26-02-03 Auto: „pött-pöff-KNALL“ Tür: „bloong – bloong“ Hulot: „Hulot“

Ich änderte den „Heimatort“ im Navi nach Wilmersdorf. Es ist erstaunlich in wie vielen Kleinigkeiten sich so ein Umzug bemerkbar macht.

Nach Überwindung einiger Komplikationen haben wir ab dem 6. auch einen „echten“ Stromvertag jenseits der Grundversorgung in Wilmersdorf.

Madame kehrte erfolgreich und begeistert aus Bremen zurück. Weitgehend unter Kooperation der Deutschen Bahn.

Die Urlaubsplanung entwickelt sich von „Mit dem Zug nach Trelleborg und dort auf die Fähre nach Kleipeda“ zu „Mit dem Zug nach Kleipeda und dort auf die Fähre nach Travemünde.“

Es war ein Sonntag des Gruschtelns und ein Montag zwischen Übergabe und Bali-Jubiläum.

Vom Greise befreit sind Wege und Straßen

Stand des Wetters: Um den Müll vor die Haustür zu bringen, zog ich mir eine dicke Winterjacke und ordentliche Schuhe an. Nicht, dass ich ausrutsche, und dann bei Minus 10 Grad im Pullover mit gebrochenem Bein hilflos auf dem Hof liege.

Samstag sah ich eine Frau mit einem Paar Schlittschuhen, die sie über der Schulter gehängt hatte, aus der U-Bahn kommen. Mein erster Gedanke war: „Sie war auf einer Eislaufbahn.“ Mein zweiter Gedanke: „Sie hat einfach die richtigen Schuhe für den derzeitigen Stand der Gehwege.“

Mein Gedanke war halb ernsthaft, halb im Scherze. Aber er war wahrhaftig. Am nächsten Tag sah ich im Internet, dass jemand in Sichtweite der Südkreuz Offices tatsächlich Schlittschuh auf dem Geh- und Fahrradweg gefahren war: „Schlittschuhlaufen auf Fahrradweg in Berlin

Stand des Winters: Ein geplantes Treffen am nächsten Samstag verkompliziert sich wegen einer gebrochenen Speiche (Unterarm) nach Sturz. Unser Vermieter heute kam mit einem geschienten Arm wegen gebrochenem Handgelenk nach Sturz.

Es war in Schöneberg im Jahr 2008

Neben vielen Kleinigkeiten umfasst der Umzug auch Großigkeiten. Die Übergabe der alten Wohnung zum Beispiel. Seit dem 2. Februar sind wir sie endgültig los. Nach 18 Jahren. Die Übergabe verlief schnell und nett (allem Irrsinn im Hause zum Trotze, der persönliche Beauftragte unseres Vermieters war immer extrem nett und zugänglich).

Wir waren uns mit ihm einig, dass die Wohnung ein riesiges Potenzial hat. Aber auch, dass der Zustand der Wohnung schlecht ist und nur noch übertroffen wird vom katastrophalen Zustand des ganzen Hauses. Aber nicht mehr unser Problem:

  • Nicht die diversen Wasserschäden und Dutzende Risse in den Wänden, die wir dem Dachstuhlausbau verdanken.
  • Nicht die Fenster, deren Rahmen schon lange Morsch waren und denen die Monate ohne Dachrinne (Dachstuhlausbau..) endgültig den Rest gaben.
  • Nicht die Gastherme, die brav und tapfer durch jeden Berliner Winter heizte, die aber auch schon einige Jahrzehnte auf dem Buckel hat.
  • Nicht die Elektrik auf dem Stand der Technik 1949.
  • Nicht die Wasserrohre, vermutlich Stand der Technik 1915.

Wir sind endgültig und vollkommen raus.

Zelebrieren in Zehlendorf

Danach galt es zu feiern. Nicht ganz einfach an diesem Tag der Begann mit einem abgerissenen Handtaschengriff, an dem es minus zehn Grad hatte, die Wege vereist waren und die BVG streikte.

Bei all meiner Liebe für Gewerkschaften: Liebe ver.di ihr hättet Held*innen der Stadt werden werden können, hättet ihr Sonntag Mittag eine Pressemitteilung verschickt „Ey, sorry, Leute. Wir haben grad aus dem Fenster geschaut. Ist ja unzumutbar draußen für Fußgänger und Radfahrer. In Berlin-Brandenburg ist der Streik verschoben.“

Aber nein.

Zum Glück half uns die S-Bahn . An der S1 liegen die alte Wohnung, der Karstadt an der Schloßstraße (mit einem großartigen Handtaschenverkäufer) und die Zehlendorfer Innenstadt mit dem Tomasa.

Im Tomasa gab es Brunch, viel Kaffee und natürlich Sekt. Wir saßen und redeten, saßen und tranken, saßen und lasen (Sonntagszeitung bzw. Bialik), schliefen fast ein und tranken mehr Kaffee. Wie so Student*innen. Unser Termin war erst drei Stunden später.

Eine Frage des Timings

Nachdem wir wechselnd durchgefroren und gesättigt waren ging es, nicht lachen, ins Kino. Die 80-Jahre-Bali-Festwoche dauert an. Wieder mit einem Klassiker: „Les vacances de M. Hulot„, 1953 produziert von Jacques Tati, der auch die Hauptrolle spielt.

Natürlich vergleiche ich innerlich mit „Serkalo“ (Tarkowski) von drei Tagen zuvor. Einerseits Filme, die kaum miteinander zu tun haben: Serkalo: meditativ, den Film als Genre fast auflösend, erdenschwer und mit der Natur verbunden. Tati: Spritzig, schnell, in bester Buster-Keaton-Tradition; obwohl 20 Jahre älter wirkt Tati moderner als Tarkowski.

Und doch haben sie Gemeinsamkeiten: das Vertrauen in das Bild. Der weitgehende Verzicht auf Dialog, Sprache kommt vor, ist aber mindestens genauso sehr Sound wie Bedeutunsgträger. Beide Filme sind sehr körperlich. Bedeutung kommt aus Bild und Sound.

In den Ferien

Die Ferien des Monsieur Hulot erzählt die Geschichte einer Ferienwoche (mehrere Ferienwochen?) an der französischen Atlantikküste. Menschen kommen mit Zug, Bus, Auto und wie Hulot mit seinem 30 Jahre alten scheppernden knallenden trötenden „Motomobil“ dem Salmson AL3.

Die Menschen erleben kleinere und größere Abenteuer, die vor allem durch die Tolpatschigkeit des immer lieben immer hilfsbereiten Monsieur Hulot ausgelöst werden. Sei es, dass erfolglos versucht Kayak zu fahren oder daran scheitern zu reiten oder weil er ein Bild gerade rücken möchte. (Wer den Loriot-Sketch kennt, hier ist die Inspiration für den Loriot-Sketch mit dem schiefen Bild).

Die Szene, in der Hulot versucht, mit einen Mit-Urlauber den bereits abgefahrenen Bus zu erreichen und sich am Ende mit einer Beerdigungsgesellschaft anfreundet gehört zu den großartigetsen Verfolgungsjagden der Filmgeschichte.

Immer liebevoll, immer voller Spott – die Menschen, und insbesondere die Urlauber der 1950er, immer durchschauen und doch nie blossstellend.

Bloong – Töff – Explosion

In einem Film in dem wenig gesprochen wird, und wenn gesprochen wird, wird immer noch wenig gesagt, spielen Musik und Sound eine große Rolle. War es bei Tarkows Bach, der als Mauer im Raum steht – das Bild unterlegt die Musik, nicht umgekehrt, ist es bei Tati das fröhlich beschwingte „Quel Temps Fait-Il A Paris?“, das allein durch ewige Wiederholung die ganze Albernheit der geplant fröhlichen Urlaubszeit in Szene setzt.

Töne verschwinden nicht, sie sind gesetzt. Das Knallen und Pöttern von Hulots Salmson trägt ganze Handlungsstränge. Selbst die Restaurant-Schwingtür mit ihrem ewig Bloong Bloong hat mehr Charaktertiefe als die meisten Actionfilmfiguren. Jeder Ton ein Gewinn für den Film.

1953

Worüber wir auch staunten. 1953. Acht Jahre nach Ende des Zweiten Weltkriegs. Für alle Beteiligten am Film war das gefühlt Vorgestern. Wir staunten über solch explosionsreichen Feuerwerksszenen, gedreht von Leuten, die alle noch Bombenexplosionen im Ohr hatten. Und doch so modern. Es bedürfte nur Änderungen im Detail und mensch könnte den Film nahezu identisch im Jahr 2026 drehen.

„Magie“ und Traum

Lasst mich mit Texten über „KI“ in Ruhe. Außer bei Thomas. Der weiß wovon er schreibt, unter anderem von der „Magie“ von Claude Code.

Finnland kann Winter offenbar besser. Mit Verkehrszeichen, die auf die gebürsteten Radwege projeziert werden und in Oulo wird es ein Traum in Weiß.

Derweil aus Frankreich: Lustiges Regenspielzeug für das Fahrrad: Rainjoy Bub-up.

Sie werden verstehen, dass der C. Wiederkehr-Vorschlag Latein zu kürzen mich wie ein Keulenschlag getroffen hat. Latein zu kürzen geht für mich gar nicht.

5 Gedanken zu „26-02-03 Auto: „pött-pöff-KNALL“ Tür: „bloong – bloong“ Hulot: „Hulot““

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