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  • 26-05-30 Bildung ist nicht Vorbereitung auf das Leben; Bildung ist das Leben selbst

    26-05-30 Bildung ist nicht Vorbereitung auf das Leben; Bildung ist das Leben selbst

    In der U-üc eine junge Frau mit zwei großen Liebeskind-Papiertüten, in denen etwas zehn neue Handtaschen waren, die sie aufmerksam betrachtete. Für Privatverbrauch zu viele, für kommerziellen Einkauf zu wenige. Was auch immer die wahre Geschichte hinter dem Transport war, sie war sicher spannend.

    *

    Vor mir auf der Südkreuz-Treppe – die Rolltreppe funktioniert natürlich immer noch nicht – ein junger Mann, sein Rucksack so behängt mit Hyroxund Athelete-, Aufnähern, Aufklebern und Anhängern als wäre er ein achtzigjähriger russischer General, schleppt sich auch die Treppe hoch als wäre er ein achtzigjähriger russischer General.

    *

    Was wird früher fertig werden? Die Reparatur der Rolltreppen am Südkreuz oder die daneben liegende Baustelle der BSR-Zentrale des S!nn-Campus?

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    Mir träumte, ich wäre auf einer Abschlussfeier unter einem Zeltdach, bei der fast nur Frauen geehrt wurden. Angesichts der Ereignisse der Tage war dies ein beleidigend unorigineller Traum.

    *

    Es waren zwei Arbeitstage mit Abschlussfeier.

    S!nn Campus in spe

    Business Applications oder Fachapplikationen?

    Fast hätte ich Freitag ein wenig „Rücken..“ in den Team-Chat gejammert und wäre im mobilen Büro zu Hause geblieben. Aber am einzigen Büroarbeitstag der Woche, nach zwei Tagen Urlaub, wäre mir das dann doch zu peinlich mir selbst gegenüber gewesen.

    Während Madame gleich ein volles back-to-work Programm absolvierte, ging es bei mir außerhalb einiger seltsamer Meetings eh gemächlicher los. Die Freibadsaison startet spätestens Montag, das heißt fast aller Freibadsaisonsvorbereitungsstress ist durch die Organisation durch.

    Ich überstand das donnerstägliche Neun-Uhr-Meeting, das ich selber angesetzt hatte. Zum Glück mussten dort zwei Dienstleister vortanzen, während ich nur ein wenig angesäuert durch die Gegend hmm’en durften.

    Ich überstand sogar das freitägliche 9-Uhr-Meeting im Büro, das ich nicht selbst angesetzt hatte und bei dem ich sogar was machen musste. Und zu meiner großen Überraschung überstand ich selbst das Freitag-14-Uhr-Meeting zum Thema Service-Portofolio.

    Hinter dem Büro

    Reflexionsritual

    Sicher hat es eine karmische Bedeutung, dass ich auf dem Weg zur FernUni-(Abschluss)-Alumni-Feier ausgerechent am Ullsteinhaus aussteigen musste, in dem ich sieben Jahre arbeitete. Aber ich verstand sie nicht.

    So wurde der Donnerstag ein Doppel-Vergangenheits-Abend. Einmal geplant und absichtlich: Ein Rückblick auf die nähere Vergangenheit, das FernUniHagen-Bachelor-Wirtschaftsinformatik-Studium, ein Rückblick auf die fernere Vergangenheit, die Jahre bei Computacenter.

    Für mich aber auch ein Ausblick auf die nähere Zukunft: den Master Wirtschaftsinformatik.

    It’s time to play the music, it’s time to light the lights

    So ein Fernstudium ist ja etwas eigen. Inhaltlich unterscheidet es sich kaum von einem Präsenzstudium, auch die Organisation dahinter ist am Ende eine normale staatliche Universität wie man sie halt so kennt mit ihren Lehrstühlen und Gremien und so. Aber sie ist halt ortlos und damit in gewisser Hinsicht körperlos.

    Kommliton*innen sah ich meist nur während der Präsenz-Klausuren, leibhaftige Professoren nur angesichts zweier Studientage und eines Seminars. So passte es auch, dass das Zeugnis per Post kam.

    Allerdings fiel selbst der FernUni auf, dass das eine arg freudlose Methode ist, so einen prägenden Lebensabschnitt zu beenden, und sie erfand die Alumni-Feier. In jeder Stadt, in der es einen Außenstandort gibt (wie zB Berlin) werden alle Absolvent*innen des letzten Jahres zu einer Feier eingeladen.

    In Berlin dieses Jahr: In die Ufa-Fabrik, ein leicht alternatives Kulturzentrum direkt am Teltowkanal (neben dem Ullsteinhaus) mit einer wirklich schönen Sommerbühne unter dem Zeltdach.

    On the most sensational inspirational, celebrational, Muppetational

    Es begleitete das Saxophon-Quartett Quadrophon, mit schmissig gespielten Jazz-Standards, die mein Herz spätestens gewannen, als sie das Muppet-Show-Theme spielten.

    Es gab drei Reden. Der Universitätsrektor Stefan Stürmer hatte sich höchstpersönlich nach Berlin zum Gratulieren begeben. Dessen Reden war den Umständen nach mehr als gut. Aber wenn er mit einem Zitat eines meiner persönlichen Helden der Politischen Theorie beginnt, muss es ja gut werden. Auch wenn hier John Dewey als Erziehungswissenschaftler zitiert wurde:

    Bildung ist nicht Vorbereitung auf das Leben; Bildung ist das Leben selbst

    Wann ist der richtige Zeit und der richtige Ort, um auch einmal leicht ins Pathos zu fallen, wenn nicht diese Veranstaltung. Und auch sonst gelang es Stürmer, überzeugend zu vermitteln, dass ihm die Fernuni in all‘ ihrer Eigenheit und die Student*innen in all‘ ihrer Verschiedenheit, ein persönliches Anliegen sind.

    Daneben sprach Felix Ackermann, ein ursprünglich aus Berlin stammender Historiker, der die Anwesenheit gleich mal befragte, wer noch gedruckte Zeitung liest (~ 2% der Anwesenden), wer Telegram auf dem Handy hat (~ 20%) und wer Signal (~ 80%), um dann sein Forschungsprojekt über Telegram-Nutzung im russischen Angriffskrieg auf die Ukraine vorzustellen. Er brachte mich immerhin dazu, nachzuschlagen, was ich machen müsste, um an seiner historischen Exkursion nach „Postpreußen“ teilzunehmen.

    Dazu kam eine Absolventin, die ihren persönlichen, und wie bei den meisten, leicht schiefen, Weg zum Abschluss schilderte.

    Dann durften alle auf die Bühne, einzeln aufgerufen, namentlich genannt, mit einer Pseudo-Urkunde ausgestatte (die echte kam ja schon vor Monaten in der Post) und mit einem kleinen Präsent.

    Endlich mal Komiliton*innen sehen. Endlich mal schauen, wie viele Psycholog*innen hier sind (sehr viele, 50? 60?) und wie viele Wirtschaftsinformatiker (drei), oder Mathematiker*innen (null) oder Bilungdswissenschaftler*innen (~20?) – die alle in spannenden, schicken Interpretationen zwischen „akademisch-festlich“ und „Sommerfest“.

    Und zum Ende, das unwahrscheinlichste Treffen von Allen: 2015 hatte ich mal kurz das ZDF-Hauptstadtstudio dabei beraten, MediaWiki (die Software hinter Wikipedia) einzusetzen, um die Studiotechnik intern zu dokumentieren. Einer der damals beratenden Techniker ist nicht nur Chef des Berliner Alumni-Kreises der Fernuni, sondern hat mich auch gleich erkannt, und sich mit Freude an mich erinnert. Da war ich geplättet.

    Empfang

    Freitag war ereignisloser. Nach der Arbeit Madame treffen, die von dm kam, Milch und Aufbackbrötchen kaufen, packen, und auf die Latifunien fahren.

    Madame begrüßte den Turmfalkenturm. Uns begrüßte die Nachtigall, eine mittelgroße Haustürspinne, der Vollmond und ein Geschwader Mücken. Wo kamen sie her, Dienstag war das hier doch noch weitgehend mückenfrei?

    Links

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    Ich sag ja, IT und Prozesskram ist beides angewandte Arbeitsvermeidung, weil es darum geht, etwas so aufzusetzen, damit es danach möglichst umstandslos läuft. Dank Marc lernte ich dafür den schönen Begriff Zero Maintenance – keine unnützen Aufgaben.

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    Die besten Rezepte: Auf die Fragen was, wie viel, wann, warum kam oft genug die Antwort „Das merksch dann, musch halt probieren.“

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    Katzenfach im Bücherregal. Dieses Regal bleibt mir einfach sympathisch: Bücherliebe – 9 –

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    Ich vielleicht auch: Wäre ich König, so würde ich für jeden Menschen im Reich “Feierabend um drei!“ per Ukas verfügen. Nur ich selber würde bis zum Abend mit Gänsekiesel bei Kernzenschein über Akten und Urkunden brüten und wenn das Lachen der Kinder von der Straße in mein Arbeitszimmer im Palast hereindringen würde, würde ich leise und sehnsuchtsvoll seufzen.

  • 26-05-28 Ente im Totholz

    26-05-28 Ente im Totholz

    Soargwlbruxh

    (Keine Ahnung, aber steht in den Notizen)

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    Über das Internet trafen die letzten Heimfahrmeldungen der Besuchsgruppe Tauferinnerung ein. Der letzte Endgegner war das defekte Signal bei Lüneburg.

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    Madame pflanzte Zitronenthymian und eine Johannisbeere und säte kalifornischen Mohn.

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    Der Kaptain fand Word wieder auf dem Rechner.

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    Es waren drei Tage des Mikrourlaubs in den märkischen Hamptons mit Bussard ohne Oper.

    Grün zu bunt

    Der Bussard schrie, das Gras wogte, der Bauer sprühte Pestizide.

    Der Garten schaltet in den Sommermodus. Noch ist Grün die vorherrschende Farbe. Aber beinahe stündlich konnten wir Sträuchern, Stauden, Rosen und Ausgesähtem beim Aufblühen zusehen. Beim Versuch aufzuschreiben, was alles kreuchte, fleuchte, blühte, loslegte, schlug ich nur irgendwann die Hände über dem Kopf zusammen: „So viel! So viel! Wer soll dem allen Aufmerksamkeit schenken!“

    Selbst die Pfingstrose blühte rechtzeitig zu Pfingsten.

    Wichtig, weil für uns handlungsleitend: Die Rosentriebbohrer bohren weiter und tötet Knospen. Ihre Zahl ist gegenüber dem letzten Jahr zurückgegangen. Aber gerade wenn sie Knospen an den nur einmal blühenden Alten Rosen zerstören, ist das unerfreulich.

    Manchmal allerdings braucht es auch gar keine bohrenden Solitärwespen. Manchmal kann ich das auch alleine. Das von mir geschobene Benzinreh knabberte leider die versteckt gelegenen Knospen und Trieb der Tuscany Superb ab.

    Wichtig, weil Atmosphäre: Anscheinend sind diverse Gräser in der letzten Woche um einen guten halben Meter gewachsen. Wo sie mir bestenfalls bis zum Knie gingen, sind Teile der Wiese schon wieder schulterhoch. Die Wiese wogte im Wind, darüber ein Wölkchenhimmel, Gartengrasmücke und Amsel sangen um die Wette, während darüber ein Miniaturschwarm Stare kreiste.

    Die neu gesetzten Astern sind angewachsen. Scarman’s Himalayan Musk an der Pergola deutet erstmalig an wie buschig und prächtig das einst werden kann.

    Der Greifvogel, der ein wenig wie ein Rotmilan wirkte, aber etwas unruhiger flog, ließ sich anhand seines Schreis als Bussard erkennen.

    Eine Premiere: Enten im Garten. Normalerweise fliegen die gelegentlich am Hinter-dem-Zaun-Acker vorbei. Aber noch nie waren sie im Garten. Jetzt fast mehrfach. Eine setzte sich erst auf den Totholzstapel, dann verschwand sie darin, und wir sahen sie nie wieder.

    Später fand Madame, beim Versuch den Brötchenwagen abzupassen, das Nest des Turmfalken im Dorf. Es befindet sich in einem kleinen Türmchen, der Falke selbst zeigte es ihr, indem er lautstark und entschieden zwei Tauben aus dem Türmchen verjagte.

    Rucola als verbindendes Element

    Am Montag grillte ich experimental. Der Urlaubstag bot sich für Mikro-Abenteuer an, wie den zweiten Einsatz des Grill-Pizzasteins. Mir war nach Lahmacun, also sollte es Lahmacun geben: Hefeteig, eingerieben mit einer Tomaten-Hack-Masse, auf dem Stein kurz gegrillt und dann mit zweilerlei Salat befüllt (1 – Rucola, 2 – Tomate-Käse-Joghurt). Das war sehr fein. Aber es zeigte sich auch, dass ich wenig Übung mit Hefeteig und noch weniger mit den Pizzastein habe. Es war eine Arie der Umständlichkeit. Das schreit nach Wiederholung.

    Soargwlbruxh = Spargelbruch will mir inzwischen scheinen. Den kauften wir beim Spargelhof in der schon geschälten Variante1 für schnelle Zubereitung.

    Am Dienstag nach der Exkursion bereitete Madame ihn zu Salat mit Schinken und Kratzete zu. Mittwoch, zurück in Berlin streckte sie ihn mit Parmesan (Crowdfarming), jungen Zwiebeln (Gemüslichkeit), Sekt (Reste-der-Taufgruppe), und Milchreis-Reis (aus dem Joghurtglas in der Vorratsschublade, keine Ahnung woher ursprünglich: BioCompany? dm?) zu einem höchst schmackhaften Spargelrisotto serviert mit Rucola (Gemüslichkeit).

    Ich packte meinen Koffer und..

    Ich packte meinen Koffer und ich packte ein: Eine Badehose (nicht gebraucht) und zwei Opernkarten (nicht gebraucht) und ein Fernuni-Skript (gebraucht).

    Nymphensee/Waldbad

    Wir dachten, wir sind schlau und verlegen den Badeausflug dieses heißen Pfingstwochenendes auf den Dienstag, den Werktag. Es half wenig. Die 30 Grad schlugen den Werktag. Am Parkplatz des Nymphensees angekommen, sahen null freie Parkplätze und dafür mehrere Autos im Suchkreis fahren. Das sagte uns: Für unseren Geschmack zu voll.

    Aber da wir eh schon fast in Falkensee waren, schlug das Navi noch das Waldbad Falkensee vor. Dies ist mir bisher komplett unbekannt – und das kann nicht so bleiben. Von außen sah es nett aus, ein richtig unkompliziertes übersichtliches Kleinstadtbad. Aber natürlich war es auch viel zu voll.

    Aber es war eine wirklich schöne Landpartie durch den Brandenburger Sommer.

    Der Gesang der Vögel

    Sogar fest mit Termin im Kalender stand Orlando von Olga Neuwirth in der Komischen Oper. Gebucht hatte ich diese im April 2025, nicht bemerkend, dass dies kurz nach Pfingsten war, nicht wissend, dass ich Urlaub haben würde, die Gemüslichkeitsabholung die Logistik verkompliziert und nicht mal ahnend, dass ich den Tag bei perfekten 22 Grad mit Sonne und leichter Brise auf den Latifundien verbringen würde.

    Irgendwann fragte ich mich „Mal angenommen, jemand würde dir jetzt die Karten für heute Abend schenken, würdest du sie annehmen?“ Mein Spontanantwort war „Auf gar keinen Fall!“. Zum Glück dachte Madame ähnlich, und so war der Fall pro Bluthänfling und Contra Oper entschieden.

    Die fünf Dimensionen der SERVQUAL

    Wirklich benutzt aus dem Koffer habe ich die Fernuni-Skripte zum Thema Dienstleistungsmanagement. Aus denen lernte ich etwas über Value-in-expectation, value-in-use, den Service Blueprint und die fünf Dimensionen der SERVQUAL lernte.

    Die fünf Dimensionen der SERVQUAL beschreiben nicht etwa, wie man Kunden quälen kann, sondern sie stehen für SERVceQUALität.

    Dennoch ähnelt das BWL-Modul Dienstleistungsmanagement in vielem der Anleitung zum Leiden am Dasein. Immer wieder geht es darum, wie Anbieter Kosten verringern können, indem sie nicht-Basis-Leistungen der Dienstleitungen streichen oder Teile des Serviceprozesses an Kunden abgeben („den Kunden stärker in die Value-Co-Creation einbinden“).

    Das klingt im Modul recht sachlich, aber vor meinem inneren Auge sehe ich natürlich sofort Selbstbedienung aus der Hölle, irre Call-Center-Antwortbots und den oft scheiternden Versuch bei irgendeinem Dienstleister irgendwie eine’n kompetente*n Ansprechpartner*in zu bekommen.

    Überhaupt lernte ich, meinen nächsten Restaurant- oder Friseurbesuch in vollkommen neuen Worten zu beschreiben. Service-in-use und Service-in-expectation vielleicht, vermutlich aber nutze ich eher die Sichtbarkeitslinie und das Service Skript. Nur der Ausdruck „Kundenkontaktpersonal“ klingt für mich eher wie eine justiziable Beleidigung, denn wie eine sachliche Beschreibung.2

    „Sie..! Sie…! Sie Kundenkontaktpersonal!!“

    „Kehraus“ ist ein Kurzfilm von 1990 über Straßenkehrer in Leipzig

    Weil Zeit und Energie für Mikroabenteuer war, wollten wir auch endlich den Beamer bezwingen. Wir bauten das Gartenkino auf, und im vierten oder fünften Anlauf lief alles. Wir wussten inzwischen wie sich die Leinwand aufhängt, konnten den Beamer bedienen und schafften es sogar, Filme zu streamen. Ab 21:18 war es dunkel genug, damit auf der Leinwand langsam Figuren erkennbar waren, ab 21:50h war es möglich, ernstlich Filme zu sehen.

    Der Kabel-Adapter-Sammlung sei dank.

    Wir schauten via Filmfriend erst das Kurzprogramm über das Seebad Taucha 1924 zur Beamer- und Leinwand-Kalibrierung, dann Spielfilme:

    Am Montag: Toast – ein Film basierend auf den tragischen Jugenderinnerungen des britischen Food-Autors Nigel Slater: Über Aufwachsen im Großbritannien der 1960er, begeistert von Essen, erst mit einer liebenvollen Mutter, deren größte kulinarische Errungenschaft Toast ist, dann mit einer Stiefmutter, die hervorragend kocht, aber immer in Rivalität und Feindschaft zu Nigel verbunden bleibt. Ein trauriger Film, ein schöner Film, ein Film über eine vergangene Zeit.

    Am Dienstag Wilde Maus von Josef Hader. Ein Film, der uns an Toni Erdmann erinnerte. Sehr tragisch, sehr lustig, sehr gnadenlos zu seinen Figuren und dabei gleichzeitig sehr liebevoll. Wie seltsam Menschen sind, was für bescheuerte Sachen sie machen, wie sehr sie sich lächerlich machen. Der Film nimmt wenig darauf, seine Protagonisten in all ihrer Lächerlichkeit zu zeigen, aber genau deshalb hat er sie lieb. Wirklich schön.

    Noch schöner: Kino unter dem Sternenhimmel mit großem Wagen, Abendstern und Mond, dazu immer wieder die hereingewehte Duftwolke der Abelie.

    Rechner richten

    Zu Hause dann Arbeitstagsvorbereitung (Madame) bzw. Fernuni-Einsendeaufgaben (ich). Beim Blick in den Donnerstagskalender fragte ich mich, welcher Depp mir ein 9-Uhr-Meeting direkt nach der Rückkehr in den Kalender legte; ich kam aber zu dem Schluss, dass nur ich das angesetzt haben könnte.

    Links

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    Ohrenschmaus hatte mehr Erfolg als wir am Nymphensee, ist allerdings auch anständigerweise zu Fuß dorthin gelaufen: 66 Seen Weg I, Pfingsten 2026, 3 Brieselang – Henningsdorf 23,5

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    Frau Herzbruch in Curaçao – Tag 11 und Tag 12.

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    Frau Rabe badet weiter auf Island und empfiehlt das Spa eher nicht.

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    Eine Ausstellung, die ich vielleicht sehen wollte und jetzt ganz sicher sehen will, dank readinginsweden: 23. Mai 2026 Kunst klingt, fühlt, duftet

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    Ich müsste lange nachdenken, um darauf zu kommen, wann ich zuletzt so etwas wie ein veritables Freudentänzchen bei einem erwachsenen Menschen gesehen habe. Zumindest abseits von großen Sportübertragungen und dergleichen, wo so etwas nicht weiter auffällt und in der kollektiven Begeisterung untergeht. Hier aber, in der Wandelhalle, pardon, in der Grand Hall – es kommt mir geradezu spektakulär vor. Und nicht nur mir, einigen Umstehenden geht es ähnlich.

    Anmerkungen

    ~ Der Erdbeerpreis sank unter 10 Euro / Kilogramm.

    ~ Erste größere Ausfahrt des Subarus nach Inspektion in neuer Werkstatt. Er fuhr tadellos und klingt besser als zuvor.

    1. Unser Verdacht: Es handelt sich im Ausschuss aus dem benachbarten Restaurant: Spargel, der beim Schälen in mehrere Teile brach, nicht mehr serviert werden kann, aber noch im Hofladen verkauft. ↩︎
    2. Was ich ja aus nicht-privaten Gründen spannend gefunden hätte: Die Anwedung der Konzepte nicht nur auf übersichtliche Fälle wie „Essen gehen“ sondern auch auf IT-Service-Management. Da wird es nämlich deutlich unübersichtlicher. Aber leider nein. ↩︎
  • 26-05-26 Eis Strawberry Matcha Latte mit Fuchs an blühenden Kakteen

    26-05-26 Eis Strawberry Matcha Latte mit Fuchs an blühenden Kakteen

    Abendessen zum srieh srieh der Mauersegler.

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    Tage mit knapp 30 Grad verschaffen mir einen Stand über das aktuelle Tattoo-Geschehen. Besonders schick: die schulterblattgroße Gottesanbeterin.

    Auch ohne 30 Grad habe ich noch nie eine komplett tätowierte Hand-Innen-Fläche gesehen. Jetzt schon.

    Dabei fiel mir im Hallenbad auf, dass dies – im Gegensatz zum Freibad – normalerweise eine tattooarme Zone ist. Hat das schon jemand erforscht? Warum gehen Menschen, die Tätowierungen mögen, nicht ins Hallenbad? Warum lassen sich Hallenbadfans keine Tätowierungen stechen?

    Denn der Mikro-Urlaub begann nass. Nach dem freitäglichen Besuch im Potsdamer blu und dem samstäglichen Besuch im Insulanerbad, mussten wir natürlich auch noch einmal ins eigene Hausbad.

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    In eben jenem Hallenbad wartete ich im Foyer auf Madame, sah die Mutter-Sohn-Gruppe die leicht hektisch, aber mit viel Enthuasiasmus durch die Drehkreuz eilte, nur um fünf Minuten später entsetzt wiederzukehren, weil das Hallenbad kein Freibad ist.

    *

    Madame und Kellerkind unternahmen dem Anlasse des Besuches nach eine religiös-touristisch-kulturelle Berlintour. Sie begann mit dem Noonsong in der Kirche am Hohenzollernplatz und beinhaltete eine Bötchenfahrt auf der Spree, Kaffee auf dem Dach des Humboltforumschlossesn, die Besichtigung der neu renovierten St. Hedwigs-Kathedrale.

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    Es waren Besuchstage zwischen Huhn (geschmort), Raupen (krabbelnd) und Mauerseglern (sriend).

    Tajine Oase

    Mein Fernuni-Modul Dienstleistungsmanagement stimmte mich auf die Tage ein: „Analog zum Denken und Fühlen des Kunden durchlaufen auch die Restaurantmitarbeiter Denkprozesse und haben Gefühle, die für den Kunden nicht sichtbar sind“ – das war in dem Fernuni-Kontext natürlich als sachliche Info gemeint, liest sich aber auch wie ein leicht verzweifelter Appell an das Benehmen der Kundschaft.

    Wir allerdings sind ja ebenso herzensgute wie ausgesprochen höfliche Menschen, würden immer auf Denken und Gefühle der Mitarbeiter*innen Rücksicht nehmen.

    Wir hatten gedacht, dass, wenn wir schon Besuch aus anderen Gegenden Deutschlands haben, dann suchen wir uns für den Berlin-Abend etwas aus, was mehr BERLIN sagt als das eher dörfliche Alt-Wilmersdorf. Kreuzberg sollte es sein. Es wurde Kreuzberg 36. Es wurde sogar noch kreuzbergiger als geplant, wenn wir gerieten ungeplant in die Ausläufer des Karnevals der Kulturen.

    Das war auf der Straße schick anzuschauen, in der U3 zeitweise ziemlich kuschelig und wir lernten im vorbeihören, dass die U3 auf berlin-türkisch die „U üç“ ist. Wir allerdings fuhren so tief in das ehemalige Mauer-Kreuzberg, an das der revolitionäre Postbote noch lebhafteste Erinnerungen hatte, dass wir den größten Teil des Karnevals schon wieder uns ließen.

    Am Ort des Geschehens, dem Baraka am Görli, waren wir weit genug entfernt von den Feiern, so dass wir Platz haben, und nur vereinzelte Kulturkarnevalist*innen vorbezogen. Der revolutionäre Postbote mopperte, dass die U-Bahnen zu seiner Zeit noch viel mehr quietschten und es dafür auch noch andere Geschäfte als nur Restaurants in der Ecke gab – aber those are the times.

    Die Stimmung war ausgezeichnet, denn wir waren vollzählig geworden: Team Hamburg und Team Ist-das-noch-Brandenburg-oder-schon-Sachsen? waren auch dazu gestoßen.

    Oase-Platte für 3 Personen oder so. Im Uhrzeigersinn, um 12:05h beginnned: Kartoffelsalat, Joghurtsauce, Hummus, so Tomaten-Paprika-Zeugs (Ayvar?), Falafel, Rote Beete, Bohnen, Baba Ganoush, Reis, Hallumi, in der Mitte Hähnchen-Tajine.

    Die Raupen. Der Fuchs.

    Kellerkind kehrte zur pfingstsonntäglichen Messe mit Bischof am Sonntag zurück in die St. Hedwigs-Kathedrale.

    Da religiösen, kulturellen und gastronomischen Gelangen ausreichend Rechnung getragen wurde, sollten biologische Belange folgen. Der Botanische Garten liegt nicht nur vage auf halber Strecke zwischen Wilmersdorf und Potsdam, sondern bietet auch hitzeangemessene Schattenbereiche.

    Amerikasee

    Wir schlenderte, ließen uns schnell mit Fernuni-Skript und Büchern am Amerikasee nieder. Das wogen der Bäume, das Rascheln des Grases, das Quäken der landenden Enten und die Schreie der beraupten Gartenbesucher*innen.

    Vom See vertrieben nicht die Mücken, sondern die Raupen. Ob sie Speed-Kletterer waren? Ob sie von den Bäumen fielen? Es waren viele und wir fanden sie auf Hosen, Hemden und Schuhen. Optisch ähnelten sie dem Eichenprozessionsspinner, was die Lage nicht sympathischer machte – allerdings waren sie nicht allergieauslösend, sonst würde ich jetzt nicht mit einem perfekt normal aussehenden Unterarm diese Zeilen tippen.

    Falls jemand diese Raupe bestimmen kann? Bisher am nächsten scheinen Brombeerspinner oder Distelfalter, die es aber beide nicht sein können.

    Japanwald

    Also gingen wir in friedlichere Bereiche. Wir staunten, dass nicht nur die Bäume so aussehen wie in der jeweiligen geographischen Region, sondern auch das Unterholz. Wir staunten, dass so auch die Region Japan frei von den üblichen mitteleuropäisch-brandenburgischen Beikräutern ist, die sich sonst gerne sofort in jedem Wald ansiedeln. Hier im Japanwald waren diese japanisch.

    Ich wunderte mich, warum sind wir nicht öfter da? Der Garten ist sehr schön, unglaublich entspannend, und selbst an eine heißen Pfingsttag verläuft sich das Publikum sofort, sobald man die Hauptwege verlässt. Wir könnten an einem freien Tag sofort in den Bus steigen und wandeln.

    Da fiel es mir ein: Freie Tage, da war was. Sie sind selten, und wenn sie stattfinden, sind wir auf den Latifundien. Wenn es draußen zu ungemütlich für die märkischen Hamptons wird, wird es auch zu ungemütlich für den Botanischen Garten.

    Verdammte Axt.

    Aber wo ich schon mal da war: Lauschen, riechen, atmen, Fernuni lesen.

    Zum Abschied bewarf ich Madame mit Kaffee

    Irgendwann in all das atmen, lauschen und riechen hinein rief Potsdam: „Ihr habt eine Tischreservierung.“ Das erinnerte an Hunger und Durst, und bevor wir mit 101er-Bus, S1, S7 und Tram 96 den neuerlichen Weg zum Nauener Tor antraten, hielten wir vor den großen Gewächshäusern am Kaffeemobil an, wo es neben den üblichen „Kaffeespezialitäten“ auch geeistes, wie den Eis Strawberry Matcha Latte gab.

    Wir suchten uns eine Bank, und stellten fest, dass zumindest ich zu alt für Selfies bin und mir die dafür erforderlichen Grundfähigkeiten fehlen. Beim Versuch, uns selfiegerecht zu arrangieren, bewarf ich Madame mit heißem Kaffee, verfehlte sie jedoch zum Glück knapp.

    Während wir uns sortierten, direkt gegenüber den Gewächshaus, am Kaffeestand, beim zentralen See, an der größten Menschenansammlung des Gartens, sprang ein Fuchs von hinten auf die Bänke. Schaute ein bißchen, roch ein bißchen mehr, trottete zur Freude aller Spontanfotgraf*innen einmal quer über den Platz, roch ein wenig an den Bänken gegenüber, stolzierte über ein Mäuerchen, und verschwand im Gebüsch.

    Gemütlich logieren

    Es wurde Zeit für Potsdam. Wieder in ein Lokal, das in seiner deutsch-mediterran-asiatischen Ausrichtung geeignet für heterogrene Gruppen ist, und darüber hinaus nett am Rande des Holländischen Viertels liegt.

    Das Tomasa liegt im Logenhaus der Potsdamer Freimaurer, das, anscheinend anders als der PotsdamWiki-Artikel suggeriet, sogar noch im Logenbetrieb ist.

    Die Runde bekam angesichts ihrer katholischen Entstehungsgeschichte eine überraschen kenntnisreiche Diskussion über das Freimaurertum hin. So lernten wir, dass die meisten Logen noch reine Männerlogen sind. Es gibt aber auch Frauenlogen und gemischte Logen. Aber: deren Mitglieder dürfen keinen freimauer-sozialen Kontakt zu den reinen Männerlogen haben.

    Was dazu führt, dass in den gemischten Logen de facto auch fast nur Frauen sind, da die Männer, wenn sie schon Freimaurer werden, auf den Kontakt zu den großen, alten Logen verzichten wollen.

    Dazu Rotwildklößchen Königsberger Art und Backhendl. Über uns kreischten die Mauersegler. Wie schon zwei Tage vorher an ähnlicher Stelle vertrieben uns schließlich die Mücken.

    Wir ließen die Residenzübernachtenden zurück und nahmen den Regio nach Wilmersdorf. Am nächste Tag ging es los in die zwei Tage Urlaub-Urlaub in die märkischen Hamptons. Ich packte meinen Koffer und nahm mit: Badehose, Fernuni-Skript und zwei Opernkarten.

    Links

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    Rate das Land: Was aber recht billig war, war, was ich danach gemacht habe, nämlich in ein öffentliches Schwimmbad gehen. Ich wusste ungefähr nichts darüber, außer dem, was mal in der Sendung mit der Maus war: dass da ALLE hingehen. Ständig. Mir waren von den Einheimischen Hot Tubs versprochen worden und Hot Tubs habe ich bekommen. Aber was für welche! In verschiedenen Temperaturen, 38, 40, 42, 44 Grad und einer in Meerwasser. Das ganze Ding war letztendlich ein (großes) Freibad, das komplett auf angenehme Temperaturen aufgewärmt war und dann eben Hot Tubs und ein richtig großes Becken mit 38 Grad, in dem man gemütlich abhängen konnte.

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    Und natürlich das Wichtige: Klatsch und Tratsch aus Cannes

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    Weiter oben in Frankreich: AZ13 – Adieu La Rochelle, Bienvenue Ile de Ré

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    Schicke Zusammenfassung mit vielen Links zur re:publica. Die Idee eines gedruckten Readers zum Ende möchte ich unterstützen: #rp26, tag 3 und fa­zit

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    Hm, denke ich beim nächsten Concept Store, die Bäckerei, die vorher hier drin war, die hatte ein Konzept: Brote, Brötchen, Backwaren produzieren und verkaufen.

  • 26-05-07 He reads

    26-05-07 He reads

    Madame las Fernuni im Volkspark. Später filmte sie den Fuchs.

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    Auf der Kreuzung eine Nachtvermessung. Ein oranger Mann mit Messgerät, ein oranger Mann mit Stab, der vom Messgerät anvisiert wurde. Der Stab erhellte die Kreuzung im funky Leuchtdesign.

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    Die erste Rolltreppe am Südkreuz ist repariert. Leider an einer Stelle, die mir nichts nutzt. Aber wenn die Deutsche Bahn in dem Tempo weitermacht, ist sie schon Anfang 2028 mit allen defekten Rolltreppen durch.

    Immerhin ist der Dönerstand jetzt wieder unter 100 Treppenstufen erreichbar.

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    In der S-Bahn. Zwei Jungs, noch in Trainingsjacke vom Rugby-Club, unterhalten sich ob ein Ring eine geometrische Figur sei und ob die eher achteckige Ringbahn nicht falsch benannt ist, und Achteckbahn heißen müsste.

    Ein Pärchen, das mir in Kleidung und Akzent sagte „Wir-sind-british-upper-class-aber-in-cool“ zerstritt sich bis auf Tränen über die Frage, ob sie jetzt in Tempelhof umsteigen oder nicht.

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    Es waren drei Arbeitstage mit Klavier-Hochamt und New-York-Backalleys auf 35mm anamorphic.

    Parkplatz-Garten-Nacht-Goldregen

    Motten in Masken

    Die Verkaufserdbeere am Südkreuz begann Erdbeerverkauf mit famos erdbeerig schmeckenden Erdbeeren für 30 Cent das Stück (= 6,60€ für ein Pfund).

    Madame fuhr in den Süden. Dort kaufte sie ein. Noch müssen wir uns daran gewöhnen, mit der U-Bahn eine Station in die „falsche Richtung“, Richtung Vorstadt zu fahren, und dort BioCompany, Buchhandlung und Fleischerei zu finden. Das funktioniert, fühlt sich aber komisch an.

    Auf den Latifundien sammelte Madame einen weiteren kleinen Erbteppich für Teppichreinigung Abbasi ein. Der Teppichreiniger konnte sich nicht mehr an Wohnung-in-Schwimmbad erinnern. Aber sofort erinnerte er sich an „Ah, der Woll-Kazakh!“. Entgegen unseren Vermutung war der kleine latifundinische Teppich gar nicht aus Polyester, sondern besteht auch aus Wolle, wurde aber maschinengeknüpft, und wird bald sauberer sein.

    Überhaupt besser werden Schals und Handschuhe sein. Im Alt-Corona-Stoff-Masken-Schal-Handschuh-Vorrat entdeckte Madame einen Rückzugsort der Kleidermotte, entsorgte einen Teil der Sachen und ihrer Behältnisse. Der andere Teil darf ein paar Wochen in den Tiefkühler.

    Hochamtlich

    Das erste Berliner-Klavierfestival-Konzert wurde im Radio ausgestrahlt und liegt jetzt in der Mediathek: Rhythmusgötting Sophia Liu. Der Kaptain hörte bereits via Alexa.

    Während des Klavierfestival noch nachklingt, überstürzen sich die Kulturereignisse. Diesmal in besonders schnellem Wechsel. Nach dem Mittwochs-Festival-Hamelin folgte ein Montags-Philharmonie-Sokolov. Mein erster mündlicher Eindruck war „Es war anders“. Was einerseits nichtssagend ist, andererseits untertrieben, aber vor allem vollkommen korrekt. Bei Hamelin und Sokolov handelte es sich theoretisch um dasselbe Genre, Klavierkonzert. Aber alles war anders. Sehr.

    Statt im kleinen Saal im Konzerthaus (300 Plätze), waren wir im großen Saal der Philharmonie (2400 Plätze). Statt Nehru-Jacket (Stephen Hough) oder Flatterhemd (von Eckhardstein) trug Grigori Sokolov Frack. Statt Stücken aus den entlegenen Ecken des Repertoires waren es Hauptwerke von van Beethoven und Schubert. Und das war erst der Anfang.

    Sokolov ist laut diversen Internetseiten, laut Le pianiste und laut Madames Klavierfestival-Freunden der künstlerisch bedeutendste Pianist, der derzeit auf der Erde wandelt. Er gibt keine Konzerte, er zelebriert Klaviermessen. Wo das Festival sich immer ein wenig nach familiären Arbeitstreffen anfühlte, so „kann dieses Stück überhaupt von einem Pianisten dieser Welt gespielt werden“ war das hier reine Zelebration, und ein komplett anderer Stil.

    Hatte ich bei Hamelin immer das Gefühl, er spielt 20 Töne aus drei Takten gleichzeitig und ich kann sie alle einzeln wahrnehmen, erzeugte Sokolov einen Klang; der dann ein wenig in der Luft hängen durfte bevor der nächste Klang kam. Das war auf seine Art eindrucksvoll, aber ich ertappte mich bei dem Gedanken: „Könnte ich vielleicht die Passacaglia von letzter Woche nochmal hören?“

    Bis die Zugabe kam1. War das alles bis dahin sehr schön und sehr gesetzt, drehte Sokolov richtig auf. Der Klang hing nicht mehr nachhallend im Raum, er flog. Aus dem „wir-klatschen-begeistert-weil-wir-hier-sind“ wurden bei Zugabe 2, einem Brahms-Intermezzo, hingerissene Standing Ovations des Publikums2.

    Insgesamt hörten wir sechs Zugaben, ich verstand wie Sokolov zu seinem Ruhm kam.

    Unlimited hier, unlimited dort

    Kaum habe ich ein Kino-Abo, entdecke ich lauter weitere davon. Nach MUBI+Go und der UCI Unlimited Card, entdeckte ich das Cineville-Abo. Wäre ich nicht schon bei Yorck Unlimited wäre das eine Alternative. Ein Abo (20€/Monat) für zahlreiche Indie-Kinos bundesweit, von Braunschweig bis Freiburg, darunter das legendäre Hamburger Abaton oder die Kölner Filmpalette, in der ich noch letzten Freitag war.

    Auch in Berlin sind 14 Kinos dabei. Alles spannende Orte; aber halt ohne die Yorck-Kinos und für mich überwiegend ungünstig gelegen. Ich bleibe wo ich bin und ich nutze Yorck Unlimited.

    Ich war im Kino. Die eklektische Klassiker-Überraschungsreihe Best of Cinema brachte Three Days of the Condor, von 1975 von Sydney Pollack mit Robert Redford und Faye Dunaway ins Kant-Kino3.

    Ein Film von 1975

    Um mit dem Tiefpunkt anzufangen. Der Film ist sehr 1975 und kreist um seinen Hauptdarsteller. Die einzige relevante Frauenrolle (Kate / Faye Dunaway) kreist um diesen Hauptdarsteller. In diesem Film in der ganz besonderen Variante:

    „Irgendein Typ entführt mich mit auf der Straße mit einer Waffe, fesselt mich in meiner eigenen Wohnung und redet ziemlich wirres Zeug. Natürlich habe ich mich sofort in ihn verliebt.“

    Was auch sonst?

    This was the world I was born into.

    Ein Film über die C.I.A.

    Im Film geht es um das zynische Innenleben eines Geheimdienstes.

    Der Plot trägt den Film, sollte aber generell nicht allzu genau betrachtet werden.

    Wichtig ist: Alle Beteiligten auf allen Seiten arbeiten für die CIA, bei steter Unsicherheit wer gerade auf welcher Seite ist. Noch wichtiger: Die Hauptfigur Joe Turner (Redford) ist kein Agent, sondern ein „Reader“ – jemand, der für die CIA Romane in entlegenen Sprachen liest und Plot-Points sowie Verfahren in einen Computer füttert – also ein literarisch interessierter Nerd.

    Auf die konsternierte Frage eines CIA-Chefs hin, wie Turner ihnen immer noch entkommen kann, lautet die Antwort „He reads. He knows things.“

    Ein Film in New York

    Vor allem verkörperte der Film seine Zeit und seine Stadt. Männer tragen noch Krawatten, aber unter Pullundern in wilden Farben mit braunen Ledersackos und Cordhosen. Die Haare sind selbst bei der CIA länger, die Kragen groß. Einige Offiziere der CIA können sich noch an die Zwischenkriegszeit kurz nach dem Ersten Weltkrieg erinnern.

    Im Büro steht ein großer Desktop-Computer mit winzigem Display in grün-schwarz, daneben Fernschreiber, Bücher, Schreibmaschinen. Die Zeiterfassung läuft über ein Buch.

    Die New Yorker Seitenstraßen sind voller Straßenkreuzer mit gelegentlichen VW Käfern. Joe Turner selbst fährt Fahrrad, Kate einen Geländewagen, der so aussieht als hätte er noch im Koreakrieg gedient.

    Joe ist nicht nur Reader sondern auch Hacker. Mit Spezialgerät flüchtet er sich in einen Leitungskeller, schaltet Telefonleitungen zusammen und kann anhand der Pieptöne ermitteln, welche Nummer angerufen wurde.

    Unterlegt ist es von Dave Grusins funky-souligem Soundtrack, einschließlich des besten aller Songtitels Sing Along with the C.I.A.

    This was the time the modern world as we know it was born.

    Stilistisch durchaus passend: Kant-Kino Saal 1

    Straßenquerungsdresscode

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    Straße überqueren für Anfänger*innen und professionell.

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    Die Kaltmamsell beendete die Ära des Kommentierens in ihrem Blog.

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    Prüfungen in Zeiten von KI und allumfassender Mobildaten: Schülern ist zum ersten Mal zur Prüfung ein gewisser Dresscode vorgeschrieben worden. Alles mit Knöpfen oder Kapuzen ist verboten.

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    Ich lag auf dem Rücken auf einer Decke, schaute in die Äste eines Baumes mit Zapfen dran, dahinter blauer Himmel. Eventuell bin ich kurz eingeschlafen. Ich las im Buch weiter, wir machten ein kleines Picknick, es wurde geschnitzt. Im Grunde wirkt das Gelände wie ein riesiger Krater, oben drüber kreiste ein Raubvogel und einmal flog ein Hubschrauber vorbei. Die Grillen zirpten.

    Anmerkungen

    1. Wie wir im Nachhinein lernten, spielt Sokolov immer ein eher kurzes identisches Programm und immer sechs Zugaben, die sich je nach Auftritt ändern. Vielleicht auch ein Umgang mit seinem Alter, das ihn das gesetzte Programm vorsichtig gestalten lässt und dann die Freiheit lässt je nach Tagesform nochmal richtig aufzudrehen. ↩︎
    2. Ein erheblicher Teil des Publikums war russisch. Was die Frage aufwarf, „wie hältst du es mit dem Krieg, Grigori?“ Wir lernten im Nachhinein: Sokolov gilt als extrem verschlossen und äußerst sich seit Anbeginn aller Zeit zu nichts außer zu Klavierspielen. Aber er spielte Konzerte zugunsten humanitärer Ukraine-Hilfe und zu Ehren eines Anti-War activist Pianisten, hat zudem seit 2022 „aus besonderen Gründen“ die spanische Staatsbürgerschaft. ↩︎
    3. Yorck Unlimited No. 22 – damit 10,82€ pro Karte. ↩︎

  • 26-04-28 Jubilate Supercalifragilisticexpialidoso

    26-04-28 Jubilate Supercalifragilisticexpialidoso

    Aufwachen mit Sonne im Schlafzimmer; es ist auch in dieser Wohnung möglich. Am Bahnsteig eine sanft wippende Frau mit Überohr-Kopfhörern, die sich mit geschlossenen Augen der Sonne entgegenstreckte. Wo auch immer sie innerlich war, ich wäre auch gern an diesem Ort gewesen.

    *

    Madame war beim Konzert einer abhebenden Rhythmusgöttin in Tüllwolke. Da das Berliner Klavierfestival gerade Konzerte in einer Frequenz in unser Leben wirft, hinter der ich nicht hinterherbloggen kann, verweise ich auf poupoulab: Berliner Klavierfestival 2026. Sophia Liu

    *

    Madame brachte vom Osteuropa-Wunderland ein neues Experimentalgetränk mit: Rjaschenka. Eventuell ernähre ich mich in Zukunft nur noch davon.

    Immerhin können wir die Rjaschenka auch im Crocky selber machen: Homemade Slow Cooker Ryazhenka: A Nutritious Fermented Milk Drink

    *

    Der Puschefluffel fluffelt ab. Als Ausgleich dürfen wir derzeit über einen rosa Blütenteppich das Haus verlassen. Wenn Zugluft und Wind richtig stehen, haben wir ein kleines Blütenblattmeer im Treppenhaus.

    Als Nachfolgerin legt die Strauch-Lonicera los, auch in rosa. So spannend, diesen Parkplatz-Garten das erste Mal durch die Jahreszeiten zu beobachten.

    *

    Die Fernuni-Klausur Digitale Diversität ist bestanden. Die Note ist spektakulär schlecht. Aber der vorherige Arbeitsaufwand war auch spektakulär gering. Insofern erreichte ich das Semesterziel, das lautete: „Mit minimalem Aufwand bestehen.“ Hätte ich noch weniger Aufwand getrieben, wäre ich durchgefallen.

    *

    Es war ein theologischer Sonntag und ein erklärbärig-konzertanter Montag.

    Jubilate Deo, omnis terra

    Die Vaterunser-Gemeinde hatte zu, Gottesdienst Jubilate1 einen Jazz-Gottesdienst versprochen. Wir nutzten den unlatifundalen Sonntagmorgen, um in unserer Wilmersdorfer Gemeinde vorbeizuschauen. Angesichts der Ankündigung

    • erwartete Madame etwas Künstlerisches, Freejazziges frei Schwebendes
    • ich erwartete eine nicht-singende Gemeinde ohne Organist*in, bei der dann halt Manni aus dem Gemeindekirchenrat rumtröten muss, damit überhaupt Musik da ist

    Wir lagen beide falsch. Uns erwartete eine vier-Personen-Band aus Bass, Banjo, Posaune und winzigen Sopran-Saxophon, die im Laufe des Gottesdienstes fünf Dixieland-Kracher aufführte. Wie wir später erfuhren, sind die Bandmitglieder alle Ü75, wurden einst von einem schon lange nach Bayern gezogenen Temporärpfarrer in die Gemeinde gebracht, und insbesondere die Saxophonistin war auch musikalisch eine echte Wucht.

    What a show.

    Alle bekannten Anwesenden (= alle außer wir) wurden mit „Moin“ begrüßt, wir nicht ganz so informell, aber ähnlich herzlich, die Stimmung war im besten Sinne familiär, und beim anschließenden Kirchenkaffee wurden wir schon dreiviertel in die Familie integriert, mussten aufpassen uns nicht gleich im Überschwang der Gefühle zur Tanzgruppe Feuer und Flamme zu verpflichten.

    Württemberg ist nicht Berlin

    Der Sekt musste weg. Durch Bewegungen des Lebens fanden sich in unserem Kühlschrank noch fünf Flaschen Sekt. Da wir alleine zu zweit quasi nie Sekt trinken, und wir bei Besuch, der fünf gekühlte Sektflaschen gleichzeitig nötig machen, normalerweise Vorwarnzeit haben, waren die Flaschen fehl.

    Also gab es als Aperitif zum Besuch von Dr. D. und Dr. E. Pseudo-Kir-Royal mit Madames Sloe Gin und Sekt. Danach:

    • Best of Wilmersdorfer Osteuropa-Geschäft: Zweierlei vom Räucherfisch plus eingelegte Tomaten und grünen Salat.
    • Best of Latifundien: Spargelcremesuppe aus Spargel vom Hof und Croutons
    • Rhabarberauflauf

    Die Gespräche nahmen die übliche weite Runde, die mit diesen beiden immer zustande kommt: Vom Spaghetti-Eis 1988 im City Center Langenhagen über Bahnreisen in Marokko (empfehlenswert) und die Frage „Wie relevant ist Homosexualität beim Thema ‚Die-Bibel-zur-Diakonie’“?

    Einst wollte der Bezirk Wedding nicht mit dem Prenzlauer Berg zusammengehen, weil der Prenzlberg zu arm war

    Entdeckung: Pizza Kral in der U-Bahn-Unterführung Osloer Straße ist ein toller Laden für handgemachte orientalische Teigtaschen und Teiggerichte aller Art. Im Hintergrund kneteten, schoben und formten zwei junge Männer Pide, Börek, Lahmacun, Pizza und alles was das Herz begehrt, vorne verkaufte eine Frau, die die Großmutter der beiden sein könnte.

    Leider bin ich viel zu selten im Gesundbrunnen. Aber falls ich wieder dort bin, werde ich mir den erlesenen Ort am unwirtlichen Platz merken.

    Eine Gelegenheit endlich mal wieder in den Wedding zu kommen, bot meine derzeitige Teilzeittätigkeit als Digital-Erklärbär im Kombibad Seestraße2. Das Bad und mit ihm ziemlich viele Auszubildende hatten Fortbildungstag. Im Rahmen eines umfassenden Programms gewann ich den Slot „digitale Dateiablage und andere sexy Themen“ und ich glaube, die live-Evakuierungsübung „Chlorgasalarm“ war nur fast so spannend wie die digitale Dateiablage.

    Ich persönlich habe immerhin viel gelernt.

    Auch gelernt: in 18 Jahren Berlin war ich nie am Ort an dem die Mauer fiel, der Bornholmer Brücke. Auch dies ist jetzt nachgeholt.

    Habe ich es je bei einem Konzert erlebt, dass der Künstler bereits zur Pause mehrfach wieder auf die Bühne geklatscht wurde?

    In der U2, uns gegenüber zwei Frauen im festlichen aber ernsthaften Schwarz. Eine regte sich furchtbar auf, weil jemand anderes sich auf Facebook aufgeregt hatte, weil ein „falsches“ Stück gespielt worden war.

    Wollten sie etwas dahin wo wir auch hinwollten?

    Als sie mit uns die U-Bahn verließen und über den Gendarmenmarkt Richtung Konzerthaus strömten, war es klar: Ja.

    Madame nahm mich zu ihren neuen Freunden vom (räumlich) linken Rand des kleinen Saals im Konzerthaus mit. Noch tauschten sie keine Telefonnummern, aber nach vier Klavierkonzerten in fast identischer Publikumskonstellation waren sie kurz davor.

    Dieses begeistert musik-nerd-hafte beim Festival ist auch dieses Jahr eine große Show. Eine wunderbare Mischung aus wunderbaren Männern, die uns erzählen wie sie während Corona viele Sonaten durchgehört haben und der Frau im gehobenen Business-Dress, die mir entgegenkam, wie sie Bier aus der Flasche trank.

    In der Pause: Professor Transformation.

    Laut dem Economist ein Universalgenie

    Es spielte Stephen Hough, Commander of the British Empire, MacArthur Fellow, Fellow in Oxford und Cambridge, zum Ritter geschlagen. Das Konzert wäre eine Ansage gewesen, hätte Hough es noch nötig, Ansagen zu machen.

    Das war der Standard an dem sich alle anderen abarbeiten können. Ruhig, wo es ruhig gehört, atemberaubend schnell, wo es schnell gehört, immer in einer Lautstärke und zu einem Zeitpunkt, an dem ich dachte: Genauso ist es richtig und nicht anders.

    Andere mögen besonder schnell sein, oder besonders virtuos oder klangmächtig oder rhythmisch. Bei ihm hatte ich den Eindruck, er spielt einfach so wie es richtig ist.

    Dabei spielte er in einer Bewegungsökonomie, die mich denken ließ: „Noch ein paar Jahre, und er muss die Hände gar nicht mehr bewegen, dann reicht reine Gedankenkraft“

    Wo sich für mich alles am richtig richtigsten war: Im ersten Teil seine Brahms-Schönberg-Zusammenziehung3. Im zweiten Teil wurde er verspielter mit Schumanns Carnaval und eigenen Arrangements von Mary Poppins.

    Bei aller Souveränität, die er ausstrahlte, eigentlich scheint Hough ein humorvolles Spielkind zu sein. Hätte er nicht diese Seite in sich, könnte er diese Version von Supercalifragilisticoespialidoso weder komponiert/arrangiert haben und sie auch nicht spielen4.

    Und das war nichtmal die Zugabe.

    Immer etwas schönes vorhaben und ein Klavierarrangement

    Ich bin nicht überrascht, dass Stephen Hough einst bloggte. Zum Beispiel über die Toiletten in Singapur (hier bei Minute 1:48)

    *

    Ähnlich und auch nicht: Arztbesuche in Japan.

    *

    Ich muss noch ein wenig bei Hough bleiben, denn Youtube bietet auch sein „My Favoourite Things“ (bekannt aus The Sound of Music) Arrangement.

    *

    Regenwasserrückhaltebeckenfolienverlegung – als Blogpost noch besser denn als Wort.

    *

    Vor langer Zeit habe ich mich ja entschieden, dass meine Neigung und berufliche Perspektive nicht darin liegt, Neues zu erschaffen, sondern darin Bestehendes zu erhalten, zu verbessern und zugänglicher zu machen.

    Einerseits sehe ich wie sehr KI gerade in Tech-Berufen Kohorten von Software-Entwicklern in die Arbeitslosigkeit stürzt. Andererseits denke ich: Meine Güte, ich häuft gerade alle so viel technische Schuld und so unübersichtliche Systeme an. Wer in der Lage ist, sich in den AI-Slop hinein zu denken und die echten Fehler zu finden – vor dem liegt in ein paar Jahren eine goldene Zukunft. Beweisstück Nr. ziemlich viele: Do I belong in tech anymore?

    *

    „Immer etwas Schönes vorhaben und etwas Leckeres zu essen.“

    Anmerkungen

    1. Im Kirchenjahr der dritte Sonntag nach Ostern, benannt nach dem liturgischen Vers des Tages, Psalm 66,1: „Jubilate Deo, omnis terra“. ↩︎
    2. Das zum 1. Mai, also in drei Tagen, die Freibadsaison eröffnet. Hingehtipp, die sind da super. ↩︎
    3. Brahms: Klavierstück es-Moll op. 118 No. 6 Intermezzo & Arnold Schönberg: Sechs kleine Klavierstücke ↩︎
    4. Youtube denkt mit und brachte mir direkt danach Beethovens Waldstein-Sonate, auch Teil des Konzertprogramms, die ich in Teilen direkt bei Supercalifragilisticexpialidoso hören lässt. ↩︎

  • 26-04-25 Das Klappern der Grasmücke

    26-04-25 Das Klappern der Grasmücke

    Madame sah den Parkplatz-Fuchs wieder. Sie sah den Nachbarschaftsfuchs, den wir in der eisigen Eiseszeit im Januar verloren glaubten. Sie lief abends die Treppe zum Parkplatz hinab, der Fuchs verschwand vor ihr ins Gebüsch. Ich jubiliere.

    **

    Eine U-Bahn-Mitfahrerin in Höhe Blissestraße informierte empathisch ihr Mobiltelefon: „Lukas, darüber werde ich jetzt nicht diskutieren! Es ist mir Scheißegal!“

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    Im BPAF waren Rolltreppen-Handwerker*innen unterwegs. Vermutlich. Zumindest war die Rolltreppe geöffnet. Aus ihrem Inneren klangen Geräusche, die Handwerker*innen für gewöhnlich beim Handwerken machen.

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    Die Fernuni lädt mich zur Alumni-Feier in die Ufa-Fabrik, 300 Meter von meiner Ex-Arbeitgeberin entfernt, die mich zum Fernstudium inspirierte. Es wird das Saxophonquartett Quadrophon begleiten.

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    Es war ein Arbeits-Schwimm-Freitag, ein halblatifundaler Samstag und ein Arthouse-Donnerstagabend.

    Zwei Bücher über eine Stadt im Wald

    Eher unwillig durchblätterte ich einen unerquicklichen Reiseführer für Litauen. Er war dünn, ich war durchgeblättert bevor ich aufgeben konnte. Warum veröffentlichen Menschen Bücher, die keine Lust auf Schreiben haben? Meine Hoffnung hing am nächsten Buch, das Madame mir aus der Bibliothek mitgebracht hatte:

    Tomas Venclovas Vilnius – Eine Stadt in Europa.

    Alleine schon der erste Satz:

    Der Raum, in dem meine Stadt sich angesiedelt hat, hat keine klaren Grenzen.

    Ich atmete ein, breitete innerlich die Arme aus und ließ mich in den Text fallen. Ich bereute es nicht. So viel klassisch osteuropäische Gelehrsamkeit, soviel Wärme trotz kritischem Denkvermögen. Dieses Buch ist ein Traum.

    Ein Bungalow im Feld

    Mein Geist wandert ab und an Richtung Sommer. Mein Herz lebt im Frühling.

    Aus den Augenwinkeln sah ich beim Rasenmähen1 eine Taube elegant einen halben Meter über den benachbarten Acker gleiten. Später rüttelte die Taube über dem Acker. Ich beschloss, dass die Taube wohl ein Turmfalke war.

    Die Sonne schien, letzte Woche hatte es geregnet, und der Frühling kannte kein Halten mehr.

    Schon bei der Ankunft in den märkischen Hamptons begrüsste uns ein wild singender Vogel. Da es kurz vor Mitternacht war, war es wohl eine Nachtigall und keine Amsel.

    Ein ausuferndes Vogelkonzert begleitete unsere Wege bei Sonnenlicht.

    Besonders fiel mir ein Schmettern auf – ich bedankte mich beim Handy, dass mir innerhalb von einer Minute sagte, dass das Schmettern in Fachkreisen als Klappern (wie das einer Mühle) bezeichnet wird, und klares Anzeichen für die Klappergrasmücke ist.

    Später: Ein Schatten zog über mich. Ich schaute hinauf: Ein Storch kreiste keine Zehn Meter über mir. Später: Ein Schatten neben mir. Ein bisher unbekannter Nachbar hatte sich neben dem lauten Rasenmäher angenähert, fragte, ob er WD40 für ein Anhängerkupplungsschloss leihen kann.

    Erstaunlich, wie die Schlüsselblumen nach Jahren des Zögerns, sich doch entschieden, den Garten zu mögen und sich auszubreiten.

    In der Pseudowiese2 nimmt der Löwenzahn das Gelb der Narzissen auf und tupft diese mit gelben Punkten. In der echten Wiese wachsen die Blätterbüschel der Knautien empor und versprechen den Sommer.

    Erstaunlich, dass die eine rote Tulpe unter dem Rotdorn sich im Laufe weniger Tage in drei rote Tulpen verwandelte. Wir beide könnten schwören, dass auch 2025 dort nur eine Tulpe stand.

    Erstaunlich, wie viele Blüten das kleine Bäumchen der Köstlichen von Charneaux tragen kann.

    Während die Mirabelle schon durch ist, beginnen die Äpfel das volle Programm zu fahren. Zurzeit sind sie halb rose Knospe, halb weiße Blüte. Bällebad ist nichts dagegen.

    Yevgeni

    Kulturelles Überangebot führte Donnerstag zum Split. Während ich Richtung Kreuzberg ins Kino verschwand, fuhr Madame nach Mitte-Mitte ins Konzerthaus zum Berliner Klavierfestival.

    Yevgeni Sudbin spielte Bachs Fantasie & Fuge a-Moll BWV 904, Skrjabins Sonate Nr. 10 op. 70, Chopins Ballade Nr. 4 f-Moll op. 52, Bach-Rachmaninovs Prélude, Gavotte & Gigue aus der Violin-Partita Nr. 3, Scarlattis Sonaten K. 466, K. 208 und K. 455 und Tschaikowski-Sudbins Fantasie-Ouvertüre zu Romeo & Julia.

    Ich will nicht sagen, dass sich Routine einstellte, oder dass Sudbin jetzt nicht von Eckhardstein heranreichte. Aber sie leuchtete nicht ganz so sehr. Während fast ein Zwischenstück, Skrjabins Sonate Nr. 10 op. 70, sie bis in den Kern bewegte, blieb sie beim eigentlichen Hauptstück des Abends, der Ouvertüre zu Romeo & Julia reservierter.

    Beeindruckend, wahrlich beeindruckend, wie Sudbin die Klangbreite eines kompletten Orchesters von den Flöten über die Streicher bis zum schweren Gerät nur mit einem Klavier erzeugen kann (Hier eine ältere Aufnahme von Sudbin mit demselben Stück)

    Trotzdem konnte sie sich des Kommentars nicht erwehren, dass es ja heutzutage schon Tonaufnahmen gibt und es eigentlich nicht mehr nötig ist, komplette Orchestersätze nur für Klavier zu arrangieren.

    Vera

    Nach dem IMAX-Ausflug vom Montag, war ich zurück in meiner Arthouse-Kuschelwelt3. Es ist eine Welt, in der mensch an einem komplett normalen Donnerstag einen großen Kinosaal durch einen Schwarzweißfilm von 1944 ausverkauft bekommt. Wie schön.

    Laura (Regie: Otto Preminger) lief in der Yorck-Reihe Boulevard Noir im großen Saal im Yorck Kino und war ein Highlight dieser an Highlights reichen Reihe.

    Murder is my favorite crime

    Ein Vergleich mit dem kürzlich gesehen Maltese Falcon drängt sich auf. Beides sind Klassiker des Genres, die vor allem zeigen, wie sich schöne, beneidenswert gut angezogene, Menschen in stilvollen Innenräumen Dialoge zum Auswendiglernen an die Ohren werfen.

    Der Falke spielt in San Francisco, Laura in New York. Beim Falken geht es am Ende um einen Schatz aus dem ausklingenden Mittelalter, bei Laura um den klassischen Femizid. Der Falke ist vermutlich der ikonischere, cleverere, gewitztere der beiden Filme mit den besseren Schauspieler*innen; Laura der klügere und meines Erachtens bessere Film.

    I don’t use a pen. I write with a goose quill dipped in venom.

    Dabei möchte ich den Klassiker Maltese Falcon auf gar keinsten Fall schlechtreden – es ist ein großartiger Film. Aber er bietet sich zum Vergleich an. Wo der Falke alles auf Humphrey Bogart zentriert, er ist die schönste Figur im Film, hat die komplette Bildschirmpräsenz, ist der Good Guy und derjenige mit den coolen Sprüchen, kreiert Laura ein Ensemblestück:

    Der Typ mit den großartigen Sprüchen ist jemand anderes als der Detektiv und wieder jemand anderes ist die schönste Person. Wer die höchste Bildschirmpräsenz, ist streitbar. Aus einem Ensemble, das im Falken um die Sonne Bogart kreist wird in Laura ein instabiles System mehrerer Kraftzentren stets zwischen Explosion und Kollaps.

    Wo der Falke schon mit einer reichlich abstrusen Geschichte anfängt, der Schatz des Malteserordens, und sich dann voll in in diese Absurdität hineinwirft, nimmt Laura die allgegenwärtigste aller Mordgeschichten, der Besitzergreifende Ex-Nicht-mal-Liebhaber war’s, und webt darum ein kunstvolles Netz der Irrungen und Wirrungen. Im Falken spielen Figuren, bei Laura sind es Menschen.

    I never have been and I never will be bound by anything I don’t do of my own free will

    Nur halb war ich dann überrascht, dass der Ursprungstext von Laura von Vera stammte. Überrascht, weil ich nicht gedacht hätte, dass Hollywood 1944 eine Frau an derart prominenter Stelle kommen ließ. Nicht überrascht, weil sich der Film weiblich gedacht anfühlte.

    Vera Caspary, die Frau, die das Buch zu Laura schrieb, ist eines Films würdig. Tochter russisch-deutsch-jüdischer Einwanderer verdiente sie ihr erstes Geld, indem sie den fiktiven „Sergei Marinoff School of Classic Dancing“ Fernlehrkurs und andere Fernlehrkurse erfand von deren Themen sie wenig verstand.

    Zeitlebens hielt sie und sich selbst und ihre Mutter durch fragwürdige Copywriting-Jobs am Existenzminimum am Leben haltend bis sie ihren ersten Erfolg hatte, und die Geschichte Thicker Than Water an Paramount verkaufte. Dieselbe Geschichte verkaufte sie mit kleinen Abwandlungen noch achtmal an andere Abnehmer.

    Ihr Leben blieb bewegt, Erfolg mit Laura, Pleite mit Investitionspech, Blacklisting in der McCarthy Ära, und schließlich ein Leben als mäßig erfolgreiche Romanautorin.

    Laura Hunt: But you write about people with such real understanding and sentiment. That’s what makes your column so good.
    Waldo Lydecker: Sentiment comes easily at 50 cents a word.

    Auto Anker Buch Bus

    poupou war beim Berliner Klavierfestival und sah Yevgeni Sudbin: Berliner Klavierfestival 2026. Yevgeny Sudbin

    *

    Holger und Angela ankern in der Biskaya: AZ13 – Ankern in der Ria de Cedeira

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    Merken für Potsdam: Die Linie 603 wird auch als Cecilienhof-Linie bezeichnet. Unterwegs kann man die Französische Kirche, das Holländische Viertel, die Gotische Bibliothek, den Treffpunkt Freizeit und den neuen Garten sehen, außerdem das 7. Städtchen, das Fontane-Archiv und enorm viele Villen. Und man muss nicht mal aussteigen, das ist ein Rundkurs. Zwischendurch ist allerdings das Pflaster so schlecht, dass es einem fast die Plomben aus dem Zahn haut.

    *

    Nichts ist mehr Entertainment als Autowaschstraße: Auto waschen.

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    Zum Welttag des Buches. Der Kaffeehaussitzer blickt auf seine detaillierte Prognose aus dem Jahr 2016 „Der Buchmarkt der Zukunft“ zurück: Im März 2016 erschien ein Text von mir in der Zeitschrift »Streifband«, dem Magazin des Studienganges Buchherstellung an der HTWK Leipzig. Er trug den Titel »Kaffeesatzlesen für die nächste Dekade«. Ich war gebeten worden, einen Beitrag über die Zukunft der Buchbranche zu schreiben

    Anmerkungen

    1. Anmähen für 2026 ↩︎
    2. In der echten Wiese – also dort wo wir nur einmal im Jahr mähen, wächst kein Löwenzahn mehr. Dieser wächst nur auf den Mähwegen und -flächen, die regelmäßig kurz gehalten werden. ↩︎
    3. Yorck Unlimited No. 21. Damit 11,33€ pro Besuch und damit auch preiswertertester als die Online-Karte in den B-Kinos. Oder anders gesagt: Preiswerter als jede reguläre Eintrittskarte. ↩︎
  • 26-04-18 Ayran in der Wilhelmsaue

    26-04-18 Ayran in der Wilhelmsaue

    Rückwärts einparken für Kreative: Einfach aussteigen und das Auto mit der Hand am Lenkrad schieben.

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    Am Pavillon von Currywurst Ruhige Tag blinkt und leuchtet eine Eisdiele. War die schon immer da und ich habe sie jahreszeitbedingt nur nie gesehen? Oder ist sie jahreszeitbedingt erst jetzt aufgetaucht?

    *

    Noch viel mehr blinkte und glitzerte ein mir bisher unbekanntes Schaufenster: Wirbelwind Sportbekleidung spezialisiert sich auf Rhythmische Sportgymnastik, Eiskunstlauf, Turnen. Ein dementsprechender Traum in Pailetten schmückt ihr Schaufenster.

    *

    Wahrend ich dies schreibe, signalisiert Madame ein Bild vom Frankfurter Hauptbahnhof. Sie erkundete die letzte Woche wieder einmal Ettenbühl und bringt im ICE278 Rosen sowie organischen Dünger mit. Vielleicht sichert ihr das letztere einen Einzelplatz.

    *

    Es war ein strohwitweriger Wilmersdorfer Wochenendauftakt.

    Am Schreibtisch

    Vor die Wilmersdorf-Exkursionen hatte die Welt meinen Schreibtisch gesetzt.

    Als lahmender letzter Juror des Wikipedia-Schreibwettbewerbs stellte auch ich meine Artikel-Shortlist zusammen, so dass wir jetzt beim Jurywochende eine spannende Artikelauswahl haben, über deren Platzierungen wir streiten können.

    *

    Da die Fernuni Hagen in diesem Sommersemester 2026 das letzte Mal gedruckte Unterlagen ausschickt, rang ich mich zu einer Entscheidung durch, welche Module ich in den kommenden Semestern wohl belegen können wollen würde und belegte noch vier neue:

    Gerade die Informatiker machten es mir nicht leicht. Fast alle ihrer Module werden in den nächsten Semestern verschwinden oder komplett überarbeitet werden. Auch nur eine mittelfristige Planung mit diesen Modulen ist fast unmöglich.

    Um am über die Wilhelsaue herum

    Die erste Attraktion des Ortes kann ich vom Schreibtisch aus sehen. Der rosa Fluffelpuschel, aka die Zierkirsche, steht an einem Schleichweg für Anwohner*innen. Und jede*r zweite zückt zweifellos zögerungsfrei zurecht das Telefon für ein Foto. Die können wir dann sehen und uns am Anblick erfreuen.

    Aber eigentlich sollte es weiter in den Ort gehen.

    Damit das Amt uns finde

    Zu diesen Alt-Wilmersdorf-Exkursionen hatte mich das Bürgeramt angestiftet. Schon bei unserer Ummeldung hatte uns die Sachbearbeiterin aufgrund unserer speziellen Adresse informiert, dass es wichtig ist, dass Behördenpost ankommt. Sonst geht die Behörde davon aus, dass wir dort nicht wohnen, löscht die Anmeldung, womit auch die Autoanmeldung.. und so, alles unschön.

    Nun haben wir langsam die deutsche Post erzogen, unseren Briefkasten zu finden. Leider nutzen Berliner Behörden aber nicht die deutsche Post, sondern PIN. Und ob PIN in der Lage ist?

    Also wollen wir das Lernprogramm für Briefausträger*innen fortsetzen: Wir schicken uns selber Briefe an die neue Adresse mit dem Zusatz „Schwimmbad!“ Irgendwann wird die PIN-Briefträger*in es merken und hoffentlich bei genügend Briefen dauerhaft in Erinnerung behalten, dass diese Adresse existiert.

    Also brauchen wir Briefe. Dafür brauchen wir Briefmarken. Von PIN; die es online nur in 100er-Mengen gibt. Also brauchen wir eine Verkaufsstelle. Die nächste Verkaufsstelle ist der Edeka Berliner Straße am Ende der Wilhelmsaue; der sich als wahrhaftes Supermarkt-Wunderland mit 24 Stunden Öffnungszeit herausstellte, und die Kassiererin fand am Ende auch unter der Kasse die Briefmarken.

    Vorher aber hatte ich schon wilmersdorfgewandert.

    Grüner PIN Briefkasten inmitten einer Baustelle

    Am Stein

    Auch sechs Monate nach Einzug bietet die Nachbarschaft jede Menge Möglichkeiten zur Entdeckung. Zumal wenn sie sich plötzlich im Frühlingskleid zeigt, Menschen auf die Straße gehen, die Trattoria die Tische nach draußen räumt und die Grünflächen gleich einladender wirken.

    Ich entdeckte einen neuen Banksitzplatz unter dem Baum am Gedenkstein für den ehemaligen Ortskern. Ein Traum in der Abendsonne, kaum zu glauben in seiner Idylle und doch durch bemüht nach einem Parkplatz suchende Autofahrer*innen nicht ohne Unterhaltung.

    Mein Telefonat von dieser Bank aus wurde derart von einer singenden Drossel übertönt, dass dies Vögelzwitschern den Kaptain am anderen Ende dauerhaft irritierte.

    Der Karaoke-Keller

    Madame schickte mir einen Veranstaltungshinweis für Freitag Abend: Am 17. April sorgt DJ BigBaer wieder für Stimmung bei Jung und Alt mit seinem Karaoke-Abend.

    In Wilmersdorf ist die Welt noch in Ordnung. Hier existiert noch ein reges Gemeindeleben in der evangelischen Auengemeinde, das nicht nur Mitglieder des RIAS-Kammerchors in die Kirche bringt, sondern auch DJ Big Baer in den Keller des Gemeindehauses.

    Ich hätte große Lust, aber trau mich alleine nicht dorthin. Zumal ich immer noch versuche die hartnäckige Langzeiterkältung loszuwerden, die Abendexzesse verbietet.

    Dann lieber tagsüber unterwegs.

    Auenkirche hinter Auenaue

    Die Waffle-Brothers-Auswechselbank

    Während ich am ehemaligen Wilmersdorfer See entlangschlenderte, der sich im 20. Jahrhundert in Sportplätze verwandelt hatte, fiel mir aufgrund des Gejohles von der Seitenlinien auf, dass ein wahrhaftiges Fußballspiel stattfand. Es spielte Weiß-mit-blauem-Muster gegen Blau-mit-leuchtend-gelber-Ärmelapplikation; Jugendmannschaften der Optik nach.

    Ich blieb stehen, ich bemerkte das erste mal, dass auf dem Sportplatz nicht nur Wechselbänke stehen, sondern diese vor allem vom Freund der snackenden Jugend, den Waffle Brothers gesponsert werden.

    Etwas später konnte ich Vereinsnamen lesen: Delay Sports (weiß) spielte gegen BFC Alemannia 90 (blau). Und dann staunte ich, weil Delay nicht nur irgendein Verein ist, sondern ein neumodischer 2021 von Twitch-Influencern-gegründeter-Verein mit large Internet following. Daher vermutlich auch die Waffle Brothers. Dieser Verein wohnt wirklich auf dem Kunstrasensplatz Blissestraße an dem ich gerade vorbei ging.

    Gänzlich zu Hause wurde ich dann ganz schlau: Ich hatte den 2:1 Sieg der Alemannia C-Jugend über Delay Sports in der Bezirksliga Berlin Staffel 3 gesehen. Delay bleibt aber Tabellenführer und wird vermutlich in Staffel 2 aufsteigen.

    Eine U-Bahn-Station weiter

    Der „Thaipark“ mit Asia Streetfood. Oder wie eine junge Frau mit vor Freude sich fast überschlagender Stimme meinte: „Ich hatte soo gehofft, dass du auch Hunger hast.“

    Zementsack Lächelparade

    Vielleicht bekommt Berlin eine neue Sehenswürdigkeit: Den Zemetsack. Dieser illegal entsorgte Sack wurde, soweit nicht überraschend, seit 17 Jahren nicht entsorgt. Dies wurde, soweit überraschend, aber von einem Anwohner verfolgt und versucht zu ändern: Saubermann 007 und sein Kampf gegen das vermüllte Berlin: Warum liegt der Zementsack seit 17 Jahren am selben Ort?

    *

    Das Elsass und drumherum bekommt ein Wochenendticket. Die Region Grand Est, also der Teil Frankreich an der deutschen Grenze, führt den Pass Groupe Week-End mit dem bis zu 5 Personen für 40 Euro das Wochenende durch Grand Est fahren dürfen. Wann bin ich wieder Baden?

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    Erinnert sich noch jemand an das Affen-Selfie. The BBC does: This monkey selfie will protect you from AI slop

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    Turkuer Schnipsel

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    Beim Umarbeiten finde ich heraus, dass die Landesregierung Nordrhein-Westfalen einen “Arkanbereich” hat! Sofort denke ich Harry Potter, Gandalf, Merlin, magische Bücher und Zauberstäbe. Magischer Staub, der schnödes Papier in herrliche Digitalisiate verwandelt, liegt hier in der Luft. Ledergebundene Bücher murmeln leise im Dunkeln uralte Formeln, ein Rabe krächzt und eine Kristallkugel leuchtet.

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    Sagen wir einfach, ein bis zwei Hundertschaften der hanseatischen Promenierbevölkerung gehen hier vorbei. Eine Lächelparade des Wohlwollens. Und die Tanzenden, sie bekommen das kaum mit. Sie sind doch so sehr damit beschäftigt, sich anzusehen.Was aus meiner Sicht auch vollkommen der althergebrachten Ordnung entspricht.