Kategorie: Alltag

  • 25-06-26 Beschränkung des Zielfunktionskoeffizienten

    25-06-26 Beschränkung des Zielfunktionskoeffizienten

    Von: <no-reply@ba-ts.berlin.de>
    Date: Mi., 25. Juni 2025 um 08:11 Uhr
    Subject: Vielen Dank für Ihre Meldung!

    Sehr geehrte Dame / sehr geehrter Herr,

    Ihre Meldung mit der Nummer […] und dem Betreff Abfall/Elektroschrott wurde an das Ordnungsamt übermittelt.

    Mit freundlichen Grüßen

    Ihr Ordnungsamt-Onlineportal

    Niemand liest Mails der IT

    Ich meldete eine verlorene Waschmaschine auf dem Bürgersteig. Sogar eine Miele.

    Weniger Erfolg hatten wir damit, das – mal wieder – nicht funktionierende Warmwasser an die Hausverwaltung zu melden.

    Es waren drei sommerliche Arbeitstage zwischen Schwüler Kälte, schwüler Hitze und Unwetter. Zwei davon in den Offices, einer in der Wohnung.

    Auf der Arbeit bestätigt bekommen: Niemand liest die Mails der IT. Nicht einmal die IT liest die Mails der IT.

    Ich öffne die Wikipedia und der erste Satz, den ich lese, ist „Ich sehe die Löschung der Bratwurstliste sicherlich emotionslos“ — ~~~~

    Gärtner Pötschke ist zum dritten Mal innerhalb weniger Jahre insolvent. Der Markenname wird vermutlich weiterleben, und ich glaube von der eigentlichen geschäftlichen Substanz ist eh nicht mehr viel übrig.

    In Mastodon sucht jemand in einem überwiegend deutschsprachigen Post eine Stelle und bezeichnet sich dabei als „Truthsayer“ und „Bullshit-Detektor“. Mein Hirn übersetzt das quasi automatisch in „Drunterkommentierer“ und „Mansplainer“ und denkt sich „Hell No! Nicht wenn ich bei der Auswahl mitreden darf.“

    Gelernt fürs Leben: Wie rette ich alle geöffneten Tabs einer Firefox-Session mit wenig Aufwand auf einen anderen Rechner.

    (Rechtsclick auf einen Tab -> Alle Tabs auswählen -> Als Lesezeichnen-Ordner speichern -> die Datei auf den anderen Rechner -> Dort in der Lesezeichen-Verwaltung „Alle Tabs im Ordner öffnen“. Et voila!)

    ((Was asking for a friend. Ich persönlich werde hibbelig bei mehr als fünf geöffneten Tabs gleichzeitig. So wenige Tabs lassen sich anders transferieren)

    Saubohnen und Käse

    Madame kam in der Hafenstadt am polnischen Marktstand vorbei und entdeckte zu ihrer Freude frische Saubohnen (oder auch Puffbohnen, Feldbohnen, Schweinsbohnen, Pferdebohnen, Fababohnen, Faberbohnen, Favabohnen, Viehbohnen, Dicke Bohnen). Angesichts dessen wie viele Namen sie hat, gibt es sie nur selten zu kaufen. Sie kaufte. In ihrem Kopf formte sich der Gedanke Coronation Quiche.

    Die ist gerne wiederholbar, und auch unser Nach-Paris-Ehrgeiz: nicht nur selber kochen, sondern nach Möglichkeit mehrere Gänge pro warmer Mahlzeit, funktioniert noch. Das kann die Vorspeise mal eine Ofen-Rote-Beete sein oder auch nur ein aufgeschnittenes Mairübchen.

    Schlangen vor Enrico

    Schöneberg um 8:40h. Menschen führen ihre Hunde aus. Ratten führen sich selber aus.

    Meine Fahrrad-zu-zu-Fuß-Umstellung des Arbeitswegs hat einen deutlichen Nachteil: Es dauert länger. Und sie hat einen deutlichen Vorteil: Ich sehe mehr.

    Zum Beispiel morgendliche Schlangen, die sich vor dem Café de Enrico bilden – zurecht.

    Ich konnte den schlechten Tag des Carsharing-Anbieters Miles würdigen. Am Morgen: ein Miles-Auto auf der Busspur, das gerade abgeschleppt wird. Am Nachmittag ein anderer Abschleppwagen mit einem Miles-Wrack auf der Ladefläche.

    Ich kann die Polizei sehen wie sie den Zugang zum Euref-Gelände abriegelt (Dienstag) und die Sperren wieder abbaut (Mittwoch). Ich vermute, die angepreiste Versammlung des Bundes Deutscher Arbeitgeberverbände (BDA) war der Grund.

    Bitte bremsen

    Durch Umstände verloren wir unsere bisherige Autowerkstatt. Das ist misslich, denn dadurch stellte sich wieder einmal das wo-kriegen-wir-vertrauenswürdige-Handwerker-her-Problem.

    Fast schon glücklicherweise hatten wir ein kleines Problem zum Testen: Ein ausgefallenes Rücklicht. Zwischen Wohnung und Office fand sich sogar eine Werkstatt, deren Website okay wirkte und auch sonst nichts gegen sie sprach.

    Das Telefonat war nett „Kannst du heute noch vorbeikommen“ – „Schlecht“ -“ Dann morgen kurz?“

    Die Reparatur war so schnell und unkompliziert wie gedacht. Ich wurde dazwischen geschoben. Alle Werkstattmitarbeiter, die ich sah, entsprachen dem Typ „Älterer, gesetzter türkischer Mann.“ Der Mechaniker wusste nach Ansicht des Autos (ohne nachzusehen oder aufzuschrauben) welche Glühbirne er einbauen sollte und erledigte es in fünf Minuten. Zum Abschluss ein „Bitte Bremsen“ – nicht dass die Bremsleuchte jetzt auch ein Problem hat, und ich durfte wieder fahren.

    Schwierigster Punkt: die Anfahrt. Ein Gewerbe-Hinterhof mit versteckter Einfahrt (die ich beim dritten Versuch fand), dann zweimal um eine Ecke gekurvt, und plötzlich stehe ich in einer Art historischer Garagenhof, von dem etwa ein Drittel der Werkstatt gehört. Zwei Hebebühnen, beide in Betrieb, mehrere Männer wuseln herum und schrauben.

    Dualer Simplex

    Das Bachelorarbeitstempo sinkt etwas – was kein Wunder ist. Langsam komme ich in komplexeren Teilen des Textes an; immer noch aber bin ich hocherfreut. Dann gefühlt ist es das erste Mal, dass ich nicht nur was weiß ich mache, sondern vor allem auch weiß, warum. Aber das Niederschreiben geht dann doch langsamer als in den Teilen die ich schon Dutzende Mal vorexerziert habe.

    Stand: 18 Seiten. Erstaunlich oft schreibe ich den Ausdruck „Beschränkung des Zielfunktionskoeffizienten“, unerstaunlich oft muss ich danach noch Schreibfehler von Zielfunktionskoeffizient korrigieren.

    Es ergibt plötzlich alles Sinn, wie man in der dualen Methode das Simplex-Tableau auf Links dreht und plötzlich nicht mehr von Spalte nach Zeile rechnet, sondern von Zeile nach Spalte.

    Die Erkenntnis verdanke ich maßgeblich Gilbert Strang. Danach hat sich auch meine Frage vom 8. Mai geklärt: seine Vorlesung war keineswegs banal sondern superspannend, weil sie mir den Weg in mein Thema perfekt ebnet.)

    Durch Stadt und Land

    Neues von Kulturhauptstadt Chemnitz:

    Früher in Dithmarschen habe ich gerne zur Sommersonnenwende eine Mitternachtsradtour über die Felder gemacht – nach Möglichkeit ohne Licht, weil es ja ging. Thomas Gigold veranstaltete das ganze in Groß: Mit Licht aber dafür auch dreihundert Kilometer lang: 300 Kilometer mit dem Fahrrad durch die Nacht

    Konflikt aus der Nähe 1: Eine Schlägerei in der Großstadtwirklichkeit ist ein hauptsächlich trauriger Anblick. Wenn man genug räumlichen Abstand zur gerade eskalierenden Szene hat, wirkt das Traurige auch deutlich stärker als das Gefährliche.

    Konflikt aus der Nähe 2: I Fought in Ukraine and Here’s Why FPV Drones Kind of Suck

    The End

    Von: <no-reply@ba-ts.berlin.de>
    Date: Do., 26. Juni 2025 um 15:44 Uhr
    Subject: Statusänderung zu Ihrer Meldung […], Abfall – Elektroschrott an Ordnungsamt

    Sehr geehrte Dame, sehr geehrter Herr,

    zu Ihrer Meldung mit der Nummer […] gibt es eine Statusänderung.

    Status: Erledigt

    Rückmeldung: Vielen Dank für Ihren Hinweis.

    Die Störung wurde am 25.06.2025 zur Bearbeitung an die Berliner Stadtreinigung weitergeleitet.

    Die Berliner Stadtreinigung teilte uns am 26.06.2025 mit, dass die Angelegenheit erledigt wurde.


    Mit freundlichen Grüßen
    Ihr Ordnungsamt

  • 25-06-24 Peak Tageshitze

    25-06-24 Peak Tageshitze

    Der Kaptain entdeckte Dithmarscher Steinschafe. Sie wiederholte die Entdeckung, dass ein Krankenhaus am Wochenende langweilig ist – zumal, wenn die Entlassung immer wieder tageweise verschoben wird.

    Mir träumte, es ware 13:56h und ich wäre auf dem Weg zur Arbeit und sollte vielleicht ein schlechtes Gewissen haben, und mal bescheid sagen, dass ich sechs Stunden zu spät komme.

    (Was immerhin für die aktuelle Arbeit spricht – es war eher schlechtes Gewissen den KuK gegenüber als Angst vor Ärger.)

    Was dem Einzelhandel die Adventszeit ist uns die Zeit in den Wochen vor der Freibaderöffnung bis zum ersten heißen Juniwochenende. Nichts ist zusammengebrochen. Ab jetzt darf es in den Südkreuz Offices wieder entspannter und experimenteller zugehen.

    Es war ein Sonntag auf den Latifundien und ein Montag in den Südkreuz Offices. Berlin gab Klimakrise mit erst 35 Grad und dann sturmgefällten Bäumen.

    In Berlin sah ich einen Elektro-R5 auf der Straße. Und falls das Auto an sich eine Zukunft hat, dann doch bitte in Form von bunten Elektrokleinwagen und nicht in Form von schwarzen SUVs.

    Ich glaube ich habe einen Schwalbenschwanz gesehen

    Der Schwalbenschwanz flog. Madame sah ihn auch. Der erste Gedanke war „Schachbrettfalter“, der zweite dann „zu groß, zu gelblich und das Muster ist typisch.“

    Spannende Entdeckung zum Schachbrettfalter: Seit drei Jahren blogge ich über ihn und jeweils erscheint der Post am vorletzten Juniwochenende. Anscheinend ein Falter mit einem sehr zuverlässigen Jahresrhythmus.

    Das Labkraut ist kurz davor die halbe Wiese mit seinen Blüten gelb einzufärben. Wir aber blieben der Wiese fern, denn sie ist schattenlos.

    Nur Madame raffte sich tapfer auf, um Beete und Angesähtes zu gießen. Denn die Beete sind zwar prinzipiell trockenheitsliebend gepflanzt – aber so ganz ohne Wasser in gleißender Sonne müssten wir Kakteen pflanzen; und die wiederum würden noch den Brandenburger Winter nicht überstehen.

    Ich bin mir sicher, ich habe ein Feuerwerk gesehen. Als der Abend erträglich wurde, liefen wir zu viert eine Runde durch die Felder. Und über die Felder, über den Wald, sahen wir in Richtung edler Hochzeitslocation; und wir hatten die Stunde der Abenddämmerung perfekt gewählt, denn wir sahen ein ebenso edles wie langes Höhenfeuerwerk über den Bäumen.

    Die Brille gegen das Patriarchat

    Samstagnachmittag kam Miss Bilanz. Sie brachte Besuch mit und die Brille gegen das Patriarchat.

    Erst wollte ihr der Optiker feminine Brillen mit Schwüngen und Verzierungen verkaufen, weil sie so fröhlich und bubbly wirkt, Dann wies sie darauf hin: Sie hätte gern was gegen den Typ. Etwas, das Durchsetzungsfähigkeit verspricht, auch wenn es um Bilanzen geht. Der Optiker verstand: „Ah, eine Brille gegen das Patriarchat.“ Und diese trug sie nun.

    Samstagnachmittag übte ich mich im Akzent raten. Der Miss-Bilanz-Besuch war gleichzeitig aus Hamburg und den USA angekündigt. Der Vorname gab sowohl einen deutschen wie amerikanischen Ursprung her. Die ersten Worte hörten sich muttersprachlich deutsch an. Sobald ein englischer Begriff ins Spiel kam, wurde es eindeutig amerikanisch. Nach einiger Zeit, mit etwas Fantasie, bildete ich mir ein, eine ganz leichte amerikanische Färbung im Deutsch zu hören – bis die Seattler Hamburgerin „Oha“ sagte – das war Hamburg pur.

    Auf jeden Fall hatte uns Miss Bilanz eine hochspannende Gästin mitgebracht, deren Horizont locker von US-Politik, Hamburger Eigenheiten, der Soziologie des Nachrichtenskonsums bis hin zur Forschung zu Frauengesundheit reichte. Als wir schon vor dem Frühstück darüber sprachen, „Was ist für dich deutsch?“, war das ziemlich typisch. Eine Frage, die Miss Bilanz von ihrer deutschen Exkursionsgruppe mit teiltürkischem Migrationshintergrund aus Brüssel mitgebracht hatte.

    Gewonnen hatte, wer die Spielkarten bei einer Böe rechtzeitig festhalten konnte

    Zum Reden hatten wir viel Zeit. Denn wir saßen.

    Wir spielten zwei Spiele: Erst, ausgiebig, Beamtenmikado – wer sich zuerst bewegt, verliert. Denn bei 35 Grad Außentemperatur war es zwar unter dem Sonnenschein mit leichtem Wind durchaus angenehm – aber halt nur bis zur ersten Bewegung. Alle „wir fahren am Tag nach Berlin“-Pläne unser Gästinnen zerschlugen sich schnell. Schnell war klar: Sie warten Peak Tageshitze auf den Latifundien ab.

    Und nachdem wir dann am Nachmittag langsam den Punkt von Peak Tageshitze erreicht hatten, ein zweites Spiel Skyjo. Ein nettes Kartenspiel für Zwischendurch mit einfachen Regeln und doch ein klein wenig – 35-Grad-angemessen – Anspruch.

    Die Berlinmeidung erwies sich als korrekt. Am späten Abend brachen wir schließlich bei 22 Grad in den märkischen Hamptons auf, um bei 29 Grad in Berlin anzukommen. Sieben Grad Temperaturunterschied auf vielleicht 35 Kilometer Luftlinie.

    Der Sturm

    Der Tag begann harmlos heiß und hochsommerlich. Die Sturmvorhersage hatte Madame veranlasst alle Fenster der Wohnung doppelt sicher zu verschließen, aber vom angekündigten Wind war noch nichts zu sehen als ich die Wohnung verließ.

    Ich sah ein Paar mit Hartschaltenkoffern und Fahrradhelmen im Südkreuz. Allzeit gerüstet. Wahrscheinlich hatten sie die Sturmwarnung gelesen.

    Einen Arbeitstag später: Als der Container mit dem Plastikmüll windgetrieben an mir vorbeirollte, dachte ich, das ist ja ganz schön stürmisch. Um mich herum kippten Motorräder und Baustellenabsperrungen um, ich selbst begann das in Dithmarschen eingeübte lehnen-gegen-den-Wind, um nicht selber umzukippen. Schnell entfernte ich die Kopfhörer – denn wenn davon einer locker gewesen wäre, wäre der erstmal 10 Meter geflogen, bevor er den Boden berührte.

    Und nach 4 Minuten war alles vorbei. Ein Sturm, den selbst Küstenbewohner ernst genommen hätten, aber in einer Miniatur-Zeitausprägung. Seine Folgen allerdings hatte er in seinen drei Minuten hinterlassen: Tote und Verletzte, umgeworfene Bäume quer durch die Stadtteile, die Bahn über viele Stunden lahm gelegt.

    Und so bizarr wie der Kurzsturm war, so geographisch begrenzt war er: am Südkreuz fuhren die Container, jedes einzelne Moped oder Motorrad lag umgeworfen, jede Baustellenabsperrung. Nur wenige Fußminuten entfernt an der Hauptstraße standen noch abgestellte Kaffeebecher auf den Stromkästen.

    Persönlich tragisch: Eine Verkettung von Bahnumständen hatte Madame ungeplant nach Lübben gebracht. Und erst auf dem – eigentlich komplett unnötigen – Rückweg aus dem Spreewaldgurkengebiet, legte der Sturm zu. Sie strandete über Stunden am Ostkreuz, verbrachte einen unnötigen aber nicht ununterhaltsamen Abend in der S-Bahn am Gleis sitzend; dabei verfolgend wie Leute kamen, 20 Minuten saßen und wieder gingen, dann etwas später mit McDonalds-Tüten zurückkamen und weiter saßen.

  • 25-06-21 Bannstrahl für Waschbären

    25-06-21 Bannstrahl für Waschbären

    Zum Donnerstagnachmittag: Wüste Taubenrandale auf dem Gerüst. Madame diagnostizierte Junghähne.

    Zum Donnerstagnachmittag: Eine Fahrkartenkontrolleurin in der S-Bahn lobte Madames Bluse.

    Zum Donnerstagabend: Ein brennendes Wohnmobil auf der Stadtautobahn. Zum Glück in der anderen Richtung, und zum Glück war die Feuerwehr schon da als wir kamen.

    Danach: Tagelange Sonnenuntergänge in Pastell, begleitet von Fledermausinvasionen.

    Es war ein arbeitender Freitag in Berlin und ein freiseiender Samstag. Der Hochsommer drückte sich breit in die Stadt und auf das Land.

    Stand der Bachelorarbeit: 15 Seiten schlechter Text. Bis zum Ende des Monats die 30 Seiten schlechten Text hinzubekommen, ist noch möglich.

    Der Kaptain durchlief alle menschendenkbaren Untersuchungen, bis auf die eine, die auf Montag angesetzt wurde. Immerhin fand sie jemand, der ihr auf dem E-Book-Reader das Krankenhaus-Wlan einrichtete. Wir wünschen Kopf hoch.

    Freitag früh ein Reh zum Frühstück. Ich kam um 5:40h an das Bungalowfenster, und sah wie es sich grad erhob und zum Frühstück ein paar Knopsen einer Ramblerrose snackte, die wir außerhalb des Zauns auf die Ausgleichsfläche gesetzt hatten. Ein Gefühl zwischen „Oh wow!“ und „Verschwinde, du Mistviehl!“

    Fahrräder und ChatGPT

    Kurz danach: Der Prignitz-Express von den Latifundien zu den Südkreuz Offices und zum Freitagabend ein überfüllter RE mit Pendlern, Wochenendausflüglern mit Fahrrad und Kegel und einem halbierten Zug. Rudelkuscheln im Regio.

    Während der diversen Bahnfahrten, sah ich jemanden eine Dreiviertelstunde offensichtlich einer Erwerbsarbeit nachgehen, die nahezu ausschließlich in der Bedienung von ChatGPT auf dem Tablet bestand. Und ich fragte mich, ob das ein Zeichen dafür ist, dass sein eigentlicher Job bald überflüssig ist und ChatGPT den middle man ersetzen wird?

    Endlich einmal gelang es mir, etwas zur Graugießeren Velten zu recherchieren, deren imposante Industrieruine ich regelmäßig vom Prignitz-Express aus sehe und die ich doch immer wieder vergesse bis ich mein Ziel erreichte. Offenbar ein Teil des ehemaligen Stahlwerks in Hennigsdorf, aber doch älter als dieses.

    Echsenmenschen

    Madame traf sich Freitagabend auf den Latifundien mit der Selbsthilfegruppe Ex und ich durfte freundlicherweise dabei sein.

    Der Brandenburger Waldgänger erzählte, wie er erst im Wald seinen alten Job fand – Anzugjob am Potsdamer Platz, der Chef war Jäger und jetzt seine neue Beschäftigung: „Da steht halt so ein Sägewerk neben meinen Wald und die sind alle ganz gemütlich da.“

    Nebenbei schaffte er es, einen Stapel an Würsten, Schweinefleisch, Geflügel und Käse gleichzeitig auf dem Grill für eine Neunergruppe gar zu bekommen – Respekt.

    Es gab Aperol und alte Geschichte, neue Entwicklungen und immer wieder staunen, was man alles durchmachen kann. Gesprächsthema: Schlechter Job oder Rente? Was ist schlimmer?

    Sommerfestzeltaufbau

    „Bringt zur Versammlung Stühle und Eure eigenen Becher mit.“ Die Versammlungen des Gartenvereins sind nicht wie andere Versammlungen.

    Spannend der Unterschied zum letzten Wochenende: Letzte Woche: Wikimedia Deutschland, 113.000 Mitglieder, 180 Angestellte – 210 Minuten Versammlung, Samstag der Gartenverein, 90 Mitglieder alles ehrenamtlich – 120 Minuten Versammlung.

    Bei WMDE alles minutiös durchgeplant, mit Hybridteilnahme, einer professionellen Online-Regie, Rechtsanwalt und Moderation, die am Tag vorher einen mehrstündigen Generaldurchlauf gemacht hatte.

    Hier ein Ereignis, bei dem die Wahl so informell war wie möglich („Muss ich wirklich jedes mal fragen, ob sich noch jemand bewirbt? – Ja, musst du.“), und inklusive mehrminütiger Diskussion weil zwar zwei Personen zweite*r Gartenwart*in werden wollte, aber niemand Erste. Dafür konnte es halt passieren, dass das Festkomittee noch ein paar ausgiebige Schwänke vom Kuchenbuffet erzählte und sich in Details zum Sommerfestzeltaufbau verlor.

    Letztlich war es entspannt. Alle großen Spannungspunkte der letzten Jahre haben sich in Wohlgefallen aufgelöst oder sind andernweits befriedet. So war Zeit, neben dem Sommerfest und dessen Kuchenbuffet auch noch über die Waschbären zu reden. Der Vereinsvorstand belegte sie mit einem Bannstrahl.

    Der Einsatz des Jägers wurde letztes Jahr noch abgeblasen, nachdem sich herausgestellt hatte, dass die Waschbären zwar lebend gefangen werden, aber danach trotzdem umgebracht.

    Was kein Wunder ist. Welche*r Jäger*in würde sich beliebt machen mit dem Satz „Ich hab hier noch ein Dutzend Waschbären, darf ich die bei Ihnen aussetzen?“

    Nun aber scheint zumindest bei einer Partei der Leidensdruck so hoch, dass sie auch der Waschbärtötung zustimmen würde.

    Früher trugen Studenten Kokarden, vermutlich deshalb heißt die Kokardenblume auch Studentenblume

    Nach der Vereinsversammlung kamen Miss Bilanz und die Hamburger Washingtonerin oder auch die Seattler Hamburgerin. Aber das ist eine andere Geschichte für einen anderen Blogpost. Erst einmal will ich nur vom Garten erzählen.

    Denn quasi von März bis Oktober denke ich „Wir haben ganz schön viele Insekten im Garten.“ An einigen ausgewählten Tagen an „Ich bin Franz von Assissi der Schmetterlinge und Wildbienen. Ich mache einen Schritt und überall schweben sie um mich herum.“

    Ein solcher Tag war es, die Schmetterlinge finden Temperaturen jenseits der 30 Grad offenbar besser als ich. Neben den üblichen – Kohlweißling, Zitronenfalter, Hauhechelbläuling – gesellten sich Mengen an Distelfalter, kleinen braun-orangen Tierchen (noch unbestimmt) und Schachbrettern. Sie balgten und sie liebte sich.

    (Und ich freute mich, dass der Halluzinator den Schachbrettfalter als Indikator für gesunde Wiesen betrachtete – da ließ ich mal alle Skepsis ob seiner Kompetenz sein). Ein Wesen, eine Mischung aus Mücke, Heuschrecke und Taube, versuchte ihren Legerüssel in meinem Arm zu platzieren. Ich hoffe ohne Erfolg.

    Die Rosen blühen wie blöde, und auch das Reh war mehrfach da. Vor allem aber konnten wir im milden Lüftlein sitzen, die Tageshitze unter dem Sonnenschirm auswarten, und Abends dann in Bewegung übergehen.

    Some Science

    Willkommen im Museum of All Things

    Küchenlatein wird 20 und da gratuliere ich natürlich!

    Zur Geschichte des Harzens in der DDR. (mit dem tollen. tollen Harzmobil)

    Herr Rau recherchiert Schreibmaschinen-Kunst.

    ChatGPT macht dumm.

    Warum google meint, dass am 11. eines Monats weniger passiert als an anderen Tagen.

  • 25-06-19 Zehntausend Wörter; das entspricht ca. 30 bis 35 Seiten

    25-06-19 Zehntausend Wörter; das entspricht ca. 30 bis 35 Seiten

    Im Auto liegen 10 Kilo Kaffee, Ich bin nur mittelmotiviert, diese jetzt bis ganz nach oben in die Wohnung zu tragen.

    Freuden der Prozessdigitalisierung: Nachdem man allen Beteiligten mal wirklich einen Prozessablauf entlockt- und den in ein Schaubild gebracht hat, sagen dann auch alle „Oh Gott!“. Der erste Schritt, um den Prozess schöner und besser zu machen.

    Es waren drei Arbeitstage knapp unter 30 Grad. Zwei davon in den Südkreuz Offices, einer in der Schöneberger Wohnung.

    Ein Verkäufer rief mich mit meiner persönlichen Arbeitsmail an. Er strahlte so abschreckende Verkäufervibes aus, dass ich erst nach einiger Gesprächszeit merkte, dass er gar nicht meinem Arbeitgeber Unfug verkaufen wollte, sondern mich als IT-Admin für die Charité ködern wollte. Kein Interesse.

    Im Nachhinein wurde ich aber neugierig genug, um mich zu fragen, wo er meine Arbeitsdurchwahl her hat. Ich würde behaupten, die ist schwerer zu finden als diverse private Kontaktmöglichkeiten. Auch wollte ich nun wissen, um welchen Job es geht. Allerdings steht auf der Charité-Website gar nichts Dementsprechendes. Dasisallesseltsam.

    Mein neuer Arbeitsweg entlang des Cheruskerparks entpuppt sich als geeignete Flaniermeile für Freund*innen halbnackter sportlicher Männer. Ich hatte offenbar die Anziehungskraft von vier Turngeräten an einer Stelle unterschätzt. Da ist immer was los, und die Beteiligten sehen auch nicht so aus als würde sie da nur einmal die Woche hingehen.

    Madame brachte frische Bohnen und Kohlrabi vom hafenstädtischen Wochenmarkt. Zusammen mit dem weißen Johannisbeeren aus den Latifundien lebt es sich wie Gott in Frankreich.

    Das Bestattungshaus an der Ecke hat einen neuen E-Auto-Leichenwagen. Selten ist das lautlose Schweben, das mit E-Autos leicht einhergeht, so passend wie in diesem Fall.

    Nach Steglitz

    Ich schwamm die ersten Freibadmeter dieses Jahres. Wie es sich gehört: im Insulanerbad. Wie es sich nicht gehört: Noch immer ohne Saisonkabine, denn diese sind immer noch im Baustellenstadium.

    Ich bin untypisch spät dran. Aber nachdem das Bad im Mai weder beheiztes Wasser noch funktionierende Duschen und auch weder Saisonkabinen oder normale Umkleidekabinen im Programm hatte, wurde ich störrisch und mied das Bad. Inzwischen gibt es Duschen und Umkleiden. Das Wasser erreicht auch ohne Zusatzheizung Temperaturen jenseits der 20 Grad – jetzt fehlt nur noch die Saisonkabine.

    Ich liebe es ja, durch die Stadt zu fahren, während diese noch schläft. Und mit der frühen Junisonne um Sieben ins Freibad: Es gibt fast nichts besseres. (wenn es nur alles nicht so früh wäre..).

    Aber ich überwand mich. Ich erfuhr, dass die Saisonkabinen fast beinah wieder fertig sind – wie schon seit längerem, schleppte mein Zeug für Wiese und bewegte mich ins Becken. Die tiefstehende kräftige Sonne sorgte für lange Schatten und schon fast heiße Bereiche im Bad. Die Mitschwimmerschaft war älter, Gewohnheits*schwimmerinnen, aber noch entspannt. Der Schmetterlingsschwimmer blieb erfreulich auf der Nachbarbahn.

    Sonne, Wasser, Schweben, Untertauchen, der Blick halb unter Wasser halb über Wasser. Eigentlich sollte ich das 24/7 machen.

    Austernfond Mocro-Mafia

    Entdeckungen über die Normandie: Nicht nur ist das Departement Calvados die Heimat von Calvados (dem Branntwein), Cidre und Camembert, sondern aus der Normandie stammt auch die Sauce normande mit Mehlschwitze, Cidre, Austernwasser (in dem Austern gekocht wurden), Fischfond, Eidotter, Sahne und Butter.

    Auch entdeckt: Das Departement Calvados mit immerhin 700.000 Einwohnern hat eine Zweitwohnungsquote von fast 20%. In den entsprechenden Küsten- und Touristenorten vermutlich weit höher.

    Ein unbekannteres aber wichtiges Mahnmal: das Mémorial des reporters de Bayeux, ein Mahnmal für im Einsatz getötete Journalisten. Errichtet 2007 in Bayeux in Zusammenarbeit mit Reporter ohne Grenzen und bedauerlicherweise jedes Jahr mit Aktualsierungen. 58 waren es im Jahr 2023.

    Es fehlt nur der deutsche Wikipedia-Artikel zum Mahnmal.

    Spätestens am 2. November

    Nachdem ich großspurig verkündet hatte, bis Ende dieses Monats eine formal vollständige Bachelorarbeit geschrieben haben zu wollen, fiel mir auf, dass ich gar nicht so genau weiß, was die Formalien sind, die ich erfüllen möchte.

    Um Schriftgröße, Literaturfomratierung et cetera mache ich mir weniger Sorgen; immerhin habe ich am betreuenden Lehrstuhl gerade eine Seminararbeit geschrieben. Ich unterstelle, dass die formalen Anforderungen sich in der Hinsicht wenig unterscheiden. Außerdem stellt der Lehrstuhl bwlquam freundlicherweise eine Vorlage in LaTeX zur Verfügung, in der das Wichtigste schon festgesetzt ist.

    Aber eine Frage blieb mir: Wie lang muss die Arbeit sein? Mein aus verschwommener Erinnerung gespeistes Bauchgefühl sagte 30 Seiten. Und es hatte ungefähr recht: Prüfungsordnung und Lehrstul sagen: Zehntausend Wörter; das entspricht ca. 30 bis 35 Seiten, plusminus 10%. Also 9.000 bis 11.000 Wörter.

    Zusatzentdeckungen:

    • Innerhalb von zwei Monaten muss die Arbeit korrigiert sein. Das heißt: spätestens am 2. November sollte ich das Ergebnis wissen.
    • Laut Prüfungsordnung müssen die Bachelorarbeiten für den B.Sc. Wirtschaftsinformatik einen wirtschaftsinformatischen Bezug haben. Also vermutlich wäre ich weder mit einer Geschichte des Steuerrechts durchgekommen, noch mit einer reinen Programmieraufgabe.
    • Auch entdeckt: ich muss die Mikroökonomik-Klausur dieses Semester gar nicht bestehen. Bei den fünf Pflichtmodulen Wiwi reicht es, wenn man die vier halbwegs gut besteht und im fünften dann 25% (statt 50%) der Punkte einsammelt. Die vier anderen habe ich schon bestanden. Das senkt die Hürde deutlich.
    • Während ich allerdings Klausuren immer zweimal wiederholen darf, darf die Arbeit nur einmal wiederholt werden. Im Moment halte ich das aber für ziemlich ausgeschlossen – außer ich verschätze mich brutal in meinem aktuellen Kenntnisstand, oder mich holt zwischendurch ein wochenlanger Zustand geistiger Umnachtung ein.

    In Cannes

    Irgendwann haben die Möwenkinder genug gefiept, die Eltern genug geschimpft und ermuntert. Dann heben die grauen, rundlichen Möwenbabys endlich ab. Noch ziemlich ungelenk fliegen sie mit ausgebreiteten Flügeln schnurstracks geradeaus. Man ahnt ihren panischen Blick und möchte nicht in ihrem Weg stehen.

  • 25-06-17 JuMP HiGHS

    25-06-17 JuMP HiGHS

    Der Mädchen-Späti überreichte mir eine rosa Teekanne und die Theory of Linear and Integer Programming.

    Es war ein heißer schwüler Sonntag in den märkischen Hamptons und ein überraschend kühl-schwüler Montag in den Südkreuz Offices. Heiß, schwül, heiß schwül, gerade der Sonntag war nahe der Grenze der Erträglichkeit.

    Deshalb zu angenehmeren Themen:

    Ein Nachtrag zum letzten Post: Madame denkt bei der Wiener Straße in Kreuzberg an den Song Görli Görli von P.R. Kantate und dessen Textzeilen:

    Weil ick wohne inne Wiena, bin een Balina
    Und och een Schlawina
    Sing üba’n Hintahof meene eegnen Lieda
    Wohne inne Wiena, bin een Balina
    Und och een Schlawina
    Doch dit is Dir ejal

    An der Grunewaldstraße/ Ecke Goltzstraße eröffnet eine neue Cambio-Carsharing-Station. Diese Nachricht begrüße ich.

    Gelesen: Die Anfängte von Carlo Levi: Die Doppelte Nacht – diese Lektüre wird nicht einfach sein.

    Gelesen: Eine Granta-Geschichte von Sarah Bernstein. Ein Ausschnitt aus Study for Obedience. Auch wenn die Kulturkritikreferenzen natürlich literarischer sind, musste ich vor allem an Stephen King denken. Diese Mischung aus banaler Alltäglichkeit in der Geschichte, in der Nichts passiert, und dem alltäglichen kleinen Ort im Nichts, in dem sich einfach alles bedrohlich anführt. Das ist King at his best.

    Dem Gemüseangebot nach gehen zur Zeit vor allem Zucchini und Kohlrabi. Das ist nicht das Schlechteste. Aus der Experimentalküche: Kalte Joghurt-Zucchinisuppe und danach – weniger Experimental – Nürnberger Würstchen und Fenchen-Orangensalat. Noch haben wir letzte Crowdfarming-Orangen.

    Unter der Gartendusche geschrieben

    Dieses Wochenende flog kein nächtlicher Rettungshubschrauber über den Bungalow. Dafür heulte die Feuerwehrsirene Nachts um vier. An sich finde ich Sirenen als Ausbund von Low-Tech-Resilienz-und-Redundanz super. Aber wenn sie quasi neben dem Bett mitten in der Nacht losgeht, trübt sich diese generelle Freude am Objekt kurz ein.

    Immerhin, um vier war das Wetter noch in Ordnung. Später dann: Hochsommer. Der Sonnenschirm verließ sein Lager ebenso wie die Gartendusche. Madame wagte sich in die Hitzefalle Schlafboden, um dort Ordnung zu schaffen.

    Mohn ist aus. Noch nicht ganz. Aber die Blühfreude der Mohnblumen lässt deutlich nach, die Kräfte der Pflanzen scheinen langsam zu erlahmen. Jetzt können wir nur darauf hoffen, dass die Samen sich weit und erfolgreich verteilen.

    Dafür blühen die Rosen. Die Robustas mit einem leuchtenen roten Band in zwei Meter Höhe, wie wir es noch nie sahen. Die Rosarium Uetersen schlängelt sich mit ihrem dunklen Rosa an den leuchten roten Robustas vorbei. Selbst die Alten Rosen blühen, offensichtlich konnte Madame sie vor der Totalentblütung durch den Rosentriebbohrer bewahren.

    Und so haben Mme. Hardy, Alba und Tuscany je eine Blüte in weit, weiß und violett. Die älteren und größeren Pink Moss (in Pink) und Gallica versicolor (rot-weiß) haben nachgeradezu viele Büten.

    In der Wiese aus Fußhöhe: die rosa-violett leuchtenden Nelken, auf Brusthöhe die Knautien, die eine nie gesehene Pracht aufbieten. Umso schöner, weil beide ein Geschenk sind, nie bewusst von uns in die Wiese gesetzt wurden.

    Julia, oh Julia

    Ich habe Zeit, mich näher mit Julia zu befassen; der Programmiersprache. Und quasi alles was ich sehe gefällt mir.

    Zuerst: ich glaube sie kann (fast nativ) alles was ich benötige. Lineare Algebra ist quasi ihre eingebaute Superkraft. Mit Hilfe der JuMP-Erweiterung kann Lineare Programme lösen, die ihr in fast normaler mathematischer Notation gereicht werden. Sie unterstützt 54 Solver, von denen mir derzeit HiGHS der beste zu sein scheint. Und mit Hilfe von ParametricOptInterface.jl kann sie sogar Parametrisierung, ohne dass ich mich dreifach durchs Fenster verbiegen muss.

    Was mir aber fast wichtiger ist. Der Spirit stimmt.

    Die Julia-Community hat Chancen auf den albernsten Buchtitel ever: Romeo and Julia, where Romeo is Basic Statistics. Aber auch andere Bücher, die mehr vielleicht mehr nutzen, haben einen angenehmen Vibe. Da wäre zum Beispiel Julia Programming for Operations Research 2/e oder auch die allgemeine Einführung, die ich schon wieder nicht mehr finde.

    Ihr „gentle“ Youtube-Tutorial hatte mich, als sie drei Voraussetzungen erwähnten, die man erfüllen muss, um Julia zu lernen. Eine, und am wichtigsten: The ability to create folders and subfolders. Immer nötig, oft unterschätzt, diese Fähigkeit.

    Und so verschwand ich vor allem um Juliaversum. Immerhin nicht auch ein bißchen ganz normalen Text für die Bachelorarbeit zu produzieren; hocherfreut wie gut das gerade funktioniert.

    Labskau

    In meiner Schulzeit hatte Niedersachsen in der 5./6. Klasse die Orientierungsstufe erfunden; ein klarer politischer Kompromiss zwischen den Menschen, die lange eine Gesamtschule wollten und denjenigen, die klassisch nach der fünften Klasse die Schüler*innen separieren wollten. Innerhalb der Orientierungsstufe wurden bestimmte Fächer zusammen unterrichtet, andere wie zB Mathe in A-, B-, und C-Kurs unterteilt. AUsgehend von dieser Erfahrung las ich gespannt den differenzierten Bericht zur Binnendifferenzierung innerhalb einer Schulform: Differenzierung: Gut für die Kinder oder die Lehrer?

    Mein Opa war Seemann (entlang der Levante, von der ich als Kind immer nicht wusste, wo die liegt). Und als Seemann wusste er, wie man Labskaus macht. Lustigerweise hat er immer Labskau‘ gesagt, aber das nur nebenbei.

    Endlich einmal ein bißchen Glamour für/über/bei/mit Wikipedia: wikipedia-x-armedangels

  • 25-06-15 Julia, die Himbeerlimonade und ich

    25-06-15 Julia, die Himbeerlimonade und ich

    Madame brachte Gartenkirschen von der Keramik mit.

    Das Kreischen der Mauersegler ist in der Wohnung zu hören.

    Es war das Ende der Woche. Ein Arbeitsfreitag und ein Samstag in Berlin-Kreuzberg. Der erste Tag des Hochsommers.

    Er begann mit einem kühlen Freitagsarbeitsweg. Ich war eine halbe Stunde früher dran also sonst. Und plötzlich waren die Straßen nicht mehr voller Pendler*innen sondern voller Jogger*innen. Der kleine Sportplatz im Cheruskerpark war noch ungenutzt. Die Sonne kam erst im Laufe des Tages.

    Freitag war der Hochsommer noch so frisch, dass Menschen freiwillig auf der Sonnenseite der Straße gingen. Bis Samstag hatte sich das bereits geändert.

    An der Bushaltestelle ein Mann mit zotteligem Haar und Bart, etwa 30, der sein Shirt hochgezogen hatte mit den Hüften kreiste und auf seinen Sixpack zeigte. Ich fragte mich, ob das für Schöneberg noch als normal gilt oder eher nicht.

    Der neueste Imbiss-Trend scheinen Steak-Döner zu sein. Vermutlich der Nachfolger des Smash-Burger. Diverse Läden eröffnen oder stehen kurz davor.

    Nachdem wir seit Jahren Crêpes Suzette essen wollen, und es irgendwie nie klappt, nicht einmal in Paris, entdeckte ich, dass in Prenzlauer Berg eine ganze Crêperie namens Suzette steht, die acht oder neun flambierte Crêpes im Angebot hat. Da sollte es wohl mal funktionieren.

    In der deutschen Wikipedia erschien ein Artikel zum South Park Tower. Das freut mich. Umso spannender, weil ich das Hochhaus schon in echt gesehen habe – unwissend welchen Namen es trägt.

    Die Welt sollte mehr sein wie Kreuzberg

    In der ehemaligen Bechstein-Klavierfabrik befindet sich heute eine Tauchschule mit eigenem Schwimmbecken. Gegenüber dem Wellenbad am Spreewaldplatz hat ein Koreaner eröffnet, der Teigtaschen mit Kimchi verkauft.

    Ich wandelte durch einen Straßenblock Kreuzberg und staunte: Jeder Meter sind andere spannende Aufkleber und Graffiti. Eingänge und Häuser mit Kletterblumen bewachsen, und trotzdem halten sich immer noch Lebensmittelläden und andere Geschäfte des täglichen Bedarfs.

    Auf der Straße kam mir ein Wesen in einer Art Ordensornat entgegen, das in seiner genderfluiden Großartigkeit schon fast die Mühsal der menschlichen Ebene verlassen hatte und wirkte wie direkt auf dem Weg zum Mars.

    Und ich dachte, die Welt sollte mehr sein wie Kreuzberg. Dann wäre sie besser. Nicht zu 100% und überall. Aber so generell.

    Alle drei Meter kam mir eine neue Romanidee in den Sinn. Ich dachte, hier sollte dringend ein Roman geschrieben werden. Dann sah ich das Straßenschild: Wiener Straße. Und natürlich hatte schon jemand die Idee.

    Meine zweite Assoziation angesichts des Straßenschilds war origineller: Leitungsstörung. Unser Telekom-Anbieter schickt uns Mails, wenn an irgendeinem Schwimmbadstandort die Leitung zickt. Da steht aber nie das Bad bei, sondern nur die Straßenadresse. Eine davon ist die Wiener Straße.

    Dann gilt es zu ergründen: Welches Bad? Ist das jetzt ein Problem, oder wird das Bad eh grad renoviert und steht im Rohnau? Wobei die meisten Bäder so groß sind, dass sie mehrere Adressen an verschiedenen Straßen haben. Aber der Ehrgeiz besteht natürlich, nur anhand der Adresse das Bad zu erkennen ohne nachschauen zu müssen. Und so überlege ich sofort „Welches Bad“, wenn ich Wiener Straße lese.

    Aber klar, das Wellenbad am Spreewaldplatz, das dort steht, befindet sich in einer Grundsanierung. Kein Wunder, dass öfter Störungsmeldungen kommen.

    Ich aber wollte ins das ehemalige Umspannwerk direkt neben der ehemaligen Desinfections-Anstalt I. Denn dort fand eine Versammlung statt.

    60 von 113000

    Wir waren nicht anlasslos in Kreuzberg. Wikimedia Deutschland, die Gesellschaft zur Förderung freien Wissens hatte zur Mitgliederversammlung geladen.

    Die Geschichte zwischen Wikimedia und Wikipedia ist lang und kompliziert. So kommen zur MV fast keine aktiven Wikipedistas mehr; ein Großteil der Teilnehmer*innen sind pensionierte Studienrät*innen, die Wikipedia unterstützen wollen und dann vor Ort überrascht erfahren, dass Wikimedia und Wikipedia verschiedene Sachen sind.

    Inzwischen wurde aber ein passendes Format gefunden: ein Abend und ein Vormittag, in dem den Mitgliedern Wikimedia erklärt wird, und ein Nachtmittag mit der eigentlichen Versammlung, in der es um Abstimmungen und Ähnliches geht.

    Als Fast-Gründungsmitglied, ex-Präsidiumsmitglied und Ex-Angestellter des Vereins finde ich es ganz nett, zumindest einmal im Jahr zu schauen wie es ihm geht. Zumal ich das als Mitglied einer Zählkommission machen kann, die aus lauter Wikipedia-Veteran*innen besteht. (Danke auch an Nicole für das Kümmern darum!)

    Der Verein hat inzwischen 113.000 Mitglieder, von denen sich 60 an den offenen Abstimmungen vor Ort oder im Livestream beteiligten. Zur Wahl der Kassenprüfer*innen wurden 350 Stimmen abgegeben. 112.650 Mitglieder beteiligten sich nicht.

    Der Verein ist in vielerlei Hinsicht skurril. Aber es war ein sehr netter Tag. Madame lernte noch die Storck-Unternehmenskommunikation kennen. Ich hörte Musik. Vormittags in Kreuzberg, Nachmittags in der Versammlung.

    (Der Rückblick-Blogpost beim Verein)

    Tätowierungen und Lambdas

    Wahrscheinlich war es der Kreuzberg-Vibe, der auf mich überging. Plötzlich hatte ich den Gedanken: Tattoo. Und da ich halt auch in Gedanken die ganze Zeit bei der Bachelorarbeit war, dachte ich: Warum sollte nicht die Zielfunktion meines Modells auf den Unterarm:

    \[max. x_0 = 2x_{HG} + 2x_{HK} + 6x_{FI} + 3x_{FR} + 1x_{SP} + 4x_{NA} \]

    Aber dann fiel mir ein, dass die Bachelorarbeits-Zielfunktion noch gar nicht 100% feststeht und in dieser Variante die Lambdas fehlen und überhaupt.

    Eigentlich versuche ich ja vor allem, gerade Textmenge zu schaffen, indem ich blind Sachen herunterschreibe. In meinen Hirn steht LE langsam nicht mehr als großspurige Abkürzung für „Leipzig, fast so cool wie LA“ sondern für Kleinergleich. Auf englisch: lesser equal. In LaTeX: \le. Aber dafür brauche ich einen Monitor und einen Schreibtisch und die Gewissheit, mindestens eine halbe Stunde lang weder von Innen noch von Außen gestört zu werden.

    Aber ich danke auch zu anderen Zeiten über die Arbeit nach. Quasi dauernd danke ich innerlich Gilbert Strang und Vašek Chvatal, weil sie so viele meiner Fragen beantworteten. Und neben der Tattoo-Idee beschäftigt mich noch eine andere Frage: ich muss mein Modell ja nicht nur aufstellen und erläutern, sondern auch lösen. Von Hand ist das eigentlich nicht mehr machbar.

    Also braucht es technische Hilfe. Mein Ursprungsplan: Alles in R schreiben , weil ich R mag. Aber der Plan hat Probleme. R ist eine Statistiksprache und kann ein paar Sachen nicht, die ich brauche. Also kam die Idee: R und ein bißchen in der Programmiersprache Julia. Die hat native Unterstützung linearer Programme und ist für meine Zwecke wie geschaffen.

    Jetzt, am Landwehrkanal, beschloss ich, R einfach R sein zu lassen, und mich nur Julia zuzuwenden. Als ich den Halluzinator fragte, ob er mir mehr zu Julia und Linearen Programmen erzählen kann, hat der mir gleich ein einfaches Modell mit einem Limonadenstand mit zwei Angeboten (Zitronenlimo und Himbeerlimo und einem variablen Zuckerpreis) sowie dessen Implementierung in Julia aufgebaut.

    Ich bin ziemlich gefeit gegen zuviel-KI-in-einer-Arbeit, einfach weil ich mich weigere Sachen aufzuschreiben, die ich nicht komplett selbst verstehe. Aber ich war beeidruckt.

    Neuruppin – Hochschwarzwald – Mallorca

    Maik Horn fährt mit dem Traktor von Neuruppin nach Mallorca.

    Frau Brüllen als Schwimmbadinfluencerin. Und natürlich habe ich mich zwei Absätze gefragt, seit wann sie Finanzratgeber liest.

  • 25-06-12 Das tragische Schicksal zweier Teekannen

    25-06-12 Das tragische Schicksal zweier Teekannen

    Es waren drei Arbeitstage, davon einer im mobilen Arbeiten. Erst regnete es, dann wurde es heiß.

    Auch der Mond passt sich der Jahreszeit an. Der diesmonatige Mondaufreger ist folglich nicht der Blut- sondern der Erdbeermond. Dabei sollte man meinen, der Mond an sich ist als Wort schon poetisch genug.

    Am Vitra-Museum in Weil am Rhein ist liegt ein weiterer Piet-Oudolf-Garten. Vor allem aber bekamen wir schicke Bilder gesendet, von einer Ausstellung über die Shaker und deren Möbel. Auch scheint dort der Dachumbau deutlich zügiger voranzugehen als in Berlin.

    Madame war im Insulanerbad. Weiterhin können keine Kabanen gemietet werden. Das Wasser ist weiterhin kalt. Am nächsten Tag brachte sie ungesponnene Schafwolle aus der Hafenstadt mit.

    Kurz nach Iberty berichtet auch die BZ über den Umbau des ehemaligen Sony Centers: Am alten Sony Center wächst neues Leben

    Bei der Bachelorarbeit habe ich mich dazu entschieden, erst einmal etwas mehr Volumen zu schaffen und erst danach nötige grundlegende Formalkorrekturen anzubringen.

    Irgendwie brauche ich das Gefühl, mal vom Fleck zu kommen. Und um mir selbst die Einstiegshürde niedrig zu halten, und um ins Schreiben zu kommen, fange ich mit einem netten kleinen BWL-Lehrbuch zur Auswertung an: Stepan/Fischer 2009.

    Dabei feiere ich mich sehr, dass ich es auf mich nahm, schon die Seminararbeit in LaTeX zu schreiben – soviel Schmerz den ich dort durchlitt, und den ich mir jetzt einfach ersparen kann, indem ich einfach die Formatierung bei der Seminararbeit nachschlage.

    Zufällig stellte ich fest: Eine Lieblingskollegin studierte einst vor Corona Sozialwissenschaften an der Fernuni Hagen. Damit wird sie natürlich noch mehr Lieblingskollegin. Auch wenn ihre Umstände anders waren: Sie hatte zu der Zeit kleine Kinder, Hagen selbst wartete Prä-Corona noch mit sehr viel mehr Präsenzerfordernissen auf als heutzutage.

    Ich habe ja mein Berufsleben so ausgesucht, dass ich die Leidensgruppe Powerpoint meist gut umgehen kann. Ob das auch in Zukunft gutgeht? Wir werden sehen.

    Schwerkraftwellen

    In einem Ladengeschäft im Erdgeschoss unseres Wohnungshauses hängt ein Verkaufsplakat. Dieses Haus bleibt spannend.

    Küchenexperiment: Rhabarberstangen aus dem Ofen mit Vanille, Honig und frischem Thymian. Auf jeden Fall wiederholbar.

    Sonst zeigte sich der Haushalt dieser Woche ungewohnt garstig. Ein Gefrierschrank, dessen Tür nicht richtig schloß, eine Geschirrspülmaschine mit Fehlermeldung. Madame versuchte sich wieder einmal daran, den Schmodder abzukommen, den uns die immerwährende Dachbaustelle einbringt:

    Am Schlafzimmerfenster hatte sie halbwegs Erfolg. Nur ein paar Zementflecken erweisen sich als hartnäckig, wir hoffen durch unseren Sieg durch Ermüdung. Rätselhafter das Kammerfenster, das mit einer durchgehenden Schicht von ???? überzogen ist. Noch keine Ahnung, was ???? ist, aber gegenüber handelsüblichen Reinigungsmitteln ist es unempfindlich.

    Und dann ist da die hartnäckige Schwerkraft, gerne in Verbindung mit dem gefliesten Küchenfußboden. Ein Kaffeebecher fiel um zum Opfer – im wahrsten Sinne des Wortes – sowie zwei Teekannen. Bei der ersten übertrieb ich mit Einschenken, so dass ihr Deckel auf den Boden sauste. Die zweite – gerade als Ersatz für die Erste besorgt – wurde Opfer eines von mir herabgeworfenen Gewürzglases, das auf der Kanne einschlug.

    Ganz schön frech die Wohnung diese Woche.

    Hier wohnt der Girlitz

    Ich sah Hape Kerkeling vielleicht. Also auf jeden Fall sah ich einen Staatsbesuch, dessen Auto die niederländische Standarte trug. Vielleicht allerdings war es auch gar nicht Kerkeling-als-Beatrix, sondern nur ein*e normale Politiker*in.

    Überhaupt ist nicht nur Saison von Sommerfesten, Vereinsversammlungen und allem anderen, was noch vor den Sommerferien stattfinden soll – auch die Staatsbesuche scheinen sich zu häufen.

    Fast jeden zweiten Tag begegnet mir derzeit auf dem Arbeitsweg die einschlägige Motorradkolonne und die schwarzen Autos mit den Blaulichtern. Am Anfang der Woche flog sogar ein Militärhubschrauber Richtung Flughafen.

    Frühsommer und Kopfhörer motivieren mich doch, die meisten Wege zur Arbeit zu Fuß zu laufen, dabei der Sportgruppe Cheruskerpark ebenso zuzusehen wie den Bürosströmenden zum Euref-Gelände. Und immer laufe ich über den neuen Quartiersweg mit seiner ungemähten Wiese und dem großen Schild „Hier wohnt der Girlitz! Das soll so aussehen!“

    Auf dem Weg stellte ich überrascht fest, dass der Song Controversy von Prince ein komplettes Vaterunser enthält (im Video ungefähr bei Minute vier). Auch der Rest der Lyrics ist überraschend kirchenzumutbar. Und jetzt stelle ich mir die übliche Sakro-Pop Band vor, die sich am Funk der Prince-Musik abmüht.

    Drei- und mehr Dimensionen

    Der Jean Pütz der Heim-KI schlägt wieder zu, und erklärt was Large Language Modelle mit Embedding und Vektorenrechnung zu tun haben.

    Im Sommer in den französischen Bergen.