass Haefs zwar Übersetzer ist, die LeGuin-Übersetzung aber anscheinend nebenbei passierte. Stammübersetzer:innen für LeGuin sind andere. Andererseits habe ich mir die Haefs-Romane nur wegen des LeGuin-Kontextes besorgt. Positiv hereingelegt von mir selber. ↩︎
  • 26-03-12 Whisky. Danach auf den Boden legen und Musik hören.

    26-03-12 Whisky. Danach auf den Boden legen und Musik hören.

    Bienen und Schwebfliegen schwirren in der Kornellkirsche. Auch wenn wir theoretisch auf einen Parkplatz schauen wirkt es optisch wie ein Garten. Es ist ein sehr sympathischer Parkplatz.

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    Mir träumte von wilden Abenteuern in einer Ferienwohnung. Diese Wohnung ähnelte stark unserer neuen Wohnung. Was passt: Auch fünf Monate nach Einzug fühlt es sich hier immer noch im positiven Sinn nach Ferienwohnung an. Alles so leicht und hell (und halt auch kleiner) und mit Blick ins Grüne.

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    Die defekten Rolltreppen am Hauptbahnhof/Südkreuz werden langsam ein Berliner Wahlkampfthema.

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    Die Fernuni schickte mir eine erste Einladung zur Absolventen-Ehrung am Campus Berlin.

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    Originellerweise schickt mir die Fernuni auch lauter Einladungen für Studien-Anfangs-Veranstaltungen. Das Sommersemster 2026 wird halt mein erstes offizielles Mastersemester sein.

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    Gastronomische Hyperkorrektur am Café neben dem Büro: „Kalbsschnitzel Wiener Art.“

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    WordPress möchte im Halbtagestakt Updates auf neue Versionen installiert haben. Das ist bei Software ein schlechtes Zeichen. Die Logs sprechen dann auch wenig überraschend von Sicherheitsupdates.

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    Es waren drei Arbeitstage.

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    Was alles in wenigen Stunden eines gewöhnlichen Werktages passieren kann. Einiges wird Nachwirkungen über Monate haben, anderes ging schnell vorbei.

    Karpfenchinkali

    Besonders nett an diesem Werktag war das Kleintreffen der Karpfengruppe. Wie der gesamte Mittwochnachmittag stand auch dieses erstmal unter einem schlechten Stern: Nicht nur sagte die Hälfte der Anwesenden wegen Unwohlsein ab, selbst die als Ort avisierte Resonanz schloß sich an: Heute wegen Krankheit geschlossen.

    Dann aber wurde es schnell besser. Der Georgier direkt gegenüber der Resonanz (Il Ostan) hatte nicht nur geöffnet, sondern auch Plätze in der Abendrestsonne, georgisches Bier und allerlei Teigtaschen mit Kartoffeln, Pilzen, Hack, Käse und Schmand. Ich glaube jemand schwebte vor Freude über Nudeln mit Kartoffeln.

    Ach, diese Chinkali, diese wunderbaren Chinkali.

    Wir redeten darüber dass Informationswissenschaft- und Kommunikationswissenschaft ja nahezu dasselbe sind und Informatik und professionelle Kommunikation damit quasi auch.

    Es ging um Athen und Berlin-Websiten, um den Youtube-Kanal unserer Arbeitgeberin und Gründe, um aus Leipzig wegzuziehen. Außerdem um Geschwindigkeit, so ganz allgemein.

    Ein Teller mit Khinkali und ein Gefäss mit überbackenen Teigtaschen auf einem Tisch,

    Ihr seid Spaghetti!

    Bevor es hätte ausufernd werden können, musste ich aufbrechen. Denn um weiter aus seinem nachmittäglichen Formtief herauszukommen, hatte der Mittwoch einen Film auf das Programm gesetzt.1 Die Spielplandaten von „Ach diese Lücke, diese entsetzliche Lücke“ schwinden. Bevor sich der Film ganz aus dem Kinoprogramm verschwindet, wollten Madame und ich ihn sehen. Es lief Abends im Kant Kino Saal 4.

    Ich testete neue Westberlin-Strecken. Mit der M46 zum Ku’damm, dann ein paar Meter zu Fuß und mit dem X34 die Kant-Straße hinunter, um Madame zu treffen. Eine Stadt, die ich schon ewig kenne, aber auf neuen Wegen mit neuen Perpesktiven – erwähnte ich schon ein gewissess Ferienwohnungs-Feeling in den letzten Wochen?

    Schauspielschulenfilme

    Ach diese Lücke.. ist einfach ein schöner Film. Und wie es sich gehört bei einem Film über eine Schauspielschule, insbesonders ein sehr schön gespielter Film.

    Der Film orientiert sich am gleichnamigen autobiographischen Roman von Joachim Meyerhoff. Er schildert die Zeit wie Meyerhoff von 1989 bis 19922 an der Otto-Falckenberg-Schauspielschule in München studierte, während er gleichzeitig bei seinen Großeltern: einer ehemaligen Filmdiva (Inge Birkmann) und einem emeritierten Philosophieprofessor (Hermann Krings) wohnte.

    Es ist einerseits ein Film über einen jungen Mann, der immer mehr zu sich selbst und ins Leben findet und andererseits über ein altes Paar, das immer weniger wird und am Ende komplett aus dem Leben schwindet; ein Film mit zwei Bewegungsrichtungen zum Leben und im Leben stehend: Lustig, traurig, anrührend, beängstigend, fröhlich.

    Ins Leben hinein

    Diese Doppelbewegung. Da ist der junge Joachim, halb aus Trotz zur Schauspieler kommend, halb aus Überzeugung. Der Joachim, der irgendwie schon dazu gehören möchte, aber sich allem verweigert was irgendwie peinlich, herausfordernd oder seltsam ist.

    Und eine Schauspielschule bietet sehr viele Gelegenheiten für peinliche Herausforderungen. („Jetzt seid ihr Spaghetti! Und ihr fallt in kochendes Wasser!“) Immer in diesem seltsamen Zwischenspiel, dass er eigentlich dazu gehören will – aber nicht so!

    Sehr schön besetzt mit Bruno Alexander, der als einziger Schauspieler einer wichtigen Rolle im Film nie an einer Schauspielschule war – und vielleicht deshalb das Befremden über das Leben dort und auch eine Art des Spiels besonders gut herüberbringen konnte.

    Aus dem Leben heraus

    Hach, und das Paar, die Großeltern (gespielt von Senta Berger und Michael Wittenborn). So aufeinander eingespielt und nach Außen schrullig wirkend wie vermutlich viele ältere Paare. Wir fühlten uns sehr erkannt. Auch wenn wir kein Duo-Gurgeln betreiben oder Punkt fünf zur Schlag zahlreicher Uhren den Whisky öffnen – wahrscheinlich bietet jedes Paar genug Beobachtungen für solche Momente.

    Sie sind hinreißend, wenn sie gemeinsam aber getrennt Gymnastik machen. Oder wenn er, Ordinarius für Philosophie, immer wieder gerne zustimmend wiederholt, was sie gerade gesagt hat. Oder wenn sie, zu Meyerhoffs befremden, erklären, dass sie Musik am besten nebeneinander auf dem Teppichboden liegend hören können und das sofort in die Tat umsetzen. Damit dann der eine oder die andere oder beide nach diversen Champagner und Whisky am Abend vom Treppenlift ins Schlafzimmer gehievt werden.

    Es ist anrührend, wenn man sieht wie die Routinen und Abläufe immer ein wenig weiterschrumpfen, weil es nicht mehr geht. Während gleichzeitig der junge Meyerhoff immer weiter ausgreift, größere Kreise zieht, in die Wellt tritt.

    Wirklich ein schöner berührender Film. Nicht ganz so großartig in Kamera, Ausstattung und Sound wie Hamnet – aber ähnlich großartig gespielt.

    Hit is muchel to seggen all þat pinunge hie on me uuroȝten

    Ein sehr schönes Experiment. Ein durchgehender Reisebericht, der in jedem Absatz sprachlich ein Jahrhundert zurückrutscht. Bei mir kostet es ab 1500 Mühe, ab 1200 bin ich raus.: How far back in time can you understand English? (via The Curious About Everything Newsletter #60)

    Auch über die englische Sprache schreibt Herr Rau. Konkreter vor allem über /æ/, /e/ und /ɪ/: Aussprache-Spiele und -Videos

    Um im Thema der letzten Einträge zu bleiben, legt der Guardian nach: The unbelievable life of Leo Sayer! The songs, the sex, being swindled – and a spooky phone call from Elvis

    Anmerkungen

    1. Yorck Unlimited No. 15 dieses Jahr – 15,86€ pro Besuch. ↩︎
    2. Punktgenau dasselbe Jahr in dem der andere große Schauspielschulenfilm Kleine Haie gedreht wurde. Die beide grundverschiedene Filme sind aber dasselbe Setting haben. Anlass für ein Double Feature. ↩︎
  • 26-03-10 Laughing with mockery The Edge of Reality

    26-03-10 Laughing with mockery The Edge of Reality

    Linke Übermacht in Zürich schürt bürgerliche Ängste“ erzählt mir der SRF nach den Wochenend-Abstimmungen in der Schweiz. Und mit dieser guten Nachricht könnte ich auch wieder aufhören mit diesem Blogpost.

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    Wobei ich das Schweizer politische System zwar ganz grundlegend verstehe. Wenn es dann aber mal ins konkrete Detail geht und ich zum Beispiel an einem Wahlabend all‘ die Abstimmungen und Ergebnisse sehe, wirkt das auch mich doch sehr verwirrend.

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    Kaum verständlicher scheint mir der irrlichternde Kulturstaatsminister und sein entschiedenes Vorgehen gegen inhabergeführte Buchhandlungen. Zur schwankenden Weltkugel (Berlin), Rote Straße (Göttingen) und Golden Shop (Bremen) gehen jetzt juristisch dagegen vor. Es gibt eine Infoseite mit Spendenlink für die Prozesskosten.

    Damit konnte ich auch gleich mal per QR-Code und Banking-App etwas überweisen. Schickes Verfahren!

    Schön auch das Statement der anderen 115 Buchhandlungen: […] . Wir haben uns entschieden, zusammenzulegen, um den Kolleginnen und Kollegen ihr Preisgeld zu ersetzen. Mehr als die Hälfte der nominierten Buchläden erklärte sich bei einem ersten spontanen Rundruf bereit, Geld ans Sozialwerk des Deutschen Buchhandels zu überweisen, damit auch diese Buchhandlungen ihren Preis bekommen. Außerdem laden wir die Kollegen aus Göttingen, Bremen und Berlin zur Preisverleihung nach Leipzig ein, um mit uns gemeinsam zu feiern. […]

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    Madame konnte nicht zu Bett, denn sie wartete auf Offenburg. Den letzten auszuzählenden Wahlkreis aus Baden-Württemberg.

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    Ich konnte die Rolltreppen am Südkreuz nicht benutzen, denn sie funktionieren weiterhin nicht. Immerhin wurden keine neuen Geht-nicht-Schilder aufgestellt. Vermutlich, weil die Schilder-Aufsteller*innen damit beschäftigt waren, einen Bahnhof nördlich bereits freigegebene Rolltreppen wieder aus dem Betrieb zu nehmen.

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    In Brandenburg fallen Züge aus aufgrund „defekter Bahnsteigkanten“. Das ist neu.

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    Es war ein Garten-Kino-Sonntag und ein Arbeitsmontag.

    Pleasure ground

    Poupou wurde von einer Nachbarin auf den „Naturgarten“ angesprochen, was zu grundsätzlicherem führte:

    Ein Garten ist von seinem Konzept her das Gegenteil von Natur. Wäre unser Garten Natur, das heißt, würden wir nicht mehr eingreifen, würden ihn wohl zuerst Brombeeren überwuchern, irgendwann würde sich ein Birkenhain etablieren, darunter würden junge Buchen hochkommen und schließlich wäre da ein Wald. Weil wir eingreifen, ist es ein Garten.

    Uns erfreut, wenn wir selten gießen, jäten, spritzen oder düngen müssen. Weniger, weil wir das generell ablehnen würden, sondern weil es uns noch mehr erfreut, die Zeit im Garten damit zu verbringen, zu lesen, zu sinnieren und dabei immer wieder den Blick schweifen zu lassen. (Kein Naturgarten)

    Noch befindet sich der Garten im Nachwintermodus, noch bestimmen die schwarzen Stauden des letzten Jahres, gefallenes Laub des Herbstes und das 2025 gewachsene Gras das Bild. Der Frühling recht sich zwar empor, zeigt sich an Knospen, dem rückkehrenden Hausrotschwanz, ersten Hummeln und Schneeglöckchen.

    Aber wie die Schneeglöckchen zwischen braunem Laub und leeren holzigen Rosenstämmen sich emporrecken so gilt es noch den Winter zu überwintern.

    Madame machte fast-winterliches, indem sie umgefallene Stauden des Vorjahres einsammelte – wenn sie liegen, sind sie kein Architekturelement mehr. Sie rückte weiter Bäumen, Hecken und Sträuchern mit Säge und Heckenschere zu Leibe. Denn es ist zwar ein entspannter please ground, aber eben ein bewusst und gewollt gestalteter.

    Und vielleicht sehen wir dieses Jahr erste unbrandenburgische Pfirsichfrüchte.

    Knospen eines Pfirsichbaums an roten Ast. Im Hintergrund ein Gartenbungalow, eine Hecke und blauer Himmel

    Elvis the third

    Es ist möglich, E.P.i.C., den Baz-Luhmann-Elvis-Presley-Konzertfilm dreimal zu sehen. Es ist sogar sinnvoll. Langsam arbeiten wir uns in der Bild- und Tonqualität nach oben. Nach Kant Kino Saal 2 – beste beengtes 70er-Jahre-Feeling in Butzenkino, immerhin mit Stimmung – und dem sehr angenehmen Adria Steglitz landeten wir in der Astor Premium Lounge am Ku’damm: Bequemer als das Adria, umwerfender Sound und Bild, und eine Stimmung, die beinahe Kant-Kino-Niveau erreichte.

    Wieder sprach er. Wieder sang er. Wieder staunten wir über eine Versalität, die von Elvis-Klassikern über Gospel bis zu Bridge over troubled water reichte, staunten über das Zusammenspiel von ihm und Band. Alles nahbar, menschlich, Musiker halt – was mir bisher alles unter dem seltsamen Mythos verborgen blieb.

    Und mit jedem mal schauen, entdecken wir mehr. Diesmal zum Beispiel in den kurz gezeigten Filmausschnitten aus seiner Film“karriere“, die trotz dem Mitspielen in einer erstaunlich großen Auswahl wirklich schlechter Filme erstaunlicherweise nicht komplett seine Karriere zerstörte. Neu entdeckt: Im Song Edge of Reality aus dem Film Live a Little, Love a Little (1968) sind Musik und Set nicht nur abgefahren psychedelisch (der Hund!). Sondern ihnen gelingt auch das Kunststück Elvis (Elvis!) hüftsteif wirken zu lassen.

    Dersdorf bis Wählscheibentelefon (IHK)

    Zu Fuß über Brenig, Dersdorf, Waldorf bis Kardorf.

    Mit dem Zug nach Husum.

    Viele Links: Internet ist kaputt, und die KI hat ein Problem mit Frauen

    Einerseits gar nicht überraschend, mich aber dann doch überraschend. Es existiert die Weiterbildung KI Manager (IHK) (oder Fraunhofer oder Haufe)

    So dystopisch kann man gar nicht mehr denken: Polymarket verdient sein Geld nicht mit Lebensmitteln. Genau deshalb kann es sie verschenken. Die Ware ist hier kein Sortiment, sondern Werbemittel. Brot als Kampagne. Milch als Akquisitionskosten.

    Was aber richtig cool ist: Ich habe nicht nur ein Wählscheiben-Telefon hier zuhause, nein, noch besser: Es funktioniert sogar! … Die Gegenstelle (auch son Begriff) hängt im Nachbarhaus in der Küche. Dort wohnten seinerzeit meine Schwiegereltern. Da in diesem Inselnetz nur zwei Anschlüsse existieren, muss man (leider) auch keine Nummer wählen: Nimmt man auf einer Seite den Hörer ab, dann klingelt es auf der anderen Seite.

    Nicht in E.P.i.C. aber zum Thema wie schwarz kann Elvis klingen: Stranger in My Own Hometown

  • 26-03-08 Wir hörten den Ahorn bevor wir ihn sahen

    26-03-08 Wir hörten den Ahorn bevor wir ihn sahen

    Madame saß mit verschränkten Armen im Pullover auf der Terrasse und sagte „Sommer!“

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    Vorher hatte sie die Woche der Wochen in der Hafenstadt erfolgreich absolviert.

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    Meine Stammbuchhandlung Hammett ist einer der Gewinner des deutschen Buchhandlungspreises. Ja, genau, DIESES Buchhandlungspreises. Wobei ich die vom ebenso närrischen wie kulturlosen Kulturstaatsminister persönlich vom Preis ausgeschlossene Berliner Buchhandlung Die Schwankende Weltkugel auch kenne und empfehlen kann.

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    Mein aktuelles Buch von Dashiel Hammett, the Maltese Falcon weiß mich nicht so recht zu fesseln. Vielleicht weil das Buch im Vergleich zum Film zwangsläufig die halbe Geschwindigkeit hat. Oder weil es im Vergleich zum wild ausufernden von mir geliebten Dain Curse und dem rohen Red Harvest doch irgendwie zu glatt ist.

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    Die Schwimmbadbesatzung teilte Madame mit, sie hätten schon gemerkt, dass sie die schwimmerisch aktivere von uns beiden ist. Das ist einerseits originell, andererseits zur Zeit korrekt. Ich gelobe wieder öfters ins Bad zu gehen.

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    An der Ampel stehend hörte ich wildes Gehupe. Es ging von einem leicht zerbeulten Kleinwagen aus. Ich konnte keinen rechten Grund für die Huperei erkennen und dachte spontan an einen kläffenden Dackel, der Bernhardiner und Schäferhunde angeht.

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    Kurz darauf fuhr ein Subaru Forester1 vorbei. Genauso alt und im selben Waschzustand wie sich unserer normalerweise befindet. An diesem Wagen hing allerdings ein Kennzeichen der US-Botschaft, und ich freute mich: Es gibt sie noch die Guten.

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    Madame stellte fest, dass nicht Daniel Küblböck der Elvis seiner Generation ist, sondern Bill Kaulitz ist der Elvis seiner Generation. Als Kind und Jugendlicher „seltsam“ und stets von Mobbing betroffen, wenig später aufgrund dieser Seltsamkeit Weltstar und Junge-Frauen-in-die-kreischende-Extrase-Treibender.

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    Miss und Mr. Fluffy waren zu Gast. So schön. Gespräche reichten von Versailles zu Nacktschnecken und wieder zurück. Sogar erwachsene Themen kamen vor.

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    Es war ein Freitag mit Arbeit und Kino und ein Samstag auf den Latifundien.

    Die Frage wann Fulbe gesprochen wird und wann französisch

    Ich gewöhne mich daran, dass die Gegend um den Bahnhof Zoo mein neuer Kiez wird. Wenn ich die Strecke Büro->Bücherei beginne, ist der Bahnhof mit den Kinos Delphi Lux und Delphi Palast nebenan ein logischer nächster Wegpunkt.

    Nachdem ich also Madames Buch in der Bibliothek abgeholt hatte, schlug ich erfolglos bei Shoe City die Zeit tot, um endlich zum After-Work-Kino im Delphi Lux zu landen:2 L’histoire de Souleymane / Souleymans Geschichte.

    Zwei Tage

    Zwei Tage im Leben des Asylbewerbers/Fahrrad-Essenslieferanten Souleymane Sangaré (gespielt von Abou Sangare) aus Guinea bis zu seiner Anhörung bei einer namenlosen Sachbearbeiterin (Nina Meurisse) vor dem Office français de protection des réfugiés et apatrides (OFPRA) über seinen Asylantrag.

    Souleymane fährt mit seinem Lieferfahrrad durch Paris, muss sich mit einer ganzen Reihe schlechter Menschen herumschlagen, die seine Situation ausnutzen, um schließlich um 22 Uhr den Bus zur Obdachlosenunterkunft zu erreichen. Dabei versucht er eine Geschichte auswendig zu lernen, die nicht die seine ist, aber im Asylverfahren besser klingt als seine wahre Geschichte.

    Zwischen La Chapelle und Gare du Nord

    Der Film hat zwei deutlich abgegrenzte Teile: 70 Minuten mit dem Fahrrad durch Paris: Hetzen zu Schnellimbissen, Treppen hoch, quer durch den Verkehr; Unfälle vermeiden, überwacht von der Kurier-App. Kurze Diskussionen mit anderen afrikanischen Kurieren und der „Kurier-Nothilfe“ in der App. Längere unerfreuliche Diskussionen mit dem Mensch, der ihm sein Kurierkonto „vermietet“ – denn als Asylbewerber darf Souleymane nicht arbeiten.

    Manchmal dachte ich beim Sehen „zu sehr Sozialreportage, zuwenig Spielfilm, irgendwie wirkt das zu sehr abgefilmt zu wenig gestaltet“ – dafür lernte ich sehr viel über sein Leben und das Leben von Kurierfahrern. Ich werde sie ab jetzt mit anderen Augen sehen.

    Ich lernte Paris aus einer anderen Perspektive sehen – und da ein Großteil des Films in dem Viertel am Gare du Nord/Gare de L’est spielt in dem auch wir in Paris übernachten, war es in Teilen „mein“ Paris. Aus einer Perspektive, die man dort immer spürt, die wir als drei-Tages-Touris aber natürlich nicht sehen. Ich bin von dieser Stadt eh komplett hingerissen, und das hat durch den Film weiter zugenommen.

    Was ist Ihre Geschichte?

    Ganz anders die Anhörung: Ist das Paris-Straßenleben hart, ausbeuterisch, rücksichtlos, aber voller Leben ist es bei der Behörde anders: Neutral. Die Sachbarbeiterin ist freundlich, höflich, ihm durchaus zugewandt.

    Aber beiden, der Sachbearbeiterin und Souleymane, ist bewusst, dass sie den französischen Staat verkörpert, der jetzt in diesem Moment über sein gesamtes weiteres Leben entscheidet. Selten sah ich ein Kammerspiel in dem die Fallhöhe zwischen Form und Inhalt so riesig war. Der Unterschied zwischen dem sehr lebendigem rücksichtlosen Alltag der zwei Tage und dem freundlich-zugewandten Abgrund an dem er in der Behörde entlangwandelt, schmerzt beim Sehen körperlich.

    Besonders schmerzlich wird es, wenn seine auswendig gelernte Geschichte sichtbar zerfällt. Sie fordert ihn mehrfach auf, die Wahrheit zu erzählen. Was er schließlich weinend macht. Eine Geschichte, die menschlich bewegend und nachvollziehbar ist – aber wie wohl die meisten Menschen im Kino wissen, nicht den Anforderungen des Asylrechts genügt.

    Beste schmerzlichste Schlusssätze in Filmen: „Wenn wir den Antrag akzeptieren wird der französische Staat sie mit all‘ seiner Kraft beschützen. Lehnen wir ihn ab, haben sie einen Monat Zeit um in Rekurs zu gehen.“ Wahrscheinlich zerstören wir gerade ihr Leben. Aber höflich und dem Rechtsweg folgend.

    Blick aus dem Delphi Lux Kino. Vor dem Fenster eine abendlich beleuchtete Wand mit Graffitti und ein schmaler Weg. Im Fenster spiegelt sich der Schriftzug "Lux"

    Zitronenfalter: Eins. Taubnessel: Eins.

    Frischluft nach dem Film tat gut. Die Nachtfahrt auf die märkischen Hamptons erfüllte alle Ansprüche: Uns empfing ein Sprung Rehe3. An der üblichen Feldhasenstelle tauchte der Feldhase auf, nur damit danach auf dem Feld ein weiterer Sprung Rehe stand. Und das alles bevor wir den Bungalow auch nur erreicht hatten.

    Bei Rinderstolz & Wildeslust herrschte Sommer. Bis wir den Weg zum Verkaufswagen gelangt waren, waren seine gesamten Bratwurstvorräte aller Sorten bereits ausverkauft. Genau fünf grobe Bratwürste einfacher Art waren übrig. Es ist Grillzeit in Brandenburg.

    Im Garten lässt sich der Frühling Zeit.

    Madame suchte Knospen und Blüten und schnitt Bäume. Drei einsame Krokusse begleiten die Schneeglöckchen. Sie fand eine blühende Taubnessel. Noch herrscht hier Vorfrühlingsansatz, kein Frühling. Für Alkeme benötigt sie trotz Langstreckensäge inzwischen eine Leiter.

    Aber wie letzte Woche auch: Es gab Zitronenfalter.

    Und plötzlich am Kompost hörten wir es summen und brummen. Auditiver Sommer. Nach einiger Orientierung erblickten wir einen blühenden Baum im Niemandsland auf der Ausgleichsfläche hinter dem Nachbargrundstück. Vermutlich ein Silberahorn. Auf den dritten Blick sahen wir in ein paar Metern Höhe Insekten schwirren. Sie sind wieder da.

    Kremšnite, Gurke, Ei

    Holger fährt Bus. Teil 1 und Teil 2 und Teil 3.

    Margrit wurde von Wikipedia enttäuscht.

    Joel war das erste Mal in Ljubljana: „Mein Gott ist die Stadt schön!“ Teil 1 und Teil 2 und Teil 3 (samt Gebäcktipp vom Flusskiesel – spätestens wenn man den ausspricht, merkt man wieder, dass Slowenien K.u.K. war)

    Nicht richtig schön, aber doch eindrucksvoll: Das Ei des Nachbarn.

    Schön und eindrucksvoll: Die Gurke des Juan Sánchez Cotán

    Anmerkungen

    1. An der Markenwahl Subaru hängt in den USA ein großes politisch-kulturelles Universum, das in Deutschland komplett unbekannt ist. Ich gehe davon aus, dass ein US-Botschaftsangehöriger das weiß. Wie wir auch. Als Einstieg: Alex Mayyasi / The Atlantic: How Subarus Came to Be Seen as Cars for Lesbians etwas weiter gefasst: How Subaru Became the Unofficial Car of Vermont … and New Hampshire, and Maine, and Massachusetts, and Washington, and Oregon. ↩︎
    2. Yorck Unlimited No. 14 – damit 17€ pro Besuch. ↩︎
    3. Nicht zu verwechseln mit dem Rehsprung „eine Figur der rhythmischen Sportgymnastik↩︎

  • 26-03-05 Gefühle zeigen mit dem Zimmermannshammer

    26-03-05 Gefühle zeigen mit dem Zimmermannshammer

    Madame betreut diese Woche Finanzjudoka.

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    Eine Ladung Mehrfachstecker wanderte in den Keller. Nicht nur ist die neue Wohnung sehr viel heller als die alte, was zu einem überraschend großen Klemmlampenüberschuss führte, auch hat sie viel mehr Steckdosen an besseren Positionen, was den Bedarf an Mehrfachsteckern senkt.

    Auch noch Umzugsnachbereitung: Die Vasen erblickten wieder das Tageslicht.

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    Im Baz-Luhmann-Interview zu Elvis las ich den Satz: Even early on he had sideburns and was wearing makeup at school — it was coming out of his inventive mind. He was bullied a lot. Und spontan dachte ich an jemand Anderen, der immer zu anders und geschminkt und zu exzentrisch war, und dem Leute sagten, er könne nicht singen – Daniel Küblböck. Der Elvis seiner Generation?

    Auch entdecke ich inzwischen, dass Bob Dylan ein rieser Elvis-Fan war. Das Hören von Heartbreak Hotel beschrieb Dylan als lebensverändernd. Wobei ich von Dylan noch weniger Ahnung habe als von Elvis. Aber ich lernte gleich mit: Es gibt ein Dylan-Album Highway 61, dass der Straße von Dylans Heimat Minnesota in den Süden nach Memphis und Mississippi gewidmet ist.

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    Im Bus vor spielte jemand Stereotyp eines jungen Mannes von heute, indem er wechselnd einen Poker-Livestream auf seinem Handy betrachtete und eine Börsenseite öffnete.

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    Im Südkreuz wurden die Rolltreppen natürlich nicht repariert. Dafür tauchte ein weiteres Schild mit einem Hinweis auf, dass die Rolltreppen wirklich, wirklich kaputt sind.

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    Es waren drei Arbeitstage mit Kinointermezzo.

    Nur ein klitzekleiner Dauerauftrag

    Bevor die Wegelagerer zur Rettung flauschiger ausgebeuteter Babies vom Südkreuz abzogen, raffte ich mich doch noch zu einem Gespräch mit ihnen auf. Wozu habe ich im Leben eine fünfstellige Zahl an Telefonaten mit Menschen geführt, die dringend und aufgeregt etwas von mir wollten, wenn nicht für solche Momente? Ich setzte mich also innerlich gerade hin, ging in den Modus „Jedes Gespräch ein Tanz – und ich führe“ und ließ mich ansprechen.

    Die Dame am Stand sagte ihre Sprüchlein auf, ich sagte meine Sprüchlein auf. Und je nach meiner Lust mal schneller oder langsamer lenke ich das Gespräch dahin, dass die Spendensammlerin meinen flauschigen ausgebeuteten Babies etwas wegnehmen müsste, um es ihren flauschigen ausgegebeuteten Babies zu geben.

    Dann gibt es zwei Möglichkeiten: (1) Die Person erkennt, dass sie verloren hat. Sie verlässt den Verkaufsmodus und dann führte ich schon echt nette spannende Gespräche mit den Leuten an solchen Ständen. Viele sind ja happy, wenn überhaupt mal jemand freundlich zu ihnen ist. (2) Oder die Person erkennt es nicht und fängt an, gegen meine flauschigen ausgebeuteten Babies zu argumentieren. Dann muss ich leider kurz unhöflich werden und das Gespräch beenden.

    Hallo Greenpeace, Eure Spendensammler gehörten leider zur zweiten Kategorie. Schlechter Stil.

    Es ist die Kornellkirsche und nicht die Lärche

    Der Strauch enttarnte sich.

    Seitdem wir im Dezember einzogen, schauten wir auf einen Baumstrauch vor unserem Fenster. Flapsig als „Baum“ bezeichnet, auch weil er ein paar Meter hoch ist, war angesichts der Wuchsform schon früh wahrscheinlich, dass dort ein großer Strauch steht.

    Aber welcher? An der leeren Pflanze, nur Rinde ohne Blätter oder Blüten konnten wir es nicht erkennen.

    Bis Madame die Tage auffiel, dass die sehr hellgrünen Knospen bei näherer Betrachtung schon beginnende Blüten waren. Die wurden etwas größer und gelber und offenbarten ihre ganze Pracht.

    Es ist eine Kornellkirsche: ein in Deutschland auch wild vorkommender Strauch, der im Vorfrühling blüht – wie wir sehen können – wichtige Insektenweide und später mit seinen „Kirschen“ Vogelfutterstrauch. Ein belebter Strauch, der einen Großteil des Jahres über Farbe, Insekten und Vögel direkt vor das Fenster bringt.

    Sehr sympathisch.

    Ausschnitt einer blühenden Kornellkirsche in der Sonne

    entreiß dich seiner Hand wie eine Gazelle, / wie ein Vogel der Hand des Jägers!

    Im Kino1. Mit mir zusammen waren lauter Menschen, die beim originalen Filmrelease 2003 von Oldboy noch weit jenseits der zulässigen Altersgrenze für diesen Film waren.

    Einfach nur fühlen

    Vor dem Film kam eine Werbung für einen anderen Film: Quentin Tarantinos Kill Bill kommt in einer ungeschnittenen Version zurück in die Kinos. Ich dachte beim Sehen gleichzeitig: „Kill Bill ist so unfassbar cool.“ und „Ich hab echt keine Lust mehr auf cool inszenierte Gewalt.“

    Ein wenig befürchtete ich, auch in meiner aktuellen Vorstellung in genau so einem Film gelandet zu sein: Park Chan-wooks Oldboy ist ein von vorne bis hinten durchchereographierter Film mit einem Gewaltlevel am Anschlag.

    Und doch ist er kein bißchen wie ein Quentin-Tarantino-Film.

    Bei Park ist die Gewalt nie Form. Sie ist Ausdruck des Inneren Schmerzes. Und der ist in diesem Film hoch. Wo in der Oper eine Arie gesungen wird, um den Gefühlen Ausdruck zu verleihen, greift hier Protagonist Oh Dae-su zum Zimmermannshammer um seinem Gegenüber methodisch die Zähne zu ziehen.

    Ein Stop in der Handlung; reine gestaltete Emotion. Keine schöne Emotion, aber innerer Ausdruck.

    Der ganze Film ist überbordend wie eine Oper, surreal und phantastisch wie eine Mischung aus Kafka und griechischem Götterspel: Die dunkle Oper Lady Macbeth von Mzensk letzte Woche war eine gute Vorbereitung, ich verließ das Kant Kino ähnlich durchgemangelt wie letzte Woche das Schillertheater.

    15 Jahre lang Teigtaschen

    Der Film beginnt mit dem koreanischen Geschäftsmann Oh Dae-su (gespielt von Choi Min-sik), der am Geburtstag seiner kleinen Tochter stockbetrunken auf der Polizeiwache festgehalten wird. Nachdem er diese endlich verlassen kann, wird er entführt und findet sich in einer wohnungsartigen Gefängniszelle wieder.

    In dieser Zelle verbringt er 15 Jahre ohne zu wissen warum. Von seinem besten und einzigem Freund in der Zelle, dem Fernseher, erfährt er zwischendurch, dass seine Frau ermordet wurde. Eines Tages findet er sich genauso unerklärlich in der Freiheit wieder wie er vorher aus dieser Verschwand.

    Nach seiner Freilassung versucht Oh Dae-su Graf-von-Monte-Christo-artig Rache an seinen Peinigern zu nehmen. Ohne zu wissen, dass diese schon Graf-von-Monte-Christo-artig Rache an ihm nehmen.

    Dabei ist in der Konstellation sein Peiniger Lee Woo-jin (Yoo Ji-tae) eine Art griechischer Gott, der zwar voll innerem Schmerz ist, aber in dieser Situation unangreifbar allesbeherrschend, während Oh Dae-su den kleinen Sterblichen darstellt, der all eine Kraft, Emotion, Schmerz, Wut aufbietet und doch nur durch das Labyrinth rennt, dass Lee Woo-jin für ihn gebaut hat.

    Oh Dae-su ist jemand, der den Geburtstag seiner Tochter betrunken auf der Polizeiwache verbringt – nicht unbedingt sympathisch, sicher kein Übermensch, aber voller Drang und Gefühl. Er steht einem Gegner gegenüber, der 15 Jahre komplett durchgeplant hat.

    „Du stellst die falschen Fragen: Die Frage ist nicht, warum jemand dich 15 Jahre eingesperrt hat, sondern warum du nach genau 15 Jahren freigelassen wurdest?“

    So sehen wir Oh Dae-su, verzweifelt auf der Suche nach dem Grund und Lee Woo-jin verzweifelnd an dem Grund, wie sie sich in den Abgrund treiben.

    No-brainer. Ein Lob der Bürokratie.

    Was ich richtig schön finde: Während des Kopierens sieht man ja Dateinamen vorbei huschen. Und während bei mir da voll wichtiger Scheiß wie „Socialmediakonzept Weihnachtskampagne 2007“ oder „Rebriefing wichtiges Vorgespräch Dezember 2011“ durchläuft, synchronisiert gerade der Schul-Ordner der Liebsten: „So lebten Oma und Opa“, „der Igel“ oder „Zahlenraum bis 20“. Ein no-brainer, was da eigentlich wichtiger ist.

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    Karen erst als Grenzgängerin auf Zypern, wenig später mit der Bunker-App.

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    That one XKCD thing, now interactive

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    KI für Fortgeschrittene: Support-Tickets durchsuchbar machen mit RAG-Search – eine Anleitung

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    Den neuen Jim Jarmusch sehen oder nicht? Ich liebe Jarmusch-Filme, finde aber den Trailer sehr abtörnend. Christian hat offenbar ein komplett anderes Verständnis von Filmen als ich und findet ihn gut.

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    Viele vermeintliche Kämpfer für die Meinungsfreiheit sind ihre größten Gegner. Die Debatte um sogenannte Blasen ist auch schon lange kontraproduktiv. Und Wolfram Weimer macht wieder Wolfram-Weimer-Sachen.

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    Auch war die estnische Justizministerin und Ministerin für Digitales vor Ort, die über die Wandlung der estnischen Verwaltung referierte. Dabei sagte sie so lustige Sachen wie: „Wir lieben Deutschland wegen der Regeln und wegen der Bürokratie!“ Und das meinte sie vollkommen ernst. Sie hätten nach der Unabhängigkeit von der Sowjetunion das deutsche Justizsystem nämlich 1:1 kopiert, und darauf aufbauend war es ihnen möglich, verbindliche Regeln für ihre IT-Systeme zu entwickeln. Sie sagte, unsere Bürokratie sei nach wie vor super, es ginge nur alles etwas langsam.

    Anmerkungen

    1. Yorck Unlimited No. 13 – 18,31€ pro Kinobesuch. ↩︎

  • 26-03-03 Lord Almighty I feel my temperature rising

    26-03-03 Lord Almighty I feel my temperature rising

    Der Meisenknödel ist alle. Madame füllte nach. Der Parkplatzfuchs bleibt verschwunden.

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    Nach mehrfachen Versuchen gelang es Madame, montags zu töpfern. Vorher führte sie mit ihrer roten Signaljacke Projekte und Projektteilnehmede zusammen.

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    Erstaunlicherweise hat selbst meine weitgehende Untätigkeit seit vielen Jahren die Wikipedia-Community nicht davon abgehalten, mich in die Jury des Wikipedia-Schreibwettbewerbs zu wählen.

    Ich fürchte, ich muss mal meine Wikipedia-Profilseite aufräumen. Die hat immer noch den Stand 2015.

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    Dazu (un)passend. Es gibt einen neuen Wikidata-Eintrag über mich. Über mich; der ich seit Jahren allen Menschen gefragt und ungefragt erzähle, dass sie auf gar! keinen!! Fall!!! einen Wikipedia-Eintrag über sich selber haben wollen, weil der nur unglücklich macht. Auf gar! keinen!! Fall!!!

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    Der Schlüssel des Schwimmbad-Putzmannes funktioniert nicht mehr. Dies erfuhr ich heute Montagmorgen als ich ihm im Schlafanzug die Tür öffnete. Es wäre zwar auch reguläre Bad-Besatzung anwesend gewesen, aber unsere Klingel war die nächste, die er fand.

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    Nachdem ich recherchiert hatte, wie das verschwundene CD-Player-Kabel heißt („Kaltgerätestecker C7/C8„), tauchte er freundlicherweise von alleine wieder auf, bevor ich einen neuen besorgen konnte. Besorgt hingegen hatte ich weiteren Kabelmanagementbedarf. Unter meinem Schreibtisch war es noch nie so ordentlich.

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    Es war ein Kinosonntag und ein Personalversammlungs-Montag

    Mittags: Stullen, Kaffee und Cola

    Wikipedia schreibt zur Personalversammlung: Unter einer Personalversammlung versteht man eine vom Personalrat einberufene Versammlung aller Beschäftigten einer öffentlichen Dienststelle, [sie] .. darf alle Angelegenheiten behandeln, die die Dienststelle oder ihre Beschäftigten unmittelbar betreffen […] Häufig nutzen auch Dienststellenleiter und Vertreter der Gewerkschaften die Personalversammlung, um ihre Positionen zu den Angelegenheiten der Beschäftigten darzustellen.

    Bei meiner Arbeitgeberin hat es sich eingebürgert, dass insbesondere die Beschäftigten selber ihre Positionen zu ihren Angelegenheiten von TVöD bis zur Dienstkleidung darstellen; was immer eine lebendige, unterhaltsame Versammlung ergibt.

    Im Bewusstsein dessen, dass die Auswahl der Redenden, die Themen der Redebeiträge und der Umgangston keineswegs repräsentativ sind, lernte ich doch wieder vieles über meine Arbeitgeberin und den Betrieb. Auch ist es schön, so viele Leute gleichzeitig an einem Ort wiederzutreffen.

    Natürlich ist das alles hoch intern. Aber zwei Sachen, die quasi meine oberste Chefin, SenInn auch bekannt unter dem Titel Berliner Senatorin für Inneres und Sport verkündete, halte ich für öffentlich und kann sie weitersagen: Auf dem Parkplatz an der Schwimmhalle Märkisches Viertel, der an die Gesobau verkauft wurde, sollen im entstehenden Wohngebäude auch Wohnungen für BBB-Mitarbeiter entstehen. Ein wenig älter, aber mir auch neu, Berlin will bis 2028 insgesamt 1000 neue Wohnungen für Landesbeschäftigte schaffen.

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    Ein Auftritt im Kant Kino inspirierte den Joy Division Song „Komakino“

    Es bleibt absurd. Wir sind gerade einmal zwei Kilometer weit umgezogen, und wir beide haben den Eindruck in einer neuen Stadt gelandet zu sein. Die Wege sind anders, sowohl im direkten Umfeld wie auch „in die Stadt“. Und selbst wenn wir eigentlich Vertrautes treffen, ist es jetzt eher ein „ach, auch mal wieder“ statt Alltag.

    Wir sind immer noch dabei, neue Wege und Verkehrsmittel zu erschließen. Sonntag Vormittag lernten wir: Nicht nur haben wir einen Direttissima-Bus zum Schillertheater (derzeit Komische Oper), derselbe Bus setzt uns auch am Kant Kino ab.

    Auch gelernt: die Kantstraße liegt nach dem Umzug in entspannter Weite mit entspannter Strecke für einen kleinen Sonntagsspaziergang nach der Matinee.

    Sonntag Abend lernten wir: Mit U-Bahn und Bus kommen wir bequem nach Steglitz. Und besuchten das Adria-Kino. Das liegt jetzt eigentlich gar nicht verkehrsgünstiger als vorher. Aber irgendwie ergab es sich.

    Denn wir veranstalteten ein Double-Feature mit zwei Filmen an einem Tag. Oder um genau zu sein: Mit einem Film zweimal am Tag. Es war episch, E.P.i.C. – Elvis Presley in Concert.

    Der Trailer sagte „Schauen sie den Film auf dem größten Bildschirm, den sie auftreiben können.“ Und nun ja, der erste Versuch, Kant Kino1 Saal 2 war das nicht. Um meine Freunde des Filmkompendiums zu zitieren: Um 1988 entsteht an der Stelle der ehemaligen Garderobe der Saal 2. Immerhin wurde er 2017 etwas verschönert. .. Trotzdem konnten die grundsätzlichen Defizite des Raums dadurch nicht behoben werden. Ausstattung des Saals (Technik, Sitzkomfort) liegt knapp unter dem Durchschnitt.

    Ich würde behaupten, für Yorck-Verhältnisse liegt er weit unter dem Durchschnitt. Aber anderereits: Es war eng bestuhl, es war voll, es war stickig, es herrschte gute Laune: Für einen Konzertfilm gar nicht schlecht.

    Dennoch wollten wir mehr Bildschirm und besseren Sound. Also führte uns der Abendweg nach Steglitz ins Adria: 250 Plätze im Kino, das 40 Jahre jünger ist (von 1952) mit State-of-the-Art-Technik. Weniger Stimmung im Saal, dafür mehr Stimmung auf der Leinwand.

    Collage aus zwei Neonschriften "Kant Kino" und "Adria"

    Elvis the second

    Aber warum das Ganze? Für Elvis.

    Wir beide waren bis gestern keine Elvis-Fans. Obwohl ich ein Jahr bei Memphis lebte, keine 100 Meilen entfernt von seinem Geburtsort und in Fahrradweite von Graceland blieb er mir immer verschlossen: Kunstfigur, kein Künstler, Mythos einer anderen Zeit, kein Musiker.

    Das änderte sich.

    Der Film beruht auf historischen Filmaufnahmen, die Baz Luhrmann („der Kubrick des Konfetti„) bei den Recherchen zu seinem Elvis-Biopic von 2022 fand. Zehn Konzerte aus Elvis künstlerisch produktiver Zeit in Las Vegas, noch ohne Ton. Dazu eine absolute Seltenheit: ein echtes langes Interview mit Elvis.

    Sie fanden Tonspuren, sie restaurierten und sie schnitten und sie schufen einen höchst erstaunlichen Film: Einen Konzertfilm, der sich anfühlt, als würde einen der Künstler selbst durch das Konzert führen.

    Durch den Film führt das Interview, das Elvis als sehr nachdenklichen reflektierten Menschen zeigt, die Szenen zeigen mal in Abschnitten den jungen Elvis, vor allem aber viele Proben, erarbeiten der Stücke und Elvis auf der Bühne.

    Ich staunte: Selten habe ich einen weißen Musiker gehört, der durchgehend in seiner kompletten Musik (und seine Bandbreite im Film ist erstaunlich, einschließlich Gospel, Beatles-Songs, Bob-Dylan-Songs und natürlich bekannte Hits) so durchgehend und konsequent nach Black Music klingt. Dazu ein Publikum, das komplett weiß ist. Es ist absurd.

    Dabei lernte ich: Elvis und Band hatten ein Repertoire von etwa 150 Songs, die sie spontan spielen konnten und je nach Stimmung im Publikum und Tag hat er das Programm entsprechend angepasst und live gewechselt. Elvis weigerte sich auch die eigentliche Show zu proben: Er wollte alert und spontan sein, die Band sollte auf ihn reagieren.

    Auch gelernt: Für jemand der THE KING war und kaum auf die Straße gehen konnte ohne von Fans belagert zu werden, wirkt er durchgehend bescheiden, immer bemüht die Distanz des Mythos durch einen selbstironisch-albernen Humor zu brechen.

    Und natürlich: Was für ein Musiker.

    Es kann sein, dass wir eine dritte Vorstellung in einem noch besser ausgestatteten Kinosaal besuchen.

    Gelernt / nicht gelesen

    Noch mehr zum Elvis-Film: Ein langes Interview mit Baz Luhrmann in Vulture/dem New York Magazine: Baz Luhrmann Wants an Elvis Cinematic Universe

    Im März lernte ich: „Dark Showering“ nennt sich der Trend, bei dem man beim Duschen das Licht im Bad ausschaltet, stark dimmt oder maximal ein paar Kerzen anzündet. Das soll helfen, abends besser zu entspannen und die Einschlafzeit zu verkürzen.

    Im März lernte ich auch: Steinerne Rinnen sind ein faszinierendes geologisches Gebilde, bei dem sich Wasser ausnahmsweise nicht irgendwo reingräbt, sondern im Gegenteil etwas aufbaut, zum Beispiel so eine Barriere in der Landschaft, auf (!) der das Wasser dann fließt. Verrückt, oder?

    Ein Abschied vom luxemburger Literaturcafé Bovary: Adieu Bovary

    Schiefgelesen bespricht ein Buch, bei dem bei der kompletten Inhaltsangabe dachte, es wäre 2026 erschienen. Nur um dann zu lesen, dass es von 1940 ist: Die Gedanken sind sein -„Kallocain“ von Karin Boye (und faszinierendes Buchcover-Rezensentin-deja-vue)

    Anmerkungen

    1. Am Rande: Ich entdeckte: Im Kant Kino selber fanden auch einmal Rockkonzerte statt: Aus dem Erfolg der Veranstaltungen, die von „Conny“ zunächst als zusätzliche Werbung für das Kino gedacht waren, entwickelte es sich zu einem Platz für die innovativen Strömungen der Rockmusik. Mit Long Tall Ernie & The Shakers wurde noch im selben Jahr der Anfang gemacht. Punk und New Wave spülten jede Menge aufstrebender Musiker auf die Bühne des Kant-Kinos. Weil „Conny“ ein offenes Ohr besaß, fanden auch Künstler jenseits des Rock-Genres, wie Friedrich Gulda und Jeremy Steig, den Weg in die Kantstraße 54 ↩︎

  • 26-02-28 Frischluftfleisch

    26-02-28 Frischluftfleisch

    Der Träger des FIFA-Friedenspreis für herausragende Leistungen für Frieden und Völkerverständigung startet einen Großkrieg in Nahost und das kann man sich alles gar nicht ausdenken.

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    Die S-Bahn sagte mir durch „Wegen Bauarbeiten auf den Linien S… .. … finden umfangreiche Bauarbeiten statt.“

    Keine erkennbaren Bauarbeiten finden weiterhin auf dem rolltreppenlosen Bahnhof Südkreuz statt.

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    Mir wurde eine neue Telefontechnik entdeckt: 30 cm vom Mund entfernt halten und dann reinbrüllen. Immerhin weiß ich jetzt alles über das letzte Bewerbungsgespräch der Telefonierenden.

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    Tischtelefone gibt es immer noch und wieder im Café Keese. Dieses passierten wir als dort ein Film gedreht wurde. An der Straße stand die übliche Karawane der 30 Crew- Bühnen- Catering- und Materialwagen. Der Eingang ausgeleuchtet mit Schweinwerfern und in Lametta getaucht. Direkt danaben eine Kiste „15 x Bommel, 2 x Haushalt.“

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    Kaum diskutierten wir hier über Auerhühner in den Vogesen und im Schwarzwald, da setzte die Regionalzeitung „Die Rückkehr der Auerhühner in die Lausitz“ auf die Titelseite.

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    Kaum diskutierten wir, ob Shisha-Bars noch in sind, lasen wir dass der Berliner Bürgermeister Kai Wegner und der Berliner SPD-Fraktionschef Raed Saleh regelmäßig zur Shisha im Charlottenburger Restaurant Palace treffen.

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    Madame bestellte eine 2002 gestaltete Mid-Century Deckenlampe für unsere Mid-Century-Baudenkmal-Wohnung. Die Post lieferte Kabelmanagementbedarf in die Packstation.

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    Es war ein Arbeitsfreitag und ein Gartensamstag mit Oper und Angrillen.

    Datteln

    Vor die Oper setzen wir den Dönerteller. Rüya am Ernst-Reuter-Platz1 befindet sich nicht nur in Laufweite des Schillertheaters, sondern bietet auch ganz vortreffliche Dönerteller. Wenn die Oper um 19 Uhr beginnt, stellen wir uns um 17.35h in die Bestellschlange, bestellen um 17:42h und wundern uns, dass uns kurz darauf eine Schale Datteln frei Tisch serviert wird.

    Kurzes Stutzen. Dann gleiten uns nacheinander die Gedanken „Ramadan“, „Fastenbrechen“, und „wann ist das heute?“ ins Hirn. Ein Blick in das Mobilgerät: Iftar war um 17:40h. Wir haben perfektes Timing. Und perfekter Dönerteller wie immer. Aufgewertet dadurch, dass der plötzliche Pseudofrühling, der gerade über uns hereinbricht, uns an die Außentische verleitete. Alles schmeckt besser, wenn es im Freien gegessen wird.

    Скука = Skuka = Langeweile

    Es begann mit einem Hinweis:

    Screenshot: Bitte beachten Sie: Die Inszenierung enthält Darstellungen körperlicher und sexualisierter Gewalt/Vergewaltigung. 

Eine anregende Vorstellung wünscht Ihnen Ihr Besucherservice der Komischen Oper Berlin

    Bitte beachten Sie: Die Inszenierung enthält Darstellungen körperlicher und sexualisierter Gewalt/Vergewaltigung.

    Eine anregende Vorstellung wünscht Ihnen Ihr Besucherservice der Komischen Oper Berlin

    Zwei Tage vor jedem Besuch bekommen wir eine Mail der Komischen Oper. Normalerweise enthält die ein paar nette Worte zum Stück, einen Hinweis auf die Einführung eine halbe Stunde vor Beginn und den Hinweis. auf nicht vorhandenen Parkplätze. Dieses mal also mit Triggerwarnung.

    Und ehrlich gesagt war das jetzt weder das Bewegendste noch das Herausfordernste der Oper. Ich verstand, warum Barrie Kosky diese Oper seit vielen Jahren inszenieren will – aber auch, warum er so viele Jahre zögerte es zu tun. That was intense. Wir wurden zweieinhalb Stunden am Kragen gepackt, durch die Gegend geschleudert, durchgewalkt, hochgehoben und in groteskte Tänze gezwungen. Sowohl musikalisch wie auch in der Inszenierung.

    Bei der Tragödie ist das Ende durch die Ausgangskonstellation schon festgelegt

    Deshalb beginne ich mit dem einfachsten Teil: dem Plot. Die Oper beginnt mit einem Arioso der Katerina Ismailowa (gesungen/gespielt von Ambur Braid), die auf dem russischen Dorf als Ehefrau eines an ihr uninteressierten Kaufmanns im Goldenen Käfig vor Langeweile („Skuka“ / Скука) vergeht. Einzige Gesellschaft ist ihr herrschsüchtiger/sadistischer Schwiegervater mit seiner Vorliebe für „Pilzchen“ (грибки /gribkí) zum Essen.

    Es kommt wie es kommen muss. Katerina beginnt eine Affäre mit dem Arbeiter Sergej ihres Mannes. Um nicht enttarnt zu werden, vergiftet sie die schwiegerväterlichen gribki mit Rattengift. Ihr Mann kommt ihr trotzdem auf die Spur, zeigt zum ersten Mal Aufmerksamkeit für sie indem er sie verprügelt, was auch sein Ende besiegelt.

    Katerina heiratet Sergej, die Hochzeit wird von der Polizei gesprengt, Katerina und Sergej finden sich wieder auf dem Marsch ins Lager nach Sibirien. Dort will Sergej von Katerina nichts mehr wissen. Katerina ermordet erst seine neue Geliebte und dann sich selber.

    Frei nach Tschechow: Wenn du ein Paar Strümpfe im vierten Akt einführst, dann musst du sie auch benutzen

    Es begann, indem Katerina Ismailowa auf dem Bauch lag und sang. Und so wenig ich praktisch vom Singen verstehe, desto sicher bin ich mir, dass bäuchlings eine sehr ungeeignete Position dafür ist.

    Die Besetzungsliste der Oper kennt 19 Rollen. Aber eigentlich ist es ein Ein-Personen-Stück der Katerina Ismailowa. Was Ambur Braid in den 150 Minuten über die Bühne, auf dem Bühnenende, auf und unter dem Bett lief, sprang, rollte, gezerrt wurde, geschubst wurde, schubste, kletterte – durchgehend barfuss oder in High Heels – wäre schon eine krasse Meisterleistung wenn sie niemals den Mund aufgemacht hätte.

    Aber sie hat auch noch fast durchgehend gesungen, keine einfache Partie führwahr.

    Der Trailer gibt einen ziemlich guten Eindruck der Inszenierung.

    Die Unbarmherzigkeit der Tänze

    Wenn Du auf dem Rang sitzt und siehst die acht Zusatzblechbläser in den Orchestergraben einmarschen, dann weisst du: Gleich ist was los.

    Die Lady Macbeth von Mzensk war Dmity Schostakowitschs zweite (und letzte) Oper. Sie feierte nach ihrer Uraufführung 1934 rasende Erfolge, bis Stalin 1936 einer Aufführung beiwohnte. Stalin hasste sie und verbannte Schostakowitsch für den Rest seines Lebens zu einer Existenz als gefeierter Staatskünstler, der immer den Koffer bereit hatte, weil die Zwangsabreise ins Gulag drohte.

    Dazu führte auch dazu, dass der immer noch wilde ausgelassene Schostakowitsch nach 1936 nur noch die vorsichtige gezähmte Version desjenigen Schostakowitsch war, der noch Lady Macbeth von Mzensk geschrieben hatte. Musik zwischen Verzweiflung, „Pornophonie“, Lärm, grotesken Tänzen, entstellter Zirkusmusik und dem Trauermarsch nach Sibirien. Schostakowitsch arbeitet sich durch ein musikalisches Repertoire in hohem Tempo, stellt es um, entstellt es und setzt es wieder zusammen.

    Das ist zum Zuhören eine einzige Achterbahnfahrt. Ich will gar nicht wissen wie es zu spielen oder zu singen ist.

    Blick auf das Schillertheater zur Blauen Stunde kurz vor Vorstellungsbeginn. Im Vordergrund das "Komische Oper" Schild, die Ankündigung von Lady Macbeth von Mzensk, das Gebäude von innen beleuchtet, Menschen warten

    Der Begriff „Krokanten“ ist das „zum Bleistift“ unserer Generation

    Nur der Feuerdorn hat Frostschäden

    Eigentlich hätten wir nach dieser Oper einen Tag Erholung benötigt. Aber unsere Arbeitgeberinnen wollten uns Freitag noch sehen, so dass wir entsprechend durchgewalkt ins Wochenende wandelten.

    Aber dann: Latifundien, Sonne, Garten! Nach Silvester die zweite Übernachtung des Jahres und der erste Aufenthalt ohne Heizung, fast überwiegend draußen.

    Madame legte Schneeglöckchen frei. In den 24 Stunden unsere Aufenthalts zwängten sich allüberall Narzissen durch die nasse Erde. Kraniche tröteten, eine Gänseschwarm graste den Acker jenseits des Zauns ab. Über der Haustür kreiste ein Rotmilan. Noch ist alles braun und gelb und schwarz. Aber es ist auf dem Sprung.

    Kammspieß und Rinderhack

    Herzigster Moment der Tage: das fröhliche Lächeln, fast Lachen der Fleischfachverkäuferin, die uns seit Monaten das erste Mal sah. Deren Fleischerei ist seit Herbst baustellenabgeschnitten von ihren Kund*innen. In den Monaten, die wir nicht mehr in den märkischen Hapmtons waren, hat sich Rinderstolz&Wildelust einen Verkaufswagen zulegt und vagabundiert.

    Aber wir fanden sie!

    Und sie freute sich! So schön.

    Fast genauso schön: Angrillen mit Rote Beete, Blumenkohl, Spießen vom Schweinekamm und Burger-Patties aus Rinderhack.

    Vamos a la Theater

    I recently spent a few months in one of these abandoned timelines: the one where the microwave oven replaced the stove. First, I had to get myself a copy of the world’s saddest book. Microwave Cooking, for One (via onli blogging)

    Vom Puschel Herdwick-Wolle zum Band. Und einer der besten Italopop-Songs aller Zeiten. Und Mimosen. In einem Post! 2026 #8 / #9 – Herdwick-Wolle verarbeitet und zum Band verwebt

    Die Kaltmamsell war im Theater und „das Stück Istanbul“ möchte ich auf jeden Fall sehen, wenn es in der Nähe gespielt wird.

    Heiko versucht ein Jugendkonto für seine Tochter zu eröffnen und scheitert an der KI: ING – Das Gesamtbild und das System entscheidet

    Noch nie im Leben hörte ich von Sendai. Gut, dass Claudia hinfuhr und berichtet: Ein Tag in Sendai.

    Künstliche Bauchpinselung

    Letztens spielte ich ein bißchen mit dem Haselant und einem knappen Dutzend bekannter und regelmäßig schreibender Blogs: „Wenn es verfilt würde, wer würde die Hauptperson darstellen“.. „welche*r Autor*in ähnelt es im Stil“, welcher Myer-Briggs-Typ ist es. Halt lauter Unfug, dessen Ergebnisse mal mehr oder weniger sinnvoll waren.

    Eine der Antworten, die mich am ehesten überzeugte war spannenderweise „Wenn dieses Blog ein Tanz wäre, dann wäre es.“ Bei „.. wäre ein Foxtrott“ oder „.. wäre ein Wiener Walzer“ dachte ich sofort „stimmt.“

    Natürlich habe ich auch Iberty gefragt. Iberty ist Lindy Hop: „Cut, Break, Improvisation, Call-and-response. Popkultur und Straße, Energie und plötzliche Ruhe. Viele kleine „Moves“ hintereinander, und doch hält ein Groove alles zusammen.“ Zusammengefasst auf einen Song: Caravan Palace – Lone Digger. Ich fühle mich ausreichend gebauchpinselt.

    Anmerkungen

    1. Für die zahlreichen Menschen, die sich wie wir fragen, warum es einen Rüyam in Schöneberg gibt und einen Rüya in Charlottenburg, mit offensichtlich sehr ähnlicher Gestaltung, Konzept und Döner, hat Felix B. aus Riegel am Kaiserstuhl auf Tripadvisor einen Hinweis: „das „Rüya“ in Schöneberg nennt sich nach dem Verkauf nun Rüyam und die jetzigen Inhaber versuchen mit Kräften diesen beschriebenen Spirit am Leben zu halten.. Etwas fehlt. Und was genau, das weiß man spätestens, wenn man das neu eröffnete Rüya (in der ursprünglichen Schöneberger Besetzung) entdeckt & besucht hat.“ Als Menschen, die das Schöneberger Rüya im Verschlag kannten und liebten, haben wir keine Möglichkeit die Story zu überprüfen. Aber sie klingt plausibel: das Charlottenburger Rüya ist in Spirit und Essen näher am alten Schöneberger Rüya als das heutige Schöneberger Rüyam. ↩︎