Kategorie: Alltag

  • 25-10-30 21 x 0- (15,2)

    25-10-30 21 x 0- (15,2)

    Die Schwimmbadquartetts sind wieder aus.

    Bei der BundID bin ich zu Bechtle-Support-Level 2 vorgedrungen. Aber noch ohne Erfolg. Level 1 hatte nur die Standardmail zu bieten mit lauter Lösungen für Probleme, die offensichtlich nicht meine waren. Ich bin gespannt was Level 2 einfällt.

    Hurra. Ein europäisches Land hat gewählt und das Ergebnis ist nicht komplett furchtbar. Danke, Niederlande.

    Hurra, in der CDU tut sich was und eine Gruppe liberaler Politiker*innen formiert sich. Ich glaube, dass die entscheidende politische Auseinandersetzung unserer Zeit innerhalb der CDU ausgefochten wird. Wer wirklich, wirklich effektiv etwas ändern will, sollte dort eintreten. Ich kann mich selber aber auch nicht zu diesem Parteieintritt bringen, würde vermutlich auch so wenig Stallgeruch mitbringen, dass ich nie irgendeinen Einfluss erringen könnte.

    Es waren drei Tage des Arbeitens, zwei Abende des Holens und Bringens. Die Arbeit brachte Spielen mit Obsidian und Mermaid und überraschend engagiert geführte Schnittstellendiskussionen. Abends holte ich Gemüsli, Badelatschen und ein halbes Bett, brachte Blut und ein halbes Bett.

    Andere Schnittstellendiskussionen entstehen in der neuen Wohnung zwischen Klempner und Küchenbauer. Es bleibt spannend.

    Ein Umzugsunternehmensmensch kam vorbei. Nachdem er alle Bücher zusammengerechnet hatte, entfuhr ihm ein spontanes „Halleluja“. Seiner groben aber professionellen Schätzung nach müssen 76 Regalmeter Buch und CD umziehen.

    Dank des Umzugs betreiben wir derzeit mehr oder weniger drei Haushalte (Wohnung alt, Wohnung neu und Bungalow) – kein Szenario für sind-alle-Türen-zu-und-der-Herd-aus?-Paranoiker. Immerhin sind es zwar drei Wohnstätten aber bisher nur zwei Herde.

    Pros der Konstellation: Während ich gerade in Wilmersdorf versuche die Küchen-Schnittstellendiskussion zu verstehen, schickt Madame zum Sterben schöne Fotos von den Latifundien. Egal, was beim Umzug zwischendurch für Chaos ausbricht – wir haben einen funktionierenden Haushalt.

    Im Südkreuz fahren weder Fern- noch Regionalzüge. Es fahren nur noch S-Bahnen. Die Bahn nutzt das Szenario, um umfangreich am Bahnhof herumzubasteln. Auf einer Leiter ein Mann in Warnweste, umgeben von sechs Kollegen, beschallte die halbe Grand Hall – since 2006 mit einem „Das müssten wir uns mal erlauben!“

    Das Katzenstreuwrack verschwand

    Tohuwabohu im HInterhof um 22 Uhr. Eine größere Gruppe, bestehend anscheinend aus zwei Einzelgruppen diskutierte und umrundete die kennzeichenlose B-Klasse. Türen wurden geöffnet, die Kotflügel gemustert. Eine Teilgruppe bestand aus unseren Haushallodris, die andere wirkte wie so recht junge Autohändler aus der Gegend, überraschenderweise inklusive einer bekopftuchten Frau.

    Es wirkte nach Verkaufsgespräch – wobei es auch super zu unseren Hallodris passen würde, ein zusammenbrechendes Auto im Dunkeln und Regen zu verkaufen, wenn niemand etwas sieht.

    Am nächsten Tag war die B-Klasse noch vorhanden. Dafür verschwand das Katzenstreuwrack vom Hof. Arbeitshypothese: Die neue Gruppe hat sich bereit erklärt das komplett marode Katzenstreuwrack zu entsorgen und als Bonus dafür die vermutlich noch fahrfähige B-Klasse dazu bekommen und wird diese abholen.

    High Life

    Die Querdenker sind müde und nass. Wie immer begab ich mich Dienstagabend zur Blutspende und wie immer sah ich aus dem Bus die immerwährende Querdenkerdemo auf der Schlossstraße. Es war ein schlechter Tag für sie. Es war dunkel und regnete. Weder sie noch ihre Plakate waren gut zu erkennen. Anscheinend hatte der Regen auch demotiviert. Viele Plakate standen einzeln herum, ohne dass ihre Plakathalter*innen anwesend waren.

    Auf dem Rückweg hatten sie komplett abgebaut. Das gab es noch nie!

    Bei der Blutspende ging es hoch her. Sowohl mein Eisenwert (gut) wie auch der Blutdruck (schlecht) waren am höheren Ende des Üblichen. Offenbar wirkte ich in dieser Konstellation sehr gesprächseinladend. Schon die junge Ärztin im Vorbereitungsgespräch (nein, kein Tattoo in letzter Zeit, keine Impfung, nie BSE gehabt) war ungewohnt mitteilsam. Süß die Krankenschwester „Ich kenne sie ja. Die Vene ist gut zu sehen, aber liegt tief. Da muss man beim Stechen so Ooompf!“ und sie machte eine kräftige, ruckartige Bewegung mit der Hand.

    Das mit dem Oompf hat sehr gut funktioniert.

    Bib und Bad

    Madame begab sich in den unkreuzbergerischsten Teil Kreuzbergs und so hatte ich die Ehre Gemüslichkeit und Thomas-Dehler-Bibliothek aufzusuchen. Mir gelang die Dechriffrierung des Leihnummernsystems ebenso wie die Bedienung des Selbstleihautomaten. Mir schien, die Personen vor Ort waren etwas traurig, dass sie mir nicht helfen durften.

    Das Gemüsli wird in einem unbeleuchteten Schrank auf unbeleuchteter Wiese geliefert, was des Winters dazu führt, dass ich mit zwei Händen eine Taschenlampe, eine Tasche, das Gemüse und die Waage bedienen musste – bis zum Frühjahr werden wir phänomenale Fähigkeiten der Gemüsebalancierung erreichen.

    Es gab keine Kartoffeln, keine Möhren, aber ein Kilo Roter Beete, Chinakohl und einen gigantischen Endiviensalat.

    Spaghettikürbisse vom Himmel holen

    Heute ist auch der Tag, an dem ich zum ersten Mal einen Spaghetti-Kürbis zubereitet habe und meine Güte, was für ein Quatsch! … Ich sehe hier viele Möglichkeiten, den Prozess zu vereinfachen zum Beispiel indem ich wieder wie sonst Hokkaido kaufe

    Ein KI-Browser wäre ungefähr das letzte was ich freiwillig auf den Rechner ließe. Umso netter, dass andere es testen und berichten: Der Browser mit dem Informationsüberschuss

    Heute beim Gehen fiel mir die Antwort ein: Ich bin ein Bürokrat. Da dieser Begriff eher negativ besetzt ist, gebe ich beim nächsten Mal vielleicht Büroiker oder Büronaut an. Vielleicht auch nicht, ich sollte noch ein wenig darüber nachdenken.

    Messy Nessy verweist auf das New York Magazine und auf Wikipedia: 13 Things I Found on the Internet Today (Vol. 756)

    [S]eitdem bin ich mir meines Umwelt-Fußabdrucks nicht nur bewusster, sondern frage mich auch regelmäßig: „Wann eigentlich radikalisieren sich ein paar Umweltschützer und fangen damit an, Privatflieger vom Himmel zu holen und Privatyachten im Meer verschwinden zu lassen?“

  • 25-10-28 Kafkaeskes Tingeltangel

    25-10-28 Kafkaeskes Tingeltangel

    Mein Schwimmbad-Zahlenschloss tauchte wieder auf. Wenig überraschend eigentlich fand ich es in einer Schwimmtasche. Aber halt nur in der B-Schwimmtasche, wo ich doch die ganze Zeit in der A-Schwimmtasche gesucht hatte.

    Jetzt reorganisierte ich A und B in „Alte-Wohnung-Schwimmtasche“ und „Neue-Wohnung-Schwimmtasche“ und dabei fand ich Einiges.

    Vor Freude beschloss ich wieder, an meinem Schwimmbadbuch weiter zu arbeiten. Derzeit bin ich gedanklich eher bei einem Roman. Verschiedene Lebenswege die sich kreuzen. Verankert in einem Ex-DDR-Schwimmbad, das fast im aktuellen existierenden Berlin steht, aber nicht ganz. Arbeitstitel: 5 Bahnen.

    Ich erfuhr Döntjes aus der guten alten Zeit der BBB und bedaure zutiefst, diese nicht öffentlich teilen zu können.

    Beim Schreiben fällt mir auf: Diese Döntjes lassen sich verfremdet natürlich super im Roman einbauen.

    Es war ein Sonntag zwischen Latifundien und Theater, ein Montag zwischen Office und IKEA und dem Stadtbad Wilmersdorf.

    Wenn ich bei Bund ID eine Supportanfrage stelle, landet diese beim IT-Dienstleister Bechtle. Ich treffe doch immer wieder dieselben.

    Fast hätte ich meine Armbanduhr wieder auf Normalzeit gestellt. Leider vergesse ich jedes Halbjahr wieder, wie ich sie stelle. Im Zweifel zeigt sie mir dann immer nur noch das Hochwasser vor Hawaii an, nicht aber die Uhrzeit in Berlin.

    Auch nicht merken kann ich mir: Die Antipasti-Platte in der Pizzeria Marienkäfer ist riesig. Selbst bei der „kleinen“ Platte geteilt durch zwei Personen sollte mensch sie keinesfalls „Anti“ irgendwas essen, weil das Irgendwas dann immer zuviel ist. Auch merken: Beim Marienkäfer-Besuch immer eine Flasche Wasser für danach einpacken; selten sind wir im Restaurantnachgang so durstig wie dort.

    Was schlechter klingt als es ist: Für einen Vor-Theater-Friedrichstadtpalast an der Friedrichstraße ist der Marienkäfer sehr gut geeignet.

    Erst fliegen Kraniche, dann Zweige

    Einmal Herbst im Schnelldurchlauf bitte. Hatten wir am Beginn des Sonntagsfrühstücks noch überlegt, es ob des wildromantischen tiefen Sonnenscheins nach draußen zu verlegen, war uns drei Stunden später zum Ende hin, doch sehr wohl, nicht im stürmischen Starkregen zu sitzen.

    Le pianiste kam und hatte schwäbische Backwaren aus Friedrichshain mitgebracht. Am Beginn: ein zauberhaftes Draußen, schon bevor Kraniche über dem Garten kreisten, die Gesprächsthemen allerdings mit starkem Drang Richtung November. Insofern passte sich das Draußen dem Drinnen an. Auch dort eher Dauerregen.

    Jemand musste Josef K. verleugnet haben

    Insofern war Kafka keine unpassende Abendgestaltung. Barrie Kosky verließ die Komische Oper und inszenierte am Berliner Ensemble K. – ein Abend, um Kafka herum, angekündigt unter anderem als Jiddisches Tingeltangel.

    Kern des Stückes war Kafkas „Der Prozess“ auf deutsch, jiddisch und hebräisch, verschachtelt mit anderen Kafka-Texten (Strafkolonie, Hungerkünstler, vor dem Gesetz), jiddischem Vaudeville von 1900 und herzerreissenden Szenen mit Dora Diamant und Franz Kafka.

    Die Stücke fielen ineinander. Wenig erklärt, es passierte. Und wenn ich so Kritiken lese (sehr schön gesammelt bei Nachtkritik, inklusive Leser*innenkommentare), liegt da der Punkt. Entweder mensch findet dieses Aufeinanderfolgen der Teilstücke in sich stimmig – dann ist es ein großer Abend, oder eben nicht. Dann bleibt es fragmentarisch unbefriedigend.

    Für mich funktionierte es: Es war halt kafkaesk – immer etwas desorientierend, eine eigentümliche typische Mischung aus archaischer Überwältigung und dem Gefühl, dass alles Gesetzmäßigkeiten folgt, die ich fast verstehe, aber doch nicht ganz. Es gibt eine Logik, und ich bin in ihr geworfen.

    Selbst die jiddischen Vaudeville-Stücke, lebensnah, witzig, swingend und energetisch gespielt und gesungen, wirkten für mich eher als Resonanzraum, als Sonne, die die Schatten des eigentlichen Kerntückes noch viel dunkler und bedrohlicher wirken ließen.

    Und dann: Alma Sadé als Dora Diamant singt jiddische Übersetzungen aus Schumanns/Heines „Dichterliebe“. Zum Heulen.

    (Mehr zum jüdischen Kafka-Aneignung des Stücks vielleicht später. Andererseits kann ich auch einfach die Jüdische Allgemeine verlinken: K. wie Kafka wie Kosky)

    Es gibt keinen Geheimgang bei IKEA

    Umzugsbedingt führt uns derzeit der ein- oder andere Weg zu IKEA und insbesondere ins IKEA-Küchenstudio. Dort lernten wir:

    • Immer wenn es etwas komplizierter wird, sagen durchgehend alle Berater*innen: „Ich muss jetzt mal die alte Software aufmachen.“
    • Wobei es generell nicht gut ist, wenn es komplizierter wird. Offenbar nehmen neue und alte Software die Damen und Herren dort so eng an die Kandarre, dass alles, was nicht den drei definierten IKEA-Basisprozessen entspricht, zu einem sofortigen „Computer sagt nein“, führt.
    • Unsere Konstellation, die nicht ganz normal, aber auch nicht wahnsinnig kompliziert ist, liegt doch außerhalb der drei definierten IKEA-Basisprozesse, was unmittelbar zu herumeiernden Mitarbeiter*innen auf allen Ebenen führt. Aber wird schon werden.

    Spannend der Abend als wir bis 20:15h beim Küchenberater saßen. Das Möbelhaus hatte schon 15 Minuten geschlossen. Die Etagenchefin wollte uns bereits herauswerfen. Der Berater durfte uns nur fertig beraten, wenn er mit heiligem Indianerehrenwort versicherte, uns danach persönlich bis zur Ladentür zu bringen.

    Interessant, durch einen leeren IKEA zu laufen. Lehrreich, dass wir auch in Begleitung eines ortskundigen Menschen mit theoretischem Zugang zu eventuellen Geheimgängen denselben Slalom durch viele Abteilungen liefen, den wir auch privat gelaufen wären. Dieser seltsame Rundparcours ist wirklich der schnellste Weg durch das Möbelhaus. Auch die Angestellten müssen dadurch.

    Zu Fuß kurz vor IKEA

    Kachelbetrachtungen

    Die neue, noch nicht bezogene Wohnung, ist badefreundlich. Und so nutzen wir sie bereits als Basislager für Ausflüge in die Schwimmhalle ins Stadtbad Wilmersdorf (I). So voll. Ein ehr sportlich ambitioniertes Publikum, deutlich diverser als ich es von meinen letzten Besuchen vor ein paar Jahren in Erinnerung hatte. Aber schön. Erstaunlicherweise gelang mir inmitten der wogenden Menschenmassen sogar Bahnenschwimmen.

    Wir werden weiter beobachten.

    Hit. It’s Me. Percy Puddletree.

    Hi, It’s Me, Wikipedia, and I Am Ready for Your Apology

    Unser Hamburg-Korrespondent Percy Puddletree live vor Ort.

    Währenddessen die Kaltmamsell beim Jüdischen Neujahrskonzert in München und Astrid auf Entdeckungtour im ehemals jüdisch geprägten Frankfurter Ostend: Spurensuche: Die Naxoshalle in Frankfurt

    Ach du Scheiße. Nachbarn!

    Erik mäandert und das liest sich sehr unterhaltsam, bei kalle kein mäandern sondern straight to the point des Kreisens: ich blogge, also bin ich.

    Das Commodore-Amiga-Betriebssystem wird weiter entwickelt: Amiga OS 3.3 in 2026

  • 25-10-25 Würden nicht tote Kraniche vom Himmel fallen, wäre es perfekt

    25-10-25 Würden nicht tote Kraniche vom Himmel fallen, wäre es perfekt

    Beim Auf- und Umräumen fiel mir eine handvoll Schwimmbadquartetts in die Hand. Jetzt muss ich nur darin erinnern, wer alles eines haben wollte, und ich habe gesagt „Nein, ich hab‘ nichts mehr.“

    Der kennzeichenlose Hinterhof-Audi wurde durch eine kennzeichenlose alte B-Klasse abgelöst. Die B-Klasse fuhr vor einigen Monaten noch knatternd im Hinterhof ein- und aus. Böse innere Gedanken in mir fragen sich, ob die Haus-Hallodris vielleicht einfach die B-Klassen-Kennzeichen an an den Audi… aber das wäre ja illegal, das würden sie sicher niemals machen.

    Die neuen Nachbarn, die angeblich 300.000€ für eine 30 Quadratmeter-Wohnung im ausgebauten Dachstuhl des Hinterhauses ausgegeben haben, haben das mit dem Papiercontainer anscheinend aufgegeben; ihre IKEA-, Baumarkt- und amazon-Kartons liegen jetzt einfach so im kleinen Beet.

    Ich las die ersten Fernuni-Seiten zum Thema Imperative Programmierung. Beruhigenderweise habe ich noch nichts erfahren, was ich nicht schon vorher wusste.

    Aus beruflichen Gründen schaute ich mehrere YaSM-Erklärt-Videos mit demselben Erklärbär – und ich vermute, dass soll nicht so sein, dass man ab dem vierten Video latente Aggressionen gegen den Erklärbär entwickelt?

    Generell würde ich aber sagen: Nachdem ich Donnerstag um 18 Uhr ins Bett ging, und dann auch weitgehend bis zum nächsten Morgen durchschlief, geht es mir deutlich besser. Auf zu mehr Action.

    Es war ein Freitag der Arbeit und ein Samstag auf den Latifundien.

    Geräucherte Schollen

    Ein kleiner Amrum-der-Film-Nachtrag. In Teilen verstand ich den Film erst mit Abstand. Beim Sehen dachte ich noch, dass die Handlung zwar stattfinden muss, damit der Film nicht statisch bleibt, aber sonst ziemlich egal ist. Erst im Nachhinein ging mir auf: die Handlung ist wichtig.

    Zentrale Figur des Films ist der kleine Junge Nanning, modelliert nach den Kindheitserinnerungen Hark Bohms, der darüber den Roman Amrum schrieb.

    Nanning versucht seinen Platz zu finden zwischen den ideologischen Bildungsbürger-Nazi-Eltern aus Hamburg und der friesisch redenden pragmatisch-konservativen Inselbevölkerung. Der zentrale Plotbogen dreht sich darum, dass Nannings Mutter nach dem gleichzeitigen Suizid Adolf Hitlers und der Geburt seiner kleinen Schwester, das Essen verweigert, es sei denn es gibt ein weißes Brot mit Butter und Honig. In den letzten Kriegstagen 1945 auf der an sich schon bitterarmen Insel Amrum natürlich ein utopischer Wunsch.

    Nanning versucht nun das Brot zu beschaffen, und bedient sich dazu des inselüblichen Tauschhandels: Er sammelt Gänse-Eier, die der Bäcker zu Kuchen verbacken kann, dafür bäckt der Bäcker das Brot. Er hilft dem Fischer bei der Robbenjagd, bekommt dafür geräucherte Schollen („Amrumer Geld“), die er gegen Zucker eintauschen kann, den er wiederum gegen Honig tauschen kann. Einzig die Butter bekommt er von seinem Nazi-Onkel Onno – dort muss er im Tausch auch eine ideologische Leistung bringen (den Schwertspruch der Pimpfe aufsagen), keinen handfesten pragmatischen Tausch.

    Er selbst findet also so seinen Weg in die Inselgemeinschaft hinein.

    Gemerkt habe ich das alles erst, als ich in der Jungle-World-Besprechung des Film den Satz fand: Im Buch bringt es ein Amrumer im Gespräch mit dem Vater auf den Punkt: Wir haben hier eine Tauschwirtschaft, wie die alten Germanen – und du hast keine Ahnung davon.

    Go West

    Ein halbes Bett wanderte zwei Kilometer von Schöneberg nach Wilmersdorf und wir probierten danach eine neue Pizzeria. Ich deutete es eventuell schon an. Unsere aktuelle Wohnung in Schöneberg ist sehr schön – aber die ganze Situation drumherum sehr besonders bis schwierig.

    Nun ist der Berliner Wohnungsmarkt wie er ist, wir hatten uns innerlich schon halb damit abgefunden, dass wir irgendwann eine von uns beiden ungeliebte Eigentumswohnung erwerben würden müssen. Denn eine Wohnung, die

    • innenstädtisch liegt
    • zumutbare Fahrzeiten in die Hafenstadt und zu den Südkreuz Offices bietet
    • und nicht das Dreifache an Miete wie unsere aktuelle Wohnung kostet

    schien komplett utopisch. Naja, manchmal muss man Glück haben. Etwas fiel mir vor die Füße, wir versuchten, hatten noch mehr Glück, und haben seit Anfang Oktober die Schlüssel einer Wohnung, die all‘ diese Anforderungen erfüllt und noch viel mehr. Es ist alles komplett absurd aber sehr schön. Noch steht die Wohnung bis auf das halbe Bett und einen Klapptisch mit zwei Klappstühlen leer. Aber es wird.

    Stadtbild Schöneberg

    Ein Schmetterling fliegt noch

    Wir leben also privat gerade ein schönes Leben und genießen jede Minute, die wir davon haben – während die weitere Welt von einer Katastrophe in die nächste stürzt.

    Auffallend auf den Latifundien: Wo die tiefe Herbstsonne das Purpurpink der Astern, die braunroten Samenstände verschiedener Pflanzen, die bernsteinfarbene Sonnenblumenreste und hellgrünes Gras ins beste Licht setzt. Einzelne Schmetterlinge und Insekten fliegen noch. Es riecht nach Natur, die Arbeit mit Rasenmäher und Freischneider Wiesenreste abzumähen, dabei vollkommen neue Sichtachsen zu schaffen, ist befriedigend.

    Aber der Gedanke ist nah: Die Kraniche, die gerade zu hunderten (tausenden?) an der Geflügelpest sterben, sind die Kraniche, die sonst bei uns über den Garten fliegen. Die gekeulte Gänseherde aus dem Fernsehen, gehört zu „unserem“ Spargelhof, wir haben die Gänse oft genug über die Felder laufen sehen. Auch Wildgänse und -enten, die hier immer wieder vorbeifliegen sind Opfer. Vögel, die tot vom Himmel fallen – mehr Peak Dystopie geht kaum.

    Währenddessen sitze ich ein Buch lesend am Eichhörnchenofen mit dem lodernden Feuer, wir hören eine schöne CD, haben von der Feinbäckerei Otto Forduhn aus Groß-Ziethen Puddingschnecken mitgebracht, durchs Fenster sehe ich drei Elstern auf dem Apfelbaum.

    Es gibt nur cool und uncool und den Wikipedia-Treff

    Ich finde es so so super, dass Herr Rau und der Münchner Wikipediatreff zusammenfanden. Und diese Geschichte kommt mir bekannt vor:

    Beim ersten Mal habe ich Fragen gestellt, beim zweiten Mal geplaudert, beim dritten Mal hatte ich mir Literatur mitgebracht, um an ein paar Seiten zu arbeiten.

    Alphathiel fordert von Blogger*innen: Zeigt euch da draußen .. danke (ich überlas es im eigenen Feed-Reader, wurde aber von onli blogging dorthin gestupst)

    Ich glaube die italienische Haltung ist dazu „Wir haben schon fermentierte Amselzungen mit Besteck aus orientalischem Zedernholz und Damaszener Stahl gegessen, als ihr Deutschen noch in Fellen bekleidet in feuchten Erdhöhlen gehaust habt“: Der Dottore und das Vorurteil

    Frei nach Tocotronic: Es gibt nur cool und uncool und welche KI mensch nutzt: Jemand sein, der Claude nutzt (via Thomas )

    Aber wo ich das Thema Dystopie gerade schon anspreche. Rage aus den USA über die USA: Notes from the Circus: Elon Musk Discovers What Hierarchy Actually Means, tiefer aber nicht weniger wütend Rebecca Solnit: This Wreckage Courtesy of the Enshittification Administration: Notes On Late-State Trumpism

  • 25-10-23 Öömrang in Dahlem

    25-10-23 Öömrang in Dahlem

    Die wilden Tauben machen Randale. Sie wurden einmal wieder aus der Dachbodenbaustelle geworfen, und versuchen fast mit Gewalt zurückzukommen. Dazu haben sie sich vor allem unsere Fenster auserkoren. Sie sind kurz davor, mit Anlauf dagegen zu fliegen. Es gilt auf jeden Fall: „Augen auf und Zimmertür zu beim Lüften, sonst haben wir drei Taubenpaare, die zu Fuß unsere Wohnung erkunden.“

    Madame ist kurz davor, in der Thomas-Dehler-Bibliothek ein „Stammkundin“-T-Shirt zu bekommen und gleich Kaffee angeboten zu kriegen sobald sie die Tür durchschreitet. Jetzt lieh sie sogar ein zweites Buch (Marcie R. Rendon) und eine DVD (Elizabeth George).

    Von der Gemüslichkeit brachte Madame, Schwarzkohl (Schwarzkohl!! Bester Kohl!!!), Brie und Hartkäse einer Prignitzer Schafherde mit, und auch das scheint mir wiederholenswert.

    Unterwegs aß ich einen Jackfruit-Burger (die erste Jackfruit meines Lebens) und würde sagen: War gut, aber nichts wofür ich Umwege fahren würde.

    Ich bekam eine private Mail mit Schilderung eines IT-Problems. Halb hatte ich sie schon an das Ticketsystem weitergeleitet, bevor mir auffiel, dass ich privat gar kein Ticketsystem betreibe.

    Es waren drei Tage der Arbeit.

    Die Kompetenzvermutung der TL VM gegenüber IKEA-Mitarbeiter*innen befindet sich in einem stetigen Sinkflug.

    Beim Vorbeilaufen aufgeschappte Satzfetzen „Wenn eine Bierdose im Schaltschrank umgefallen ist, dann wird das keiner zugeben.“ Das kann ich sicher als geflügeltes Wort übernehmen, muss nur noch ein Einsatzgebiet finden.

    Ich hätte fast einen Blog in meinen Feedreader gepackt, habe dann aber beschlossen, dass ich Schreibende, die ihre Posts regelmäßig vom Halluzinator bebildern lassen, leider nicht ernst nehmen kann.

    Schoki + Butter + Ei = Begeisterung

    MMB, der gerade neben mir sitzt, beschwerte sich: „Alle fünf Minuten rufen Menschen bei southpark an. Das wäre ja noch erträglich. Wenn er nicht immer 4:45 min mit ihnen reden würde.“ Die Arbeit verlagert sich gerade von Projekt 1 auf Projekt 2, aber es wird nicht weniger. Immerhin ist No. 2 inhaltlich spannender, ab Montag ist auch der Lankwitzer Lackmeister wieder anwesend, dann wird alles besser.

    Immerhin hat der Ansturm am Dienstag eine kurze Pause eingeleckt. Das war sehr freundlich, denn Dienstag war Sachertortentag.

    Voll dem Nerdgeist des Teams habe ich mich verschrieben beim Thema Geburts- und Jahrestage, bei denen ich eine große Neigung habe, sie zu vergessen oder nicht weiter ernst zu nehmen. Ein dementsprechend schlechter Geburtstagsgratulant bin ich – und dementsprechend war meine Motivation zum Geburtstagstorte backen auch wenig glückwunschwunschgetrieben sondern eher ein schlichtes „ich habe Lust zu backen und das ist ein schöner Anlass“.

    Naja, trotz meiner eigenen Glückwunschsaumseligkeit wurde ich wirklich exorbitant von Gratulant*innen (mehr *innen ehrlich gesagt) bepuschelt und war das doch ganz erfreulich. Zumal die Torte richtig gut war, mit Sicherheit meinen eigenen Bepuschelungsfaktor für nächstes Jahr nochmal gesteigert hat.

    Eine Villa mit Rüschenvorhang

    Das Capitol Dahlem ist eines der spannenderen Kinos Berlins. Es befindet sich in einer 1920er-Jahre-Villa im beschaulichen Grünen im Berliner Nobel-Außenbezirk mit Universitätsanbindung. Im Jahr 1941 übernahm der Präsident der Nazi-„Reichsfilmkammer“ Carl Fröhlich die Villa und ließ sich dort seinen privaten Filmsaal einbauen.

    Nach dem Krieg kam Gerhard Klein an das Kino – Klein, einst Kinderschauspieler, der im Berliner Ensemble in Kästners Emil und die Detektive mitspielte, dann im Max-Ophüls-Film Lebertran, wurden von ebenjenen Nazis des Carl Fröhlich nach Polen deportiert. Kleins Eltern starben im Konzentrationslager, er selbst konnte nach Palästina fliehen.

    Nach dem Krieg kam er zurück nach Berlin, und in ebenjener Zentrale des Grauens, eröffnete er ein Programmkino mit legendärem Programm, das er bis in die 1980er hinein betrieb.

    Mittlerweile gehört das Gebäude der FU Berlin, wird betrieben von den Yorck Kinos, die zum Beispiel auch das Odeon in unserer Nachbarschaft betreiben. Leider, und das war dann der endgültige Stupser, endlich mal in die U3 zu steigen und nach Dahlem zu fahren: Die Freie Universität bekommt Etatkürzungen, und überlegt die Villa samt Kino zu verkaufen. Was vermutlich das Ende des Kinos bedeuten würde.

    Mehr zum Kino im studentischen Campusmagazin der FU: Once Upon a Time in … Dahlem

    Die Kaninchen waren künstlich

    Es lief Amrum. Ein Film von Fatih Akin/ Hark Bohm, der auf Bohms Kindheitserinnerungen auf Amrum fußt. Im Wesentlichen erzählt er die Tage Ende April/ Anfang Mai 1945 als Hitler Suizid beging, der Zweite Weltkrieg endete und Nanning (Bohms Alter Ego im Film) eine kleine Schwester geboren wird.

    In diesem Bezug auf eine Realgeschichte liegt Stärke und Schwäche des Films.

    Seine Stärke: Es kommen Themen zusammen, die vermutlich niemand fiktional gemischt hätte: Nazis, Amrumer Natur, Familiendrama, Coming-of-Age, Jagd, Friesische Inseltraditionen, Friesisch, Hunger, die Trennung zwischen Inselbewohnern, Festländern und Flüchtlingen.

    Seine Schwäche: So viele Themen. Manchen Themen wird der Film eher gerecht, anderen nicht so.

    So mittelgut behandlet wird das Thema Nazis. Er widmet sich dem Thema solide und angemessen, aber im Vergleich zu anderen Filmen des Themas fällt Amrum weder in guter noch in schlechter Hinsicht auf.

    Ich fange mit dem an, womit ich im Film haderte: Den Naturaufnahmen. Ich habe nicht auf Amrum gelebt, aber an der DIthmarscher Nordseeküste. Ich war viel draußen, ich weiß wie diese Art der Landschaft bei Sonne und Regen, Nebel und Matsch, am Meer, im Hinterland und im Watt aussieht und wie sie sich anfühlt. Und immer wenn ruhige athmosphärische Naturszenen im Film vorkamen dachte ich nicht an Nordsee, sondern an die Motivauswahl in einer mittelguten NDR-Doku „Unsere Küste“. Das war alles so vorhersehbar, die Motive so offensichtlich und irgendwie auch wenig sinnlich. Das war Küste zum Anschauen, nicht zum Fühlen. Inmitten eines sonst überzeugendes Filmes störend.

    Deutlich besser war es, wenn Charakter in der Natur waren. Nanning sammelt Nachts unter dem Sternenhimmel Treibholz. Die beiden Jungs laufen durch die Hundsrosen. Sie jagen Kaninchen und Robben, Nanning kämpft sich bei auflaufendem Wasser durch den Priel. Das fühlte sich überzeugend an, und damit sind wir bei der großen Stärke: den Schauspielern. Durchgehend ein intensiver Cast, der die Intensivität dieser letzten Kriegs- und ersten Friedenstage überzeugend verkörperte.

    Überhaupt die Menschen: Die aus Hamburg geflohenen Nazi-Bildungsbürger aus Nannings Familie, die Einheimischen mit ihrem Misstrauen gegenüber den Festländern; die Diskussion, ob jemand, der neun Generationen Vorfahren aus Amrum hat, aber selbst nur schlecht Öömrang redet, überhaupt Amrumer ist. In der den Film durchziehenden Diskussion „Wer ist wir?“ liegt fast die größte Stärke des Films.

    Die größte Stärke für mich: Sie reden Öömrang, die Amrumer Version des Nordfriesischen. Großartige Schauspieler*innen reden auf großer Leinwand lange Dialoge auf Nordfriesisch. Offiziell auf „Deutsch, Friesisch“, wird schon nach den ersten Worten klar, dass Öömrang kein Dialekt sondern eine eigene Sprache ist. Inselleute reden Friesisch, Hamburger hochdeutsch und im Dialog zwischen den Gruppen geht es mal so und mal so. Die Schauspieler*innen, die alles hochdeutsch-Muttersprachler*innen sind, bringen das mal so und mal so rüber. Aber gerade Diane Kruger (= Bäurin Tessa Bendixen) und Detlev Buck (= Fischer Sam Gangsters) würde ich sofort die friesisch-Muttersprachlerin abnehmen.

    Fermentieren haselieren

    Weil ich den Capitol-Dahlen-Artikel im Campusmagazin überraschend gut geschrieben fand für eine Studierendenpostille, war ich neugierig, was aus der Autorin seitdem wurde; durchaus spannend.

    Ein gutes Interview mit Akin zum Film und dessen Hintergründen: Fatih Akin über sein NS-Drama „Amrum“: „Wir alle haben mit dieser Zeit zu tun“

    Gerne hadere ich mit Heim-Software-Basteleien, weil ich denke, das ist großer Aufwand für ein komplett bedeutungsloses Ergebnis. Hier dachte ich, das möchte ich auch machen: „Designing Software for Things that Rot“

    Eine extrem hohe Kompetenzvermutung habe ich wenn Frau Pane-Bistecca asiatisch kocht. Ihr Nasi Goreng sollte ich nachmachen, allein um zu wissen, wie ein echtes Nasi Goreng schmecken könnte.

    Frankfurt Osten – beste Stadtgegend: Industriekultur im Frankfurter Osten: Eine fotosoziologische Spurensuche

    Herr Rau fand ein Spiel, bei dem es darum geht, den Halluzinator beim Haselieren zu schlagen: Links: Python, Scratch, KI

    Wenn einem Kolleginnen Fehlermeldungsbildschirme beschreiben, erinnert mich das mitunter frappant an die Fernsehsendung „Dingdsa“.

  • 25-10-21 Geschmolzene Schokolade, gekochte Cosmeen

    25-10-21 Geschmolzene Schokolade, gekochte Cosmeen

    Das Katzenstreuwrack parkte um. Es steht jetzt nicht mehr direkt unter dem Halteverbotsschild im Hinterhof. Das Wrack trägt jetzt ein Schild mit Sperrmüll-Hinweis. Der desolate Audi verschwand ganz. Die IKEA-Karton-Belagerung des Papiercontainers dauert weiter an.

    In einer anderen Angelegenheit besiegte TL VM erfolgreich IKEA.

    Bei Gemüslis steht das große Kimchi-Making an. Dort in der Prignitz spüren sie die Jahreszeiten noch mehr als hier: Es friert wie Bolle, der Herbst blinkt gülden, die Pilze ploppen seit Wochen aus dem Boden und wir stehen mittendrin. Im Hintergrund rauscht konstant der Dörrofen, die Pferde schmeißen sich in ihr Winterkleid. Nachts klirrt die Luft beinahe und es dunkelt so früh, dass unser Schlaf regelmäßig um einige Stunden bereichert wird.

    Dunkel und kalt war es auch in den märkischen Hamptons. Aber wir konnten Radio hören. Im Deutschlandfunk-Gottesdienst lief der Wolf-Biermann-Klassiker Ermutigung:

    Du, lass dich nicht erschrecken
    In dieser Schreckenszeit
    Das woll’n sie doch bezwecken
    Dass wir die Waffen strecken
    Schon vor dem großen Streit

    Sofort muss ich an die No-Kings-Demos in den USA denken.

    Später dann ein Interview mit Julia Klöckner. Während ich gerade denke „Mein Gott, ist die doof“, erwähnt der Moderator „Sie sind Person Nr. 2 im Staat nach dem Bundespräsidenten“.

    Es war ein latifundaler Sonntag und ein arbeitsreicher Montag.

    Arbeit: Spontan sagten wir ein geplantes Zweistundenmeeting ab und wussten danach immer noch nicht wo uns der Kopf steht. Immerhin ist Großprojekt 1 langsam in dem Stadium in dem wir Reste zusammenkehren und die letzten Säumigen aufspüren, Großprojekt 2 feierte Richtfest.

    Es begann mit meiner Frage „Was machen wir eigentlich, wenn.. ?“ Dann folgten zehn Monate der Überlegungen, Konzeptionierungen, Diskussionen, Pretest, Tests, internen Verwerfungen, Tests warum die Tests nicht klappten, Gremienslalom, Produktivtests, Betreuung der Produktivtester*innen, Videoclipproduktion und Montag um 17:30h drückte die karibische Schweizerin auf den Startknopf. Darauf ein Mineralwasser mit extra viel Sprudel.

    Endlich wieder frieren

    Ich nahm meine Jahreslektüre wieder auf, Aleks Scholz Badetagebuch, in dem er seine Badeausflüge in die schottische Nordsee schildert. Der Oktober war wildbewegt, emotional, im Wasser und in der Luft. Das Geheimnis im bewegten Meer ist es, keinen festen Punkt anzusteuern sondern eine bestimmte Richtung zu verfolgen. Der Oktober lässt sich in zwei Sätzen charakterisieren. „Der Zweitbeste Monat zum Schwimmen“ und „Endlich wieder frieren.“

    Gefroren haben wir auch, ganz ohne Wasser. Es reichte, über Nacht nicht zu heizen und am Morgen den Reifüberzug über dem Garten zu sehen. Das bibbernde Aufstehen war belohnt durch einen traumhaften Anblick aus der Terrassentür.

    (Etwas weiter nördlich campte die karibische Schweizerin an der Ostsee. On the bad side: Nicht wieder. On the good side, sie weiß dies noch nicht zu würdigen, wer ohne Heizung bei Minus 2 Grad schläft, hat für Jahrzehnte etwas zum Erzählen.)

    Die Cosmeen waren über Nacht vom Frost gekocht worden. Alle anderen Pflanzen hatten die Temperaturen tadellos überstanden. Die Astern schwelgen in Farben, die eine Hälfte der Rosen schwelgt in Hagebutten, die anderen bringt immer noch Knospen hervor. Ein einsames Tagpfauenauge zog den Tag über den Kreise niedrig über dem Garten.

    Höher zogen Kraniche, Gänse und Enten.

    Groß-O, klein-o und Omega

    Da die Woche zu voll war und es draußen ja kalt war, und wir den Ofen zum Brennen gebracht hatten, gab es viele gute Gründe den Bungalow nicht zu verlassen.

    Außerdem hatte ich so einen guten Grund, mich weiter in die Datenstrukturen und Algorithmen zu vertiefen. Eine zweite Runde Big-O, klein-o, Omega und andere Komplexitätsverfahren. Groß-O gibt an wie lange ein spezifischer Algorithmus im schlechtesten Fall braucht (größergleich), klein-o ist fast dasselbe, aber nur größer, kein größergleich. Omega gibt an, wieviel Zeit ein bestimmtes Problem mindestens zu seiner Lösung benötigt (kleinergleich). Ziel ist es natürlich, dass die Zeit die ein spezischer Algorithmus braucht, nicht größer ist als die Mindestzeit, die zur abstrakten Problemlösung erforderlich ist. Dann ist der Algorithmus optimal.

    Die ersten Anwendern folgten, Vieles zu Zeigern und Werten unter besonderem Bezuf auf Java.

    Bei den ganzen Os musste ich mal wieder nur Formeln aufschreiben, ein bißchen daran rummalen, und plötzlich machte es Pling! So war das also gemeint. Für das (Informatik-)leben gelernt. Das trug zu meiner Modulentspannung bei. Auch zu meiner Entspannung bei trug die Sichtung der weiteren Modulteile.

    Nach dem wirklichen steilen Lernanstieg des Kursteil 1 scheint die Lernkurve danach abzuflachen. Nachdem Teil 1 quasi einen Crashkurs in Formalen und Methodik bringt, geht es in den weiteren Teilen vor allem darum, diese in verschiedenen Szenarien anzuwenden. Das ist weiterhin nicht ohne – aber natürlich versteht sich eine Methodik besser wenn man diese in verschiedenen Varianten anwendet als wenn mensch andauernd neue Methodik lernt.

    Nach dem Os und den Zeigen folgen jetzt Listen und ihre Sonderformen namens Stack und Queue.

    Ja, Zucker auch

    Manchmal ist unser Team gar nicht nerdig, manchmal schon. Bei der kompletten Ignorierung von Geburts- und Jahrestagen beispielsweise. Über Jahre wurden diese komplett ignoriert – jetzt stehen sie immerhin im Kalender und das Geburtstagskind kann mit Glück hoffen, vom halben Team einen halben Glückwunsch einzusammeln. Feiern können wir.

    Mir offenbart dies aber die Möglichkeit: Wenn ich Kuchen machen will, kann ich, wenn ich nicht, kann ich das Thema auch ignorieren. Und im Zweifel kann ich mich mit dem Kuchen auch drei Wochen verspäten und es wird immer noch ein Event.

    Ich hatte Lust. Zumal es um Sachertorte ging, bei der das Rezept im Wesentlichen daraus besteht, Schokolade zu schmelzen und dann Butter in der warmen Schokolade aufzulösen. Das ist ästhetisch ebenso erfreulich wie im Nachhinein schmackhaft.

    Ich löste also Schokoladenbutter auf, schlug Eiweiß und -Gelb, buk, löste mehr Schokoladenbutter auf und verstrich.

    Warum machen wir das nicht öfter?

    Guns und Embroidery

    The fuq: Ohio man charged after brandishing gun at New York City Wikipedia conference

    Der Zenbrowser ignoriert ein Usabilitygesetz und ist deswegen (für einige) unbenutzbar

    Meine Rede seit 1988 als ich anfing über meinen Privatfernsehkonsum zu reflektieren – nur kurz unterbrochen von den frühen Jahren des Internets, das aus technischen Gründen textlastig war: Da aber immer weniger vorgelesen und gelesen und immer mehr gescrollt und gewischt wird, steuern wir schnurgerade auf ein Zeitalter des Illiteratismus zu, in dem Lesekompetenzen so gering sind, dass zwar wenige kurze Sätze gelesen werden können, , längere Texte aber nicht mehr: 1000 Worte sagen mehr als ein Bild

    Herr Mess schimpft über ein Office-Update und – gerade angesichts der erwähnten Großprojekte oben – denke ich natürlich sofort „wie hättest Du das gemacht?“ – Antwort: Auf jeden Fall in Wellen, niemals alle gleichzeitig.

    Durch’s Kinoprogramm gescrollt, was mit Jane Austen gelesen, beschlossen, dass ich mir das bei Gelegenheit näher anschauen muss. Und schon kam die Gelegenheit ganz von selbst in den RSS-Reader: Jane Austen und das Chaos in meinem Leben

    Messy Nessy im Stick-Kosmos: 13 Things I Found on the Internet Today fast nur zum Thema Embroidery.

  • 25-10-18 Aus dem Schattiernetz fiel ein Ei

    25-10-18 Aus dem Schattiernetz fiel ein Ei

    Gemach! Alle Entspannen!

    In einer Liste aus der Mode gekommener Worte stieß ich auf den Imperativ Gemach! (im Sinne von gemächlich) und beschloss, diesen auch öfter zu verwenden.

    Ein Motto, dass diese Woche gebraucht hätte. Auch der Freitag fühlte sich so gar nicht an wie ein Freitag, sondern hatte starke Montagsvibes. Aber es ist vorbei, jetzt sitze ich neben dem Kamin, höre Monika Roscher, und wenn es nicht stockdunkel wäre, würde ich Garten, Feld und Himmel sehen.

    Es war ein Tag des mobilen Arbeitens und ein Indian-Summer-Tag auf den Latifundien.

    Madame bekochte mich. Unter anderem mit dem gemüslichen Brokkoli. Der kam den Möhren von letzter Woche nach: Optisch gar nicht mal so ansprechend. Aber im Geschmack eine Brokkoligkeit? Wie sagt man, wie pflanzengewordenes Brokkoli-Konzentrat. Wie intensiv dieser Kohl schmecken kann. Meine Güte! Wie Großartig.

    Ganz anders aber auch wiederholenswert Gemüsli-Fenchel-mit-Crowdfarming-Mango-Salat.

    Die Schöneberger Dachbaustelle arbeitet sich von rumpelnden Ukrainern hin zu einem schlecht gelaunten original Berliner Dachdecker vor. MMB arbeitet an seinem ersten IT-erklär-Video.

    In Wilmersdorf existiert die Hui-Buh-Bibliothek. Offiziell ist es die Eberhard-Alexander-Burgh-Bibliothek. Aber da dessen Ruhm vor allem auf der Erschaffung von Hui Buh, dem Schlosssgespenst, beruht, ist es für mich die Hui-Buh-Bibliothek.

    Mich passierte ein Mann mit Union Jack auf der Jacke und darüber eine Aufschrift „geographical norway“. Sofort versuche ich, eine ungefähre Rahmenhandlung für einen Alternative-Geschichte-Roman zu entwerfen, in dem diese Flaggen/Landes-Kombination nicht nur Sinn ergibt, sondern auch relevant ist.

    Danach zum Edeka No. 1

    Ich bin ein braver Kollege. Wenn eine Lieblingsbadleiterin sagt, ich soll in ihr Bad kommen und schwimmen gehen, dann kann ich mich kurzfristig haselantisch herausreden. Aber natürlich gehe ich schwimmen.

    Am Freitag loggte ich mich aus dem Rechner aus und stieg ab in den 187er nach Lankwitz. Ich schwamm ein paar Bahnen, betrieb ein paar Bahnen improvisiertes Wassertreten hinter unpassierbarem Treibholz, winkte an den Beckenrand, und beendete die Beckenzeit unter dem künstlichen Wasserfall..

    In Lankwitz ist Action!

    Bereits vorher hatte ich mir die Mio-Mate-Einladung ins BBL-Büro besorgt – wo ich erst ausgefragt wurde „Wie viele Bahnen? Welche Zeit?“ und dann genötigt werden sollte, mich zu einem Besuch pro Woche zu verpflichten.

    Grün zu Gelb zu weg

    Ist es das Gartenwochenende der Gartenwochenenden? Die Sonne lockte noch einmal Hummel, Schwebfliegen und Tagpfauenaugen hervor. Untermalt vom Dauerttröten der Kraniche und Gänse, die mal zu hören sind, mal zu sehen, mal als Einzelvogel, mal als Trupp. Gelegentlich fliegt ein Schwarm Stare vorbei – so niedrig, dass ich vermeine, meinen Arm nach ihnen ausstrecken zu können.

    Der reichliche Regen des Jahres brachte nur nicht ungewohntes Grün im Sommer, sondern jetzt auch eine Farbexplosion von Grün (Apfelbäume), zu gelb (Pfirsich) zu rot – leuchtend in der Sonne.

    Nur mühsam rafften wir uns auf, den Garten langsam auf den Winter vorzubereiten. Ich begann das Schlußmähen (Fortsetzung nächste Woche), Madame montierte das Schattiernetz von der Pergola ab. Dabei fiel ihr ein zerbrochenes Ei in die Hände – Hühnereigröße. Wir können ausschließen, dass da oben ein Huhn brütete. Aber wie sonst kam das Ei dorthin?

    Land der Haseln

    Ich befragte den Halluzinator zum Wort Haselant – vielleicht fände er noch ein paar schöne Literaturstellen oder hätte Anekdoten zum Wort.

    Der Halluzinator allerdings machte, was er am besten kann: Halluzinieren. Erst erzählte er, Haselant sei das Land der Haseln. Konnte natürlich auf Nachfrage keine Fundstellen liefern.

    Dann schubste ich in die richtige Richtung: „Denke an Narr oder Scharlatan.“ Damit verortete er den Haselanten im 16. Jahrhundert – wieder ohne einen Beleg angeben zu können.

    Erst als ich ihn mit Nachdruck auf das 19. Jahrhundert hinweis, fand er Textstellen bei E.T.A. Hoffmann, Theodor Storm oder Theodor Fontane und fand auch eine Bedeutung „Mensch, der viel und schön redet, aber ohne Sachkenntnis/ Mensch ohne Charakter“. Da fiel es mir auf:

    Der wahre Haselant ist der Halluzinator selber.

    Back to the 80s

    Angesichts von Madames Bibliotheksausflügen, diskutierten wir Zeiten, in denen in Bibliotheksbüchern noch echte Stempelkarten waren, in denen jeweils der Rückgabetermin eingestemptelt wurde. Wir haben fanden es immer sehr spannend zu sehen, wie oft oder selten ein Buch ausgeliehen wurde und wie lange die Zeiträume des Nicht-Verleihens waren.

    Madame fiel auf, dass ein Buch ja nicht nur in der Bibliothek lebt, sondern quasi eine Reise durch Privathaushalte erlebt, schon auf den verschiedensten Tischen, Ablagen und Sofas gelegen hat. Sofort hatte ich eine vage Romanhandlung im Kopf, ein Episodenroman, zusammengehalten durch ein Buch, das durch Berliner Haushalte wandert.

    Die Stempelkarten-Erinnerung passte in die 80/90er-Thematik der Woche. Madame liest aktuell ausgeliehen den Inspektor-Linley-Roman, der ungefähr 1988 spielt. Nicht nur, dass andauernd geraucht wird, und ebenso oft Sherry, Brandy, oder Whisky, getrunken, auch taucht als neuste Errungenschaft der Computer Room bei Scotland Yard auf, in dem man auf eine Datenbank zugreifen kann, in die alle Außenstellen(!) Daten einpflegen können.

    Dazu passend, bei Klassik Pop et cetera Moses Pelham mit Musik seiner Kindheit und Jungend, die zeitlich stark mit meiner Kindheit und Jugend überlappte – und ich könnte ihm stundenlang zuhören, wie er darüber redet. Offensichtlich ist er mit jeder Faser seiner selbst Musikfan, schafft es über Musik (in toller Stimme auch noch!) einerseits reflektiert zu reden, aber gleichzeitig mit der Begeisterung eines hingerissenen Liebhabers. Großes Kino.

    Darauf Metall auf Metall.

    Etwas Täubchen, etwas Franzbrot

    Herr Buddenbohm empfiehlt die Grabowsche Kur Etwas Täubchen, etwas Franzbrot und gerne möchte ich sie dem Motto Gemach! unterstellen.

    Alternativ: Mit dem Zug von Zürich zum Schneehuenerstock und wieder zurück: Auszeit auf 2650m Höhe.

    Wer Knarf Rellöm zitiert, gehört zu den Guten: Trotzdem!

    Junior Thiel kauft mit Papa sein erstes Auto. Eine Geschichte in sehr vielen Akten: Von Der Junior wird im September volljährig sein bis zum aktuellen Zwischenstand in Folge 12(?): der Carport liegt voller Motorteile und Werkzeug,

    Auch meine Mutter war vierzig Jahre lang Rettungswagenfahrerin und kann all die Berg- und Talstraßen fast mit verbundenen Augen bei Tempo 100 befahren. Sie hatte natürlich eine Meinung über den Fahrstil meines Vaters und mein Vater hatte eine Meinung über den Fahrstil meiner Mutter. Zusammengefasst würde ich sagen: war kein gutes Thema.

  • 25-10-16 Eine Woche voller Donnerstage (drei M zurück, ein Y vor)

    25-10-16 Eine Woche voller Donnerstage (drei M zurück, ein Y vor)

    Seit gestern kann mensch DB-Zugtickets für die Weihnachtstage buchen.

    An der Bushaltestelle wurde es duftig. Neben mir standen zwei 12(?)-jährige, die mit großem Genuss Erdbeere E-rauchten.

    Vorbei fuhr ein Umzugs-LKW von Pax-Umzüge. Ich hatte sofort IKEA-Assoziationen und fragte mich, ob es auch Billy-, Ivar- und Kallax-Umzüge gibt.

    O2 möchte vehement, dass ich meine E-Mail-Adresse bestätige. Leider muss ich dazu auf einen Link in der E-Mail clicken und danach mein Passwort eingeben.

    Wenn ich allerdings etwas wirklich, wirklich meinen Anwendern und Anwenderinnen beibringen will, dann ist es, niemals auf einen Link in einer Mail zu clicken und danach ein Passwort einzugeben.

    Ein Bankomat informiert mich auf deutsch/russisch/polnisch, dass er gegen Diebstahl gesichert ist und auf deutsch/englisch/spanisch, dass ich meine Karte einführen soll, um Geld abzuheben.

    *Seufz*

    Die Tauben randalieren als wären Frühjahr und Weihnachten zusammen.

    Es waren drei Tage des Arbeitens.

    Viele Menschen haben ja ein imaginäres kleines Teufelchen und Engelchen auf der Schulter, bei denen ihr Engelchen zum Beispiel sagt „Geh mal wieder schwimmen.“ Mein Engelchen ist höchst real, die Badleiterin aus Lankwitz, die mir zu Recht vorwirft, zu lange nicht in ihrem Bad gewesen zu sein, mich fast am Kragen aus der Verwaltung mitschleppt und gleich mit nach Lankwitz nehmen möchte.

    Rechter Haselant der ich bin, konnte ich mich natürlich rausreden („keine Badehose bei der Arbeit.. komme morgen“), aber an sich hat die Gute Recht.

    Im CD-Player läuft weiterhin auf Heavy Rotation Monika Roscher und ihre Big Band. Auf dem Kopfhörer entdeckte ich ascendant vierge (laut Halluzinator auf Sängerin und DJ bezogen: „Zwei Regler auf Anschlag“: Seuls rasante, hart-tanzbare Produktionen treffen auf Fernandez’ barocke, oft opernhafte Stimme“) – entspricht zum Glück wieder meinen langsam steigenden Energielevelk.

    Lost in the supermarket

    Letztens nahm ich an einer Umfrage zum Thema „Smart Shopping Carts“ teil. Ich sollte beurteilen, wie ich es fände, wenn ich einen Einkaufswagen mit Display hätte, der mir zwischendurch personalisierte Angebote oder andere lustige Anzeigen schaltet. Leider durfte ich keine Minuspunkte für die Ideen vergeben.

    Aber es gäbe eine Anwendung, bei der ich sofort überzeugt wäre: wenn ich oben einfach „getrocknete Tomaten“ eingäbe und der Wagen mich dann durch den Supermarkt gleich zum richtigen Regalplatz lotst.

    Daran denkt natürlich niemand.

    Während ich also auf der Suche nach getrockneten Tomaten und Buchweizenmehl durch die Gänge irrte, passierte mich eine zweifelnde Frau, sich selber fragend: „Wo sind nur de scheene Nudeln hin?“, etwas später dann eine andere Frau um Sturmschritt, fast in ihr Telefon brüllend „Spürst Du Dich überhaupt noch?!?“. Episodenfilme in the making.

    Thomas Dehler stellt keine Ausweise aus

    Madame holte Gemüsli. Diese Woche gab es weder Möhren noch Kartoffeln, dafür Fenchel und Kürbis.

    Madame besuchte eine Bibliothek. Denn dort gab es den fehlenden Band der Inspektor-Linley-Reihe. Sie ist zwar schon länger Mitglied der Berliner Stadtbibliothek – aber bisher rein virtuell. Für die Ausleihe eines physischen Buchs allerdings ist ein physischer Ausweis erforderlich.

    Sie bestellte das Buch in die Thomas-Dehler-Bibliothek direkt neben dem Gemüslischrank. Denn diese Bibliothek liegt praktisch, ist außerdem niedlich und sympathisch. Aber dort gibt es keine Ausweise!

    Die Bibliothek wird allein von Ehrenamtlichen betrieben und diese dürfen keine verantwortungsvollen Verwaltungsangelegenheiten ausüben anscheinend. Ausweise gibt es nur in der Zentrale in der Theodor-Heuss-Bibliothek.

    Also hin und zurück, erst zum Ausweis dann zum Buch. Die ehrenamtlichen Biblithekar*innen bei Thomas Dehler gaben sich große Mühe umfangreich die digitale Ausleihbenachritigung zu interpretieren – während neben ihnen das Bestellregal mit genau sieben bestellten Büchern stand. Am Ende fanden sie das richtige Buch unter den Sieben.

    Quarter 3, Year 2026

    Wochentage sind schwierig diese Woche. Denn bereits Dienstag schrieb ich „es waren drei Tage des Arbeitens“. Erst im nachhinein fiel mir auf, dass Montag plus Dienstag bestenfalls zwei Tage waren. Allerdinsg fühlte sich der Dienstag bereits an, als wäre es Donnerstag – so voll waren die Tage. Und Mittwoch fühlte sich auch an als wäre Donnerstag. Der Donnerstag dann auch. Vielleicht ist morgen ja auch gefühlter Freitag? Ich hoffe.

    Insgesamt kommt meine Zeit- und Raumorientierung im Erwerbsleben vorwärts. Ich bin immer noch im WIldwasser diverser kulminierender Projekte gefangen. Aber ich bin wieder oben auf dem Suftbrett, habe Balance, das Segel ist gerichtet, ich sehe den Horizont und der Motor läuft.1

    Nichtraucherpause im Innenhof. Vorsichtshalber ohne Ausgänge.

    Bei der Orientierung half ein halbtägiges Meeting, dass im Titel mit Q3 begann und neben Einsichten zum Quartal 3 auch sonst aufschlussreich war. Inspiriert begann ich dann heute mal mit einer halb persönlichen Liste „SMARTes und nicht-so-smartes für 2026″. Auch wenn Planungen und Prognosen natürlich eine Spielwiese der Haselanten sind, bemühte ich mich um ernsthafte Überlegungen.

    Die ambitioniertesten Ideen stehen auf dem Blatt „nicht so smartes“, das unsmarteste, unrealistischste, aber erstrebenswerteste Ziel ist „Auf dem Teamtag wird getanzt.“

    Fukushima ist nicht nur ein Atomkraftwerk

    Ich mag in unseren fünften Klassen immer diese Faszination, mit der die Kiddies immer an die lateinische Sprache herangehen. Wo viele andere Elfjährige mit Englisch beginnen, fühlen sich die unsrigen immer wie ein geheimer Kreis von Eingeschworenen, die Zugang zu geheimen Informationen bekommen, die in dem Alter sonst niemand hat.

    Blogkommunikation, ich weiß nicht, ob Zufall oder nicht, wie ich sie liebe. Erst schreibt Herr Buddenbohm Beobachtungen zum Lübecker Bahnhof aus Sicht des Gelegenheitsgastes, dann das Couchblog über denselben Bahnhof aus Pendlersicht: Bahnhofsgedanken

    Unsere Büronachbarn schafften es in die Entwicklungsstadt Berlin: Holz trifft Hightech: Die Vattenfall-Zentrale am Berliner Südkreuz setzt Maßstäbe

    Orange ist eine Farbe, die bei mir zur Zeit ungute politische Assoziationen an den amerikanischen Faschismus weckt. Harmloser ist sie als Orangefarbenes Brot zum World Bread Day

    Herr Rau besitzt das Talent, dass ich beim Lesen der Überschrift und ersten anderthalb Zeilen immer denke „das interessiert mich echt nun gar nicht“ und bis zum Ende des Artikels kurz davor bin, mir spontan einen umfangreichen Literaturapparat zu bestellen. So auch bei The Avram Davidson Treasury: A Tribute Collection

    Ein Miniausflug nach Fukushima

    So schön. So bunt. So Herbst. Farbe, Wärme.

    Im Lesecafé ist gut was los. Die alte Dame, die Leuten immer Deutsch beibringt, sitzt mit einer ganzen Gruppe Frauen zusammen. Sie haben Kuchen mitgebracht. neben mir sitzen zwei junge Frauen, die amerikanisches Englisch sprechen. Dann kommen noch mehr Leute rein. Sie tragen eine Girlande aus Luftballon-Buchstaben, welche den Schriftzug „Happy Birthday“ formen. Die Dame hat heute offensichtlich Geburtstag und viele, viele Leute kommen zum Gratulieren. Es wird in allen möglichen Sprachen geschnattert. Das ist ein unglaublich herzerwärmender Anblick.

    Anmerkungen

    1. Ja, Surftbretter haben im Normalfall keine Motoren. I know. Aber wenn man ich schon mit der schlechten Metapher anfange will ich sie auch bis zum Ende durchziehen. ↩︎