Kategorie: Alltag

  • 25-06-10 Tanz der Knautien

    25-06-10 Tanz der Knautien

    Es war der zweite Teil des Pfingswochenendes.

    Die Klimaanlage am Flughafen Hammamet hatte unseren Nordseeaufenthalt vereitelt. So verbrachten wir Sonntag und Montag auf den Latifundien.

    Der Sonntag ein unruhiger Tag: Irgendwann nachts um vier ein Rettungshubschrauber verdächtig laut, verdächtig nahe am Bungalow – vermutlich auf dem Weg zur Autobahn. Geweckt wurden wir dann ernstlich morgens durch die Feuerwehrsirene. Kaum waren die Kamerad*innen wieder zurück, trötete die Sirene gegen 11 ein zweites Mal los.

    Weil Feiertag war, und weil Sekt bei uns tendenziell zu alt wird, öffneten wir eine Flasche. Edles Mitbringsel aus Saale-Unstrut, „handgerüttelt von Stefan Schlösser.“ In den Regenpausen grillten wir Bratwürste vom Rinderstolz, Kartoffeln, Spargeln und Kohlrabi. Madame fertigte Waffeln.

    Ich entdeckte: Falls ich mal wieder Opfer der Zugteilung werde, und in Hamm längere Wartezeiten haben: der Maximiliamgarten ist in Teilen von Piet Oudolf gestaltet. Und das will ich natürlich noch mal im Leben sehen.

    Und ja, eine sehr leichte Ähnlichkeit zum latifundalen Grundstück, ist nicht ganz zufällig. (Ein bißchen mehr zu Oudolf und seinen Gärten)

    Ich sehe, ich brauche einen Grund, mal wieder zur Fernuni nach Hagen zu fahren, und eine Zwischenübernachtung in Hamm einzuschieben.

    Auch gelernt: die Jugendherberge Chemnitz sitzt im Gebäude des sehr schicken 1920er-Jahre Umspannwerks. Modernes Bauen at its best.

    Sly Stone starb. Der Musiker, der alles verkörperte, was in den USA gerade den Bach runtergeht: Neuheit, NEugier, Funk, Gospel mit Wah Wah, Jazz mit Disco, eine Band, für die der Begriff Multikulti erfunden werden müsste. Zu eigen, um jemals ganz groß zu werden: Thank You (Falettinme Be Mice Elf Agin) Und noch eines, schon allein wegen des großartigen Bühnenauftritts.

    Der Tanz der Schwalben

    Madame setzte alles.1

    Das Brennholz ist noch nicht gespalten, aber zumindest komplettemang in 25cm lange Stücke zersägt. Die Paletten, auf denen es zwischenlagerte, dürfen sich jetzt langsam in einen Grill-Ablage-Tisch verwandeln.

    Die jährliche Beet-Unkrautung trieb sie bereits zu fünf der Zehn Beete, und ist damit recht früh im Jahr.

    Im Sturm tanzten die Knautien über die Wiese. Fast ein Ballett aus lila und rosa (Skabiosen) Blüten einen, scheinbar schwerelos einen halben Meter über dem Gras.

    Direkt über uns, kurz vor dem echten Unwetter, der Tanz der Schwalben hoch oben in der Luft.

    Die Holzbiene schimmerte bläulich in der Abendsonne als sie sich zu den wassertropfenübersähten Mohnblumen aufmachte.

    Der samstägliche Distelfalter hielt sich die weiteren Tage versteckt. Dafür begleitete uns Montag fast den ganzen Tag über einer der Schmetterlinge mit dem schönsten Namen, ein Hauhechelbläuling.

    Schocken

    Der Sonntag erwies sich als Tag wetterlicher Garstigkeit. Und so verbrachte ich den Großteil des Tages in den Latifundien, las ein wenig im Internet und ein wenig in Büchern. Es war eine ungeplant jüdische Lektüre: Ich las zwei neue Texte aus Wir schon wieder.

    Vor allem aber richtete ich meine Augen durch die neue Gleitsichtbrille auf Moderne ohne Bauhaus. Wie jüdische Unternehmer und ihre Industriearchitektur das Chemnitzer Stadtbild der Moderne prägten

    Gleich zwei blinde Flecken: Sachsen und Chemnitz war einst das Zentrum deutscher Industrie – was außer Sachsen keiner mehr weiß. Und Juden waren halt einfach normal in Deutschland. Immer unter Antisemitismus leidend, aber ganz selbstverständlich auch Deutsche, die ganz selbstverständlich dasselbe machten wie andere Geschäftsleute auch.

    Natürlich ging es um die Warenhäuser Schocken und Tietz. Aber auch um Industriebauten und ihre Industriellen. Und natürlich um Arisierung und Mord.

    Obwohl das Buch also thematisch spannend war und ist, und ich mich freute, das ein oder andere markante Bauwerk der Stadt wiederzuerkennen, blieb ich unterwältigt. Das ist alles sehr brav erzählt, weitgehend ohne Kontext, immer genau auf den Quellen zu dem Unternehmen und jenem Gebäude. Sehr seriös, aber wenn man nicht gerade selber etwas über die entsprechenden Gebäude schreibt, würde man sich etwas mehr Einbettung in den historischen und kulturellen Kontext widmen.

    Vašek Chvatál

    Nach Gilbert Strang habe ich einen zweiten neuen besten Freund im Bereich der Mathematik: Vaclav „Vašek“ Chvátal. Der schrieb das Buch Linear Programming – und das war genau was ich brauchte. Lineare Programmierung auf einem anspruchsvollen Level, aber sehr verständlich erklärt. Dazu in einer Sprache, die einfach Lust macht, weiter zu lesen.

    Chvatal klärte viele meiner Fragen zum „Ich-weiß-ja-wie-aber-warum??“ und damit bin ich erstmal zufrieden. Noch lange bin ich davon entfernt, mich beim Thema wie ein Fisch im Wasser zu fühlen – aber wie ein southpark im Schwimmbad – das kommt näher.

    Also erklärte ich Phase 0 der Bachelorarbeit („reine Recherche“) für beendet und gehe zu Phase 1: Minimalarbeit. Ich versuche, das zu fertigen, was in einem anderen Kontext minimum viable product heißt: die kleinstmögliche Einheit, die für sich allein funktionfähig ist.

    Das heißt: Ich werde eine minimum viable Bachelorarbeit beginnen, die formal allen Ansprüchen genügt (einschließlich des Umfangs) und inhaltlich zumindest genug Substanz hat, damit ich mich nicht in Grund und Boden schämen muss.

    Hoffentlich ist das bis Ende Juni fertig. Dann habe ich noch zwei Monate Zeit aus einer Arbeit, die ich mit zugekniffenen Augen und Wohlwollen zu bestehen hoffe, noch etwas Gutes zu machen.

    Das Vorgehen ist für mich neu, hat im Wesentlichen drei Gründe.

    (1) Der Satz aus der Anmeldung: Die Bearbeitungszeit wird durch nicht chronische Erkrankungen nicht verlängert. Drei Monate sind lang, und da kann viel unerwartetes Zeitraubendes passieren.

    (2) Erfahrungsgemäß merkt man am Besten beim Schreiben was noch an Recherche fehlt. Je früher ich die Lücken schließe desto besser.

    (3) Wenn ich weiß, dass das Schutznetz eingezogen ist, kann ich inhaltlich rückwärts und einbeinig auf dem Hochseil hüpfen. Und darauf freue ich mich.

    Nicht alleinerziehend

    Chvatál auf Video. Um mal einen Youtube-Kommentar zu zitieren: „I knew Chvátal is a genius, but from this interview I learned he is humble and fun too.“

    Was machst Du eigentlich den ganzen Tag beim Opferfest in Side / Türkei.

    Als Vater auf dem Spielplatz. „Ach, du bist gar nicht alleinerziehend?“

    1. Und weil Computer ja heute ganz außergewöhnliche Sachen können und ich nicht mal mehr abtippen muss, eine Liste für’s Archiv, was dieses „alles“ ist: 1. Baptisia australis
      Indigo-Färberhülse
      Farbe: blau
      Höhe: 100 cm Standort: so
      Pflanzen pro m²: 2/3 Blütezeit: 7–8
      2. Aster novae-angliae ‚Barr’s Blue‘
      Raublatt-Aster
      Farbe: blau
      Höhe: 120 cm Standort: so
      Pflanzen pro m²: 2/3 Blütezeit: 9–10
      3. Gaillardia x grandiflora ‚Burgunder‘
      Kokardenblume
      Farbe: tiefrot
      Höhe: 50 cm Blütezeit: 6–9
      4. Euphorbia griffithii ‚Beauty Orange‘
      Wolfsmilch
      Farbe: orange
      Höhe: 70 cm Standort: so
      Pflanzen pro m²: 5/6 Blütezeit: 5–6
      5. Gaura lindheimerii
      Prachtkerze
      Farbe: weiß
      Höhe: 120 cm Standort: so-h
      Pflanzen pro m²: 5/7 Blütezeit: 6–10
      6. Aster novae-angliae ‚Violette‘
      Raublatt-Aster
      Farbe: violett
      Höhe: 130 cm Standort: so
      Pflanzen pro m²: 2/3 Blütezeit: 8–10
      7. Centranthus ruber ‚Coccineus‘
      Spornblume
      Farbe: karminrot
      Höhe: 80 cm Standort: so
      Pflanzen pro m²: 3/5 Blütezeit: 6–9
      8. Phlox subulata ‚Samson‘
      Polster-Flammenblume, dunkles Auge
      Farbe: rosa
      Höhe: 12 cm Standort: so
      Pflanzen pro m²: 9/12 Blütezeit: 4–5
      9. Artemisia arborescens ‚Powis Castle‘
      Eberraute
      Farbe: silbrig
      Höhe: 80 cm Standort: so
      Pflanzen pro m²: 5/7
      10. Baptisia x varicolor ‚Twilite Prairieblues’®
      Färberhülse
      Farbe: purpurbraun mit gelb NEUHEIT!!
      Höhe: 120 cm Standort: so
      Pflanzen pro m²: 2/3 Blütezeit: 5–6
      11. Achillea millefolium ‚T.F. Pomegranate’®
      Garten-Schaf-Garbe
      NEUHEIT!! granatroter Hingucker
      Höhe: 60 cm Standort: so
      Pflanzen pro m²: 7/9 Blütezeit: 6–9

      12. Verbena bonariensis
      Patagonisches Eisenkraut
      Farbe: violettrosa
      Höhe: 100 cm Standort: so
      Pflanzen pro m²: 3/5 Blütezeit: 7–10
      13. Aster ericoides ‚Golden Spray‘
      Myrten-Aster
      Farbe: gelblich weiß
      Höhe: 60 cm Standort: so
      Pflanzen pro m²: 3/5 Blütezeit: 9–11
      14. Scabiosa columbaria ‚Kudo White’©
      Weiße Tauben-Skabiose
      Farbe: weiß mit zartem rosa
      Höhe: 40–50 cm Blütezeit: 6–9
      15. Asclepias incarnata
      N.-Amerik. Seidenpflanze
      Farbe: rosa
      Höhe: 100 cm Standort: so
      Pflanzen pro m²: 3/5 Blütezeit: 7–8
      16. Thymus praecox var. pseudolanuginosus
      Grauer Woll-Thymian
      Farbe: rosa
      Höhe: 5 cm Standort: so
      Pflanzen pro m²: 15/20 Blütezeit: 5–7
      17. Salvia nemorosa ‚Adrian‘
      Sommer-Garten-Salbei
      Farbe: reinviolett
      Höhe: 40 cm Standort: so
      Pflanzen pro m²: 7/9 Blütezeit: F-J
      18. Gaillardia x grandiflora ‚Tokayer‘
      Kokardenblume
      Farbe: leuchtend orangerot, grünes Blatt
      Höhe: 70 cm Standort: so
      Pflanzen pro m²: 5/7 Blütezeit: 7–9
      19. Berkheya purpurea
      Purpur-Distel
      Farbe: zart-violett
      Höhe: 80 cm Standort: so
      Pflanzen pro m²: 7/9 Blütezeit: 6–8 ↩︎
  • 25-06-07 Was ich brauch rote Rosen, was brauch ich roten Mohn? Holleri, holleri, hollero.

    25-06-07 Was ich brauch rote Rosen, was brauch ich roten Mohn? Holleri, holleri, hollero.

    Während ich dies schreibe, höre ich einen Kuckuck. Und eine Autobahn. Aber der Kuckuck klingt besser.

    Durch die Straßen fährt ein Auto der BVG mit der Aufschrift „Busspurberäumung“. And I think that is beautiful.

    Ich versuche mein Bachelorarbeitsmodell einmal von Hand durchzurechnen – halb aus Prinzip und halb weil ich den Anspruch habe es wirklich von vorne bis hinten und von links bis rechts zu durchdringen – gehe aber regelmäßig in den vielen Zeilen und Spalten der Berechnung verloren.

    Madame kam und es roch nach Trüffel. Madame kam und es roch nach Kimchi. Wieder hatte uns ein Konzertbesuch in der Philharmonie vorher in den neuen Kerb Food Court am Potsdamer Platz geführt.

    Madame geht trotz kabanenlosen Zuständen in das Insulanerbad und tausch mit den anderen Anwesenden Tipps zum umkleidelosen Baden aus.

    Wieder durchlebten wir einen kleinen Kulturschock auf 300 Metern Weg vom Abendessen zum Konzert. Kerb Food Court: Wir gehören zu den wenigen deutschen Muttersprachlern, sind vermutlich die einzigen Anwesenden, die in Berlin wohnen und gehören zu den ältesten. Philharmonie: Wir gehören zu den Jüngsten, ein Großteil lebt wahrscheinlich länger in Berlin als wir.

    Immerhin sah ich Tweedsakkos mit Lederverstärkungen an den Ellbogen. Diese hatte ich schon für ausgestorben gehalten.

    In der Philharmonie kamen uns viele verwirrte junge Menschen im voll aufgebrezelten Ornat entgegen. Während wir in den Kammermusiksaal wollten, spielten im großen Haus die Philharmoniker höchstselbst Filmmusik von John Williams. Ich würde behaupten, wir waren im besseren Konzert des Abends, waren aber zweiter Sieger was Aufwand und Schönheit des Publikums anging.

    Am Kulturforum sind inzwischen Gebäudeteile des neu zu bauenden Museums erkennbar.

    In Potsdam sah ich ein paar mit Potsdam-Royals-Pullovern. Kurz dachte ich „Ilka?„, aber der Rest passte nicht zu meiner optischen Vorstellung von den beiden.

    Während ich durch den Lidl lief, hörte ich auf den Kopfhörern den Reverend John Wilkins. Und direkt vor mir stand ein Mann in Flip Flops mit „Jesus liebt Dich“-Shirt. Wie live aus Memphis hierhergebeamt.

    Sechs Chor-Studenten des King’s Colleges der Universität Cambridge

    Während ich über ide Kopfhörer gelegentlich Southern Gothic und Memphis Sound hörte, stand die Woche eigentlich im Zeichen englischer Choralmusik.

    Harmlos und nichtsahnend ging ich in die Philharmonie. Vor längerem hatte ich einst die King’s Singers im Radio gehört, und sogar vergeblich Karten besorgt. Aber was sie genau waren, ich hatte ja keine Ahnung.

    Aber dann saßen wir in Reihe 4 in Block B (links) und vor uns stand the best of Britishness. Sechs mittelalte Männer, die auf 100 Meter Abstand Choir Boys und Oxbridge ausstrahlten. Mit Understatement, einem feinen selbstironischen Humor, Bildung, ein bißchen unassuming – und ein Chorkönnen, bei dem wir nur mit offenem Mund zusehen konnten.

    Die King’s Singers sind ein Chorensemble für sechs Männer (2 Countertenor, Tenor, zwei Bariton, Bass), das 1968 von Chorstipendiaten des King’s College Cambridge gegründet wurde. Die Besetzung wechselte seitdem mehrfach, der Geist der Gruppe blieb aber erhalten: ein riesiges Repertoir zwischen englischer Madrigalmusik des 15. Jahrhunderts bis hin zu Ed Sheeran und Disney-Filmen.

    Dabei haben sie den Ehrgeiz, den Horizont zu erweitern: Wer wegen des Königs der Löwen kommt, soll auch Renaissancemusik hören. Wer wegen der Renaissancemusik kommt, soll auch Bee Gees hören.

    Die Gruppe ist auch nach vielfachen Wechseln so stimmig in sich. Fast vergesse ich während des Konzerts wie überragend jeder einzelne Sänger ist – bis er eine Solopartie hat.

    Moderiert wurde komplett auf Deutsch, von allen sechs im Wechsel. Wir wussten nicht, ob perfekt abgelesen oder wirklich aufgrund deutscher Sprachkenntnisse. Im Nachhinein erfuhren: Der Tenor studierte in Heidelberg und spricht fließend deutsch, Bariton 2 hat deutsche Großeltern. Zur Zugabe: „Mein kleiner grüner Kaktus.“ Sofern dies einem Ü50-Publikum im Kammermusiksaal der Philharmonie möglich ist: Es tobte.

    Generation Distelfalter

    Die allumfassende Blüte des Gartens überfordert mein sprachliches Vermögen. Meine Güte.

    Schön von der Terrasse aus: das Wogen der Wiese im Wind.

    Den halben Tag begleitete ein Distelfalter unsere Wege. Vermutlich war es wirklich ein Exemplar. Die leicht zerrupften Flügel deuteten darauf hin, dass er wirklich zur wandernden Generation gehört, der in den subtropischen Steppengebieten geboren wurde, und dann durch halb Europa und über die Alpen nach Brandenburg wanderte.

    Der mittelmärkische Bäcker-Wagen kommt noch. Jeden Mittwoch und jeden Samstag. Wir haben Glück! Hatten ihn nur letztes Mal knapp verpasst. Und er hat auch wieder Gemüse – frisch aus brandenburgischen Gärten, deshalb dieses mal nur Kohlrabi.

    Im Wettlauf mit dem aufziehenden Regen gelang es mir, das letzte Holz zu zersägen. Da ich die stromgetriebene Kettensäge keinem Schauer aussetzen wollte, wurde es knapp. Der letzte Schritt dauerte am längsten, denn ich wurde hektisch und arbeitete unsauber – wie es sich gehört. Aber das Holz existiert jetzt in handlichen 25-Zentimeter-Stücken, und ich brauchte auch nur 20 Minuten nach dem Abräumen bis mein Arm nicht mehr zitterte.

    Überraschenderweise gelang uns das Terrassen-Abendessen. Mit einem Dreigang-Menü aus Salat, Spargel-Rhabarber-Risotto und Joghurt mit Erdbeeren. Pfingsten auf dem Teller.

    Madame pflanzte Salbei, Walzen-Wolfsmilch und einen Woll-Thymian. Alle Pflanzen waren frisch aus Potsdam importiert.

    Alles mit Sumpf im Namen ist schlecht

    Falls wir dringend ein Unwetter brauchen, fahren wir zu Foerster Stauden nach Potsdam: die Stauden-Enzyklopädie als Gärtnerei.

    Die Gärtnerei, die sehr harmlos und unspektakulär aussieht, die aber alles hat. Sie geht auf Karl Foerster zurück, eine Art Gottvater der märkischen Gartenkunst. Sie führt (fast) nur Stauden, diese werden in alphabetischer Ordnung nach lateinischer Bezeichnung angeordnet.

    Da stehen dann kleine Pflänzchen in alphabetischer Ordnung.

    Das ist nicht königliche-Gartenakademie-sexy, das ist funktional. Aber dafür gibt es fast alles. Freundlicherweise stehen die deutschen Namen auch dabei. So können wir bei spontanen Entscheidungen gleich alles aussortieren, was „Sumpf“ im Namen trägt und alles näher betrachten, was sich als „Steppen-“ bezeichnet.

    Jedes Jahr versuchen wir ein bis zwei Quadratmeter Vorgarten oder Beet auszufüllen. Mit neuen Astern-Sorten, Walzenwolfsmilchen oder Gauras.

    Und wirklich jedes einzelne Mal, wenn wir da sind, bricht ein Unwetter los. Madame scherzte noch, dass es bestimmt gewittert. Ich mit Blick auf Himmel und Wetter-App: Quark. Wir fahren halt sonst immer nur hin, wenn es eh regnen soll. Aber nicht heute.

    Als wir mit allen anderen Gärtnerei-Gästen unter dem kleinen Bereich mit Zeltdach standen und sahen wir Kübelpflanzen umgeworfen wurden, musste ich Madame recht geben.

    Abitur auf finnisch

    Abi feiern auf Finnisch. Herzlichen Glückwunsch auch!

  • 25-06-05 KI Präsident ohne Höhle

    25-06-05 KI Präsident ohne Höhle

    Neues Karriereziel: Ausbilder für Leiterbeauftragte. Dann kann ich zweitägige Schulungen zur korrekten Nutzung einer Leiter geben. Und am Ende gibt es eine schriftliche Prüfung zu Themen wie“ Sinn und Zweck von Leitern u. Tritten“.

    Von des Kaptains Balkonkästen konnte sie fünf Erdbeeren von den Pflanzen des letzten Jahres ernten.

    Madame sprintete in Frankfurt nicht zum Sprinter, denn der Anschluss war schon weg. So konnte sie entspannt den ICE72 in Mannheim verlassen und den nächsten Zug nach Berlin nehmen.

    Während alle Unwetter um Berlin und die Latifundien herumziehen, wurde das Markgräfler Land bereits dreimal schwer getroffen. Hier schiebe ich mich nur durch die Schwüle und am Ende tröpfen drei Tropfen.

    Im Bergmannkiez eröffnete ein „Nur-Sachen-mit-Mais“-Imbiss.

    Ich „kochte“ experimental: Buttermilchsauce aus Buttermilch, Creme fraiche und Dill. Einfach kalt zusammengerührt. Zusammen mit Gemüse schmeckt das wie Sommer auf dem Tisch.

    Manchmal hält „die Zukunft“ was sie damals versprochen hat: Edis bat um einen Stromstand. Ich machte ein Foto des Zählers, scannte einen QR-Code und gut wars. Old School blieb hingegen das Öffnen des flechtenüberwachsenen Stromzähler auf den Latifundien, einschließlich des mehrfachen Ruckelns mit dem Schlüssel.

    Ich bestand die Einsendeaufgaben Knowledge Management und Mikroökonomik. Damit bin ich zu beiden Klausuren zugelassen und darf rein formal die Module bis zur Abgabe der Bachelorarbeit ignorieren.

    Zumindest bei der Mikroökonomik scheint mir das aber ungeschickt. Sollte ich das Modul bis September ignorieren, wird es kein Augen-zu-und-Knirsch während der Klausur sondern ein Vollcrash. Mal schauen, jetzt erstmal Parametrische Optimierung.

    Wie verspielt ist noch seriös?

    In den Notizen finde ich den Eintrag „KI Präsident ohne Höhle.“ Aha, denke ich. Erst nach einiger Zeit wird mir bewusst, dass der Eintrag aus einer Mischung aus Faulheit und irrelaufender Rechtschreibkorrektur entstand. Der Eintrag wollte sagen „KI-Präsentation ohne Höhlengleichnis“

    Wir veranstalteten ein intensives Besprechungszimmer-Bootcamp mit der Vorbereitung der „Was ist diese künstliche Intelligenz eigentlich und was können wir damit machen“. Dabei ist das Höhlengleichnis aus der Präsentation gefallen: Zu abstrakt, zu umständlich und vor allem viel zu lang.

    Meine Entscheidung – aber eine, die ich mit einem tränenden Auge traf.

    30 Jahre Krimi-Buchhandlung

    Die Hammett-Buchhandlung feiert 30-jähriges Jubiläum, und ist damit die zweitälteste Krimibuchhandlung Europas. Es gibt die ganze Woche über Kuchen, alkoholfreie Getränke und eine kleine Bücherverlosung. Da musste ich natürlich kommen und kurz vorbei schauen und gratulieren – leider ohne Losglück.

    E ist bekanntermaßen unmöglich, eine Buchhandlung zu betreten, ohne ein Buch zu kaufen, nahm ich etwas mit: Kathleen Kent: The Dime.

    Für Spontankäufe in Buchhandlung habe ich zwei Regeln:

    • Keine deutsche Übersetzung eines englisches Buchs
    • Autorin

    Gerade in einer Krimi-Buchhandlung fallen damit eine Menge Bücher aus der Wahl. Aber Hammett führt im Regal links des Eingangs natürlich auch englische Originale. Ich wurde dort fündig – und ich glaube ich habe mich am Ende entschieden, weil der Klappentext so schön nach amerikanischer Umgangssprache klang. Bei „Betty is as tough as the best of them, but she’s thrown for a loop when her first investigation goes sideways“ hatten sie mich.

    Erst zu Hause entdeckte ich, dass die Heldin „An almost-6-foot-tall, red-haired Polish Yankee lesbian“ ist – was mir das Buch gleich noch mal sympathischer macht.

    Frühsport im Cheruskerpark

    In der Qobuz-Biographie einer Künstlerin (Oklou) las ich etwas von „Nullerjahre-Nostalgie“ und dachte „Wie jetzt? Das war doch erst gestern? Und außerdem leben wir doch immer noch in den Nullerjahren?“

    Mit Qobuz verbringe ich derzeit einige Zeit, denn ich muss die neuen Kopfhörer ausführen. Dafür eignet es sich, zur Arbeit zu laufen, statt das Fahrrad zu nehmen. Neben Oklou entdeckte ich dabei Valerie June, musikalisch und biographisch spannend und höre Soundinstallationen von Luc Ferrari.

    Auffallend: wenn ich so eine Soundinstallation höre, und daneben schaltet ein Arbeiter einen Freischneider an, dann passt es richtig gut in den Sound.

    „The Medium is the message“ möchte ich Marshall McLuhan fernab jedes sinnvolles Kontextes zitieren. Aber das Fortbewegungsmittel ist der Weg. Und so entdecke ich vollkommen neue Aspekte der Gegend:

    • Die Frühsportler im Cheruskerpark, die im Schatten des Gasometers Klimmzüge machen.
    • Ein komplett neuer Weg bei der Arbeit, der erst durch Neubauten entstand – ich glaube er heißt Quartiersweg
    • Ein baustellenermöglichter Blick auf die komplette Luise-und-Wilhelm-Teske-Schule

    31041 bis 63811

    Ein Jahr staatliche Fernuniversität kostet übrigens weniger als eine zweitägige Schulung zum Leiterbeauftragten.

    Ich meldete mich zurück. Nach dem Seminarsemester WS 24/25 und dem Bachelorarbeitssemester SoSe25 versuche ich, mir etwas Entspannung zu verschaffen. Nur „normale“ Module, auch da nur Module für insgesamt 25 ECTS und, soweit ich beurteilen kann nichts übermäßig aufwendiges.

    • Ich wiederhol-belegte die beiden normalen Module aus diesem Semester (31041 Mikroökonomik und Modul 31831 Knowledge Management). Weil ich dieses Semester ja vor allem die Bachelorarbeit schreibe, werden die beiden Klausuren dort absehbar Knirsch und Krach. Es ist im Rahmen des Möglichen, dass sie zu sehr knirschen, ich durchfalle und wiederholen. Nach Plan ist diese Rückmeldung natürlich rein formal, weil ich den Schein schon habe.
    • Eigentlich gehe ich ja davon aus, dass ich lauter neue Module belegen darf:
    • Modul 32281 Digitale Diversität, mein erstes Modul, das offiziell als Mastermodul ausgeschrieben ist. Ich habe mich entschieden. Der Lehrstuhl BIGSI (Lehrstuhl für Betriebs­wirtschafts­lehre, insb. Gestaltung soziotechnischer Informationssysteme) ist der letzte Wirtschaftsinformatik-Lehrstuhl, bei dem ich noch kein Modul belegt habe. Am Ende ist meine Präsenz-Uni-Magsiterzeit länger her, und im Zweifel lasse ich mir auch von BWL-Lehrstühlen etwas über den aktuellen Stand sozialwissenschaftlicher Debatte. Außerdem könnte das Modul genau mein richtiges Level an vorhandener Vorkenntnis plus innerer Reibung haben, um leicht unbequem zu sein und mich aufzuwecken.
    • Modul 63811 Einführung in die imperative Programmierung. Wird nur für den eventuellen Bachelor Mathematisch-technische Softwareentwicklung oder Informatik benötigt – da aber natürlich zwingend. Ich hoffe, das wird eine Mischung aus schon vorhandenem Vorwissen und praktischer Übung und Vertiefung.
    • Modul 63113 Datenstrukturen und Algorithmen. Eines der wenigen Module, die ich mir gleichzeitig auf den Master Wirtschaftsinformatik und das Bachelorduo anrechnen lassen könnte. Ich hoffe, das wird eine Mischung aus schon vorhandenem Vorwissen und praktischer Übung und Vertiefung.

    WordPress / Bell Labs

    Würde ich nicht so drastisch sagen, aber inhaltlich denke ich ähnliches: Immer dieses WordPress Bashing.

    Why Bell Labs worked so well, and could innovate so much, while today’s innovation, in spite of the huge private funding, goes in hype-and-fizzle cycles that leave relatively little behind

  • 25-06-03 Dinner mit Aussicht auf Regen

    25-06-03 Dinner mit Aussicht auf Regen

    Madame errang in Säkularisierungstheorie und Facetten und Wahrnehmung religiöser Vielfalt je 100%.

    Nachzutragen ist: Das in diesem Blog bereits erwähnte Klavierkonzert von Severin von Eckardstein hat seinen Weg in die Deutschlandfunk-Audiothek gefunden: Severin von Eckardstein beim Berliner Klavierfestival.

    Emma von Adecco schrieb mir eine Handy-Nachricht. „Hallo! Ich bin Emma von Adecco. Wir haben eine Stelle als Freiberufler zu besetzen. Kann ich Ihnen mehr Einzelheiten geben? Reply STOP Exit.“ Fast wäre ich neugierig genug gewesen, um nachzufragen.

    Nachbarin Polizei hat auf ihrem Gartenparkplatz drei Glasflaschen aufgestellt, kurz bevor der Parkplatz ins Beet übergeht. Die LowTech-Variante eines Einparkpiepsers?

    Gelesen (in Teilen): Tales from the Manuscript of Saragossa. Ein Deutscher las die englische Übersetzung eines französischen Buchs, das ein Pole geschrieben hatte, welches von einem Niederländer in Spanien handelt, der Geschichten aus Italien erzählt. Wilde Angelegenheit. Später kommt mehr dazu.

    Das allererste mal länger in Berlin war ich im Rahmen eines Praktikums. Frau Tampon-Sögel beherbergte mich in ihrer Wohnung in Weissensee. Sechs Wochen lang fuhr ich jeden Tag mit der U8 zum Hermannplatz und stieg dort um in die U7 zum Südstern. Wenn ich aus der richtigen Perspektive in der U-Bahn-Station Hermannplatz unterwegs bin, habe ich manchmal immer noch den Geruch der Ofenheizung aus der damaligen Wohnung in der Nase.

    Kathedrale der Elektrizität

    Neukölln ist das neue Südkreuz. Nein, eigentlich nicht. Aber wie im Südkreuz auch, steht in der Passage zwischen Karl-Marx-Straße und Richardstraße ein Klavier. Dieses gehört zum Restaurant Vorwerck (Iberty: 2023) und begrüßt die Gäste.

    Ich aber wollte nur ein bisschen bummeln zwischen dem migrantisch geprägten Kleingewerbe an der Karl-Marx-Straße und der Richardstraße, die gerade noch so auf dem schmalen Grad zwischen Boheme, Verfall und übler Gentrifizierung balanciert, um sehenswert zu sein. Nicht zu vergessen, dass hier die 1000 Quadratmeter Neukölln liegen, in der der Stadtbild an seine alte Zeit als Böhmisch Rixdorf erinnert und dörflich wirkt.

    Tourist in der eigenen Stadt: Noch auf dem Hinterhof bei Restaurant/ Neuköllner Oper/ Kino wurden aufwendige Blumengestecke zusammengesteckt. Ich lief langsam die aufkommende Schwüle des Wochenendes spürend durch die Passage zur Richardstraße. Dort steht das expressionistische Umspannwerk (siehe: Kathedrale der Elektrizität). Ich fand Musikinstrumentenwerkstätten ebenso wie das auf Biographien spezialisierte Antiquariat. Auf der Rückseite das Ensemble Neuköllner Hochniederkultur mit der Neuköllner Oper, dem Heimathafen Neukölln, dem Vorwerck und eben den Passage-Kinos.

    Dort erwartete mich ein Kinoposter, dass es mir den Rücken kalt herunter laufen lassen lies, zum Glück zu einem anderen Film. In meinem Film traf ich ein Mutter-Tochter-Gespann, Mutter mit osteuropäischem Akzent und ein mittelaltes Männer-Duo, unklar ob Paar oder nicht. Und ein märchenhafter Film: Flow. Ich begab mich in Reihe 4, Platz 3 und lehnte mich im Sessel zurück. Ich war früh, musste aufpassen, in der Wärme des Tages nicht einzuschlafen.

    Schnurchel, schnurf

    Endlich einmal ein Filmheld für mich: Ein Capybara, das den halben Film über schläft und schnarcht und die andere Hälfte über andere Tiere rettet.

    Ich wollte ins Kino. Drei Filme kamen in Frage: Pane, Amore e Fantasia (Italien, 1953), Ghost in the Shell (Japan, 1997) und Flow (Lettland, 2024). Ich warf Würfel befragte den Halluzinator und er riet:

    • Pane, amore e Fantasia: Ja, wenn du Hitze und Lächeln suchst, mit einem kleinen Aperitivo danach.
    • Ghost in the Shell: Ja, aber mit ruhigem Geist und offenen Pupillen, Wenn du dich verlieren willst, tief drinnen.
    • Flow: Ja, Wenn du leise Schönheit willst, wenn du bereit bist zu fühlen, ohne dass jemand spricht.

    Meine Entscheidung fiel dann weniger poetisch aus, richtete sich danach, welcher Film Samstagnachmittag lief in einem mir bisher unbekannten Kino. Und so landete ich im Passage-Kino Neukölln in Saal 4 und sah Flow. (Trailer)

    Der Film war Originalversion angekündigt. Aber das hatte vermutlich keine Auswirkungen, denn es gibt keinen Dialog. Null. Eine Welt ohne Menschen, nur Tiere – die zwar untereinander kommunizieren, aber durch Geräusche, Gesten, Körperlichkeit.

    Eine lettisch-belgisch-französische Koproduktion, in der ich mir einbilde sowohl osteuropäische märchenhafte Poesie zu finden wie auch französischen Willen zum Stil. Eine Welt, in der Menschen einst waren, sie ist voller menschlicher Artefakte. Aber nicht erklört (von wem auch?). Eine Gruppe von Tieren, Katze, Lemur, Sekretärsvogel, Labrador und eben das Capybara retten sich auf ein Floß.

    Es gibt nicht wirklich einen Plot (wie auch ohne formulierte Ziele?), sie erleben, werden getrieben, versuchen im Fluß zu blieben. Geschaffen wurde der Animationsfilm ausschließlich mit der Open-Source-Software Blender und gewann eine Latte Preise.

    Wir waren letzten Sommer im Lettland, wo jede Menge Plakate zum Film hingen, und er der meistgesehene Film der lettischen Geschichte ist. Aber selbst für Nicht-Letter: Er ist sicher einer der speziellsten Filme, die ich in den letzten Jahren sah.

    Schwalben kommen, Schwalben gehen, Schwalben kommen

    Was für ein seltsamer Sonntag. Die Wettervorhersage hatte leichtes Getröpfel (Berlin) bzw. schwere Weltuntergänge (Latifundien) vorhergesagt, und ich war auf den Latifundien.

    Einen halben Tag blieb ich damit beschäftigt, alle fünf Minuten in den Bungalow zu verschwinden, weil es entweder anfing zu regnen oder in der Sonne drückend heiß wurde, oder wieder rauszugehen, weil es gerade wieder angenehm war.

    Terrassenfrühstück und Kaffeegartenrunde gelangen noch. Dann kam ein leichter Regen. Ich packte alles zusammen, und alles ich dann im Bungalow saß, dachte ich, jetzt ist wieder trocken. Das Spiel wiederholte sich. Als der Regen vor war, kam Sonne. Auf der ungeschützten Terrasse in der Sonne merkte ich die Schwüle sofort und ging wieder rein. Dann kam eine Wolke und ich ging wieder raus.

    Außer Lesen und Bachelorarbieren war ich mit dem Wetter-hin-und-her vollauf beschäftigt. Auch die Tiere schienen verwirrt. Ich sah wenige von ihnen. Kurz vor dem eigentlichen Unwetter ein Schwarm Schwalben wild über dem Grundstück. Dann kam das Unwetter gar nicht bzw zog nördlich und südlich an mir vorbei, und wieder der Schwarm Schwalben.

    Ich glaube, ich habe ein- und dieselbe Fliege dreimal durch die Haustür wieder nach Draußen gelassen.

    Mein Plan war es während des für den Abend angekündigten Weltuntergangs zu Essen, und dann nach dessen Ende wieder nach Schöneberg zu fahren? Mangels Weltuntergangs fiel mein Plan in sich zusammen.

    Am Ende saß ich auf der Terrasse, aß Staudensellerie und Paprika, trank Buttermilch und sah die spektakulärsten Gewitterwolken, die alle in der Ferne von mir vorbeizogen.

    Ethik oder Diversität oder Gestaltung?

    Eine andere Entscheidung liegt noch vor mir. Eigentlich wäre es Zeit mich für das Wintersemester 25/26, nach Plan Mastersemester 1, zurückzumelden. Aber es ist sinnvoll, gleich die Module anzugeben, die man nächstes Semester belegen will.

    Dafür muss man wissen, welche Module man belegen will. Und bei einem kann ich mich nicht entscheiden.

    Die Rahmenbedingungen: An sich möchte ich die Masterarbeit Wirtschaftsinformatik irgendwann bei einem Lehrstuhl Wirtschaftsinformatik schreiben. Dazu empfiehlt es sich, sie alle mal im Modul kennengelernt zu haben. Vier kenne ich schon, der fünfte fehlt mir noch: BIGSI, der Lehrstuhl für Betriebs­wirtschafts­lehre, insb. Gestaltung soziotechnischer Informationssysteme. Dieser bietet drei Module an: Digitale Ethik, Digitale Diversität oder Socio-Technical Information Systems Design.

    • Digitale Ethik ist ein Bachelormodul, das sich mit etwas Zähneknirschen für den Master anerkennen lässt. Wäre (hey, Nebenfach-Magister-Philosoph!) natürlich weit in meiner Komfortzone. Andererseits bin ich da auch weit in meinem „Someone is wrong on the Internet!“-Bereich. Also bitte, soll ich mir von BWLern was über Philosophie erzählen lassen?!?
    • Digitale Diversität ist ein Mastermodul. Da gilt das mit der Komfortzone eingeschränkt. Zu meiner Studienzeit war die Identitätspolitik entweder sehr abstrakt (hallo, französische Poststrukturalisten) oder fand in den unwissenschaftlichen Nebenfächern (aka Geisteswissenschaften) statt. Zur Soziologie war sie noch nicht wirklich vorgedrungen. Aber insgesamt liegt das auch nah an dem was ich sonst mache und denke.
    • Socio-Technical Information Systems Design ist ein englischsprachiges Modul (wenn auch erfreulicherweise viel näher an proper English als Knowledge Management..) und liegt im Komfortbereich, weil es sehr meinen derzeitigen Interessen entspricht – auch wenn ich hier vermutlich am wenigsten Vorwissen habe.

    Und so lange ich mich nicht entschieden habe, kann ich mich nicht rückmelden.

    (halber Bürotag klimatisiert, Rückflug mit Schlafen, 8,5 Stunden, 29 Grad auf 19 Grad): Jetzt wird es mega-spannend denn: Konzeptwechsel!

    Herr Mess über KI im Alltagseinsatz. Deckt ungefähr meine Erfahrungen: Mir hilft es beim lateralen Denken, weil es oft genug schräge, unerwartete Ergebnisse liefert und unerwartete aber nicht unpassende Wissensbrocken hervorzaubert. Oder halt frei erfundenes. Wenn ich Inspiration suche ist mir das fast egal. Aber never ever glaubt ohne Kontrolle, was ihr da lest: KI-Krisen. (und ja, sie hat noch das anderes Einsatzgebiet, das in einer seriösen Welt spielt, dass sich als unbezahlter Praktikant zusammenfassen lässt. Braucht Aufsicht und klare Ansagen, Qualität voller Überraschungen, aber sie verschnellert einiges deutlich)

    Julia Pracht übersetzte für das Alpine Museum München und lernte einiges über Sand- und Kalkstein.

    Frau Novemberregen on a run. Oder eher: On a flight. Ich habe jedes Wort gefeiert.

  • 25-05-31 Das Thema gilt hiermit als zugestellt

    25-05-31 Das Thema gilt hiermit als zugestellt

    CO-Melder 2 hängt. Dieser in Berlin.

    Die Post brachte eine signierte CD von Judith Holofernes.

    MsMB bemerkte zu ihrem Leidwesen, dass acht Tablets im Karton sehr viel mehr Platz beanspruchen als vier ausgepackte Geräte.

    Madame fuhr mit dem ICE1035 (Sprinter) nach Frankfurt. Dann sprintete sie durch den Frankfurter Hauptbahnhof. Es gelang ihr, innerhalb von einer Minute verbliebener Umsteigezeit den ICE73 nach Basel zu erklimmen. Dieser war voll genug, dass es selbst in der 1. Klasse auf den Stehplätzen eng zuging.

    Aber ab Karlsruhe saß Madame. Sie hatte eine liebreizende Schleswig-Holsteiner-Franko-Schweizerin als Gesprächspartnerin. Diese hatte ihr ganzes Leben als Swiss-Air-Stewardess zugebracht und in dieser Zeit wahrhaftig die ganze Welt gesehen. Aber das Fliegen macht keinen Spaß mehr, ist nur noch hektisch. Die 78jährige Dame pendelt jetzt zwischen Kiel im Sommer und Fribourg im Winter.

    Der Kaptain nahm TU984 von Monastir nach Hamburg. Ich bin weiterhin sehr beeindruckt von diesem Abenteuer. Sie anscheinend auch.

    Dank dem Halluzinator fand ich Miss South. Ich habe hier ein Slow-Cooker-Kochbuch von Miss South, fragte mich aber was sie seitdem macht. Meine Internetrecherchen liefen ins Leere. Ungewöhnlich für eine Person, die als Bloggerin bekannt wurde, und erst dann Kochbuchverträge erhielt.

    Sie scheint noch auf Instagram aktiv (ohne eigenen Account kann ich nicht sehen, von wann die Posts sind). Aber vor allem gibt sie als Nikky Catto Stadtführungen durch Brixton. Falls wir also mal wieder in London sind, kenne ich einen Programmpunkt.

    Der 1. Juni wird Tag des kleinen Übergangs. Ich melde mich für die Fernuni für das nächste (Master?!?)-Semester zurück. Die drei 80%-Teilzeit-bei-der-Arbeit-Monate beginnen. Denn in diesen Monaten werde ich die Bachelorarbeit schreiben.

    The Mail of no return

    Ich bekam eine Mail vom Prüfungsamt der Fernuniversität in Hagen:

    Sehr geehrter Herr southpark,
    hiermit sende ich Ihnen das mit o.g. Erstprüfer/in vereinbarte Thema
    Parametrische Optimierung – Der Einfluss von Schwankungen in den Modellparametern auf die optimale Lösung zu. Die Bearbeitungszeit für die Bachelorarbeit beträgt 3 Monate, der Umfang der Arbeit soll 10.000 Wörter umfassen. Das Thema gilt hiermit als zugestellt.

    Letzter Abgabetermin für Ihre Bachelorarbeit: 02.09.2025

    Die Bearbeitungszeit wird durch nicht chronische Erkrankungen nicht verlängert. In Härtefällen
    entscheidet der Prüfungsausschuss. Zu den Konsequenzen einer Fristüberschreitung verweise ich
    auf die entsprechende Prüfungsordnung.

    Damit habe ich den Point of no return erreicht. Falls es ich es mir jetzt anders überlege oder ins Straucheln gerate, bedeutet das, ich bin einmal durchgefallen.

    Noch stand diese Ende der Woche aber im Fokus der Einsendearbeiten: Die Zulassung zur Mikroökonomik-Klausur will ja auch noch erreicht werde. Der Lehrstuhl macht es nicht einfach. Aber die Aufgaben sind sehr fair. Eine schöne Mischung, die ich gerne öfter vorfände. Ich bedaure, dass dieses Modul eines wird, dem ich kaum Aufmerksamkeit zuwenden werde – ich hätte schon Lust auf mehr.

    Aber ich entdeckte auch: Derselbe Lehrstuhl bittet auch das Modul zur Spieltheorie an. Vielleicht gönne ich mir davon noch einmal eine Runde.

    3D-Schreibtisch

    Es soll Menschen geben, die legen sich für so eine neue Phase wie die Teilzeitarbeit-neue-Bachelorphase neue Kleidung oder Frisuren zu. Soweit bin ich noch nicht. Aber das Programm „Aufmöbelung des Heimarbeitsplatzes“ drehte eine weitere Runde. Er wuchs in 3D.

    Also lief ich vom Büro einmal durch den Bahnhof Südkreuz, dann über die Autobahnbrücke und durch die Gewerbehöfe und war bei IKEA. Die Südkreuz-Gegend ist unwirtlich. Aber IKEA nahe genug, dass ich oft genug in der Mittagspause größere Gruppen von Menschen in IKEA-Outfits treffe, die auch gerade pausieren.

    Dank IKEA besitze ich den Schreinbtischaufsatz Wallhalla Vattenkar. Zum einen bietet er die Chance, die Monitore etwas besser zu ergonomisieren. Zum anderen bietet er Zusatzplatz für alles vom Taschenrechner, über das Mausarmvermeidungsgerät bis hin zu wirren Notizzetteln.

    Dabei gelernt: IKEA bietet dolle bunte Retrosessel an. (Zum Beispiel Dyvlinge oder Sotenäs) Ich sitze in keinem von ihnen gut – war aber kurz davor, sie einfach als Deko-Elemente mitzunehmen.

    Auch gelernt: als Kenner sämtlicher Abkürzungen und Schleichpfade dieses Kaufhauses gerate ich nur selten in die echte Möbelausstellung. Die hat sich verändert. Es stehen dort fast nur noch „fertig“ eingerichtete Zimmer und wenig einzelne Möbel. Kann sich die Menschheit heute nicht mehr von allein vorstellen wie ein einzelnes Möbel im realen Leben dann aussehen wird?

    Auch gelernt, und das ist eine Verbesserung, mensch kann gleich beim Möbel-Bezahlen direkt an der SB-Kasse noch Hot Dogs bestellen und dann am Stand abholen. Mir war der Freitag-Nachmittag-am-langen-Wochenende zu voll. Aber an sich ist die Idee super.

    Halb Chemnitz, halb Tropfsteinhöhle

    Halb Haus, halb Tropfsteinhöhle. Etwa 30 Kilometer südlich von Tours.

    Ich hatte ja keine Ahnung. Herr Rau würdigt den Superheldencomiczeichner Peter David. (der unter anderem The Incredible Hulk in eine Gruppentheorie schickte und dessen Blog-Code vermutlich immer noch in Resten in Frau Raus Blog-Code herumhängt.)

    Ich hatte Ahnung. Immer wenn wir nach Chemnitz kommen, bemerke ich tolle Vibes und eine tolle Szene. Teile davon: Kraftklub. Die gaben ein Spontankonzert, um auf die Misere des (ganz ganz tollen Schauspielhauses aufmerksam zu machen): Sterben in Karl-Marx-Stadt: Auf dem Geheimkonzert von Kraftklub. Wer den neuen Song hören will: Es gibt auch ein Video. (und auch ein Video von einem Song, den das Publikum schon kennt.)

  • 25-05-29 Inverse Engelkurven

    25-05-29 Inverse Engelkurven

    Madame folgt jetzt dem Mastodon-Account von Owls in Towels.

    Ich schraubte den ersten erneuerten CO-Melder an. Schickeres Design als der End-of-Life-Vorgänger. Aber der neue Melder zeigt auch keine Zahlen mehr an. Er kennt nur noch „alles okay“ oder „MEEP! MEEP! MEEP! ALARM! ALARM!“. Hoffen wir, dass es einfach bei „alles okay“ bleibt.

    Ich sammelte zufällig einen Stellenbewerber vor der Tür der Südkreuz Offices auf, und gab ihn am Empfang ab. Drei Minuten später bin ich mit einem Teller Erdbeerkuchen wieder an ihm vorbei. Erste Eindrücke vom neuen Arbeitgeber, so wichtig.

    Nahe der Südkreuz Offices öffnete ein neuer möglicher Mittagessenspot: Nonna Anna. Es ist schon spannend zu sehen, wie sich die ehemalige Brachfläche nach und nach entwickelt.

    Auf dem häuslichen Hinterhofparkplatz fand eine Rearrondierung zwischen Pflegedienst, Zahnarztpraxis und Nachbar 4L statt. Nur unser Parkplatz, und natürlich das Kartzenstreuwrack, blieben unberührt.

    Im Baustellenkäfig für das Dach lagern nicht nur Dachziegel, sondern jetzt auch Ziegelsteine.

    Wohnen am Rande des Weltgeschehens: dass Wolodymyr Selenskyj frühzeitig Berlin wieder verlässt, merkte ich daran, dass sich überraschend früh am Nachmittag seines Staatsbesuchs 10 Polizei-Wannen an der Kreuzung Sachsendamm/Hauptstraße bereit machten, um die Kreuzung abzusperren. Denn dort führt die übliche Schnellstrecke Verteidigungsministerium -> Martin-Luther-Straße -> Sachsendamm -> Autobahn -> Flughafen entlang, die oft und gerne für Staatsbesuche kurzzeitig abgesperrt wird.

    In ChatGPT stoperte ich über den GPT-Marketplace. Soweit ich verstehe, kann ich dort Zugang zu Programmen erwerben, die auf der Basis von ChatGPT aufbauen. Spannend, dass in den Top10 der vorgeschlagenen GPT-Anwendungen gleich mehrere auftauchen, die anspreisen, dass sie KI-erstellten Text verschleiern können, damit er nicht als KI-Text enttarnt wird. Die andere Hälfte sind Anwendungen, die verschleierten KI-Text nachweisen können wollen.

    Ich stolperte über die Sängerin Mirel Wagner. Zuerst musikalisch. Mein Eindruck: Da ist jemand tief in die amerikanische Seele hinabgestiegen. Und dann ist Mirel Wagner gar keine Amerikanern. Die erste Recherche ergab: Geboren in Äthiopien und aufgewachsen in Finnland. Okay.

    Die zweite Recherche ergab: seit 2016 verschwand Mirel Wagner nach zwei Alben von der Bildfläche. Es gibt Gerüchte eines Auftritts von 2019 in Finnland. Und das war es. Wo ist sie hin?

    Vor der Sommerpause

    Neben dem Stadtbad Lankwitz existieren jetzt Padel-Plätze. Die Werbung findet vor allem in Englisch statt.

    Nachdem ich (ich!) letzte Woche aus Gründen mangelnder Internetlesefähigkeit vor einem unzugänglichen Schwimmbad stand, stand noch ein Badbesuch aus. Diesmal die unkomplizierte Variante: mit der S26 direkt von der Arbeit nach Lankwitz, dann ein paar Meter laufen, und dann ins Stadtbad Lankwitz. Der letzte Besuch bevor es am Wochenende den Sommer über schließt.

    Eine meiner Lieblingskassiererinnen tadelte mich, weil ich dieses Jahr so selten im Insulanerbad bin. Sie hat natürlich recht. Aber ich habe Gründe. Das Stadtbad Lankwitz: Wie immer, schön, entspannend, wohltuend, schwebend. Etwas viel Slalom für meinen Geschmack, aber was gibt es Besseres als mit Kopf unter Wasser zu schweben?

    Hoffnung auf die Alten Rosen

    Mittwoch Abend begrüßte uns eine Fledermaus, die über den Latifundien im Zick-Zack kurvte.

    Donnerstag, Himmelfahrt, erläuterte Madame gerade die Gemeinsamkeiten zwischen deutschen NS-Flüchtlingen in der Türkei in den 1930er/1940ern und den jetzigen syrischen Bürgerkriegsflüchtlingen dort, als sie innehielt. Direkt über unseren Köpfen, im Tiefflug über der Terrasse, ein Storch. Zum Atemanhalten.

    Etwas später: der diesjährig bisher vermisste Rotmilan ist zurück, drehte seine Runden über dem Rapsfeld.

    Die Latifundien an Himmelfahrt als Flugshow.

    Madame krautete 4L. Die Alten Rosen scheinen je Rose eine Knospe am Rosentriebbohrer vorbei zu bringen. Der Mohn ist regengeknickt, blüht aber prächtig wie noch nie dieses Jahr. Der Jasmin lässt langsam nach, die Abelie hält weiter durch.

    Auf der Terrasse gelesen: Den ersten Text von Wir schon wieder – 16 jüdische Erzählungen.

    Posaunen tönen, Donner dröhnt

    Viele der letzten Jahre sah Christi Himmelfahrt so aus, dass ich arbeitete (150% Feiertagszuschlag for the win) und Madame die Steuererlärung vorbereitete. Maximal romantisch also für einen freien Frühlingstag. Inzwischen existiert die Möglichkeit der Feiertagsarbeit in meinem Leben nicht mehr, und so können wir tun, was an diesem Tag vorgesehen ist: Wir gingen zum Gottesdienst.

    Verschiedene Gemeinden aus dem nordwestlichen Berliner Umland laden zum Open-Air-Gottesdienst auf dem Dorfplatz Klein-Ziethen. Unter Bäumen, direkt vor einem Spielplatz und auf Bänken brachte die Mittelmark zwei Prädikantinnen, einen Pastor, zehn Posaunenchor-Spielende und vielleicht 40 bis 60 Gottesdienstbesucher*innen hervor.

    Der Gottesdienst folgte in Ablauf und Programm eher dem Anspruch „niedrige Einstiegshürde für Gelegenheitskommende“. Aber so im Wechsel zwischen Sonne und Wolken, mit Blick auf den improvisierten Altar und Spielgeräte, Vogelzwitschern, Taubengurren und leichten Wind, war das eher traumhaft.

    Posaunen, Hörner und Trompeten spielten. Die Prädikantinnen waren beide bezaubernd, in ihrem Zusammenspiel eine einzige Freude. Wir erfuhren, dass es im Juli ein Tauffest am Beetzsee gibt.

    Zur dramatischen Steigerung: Donnergrollen kurz vor Ende. Aber kein Gewitter.

    Inferiore Güter

    Samstag läuft die Absendezeit für die Einsendeaufgaben ab. Wie erwartet, gestalten sich die Aufgaben für die Mikroökonomik als deutlich widerständiger denn als die für das Knowledge Management. Also eindeutig auch spannender und interessanter, aber schon so, dass man nachdenken muss und nicht nur nachschlagen kann.

    Das Modul hat eine starke Mathematikorientierung. So sind die Aufgaben vor allem Rechenaufgaben. An sich machbar (hey, wofür belege ich hier seit Semestern Mathemodule!). Aber dennoch nichts, bei ich sofort die richtige Formel und ihre Kurven einfach so aus dem Ärmel schütteln kann.

    Es geht eigentlich um die Grundbegriffe. Eine Person hat die Präferenzen a und b mit einer Präferenzkurve dazu. Die Preise folgen folgender Funktion und das Budget ist so und so. Wenn sich jetzt die Funktion der Preise ändert, was bedeutet das für die Konsumentenrente? Wie es sich für ein Basisseminar gehört, die Grundbegriffe. Aber ich würde behaupten, für ein Wiwi-Modul findet das alles am oberen Ende des mathematischen Anspruchs statt.

    Und so versuche ich die Nachfragekurven, die Präferenzkurven (auch in invers), die Engelkurve, den Cobb-Douglas-Konsumenten und das alles Speedzulernen bzw. Speedzuwiedergholen. Auf dass ich dieses Kapitelchen des Studiums möglichst schnell hinter mich bringe.

    Denn es wartet ja bereits die Bachelorarbeit.

    This is German Verwaltungsakt

    Falls Sie jemanden kennen, der jemanden kennt, der jemanden kennt, der fünf Hühnchen vermisst, mutmaßlich Paduaner-Sundheimer-Mixe, Großraum Buchen, Oberneudorf-Einbach nahe der B27 die Ecke: Sie sind hier. In Sicherheit. Klein Hühnchen möchte bitte aus dem Kinderparadies abgeholt werden.

    Bei Frau Novemberregen regnets im Mai. In bizarr.

    Es gibt eine Steuerprüfung und dafür neue Infos der Muttergesellschaft: [H]urra, wir kriegen jetzt diese ganzen spannenden Infos! „Aber die werden sie uns nicht geben, das wird ein riesiger Kampf!“, sorgte sich die Steuerberaterin und ich sagte „aber wir werden ihn gewinnen, denn wir können sagen ‚we have German formellen Verwaltungsakt‘ und dann wissen wir alles

    Der Versuch, ein Sieben-Tage-Interrail-Ticket zu nutzen, wenn frau die Reise in Finnland starten muss: Einmal von hinter Gottes Rücken nach Europa und zurück

    Was ist naturaDB, fragt Gunhild Rudolph: naturaDB ist eine Online-Datenbank, die genau das macht, was vielen Gartenwebseiten fehlt: Sie denkt mit – ökologisch, nachhaltig, standortgerecht. Statt nur auf Blütenfarbe und Wuchshöhe zu setzen für den besten Verkaufserfolg, filterst Du hier nach ökologischen Kriterien: Welche ist heimisch? Welche Pflanze passt zu meinem Boden? Welche hilft Insekten wirklich?

    Herr Rau erschließt sich und uns LLMs. Folge 2: Token.

  • 25-05-27 Negative Lambdas

    25-05-27 Negative Lambdas

    Frauen, die auf Minis starren, stehen in der Tiefgarage. Um genau zu sein: Eine Frau und ein Mini. Ich glaube der Mini gehörte zu ihr. Aber warum sie ihr Auto minutenlang intensiv betrachtete, während ich mein Fahrrad anschloss – mensch könnte sich eine schöne Geschichte dazu ausdenken.

    Das herrenlose Mercedes-Cabrio auf dem Bürgersteig vor den Südkreuz Offices verschwand. Anscheinend fand sich ein*e Eigentümer*in oder ein*e Besitzer*in oder zumindest eine interessierte Person.

    Vor Edeka Duolingo hingegen steht seit Wochen ein Lastenrad der Generation Rappelkiste zum Verkauf.

    Madame produzierte Himbeer-Sanddorn-Marmelade und gab damit kostbaren Raum im Tiefkühlfach frei.

    Madame entdeckte: Bayeux ist nicht nur Heimat des Teppichs und Ausgangspunkt zu den D-Day-Stränden. Sondern auch Heimat des Crêpes und liegt im Department Calvados. Neben Calvados gibt es in Calvados auch Cidre und Apfelkuchen.

    Danke für den Kommentar von Gabi zum letzten Post: Bayeux kommt noch? Dann schaut euch nicht nur den Teppich an, sondern auch das Cafe À La Reine Mathilde – da hab ich vergangenes Jahr die schönsten Törtchen Frankreichs gesehen (und gegessen!) …

    Festgestellt: wenn man um vier aufwacht und ein bißchen wach bleibt – und das vollkommen egal ist, weil Wochenende ist – dann ist eine Messe aus dem 15. Jahrhundert – um genau zu sein Das Vokalensemble Amarcord singt Josquin des Préz in Die neue Platte XL auf dem Deutschlandfunk – wirklich gute Musik für Halbschlaf im Dunkeln. (Klangbeispiel)

    Dabei fällt mir ein: Ich bin Samstag vermutlich in Berlin, könnte mal wieder zum Noonsong.

    Wie es einem in diesem Haushalt ergehen kann: Ich erwähnte einen Tagesspiegel-Kommentar, in dem der Opernfeuilletonist des Blattes den ESC-Siegersong mit Richard Wagner vergleich (Wagner gewann). Keine zwei Minuten später läuft Lohengrin von der Anlage.

    Die Gleitschirmbrille hatte ihren ersten Büroeinsatz. Dort war ihre Wirkung nicht ganz so spektakulär: Wahrscheinlich weil die Bildschirmsicht (zweidimensional in mittlerer Entfernung) die Sehsituation ist, die bei mir am besten ohne Brille funktioniert.

    Sonst überwiegen beim Tragen der Brille drei Gefühle. Das Gute: Wow! Das Schlechte: Dieses Wow wäre auch schon vor drei, vier Jahren sinnvoll gewesen.. Und das Bangende: Wahrscheinlich wäre es auch sinnvoll, mich von den sehstärkenlosen Sonnenbrillen für 10 Euro zu verabschieden und eine Richtige echte Sonnenbrille mit Stärke anzuschaffen.

    Es regnet

    Zum Aufstehen: Zwei Stieglitze im Sanddorn. Zum Abschied: eine Familie Stare auf dem Rasen der Nachbarin. Dazwischen: Regen.

    Es ist zu trocken. So generell. Immerhin regnete es Sonntag durchgehend. Eine gute Gelegenheit für den Garten, um durchzuatmen. Aktueller Stand sind etwa drei Zentimeter feuchte Schicht im Boden, bevor er darunter zu Staub wird.

    Ich konnte altes Brennholz aus der Holzlege holen, und wir machten es uns im Bungalow gemütlich. Madame buk Schwarzwälder-Kirsch-Waffeln, zum Abendessen gab es weitere Teile vom Memphis-Dry-Rub-Schweinenacken.

    Ich litt leidend unter der Kettensägenaktion vom Samstag, las und sah Mathematik. Denn inzwischen habe ich mein Modell ganz gut im Griff. Aber die Schwerelosigkeit und artistische Freiheit, die ich beim Springen durch Vektoren und Matrizen gerne hätte – und die mir das Leben erleichterte – ist noch in weiter Ferne. Bis dahin gilt: Üben, üben, üben.

    Einmal mit den Büchern zu Linearen Programmierung und zur betriebswirtschaftlichen Optimierung. Zum anderen aber auch mit Linearer Algebra.

    Zurück in der Wohnung begrüßte uns ein lautes Piepen. Wie man es haben will. Der Kohlemmonoxidmelder gab Alarm. Zum Glück aber nicht wegen Kohlenmonoxid – immerhin kann ich diese Zeilen noch schreiben – sondern weil er das Ende seiner Lebenszeit erreicht hat.

    Denken in neun Dimensionen

    Die Bachelorarbeitsmissverständnisse sind hoffentlich ausgeräumt. Der Lehrstuhl meldet mich zum 2. Juni 2025 zur Bachelorarbeit an. Das Prüfungsamt wird dann errechnen, wann genau der Abgabetermin ist. Aber 2. Juni plus 3 Monate sollte Ende August sein.

    Mein Lambda stimmt noch nicht. Noch führt mein Modell im Spätsommer zu negativen Zahlen von Schwimmbadbesucher*innen, weil die negativen Lambdas ungewollte Sachen anrichten. Prinzipiell wüsste ich auch, wie es richtig einsetzen müsste (halt so wie die ganzen anderen auch).

    Aber mir gefällt die Lösung noch nicht. Und Lösungen abschreiben, die mir nicht gefallen und die ich nicht zu 100% verstehe -> never.

    Die Klärung der Bachelorarbeitsmissverständnisse lässt mir Zeit eine kleine Denkdeviation zu den anderen beiden Modulen einzulegen, die ja auch noch anliegen. Die haben ihre Frist für die Einsendeaufgaben auf den 1. Juni gelegt, und das bedeutet für mich „Husch, husch, ins Moodle.“

    Montag: Knowledge Management. Single-Choice fragen, die ich teilweise offensichtlich in der Antwort finde, teilweise lassen sie sich mit Hilfe von Strg+F und dem Skript beantworten. Aber beim Thema Community Management und Competence Management fühle ich mich auch zu Hause. Größte Herausforderung: das weiterhin sehr eigenwillige Englisch der Studiendbriefe. – Da möchte ich sagen: Darlin’, you and me? We ain’t cut from the same cloth — and I reckon we won’t be exchangin’ Christmas cards neither..

    Die nächsten Tage kommt: Mikroökonomie. Ich würde behaupten, das hat insgesamt mehr Substanz. Leider gilt das auch für den Schwierigkeitsgrad der Einsendeaufgaben.

    Wenn das Hirn gar nicht mehr will, Fernsehen mit Gilbert Strang. Er und seine Lineare-Algebra-Vorlesungen sind so unfassbar charmant. („Wenn sie das öfter machen.. Also, man kann sich natürlich neun Dimensionen nicht bildlich vorstellen. Aber wenn sie das oft genug rechnen, dann haben sie fast den Eindruck, dass sie es beinahe doch können.“)

    Entfremdungsgefühle

    Es ist originell. Aus weiter Ferne verfolge ich die re:publica, lade gleichzeitig von der Fernuni-Moodle-Seite Einheiten mit den Titeln „Community Management & Collaboration“ oder „Competence Management“ herunter. Wobei ich nicht ausschließen würde, dass der entsprechende Lehrstuhl gerade über die Gänge der Station Berlin schleicht.

    Spannend: Meine Internet-Bubble und die re:publica haben sich weitgehend auseinander entwickelt. Ich höre fast mehr aus dem Deutschlandfunk über die Veranstaltung, als ich im Internet darüber lese.

    Falls ich mich mal wieder frage: Sollte ich mich vielleicht doch noch einmal in meinem Leben um eine Einladung zur re:publica kümmern. Es gibt einen Grund mehr: An unserem Stand findet ihr ein mobiles Bürgeramt, bei dem ihr euren Pass verlängern, eine Meldebescheinigung beantragen oder eure Ausweis-PIN zurücksetzen könnt.

    Ruine 2 gewann

    Gelesen: Ein Hof und 11 Geschwister von Ewald Frie. (Danke für die Leihgabe!) Ein spannendes Buch: Frie schildert den Weg einer Bauersfamilie aus dem Münsterland in die Moderne etwa von 1880 bis 2000, im Kern des Buches 1950 bis 1990. Er beginnt mit dem Hof als eigener kleiner Welt, mit vielfältiger Landwirtschaft und Knechten und Hausmädchen, die auf dem Hof wohnten, bis zum Stand heute: der ehemaliger Einmannbauer wohnt als Rentner im Bauernhaus, die Flächen sind lange zu klein für einen eigenen Hof und werden verpachtet.

    Frie erzählt dabei aus zwei Perspektiven. Einmal der Sohn des Hofes, der mit seinen 10 Geschwistern über ihre Jugend sprach: erzählt liebevoll, macht begreifbar und kann Details schildern, wie seine Schwester, die immer über den Hof rannte, damit sie in der Schule nicht nach Bauer roch. Frie ist aber auch Historiker, der die Geschehnisse seiner Kindheit und Jugend in den weiten sozialen und ökonomischen Rahmen einordnen kann.

    Er teilt das Buch in vier Teile: die Vorgeschichte. Die Welt des Vaters (1950er und frühe 1960er, der Hof in einer Blüte, Rinderzuchturkunden hingen im Flur). Die Welt der Mutter (der Umbruch und der Versuch, die Kinder in die neue Zeit zu bringen). Und Auszug und Abschied von der Landwirtschaft. (Am Ende die Welt der meisten Kinder).

    Entstanden ist ein warmherziges aber reflektiertes Buch mit Auge für’s Detail. Die letzte der zahlreichen Kühe, die für die Familie Zuchtpreise gewannen, trug den Namen Ruine 2.

    Trottel und Vollidioten

    Ein fulminanter Abschied der Filmfestspiele von Cannes. Cannes und Christiane geben alles, großes Drama, große Inszenierung.

    Camp Catatonia geht am Stock.

    Josef Hader im Schweizer Fernsehen: In Deutschland gibt es ja eher die Tradiotion: der Kabarettist stellt sich als schlauer Mensch auf die Bühne und sagt, die Regierung ist schlecht. In Österreich ist die Tradition eher: Der Karabettist stellt sich als Trottel auf die Bühne und sagt, die Regierung ist super. (via Buddenbohm)

    Von Frau Novemberregen für das Leben lernen:

    Dann noch einen Termin mit der Hausverwaltung aus rein strategischen Gründen abgesagt, nämlich weil ich mich nicht bis Mittwoch in eine Haltung bringen kann, die nicht „ihr seid doch alle Vollidioten“ ausstrahlt und so eine Haltung ist für Verhandlungen komplett ungeeignet. So ist es ja nicht, niemand wird morgens wach und denkt sich Okay, heute bin ich ein absoluter Vollidiot! Es ist eher so, dass das Verhalten in dem jeweiligen Referenzsystem irgendeinen Sinn ergibt und wenn ich den Sinn nicht verstehe, habe ich dass System noch nicht verstanden, dann fehlen mir noch Informationen. Und wenn ich so verbockt in Gespräche gehe, bekomme ich diese Informationen ganz sicher nicht.