Vor zwei Wochen beschloss ich, nur noch Dienstags, Donnerstags und am Wochenende zu bloggen. Gestern beschloss ich, heute auf keinen Fall an die Fernuni zu denken. Heute las ich Altklausuren durch und werden nun darüber bloggen.
Aber zuerst: Madame entdeckte einen Blog, der seit 2012 kontinuierlich vor sich hinbloggt, auf hohem Niveau, anscheinend unbeirrt und quasi 2023 genauso schreibt wie 2012. Ich bin mehr als beeindruckt.
Auch noch vorweg. „Mein“ Mastodon-Server, also der von mir genutzte, nicht der betriebene, ist vom Plan abgekommen sich privat – beziehungsweise über die Wikimedia Foundation zu finanzieren – und funktioniert nun auf Spendenbasis. Open Collective: Wikis.World Sobald ich meine Faulheit des Zahlungsdatenheraussuchens überwunden habe, werde ich auch unten in der Liste stehen. Ich vertraue Technik eher, wenn ich für sie bezahlt habe.
Aber: Klausuren-Lesen.
Entdeckung eins. Die Mathematiker und Statistiker stellen eine gemeinsame Klausur zu einem Termin. Sie reden aber sonst anscheinend so wenig miteinander, dass man je halbe Altklausuren auf zwei verschiedenen Webseiten der jeweiligen Fakultät abrufen muss, um sie dann selber zu einer Klausur zusammenzustellen.
Erkenntnis des ersten Lesens.
Analysis und Lineare Algebra: Konnte ich alles schon mal. Konnte ich sogar dieses Semester schon mal. Ist lernbar.
Statistik / Wahrscheinlichkeitsrechnung: Das ist jetzt etwas peinlich. Immerhin ist Statistik das einzige Thema im Fernstudium behandelte Thema, das ich als Soziologe einst auf Uni-Niveau gelernt habe. In etwa der Hälfte der Fälle verstehe ich nicht einmal die Frage. Das wird die Knacknuss.
Buchhaltung/ Jahresabschluss. Die ausnehmend albernen Beispielfälle treffen meinen Humor und ich lachte beim Lesen mehrfach laut. Inhaltlich stehe ich auf schwankenden Füßen. Aber ich mag die Art des Denkens und ich glaube, wenn man die Grundlage versteht (was machbar ist) liegt die Herausforderung in der Masse. Und schnell große Mengen auswenig lernen kann ich auch.
Madame probt für einen Rundfunkauftritt. Ich fand heraus, dass Berliner Kinder bis zu den Sommerferien 2026 insgesamt 336 berlinspezifisch freie Tage haben werden. (8. März + Ferien).
Meine Mathe/Statistik-Einsendeaufgaben vom letzten Wochenende, bei denen ich mir selbst eine Chance etwas größer als 50% zum Bestehen gab, habe ich bestanden. Für Statistik reichte es erwartbar nicht, aber der Mathe-Teil riss es wie erhofft raus. Juche. Jetzt muss ich im Februar/März für zwei Klausuren lernen. Damit habe ich die Zulassung zu den Klausuren für Externes Rechnungswesen und Mathematik/Statistik. Bei der Objektorientierten Programmierung steht die Auswertung noch aus, aber ich bin auch vorsichtig optimistisch, dass ich die Klausur zumindest schreiben darf. Bestehen ist eine andere Sache.
Die Miss-South-karibische-Dumpling-Hühnersuppe war nicht schlecht. Aber in diesem Haushalt wurden auch schon bessere Hühnersuppen gekocht. Meiner Recherche, was aus Miss South wurde, bin ich nicht näher gekommen.
Die S-Bahn zwischen der Hafenstadt und Berlin fiel aus. Zum Glück gibt es noch einen Regio. Zum Glück war die Verzögerung nicht so groß wie letztens zwischen Virginia und Florida. In den USA gibt es Züge. In diesen Zügen kann man bei 17 Stunden Verzögerung Durchsagen hören, wie “Once again, for those of you that are calling the police, we are not holding you hostage.” So schlimm ist es gar nicht mit der Deutschen Bahn.
Dabei hatte ich mich nach unseren erfolgreichen Domodossola-Fahrt und den Interrail-Planungen auch langsam an den Gedanken angeschlichen, irgendwann eine Zugfahrt quer durch die USA zu unternehmen. Caity Weaver hat diese Reise bereits 2019 für die New York Times unternommen und das Erlebnis scheint auf jeden Fall hinreichend speziell: There Is No Reason to Cross the U.S. by Train – I Did It Anyway. Auch wenn die Zugreise achtmal so lang und elfmal so teuer ist wie ein vergleichbarer Flug. (Nicht sicher, ob der Link Paywallfrei funktioniert)
Paywallfrei funktioniert der Guardian-Link zur Zusammenfassung der-Nicht-mehr-Prinz-Harry-Biographie „Spare“. ‘I was alone. Abandoned. With only a hundred million in the bank’ – Spare, digested by John Crace. Für einen Artikel des Guardian ist der Text weniger herablassend-ironisch geschrieben als man denken könnte. Dafür informativ. Vollkommen ausreichend, damit ihr in allen Smalltalk-Runden beeindruckend informiert über dieses wichtige Ereignis der Zeitgeschichte mitreden könnt.
Radio Pjöngjang, also der Ersatz für Radio Pjöngjangin der Küche kam an. Das neue Gerät zeichnet sich hervorragend dadurch aus, dass es länger als 10 Minuten läuft ohne den Sender zu verlieren. Und, obwohl nicht abgesprochen, hat Madame mir offensichtlich nonverbal erfolgreich kommuniziert, dass ich bitte diesmal ein Gerät mit CD-Player bestelle. Vielleicht sollten wir die Compact Disc Appreciation Society gründen. Vielleicht gibt es sie auch schon.
Madame brachte einer Biomarktkassiererin den Unterschied zwischen Mangold und Grünkohl bei.
Ich dachte, schlafen ist auch nett, aber Madame bestand darauf, dass ich vor Sonnenuntergang das Bett verlasse. Dann Mathe-Einsendeaufgaben. Beispiel (steht natürlich nur sinngemäß in den echten Aufgaben) Ein Tank wird zu Beginn 4 Stunden lang mit einer Flüssigkeit gefüllt, dann wird 4 Stunden Flüssigkeit abgelassen. Die Bestandstandsänderung beträgt (in Liter) f(x) = (4x^2)-(3/4x)+17. Wieviel Liter sind nach acht Stunden durch die Schläuche geflossen?
Die Lösung dieser Aufgabe erfordert Integralrechnung. Die fand ich immer cool und befinde mich auf vergleichsweise sicherem Boden. Sehr viel seltsamer kommen Matrixrechnungen und Simplexdiagramme vor.
Heute ist immobiler Donnerstag und Hafenstadttag. Das bedeutet, Madame muss frühmorgens nach auswärts, ich darf in der Wohnung bleiben.
Der Wecker klingelt um 5:00h, ich setze Kaffee auf, bis um 6:00 Uhr ist das Frühstück durch und Madame verlässt das Haus. Ich mache Katzenaufräumen (also wie Katzenwäsche, aber mit Aufräumen – gibt es das Wort?) und döse noch etwas vor mich.
Vor dem Haus sammelt die Polizei Bauzaunteile ein, die im spätnächtlichen Sturm von der Busspur auf die weiteren Fahrbahnen kippten.
Im Deutschlandfunk läuft die neuste Volte zur Rückgabe der Benin-Bronzen. Während die europäischen Museen sich langsam zur Erkenntnis durchringen, dass ihre ganzen im kolonialen Zeitalter angesammelten Schätze, ethisch nicht sauber erworben wurden, tun sie sich doch schwer damit, diese zurückzugeben. Die ersten Benin-Bronzen landeten inzwischen in Nigeria. Aber nun meldet sich die „Restitution Study Group“ aus den USA zu Wort. Diese bemerkt, dass die Könige von Benin das Geld für die Benin-Bronzen mit Hilfe des Sklavenhandels verdienten, die Bronzen selber also dort sein sollten, wo die Nachfahren der transatlantischen Sklaven sie sehen können – das ist nicht Nigeria.
Ratschläge von mir brauchen die ganzen verwickelten Diskussionsteilnehmer:innen nicht, und sie werden die hier auch nicht mitbekommen. Aber wenn ich etwas raten darf: So lange noch Bronzen in Deutschland zu sehen sind: Geht hin! Das ist mehr als nur beeindruckende Kunst von Weltrang.
Kurz danach beschert mir ein geöffneter Tab den Artikel zum „Black Reparations Program“ des Fahrradherstellers Rivendell. Dieser bot zeitweise schwarzen Amerikanern Fahrräder im Preis um 45% ermäßigt an als Ausgleich für die Sklaverei. Absichtlich gaben sie das Geld nicht in eine Stiftung oder Sozialprogramme, sondern integrierten es offensiv ins Kerngeschäft. Die Diskussion verlief wild, samt Klagen, Morddrohungen und was dazu gehört, und das Programm ist wieder eingestellt. Aber ein spannendes Experiment.
Über all‘ die Leserei wurde es 7:30h und ich begebe mich langsam mal an E-Mail, Teams und Ticketsystem, schauen, ob über Nacht etwas Dramatisches passiert ist -> nein.
Ich töckel so’n bisschen mit Schreibtischarbeit vor mich hin. Bevor ich in einen Kommunikationsmodus gehe, werfe ich mich aber doch in Jeans und Polo. Es ist seltsam: Beim vor-mich-hintöckeln ist mir die Umgebung komplett egal. Aber sobald ich mit Leuten direkt und zeitlich synchron kommuniziere, fühle ich mich unprofessionell wenn ich nicht halbwegs akzeptabel angezogen bin.
Der Vormittag verläuft erfreulich ruhig. Der Vorweihnachtsstress scheint von den Leuten abgefallen.
Da heute mein geplanter Beginn des Einsendeaufgabenwochenendes werden sollte, fiel mir zur Mittagspause ein, dass ich nach den Anmeldeterminen für die Klausuren schauen könnte. Das war ein kluger Gedanke. Die Frist läuft schon. Ich meldete mich für objektiorientierte Programmierung (Prüfung im Februar im Fernuni-Campus Berlin), Mathematik und Externes Rechnungswesen (Prüfung jeweils im März online) an.
Ungesunderweise aß ich neben dem Bildschirm, recherchierte noch nach Fahrradwerkzeug, aber ohne abschließendes Ergebnis. In den Papierkalender trug die ich weiteren Termine für WMDEDGT (Was machst Du eigentlich den ganzen Tag. Die Blogaktion bei Frau Brüllen, die an jedem 5. des Monats, also auch HEUTE) läuft. Bevor ich den Monitorumschaltknopf drückte und wieder Arbeitssachen auf dem Rechner hatte.
Es blieb vergleichsweise ruhig, eine spannende Stunde verbrachte ich mit der Suche nach einem Outlook-Bug, der sich dann als Feature herausstellte. Das soll so seltsam und ist so fest verdrahtet, dass man es nicht mal ändern kann. Immerhin hat Microsoft nach 10 Jahren der Kundenbeschwerden einen umständlichen Workaround via Registry oder GPO bereitgestellt. In anderen Angelegenheiten machte ich ein paar Termine für Morgen, wenn ich wieder im Büro bin und Sachen besser am lebenden Objekt klären kann.
Gegen 15:30h kam Madame nach Hause. Wir trinken einen kurzen Kaffee, bevor sie wieder aufbrechen muss. Um 16:32h drücke ich in der Zeiterfassung auf das rote Figürchen.
Danach folgten dann wirklich die Mathe-Einsendeaufgaben: Die sahen auf den ersten Blick einfacher aus als die Übungsaufgaben aus dem Heft. Ich habe den Eindruck, dass ich mit Hilfe der Unterlagen und Zeit über das Wochenende auch bei weitgehender Ahnungslosigkeit genug Punkte sammeln werde, um zur Klausur zu dürfen. Die Vektoren irritieren mich, bei Ableitungen und Funktionsauflösungen fühle ich mich eher zu Hause. Der Gozinto-Graph ist an sich einfach, ich zweifle aber weiterhin, ob die Aufgabe so gemeint war, wie ich sie verstanden habe. Naja, drei Tage des darüber-Grübelns bleiben noch.
Madame kam kurz nach Hause. Die Zeit reichte zum gemeinsamn Tee trinken. Madame schaute mit unserem wiederbelebten Netflix-Abo „The Crown“ während ich in Duolingo rumdaddelte.
Madame konsultierte die Originalquellen und bildete sich eine informierte Meinung.
Ich konsultiere Feruni-Skripte und habe mit der Wahrscheinlichkeitsrechnung weniger Probleme als mit ihrer mathematisch korrekten Notation. Was dazu führt, dass ich Fragestellungen lösen könnte, wenn ich nur verstände was die Fragestellende von mir will. Noch acht Tage bis ich die Sachen gut genug verstehen muss, um erfolgreich Einsendeaufgaben zu lösen.
Im Kopf weiterhin das gestrigabige Barock-Oratorium. Händel super, RIAS-Kammerchor super, Akademie für Alte Musik super und die Philharmonie als Gebäude liebe ich sowieso. Win-win-win-win. Neben der Musik wird mir auf jeden Fall Dirigent Justyn Doyle in Erinnerung bleiben, der so charmant ganzkörperdirigierte, wie man es sich kaum ausdenken könnte. (Hier ein Video mit RIAS Kammerchor und ensemble resonanz)
Etwas überraschend, wie viele Jubelchoräle Händel noch in den Judas Maccabäus einbaute, nachdem der Feind schon besiegt, Israel befreit und alle glücklich sind.
Andererseits: jeder einzelne der diesen war schön. Ein Ereignis, das dazu diente, Channuka zu begründen, darf auch ausgiebig musikalische gefeiert werden.
Womit ich Menschen nicht verstehe, die sich gegenseitig zu Weihnachten nichts schenken. Das wäre mir jetzt entgangen, hätte ich es nicht geschenk bekommen. Was für ein Verlust es gewesen wäre!
Auch wenn die Verwaltung der Berliner Bäder atmosphärisch weit von jeder Raunachtigkeit entfernt ist. Noch befindet sie sich im halb zwischen Weihnachtsfeiertagen, normalen Alltag und neues-Jahr-neuer-Anfang-neue-Kolleg*innen.
Die neue Waschmaschine rief an.
Zu den eindrucksvollen Stücken von Händelns Judas Maccabäus zählt neben See the conq’ring hero (in deutsch bekannt als Kirchenlied mit dem Text Tochter Zion, freue Dich) auch Arie/Choral: Ah! wretched Israel.
(Es fällt mir schwer, keinen Netanjahu-Abschweif einzubauen.)
Das Interrail-Ticket (bis zum 5. Januar noch um 10% ermäßigt) umfasst auch Rabatte auf die Fährverbindungen Travemünde-Helsinki und Travemünde-Liepaja. Das macht unsere mögliche Sommer-Urlaubs-Planung wieder einen Schritt möglicher.
Nur leider wird bis dahin wohl immer noch kein einziger Zug zwischen Lettland und Litauen fahren. Ich hätte ernsthaft gedacht, dass mindestens Pan-Baltische-Solidarität dafür sorgt, dass eine solche Strecke aus Prinzip betrieben wird. Denkste. Also steht am ehesten eine Reise per Schiff, Zug und Bus ins Haus.
Während Madame recherchierte, kochte ich endlich den besorgten Grünkohl (Hurra, ich kann wieder alles essen). Dazu Wacken-Craft-Beer, wenn schon regionale Produkte, dann konsequent. Im Fernsehen sahen wir mit erstaunen, dass die Dithmarscher Trümmertorte unter dem Namen „Wolkentorte“ der große Hit in der hippen Kreuzberger Markthalle IX ist.
Abends blieb sogar Zeit für die Fernuni. Die Mathe-Einsendeaufgaben sind am 10. Januar fällig. Ich beschloss: zu wenig Zeit, um es richtig zu lernen – also jetzt mit Augen-zu-und-durch-im-Schnelldurchgang durch Integrale und Lineare Algebra und hoffen, dass 30 Jahre alte Mathe-LK-Erinnerung zusammen mit „beliebig viel Zeit und Zugriff auf die Unterlagen“ mich durch die Aufgaben bringen.
Leider sagt mir meine Schul-Mathe-Erinnerung auch, dass in keinem Fach „Zeit“ und „Zugriff auf die Unterlagen“ so unwichtig sind. Entweder man kann es – dann reicht ein Bruchteil der angesetzten Zeit und das Buch ist nicht nötig. Oder man kann es nicht, und dann hilft beides auch nicht. Es bleibt spannend.
Nach den 600 Schritten laut Schrittzähler gestern (wann auch immer ich die gemacht haben soll, gefühlt waren es 16), war ich heute ausgeschlafen und erholt. Wir trafen den Badischen Beamten zu unserem traditionellen Nordsee-Weihnachtstreffen (wir beim Kaptain, er bei Schwiegers) und spazierten plaudernd mit >10.000 Schritten durch Tönning und entlang des Eiderdeiches.
Das Meer ist im Winter so viel eindrucksvoller als im Sommer, scheint es doch die Umgebung zu verschlucken. Und auch wenn die Eider hier noch offiziell Fluss ist, wirkt so doch meerartig. Wir meerartiger sie noch gewirkt haben muss, als das Eidersperrwerk noch nicht gebaut wurde.
Unser erstes Treffen, in dem alle Anwesenden im öffentlichen Dienst sind. Es fühlt sich so unglaublich gesetzt an. Wobei die beiden anderen Anwesenden in echten großen Behörden sind, die Berliner Bäder fühlen sich im Vergleich halt doch an wir ein normaler Mittelständler mit eigentümlichen Geschäftsbetrieb.
Wir bestellten Kaffee und Tee. Es schepperte gar fürchterlich in der Küche. Wir bekamen zwei Kaffee, „der Tee dauert noch einen Moment.“ Der Tee war ein Geräusch.
Heute Abend spielen im Liberty Bowl in Memphis die Kansas Jayhawks gegen die Arkansas Razorbacks an.