Kategorie: Alltag

  • 25-12-04 Eine Formalie in Kiew

    25-12-04 Eine Formalie in Kiew

    Zum Abschied noch einmal Hinterhof. Um 6:20h Uhr morgens hörten wir aus dem Schöneberger Schlafzimmer das Rumpeln der Müllabfuhr. Kurz danach ein eher lauter Wortwechsel auf dem Hof – einer der Stimme nach der Rüpel-Eumel-Hallodri von vor ein paar Tagen, der andere unbekannt. Stimmung: Unfroh.

    Beim späteren Nachsehen: Container so voll wie ehedem. Vermutung: Der Eumel-Hallodri wollte, dass die BSR irgendwas tun soll, und die Müllwerker haben ihm erzählt, was sie von seiner Eumel-Hallodrihaftigen Herangehensweisen an Sachen halten.

    Aber nicht mehr unser Problem, jetzt wieder aus der Ferne unser Entertainment.

    Unser aktueller Post-Schöneberger Stand: Madame stolperte beim Verlassen des Gebäudes über die Handtücher des Flip-Flop tragenden Frühschwimmers, der vor dem Haupteingang darauf wartete, dass endlich das Schwimmbad öffnet. Vermutlich war er genauso verblüfft, Madame zu sehen, wie umgekehrt.

    Niemand ist etwas passiert, nur allgemeine Verblüffung.

    So lange ich inmitten eines Kisten- und Möbelbergs sitze, will ich nicht sagen, dass der Umzug vorbei ist – aber zumindest stehen sämtliche Kisten und Möbel jetzt in Wilmersdorf. Wir verbrachten die erste Nacht in der neuen Wohnung.

    Es waren die beiden Tage des Umzugs.

    T-1

    Aus Gründen von Prozess-Bruch-Vermeidung und Faulheit beauftragten wir das Umzugsunternehmen HeldinTrans auch die ganze in-Kisten-Packerei zu übernehmen.

    Plan war auch: die Profis packen die Kisten an einem Tag, ersparen uns zumindest in der alten Wohnung, dass wir schon Wochen aus und in halb gepackten Kisten leben müssen. Das ging auf.

    Sie kamen um acht Uhr, fünf Mann, ich glaube ein ukrainisches-türkisches Team und sie packten und wickelten in Seidenpapier, LuPo1 und eine Art Frischhaltefolie und sie packten und wickelten weiter. Sie demontierten, schraubten auseinander2 und packten weiter.

    So weit wir sehen konnten, lief alles sehr sorgsam und bemüht, sorgsamer und definitiv mit sehr viel mehr LuPo und Frischhaltefolie und Klebebändern als wir sie benutzt hätten. „So viele Bücher!“ und so viel Seidenpapier-nötiges Geschirr.

    Madame verblüffte, indem die bewunderten „antiken Vasen“ keine 10 Jahre alt und außerdem von ihr selbst getöpfert waren.

    Wir lernten, dass Canapee offenbar das ukrainische und türkische Wort für Sofa ist.

    Denn wie Eisbären in stetig schrumpfenden Eis hatten wir uns auf dieses Canapee zurückgezogen. Das ist das eigentümliche, an der wir-lassen-packen-Konstruktion: Wir mussten zwar anwesend sein um im Zweifel Sachen zu entscheiden – ansonsten war aber das Beste, was wir tun konnten: Nicht im Weg rumstehen.

    So begannen wir am Küchentisch – bis sie Küche und Stühle einpacken wollten, und flüchteten weiter durch die Wohnung, bis uns nur noch das Sofa blieb. Eine schön-absurde-Situation: Wir beide auf dem Sofa, lesend, während um uns herum fleißig gearbeitet wird.

    So kam ich dazu, endlich weitere größere Teile von Dmitrij Kapitelmans Eine Formalie in Kiew zu lesen, Madame setzte ihre Zweitumrundung des Elizabeth-George-Kosmos fort.

    Um 13:40h waren sie fertig. (Wir „so schnell“, sie „so lange, so viel zu verpacken“), und wir beschlossen, dass die Wilmersdorfer Leere gemütlicher ist als das Schöneberger Kartonlabyrinth und begaben uns nach Wilmersdort. Immerhin gab es in Wilmersdorf schon Klapptisch und -stühle und Pflanzen und eine Möglichkeit, unbgegrenzte Mengen Kaffees zu machen.3

    T0

    Wenn das Umzugsunternehmen dreimal schreibt, dass sie um 9 Uhr kommen, dann kann mensch sich darauf verlassen, dass es um 8:15h klingelt und sieben Leute in Montur vor einem stehen.

    Es war ja schon fast alles demontiert und gepackt und vorbereitet, so dass es „nur“ noch um das Tragen ging. Vier Stockwerke hinab durch ein Treppenhaus. Wir beide wieder mit der ehrenvollen Aufgabe „nicht herumstehen“, was aber schwieriger war – die Wege waren durch die ganzen Kisten schmal geworden und bald schon waren auch die letzten Stühle und das Canapee in Folie verpackt – ergo unbenutztbar.

    Neben den existenziellen Schmerzen („Mein Leben! Was mache wir? Alles weg! War das eine gute Idee?) kamen irgendwann auch einfach Schmerzen durch stundenlanges Stehen hinzu. Lesen war im Stehen auch eher schwer geworden.

    Um 12:10h war die Wohnung leer. (Fast) all unser Hab und Gut befand sich ein Bord eines vollen 7,5 Tonners und einen drittelgefüllten 3,5 Tonners. Das Auspacken ging schnell. Nur noch ein Dreiviertelstockwerk von 1961 statt vier Altbaustockwerke. Die neue Wohnung ist zwar kleiner als die alte, aber doch größer als der LKW. Also war mehr Platz. Sie trugen hinein und bauten auf.

    Zwischendurch war es sehr gemütlich.

    Dann kamen die Kisten. Und sie hinterließen das Problem, dass wir die Schränke haben, um Zeug einzuräumen, aber gar nicht erst an die Schränke kommen, weil sie komplett zugebaut sind mit dem Zeug, das eigentlich in die Schränke soll.

    Die nächsten Tage wird wohl das Kistenumstapeln unser größtes Hobby.

    Um 15:16h war alles vorbei. Alle Möbel, Kisten und sonstiger Gruscht waren in die neue Wohnung und den neuen Keller verbracht. Alles war ordnungsgemäß unterschrieben und dokumentiert und dann war nicht nur alles vorbei, sondern auch alles fing an.

    Jetzt folgte die Wohnungsfreiligung. Aber das ist eine andere Geschichte. Die zumindest ich deutlich entspannter angehen werde, denn jetzt ist erstmal der Tunnel mit fester Deadline vorbei – erst einmal wird unser Leben derzeit stündlich wieder wohnlicher und angenehmer.

    Bücher mit Käse überbacken

    Im Dezember lernte ich: So ein kleiner Mittagsschlaf ist, als würde man den Tag mit Käse überbacken.

    Herr Rau und die Bücher.

    Krähen sind einfach cool. Hamburg-Korresponden Percy Puddletree bestätigt.

    Und in eben diesem Möbelhaus wurde ein Theaterstück aufgeführt. In der Küchenabteilung. Stühle hatten die ja genug, war kein Problem.

    Anmerkungen

    1. Offenbar der mehrsprachige Fachbegriff für Luftpolsterfolie ↩︎
    2. Selbst Sachen, wir wir gar nicht beauftragt hatten, sondern sagten, machen wir selber, wie zum Beispiel Wandregale abschrauben oder Billys von der Wand lösen. ↩︎
    3. Es war uns zwar gelungen, dem Umzugsteam die Kaffeemaschine wieder zu entreißen, aber auch mit nur einer Frühstücksportion vorgemahlenem Kaffee. ↩︎
  • 25-12-02 Tochter Zion Zitterpudding

    25-12-02 Tochter Zion Zitterpudding

    Die Kirche wies uns die Tür. Bei der GKR (Gemeindekirchenratwahl) erwies es sich als tückisch, dass wir gerade behördlich umgemeldet waren: Nicht mehr wahlberechtigt in der alten Gemeinde und vermutlich noch nicht wahlberechtigt in der neuen Gemeinde.

    Lost in Limbo. Gerade kein ganz ungewöhnliches Gefühl an T-1, dem Tag vor dem Umzug.

    Immerhin bekam ich, während wir an der Kirchentür plauschten, einen guten Tipp für eine vertrauenswürdige Kfz-Werkstatt – allerdings auch mit einer Terminliste wie beim Facharzt.

    Madame testete Telearbeit aus der neuen Wohnung – und es funktionierte. Es waren die beiden Tage kurz vor dem Umzug.

    Ein herzliches Dank an Raymond, der unsere schwierig zu findende Adresse bei Open Street Map hinterlegte – auf dass sie irgendwann auch Navis und Paketboten kennen. Vielen Dank!

    Nachzutragen zum letzten Post bleibt, dass ich gar nicht zwei Hüte besitze, sondern drei! Den latifundinischen Stohhut hatte ich ganz vergessen. Man könnte auch diskutieren, ob ich mir persönlich an unseren beiden Sonnenschutz-Gästestrohhüten in den märkischen Hamptons zurechnen darf.

    Trotz ihrer Torverweisung brachte mir die Kirche das erste Weihnachts- und Adventsgefühl. Noch endet meine persönliche Zeitrechnung am 3. Dezember. Aber als beim Deutschlandfunk-Gottesdienst plötzlich Tochter Zion, freu Dich lief wurde mir ein wenig adventlich.

    Aktueller Stand auf dem Hinterhof: Das Hoftor ist wieder meistens offen. Außer um sechs Uhr morgens, wenn BSR und andere an die Container wollen – ab Mittwoch ist das aber nicht mehr unser Problem – Juchu!

    S-Bahn-Gespräche. Zwei Mädchen, ein Junge, Spätpubertär. Sie1 „Wir machen dich zu einer Classy Bitch!“, Sie2 „Aber auf gar keinen Fall zu einer Classic Bitch!“

    Zum Abschied einmal Konferenzraum

    Zum Abschied brachte die Arbeit ein Lieblingsthema: Konferenzraum-Support. Selbst im günstigsten Fall ist das

    • immer zeitkritisch
    • immer mit Zuschauern
    • und meistens ohne Plan, was kaputt ist, denn weil es ja zeitkritisch ist, folgt der Support der Devise, „alles einmal neu starten und vom Strom trennen und beten“ – oft genug hilft das, aber so richtig eigene Kompetenzgefühle gibt das nicht.

    Und das sind die Fälle, wo die Konferenzteilnehmer*innen selber geduldig und kompetent sind, sie mitdenken, und die Technik prinzipiell passt. Am Montag passte gar nichts. Naja, ab Dienstag/Mittwoch beginnt ein neues Leben!

    Aber halt, gar nicht bei der Arbeit! Der Konferenzraum ist immer noch da und ich befürchte, das Montag nicht lösbare Problem besteht Donnerstag auch noch – außer ein Kollege hatte zwischendurch einen Geistesblitz.

    Aber erstmal gilt es, mich auf die epische persönliche Relokation von Schöneberg nach Wilmersdorf zu konzentrieren.

    Letztes Pendeln

    Gefühlt bewege ich mich seit Wochen nur noch zwischen IKEA, Büro, Wohnung alt und Wohnung neu – die ironischerweise alle am selben Straßenzug liegen. Seit Wochen verbringe ich meine Tage gefühlt nur noch damit eine Straße ein paar Kilometer auf- und ab zu fahren. Langsam freue ich mich sehr darauf, mal wieder außerhalb dieses Straßenzugs in Berlin Zeit zu verbringen.

    Der Zeitpunkt rückt näher. Noch aber laufen die letzten Vorbereitungen für das Grande Finale dieser Zeit.

    Mein Rechner, das Internet (zumindest die Hardware) und die wichtigsten Formulare und Unterlagen sind dem Umzugschaos halbwegs entzogen, denn sie sind schon in der neuen Wohnung.

    Madame leerte den letzten Rest aus dem Gefrierschrank, indem sie ihn zu Marmelade verkochte. Auch folgen wir dem Rat unseres Umzugsberaters. möglichst keine offenen Flaschen mit dem Umzugswagen fahren zu lassen, transportieren nicht nur Orchideen und Weihnachtskakti in die neue Wohnung, sondern auch Sherry, Brandy, Whiskey.

    Bis auf die Flasche Green-Spot-Whiskey. Deren Winzrest wird noch in Schöneberg verzehrt. Und auch sonst die Ballastabwerfung Fortschritte. Sie brachte uns eine größere Portion Wackelpudding Alfons Zitterpudding, deren Packung bereits seit Jahren abgelaufen im Regal stand, wir uns aber nicht zum Wegwerfen entscheiden konnten. Schmeckte immer noch!

    Allgemeine Erkenntnis. Wir haben richtig viel Gruscht, aber

    • die Momente in denen wir uns fragte: „Was ist das??“ ließen sich an einer Hand abzählen.
    • die Momente in denen wir dachten „Ach, DA ist xyz..“ ließen sich auch an einer Hand abzählen.

    Viel Gruscht, aber immerhin mit Überblick, welcher Gruscht. Ab Mittwoch dann in Wilmersdorf.

    Adieu, Schöneberg.

  • 25-11-29 Nach West, nach Nord, nach West, nach Ost, nach Nord und jeweils wieder zurück

    25-11-29 Nach West, nach Nord, nach West, nach Ost, nach Nord und jeweils wieder zurück

    Die Eckkneipe Willi Mangler heißt jetzt Willy’s, und es wirkt als wollte sich der Kiez schon verabschieden bevor wir richtig weg sind.

    Der letzte Schöneberger immobil-mobiles-Arbeiten-Tag ist vorbei. Nächstes mobiles Arbeiten: Zwischen Hotspot und unausgepackten Umzugskisten. Vielleicht. – Vielleicht auch einfach im Büro.

    Ich wüsste gerne, was genau die Schöneberger Haushallodris plötzlich zu für sie unfassbaren Sauberkeitsbestrebungen motiviert. Selbst der vertrocknete Adventskranz und das Paar Doc Martens, die seit einem knappen Jahr in drei Meter Höhe auf dem Baugerüst lagen, sind verschwunden.

    Nur, dass sie die Müllmänner vom Hof aussperrten, war halt nicht so geschickt.

    Wieviele Hüte besitzt Du? – Noch zwei. Den Panama-Hut von der Dithmarscher (Standesamts)-Hochzeit und den dunklen Hut von der Beuggener (kirchlichen)-Hochzeit. Ein weiterer Hut verließ wie derzeit vieles unsere Haushalt.

    T-4, noch vier Tage bis zum Umzug.

    Es waren zwei Tage des Prä-Umzugs. Den Freitag allerdings nahm ich am Prä-Umzug eher symbolisch Teil, denn ich war den größten Teil des Tages im Büro und meetete zu Schnittstellen.

    Zustand: Wie der Flusskiesel schreiben würde: Viel im Außen, wenig bei mir. Oder anders gesagt: Ich schüttete Schwarztee in die Kaffeemaschine.

    Ich überlege mein eh schon softes Fernuni-Semester weiter zu verkuscheln, indem ich die Datenstrukturen & Algorithmen nach hinten schiebe. Damit blieben Digitale Diversität (eeaasy) und Einführung in die Imperative Programmierung (noch nicht ernstlich reingeschaut, sollte ich prinzipiell aber auch können). Wann unichillen, wenn nicht jetzt mit der druckfrischen Bachelorurkunde direkt vor mir?

    Gelesen: Professor A. Donda von Stanislaw Lem. Eine schöne Ausgabe. Leider ist das Buch zwar gut, erfreulich böse und in Teilen urkomisch, insgesamt aber doch eher eine Fingerübung Lems denn ein eigenständiges Werk.

    Wir bekamen Wilmersdorfer Haushalts-Mülltonnen, die inmitten der sonstigen Gewerbemüllcontainer auf dem Betriebshof arg verloren aussehen.

    Meine Überzeugung, niemals nicht einen Weihnachtsbaum zu benötigen wird schwach. Denn nicht nur haben wir in der neuen Wohnung 25-Meter-Becken und Sauna im Gebäude, sondern jetzt auch einen Weihnachtsbaumverkauf direkt auf dem Grundstück. 15 Meter vom Weihnachtsbaumstand bis zum Gebäudeeingang, näher wird es niemals werden.

    Der Kürbis hieß mit Vornamen Spaghetti

    Es waren ungewöhnliche Tage. Ich glaube, der Subaru ist im letzten Monat mehr Kurzstrecke gefahren als die sieben Jahre davor zusammen.

    Selbst das Kochen leider mehr als sonst – irgendein-Gemüse-in-Pfanne-oder-Ofen kriegen wir fast immer zustande. Aber die direkt-nach-Corona-Konditionsschwäche plus das Außen, sorgt auch hier für Änderungen: Wir bestellten in den letzten zwei Wochen mehr Lieferessen als in den zwei Jahren zuvor.

    Immerhin erkannte mich der freundliche Mann aus dem Sagar wieder als wir uns auf der Treppe trafen: „Ach? Sie wohnen hier?“ – „Ja, äh nein, also schon noch, aber eigentlich auch nicht mehr.“

    Lange Vorrede: Freitag haben wir wieder so was ähnliches wie gekocht. „Kürbis“ (laut Gemüsli) aus dem Ofen und Arrabiata-Ravioli aus dem Kühlregal. Auf dem Teller stellte sich heraus: Der Kürbis hieß Spaghetti. Wie es sich für das Gemüsli gehörte, war er ungemein aromatisch, sowohl frisch und fruchtig wie auch kürbissig. Ein Traum. Glückstreffer für uns.

    Samstag verschiedenfarbige Gemüsli-Beeten aus dem Backofen mit Trüffel-Ricotta-Ravioli aus dem Kühlregal und Ziegenkäsecreme. Danach Mont Blanc (Süßspeise).

    Ausgesprüht

    Samstag war ein Tag der Prä-Umzugs-Logistik: Früh zum Recyclinghof (insgesamt der dritte Besuch), wieder mit gefundenem Elektroschrott. Vor allem verschaffte ich Kabel und Adapter, eine semidefekte Waage und einige historische Handies.

    Praktischerweise liegt der Recyclinghof in bequemer Geh-Entfernung der neuen Wohnung: So konnte ich gleich noch Gegend kennenlernen und mich in den verbindenen Nebenstraßen orientieren.

    Ich winkte der neuen Wohnung, begab mich aber direkt zurück zur alten Wohnung, denn mittlerweile hatte Oxfam geöffnet. Wir griffen Büchertaschen und zu Oxfam. Dort wurden wir fast alle Bücher los, Madame kaufte ein, ich begab mich schon mal Richtung Innsbrucker Platz.

    Von Oxfam in die alte Wohnung: Orchideen und Weihnachtskaktus ins Auto packen, nach Wilmersdorf fahren, und dem Zugriff der Umzieher entziehen. In der Wilmersdorfer Wohnung dann das geliehene Teppichreinigungsgerät (Es saugt und sprüht der Heinzelmann Sapur) ins Auto einladen und zur Drogeriemarktkette zurückbringen.

    Madame holte beim verlässlich verpeilten Asia-Markt noch ein Paket ab, bevor sie das epische Abenteuer der Wäsche-Umzugs-Vorbereitung anging. Ich hatte noch einen letzten Gang, mal wieder zum Container und zum Altglas und dann noch ein paar weitere Einkäufe besorgen.

    Und nachdem ich vom Einkaufen wiederkam, sah ich noch ein ehemaliges semi-funktionsfähiges Fotostativ aus Metall, das sicher auch gerne im Recyclinghof geendet wäre.

    Spin Spin Sugar.

    Butter Chicken Betonteile

    Manchmal denke ich, ein E-Auto wäre toll. Manchmal denke ich, ein Auto ohne Software wäre noch toller: Vom ID.3 bis zur Waage: Wie uns Software das Leben oft schwerer macht – statt leichter

    Poupou und die Kaltmamsell bloggen über ihre jeweilige Büchergeschichte. Poupoulab: Büchergeschichte. Vorspeisenplatte: Journal Mittwoch, 26. November 2025 – Vom Bücheraussortieren

    Karin räumt und bewegt Sachen hin und her und ich fühle gerade sehr mit: 2025 #48 – mit kleinen Schritten geht es auch voran

    Ich finde es immer superspannend, wenn Menschen darüber schreiben, womit sie Geld verdienen: Das bedeutet ich stehe das ganze Jahr über draussen, bei wirklich jeder Witterung, und lade Betonteile auf LKW.

    Makhani Mac and Cheese: Makhani-Sauce ist eine buttrige Sauce auf Tomatenbasis, am bekannsten ist sie wohl für Makhani-Chicken – aka Butter Chicken.

  • 25-11-27 southpark, M.A., B.Sc.

    25-11-27 southpark, M.A., B.Sc.

    Die Welt auf den Straßen ist verworren geworden. Selbst wenn jemand morgens um 6.30h wild rufend und schwankend über die Bürgersteige läuft, kann es sein, dass er einfach nur mit Headset telefoniert.

    Madame fuhr das letzte Mal aus der Schöneberger Wohnung in die Hafenstadt.

    Ich schaute bei LinkedIn vorbei. Ich lachte, als mir ein Post eines angehenden Fernuni-Hagen-Wirtschaftsinformatik-Bachelors gezeigt wurde, der über seine zweistündige Lernsession schrieb:

    „Erfolg ist nur gemietet … während viele langsam in den Sonntag starten, investiere ich die nächsten zwei Stunden in meine Zukunft … Disziplin, Ausdauer und Sitzfleisch … Voller Fokus. Keine Ausreden … der Unterschied zwischen ‚Ich würde gerne‘ und ‚ich habe es geschafft‘ #mindset #Disziplin #Focus“

    Ich weiß selber, dass es den Bachelor in Hagen wahrlich nicht geschenkt gibt, war aber trotzdem sehr kurz davor ein „Yo, Brother, chill mal“ unter den Post zu setzen. Meine Güte.

    Bei uns im neuen Briefkasten landete ein handgeschriebener Zettel in Kinderschrift, dass die Wassertemperatur im Stadtbad zu niedrig ist. Pflichtbewusst habe ich den beim Kollegen an der Kasse abgegeben – obwohl mich sein Niedlichkeitsfaktor schon sehr zum Behalten animierte.

    Wir beide haben Erinnerungen daran, dass man während und nach einem Umzug in den 1990ern/2000ern monatelang weder Telefon noch Internet hatte, weil das damals alles so lange dauerte mit dem Umschalten. Heute nicht mehr. Außer bei uns. Mit einer schon fast handgeschriebenen (auf jeden Fall selbst geschriebenen und individuell formulierten) Entschuldigung der Sachbearbeiterin. Im Gegensatz zu damals kann ich mir heute aber wenigstens einfach unlimited Daten zum Handy dazu buchen. Es wird ein Monat des Hotspots werden.

    Es waren zweieinhalb Tage des Arbeits und Prä-Umziehens.

    Reise in eine strahlende Zukunft

    Ausgelesen: Rainer Erler: Reise in eine strahlende Zukunft – ein Skandalroman aus den 1980ern, um Atomabfälle, die über dunkle Kanäle über alle Weltmeere verbracht und dann zum Verschwinden gebracht werden.

    Der Roman ist schlimm geschrieben. Es ist ein klarer Plotgetriebener Unterhaltungsroman, allerdings mit einem Plot, der nur durch seine Löcher überraschend wirkt. Darin bewegen sich Charaktere, die mit „wandelne Klischees“ noch sehr nett beschrieben wären.

    Was am Buch oft nett ist: Das Buch ist Kind seiner Zeit, der 1980er: Atommülltransporte in Castor-Behältern, heldenhafte, draufgängerische Journalisten, Exotismus und am Ende sind Greenpeace die Guten. Was mir das Buch verleidet: Ein Nebencharakter vergewaltigt fast die Protagonistin, sagt zwei Seiten später „ey, tut mir echt leid“ und alles ist wieder gut – auch da ist der Roman ein Kind der 1980er in ihrer schlimmen Gestalt.

    Vor allem scheint mir das Buch aber eine Ausrede für den Autor gewesen zu sein, eine Weltreise zu unternehmen: Die engen Gassen von Marseille, der Blick auf dem New Yorker Hotelzimmer, der Hafen in Singapur, die Fahrt durch das australische Outback; hier wird der Roman plötzlich detailliert und entwickelt Leben. Vor meinem inneren Auge habe ich sofort den Autor, der genau dies als Tourist in diesen Städten erlebt hat.

    Kein Platz für dieses Buch im Regal.

    Sie ist da

    Auf jeden Fall einen Ehrenplatz im Regal, oder an der Wand, erhält die Urkunde, die kam. Seit dem 11. November darf ich mich offiziell Wirtschaftsinfornatik-Bachelor seit dem 16. September nennen. Oder so. Bachelor-Urkunde und Zeugnis kamen mit der Post.

    Denn ich habe es jetzt amtlich bestätigt geschafft. Natürlich nur dank Mindset, Motivation und Fokus.

    Das Bachelorstudium ist endgültig vorbei, und wenn ich nicht nächste Woche umziehen würde, könnte ich jetzt feiern und noch mal in mich gehen, wie es eigentlich war und was hängen bleibt. Ich hoffe sehr auf einen ruhigen Januar dafür.

    Aber egal: Erst mal ist die Urkunde gekommen. Quantitativ herrscht damit Uni-Abschluss-Gleichstand in diesem Haushalt und ich bin das erste mal seit vielen Jahren auch punktgenau formal dafür qualifiziert, was ich schon die ganze Zeit mache.

    Feiern kommt noch.

    R522

    Ich war zweieinhalb Stunden bei IKEA und alles was ich bekam, war eine Vorgangsnummer.

    Außerdem konnte ich inzwischen durch ausgiebige Beobachtung das Organisationssysteme des Kundendienstcenters ganz gut verstanden. Inzwischen weiß ich, dass R-Nummern Reklamationen sind, X steht für eXpress, S für allgemeiner Service, K für Krückgaben (ich vermute K wegen Kulanz), nur was E ist, weiß ich noch nicht.

    Abgesehen von der Warterei war die ganze Geschichte eher unerfreulich:

    Wir und IKEA sind uns einig. Die Küche ist gebaut, das Küchenfenster geht nicht mehr, auf ist ein Fehler.

    IKEA sagt: „Das ist so offensichtlich eine Fehlplanung, dem müsst ihr zugestimmt haben, sonst hätten wir ja nicht fehlgeplant.“

    Wir sagen: Das sehen wir leider ein wenig anders. Tatsächlich haben wir mehrfach darauf hingewiesen, dass wir eine Küche mit öffnendem Fenster bevorzugen.

    Jetzt halt die Ticketnummer.

  • 25-11-25 Um halb sieben gehen die Nummern aus

    25-11-25 Um halb sieben gehen die Nummern aus

    Nach 17 Jahren auf dem Schöneberger Hinterhof der Abenteuer verließ das Fahrrad seinen Stellplatz und steht seit Sonntag im Wilmersdorfer Keller der Behaglichkeit. Erstaunlicherweise ist ihm in diesen 17 Jahren nie mehr passiert, als alle neun Jahre einmal ein platter Reifen.

    Die Überführung verschaffte uns einige neue Erkenntnisse zur neuen Nachbarschaft. Am besten: Als Madame feststellte, dass hier in der Nähe der gute Bäcker sein muss, er eine Minute später in unser Sichtfeld geriet und sogar am Sonntagnachmittag geöffnet hatte.

    Es war ein Sonntag des Prä-Umziehens, ein Montag und Dienstag der Erwerbsarbeit.

    Madame bekam eine absehbare historische Rarität: Eine Urkunde, die von einem leibhaftigen BSW-Minister unterschrieben wurde.

    Ich las Blogbeiträge der letzten Jahre und bekam meine vagen Erinnerung bestätigt: November ist immer ein besonders nerviger, anstrengender Monat, wo alles Mögliche erledigt werden soll und ich im Zweifel krank bin.

    Deshalb ja sparte ich mir dieses Jahr drei Urlaubstage für den November ab vom Munde ab -> auf in ein Hotel mit Lesemöglichkeit, Aussicht, gutem Essen im oder am Haus, Seeluft und einem Schwimmbecken im Haus. Und was passiert: Umzug! Corona! Der November bleibt sich treu.

    Immerhin werde ich ab Dezember ein 25-Meter-Schwimmbecken und eine Sauna im Haus haben, gutes Essen gibt es in der Nähe und Lesemöglichkeiten natürlich auch. Im nächsten November wird es dann wirklich was mit dem Urlaub!

    Aufräumerkenntnisse

    Beim gehäuften Ausmisten frage ich mich, was mir wirklich etwas bedeutet – vor allem beim Thema Buch, denn dort verabschiedeten wir die größten Bestände.

    Ich stelle fest: Ich behalte sehr viele Klassiker der Philosophie, Soziologie (samt der obskuren Referenzen auf die Niklas Luhmann sich bezieht – crazy stuff!) und Politik. Ich behalte SciFi-Klassiker (Ursula K. Le Guin, Stanislaw Lem, Phil K. Dick) – aber auch überraschend viel eigentlich mittelprächtige Fantasy-Literatur mit der ich mich emotional verbunden fühle. (Michael Moorcock, Rivers of London)

    Weiterhin macht mich der Anblick des Bücherregals sehr glücklich, denn jedes einzelne der übrigen Bücher würde ich mich Freude sofort wieder lesen.

    Dummerweise führt genau dieses Ausmisten dazu, dass ich nicht voller Spannung das aktuelle Hallodriwesen im Hinterhof beobachten und auswarten kann. Denn wir haben erhöhten Abfallbedarf, der neuste hallodriale Streich, die Müllabfuhr auszusperren, ist also misslich.

    Normalerweise würde ich davon ausgehen, dass unsere Hallodris nach spätestens drei Woche jede Lust und Konsequenz für ihren aktuellen Plan wieder verlieren würden und alles so weiterwurschtelt wie bisher.

    Aber in drei Wochen sind wir gar nicht mehr da! Und Müll haben wir jetzt! Also redet Madame mit allen greifbaren Nachbarn und versucht ihnen die einfache Wahrheit „Wenn Tor zu, dann keine BSR. Wenn keine BSR, dann Müllberg“ zu erläutern. Und ich stiefelte Montag Morgen um halb sechs, kurz bevor die BSR kommt, unsere vier Altbaustockwerke hinauf und hinunter, um das Tor aufzuschließen.

    Same procedure wohl Übermorgen.

    Auf den ersten Blick aufgeräumt wie nie, der Hinterhof

    Was willst du von mir?

    Vergleichweise geordnet trennten wir uns von Küchenbauresten. Wir absolvierten den siebten oder achten IKEA-Besuch in den letzten vier Wochen.. diesmal aber beim Kundenservice. Ich rollerte mit den Küchenteilen nach oben, zog gegen 18:10h meine Nummer K222 und sah, dass die Anzeige bei K192 war. Daneben liefen noch X-, S-, E- und R-Nummern durch – es würde also dauern.

    Irgendwann gegen 18:40h stellte IKEA die Nummernausgabe ein. Dafür tauchte ein Mitarbeiter auf, der die Nachkömmlinge händisch managte. Also theoretisch, praktisch schäkerte er mit Kolleg*innen, verzog sich zur Ausgabe, begleitete andere Kund*innen zum Hot Dog Stand, machte also fast alles außer Queue Management.

    Die Nachkömmlinge irrten also durch die Gegend, landeten zwangsläufig an den eigentlichen Service-Schaltern und wurden dort auf die Suche nach Mr. Queue Management geschickt.

    Bis auf den einen. Der eskalierte gegenüber dem armen Servicemenschen, dass es so alles nicht ginge. Und naja, nachdem er dann zehn Minuten eskaliert hatte, dachte ich, nu is mal gut: Inhaltlich habt ihr wohl alles geklärt, und dass du den armen Menschen von der Arbeit abhältst hilft niemanden. Ich stiefelte in die Szene und redete nun meinerseits energisch auf den eskalierenden jungen Mann ein.

    Der Plan der Problemlösung durch Eskalationssteigerung ging auf. Der Mann, verwirrt jetzt nicht nur den IKEA-Mitarbeiter zu belästigen zu können, sondern selbst zur Rede gestellt zu werden, eskalierte mir gegenüber so laut, dass Mr. Queue Managment aus dem Tiefschlaf aufwachte und den Herrn zur richtigen Stelle geleitete.

    Auch mit 50 kann mensch noch Erfolge feiern: Dass mir bei IKEA Prügel angedroht wurde, war eine Lebenmspremiere.

    KI in Kapernsauce

    Kapern, Huhn, rede gar nicht weiter, ich koche alles nach.. Scaloppine ai capperi – Huhn in Kapernsauce

    Thomas bringt das Wesen des Haselanten auf den Punkt: Ich erzähl ja schon seit geraumer Zeit, dass Large Language Modelle wie ChatGPT keine Wissensmaschine, sondern Erzählmodelle sind. Und erzählen können sie.

    Als Madame noch in Frankfurt wohnte, wohnte sie einmal quer über die Straße von der Riederwaldsiedlung. Wir gingen dort immer gern spazieren – die Architektur spannend, die Gegend so ein Großstadt-seltsames Gefühl von behaglicher Nachbarschaft verbreitend. Es scheint immer noch so: Spurensuche: Architektur der Riederwaldsiedlung

    Ich sehe die (ungeheizte, unbewohnte, nur für Besuch geöffnete) „gute Stube“ im Holsteiner Haus sofort vor mir. Wobei das Konzept zu meiner Kindheit schon aufgeweicht war. Die gute Stube existierte zwar noch, wurde aber neben der bewohnten Küche auch als Wohnzimmer genutzt: Opas Ölgemälde

    Dort saß am Nebentisch ein Paar, das so urluxemburgisch war, wie ich schon lange keines mehr erlebt habe. Sie verstand ich nicht immer weil sie mir den Rücken zukehrte. Er schien jedoch ein alter Knattergreis zu sein: „Nee, du léis dat sinn! Du bezills guer näischt! Wann déi dat bis d‘nächst Woch net an d‘Rei bruecht hunn, ruffen ech dem un! Dat wäerts emol gesinn!“ Dann folgte das, was folgen musste, er grüßte mich.

  • 25-11-22 Ick bin ein ChaWiener

    25-11-22 Ick bin ein ChaWiener

    Endlich fand ich eine zweifellos sinnvolle Anwendung von ChatGPT. Es löst jetzt meine Captchas und ist dabei erfolgreicher als ich.

    Madame töpferte ein Seepferdchen nach Art eines mittelalterlichen Elefantenbildes. Allerdings steht ihr das Internet zur Verfügung und so konnte sie ihr Werk vor dem Abschluss noch einmal mit Bildern echter Seepferde vergleichen.

    Das Café Bilderbuch ist weg! Zumindest deutet Frau Karminrot das an und die Insolvenzmeldungen vom 11. August scheinen es zu bestätigen. Meine Reaktion „Oh gott! Sie haben das seelische Zentrum aus dem Kiez gerissen!“. Madame reagierte rationaler mit „Das sah schon lange so aus als sollte es mal überarbeitet werden, aber anscheinend war kein Geld mehr da.“ Passend dazu: Außerdem haben die Leute sich schon immer mit Lektüre wichtig gemacht. Schließlich wurde dafür extra das Café erfunden.– aber heute anders.

    Ich staune: Ich habe im Internet unseren Umzugswunsch bei der Telekom eingetütet und keine 10 Minuten später rief die zuständige Sachbearbeiterin mit sinnvollen Rückfragen und Informationen an. Bei o2 ist sowas nie passiert. Dafür stellt sich der neue anvisierte Stromanbieter tot. Na mal schauen.

    Es war ein Arbeits- und ein Prä-Umzugstag.

    Der Hof und der Müll

    T-10 bis zum Umzug. Wir verzehren die letzten Vorräte aus dem Gefrierschrank. Langsam häufen sich die Momente, in denen wir denken „Das letzte Mal, dass..“ oder „Bald nicht mehr..“

    Ein erfreuliches Bald-nicht-mehr wird auf jeden Fall der Abschied von den Haus-Hallodris. Die entpuppten sich zum Abschied noch einmal als rechte Rüpel-Eumel, als Madame höflich fragte, ob sie es sind, die seit neuestem das Hoftor abschließen und damit die BSR aussperren. Vermutlich getroffen in all‘ ihrer normal-vermüllenden Hallodrihaftigkeit – und gerade offenbar im Termin mit Opfern Kaufinteressierten – reagierten ein Hallodri mit Verbalaggression. Mon Dieu!

    Immerhin scheint ihnen durch das Gespräch aufgegangen, dass Müll-Berge im Hinterhof nicht dem Verkaufsclaim helfen, dass hier ein ordentlich-bürgerliches Haus steht. Passend zum Niveau und ihrem wir-scheuen-Kosten-und-Mühen-Anspruch versenkten sie den herumliegenden Müll jetzt erstmal im Papiercontainer. Mon Dieu!

    Mit der Dresdner Eisebahne

    Auch offiziell sind wir neue Menschen. Seit Freitag sind wir offiziell Bewohner des Bezirks Charlottenburg-Wilmersdorf (ChaWi), im Personalausweis klebt ein neuer Aufkleber, seine elektronisch gespeicherten Daten wurden umprogrammiert.

    Zum Abschied fand der Termin in unseren ehemaligen Altbezirk Tempelhof-Schöneberg (TS) statt. Das einzig zeitnah verfügbare Bürgeramt lag an der Grenze von TS zu Brandenburg. Auf mit der Dresdner Eisenbahne ans südliche Ende Berlins nach Lichtenrade.

    Dort: eine epische Unterführung vom Ausmaß eines komplettem Kongresszentrums (siehe Der lange Anfahrtsweg der „Dresdner Bahn“) und ein backsteingeprägtes Ortsbild, dass in Madame sofort Norddeutschlandassoziationen weckte. Kaum sprache es aus, sahen wir eine Filiale des Lübeck/Hamburger Stadtbäckers Junge.

    Aber vor das Pain au chocolat hatte der Plan die Ummeldung gelegt. Das Bürgeramt sitzt im ehemaligen Christophorus-Kinderkrankenhaus. Nachdem wir gemeinsam mit der Sachbearbeiterin dem Start ihres Rechners beiwohnten, lief alles problemlos.

    Passend dazu besichtigte ich endlich die halbfertige Küche, wir brachten ein paar Sachen aus der Kategorie „Sperrig, empfindlich, nur selten benötigt“ aus der alten Wohnung in den neuen Keller.

    Nada

    Gelesen: Jean-Patrick Manchette: Nada – ein Buch, in dem die Akteure quasi immer überhastet, übereilt und spontan agieren, das in seiner Wirkung auf mich aber langsam zersetzend ist. Mit jedem Tag Abstand zur Lektüre denke ich mehr darüber nach und bin begeisterter.

    Paris, 1971, eine Stadt in grau und Dauerregen. Die Hoffnungen von 1968 sind zerstoben – aufeinander treffen eine wild zusammengewürfelte Gruppe der Links-Linken der Gruppe Nada zwischen Desillusionierung, sinnentleerter Gewalttätigkeit und dem Versuch sich an etwas festzuhalten und der Staat in Form emotionsloser Machtausübung.

    Nada entführt den amerikanischen Botschafter, ohne wirklich an Erfolg oder Sinn der Aktion zu glauben und wird im Anschluss vom französischen Staat in einer Schießerei plattgewalzt. Hoffnung hat niemand. Der einzige, der Freude empfindet, ist vielleicht der sadistische Kommissar.

    Fast ein Roman wie ein Gedicht – kein Wort zuviel: Die Szenen sind angerissen, die Dialoge auf das Notwendigste begrenzt, Stimmungen werden in zwei drei Worten gesetzt. Und doch, das deprimierte, graue, zynische Nach-68er-Paris so unfassbar gut getroffen. Ein Roman, für den ich fast ernsthaft französisch lernen möchte, um die Sprache im Original zu lesen.

    Direkt danach: Rainer Erler – Reise in eine strahlende Zukunft. Ein Politthriller von 1986 über Atommüll und Castor-Transorte. Auch kein schlechtes Buch. Aber im Vergleich zum Manchette davor halt, als hätte ich Foucault zur Seite gelegt und jetzt ein Gemeinschaftskunde-Lehrbuch ergriffen.

    Mit Dip, ohne Häuser

    Andere erleben Abenteuer, ich dippe. Immerhin erlebe ich Abenteuer ohne Ende, wenn ich versuche, die beim Dippen entstandenen Saucenflecken wieder aus den Shirts zu bekommen: Rote Beete-Raita

    Frau Blattspinat-U-Bahnverleih besuchte Mühlrose, das letzte für den Braunkohleabbau in der Lausitz abgerissene Dorf: und entdeckte ein Dorf ganz ohne Häuser: Nur mit Straßen, Hecken, erkennbaren Grundstückgrenzen und ganz besonders grünen Rasen auf dem ehemaligen Schwimmbadgelände: Das Dorf ohne Häuser

    Ein Lob des Performative Readings. (via Kieselblog)

    Biopics sind nicht meins. Aber diese Maria-Besprechung macht mich neugierig.

    Wer mit Katz fermentiert, fermentiert gut. Salzgurken bei Magentratzerl.

    Zum Abschluss: Forensic Accounting und KI

    Im Internet traf ich auf einen Artikel zum spannenden Thema KI und die Wirtschaft. Der Artikel hatte mich, als er von „Forensic Accounting“ sprach. Ansonsten ist er glaube ich dem größten Thema von LLMs / KI auf der Spur: Es verbrennt Millarden Dollar, die sich nirgendwo verdienen lassen:

    Nvidia invests in AI startups, startups commit to cloud spending, cloud providers purchase Nvidia hardware, Nvidia recognizes revenue, but the cash never completes the circuit because the underlying economic activity—AI applications generating profit—remains insufficient. (The Algorithm That Detected a $610 Billion Fraud: How Machine Intelligence Exposed the AI Industry’s Circular Financing Scheme)

    Was altbekannt ist, aber immer wieder wiederholt werden sollte:

    OpenAI, valued at $157 billion in its most recent funding round, reported $3.7 billion in revenue for 2025 according to The Information. The company simultaneously disclosed operating expenses of $13 billion, resulting in a $9.3 billion annual cash burn.

    Aber spannenderweise auch eine gute Nachricht für KI-Fans (wenn auch nicht für LLMs):

    November 20, 2025, represents an inflection point in financial markets. For the first time, algorithmic trading systems detected accounting fraud faster than human analysis. The 18-hour reversal from post-earnings euphoria to negative market territory reflects machine intelligence processing financial statement footnotes, calculating deviation from industry norms, and executing trades before human analysts completed their models.

  • 25-11-20 Jetzt noch die Fräsmaschine

    25-11-20 Jetzt noch die Fräsmaschine

    Während ich dies schreibe, premierenflötiert Madame in der Stadtbadwohnung. Jeden Tag wird die Wohnung ein wenig bewohnbarer.

    Karls Erdbeere am Südkreuz verschwand bis nächstes Jahr. Vermutlich tötete Nachtfrost auch die allerletzten Erdbeeren.

    Im Winter gibt es Gemüsli nur alle zwei Wochen. Madame wurde daran erinnert, als sie vor dem leeren Gemüslichkeits-Schrank stand. Dann halt nicht.

    Während das Schrumpfgemüsli eigentlich geplant war (für uns allerdings „Winter“ nicht Mitte November beginnt), werden auch wir Betroffene der Crowdfarming-Probleme. Nachdem „unsere adoptierte“ Kuh gestorben war, und wir deswegen keinen Käse mehr bekamen, „adoptierten“ wir eine andere Kuh bzw. halt deren Käse. Überraschendweise allerdings gelang der ersten verstorbenen Kuh danach die Wiederauferstehung und jetzt haben wir doppelt Käse.

    Die Feurig-Apotheke in der Schöneberger Hauptstraße impft unkompliziert (Mittwochs nachmittags) gegen Grippe und Corona. Die Menschen rennen ihnen die Türen ein und die Apotheke versteht nicht, warum die ganzen Ärzte sich so anstellen.

    Den Grippeshot ließ ich mir dennoch öffentlicher-Dienst-angemessen von meiner Arbeitgeberin setzen. Der Impfshot auf die eh schon in mir herumlungernde Erkältung obenauf war vielleicht nicht die brillanteste Idee – aber manchmal ist der schlechte Weg immer noch der Beste. Ob ich eine Corona-Impfung kurz nach einer Corona-Infektion für sinnvoll halte, muss ich noch entscheiden.

    Donnerstag gab ich das schlechtsvorbereitetste Wikipedia-Interview meines Lebens; also nicht, weil ich mich sonst auf derlei Interview vorbereitet hätte. Aber ich glaube ich habe seit Wochen nicht mehr ernstlich an Wikipedia gedacht; normalerweise fällt mir auch nicht 7 Minuten vor Beginn beim Blick in den Kalender ein, dass gleich sofort ein Interview kommt. Aber so ist es halt an Tag T-13 bis zum Umzug.

    Zum Glück ging es um „25 Jahre Wikipedia“ und ich durfte von anno dunnemals erzählen. Demnächst dann auf einem süddeutschen ÖR-Sender.

    Es waren zweieinhalb Tage zwischen Arbeit und Umzugsvorbereitung und dem starken Drang, möglichst viel dazwischen zu schlafen.

    Immerhin wird es entspannter. Der Umzugsmensch war noch mal da. Wir haben seit der letzten Schätzung 20 Meter Buch und insgesamt 6 Kubikmeter Zeug aus dem Haushalt verschafft; das Meiste, was weg sollte, ist jetzt weg – den Rest können wir entspannt angehen lassen, denn für dessen Umzug werden wir eh bezahlen, egal, ob es am Umzugstag noch anwesend ist oder nicht.

    Kein Zeitdruck mehr beim Entsorgen, weniger Zeitdruck bei der Küche.

    Spüle läuft

    Ich verschob ungefähr ein Dutzend Mails mit IKEA-Lieferbestätigungen, Chat-Transkripten und Auftragsnummern aus dem Posteingang, denn ich hoffe, diese nie wieder zu benötigen.

    Halleluja!

    Die Küche macht Fortschritte. Sobald das Silikon getrocknet ist, haben wir Wasser in der Küche, können Spüle, Herd und eine ganze Menge Schränke benutzen.

    Dafür wie winzig die Küche ist, sieht sie toll aus. Bei aller Bescheidenheit.

    Aber sie ist nicht vollendet.

    Es fehlen:

    • Zwei Schranktüren (nachbestellt, weil die Küchenbauer eine bessere Schrankidee hatten). Die sind anfang der Woche irgendwo auf dem Weg zum IKEA-Zentrallager zum DPD-Zentrallager in einem Loch versunken und werden hoffentlich wieder auftauchen.
    • Waschmaschine, Geschirrspüler und Kühlschrank (logisch, die bringen wir aus der alten Wohnung mit).
    • Die Fräsmaschine: Entweder hat IKEA falsch gemessen oder falsch gerechnet: Auf jeden Fall lässt sich das Küchenfenster nicht mehr öffnen, weil es gegen das Kochfeld stößt. Es ist eine Sache weniger Millimeter. Das Gute ist: IKEA hat selber gemessen und geplant. Es ist unbestreibar wer Schuld ist und das ganze Beheben muss. Das Ungute: ist halt trotzdem Aufwand und weiterer Warterei. Zur Auswahl stehen: Arbeitsplatte wechseln (was bedeutet, die halbe Küche neu zu bauen, weil alles in Höhe und Breite an der Arbeitsplatte ausgerichtet ist); oder dort wo die Kochplatte ist, etwas abzufräsen, so dass die Kochplatte plan mit der Arbeitsplatte liegt. Das passiert hoffentlich nächste Woche.

    Für vegane Maultaschen ins Restaurant

    Etwas Recherche brachten einen Scheinriesen des Service Managements zum Vorschein. Wenn deine komplette Framework-Organisation aus dir und deiner halben Ehefrau besteht, beginne ich zu zweifeln.

    Wieder einmal traf sich die Karpfengruppe der IT zum Socialising, Lästern, Planen und zur psychischen Hygiene. Die Resonanz fiel leider aus, denn DJ OneNote wollte vegane Maultaschen – und dafür mussten wir ins Heuberger.

    Das Essen war besser als in der Resonanz, die uns umgebenden Weihnachtsfeiergruppen zahlreicher, und am Ende war es halt ein Restaurang, keine Kneipe.

    Wir tauschten Berliner Wohnungssonderlichkeiten aus (Fömi wohnt jetzt in Friedenau) und die lieben Jungspund-Kolleg:innen glauben mir weiterhin mein Alter nicht. Ich könnte ja den Personalausweis als Beleg zeigen – aber das wäre langweilig.

    Wie schön: Mal zwei Stunden rauskommen, ohne dabei umzuziehen oder umzugsvorzubereiten.

    Nicht das Heuberger, aber noch veganer

    Fermentieren und kaufen

    Wild Fermentation von Sandor Ellix Katz war hier ein lebensveränderndes Buch. Denn diesem verdanken wir das unkomplizierter Vollkorn-Sauerteig-Roggenbrot, das an 90% der Tagen in diesem Haushalt zum Frühstück gegessen wird. Um so neugieriger war ich darauf, dass die Magertratzler jetzt eine deutsche Ausgabe eines Katz-Buchs bespricht: Kochbuch: Die Fermentier-Bibel | Sandor Ellix Katz

    Anderswo Roggenbrotprobleme.

    Das ist gar nicht so einfach mit der Zukunft: Kassen- und personallose Supermärkte in der Krise: Problem-Einkauf bei Netto Pick & Go: Überholspur zur Kontrollwaage. Das ist gar nicht so einfach in der Zukunft: der Versuch 1:1-Ausstattung (eine Schülers, ein IT-Gerät) umzusetzen: 1:1-Ausstattung in the making – Teil 3

    Spielen mit Daten: Nicky Reinert hat einen Datensatz mit den meisten Supermärkten Deutschlands und kann erstaunliche Dinge daraus ziehen: Wo liegt die ALDI-Grenze?

    Und jetzt ins Bett.