Kategorie: Alltag

  • 25-08-14 La Chimera

    25-08-14 La Chimera

    Reminder to myself: Handfächer besorgen.

    Auch wichtig: Minrozendud. Sagen zumindest meine Notizen.

    Madame kaufte einen Koffer im Farbton Eiscafé-Stuhl.

    Ich erinnerte mich an die Worte meines ehemaligen Professors. Dieser sagte, dass ein Politikwissenschaftler immer ein Grundgesetz in der Tasche haben sollte. Mit einiger Verspätung folgte ich seinen Worten und installierte die Grundgesetz-App.

    Ich bin Mitglied von DB Kundenblick – dort kann ich immer mal wieder Umfragen zu meinen Erlebnissen mit der Bahn ausfüllen oder meine Meinung zu zukünftigen Entwicklungen geben. Bei der aktuellen Umfrage wurde erschreckend oft danach gefragt, ob man das Mitbringen eines Koffers (neben dem Handgepäck) für essenziell hält oder für einen Luxus, der auch extra kosten darf. Liebe Bahn – komme mir nicht auf schlechte Ideen!

    Der Segafredo im Bahnhof Südkreuz hat geschlossen. Das ist schade. Das war der einzige Ort des Bahnhofs an dem mensch halbwegs nett einen Kaffee trinken konnte.

    Bessere Nachricht: Im September startet die neue Show im Friedrichstadtpalast.

    An der Autowaschanlage: Ein Mann putzte seinen BMW mit etwas, das verdächtig nach Slimy aussah. Seine Partnerin stand andächtig daneben und reichte Slimy an.

    In der Buchhandlung: Otto Waalkes hat einen Spiegel-Bestseller über bildende Kunst geschrieben. Warum?

    Es waren zwei Tage des Bachelurlaubs und eine erste Rückkehr zur Arbeit – noch mobil.

    Wenn mensch soviel abwesend ist bei der Arbeit wie ich derzeit, und so wenige Stunden anwesend – dann werden die wenigen Stunden der Anwesenheit doch recht intensiv.

    Ci sono cose che non sono fatte per gli occhi umani

    Zum Abschied des Bachelurlaubs ging es noch einmal ins Kino. Im Kant-Kino lief ein Sommerfestival mit Klassikern und Kultfilmen und zum Abschluss sollte es einen Überraschungsfilm geben.

    Erstmal gab es aber ein Überraschungsgeschenk zum Ende des Festivals: ein Freigetränk. Und eine Anmoderation, die den Film nicht erwähnte, aber sie erwähnte, dass viele Besucher*innen sich den Film gewünscht haben. Obwohl er noch viel zu jung ist, um Kultfilm oder Klassiker zu werden.

    Und dann begann der Film. Die erste Szene öffnete in einem italienischen Zug der 1980er mit einem rauchenden Schaffner und ich war hin und weg. Dann folgten die ersten Dialoge und ich fragte mich „Was ist das? Warum? Warum ist das so großartig?“ und zwei Stunden später war ich darüber noch nicht hinaus. Ich hatte viele Fragen, die ich seitdem versuche, mir soweit wie möglich zu beantworten.

    Alice Rohrwachers La Chimera wird in Besprechungen immer als magischer Realismus beschrieben. Mir kommt es so vor, als hätte sie die Realität genommen, einmal kräftig dagegen getreten und dann aus den Bruchstücken etwas zusammengesetzt was irgendwie real ist, irgendwie auch eine unwirkliche Traumlandschaft.

    Deshalb fehlen mir auch etwas die klaren Worte, um die Geschichte von Arthur, Beniamina, Italia und den Grabräubern wirklich wiederzugeben. Ich sammle noch Eindrücke:

    • Ist der Film traurig? – Durchgehend.
    • Ist er lustig? – Ziemlich oft.
    • Erinnerte er an Gaunerklamotten der 1970er von der Olsenbande bis zu französischen Gangsterfilmen? – Auf jeden Fall.
    • Ist der Film politisch? – Aber hallo!
    • Ist er vielschichtig? – Unbedingt.
    • Ist das Zentrum des Verbrechens ein Tierheim? – Ja.
    • Werden Teile der Handlung als gesungene Ballade erzählt? – Aber ja.
    • Hat die Figur, die am realsten wirkt, den irrealsten Namen, nämlich Italia – ja.
    • Hast du schon je so eindrückliche Handlungsorte in einem spielt-auf-dieser-Welt-Film gesehen? – Vermutlich nicht.
    • Spielen Schlüsselszenen im Zug und auf dem Schiff? – Ja.
    • Ist der einzige Ort, der nicht traurig ist, ein halb verfallener besetzter Bahnhof? – Ja.
    • Bleiben die Bilder aus den etruskischen Gräbern im Gedächtnis? – Aber ja.
    • Kommen im Soundtrack Claudio Monteverdis Orfeo (Unterwelt!), eine Mozart-Arie, Kraftwerk, Tito Puente, ein Tango und Franco Battiatos Gli Uccelli vor? – ja.

    Weiter in ihrer Wortfindung sind das Magazin Strandgut (Wem gehört die Geschichte Italiens? »La chimera« von Alice Rohrwacher) aber auch sie kämpfen noch:

    Aber noch zwischen diesen Geschehnissen passiert so viel, manches davon bleibt rätselhaft und offen, dass man kaum mitkommt. Jede Einstellung hat drei Bedeutungen, mindestens.

    Ganz gut trifft den Film meines Erachtens bohema wien: La Chimera: Zwischen Fabel und harter Realität

    Ein, für ihre Filme charakteristisches, märchenhaftes Je-ne-sais-quoi lädt dazu ein mit den Figuren mit zu träumen und der Abbildung einer eigentlich sehr harten Realität ein Stück weit den Rücken zu kehren.

    Primal = Dual nicht egal

    Um in Radfahrmetaphern zu reden, befindet sich die Bachelorarbeit gerade auf einem steilen Anstieg zum nächsten Gipfel und es geht im Schritttempo vor sich. Tatsächlich bin ich mal wieder zurück am rechnerfreuen Schreibtisch mit Stift und Papier und versuche, Gleichungen zu verstehen. Aber ich habe die Hoffnung: wenn ich oben angekommen bin, öffnet sich mir eine weite fruchtbare Ebene weiterer Erkenntnisse.

    Aktueller Endgegner: \[ ^\rho\Delta c_j \] Wobei gilt: \[ ^\rho\Delta c_j = (c^T_B * \rho a^j) – c_j \]

    Und noch verstehe ich nicht wirklich, wo das a herkommt und warum dann später relevant ist, dass c undabhängig von b ist. Aber das wird

    Blick auf den Schreibtisch. Ein aufgeschlagenes Buch Wirtschaftsmathematoik von 1973, zwei Zetteln mit Notizen dazu und eine Kaffeetasse und ein Stift.

    Spandau-Sarajevo

    Vor dem Konzert aßen wir in der Innenstadt von Spandau eine Kleinigkeit. Das war für mich ein bißchen skurril, da man sich wie in einer typischen Kleinstadt vorkommt, aber von Berlinern umgeben ist, die aussehen, wie man sich Berliner eben so vorstellt und sich dort hinzu dann noch die ganzen Konzertbesucher gesellen, die auch noch einen Happen essen wollten. Das war interessant.

    Mit dem Zug von Mostar nach Sarajevo: Turku-Sarajevo mit dem Zug: (13) Mostar – Sarajevo

    Falls ihr eine Woche Zeit habt, das Internet nachzulesen: The Curious About Everything Newsletter #53

  • 25-08-12 \setcounter{MaxMatrixCols}{17}

    25-08-12 \setcounter{MaxMatrixCols}{17}

    Madame kämpfte mit einer Power-Festplatte und Windows-11-Updates.

    Allgemeiner Stand auf dem Berliner Wohnungsmarkt: [Der Vermieter] will seinen Untermieter in Neukölln loswerden. .. Tür aufgetreten, Pfefferspray ins Gesicht. Mit einem Cuttermesser .. Schnitte am linken Mittelfinger .. Bargeld, Mobiltelefone und Schlüssel.. entwenden.. Schwester des Untermieters mit Pfefferspray angegriffen und in den Bauch getreten. Der Untermieter wohnt weiterhin dort. Besser als eine neue Wohnung finden..

    Falls ihr je versucht, eine 17-spaltige Matrix in LaTeX darzustellen und eine halbe Stunde der Fehlermeldung Extra alignment tab has been changed to \cr. hinterhersucht, dann wisset: Es gibt eine natürliche Begrenzung der möglichen Spalten in Matritzen und diese lautet: 10!

    Nachdem ich das wusste, fand ich auch schnell den Befehl, die Grenze hochzusetzen: \setcounter{MaxMatrixCols}{17} . Und das beste: Die 17-spaltige Matrix passt auch noch auf eine Hochformat-A4-Seite und ist gut lesbar. Anders als eine 19-spaltige-Tabelle. Aber das bekomme ich auch noch hin.

    \[ \begin{equation} %formelumgebung A = \begin{pmatrix} 1 & 0 & 0 & 0 & 0 & 0 & 1 & 0 & 0 & 0 & 0 & 0 & 0 & 0 & 0 & 0 & 0 \\ 0 & 1 & 0 & 0 & 0 & 0 & 0 & 1 & 0 & 0 & 0 & 0 & 0 & 0 & 0 & 0 & 0 \\ 0 & 0 & 1 & 0 & 0 & 0 & 0 & 0 & 1 & 0 & 0 & 0 & 0 & 0 & 0 & 0 & 0 \\ 0 & 0 & 0 & 1 & 0 & 0 & 0 & 0 & 0 & 1 & 0 & 0 & 0 & 0 & 0 & 0 & 0 \\ 0 & 0 & 0 & 0 & 1 & 0 & 0 & 0 & 0 & 0 & 1 & 0 & 0 & 0 & 0 & 0 & 0 \\ 0 & 0 & 0 & 0 & 0 & 1 & 0 & 0 & 0 & 0 & 0 & 1 & 0 & 0 & 0 & 0 & 0 \\ \tfrac{7}{2} & 2 & 4 & 12 & 8 & \tfrac{1}{2} & 0 & 0 & 0 & 0 & 0 & 0 & 1 & 0 & 0 & 0 & 0 \\ 2 & 2 & 1 & 2 & 2 & 1 & 0 & 0 & 0 & 0 & 0 & 0 & 0 & 1 & 0 & 0 & 0 \\ 12 & 12 & 0 & 30 & 20 & 25 & 0 & 0 & 0 & 0 & 0 & 0 & 0 & 0 & 1 & 0 & 0 \\ 2 & 1 & 1 & 3 & 2 & 3 & 0 & 0 & 0 & 0 & 0 & 0 & 0 & 0 & 0 & 1 & 0 \\ 0 & 0 & 0 & 25 & 5 & 3 & 0 & 0 & 0 & 0 & 0 & 0 & 0 & 0 & 0 & 0 & 1 \end{pmatrix} \label{AlleNebenMatrix} \end{equation} \]

    Es waren zwei Tage des Bachelurlaubs mit kleinen Exkursionen ins Schwimmbad und in die Stadt.

    Die Baustelle bohrt fröhlich um 7.30h. Aber es geht voran und noch steht die Wohnung.

    In Nord-Mazedonien steht sogar schon ein Denkmal für unsere Bauarbeiter: Siehe hier.

    Fast hätte ich am Wohnungsbestand Zweifel gehabt. Während ich Sonntag im Wohnzimmer saß, roch es heftig nach Grillgeruch. Ich schaute vom Balkon und sah Rauchschwaden aus Wohnung 2L. Okay, den Bewohner*innen dort traue ich auch Balkongrillen zu, aber trotzdem. Ich überlegte: Feuerwehr? Runtergehen und Fragen? Und wenn ich runtergehe und es brennt, muss ich das Haus verlassen, vorher noch was einpacken?

    Naja, während ich überlegte, ließ der Rauch nach und ich hörte fröhliche Stimmen vom Balkon. Glück gehabt.

    Fast nach Wilmersdorf, knapp nach Steglitz

    Die Verzottelungs-Verhinderungs-Exkursionen führten mich bis zu den Extrempunkten von Schöneberg. Ein abendlicher Spaziergang am Sonntag nach Nordwesten endete bei Anna Urania in Sichtweite des KaDeWes und damit in Sichtweite der Bezirksgrenze nach Wilmersdorf. Vorher das abendliche bürgerliche Schöneberg mit Altbau-Wohngegenden, dem einen Ausgehviertel (Akazienstraße), dem anderen Ausgehviertel (Nollendorfkiez) und der ein oder anderen neogothischen Kirche auf dem Weg.

    Dabei im Vorbeigehen entdeckt: Das Restaurant Elefant, das ordentliche bürgerliche Küche zu kredenzen scheint und ein wirklich einladendes über-uns-Foto auf der Website hat. Und die Pizzeria El Mastro. Die lag nun jenseits von allem, sah aus wie der seltsamste Lieferdienst im Industriegebiet, aber war randvoll. Sie muss ein Geheimnis haben.,

    Montag kam the marvelous Frau Z. Und damit die alleine in der Wohnung wirken konnte, startete ich meinen Ausflug an das andere Ende Schönebergs. Das Insulanerbad liegt in Steglitz, aber nur knapp 200 Meter von der südöstlichen Bezirksgrenze entfernt.

    Auch wenn die Uhrzeit Zufall war. Manchmal passt alles. Als ich um 11:20h ins Becken ging, zogen die renitenten Rüpelrentnerpaare gerade ihre letzten Bahnen und verschwanden. Als ich gegen 12:10 nach 1500 Metern das Becken verlies und gen Ausgang lief kamen mir die Großfamilien mit ihren Kinderwagengeschwadern entgegen.

    Dazwischen: Strahlender Sonnenschein, blauer Himmel, 25 Grad, leer genug um vollkommen entspannt Schwadern zu können, und voll genug um beim Schauen Entertainment zu haben. Manchmal gibt es doch perfekte Sommertage.

    Danach ein Menemen bei Café Peri. Madame hatte recht: genau so stelle ich mir auch ein Hipstercafé in Istanbul vor. Das war schon alles sehr türkisch dort, aber auch sehr schick und stylish und kilometerweit von der üblichen Dönerladen-Gemütlichkeit entfernt.

    Ein Stück grüner Wiese vor Büschen. Darauf links eine ehemalige Miniaturrutsche in Form eines Krokodils, erkennbar in die Jahre gekommen und mit Flatterband zum Rutschen gesperrt, rechts ein Tuff rot blühender Blumen.

    10000 Wörter

    Eine Woche Bachelurlaub fühlt sich an wie 10 Wochen. Habe ich je in meinem Leben etwas Anderes gemacht?

    Der Wort-Zähl-Stand ist bei 10.000. Das ist genau der Zielpunkt. Noch fehlen Einleitung und Schluß, und ich habe tolle Ideen für bisherige inhaltliche Lücken. Aber noch sind auch eine ganze Menge Dopplungen im Text.

    Knacknuss 4 und 5 sind geknackt. Diese waren nicht ganz so existenziell wie die ersten drei. Aber ihr Nichtknacken führte doch zu einigem inhaltlichen Rumlavieren in der Arbeit. Bildlich gesprochen ruhte sie auf drei zusammengebundenen Gartenklappstühlen und jetzt ziehe ich gerade ein ordentliches Fundament ein. Es wird. Und wenn die Zeit noch reicht für alles was ich mir vorgenommen habe, wird es richtig gut.

    Schuld ist (Gal, 1973)1, bei dem es jetzt im vielfachten Verstehensversuch plötzlich click machte und ich dachte „Ach, so geht das!“. Und damit waren alle meine Probleme gelöst.

    Jetzt halt „nur“ noch alles im Detail durchgehen und einarbeiten und Schlussfolgerungen daraus ziehen. Noch 21 Tage bis Abgabe, davon 7 inklusive Erwerbsarbeit.

    Island Mostar Civil Service

    „Fasten“ klingt irgendwie viel edler als „nichts essen“. Ein bisschen wie „Hungern“, aber von Manufactum.

    Dazu passend: Die Apotheken-Umschau über Gewicht: Über Gewicht (Folge 1 von 4) – „Ich bin Arzt und dick“ (via Heiko)

    Nic auf Island

    Karen hat die Tourismuszentren Kroations hinter sich gelassen und schreibt gleich wieder viel lebendiger: Turku-Sarajevo mit dem Zug: (12) Mostar

    Terence Eden über Arbeit: I hate being introspective. But I’m told it’s good for me. A few months ago, I handed in my notice to Cabinet Office. And now I’m no longer a Civil Servant.

    Arne Semsrott kommt in die Bücherei.

    Anmerkungen

    1. Gebraucht übrigens für knapp 20 Euro erhältlich, statt der 200, die der Verlag aktuell aufruft. Wissenschaftsverlage.. Und eine sehr wertvolle Anschaffung soviel wie ich da inzwischen drin rumgemalt habe. ↩︎
  • 25-08-10 Neuntausend Wörter

    25-08-10 Neuntausend Wörter

    Die Dachbauarbeiter befestigen eine Regenrinnenhalterung an der Hauswand. Das ist prinzipiell gut, dann fließt der Regen vielleicht irgendwann nicht mehr direkt an unsere Fenster. Allerdings bedeutete es auch Männer mit Bohrmaschinen, die Samstag um acht mehr oder weniger direkt vor dem Schlafzimmerfenster standen und an der Außenmauer bohrten. Naja, ich wollte ja eh an der Bachelorarbeit weiter schreiben.

    In drei Tagen acht Jahreszeiten. Erst hat die LP mit Vivaldis Vier Jahreszeiten eine bedeutende Rolle im Film Vermiglio gespielt – zu dem später mehr – dann wurden Ausschnitte des Werks im Deutschlandfunkgottesdienst gespielt samt Klimawandelpredigt.

    Es waren zweieinhalbtage Bachelurlaub, unterbrochen durch einige kurze Exkusionen ins Kino und ins Schwimmbad.

    Nachdem es mit der Kabane lange schwierig war, kann ich diese mittlerweile nutzen und kam auf die Kabanenbesuche drei (Freitag – 25 Grad – bedeckt, Bad leer) und vier (Samstag – 30 Grad – Sonne, Bad knallevoll). Am Freitag die Premiere, dass ich gleich zwei Kolleginnen im Becken getroffen habe, eine davon sogar in ihrer Freizeit.

    Trümmelbachfälle

    Madame setzte ihren Interrailurlaub in der Schweiz fort.

    Sie ließ sich mehrfach koreanisch bekochen.

    Tagesüber besichtigte sie einen Indoor-Wasserfall. Die Trümmelbachfälle haben sich so tief in den Berg hinein geschnitten, dass sie inzwischen ihre eigene Höhle gebaut haben. Über zehn einzelne Fälle fällt das Wasser der Gletscher von Eiger, Mönch und Jungfrau insgesamt 140 Meter tief. Die oberen der Fälle erreicht kein Tageslicht mehr, so tief liegen sie im Berg.

    Wenn es realiter nur halb so spektakulär aussieht wie auf Madames Fotos und Filmchen bin ich schwer beeindruckt.

    Aber die brachte auch die Erkenntnis mit: Lauterbrunnen, quasi der Startpunkt „nach oben“ Richtung Eiger, Mönch und Jungfrau, ist in den Sommerferien ganz schön voll.

    Vermiglio

    Nachdem meine dritte Knacknuss geknackt war, dachte ich, ich mache mir etwas Schönes und gehe ins Kino. Es folgte eine Triangulation aus „beste Zeit“ und „schöner Film“ und „Kino, in dem ich noch nicht war“ und es wurde Vermiglio am Donnerstag Abend im Cinema Paris.

    Das Cinema Paris gehörte einst zum Institut français im Maison de France, ist mittlerweile unabhängig vom Institut und wird – wie das Odeon bei uns um die Ecke – von den Yorck-Kinos bespielt. Ich stellte fest: an diesem Ende des Ku’damms an dem das Kino liegt, war ich quasi noch nie. Es ist überraschend viel frankophonie noch vorhanden.

    Vermiglio, ein italienischer Film, dem mehrere Filmbeschreibungsseiten sogar einen Plot attestieren. Ich habe ihn zwar den Plot gefunden. Da er aber keineswegs handlungstreibend ist oder sonst von großer Relevanz für den Film, werde ich ihn einfach ignorieren.

    Am Ende schildert Vermiglio ein knappes Jahr (Winter 1944 bis Herbst 1945) einer zwölfköpfigen Lehrerfamilie in einem Bergdorf der italienischen Alpen. Die Berge sind großartig, die Räume sind eng und kalt. Es wird gehungert. Andauernd trifft man dieselben Menschen. Alle paar Wochen stirbt jemand. Gefühlt war es eine Mischung aus Heidi (die Alpen-Kulisse, die Kostüme) in dunkel, eng und deprimierend und Ein Hof und 11 Geschwister in gebildeter entlegener Armut.

    Mehr oder weniger die drei Hauptpersonen sind die Schwestern Lucia (vielleicht 18), Ada (15/16) und Flavia (12/13), die versuchen für sich einen Platz in der Welt zu finden – die vor allem aus diesem Dorf besteht; eine Welt, die durch den Zweiten Weltkrieg im Tal noch beengter ist. Schlüsselszenen sind die drei, die Abends unter Kerzenschein in ihrem Holzbett liegen und Geheimnisse austauschen.

    Wirklich großartig. Aber fröhlich ist echt was anders. 1

    Abend/nächtliche Frontansicht des Maison de France. "Maison de France" und "CInema Paris" auf der Fassade in klassischen Neonbuchstaben, unten im klassischen Kinowechselbuchstabenformat angekündigt "Vermiglio"

    Da isser wieder der Gilbert

    Die Bachelorarbeit hat inzwischen 9000 Worte. Damit ist die geforderte Mindestanzahl geschafft. Es sind noch nicht die richtigen 9000. Noch gibt es auch die ein oder andere inhaltliche Lücke – aber ich weiß, wie ich sie füllen will.

    Es nähert sich. Ich kann beim Überarbeiten jetzt auch mit gutem Gewissen Absätze streichen, und Füllmaterial ausbauen. Es wird.

    Zwischendurch eine lustige Wiederentdeckung. Ich habe ja während der Vorarbeiten diverse Videos zu Linearer Algebra mit Gilbert Strang, dem Matheprofessor, der immer so wirkt, als wäre er dein bester Freund, geschaut. Leider hat er keinen direkten Bezug zu meinem Thema.

    Einen direkten Bezug hat aber die Programmiersprache Julia, weil ich in der ein bißchen rechnen werde. Und als dieser Sprache hinterher recherchierte, stieß ich auf den Aufsatz, in dem sie quasi der akademischen Welt vorgestellt wird:

    Bezanson, J., Edelman, A., Karpinski, S. & Shah, V. B. (2017). Julia: A Fresh Approach to Numerical Computing. SIAM Review, 59(1), 65–98. https://doi.org/10.1137/141000671

    Diesen Aufsatz las ich nichtsahnend und dann dieser Absatz:

    Julia has symmetric tridiagonal matrices as a special type. For example, we may define Gil Strang’s favorite matrix (the second-order di fference matrix; see Figure 1) in a way that uses only O(n) memory.“ ..

    Figur eins ist ein Foto einer 11×11-Matrix aus beschrifteten Cupcakes, definiert im Beschreibungstext als strang(n) =

    Anderes Fundstück für mich: A comprehensive study of Mixed Integer Programming with JuMP on Julia (Part 1) AUf jeden Fall praktisch, aber ist das zitabel?

    Nicht zitabel, aber eine Hilfe bei den elenden Rechnungsmarathon, den Lineare Programme so mit sich bringen: Simple Pivot Tool

    Radeln

    Der Herr Flusskiesel ist Schuhfluencer. Als ich Bus einem Bär-Schuhgeschäft vorbeifuhr, wäre ich fast spontan aus dem Bus gesprungen, weil er schon so überzeugend von diesen Schuhen schwärmte.

    Lebensberatung von Frau Novemberregen: [E]s gibt nur eine einzige Strategie: die innere Haltung. Sich voll hineinwerfen und im Kopf keine andere Wirklichkeit zulassen.“ Kein „aber was, wenn“, keinen doppelten Boden mitdenken, all-in gehen. Ist das anstrengend? Ja, sehr! Kann das schiefgehen und man steht hinterher blöd da? Absolut! Das ist der Preis. Plus anschauliches Beispiel.

    Inzwischen haben viele Teilnehmer*innen des Transcontinental Race 11 dieses beendet und gut 4000 Kilometer quer durch Europa in 10 bis 14 Tagen auf dem Fahrrad zurückgelegt. Alle Fähr- und Brückenprobleme sind überwunden. Mir neu waren die Hundeprobleme mit großen frei laufenden und lebenden Hunden in Südosteuropa, denen mensch nachts auch nur so mittelgern auf dem Fahrrad begegnet.

    Dabei entdeckt: Letztes Jahr drehte das ZDF eine Dokumentation zum Rennen: Das verrückteste Radrennend er Welt. Insbesondere beeindruckt von Jana Kesenheimer, die einfach unfassbare Leistungen vollbringt und dabei halt auch noch ne nette, bodenständige Frau aus dem Schwarzwald ist.

    Noch weiter mit dem Rad fährt Rebis. Diese verließ Almaty.

    Karen fuhr diesmal gar nicht mit dem Zug: Turku-Sarajevo mit dem Zug: (11) Dubrovnik – Mostar

    Für mehr osteuropäische Gemüseküche. Magentratzerl bespricht das Buch Kapusta.

    Fundstück:

    Also, I am NOT the author of More Than a Mom: Living a Full And Balanced Life When Your Child Has Special Needs. I’ve asked Goodreads to remove it from my page several times but it keeps getting re-added. If you have questions about this title, please direct them to the other Heather Fawcett!

    Anmerkungen

    1. Es gibt einige Szenen immerhin, die unglaublich komisch sind. Und die ihren Reiz auch daher beziehen, dass die beteiligten Personen im Film jegliche Wahrnehmung der Komic fehlt. Beispiel: Ein Baby, das an Keuchhusten leidet (extrem unkomisch) und mit Kohlwickeln behandelt wird, die sich als eine Art Krone aus Kohlblättern auf des Babys Kopf entpuppen. Ein Anblick zum Schreien – aber natürlich würde niemand in der Situation im Film auch nur Lächeln. ↩︎
  • 25-08-07 For D in 0:0.1:10

    25-08-07 For D in 0:0.1:10

    Es hat seit über 24 Stunden nicht geregnet.

    Zum Merken: in der Crellestraße befindet sich eine Schuhmacherwerkstatt – vielleicht sogar noch geöffnet.

    Der schnarchigste Späti Schönebergs hat sich seiner selbst bewiesen. Drei Besuche an drei Tagen bedurfte es, bis einer der Angestellten doch das GLS-Paket fand.

    Was die Frage aufwirft: Was macht mensch in so einem Fall, wenn das Paket wirklich verschwunden wäre? Anzeige wegen Diebstahls erstatten?

    Während die Bachelorarbeit gerade einen großen Schritt nach vorne macht, wollen die Dachbauarbeiter für Abwechslung sorgen. Aktuell bohren sie und werfen Balken direkt über meinem Kopf.

    Es waren drei Tage Bachelurlaub zwischen Arbeitszimmerkammer und gelegentlichen Exkursionen.

    Internet wie 2010: Beim #tcrno11 rätselt halb Mastodon, wann die letzte Donaufähre bei Chichiu in Rumänien fährt, und ob Victor Borsoni (150 Kilometer Vorsprung, aber auf der falschen Seite der Donau) noch rechtzeitig eine Fähre erwischen wird. Die diskutierende Mastodon-Fahrradbubble kennt sich mittlerweile bestens mit Donauquerungen aus und dem desaströsen Zustand der „Freundschaftsbrücke“ über den Fluss zwischen Giurgiu und Ruse.

    Aspendos hat geschlossen. Der vielleicht beste Dönerladen in Schöneberg, auf jeden Fall der beste Gözleme-Laden, Stammausgeh-Ort seit 2008, ist plötzlich zu. Am Fenster nur ein Plakat: Hier eröffnet demnächst La Fiamma – immerhin scheinen sie den Ofen weiterbenutzen zu wollen. Aber was aus Aspendos wurde? Bisher wissen weder Google noch Tripadvisor, dass Aspendos nicht mehr existiert. Ob er vielleicht umzieht? Für sachdienliche Hinweise bin ich dankbar.

    Als Madame begann, Normandie-Reisepläne zu entwickeln, wurde ich ja neugierig und dachte Le Havre klingt spannend. Da würde ich ja gerne hin. Ich hab aber nichts gesagt, war ja ihre Reise. Nachdem Madame jetzt vor Ort war, erwähnte sie, dass sie Le Havre spannend fände. Ich glaube wir haben ein gemeinsames Reiseziel.

    Auch noch auf der Liste: Triest. Es gibt eine tolle Berg-Tram nach Slowenien.

    Sur les plages

    Während des Bachelurlaubs durchlebe ich ja ein wenig wieder Studentenzeit, aber mit mehr Geld und mehr Plan. Während ihrer Frankreichfahrt durchlebt Madame Urlaub wie zu Studiumszeiten, aber mit mehr Plan und mit mehr Geld. Ein klassischer „ich-fahr-mit-dem-Zug-und-großen-Augen-durch-die-Welt-und-schau-sie-mir-an“-Urlaub, aber mit 1. Klasse-Interrail, Hotels und der Möglichkeit bei Bedarf jederzeit ein Restaurant zu besuchen oder einen Kaffee zu kaufen.

    Oder mit der Möglichkeit, eine Minibustour an die Strände des D-Days zu buchen. Einen Tag lang an Omaha Beach und Gold Beach. Madame, ein britisches Musiker/Künstler-Ehepaar mit Teenager und ein junger französischer Historiker, der gleichzeitig als Fahrer und als Guide diente.

    Eindrücklich: Sowohl die Strände, Mahnmale und Soldatenfriedhöfe (so unterschiedlich gehen Amerikaner, Briten und Deutsche mit dem Thema um), aber auch die Möglichkeit einen ganzen Tag lang einen aufgeschlossenen, kompetenten und gebildeten Ansprechpartner zu Allem zu haben.

    Dabei erfuhr sie: Während jüngere Amerikaner, Kanadier und Briten oft entrüstet sind, dass an diesen Stränden halt Strandsachen passieren („Historischer Ort! All das Blut!“) freuen sich die echten Veteranen eher. („Dafür, dass hier Kinder unbeschwert baden können, haben wir gekämpft“).

    Abends dann Zufallstreffen mit den Briten im Restaurant. Dabei erfuhr sie: Britische Livemusik ist weitgehend tot. Corona tötete die kleinen Venues und Veranstaltungsorte im Vereinigten Königreich, in denen die Musiker auftreten könnte, der Brexit macht es quasi unmöglich, als britischer Musiker in Europa aufzutreten.

    Ein hoch auf paneuropäische Zusammenarbeit. Diese ermöglichte Madame die Weiterfahrt über Paris (St. Lazare / Gare du Lyon) und Basel SBB nach Bern.

    Menschen, die auf Beispielcode starren

    Die Bachelorarbeit der letzten Tage fühlte sich an wie Cha-Cha-Cha: Viel Bewegung, aber es ging nicht richtig von der Stelle. Statische Action ohne Ergebnis.

    Knacknuss 3 erwies sich als widerspenstig. Und mir war und ist klar, wenn ich die nicht Knacke fehlt ein entscheidender Teil der Arbeit – eigentlich fehlt der Schlussstein, der alles andere zusammenhält. Und während ich so an Nummer 3 herumbastelte, passten Knacknüssen 1 und 2 plötzlich auch nicht mehr. Also nochmal drei Schritte zurück und überlegen, wo ich falsch abbog.

    Und während ich also herumknackte, lange und intensiv Codebeispiele nachlas und mich fragte, warum sie alle nicht wirklich meine Probleme lösen, dämmerte es langsam.

    Das Paket ParametricOptInterface.jl ist zu überdimensioniert für meine Zwecke. Irgendwie sah das immer so aus als wäre es in meinem Anwendungsfall einfach eine sehr komplizierte Art, eine einfache Schleife zu bauen.

    Und dann dachte ich: Also mache ich es mal einfach und bastel nichts drumherum, sondern sage nur: „Berechne das für alle Werte von 0 bis 10 in Schritten von 0,1“ bzw. For D in 0:0.1:10. So einfach, man muss es nur sehen.

    Jetzt habe ich meinen Schlussstein und damit habe ich alles zusammen, was ich benötige. Jetzt gilt es alle Steine und schon halb gebauten Teile der Arbeit zusammenzubringen. Das wird auch noch mal Aufwand und nicht ohne das ein oder andere „warum passt das nicht?“ abgehen. Aber ich bin mir sicher, dass ich alles an Material habe und alles an Fertigkeiten, um es zusammenzusetzen. Kein Chillen, aber Arbeiten im Flow.

    22 Bahnen

    Zwischendurch: Weiterhin Programm gegen die Lernhöhlenverzottelung: ein Spaziergang am Tag außerhalb der Wohnung und ein abendliches 3-Gänge-Menü.

    Tag 1: Crellestraße, zweimal über die ICE-Trasse, am Lokdepot vorbei und zurück. Dabei das Lokdepot näher betrachten. Mich wundern, dass die Sackgasse unter der Straßenbrücke – eigentlich klassischer Ort für alle, die keine Heimat haben aber nicht gesehen und gestört werden wollen – von Liebespaaren bis hin zu obdachlosen Junkies – so ungemein aufgeräumt wirkt. Anscheinend ist das Haus der Parität schuld, das dort im Versteck seinen Eingang hat.

    Blick im Eisenbahndepot des Berliner Technikmuseums nach schräg oben. Oben links eine Metallschild in Form einer alten Dampflos mit Pfeil nach Links. Darunter ein Backsteingebäude des Depots. Im Hintergrund ein roter Neubau, das Design des Depots aufgreifend. Blauer Himmel mit einzelnen Wolken.

    An Tag 2 hatte ich die Nuss bereits geknackt. Weg vom Spaziergang, der immer so ein bißchen provisorisch nach „nur kurz“ wirkt, hin zu einer echten Aktivität: Auf zur Kabane, auf ins Insulanerbad!

    Das Bad war erfreulich sonnig und erfreulich leer. Ich schwamm sehr entspannte 22 Bahnen. Freute mich kurz am halb mitgehörtem Gespräch zwischen Rettungsschwimmer und Badegast über den richtigen Wlan-Router für den Rettungsschwimmer.

    Freute mich in dem Moment noch mehr, dass der Rettungsschwimmer mich anscheinend nicht kannte, und ich deshalb keinen Privat-IT-Support leisten musste.

    Danach weiter mit dem Bus zur Kaiserin – einem Laden, der sich laut Schild nur auf Kaiserschmarrn spezialiert hat. Ich will die Zeit ja auch nutzen, um mal verschiedenste „Ich könnte mal ausprobieren“-Punkte tatsächlich auszuprobieren.

    Bei der Kaiserin wird es aber wohl bei einem Besuch bleiben. Der Schmarrn sparkte wenig Joy. Immerhin, zwei der drei Wespen, die mich umschwärmten, hat es gefallen. Es half dem Essen nicht, dass ich dauernd befürchtete die Wespe zu verschlucken, die mir in den Mund fliegt. Die dritte hat sich zu ihrem Unglück selbst in der Vanillesauce versenkt. Für mich hatte es den Vorteil, dass sie mir nicht mehr in den Mund fliegen konnte.

    Der Nord-Ostsee-Kanal ist nicht in der New York Times

    Worlds collide: Dexter Holland, Sänger der Punkband The Offspring hat ein anderes Leben als Molekularbiologe. Nach Millionen von Plattenverkäufen in den 1990ern hat er 2017 seine Doktorarbeit geschlossen. Diese Arbeit zur Sequenzierung von mRNA in HIV wurde „heavily cited“ in den Studien zum Corona-Impfstoff und spielt jetzt auch eine entscheidende Rolle bei den neusten Entwicklung in der HIV-Bekämpfung. (via Andre Pitz)

    Mehr von Angelas und Holger 13-Monats-Tour, so ganz grundsätzlich: Für uns ist es anders. Drei Jahre lang hat Angela Arbeitszeit angespart und mindestens ebenso lange beschäftigen wir uns mit der Auszeit. All die Zeit haben wir überlegt, abgewägt, Probleme erkannt, Lösungen gesucht, ein Boot hat uns gefunden.

    Weniger grundsätzlich, aber spannend: Wie läuft eine Fahrt mit dem Sportboot durch den Nord-Ostsee-Kanal ab: AZ13 – NOK, NOK. Wer da?

    Hotel Mama beim Filmfestival in Locarno.

    Letztlich war ich noch am Landwehrkanal, kam zufällig am La Maison vorbei und dachte, das ist ja ganz schön voll. Nicht ahnend, dass La Maison das neue Berghain ist. Sagt zumindest die New York Times (Geschenklink).

    Nicht ganz die New York Times ist die B.Z. Aber ich fühle mich in meiner letzten Kommunalwahlentscheidung darin bestätigt, dass der B.Z. bei der grünen Bezirksstadträtin Saskia regelmäßig der Speichel läuft. Seitdem sie im Amt ist, geht es mit dem Radfahren und ÖPNV hier endlich vorwärts.

    Zugost mit Triest-TRam https://zugpost.org/zugschau-56/

  • 25-08-05 function badoffen() function badsensibel()

    25-08-05 function badoffen() function badsensibel()

    Am Breslauer Platz stehen Trinkbrunnen. Eine gute Idee in einem Sommer, in dem es zwar nur 21 Grad hat, es dank Dauerregen aber schwül ist wie nichts Gutes. Lasst einmal einen Strahl der knalligen Sonne auf mich fallen und ich verwandle mich spontan in einen Schweißtropfen.

    Die ganze Stadt fühlt sich inzwischen wie ein Campingurlaub bei Regen an. Nichts trocknet mehr.

    Neues Lebensziel: Namenspatron einer Pastaform werden. Wobei „Adriano Celentano werden“ eh ein Ziel für das nächste Leben werden könnte.

    Auf einer Café Speisekarte lese ich Guacamole und habe sofort das Lumpenpack in den Ohren. Kaum bin ich an meinem Platz zurück, höre ich vom Nebentisch einen Bericht vom letzte Abend „Es war wie eine WG Party. Aber gehobener.“ Ich fürchte, niemand konnte meinen Kicheranfall verstehen.

    Es war ein Abschied von den Latifundien und anderthalb Bachelurlaubstage in Berlin.

    solution_summary(model; verbose = true)

    Good news: Zwei von drei Bachelorarbeits-Knacknüssen sind erlegt.

    Meine Bachelorarbeit geht ja im Wesentlichen um ein Gleichungssystem zu optimalen Öffnungszeiten von Schwimmbädern. (und den dazu gehörigen Fragen woher / wohin / warum / warumauchdasnoch). Das Gleichungssystem ist schick, hatte aber bisher den Nachteil, dass ich selber es nur mit seltsamen Baumarktworkarounds ansatzsweise lösen konnte.

    Mittlerweile kann ich es dank zwei kleiner JuMP-Funktionen (badoffen() und badsensibel()) lösen (Knacknuss 1) und auch eine lesbare Sensitivitätsanalyse dazu erstellen (2). Damit kann ich nicht nur dieses System lösen, sondern auch gleich ohne Aufwand viel komplexer werden. Damit ist ein großer Schritt vorwärts erreicht.

    Es fehlt nur noch Knacknuss 3: Das ganze auch mit Parametern lösbar zu machen.

    Deshalb der Plan für heute: ParametricOptInterface.jl – JuMP-Example-step-by-step-usage richtig ernsthaft verstehen. Das ist der entscheidende Punkt. Danach wäre ich dann sicher zurück in meiner Komfortzone – gebildet und intelligent wirkende Deko um das Programmiergerüst bauen kann ich normalerweise im Schlaf.

    Der innere Zusammenhang zwischen mittelalterlichem Teppich und Soldatenfriedhöfen

    Madame wandelt derweil durch die Normandie. Sie besuchte das Café La Reine Mathilde in Bayeux, das ihr hier von Gabi Frankemölle bereits in den Kommentaren empfohlen wurde.

    Bayeux besitzt zwei internationale Tourismusmagneten: einen Teppich aus dem Mittelalter und Bunker aus dem 20. Jahrhundert. Es ist eigentümlich wie zwei so verschiedene Gegenstände am Ende fast dieselbe Geschichte erzählen.

    Nachdem sie ausführlich Kathedrale von Bayeux und den Teppich in mehreren Besuchen betrachtete, fährt sie heute mit einer Tour und einem englischen Paar mit Teenie-Tochter die Strände. Alleine die Fotos sehen beeindruckend aus.

    Die somalische Botschaft

    Um am Bachelorarbeitsabgabetermin nicht komplett verzottelt und verflossen in die Welt zu treten, bemühe ich mich Alltagsstruktur aufrecht zu halten. Das hat bei Corona ja auch schon gut funktioniert.

    Also führen mich meine Wege zu einer längeren Fußwegs/Bus-Expedition zu Lidl, der Bücherei, entlang der Schloßstraße, ins Café und zur BioCompany.

    Entdeckt: In der Schloßstraße und quasi fußläufig von hier, residiert die Botschaft Somalias. Sie lebt soweit ich erkennen kann in einer Wohnung in einem Wohn/Geschäftshaus an der Haupstraße. Erkennbar ist das der somalischen Flagge im ersten Stock – weißer Stern auf blauem Grund. Ob der Inklusionsdienstleister Sterntalente seinem Namen daher hat?

    Auch entdeckt: Der immer eher abweisend wirkende Sufi-Orden in der Martin-Luther-Straße verließ uns und wurde gegen ein Brettspielcafé getauscht. Eröffnung am Tag zuvor. Das staune ich über mein Schnellmerken. Das wirkt deutlich einladender. Ich denke mal ich werde in dieser Woche vorbeigehen.

    Vor allem aber entdeckt: das GM26 – ein Café, das es in dieser Gegend (Haupteinkaufsstaße) und in durchgetrifizierenden Berlin des Jahres 2025 nicht geben dürfte. Bereits mehrfach dringend empfohlen von Madame, nutzte ich den Tag, um dort einen Nachdenkcafé zu trinken.

    Offenbar ist es in seiner rumpeligen Gemütlichkeit mit dem traumhaften Innenhof durch eine Raum-Zeit-Falte gerutscht. Es fühlt sich an wie Schöneberg 1985 gewesen sein muss, erinnert an alte Uni-Studi-Selbsterverwaltungs-Cafés – aber mit Stil und Kompetenz. Andere schreiben von „Gefühl eines Bradenburger Hofladens“ (neben dem Einkaufszentrum!) – und irgendwie trifft es das alles.

    Jeder Stuhl und jeder Tisch ein wenig anders. Alles war mal eine alte Garagenanlage, und irgendwie ist hier ein Ort in dem Raum und Zeit auszusetzen scheinen.

    Mit Rad und Boot

    Wenn meine Augen mal auf etwas anderes denn auf JuMP schauen wollte, berachte ich die Punkte beim Transcontinental Race No. 11 – einem Fahrradrennen quer durch Europa, das soweit ich verstehe größtenteils selbst organisiert ist. Auch schön das folgen des Hasthtags #tcrno11 auf Mastodon – wo alle Rennbeobachter auch nicht mehr wissen als sie aus den Punkten entnehmen, aber zum Teil mit großer Fahrrad und Geographieerfahrung rätseln können was passiert.

    Atemberaubende Sekunden, als die beiden führenden die kritische Fähre von Bari nach Durres bekommen musste, kurz vor knapp waren und dann erkennbar durch den Hafen von Bari irrten.

    Radtour anderer Art, auch via Mastodon gefunden: Rebis reist Rad – Osten ohne Plan. Von Deutschland bis derzeit durch Kasachstan auf der Suche nach der ehemaligen Ballettlehrerin, die dort im Lager war.

    Ähnlich episch: Angela und Holger brechen zu ihrer 13-Monats-Segeltour auf, hängen aber noch in Brunsbüttel fest: AZ13 – weitere Details und AZ13 – Zwei Meilen Ostwärts

    Nicht aktuell, aber gerade inhaltlich passend: Gabi Frankemölle in der Normandie.

    Derweil in Chemnitz: Bedenkenswerte Begehungen im Heizkraftwerk Nord (das mit dem bunten Schornstein)

    Die taz war im erweiteren Wohnzimmer: Die bonbonbunte Fressbudengasse des Insulanerbades erinnert an Imbissstände am Strand von Coney Island.

  • 25-08-03 Bachelurlaub

    25-08-03 Bachelurlaub

    Madame lernte Hillary kennen, Singer-Songwriterin aus New Mexico, später dann ein sächsisches Ehepaar, das Steak tartare essen wollte.

    Ich traf den Bauleiter unserer Dachbaustelle. Gute Nachricht: Wenn sie mit dem Dach fertig sind, ist unsere Wohnung zur Renovierung vorgemerkt – was nötig ist, angesichts der ganzen Schäden, die sich über die letzten zweieinhalb Jahre Baustelle über unseren Köpfen angesammelt haben. Schlechte Nachricht: Wenn sie mit dem Dach fertig sind, ist unsere Wohnung zur Renovierung vorgemerkt – leider stehen Wohnung renovieren und gleichzeitige wohnen in einer Wohnung in einem gewissen inneren Spannungsverhältnis.

    Es war ein letzter dreiviertel Arbeitstag und ein erster Tag der freien Tage zur Vorantreibung der Bachelorarbeit – der Bachelurlaub. Ich machte aber erstmal Urlaub vom Bachelor und verbrachte den Samstag auf den Latifundien.

    Trotz Urlaub, Strohwitwertum und potenzieller Lernverhöhlung gelang es mir bisher, Struktur im Alltag aufrecht zu erhalten. Vier von fünf Abendessen waren ordnungsgemäß gekocht und hatten jeweils drei Gänge. (1 – immer Gemüserohkost, 3 – immer Obst. Ich will auch nicht übertreiben)

    Ausgelesen: Wir schon wieder – 16 jüdische Erzählungen. Die letzten drei Texte. Einer (der der Herausgeberin) ein bißchen belanglos, Ljudmila Ulitzkajas Dankesworte an die Antisemiten eindrucksvoll, aber irgendwie mehr Statement als literarischer Text und Was hättest du getan?, der Deutschland 2025 gut und schmerzhaft trift. Erst beim Nachsehen wird mir bewusst, dass der Text von Dana Vowinckel ist, deren Gewässer im Ziplock hier länger von Madame im Bungalow gelesen wurde.

    Ratatouille verpönt

    Wenn wir verreisen, stelle ich fest, vor lauter Reiserei komme ich nicht zum Schreiben und es passiert eh zu viel, um es zu würdigen.

    Dies passiert selbst, wenn ich gar nicht mitfahre. Alleine Madames Telefonerzählungen aus Paris-Versailles-Bayeux sprengen jeden Blograhmen. Allein die Serenade in Versailles bietet genug Stoff für eine ganze Reihe.

    Deshalb nur ein Detail: der Potager du roi – der königlichen Küchengarten. Der ist durch alle Revolutionen und politischen Verwerfungen seit dem 17. Jahrhundert im Betrieb – Obst und Gemüse wollten alle Versailles-Zuständigen.

    Madame bekam eine Führung auf französisch. Sie erfuhr: Aus bürokratischen Gründen fördert der Staat den Garten – Weltkulturerbe seit 1979 und Teil von Versailles – nicht, so dass sie alleine von Eintrittsgeldern leben und dem Verkauf ihrer Erzeugnisse.

    Denn es gibt einen Stand, an dem frisches königliches Obst und Gemüse verkauft wird.

    Der Klimawandel zeigt sich auch hier: der Anbau wechselt weg vom Obst hin zum Gemüse.

    Eine Änderung gegenüber der Geschichte: Ludwig XIV war größer Obst und Gemüsefan. Aber zu seiner Zeit war mediterranes Gemüse (im Wesentlichen alle Zutaten der Ratatouille) verpönt. so dass hier Feigen und Äpfel wuchsen.

    Original Reise Ratatouille

    Der Bachelurlaub begann im 248er Bus vom Südkreuz in den Bergmannkiez. Schon vor vielen Wochen hatte ich Original Sin: President Biden’s Decline, Its Cover-Up, and His Disastrous Choice to Run Again in der Hammett-Buchhandlung bestellt und dann über viele Wochen nicht abgeholt. Endlich Zeit es zu ändern.

    Wie es sich für eine gute Buchhandlung gehört: Ich betrat den Laden. Und während ich noch in der Tür stand, sah Christian mich, drehte sich sofort um, und holte das Buch aus dem Vormerkregal. Beste Buchhandlung.

    Und weil ich nicht anders kann, also in einer Buchhandlung spontan ein Buch zu kaufen, kam ein antiquarisches Exemplar von Rainer Erlers Reise in eine strahlende Zukunft (Verlag das neue Berlin, 1986) hinzu.

    Und weil ich ja Urlaub habe, wandelte ich in die neben gelegene Marheineke-Markthalle. Im Gedenken an Madames Frankreichtour entdeckte ich Le Bretagne, die mir ein vortreffliches Ratatouille-Galette servierten und dazu eine überzeugende französische Konditorei-Auswahl im Tresen stehen hatten.

    Der Schrei des Rotmilans

    Fahren auf die Latifundien in dichtem Bodennebel. Der Regen hinterlässt spuren. An der Raststätte Stolper Heide1 sucht der Kassierer jeden möglichen Rabatt heraus, den er noch finden kann. Dabei ist die Raststätte eh schon die preiswerteste Quelle für Autogas.

    Wöchentliches Mähen im August – das Wetter ist ernstlich kaputt. Der Garten wirkt so üppig wie nie – zumindest was das leuchtende Grün angeht, bewegt er sich überraschend stark in Richtung englischer Landhausgarten. Nur wächst das Gras auf den Wegen auch wie blöde.

    Nach Mäh- und Falläpfelrunde folgte die Besorgungsrunde: Die letzten Bratwürste vor dem Urlaub der Metzgerei, Rasenmäherbenzin, Altglasverbringung, Gemüse und alkoholfreies Bier, ein Stück Erdbeerschnitte am Kremmener Marktplatz. Über dem Marktplatz kreiste ein Storch.

    Nachmittag eine Geräuschkulisse aus dem Schrei des Rotmilans und herüberwehenden Fetzen der Speedwaybahn.

    Fast beinahe lasse ich alle selbstgesteckten Regeln sausen und werde üppig. Der Garten zeigt sich nach all‘ dem Regen in paradiesischer Paradiesheit zudem mit besten Wolken. Meine Regel: 1 Post – 1 Bild wankt. Denn welches nehmen?

    Aber egal. Ich bleibe bei einem Bild. Ich entscheide mich für zwei Mitbewohner*innen, die sich bisher allen halbwegs scharfen Fotos entzogen: Chorthippus brunneus (aka brauner Grashüpfer – sehr häufig, aber halt sprunghaft im Versuch ihn zu fotografieren) und eine Schwebfliege (Ehrlich gesagt, keine Ahnung, wie häufig sie sind – wir haben so viel gelb-schwarze Insekten aller Art, dass ich nur noch selten bestimme)2. Auch habe ich immer keine Lust, sie zu fangen, einzufrieren und dann ihre Geschlechtsteile unter dem Mikroskop zu bestimmen.

    Chorthippus brunneus an Armbanduhr
    Schwebfliege an Wilder Möhre

    Teletext und Blitz nach oben

    Aharoni kann etwas, was vermutlich niemand sonst auf dieser Welt: Wirrwarr-Text, der auf englisch geschrieben wurde, aber auf hebräisch ausgegeben wird, fließend lesen. My Useless Super-Power: Reading Incorrectly Encoded Teletext

    I guess this is BookTok speaking: eine geschlossene Veranstaltung um 23:00h zur Präsentation einer neuen Young Adult Reihe.

    Konstantin freut sich: In einem Raum mit über 3 Meter Höhe und 99 Jahren an Geschichte aufwachen. – und da sagt der Berliner Altbaubewohner: Ha! Das habe ich jeden Morgen!

    Ein Blitz nach oben, fotografiert aus der ISS. (via Das BlaBlog)

    Urlaub in der Normandie scheint im Trend zu liegen: Saint-Valéry-en-Caux: kleines Küstenstädtchen in der Normandie

    Urlaub im Balkan. Karen verlässt ausnahmsweise den Zug: Turku-Sarajevo mit dem Zug: (9) Split – Dubrovnik

    Mit dem Boot. Über Geld wird eh zu selten geredet: Was kostet ein Bootsurlaub in Friesland?

    Mehr als Urlaub: Holger und Angela geben den Schlüssel zum Liegeplatz ab und steigen für 13 Monate aufs Boot.

    Anmerkungen

    1. Ich glaube eine der wenigen Autobahnraststätten, die nicht zum Tank&Rast-Imperium gehört. ↩︎
    2. Der Halluzinator lässt sich übrigens nur mühsam davon abbringen, dass es sich bei dem Tier um eine Wespe handelt. Selbst wenn ich dazu sage, dass es eine Schwebfliege sein soll. Er verweist dabei jedes Mal auf die Wespentaille als ausschlaggebendes Merkmal. Und was sehen wir auf dem Foto NICHT: Genau, eine Wespentaille. ↩︎
  • 25-07-31 Les Schnabelkannes

    25-07-31 Les Schnabelkannes

    Ein französischer Bouillon-Kellner fertigte das ultimate Madame-in-reinem-Restaurant-in-Frankreich-Foto. Vielleicht sollten wir es rahmen und in die Küche hängen.

    An einem von zwei Tagen gelang mir trotz Strohwitwer-Dasein ein drei-Gänge-Abendessen (Kohlrabi/Gurken-Rohkost -> Brokkoli mit Joghurt-Minz-Sauce -> Heidelbeeren) und damit beeindruckte ich mich selber.

    Mir träumte, dass ich mit dem Fahrrad an großen Eidechsen mit leuchtenden Augen vorbeifahre. Erst waren sie spannend, dann fingen sie an, aggressiv auf mich loszugehen. Ende: Ich hatte eine mit dem Unterarm fixiert und überlegte „wie weiter?“ Sinnvoll in der Situation wäre es gewesen, sie umzubringen, aber wie? Vor der Entscheidung klingelte der Wecker.

    Tätigkeiten in meinem Leben, von denen ich nie dachte, dass ich sie mal ausführen würde: Morgens um 7 Aquafittrainer*innen die Multi-Faktor-Authentifizierung via Fidokey zu erklären.

    Ich öffnete die Formatvorlage für die Bachelorarbeit – also quasi die reine Formatierung mit Seitenrand, Kapitalüberschrift, Absatzüberschrift, Tabelle, Deckblatt ohne eigentlichen Tex) und der Adobe Reader empfängt mich mit „Dieses Dokument scheint lange zu sein. Lies eine Zusammenfassung.“ Ich wäre wirklich neugierig für die inhaltliche Zusammenfassung einer Formatierungsvorlage, bin aber natürlich nicht bereit, mir dafür eine weitere KI ins Haus zu holen.

    Mich passierte ein schlanker großer Mann im Anzug, der einen VW Käfer fuhr. Ein Zeitreisender aus der Vergangenheit?

    Mich passierte ein Handwerker in traditioneller Walzkluft auf einem E-Scooter.

    Es waren drei Arbeitstage im verregneten Juli mit gelegentlichen schwülen Sonnenpausen.

    Alte Dorfkirche Schöneberg vor blauem Himmel mit großen Wolken. Von der Straßenseite gegenüber, Strae und Dorfanger im Vordergrund. Auf der Straße ein Radfahrer an der Kirchenmauer eine Trans-Pride-Flagge.
    Alte Dorfkirche Schöneberg. Man beachte die Trans-Pride-Regenbodenflagge an der Kirchenmauer.

    Wir dachten, mit Fortschreiten der Dachbaustelle und dem Schließen diverser temporärer Höhlen auf der Baustelle wäre der Taubendruck auf die Wohnung nicht mehr so hoch. Die beiden Tauben, die ich heute aus dem Wohnungsflur geworfen habe, sahen das offenbar anders.

    Meine Toleranz gegenüber dem Regen wäre höher, wenn unser Mehrfamilienhaus derzeit ein funktionierendes Dach und funktionierende Dachrinnen hätte.

    Meine Toleranz gegenüber Hubert Aiwanger wäre höher, wenn er nicht so einen Unfug reden würde. In den Deutschlandfunk-morgens-um-Sieben-Interviews bin ich ja viel Kummer gewöhnt. Aber Aiwanger redete in einer ganz eigene Liga. Meine Güte.

    Saal 711

    Madame nahm den Zug von Berlin nach Paris und unternahm eine kleine Exkursion nach Chantily.

    Das Programm war anspruchsvoll, und ich kann nur aus zweiter Hand verfolgen:

    Spannend in Paris war die Erkenntnis, dass viele Pariser Modedesigner Stammgäste in der Abteilung für dekorative Kunst (Sammlung Objets d’art) im Louvre sind. Eine aktuelle Ausstellung würdigt Haute Coutoure der letzten 60 Jahre, die offensichtlich von den Objekten in der Sammlung beeinflusst wurden.

    Auf jeden Fall unterhaltsam: Der legendäre Saal 711, in dem die Mona Lisa hängt; unschwer zu finden, mensch muss einfach den Menschentrauben folgen. Dort dann großes Tohuwabohu um ein kleines schönes Bild.

    Spannend in Chantily: Das Pferdemuseum, in dem unter anderem lebende Pferde waren. Spannend die Erkenntnis, dass Schnabelkanne offenbar ein deutsches Fremdwort im französischen ist.

    Sehr eindrucksvoll: Das Stundenbuch in einer Sonderausstellung, die es so nur einmal in unserer Lebenszeit geben wird.

    Manuskript und Eismaschine

    Quasi dieselbe Schreibschule wie das Stundenbuch, aber am anderen Ende der Skala kennt Herr Rau:

    Oft schreiben SuS wie in mittelalterlichen Handschriften, wenn es um Rechtschreibung geht (flexibel), Absätze (keine), Silbentrennung am Zeilenende (an beliebiger Stelle, mit oder ohne Trennzeichen) oder Großschreibung (nach Gefühl). Das soll gar kein Vorwurf sein, jedenfalls nicht an die SuS, eher eine faszinierte Feststellung und ein spielerischer Gedanke dazu, dass diese Schreibvarianten vielleicht sogar recht usprünglich sind. Idiosynkratische Abkürzungen und kleine Zeichnungen am Rand gibt es auch. Zugegeben, die Sorgfalt bei der Manuskripterstellung fehlt.

    Bisher toppt Frankreich generell Dänemark in vielen Bereichen, moules et frites sind nur einer davon.

    Luciano Pavarotti beim Sommerurlaub al Mare.

    Weniger Italo-Disco-Feeling aber auch ein besonderer Urlaubsbrauch: 125 Jahre Wattenlaufen mit Musik in Büsum.

    Die gefüllte Paprika zu Mittag sieht aus wie ein Requisit aus „Aliens“, schmeckt mir aber trotzdem. Das Wesen der gefüllten Paprika treffend beschrieben.

    Martha schaffte sich eine Ninja Creami an: Zurück zum selbstgemachten Eis?