Schlagwort: Blaumeise

  • 26-02-08 Gletscher Südkreuz (Topfenknödel)

    26-02-08 Gletscher Südkreuz (Topfenknödel)

    Das Freibad Wesselburen gab eine Pressekonferenz zur neuen Saison. Auch ich merke, dass ich öfter an Freibäder denke. Und überhaupt: Bald ist Frühling.

    Am Baum: Wieder Blaumeisen. Der Fuchs bleibt derzeit verschwunden.

    Der Kaptain fragt, warum wir „immer im Osten“ Urlaub machen. Die Aussage würde ich so absolut nicht unterschreiben. Aber ich würde behaupten, „der Osten“ erzählt die spannenderen Geschichten.

    Noch aber haben stecken wir weit entfernt von Freibad und Sommerurlaub im Winter. Erste Büromeldungen am Freitag sprachen vom Gletscher Südkreuz – der Bahnhof auf allen abschüssigen Wegen Richtung Südkreuz Offices von Eisplatten umgeben. Der Eisabstieg zu den Offices blieb herausfordernd.

    Es gab Stürze, aber immerhin blieben alle unverletzt. Bis Mittag begann ein sanftes Tauen. Ich bringen den Müll zwar noch in Straßenschuhen raus (weil nass, dezent rutschig und dreckig), gehe aber bei deren Auswahl wieder nach leichter Anziehbarkeit statt nach Profil und lasse auch die Jacke in der Wohnung.

    In den Offices angekommen, hatte ich Spaß mit R und nebenbei eine krasse Lernkurve.

    Unter anderem lernte ich: Intern speichert Excel ein Kalenderdatum nicht als Datum sondern als Zahl. Genauer als „Zahl der Tage, die seit dem 31.12.1899 vergangen sind.“ Das muss man doch für Unerwartetes ausnutzen können.

    Es war ein Freitag der Arbeit, Abende des Ausgehens und ein Samstag des Gruschtelns.

    Langsam sollte ich mir Gedanken machen, ob ich dieses Semester die Klausur „Digitale Diversität“ schreiben möchte. Die scheint mir vergleichsweise einfach. Dennoch sollte ich mit Lernen beginnen, wenn ich es etwas werden soll.

    Eigentümlichkeiten der neuen Wohnung: Madame wird im Badeanzug im Schwimmbad von hinten von Menschen angesprochen, dass die digitale Bestellung vom Sauna-Aufgussmitteln nicht funktioniert. Und nein, eigentlich arbeitet sie immer noch der Hafenstadt und nicht hier.

    Sie war bereits das zweite Mal diesen Monat total immersiv schwimmen, fragte sich dabei, warum Eltern die selbst anscheinend weder Lust noch ernstliche Kenntnis vom Schwimmen besitzen, jetzt unbedingt selber ihren Kindern unmotiviertes schlechtes Schwimmen beibringen wollen.

    Das Gemüsli zog nach drinnen. Bei Minus zehn Grad wollte doch niemand das Gemüse über Stunden in einem Sperrholzschrank im Freien lagern.

    Nach verschiedenen auswärtigen Essen begann die Gemüsli-Verarbeitung dieser Woche am Samstag. Wie immer im Winter mit dem „Kimchi“1 – das schmeckt ganz hervorragend, ist aber olfaktorisch dominant im Kühlschrank. Wieder mit Raclette-Käse – die Mischung aus guter Würze, saurer Frische und der fetthaltig-herzhaften Umschmeichlung durch Käse funktioniert erstaunlich gut.

    Ein Schnitzel = 4l Bier. Angeblich. Es war weit weniger.

    Es war nötig. Nach Anlaufzeiten im öffentlich-rechtlichen Glazialtempo passiert jetzt wirklich digitale Transformation. Die ist an verschiedenen Enden anstrengend. Wir als Team müssen auch neu zusammenruckeln und so wurde es dringend Zeit für ein Treffen der Jungkarpfen2, auch Teilprojektteam Nicht-Man-Cave zum gegenseitigen Seelestreicheln mit Kommunikationsbegleitung. Sehr schön, sehr gut, sehr wiederholenswert. Und das Schnitzel mit Süßer-Senf-Panade kann ich weiterempfehlen.

    Goldener Muskateller und Schinken

    Es war ein wildes Ausgehleben. Nach dem schwäbischen Restaurant am Donnerstag, folgte Freitag eine (österreichische) Heurigenwirtschaft. Die Nussbaumerin betreibt ein Restaurant in Charlottenburg und eine Heurigenwirtschaft in Zehlendorf knapp jenseits der Wilmersdorfer Bezirksgrenze.

    Zia sociale und zio macchina luden Madame als verspätetes Geburtsgstagsgeschenk ein. Ich hatte Glück und durfte dabei sein. Wie es sich gehört: Es gab eine kleine Karte aus kleinen Schmankerln und dem Mittagstisch der letzten Tage. Es gab überhaupt nur zwei Tische und ein wunderbares Weinangebot.

    Wir schlemmten: Goldener Gelber Muskateller aus der Wachau, Grüner Veltliner und einem Rosé dessen Details ich mir Banause nicht merkte. Dazu Gulasch, Tafelspitz, Käsekrainer, eine Schinkenplatte und oh, himmlischste aller Freuden: Marillenknödel aus Topfenteig. Dafür dass ich gar nicht so der Süße bin, waren die Knödel vortrefflichst. Also außergewöhnlich. Unfassbar gut. Wann gehen wir wieder?

    Beim Aufbauen von IKEA-Regalen verschiedenen Alters kann mensch beobachten wie stark sich selbst ein identisches Design über die Jahre im Detail veränderte

    Diese Woche vollendeten sich die letzten beiden größeren Umzugs-Baustellen: die alte Wohnung ist übergeben (YAY!) und wir haben wieder einen echten Stromvertrag, sind aus der Grundversorgung heraus. (Yay).

    Am Samstag ging es mit Kleinkram weiter: die magnetischen Whiteboards hängen, Klavier und Schrankvitrine sind von Zeug freigeräumt. Wir beschlossen, dass die restlichen Regalbretter wirklich auf die Latifundien können und luden diese ins Auto. Nach einer endgültigen CD-Regal-Platz-Einigung schraubten wir die letzten beiden Regale an.

    Falls ich mich in Zukunft frage, wie alt meine Bettdecke eigentlich ist, so gilt dann die Formel „Zahl der Tage seit dem 7. Februar 2026“. Der Vor- und Nachteil des Umzugs ist ja, dass man wirklich alles was mensch mit sich rumschleppt mehrfach in der Hand hat, kritisch anschaut und denkt „Das ist aber schon arg durchgenudelt, ehrlich gesagt.“

    Red Harvest

    Ausgelesen: Dashiell Hammetts Red Harvest. Immer noch unschlüssig wie ich es finde. Großartiger Plot-Bau, großartiges Alle-ziehen-alle-über-den-Tisch, eine Athmosphäre die sich genau so rau, brutal und desillusioniert anfühlt wie es in Minenstädten im US-Westen um 1930 vermutlich war. Aber trotzdem schweifte ich gedanklich immer wieder ab, weil mich keiner der Charaktere wirklich interessierte.

    Ähnlich spannend wie der Inhalt war das physische Buch. 1979 wurde es als englische Ausgabe aller Hammett-Romane gedruckt, trägt es einen Stempel US Army und gehörte zu einer US-Army-Library. Aus Gründen, die ich gerne kennen würde, gelangte es dann in die Bibliothek Altglienicke (tief im Osten Berlins) und der untere Rand landete einmal offenbar in der Badewanne. Ein Buch mit echter Geschichte. Ich frage mich, ob ich es der Bibliothek abschwatzen kann, wenn ich vorschlage, es durch ein neueres Exemplar in besserem Zustand zu ersetzen.

    Stricken in der Stadtbibliothek, Spaß mit dem Haselanten

    taz: Sie haben auf dem 39. Chaos Communication Congress einen Vortrag über Stricken gehalten. Wie passt das zu einem der größten Hackertreffen der Welt?

    *

    Servicetipp: Falls Sie mal um 10 aus der Ferienwohnung raus müssen, der Zug erst um 12.30 fährt und es feucht kalt draußen ist: Gehen Sie wie wir heute in die Stadtbibliothek vor Ort.

    *

    Henning, Dipl.-Ing. Garten und Landschaftsbau und 10 Jahre „Einkäufer Pflanze“ bei Otto hat den Haselanten einen Vorgarten gestalten lassen. Ergebnis: Mindblowing. So würde ich es formulieren. Während ChatGPT vor einem Jahr noch nicht einmal wusste, dass Sommerflieder ein invasiver Neophyt ist, erstellt das System heute eine nahezu perfekte Sortenliste und ist in der Lage, eine korrekte Stückliste, einen Pflanzplan und eine Kostenschätzung zu erstellen – und das alles ohne zusätzliches Eingreifen des Nutzers.

    *

    Herr Buddenbohm währenddessen: Die Folge jedenfalls ist, dass die KI alle meine Fragen stets kritisch prüft und zerlegt. Und da ich auch gebeten habe, mich mit zu viel anbiedernder, übergriffiger Freundlichkeit zu verschonen, reagiert die Software nach den letzten Updates nun in etwa so auf meine Fragen, wie es mein Mathelehrer damals in den Achtzigern tat, als ich mich um die siebte Klasse herum mehr und mehr dem schulischen Untergang annäherte: Also deutlich spürbar von oben herab. Kalt, unangreifbar und vor allem uneinholbar und demonstrativ viel schlauer als ich. Außerdem noch unangenehm direkt und distanzlos sowie vom klar erkennbaren Willen zur argumentativen Vernichtung getrieben.

    *

    Ohrenschmaus wandert quer in Schnee und Eis durch die märkischen Hamptons auf der alten Hamburger Poststraße: Brandenburgischer Jakobsweg: 1. Henningsdorf – Groß Ziethen 26

    *

    Frau Maultaschen Ravioli sah alte Kunst: Miomarito und ich waren nämlich heute Nachmittag im neugestalteten Diözesanmuseum Rottenburg und das ist wirklich sehr toll. Man muss nicht mal unbedingt ein Freund von sakraler Kunst des Spätmittelalters/Frührenaissance sein, ich finde einfach die Gestaltung schon den Hammer

    Anmerkungen

    1. Ich vermute, eine Koreaner*in würde uns fassungslos anschauen, wenn wir das fermentierte Kraut dort als Kimchi bezeichneten. Was seinem Geschmack aber zum Glück nicht schadet. ↩︎
    2. Die Geschichte woher der Name kommt ist kompliziert und ich habe sie ehrlich gesagt komplett vergessen. ↩︎
  • 26-01-20 Nägel raus, Wollteppich Kazak rein (Playin‘ for the blue haired crowd)

    26-01-20 Nägel raus, Wollteppich Kazak rein (Playin‘ for the blue haired crowd)

    Noch acht Kisten. Wir sind uns mit der Zählung wieder einig. Ich warf Schuhe weg, von denen ich hätte schwören können, sie schon seit Jahren nicht mehr zu besitzen.

    Mühsam rang ich mich zu dem Entschluss durch, dass es ein zuviel an LAN-Kabeln geben könnte.

    Madame dehnte ihr Total Immersion + Aquajogging-Programm auf eine Stunde aus. Wenn ich nicht aufpasse sehe ich demnächst nur noch ihre Rücklichter während sie durch’s Wasser chillt.

    Es war ein Arbeitsmontag mit Wohlfühlkino und ein Wohnungs-Ausräum-Sonntag.

    Um 6:56h kam der Parkplatzfuchs. Er überquerte direkt hinter dem eiligen Fußgänger den Weg, unbemerkt von diesem.

    Bei drei Grad Plus kamen drei Eichelhäher. Kaum schwinden die Minusgrade, tauchen die Vögel in unserem speziellen Kälteloch wieder auf. Sogar eine Blaumeise war darunter.

    Der Wollteppich Kazak, der indische Seidenteppich und *nuschel nuschel Pakistan* kamen gereinigt und repariert zurück. Wie man es sich wünscht, entpuppte sich der Lieferer als Teppich-Nerd. Unser Plan „leg man ab und wir überlegen dann wo und wie wir die Teppiche hinlegen“ fand keinen Anklang. Er musste ja den Teppich präsentieren und ausbreiten und zeigen was sie gemacht hatten und diskutieren, wo er am besten aussieht. Und auf jeden Fall – sie sehen toll aus.

    Natrürlich hatte er noch Ideen wo weitere Teppiche gut wirken würden. Ich fürchte er hatte Recht. Naja, irgendwann, wenn wir groß und reich sind. Zum Glück bietet auch hier die mangelnde Quadratmeterzahl der neuen Wohnung eine wirksame Beschränkung allzu ausschweifender Pläne.

    Verschüttete Erde

    Es sind nur noch Kleinigkeiten in der alten Wohnung. Aber selbst die können Arbeit machen, wenn es einfach sehr viele Kleinigkeiten sind: Viele Bohrlöcher zum Beispiel. Oder dies und das und jenes, das nicht umziehen sollte. Wie zum Beispiel die komplette Balkonausstattung: Denn wir haben ja gar keinen Balkon mehr. Insbesondere die Blumenerde.

    Madame putzte an den ganzen unangenehmen Stellen, an die mensch sonst nie rankommt oder ranwill. Sie trug Erde und alte Vorhänge die vier Stockwerke hinunter in den Müll. Wir zogen Nägel aus der Wand, trugen noch mehr Erde nach unten und trafen einen unserer Lieblings-(Ex)-Nachbarn. Wir lernten: Als Taxifahrer ist er Stammgast unserer neu benachbarten Autowaschanlage. Vielleicht sehen wir ihn dort noch einmal.

    Immerhin gelang es den Haushallodris zwischendurch, den Müllcontainer von der BSR leeren zu lassen, so dass wir ihn wieder befüllen konnten.

    High on the Wechselland

    Ausgelesen: Jessica B. Harris: High on the Hog. Das Buch spannt eine weite Reise aus Westafrika über die Zucker-Plantagen der Karibik, die Südstaaten, die Great Migration und das Black Harlem der Harlem Renaissance bis ins Alter der Fernseh-Celebrity-Köche. Immer kenntnisreich, immer spannend, immer ein wenig dahinplätschernd. Herzzerreissend allerdings wird es, wenn man liest, dass es 2011, zur Hochzeit Barack Obamas geschrieben ist und voller Hope und Enthusiasmus, was die Zukunft der Afro-Amerikaner angeht. Als 2026 lebender möchte man nur noch seufzen oder weinen.

    Angelesen: Raphaela Edelbauer: Das flüssige Land. Nach ungefähr fünf Seiten merkte ich: Edelbauer und ich, das klickt total: So denke ich und so würde ich gerne schreiben können. Sie schreibt in einer schönen aber artifiziellen Sprache, die niemand so reden würde – aber passend.

    Auf Seite 5 taucht ein erstes wörtliches Zitat auf: Eine E-Mail – die liest sich ziemlich genau wie eine echte informelle Mail eines Uni-Lehrstuhls 2025 klingen würde. Die gesammelte sprachliche Wurstigkeit der Mail im Vergleich zur hochgestochenen Künstlichkeit zuvor knallt wie Regal, das von der Wand fällt. Eins, zwei Sätze nur, und diese rücken den ganzen Roman zurecht.

    Ich bin inzwischen auf Seite 40, bin fasziniert von der Sprache, bin fasziniert vom Springen zwischen profanstem Alltag (Sie öffnete eine Excel um die Beerdigung ihrer Eltern zu planen) und halluzinatorisch-unwirklichen Passagen durch das österreichische Wechselland irgendwo in den Bergen zwischen Niederösterreich und der Steiermark.

    Und jetzt bin ich gespannt:

    • Wird der Roman es schaffen seiner gesamten sprachlichen Hochseilbühnenfechterei ausreichend inhaltlich-emotionale Tiefe zu geben um nicht irgendwann hohl zu wirken?
    • Und: Geht mir der Ansatz irgendwann beim Lesen auf die Nerven? Unwahrscheinlich aber nicht unmöglich.

    Soolai, soolai, soolaimon

    Durch Bekannte kam ich auf die Idee: After-Work-Kino. Dank meiner Jahreskarte1 ist es gar nicht mal so blöd, einfach auf dem Heimweg einen kurzen Abstecher beim Kino zu machen, zwei Stunden in dunklem Raum und gemütlichen Sessel abzuklingen, und erst dann in die Wohnung zu gehen.

    Ich machte einen Versuch mit Song Sung Blue um 17 Uhr im Odeon.

    Ich erwartete ein wenig Comfort Food für die Seele: Einen soliden, rührenden Film, in dem gesungen wird. Ich bekam weit mehr: Großes Kino.

    Dabei ist der Film von Craig Brewer keine Kunst, will keine sein. Nicht in diesem Film kommt unerwartet, nichts fordert heraus, nichts wird irgendeine Grenze erweitern. Das ist perfekt exekutiertes Unterhaltunghandwerk mit erkennbar großer Liebe für seine Subjekte: Diejenigen Entertainer, die nie den großen Durchbruch hatten, aber trotz allem mit allem Herzblut und Liebe unter prekären Lebensumständen Unterhaltung machen. In den Worten der Hauptfigur Mike Sandrino: „I’m not a songwriter. I’m not a sex symbol but, I am an entertainer.“ Alles ist genau dort wo es hingehört, und man sieht, dass es gut ist.

    Der Film ist manchmal witzig, oft traurig, gerne euphorisch, voller Liebe, liebt Musik (in der Form handgemachter Musik von Musikliebhabern), aber vor allem voller Wärme.

    Man möchte sie herzen und knuddeln und umarmen. Und dann passiert etwas und man möchte sie noch mehr herzen und knuddeln und ganz doll umarmen, aber aus anderen Gründen. Und dann passiert etwas und man möchte sie noch mehr herzen und umarmen. Und eigentlich möchte man Charaktere, Nebencharaktere, und das ganze Filmteam umarmen.

    Der Film erzählt die mehr oder weniger reale Geschichte von Mike Sardina (Hugh Jackman) und Claire Stingl (Kate Hudson), die sich als erfolglose Musiker und Imitatoren (Don Ho bzw. Patsy Cline) durchschlagen. Sie treffen sich in mittlerem Alter2 im Backstagebereich eines unbedeutenden Oldie-Gigs („Playing for the blue haired crowd“ der alten Menschen) auf der Wisconsin State Fair, verlieben sich und gründen eine gemeine Neil-Diamond-Coverband. Es folgt die Story aus Glück, Schicksal (in Form eines aus der Kontrolle geratenen Autofahrers, der Claire Bein und Lebenswille kostet), und neu erkämpftem Glück bevor Mike seine Herzkrankheit erwischt.

    An jeder Stelle möchte man sie herzen.

    Insbesondere, weil es eine Geschichte von Mittvierzigern, -fünfzigern erzählt, die das auch Leben. Die sehen so aus als hätten sie vorher ein Leben gehabt. Sie bringen ihr Leben mit (Kinder, Süchte, verpasste Chancen, Eltern, kaputte Autos, einen Zahnarzt, der auch der Musikmanager ist), und die Verhalten sich auch so als hätten sie schon viel erlebt.

    Er erzählt Geschichten von Menschen, die halb Friseurin und halb Musikerin sind, die beten dass ihr Auto durchhält, wenn sie zur Arbeit müssen, und die auf einem Date Corn Dogs essen.

    Er erzählt die Geschichte der Kinder. Denn bei allem anstrengenden was die Eltern machen: Es wird klar, dass die Kinder diejenigen sind, die es am Ende ausbaden müssen, und ihre insbesondere Claires Teen-Tochter Rachel (Ella Anderson) viel zu früh zuviel tragen muss, in einem Leben, dass sie sich nicht aussuchen konnte.

    Er nimmt Musik ernst. Jackman und Hudson singen selber. Nicht perfekt, eher so wie man es von Imitatoren auf der Wisconsin State erwarten würde. Aber sie erwecken den Anschein es zu lieben. Sie erwecken den Anschein, tiefe emotionale Meinungen darüber zu haben, dass der Song Soolaimon von Nial Diamond viel spannender ist als sein allseits bekannter Smashhit Sweet Caroline.

    Kate Hudson ist so großartig.

    Ehre, Ehre, Ehre

    Ich verbeuge mich und bedanke mich herzlich: Leute, die im Schwimmbad wohnen

    Links

    Das Elend des Spiegel-Beststeller-Autor-Aufklebers. Oft beklebte Autoren sind Coaches und Finanzberater, die Wohlstand und ein gutes Leben versprechen. Also Menschen, die online oder bei Verkaufsveranstaltungen noch mehr »Produkte« verkaufen wollen und für die das SPIEGEL-Siegel offenbar fünfstellige Summen wert zu sein scheint. (via Ligne Claire)

    Das Slowcooker-Blog wird 20. Und ich gratuliere herzlich! Gerade bei den ersten Schritten mit unserem Crocky war es unverzichtbar.

    Im Hosentaschenblog wird die Grillsaison mit dem neuen Kugelgrill eröffnet.

    Hotel Mama motiviert mich, endlich den Weg in die Schaubühne zu finden: star trek und „sabotage“

    (Nebenbei: ich staune wieviel Interesse der fünfzehnte Ableger des achten Subplots von Star Trek hervorruft. Aber auch da verweise ich auf Hotel Mama, das ist von all den Besprechungen diejenigen, die mir am meisten vermittelt warum das interessant sein könnte)

    Anke Gröner schildert, dass Leslie Jamison rezensiert das Buch Dress, Dreams, and Desire. A History of Fashion and Psychoanalysis

    Ich würde sagen, nicht nur in der Gemeinde. Ich erlebe ja selber oft genug wie ein extrem ineffizienter Prozess immer gleich ausgetauscht werden soll gegen eine komplett unpersönlichen Prozess: In der Gemeinde sind Micro-Begegnungen wichtiger als Effizienz

    Anmerkungen

    1. Womit das Unlimited-Besuch Nummer 5 war, damit 47,60€ pro Besuch. ↩︎
    2. Jackman war beim Dreh 56 Jahre alt, Hudson 45 Jahre. Und beide dürfen im Film so aussehen als wären sie wirklich so alt. So refreshing. ↩︎
  • 24-04-02 Christ lag in Todes Banden

    24-04-02 Christ lag in Todes Banden

    Herfried Münckler säuselte uns in den Schlaf.

    Der Münchner schlug ein Hamburger-Treffen vor.

    Das Blasrohr bewährte sich. Die Wildkamera blieb erfolglos.

    Sie fotografierte nicht die Wespenkönigin, oder die diversen Hummelköniginnen, Tagpfauenauge oder Admiral. Nicht zu reden von Solitärwespen und -Bienen, die ich wie üblich nicht auseinanderhalten kann.

    Madame war zum kantatieren (kantaten? kantoten? kanten? Gibt es ein Verb für „Kantate singen?“) eingeteilt. Zusammen mit der Zeitumstellung verkürzte dies die Osternächte.

    Es half nichts, dass ich mehrfach aufwachte, dachte „oh je, der Wecker wird gleich klingeln“. Bis ich mich zur Uhr bewegt hatte, feststellte, es ist 23:36h. Absurd!

    Zur rechten Zeit fuhr Madame Sonntag und Montag nach Schöneberg und sang Christ lag in Todes Banden. Laut Anwesenden war es sehr schön. Sie lobten insbesondere Sopran Clara Kastenholz und Alt Laila Salome Fischer.

    Nach den Aktivtagen Wannsee (Freitag) und Demo (Samstag) blieb Familienteil B auf den Latifunden. Ich raffte mich immerhin zu Beweisen per Induktion auf.

    Der Kaptain bereitete eine Expedition nach Niederfinow vor.

    Ich versuchte vergeblich einen Schubkarrenreifen von der Felge zu bekommen. Alle mir gangbaren Methoden schienen unweigerlich zur Schlauchzerstörung zu führen. Dies hätte die ganze Aktion ad absurdum geführt. Immerhin führte es mich zur Lektüre der Reifenbeschreibung. Jetzt weiß ich, die Gartenschubkarre ist „not for highway use.“

    Hier ist das rechte Osterlamm

    Der Rotmilan ist zurück. Die Krähen sind nicht glücklich darüber. Sie versuchen ihn wieder zu vertreiben.

    Eine Krähe läuft Wache im Südsee.

    Der Südsee hielt sich leider bis zum Beginn der Mückensaison. Bis diese richtig losgeht, wird er sich vermutlich in viele Dutzend mückenfreundlicher Pfützen verwandelt haben.

    Die Zwetschge blüht. Die alte Birne ist kurz davor. Die Pfirsiche werden vermutlich nicht blühen.

    Der Hausrotschwanz ist auch zurück.

    Vor allem aber Meisen. Wo kommen dieses Jahr die ganzen Meisen her?

    Abends dann zwei Fledermäuse.

    Der Garten schwang sich in das Frühjahr empor. Aber Mengenmäßig wurde er etwas weniger. Ungefähr drei Kubikmeter Rosenschnitt wanderten in ein Feuer. Ein heißes Erlebnis, vor allem weil die Rosen die Angewohnheit haben sich an Handschuhen, Hosen und anderen Rosen festzukrallen. Aber es gelang. Nur riecht mein Hemd als würde ich beruflich Heilbutt räuchern.

    Für den Herbst: die Sailboats wachsen von rechts des Hibiskus bis zum Flieder. Osterglocken fehlen vor allem beim Grillplatz und auf der Ostwiese. Die Obstbaumwegumrandung müsste den Weg bei der Mirabelle aufnehmen und eventuell den Meter Lücke bei der alten Birne füllen.

    Drei weiße Zwetschenblüten, im Hintergrund verschwommen Narzissen und Gartengerümpel
    Ich bau′ für uns ein Nest. Wo ′s sich leben lässt. Hanita (Hanita)

    Wir essen und leben wohl

    Ein Versuch der Rekapitulation. Seit Sonntag Morgen vortrefflich gefärbte Eier mit Remoulade (bzw. Senf) und Schokolade und Apfelkuchen.

    • Donnerstag: Abendessen bei Donna Rosa unter anderem mit Saltimbocca Romana, Spargel in verschiedenen Varianten und hausgemachter Tagliatelle.
    • Samstag: Spargelsalat
    • Samstag: Bratwürste vom Grill, Löwenzahnsalat
    • Sonntag: Schweinebraten vom Grill, Grillkartoffeln, Löwenzahnsalat – der Münchner staunte über diese Schweinebratenvariante
    • Montag: Spargel, Grillkartoffeln, Löwenzahnsalat

    Den Tod niemand zwingen kunnt

    Passend zum Thema Verschwinden und Wiederkunft veröffentlicht Dota ein neues Mascha-Kaléko-Video zusammen mit Gisbert zu Knyphausen: Wenn einer fortgeht.

    Am Ostermontag verschickte Moderne Regional einen Newsletter: Signa übernimmt Stuttgart 21

    Der NABU und das Rote-Liste-Zentrum suchen Bierschnegel. Es gibt dazu sogar eine App.

    Die Pressepfarrerin verabschiedet sich vom #NeoKater

    Ostern in Südfrankreich mit Christiane: Über das Wetter, Ostern und anderes

  • 24-03-30 Liberté Egalité Fight AfD (Posaunenchor)

    24-03-30 Liberté Egalité Fight AfD (Posaunenchor)

    Die Brandenburger Spargelsaison beginnt am 4. April. Beim Spargelhof gibt es bereits Spargel (u.a. Bruchspargel, geschält, 9 Euro für 1,5 Kilo). Bei Donna Rosa in Oranienburg gibt es auch Spargel. Zum Beispiel zu Lachs oder zu hausgemachten Bandnudeln.

    Der Kaptain, Zia sociale und andere Familienmitglieder trafen sich zu Spargel, Saltimbocca und Steinpilzen zur Einstimmung der Ostertage. Alle waren besser auf den Beinen als auch schon. Wir versuchten zio macchina zu einem Seniorenstudium zu überreden. Er fremdelt noch.

    Madame kämpfte gegen die Scheinauswahloptionen des Santander-Automaten. Dafür verkaufte der Eierautomat um 22 Uhr noch Eier aus dem Hühnermobil.

    Der Kaptain beobachtete einen Storch. Kohlmeisen und Blaumeisen gröhlten uns um 5 Uhr morgens aus dem Bett.

    Wochenende ist Lernzeit. Endlich einmal verstanden was Rainbow tables sind und viele Details zu Verschlüsselungsmechanismen. Auch gelernt: zur langen Liste von Wissenschaftlern, die die Nazis aus Deutschland vertrieben, gehört auch Horst Feistel, der bahnbrechende kryptographische Verfahren entwickelte.

    Der Grill ist auferstanden, ebenso wie der Rasenmäher.

    Die Schlüsselblümchen verbreiten sich. Das Immergrün ist überraschenderweise noch vorhanden. Der Zierapfel wirkt als würden er seine Blätter jede Minute ausklappen. Die Hyazinthen wachsen unregelmäßig, je nachdem wo sie stehen.

    Auf dem Südsee schwimmen Enten. Samstag flog ein Kranichschwarm im Saharastaub über das kleingärtnerische Osterfeuer.

    Frau Tegel erzählte Schwänke aus ihrem Leben inklusive dem Zusammentreffen mit Christiane F.

    Der Herr im Neoprenanzug hinter die Fasssauna

    Karfreitag eröffnet gewöhnlich das Strandbad Wannsee die Saison. Gewöhnlich sind wir Karfreitag nicht in Berlin. Aber wo sich die Gelegenheit ergab, packten wir den Kaptain ein und fuhren auf zum Wannsee.

    Abenteuerroute: Erst die Schönwalder-Spandauer-Kopfsteinpflasterallee, dann 10 Kilometer die Havelchaussee entlang. Wir genossen den Ausblick durch die ergrünten aber noch unbelaubten Bäume auf die Havel. Endlich wissen wir, wo der Grunewaldturm steht.

    Am Wannsee: der Eintritt umsonst, Kinder und andere Willige bekamen Süßigkeiten am Einlass. Die 7 Grad Wassertemperatur hätten mich nicht geschreckt, aber ich hatte bereits zwei Tage vorher vergessen, die entsprechenden Badesachen einzupacken.

    Also gab es Milchkaffee und Kaffee und Entertainment durch die Saunierenden der Fasssauna. Diese gingen von der Sauna aus tapfer baden. Die Handvoll anderer Badegäste wurden ebenfalls in den Wannseebereich hinter der Sauna delegiert. Der „Herr im Neoprenanzug“ einmal per Lautsprecherdurchsage.

    Die Freibadesaison kann kommen.

    Der Schwebende / M. Friedländer

    Highlife in Velten. An einem Tag Holi-Fest in der Innenstadt (Hauptsache Bunt). Eine Nazi-Compact-Andre Poggenburg-Demo. Eine direkte Gegendemo der Partei die Linken (selbe Zeit fast selber Ort). Und eine nicht ganz so direkte Gegendemo des Bündnisses für Demokratie zwei Stunden vorher.

    Wir gingen auf die Lagnese-Familiendemo, aka die Demo des Bündnisses für Vielfalt. Das war eine gute Idee. Ein paar hundert Menschen waren anwesend. Etwa die Hälfte war dort als wir kamen, knapp die andere Hälfte kam mit dem Zug aus Richtung Berlin.

    Das Bündnis war breit. Es spielte mehrfach der Posaunenchor. Ich sah Deutschlandfahnen ebenso wie Fahnen der Antifaschistischen Aktion. Es wirkte als wäre die halbe evangelische Gemeinde gekommen, ein breites Spektrum von sehr bürgerlich bis ziemlich links. Fahnen sah ich von DGB, Volt, SPD, Linker aber vor allem selbstgebasteltete Schilder.

    Als wir das Holi-Familienfest passierten stand dort auch eine handvoll AfD-Anhänger. Mit verlaub, aber es waren so richtige Dorfproll-Schläger-Hackfressen. Sie trugen Schlumpfkostüme. In der Glamour-Wertung hat die AfD den Tag wenig gerissen.

    Mich berührte das Schild auf dem auf einer Seite Barlachs „Der Schwebende“ zu sehen war und auf der anderen Seite ein Zitat von Margot Friedländer. Der Politaktivist in mir denkt bei sowas immer sofort „Viel zu kompliziert. Nicht plakativ genug.“ Der normale Mensch ist berührt.

    Die Redner*innen alle aus Velten und Umgebung – ich habe schon sehr viel größere Demos mit sehr viel schlechteren Redner*innen erlebt: die vor vielen Jahren Zugezogene gutbürgerliche, der 1989-Demokratie-Aktivist der immer noch im Veltener Stadtrat sitzt, der Historiker, der Jugendliche der in Velten aufwuchs und erlebt hat wie seine Klassenkameraden sich radikalisierten..

    Insgesamt alles sehr schön: ich glaube alle Anwesenden waren gerührt und allen hat es Mut gegeben auch hier in der Kleinstadt nicht allein zu sein. Viele Veltener haben es aus dem Fenster und beim Vorbeigehen mitbekommen – und ich glaube die Demo hat es geschafft, auch auf Außenstehende einladend und motivierend zu wirken.

    Ist in Velten, trotzdem da. Teddybären-Antifa.

    Biarritz mit Schafen

    Letzte Woche stellte ich fest, dass Northvolt in Dithmarschen Stellen ausschreibt, die dort bisher ungehört waren. Die Logik wirkt in beide Richtungen. Menschen, die in solchen Jobs arbeiten wollen, leben nicht (mehr) in Dithmarschen. Das ist ein Problem für Northvolt. Der Chef wird dazu in der Süddeutschen Zeitung porträtiert mit seinem Streben nach

    „eine Art Biarritz von Schleswig-Holstein“ machen könne. Großes Gelächter im Raum. Carlsson guckt irritiert, warum so viel Skepsis? Das wäre doch was: Morgens Batterien montieren, nachmittags Surfen in Büsum oder St. Peter Ording. Man müsste sich halt nur ein bisschen wärmer einpacken als am Atlantik.

    Der RIAS-Kammerchor sang einen Audio-Guide zu Passionsbildern.

    Christa Chorherr über Ostern als sie ein Kind war.