Schlagwort: Mathe

  • 23-11-30 Tuba Mirum / 106

    23-11-30 Tuba Mirum / 106

    Jürgen Milski wurde bei Promi-Big-Brother aus dem Container gewählt.

    Die Rohre verschwanden vom Sachsendamm. Nachdem die epische Straßenbaustelle gefühlt seit Monaten still stand, reichte ein Wochenende aus, um mehrere hundert Meter Abwasserrohr durch ein Zelt über eine Brücke in die Erde zu versenken. Ich bin beeindruckt.

    Madame traf Professor Transformation in Witzleben zum Kuchen. Dann ließen sie sich zu musikalischem Wein einladen.

    Madame lernte: Defibrilatoren reden.

    Madame ließ im Stehen Klischees zeichnen. Was ich besonders nett finde, weil das Wort Klischee aus der Drucktechnik kommt.

    Der Kaptain kämpfte sich durch einen Nordseeschneesturm zur Impfung.

    Nach vielen Jahren versuchte ich mich wieder an den elektronischen Zeitschriftenbeständen in Unibibliotheken. Und stelle fest: Der ganze Zugriff ist genauso verwirrend und unübersichtlich wie eh und je. Am Ende bestellte ich gedruckte Bücher zur Abholung in meinen Standort der Stadtbibliothek.

    Meeting mit VMB und DS am Kaiser-Richard-Platz. Wir sind immer noch bei den Präliminarien. Aber es wurde blutig. Langsam kann ich die 106 und die 204 in die Liste „meiner“ Buslinien aufnehmen.

    Jedes Element eines Körpers ist invertierbar

    Gelesen 1: Das Skript Mathematische Grundlagen auf dem Spielzeug mit Hilfe von Surface-Pen und Xodo. Ich bin begeistert. Es funktioniert richtig gut. Beim Herummalen im Skript leuchtete ein paarmal die Glühbirne am Kopf auf. Diverse Grundbegriffe, um die ich mich bisher recht-und-schlecht herumlavierte, wurden plötzlich sonnenklar. Das ergibt alles total Sinn! Allerdings fühlen sich die vier Module bei dem Fortschrittstempo weiterhin sehr sportlich an. Es bleibt spannend bis in den März hinein.

    Im begeisterten Überschwang hätte ich fast noch eine Edeltastatur für das Tablet impulsgekauft. Ich hielt mich nur zurück, weil ich Impulskäufe generell ablehne und nochmal drüber schlafen wollte.

    Gelesen 2: Nicole Seifert: Frauen Literatur. Über Literatur von Frauen und darüber wie der Literaturbetrieb diese ausgrenzt.

    Der Politikwissenschaftler in mir mehr kratzt sich mehr als einmal irritiert am Kopf, wenn Seifert versucht eine ad-hoc-Theorie von Macht und Ausgrenzung aufzustellen. Begrifflich rennt sie immer wieder gegen dieselbe Wand ohne die Tür zu sehen. Sie arbeitet sich an Beispielen ab, ohne die dahinterliegenden Strukturen beschreiben zu können.

    (Der SZ entnehme ich, dass die feministische Literaturwissenschaft schon deutlich weiter war.)

    Angesichts ihres eigenen sehr deutlich vorgetragenen Inklusions- und Diversitätsanspruches wünschte ich mir, Seifert würde den eigenen Balken im Auge sehen: In bester Tradition des etablierten deutschen Nachkriegsbildungsbürgertums nimmt sie bis auf wenige Token-Ausnahmen nur Menschen wahr, die auf deutsch oder englisch schreiben.

    Viel Licht: Womit das Buch glänzt, und was das Lesen lohnt: die zahlreichen Beispiele von Literatur von Frauen. Auf meiner Leseliste landeten erstmal Gabriele Reuter, und Vicki Baum und Deniz Ohde.

    Shiny shiny

    Falls ich je an den Punkt im Leben komme, an dem ich wirklich gar nicht mehr weiß, wohin mit dem Geld, kaufe ich mir einen AirPods-Case von Hermès. Vielleicht kaufe ich dann sogar AirPods.

    Nebenbei. In einigen Blogs sehe ich, dass Markennamen wie A*ple mit Gendersternchen geschrieben werden. Ist das Internet-Aberglaube oder hat das eine echte praktische Bewandnis?

    Alon Levy in seinen „Pedestrian Observations“ zum Thema „Berliner Magnetschwebebahn“: Quick Note: Anti-Green Identity Politics.

    Croco und die Deutschstunde.

    20 Jahre Geocache-Webcam im Blühenden Barock.

    Südfrankreich kann sehr kalt sein. (Und ich brauche jetzt einen Schneemann-Weihnachts-Duschvorhang.)

    Morgens um 6:35h in Israel.

    Spotify hat die Jahresauswertung gemacht. Am beliebtesten in diesem Haushalt: das berühmte Barbecue-Quartett für Flöte von Wolfgang Amadeus Mozart:

  • 23-11-21 Tuba mirum lux aeterna

    23-11-21 Tuba mirum lux aeterna

    Von Menschen meines Alters erwarte ich, dass sie etwas Wichtiges für das Leben gelernt haben: Flaschen, die parallel zur Laufrichtung des Kassenbands liegen, kullern nicht.

    Das gegen-den-Mast-gefahrene-SUV ist weg. Teile seiner Front liegen noch auf der Fußgängerinsel. Der Mast steht schief. Aber er steht. Berlin bleibt stabil.

    Der CDU scheint es zu mühsam, vorhandene Verkehrsprobleme zu lösen, deshalb verlegt sie sich auf die Lösung nicht-vorhandener Probleme. Eine Magnetschwebebahn in der Innenstadt ergibt unter genau gar keinen Umständen Sinn.

    Ein guter Anlass auf die Schöneberger Fahrraddemo nächsten Freitag hinzuweisen: Was nützen Radwege, die nur ein bisschen schützen?!

    Passend dazu, bin ich weiter auf Alternativstreckensuche für den Arbeitsweg. Während der Rückweg schon ganz okay ist, gestaltet sich der Hinweg mühseliger. Die zweite Hälfte des Wegs emtwickelt sich (Akazienstraße – Kolonnenstraße – Leberstraße – Cheruskerstraße – Torgauer Straße – Hedwig-Dohm-Straße). Die erste Hälfte gefällt mir noch nicht recht.

    Madame fuhr ein Swapfiets nach Königs Wusterhausen. Ich richtete ein repariertes Swappie wieder zum Einsatz her.

    Am Kaiser-Richard-Platz hatte ich ein Meeting mit VMB und DS. Wir blieben bei Präliminarien und meeten nächsten Dienstag weiter.

    Dies irae

    Sonntag Abend. Nach der intellektuellen Überwältigung durch isomorphe Vektorraumabbilkdungen folgte die emotionale Überwältigung durch Verdi. Der Neue Chor Alt-Schöneberg mit zahlreicher Verstärkung gab in der Apostel-Paulus-Kirche Guiseppe Verdis Messa da Requiem. Bekannt für das Dies irae. Aber auch sonst ein Werk das erzittern und erschauern lässt.

    Ein Komponist, der das komplette Repertoire der dramatisch-theatralischen Operninszenierung beherrscht trifft auf die durchdringende Wucht der katholischen Totenmesse. Erzittert oh sterbliche.

    Ich war beeindruckt, was sich in Schöneberg in den letzten Jahren an Kirchenmusik entwickelt hat. Diese Professionalität, sowohl im Klangkörper als auch im drumherum hätte ich nicht erwartet.

    Körper und Räume

    Der Moabiter fragte, warum ich im vierten Semester eine Veranstaltung belege, die „Einführung in..“ heißt. Ich verriet nicht, dass ihr korrekter Titel „Einführung in die Grundlagen..“ lautet. Nach dem Kurzausflug in die Mathematik bin ich seit Montag zurück bei der Einführung in die Technischen Grundlagen der Informatik und versuche, Steuerwerk, Leitwerk, Registerblock , Arithmetic Logical Unit (ALU) und PC (program counter) eines Prozessors auseinanderzusortieren.

    Das Wochenende stand allerdings noch im Zeichen des Mathe-Studientags. Es begann mit der Menge, führte über die Abbildung (die Verknüpfung mehrerer Mengen) und den Körper K (eine Menge unter besonderen Bedingungen. Dann wurden gerechnet, mit Matrizen über K – Matritzenaddition und Multiplikation und die Lösung linearer Gleichungssysteme mit Hilfe von Zeilenumformungen und Gaußalgorithmus. (ich glaube wenn ich irgendetwas aus diesem Kurs auch in 10 Jahren noch nachts um 3 im Halbschlaf können sollte, dann den Gaußalgorithmus).

    Wir setzten fort über K-Vektorräume (eine Menge von Vektoren über K) und ihre Unterräume um schließlich zu Erzeugungssystemen (einzelne Vektoren aus denen man den Vektorraum zusammensetzen kann), Basen (die kleinstmögliche Menge von erzeugenden Vektoren) und den Austausch verschiedener Basisvektoren gegen andere zu kommen.

    Zum Endspurt – es war Sonntag mittag, der Kurs war etwas durch und der Chat wurde erkennbar alberner – ging es dann um lineare Abbildung zwischen Vektorräumen (mitsamt Vektorraumhomomorphismus und Isomorphismen.) Wenn man Mengen aufeinander abbildet, hat man in der Ursprungsmenge Kern und Bild, und diese gibt es natürlich auch in Vektorräumen. Daraus lässt sich der Rang von Kern und Bild bestimmen.

    Zum Abschluss, für die die noch folgen konnten, kam dann alles zusammen. Es ging um den Vektorraum, der gebildet wird durch die Abbildungen zwischen zwei anderen Vektorräumen. Man kann diese linearen Abbildungen dann auch noch multiplizieren und komponieren. Und da war ich dann endgültig durch und raus.

    Cry for Argentina

    Faschisten wählen ist keine gute Idee, auch nicht in Südamerika. Deshalb möchte ich lieber darauf hinweisen: Im Kanton Schaffhausen wurde bei der Ständeratswahl der unabhängige bisherige Mandatsinhaber (der „bei der SVP politisiert“) abgewählt und dafür ein Kandidat der Sozialdemokraten gewählt. Das erste mal jemals, dass in Schaffhausen in Mandatsinhaber abgewählt wurde.

    Damit ich Schaffhausen noch mehr mag, beschloss das dortige Stimmvolk gleichzeitig den Bau eines neuen Schwimmbads.

    Madame empfiehlt den MDR-investigativ-Podcast Cold Case NSU – neue Erkenntnisse zum Polizistenmord von Heilbronn

    Derweil war BBC Travel in Berlin und lobt the Hidden Beauty of the Berlin Swimming Pools. Meine Rede seit 2015.

    Als Kleinstverlagsbetreiber hatte ich mit vielen Berliner Buchhandlungen zu tun. Unter den Top 3 von „sind kompetent und sympathisch“ befindet sich „Die gute Seite“ in Neukölln. Mich freut ein Tagesspiegel-Portrait über die Buchhandlung.

    Aus verschiedenen Gründen liegt unser gemeinsamer Urlaub derzeit im Sommer. Im Sommer will man nicht nach Sizilien sondern eher nach Spitzbergen. Falls wir mal wieder zusammen Novemberurlaub nehmen können, nehmen wir auf jeden Fall den Nachtzug nach Sizilien.

    Herr Mess war auf Fortbildung. Er fragt sich, warum Lehrer*innen – die zahlenmäßig größte Gruppe an Beruffsprechern – keinerlei Stimmbildung oder Sprechausbildung bekommen: Woche der Lehrergesundheit

    Aufmerksamkeit wie ein Eichhörnchen oder stark fokussiert? alternativ: Deutsche Bahn.

    Besuch aus Indien bei urmila: Aber offensichtlich hat [die Besucherin] in der kurzen Zeit schon genug Erfahrungen gemacht, um die Unzuverlässigkeit der DB zu kennen. Letztere kann nicht mit der indischen Bahn mithalten, von der die Freundin überzeugt ist.

    Tipp für’s Leben; Der Befehl zum Anzeigen der Formeln, also des wahren Hintergrundes eines Blattes.

  • 23-11-18 Zweimal drei macht vier und noch drei macht neune

    23-11-18 Zweimal drei macht vier und noch drei macht neune

    Samstags kippt Madame das Schaukelschaf.

    KATWARN-Meldungen aus Dithmarschen (Sturmflut) und Südbaden (Starkregen, Überflutungen) begleiten meine Tage. Die Berliner Katastrophen scheinen aktuell eher menschengemacht.

    Freitag fanden sich spontane Aufkleber für eine erneute Freitagabend-Fahrraddemo gegen die aktuelle Berliner Verkehrspolitik. Je mehr ich von der aktuellen Verkehrspolitik sehe, desto eher habe ich den Eindruck, sie verfolgt kein Konzept außer „kein Platz für Fahrräder.“ Was noch weniger zukunftsträchtig ist, als das Gegenmodell „Autos sind böse.“

    Auch nach 18 Monaten vermisse ich meinen alten schönen Arbeits-Radweg über den (zu den entsprechenden Uhrzeiten) leeren IKEA-Parkplatz, dann am Alboinplatz-Park vorbei und schließlich am Teltowkanal entlang. Ich machte mich wieder auf der Suche nach Alternativen. Diese sollten möglichst frei von Linksabbiegungen, Ampeln und vor allem Auto-Berufsverkehrwahnsinn sein. Das ist nicht einfach. Immerhin entdeckte ich beim Alternativentesten eine neue Fahrradquerung des John-F-Kennedy-Platzes.

    Ich überarbeitete die „Über mich„-Seite auf dem Blog. Ziel: Mehr Buchstaben, weniger Inhalt.

    Nach nur 15 Tagen DHL-Verwirrung gelang der Zugang zur Swappie-Sendung. Ich musste nur die bestehende Verbindung meines spezifischen Handies zur DHL-App löschen. Dann einen Brief mit QR-Code anfordern und dann wieder dasselbe Handy mit derselben App verknüpfen. „Ausschalten und wieder Einschalten.“ – in wie vielen Formen einem diese Standard-IT-Lösung begegnet.

    Wir schauten Borgen in der arte-Mediathek und freuten uns: Unser Universal-Gartenmöbel, auch „das Getüm“ genannt, hat einen Cameo-Auftritt im „Kreativraum“ von TV1.

    Noch letzte Woche schrieb ich, dass ein relevanter Anteil Berliner Autofahrer bei Dunkelheit und Regen von Blindheit geschlagen wird. Diese Woche verließ ich die Verwaltung und sah ein Beispiel: SUV an Laternenmast. Vermutlich beim Abbiegen die Einfädelspur um drei Meter verpasst. Angesichts dessen, dass ich neben dem Mast öfters stehe, um die Straße zu überqueren, bin ich froh über eine solche Barriere.

    Wohldefiniertheit

    Mein dritter Studientag: der Studientag Mathematische Grundlagen. Wie angesichts der Rechenfähigkeiten von Mathermatikern zu erahnen, dauert ein Studientag zwei Tage. Meine komplette Vergleichsgelegenheit sind die beiden (also vier) Studientage Algorithmische Mathematik aus dem letzten Semester.

    Formal gibt es einige Unterschiede: Letztes Semester nahm ich vor Ort teil (in Nürnberg bzw. in Hagen). Dieser Studientag findet nur virtuell statt. Die Algo-Mathe bestritt ein gut eingespieltes Duo. Diesmal eine One-Woman-Show mit Chat-Aushelfer. Bei der Algo-Mathe bestand die Zielgruppe aus Wirtschaftsinformatik- /Informatik-Studierenden irgendwo in der Mitte des Bachelors. Dieses Mal sind es Mathe- /Informatik-Studis im ersten Semester.

    Der größte Unterschied liegt bei mir selber. Im letzten Semester habe ich gefühlt nichts anderes aktiv studiert außer Algo-Mathe und dementsprechend intensiv hatte ich mich vorbereitet. Dieses Wintersemester ist das 4-Modul-Semester und so habe ich vor einer Woche überhaupt das allererste mal ernsthafter in die Mathe-Unterlagen geschaut. Ich bin also eklatant unvorbereitet.

    ABER ich habe ja Algo-Mathe überwunden. Das inhaltlich auf dem Modul Mathematische Grundlagen aufbaut. Sprich: ich musste mir letztes Semester alles aus dem Nichts irgendwo beibringen, was ich jetzt formal korrekt lerne. Trotz mangelhafter Vorbereitung fühle ich mich inhaltlich mehr angekommen und orientierter als je in der Algo-Mathe.

    Ein kleiner Exkurs im Begleitchat machte mir deutlich, was ich an der Mathematik an sich mag:

    Studierendes 1: Aber wenn F2 abgeschlossen bezüglich Addition ist, dann müsste 1+1=2 in F2 liegen? ich kann doch nicht einfach bestimmen, dass 1+1 gleich 0 ist, oder?

    S2: Doch. Das ist so bestimmt.

    S3: Definieren kann man was man will.

    Unterrichtender: Nicht so ganz. Es gibt so etwas wie „Wohldefiniertheit“. Aber das ist nicht Kursbestandteil.

    Das mag ich. Es gibt kein absolutes „Das ist so“ oder „das muss so.“ Erst wird von Menschen die Definition erschaffen. Und natürlich lässt sich problemlos eine Pippi-Langstrumpf-Mathematik erschaffen in der gilt: 2*3 = 4 und (2*3)+3 = 9. Wahrscheinlich haben damit schon längst Mathematiker*innen gearbeitet. Aber das bedeutet nicht Willkür oder Chaos, denn innerhalb der Definition herrscht zwingende Stringenz. Totale geistige Freiheit bei innerer Disziplin. I like.

    Tiere des Kaisers

    Heute lernte ich: Im Handarbeitsfachhandel gibt es den Farbton „Männerbunt.“ Es handelt sich um ein unifarbiges Dunkelblau. Laut Handel geht es um eine „Kombi aus Blau und Grau, der Lieblingsfarbe vieler Männer.“ Der Farbton „fröhliches Männerbunt“ ist einen Tick heller, aber genauso einfarbig.

    Madame hört regelmäßig den Podcast The News Agents USA, der US-Politik aus UK-Perspektive kommentiert. Sie erfreute mich damit, dass der Podcast eine Exkursion in die USA unternahm und (natürlich) bei der größten religiösen Veranstaltung Georgias vorbeischaute: Einem Heimspiel des Georgia Bulldogs College Football Teams.

    Erinnert ihr Euch. Es gab Zeiten, da wirkte das ehemalige Google-Motto „don’t be evil“ noch nicht wie finsterster Zynismus. Es schien ein paar Jahre so, als könnten Techno-Utopismus, Geld verdienen und Menschheitsrettung wirklich Hand in Hand gehen. Ursache dafür war maßgeblich der Whole Earth Catalogue und seine Folgen. Eine Mischung aus Technik-begeistertem Versandhauskatalog und Kalifornien-Gegenkultur mit revolutionärer Hippie-Attitüde.

    Aus der Szene, die der Katalog bediente, gingen viele Silicon-Valley-Pioniere hervor. Seinen Geist verkörperten sie. Jetzt, da der Geist komplett verschwand, ist immerhin der Katalog wieder da. Alle Ausgaben wurden komplett digitalisiert: https://wholeearth.info/ (mehr Hintergrundinfo bei Wired)

    Einen geistigen Schlingerkurs von verstaubtem englischen Konservatismus über drogennehmende Hippies und die Heavy-Metal-Szene bis in den kulturellen Weltmainstream ging Tolkiens Herr der Ringe. Eine Fangruppe sind italienische Faschisten. Die sind an der Regierung. Ihr Kultusministerium veranstaltet in der Galleria Nazionale d’Arte Moderna e Contemporanea eine Tolkien-Ausstellung. Das ist alles so bizarr, dass selbst ich es nur schwer glauben kann.

    Wer sich je mit Kategorisierungen beschäftigen musste, kennt das Borges/Foucault-Beispiel der fiktiven chinesischen Enzyklopädie mit den Tiergruppen „(a) Tiere, die dem Kaiser gehören (b) einbalsamierte Tiere (c) gezähmte Tiere (d)…“ An diese Liste musste ich denken angesichts des Wikipedia-Eintrags List of games that Buddha would not play.

    Nicht alle Rollenspielgruppen waren so spießig-anständig wie wir damals.

    Währenddessen in Nord-Israel nahe des Libanons.

    Gut erinnere ich mich daran, des Nachts in Basel mit dem ICE anzukommen und dann irgendwie weiterzumüssen. Dieses Szenario aus professioneller Perspektive.

  • 23-11-14 Krause Glucke

    23-11-14 Krause Glucke

    Die Schwimmhalle Hüttenweg eröffnet nach mehrmonatiger Sanierung wieder.

    Das DHL-verschollene-Handy tauchte in der Packstation auf. Ich habe den Verdacht, es hängt damit zusammen, dass ich höflich aber bestimmt eskalierte.

    Übermorgen soll die mehrfach verschobene Parkzone vor unserer Haustür in Betrieb gehen. Vorausgesetzt allerdings, die neue Verkehrssenatorin klebt sich nicht unter dem lauten Entsetzensschrei „Die Parkplätze!“ irgendwo fest.

    Passend dazu: In der FAS sah ich eine Tabelle, dass kaum eine andere Großstadt einen derart großen Anteil an Fläche für Automobile bereitstellt wie Berlin. Dabei hat bietet allerdings auch kaum eine andere Großstadt weniger Parkplätze. Mysterien Berlins.

    An der heimatlichen Großkreuzung fiel die Ampel aus. Normalerweise ist das als Fahrradfahrer ein Moment des Grusels, an dem jede Sekunde irgendwoher ein Autofahrer hervorschießen kann, der seine Chance auf Kreuzungsüberquerung sieht. Hier allerdings hatten sich die Autos so sehr ineinander verhakt, dass stehender Verkehr entstanden war. Super.

    Die Fahrrad-Helm-Saison beginnt. Nach dem letzten Arbeitsstellenwechsel vor anderhalt Jahren verkürzte sich der Arbeitsradel auf ein Drittel. Seitdem das Auf- und Absetzen des Helms ähnlich lange dauert wie der komplette Arbeitsweg, werde ich inkonsequent beim Tragen. Habe jetzt allerdings einmal wieder Berliner Autoverkehr bei Nacht im Regen erlebt – und beschlossen dass unter diesen Bedingungen gut ein Viertel der Autofahrenden einfach GAR NICHTS mehr erkennt. Und trage wieder Helm.

    Berlin-Berlin. Wir verbrachten das erste Nur-in-Berlin-Wochenende seit Monaten. Was einem so alles in der Wohnung auffällt, wenn man mal zwei komplette Tage anwesend ist!

    Madame kochte Krause Glucke. Ich möchte auf eine Wiederholung des Experimentes drängen. Allein dieser tolle Vanille-Nuss-Geruch der schon vor dem Kochen die ganze Wohnung durchströmte. Was ein Pilz! Jetzt fertigt sie Quitten-Aronia-Marmelade an.

    Heimwerken: Wenn du eine halbe Stunde lang Zeug wegräumst, Werkzeug hervorkramst und dich erinnerst welches der richtige Dübel war. Dann legst Du alle Einzelteile zurecht, um 20 Sekunden zu bohren. Und dann wieder eine halbe Stunde rückwärts.

    Dies war der Plan.

    Leider machten wir eine archäologische Entdeckung mit dem Schlagbohrer. Eine Leitung: Anscheinend zu einer versetzt liegenden Steckdose auf der anderen Seite der Wand gehörend (?!?). „Der Strom ist aus“, informierte mich Madame als wir uns tastend in der stockdunklen Wohnung trafen.

    Schon fast als archäologische Entdeckung möchte ich die Wurzelgemüsereste aus der hinteren Kühlschrankecke bezeichnen. Zum Glück gab es einen Slow Cooker, der diese in eine wohlgefällige Gemüsesuppe verwandelte.

    Was ist eine Fläche?

    Nach dem Fernuni-Kurzausflug in die Technische und Theoretische Informatik wechselte ich schon wieder das Modul. Kurz erfreute ich mich, dass mit Spieltheorie (Modul Betriessysteme und Rechnernetze) und Formaler Logik (Modul Mathematische Grundlagen) zwei Themen kommen, die ich tatsächlich mal auf universitärem Niveau lernte. Aber das war nur kurz: Am Wochenende steht der zweitägige „Studientag Mathematische Grundlagen“ an. So las ich die entsprechenden Skripte.

    Wobei „lesen“ bei mathematischen Texten ein schwieriges Konzept ist. Verständnishaftes „lesen“ bewegt sich ja gerne im Tempo von einem Zeichen pro Minute voran – welches Zeichen ist das? Warum steht es da? Was bewirkt es? – und in dem Tempo hätte ich keine 250 Seiten geschafft. Ich betrachtete jedes Wort bei mäßigem Verständnis von allem. So etwa wie „eine Bergwanderung mit der Drohne abfliegen“. Die Wanderung steht noch bevor. Und die Wanderung wird eine Herausforderung. Hoffentlich habe ich jetzt einen vagen Eindruck der zurückzulegenden Strecke.

    Da es um Grundlagen geht, spielt die altbekannte Schulmathematik schon eine Rolle. Nur halt von hinten durch den Hals ins Auge. Im Skript wechseln sich neckische Texteinschübe ab mit Holla-die-Waldfee-Formeln. Nach vielen Seiten der Herleitung der Existenz Irrationaler Zahlen wird festgestellt, dass es nun Zeit ist, auch eine Irrationale Zahl zu betrachten. Es geht erstmal um Wurzeln:

    Ein alter Hut, meinen Sie? Nein, nicht wirklich, denn haben Sie jemals einen Beweis dafür gesehen, dass so etwas wirklich existiert? Und bedenken Sie, wir haben ja nur die neun Axiome zur Verfügung, und aus denen leiten wir all dies her.

    Und dann folgen drei Seiten Formeln. Im Wesentlichen wird nachgewiesen, dass ein höchster Wert (ein Supremum) r einer Menge existiert. Danach folgt der Beweis, dass dieses Supremum hoch p (also r^p) gleich a ist, also ist r die p’te Wurzel aus a. Dies erfolgt indem nachgewiesen wird, dass r^p > a und r^p < a zu Widersprüchen führt. Also muss r^p = a sein. Das bedeutet r ist die p’te Wurzel aus a. Es endet mit:

    Mit dem Satz des Archimedes können wir ein \[m \in \mathbb{N} \]so wählen, dass \[m > \max \lbrace \frac {1} {r} , \frac {pr^p} {r(r^p−a)} \rbrace \] ist. Für ein solches m gilt \[ (r− \frac {1}{m})^p > a \]. Da aber \[ r− \frac {1} {m} \] wegen \[ r − \frac {1} {m} < r \] kein Supremum von \[ \mathbb{ M} \] ist, gibt es ein \[ y_0 \in \mathbb{ M} \] mit \[ y_0 > r − \frac {1} {m} \]. Mit dem Lemma 12.2.66 gilt \[y^p_0 > (r |− \frac {1} {m})^p > a \], ein Widerspruch dazu, dass \[ y_0 \] in \[ \mathbb{ M} \] liegt.
    Da \[ r^p >a \] und \[r^p <a \] zum Widerspruch führen, muss \[r^p = a \] gelten, und es folgt, dass r eine p-te Wurzel aus a ist. \[ \square \]

    Die gute Nachricht: Dieser Kurs ist für den Bachelor Wirtschaftsinformatik komplett ohne Belang. Er besitzt formale Bedeutung nur für DEN MASTERPLAN. Und als solches ist er noch mehr Hobby als die anderen Module gerade. Die schlechte Nachricht: Ich verstehe, wie Durchfallquoten von 70/80% in der entsprechenden Klausur zustande kommen.

    Meta-Bildung 1A / 1B

    Als Kurzzeit-Axel-Springer-IT-Dienstleister und unregelmäßger Bild.de-Leser beobachtet ich die Entwicklung der Zeitung mit Spannung. Nach den Rechtsaußen-und-unfassbar-peinlich-Jahren mit Julian Reichelt, kam die halbwegs nette aber belanglose Zeit unter Johannes Boie. Naja, und jetzt kommen die Frauen und machen den Job: Seitdem Marion Horn die Chefredaktion übernommen hat, hat das Blatt sich wieder gefunden. Reaktionär, dass es kracht. Dabei nicht peinlich. Die Leserschaft dort abholend wo sie ist. Agenda-setzend wie seit Jahrzehnten nicht mehr. Bei Axel Springer sollten die Sektkorken knallen und der Rest der Menschheit sollte trauern.

    „Die Grünen nehmen uns die Heizung weg!“ und „Wenn noch ein Migrant mehr kommt, platzt Deutschland!“ – zuerst auf Bild und schon zwei Wochen später im Deutschlandfunk.

    Sympathischer:

    Als ich noch aktiver in Wikipedia war, habe ich mit vielen Journalist*innen über Wikipedia gesprochen. Ihr Verständnis der Prozesse dort war … unterschiedlich. Einer der wenigen bei dem ich den Eindruck hatte, er versteht wirklich wie das alles funktioniert war des Tagesspiegels Sebastian Leber. Um so mehr freue ich mich, dass er thematisch mal wieder bei Wikipedia landete: Nahost-Diskussionen auf Wikipedia: Krieg um die Begriffe

    Poupou bloggt Bildung – Bildung über Bildung geradezu: Modul 1A Lernheit 1Modul 1A Lerneinheit 2Modul 1B – Lerneinheit 1

    Kellerkind taucht irgendwie nicht in meinem Feedreader auf, blickte aber trotzdem auf den Oktober zurück.

    Nic traf Gritty McGritface.

    Signorino sagt NEIN.

  • 23-09-30 Die Wissenschaft von Struktur und Muster

    23-09-30 Die Wissenschaft von Struktur und Muster

    Es ratterte und knatterte und.. Nein, eigentlich knatterte es nicht. Es ratterte nur.. rärärärärä. Das erhoffte und vermisste Pfumb wollte nicht kommen. Keine Zündung, kein Start des Motors, nur ein Rattern. Leere Auto-Batterien fallen immer in ungünstigen Momenten auf. Aber Freitag abend, mit dem Kaptein auf den Latifundien wartend, war nicht ideal. Dass der Werkstatt Ersatz-Twingo noch verfügbar war, war mehr als Glück. Vielen Dank! Um den Subaru kümmern wir uns Dienstag.

    Erfreulicherweise brachte uns der Twingo zum Bungalow, wir luden den Kaptein ein und fuhren zu Donna Rosa nach Oranienburg. Es galt mit der besten Pizza Margherita des südlichen Oberhavellandes, Trüffel-Tagliolini und Pfifferlings-Schweinefilet den Roten Adler besonders zu feiern.

    Da Samstag kein Subbotnik war, hatten wir Zeit zum örtlichen Schlachter zu fahren. 20 Minuten vor Ladenschluss erfuhren wir, dass der Verkauf am 2. Oktober nicht öffnet – Glück gehabt, hätten wir dass am 2. Oktober erfahren, hätten unsere 3.-Oktober-Pläne Probleme bekommen.

    Abends stockdunkel aber warm. Ungleichzeitigkeiten der Klimakatastrophe. Während dieses Jahr über den Rest der Welt biblische Katastrophen hereinbrechen, äußert sie sich in Deutschland 2023 darin, dass der Herbst einen schöneren Sommer abgibt als der eigentliche Sommer.

    Ein kaputtes Handy ist auf dem Weg nach Helsinki. Dafür kamen Mangos aus Spanien.

    Madame las auf dem Weg zum Briefkasten Äpfel und Birnen auf.

    In meinem Internet ploppen Vergleiche zwischen Tröt und Bluesky auf, beide Plattformen beginnen Anhänger-Gruppen zu bilden. Ich finde das wunderlich. Ich habe mich „Social Media“ so sehr entfremdet, dass meine Wahl nur zwischen Tröt und Nichts stattfindet. Und eigentlich hält mich nur der Furry-Trans-Femboy-Content auf Tröt

    Dieser Haushalt ist in letzter Zeit stark interessiert an Mathematik und Bildungswissenschaft. Da kommen man am Youtube-Goth-Professor Christian „Inverted Classroom“ Spannagel nicht vorbei. Dem SWR verdanken wir dank SWR2 Tandem ein Interview mit Spannagel.

    Dem Interview verdanke ich die Info, dass CS eigentlich mal Lehrer für Mathe und Latein werden wollte, aber ihm wurde abgeraten, “ Niemand braucht mehr Lehrer“. Dann studierte er Informatik und wurde am Ende Professor für Mathematik und Pädagogik der Mathematik. “ Wie Lehrer, nur noch besser.“ Der Sendung verdanke ich auch den Aussage, die Mathematik ist die Wissenschaft von Strukturen und Mustern.

    Derweil lerne ich Internes Rechungswesen. Ich frage mich wie Kulturkreise das Thema bewältigen sollen, deren Sprachen keine Wörter wie „Verwaltungsgemeinkostenzuschlagssatz“ hervorbringen können.

    Der Tatortreiniger wurde von der BBC nachgedreht und Terence-Eden vergleicht Play-by-Play.

    Das Museum Europäischer Kulturen in Berlin eröffnet am 6. Oktober eine Ausstellung zur Menstruation. Titel: Läuft.

  • 23-09-28 Einkommen & Verbrauch

    23-09-28 Einkommen & Verbrauch

    Burger King im Südkreuz renoviert. Heute wurden die großen 3D-Buchstaben abmontiert. Es kann nur besser werden. Das Queens Pub Schöneberg (ehemals Geisterbahn) renoviert vielleicht. Auf jeden Fall ist der Eingang abgesperrt und die Fenster mit Papier verklebt. Shawarma One (die fünfte Döner-Inkarnation an diesem Standort in zehn Jahren) renoviert.

    Der Sommer zeigt sich genauso widerborstig wie unsere Brombeere und will einfach nicht gehen. Schwüle 28 Grad am 28. September.

    Madame holte 4000 Gramm Bildungswissenschaften aus dem Späti. Später freute sie sich darüber, wenn etwas eingetöckelt wird.

    Heute besuchte Madame den Roten Adler. Aufgrund besonders guter Führung bekam sie lebenslänglich. Zur Feier des Tages kaufte sie Königsblau.

    Traditionell liegt bei uns im Flur ein Paket des Lidl-Shops. Das haben wir mal für einen „Nachbarn“ angenommen. Den Namen kennen wir nicht – was angesichst des Immobilien-Hallodritums an unserem Haus noch nicht überraschend ist. Aber auch keiner unserer uns bekannten Nachbarn kennt ihn. Und an keinem Namensschild findet sich dieser Name. Nach Rückfrage bei Lidl: Wenn seit Wochen niemand das Paket haben will und der Eigentümer unauffindbar ist, soll man es einfach wegwerfen.

    Der Sozialwissenschaftler in mir findet statistische Erhebungen aller Art hochinteressant. Und so geriet ich in die Studie „Wo bleibt mein Geld?“ Irgendwie überlesend, dass ich jetzt für Monate jede Haushaltsausgabe in der App „Einkommen & Verbrauch“ eingeben soll. Mal schauen, wie wir durchhalten.

    Gute Nachricht: Ich bekam die Info, dass ich die Klausur zum Fernuni-Modul „Investition und Finanzierung“ bestanden habe. Damit belegte ich sechs Module, legte sechs Prüfungen ab und habe sechsmal bestanden. Damit bin ich voll im Regelplan für Teilzeitstudent*innen. Sollte die Algo-Mathe noch was werden, bin ich dem Plan sogar voraus.

    Taschenrechner?

    Letztens unterhielt ich mich mit einer ehemaligen Mathelehrerin, warum sie den Schuldienst verlassen hat. Einer der Gründe „Alles, was ich an Mathe mochte, das kreative Problemlösen, kommt in der Schule nicht vor. Stattdessen geht es um Rechnen und Formeln.“

    Passend dazu, die Discord-Diskussion im Channel zum Fernuni-Modul „Grundlagen der Mathematik.“ Frage: „Welcher Taschenrechner ist in der Prüfung erlaubt?“. Antwort: „Keiner. Aber er würde dir eh nicht helfen.“ Ich sage es ja, Alles findet im Zahlenraum 1,2,n statt.

    Noch spannender: ich bin jetzt im Fernuni-Discord. Zum Studienauftakt im 1. Semester dachte ich: „Der Anfang ist das Schwerste. Keine Ablenkung, Scheuklappen maximal; nur ich und das Skript. Und sonst nichts. Alle anderen Angebote beachte ich nur, wenn ich sonst gar nicht weiter komme.“

    Naja, Ich finde der Anfang ist im 4. Semester vorbei und ich kann mir auch mal das ganze Entertainment-Angebot von Mentoriaten bis hin zu Discord anschauen.

    Und gerade Discord. Micky-Maus-Heft-Leser*innen werden die Geschichten kennen: Die Ducks fahren auf eine Expedition, durchstreifen einsame Wälder, überqueren einsame Gebirge, laufen durch eine dunkle einsame Höhle und am anderen Ende der Höhle findet sich eine blühende Zivilisation mit tausenden Menschen auf der Straße, einer hochentwickelten Kultur und Artefakten zum Staunen. So ähnlich ging es mir, als ich mich auf Fernuni-Discord anmeldete.

    Ich stelle aber schon fest, ich will mich nicht ablenken lassen. Ein zappeliger innerer kleiner Hund in mir will sich ganz dringend auf die theoretische Informatik und die Mathematik stürzen. Aber ein grummeliger Erwachsener hält ihn in Schach und sagt „Mach erstmal das Interne Rechnungswesen fertig.“

    Mehrere Fernuni-Skripte ausgebreitet auf einem Tisch.

    Nachtzugbegleiterin

    Bereits im letzten Post berichtete ich begeistert von der bloggenden Zugbegleiterin in Ausbildung. Jetzt entdeckte ich beim Rückwärtslesen: „Meine erste Nachtschicht.“ – Nachtzug mal von der anderen Seite.

    Fast so begeisternd: Die Kaltmamsell fährt nach Berlin und besichtigt Schafe!

    Ich muss 25 Jahre USA kulinarisch dringend in aller Ausführlichkeit würdigen. Bis dahin erstmal der Hinweis auf das Jubiläums-Kochbuch-zum-Herunterladen.

    In der FAZ ein langer Artikel zu Sarah Wagenknecht und ihrer Politik. Und er war erstaunlich kompetent geschrieben. Kurzes googeln erwies: der Autor ist Profgessor für Sozialstrukturanalyse an der Uni Basel: BRD noir.

    Microsoft arbeitet derzeit an seiner Atomkraftstrategie um die künstliche Intelligenz mit Energie zu versorgen.

    (Ich vertraue darauf, dass sich irgendwo im Internet Menschen über das Missverhältnis Finanzierung-Deutschlandticket und Finanzierung-Solar-Car-Ports aufregen. Dann muss ich das nicht machen.)

  • 23-09-21 Dispatches from Pluto

    23-09-21 Dispatches from Pluto

    Das Gefahrenpotenzial der gemeinen Raucherpause wird unterschätzt. Auch kurzfristig.

    Der Teppichreinigungsdienst in der Straße erneuert mal wieder ein gebrochenes/zerschlagenes/zerstörtes Fenster. Wie es sich für eine solche Baustelle gehört, arbeiten zwei Personen, eine weitere gibt wedelnd Anweisungen und vier stehen daneben und schauen.

    Die Absperrgitter für den Berlin-Marathon werden in Stellung gebracht

    In Dithmarschen finden die Kohltage statt. Der Kohlanstich auf einem Feld in Wesselburen erfolgte bereits. Auf dem Heider Marktplatz wird ein großes Kohlfestzelt stehen. In Wesselburen treten nicht nur die beiden Kohlregentinnen Inken III. und Luisa I. auf, sondern auch die Tanzgruppe Westerdeichstrich. Nur beim Meldorfer Kohlvergnügen kommt es Sonntag zu einem eingeschränkten Programm:

    12:00 – 13:00 Jagdhornbläser – abgesagt wegen Personalproblemen!!!

    Der Matrose lachte verschmitzt. MMB möchte einen Pokal. Madame nahm an einem Onlinemeeting mit Berliner Psychologiestudentinnen teil. Ich installierte mir eine krankenkassengesteuerte Wellnessapp und bin gespannt.

    Die Baustelle am Sachsendamm verwandelt sich in halb Baustelle, halb Kunstinstallation, indem sie mehrere hundert Meter Abwasserrohr einfach auf der Straße verlegt.

    Flexible Plankostenrechnung auf Teilkostenbasis, auch Grenzplankostenrechnung genannt

    Geschuldet meinem ehrgeizigen Fernuni-Programm dieses Semesters las ich bereits die beiden Studienbriefe zum Internen Rechnungswesen. (D.h. ich betrachtete jedes Wort einmal weitgehend sinnverstehend.)

    Der Mathe-Lern-teil, in dem ich mich zum Slow Reading zwinge, indem ich alle Formeln rausschreibe, einmal die Variablen und ihren Zusammenhang schriftlich benenne und die Formeln dann mit willkürlichen Beispielzahlen durchrechne, kommt noch.

    (Nebenbemerkung: Angesichts der Zeit, die ich damit verbringe, Mathesachen aufzuschreiben, lohnt noch einmal die Recherche nach dem perfekten Stift).

    Mathematisch wird das interne Rechnungswesen die Steigerung/Fortsetzung der Investitionen: Formal eher einfacher (Nichts Schlimmeres als Grundrechenarten und doppelte Brüche), dafür werden die Formeln selbst länger, es gibt mehr verschiedene Formeln und die Variablen vermehren sich offenbar via Zellteilung.

    Spannend: 330 Seiten im Wesentlichen zum Thema „Wie lege ich allgemeine Kosten – Verwaltung, Entwicklung, Miete etc. – auf Kosten pro produziertem Werkstück um.“

    MSSSPSIPSI

    Mit 16/17, in einem leicht zu beeindruckenden Alter, durfte ich schon einmal die Realität verlassen und eine andere, schönere, wildere, tragischere Realität betreten. Von Hannover ging es in eine Kleinstadt, jeweils etwa 20 Kilometer von Memphis, Tennessee und den Grenzen des Mississippi Deltas entfernt. In eine Realität, die vielleicht vage mit dieser Welt zusammenhängt, vielleicht auch nicht. Seitdem versuche ich, das Erlebte in Worte zu fassen.

    Mississippi ist der emotionale Süden der US-Südstaaten und das Delta ist wieder der Süden davon. Amerikas schwärzeste Gegend, die ärmste Gegend, diejenige Gegend mit der höchsten Rate an Teenage-Schwangerschaften und vermutlich der schlechtesten Bildung des Landes. Ein Fest für jedes US-Klischee eines Deutschen(*) und selbst für die Klischees der US-Amerikaner.

    Und doch, vielleicht liegt es an den Sumpfdämpfen, der Einsamkeit, den Giftschlangen oder der unterträglichen Armut: „Realität“ funktioniert hier anders. Gefühlt verbrachte ich jeden Tag in einem magischen Realismus direkt vor der Haustür.

    Und nun erschien Dispatches from Pluto, ein New-York-Times-Bestseller über einen Engländer, der nach Mississippi zog. Ich dachte an Berliner-ziehen-nach-Brandenburg-Bücher und mein Magen zog sich zusammen. Und dann las ich Ausschnitte, und es war gut. Und ich las das Buch und es war noch besser.

    Er schafft es, die Schönheit ebenso zu sehen wie das Elend. Für eine derart rassistisch geprägte Gegend gelingt es Grant überraschend gut in weiße wie auch schwarze Sozialzusammenhänge zu kommen. (Natürlich trotzdem ganz anders als es einem Schwarzen ginge). Und vor allem: Er lebt in einem einsamen Landhaus, kauft ein Gewehr um sich der Gürteltiere, Schlangen und einsamer Gestalten auf nächtlichen Landstraßen zu erwehren.

    Und bleibt trotzdem recherchierender Journalist, der in Europa aufwuchs und versucht durch die Realitätsverzerrungen der Gegend hindurch feste Realität zu finden.

    Es ist nicht möglich der Gegend gerecht zu werden. Aber Dispatches form Pluto ist ein guter Anfang.

    Gipfelkreuz

    Wo ich schon dabei bin: What to Read Before You Go to Mississippi

    Herr Buddenbohm zieht mit seiner Helgoland-Ausfahrt meinen ewigen Neid auf sich – aber immerhin bloggt er schön darüber. Vielleicht am schönsten in Und jetzt waren wir auch hier.

    Nach Cannes fahren, um DEFA-Filme zu schauen. Das hätte was.

    Gar nicht neidisch bin ich auf den historischen Kompletthausumbau im Hause Maultaschenravioli. Aber ich bin mehr als fasziniert von der Baustellenschilderung.

    (*) Meistens zumindest. Wie das mit Klischees so ist: Bei einem schwarzen Bevölkerungsanteil von über 80% ist das Delta natürlich die Demokraten-freundlichste Wählerdemographie der USA. Vor New York, vor Neuengland, vor Portland. Keine Gegend wählt so verlässlich demokratisch.