Kategorie: Alltag

  • 25-12-23 Entrüstet (Abschlusspunkt Linientechnik)

    25-12-23 Entrüstet (Abschlusspunkt Linientechnik)

    Frühmorgens im Edeka-Snackpoint schliefen zwei Männer in „Im Auftrag der DB Sicherheit“-Warnwesten. Ihnen sei die Pause gegönnt.

    Vielleicht nehme ich demnächst Mac-Support in mein Portfolio auf (muss aufnehmen). Ich vermute ich wäre einer der sehr wenigen User*innen, der nicht sagen würde „macOS, cool, das funktioniert alles von allein„, sondern „macOS, cool, das ist ja quasi Unix und ich kann dort hinein schauen. „

    In der alten Wohnung wurde das Gerüst abgebaut. Sauerei. Keine zwei Wochen nach unserem Auszug und schon ist die jahrelange Gerüstodyssee beendet. Das machen die doch mit Absicht. Die Ent-Rüstung ist entrüstend!

    Rückblickend zum letzten Wochenende: der größe Achtzigerjahre-Retro-Flash in When Harry met Sally, war, dass in der Wohnung einer 30jährigen New Yorker Journalistin (Sally) eine stinknormale Filterkaffee-Maschine stand. Das wäre heute undenkbarer als Schnurtelefone, Röhrenmonitore und Menschen, die im Flugzeug Bücher lesen.

    Dazu passend: Madame liest sich gerade chronologisch durch die Elizabeth-George-Krimis, die auch ein passendes Zeitkolorit ihrer jeweiligen Entstehungszeit liefern. In Missing Joseph (erschienen 1994), taucht auf Seite 1 erstmals in der Serie der in UK neue, trendige, teure Capuccino auf. Noch wird aber ab Seite 66 auch fleißig Sherry, Brandy und Whisky getrunken.

    Mein gerade gelesener Krimi Glatz fand seinen Weg in die Bibliothek Schöneberg. Die hat diese Sachspende gerne genommen. Denn, so die Bibliothekarin, „Krimis gehen immer“. Und das ist ja wohl noch besser, als ein Buch zu behalten: Es über die Stadtbibliothek auf die Reise durch die Nachbarschaft und ganz Berlin zu schicken.

    Es waren zwei Arbeitstage zwischen Wochenende und Weihnachten.

    Wir haben Mega-Brückentags-Weihnachten. Montag morgen war die S-Bahn leer. Spätestens ab Mittags hätte man in der Verwaltung Paintball spielen können, ohne großartig zu stören.

    Fast keine Kartons mehr in der Küche, der zweite Monitor läuft

    Noch 18 Umzugskartons. Das heißt, ungefähr 180 Kartons sind schon verarbeitet. Bis alles aber wirklich dort steht, wo es stehen soll, werden wir vermutlich jedes einzelne Stück noch mindestens einmal durch die Wohnung tragen.

    Alle wichtigen Töpfe (Dämpftopf!) bestanden Madames praktischen Indukstionsherd-Test.

    Die Motten haben das Schaukelschaf aufgefressen! Es stellte sich bei näherer Betrachtung heraus: Der Schaf-Fell-Überzug des Poäng-Schaukelstuhl-Polsters hat an einigen Stellen fiese Mottenschäden. Damit wird das Schaukelschaf ein Relikt der alten Wohnung bleiben. Es schaukelt noch, aber es schaft nicht mehr.

    Madame hatte längeren Einblick in die Schwimmbadkatakomben und fühlte sich an ein Kreuzfahrtschiff erinnert. Oben: Spannung, Spiel und Entertaiment. Unten: Metalltreppen, lange Gänge, große Maschinen, keine Fenster und vielerlei Warnschilder.

    Zu einem anderen Anlass entfernte sie in einer anderen Schwimmbad-Katakombe das Brett des Todes. Seit dem Einzug laufe ich mit Wunden oben auf der Glatze herum, denn regelmäßig stieß ich im Keller gegen dieses kantige in schlimmster Höhe angebrachte Brett an unserem Kellereingang. Nicht mehr. Es ist weg. Der Kopf darf heilen!

    Ton zu Bild

    Auch ein (fast-)Relikt der alten Wohnung: Martinhörner. Wir zogen vom Sound zum Anblick.

    Lag die alte Wohnung unweit von Polizei- und Feuerwehrwache an einer immer voller Zwei-Hauptstraßen-und-eine-Autobahnausfahrt-kreuzen-sich-Stelle an der viele Fußgänger unterwegs sind. Die neue Wohnung liegt im Einflug einer Krankenhaus-Notaufnahme

    Alt: Die Retter hatten es wirklich eilig zum Einsatzort zu kommen. Angesichts der zuverlässig verstopften Kreuzung mit Verkehr aus mehreren Richtungen, wollten sie sich mit vollem Getöse Platz zu machen. Gerne steckten sie trotzdem in der Verstopfung fest, was die ganze Sache noch verlängerte.

    In der Anfahrt haben die Rettungswagen es meist weniger eilig: die Helfer*innen konnten die Erstversorgung bereits durchführen und die sehr dramatischen von den nicht-ganz-so-dramatischen-Fällen trennen. Der Verkehr vor dem Fenster beträgt nur einen Bruchteil. Wir haben blaues Leuchten in der Wohnung, aber (fast) keine Martinhörner mehr.

    Stillstand beim Stillstand

    Wer hätte es geahnt: Zwei (Brücken-)tage vor Weihnachten ist nicht der optimale Zeitpunkt, etwas von Handwerkern zu wollen. Die Sanitärfirma meldet sich nicht. Alle Personen bei der Vermieterin, die der Firma Druck machen könnten, sind bis 2026 nicht mehr erreichbar. Und so bleibt das Wasser in der Küche erst einmal abgedreht.

    Besser theoretisch im Telekom-Fall. Dort kam sogar am 23.12. ein Telekom-Techniker, der sich um den Anschluss kümmern wollte. In einer Odysee hatte Madame bereits am Tag zuvor in ihrer Katakomben-Erkundung den Schlüssel für den entsprechenden Raum aufgetrieben. Heute stellte sich heraus: Der Raum war gar nicht der Raum. Der APL (Abschlusspunkt Linientechnik) war gar nicht dort, wo wir ihn vermuteten.

    Einige weitere Odyseen später war er gefunden, hatte auch Netz. Nur kommt dieses nicht in der Wohnung an. Wir sind jetzt berechtigt, uns im Telekom-Laden einen Wlan-LTE-Router zu besorgen, so lange DSL nicht funktioniert. Das Kabelproblem habe ich jetzt erstmal auch offiziell der Vermieterin zu Protokoll gegeben und werde es in 2026 weiter voran treiben.

    Merry UX-Mas

    Exkursbeginn. Um zur Abwechslung etwas vollkommen ernst zu meinen: Wenn Sie als Touristin oder Tourist nach Hamburg kommen sollten, machen Sie Ihren Besuch doch bitte zum Bildungsurlaub und gehen Sie einmal die Lange Reihe auf und ab, nur um direkt danach den Steindamm auf und abzugehen.

    Christia Chorherr blickt zurück auf ein langes Leben voller Weihnachtsbäume: Ein paar Erinnerungsfetzen zu meinen unterschiedlichen Christbäumen

    Claudia und Flohmärkte, eine Entfremdung: Ich merke: Mit Flohmärkten bin ich durch, es war wohl mein letzter Besuch. Lieber mal in ein Museum, da sind die Dinge wenigstens schön oder „interessant alt“.

    Chemnitz liegt quasi im Erzgebirge. Dafür wird es als Weihnachtsstadt echt unterschätzt. Ein stimmungsvoller Rundgang über den Weihnachtsmarkt in Chemnitz.

    Wenn du anscheinend als einziger Mensch dieser Erde feststellst, dass Sting einen Song-Anfang gecovert hat und es nicht in Wikipedia schreiben darfst: Am I really the only one who notices that the melodies are identical? (Ich höre auch die Ähnlichkeit, bin mir aber nicht so sicher, ob es wirklich quasi-dasselbe ist oder nicht).

    Das größte Computer-Keyboard der Welt ist eine Art Enttäuschung: Shift happens: New in the collection, pt. 1: Keyport 717

    Aus derselben Quelle: A history of Mac settings, 1984–2004

    Mit „Merry UX-Mas“ endet die Mail-Abwesenheitsmeldung eines Kollegen, der sich gut mit der Bedienerfreundlichkeit von IT-System auskennt. Manchmal weiß man nicht, ob man lachen oder aufheulen soll.

  • 25-12-20 oudèn rheî (wenn Harry met Sally)

    25-12-20 oudèn rheî (wenn Harry met Sally)

    Mit Lichterketten und leuchtenden Kugeln behängte Frauen fahren durch die Gegend.

    Während ich dies schreibe, läuft im Hintergrund eine CD des finnischen A-cappella-Ensembles Rajaton.

    Einst vor einigen Jahren waren wir zugegen als der Kaptain einen Teppich von der Teppichreinigung zurück bekam. Kurzfristig waren wir geschockt, was das kostet. Langfristig sind wir immer noch beeidruckt, wie sauber und toll der gereinigte Teppich aussah.

    Lange Geschichte kurz: Anlässlich des Umzugs landeten alle Erbteppiche bei Teppichreinigung Abbasi zum säubern und ausbessern. Wir lernten: es handelt sich um einen Wollteppich Kazak, einen indischen Seidenteppich und irgendwas dahingemurmeltes mit Pakistan.

    Im Kino lernte ich: im New York des Jahres 1987 wurden Weihnachtsbäume noch ohne Netz verkauft und mussten in voller Auskragung transportiert werden.

    Ich war das erste mal seit Jahren war in einem Karstadt und hatte nicht das Gefühl, einem Geschäft beim Sterben zuzusehen. Entweder es war ein Advents-Sondereffekt, oder aber ausnahmsweise macht jemand in dem Konzern etwas richtig.

    Es gab sogar eine schöne Auswahl. Wir bekamen dort, was wir in diversen anderen Geschäften zuvor vergeblich gesucht hatten.

    Es waren zwei Tage zwischen Arbeit, dem Auftreiben von Handwerkern und Besuch.

    Wie jedes Jahr strebe ich an, zwischen dem 22.12. und dem 6.1. einfach zwei Wochen lang mit Büchern auf dem Sofa zu liegen und nichts mit Außenwelt zu machen. Das wird dieses Jahr noch weniger funktionieren als die letzten.

    Aber 2026! Da wird es eine Woche Urlaub in einer Stadt am Meer Ende November/Anfang Dezember geben. Unbedingt,

    Gänsekeule und Kaviarei

    Am Freitagabend fand der traditionelle Adventsbesuch von Dr.D. und Dr.E. statt. Alle in Jahresenderschöpfung; schön, wenn es Menschen gibt, mit denen man sich alle umfassender allumfassender Erschöpfung treffen kann, und es wird einfach nett.

    Die ersten Blumen

    Wir wollten natürlich die neue Wohnung vorführen. Leider war es aufgrund der aktuellen Unpässlichkeit der Küche schwierig, Menschen zu bewirten, so dass wir in den den Berliner Hof auswichen: Deutsche Küche von Menschen, die sich ein Beispiel an französischer Restaurantkultur nehmen. Oder wie Madame mit höchster Wertschätzung sagte: „Das Lokal könnte sich sowohl im Service wie auch von der Küche her auch in Baden behaupten.“

    Wenn das Hirschgulasch kommt und wir schon den Wildgeruch riechen bevor der Teller auf dem Tisch steht, läuft alles richtig.

    Am Samstagmorgen kam Miss Bilanz zum Frühstück. Auch sie mit Wohnungsstress, wenn auch anders als bei uns. In ihrer Schmuckschatulle leben seit neuestem vier Frauen.

    Sie hatte Brötchen mitgebracht, Madame hatte beim ukrainischen Kaviarimporteur-wird-Supermarkt-Ledo (Forellen)kaviar besorgt. Sie hatte lustige Geschichten zu erzählen, von der langen Schlange am Freitag am Kaviarstand, wo Menschen vor ihr, die Bedienung aufgrund ihrer Anforderungen ins Lager schickten.

    Weiterhin geplant: bei Ledo das gigantische Fischangebot austesten. Und das Fleich von Rinderherz bis Schweinefuss von dort in den Crocky werfen. Wenn denn je die Küche komplett einsatzfähig ist.

    Der Mobilempfang im Keller als Thema

    Deadlines Ende des Jahrs haben die unangenehme Eigenschaft, im Dezember Arbeit zu machen. In diesem Falle immerhin mit der netten Nebenwirkung, mir Schwimmbadexkursionen zu ermöglichen. Auf zum Teamtag/Unterweisungstag ins Stadtbad Märkisches Viertel, unterweisen und erklären.

    Ich mag die Schwimmbadleute als Typ einfach zutiefst – die Mischung der Anforderungen aus Dienstleister-an-Menschen, Techniker-Handwerker für Wasseraufbereitung und Lüftung im Industriemaßstab und was-mit-Sport zieht einen spannenden Menschenschlag an. Und auf jeden Fall sehr anders als die übliche linksliberal-universitäre Bubble, die mich sonst meist umgibt. Die Leute im Bad sind cool Socken.

    Spannend natürlich auch in den Berliner Bädern, die ich als Besucher ja alle kenne. Aber mit Teamräumen, Büros und dem ganzen „versteckten“ Gangsystem noch eine ganz neue Ebene in den Bädern entdecke. Es wird wohl eine Sondersituation bleiben (zweieinhalb Stunden reale Fahrzeit Südkreuz-MärkischesViertel-Südkreuz müssen erst mal gerechtfertigt sein), aber wenn sich die Chance ergibt, freue ich mich sehr.

    Der Router blinkt, die Leitung tropft

    Beim Nachumzug sind wir in der Zwei-Schritte-vor-ein-Schritt-zurück-Phase.

    Vor: Mein Rechner, der Wlan-Router, Rombitombi und der Drucker sind provisorisch aufgebaut. Ebenso ist die Spülmaschine mit Zu- und Abfluss mit der Wasserleitung verbunden.

    Zurück: Der Internetanschluss ist theoretisch freigeschaltet. Praktisch allerdings funktioniert er nicht. Und nach diversen Runden mit automatisierten Telekom-Störsystemen und einer echten Technikerin im Chat kommt Dienstag ein leibhaftiger Telekom-Mensch vorbei und schaut nach – vorausgesetzt ich finde bis dahin heraus, wo in diesem Schwimmbad der Hausanschluss liegt und wer die dazu gehörigen Schlüssel besitzt.

    Zurück: Alles hängt an der Wasserleitung. Dafür ist weiter oben eine undichte Stelle an einer Rohrverbindung aufgetaucht. Alle paar Sekunden quetscht sich ein Tropfen durch eine Dichtung. Das ist in dem Moment nicht dramatisch – aber würde sich über Stunden/Tage/Wochen natürlich trotzdem zu gigantischen Strömen summieren. Also Küchenwasser komplett zu, und zu ausgewählten Zwecken (Waschmaschine) unter Beobachtung auf. Sanitärmenschen sind beauftragt. Ob und wie sie vor Weihnachten noch kommen, werden wir erfahren.

    Nichts fließt.

    University of Chicago, 1977

    Nach dem Feiertagsfilmerlebnis dritter Art am letzten Mittwoch, sahen wir noch einen altersangemesseneren Film im Odeon-Kino, wenn auch aus traurigem Anlass. Odeon-Betreiberin Yorck Kinos hatte nach dem Tod von Regisseur Rob Reiner spontan When Harry met Sally einige Sondervorstellungen gewidmet.

    Es war schön. Es war spannend. Auf dem großen Screen entdeckten wir doch Details, die wir vorher noch nie gesehen hatten. Auch war natürlich die Konzentration größer, mir fiel zum Beispiel erstmals wirklich der Soundtrack auf. Dabei ist der Film einmal sehr nostalisch (in der Musik), Kind seiner Zeit (die 1980s sind allgegenwärtig) und in seiner Grundkonstellation zeitlos.

    Auch wenn die Telefone und Computer im Film inzwischen nach Kostümdrama aussehen, überall Zeitungen und Bücher gelesen werden und dieser unglaubliche Wagenrad-Tisch einem mit 1987! gerade anschreit – die Konstellation, das Drama, die Grundfragen – haben nichts an Menschlichkeit und Aktualität verloren.

    Einfach ein schöner Film.

  • 25-12-18 Wegfindungen (oben unten/ Türzu, Türauf / aus Süd oder Ost)

    25-12-18 Wegfindungen (oben unten/ Türzu, Türauf / aus Süd oder Ost)

    Die Schweine. Seit zweieinhalb Jahren hatten wir das Baugerüst samt in ihm wohnender Taubenkolonie vor der Nase. Kaum ziehen wir aus, fangen sie an, es abzubauen.

    Andererseits sagt die Erfahrung, dass der Irrsinn im Schöneberger Haus zwar gelegentlich die Form wandelt, in seiner Grundsubstanz aber erhalten bleibt. Auch insofern: Gut, dass wir raus sind.

    Kurz vor dem Urlaub musste Madame noch einmal geballte Hirnermüdung bei geistigem Anwesenheitszwang über sich ergehen lassen.

    Besser: Die Fernuni-Einsendeaufgaben Digitale Diversität sind bestanden. Damit darf ich an der Klausur teilnehmen.

    Die Dienstleister verteilen Weihnachtsgeschenke. Es hätte auch VIP-Karten für Alba Berlin gegeben. Aber weil wir ja öffentlicher Dienst sind und jeder Anschein einer irgendwie gearteten Bestechlichkeit vermieden werden soll, gab es für elf Mann insgesamt drei Tassen und fünf Kulis.

    Es waren drei Tage der Arbeit zwischen Umzugskartons und kultureller Encore.

    Entdeckt: das DB-Reisecenter im Südkreuz öffnete wieder. Es ist sehr holz. Spontanassoziation: Aus McDonalds wird jetzt McCafé.

    Bei Percy Puddletree entdeckte ich einen Link auf einen Mid-Century-Möbel-Insta-Account. Ohne eigenen Insta-Account kann ich ja immer nur die ersten acht Bilder sehen, aber musste lachen. Das Kuchenbuffet von Bild sechs kannte ich. Das steht in ähnlicher Form – allerdings weit weniger herausgeputzt und abgewohnter – hier im Klavierzimmer.

    (Übrigens auch der ultimative Endgegner aller Möbelpacker, wie es bei inzwischen schon zwei Umzügen unter Beweis stellen durfte)

    Zufällig entdeckt: Huah! spielen wieder. Die beste, schönste und einzig wahre Band der Hamburger Schule hat ein Best-of-Album herausgegen und gibt dafür zwei Konzerte. Eines heute(!) in Hamburg (bei allem Wünschen, das wird zu schwierig..) und eines am 18. April in Stade beim Hanse Song Festival.

    Ich glaube ich wollte schon immer mal im April nach Stade.

    Ich zitiere einfach mal die ultimative Lobhudelei der Plattenfirma, bei der ich jedes Wort bestätigen würde:

    Was Huah! neben ihrem spleenigen Stil-Eklektizismus zur Ausnahmeband macht ist ihre Zusammensetzung: in der vornehmlich männerdominierten Szene sind sie das einzige gemischte Kollektiv, das weder reine Jungs-Gang noch Frauenbande ist. In den Texten wird zwischen naiv und radikal hin- und hergesprungen, sich verliebt, agitiert, analysiert – nicht selten im selben Song. Das theoretische Rüstzeug und linke Gewissen sind die gleichen wie bei Weggefährten von z.B. Blumfeld (auf deren „Verstärker“-Single ein Passbild von Knarf das Covermotiv ist) oder den Goldenen Zitronen, nur werden sie anders eingesetzt, unverkrampfter, undidaktisch, spielerischer, tanzbar, […] das fehlende Bindeglied zwischen dem späten Adorno und dem jungen Otto.

    Die Hamburger-Schule-Zeit war auch die Zeit als ich noch über Musik schrieb. Spannenderweise bin ich sowohl mit Tocotronic wie auch Blumfeld für mich ungewöhnlich im Interview aneinander geraten und wir trennten uns im Unfrieden. Mit Knarf: Sofort ein Herz und eine Seele.

    wege rohre schrauben

    Wir bewirteten die ersten Nacheinzugsgäste, denn sie wollte eh schwimmen gehen, brachte ihre Familie mit.

    Ich kann improvisiert und mit Kisten in den Rücken drückend wieder am normalen Rechner arbeiten. Ich vermute die Tage kommt noch eine Regalbrett-an-Wand-Schraube-Session auch mich zu.

    Vor allem sind es Tage der Wegfindung.

    1 – der S-Bahn-Weg: Wir testen ob der Weg durch die U-Bahn-Station zur Ringbahn besser oder schlechter als der Weg oben entlang ist. Für den U-Bahn-Weg spricht: Oben ist eine Kreuzung mit Gewerbegebietsambiente, unten eine wettergeschützte Kathedrale des Nahverkehrs im herausragenden wilhelminischen Prunkdesign.

    Andererseits bietet zumindest die Autowaschanlage mir immer unterhaltungswert.

    Oben ist ebenerdig, unten mit Treppe und Rolltreppe. Oben ist mit Warten an der Ampel, dafür glaube ich ein paar Meter weniger zu laufen. Wir werden testen.

    2 – der Schwimmbadweg. Vielleicht wird es doch nichts mit unseren Frühschwimmerfreundschaften. Denn anscheinend ist je nach diensthabender Kassenkraft, der Schwimmbadausgang zu Madames Zeiten auch noch abgeschlossen. Dann muss sie außen herum gehen und trifft die wartenden Frühschwimmer gar nicht.

    3 – Der Weg des Wassers. Quasi während ich dies schreibe, hängt ein fluchender Techniker unter der Spüle und versucht sich an der Herausforderung, den allgemeinen Abfluss und den Spülmaschinenanschluss gleichzeitig zu verrohren. Diese sind so über Kreuz gelegt, dass bisher schon Umzugsunternehmen und southpark scheiterten. Deshaln können wir noch nicht spülen.

    4 – Der Weg der Daten. Heute soll der Schwimmbad-DSL-Zugang freigeschaltet werden. Der herzzerreissend erkältete Telekom-Techniker gerade am Telefon meinte, es sieht alles gut aus und bis 20 Uhr wird alles werden. Aber noch will der Router nicht.

    The drama departments expecting an encore, and I’m ready!

    5 – der Kinoweg. Unser – wir-treten-aus-der-Haustür-und-lassen-uns-nach-links-fallen-Kino ist plötzlich zweieinhalb S-Bahn-Stationen entfernt. Auch hier gilt es einen neuen Weg zu finden: zwei S-Bahn-Stationen oder drei nehmen?

    Vor allem aber Staunen. Im Rahmen seiner RomCom-HighSchool-Film-Musical-Reihe Fetch mussten wir trotz aller Umstände den Dezemberfilm schauen. Auch wenn er uns beiden komplett unbekannt war. Damit waren wir die einzigen. Denn wir im Kino waren wir beide und dazu 263 andere Zuschauer*innen, die den kompletten Film mitsprechen und mitsingen konnten, Küsse, memorable Quotes und den Erstauftritt von Villain Sharpay mit Gejohle kommentierten.

    What a show. Und wir wussten nichts.

    Irgendein preiswert produzierter 2006er-Disney-Film von vielen, der in den Folgejahren einen großen Kultstatus entwickelte. Vermutlich weil sie den Glückstreffer hatten, viele memorable Szenen zu schreiben, und vor allem mit Sharpay/Ashley Tinsdale einen wirklich erinnerungswürdigen Fiesling.1 Das Kino war – außer uns – gefüllt mit Frauen plusminus33 und die konnten die beste Party.

    Bildungslücke geschlossen. Eine Bildungslücke von der ich vorher nicht einmal wusste, dass ich sie habe. Und wie viel Spaß dieser Lückenschluss machte.

    Darauf einmal bop to the top.

    dən

    Aharoni entdeckte einen Fehler. Im Wörterbuch: Not everyone reads Explanatory Notes in dictionaries, but I do.

    Herr Rau liest sich durch den unbekannten Teil des Terry-Pratchett-Werks und entdeckt schöne Zitate.

    Wer schon immer mal Perücken im Zustand nach der Theateraufführung sehen wollte („abgespielt“). Bei Joel gibt es Bilder.

    I just finished my first semester of law school Tuesday evening…only eight more to go! People say that the first year of law school is the worst, and I certainly hope that’s true.

    Anmerkungen

    1. Angeblich mittlerweile ein feministisch-queeres Camp-Idol sagen nicht-vertrauenswürdige Internetquellen. Aber ich habe ja sowieso keine Ahnung von dem Film. ↩︎
  • 25-12-16 Elinor liebt Edward. Brandon liebt Marianne liebt Willoughby

    25-12-16 Elinor liebt Edward. Brandon liebt Marianne liebt Willoughby

    Nur noch ein Karton steht im Wohnzimmer. Langsam beginnt sich die Wohnung einem Zustand zu nähern, der schon fast als Normalität durchgehen könnte.

    Langsam habe ich sogar wieder Geist für andere Themen. – Wie jetzt, nächste Woche ist Weihnachten?

    Der Bahnhof Südkreuz ist wieder ein echter Bahnhof. Denn nach Wochen der Umbauzeiten fahren wieder Züge.

    Passend dazu eröffnete Einstein Kaffee.

    Madame testete die neu eröffnete Dresdner Bahn zwischen der Hafenstadt und dem Südkreuz und stellte fest, dass sie vor allem aus Lärmschutzwänden besteht. Als Panoramafahrt wird diese Strecke nicht in die Reiseführer eingehen.

    Ich beginne mich auch langsam an die Arbeitsanfahrt per Ringbahn zu gewöhnen. Wenn denn irgendwann der Umzug wirklich ganz vorbei und überstanden ist, denke ich noch einmal über ein neues Fahrrad nach.

    Arbeitstage, die damit beginnen, dass ich quasi noch in Jacke und weit entfernt von einer Kaffeetasse unter dem Tisch liege und nach losen Kabeln suche, sind verbesserungsfähig. Später tauchten dann gleich zwei lange verschollene Geister auf und spukten kurz herum. Wahrhaft ein denkwürdiger Tag.

    Es war ein kultureller Sonntag und ein alltäglicher Montag.

    Der Sonntag begann im Bayerischen Viertel. Ich passierte das Denkmal an der Synagoge Münchner Straße, anscheinend hatte vor nicht so langer Zeit eine Trauerfeier stattgefunden. (9. November?)

    Otterngezücht!

    Noch vor der Kultur begann der Sonntag mit Sonne. Ich stand im kleinen Park knapp neben der Kirche am Heilsbronnen, ließ mir die Wintersonne ins Gesicht scheinen und atmete. Endlich Ruhe. Endlich einmal andere Aktivitäten fernab jeder privaten oder dienstlichen Logistik. Sonne. Atmen. Sonne. Grün. Atmen.

    Es folgte Kultur 1: Händel. Madame sang im Heilsbronnen Teile des Messias. Die dortige Gemeinde feierte zum Dritten Advent eine Deutsche Messe. Denn weil die dortige Gemeinde nicht nur arg konservativ sondern auch musikfreundlich ist, gab es Kirchenkreisorchester plus Solosänger plus Chor im Gottesdienst.

    Und es war schön. Und es war rührend. Und der Tenor war ganz besonders rührend. Und selbst die Predigt der Vikarin, schlug gekonnt den Bogen von der besinnlich-glitzendern Vorweihnachtszeit zur Bibelstelle der Woche „Ihr Schlangen! Ihr Otterngezücht! Wie wollt ihr dem Gericht der Hölle entgehen? und wieder zurück.

    Schon fast niedlich und entzückend die Verabschiedung ebenjener Vikarin, deren Vikariat mit diesem Gottesdienst endete.

    Yes. It w-was conducted, eh, oddly enough, in Plymouth.

    Am Abend Kultur 2. Wir trafen uns im Wartesaal bei okayem irgendwie-italienischen Essen mit Professor Transformation und the manchester Entrepreneuress. Der Wartesaal war hier praktisch gelegenes Mittel zum Zweck: eigentlich wollten wir ins Delphi Lux.

    Die Yorck Kinos betreiben allerlei Filmreihen jenseits der aktuellen Kinoprogramms. In der Reihe Screen Legends lief Sense and Sensibility, die legendäre Verfilmung von 1995 mit Emma Thompson, Kate Winslet, Hugh Grant und Alan Rickman.

    Ich konnte damit zwei Bildungslücken schließen: ich kannte den Film nicht, welche Frevel. Und obwohl ich schon viel über Jane Austen gelesen hatte, habe ich noch nie etwas von ihr gelesen. Okay, habe ich immer noch nicht. Aber ich habe ein Gefühl dafür bekommen, was Menschen an ihr schätzen.

    Zum Film: Liebe und Schmerz, Lachen und Leiden. Überraschenderweise musste ich an Toni Erdmann denken, daran dass alles eigentlich ganz furchtbar ist, aber dennoch irgendwie schön und lustig.

    An Shakespeare musste ich denken: So stehen wir Menschlein da, lächerlich wie wir sind, durchschaut bis auf die Knochen, und dennoch liebenswert.

    Selten sah ich einen Film, der seine Protagonist*innen mit soviel Wärme und Liebe behandelt, während er gleichzeitig erbarmungslos das System seziert, in dem sie sich bewegen.

    Großes Kino.

    Buch nach Serie, Film nach Buch

    Ausgelesen: Tomasz Duszyński: Glatz. Ein polnischer Krimi-Bestseller, der 1920 in der (damals Deutschen) Kleinstadt Glatz in Niederschlesien spielt.

    Ein merkwürdiges Buch. Ich hatte die Hoffnung, dass Duszyński die Form des Krimis vor allem nutzt, um eine Geschichte von Glatz, Kleinstadt in Niederschlesien 1920 zu erzählen. Denn diese Zeit und dieser Ort sind weder in der deutschen noch in der polnischen Historie Präsent. Ich merke beim Lesen, dass Duszyński in die Archive gestiegen war, alle Lokalitäten, Vereine und Speisekarten des historischen Glatz kannte. Alle tauchten auf. Aber leider, lässt er in der Stadt Menschen auftreten, die wie frisch aus dem Jahr 2025 wirken, so denken und reden wie Menschen in einer aktuellen Netflix-Serie, nicht wie in 1920. Überhaupt hat man den Eindruck eine Netflix-Serie zu lesen mit viel Gewalt, etwas Sex, etwas Politik, nur dass sich alle Beteiligten kurz vor Drehbeginn schnell historische Kostüme übergeworfen haben und jemand die Autos gegen Kutschen tauschte. Oddly anachronistic, aber nicht in einem guten Sinne.

    Noch nutze ich den Haselanten für Produktempfehlungen, denn noch sind die Large Language Models angenehm werbefrei und halbwegs zuverlässig. Aber mir ist klar, dass dies nur ein kurzes Zeitfenster lang andauern wird. Denn die Horden stürmen: Re: Marketing für KIs

    Was sind das denn für Menschen, die sich einen Muppet-Film in der Originalsprache im Kino ansehen, was für ein gesellschaftliches Segment fühlt sich da angesprochen und angezogen?

  • 25-12-11 In Hausschuhen zur Packstation

    25-12-11 In Hausschuhen zur Packstation

    Die Gemüslichkeit bescherte uns Yacón. Eine offenbar in einschlägigen Foodfluencer-Kreisen begehrte Knolle, die wenig überraschend sehr gesund sein soll. Geschmack, roh: überraschend süß, am Ende ein vorbeihuschen von Ingwerwasser. Geschmack, aus dem Backofen. Äh, wässrig-neutral?

    Durch Berlin fuhr eine S-Bahn mit der Anzeige Rentier-Express.

    Kollege Jean aus dem Controlling wurde Dritter bei der Excel-Weltmeisterschaft. This is peak nerdness – in meinem Büro! Nicht nur, dass es Excel-Weltmeisterschaften gibt, ich arbeite mit einem Meister seines Fachs zusammen. Wie unbelievable ist das? Ich stelle mir die Ganggespräche in Las Vegas vor: „What is your job? Goldman Sachs? KPMG? Google? – No. It’s Berliner Bäder AöR.“ Hier der Link zum kompletten Halbfinale und Finale, Jeans Finaleinlauf beginnt bei 2:55:06h.

    In wesentlichem kleineren Maßstab: Ich setze gerade eine Ankündigung aus meinem „Hallo southpark, Willkommen-im-Job“-Gespräch von 2022 um. Damals hatte ich schon gesagt, irgendwann lasse ich die ganzen Ticketsystemdaten durch R laufen und bekomme automatisiert tolle Statistiken. Naja, erstmal galt Gigo1 und das langfristige Projekt der Daten- und Kategorienbereinigung. Dann brauchte ich ein wenig mehr R-Vertrautheit. Aber jetzt wird es und ich freue mich.

    Gut: Ich lernte, wo im Wohnschwimmbad der Team-Raum ist und wer die einladenden Gerüche aus der Teamküche hervorruft. Ungewohnt: Ich weiß das wegen eines abendlichen IT-Supporteinsatzes. Aber c’est la vie – es kommt nicht überraschend.

    Es waren drei Tage zwischen Nachumzug und Erwerbsarbeit.

    Wir stellten fest: Die neue Wohnung fühlt sich deutlich mehr nach Latifundien/Bungalow an als die alte: Raumgrößen und Schnitt sind ähnlich, wir blicken jetzt aus niedriger Höhe (1. Stock) ins Grüne. Durch die Lage, getrennt durch den grünen Parkplatz von der Straße, wirkt es überraschend ruhig und dunkel. Und der Sozialzusammenhalt und die soziale Kontrolle innerhalb eines Schwimmbadteams sind mindestens so ausgeprägt wie in der Dauergartenkolonie. Wenn ich spätabends am Küchenfenster auf der Leiter stehe, weiß das am nächsten Morgen das halbe Bad.

    Aber auch: Wenn wir mal einige Tage nicht gesehen werden, fällt es auf und Leute werden nachforschen.

    Selbst das Autobahngeräusch zwischen Latifundien und Wohnung hat gewisse Ähnlichkeiten. Allerdings fehlt dem Bungalow der Gong, der das Ende der Badezeit ankündigt und die benachbarte Autowaschanlage.

    Paketzustellgeschichten

    Lobend sei erwähnt: UPS war der erste Paketdienst, der auf Anhieb in der Lage war, uns an der neuen Adresse ein Paket zukommen zu lassen.

    Geschichten aus Schöneberg. Ein DHL-Paket kam noch an der alten Adresse an und wurde an eine Späti-Post geliefert. In der türmten sich gut sichtbar die Pakete. Allerdings hing im Fenster ein handgeschriebener Zettel: „Post aus technischen Gründen außer Betrieb. Wir wissen nicht, wann sie wieder funktioniert.“ Das Späti-Personal mochte auch keine Fragen dazu beantworten, weigerte sich allerdinsg beharrlich etwas aus dem prominent platzierten Paketstapel auszugeben, denn „Post außer Betrieb.“

    In Wilmersdorf gelang es mir, das erste Paket in Hausschuhen und nur notdürftigen ausgehfeinem Dress aus der grundstückseigenen Packstation zu bergen. Es hat Vorteile, die Paketstation in 10 Metern Entfernung von der eigenen Haustür stehen zu haben.

    Wahrhaftig ist die Packstation näher an unserer Haustür als unser eigener Briefkasten. Dieser hängt am Schwimmbad-Haupteingang. Damit hat er eine andere Straßenadresse als die Haustür und als unsere Meldeadresse. Und, wie Madame erfuhr, liegt er zu allem Drama auch noch räumlich in einem anderen Briefzustellbezirk als unsere Meldeadresse. Der bisherige Stand ist, dass „unser“ Briefträger (Zuständig für den Eingang Meldeadresse), die Post an seinen Kollegen (Zuständig für den Haupteingang Schwimmbad) übergeben müsste, der sie dann in den Briefkasten wirft.

    Mir scheint, das Thema ist noch nicht beendet.

    Bordsteinkantengeschichten

    Die Nachfragen im Bad werden häufiger, wenn ich denn mal schwimmen kommen. Und es ist absurd. Seitdem ich im Schwimmbad wohne, war ich noch nicht einmal baden. So sehr rufen Kartons und unaufgebaute Regale in der Nachumzugswohnung nach Liebe und Aufmerksamkeit als dass ich es über mich brächte, diese noch einmal zu verlassen und dann mit mehr Chaos (nasse Klamotten, nasse Handtücher – wohin?) zurückzukommen.

    Überhaupt bleiben es Wohnungstage. Gut dabei: die CDs sind gefunden und im Regal, dabei sogar besser erreichbar als in der alten Wohnung, das Küchenradio (mit CD-Player) ist eingerichtet und ich kann einfach so CDs rausziehen.

    Aktueller Zufallsfund: muff.potter – Bordsteinkantengeschichten. Melancholisch-poetischer Poppunk aus dem Münsterland der späten 1990er. Manchmal denke ich „Jo, schmerzt ein bißchen das Klischee, aber sie waren jung.“ Oft denke ich: „Hat sich überraschend gut gehalten, diese Provinzjugendverzweiflung und alles was sie dazu singen.“ Ich entdecke: Sänger und Texter Nagel schreibt mittlerweile recht erfolgreich Romane. Ich bin nicht überrascht.

    Es werde Dunkelheit

    Am Wochenende war das Canapee nicht einmal sichtbar, jetzt kann ich schon regelmäßig darauf sitzen! Jetzt kommt aber die Zeit des Denkens. Es sind noch viele Bücherkartons übrig. Diese müssen in Regale. Die können wir aber sinnvoll erst einräumen, wenn wir wissen, wo sie hinsollen. Das wissen wir erst, wenn wir wissen wie die Schreibtisch im Kaminzimmer stehen werden. Um die Schreibtisch im Kaminzimmer zu stellen, ist aber kein Platz, weil alles voller Kartons ist.

    Immerhin gelang es Madame, die Schrankschlüssel in einem Karton zu finden deren Fehlen bisher verhindert hatte, dass wir die Kartons auspacken können, in denen dann die Schlüssel lagen.

    Jeden Tag herrscht etwas weniger Sonderzustand und etwas mehr Alltag. Zum Entertainment aller Vorübergehenden stieg ich in der Küche auf die Leiter, hangelte hinter die Verkleidung vom Dunstabzug und mit viel Balance und wenig Fluchen gelang es mir, die IKEA-Fernbedienung Rodred mit der IKEA Unterbaubeleuchtung Irsta zu koppeln. Das ist gut, denn bisher konnten wir das Licht nur über die Sicherung an und ausschalten.

    Das war misslich. Noch misslicher war es, wenn der Sicherungskasten einen Großteil der Zeit von Umzugskartons versperrt ist.

    Anmerkungen

    1. Garbage in – garbage out. Oder anders gesagt: wenn die zugrunde liegenden Daten unvollständig, fehlerhaft und zufällig sind, dann kann die beste Datenauswertung nicht mehr viel machen. ↩︎
  • 25-12-09 New York State of mind

    25-12-09 New York State of mind

    Der Wiener Feinbäcker im Südkreuz schloss. Damit wird gerade das ganze Carree durchgetauscht (Döner wird zu Sandwich, Lavazza zu Einstein Kaffee und der Wiener Feinbäcker zu ??)

    Das erste Mal nahm ich die Direttissima von der Arbeit über die Ringbahn zur Wohnung. Am Gleis am Südkreuz hörte ich vom Bahnhofsklavier Billy Joels New York State of Mind. Das ist unbedingt ein gutes Zeichen.

    Madame bearbeitete DHL- und Hermes-Boten, die sie auf der Straße aufsuchte: „Bei uns wohnt wer! wirklich!“. Beide waren sehr nett und versprachen, zu versuchen, sich daran zu erinnern, dass unsere Adresse existiert. Von beiden kam der Tipp in unserer Situation „Greift euch den örtlichen Boten und redet mit ihm.“ Das machen mir.

    Nicht nur ist die ganze Wohnung ungewöhnlich, sondern stand anscheinend auch viele Jahre leer.

    Was habt ihr beim Umzug gemacht? Gelesen.

    Lesen geht immer. Es braucht keinen Platz. Es verlangt keine Aktivität und bringt mich doch erfolgreich für eine Viertelstunde in einen New York State of Mind. Oder genauer: Erst in einen Kiew state of Mind, jetzt in einen Niederschlesien state of mind

    Ausgelesen: Eine Formalie in Kiew. Ein schönes Buch. Mal rührend, mal analytisch, mal humorvoll. Ein Mann auf der Suche nach sich selbst und seinen entfremdeten Eltern zwischen deutscher Ausländer-Bürokratie und ukrainischer Entdankung. Der Wendepunkt kommt, als er sich selbst bei Bauarbeitern entdanken muss, damit diese ihn durch die Baustelle zum Arzt seines Vaters lassen. Die Umstände bleiben so desaströs wie sie sind, aber die Familie in all ihrer Unvollkommenheit, die auch bis zum Ende bleibt, findet einen anderen Umgang. Ein schönes Buch, vielleicht am Ende einen Tick zu nett, vielleicht hätte ich öfter einmal weniger „ja, ja“ nicken wollen und mich mehr fragen wollen „Was ist das jetzt?“

    Ein Buch zum Behalten: Eher nicht.

    Danach angefangen: Tomasz Duszyński: Glatz. Ein polnischer Krimi, der 1920 in der niederschlesischen Stadt Glatz spielt. Im Setting liegt das überraschend nah an Effi Briest und der Vampir, literarisch-stimmungsmäßig ist es aber eindeutig hard-boiled-Krimi der 2000er. Vielleicht wird es mir zu formalhaft. Mal schauen.

    Der kleine Stehtisch hat keinen Platz

    Noch ein Monat und wir laden die Frühschwimmer*innen hier jeden Dienstag früh zum Kaffee ein. Natürlich stehen vor der Tür immer dieselben, die warten und sie und Madame beginnen sich gerade besser kennenzulernen.

    Ironischerweise waren wir immer noch nicht schwimmen. Noch tackert uns der Anblick der Kartons in der Wohnung fest, lieber nochmal ein wenig Räumen und schauen, ob wir die DVDs finden..

    Stand des Umzugs: um die 70 Kartons müssen noch ausgepackt werden. Mir ist es immer noch nicht gelungen, alle Kartons konsistent zu zählen. Aber mir scheint, aus den 160 Kartons des ursprünglichen Angebots wurden in der Realität ungefähr 200. Die Schränke und Billys fassen mehr als mensch von außen so denkt – selbst bei Profis.

    Es waren zweieinhalb Tage des Nachumzugs.

    Madame bereitete das erste warme Essen in der Wohnung. Sonntag: Weißwürste (bedürfen nur eines Wasserkochers), Montag: Aldi-Fertigpizza (Funktionstest neuer Ofen). Nur die Kochplatte ist noch so vollgeräumt, dass es wohl dauern wird.

    Es macht Fortschritte: Konnten wir am Wochenende das Canapee nicht einmal sehen, ist es inzwischen sogar ab und an sitzbar. Auch in dem vollsten Raum, The Study, vielleicht auch das Kaminzimmer, kommen wir mittlerweile an alle Fenster. Außer den Putzlappen ist alles Vermisste aufgetaucht.

    The Study. Kamin schaffen wir auch noch.

    Sogar für die Gelehrten

    Wenn ich einmal richtig alt bin, wird vermutlich das letzte woran ich mich erinnere, der Anfang von Die Weihnachtsmaus sein. Vielleicht sollte ich noch einmal das ganze Gedicht wiederlernen. Aber schön zu sehen, dass es auch anderswo Erinnerungen auslöst.

    Deutsche-Bahn-Stories gibt es viele. Diese hoffentlich nur einmal. Meine Güte. Ach du meine Güte. Meine Güte: 2025-11-30 Sonntag

  • 25-12-06 Bohren and the Club of Klemmlampen

    25-12-06 Bohren and the Club of Klemmlampen

    In der S-Bahn: eine junge Frau mit Plüsch-Rentiergeweih.

    In der U-Bahn: Ein Junge, der bellte. Drei Stationen lang. Es klang überzeugend, mal wuffte er höher, mal tiefer, mal schnüffelte er, und eins, zwei mal war auch ein Winseln zu hören. Ich hörte schon Hunde, die klangen deutlich weniger überzeugend.

    Auch in der U-Bahn: der große Mann im rustikalen Business attire, dessen Handy mit der Ein-Colt-für-alle-Fälle-Melodie erklang und der mit bayerischem Akzent erst vom Taxi zum ITDZ redet und dann von den Millionenkosten für die Sensoren. Da gehen sie hin, die Berliner Steuergelder, umgewandelt in Einfamilienhäuser im Münchner Umland.

    Im Restaurant: Die Touristin, die ein traditionelles Berliner Eisbein bestellt hatte und beim Essen nicht so wirklich glücklich aussah.

    Vor dem Gemüsli-Schrank: ein southpark, der versuchte bei seiner um einen Tag verspäteten Gemüseabholung den riesigen Weißkohl, seine Handy-Taschenlampe, die Schranktür und die Taschen gleichzeitig zu handeln. Zum Glück war es zu dunkel, damit Zuschauende mein Gesichtsausdruck hätten ausmachen können.

    Es waren Tage des Nachumzugs, unterbrochen von Erwerbsarbeit.

    Entdeckt: wir schauen von unserem Fenster aus auf die Rettungswagen-Ausfahrt des benachbarten Krankenhauses. Rettungswagen in allen Farben und Bemalungen fahren in einer quasi-Karawane sichtlich langsam und entspannt an uns vorbei. Deutlich angenehmer als wenn wir auf die Einfahrt zur Notaufnahme schauen würden.

    Auch in Sichtweite ist die Packstation und der DHL-Laster. Was eine gewisse Ironie hat, denn mittlerweile sind sowohl Hermes- wie auch DHL-Pakete zurückgegangen mit „Empfänger nicht auffindbar.“ Meine je, wir haben Hausnummer und Klingelschild mit Namen. Nur weil das hier ein Schwimmbad ist, heißt es nicht, dass man da nicht wohnen kann.

    Ich fürchte, dieses Thema wird uns noch länger beschäftigen. Auf jeden Fall werden wir bei nächster Gelegenheit den Paketmenschen an der Packstation ansprechen.

    Auf dem Parkplatz: ein Mercedes-Sprinter. Entweder kamen Menschen mit PKWs, gaben Kartons und Geld ab. Oder es kamen Menschen zu Fuß und holten Pakete. Ich hätte fragen können, was los ist, aber ich finde es fast spannender mit wilde Geschichten auszudenken, welche Umverteilung dort stattfand.

    An der Kreuzung gegenüber: Die Autowaschstraße, die in mir lange vergessene Kindheitserinnerungen weckte. Früher war allerdings weniger LED. Zeitweise fühlte ich mich wie im Friedrichstadtpalast. Das ist ein Kompliment.

    Wir waren noch einmal in der Wohnung, ein paar am Tag des Umzugs benötigte Kleinigkeiten abholen und „huch, was ist da noch im Kühlschrank, das nehmen wir aber nicht mit“ wegschmeissen. Dabei festgestellt – die Eumelhallodris veranstalten weiterhin Besichtigungen ihrer zu verkaufenden Liegenschaften, waren aber weiterhin nicht in der Lage, ihr selbst erzeugtes BSR-Problem zu lösen. Denn was sagt mehr „ein begehrenswertes Kaufobjekt“ als überquellende Müllcontainer und ausgemustere Möbel (nicht unsere!), die quer über den kleinen Grünbereich des Hofs verteilt wurden.

    Auspacken

    Nachteile einer Arbeitswohnung: Ich rollere den Müll zur Straße und habe bis zur Rückkehr schon drei IT-Störungstickets eingesammelt. Aber das wusste ich ja vorher.

    Solange wir in der Wohnung sind, ist allerdings das einzige des echten Schwimmbadbetriebs, was wir mitbekommen, ein leises Echo des Gongsignals zum Ende der Badezeit. Aber bald, sobald wir wieder etwas klarer sehen vor lauter Kisten, wird hier morgens, mittags und abends Schwimmen gegangen.

    Auspackstand: Wir haben noch zu viele unausgepackte Kisten, um sie zu zählen. Aber auch schon zu viele ausgepackt, um sie noch sinnvoll zählen zu können. Wir schätzen, wir sind ungefähr auf der Hälfte der Erstentkistung. Mit etwas Recken können wir das Canapee hinter dem Umzugskartonberg schon sehen und auch eines von zwei Fenstern in Arbeitszimmer war zwischenzeitlich erreichbar.

    Noch verschollen sind Öl und Essig sowie die komplette Musikanlage mit Lautsprechern.

    Entdeckung des Auspackens: Meine Güte haben wir viele Klemmlampen. Die alte Wohnung muss doch sehr dunkel gewesen sein, angesichts dessen, wie viele der Lampen jetzt in Kisten auftauchen.

    Der wichtigste Helfer: Billy. Denn genau wie ein Billy-Regal unzählige Umzugskarton füllen kann, so kann ein aufgebautes Billy-Regal auch unzählige Umzugskartons leeren.

    Beim Aufbauen der erste Gedanke: Ist es nicht zu spät zum Bohren? Ist ja laut. Dann der nächste: Moment, du bist in einem Schwimmbad. Entweder es ist Badebetrieb, dann stört das auch nicht mehr. Oder es ist kein Badebetrieb, dann ist auch niemand da, den es stören könnte, denn ihr seid allein.

    Für Bewohner von Einfamilienhäusern ein normaler Gedanke. Für etwas, das eine Mietwohnung ist und sich auch so anführt, reichlich seltsam.

    Berliner Luft zum Löffel und Trinken

    Und damit ich vom Schwimmbadwesen gar nicht mehr wegkommen, verbrachte ich den Freitagabend auf der Weihnachtsfeier. Eigentlich nur halb den Kopf haben, für längere Aushäusigkeiten privater Vergnüglichkeit. Aber nachdem ich erst vor kurzem ausführlich erläuterte, wie wichtig so was für den sozialen Zusammenhalt ist, wollte ich dann auch nicht fehlen.

    Wie immer: im Nikolaiviertel. Wie fast immer: in der Gerichtslaube. Denn die vielen eingeborenen Berliner des Teams wollen wenigstens einmal im Jahr zum Alex und dann deutsch-traditionell essen. Außerdem haben sie Spezialbier, Kräuterlikör und Berliner Luft als Dessert (Vanüllepudding mit Beeren) und Getränk (Pfeffi).

    Teils wurden die besten Geschichten erzählt, die schon die Weihnachtsfeiern 2022, 2023 und 2024 bereichert hatten (denn es gab ja eine neue Kollegin, die sie noch nicht kannte), teils erfuhr ich Neues, spannendes aus Umfeld, Träumen und Familie der Kolleg*innen.

    Zum Ende, nach doch einigen Kräuterlikören, wurde es geradezu rührend: Kollegen sind wie Familie. Oft kann man sie nicht leiden, man kann sie nicht aussuchen und doch ist man auf die angewiesen.

    Sie ist wichtig, so eine Weihnachtsfeier.

    Braunerzwerg Bacon Burrata Badetagebuch

    Ein Blogpost, der mit dem Gemüseturnir auf Mastodon einsteigt, hat schon gewonnen: Rosenkohlpizza mit Bacon und Burrata klingt auch wirklich spannend.

    Flusskiesel schiebt ein Saarbrücker Original und freut sich.

    Will ich noch sehen: The Peasants (2023) – Widerstand gegen Ikonen

    Aleks Scholz kenne ich vor allem als Autor des geschätzten Badetagebuchs. Irgendwie wusste ich schon, dass er eigentlich Astrophysiker ist und nicht Nordseebadender, aber ich staunte doch, als ich bei der Kaltmamsell las, dass er wirklich, wirklich Astrophysik macht: “Braune Zwerge: Diese seltsamen Himmelsgestalten”.

    Nobody is as cool as kim deal!