Schlagwort: Pergola

  • 24-03-19 Pfeilspitze Pergola

    24-03-19 Pfeilspitze Pergola

    Das Strandbad Wannsee öffnet traditionell am Karfreitag. Dann findet dort ein halbes Jahr Remmidemmi statt, bevor das Bad wieder in seinen winterlichen Dornröschenschlaf fällt.

    Strahlend blauer Himmel lässt heiße Sommertage vorahnen. Ein Mittel gegen die Hitze ist zum Beispiel eine Pergola. In einer vortrefflichen Weltkulturvariante steht eine solche in Breslau. Weniger spektakuläre Varianten sind aber auch für den Garten denkbar.

    Das Café am Südkreuz nimmt Gestalt an. Ein Schild kündigt an: Café Exclusive. Was gibt es vertrauenswürdigeres als eine Gastro, die sich selbst als exklusiv bezeichnet?

    Im leerstehenden Laden des ehemaligen Klavierbauers sind Handwerker unterwegs.

    In Gang C der Südkreuz Offices wurden Blaumänner und Helme verteilt.

    Professor Transformation feierte Geburtstag. In einem Kreuzberger Hinterhof wurden Vitello Carciofato, Artischoken mit Stracciatella und Pistacci, Crostino von der Milchkalbsleber, Suppli romani, Gnocchi mit Gorgonzolasauce, Kaninchen alle Cacciatore, Parmigiana und Passionsfrucht-Mousse serviert.

    Wir führten anregende Gespräche über das Connewitzer Kreuz, die Commerzbank-IT, darüber wie Norweger*innen Freunde finden, Hans Fallada, Lebenspartner aus Kasachstan, Bach-Kantaten, Claudia Roth und die Stasi-Unterlagenbehörde, Münchner Schwimmbäder sowie „My ex-boyfriend. As stupid as a cactus.“ . Am Ende wurden italienische Schlager gesungen.

    Interessant der hohe Prozentsatz Menschen unserer Alters, die studierten, dann in der „freien Wirtschaft“ arbeiteten und vor wenigen Jahren in den öffentlichen Dienst wechselten. Der Lebensweg der halben Generation X, deutsche Version.

    Ein gebrauchtes Fachbuch zum Haus vom Nikolaus landete in diesem Haushalt. Es handelt sich um Domschke/Scholl: Logistik: Rundreisen und Touren. Ausweislich der handschriftlichen Anmerkungen im Buch kam das Vorbesitzer*in nie über Kapitel 1 Abschnitt 1 hinaus.

    Schenken, Spielen, Werken verkauft die guten französischen Karohefte.

    Ein Ginster, zwei Ginster

    Madame hat gute Gummischuhe.

    Der latifundale See schrumpft. Ebenso wie der Wasserstand im Revisionsschacht. Inzwischen liegen die eigentlichen Armaturen schon wieder oberhalb des Wasserspiegels.

    Wir genoßen die Sonne und ließen Rombitombi auf dem Schlafboden in den Abgrund blicken. Madame führte Gartenzaungespräche über Rechtsschutzversicherungen.

    Die Kraniche wurden mehr – wenn auch nicht mehr direkt hinter dem Grundstück. An den Taubnesseln summten erste Bienen. Der Zierapfel bildet kleine Blätterchen aus, Knospen allüberall.

    Madame erinnerte sich, dass wir Sailboats vergraben hatten. Merken für den Herbst: Am Obstbaumweg ist etwa ein Meter Lücke auf Höhe der alten Birne.

    Zwischen Flieder und Abelie buddelten wir einen einen Zweitginster ein – dieser soll rot blühen.

    Bodenperspektive-Blick auf Ginstertrauch im Gegenlicht die untergehende Sonne.

    Briefumschlagszeichnungsübungen

    In der Modelliersprache BPMN wird eine eingehende Nachricht durch einen weißen Briefumschlag in einem Kreis gekennzeichnet.

    Ein schwarzer Briefumschlag in einem Doppelkreis stellt eine ausgehende Nachricht dar.

    Beides ist gar nicht soo einfach zu zeichen. Und da ich bei der Klausur auf Zeit ein erkennbares BPMN-Diagramm anfertigen werde, übe ich nun erkennbares schnelles Zeichnen von Briefumschlägen in Kreisen.

    Überhaupt male ich Diagramme. Geschäftsprozesse wollen modelliert werden ebenso wie Objektrelationen.

    Schön, wenn das Arbeitsleben soviel Geschäftsprozesse und potenzielle datenbankfähige Elemente bereitstellt, dass die zu modellierenden Gegenstände nie ausgehen. Größtes Problem bisher: die Pfeilspitzen. Die sind je nach Form (gefüllt, dreieckig, bestehend aus zwei Strichen) mit verschiedenen Bedeutungen versehen. Und da das ganze Diagramm eh von links nach rechts und von oben nach unten gelesen wird, neige ich dazu, die Spitzen komplett zu vergessen: ist ja offensichtlich. Aber wird trotzdem Punktabzug.

    Donnerstag um 13:45h werde ich für dieses Semester durch sein mit dem Klausurieren – und langsam ist auch mal gut.

    Mark the eggs as scrambled with a jelly pack

    Ich bin fasziniert: Wie Waffle-House-Angestellte eine Bazillion verschiedene Bestellungen mit Hilfe von Marmeladenpackungen, Ketchuppackungen, Servieten und anderen Kleinigkeiten auf dem Teller zur späteren Zubereitung markieren. Da staunt der Prozessmensch und der Kommunikationsmensch in mir: Waffle House’s Magic Marker System

    Das letzte im Leben, was ich mir kaufen würde, wäre eine Gedenkmünze. Aber wenn Gedenkmünze, dann die 5-Euro-Hainschwebfliege. (via Treibsand)

    Einst verbrachten wir ein Wochenende in einem Hotel gegenüber dem alten Frankfurter Polizeipräsidium. Eva Farniente hätte einen Gastotipp für uns gehabt: das Toh Thong.

    Frau Kraut und Rüben reiste von Antalya nach Zypern: Alles legal – όλα νόμιμα

    Kellerkind begrüßt 2024 transzendent.

  • 23-08-27 Der letzte James Grieve (Sechsbindige Furchenbiene)

    23-08-27 Der letzte James Grieve (Sechsbindige Furchenbiene)

    Madame las einarmig Kant.

    Zwei Gärten weiter wurde ein Kindergeburtstag gefeitert. Zum Abschluss gönnten sich die Eltern zwei Lieder der Rammstein GbR in Siedlungslautsstärke.

    Madame zeichnet Pergolen. Beziehungsweise – da auch Zeichnen einarmig schwierig ist – überlegt sie an Zeichnungen, die sie zweiarmig anfertigen kann, sobald die Orthese verschwunden ist.

    Ungeahnte Zustände herrschten im Bungalow. Wir suchten Jacken und Socken! Der Sonnenschirm blieb im Schuppen. Wir schlossen Fenster, bevor es zwingend notwendig wurde. Irgendwann sagten wir „Es wird kühl, wir könnten jetzt reingehen.“ Ich konnte am hellichten Tag von der Terrasse zum Apfelbaum laufen, ohne das Gefühl zu erleiden, an Hitzschlag zu sterben. Es gab wieder Essen zu normalen Zeiten, weil ich mich vor 20 Uhr zu seiner Zubereitung aufraffen konnte. So herrlich.

    Die Kaffeegartenrunde musste nicht mehr im Halbschlaf durchgeführt werden, weil es sonst zu heiß würde. Prompt entdeckte ich ein neues Insekt: Wespenartig, aber länger und schlanker und mit auffallend weißen Binden. Nach längerem Suchen in Büchern und dem Netz: Anscheinend ein männliches Exemplar einer Sechsbindigen Furchenbiene. (Halictus sexcinctus)

    Von mir übersehen, aber von Madame entdeckt: Eine Tarn-Libelle.

    Braun-weiße Libelle an braun-weißem Pflanzenstängel

    Überhaupt: Angesichts dessen wie trocken die Latifundien eigentlich sind, fliegen erstaunlich viele Libellen vorbei.

    Auch überflogen: Kraniche. Ist schon die Zeit des Rückflugs?

    Madame möchte mehr Gaura. (Auch sehr schön, aber mit einer Schönheit, die sich nur schwer auf Fotos bannen lässt).

    Dem Blog entnahm ich, dass wir vor genau einem Jahr auf Helgoland waren. Spontan schaue ich, ob es eigentlich Bildungsurlaub gibt, der auf Helgoland stattfindet: Gibt es. Aber die Themen finde ich öde.

    Dem Blog entnahm ich, dass wir letztes Jahr am 11. September die Alkmene-Äpfel ernteten. Das wäre ein Plan für dieses Jahr. Vorausgesetzt, wir finden die fünf Äpfel ganz oben am Baum wieder. So ist mit den Äpfeln: Letztes Jahr gab er uns noch eimerweise Ernte, dieses Jahr keine. Dafür trägt James Grieve.

    James Grieve, der Apfelbaum, der dieses Jahr immer gibt. Wieder gab es einen Fallapfelcrumble. Es wird der letzte gewesen sein. Wir beschlossen: die Sommeräpfel sind reif. jetzt wird geerntet.

    (Einschub: Vielleicht sollte ich auch den von mir selbst geschriebenen Wikipedia-Artikel zum Apfel öfter lesen. So einiges erschien mir gerade komplett neu.)

    New Orleans / Grünheide

    Dafür gelesen: Tony Fenelly: Robins Hochzeit. Der letzte Band der Matty-Sinclair-Trilogie. Einerseits weniger gelungen als die beiden Bände zuvor, andererseits besser.

    • Weniger schön: Die Handlung ist in ihren Themen ambitionierter. Aber damit der Plot das hinbekommt, rumpelt seine Konstruktion erheblich und die Glaubwürdigkeit der Handlung wirkt mehr als einmal fadenscheinig.
    • Die Romane spielen in den 1980ern in der schwulen Halbwelt von New Orleans. Dort kommen viele Begriffe vor, die das Standardamerikanische nicht kennt und schon gar nicht das Standarddeutsche. Mir war zuerst eine deutsche Übersetzung in die Hände gefallen, und die zog mich in ihren Bann. Ich weiß gar nicht, ob die Übersetzerin Mechthild Küpper die damalige Szenesprache nutzte, oder ihren eigenen Jargon erfand. Es gab so einen ganz gewissen Sound. Der dritte Teil hat einen anderen Übersetzer, der deutlich näher am Standarddeutschen schreibt: Womit das Buch noch mehr holpert als nur durch den Plot bedingt.
    • Spannend: Ein Krimi, in den 1980ern geschrieben und veröffentlicht, der sich mit der Frage auseinandersetzt: Wie ist es denn nun, wenn Schwule unter den damaligen Bedingungen einen „Bund für’s Leben“ schließen wollen? Was ist möglich und wie sieht es mit dem Selbstbild aus?
    • Chilling: Eine Szene im Kitt’s, eine Art schwuler Gentlemen’s Club in New Orleans mit Séparées im Obergeschoss für ihr-wisst-schon-was. In dem Club taucht als Nebenfigur eine verhärmte Gestalt auf, die Wunderheilungen gegen AIDS nachjagt. Wenn man weiß, wie sehr AIDS in den 1980ern die gesamte Subkultur zerstörte und dass genau solche Clubs Opfer von AIDS wurden – nur eine kurze Szene, ohne weitere Relevanz für die Handlung. Aber für mich nachdrücklich.

    Beim Radio-DAB-Durchzappen über eine wunderlich-schöne Austropop-Sendung gestolpert. Mit Georg Kreisler, der EAV, Reinhard Fendrich und Hubert von Goisern. In einer Individualität der Anordnung wie ich sie nur aus den Anfangsjahren des deutschen Privatradios erinnere, oder aus den stets schwindenen Nischenfenstern im ÖR-Rundfunk. Oder halt aus selbstgemachten Sendern wie Radio FSK (Hamburg) oder dem Offenen Kanal Westküste (Dithmarschen). Dafür allerdings wirkte die ganze Austropop-Sendung viel zu professionell.

    Gefunden: Es sendet Radio Ginseng. Aus Grünheide bei der Tesla-Fabrik Berlin. Ein Radio das von sich sagt: „Radio Ginseng – das sind reife und sehr reife Menschen, die Sendungen produzieren“. Es hat im positiven Sinne alle Offenheit und Individualität von unkommerziellen Radio, aber in einer Professionalität, die ich dort noch nie so hörte.

    Von Vergessenem

    Madame las nicht Kant, sondern Michael J. Sandel über Kant. Komplett vergessen hatte ich, dass ich in meinem Studium politischer Philopshie natürlich auch einst Sandel und seine Rawls-Kritik las. Komplett aus den Augen verloren. Jetzt ist er in Harvard und war „einflussreichster Ausländer in China.“

    Über vergessene Künstler schrieb der Guardian: „‘That’s it? It’s over? I was 30. What a brutal business’: pop stars on life after the spotlight moves on“ (Gefunden via Anke Gröner)

    Anke Gröner schrieb auch einen Wikipedia-Artikel.

    In Südfrankreich war es noch heißer als in Berlin oder in Italien.

    Kellerkind war in Wittenberg.

    Karens Europa-Nachtzugreise machte Zwischenstation in Athen.

    Herr Rau bloggt Tagebuch.

    Zu recherchieren: Hat Kant je etwas zum Königsberger Brückenproblem geschrieben?

  • 23-07-15 Breslau in (Nieder)schlesien

    23-07-15 Breslau in (Nieder)schlesien

    „Unsere“ Tramhaltestelle Narodowe Forum Muzyki wird in der Tram mit ihrem Namen und einigen Sekunden Geigenmusik angesagt. Ich finde das sehr charmant.

    Als ich in den 1980ern in Westdeutschland in die Schule ging, besprachen wir Herrn von Ribbeck aus dem Havelland. Das Havelland war ein fernes Reich im irgendwo, zwischen Timbuktu und Shangri-La und dem Königreich der Brüder Löwenherz. Weg, hinter dem eisernen Vorhang verschwunden, ins Nichts abgetaucht.

    Diese Bildungslücke schloss ich inzwischen. Der Bungalow steht in den Randgebieten des Havellands. Aber ich stelle fest, So ähnlich wie einst mit dem Havelland geht es mir heute mit Schlesien.

    Ich wusste nichts! Also das Wrocław/Breslau einst zu Deutschland gehörte, war mir natürlich schon irgendwie bekannt, aber was das für einen Einfluss auf die deutsche Kulturgeschichte hatte, da war nichts. Ich weiß immer noch nichts, aber wenigstens ist mein Bewusstsein der Bildungslücke gestiegen.

    Vorgestern erfuhr ich das erste Mal in meinem Leben von der Jahrhunderthalle. Heute entdeckte Madame, dass es eine Art deutscher Eiffelturm ist – sowohl von der Entstehungszeit (1913) und -anlass als auch von der Architekturgeschichtlichen Bedeutung. (Welterbe immerhin). Ich hatte nie davon gehört.

    Zwischendurch überbrückten wir die Mittagshitze beim Wandeln unter der tollsten Pergola, die ich in meinem Leben sah – gestaltet vom in Deutschland nicht unbekannten Hans Poelzig.

    Blick auf Multimedia-Brunnen und Jahrhunderthalle

    Überhaupt: Die Vorkriegsbauten sind natürlich von preußischer Gestalt, was oft an Berlin erinnert. Und sich doch schräg anfühlt.

    Spannend der Umgang vor Ort: Im Museum für zeitgenössische Kunst im Vier-Kuppel-Pavillon (auch Poelzig, auch Welterbe, auch vorgestern zum ersten Mal in meinem Leben davon erfahren) begann heute eine Ausstellung „Rococo Madness!“ über das Rokoko in Schlesien und Reaktionen zeitgenössischer Künstler*innen darauf. Phantastische Ausstellung. Aber was uns auch auffiel: Rokoko in Schlesien wurde getrieben von preußisch/deutschen-Adligen – die einfach so im Ausstellungstext erwähnt wurden ohne jede Relativierung/Kontextualisierung oder sonstwas.

    Waren halt die Deutschpreußen. Genau wie es zum Beispiel in Trier die Römer waren. Ist halt lange her.

    Schlesien – ein echtes Bildungsloch tat sich auf.

    ( Oder sei es, dass ich heute im Restaurant die urschlesische Spezialität Rinderroulade aß; bei einem Gericht mit Salzgurken als essentieller Zutat hätte mir die Herkunft auch früher auffallen können).

    Mehr werde ich auch vorerst nicht erfahren, denn es ging von Breslau Hauptbahnhof nach Warschau/ Danziger Bahnhof. Als Recherche-Aufgabe blieb übrig: Clara Immerwahr-Haber.

    Zum Namen: Früher sprach/schrieb ich meist von Wrocław (Poznan, Gdansk..) bis ich merkte, dass alle mir bekannten Polen von Breslau reden/schreiben, wenn sie auf deutsch kommunizieren. An sich finde ich ja, dass letztendlich die Polen festlegen sollten, wie die Stadt heißt.

    Selbst in der heutigen Ausstellung in der Synagoge zum Weißen Storch (deren Macher*innen ich keine Neigung zum deutschen Nationalismus unterstelle) stand im deutschen Text Breslau.

    Andererseits habe ich eine Neigung, Benennung wild zu wechseln – und dem neuen Spielzeug auf seiner virtuellem Tastatur endlich das Ł / ł beigebracht. Also Abfahrt nach Warszawa Gdańska aus von Wrocław Głowny. Die Strecke besteht aus Feldern und Wald und wenig sonst. Neben uns im IC – der Hund Carmel, als Zuglektüre weiterhin Slaughterhouse five.

    Erster Eindruck nach 30 Minuten Warschau: Erinnert an die Gegend um den Alexanderplatz.