Kategorie: Alltag

  • 25-10-01 Stadtbäume. Und eine Tram. (Paris)

    25-10-01 Stadtbäume. Und eine Tram. (Paris)

    Haltung besitzen Menschen, die in der Pariser Metro stehend zweihändig ein Hardcover lesen können, sich dementsprechend nirgends festhalten, aber auf der wilden Fahrt auch nicht einmal wackeln. Ein neues Lebensziel für mich.

    Diese Zeilen entstehen an Tag anderthalb in Tübingen und ich schreibe über Paris. Wir reisen schneller als ich schreiben kann. Der Blog geht nach. Vielleicht gehe ich auch selber nach. Soviel Input.

    Montag war ein Tag des Laufens in Paris.

    Am Sonntag war noch der Weg der Weg und das Ziel das Ziel gewesen. Hätten wir uns direkt zu den Tres riches heures, dem Spectale du Pferd und der Hulten/Tinguely/de Saint Phalle-Ausstellung beamen können, hätten wir es ernstlich in Erwägung gezogen – allein um den Stress zu reduzieren.

    Am Montag sollte es anders sein: Wir hatten ein paar Punkte auf der Route (Parc des Buttes-Chaumont / Parc Belleville / Rue Oberkampf / Bibliothèque nationale de France (Site François-Mitterrand)). Aber der Weg war mindestens genauso das Ziel. Paris-Bummel war angesagt. Er führte uns durch das 20., 19. und 11. Arrondissement, umfasste die Rue Belleville, den Boulevard Belleville, die Rue Oberkampf, den Boulevard du Temple und den Place de la République.

    Lustigerweise hatten wir trotz arg verschiedener Herangehensweise an beiden Tagen ähnlich viele Schritte auf dem Handy. Aber ich werde am Beginn beginnen

    7bis – Kasperltheater

    Es war ein Teig der Steinbrüche.

    Der Park von Buttes Chaumont wurde 1867 auf dem Gelände eines ehemaligen Steinbruchs angelegt.

    Der Untergrund ist felsig. Allein der Weg mit der Metro bis zum Park ein kleines Abenteuer. Der Weg spannend, den die Metrolinie 7bis fährt – ich vermute aufgrund des Bodens – nur einspurig ausgeführt, fährt im kleinen Kreis bis zum Park. Wie ich lernte, wurde sie 1967 von der großen Linie 7 abgetrennt und seitdem offensichtlich museal genau im Zustand von 1967 bewahrt. Der Aufstieg von der Station in den Park geht hoch genug, dass ein Fahrstuhl der Standard-Transport weg ist.

    Er weist für Paris beträchtliche Höhenunterschiede auf. Zentraler Punkt ist die Île du Belvédère, ein Einzelfelsen mit Aussichtstempel darauf. Um ihn herum der See, weitere Hügel, aufwendig gepflegte Blumenbeete, ein pittoreskes Kasperltheater (wegen Herbst geschlossen) und eine pittoreske Kinder-Schiffsschaukel alter Schule (also für zwei Personen, die schon selbst Schaukeln müssen).

    Die große Kaskade wird gelegentlich angeschaltet, sie versorgt einen sich malerisch schlängelnden Felsen-„Wildbach“, der im See um die Île du Belvédère endet. Die kleine Kaskade läuft dauerhaft.

    Im Park sind Pariser*innen, unterwegs, die Tai Chi betreiben, Hunde ausführen, Joggen, Picknicken – die Menschen fast so picturesque wie der Park selber. Und wenn in Paris die Revolution ausbricht, werden im Park immer noch schöne Menschen Tai Chi betreiben.

    Flöten und Pinkeln

    Buttes-Chaumont hatte starkes Die-zauberhafte-Welt-der-Amelie-Feeling. Menschen machen schöne Sachen in malerischer Umgebung. Nicht weit entfernt lag aber Belleville und der Parc Belleville.

    Belleville war als wildes, urbanes, migrantisches Paris versprochen worden. Ich würde sagen, wenn man die Schöneberger Hauptstraße und die Neuköllner Sonnenallee kennt, gab es wenig Überraschungen. Aber der Park war schon anders als der Parc des Buttes-Chaumont. Der Parc Belleville wurde 1988 auf dem Hanggelände eines ehemaligen Steinbruchs angelegt – dementsprechend steil geht er bergab.

    Er ist terrassiert, die einzelnen Terrassen immer nur wenige Meter breit, und überwiegend neben den Wegen dicht mit Bäumen und Sträuchern bewachsen. Abgesehen von einigen Aussichtspunkten (mit Blick auf den Eiffelturm) ist er also eher unübersichtlich.

    Und so betraten wir den Park an einer engen Stelle, links und rechts lagen noch Privatgrundstücke, und der erste Parkbesucher, der uns begegnete, war ein Mann der an einem Baum pinkelte. Das war nicht mehr Amelie-Land.

    Etwas weiter im Park, wir hatten mittlerweile verschiedene picknickende Studentinnengruppen passiert, fanden wir ein Bänkchen vor uns, aßen in Belleville gekaufte Pastilla-Pastetchen, und konnten beobachten, wir gut solche Hänge Klang transportieren. Wir hörten ein Doppelkonzert aus Ukulele (vermutlich eher oben am Hang) und Flöte (eher unten am Hang).

    Einen Abstieg weiter am Vertikalspielplatz folgte ein schlafender Obdachloser, der seine spärliche Kleidung am Zaun zum Trocknen aufgehängt hatte.

    Von Neukölln nach Prenzlberg

    Die Rue Oberkampf bot mir zwei Attraktionen. Das älteste Schwimmbad von Paris, die Piscine Oberkampf und eine städtische Duschanstalt/Badeanstalt . Diese in Oberkampf war leider geschlossen, aber weitere scheinen weiterhin in Betrieb.

    Vor allem aber war die Rue Oberkampf als Zentrum des Pariser Nachtlebens angepriesen. Und weil wir alt und langweilig sind, wollten wir dieses lieber am frühen Nachmittag inspizieren. Wir entdeckten zwei Zentren:

    Ein Zentrum östlich der Avenue de la Republique – eine enge Straße, die schmalen Bürgersteige vollgestellt mit Kaffeeplätzen, alles im Zustand, der sagte „bitte gib mir frische Farbe“ – das Neukölln-Feeling aus Belleville blieb präsent.

    Nach der Rue weiter im Westen waren wir plötzlich in einer Fußgängerzone im Prenzlauer Berg angelegt – reichlich Platz, die lokale dreimal so teuer, schicken Läden und Bäckereien, die unsere Großeltern schon nicht mehr als solche erkennen würden.

    Zum Abschluss der Rue tranken wir sehr teuren sehr guten Kaffee („inspiriert aus Kyoto“) und entdeckten Rougier&Pie. Der Laden, der ungefähr so eine normale Papeterie/Bastelgeschäft ist wie der Eiffelturm ein normaler Aussichstturm ist.

    Es gelang uns erfreulicherweise nicht das komplette Reisebudget dort auszugeben, nach harter Schlacht zogen wir nur mit einer handvoll französischer Schulhefte (die guten Großen mit den tollen Karos) und einem Notizbuch von dannen.

    Es folgte die Metro, mal wieder über Chatelet, in den Süden.

    Collette non

    Die letzte Etappe brachte uns aus dem Nordosten der Stadt auf die falsche Seite der Seine. Die Bibliothèque nationale de France (Site François-Mitterrand) liegt zwar fast direkt am Fluss, aber am falschen Ufer. Und so bemühten wir die Metro genau der Devise „Alle Wege führen nach Châtelet“ und wieder hatten wir einen lustigen Wandertag durch die verschiedenen Bereiche der Station.

    An der BNF angekommen, waren wir in einem komplett neuen Stadtviertel: Anscheinend um 1990/2000 komplett neu gebaut, viele Hochhäuser, viele Büros, so ein wenig Potsdamer-Platz-Vibes-in-gepflegter.

    Die BNF selber: Ein Prunkbau irgendwo zwischen Brutalismus und Postmoderne – wir beiden mussten spontan an das Londoner Barbican Centre denken.

    Wir den Collette-Ausstellungsbesuch waren wir beide zu erschöpft. Aber wir merkten uns immerhin: ab 17 Uhr ist der Eintritt frei. Das zur Bibliothek gehörige Kino führt aktuelle Filme in der Originalversion auf. Und der Eintritt auf die schicke Aussichtsterrasse mit den schicken Luxembourg-Liegestühlen und den Blick auf den Wald im Innenhof ist ganztägig möglich.

    Lauter Gründe zum Wiederkehren.

    Letzte Erforschung: Paris hat eine Straßenbahn. Madame entdeckte diese zufällig, als ihr die Navigo-App eine Straßenbahnfahrkarte zum Kauf anbot.

    Wir suchten sie auf dem Netzplan, fanden sie schließlich. Die Linien 3a und 3b führen als Dreiviertelring einmal weit um die Pariser Innenstadt und ein Zweig kam bei uns vorbei. Wir ließen uns in ganz unbekannte Gegenden bringen, südlich der Seine, noch ein ganzes Stück südlich des Quartiert Latin bis zum Gelände um die Université Paris Cité. Auch spannend.

    Aber nicht mehr für uns. Nicht an diesem Tag.

  • 25-09-29 Sa librairie conjugue avec harmonie savoir et luxe (Paris -> Chantilliy -> Paris)

    25-09-29 Sa librairie conjugue avec harmonie savoir et luxe (Paris -> Chantilliy -> Paris)

    Input Overkill in Frankreich. Zuviel erfahre ich in zu kurzer Zeit, so dass ich mir selbst hinterherhänge. Ich habe schon einen intensiven Montag hinter mir, und habe erst ansatzweise begriffen, was Sonntag passierte.

    Bloggen hilft mir, Sachen zu begreifen. Deshalb folgt ausnahmsweise ein Montagspost. Denn besondere Umstände verlangen besondere Maßnahmen. Und so werde ich den fest gesetzten Rhythmus dieses Blog (Di / Do / Wochenende) brechen, weil ich sonst gar nicht mehr hinterherkomme.

    Es war ein Sonntag des Reisens. Es war ein Sonntag des Input-Overkills.

    Das Programm lautete: Vom Hotel zur Gare du Nord. Dort ein Frühstück kaufen und dies im Nahverkehrszug TER nach Chantilly verzehren. In Chantilly zum Schloss laufen. Dort zur Jeu-de-Paume-Halle in der die Ausstellung der Tres Riches Heures zu finden ist. Von der Ausstellung (eventuell mit Zwischenstopp im Schloss Chantilliy oder im Pferdemuseum) zum Pferde-Spectacle im Dome: Un Jour a Paris. Danach zügig zurück zum Bahnhof und mit der Pariser S-Bahn-Variante RER und Metro zum Pariser Grand Palais, um unseren Zeitslot für die Niki de Saint Phalle / Jean Tinguely / Pontus Hulten-Ausstellung zu erwischen.

    Es funktionierte alles. Aber danach zeigten meine Augen ein Tilt – Totalblockade – Geistige Fähigkeiten für heute geschlossen.

    Oktober

    Hauptsächlich verantwortlich für den Inhalts-Overkill war der Duc de Berry und dessen Bibliothek, die er im 14./15. Jahrhundert erstellen ließ. Der Ausstellungstext beschreibt sie als Sa librairie conjugue avec harmonie savoir et luxe („sie versammelt harmonisch Wissen und Luxus“) und das ist eine Untertreibung.

    Vor allem versammelt die Ausstellung viele Stücke der ehemaligen Duc-de-Berry. Ich sah mehrere Dutzend mittelalterlicher Handschriften, von denen jede einzelne Zentrum einer Ausstellung in einem großen Museum sein könnten. Hier aber lagen sie als unterstützendes Beiwerk zusammen und führten auf das Hauptwerk: Die Tres Riches Heures.

    Der Duc de Berry ließ die Tres riches heures von den Gebrüdern von Limburg als Stundenbuch anfertigen. Mir scheint, es ist Konsens, dass dieses Buch das prächtigste Werk der mittelalterlichen Buchmalerei ist – und normalerweise gar nicht öffentlich zu sehen, beziehungsweise wenn, dann nur an einer Stelle aufgeschlagen.

    Derzeit aber es restauriert. Dazu wurde es auseinandergenommen, und es war das erste mal (und vermutlich auch für alle Zeiten das letzte mal) möglich, alle Monatsblätter auf einmal auszustellen.

    Um nicht wieder im Overkill zu landen, werde ich mich erst einmal auf eines beschränken: Oktober.

    Oben der Himmel und die Monate mit den Sternzeichen Waage und Skorpion. Darunter der mittelalterliche Louvre in Detailtiefe. Menschen, die durch die Tore hindurch an der Seine spazierngehen. Am Ufer auch spielende Hunde. Auf der Vorderseite des Flusses ein bereits ausgesähtes Feld, mit einer bogenschießenden Vogelscheuche. Dafür ein Sähmann, und ein Reiter, der das Feld eggt. Am Rande, Krähen und Elstern auf der Suche nach Samen.

    Es kommt beides zusammen: Eine lebendige, detailreiche Schilderung mittelalterlichen Alltagslebens, wie sie so nur selten zu finden ist. Und eine künstlerisch-technische Brillanz. Je näher wir dem Bild kamen, desto mehr Details offenbarte ist. Es ist uns rein technisch unklar, wie man derart klein derart detailliert malen kann.

    Es wäre ein Verlust gewesen, etwas zu übersehen. Und doch waren es viele, viele Blätter und viele Details.

    Au cirque

    Nach den Manuskripten warteten die Pferde.

    Chantilly ist Pferdeland. Auf dem Weg vom Bahnhof zum Schloss liegt das Hippodrom, auf dem einige der traditionsreichsten Pferderennen Frankreichs ausgetragen werden. Ebenfalls auf dem Weg zum Schloss liegt das andere Schloss, dass sich bei näherer Betrachtung als Stall / Pferdemuseum erweist.

    Dieses Pferdeschloss – eine Anlage um zwei große Innenhöfe herum, ist eindrucksvoller als viele echte Schlösser, die ich in meinem Leben sah. Neben dem Pferdemuseum, Le musée vivant du Cheval, fungiert es weiterhin als Stallanlage – der Zugang zum Museum führt durch Pferdeboxen, in den Innenhöfen laufen immer mal wieder Pferde vorbei.

    Wir aber wollten die Pferdeshow sehen. Denn wo, wenn nicht hier? Der Dome, eine Anlage, die in ihren Ausmaßen auch so manche moderne Halle in den Schatten stellt, war der Schauplatz. In der Mitte eine Art Zirkusring, wurde, ein Tag im Paris 1900 aufgeführt. Frauen und Männer auf Pferden, in prachtvollen Kostümen, am telefonieren, Federball spielen, Zeitung lesen, ausgehen – alles phantomimisch, nur von Text unterlegt – es wirkte alles französisch-zirkushaft, bis dann das Schild kam Au cirque – also im Zirkus, und denn der Zirkus einen Zirkus simulierte.

    So speziell, dass es sicher einmalig bleiben wird. Das Publikum war überraschend erwachsen, die vermutete Übermacht an Pferdemädchen war keineswegs zu beobachten.

    Es scheppert im Museum

    Nach den Pferden warteten die Maschinen und die Frauen. Das Pariser Centre Pompidou wird renoviert. Ausweichstätte ist der Grand Palais. Die erste große Ausstellung widmet sich drei Figuren, die mit Centre eng verbunden sind: Jean Tinguely, der Maschinendkünstler aus Basel, Niki de Saint Phalle, weltberühmt durch ihre Nanas, und Pontus Hulten – Gründungsdirektor des Centre Pompidous.

    Die Ausstellung widmete sich dem Zusammenspiel der drei, stellte Filme und Dokumente aus, die ihre Zusammenarbeit bekundeten. Vor allem aber zeigten sie viele Kunstwerke, die im Zusammenspiel der drei entstanden. Von den ersten Arbeiten mit Hulten als Kurator im Stockholmer Museum für Moderne Kunst, und den Arbeiten, die Tinguelys und de Sant Phalles Ruhm begründeten.

    Viele der Kunstmaschinen, die Tinguely herstellte standen herum, wurden bewegend im Film gezeigt. Einige bewegten sich auch, schepperten, klingelten, quietschten und röhrten wie vorgesehen. Dazu de Saint Phalles Figuren, die – jenseits der Nanas – oft weit ins verstörende hinein reichen.

    De Saint Phalles vermutliches wichtiges Ausstellungsstück im Museum, existierte fast nicht. Die Ausstellung Hon („Sie“) im Stockholmer Moderna Museet, wurde geplant nach der Ausstellung fast vollständing zerstört. Im Grand Palais waren einige wenige Teile zu sehen, die überlebten, sowie umfangreiches Begleitmaterial.

    Die dritte komplett eigenen Welt des Tages. Emotionale Eindrücke, alle drei Veranstaltungen, die uns über Monate tragen werden. Das war erst der Sonntag.

  • 25-09-27 Mein ICE fährt 310 (Berlin->Paris)

    25-09-27 Mein ICE fährt 310 (Berlin->Paris)

    Zwanzigjährige Paare im beigen Partnerlook verunsichern mich.

    Der Hafer-Kefir versuchte dem Kühlschrank zu entfliehen. Dabei entwickelte er sich zu einer Art unerwüschtem Milch-Bier.

    Ich erfuhr, dass es nächstes Jahr eine Direktverbindung mit dem Zug von Berlin nach Kopenhagen gibt. Von Kopenhagen fahren zahlreiche Regionalzüge nach Trelleborg und von dort eine überraschend bezahlbare Fähre nach Klaipėda in Litauen.

    Zwischen uns und dem Sommerurlaub liegen aber noch so viele Unwägbarkeiten, dass ich derzeit gar nichts planen lässt.

    Die VG Wort kündigte eine Überweisung an: Weniger als letztes Jahr, mehr als gedacht. Für ein gutes halbes Mittagessen sollte es reichen.

    Die Schlange vor dem Berliner Bahnhofsbäcker war ungeahnt elegant – bis mir auffiel, dass hier ja die ganzen Menschen anstehen, die gleich am benachbarten Gleis in den Zug nach Paris steigen wollen.

    Es war ein Freitag der Arbeit und ein Samstag der Zugfahrt. Es war ein Freitagabend des Zugfahrkarten, Hotelbuchungs- und Eintritsskartenausdruckens.

    Ich fand einen begeisterten Verbündeten im Kampf gegen verformelte Excel-Tapeten, die für die Erstellering super clever und durchdacht sind, für alle Co-daran-Arbeitenden aber ein einzig verwirrendes Minenfeld.

    Später eine Henne-Ei-Diskussion zum Thema Prozessmodellierung. Beginnt es mit einer skizzierten dahingedachten Prozessidee, die irgendwann formal in die formale Notation (BPMN) überführt wird. Oder beginnt es mit BPMN, und die Prozessgestalt entsteht, während sie formal niedergeschrieben wird?

    Durch die Vogesen im Sonnenuntergang

    Rauchen in Zügen ist verboten. Auch in der Toilette von Wagen 22. Der Zugchef machte das per Ansage noch einmal klar.

    Heute war Wandertag neben dem Mittellandkanal, wie ich aus dem ICE-Fenster sehen konnte.

    Bei Karlsruhe saß ich plötzlich in einer intensiven Wolke von Obstgeruch. Mein Hirn drehte sich im Kreis: „Riecht nach Südfrucht“ -> „Aber keine Mango“ -> „Riechte nach Südfrucht“ -> „Aber keine Mango“. So drehte ich ein paar Minuten bis jemand in einer Nebenreihe bemerkte „Banane.“ Das war’s!

    Frankreich ist genauso menschenleer wie Brandenburg. Aber die Leere ist optisch abwechslungsreicher.

    Die gesamte Bahnbubble, der ich auf Mastodon folge, hat eine tiefe Abneigung gegen die SNCF. Denn diese will keinerlei Züge fahren lassen, es sei denn sie fahren mit 300 km/h Richtung Paris.

    Welch Glück, dass ich in einem Zug saß, der mit 300 km/h Richtung Paris fuhr. Wir stiegen um kurz vor 12 in Berlin-Hauptbahnhof in den ICE 9590 Fahrziel „Paris Gare de l’est“ ein. Uns kontrollierte ein charmanter französischer Zugbegleiter, seinem Namen nach Elsässer. Der nächste Halt war um 16 Uhr Frankfurt-West(!), dann Karlsruhe, und um viertel nach sechs überquerten wir den Rhein.

    Dann trat der Lokfahrer noch einmal richtig aufs Gas. Zwischen Strasbourg und Paris Est zeigte die Zuganzeige durchgehend 310 bis 320 km/h an. Natürlich musste ich sofort an Markus denken: Mein Maserati fährt 210/ schwupp, die Polizei hats nicht gesehn.

    Gelesen: Fred Vargas: Es geht noch ein Zug von der Gare du Nord. Theoretisch die perfekte Lektüre für den Zug. Praktisch kommt der Gare du Nord einen Absatz lang auf der viertletzten Seite vor, der fahrende Zug hat Zwei Seiten der letzten Vier. Beide haben keinerlei Relevanz für die eigentliche Handlung. Und auch sonst ein höchst mittelmäßiges Buch, das wohl nicht wieder zurück nach Berlin fahren wird.

    Spannender sah die alte Taschenbuchausgabe von Malataverne, einem Roman von Bernard Clavel aus. Eine 1970er-Taschenbuchausgabe, entsprechend zerlesen, mit rotem Buchschnitt und interessantem Cover. Leider aus französisch, so dass ich nichtmal fragen konnte, ob wir tauschen.

    Blick aus dem Hotelzimmer. Geht es any better?

    Pêche Melba

    Ankunft Paris Est um 20:15. Dann stiefelten wir einmal durch die Bahnhofshalle zum Gleishotel, warfen die Koffer von uns, und überquerten die Straße um in unserem Stammbouillon zu landen: das Bouillon Chartier. Wie immer staunend über die lustige Mischung aus vielen Pariser*innen, gerne auch ziemlich jung, und einer lustigen Gruppe aus Tourist*innen. Es gab Kalbsblankett und Elsässisches Sauerkraut.

    Jetzt sitze ich in Le Club des Hotels Okko, schaue durch dessen Fenster auf die leeren Bahnsteige des Gare de L’est. Vor mir der komplimentäre Espresso des Hotels, Madame sitzt gegenüber, liest Elisabeth George, trinkt complementary tea. Die Snacknüsse sind bereits alle.

  • 25-09-25 Menschen betrachten bei Nutzung ihrer Software

    25-09-25 Menschen betrachten bei Nutzung ihrer Software

    Ricarda Lang studiert ab dem Wintersemester an der Fernuni Hagen auf den Master. Willkommen.

    Madame eskalierte ihr neues 3D Tetris.

    Madame entdeckte einen handwerklichen Schumacher (und Maßschuhhersteller – aber das erst wenn ich groß und reich bin). https://Schuhmachermeister.net ist nett. Im positiven Sinne. Erfreulicherweise scheint er auch nicht älter als wir – er wird also auch nicht gleich in Rente gehen kurz nachdem wir ihn fanden. Ich lachte laut bei Lektüre der Website: „Seit 2016 ist Hund Amy mit im Geschäft und hat mittlerweile eine führende Position übernommen.

    Die BioCompany feiert Oktoberfest. Das bedeutet Weißwürste für uns. Auch sah ich ein BioCompany Liefer-Fahrrad. Bedeutet das, sie macht jetzt auch Hauslieferungen?1

    Der ADAC eröffnet tatsächlich ein neues Fahrsicherheitszentrum in Oberkrämer.

    Der Bezirk Tempelhof-Schöneberg eröffnete endlich den Radweg auf der Grunewaldstraße.

    Deformation professionelle: Wenn ich privat mit Leuten zu tun habe, die an Computern sitzen (zB Sachbearbeiter in Banken, die Person am Empfang beim Arzt etc.) muss ich schauen, was für Geräte so rumstehen, wie sie verkabelt sind und ob und wo der Inventar-Sticker ist. Auch spannend natürlich: Welche Software wird benutzt (Branchenlösung? Microsoft? Was ganz anderes?) und wie fließend sind sie um Umgang damit.

    Aus Faulheit nahm ich den Bus zur Arbeit und sah zu, wie eine Busfahrerin noch in die Strecke eingewiesen wurde. Er mit Klemmbrett neben ihr. Sie „Jetzt die Hauptstraße rechts?“. Er „Ja.“ Sie kommentierte launig Straße und Verkehr.

    Das erklärt auch, warum der Bus zwischen zwei Stationen kurz vor meinem Zustieg auf einmal sieben Minuten Verspätung sammelte. Da war wohl zwischendurch ein klärendes Gespräch nötig.

    Es waren drei Tage der Arbeit.

    In verschiedenen Programmen (Editor, VS Code) entdecke ich noch offene Dateien mit Resten der Bachelorarbeit. Es fühlt sich schon wieder Monate her an.

    Aus Neugier sah ich das erste Fernuni-Video zum neuen Semester „Willkommen im Modul Digitale Diversität.“ Ich lernte, dass der Lehrstuhl kein Gendersternchen oder ähnliches nutzt, weil es andere Gruppen (beispielsweise Menschen mit Lese-Rechtschreibschwäche) ausgrenzt. Jetzt bin ich gespannt, wie sie das Thema angehen: Denn ein generisches Maskulinum kann ich mir in diesem Modul auch nicht vorstellen.

    Neben den Maßschuhen entdeckte ich auch unbezahlbare italienischen Standherde. Die sehen wahnsinnig gut aus, kosten mehr als so manches gebrauchtes Auto und sind in Deutschland nur in Köln und Frankfurt erhältlich. Aber mensch braucht ja Ziele im Leben.

    Ansonsten scheint in DACH der Standherd eine aussterbende Gattung zu sein. Die Mittelschicht mutiert immer mehr zur Generation Einbauküche – ein Konzept das ich bis heute nicht verstehe, ästhetisch für schwierig halte und auch sonst eher unpraktisch finde.

    Mermaid

    Auch ich nutze gelegentlich Software, und bin gerade dabei, ein neues Spielzeug auszuprobieren: Mermaid. Das Programm erlaubt es, Diagramme als Text/Code zu formulieren und baut daraus echte optische Diagramme.

    Aus:

    flowchart LR
    A[Programm öffnen] –> B(Tippen)
    B –> C(Grafik erzeugen)
    C –> D[Grafik anzeigen]

    Wird theoretisch ein Flussdiagramm. Noch aber macht das Programm an überraschend vielen Stellen nicht das, was ich gerne von ihm hätte. Aber das wird.

    Vorteil: Kein Kästchenschieben! Vorteil: es lässt sich im Nachgang tausendmal einfacher anpassen und wiederverwenden. Nachteil: Rein optisch ist das Ergebnis eher so mittel.

    You’ll never walk alone

    Nach unserem zufälligen „Die-Megastars-des-Musicals“-Wochenende, versuche ich noch zu verstehen, was über mich hereinbrach. Erst Rodgers&Hammerstein am Samstag (The Sound of Music), dann Andrew Lloyd Webber am Sonntag (Jesus Christ Superstar).

    Erste Erkenntnis: Es lebe die Komische Oper. Die Version von Jesus Christ, die wir gesehen haben, warbesser gesungen und gespielt als alles was ich online dazu finde.

    Erste Erkenntnis im direkten Vergleich der beiden Erschaffer, Lloyd Webber ist das globale Musical mit Tourismusgarantie, während R&H deutlich regionaler amerikanischer geprägt waren. Das ist in Deutschland natürlich einfach zu beobachten, weil der eine ziemlich bekannt, die beiden anderen ziemlich unbekannt sind.

    Überraschung: Von R&H stammt die ultimate globale Fußballhymne (ausgerechnet): You’ll never walk alone.

    Noch eine Überraschung: Ein Jesus-Christ-Song (Last Supper) hat es mit geändertem Text ins evangelische Gesangbuch und ins Gotteslob geschafft. (Video Last Supper / Video Nimm oh Herr die Gaben die wie bringen )

    Keine Überraschung, wenn man bedenkt, wie wichtig R&H waren, doch eine Überraschung in Anbetracht der musikalischen Unterschiede: Lloyd Webber ist großer Rodgers-Fan:

    In his tickling memoir, Lloyd Webber reveals that his admiration for Rodgers—which began when, as a kid, he saw his dad moved to tears by a recording of “Some Enchanted Evening”—got him teased as a young Londoner in the 1950s.

    Während R&H-Musicals noch handlungsgetrieben waren, einzelne Songs Charakter oder die Handlung voranbringen, ist ALW Meister des durchgehenden Soundteppichs bei sich auflösender Handlung. Je mehr ich darüber nachdenke, desto mehr beschließe ich, dass ALW in seinen späteren Werken die Einbauküchen des Musiktheaters erschaffen hat: Durchgehend, glatt, für alle irgendwie anschlußfähig2.

    Endlich Grünkohl

    Es waren Tage des nachmittäglichen Treffens mit Madame an anderen Orten. Mittwoch: Im Bayerischen Viertel, Gemüsli abholen. Auch ich sah die Abholstation gegenüber der Polizeiwache. Hingehen -> Schloss öffnen -> Zettel mit den zugewiesenen Mengen studieren -> abwiegen -> einpacken.

    Falls ich wieder den Tara vergesse: Das Schälchen, das auf der Waage steht, wiegt 142 Gramm.

    Es gab Paprika, Tomaten, Kohlrabi, Zaphito, Salat, Ruccola, Salat und Grünkohl. Grünkohl! Es ist nicht alles schlecht am kommenden Winter.

    Home of the Grünkohl

    Lernlücken und dunkle Finnen vor dunklem Hintergrund

    Nachdem ich gerade eine intensive, und ich würde sagen am Ende erfolgreiche, Lernphase hinter mir habe, würde ich Diéssica Gurskas zustimmen:

    True learning is too disjointed, unpredictable, and fraught with setbacks. We obsess over minimising gaps between repetitions, but are these gaps learning breaks, or learning itself? (via Thomas)

    Einst in meiner Jugend schwor ich mir, später als alter Mensch nicht immer noch die Bands meiner Jugend zu besuchen, und dabei gleichzeitig zu verknöchern und mich selbst cool zu finden. Und Geld hab ich auch nicht, siehe italienischer Herd weiter oben, aber hey: Die Pixies in Leipzig! Meine Jahre des ernsthafteren Schreibens in Leipzig über Popmusik begannen mit einer SPEX-Ausgabe auf der Kim Deal abgebildet war. Ohje. Where is my mind?

    Ich bin fasziniert, wie der Rest Deutschlands es schafft, die beiden Münchner Großbaustellen komplett zu ignorieren. Heikos noch-Laufstrecke führt durch die baldige Baustelle „2. S-Bahn-Stammstrecke“

    Margit und Wally, nicht zur Kernzielgruppe gehörend, schauen KPop Demon Hunters

    Ilka schaut Schiffe.

    Karen empfindet Autofahren in Finnland als schwierig: Die 12 schwierigsten Monate im finnischen Strassenverkehr

    Ich empfinde eine „Hebbel-Arena“ in Wesselburen als schwierig.

    Karin gastheiratet in Norfolk und Shaked in Weil am Rhein.

    Anmerkungen

    1. Nachgeschlagen: Ja, bedeutet es. ↩︎
    2. Was eine hohe schwierige Kunst ist, nonetheless. ↩︎
  • 25-09-23 Die Köstliche von Charneux sollte jetzt geerntet werden

    25-09-23 Die Köstliche von Charneux sollte jetzt geerntet werden

    Unsere ganze Küche riecht nach Mango. Eine der angenehmeren olfaktorischen Begebenheiten meines Lebens.

    Ich will doch einfach nur Knöpfe oder Schalter. Warum hat heute alles Touchscreens und Fernbedienungen, wenn ich doch einfach nur einen haptischen Knopf möchte, den ich bedienen kann, auch wenn ich gar nicht hinsehe. Kippschalter for the win.

    Aber ich weiß ja: Knöpfe und Schalter, wenn sie Qualität haben, sind in der Herstellung teurer als Touchscreens. So sind die einzigen Gegenstände mit echten Schaltern entweder sehr schlecht und preiswert oder sehr teuer.

    Madame traf eine lang vergangene Aussicht auf ein anderes Leben wieder. Aber sie ging damals nicht ans Telefon und ist heute mehr denn je davon überzeugt, dass es richtig war.

    An „unserer“ Autobahnausfahrt steht ein neues ADAC-Schild neben einer Großbaustelle. Bekommen wir ein Fahrsicherheitszentrum?

    Der Kaptain kannte The Sound of Music schon.

    Es war ein halbes Wochenende auf den Latifundien, ein Sonntagabend in der Komischen Oper Tempelhof und ein Montag der Arbeit.

    Wobei ich mich an Montag schon nicht mehr erinnere.

    Last days of Summer

    Uns verabschiedeten Tagpfauenaugen. Diese nutzten das hoffentlich letzte heiße Wochenende des Jahres noch einmal die Latifundien auf- und abzufliegen.

    Madame weckte mich mit Kaffee und zwei frischen Himbeeren.

    Der bunte Frühherbsthimmel hatte uns am Samstagabend erwartet. Der Aufenthalt zwischen den beiden Musicals war nur kurz, aber er reichte um Rosen zu riechen und Birnen zu ernten. Genau dieses Wochenende war das perfekte für die Köstliche von Charneux, die uns vom Baum butterzart und wild durftend vom Baum entgegenfiel.

    Rest-Quallen in der Nordsee

    Die Fernuni kündigte eine Studienbriefs-Lieferung für den Master an. Noch aber habe ich bis zum 1. Oktober semesterfrei und kann einfach so andere Bücher lesen:

    Friedrich Glasl: Konfliktfähigkeit statt Streitlust oder Konfliktscheu. Ein Buch, bei dem ich gar nicht so genau weiß, wie es in meinen Stapel zu-lesender-Bücher kam. Und auch weiterhin bin ich unschlüssig. Glasl scheint ein Doyen der persönlichen Konfliktforschung und Mediation zu sein. Die Teile in denen er praktisch wird und seine Mediationsmethoden schildern klingen auf mich überzeugend.

    Aber er ist auch Antroposoph. In den „Theorie“-Teilen seines Buchs zitiert er teilweise abstruseste Rudolf-Steiner-Glaubenssätze. Das finde ich seltsam; es hat aber so wenig Bezug zum Rest des Textes, das ich damit leben könnte.

    Schwieriger finde ich unterschwellig durchscheinenden Ansatz – er ist natürlich zu intelligent, das so zu schreiben -, dass sich jeder Konflikt friedlich lösen ließen, wenn beide Parteien einander nur verstehen würden. Das halte ich bestenfalls für naiv und schlimmstenfalls für Leid-erzeugend, weil es alle Arten von Konflikten, in denen es zum Beispiel vor allem um Macht geht, eher verschlimmern und verstärken.

    Angelesen: Aleks Scholz: Badetagebuch – Schilderungen des Ganzjahresbadens in einer schottischen Meeresbucht. Immer nur Schnipsel, immer nur das Baden an sich und das unmittelbare drumherum. Ich lese Abschnittsweise, passend zur Jahreszeit: Habe August und September gelesen – die schlechtesten Monate in der Bucht.

    Siegfried Kracauer: Straßen in Berlin und anderswo. Auch angelesen. Wieder ein Buch kurzer Texte in einer derartigen Dichte, dass ich nicht mehr als eine handvoll Seiten am Stück lesen sollte, so lange ich volle Aufmerksamkeit für den Text habe. Lustig, dass das Buch mit zwei Texten von „anderswo“, nämlich ausgerechnet Paris, beginnt.

    Πιζζα

    Es sollte zur Komischen Oper gehen. Zu Jesus Christ Superstar.

    Vor die Oper setzt das Leben setzen wir das Essengehen. Die Komische Oper hatte ihre Aufführung in den Flughafen Tempelhof verlegt, also suchten wir etwas im Kreuzberger Bergmannkiez.

    Wie beide erinnerten uns ans Zeta – ein sehr angenehmer Grieche, der kochte wie ich mir eine Taverne auf einer griechischen Insel wünsche: Viel Gemüse, viele Meeresfrüchte, einfaches Essen aber bester Qualität und mit Liebe gemacht. Unser letzter Besuch ist mindestens 10 Jahre her, aber wir beide erinnerten uns lebhaft und waren uns sofort einig.

    Wir liefen also vom Columbiadamm die Friesenstraße entlang, uns beide an den Anblick der Eckkneipe erinnernd. Das war sie. Ich: „Da ist der Grieche“. Madame: „Stimmt.“ Schilder hatten wir keine gesehen, aber das passte ja zum familiär-informellen Ambiente. Vor meinem inneren Auge sah ich bereits Oktopus, Kritharaki und Taramas.

    Wir betraten den Laden, ein Gastgeber kam uns entgegen und begrüßte uns mit „Buona sera.“

    Wir redeten nicht miteinander, dachten aber dasselbe „(1) Oh, Das ist wohl nicht das Zeta. (2) Trotzdem sieht es hier nett aus. Lass uns bleiben.“ Eine weise Entscheidung, bekräftigt durch Antipasti vegetariano, Pizza Spinacina und Espressi im Castello Montecroce.1

    Einstecktuch-Eumel

    Einem anderen Gastwirt, Vincent Klink, verdanke ich den Begriff Kurzhosen-Eumel in meinem aktiven Wortschatz. Und auch wenn unsere Eumel alles andere als kurzhosig waren, musste ich doch an sie denken.

    Im Castello am Nebentisch ein Dauerredner in langem Anzug und teurem Hemd, der seinen Mittischleidenden quasi ununterbrochen erzählte, wie toll er ist, wie erfolgreich im Geschäft, wie weitgereist, wie sportlich, wie kulturbeflissen. Leider erzählten er auch, dass er mit den anderen zusammen in dieselbe Vorstellung wollte wie wir. Naja, der Hangar in Tempelhof ist groß, er wird schon woanders hingehen.

    In Tempelhof saßen wir neben einer Rentnergang – imagine Kegelausflug trifft Polospieler mit privater Villa auf Mallorca und Stammlokal in Genf, deren Einstecktuch mehr kostete als meine komplette Kleidung zusammen – immerhin nur neben uns. Dann kamen zwei der Ihren, die unsere Plätze beanspruchten. Wir zogen die Karten – sie zogen die Karten. Der Platz war identisch, auf unseren Karten stand ein Datum, auf ihren nicht. Ich hatte einen Verdacht – aber wie waren sie durch die Einlasskontrolle gekommen? Die Einstecktuch-Gang geriet in helle Aufruhr. Die Platzanweiserin eierte hilflos durch die Gänge, der Obereumel wollte „ihren Vorgesetzten sprechen.“

    Naja, und irgendwann kamen auch die Besitzer ihrer anderen Plätze. Der uneumeligste der ihren war in der Lage die Buchung zu checken, und es stellte sich heraus, dass die zehn Damen und Herren leider die Woche verwechselt hatten.

    Großes Theater schon vor dem Theater!

    On thursday night you’ll find him where you want him far from the crowd.

    Aber es gab auch noch großes Theater im Theater. Unser Wochenende der Musical-Legenden. Nach Rodgers and Hammerstein am Samstag, folgte Andrew Lloyd Webber am Sonntag. Die Komische Oper inszenierte Jesus Christ Superstar im Tempelhofer Hangar mit Rockband, Orchester, operntauglichen Sängern, exaltierten Kostümen und 350 Statist*innen aus den Berliner Tanzvereinen. Sie spielen ein Rockkonzert, was das Musical ja eigentlich ist. Groß, größer am größten. Und auch noch zu nah, um es wirklich in Worte fassen zu können.

    Auf jeden Fall hatte ich zwischendurch einen starken Anfall von Jerusalem-Sehnsucht. Und Ilay Bal Arslan als Maria Magdalena war großartig. Sowie Ryan Shaw als Judas. Und die Kostüme von Herodes und seiner Gang. Und die unfassbar motivierten und dauerspringenden Statisten.

    Bratwürste und die 10 Gebote

    Über Ein Song reicht erreichte mich die Chemnitzer Band JETberry. Einfach sympathische Schraddelmusik.

    Katja Evertz feiert 20 Jahre Blog. Glückwunsch!

    Frau Pane-Bistecca mit vielen guten Ideen für Oktoberfestküche. Herr Rau derweil mit Kuttelkunde: Tripe and Onions (tolle URL auch)

    Warum ich immer noch das iPhone 11 Pro nutze. (12 mini hier und das wird so bleiben bis es auseinanderfällt)

    Irgendwie so ähnlich wie in der Komischen Oper bei Jesus Christ Superstar und doch ganz anders: Samstagsplausch „Die Zehn Gebote“

    Anmerkungen

    1. Das Zeta heißt zwar inzwischen Restaurant Z, scheint aber noch zu existieren. Es liegt allerdings eine Straßenecke weiter, wie ich inzwischwen weiß. ↩︎
  • 25-09-20 Edelweiss, every morning you greet me

    25-09-20 Edelweiss, every morning you greet me

    Madame wurde von einem hitze-un-beständigen Marmeladenglas angegriffen, überstand dies aber glücklicherweise unverletzt.

    In Berlin gibt es 27 Influencer:innen pro 1.000 Einwohner:innen. Das erklärt einiges.

    In unserer Straße sah ich den ersten Mensch, der am hellichten Tag in einen Hauseingang gelehnt, eine Crack-Pfeife rauchte. Und auch ansonsten habe ich gerade den Eindruck einer deutlichen Zunahme von Menschen-mit-großen-Problemen in der Gegend. Wurden sie woanders vertrieben?

    In der BioCompany sah ich einen Kassierer offenbar an seinem ersten Arbeitstag allein an der cmKasse. Das war sehr langsam aber auch sehr niedlich.

    Es war ein betriebsfeiernder Donnerstag, ein arbeitender Freitag und ein halber Samstag im Kino.

    Auf der Arbeit gehe ich langsam die Sachen aus dem Juli und August an, die in meinem inneren Ordner mit „Ist nicht dringend und auch nur mittelwichtig, ich muss Bachelor machen“ gelandet waren und dann von mir ignoriert wurden. Spannende Sachen finden sich da!

    Tolanor ist wieder Wikipedia-Admin und lyzzy bekommt das Bundesverdienstkreuz.

    Madame und ich passierten eine Großautowaschanlage von 1966 und staunten über die feschen Autos, die dort an einem Freitagabend gewaschen werden. Unsere Diskussion über die Farbtöne Dead Salmon und Templeton Pink bewegte sich Richtung Setting Plaster. („Ein Rosa mit deutlichen historischen Bezügen, das dank seiner gelben Pigmente eine sehr weiche Anmutung hat.“)

    Aus dem solidarischen Gemüse kochte sie Tempura-Gemüse-Pfannkuchen nach Jacques Pépin (via Nils Minkmar). Die waren extrem lecker, aber auch deutlich aufwendiger als es dem Video anzusehen ist.

    Meine Gruppe war „17 – rot“

    Einst vor einigen Jahre hatte ich ein Sommerfest einer Ex-Arbeitgeberin am Beach Mitte in Berlin Mitte. Es bestand daraus, dass es etwas zu Essen gab und wir miteinander reden durften.

    Am Donnerstag absolvierte ich ein Sommerfest meiner aktuellen Arbeitgeberin am Beach Mitte in Berlin Mitte. Beide Feste hatten gemein, dass ich wie wie immer wenn ich am Berliner Nordbahnhof bin, heillos durch die Gegend irre, weil ich das mit den beiden Bahnhofseingängen nicht sortiert bekomme. Diesmal aber rettete mich die karibische Schweizerin.

    Vor allem wurde wieder geredet: Aber es gab ein Tischtennisturnier, Beachvolleyball, die Fotoecke und zum Ende hin den DJ zu dem wild getanzt wurde. Ein Volleyballer schaffte es – angeblich aus Versehen – mir mit einem wohlgezielte Ball meine Bierflasche aus der Hand zu schlagen. Spektakulär!

    Meine derzeitige Arbeitgeberin ist deutlich unterhaltsamer.

    Davor gab es sogar eine Betriebsversammlung, die im wesentlichen dazu dienen sollte, die ganzen Menschen in den Außenstandorten über das große Ganze zu informieren. Was mir eine Standschicht am Das-große-Ganze-in-der-IT einbrachte – aber ich mag ja meine Kolleg*innen sehr und hab ich mich gefreut, denen etwas erzählen zu können.

    Danach Bratwurst und Wan Tan, die Riesenschaukel benutzen, und wer wollte konnte glaube ich am großen Klettergerüst in der Mitte klettern – genau weiß ich das nicht, ich wollte nicht.

    Vorgeschichte: Rauchschwaden über der Salzach

    Es war ein Silvester, so kurz nach 2010. Wir besuchten Snotty in Salzburg, und dieser klagte uns sein Leid: „Die Besucher der Salzburger Festspiele – ganz furchtbar!“ und dann „die ganzen Mozart-Touristen, noch furchtbarer!“ aber „Und am allerfurchtbarsten: Die The-Sound-of-Music-Touristen. Überall und dauernd, belagern alles und singen die ganze Zeit.“

    Wir beide: „The.. was?“ Nie gehört. So lernte ich von The Sound of Music. Einer der erfolgreichsten Filme aller Zeiten, spielend in Österreich mit Nazis, immer noch Kultfilm im Anglophilen Raum – und in Deutschland und Österreich (außer Salzburg selbst) nahezu unbekannt.

    Wir wurden neugierig. hatten aber keine Gelegenheit diese Neugier auszuleben.

    Dann wurden wir noch neugieriger.

    Naja, und jetzt ist der FIlm 60 Jahre alt, es gibt einen 4K-Re-Release für die Kinos und die Yorck Kinos machen zwei Tage Dauerprogramm mit TSOM. Wir sahen den Film am Samstag um 13.30h in einem fast vollbesetzten Saal im delphi lux.

    Follow the rainbow

    Was für ein Film. Oder vielleicht eher zwei Filme. Vielleicht gar vier. Wir entdeckten einen Cinderella-Plot, in dem das arme Kindermädchen den reichen Adligen heiratet. Und einen – damit komplett unzusammenhängenden – anderen Plotbogen, wo es um Anschluss und Flucht vor den Nazis geht. Und es ist ein teilweise sehr reaktionärer Heimatfilm, und gleichzeitig eine subversive Vorwegnahme der Muppet Show.

    Wahrscheinlich liegt in dieser Ambivalenz das Geheimnis des FIlm. Großes Kino.

    Die Hintergrundgeschichte ist in Deutschland eher durch die von-Trapp-Filme bekannt, die wie the Sound of Music an der Familiengeschichte der von Trapps orientiert sind: Ein halbverarmeter Adliger mit vielen Kindern, der mit diesen und der Governante als Familie singt, vor den Nazis nach Amerika flieht und dort eine weitere Gesangskarriere betreibt.

    Die ganze Geschichte ist in ihrer Schrägheit in der realen Variante schon unterhaltsam – angefangen damit, dass er ausgerechnet in Salzburg lebt und österreichischer(!) Marinekapitän ist – wird durch die Verdichtung und Überspitzung im Film noch unterhaltsamer.

    Mit Stilbrüchen und Exzentrizitäten könnte ich Seiten füllen – ach, ich glaube alleine auf der Analyse des FIlms lassen sich komplette wissenschaftliche Karrieren begründen. Aber ich glaube eh noch, es war so much, dann muss noch ein paar Tage sacken.

    Und nachdem wir dann drei Stunden lang im Kino in den Salzburger Alpen unterwegs waren, alle sich lieb hatten und schöne Harmonien sangen, verließen wir das Kino, waren direkt am Bahnhof Zoo mit Blaulichtautos, einem hochzeitsinduzierten Hupkonzert, Buddenbohmschen Gestalten auf dem Gehweg und drei Millionen Marathonläufer*innen und anderen Tourist*innen. Zurück in Berlin.

    Taschen, Algen, Kekse, die vom Himmel fallen

    Technisch verstehe ich bestenfalls ein Drittel, aber das Konzept fasziniert mich: Hosting a WebSite on a Disposable Vape.

    Entdeckt: Die Tasche, die ich täglich mit mir herumtrage, gehört zu den wenigen Produkten, auf die es eine lebenslange Garantie gibt: Gear Brands With a Lifetime Warranty: 14 That Stand Behind What They Make

    Joel beobachtete die Verladung der Algen.

    Die reine Leere suchte Kaffeetassen. Später fielen Kekse vom Himmel.

    Herr Feinanteil redete mit seinem iranischen Barbier.

  • 25-09-18 Knowledge retention bis halb zwei

    25-09-18 Knowledge retention bis halb zwei

    Madame stellte fest, dass das Schöneberger Jugendkulturzentrum Weiße Rose eine direkte räumliche Anbindung an die öffentliche Bibliothek hat. Wir beide wurden im Namen unserer jugendlichen Selbste nachträglich neidisch.

    Die Gemüslichkeit bleibt dem Kleinkürbis treu. Diese Woche gab es Pattison (Ufo-Kürbis) statt Zaphito. Auch wechselt das Angebot langsam die Saison: Tomaten und Zucchini wurden durch Wurzeln ergänzt.

    Das Landhaus Ettenbühl empfiehlt für unsere Garten-Eingangs-Situation eine Rosa Multiflora, aka Büschelrose. Deutscher und lateinischer Name sagen ganz gut, worin ihre Qualitäten liegen. Ich freue mich, dass der Garten einen guten Rahmen für Großsträucher bietet. Mit Ms. Fluffy diskutieren wird derweil inwieweit man Feigen in Berlin-Brandenburg kultivieren kann.

    Kann mensch zu viele Hygro- und Thermometer besitzen? Aber eigentlich wollte ich ja Keyboards sammeln.

    Die karibische Schweizerin beklebte Lego. Für eine Rundmail an „Alle“ dokumentierte ich, wie ein aufgeklappter Laptop aussieht. In meinem Terminkalender landete der Serientermin The YaSM hour.

    Wenn ich meinen Geist nach der Klausurenphase wieder beieinander habe, wird auch die Julia Academy dort landen. Nachdem ich für die Bachelorarbeit ja wirklich sehr selektiv mit der Sprache gearbeitet habe, möchte ich sie auch noch systematischer angehen. Sehr langfristig scheint mir das auch ein spannenderer Weg Richtung machine learning/KI zu sein als dieses „ich haue wild Prompts irgendwo rein und jedes mal passiert was anderes.“

    Es war ein Dienstag der Klausur und ein Mittwoch der Arbeit. Aber vor allem war es eine Zeit ungeahnter Nichtlernfreiheit. Es ist vorbei.

    Ich nutzte dieses große Reich der Freiheit, um Dienstag nachmittag ein paar Stunden zu schlafen. WIe auch Mittwoch abend. Vielleicht auch noch Donnerstag vormittag. Mittwoch begann ich langsam mit dem Anlegen einer Großmöbel-LibreCalc-Tabelle.

    Freiheit

    Und plötzlich ist es vorbei. Die Klausur Knowledge Management ist vorbei. Das Sommersemester ist vorbei. Und hoffentlich sogar der ganze Bachelor.

    An dieser Klausur wird es nicht scheitern. Die war – dem Motto „we are nice and we are on your side“ folgend – ausgesprochen fair gestellt. Im Skript waren verschiedene Teile als „definition“ oder „important“ gekennzeichnet. Diese lernte ich vor allem. Und nur diese wurden tatsächlich abgefragt.

    Naja, und wenn ich kleine Textaufgaben zum Thema Community-Aufbau oder Wissensdatenbank beantworten soll, dann sollte ich das selbst ohne Lernen ausreichend hinbekommen.

    Ich kreuzte an, füllte Lückentexte und schrieb Texte zur knowledge retention beim fiktiven Unternehmen NovaHealth. Kaum hatte ich angefangen. war es der 16. September um 13:30h und ich war fertig.

    Es ist vorbei. Vorerst bis Mitte November, wenn ich die diversen Noten bekomme.

    Ein sehr ungewohntes Gefühl. Einerseits habe ich den Eindruck „Woooahh! Soviel freie Zeit und Energie! Was ich damit machen kann.“ Andererseits halt: „Müde. Durch. Brauche Urlaub.“ Es bleibt spannend, wie es sich entwickelt.

    Auf jeden Fall begründen wir langsam eine Nach-Klausur-Tradition, indem wir zu Sagar gingen, vegetarisches Thali und Ente Malai aßen und auf dem Sonnendeck unter der Markise den kurzen aber epischen Regen bewunderten. Danach eine Einkaufsrunde bis zur Nolle. Denn ich habe ja Zeit und kann sinnlose Umwege fahren!

    Musik!

    Beinah hätte ich spontan Zugfahrkarten und ein Hotel in Łódź gebucht, weil dies in absehbarer Zeit die einzige Chance ist, Monika Roscher live zu sehen – aber ich fürchte im Oktober benötigen wir auch Wochenende für andere Sachen. Deshalb nur ein Video: Witches Brew (live). Hammer.

    Also wenn das live nur halb so großartig ist, wie die Videos vermuten lassen, ich bin sehr sehr versucht mit Łódź.

    Laura Braun, die Gewinnerin des Wiener Protestsongcontests, tritt im Lörracher Nelli Nashorn auf.

    Ackerbau und Langeweile

    Blogger bloggen über Blog-Kommentare. Freundlicherweise steht in onli blogging schon alles was ich dazu sagen würde, nur kompetenter: Meine Haltung zu Blogkommentaren

    Ich finde in Schöneberg hat es jetzt genug gebrannt: Haus in Berlin-Schöneberg nach Dachstuhlbrand nicht bewohnbar

    Warum ich nie wieder in meinem Leben etwas mit Öffentlichkeitsarbeit machen möchte. Weder bezahlt noch ehrenamtlich: Ich müsste Social Media mitdenken: Ehrliche Reichweite.

    Andere Arbeitswelten, die reine Leere: Als Schulleiter durchs Jahr- KW36.

    Gemüse ernten:

    Ende August verbrachten wir ein langes Wochenende in Nagano. Der Weg zu unserer Unterkunft würde mehrere Stunden in Anspruch nehmen, wir recherchierten also, was man unterwegs unternehmen könnte. Dabei stießen wir auf eine Landwirtschaft, die viele verschiedene Obst- und Gemüsesorten zum Pflücken anbot. Es war letztendlich das liebste Erlebnis der ganzen Reise für unseren Sohn. (Im Dank an die Natur: Ein Ausflug nach Gunma)

    Gemüse lagern: Ab in die Miete – wie ich mein Gemüse unter die Erde brachte

    Ich möchte doch einfach nur sitzen.