Kategorie: Alltag

  • 2026-01-24 Lichtbildvortrag am Samstag

    2026-01-24 Lichtbildvortrag am Samstag

    Die Schokoladenhersteller verramschen ihre Pistazienvorräte. Dank eines nahen Mindesthaltbarkeitsdatums und des dazu gehörigen Rabatts konnte auch ich mir eine Dubai-Schokolade leisten. Schmeckt wirklich fein. Aber ist, wenig überraschend, den Hype nicht wert.

    Das Café Toskana mit der italienischen Auslage im Schaufenster bot im Innern Menemen und Sucuk-Frühstück an. Sizialinische Cannoli gab es aber auch.

    Mir träumte, ich sähe eine Fernsehsendung in der erläutert wird, dass Urlaub eine freiwillige Leistung des Arbeitgebers ist und jederzeit gestrichen oder umgelegt werden kann. Obwohl dies technisch als Alptraum zählt, nahm ich das im Traum als selbstverständlich hin. Ich muss ein ernsthaftes Wort mit meinem Traum-Ich reden.

    Dem Kaptain träumte, ich schreibe mein Buch. Sehr viel besser.

    Es war ein Exkursions-Arbeitstag und ein Stadtgeschichts-Samstag.

    IKEA-Regale sind aus Holz

    Zwischen die verschiedenen Anlässe des Vorwochenend- und Wochenend-Entertainments setzte die Welt einen Ausmistausflug. Die Übergabe der Schöneberger Wohnung naht jetzt wirklich. Noch gibt es einige Kleinigkeiten zu erledigen: Letzte Bohrlöcher schließen, putzen und wienern und wieder putzen und Reste entfernen: Die abgenommenen Galerieschienen und Gardinenstangen, drei Dosen mit Lösungsmittel von 2010, letzte mit Erde gefüllte Blumenkübel.

    Also schruppten wir und stiegen auf Leitern, schleppten Zeug nach unten und stopften es um Madame herum ins Auto. Es folgte kurzer Weg nach Neukölln-Süd zum Wertstoffhof Plus, an dem wir uns in die übliche Samstagabend-Schlange stellten. Auf dem Hof führte ich noch eine kurze Diskussion ob die Galerieschienen aus Metall sind (ja!). Ich ließ mich vom BSR-Personal überzeugen, dass alte IKEA-Regale wirklich aus Holz gefertigt sind und dementsprechend über den Altholz-Container entsorgt werden sollen.

    Nach der Heimkehr chillen und Sauerkraut-Raclette.

    Next stop Springfuhl

    Hurra! Dienstreise! Also fast. Meine Fahrzeit hätte fast gereicht, um nach Hamburg zu kommen. Als rein Berliner Unternehmung reichen unsere „Reisen“ aber eigentlich nie über den Tarifbereich B der BVG hinaus. Ich fuhr vom Südkreuz (Schöneberg) zum S-Bahnhof Springfuhl (Marzahn). Ich hatte mir selbst einen Badbesuch gesichert. Diesmal in der Schwimmhalle „Helmut Behrendt“, einer spannenden Sportschwimmhalle aus der späten DDR, wo sich heute gefühlt halb Marzahn trifft. (und meinem persönlichen Eindruck nach: Die nettere Hälfte).

    Ein wenig IT machen, ein wenig mit den Leuten vor Ort plaudern und viel viel über den Badbetrieb lernen. Ich staunte, was ich alles lernte. Nebenbei strich ich auch die Einladung ein, mal so vorbeizukommen und einfach die Büroräume im Bad (mit denen dies ausnahmsweise gesegnet ist) zu nutzen, um ganz normal zu arbeiten.

    Es klingt verlockend. Auf jeden Fall schicker als der normale Bürobau. Und von der Wohnung im Schwimmbad zum Büro im anderen Schwimmbad – ich bin stark versucht.

    Vom Seebad zur Kreuzung

    Wenig überraschend derzeit: Ich war Samstag in einem Kino.

    Überraschender: Kein Film lief. Das Kino, die Eva-Lichtspiele Wilmersdorf, gehören auch nicht zur Yorck-Gruppe.

    Es lief ein heimatkundlicher Vortrag. Der „12. Lichtbildvortrag zur Geschichte Wilmersdorfs.“

    Am überraschendesten: Ein großer alter Kinosaal mit 250 Plätzen war auch bei diesem 12. Vortrag komplett ausgebucht.

    Dipl-Ing. Christina Kautz führte bereits zum 12. Mal durch die Geschichte und Geographie Wilmersdorf „Vom Sackgassendorf zum Großstadtbezirk“. Für uns als Neu-Zugezogene war das natürlich ein Geschenk.

    Wir wissen jetzt, wo das alte Paar zweier Eichen steht, das einst den Eingang des Dorfes markierte und jetzt eher verloren im Straßenlabyrinth Wilmersdorf wirkt.

    Denn wir lernten, warum wir beide Probleme haben, uns zu orientieren. Die Straßen in Alt-Wilmersdorf verlaufen wirklich nicht, so wie Straßen in alten Dorfkernen normalerweise verlaufen, unser „so-funktioniert-Stadt“-Gefühl möchte etwas anderes als das was wir vorfinden – und wir lernten warum.

    Hilfreich war es hier, dass der Vortag von einer Dipl-Ing./Landschaftsbauerin gestaltet wurde, die gerade bei solchen Fragen „Wie funktioniert Landschaft? / Wie funktioniert Stadt?“ in ihrem eigenen Sweet Spot unterwegs war.

    Immer wieder spannend, die Erkenntnis, dass die gesamte Wilmersdorfer Geschichte und innere Geographie um den Wilmersdorfer See kreist – der einfach nicht mehr existiert. Aber natürlich zahlreiche Spuren in den Straßenzügen, den Grundstückzuschnitten und der Gliederung des Stadtteils hinterließ.

    Wir erfuhren nette Anekdoten: Zum Beispiel von der prachtvollen U-Bahn-Brücke über dem See, die wenige Jahre nach ihrem Bau wieder abgerissen wurde. Aber auch zur Geschichte der Eva-Lichtspiele selbst (ehemals Roland-Lichtspiele), die seit 1913 existieren.

    Gerne auch zum 13. Mal. Wobei aufgrund des großen Erfolgs das Eva-Kino jetzt eine ganze stadtgeschichtliche Vortragsreihe einmal im Monat veranstalten will. Es geht weiter mit U-Bahn, S-Bahn und Straßenbahn.

    Berlin – Rom – an Leuten reiben

    Durch den Vortag kennengelernt: Histomap Berlin, eine Website bei der mensch sich alte Berliner Städtpläne seit 1928 anschauen kann. Nett: Einfach eine Adresse eingeben und sich langsam durch die Geschichte des Grundstücks zoomen. Dabei gelernt: Das Stadtbad war bis zum Bau des Stadtbads 1961 gebäudefrei. Und das mitten im Stadtring. Eigentlich zogen wir halt doch aufs Dorf.

    Auffällig im Vortrag: eine Karte mit Berlin als Festung im 18. Jahrhundert mit Bastionen, Wällen, zackigen Mauern, wie es sich gehört. Denn in anderen Städten kann man diese Festung noch sehen (Frankfurter Wallanlagen, Hamburger Sternschanze, Leipziger Stadtring.) Aber in Berlin? Mit etwas Recherche fand sich der Spreegraben hing eng mit dem Grünen Graben der Festung zusammen, die Straße Am Festungsgraben, der Königsgraben/Zwirngraben oder auch der Köllnische Park und der Hausvogteiplatz ist das Innere des ehemaligen Sparr-Bollwerks/Jägerbastion.

    Was man mit den schräg laufenden Oberwall- und Niederwallstraße und der Ausstülpung des Platzes auch sehr gut sehen kann, wenn mensch mal drauf achtet.

    © OpenStreetMap-Beitragende

    Die Serie Suburra sehen heißt Rom-Sehnsucht bekommen. Das Gefühl hatten wir schon beim sehen und jetzt schreiben das auch ehemalige Römer. (Außerdem: Glitzer im Jugendzimmer)

    Gelernt: Herr Buddenbohm siezt seinen Haselanten.

    Fazit: ich kann mich jetzt an Leuten reiben. Und das war sehr lustig. Ich bevorzuge aber dann doch die „nur gucken!“-Version von Striptease.

  • 2026-01-22 Bis 2032 sind 70% des Software-Stacks auf Open Source Software umgestellt (A-ca-awkward…)

    2026-01-22 Bis 2032 sind 70% des Software-Stacks auf Open Source Software umgestellt (A-ca-awkward…)

    Ein*e Scherzkeks*in trug meine E-Mail-Adresse bei einer DJ-Plattform ein. Jetzt bekommen ich alle zwei, drei Tage Anfragen ob ich nicht bei Familienfesten oder Gemeindefeiern auflegen möchte. Falls jemand am 7. März in einem Restaurant anlässlich einer Familienfeier vor 20 bis 49 Gästen unter 18 Jahren auflegen möchte: Ich könnte einen Kontakt vermitteln. Ihr müsstet allerdings das Soundsystem selber mitbringen. Honorar wären „bis zu 400€“.

    Die Ex-Thoben-Bäckerei ist doch nicht Shisha Shop Cleopatra geworden, sondern firmierte sich in letzter Sekunde in Mazary Shisha Shop um. Vielleicht ist Cleopatra aus dem Grab auferstanden und hat sich gegen die Namensnennung verwehrt. Oder der Markenrechtsinhaber von „Cleopatra“ für die Warengruppe Shisha Shops tauchte auf. Oder jemand anderes, der keine offiziellen Markenrechte besitzt aber doch überzeugend den Eindruck vermittelt, nicht „seinen“ Namen zu benutzen. Oder es war ganz anders.

    Die Gemüslichkeit lud zur Vollversammlung nach Wittenberge in der Prignitz.

    Ich bin jetzt quasi offizieller Alumni-Portal-zertifizierter Alumnus der Fernuniversität in Hagen. Ob das praktisch irgendetwas bedeutet (außer dass sie regelmäßig Geld wollen werden): Ich lasse mich überraschen.

    Mittwoch begann gegen 8 Uhr morgens damit, dass ich Zeuge einer mehr oder weniger versehentlichen Rolltreppenrempelei am Südkreuz wurde, worauf Mann 1 dem Mann 2 die Reste seines Bieres über die Jacke kippte und Mann 2 den Mann 1 aufforderte „Zurück dahin zu gehen wo er herkommt.“

    Ein gar nicht so schlechter Tagesanfang, denn es war klar: Eigentlich kann es nur noch besser werden.

    Madame war schon wieder schwimmen1. Vorher besuchte sie Vattenfall auf der Suche nach unserem aktuellen Stromvertrag. Im weiteren Verlauf des Tages besuchte sie die Bibliothek bei der Gemüslichkeit und brachte mir „The Novels of Dashiell Hammett“ mit. Sollten sie gefallen, werde ich sie wohl auch noch für immer bei der Krimibuchhandlung Hammett bestellen.

    Um nicht komplett hinter Madame zurückzufallen, setzte ich endlich den Plan um, am mobilen Arbeitstag in der Mittagspause schwimmen zu gehen. Bei einer „Reisezeit“ von ungefähr 20 Sekunden zwischen Wohnungstür und Schwimmhallendrehkreuz (inklusive des notwendigen Reinschauens an der Kasse) handelt es sich um vertretbaren Aufwand.

    Es waren drei Arbeitstage mit privatem Adminkram, Kino und Schwimmbad.

    Die Open-Source-Strategie

    Es gelang mir in der Arbeitszeit, mir eine erste Zuständigkeit für die Bearbeitung der neuen Open Source Strategie des Landes Berlin zu sichern.

    Erste Erkenntnis: Direkt sind wir nicht betroffen. Die Strategie bezieht sich nur auf Verwaltung und ITDZ. Soweit ich bisher sah, kommen landeseigene Unternehmen nicht vor.

    Aber natürlich bewegen wir uns auch in einem Umfeld.

    Gerade auch, weil wir mehr Gestaltungsfreiheit haben als die echte Landesverwaltung bietet die Strategie viele Möglichkeiten und wenig Zwang. Es wird spannend werden.

    Ganz generell: Für ein Papier, dass aus der politischen Ebene kommt ist es erfreulich detailreich und wirkt erfreulich kompetent geschrieben. Die Ziele sind zwar alle angesichts der Realität auf dem Boden reichlich ambitioniert, aber meiner von wenig Ahnung getrübten Einschätzung nach, nicht unmöglich zu erreichen.

    Dass bis 2032 immerhin 70% der verwendeten Software an den Arbeitsplätzen der Berliner Verwaltung Open Source sein sollen ist auf jeden Fall eine Ansage.

    Beca und die Bellas

    Im Kino gewesen. Natürlich der letzte Besuch war ja schon zwei Tage her.2 Diesmal wieder bei Fetch, der RomCom/Musical/Teenfilm-Klassiker-Reihe bei den Yorck Kinos im Schöneberger Odeon.

    Falls jemand auf der Suche nach positiven Vibes ist, und das sind derzeit ja Einige, diese Reihe ist empfehlenswert. Egal wie der Film ist, der ganze Saal (wieder fast ausverkauft) lässt einen einfach Zwei Stunden lang in positiven Vibes baden.

    Und nun ja, der Film. Pitch Perfect über ein Wettbewerbs-College-A-capella-Frauenteam, die Barden Bellas, von 2012 war ein Film faszinierend durchgängiger Furchtbarkeit. Ich war hervorragend unterhalten. Aber der Film war schlimm. Richtig schlimm. Es war erstaunlich auf wie vielen Ebenen ein Film eines eigentlich harmlosen Kinogenres furchtbar sein kann.

    Selbst die beiden Moderatoren, die die Einführungsworte sprachen, hatten zwar viel gute Vibes, warnten aber vor, dass der Film ohne Nostalgiegefühle geschaut, schon einen „sehr 2000er Humor“ hat.

    Um bei den positiven Vibes zu bleiben. Es gab im Film etwa acht nicht-furchtbare Minuten. In fünf davon wird gesungen. Die drei restlichen Minuten kommen zusammen, indem man alle Szenen zusammenzählt in denen die Protagnistin Beca diesen „Was mache ich hier? Und wie komme ich wieder raus?“-Blick hat. Das passt zur Rolle, aber auch zur Schauspielerin, der (für andere Rollen natürlich) Tony-, BAFTA und Oscar-nominierten Anna Kendrick3.

    Juwelenreis war das Geheimnis dieses Sommers

    Die Stuttgarter Theater wurden erpresst. Gezahlt wurden 15.000 Dollar Lösegeld, das aber niemand überwiesen hat. Ein Prozess gegen Cyberkriminelle zeigt absurde Szenen.

    Es gibt einen Alan-Rickman-Film in dem dieser barfuss an Friseurwettbewerben teilnimmt. Blow Dry (2001) Und ich wusste davon nichts! Danke an die Kaltmamsell für den Hinweis.

    Markus ist jetzt Deutscher. Herzlichen Glückwunsch! [Di, 20.1.2026 – des Glückes Unterpfand]

    Ich bin Fan des Fünf-Farben-Salats, den wir bei Da Jia Le bestellen können. Vielleicht auch demnächst Fan des selbst gemachten Sechs-Farben-Reis: Morasa Polo – Persischer Juwelenreis

    Wenn schon auf die eigene Jugend zurückblicken, dann wenigstens ordentlich: LSD war das Geheimnis dieses Sommers

    Vielleicht ist das der einzige Rat, den ich aus heutiger Perspektive geben würde: Haltet niemals durch, wenn es sich falsch anfühlt. Lernt aufzugeben. Durchhalten ist scheiße. Brecht ab, was euch schadet.

    Anmerkungen

    1. No. 8 diesen Monat, 4,50€ pro Besuch. Jetzt ist sie auf dem Niveau von Einzelkarten. ↩︎
    2. Also Besuch No. 6 mit Yorck Unlimited. 39,67€ pro Besuch. ↩︎
    3. Andererseits hatte der Film zwei Fortsetzungen in denen sie vermutlich freiwillig wieder mitspielte. Beruflich war die Rolle auf jeden Fall ein guter Move. ↩︎
  • 26-01-20 Nägel raus, Wollteppich Kazak rein (Playin‘ for the blue haired crowd)

    26-01-20 Nägel raus, Wollteppich Kazak rein (Playin‘ for the blue haired crowd)

    Noch acht Kisten. Wir sind uns mit der Zählung wieder einig. Ich warf Schuhe weg, von denen ich hätte schwören können, sie schon seit Jahren nicht mehr zu besitzen.

    Mühsam rang ich mich zu dem Entschluss durch, dass es ein zuviel an LAN-Kabeln geben könnte.

    Madame dehnte ihr Total Immersion + Aquajogging-Programm auf eine Stunde aus. Wenn ich nicht aufpasse sehe ich demnächst nur noch ihre Rücklichter während sie durch’s Wasser chillt.

    Es war ein Arbeitsmontag mit Wohlfühlkino und ein Wohnungs-Ausräum-Sonntag.

    Um 6:56h kam der Parkplatzfuchs. Er überquerte direkt hinter dem eiligen Fußgänger den Weg, unbemerkt von diesem.

    Bei drei Grad Plus kamen drei Eichelhäher. Kaum schwinden die Minusgrade, tauchen die Vögel in unserem speziellen Kälteloch wieder auf. Sogar eine Blaumeise war darunter.

    Der Wollteppich Kazak, der indische Seidenteppich und *nuschel nuschel Pakistan* kamen gereinigt und repariert zurück. Wie man es sich wünscht, entpuppte sich der Lieferer als Teppich-Nerd. Unser Plan „leg man ab und wir überlegen dann wo und wie wir die Teppiche hinlegen“ fand keinen Anklang. Er musste ja den Teppich präsentieren und ausbreiten und zeigen was sie gemacht hatten und diskutieren, wo er am besten aussieht. Und auf jeden Fall – sie sehen toll aus.

    Natrürlich hatte er noch Ideen wo weitere Teppiche gut wirken würden. Ich fürchte er hatte Recht. Naja, irgendwann, wenn wir groß und reich sind. Zum Glück bietet auch hier die mangelnde Quadratmeterzahl der neuen Wohnung eine wirksame Beschränkung allzu ausschweifender Pläne.

    Verschüttete Erde

    Es sind nur noch Kleinigkeiten in der alten Wohnung. Aber selbst die können Arbeit machen, wenn es einfach sehr viele Kleinigkeiten sind: Viele Bohrlöcher zum Beispiel. Oder dies und das und jenes, das nicht umziehen sollte. Wie zum Beispiel die komplette Balkonausstattung: Denn wir haben ja gar keinen Balkon mehr. Insbesondere die Blumenerde.

    Madame putzte an den ganzen unangenehmen Stellen, an die mensch sonst nie rankommt oder ranwill. Sie trug Erde und alte Vorhänge die vier Stockwerke hinunter in den Müll. Wir zogen Nägel aus der Wand, trugen noch mehr Erde nach unten und trafen einen unserer Lieblings-(Ex)-Nachbarn. Wir lernten: Als Taxifahrer ist er Stammgast unserer neu benachbarten Autowaschanlage. Vielleicht sehen wir ihn dort noch einmal.

    Immerhin gelang es den Haushallodris zwischendurch, den Müllcontainer von der BSR leeren zu lassen, so dass wir ihn wieder befüllen konnten.

    High on the Wechselland

    Ausgelesen: Jessica B. Harris: High on the Hog. Das Buch spannt eine weite Reise aus Westafrika über die Zucker-Plantagen der Karibik, die Südstaaten, die Great Migration und das Black Harlem der Harlem Renaissance bis ins Alter der Fernseh-Celebrity-Köche. Immer kenntnisreich, immer spannend, immer ein wenig dahinplätschernd. Herzzerreissend allerdings wird es, wenn man liest, dass es 2011, zur Hochzeit Barack Obamas geschrieben ist und voller Hope und Enthusiasmus, was die Zukunft der Afro-Amerikaner angeht. Als 2026 lebender möchte man nur noch seufzen oder weinen.

    Angelesen: Raphaela Edelbauer: Das flüssige Land. Nach ungefähr fünf Seiten merkte ich: Edelbauer und ich, das klickt total: So denke ich und so würde ich gerne schreiben können. Sie schreibt in einer schönen aber artifiziellen Sprache, die niemand so reden würde – aber passend.

    Auf Seite 5 taucht ein erstes wörtliches Zitat auf: Eine E-Mail – die liest sich ziemlich genau wie eine echte informelle Mail eines Uni-Lehrstuhls 2025 klingen würde. Die gesammelte sprachliche Wurstigkeit der Mail im Vergleich zur hochgestochenen Künstlichkeit zuvor knallt wie Regal, das von der Wand fällt. Eins, zwei Sätze nur, und diese rücken den ganzen Roman zurecht.

    Ich bin inzwischen auf Seite 40, bin fasziniert von der Sprache, bin fasziniert vom Springen zwischen profanstem Alltag (Sie öffnete eine Excel um die Beerdigung ihrer Eltern zu planen) und halluzinatorisch-unwirklichen Passagen durch das österreichische Wechselland irgendwo in den Bergen zwischen Niederösterreich und der Steiermark.

    Und jetzt bin ich gespannt:

    • Wird der Roman es schaffen seiner gesamten sprachlichen Hochseilbühnenfechterei ausreichend inhaltlich-emotionale Tiefe zu geben um nicht irgendwann hohl zu wirken?
    • Und: Geht mir der Ansatz irgendwann beim Lesen auf die Nerven? Unwahrscheinlich aber nicht unmöglich.

    Soolai, soolai, soolaimon

    Durch Bekannte kam ich auf die Idee: After-Work-Kino. Dank meiner Jahreskarte1 ist es gar nicht mal so blöd, einfach auf dem Heimweg einen kurzen Abstecher beim Kino zu machen, zwei Stunden in dunklem Raum und gemütlichen Sessel abzuklingen, und erst dann in die Wohnung zu gehen.

    Ich machte einen Versuch mit Song Sung Blue um 17 Uhr im Odeon.

    Ich erwartete ein wenig Comfort Food für die Seele: Einen soliden, rührenden Film, in dem gesungen wird. Ich bekam weit mehr: Großes Kino.

    Dabei ist der Film von Craig Brewer keine Kunst, will keine sein. Nicht in diesem Film kommt unerwartet, nichts fordert heraus, nichts wird irgendeine Grenze erweitern. Das ist perfekt exekutiertes Unterhaltunghandwerk mit erkennbar großer Liebe für seine Subjekte: Diejenigen Entertainer, die nie den großen Durchbruch hatten, aber trotz allem mit allem Herzblut und Liebe unter prekären Lebensumständen Unterhaltung machen. In den Worten der Hauptfigur Mike Sandrino: „I’m not a songwriter. I’m not a sex symbol but, I am an entertainer.“ Alles ist genau dort wo es hingehört, und man sieht, dass es gut ist.

    Der Film ist manchmal witzig, oft traurig, gerne euphorisch, voller Liebe, liebt Musik (in der Form handgemachter Musik von Musikliebhabern), aber vor allem voller Wärme.

    Man möchte sie herzen und knuddeln und umarmen. Und dann passiert etwas und man möchte sie noch mehr herzen und knuddeln und ganz doll umarmen, aber aus anderen Gründen. Und dann passiert etwas und man möchte sie noch mehr herzen und umarmen. Und eigentlich möchte man Charaktere, Nebencharaktere, und das ganze Filmteam umarmen.

    Der Film erzählt die mehr oder weniger reale Geschichte von Mike Sardina (Hugh Jackman) und Claire Stingl (Kate Hudson), die sich als erfolglose Musiker und Imitatoren (Don Ho bzw. Patsy Cline) durchschlagen. Sie treffen sich in mittlerem Alter2 im Backstagebereich eines unbedeutenden Oldie-Gigs („Playing for the blue haired crowd“ der alten Menschen) auf der Wisconsin State Fair, verlieben sich und gründen eine gemeine Neil-Diamond-Coverband. Es folgt die Story aus Glück, Schicksal (in Form eines aus der Kontrolle geratenen Autofahrers, der Claire Bein und Lebenswille kostet), und neu erkämpftem Glück bevor Mike seine Herzkrankheit erwischt.

    An jeder Stelle möchte man sie herzen.

    Insbesondere, weil es eine Geschichte von Mittvierzigern, -fünfzigern erzählt, die das auch Leben. Die sehen so aus als hätten sie vorher ein Leben gehabt. Sie bringen ihr Leben mit (Kinder, Süchte, verpasste Chancen, Eltern, kaputte Autos, einen Zahnarzt, der auch der Musikmanager ist), und die Verhalten sich auch so als hätten sie schon viel erlebt.

    Er erzählt Geschichten von Menschen, die halb Friseurin und halb Musikerin sind, die beten dass ihr Auto durchhält, wenn sie zur Arbeit müssen, und die auf einem Date Corn Dogs essen.

    Er erzählt die Geschichte der Kinder. Denn bei allem anstrengenden was die Eltern machen: Es wird klar, dass die Kinder diejenigen sind, die es am Ende ausbaden müssen, und ihre insbesondere Claires Teen-Tochter Rachel (Ella Anderson) viel zu früh zuviel tragen muss, in einem Leben, dass sie sich nicht aussuchen konnte.

    Er nimmt Musik ernst. Jackman und Hudson singen selber. Nicht perfekt, eher so wie man es von Imitatoren auf der Wisconsin State erwarten würde. Aber sie erwecken den Anschein es zu lieben. Sie erwecken den Anschein, tiefe emotionale Meinungen darüber zu haben, dass der Song Soolaimon von Nial Diamond viel spannender ist als sein allseits bekannter Smashhit Sweet Caroline.

    Kate Hudson ist so großartig.

    Ehre, Ehre, Ehre

    Ich verbeuge mich und bedanke mich herzlich: Leute, die im Schwimmbad wohnen

    Links

    Das Elend des Spiegel-Beststeller-Autor-Aufklebers. Oft beklebte Autoren sind Coaches und Finanzberater, die Wohlstand und ein gutes Leben versprechen. Also Menschen, die online oder bei Verkaufsveranstaltungen noch mehr »Produkte« verkaufen wollen und für die das SPIEGEL-Siegel offenbar fünfstellige Summen wert zu sein scheint. (via Ligne Claire)

    Das Slowcooker-Blog wird 20. Und ich gratuliere herzlich! Gerade bei den ersten Schritten mit unserem Crocky war es unverzichtbar.

    Im Hosentaschenblog wird die Grillsaison mit dem neuen Kugelgrill eröffnet.

    Hotel Mama motiviert mich, endlich den Weg in die Schaubühne zu finden: star trek und „sabotage“

    (Nebenbei: ich staune wieviel Interesse der fünfzehnte Ableger des achten Subplots von Star Trek hervorruft. Aber auch da verweise ich auf Hotel Mama, das ist von all den Besprechungen diejenigen, die mir am meisten vermittelt warum das interessant sein könnte)

    Anke Gröner schildert, dass Leslie Jamison rezensiert das Buch Dress, Dreams, and Desire. A History of Fashion and Psychoanalysis

    Ich würde sagen, nicht nur in der Gemeinde. Ich erlebe ja selber oft genug wie ein extrem ineffizienter Prozess immer gleich ausgetauscht werden soll gegen eine komplett unpersönlichen Prozess: In der Gemeinde sind Micro-Begegnungen wichtiger als Effizienz

    Anmerkungen

    1. Womit das Unlimited-Besuch Nummer 5 war, damit 47,60€ pro Besuch. ↩︎
    2. Jackman war beim Dreh 56 Jahre alt, Hudson 45 Jahre. Und beide dürfen im Film so aussehen als wären sie wirklich so alt. So refreshing. ↩︎
  • 26-01-17 Tomaten ohne Dose (Alumnus)

    26-01-17 Tomaten ohne Dose (Alumnus)

    Im U-Bahn-Bahnhof: Ein Mann demonstriert seiner Freundin den ausrutschvermeidenden Pinguin-Gang in einer Lautstärke, dass die halbe Station etwas davon hat.

    Die Hifi-Anlage läuft und auch ein Festnetztelefon ist wieder angeschlossen. Ein Großteil der Kochbücher hat auch wieder einen gemeinsamen Platz im Bücherregal gefunden. Langsam geht es voran, aber es geht.

    Allerdings auch mit neuer Challenge: Das Stromkabel vom CD-Player verschwand.

    Wir lernen beim Umzug: Zum Beispiel, dass unser altes Bügeleisen sofort den FI-Schalter der Sicherung heraushaut. Was uns bisher vor allem deshalb verborgen blieb, weil die alte Wohnung gar keinen FI-Schalter hatte. Also besitzen wir jetzt neues Bügeleisen in neuer Wohnung, was vermutlich eine gute Entdeckung war.

    Den verirrten amazon-Boten konnte ich beim zweiten Versuch auf der Straße auflesen. Ich versuchte ihm zu zeigen, wo unser Eingang liegt. Er aber war so froh sein Paket loszuwerden, dass ich mir nicht sicher bin, ob er mir zuhörte.

    Um nicht wieder durcheinander zu kommen. Wir waren Schwimmen. Samstag Nachmittag. Bis zum Schlussgong.1 Es ist faszinierend: obwohl ich Total Immersion bisher nur oberflächlich und am Rande verfolgte, habe ich schon den Eindruck, dass es meinen Stil verbessert, mein Schwimmen besser und schöner macht. Ich bleibe dran.

    Ich bekam eine Einladung in das Alumni-Netzwerk der Fernuniversität in Hagen. Dank eines Server Errors 500 weiß ich nicht genau, ob ich nun beigreten bin oder nicht. Außerdem darf ich Mitglied des Absolventenkreises der Freunde der Fernuni werden.

    Es war ein entbehrlich unentspannter freitäglicher Arbeitstag und ein umso besserer Samstag.

    Ein kleines Familienunternehmen

    Ein Nachtrag zum Bikini-Haus: Ich wurde neugierig, wem die Concept-Mall eigentlich gehört. Und stieß auf eines der armen gebeutelten Familienunternehmen, die derzeit soviel Leiden, mit Sitz in München.

    Der Schörghuber Unternehmensgruppe ( 6600 Angestellte, 2 Milliarden Euro Umsatz 2024) gehört nicht nur das Bikini-Haus sondern – meist unter dem Namen Bayerische Hausbau – auch jede Menge anderer Immobilien; vor allem in München, aber wenn es passt auch in Hamburg und Berlin. Und eine ganze Reihe Edel-Hotels und Golfplätze. Sowie die Paulaner- und die Hacker-Pschorr-Brauereien, sowie größere Teile an Kulmbacher mitsamt des guten Punk-Biers Sterni. Damit betreiben sie auch gleich drei Festzelte auf dem Oktoberfest und beliefern insgesamt fünf Festzelte mit Bier.

    Vor der Räucherfischtheke: ein rumänisches Regal

    Wir unternahmen weitere Erkundungstouren in das Wunderland, das da ist der ukrainisch-polnische Supermarkt. Nicht nur, dass er eine eigene Kaviartheke hat (mit immer mindestens drei verschiedenen offenen Sorten). Er hat auch eine eigene Räucherfischtheke zusätzlich zur Frischfischtheke. Aus dem was die Fleischtheke bietet, ließe sich vermutlich auch wieder ein komplettes Rind zusammensetzen. (Geflügel eh). So spannend.

    Madame durchsuchte das Kühlregal indem nur frisches (lebendiges) Fermentiertes steht und entschied sich für Tomaten in Salz eingelegt. Ob es schmeckt? Wie es schmeckt? Wir wissen es nicht. Unsere Versuche, uns durch die diversen frischen Kefir-Sorten zu trinken dauern noch an.

    Neben den gesalzenen Tomaten brachte sie noch einen frisch an der Theke ausgenommenen und entschuppten Seelachs mit (der sich heute Abend in eine Pseudo-Bouillabaisse verwandelte) sowie Ochsenschwanz und Beinscheibe für das sonntägliche Schmorgericht.

    Nur Dosentomaten gibt es nicht. 14 verschiedene Sorten frische Tomaten, im Kühlregal fünfzehn Varianten mittelasiatischer Tomaten- und Paprikasaucen. Aber keine Dosentomaten. Das kam überraschend.

    Auch gelernt: Normalerweise besucht eine heterogene Kundschaft den Laden. Am Samstagabend allerdings hatte ich den Eindruck, ich bin im gesamten Geschäft der einzige deutsche Muttersprachler. So spannend!

    Mr. Archer was so alive yesterday, so solid and hearty…

    In Sachen Kino erfolgte wieder der Schluss einer Bildungslücke. Rein zeitlich ging es gegenüber „Die Mörder sind unter uns“ am Mittwoch einen Schritt zurück (von 1946 nach 1941), stilistisch aber nach vorne (von Expressionismus/Noir zu reinem Noir). In seiner Reihe Boulevard Noir zeigt das Yorck Kino The Maltese Falcon (dt: Die Spur des Falken2) Dank Yorck Unlimited3 für uns auch zum schmalen Taler.

    Ein Low-Budget-Film, gedreht in drei Wochen, der ein ganzes Genre begründete und als 1988 einer der ersten 25 „historischen wertvollen Filme“ in das neu geschaffene National Film Registry der Library of Congress aufgenommen wurde.

    Ist er gut: Auf jeden Fall. Ist er so gut wie die Auszeichnungen vermuten lassen? Vielleicht.

    Die Handlung folgt den Spuren des Privatdektives Sam Spades, der durch Ruth Wonderly/Brigid O’Shaughnessy (Mary Astor) in die Geschichte um den Raub des Maltese Falcon hineingezogen wird. Spades, O’Shaugnessy, Joel Cairo (Peter Lorre) und Kasper Gutman (Sydney Greenstreet) versuchen sich alle gegenseitig zu betrugen. Etwa alle fünf Minuten nimmt der Film im Netz der Intrigen und Täuschungen eine neue Wendung und eine Täuschungsebene mehr taucht auf.

    Sehr schön: Nachdem ich wenige Tage vorher Hildegard Knef in einer unpassenden Muttchen-Rolle sehen musste, hier die wandelbare Ruth Wonderly/Brigid O’Shaughnessy, die die Handlung nicht nur auslöst sondern bis zum Ende vorantreibt, vor nichts zurückschreckt und vielleicht der stärkste Charakter des kompletten Films ist.

    Es beginnt als harmlose Geschichte um eine verschwundene Schwester, es endet mit drei Toten, einem Kriminalfall über drei Kontinente, einem abbrannten Passagierschiff und einer Liebe, die im Gefängnis endet. Dabei lebt der Film (Low Budget) vor allem von Dialog und herausragender Schauspielkunst.

    Es ist von der ersten bis zur letzten Sekunde eine Freude.

    Was nicht ganz so eine Freude war: Der Bogart-Faktor. Wenn wir richtig aufpassten, gibt es in 90 Minuten Film einen einzigen Dialog an dem Spade/Bogart nicht teilnimmt. Der findet am Telefon zwischen Spades Seketärin Effie und O’Shaughnessy statt – im Wesentlichen hört man O’Shaughnessy am anderen Ende des Telefons schreien.

    Ein Qualitätskriterium für einen Film: Gibt es einen Dialog zwischen zwei Figuren an dem Humphrey Bogart nicht teilnimmt? Hier nur haarscharf.

    Von der Arbeit

    Zugbegleiterin: Mit dem neuen Giruno unterwegs: Der Giruno ist ein moderner und sehr angenehm leise fahrender Triebzug der sehr schön eingeteilt ist. Was aber leider oft die Fahrgäste etwas überfordert.

    Krankenschwester: Die Tage auf der Station waren einfach nur anstrengend. Nicht das große C macht uns mehr den Ärger, es ist jetzt die alte und bekannte, sich immer wieder neu erfindende Grippe, die uns das Leben als Krankenschwester schwer macht. Das Sahnehäubchen zu einer Infektionskrankheit mit Isolationshintergrund sind die dementen Patienten, die ständig ihr Zimmer verlassen, die einfach nicht verstehen wollen, dass die nicht Infizierten keinen Wert auf Ansteckung legen. Und dann sind da die Isolierten, die sich zu Tode langweilen und das Pflegepersonal ständig herbeiklingeln.

    Softwarentwicklungschefmensch: Ich stelle gerade wieder Mitarbeiterinnen ein. Product Manager, Entwickler und Softwarearchitekten. Interessanterweise kommen momentan grob 95% der Bewerbungen von Menschen aus Pakistan. Viele davon leben bereits in Deutschland. Die Gespräche waren größtenteils gut. Ich habe 5 Stellen zu vergeben, nur die Pakistaner qualifizieren sich dafür, niemand aus Russland, Frankreich oder der Ukraine. Aus Deutschland gab es nur einen einzigen Bewerber, der einerseits wenig Erfahrung hatte, aber von astronomischen Gehaltsvorstellungen träumte. Ich könnte die besten fünf Pakistaner einstellen, aber jetzt mache ich mir ernsthaft Gedanken über eine seltsame Form von fehlender Diversität.

    Aus der Freizeit: Hitler! (Something is possibly wrong in Wikipedia)

    Anmerkungen

    1. Für Madame bedeutet das Besuch Nr. 6 mit ihrer Monatskarte, also 6,33€ pro Besuch. ↩︎
    2. Wie ich erfuhr hat die Deutsche Version „Die Spur des Falken“ andere Dialoge (sie ist sehr viel humorvoller als das amerikanische Original) und ist musikalischer auch leichter und beswingter. Man könnte überlegen, ob es jetzt zwei Versionen eines Films oder doch zwei verschiedene Filme sind. ↩︎
    3. Damit Yorck Unlimited Besuch Nr. 4 -> 59,50€ pro Besuch. ↩︎
  • 26-01-15 Bitte stelle sicher, dass Deine Haustiere in Sicherheit sind

    26-01-15 Bitte stelle sicher, dass Deine Haustiere in Sicherheit sind

    Die Wikipedia feiert 25. jähriges Jubiläum und zu diesem Anlass ist ein 15 Jahre alter Artikel von mir1 als Artikel des Tages auf der Hauptseite. Ich staune und ich freue mich.

    Jeder leere Viersitzer in der vollen S-Bahn hat eine Geschichte.

    In der S-Bahn gesehen: Ein mittelalter Mann, Handy lesend, der in mir ein Störgefühl auslöst. Irgendwas stimmt nicht. Nach zwei Stationen habe ich es: Die Frisur sieht teurer aus als die Brille. Das ist selten. Zwei weitere Stationen später habe ich beschlossen: „Das ist Absicht. Vermutlich ist das eine teure Designerbrille, bei der viel Mühe darauf verwendet wurde, dass sie wie eine Lesebrille vom Drogerieständer aussieht.“

    Der Nachteil des Schwimmbads im Haus: Ich kann mich nicht mehr so richtig erinnern, wann ich schwimmen war. Irgendwann abends halt mal kurz. Vor allem total immersen im Lehrschwimmbecken, da das eh schon volle Schwimmbecken noch zusätzlich durch einen Verein belegt war, und normales Schwimmen freudlos geworden wäre.

    Weiterhin erstaunlich: die extreme Gastfreundschaft, die uns im Gebäude entgegen schlägt. Wir müssen aufpassen, nicht dass wir aus Versehen demnächst so nebenbei private Schwimmstunden bekommen.

    Beim ukrainisch-polnischen Supermarkt entdeckte ich in der Gemüseabteilung frische Habanero-Chillies. Ich bin mir nicht sicher, ob ich die in Deutschland überhaupt je in einem „normalen“ Supermarkt gesehen habe.

    Eigentlich suchte ich im Supermarkt Kielbasa, laut Internet der beste Ersatz für Louisiana-Andouille, der in Deutschland zu bekommen ist. Aber es kam wie es kommen musste: Kielbasa bedeutet im Wesentlichen „polnische Wurst“, und in diesem Supermarkt bedeutet das: 40 verschiedene Sorten polnische Wurst. southpark war mehr als überfordert.

    Ich meldete mich von der Informatik-Klausur ab. Wenn ich die Klausur noch bestehen wollen würde, müsste ich angesichts meiner nicht vorhandenen Vorarbeit genau jetzt ernstlich mit Lernen anfangen. Und da sehe ich mich nicht. Ich denke auch, ein Pausensemester nach dem Bachelor und mit Umzug ist durchaus verdient.

    Es waren Tage des Arbeitens mit dem unweihnachtlichsten Weihnachtsfilm aller Zeiten.

    Wenn es dunkel ist

    Die maritime Bettwäsche, Gewinn aus dem Seemannsmissions-Adventskalender, traf ein. Sie ist erfreulich kuschlig. Und maritim!

    Die Erziehung der Post und der Lieferdienste dauert weiterhin. DHL fand gestern sogar unsere Tür. Dafür fand amazon2 nicht einmal das Haus. Erst ein Anruf, den ich nicht schnell genug annehmen konnte. Bei Rückruf eine generische amazon-Servicenummer. Dann eine Handy-Nachricht:

    Ich werde bald mit deiner Lieferung ankommen. Bitte stelle ggf. sicher, dass deine Haustiere in Sicherheit sind und schalte das Licht ein, wenn es dunkel ist.

    Nachdem Madame die Haustiere in Sicherheit gebracht hatte, ging sie vor das Gebäude und suchte den Fahrer: aber nichts nirgends.

    Bikini

    Auf dem Weg ins Kino eine weitere Berlin-Premiere für mich: Ich war im Bikini-Berlin, dem Concept-Mall-Ding neben dem Bahnhof. Es soll so eine Art Einkaufszentrum sein, aber halt in stylisch und schick. Es war .. interessant.

    Quasi alle Läden suggerierten mir „Hier kaufst du kein Produkt. Hier kaufst du eine Einstellung zum Leben.“ Und diese Lebenseinstellung lautet „Beratung mit vielen Brand Identity Manager Consultants zum invalue store empowering enrichtment“.

    Naja, weil die Brand Identity Leute sich in Golddukatensäcken bezahlen lassen, rufen die Läden entsprechende Preise auf. Sehr spannend. In Teilen auch ansprechend. Aber in größeren Teilen vor allem gewollt und anstrengend. .

    Immerhin kurze Freude: in einem ansprechenden Ruhebereich steht die perfekte Symbiose unserer Stühle: das Luxembourg-Schaukelschaf. Wo unser Gartenstuhl (Luxembourg) mit dem Wohnungsstuhl (Schaukelschaf) zusammenkommt.

    Der Gang ins Bikini war lehrreich, aber ist in näherer Zukunft nicht wiederholenswert.

    Immer wieder lohnend ist der Gang am Breitscheidplatz und an der Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche vorbei. Ich bin ja großer Fan des Gedächtniskirchenneubaus. Am Tag von außen unscheinbar. Von innen oder bei Nacht aber eine Wucht. Beste Nachkriegsmoderne.

    Die Mörder

    Mein Ziel war noch mehr Berliner Nachkrieg, weniger Moderne. Im Delphi Filmpalast fand eine Aufführung des ersten Deutschen Nachkriegsfilms Die Mörder sind unter uns aus dem Oktober 1946 statt. Umrahmt von einer kleinen Veranstaltung der Stiftung Ernst-Reuter-Archiv in Kooperation mit dem Berliner Beauftragten zur Aufarbeitung der SED-Diktatur und dem Delphi Filmpalast, die eine eher seltsame Mischung aus Politikdiskussion der Jahre 1945/1946 und Hildegard-Knef Hommage war.

    Im Film geht es darum, dass Dr. Mertens (Ernst Wilhelm Borchert) und Susanne Wallner (Hildegard Knef) durch die Verwerfungen der Nachkriegszeit gemeinsam in einer Berliner Trümmerwohnung wohnen müssen. Am Anfang kennen und mögen sie sich nicht, am Ende sind sie ein Paar.

    Vor allem leidet Mertens an schwerer Posttraumatischer Belastungsstörung (die im Film natürlich nicht so genannt wird) hat ein Alkoholproblem und sinnt auf Rache an einem ehemaligen Hauptmann Brückner, der in Polen ein ganzes Dorf mit Frauen und Kindern exekutieren ließ. (was in Mertens vermutlich die PTBS auslöste).

    Der Anblick eines Tannenbaums an Heiligabend lässt in Mertens das letzte bißchen Selbstbeherrschung schwinden, denn genau jenes Massaker fand an Heiligabend 1942 statt zwischen Stille Nacht und Maschinengewehrsalven.

    Er bricht auf zu Brückner, steht ihm Heiligabend 1945 in einer dramatischen Heiligabendszene am Tannenbaum mit der Pistole vor Brückner steht, verhindert Susanne den Schuss und es folgt ein Epilog, dass Selbstjustiz verständlich aber nicht gut ist, und dass öffentlich Anklage gegen die Mörder erhoben werden muss.

    Ein Film faszinierend auf so vielen Ebenen, dass ich gar nicht mehr hinterherkomme. Deshalb versuche ich mich auf drei zu beschränken.

    1946

    Vor dem Kinosaal unterhielten wir uns zu viert (Geburtsjahre um 1950, 1973, 1975 und 1986) darüber wie die NS-Zeit in Jugend und Schule behandelt wurden. Die drei jüngeren erinnerten sich deutlich an die Ausstellung Verbrechen der Wehrmacht, die das erste Mal eben jene in eine breite Öffentlichkeit brachte und wilde Diskussionen um die NS-Zeit und die Rolle der Wehrmacht auslöste. Für uns alle war das gefühlt vor 1995 in Deutschland kein Thema.

    Und dann sahen wir diesen Film von 1946, den ersten deutsche Film überhaupt nach Ende des Krieges – und er dreht sich zentral um ein Massaker durch eben jene Wehrmacht. Deutschland, was hast Du zwischen 1946 und 1995 gemacht?

    Im Film von 1946 wurde es thematisiert: Nazis und Gewissen, Massenmord, Trauma des Krieges und das eigenwillige Leben in den Berliner Ruinen.

    Semi-thematisiert: Der grundgütige Optiker „Mondschein“, der bis zu seinem Tod im Film auf seinen verschollenen Sohn wartet – Name und Porträtierung werfen deutliche Hinweise in Richtung „jüdisch / es gab auch einen Holocaust“ – explizit gesagt wird es nie.

    Überhaupt ein Film, dessen Publikum gerade vorher komplett durch den zweiten Weltkrieg gegangen war – wie hat er auf dieses Publikum gewirkt?

    KZ ja und?

    Susanne Wallner ist KZ-Überlebende. Dies wird einmal am Anfang des Films gesagt und im Rest des Films ignoriert. Während der Film sich ausführlich und tiefgehend Mertens Traumata als Wehrmachtssoldat widmet, spielt die KZ-Geschichte keine Rolle mehr. Sie fragt ihn mehrfach eingehend nach seiner Vorgeschichte, seinen Erlebnissen: Er sie kein einziges mal.

    Und wieder: Warum sich eine junge bildschöne lebenslustige tatkräftige Frau sich ausgerechnet in einen mittelalten Alkoholiker mit cholerischen Anfällen verliebt – auch dazu fällt dem Film nichts ein.

    Und so wird die präsente, einen Raum für sich einnehmende Hildegard Knef in einer Rolle besetzt, die innerhalb von 20 Minuten von der tatkräftigen neuaufbauenden KZ-Überlebenden zum verliebten Muttchen mutiert.

    Für einen Film aus der Zeit nicht wirklich überraschend – für diesen speziellen Film aber schon.

    Expressionismus noir

    Auch stilistisch spannend: Der Film, der ich sah war halb Vorkriegsexpressionismus (denke Nosferatu, Cabinet des Dr. Caligari) und halb Film Noir: die unruhige Kameraführung des Expressionismus, die starken hell-dunkel-Kontraste und Schatten als eigene Figuren im Film, die emotionalen Ausbrüche von Mertens, der Soundtrack – pure Expression.

    Und da war auch der Noir: die Großstadt (das zerbombte Berlin) als eigener Charakter, die moralische Ambivalenz, der Protagonist als getriebener, alle sind elegant angezogen und rauchen ununterbrochen. Das passt in jedes Noir-Setting.

    Und erst so im Zusammenhang fiel mir auf, wie nah die beiden Stilistiken beinander stehen, wie sehr sie ineinander übergehen, und wie sehr sich Nachkriegsnoir aus dem Vorkriegsexpressionismus speist.

    Trauben und Diktaturen

    Ein Gemüsesalat, der sich als Obstsalat tarnt. Ich musste drei mal hinschauen: Das ist doch ganz eindeutig Ananas-Traube-Pflaume 12 von 12 im Januar (2026).

    Die Mimosen hingegen bleiben die Mimosen: 12 von 12 im Januar 2026

    Karen aus Japan über japanische Buzzwords im deutschen und englischen. („Vielleicht ist dieser Artikel ein wenig Therapie für mich und ihr müsst da jetzt auch durch.“): Japanische Buzzwords: Bleibt mir mit eurem Ikigai gestohlen

    Passend zum Thema Aufarbeitung las und hörte Anke Gröner von Anne Rabe. Sie zitiert sinngemäß: „Dass die Aufarbeitung der NS-Zeit in der Gesellschaft noch nicht abgeschlossen ist, ist jedem klar. Wieso glauben dann aber viele, dass die Spuren, die die DDR-Diktatur in den Menschen hinterlassen hat, nicht mehr wichtig oder Forschungsthema sind?“

    Anmerkungen

    1. Ja „Artikel von mir“, schwieriges Konzept in der Wikipedia. Aber das ist eine Diskussion für ein Andernmal. ↩︎
    2. Ja, eigentlich bestelle ich da nicht. Außer es ist der Shop vom Hersteller und das Produkt sonst nirgends erhältlich. Ich möchte aber auch sagen, dass amazon pro verkauftem Produkt ungefähr 2 cent Gewinn macht und pro vermieteter AWS-Cloud-Stunde eine Fantastilmillion. Das Amazon-Geschäftsmodell ist vor allem Rechenzentrumsvermietung und wer den Laden wirklich nicht unterstützen möchte, müsste Recherchieren wo ihre liebsten Internetanbieter ihre Daten parken. ↩︎
  • 26-01-13 Dunstabzugshaubensäubern (Gunda on my mind)

    26-01-13 Dunstabzugshaubensäubern (Gunda on my mind)

    Kinder fahren Schlitten. Eltern tragen ihre Kinder auf Schlitten sitzend über die geräumte Kreuzung.

    Die Meisenknödel hängen schlapp und missachtet. Zur Stunde der Wintervögel zählten wir: Krähe. Eins.

    Madames Physiotherapeut, 22, erzählte, er sei noch vollkommen fertig von seinem Umzug mit 15 Kisten und drei Wochen Urlaub. Dafür halten wir uns mit 200 Kisten ohne echten Urlaub tapfer.

    Mensch sollte meinen, ein Haushalt mit insgesamt vier Universitätsabschlüssen wäre in der Lage, bis zwölf zu zählen. Aber offensichtlich sind wir damit überfordert. Wir haben noch zehn oder elf, vielleicht auch zwölf unausgepackte Umzugskisten.

    Wie Madame feststellte: Dem Ankommen in der neuen Wohnung hilft enorm, dass die Wohnung so schön ist; es hilft enorm, dass ganze Haus so wahnsinnig freundlich, hilfsbereit und gutwillig ist. Wenn wir kommen und aus der Ferne das beleuchtete Schwimmbad sehen, hüpft unser Herz.

    Mir träumte, mein selbst verursachtes Arbeits-Terminchaos hätte sich erledigt, weil ich die Wochen verwechselt hätte. Aufwachen mit Schrecken: Hatte ich gar nicht! Ich musste mich selbst darum kümmern, in letzter Minute Sachen abzusagen. Vor Schreck war ich so wach, dass ich um Haaresbreite nachts um zwei angefangen hätte, den morgendlichen Kaffee zuzubereiten.

    Es war ein Sonntag der Altwohnungsherrichtung und ein Montag im Home Office.

    Baby, it’s not as cold outside anymore but verry dangerous!

    Nachdem Sturmtief Elli Berlin ignorierte, müht sich überfrierender Regen Gunda allen Vorhersagen gerecht zu werden.

    Eine Gunda-Vorgängerin brachte mich einst mit gebrochener Nase ins Krankenhaus – den Besuch einer Notaufnahme bei solchen Bedingungen empfehle ich nicht. Ich glaube ich las damals ein 500-Seiten-Buch durch bevor ich drankam.

    Madame schlitterte morgens um 6:00h die paar Meter vom Schwimmbadausgang bis U-Bahn-Eingang, wobei sich insbesondere die Treppe zur U-Bahn als wahrer Endgegner entpuppte. Im Team-Teams Chat meldete sich um halb sieben der erste Gestürzte, der jetzt zum Arzt geht. Noch kann ich anderthalb Stunden in der Wohnung ausharren, die Entwicklung beobachten und intensiv das Profil der verschiedenen Schuhe begutachten. Es bleibt spannend.

    Keine Wehmut

    Entdeckung: Japanische Hersteller von Möbeln und Aufbewahrungssystemen kennen sich mit zuwenig Platz sehr gut aus.

    Erste Male: Das erste Mal seit Umzug war wspaniała pani Z wieder in der Wohnung. Sie schien angetan. Und sie war ordnungemäß verwundert von der Wohnung („Und sonst wohnt hier wirklich niemand?“ – „Nein“) Es herrscht wieder Platz genug, dass Putzen einen Sinn ergibt. Und auch wir waren sehr angetan.

    Das erste Mal seit Umzug waren wir wieder ein paar Stunden in der alten Schöneberger Wohnung. Langsam rückt die Übergabe näher.

    Trotz siebzehn Jahren schönen Lebens dort: Keine Wehmut. Zu sehr begrüßten uns gleich die überquellenden Müllcontainer im Hof, die irren Zettel der Hallodris an alle und jeden, die Tauben und die ewige Baustelle. Ich empfand kurze Freude beim Anblick des Sicherungskastens von 1949 über unser neues Modell jetzt. Es ist tragisch: Soviel Potenzial wie die Wohnung hatte, und so schön die Wohnung in ihren Grundzügen war – das Haus wird seit Jahrzehnten misshandelt und es geht ihm an die Substanz.

    Trauer vielleicht darüber, was aus diesem Haus hätte werden können, wenn sich seit 1984 mal einer der diversen Eigentümer sich wirklich dafür interessiert hätte.

    Wir richteten noch einiges her: Schrauben aus den Wänden entfernen, Gardinenstangen und Galerieschienen abschrauben, Dunstabzug säubern, Heizungsrohre säubern, was mensch halt so macht. Aber mit gebremster Aktivität: bei diversen großen Wasserschäden durch die Dachbauarbeiten, halb zerfallenen Fenster und dutzendweise Risse an den Wänden, fühlten wir uns auch blöd, jetzt zuviel Energie in eine Wohnung zu stecken, die ganz offensichtlich gründlich renoviert werden muss.

    Spannender Fund: Die komplett verrosteten Schrauben, die in der Wand eines Wasserschadens steckten.

    Anyway, nicht mehr lange, und die Schöneberger Wohnung ist in unserem Leben wirklich nur noch als Erinnerung präsent.

    Schweinefleisch und Ortsverein

    Angelesen: Jessice B. Harris: High on the Hog: A Culinary Journey from Africa to America. Ein Buch, dass die Geschichte und den Einfluss afrikanischer Ess- und Kochtraditionen in den USA nachzeichnet – und vor allem die Geschichte der Menschen erzählt, die diese Kulturen trugen.

    Ein Buch meiner Herzensthemen: US Südstaaten, African American Culture und insbesondere Essen. Es hat zahlreiche spannende Geschichten, von denen sich Madame auch schon viele anhören musste. Ein Buch, dass ich herzen müsste und mich abends im Bett daran ankuscheln. Aber so richtig dann leider nicht: Irgendwie fehlt entweder sprachliche Wucht oder intellektuelle Durchdringung, angesichts der Autorin wirken überraschend große Teile anekdotisch vor sich hin plätschernd.

    Ein Bich zum Behalten: Auf jeden Fall. Ein Buch, um ihm einen Sonderplatz ihm Regal samt Lichtinstallation zu geben? Nein.

    Festgestellt: Es gibt einen Kinmo-Dokumentarfilm über den SPD Ortsverein Hamburg Lohbrügge. Die Süddeutsche bespricht, Youtube hat einen Trailer und das Xenon Kino wird ihn an einem Dienstag Abend zeigen.

    Israel Erzgebirgisch

    Lila von Letters from Rungholt schreibt wieder über die Situation in Israel: Lange, lange Zeit

    Auch diesen Winter die schöne Visualisierung: Menschen, die nicht an Sackgassenschilder glauben.

    Joel entdeckt einen neuen Song von Vanessa Paradis.

    Jonas rührt mein Herz mit seinem Gedicht in erzgebirgischer Mundart:

    Sunntichs kumm iech garn zur Ruh,
    Vur allm im Winner, da isses Watter derzu.
    Guck ausm Fanstr, sah su viel Schnee,
    Denk of emol: „Iech muss huch vom Kanapee!“ …

  • 26-01-10 LAN String

    26-01-10 LAN String

    Ein Mann in der U-Bahn spielte 2048 und ich wurde fast nostalgisch.

    Vor dem Haus: eine ältere Schwester, die ihren jüngeren Bruder auf dem Schlitten vorbeizieht.

    Der Fuchs kam auch, ließ sich Zeit wie selten und stellte sich für einen Passanten in Fotopose.

    Der Labeldrucker kam mit der Post. Ich beherrschte mich vorbildlich, nicht Schilder auf alles zu kleben, was im Wege stand.

    Ich stellte fest, dass die Arte Mediathek umfangreiche Mitschnitte des Bardentreffens Nürnberg 2025 enthält, und höre jetzt spannendend Funk von Nik West. (Bei arte)

    Vielleicht braucht der Rechner doch eine Soundbar? Bei Funk music wirkt das, was aus dem Rechner kommt, arg ärmlich.

    Es waren Freitag und Samstag umgeben von Eis und Schnee.

    Der Geruch beim Öffnen des Kühlschranks ließ es angeraten erscheinen, das gemüsliche Kimchi schnell zu verbrauchen. Da wir beide nicht so richtig Lust zum Kochen hatten, erinnerten wir uns an die Teelicht-Raclette-Öfchen und den Käseimport aus Basel. Es gab zweierlei Kimchi (geruchlicher aber geschmacklich harmloser von der Gemüslichkeit, plus scharfes Kimchi aus dem ukrainischen Edelsupermarkt) mit Raclettekäse. Zu unserer Überraschung war es richtig, richtig gut. Jederzeit wieder.

    Noch 10 Kartons

    Im zweiten Versuch fand sogar Hermes die Wohnng.

    Feudel und Deckel des Brotbacktopfes tauchten auf. Madame bäckt ihr erstes echtes Brot in der neuen Wohnung. Wie sie sagt: Ein Sauerteig-Wiederbelebungsbrot.

    Das LAN läuft. Die Netzwerkdosen haben Netzwerk. Ich hätte halt nur ein Kabel zum Testen verwenden sollen, das nicht selbst kaputt ist.. Trotz Zwangsdowngrade von Glasfaser (alte Wohnung) auf schnelles DSL -> so schnelles Netz hatte der Rechner noch nie. Wow.

    Vor lauter Begeisterung schaute ich mir auch mal näher die ganzen Einstellmöglichkeiten der Fritzbox an, und jetzt kriegen wir E-Mails wenn jemand auf den Anrufbeantworter vom Festnetztelefon spricht.

    Auch an anderen Stellen der Wohnung geht es voran.

    Das Denkmalamt wäre stolz auf uns. An die Klavierzimmerwand unsere Mid-Century Baudenkmals schraubten wir ein Mid-Century-Bücherregal. Manchmal treffen die Zufälle lustig zusammen.

    Unsere Einrichtung besteht zum Großteil aus IKEA oder geerbt; geerbt heißt bei uns meistens eine Entstehungszeit zwischen 1900 bis 1965. Der Nachbau Das durch String inspirierte Regal hat anscheinend eine lustige Geschichte: denn heute bei näherer Betrachtung scheinen es einst zwei Regale gewesen zu sein, die durch einen Heimwerker in eines verwandelt wurden.

    Und egal, auf jeden Fall hängt es: Blaue Bücher hängen über dem blauen Sofa und wir sind bei zehn verbliebenen Umzugskartons.

    Auch mal testen: Würgeengel Cocktailbar

    Siebzehn Jahre in Berlin. Und ich glaube, ich war noch nie am Kotti. Natürlich habe ich den Platz Kottbusser Tor diverse mal mit Bahn, Fahrrad oder Auto überquert. Aber wirklich dort? War ich nie. Der Platz, der für Berliner fast so herausfordernd klingt wie Rollbergkiez oder Sonnenallee, da wo die Westberliner Stadtplanung mitten in Kreuzberg Altbauten durch eine Großwohnsiedlung ersetzte, wo linkes Szene-Kreuzberg auf türkisch-arabische Community trifft; und ich war noch nie da!

    Ein Fehler. Natürlich. So ein Ort an dem ich ausstieg und dachte „das fühlt sich richtig an.“

    Entdeckung: Midye Dolme. Ein Imbiss pries Miesmuscheln in acht Sprachen an. Ein Miesmuschel-Imbiss? Was ist das? Etwas Recherche brachte mir die Erkenntnis über die türkische Spezialität: Midye Dolme – Miesmuscheln gefüllt mit Reis und Muschelfleisch. In Berlin existieren mindestens zwei Imbisse, die sich darauf spezialisiert haben: The Midyeci am Kottbusser Tor (bisher im Internet nur auf Clip Clop und Insta auffindbar) und Midye 47.

    Berlin, du hörst nie auf mich zu überraschen.

    Mein eigentliches Ziel aber war die Dresdner Straße und dort das Kino Babylon Kreuzberg. Nachdem mich die U3 in einer sehr eigene Welt direkt am Kotti geworfen hatte, verließ ich diese wieder. Einmal durch den Durchgang am Neuen Kreuzberger Zentrum gelaufen und schon war ich im Altbau-Szene-Kreuzberg mit Kneipen in denen Antifa-Poster hängen, abgehangenen Edelitalienern und einem eigenwilligen Programmkino mit All-Gender-WCs (um genau zu sein: ein reines Pissoir-WC, eine Sitzklo-WC und ein Sitzklo-WC barrierefrei.

    Passend zum Film. Ich besuchte meinen dritten Yorck-Unlimited Film des Jahres1: Die jüngste Tochter (La petite dernière), Gewinner der Queer Palm beim Cannes Filmfestival 2025.

    Frauen, die ins leere Starren

    Der eigentliche Film – Die jüngste Tochter – war seltsam. Die ganze Zeit dachte ich: Eigentlich sind alle Puzzleteile vorhanden, um einen wirklich großartigen Film zu machen. Aber sie finden nicht zueinander.

    Erzählt wird ein Jahr im Leben von Fatima, dritte Tochter eines algerisch-französischen Familie, die in einem Pariser Banlieu Abitur macht und in Paris beginnt, Philosophie zu studieren. Ist sie zu Beginn des Filmes noch mit einem schnauzbärtigen Nudelkopf zusammen, erforscht sie im Laufe des Jahres ihres lesbische Sexualität.

    Eigentlich hat der Film alles: Eine Ausgangslage die von alleine eine Geschichte erzählt. Tolle Szenen (die Familie am Küchentisch, der Vater auf der Couch und Fatima, die zum Spott und Entsetzen ihrer Schwestern einfach nicht kochen will; Fatimas erstes lesbisches Date via Dating-App). Interessante Schauspieler, ein komplett hinreißendes lesbisches Liebespaar, und ein Setting, das so realistisch und so 2026 wirkt als könnte es direkt wortwörtlich und genau mit diesen Personen in einem Nachbarhaus am Kotti spielen.

    Aber es kommt nicht zusammen.

    Vielleicht passt es nicht, weil die Konflikte sich vor allem in Fatimas Inneren abspielen – verdeutlicht durch sehr viele sehr lange Einstellungen in denen Fatima (gespielt von Nadia Melliti) in die Ferne schaut und die Kamera im Profil ihr fast im Gesicht klebt.

    Vielleicht passt es auch nicht, weil es nie als durchgehende Geschichte gedacht war. Der Film beruht auf dem gleichnamigen autobiographischen Roman vom Fatima Daas; der Roman soll aber viel fragmentarischer und viel verbaler sein als der Film. Eben: gewollte Puzzlestücke.

    Der Film versucht daraus ein großes Ganzes zu machen und das funktioniert nur so halb.

    Hausaufgaben Ultras

    Margrit sah auch Die jüngste Tochter: Jahreswechsel filmografisch

    Hanjo bespricht einen polnischen Comic2 zur Umbruch in Osteuruopa und der klingt spannend: Sylvain Savoia / Marzena Sowa: Marzi 1989.

    Vielleicht tracke ich doch mal Bücher. Aber bei Goodreads bekomme ich immer schon Gänsehaut, wenn ich daran denke. Thomas hat da was: Bücher tracken: Alternativen zu Goodreads

    Noch besser: Nana für zuhause

    Jedes Wort ein Gedicht. Da wird alles zusammen ja wohl auch funktionieren: Gochujang-Tomatensuppe mit Reisnudeln und Tofu

    Manchmal muss man etwas lesen, um sich selbst zu erkennen: An alle Alice-Rohrwacher-Ultras: Arte hat geliefert!

    Herr Rau überfordert mich. Aber das liegt glaube ich zur Zeit an mir. Vom Mausklick zur Maschinensprache (Linux 3)

    Das Fischerspiel zum Thema Allmende-Güter in der anderen 10. ist heute im positiven Sinne gescheitert: Die Klasse hat in den Spielen eins und zwei intuitiv Rücksicht aufeinander genommen und tatsächlich neun Runden geschafft. Erst nach der Auslobung eines Hausaufgaben-Gutscheins für die am Markt erfolgreichste Gruppe war nach Runde drei Schluss. Musste mir dann nur noch schnell eine Hausaufgabe einfallen lassen.

    Anmerkungen

    1. Damit 79,33€ pro Kinobesuch. ↩︎
    2. Oder Graphic Novel für wen Comic zu kindisch klingt. ↩︎