Kategorie: Alltag

  • 26-01-08 Läuft (Fuchs und Fritz)

    26-01-08 Läuft (Fuchs und Fritz)

    Ex-Bäckerei Thoben wird jetzt der Cleopatra Shisha Shop.

    Am U-Bahnhof Fehrbelliner Platz zwei Teens, eher szenig aufgemacht, Musik laut aus dem Handy: „Am Tag als Conny Kramer starb.“ Whut?

    Um 5.30h lief der Fuchs. Langsam kommen wir wieder dazu, in Ruhe aus dem Fenster zu schauen, aufmerksam für die Umgebung zu sein, und den Parkplatzfuchs zu sehen, der durch den Schnee stapft.

    Es ist weiß und kalt. Langsam erinnere ich mich wieder daran wie Winter mit Schnee einst war. In Berlin ist Winter ja vor allem immer hinderlich im Alltag. Gerne wieder Plusgerade.

    Seit etwa 12:30h läuft das Internet. Nach Einsatz einer Telekom Fernschaltung, zweier Telekom-Techniker und eines Elektriker-Duos kommen wir wieder über Wlan und Fritzbox, DSL und den APL ins Internet. Es bleiben Rätsel: Warum sind Netzwerkdosen in der Wand, wenn anscheinend kein Netzwerk daran hängt? Warum mögen sich Router und Telefon nicht mehr? Aber das sind lösbare Rätsel.

    Es waren zwei Tage der Arbeit in Office und mobilem Arbeiten.

    Nicht gelöst habe ich das Rätsel, warum ich acht Badehosen besaß. Sie sind nicht groß und ich gehe oft Schwimmen. Aber acht? Wozu? Egal, jetzt sind es nur noch fünf, und die bestehen alle aus dem Decathlon-Einheitsmodell mit leichten Variationen.

    Gelöst hingegen habe ich das Rätsel, warum ich mit meiner Yorck-Unlimited-Karte keine Karten mehr kaufen durfte: Nur 3 kostenlose Karten im Voraus sind erlaubt. Jetzt also muss ich die Balance finden zwischen „Ich-will-den-Film-in-fünf-Wochen-unbedingt-sehen-und-vermutlich-wird-er-ausverkauft-werden“ und „ich-möchte-gerne-spontan-nach-der-Arbeit-ins-Kino-gehen-können“.

    Schon wieder Yacón

    Auch die Gemüslichkeit muss Wetter-Herausforderungen trotzen. Unser Gemüse-Übergabepunkt besteht im Wesentlichen aus drei Spanplatten mit einem Schloss davor. Die Übergabestation ist nicht frostfest. Also kam die Mahnung, diese Woche das Gemüse schnell abzuholen, bevor es durchfriert.

    Ab 16:30h war die Abholung möglich, ich kam gegen 18 Uhr und war schon fast der Letzte. Es herrschte Stau. Vor mir bediente sich eine junge Frau. Während ich noch Zwiebeln abzählte kam J mit kleinem Kind, „das allererste Mal etwas abholen“, und als ich überlegte ob ich J im Dunkeln und Kalten mit Kind bei der allerersten Gemüse-Verräumung allein lassen sollte, kam schon die nächste Mitglied.

    Der Salat hatte sich bereits in einen Eisklumpen verwandelt. Es gab wieder Yacéns, ein neues modernes und meines Erachtens durchaus verzichtbares Gemüse. Vor allem aber gab es Kimchi. Davon war noch erstaunlich viel im Schrank. Es war zu riechen warum. Die Fermentation war streng! Aber ich ließ mich nicht schrecken und nahm meinen Anteil. Später, bei Öffnung des Kühlschranks, roch ich, warum das ein mutiges Unterfangen war.

    Nach der Verräumung – abwiegen, einpacken und das Leuchtehandy halten mit zwei Händen – mit einem Weißkohl, ein paar Kilo Möhren und Beete, Yacons, Zwiebeln, Sellerie, Eissalat, Kimchi und dem aus der Bibliothek geholten Roman an Sportplatz und Bibliothek vorbei zur U-Bahn. Zurück zu Madame, die bereits Paradeiskraut mit Maultaschen bereitet hatte.

    Links (radikal)

    Als hätten die Vulkangruppen meinen vorgestrigen Post gelesen, stürzen sie sich gleich in die politisch Linken Tätigkeiten der Zerredung und der Spaltung. Erst schreiben sie ein Bekennerschreiben, dann noch ein Schreiben, dass sie wirklich links sind und dann noch eines weil das Schreiben davor falsch verstanden wurde. Gleichzeitig taucht eine andere Vulkangruppe auf und distanziert sich von der Stromkappung-Südwest-Vulkangruppe. So liebe und schätze ich doch die radikale Linke.

    Auch die üblichen Medien scheinen aufgewacht und beschäftigen sich mehr mit dem was da nun Links ist oder nicht. Sebastian Leber:

    Wenn eine Aktion so sinnlos erscheint, dass selbst ideologisch Nahestehende sie nur noch als fremdgesteuerte Sabotage erklären können, dann belegt das ihr vollumfängliches Scheitern. …. Weder ihre Tat noch ihr unsägliches Bekennerschreiben gelten als anschlussfähig, nicht einmal unter Linksradikalen. Weniger Erfolg als diesen kann eine Aktion gar nicht haben.

    Nils Markwardt:

    Nun waren die drei stromlosen Tage für die Betroffenen freilich kein Spaß. Und erst recht sind Anschläge auf die kritische Infrastruktur nicht lustig. Doch sind es ja gerade die ernsten Stoffe, die nach theatraler Spannungsabfuhr und ein wenig comic relief rufen. Und so gesehen könnte man sich diese ganze Geschichte auch als abendfüllenden Fiebertraum aus den glorreichen Zeiten der Berliner Volksbühne vorstellen

    Links (ins Netz)

    Alles schön und gut mit den hilfreichen Listen der Katastrophenschützer, aber was macht das alte Ömchen auf dem 13. Stock in Berlin-Mitte, wenn die Rente kaum fürs tägliche Essen reicht, geschweige denn für Vorräte? Wie kriegt die alleinerziehende Mutter von zwei Kindern das mit der Vorratshaltung hin, wenn die Zwei-Zimmer-Wohnung so schon viel zu klein ist?

    Passend dazu das Techniktagebuch: Schöner preppen, billiger preppen

    Und nochmal dazu, das wars dann, ich verspreche: Krisenresilienz ist kein Thema für Bierzelte und Marktplätze. Sie kostet Geld und wird im besten Fall nicht gebraucht.

    Nach dem Abi und vor dem Studium hatte ich einen Job, die Einführung von Biotonnen im Landkreis Stade zu begleiten. Unter anderem fuhr ich dazu eine Woche auf einem Mülltonnen-Auslieferungs-Fahrzeug von Karl Meyer mit. Und jetzt erfahre ich: Das Unternehmen ist pleite. Und lässt in Berlin Flaschenberge zurück.

    Carbonara e una Coca Cola.

    Erik sieht Licht am Horizont: Es mag meiner persönlichen Präferenz geschuldet zu sein – aber ich sehe eine neue Art von Communities aufkommen, die vielleicht die Oligarchensilos ablösen

    Geschrieben während draußen dicke Schneeflocken herunterfallen. Katwarn sagt für Morgen „Gefahr für Leib und Leben durch: stark erhöhte Schneedecke bis hin zu blockierten Verkehrswegen. Aufenthalt im Freien vermeiden.“ Meine Wetter-App sagt „Morgen Niederschlag 0mm“. Es wird spannend.

  • 26-01-06 Einblick in die Zauberküche

    26-01-06 Einblick in die Zauberküche

    Die Sonntagszeitung kommt wieder. Wir hatten sie wegen des voraussehbaren Umzugschaos abbestellt. Auch scheint der Zeitungsbote auf Anhieb in der Lage, den Briefkasten zu finden.

    Die Motorsäge verschwand. Zia und zio holten sie ab und brachten sie zurück nach Wochenend-West, wo sie hingehört. Nicht ohne Dominosteine und Lebkuchen mitzubringen und mit uns zusammen Nüsse, Marzipan und Kiwis zu verzehren.

    Ein neues Polster für das Schaukelschaf kam.

    Das Internet kommt noch nicht wieder. Aber wir haben eine neue spannende Abenteuer in den Untiefen der Bäder erlebt. So hatten wir einen Einblick in das derzeit geschlossene Bad-Bistro, an dessen ehemaliges Dasein nur der Aufkleber Zauberküche an ebenjener erinnert. Und wir sind einen großen Schritt weiter (hoffentlich), was die Fehler-Behebung angeht. Übermorgen kommt der Telekom-Techniker und dann wissen wir mehr.

    Nach Wochen des Rumüberlegens bestellte ich mir für schmalen Taler einen kleinen Label-Drucker. Ich freue mich, wie ein kleines Kind, dem eine Trommel versprochen wurde. Was ich alles mit Labeln bekleben werde können!

    Mir träumte, dass ich in einer kleinen Bibliothek am Bücherregal stehe und etwas suche, als sich mein alter Mitabiturient Ingo aufdrängt. Den habe ich zwar seit 1995 nicht mehr gesehen, aber sein Verhalten war realistisch geträumt. Bevor es allerdings zu einer Auseinandersetzung kam, sahen wir eine eine handtellergroße weiße Spinne und versuchten diese durchs Fenster rauszuwerfen.

    Es waren zwei Tage der Arbeit und des Schnees.

    Wutbürger

    Ausgelesen: Vincenzo Cerami: Ein ganz normaler Bürger. Ein Roman geboren aus den Spät-68ern und dem Aufruhr der Zeit, aber porträtierend eben das, einen ganz normalen Bürger (italienischer Titel: Borghese piccolo piccolo): Einen Ministerialbeamten zur Bearbeitung von Ministerialbeamtenpensionen, dessen größter Lebenstraum es ist, dass sein Sohn eine Ministerialbeamter höherer Stufe als er selber wird.

    Mir missfiel: Der Plot-Bogen „Normalen Menschen wird schlimmes angetan und dann nimmt er grausam Rache“ war vermutlich schon in den 1970ern ausgelutscht, und er wurde seitdem nicht besser. Wie es sich bei der Thematik gehört, ist es ein reines Männerbesuch: die einzige Frau vegetiert erst geistig vor sich hin, dann trifft sie der Schlag und sie vegetiert auch körperlich und dann stirbt sie, weil ihr Mann die pflegebedürftige Frau aus Versehen ignoriert. Alles andere: Männer.

    Mir gefiel: Es war eigentlich kein Plot-Bogen. Eher werden alle drei Tote des Romans in den Alltag hineingesogen. Alle drei Morde passieren fast beiläufig. Der eigentlich Mord bekommt selten mehr als einen Satz Raum, anderes – Angeln, die Freimaurer, die Position des Bettes – ist viel wichtiger.

    Fast möchte ich Arendt zitieren: die Banalität des Bösen. Aber es auch nicht richtig böse, eher aufgewühlt, ein wildes Herz gefangen im Leben eine kleinen Kleinbürgers.

    Do not Rag the Bone

    Was für ein niedliches Konzert!

    Wir waren in einem Kammerkonzert der Komischen Oper im Schillertheater. Es ließ sich nicht anders als puschelig bezeichnen. Genau eine Person am Einlass, eine Person an der Bar, eine handvoll (100 bis 150) Stapelstühle für das Publikum und eine improvisierte Bühne im Foyer gegenüber der Bar.

    Nicht geplant war allerdings, dass das Programm sich immer weiter zusammenstrich. Das als „Kammerkonzert 3 – Rhythm is a Dancer – Mit Minimal Music und Jazz ins Neue Jahr“ angekündigte Konzert immer mehr Minimal Music und Jazz verlor. Denn erst fiel der geplante Erste Geiger aus und wurde nachträglich durch den Konzertmeister ersetzt. Das Online einsehbare Programm schrumpfte von vier oder fünf Minimal-Music-Stücken auf zwei.

    Dann fiel die Fagottistin noch kurzfristiger aus und das Jazzige Jazz Stück von Wynton-Marsalis-Stück für Fagott und Streichquartett wurde gestrichen. Und dann hatte die Bratsche Hand, das Konzert wurde auf halber Strecke unterbrochen und dann noch mal Stücke in der Wiederholung gespielt.

    Damit bestand „Minimal Music und Jazz“ aus etwas zwei Minuten Minimal Music, einem jazzartigen George Gershwin und vor allem aus Antonín Dvořák.

    Was in Großer Oper echt anstrengend gewesen wäre, wirkte (zumindest auf das Publikum) in der nahbar-intimen Atmosphäre dieses Konzerts vor allem sehr zugänglich, menschlich und als Blick hinter die Kulissen. Ob mit oder ohne Schrumpfprogramm empfand ich das als Wiederholenswert.

    Gespielt wurde (in der zweiten Inkarnation, schon mit ausgedünntem Adams):

    • John Adams: John’s Book of Alleged Dances: »Hammer & Chisel«
    • Florence Beatrice Price [1887–1953]: Streichquartett Nr. 2 a-Moll
    • John Adams John’s Book of Alleged Dances: »Rag the Bone«
    • Wynton Marsalis [*1961]: Meeelaan
    • PAUSE
    • Antonín Dvořák [1841–1904]: Streichquartett Nr. 12 F-Dur (»Amerikanisches«)
    • George Gershwin [1898–1937]: Variations on I Got Rhythm (Bearbeitung für Streichquartett von Matthew Naughtin)

    Es spielten: Violine: Ga­bri­el Ad­or­ján/Fuyu Iwaki, Viola: Julia Lindner de Azevedo Conte, Cello: Arne Christian Pelz

    Auf dem Weg zum Schillertheater

    Reden, nicht handeln

    Mich wundert, wie sehr alle Kommentare die Selbstbezeichnung der „linksextremen Vulkangruppe“ glauben, welche die Berliner Stromkabel abgebrannt haben. Selten habe ich Aktionen gesehen, die sich so wenig „links“ anfühlten, selten sagt mein komplettes Bauchgefühl so sehr „das ist nicht so wie es scheint“ und selten scheint es fast niemand anderen so zu gehen.

    Nach allem was ich über die Extreme Linke weiß, sind in der Linkenaußenschicht alle immer viel besser darin zu reden und zu schreiben als darin, wirklich zu handeln – nicht umgelehrt. Jede Linke Gruppe, die ich kenne, hätte, hätte sie jemals eine Aktion mit einem Zehntel der Durchschlagskraft wie die Vulkanaktionen, durchgeführt, danach 10 Jahre lang täglich Infoblätter produziert und sich unter öffentlichkeitswirksamen Diskussionen dreimal gespalten vor der nächsten Aktion.

    Alle Linken Gruppen haber aber auch ein großes semilegales Umfeld, dass ihr Reden verstärkt und in die Welt trägt. Radikale Linke ohne dazugehörige Szene ist nicht vorstellbar. Linke lieben hochsymbolische Aktionen mehr als Aktionen gegen unsexy Infrastruktur.

    Die Vulkangruppe macht nun das absolute Gegenteil – selten sah ich jemand, der so wenig linksextremen Stallgeruch hat. Selten dachte ich, das schreit so unfassbar nach hybrider russischer Kriegführung. Und niemand schreibt es! Außer jetzt Enno Lenze und seine Experten für hybride Kriegführung: Stromausfall in Berlin – kyrillische Fehler im Text?

    Auch ausführlicher Schreiben sollte ich darüber, dass wir in dieser krisenhaften Zeit ausgerechnet des Kanzler des verkörperten Neoliberalismus gewählt haben. Denn Neoliberals Marktdenken widerspricht fundamental der Vorbereitung auf eine Krise.

    Marktwirtschaft möchte, dass Ressourcen effektiv genutzt werden. Das bedeutet: Perfektion ist erreicht, wenn sämtliche verfügbaren Ressourcen unter maximaler Dauerlast laufen. Wenn eine Ressource verschwindet (weil sie zum Beispiel verbrannt wird), gibt es Nachfrage und Beanspruchung, die zeitweise nicht gedeckt wird. Das ist gewollt. Resilienz bedeutet umgekehrt, ungenutzte Ressourcen „als Reserve“ zu haben, um diese im Falle einer Krise einsetzen zu können. Wenn eine Ressource wegfällt, gibt es andere, die einspringen können.

    Aber genug dazu.

    Creepy Neo

    Weil ich mich auf den Wynton Marsalis echt gefreut hatte, hier wenigstens eine Video-Aufnahme: Louisville Orchesta: Meeelaan by Wynton Marsalis.

    Samantha Schweblin schrieb 2021 mit Hundert Augen einen dystopischen Roman über Kuscheltier-Roboter in westlichen Wohlstandsgesellschaften, die in Wahrheit von Menschen in Indien und anderen Ländern ferngelenkt werden. Und in dieser Welt zu dieser Zeit muss jede Dystopie natürlich sofort auch umgesetzt werden: Oder sowas wie NEO, der vor ein paar Monaten vorgestellt wurde. NEO soll dieses Jahr für 20.000 Euro in den Verkauf gehen – und wird dann von einem Remote-Worker irgendwo in Indien gesteuert, weil er selber nichts kann.

    Die Kaltmamsell im Friedrichstadtpalast.

    Shift Happens im Scheibflasch. Der Artikel, der so tut als ginge er um Dance Dance Revolution nerdet eigentlich extrem zum Thema „Pfeiltasten auf dem Keyboard.“ Loving it!

    Ich habe immer noch keinen echten Bubble Tea getrunken und bin umso faszinierter von Legos Boba Quest durch New York. Er testete: ChaHalo in Long Island City, right in between the Queens Plaza station (E, F, R) and Court Square (7, E, F, G, R)

  • 26-01-08 Der Vampir tanzte Jig im 9/8-Takt

    26-01-08 Der Vampir tanzte Jig im 9/8-Takt

    Laut Asterix-das Kartenspiel bestand das römische Heer vor allem aus Generälen, Legionären und Hornisten. Wer vier Hornisten in seine Truppe sammeln kann, bekommt 100 Bonuspunkte.

    Die Benutzung einer Küche macht mehr Spaß, wenn die Spülmaschine und vor allem der Wasseranschluss in der Küche problemlos funktioniert.

    Noch 13 unausgepackte Umzugskartons, derzeit aber auch noch einige neu angebrachte ungenutzte Regalbretter.

    Madame nutzte die Chance der funktionierenden Küche zum Einkauf bei Ledo, brachte guten frischen Kimchi, noch frischere Artischocken und Doraden mit. Das Suppenhuhn hatten wir an Neujahr aus dem Suppenhuhnautomat nahe der Latifundien gelassen.

    Es waren die letzten Tage zwischen Weihnachten und dem zurückkehrenden ernsthaften Ernst des Lebens. Einer davon mit Arbeit, einer mit Besuch aus Wien, und zwei Filmen.

    Der wir-Schwimmen-zu-Hause-Streak hielt zumindest bis zum 4. Januar. Wenn ich richtig rechne, waren wir am 2. und am 4. im Becken. Madame besorgte sich eine Monatskarte und beschloss, sich mit Total Immersion zu beschäftigen. Das bringt uns gerade einige Zeit ins Nichtschwimmer– Lehr-Schwimmbecken, um lustige Übungen zu machen. Auch wenn wir verschiedene Startpunkte haben, profitieren wir beide stark davon.

    (Immer noch mit dem eigenartigen Gefühl, dass vermutlich jede Person am Beckenrand weiß wer wir sind und im Zweifel interessiert zuschaut).

    Der Yorck-Unlimited-Pass verleitete zu zwei Kinobesuchen in den ersten drei Tagen des Jahres (damit bisher 119 Euro/Besuch). Beide Filme waren auf ihre Art episch, manchmal schwierig, aber hochspannend: New York, New York im Rahmen der Reihe Boulevard Noir im Yorck-Kino und Sinners im Odeon.

    Start spreading the news

    Das Jahr beginn mit einem Martin-Scorsese-Musical. New York, New York von 1977 bewies warum das Genre des Depri-Musicals sich nicht durchsetzte. Aber was für ein Film. Ein Film

    • Der eine Hommage an die Hollywood-Musicals der 1940er war
    • Aber sich in einem 1970er gritty Sozialrealismus zu Hause fühlte
    • Ein Vehikel für Robert de Niro und Liza Minella darstellte
    • Zeigte, dass der Mensch der künstlerisch auf der „richtigen und wahren“ Seite steht trotzdem ein totales Arschloch sein kann
    • Jazz und Swing der 1940er feierte (in seiner BigBand- und seiner Harlem-Club-Version. So spannend wie verschieden sich eine eigentlich sehr ähnliche Musik im Film anhören kann)
    • Der auf Rassentrennung der USA in den 1940ern/1950ern hinwies
    • Vollkommen zurecht Liza Minellas Hairstylist im Vorspann erwähnte (Sydney Guilaroff – „a British-American hair stylist during Hollywood’s Golden Age, and the first to receive on-screen credit in films“)
    • Großartige Musiknummern hatte
    • Halb ausversehen eine Hymne in die Welt setzte. (eben jenes New York, New York – man musste sich beim Zusehen immer wieder sagen, dass der Song dem damaligen Publikum komplett unbekannt war, weil eben nur für den Film geschrieben)yout
    • Mit seit einer Woche einen Ohrwurm in den Kopf setzt
    • Großartige immer wieder Tricktechniken der 1940er zitierte
    • Ein spaciges Musical im Musical vorführte
    • Das vermutlich unpassendste und schlechtgelaunteste Liebes- und Ehepaar der Musicalgeschichte porträtierte

    This movie ain’t no fun. Aber so so spannend und mitreissend beim zusehen.

    Ain’t no Haints

    Sinners (Titel im deutschen Verleih: Blood and Sinners) ist fast 50 Jahre jünger als New York, New York, aber wie dieser Film auch ein unfrohes Musical. Bei Sinners sind die Probleme Vampire und Rassismus.

    Der Film, laut irgendwelcher Internetseiten derzeit übrigens Oscar-Frontrunner, ist einerseits ein klassischer Genrefilm Vampire des Jahres 2025 mit demenstprechend viel Blut, Gewalt und Trickeffekten. Brauch ich nicht, kann ich (im Gegensatz zu Madame) aber auch ganz gut ignorieren, und die Genrekonventionen einfach als Mittel zum Zweck ansehen:

    Der Film erzählt eine Geschichte über das Schwarze Mississippi der 1930er. Die Sklaverei ist de jure seit über 60 Jahren beendet, de facto existiert sie durch das Sharecorpping-System weiter. Schwarze arbeiten auf den endlosen Baumwollplantagen und werden mit selbstgeschnitzten Holzdollars bezahlt. Wer aufmuckt kommt ins Gefängnis, oder wird vom Ku-Klux-Klan geholt. Die einzige, oft vergebliche Hoffnung: die Great Migration, die Flucht in den Norden nach Chicago, New York und in andere Großstädte.

    Erzählt ist er aus einer Schwarzen Perspektive. Ausbeutung und Rassismus werden thematisiert, vor allem aber die schwarze Kultur der Zeit gefeiert. Weiße kommen fast nicht vor. Die einzigen Sympathieträger sind Mary (weiß aussehend mit schwarzem Großvater, damit nach US-Rassenlogik selber schwarz) und der irischstämmige Vampir. Selbst der Vampir ist sympathischer und menschlicher als die Weißen aus Mississippi.

    Spannend: der Vampir ist Europäer. Sowohl der Vampir im Film wie auch der Vampirmythos. Die Hoodoo-Wissende der Gemeinde erwähnt mehrmals, dass sie sich mit Haints, den Geistern des Hoodoo, auskennt, von Vampiren aber bisher nur härte und diese nie sah.

    Kern des Films sind zwei Musiknummern: das als Blues beginnend Lied to you, das „die Geister der Vergangenheit und Zukunft beschwört, in eine Melange mit Gospel, Rock und Hip Hop übergeht“ und die Vampirnummer Road to Dublin zu der der Obervampir einen Jig tanzt.

    Auch ein wirklich spannender Film. Man muss nur halt nur den 2020er-Action-Blut-FX-Schlacht-Teil mögen oder zumindest tolerieren. Ich liebte den Film, schon weil sie die einzige echte und beste Art des Englischen Reden: Delta Englisch – wie es sich gehört.

    Schnee!

    Auf dem Weg nach Hause: Schnee schippen. Das erste Mal in Berlin. Wenn das Bad abends geschlossen ist, sind wir die einzig Anwesenden. Wenn wir über das große Grundstück zur Straße kommen wollen, empfiehlt es sich den knöchelhohen Schnee aus dem Weg zu schippen bevor er festfriert.

    Außerdem ist unserer beider Verbundenheit mit den Besitzern von Wohnung und Grundstück sehr viel höher als in der vorherigen Wohnung.

    Freundlicherweise haben die Kolleg*innen Schaufeln und Streugut so im Keller gelagert, dass wir dort herankommen. Dabei gesehen: Der Fuchs ist auch noch da.

    Niki Kater Quark

    Julia war im Sprengel-Museum Hannover.

    Daniel schrieb eine Geschichte.

    Thomas schrieb handgemachten Quark. Ha!

    Darüber machte ich mir noch nie Gedanken: Wie viel kosten ÖPNV-Monatskarten im Vergleich zur Einzelfahrt. In Europa liegt die der Preis der Monatskarte irgendwo zwischen 12 Fahrten (Prag), 16 (Berlin mit Deutschlandticket) 20 Fahrten (die meisten italienischen Städte) bis zu etwa 35 Fahrten (Paris). Andererseits sind die Monatskarten in London und Istanbul so teuer, dass ihr Erwerb in gar keinem Szenario Sinn ergeben, in Nordamerika liegt die Ratio bei knapp 50 Fahrten bevor die Monatskarte lohnt.

    Ein bißchen umherschweifend im Stil, aber im nächsten Leben werde ich Keyboard-Nerd: Non-Canon Wordprocessors und ihre Keyboards.

  • 26-01-01 New Years New York, New York im Yorck

    26-01-01 New Years New York, New York im Yorck

    Im Adventskalender der Seemannsmission gewannen wir „Maritime Bettwäsche“. Jetzt müssen wir diese allerdings an der Seemannsmission Brunsbüttel abholen.

    Die Töpfe wandern. Viele der Töpfe, die wir einst „erbten“, weil die Vorbesitzer sich einen Induktionsherd anschafften, geben wir als neue Induktionsherdsbenutzer jetzt selber weiter. Einige Exemplare wandern über den Umweg unserer Küche von den Eltern zur Tochter.

    Madame las einen Regency-Roman und fragte sich, wie das damals eigentlich mit den Pferdewechseln an den Kutschenstationen waren? Haben die damals einfach so die Pferde durchgetauscht und irgendjemand hat am Ende den alten Klepper abbekommen?

    Schreibe ich dieses Jahr ausnahmsweise einen Gesamt-Jahresrückblick im Blog? Vielleicht. Aber nicht jetzt. Jetzt folgt ein Zwei-Tages-Rückblick.

    Es war Silvester und Neujahr.

    Eierlikör, Marmelade, Pflaumenmus, Mandel-Marzipan

    Silvester begann am 30. Dezember abends. Wir hatten beschlossen, schon Dienstag auf die Latifundien zu fahren, auf dass wir dort am 31. Dezember mehr Tageslicht abbekommen, weil wir schon morgens anwesend sind.

    Es war spannend: Wir waren seit Ende Oktober nicht mehr auf den Latifundien. Ende Oktober hatten wir nur die Wintervorbereitung light absolviert – nicht ahnend, dass es acht Wochen mit einigen -10-Grad-Nächten dauern würde, bis wir zurückkämen.

    Es stellte sich die Frage: kämen wir überhaupt bis dorthin? Auch der 17 Jahre alte Subaru hatte in den letzten acht Wochen nur vielfach die Zwei-Kilometer-Kurzstrecke zwischen alter und neuer Berliner Wohnung zurückgelegt. Bei ausgeprägten Minustemperaturen neigte das Auto in den letzten Jahren auch zum Zicken, gerade auch seine Batterie.

    Aber: Alles ging. Der Motor zündete als wäre er neu. Der latifundale Zugang zum Wasseranschluss war seit dem letzten Frühjahr überwachsen und jetzt zugefroren, lies sich aber freilegen. Einzig ein vergessenes Gardena-Plastik-Gartenschlauchteil hat es vielleicht durchs Eis gerissen, das wäre verschmerzbar. Alle echten Autos, Leitungen und Getränkeflaschen haben alles unbeschadet überstanden.

    Madame absolvierte einen Kneipp-Tag: Nach der vormittäglichen Sauna kam nun der Bungalow mit einer Innentemperatur von 3 Grad hinzu. Aber nach diversen Stunden des Heizens wurden die Temperaturen erträglich, bis zum Silvestermorgen sogar fast angenehm.

    Es folgten am 31. mittags einige letzte Besorgungen (Das Buch Der Schwarm in die Büchertelefonzelle zurückbringen, Baguette und Pfannkuchen (Eierlikör, Marmelade, Pflaumenmus, Mandel-Marzipan) kaufen). Bei Tageslicht konnten wir noch den Grünspecht sehen, der den halben Garten umpflügte und das Rotkäppchen auf dem Zaunpfahl („Robin in the snow!„). Es folgte der lange dunkle Abend des Lesens und Chillens und Tomaten-Käsefondue und Nachbars Kinderfeuerwerk aus dem Fenster sehen.

    Es war so dunkel und so ruhig, um Mitternacht schliefen wir schon beide sanft vor uns hin, selbst durch Böller und Feuerwerk nur wenige Sekunden aus dem Schlaf gerissen.

    Back to the Ä

    Dass mein Geist langsam wieder aufnahmefähig für weitere Themen merkte ich im Bungalow. Dort fiel mein Blick auf das 800-Seiten-Monstrum „Moderne Betriebssysteme“ von Andrew S. Tanenbaum. Das ist in seiner Version von 2003 eher modern im historischen Sinn; aber die Grundlagen sind ja seit 2003 unverändert. Und vor allem: Ich hatte Lust es zu lesen und anscheinend auch wieder geistige Kapazität dafür. Das Studium kann weitergehen.

    Denn auch wenn ich es die letzten Monate komplett ignorierte: Ich studiere noch auf den Master Wirtschaftsinformartik. Und das Semester ist schon fast zu Ende. Irgendwann fiel mir auf, dass ich mich für das nächste Sommersemester Rückmelden muss, und mich voller Übermut noch dieses Semester für Klausuren anmelden kann.

    Die Online-Rückmeldung schickte mich in eine Warteschleifen:

    Die Online-Rückmeldung über den virtuellen Studienplatz ist für Sie leider nicht möglich, da Sie Ihren aktuellen Studiengang erfolgreich abgeschlossen haben. Für eine Rückmeldung mit Änderung [sic!] des Studiengangs, zum Beispiel zur Fortsetzung Ihres Studiums im Masterstudiengang oder den Wechsel in einen anderen Studiengang oder zum Akademiestudium nutzen Sie bitte den „Antrag auf Rückmeldung mit Änderung“. [sic!]

    Also füllte ich das online-PDF-Formular Antrag auf Rückmeldung mit Änderung für das Sommersemester aus. Ich kreuzte alle Module dieses Semesters als „belege ich als Wiederholer“ an (you never know) und noch zwei dazu als neu-zu-belegendes (vielleicht klappt ja auch noch etwas). Das ergibt:

    Als Wiederholer

    • Einführung in die imperative Programmierung
    • Datenstrukturen und Algorithmen
    • Digitale Diversität

    Neu

    • Einführung in die objektorientierte Programmierung1
    • Dienstleistungsmanagement

    Was genau ich davon wirklich studieren werde, entscheidet sich in den Klausuren, die ich in den nächsten Wochen vielleicht belege und vielleicht bestehe.

    I want to wake up in a city that doesn′t sleep

    Neujahrs-Abends: Ein Drama, das sich als Musical tarnt. Martin Scorseses New York, New York mit Liza Minelli und Robert de Niro im Yorck-Kino. Die dortige Kinoreihe Boulevard Noir könnte mein Liebling aller Kinoreihen der Yorck-Kinos werden.

    Eskalation!

    Man muss sich das Leben als Reaktion auf von Algorithmen geschaffene Situationen vorstellen

    Joel malte einen Leuchtturm.

    Konzert des Jahres: Eine Schweizer Partyband in Chemnitz. (Merken für mich: am 18. April in der Stadthalle Falkensee – Beispiel)

    Percy Puddletree eskaliert noch mehr (mit Fotobeweis): The same procedure

    Konstantins Tochter möchte doch nur Computerspiele spielen: Und mir immer wieder die Frage gestellt: „Kann ich nicht eine Frau waehlen?“

    Frau Zimtkringel versteht die Algorithmen nicht, die Menschen auf ihren Blog bringen:

    Nun habe ich aber gerade festgestellt, dass ein Rezept aus 2018 (!) in diesem Jahr dem Käsekuchen fast den Rang abläuft. What? Why? Ok, der magische Zauberbegriff scheint hier Airfryer zu sein. Leute, baut irgendwo den Begriff Airfryer oder Heißluftfritteuse ein und landet ein Klickwunder! Vor Zeiten habe ich mal schnelle Paprika-Antipasti aus dem Airfryer gebastelt und eben dieses uralte, pupsige 08/15-Rezept wurde in den letzten zwölf Monaten im sehr hohen fünfstelligen-Bereich aufgerufen. Echt jetzt, Leute? Warum?

    Anmerkungen

    1. Für Informatiker. „Einführung in die objektorientierte Programmierung (für Wirtschaftsinformatiker)“ habe ich schon irgendwann 2023 belegt und bestanden. ↩︎

  • 25-12-30 Mid-century Baudenkmal; nichts tropft (Baden->Berlin)

    25-12-30 Mid-century Baudenkmal; nichts tropft (Baden->Berlin)

    Süderdeich/Wesselburen gewann das traditonelle Erbsensuppenboßeln.

    In Schöneberg gab es drei Tage vor Silvester eine Explosion. Mehrere Fenster eines Wohnhauses wurden zerstört. Ein Silvester-Feuerwerks-Zusammenhang ist wahrscheinlich.

    In Lörrach wurde das Winterwohnzimmer in Betrieb genommen. In Dithmarschen ging der Kaptain vietnamesisch essen.

    Es war der Tag der Weihnachts-Rückfahrt und zwei Tage der gemächlichen Arbeit in Berlin.

    Zwei Nachträge zum letzten Blogpost.

    1. – Das Buch Toast von Nigel Slater wurde verfilmt. Dieser Film ist via Filmfriend für jede*n Nutzer*in öffentlicher Bibliotheken zugänglich.
    2. – Ich lernte am Wochenende: Museen und Gleitsichtbrillen vertragen sich nur mäßig. Denn die Brille geht davon aus, dass man berechenbar in eine Richtung und Entfernung schaut. Museen gehen davon aus, dass irgendwo Ausstellungszettel hängen, die Kunstwerke sich in verschiedenen Höhen befinden und man sie aus verschiedenen Winkeln sieht und all so. Oft genug passt die von mir gewünschte Sehsituation, und das was die Brille bietet, nicht zusammen. Ich glaub am Ende war mir leicht schwindlig.

    Langsam habe ich wieder den Eindruck in meinem Leben auch Anderes machen zu können, als nur umzuziehen. Ich löste ein Geburtstagsgeschenk ein und bin nun inhaber von Yorck Unlimited: Unbegrenzt und immer ins Kino in 14 Berliner und einem Münchner Arthouse Kino.1 Was brauche ich Streaming wenn ich Kino vor der Nase habe?

    Die langsame Normalisierung des Alltags zeigt sich auch daran, dass wir nach dem 23.12. bereits am 29.12. unseren zweiten Schwimmbadbesuch im Haus schafften. Madame wagte sich am 30. in die hauseigene Sauna. Ihr erster Besuch in einer Sauna seit 30 Jahren. Zur Vorbereitung las sie: Mein erstes Mal: Der Ratgeber für Sauna-Anfänger

    Mit Stop in Hanau, Hildesheim, Wolfsburg

    Der Zugfahrt Baden->Berlin begann mit Verhandlungen: Was kommt mit, was eher nicht? Die handgeschöpfte mundgepresste Olivenöl mit unsicherem Verschluss von Pantelleria kam mit. Die stoß- und bröckelempfindlichen guten Meringuen blieben in Südbaden.

    In der S6 zwischen Lörrach und Basel spang direkt hinter der Schweizer Grenze ein Fahrkartenkontrolleur hinter den Sitzen hervor. Das gab es noch nie! Und weil er unser Deutschlandticket nicht scannen konnte, ließ er sich wenigstens die Personalausweise zeigen.

    Der ICE372 fuhr pünktlich los. Dass der Zug erst in Basel, und nicht wie geplant in Bern (und erst recht nicht im irgendwann mal geplanten Thun, Spiez, Visp, Brig) losfuhr störte uns nicht, eher im Gegenteil: So blieben ein paar Plätze mehr frei. Der Zug fuhr überraschend entspannt durch Eis und Nebel.

    Einzig den Zugchefs gelang es gleichzweimal, mich zu erschrecken:

    1. „Der Zug fährt zwischen Basel und Frankfurt“ – wie? nach BERLIN will ich, nicht in Frankfurt stranden „… ohne gastronomisches Angebot“. Ausatmen. Leider war das Gastro-Team in Bern gestrandet und nie an Bord von ICE372 gelangt.
    2. „Wegen eines technischen Schaden am Triebwagen“ – Atemanhalt – „..ist der ICE vor uns stehengeblieben. Wir müssen eine Umleitung fahren.“ – Ausatmen.

    Sonst war es eine sehr ruhige, entspannte Fahrt. Unsere Prognose der Mitreisenden (Madame „Silvesterfeiernde auf dem Weg nach Berlin“, ich: „Familien mit vielen Kindern und Koffern, die sonst nie Bahn fahren“) lagen beide daneben. Es war (zumindest in der 1. Klasse) der Tag der solo rückreisenden älteren Verwandten. Und bis kurz vor Spandau waren wir sogar überpünktlich. Nur der defekte ICE vor uns brachte noch ein wenig Verspätung ein.

    Sonst wäre es auch unheimlich geworden.

    Abends über fast-noch-glatte Wege ins Tulum, Burritos und Enchiladas vergleichen. Am Nachbartisch Gespräche über Zugfahren in die Schweiz. Auch wenn es meinem Selbstbild noch widerspricht: Offenbar sind wir wirklich mehr Wilmersdorf als Schöneberg.

    Löcher kommen, Löcher gehen

    Manchmal entstehen Gedankenverbindungen schrittweise. Wir waren im Jean-Tinguely-Museum. Tinguelys prägende Phase war zwischen 1955 und 1975. Und ich dachte erst: Mid-century! Und dann dachte ich „Er war in derselben Zeit aktiv, in der unsere Wohnung entstand!“ Dann kombinierte ich beide Gedanken und dachte „Wow, wir wohnen in einem Mid-Century Baudenkmal!“ Denn wir wohnen nicht nur im Schwimmbad, sondern auch im Baudenkmal; dürfen aber glücklicherweise trotzdem Löcher in die Wand bohren.

    Bohren ist auch nötig. Denn noch liegen und stehen eine ganze Menge Regale und Bilder auf der Erde, die eigentlich an die Wände gehören. Eine Wand des Kaminzimmers erwies sich als Bohr-Horror: Denn auf der anderen Seite liegen die diverse Steckdosen der Küche, es läuft ein Datenkabel durch die Wand und die Kabel der Schrankleuchten laufen direkt hinter der Wand. Das Strommessgerät piept sich von Aufregung zu Aufregung. Wir entschieden uns am Ende für ein Bild statt der Hängeregale: Ein Bohrloch war machbar, 16 Bohrlöcher in vorgegebenen Abständen hätten meine Nerven nicht ertragen.

    Das Bild hängt. Aller Strom fließt weiterhin. Noch wichtiger aber: Das Wasser fließt.

    Seit dem 30. Dezember 2025 ist erstmals die komplette Küche in Wilmersdorf einsatzfähig. Die Vermieterin hatte an diesem Brückentag der Brückentage eine Sanitärfirma aufgetrieben, die das tropfende Ventil in der Küche reparierte. Und damit sind erstmals alle Geräte angeschlossen und gleichzeitig alle Rohre und Ventile dicht. Halleluja!

    E-Auto, Pokemon-Karten

    Warum man keine Wallbox mehr braucht

    Ulrich versucht die umfassende Energiewende im Privaten: Moderne Zeiten

    Astrids ultimative Lobhudelei auf öffentliche Bibliotheken: Bibliotheksliebe: Kaufst du noch oder leihst du schon? (via maipenquynh)

    Eine unsere Weihnachtsfeiern musste kurzfristig den Ort wechseln, weil der Zugangsweg noch durch die Feuerwehr belegt war. Uschi hat mehr Hintergründe: Grossbrand in Lörrach

    Wenn ich denke „alle irr“, dann lese ich nochmal Readinginswedens Erlebnisse als Buchhändlerin in den letzten Tagen vor Weihnachten und denke „so schlimm ist es bei mir gar nicht“: 26.12.2025 Heizungstage

    Manchmal muss ich Bücher auch gar nicht lesen, sondern fühle mich durch die Rezension allumfassend informiert: Ganzheitliches Leiden – „Junge Frau mit Katze“ von Daniela Dröscher

    Ein epischer Post über Drucksystem-Keyboards, Linotype, Monotype und alles dazwischen. Wenn selbst der Autor eines Buchs über Keyboards sagt, das ihn das Thema überfordert. Shift happens: New in the collection, pt. 5: New Hermes NHI 810

    Anmerkungen

    1. Okay, ob es mir gelingt im nächsten Jahr in die City Kinos München zu kommen. I do not know. Aber alle 14 Berliner Kinos – das wäre doch ein Ziel ↩︎
  • 25-12-28 Teatime mit Lemon Drizzle Cake und Eiersandwich (Baden/Basel)

    25-12-28 Teatime mit Lemon Drizzle Cake und Eiersandwich (Baden/Basel)

    Ein Krähenschwarm wohnt in Lörrach-Zentrum. Falls mensch sie ausnahmsweise nicht sieht, dann sind sie zu hören. Fast schon möchte ich in Hitchcock-Anleihen Die Krähen schreiben.

    Beim Zähneputzen aus dem Fenster geschaut. Dabei eine Amsel, eine Kohlmeise und einen Grünfink gesehen, so wie den Vogel der aussah wie ein Eichelhäher, nur dass er halt braun war.

    Es war die zweite Weihnachtshälfte im Markgräflerland.

    In der Badischen Zeitung stand ein Silvestertipp „Türen und Fenster geschlossen halten, damit keine Rakete ins Zimmer fliegt“ und ich kann nur sagen „Ha!“. Wie wir letztes Jahr bewiesen bekamen, kann eine Rakete auch ein geschlossenes Fenster durchschlagen, um dann neben dem Geschenkpapierstapel zu explodieren. Gerade an Silvester freuen wir uns sehr, zwei Kilometer Abstand zwischen uns und die Kugelbombengegend gebracht zu haben.

    Madame hatte Klassentreffen, und sie erfuhr: Es gibt die Mittwochs-Wandergruppe der ehemaligen Lateinlehrer ihres Gymnasiums. Außerdem erhöhten wir die Zahl der persönlichen Kontakte ins Dota-Umfeld auf zwei.

    Steak Diane und Krabbencocktail

    Ausgelesen: Nigel Slaters Toast. Ein wirklich großes Buch. Slater erzählt in Episoden, verankert in Mahlzeiten und Essen von Süßigkeiten bis zu Steak Diane die Geschichte seines schwierigen Aufwachsens. Ich bin beeindruckt, wie die Erzählperspektive wechselt vom episodischen, unverbundenen Erzählen der Kindheitserinnerungen bis zum stärker analytischen und durchdrungeneren der Episoden als jugendlicher und Jungerwachsener.

    Ich war gerührt. Ich lernte viel über britisches Essen der 1960er und 1970er. Und ich begann beim Essen einen inneren Nigel Slater und dessen Meinung zum Essen zu hören.

    Wortspiel mit Herleitung

    In Dänischen ist das Wort für Vater far und das Wort für Mutter mor. Die Großeltern beziehungsweise ihre Bezeichnungen lassen sich dann wie Lego zusammensetzen. Die farmor ist die Vater-Mutter, also die Großmutter väterlicherseits, der morfar der Mutter-Vater, also der Großvater mütterlicherseits. Farfar und mormor gibt es natürlich auch.

    Leider lässt sich das in korrektem Dänisch nicht immer so weiterführen. Aber niemand hier spricht Dänisch, also ist das auch egal. Wissend, dass die Nichte die niece ist (zwei Nichten sind niecer) ist und die Gattin die hustru

    • trafen wir am ersten Weihnachtstag zwei Hustrumorniecer
    • und am zweiten Weihnachtstag eine Hustrufarniece

    oder anders gesagt: verschiedenen Cousinen von Madame.

    Creme fraiche als clotted-cream-Ersatz

    Am Zweiten Weihnachtstag (Freitag) kamen Hustrafarniece und ihr Mann, der Hustrufarnieceaegtemand. Sie waren zum Kaffee angesagt. Aber Madame fiel rechtzeitig auf, dass die beiden gar keinen Kaffee trinken. Dann gab es Tee, und wo wir schon dabei waren, eine kleine britische Tea Time:

    • Scones in süß und mit Käse
    • Eier- Gurken- und Krabbensandwiches
    • Lemon Drizzle Cake

    Und natürlich jede Menge Tee. Neben des üblichen Rundgangs durch alle Verwandten und das im März geplante Familienfest, ging es auch um buddhistische koreanische Beerdigungen („ich hab einfach immer gemacht, was mir gesagt wurde, was ich machen soll“) und die Frage, was die Unterscheidung zwischen Schweizer Käse, Bergkäse und Alpkäse ist und wann ein Rösti sich von einem Rösti in einen Backofen-Kürbisbratling verwandelt.

    Auch erfahren: in Baden (Schweiz) und Ennetbaden (da-drüben-Baden) bei Baden existieren jeweils Bagni populare, zum Baden geeignete öffentliche Brunnen, die durch die örtlichen Thermalquellen gefüllt werden. („Ach, und die werden im Winter geheizt?“ – „Gefkühlt! Das Wasser hat 47 Grad.“).

    Wie immer ein sehr schöner bereichernder intellektueller Rundgang mit den beiden durch die Welt.

    Ennetbasel

    Damit waren alle vor Ort erreichbaren Verwandten durchgetroffen. Ein halber Tag zum individuellen Entertainment blieb. Dieser führte fast zu Besuch bei einer bekannten bayerisch-schweizer Bloggerin, soweit ich weiss landeten wir auf dem Roche-Werksgelände. Aber erst ging mit der S6 zum Badischen Bahnhof, und dann eine faszinierende Gegend entlang der Schwarzwaldallee durch Kleinbasel / Ennetbasel – also das Basel auf der „falschen Seite“ des Rheins.

    Eine Ecke zwischen Bahnhof, Rheinufer und Stadtautobahn, eigentlich so urban und voll wie nur irgend sein kann, und trotzdem hießen Orte Sandgrube, Vogelsangweglein oder Ziegeleihof. Die Gebäude waren entweder ziemlich neu, große Wände, die das dahinter gegen die Autobahn abschirmten oder sie sahen aus wie Siedlungen in London oder in Berlin, die Anfang des 20. Jahrhunderts in den besseren Gegend als bürgerlicher Wohngegend im Grünen angelegt wurden. Nur dass „das Grüne“ selbst damals eigentlich nicht zwischen Bahnhof und Industriehäfen lag.

    Ein wenig Recherche erbrachte die Landgüter Sandgrube und Solitude, ehemals landwirtschaftlich genutzte Flächen außerhalb Kleinbasels, die im 18. Jahrhundert in herrschaftliche Landsitze umgebaut wurden. Und es ist spannend. Denn selbst jetzt inmitten von Autobahn, Bahnhof und Chemieindustrie sieht die Gegend so aus, dass ich in 10 Minuten denke „Landsitz im Grünen“.

    Solitude gehörte der Familie Hoffmann, die in die Familie La Roche heiratete, woraus der Pharmaziekonzern Hoffmann-La Roche hervorging. Heute heißt er Roche, hat zwei bekannte Türme in Basel gebaut, in denen einen bekannte Bloggerin arbeitet. Und am Rande des Solitude/Roche-Geländes wiederum steht das Ziel unserer Reise: das Museum Tinguely – a cultural commitment of Roche

    Es rauscht und knattert

    Der Bildhauer/Aktionskünstler/Bastler/Schrottkünstler Jean Tinguely begleitet uns durch dieses Jahr. Letztes Jahr zu Silvester unbewusst, denn Niki de Sant Phalle, deren Grotte wir sahen, und Tinguely gehören eng zusammen. Im März sahen wir einen Film über Niki, nicht ohne lange Auftritte von Tinguely. Im Oktober schließlich waren wir in der Pontus Hulten/Niki de Sant Phalle/Jean Tinguely-Ausstellung im Pariser Grand Palais – und nun der Basler heimatberechtigte Tinguely fast alleine.

    Verkürzt zusammengefasst: Tinguely baute Maschinen. Maschinen, die „frei“ waren, weil sie keine Arbeit verrichteten, sondern sich einfach bewegten. Oft knattern, scheppern und klingeln sie. Manchmal zerstören sie sich selber. Manchmal machen sie Musik, manchmal malen sie. Oft machen sie gar nichts.

    Das Museum sammelt diese Maschinen, stellt sie aus und bringt sie – Alptaum jedes Museums-Konservators – in Bewegung. Von frühen kleinen Werken, bewegter Abstraktion auf kleinem Raum, bis zu zur 17 Meter langen Grosse Méta-Maxi-Maxi-Utopia. Mir komplett neu war seine Faszination für den Autorennsport, einschließlich des Tryptichons Lola T. 180 – Mémorial pour Joakim B. aus zwei Lola-Rennwagen, Schädeln, Knochen und Reifenteilen.

    Das Museum bietet zwei Möglichkeiten: Einfach nur die Maschinen anstaunen. Oder in den kabinettartigen Teilen noch viel zur Geschichte und Theorie dahinter lernen.

    Schädel, Möhren und ein kleines Krönchen

    Tinguelys Tryptichon in Aktion

    Bester Weihnachtsbaum bei Nic.

    Auch Thermomix bietet seinen Nutzern einen Jahresrückblick an. Christian zum Beispiel hat 71 verschiedene Rezepte mit 299 Zutaten gekocht. Lieblingszutat: Möhren.

    Seit Wochen schleiche ich um Sehnsucht in Sangerhausen herum, überlege ich drei Stunden (mit drumherum) meines Lebens in diesen Film investieren soll. André hilft bei der Entscheidungsfindung: Kinotagebuch: Sehnsucht in Sangerhausen (2025) – Bresson, Kiarostami, Novalis, Radlmeier

    Legende oder Geschichte: Der Lauch-Schlitzer!

    Es gibt nämlich seit einer Weile schon eine Frau, die meistens ein kleine Krone trägt, die sich heimlich in die Theater schleicht. Sie ist inzwischen bekannt in der Region, denn sie hat es schon in Nancy, in Metz bis hin nach Straßburg versucht. Sie gibt sich als bekannte Opernsängerin aus und sie müsste unbedingt auf der Bühne proben. Sie hat es in Luxemburg sogar geschafft, dass sie eine ganze Nacht in einer Loge verbrachte und dort auf dem Sofa schlief.

  • 25-12-25 Schlafe in himmlischer Ruh! (Berlin->Baden)

    25-12-25 Schlafe in himmlischer Ruh! (Berlin->Baden)

    Sechzehn Tage und vier Stunden nach Einzug in ein Schwimmbad gingen wir das erste Mal schwimmen: Am 23. Dezember um 19:30h. Die Erschöpfung nach diesem Tag war nicht ganz so schlimm. Die Aussicht auf mehrere freie Tage in einem Haushalt in dem alles funktioniert und alles dort steht, wo es stehen soll, beflügelten zu Abenteuern.

    Zum Abschied sahen wir beim folgendem Abendessen aus dem Fenster auch noch einmal den Parkplatz-Fuchs. Es war ein gutes Omen.

    Aber vor allem ging es auf die Reise. Tage der Aufgeräumtheit, der Ruhe und des Ausschlafens kündigten sich an.

    Es war Heiligabend und der erste Weihnachtstag.

    Heiligabend morgen war Geruchsintensiv. Im U-Bahn-Fahrstuhl musste ich sofort an Frau Brüllens zitierte blumigen Parfümbeschreibungen denken, wollte innerlich den Geruch mindestens so würdigen wie ihr Adventskalender es schafft. Ich brachte aber nur zusammen „Es ist zu früh. Ich bin zu müde.“ Im Zug ein neues Geruchserlebnis. Wieder fehlten mir die Formulierungen, beziehungsweise kondensierten sich zu einem einzigen Wort der Geruchsbeschreibung: Es riecht nach Erdbeerjoghurt.

    Heiligabend abendtrafen wir Familie und werden weitere Treffen. Das war wie immer schön, ich habe schon großes Glück, wo ich einheiratete. Dazu bewährte Klassiker wie Fondue chinoise und Schäufele mit Kartoffelsalat. Wir konnten der Versuchung nicht wiederstehen, Madames Patenkind aus Autofahrerhaushalt für den ÖPNV zu agitieren.

    Über Offenburg nach Paris

    Ich vergaß, vor der langen Bahnfahrt die Glückssocken anzuziehen. Sogleich beschloss die Bahn uns zu testen: Die Ringbahn fiel aus, unser Standardweg zum Hauptbahnhof war nicht mehr möglich. Da wir noch zu neu in der Wohnung sind, um wirklich alle Alternativen sicher zu beherrschen, brach etwas Hektik aus, aber wir packten alles ein, setzten nicht mit den Adventskerzen die Wohnung in Brand und auch das aus Versehen aus dem Fenster geflogene Platzset sammelten wir wieder ein.

    Also statt Ringbahn lieber U-Bahn. Statt S42 und Stadtbahn, lieber U3, U9 und Stadtbahn. Zum Glück hielt die BVG alle Beförderungsversprechen, wir waren pünktlich am ICE371 Berlin-Basel.

    Dieser war erwartungsgemäß leer. Neben uns saß ab Braunschweig eine Familie (Tochter am Ende des Studiums aus Leipzig, Vater aus Freiburg, Oma aus Salzgitter), die zu „Jan“ nach Wiesbaden fuhren. Der Vater hatte einen großen Aufstand veranstaltet, damit alle zusammen plus Omas Rollator einen Vierersitz hatten, nur damit er sich die ganze Fahrt über woanders aufhielt und Tochter, Oma und Rollator alleine ließ.

    In Karlsruhe wurde es voll. Anscheinend war eine Strasbourg-Paris-Verbindung gescheitert, ICE371 plus dem Regionalzug Offenburg-Strasbourg bildeten den Ersatz. Und so schoben sich plötzlich Gruppen asiatischer Frauen durch unsere Waggons oder die griechische Kleinfamilie mit acht großen Schrankkoffern im Gepäck, auf dem Weg über Strasbourg nach Disneyland Paris. Und kaum hatten sie sich alle eingerichtet, waren wir auch schon in Offenburg. Die ganze Karawane aus aller Herren und Damen Länder verließ wieder den Zug.

    Auch ohne Glückssocken hielt sich die Verspätung im Bereich unter 30 Minuten, was als voller Bahnreiseerfolg zählt.

    Essen in Zeiten der Schwierigkeiten

    Auch wenn wir gerade 20 Meter Buch weggegeben haben, irgendwie verirrten sich zwei Exemplare für mich unter den nicht vorhandenen Tannenbaum verirrt:

    Mehr dazu, wenn ich sie gelesen habe. Noch lese ich mich durch schon vorhandenes.

    Im Zug angelesen: Frank Schätzing: Der Schwarm. Einst ehedem in einer Bücher-Telefonzelle gefunden und jetzt als dicken Reisewälzer eingesteckt. Nach 15 Seiten genervt beschlossen, dass ich und dieses Buch nicht zusammenfinden. Zuviel Schlaubi-Schlau-Attitüde, zuviel schlechter Schreibstil, zuviel Mansplaining und null Empathie gegenüber den eigenen Figuren.

    Im Zug angelesen: Nigel Slater: Toast. Die durch Essen erzählte Kindheits- und Jugenderinnerungen des bekannten Kochbuchautos Nigel Slaters. Das Buch gewann beim Erscheinen 2012 zahlreiche Preise, und das vollkommen zurecht. Die Geschichte einer schwierigen Kindheit anrührend erzählt, eine Hommage an Essen und Geschmack, mit jeder Zeile großartig.

    Dazu passt die Lektüre, die zu Hause blieb: High on the Hog. Auch dort Geschichte durch Essen erzählt, und die Kraft die Essen und seine soziale Bedeutung auch in widrigsten Zeiten bringt.

    Weder Esel noch Krippe

    Weihnachten feiern ohne explizit christlichen Bezug ist wie das Tragen eines Band-T-Shirts ohne je etwas von der Band gehört zu haben: Falsch.

    Die Pünktlichkeit der Deutschen Bahn erlaubte uns den Besuch der Christvesper in der Lörracher Kirche im Quadrat. (formerly known as Christuskirche). Die nun vollbrachte das Kunststück eines christlichen Bezugs weitgehend unter Auslassung von Weihnachten.

    Weihnachtsgeschichte – nada. Weihnachtslieder – ganz am Ende noch einmal Stille Nacht. Ansonsten gab es thematisch sehr viel Licht in der Dunkelheit, was man nun irgendwie auch auf Weihnachten beziehen kann. Aber quasi auch an jedem anderen Gottesdienst des Jahres sinnvoll als Thema vor vortragen könnte. Nicht einmal als Absage an Weihnachtskitsch ging es durch, dadurch war es inhaltlich leider auch zu belanglos.

    Immerhin, die Keyboardspielerin/Sängerin und der geigende Konfirmant, die aus Gründen der Organistenknappheit eingesprungen waren, waren beide gut, der Konfirmant auch noch ganz großartig herzig.

    Es wird mehr gesungen

    Sonst vermeide ich es ja tunlichst, beim Gehen auf das Smartphone zu schauen, aber ich möchte gerade der Welt mitteilen, dass mir „ARKA‘N ASRAFOKOR“ so gut gefällt, dass ich eine Bordsteinkante vergesse und stolpere. Ich kann mich noch rechtzeitig abstolpern, aber im rechten unteren Lendenwirbelbereich reißt es leicht.

    Wo ich gerne beim Weihnachtessen naschen würde, ist die Asia-Schweizerin Wilma: Schweizer Wintergemütlichkeit trifft auf asiatische Herzlichkeit – geschmolzener Käse, langsam gekochte Brühen, duftende Gewürze und Gerichte zum Teilen.

    Bester Weihnachtsbaum bei Maik.

    Matthias fragt: Eine Wikipedia-Seite für einen dahergelaufenen Blogger? – und als Wikipedia-Autor sage ich „Nein.“ Unter anderem weil man als Objekt eines Artikels keinen Einfluss mehr hat und dann jahrzehntelang zähneknirschend ertragen muss, wenn unausgegorene Halbwahrheiten im Artikel stehen. (Was ich auch gerne im Blog kommentiere würde, aber dafür müsste ich mich bei WordPress.com anmelden)

    Kalle fragt: gibt es überhaupt eine nennenswerte anzahl an bloggern, die nicht mit helmut schmidt oder helmut kohl als kanzler aufgewachsen sind?

    Hamburg-Korrespondent Percy Puddletree stellt fest: Es wird mehr gesungen. Und als ob das nicht schon absonderlich genug wäre, wurde auch mehr getanzt.