Schlagwort: Mathe

  • 23-09-19 Banane mit Häkchen

    23-09-19 Banane mit Häkchen

    Luzifer hat lange, blonde Haare und spielt Fußball.

    Der Lidl-Balsamico erfuhr seit unserem letzten Kauf eine Designänderung. Die historische Stadtansicht ist kleiner, der goldene Rahmen verschwand. Die goldene „Balsamico“-Schrift wurde durch eine schwarze Schrift ersetzt. Dafür prangen nun die Farben der italienischen Trikolore auf der Flasche. Ich vermute, für Deutsche sieht es italienischer aus als vorher, für Italienier hingegen deutscher.

    Madame beschäftigte sich erst mit Staubsaugen und dann mit Designschutz.

    Der Kaptain wartet auf einen Teppich.

    Nachzutragen bleibt Madames erfreulicher Anfall von Italianità, als sie Steinpilze auf dem Wochenmarkt sah und spontan Risotto ai funghi porcini kredenzte. Später erntete sie die Birne Köstliche von Charneaux Noch hart, aber ihr bereits entgegenfallend.

    Die tiefstehende Abendsonne setzte Libellen über beschatteten Wiesen prächtig in Szene. Insekten versuchten Abends, den aufgewärmten Bungalow zu entern. Wir fanden eine Hornisse hinter der aufgehängten Landkarte. Beim Frühstück tauchte plötzlich ein untertassengroßes Heupferd auf. Einzig die Stinkwanzen traf ich bisher nur in der S-Bahn.

    Sonntag frühstückten wir bei der Bundesgamerin et al. Auf dem Weg kurzes Winken in den Park Sanssouci und bestaunen des neuen Garnisonskirchturms.

    Im Bundesgaminghaushalt erfuhren wir unter anderem von grundlegenden Trapezfiguren. Bei „Banane mit Häkchen“ kann man das Bein noch um ein Band wickeln, um sicherer zu hängen. Das Gespräch kam auf Verwandtenbesuch in Thüringen und vor allem die Bekannten der Verwandten: Dunkel ist’s in Thüringen. Dunkel.

    Weil ich es kann, fuhr ich Montag von den Latifundien aus zu den Südkreuz Offices und Abends wieder zurück. 25 Menschen im Regio sitzen, stehen. liegen direkt um mich herum. Ich sehe innerlich 25 Romanhandlungen vor mir. Vielleicht war ich auch einfach übermüdet.

    Kraniche flogen hoch über den Bungalow und niedriger über den Bahnhofsparkplatz.

    Kraniche im Restmorgenrot über Parkplatz

    Neutrale Kosten

    Da mein vier-Modul-Plan dieses Semester vermessen größenwahnsinnig sportlich ist, begann ich mit dem Querlesen der PDF-Skripte (die Papierversion war bisher nicht in der Post.)

    31031 – Internes Rechnungswesen und funktionale Steuerung: Ist eine Art „BWL-Gedöns“, also „Alles was noch in die Pflichtkurse soll, aber kein eigenes Modul bekommt.“ Das heißt, Internes Rechnungswesen, Produktionsplanung, Logistik und Marketing. Alles eher Hand-am-Arm, aber schon einfach Masse.

    31751 – Modellierung betrieblicher Informationssysteme: Anspruch durch Masse oder so.

    01141 – Mathematische Grundlagen: Das ist er, der Missing-Link zwischen „Mathe für Wirtschaftsinformatiker“ und „Algorithmische Mathematik.“ Das ist der fehlende Stoff, den ich mir letztes Semester irgendwie mühsam selbst erarbeiten musste. Ich bin gespannt wie es im Detail wird. (Note: Mein erstes Modul, dass nichts mit Wirtschaftsinformatik zu tun hat, sondern ein reines Mathe/Informatik-Modul ist).

    63511 – Einführung in die technischen und theoretischen Grundlagen der Informatik. (ETTI) Die reinste Wundertüte zwischen physischem Chipdesign, Assemblercode und der Diskussion von NP-Vollständigkeit. Hier wurden viele Themen reingepackt. Die Erfahrungsberichte im Internet lesen sich arg variabel. Der mehrmalige Wechsel von Titel und Kursnummern in den letzten Jahren hilft nicht bei der Recherche. Selbst die Unterlagen helfen nur bedingt. Eine Hälfte des Kurses gibt es nicht als gedrucktes Skript, sondern als gefilmte Vorlesungen. „Querlesen“ ist da schwer möglich.

    Aktueller Plan: Da nur die ersten beiden Kurse obligatorische Einsendeaufgaben haben und mir tendenziell leichter erscheinen: Diese beiden Kurse schnell durchlesen, Einsendeaufgaben-Pflicht absolvieren. Dann sind die Aufgaben aus dem Weg und ich kann mich Mathe und ETTI widmen.

    Ekkenekkepen

    Gelesen: Richard Grant: Dispatches from Pluto. Etwa 40 Seiten vor Ende legte ich das Buch beiseite. Nicht, weil ich nicht mehr mochte, sondern weil ich fürchtete, es zu Ende zu lesen und dann wäre es weg und ausgelesen. Jetzt bin ich durch und habe viel zu erzählen. Aber später oder an anderer Stelle.

    Gelesen: Theodor Storm: Die Regentrude, Insel-Ausgabe gestaltet und mit klugem Nachwort versehen von Judith Schalansky.

    Einen so heißen Sommer, wie nun vor hundert Jahren, hat es seitdem nicht wieder gegeben. Kein Grün fast war zu sehen; zahmes und wildes Getier lag verschmachtet auf den Feldern.

    Es war an einem Vormittag. Die Dorfstraßen standen leer; wer nur konnte, war ins Innerste der Häuser geflüchtet; selbst die Dorfkläffer hatten sich verkrochen.

    Wer kennt es nicht in diesen Jahren? Storm am Anfang der Industrialisierung stehend, mit dem Blick darauf, was am verschwinden ist. Neben der schönen Gestaltung fallen mir besonders die klaren Naturbeschreibungen auf.

    Bananenboot

    Landrat schaltet sich im Streit um Mülltonnen ein – informiert mich die Hauptschlagzeile des Generalanzeigers.

    Gabriele Frankemölle grillte Banana Boats – und ich bin hin und weg.

    Karen beendete den epischen Europratrip über Italien und Deutschland zurück nach Finnland.

    Frau Rabe war hingerissen von Kopenhagen.

  • 23-09-14 Eigenkapitalrendite veganer Hackfleischproduktion

    23-09-14 Eigenkapitalrendite veganer Hackfleischproduktion

    Madame soll melden, ob sie einen Besucherparkplatz benötigt.

    Der Herbst naht. Lidl verkauft Weißwurst. Der Herbst naht. RTL kündigt die nächste Staffel Ninja Warrior Germany an.

    Der Fahrstuhl der Hinterhausbaustelle verschwand. Entweder sie haben jetzt alles Schwere und Sperrige vom Dach entfernt und neues Schweres und Sperriges hinaufverfrachtet. Oder das Geld ging ihnen aus. Oder jemand hat vergessen, den Mietvertrag zu verlängern. Alles ist möglich.

    „Unser“ Fahrtstuhl ist noch da. Und passend zum Klausurtermin hat mal wieder jemand lautstark auf dem Dach gearbeitet.

    Freundlicherweise waren die lauten Bohr-Zeiten immer nur einige Minuten kurz und über einem anderen Abschnitt der Wohnung. Nicht so gut war, dass dann auch noch auf dem Hof eine Mischung aus Laubbläser und Presslufthammer losging. (Keine Ahnung was – konnte ja nicht rausschauen, ich stand unter Klausuraufsicht). Immer sehr passend, wenn die Klausur eine Onlineklausur ist und ein Teil über eine Zoomkonferenz mit zwangsweise offenem Mikro läuft. Ich hoffe, bei den anderen kam der Baustellengeräuschpegel nur gedämpft an.

    r(*) = (e1/-2e0) x ((Wurzel(e1/2e0 – e2/eo)) -1)

    Ich stellte fest: Offensichtlich habe ich keine Blogleser*innen, die hier BWL-Korrektur lesen. Meine Ausführungen zum Cashflow vor ein paar Tagen waren falsch – aber zum Glück merkte ich es noch rechtzeitig. In der Klausur erschien auch prompt eine Frage zum Themenkomplex.

    Vor der Klausur kamen die letzten Tage der Vorbereitung. Wieder in Schöneberg. Wieder ging es mir am letzten halben Tag, vor allem darum, den Kopf frei zu kriegen und mir wieder etwas Flexibiliät in Hirn zu schaffen. Das heißt normalerweise Park + Schwimmbad.

    Diesmal nicht.

    Ich möchte die Chance nutzen, um unaufgefordert Gesundheitstipps zu geben: Falls Ihr vorhabt, Euch einen schwall kochendes Wasser über den Bauch zu kippen: Haltet ein!

    Es fühlt sich nicht so toll an. Das optische Resultat ist meines Erachtens verbesserungsfähig. Und vor allem: Danach habt Ihr länger eine größere nicht-verheilte-Wunde – mit der Schwimmen nicht möglich ist. Und das ist das Schlimmste!

    Irgendwie habe ich Mittwoch überstanden. Die Klausur entsprach im Wesentlichen meinen Erwartungen: (a) Wenn ich scheitere, dann nur an eigener Dämlichkeit. (b) Wie ich mich kenne, liegt das komplett im Bereich des Möglichen.

    K_0 = – 1000 + (200×1,02^-1) + (500×1,03^-2) + (500×1,01^-3)

    Also, einloggen heute um 8.40h, dem Zoom-Meeting beitreten, den Name auf Nachname, Vorname (park, south) ändern und den Bildschirm freigeben. Die Klausuraufsicht spricht Einzelne an, die bei einem der beiden Punkte Probleme haben.

    Um 8.55h werden die Fragen freigeschaltet. Um etwa 9.10h spricht mich eine Aufsicht via Breakout-Session an, lässt sich Personalausweis, Taschenrechner und leere Schmierblätter zeigen.

    Ich folge meinen üblichen Verfahren:

    1. Runde – alles überfliegen, so dass ich eine ungefähres Gefühl habe, für das was kommt.

    2. Runde – alle Fragen beantworten, bei denen ich ohne Überlegen entweder die Antwort weiß (MC) oder weiß was ich rechnen muss.

    3. Runde – Fragen, die mich einige Minuten des Überlegens kosten (Ich weiß, ich weiß die Formel – muss sie mir aber erstmal korrekt ins Gedächtnis rufen. Oder auch: Aufgabe mehrfach lesen, um sicher zu sein, wie ich sie verstehen muss.)

    4. Runde – Fragen, bei denen ich überhaupt mal überlegen muss, was der Ansatz sein könnte.

    Glücklicherweise war ich danach mit allen Fragen durch. Es war kurz nach 10 und ich hatte noch fast eine Stunde Zeit.

    Und dann kam: Gegenrechnen und gegenrechnen. Im Wesentlichen bestanden die Aufgaben aus Berechnungen, die etwas Taschenrechnerartistik verlangten. Auch wenn ich mich überzeugt hatte, dass all‘ meine Ergebnisse zumindest ein plausibles Ergebnis hatten; ich in der richtigen Größenordnung ankam- Verrechner sind bei mir immer möglich.

    Und wenn ich mal irgendwo 1,02 statt 1,03 getippt habe oder einen Term ganz vergaß – dann schreibe ich halt 330,679 statt der korrekten 337,987 – dann sind das Null Punkte bei der Frage.

    Naja, ich fand Verrechner und dann noch einige Verrechner und irgendwann fand ich keine mehr, war aber auch schon so gehirnmatschig, dass mein Rechnen vermutlich nicht mehr besser geworden ist.

    Um 11 Uhr war Schluß. Passend gewürdigt mit einem wilden Bimmeln vieler Handies in Hörweite der Klausurteilnehmer*innen. Und damit war mein 3. Fernuni-Semester beendet. Ich kann raten: Legt Euch wichtige Termine auf 11 Uhr am Alarmtag, das macht Stimmung.

    Nach der Klausur. Mit beschmiertem Schmierpapier und ordnungsgemäßen Taschenrechner.

    1, 2 und 3 – vorbei

    Damit ist Semester 3 des Fernuni-Abenteuers vorbei. Aktueller Stand: Bestes Semester. Sei es die wilde Achterbahnfahrt der Algo-Mathe, sei es Investition und Finanzierung (das ich viel zu lange sträflich ignoriert habe, eigentlich finde ich auch das inhaltlich spannend.)

    Langsam komme ich im ganzen Prozess auch so an, dass ich auf dem Fahrrad das neue Kranzler Eck/den Fernuni-Campus-Berlin ohne Nachdenken finde. Mein Arbeits- und Lernrhythmus wird besser. Meine Klausurvorbereitung zumindest etwas entspannter. Ich bekomme ein besseres Gefühl dafür, wie die Fernuni so tickt und was sie wirklich von mir will.

    (Wie immer half mir Inaugenscheinname: Zum Studientag nach Hagen fahren war trotz 38 Grad und Bahn-Chaos jeden Schweißtropfen wert).

    Morgen stehen vermutlich die Unterlagen für Semester 4 auf dem Briefkasten.

    Da ich immer noch nicht schwimmen durfte, also ausgiebig seufzen. Danach brach ich auf zur nächstbesten Alternative: Mit Ringbahn, U7 und Bus zum Bürgeramt Wasserstadt und meinen neuen Personalausweis abholen.

    Und jetzt bin ich knülle.

    Türkischer Basar

    Noch ein Gesundheitstipp: Nicht vom eigenen Steuerordner erschlagen lassen. Zum Glück sah Madame das ähnlich und wehrte das herabfallende Regalbrett ab.

    Bücher, auch nicht-Krimis, kaufe ich bei Hammett. Und gratuliere herzlich dazu, schon wieder den Deutschen Buchhandelspreis gewonnen zu haben.

    Karen war unterwätigt von Florenz und sah zu wenig von Pisa.

    Nachdem der Silobrand den NDR nach Wesselburen gelockt hatte, entdeckten die Journalisten auch gleich die rumänische Community. Ist auch nicht ganz einfach. Ein 3000-Einwohner-Städtchen (Land, Schleswig-Holstein, starker Rentneranteil), in das in wenigen Jahren mehrere hundert Rumänische Landarbeiter*innen ziehen. Sagen wir mal, die Auffassungen, was „normal“ und „richtig“ ist divergieren stark. Bisher verhalten sich alle Beteiligten vergleichsweise zivil.

    Für einen (Wirtschafts)Informatik-Studenten, dessen Arbeitsplatz sich im Organigramm unter Informationstechnologie->Infrastruktur findet, war mein Verhältnis zum „Programmieren“, immer etwas schwierig. Ich fand und finde es ziemlich umständlich, dem Rechner wirklich buchstabenweise erklären zu müssen, was er tun soll. Meine Neigung zu Tippfehlern ist in dem Kontext nicht hilfreich.

    Aber inzwischen verstehe ich genug vom Thema, um Programmiersprache als Konzept total spannend zu finden und auch, wie verschiedene Sprachen bestimmte Strukturen ähnlich oder halt verschiedenen lösen. Mit Genuß las ich „Python erklärt für Benutzer von R„.

    Ich habe leichte Hoffnung. Hoffnung, dass die Medien-Schul-Universitäts-Deutschen es schaffen, „Gastarbeitergeschichte“ auch als Teil „ihrer“ Geschichte zu begreifen. Vielleicht entwickelt sich eine kollektive deutsch Geschichtserzählung, die die Zeit der 1950 und folgende ebenso aus Sicht der Gastarbeiter*innen erzählt, wie aus Sicht der hier schon ansässigen.

    Auf jeden Fall hörte ich letztens im Deutschlandfunk Kalenderblatt ohne jedes Tamtam einen Rückblick auf den Ford-Streik 1973. Über eine neue Geschichts-Plakette in Schöneberg zum Türkischen Bazar in der Hochbahn stieß ich auf den Film Aşk, Mark ve Ölüm (Liebe, DM und Tod), der immerhin einen Berlinale-Publikumspreis gewann. Auch auf DLF mitten in der Lied und Folksendung spielte der Song Onda Calabra – dessen Video auch Italien-in-Deutschland-unglamouröse-Variante spiegelt.

  • 23-08-31 Ab-Rüsten. Mit Geodreieck.

    23-08-31 Ab-Rüsten. Mit Geodreieck.

    Madame macht sich Gedanken: „Was ist Recht?“ Unterscheidet sich „Recht“ von „das Recht“?

    Bei diesen Gedanken stieß sie auf den Heavy-Metal-Mathe-Professor Christian Spannagel und seine Ausführungen zum Flipped Classroom. Ich verstand, warum Spannagel-Videos seid vielen Jahren zur Grundausstattung einer/s jeden Mathe-Lernenden-Studis gehören.

    Mit Lernen – also Neu-Lernen – ist bei mir natürlich gerade gar nichts. So kurz vor der Klausur im Klausurlaub denke ich „Alles was ich während des Kurses schon nicht verstanden habe, verstehe ich jetzt auch nicht mehr.“ Aber ich bin eigentlich optimistisch, dass ich bis in den Juli/August hinein genug verstanden habe, um zu bestehen.

    Jetzt halt: Wiederholen. Sich erinnern. Und den handschriftlichen DIN-A4-Spickzettel erstellen, den ich mitnehmen darf.

    Erinnerungen an den Sommer: Beim 18 Grad und Dauerregen schaue ich Studientagsvideos. Die kümmern sich zwar nur um Mathe, aber ab und an kommen auch die Bedingungen des Studientags vor. Lebhaft erinnere ich mich an 34 Grad Außentemperatur – wir saßen in einem nicht-klimatisierten 80er-Jahre-Unibau, in dem wir die Fenster nicht öffnen durften, denn direkt davor war die Baustelle. Sie erzeugte Lärm und Staub.

    Und so pivotierten wir links herum und rechts herum und wieder rechts herum und vielleicht auch einmal auf dem Kopf, dass einem ganz schwindelig wurde. Sei es wegen der 34 Grad, sei es wegen der Pivoetten.

    Jetzt ist angenehmer. 18 Grad. In der Wohnung bei bedarfsweise offenen oder geschlossenen Fenstern. Natürlich verlernhöhle ich dabei auch. Es kommt zu wenig mehr als einem Gang zum Supermarkt, zum Fahrradmeister und vielleicht auch mal mit Lernmaterialen in den Park.

    Tablet mit Matheaufgabenfilm. Im Hintergrund Wohnzimmer.
    In da Lernhöhle

    Die Hinterhausbaustelle bietet uns wieder Gerüstnahsehen an. Denn das Hinterhausgerüst verschwindet endgültig. Die alleroberste Etage, die über das Dach hinausragte ist bereits weg, weitere werden vermutlich folgen. Die katzenhafte Sicherheit mit der die Herren dort herumturnen – beeindruckend.

    Andere Herren legten dafür mit der Dachbodenbaustelle über unseren Köpfen los und fanden eine Mauer zum Einreißen. Es wirkt genau so wie es sich liest: „Direkt über Deinem Kopf wird eine Mauer eingerissen.“ Ich hoffe, sie setzen das nicht fort, wenn ich gerade eine Onlineklausur schreiben möchte.

    Madames Armbaustelle baut auch ab. Tagsüber darf sie sich wieder ohne Rüstung, nacktarmig und orthesenfrei in die Öffentlichkeit wagen. Nur Nachts, wenn niemand die Armbewegungen kontrolliert, ist der gerüstete Schutz nötig. Sonst steht halt das übliche Programm auf dem Plan, um Arm und Handgelenk wieder zum Leben zu erwecken.

    Zur Feier des Tages trafen wir uns bei der Kaffeerösterei Enrico, tranken Galao und aßen Zitronen-Baiser-Tarteletts. Zur Feier des Tages verschwand Madame im Stadtbad Schöneberg (Schwimmen: Gut. Radfahren: Böse.) Und zur Feier des Tages brachte sie ein neues Geodreieck mit. („Ignorieren Sie nicht die geometrische Lösung einer Optimierungsaufgabe!“)

    Das Weihnachtsbaumgeschäft brummt

    Corona existiert noch. Der politisch-moralisch stets mustergültig postende Teil der Menschheit muss sich noch zurückgewöhnen. Auf Tröt lese ich mehrere Posts des Inhalts „Ich bin erst zwei Stunden zur Rush Hour mit der Ringbahn gefahren, war dann in der Karaokebar, um erst im Aufzug Potsdamer-Platz-Aussichtsturm 15mal rauf und runter zu gelangen und dann in den KitKat-Club zu gehen. UND NUR ICH HATTE EINE MASKE AUF!“. Aber das wird noch.

    Das Silofeuer in Wesselburen ist gelöscht. 500 Einsatzkräfte auf mehreren Landkreisen bis hin zu Experten der Hamburger Berufsfeuerwehr.

    Die Wikipedia-Gruppe Hannover entdeckte eine*n verstorbene*n Erblasser und fuhr mit dem Erbe nach Posen/Poznań.

    Via Landlebenblog lernte ich: Das Weihnachtsbaum-Geschäft brummt quasi schon, Sie sollten sich also eilen, wenn Sie noch einen vernünftigen Baum ergattern wollen

    Merken: ChubbyCable. Gutscheincode: edent. (Suchwort Ladekabel, USB-C, Lightning)

  • 23-08-24 A room in a book in a flat

    23-08-24 A room in a book in a flat

    Die Post bringt Multiple-Choice-Bücher.

    Also Bücher über Multiple Choice, nicht Bücher mit Multiple Choice.

    Ich stelle fest, dass es „Diskrete Mathematik: Eine Entdeckungsreise“ (besser bekannt als der Matoušek/ Nešetřil) für gar nicht so viel Geld gebraucht online gibt (und wehe, ihr kauft es mir weg.)

    Phase 4 meiner Bloggerei begann am 14. August letztes Jahr mit dem Eintrag:

    Warten unter Alkmene
    Warten auf den Abend, an dem die Temperaturen unter 30 Grad sinken. Auf Tage unter 30 Grad. Madame verkochte Falläpfel zu Apfelkaramell. Ich las ein mittelprächtiges französisches Buch dessen Namen ich bereits wieder vergaß sowie das weit bessere „Flight Portofolio“ von Julie Orringer.
    Oh wie braun-gelb ist Panama. Immerhin weht unter dem Apfelbaum eine frische Brise. Die Hornissen im Baum halten die Wespen fern.

    Die Zeit als Zirkel: Auch dieses Jahr Warten im Mitt-End-August auf das Ende der schwülen Tage, das auch nicht schneller kommt, wenn ich halbstündlich die Wetterseite neu lade. (Weiteres Warten: Klausururlaub im September. Madames wiederkehrende Zweiarmigkeit).

    Es zirkelt weiter: Verarbeitung von Falläpfeln. Wespen, die uns bis in die Wohnung verfolgen. Ich lese nicht mehr das Flight Portfolio (damit war ich ja letztes Jahr schon durch), aber ich lese von Menschen, die das Flight Portfolio lesen: die Kaltmamsell liest und Herr Buddenbohm schaut die dazugehörige Miniserie.

    Mich motiviert das, Giovanni’s Room von James Baldwin wieder hervorzusuchen, das halb gelesen unter einem Nachttischstapel entschwunden war. Die Bücher spielen in ähnlicher Szenerie (Orringer: Amerikaner in Südfrankreich Anfang der 1940er, Baldwin: Amerikaner in Paris, Anfang der 1950er), die verhandelten Fragen sind ähnlich existenziell – und ich gehe Wetten ein, dass Orringer sich in mehreren Teilen ihres Buches auf Baldwin bezieht / sich von ihm inspirieren ließ.

    Während aber Orringer in großer Besetzung aufspielt und die Verfilmung schon im Buch angelegt ist, geht Baldwin ins intensive Kammerspiel – wie ja schon im Titel zu ahnen.

    Ruhe zum Lesen habe ich, denn ich bleibe ich in der Wohnung. Im Jahr 2023 muss man in einem Bürojob nicht mehr die Kollegen von Angesicht zu Angesicht voll-Niesen und -Husten selbst wenn man sich relativ manierlich fühlt. Naja, und viel mehr Energie als zum Lesen bleibt am Ende dann doch nicht.

    Blick aus dem Fenster auf Baugerüst und ein Auto.

    Meinen Duolingo-Streak rette ich damit, dass ich alle drei Tage eine Kürzestübung mache und dann wieder zwei Streak-Freezes nachkaufe.

    Vielleicht schaue ich noch die Depeche-Mode-in-der-DDR-Doku.

    Es gibt weiter geprepptes Stew. Noch verkauft der Supermarkt Buschbohnen aus Niedersachsen.

    Skikurse

    Das Fernuni-Semesterende nähert sich. Und ich habe wahrhaftig den Eindruck, in der Algorithmischen Mathematik zumindest inhaltlich auf festen Füßen zu stehen. Das heißt nicht, dass ich je in Zukunft gut durch eine Klausur zum Thema kommen werde. Aber ich weiß wieder wo oben und unten, links und rechts ist.

    Im Vergleich zum Rest des Fernstudiums war der Kurs wie: „Ich mache fleißig Ski-Langlauf, biege links ab und falle die schwarze Piste hinab.“ Nach einigen Blessuren und Schrammen stehe ich wieder aufrecht.

    Nach Lektüre der einschlügigen Blogs und Foren scheint mir das auch die einzige Schwarze Piste des Studiengangs zu sein.

    Und habe nun das Problem, dass mir Schwarze Pisten eigentlich besser gefallen als Skilanglauf. Ich schiele immer mehr in Richtung Mathematik-Studium (und überlege intensiv, was ich wo anerkennen lassen kann.) Bei gerade mal bisher 50 von 190 ECTS für den Wirtschaftsinformatikbachelor ist das aber ein sehr frühes Ausscheren. Zumal ich halt erstmal sowas wie die „Investition und Finanzierung“-Klausur dieses Semester bestehen muss, bevor ich überhaupt weiter denken sollte.

    Bleibt spannend. Vielleicht bleibe ich auch bei den Wirtschaftswissenschaftlern und belege zum passenden Zeitpunkt das „Ski-Seminar“ [sic!] „Controlling in dynamischen Umwelten“, dass ungelogen in Champéry im Wallis am Fuss der Dents du Midi und der Dents Blanches im Herzen des Skigebietes Portes du Soleil stattfindet.

    Die Hinterhausbaustelle schreitet voran.

    In Russland stürzte zu Niemandes Überraschung ein Flugzeug ab.

    Ich lese erste Opinion Pieces, dass Künstliche Intelligenz schon wieder vorbei ist.

    Mich freut:

    Sieben Sommerbäder bleiben länger offen als ursprünglich geplant:

    • Sommerbad Kreuzberg (bis 30. Oktober),
    • Sommerbad Olympiastadion (bis 1. Oktober)
    • Sommerbad am Insulaner (bis 30. September)
    • Sommerbad Humboldthain (bis 17. September)
    • Sommerbad Wuhlheide (bis 15. September)
    • Sommerbad Mariendorf (bis 10. September)
    • Staaken-West (bis 3. September)

  • 23-08-22 Fahrrad des Theseus

    23-08-22 Fahrrad des Theseus

    Montag ist ein Tag des Aufbruchs und der Entdeckungen. Zum Beispiel der Entdeckungen zahlreicher neuer Mückenstiche, denn ich war Sonntag zu faul kurz vor dem Aufbruch mich noch abzusprühen.

    Jeder Tag beginnt damit, in dem letzten bisschen kühle Brise zu liegen und zu hoffen, dass der Morgen nicht vorbeigeht.

    Die Tupperdosen liegen in der Latifundienkiste. Auf dem Lidl-Parkplatz stand ein Auto mit Wasserstoffantrieb.

    Madame traf sich mit dem Kantor.

    Essen gibt es wieder aus dem Crocky: Oxtail Stew nach Jamie Oliver. Und da es im August spontan nirgendwo Ochsenschwanz gibt, wird es Ossobuco Stew nach Jamie Oliver.

    Aber es wird: wenn die Wettervorhersage sich nicht komplett irrt, wird es kühler und dann ist der Hochsommer auch vorbei. Immerhin kein nennenswerter Waldbrand, keine Überschwemmungen in unmittelbarer Nähe und die Hitzewellen blieben selten länger als eine Woche erhalten. Glück gehabt, so insgesamt.

    Langsam wird das Freibadwetter wieder besser. Also wieder auf in das Insulanerbad – für einen bewölkten Tag war es überraschend voll; vielleicht wollten die Berliner noch die letzten paar Tage Sommerferien mitnehmen und die letzten Coupons vom Ferienpass einlösen?

    Die Bahnaufteilung verlief auch nicht so ganz reibungslos – Langsamschwimmer und im-Wasser-Treidler sortieren sich nicht so schön auseinander. Aber für eine schöne Dreiviertelstunde im Untergang der hinter den Wolken hervortretenden Sonne reichte es.

    Kleine Rutsche in Form eines Krokodilkopfes. Darauf ein Blumenkübel.

    Auf dem Weg entdeckt: Das Fahrrad muss wieder zum Fahrradmeister. Eine Befestigung des Gepäckträgers ist gebrochen. Was nach 23 Jahren und mehrfach wöchentlichem Einkaufstransport vollkommen okay ist. Andererseits war der Gepäckträger eines der letzten Originalteile des Rads. Es bleiben noch Gabel, Lenker, Lenkervorbau, Sattelstütze und Rahmen – alles andere wurde (mehrfach) erneuert.

    Die Ferne rückt nah

    Die Fernuni-Klausuren rücken näher und langsam groove ich mich wieder auf den Studiumsrhythmus ein. Nicht ohne zwischendurch ein paar Blogs zu lesen.

    Länger schon kannte ich den Nebenbeistudent, der Bildungswissenschaft und Wirtschaftsinformatik studierte. Spannend. Aber wie viele derartiger Blogs in der Mitte abbrechend. Studium geschmissen? Blog umgezogen? ich weiß es nicht.

    Um so beeindruckender der Blog zum Fernstudium Wirtschaftsinformatik und Praktische Informatik an der FernUniversität Hagen. Der gute Mensch hat nicht nur den Bachelor in Wirtschaftsinformatik gemacht und den Master in Wirtschaftsinformatik und dann auch noch den Master in Praktischer Informatik, sondern auch bis zum Ende darüber gebloggt.

    (und nach meinen durchaus fordernden Erfahrungen zum Thema Algorithmische Mathematik erfreute ich mich auch am Post zu dem Thema – wobei es damals noch keine Einsendeaufgaben gab und jede*r an der Klausur teilnehmen durfte. Eine Herausforderung war der Kurs dennoch.)

    Let it Bahn

    In das Nachtzugthema kommt Bewegung. Nicht nur die Finnen, die Österreicher und die Italiener bestellten neue Nachtzuggarnituren, sondern auch die Norweger, die polnische PKP und das Privatunternehmen Midnight Trains bestellten neue Waggons. Back-on-track.eu bringt ein längeres Update zu den ersten Trenitalia/Skoda-Entwürfen für neue Nachtzugwaggons: IC Notte starts to renew its fleet.

    Nur die Deutsche Bahn ist nicht dabei. Die hat andere Sorgen. Nachdem wir live miterlebt haben, wie ein ICE zwischen Leipzig und Erfurt strauchelte, stundenlang in der Hitze brütete und nur mühselig evakuiert werden konnte, wird dieser nun zum Beispiel: Chaotisches Notfallmanagement bei der Bahn – Diesen Sommer steckten Tausende Bahnreisende oft stundenlang in Zügen ohne funktionierende Klimaanlage fest, weil unter anderem der Strom ausfiel. Recherchen von Report Mainz zeigen Probleme beim Notfallmanagement der Deutschen Bahn.

    Die New York Times hat einen Newsletter zu neuer Musik. Meist ignoriere ich diesen. Aber diesmal schaute ich rein: Guns’n’Roses existieren noch! Über die Band und das einzige Stadionkonzert meines Lebens sollte ich vielleicht auch mal schreiben.

    Es gibt eine neue Coversion von Let it Be. So weit, so öde. Diese aber ist von Peter Frampton (73 Jahre alt), Mick Fleetwood (Fleetwood Mac, 76 Jahre, Ringo Starr (The Beatles, 83 Jahre), Paul McCartney (The Beatles, 81 Jahre) und the one and only Dolly Parton (77 Jahre) – und das Ergebnis entsprechend grandios.

    Ähnlich besonders: Emma McKee – die Kreuzstich-Stickerin der US-Hip-Hop-Szene. (The Stitch Gawd)

    Nachdem das Wetter sich langsam wieder in erträgliche Gefilde bewegt, scheint mein Körper zu sagen: Nun hab‘ ich mich aber auch lange genug zusammengerissen. Der erste Abend in der Wohnung ohne Ofeneffekt und prompt kommt die Erkältung. Noch ist alles offen: Wird morgen ein „Mit einmal Nachtschlaf ist alles okay.“ oder ein „So wie ich huste und niese bleib ich aus Infektionsschutzgründen besser im immobilen Arbeiten“ oder wird es „Uuuaaaah, krank, schlafen..“ Ich bin gespannt.

  • 23-07-11 Schwäbsches Schnauferle

    23-07-11 Schwäbsches Schnauferle

    Der Hühnerwald eröffnete. Er befindet sich direkt gegenüber vom Haupt-Grill, welcher bisher im Umkreis von 300 Metern das Monopol auf gegrillte Hähnchen hatte.

    Das Gerüst an unserer Wohnung steht. Das Gerüstbauer-Zuschauen-Fernsehen fällt aus, weil fertig. Es bleibt nur das „Fenster-nicht-mehr-einfach-so-offen-lassen-können“-Problem. Und irgendwann kommt buchstäblich das „Sie-reißen-das-Dach-über-unseren-Köpfen-ab“-Problem.

    Wer lacht hat noch Reserven

    Der Montag lässt sich durch den Sonntag beschreiben. Stellen sie sich das Juliwetter vor. Es waren 33 Grad und dazu war es recht schwül. Stellen sie sich Herrn southpark vor. Dieser liegt im Alter näher an Mary Roos als an Badmómzjay. Er verbrachte am Sonntag erst acht Stunden damit, in einem nicht-klimatisierten schlecht-belüfteten 1980er-Uni-Seminarraum Ausführungen zu Simplexverfahren und der Methode des steilsten Gradienten zu verstehen. Dann fuhr er 7,5 Stunden mit verschiedenen Verkehrsmitteln von Hagen nach Berlin. Er war nachts um Eins zu Hause und um Fünf klingelte der Wecker.

    Wäre ich nicht viel zu erschöpft gewesen, hätte ich immerhin etwas zum Lachen gehabt, als eine Kollegin meinte, ich sehe so erholt aus – ob ich im Urlaub war?

    Pivotieren sie doch mal andersrum!

    Sonntag Tag 2 des Studientags. Ich bewundere die Dozent*innen. Während ich ausreichend damit beschäftigt war, nicht zusammenzuklappen, redeten diese über Stunden über lineare und nichtlineare Optimierung, Schrittweiten und Wegrichtungen. Als gute Mathematiker*innen hatten sie sich die offensichtlichen Schritte nicht notiert – leider waren einige davon in der konkreten Situation nicht ganz so offensichtlich und so lernten wir alle zusammen. Fazit aber wie beim ersten Studientag: Es ist intellektuell eine krasse Challenge, aber ich weiß, ich will mehr davon.

    Nebenbei im Gebäude bewundert: die kleine Ausstellung zur Geschichte der Fernuni. Die Uni verdankt ihre Existenz vor allem dem Einsatz von Johannes Rau (der unter anderem auch Bildungsminister NRW war).

    Die Geschichte der Uni begann mit dem Grundkonflikt, dass die Politik eine Fortsetzung des Abendgymnasiums für die Mühsamen und Beladenen des Bildungssystems haben wollten, während die Lehrstühle alles wie an einer „echten“ Uni haben wollten – am liebsten noch anspruchsvoller, damit ja niemand denkt, sie wären keine „richtigen Professoren.“

    Über die Jahrzehnte haben sich alle Gruppen anscheinend geeingnet: Es ist vor allem eine Uni für Berufstätige mit Weiterbildungswillen. Je länger ich dort studiere, desto spannender finde das Konstrukt. Allein zum Campus gäbe es noch so viel zu erzählen. Aber ein andernmal.

    Jetzt sind erstmal alle Fristen für alle Einsendeaufgaben vorbei – ich weiß noch nicht ob ich im September zwei Klausuren schreibe oder zwei Wochen Urlaub gewonnen habe. Auf jeden Fall finde ich habe ich mir zwei Wochen hart erkämpft, in denen ich erstmal gar nicht an das Thema denken muss.

    Bunt zu schwarz

    Die Deutsche Bahn versucht, uns auf die Autobahn zu locken.

    Freitag, die Butterkekssituation. Ich sitze friedlich im IC von Hannover nach Hamm, da fällt zwischen Minden und Bielefeld das Signal aus. Wir halten länger in Haspe, fahren unter Zurücklassung eines verwirrten Fahrgastes weiter und halten wieder länger in Kirchhorsten. Ich entnehme der App zwischendurch, dass Hagen abends spärlich angefahren wird, der ÖPNV in Hagen noch spärlicher fährt und rette mich über Dortmund mit knapp zwei Stunden Verspätung in die Bildungsherberge.

    Sonntag das Gewitter. Ich habe Vorahnungen und hatte Freitag schon erfahren, dass Hagen schlecht erschlossen ist. Ich nehme anderthalb Stunden vor der eigentlichen Abfahrt den RE nach Hamm. Gute Wahl: Direkt nach mir werden alle Verbindungen von und in die Stadt gekappt.

    In Hamm warte ich 2,5 Stunden, denn auch mein ICE hat Verspätung. „Es mussten noch mehr Wagen bereitgestellt werden.“ Der Bahnhof ist gefüllt mit bunt gekleideten jungen Menschen – Gestrandete auf der Rückfahrt vom Kölner CSD.

    Leerer Autotransportzug fährt am Bahnsteig vorbei,
    Hamm Hbf. Hauptstadt der deutschen Zugteilung

    Ich lande um Mitternacht in Spandau und nehme die S-Bahn nach Hause. An der S-Bahn-Haltestelle Olympiastadion warten hunderte schwarz gekleidete Ü50-jährige. Offensichtlich kommen sie von einem Konzert. Aber dieses innere Glühen, diese Hibbeligkeit die Menschen nach einem Konzert haben, fehlt komplett. Es herrscht eine Stimmung wie nach einer Arbeitssicherheitsschulung. Ich kann auch keine Band-Shirts erkennen; versuche über das Mithören der Gespräche den Anlass zu erfahren: Nichts. Immerhin reden die Ü50s überraschend intelligentes Zeug. Später googele ich: Depeche Mode war im Olympiastadion.

    Die S-Bahn-Fahrt verzögerte sich, denn der Zugführer weigerte sich, weiterzufahren, solange der Einkaufswagen nicht wieder den Zug verlassen hatte.

    Während ich diese Zeilen schreibe, sollte Madame im ICE bereits Leipzig verlassen haben. Stattdessen ist sie kurz hinter München im Ersatzzug des Ersatzzugs der geänderten Verbindung. Die schwäbsche Eisenbahne zwischen Ebingen und Esslingen kollabierte. Der Zugführer schaltete bereits die Klimaanlage aus, damit die Lok die Berge hinaufschnaufen konnte. Aber auch so humpelte die Regionalbahn mit letzter Kraft und fernab aller Anschlüsse ins Ziel.

    3rd Level Support

    Phänomenal aber das Deutschlandticket: Kreuz und quer mit dem Bus durch Hagen, ohne sich einmal Gedanken zu müssen, ist großartig.

    In Tübingen kletterte Madame über einen Abhang und erhielt am anderen Ende Linsen und Salat.

    Seit fast einem Jahr versuche ich, mit eon in Korrespondenz zu treten. Der Konzern beantwortet meine Briefe und Mails nicht. Immerhin: nach 10 Monatan rührte sich das Unternehmen das erste Mal. Natürlich nicht mit einem Schreiben an mich. Der 3rd Level Support („Priority Complaints and Social Communities.“) schrieb an die Schlichtungsstelle Energie: „Wie vom Beschwerdeführer gewünscht haben wir die Änderungen am Vertrag vorgenommen.“ Immerhin. Wenn es halt so sein musste.

    In Schwaben entdeckte Madame das großartige Schwimmbad Ebingen. ICH MUSS DA HIN!

    Frau Novemberregen war in der Therme. Frau Herzbruch schreibt über Geld. Die Kaltmamsell schreibt über sich.

    Vielleicht habt ihr gelesen, dass die Orkneys sich Norwegen anschließen wollen. Noch charmanter finde ich die Idee, dass York nach Dänemark möchte.

    Następnym razem we Wrocławiu

  • 23-07-08 Eskalationsstufe Butterkeks

    23-07-08 Eskalationsstufe Butterkeks

    „I don’t do curves“. Der kurzfristig zugeschaltete diskrete Mathmatikprofessor war da eindeutig. Beim Studientag der Algorithmischen Mathematik versuchten Student:innen ihm Zahlen abzuringen, wie viele Teilnhmer:innen bestehen. Er ließ sich auf nichts ein. In guten Jahren fallen 30% durch, in schlechten 70%.

    Ich bin in Hagen, Mathe live. Außer mir finden es noch vier andere Studenten und zwei Dozent*innen eine gute Idee sich bei 33 Grad in einen 70er-Jahre Unibau zu setzen. Etwa 50 andere nahmen per live-Zoom teil

    Abee er es lohnt: Hagen als Stadt ist spannend, die Fernuni ist noch viel spannender + der Campzs in all seiner 70er-Haftigkeit eine wunderbar grüne Oase, Selbst nach Kuhn-Tucker-Bedingungen, Cholesky-Zerlegung und im Gepãck MIT 6 Stunden Arbeit Freitag plus 6 Stunden geplanter Zugfahrt (+2 Stunden ungeplanter Verspätung – wenn die Bahn anfängt, Wasser und Butterkekse zu verschenken, wird es ernst,), konnte ich das heute noch irgendwie würdigen.

    Fernuni

    Inhaltlich ging es um unrestringierte und restringierte Optimierung so allgemein. Die Teile, die ich bereits im Studienheft bearbeitet hatte. In Teilen fühlte ich mich bestãtigt, weil ich es verstanden hatte, zum Teil fühlte ich mich in meiner Einschãtzung bestãtigt, es nur halb verstanden zu haben und deshalb blöde Sachen falsch zu machen. Morgen kommr der Teil den ich bisher nicht mal anschaute.

    Aber wie sagten sie: Belegen sie gerne mehr Mathekurse, Das Schwerste haben sie quasi hinter sich. Der erste Schock ist der schlimmste.

    Auch noch gelernt. Das schicke Programm, dass sie nutzen, um mit Tablet und Pen Formeln und Zeichnungen in Text zu zeichnen, nennt sich PDF Annotator. Denn nicht nur für Inhalte studieren wir, sondern auch für stinknormales Handwerkszeug.

    Sonst. In Dithmarschen kommt weiterhin kein Klempner. In Hamburg-Volksdorf kühlt es nachts ab. Der ÖPNV in Hagen ist seltsm – aber gebt mir noch eine Woche und ich bin mit allen Busfahrern auf den relevanten Strecken per Du.

    Die „Bildungsherberge“ ist noch schlechter ohne Auto erreichbar als die Uni – okay, 33 Grad und die steigungsaffine Geographie von Hagen helfen auch nicht. Das Westfalenbad ist ein spektakuläres Schwimmbad – ob im guten Sinne, bin ich noch unentschieden.