Schlagwort: Mathe

  • 25-05-06 Die Ungleichungen;  they are the fun part.

    25-05-06 Die Ungleichungen; they are the fun part.

    Der Gare Francaise Tegel ist heute Veranstaltungsraum eines Altenheims. Mehr zur Geschichte weiß die Seite zur Kremmener Bahn.

    Der Hüpfburgeneventanbieter in Tempelhof-Schöneberg nutzt auch dieses Jahr die Abendteuerland-Plakate. Langsam frage ich mich ob das d zuviel doch Absicht ist. Will er uns sagen: Abends teuer, vormittags günstig?

    An der Dachbaustelle wird der Übergang zwischen Hauswand und Dach neu verputzt. Im Hof steht ein Schild eines Berliner Gipsbauputzunternehmens. Ich kann kaum das Fenster öffnen, weil herunterrieselnder Gipsputz fast erfolgreich die Fensterflügel mit dem Fensterrahmen verklebt hätte.

    Wenn man mit dem ICE Berlin verlässt geht es erst über Felder und dann kommt eine überraschende Industrieanlage auf der Pelikan steht – Erinnerungen an Schulfüller werden wach. Aber nicht mehr: Das Werk wird abgerissen.

    Höhepunkt meiner sportlichen Karriere im Zuschauersport war 1992 der Pokalsieg von Hannover 96 im DFB-Pokal der Männer: der Zweitligist aus Hannover mit einem der Überraschungserfolge des Jahrzehnts. Ich war in der wilden Party am Opernplatz. Montag erfahre ich durch Zufall: ein heutiger Kollege war damals beim Spiel im Stadion.

    Mir träumte, ich wäre auf der re:publica. Die geträumte re:publica war aber nur ein Abglanz ihrer selbst. Im Park eines Tempelschlösschens auf einer Havelinsel richteten Johl und Bücherwürmlein ein Freilustessen. Die 30 anwesenden re-publica-Besucherinnen redeten nur von alten Zeiten.

    Dickmaulrüssler

    Madame schnitt einen wunderbaren Fliederstrauch zusammen, der auch die Berliner Wohnung mit seinem Besuch betört. Die Pfingstrosen täuschten an, blühten aber noch nicht auf.

    Über den Latifundien ein Kranichschwarm, der den Zug nach Süden vergessen hat. Jahreszeitgemäß hingegen die Störche die mehrmals am Tag den Garten im Überflug passieren.

    Nachdem Madame Emma Clines The Guest ausgelesen hatte, liest sie The Places in Between von Rory Stewart und empfiehlt beide Bücher sehr.

    Nachdem ich letzte Woche über Pride-Kopfhörer sinnierte und mir Montag Regenbogen-Socken kaufte, machte ich am Wochenende Holz mit Motorsäge und Axt . Damit habe ich für diese Woche mein persönliches Genderspektrum abgeschritten.

    Spannend auch die Schmerzverteilung beim ungeübten Holzhacker. Der Muskelkater begann direkt im Anschluss im unteren Rücken, wanderte bis zum Abend in die Unterarme und war am nächsten Morgen im oberen Rücken angekommen.

    Wieder gab es Besuch am Frühstückstisch: keine Kürbisspinne, sondern ein Mai-Wurmrüssler aus der Familie der Dickmaulrüssler. Der ist als Pflanzenfresser und Löcherschneider in Rosenblätter bei uns nicht ganz so beliebt, sah auf dem blauen Shirt aber zumindest gebührend eindrucksvoll aus. Und angesichts des kompletten Kleinsttierzoos, den wir beherbergen, macht es eh keinen Sinn, einzelne „Schädlinge“ jagen zu wollen.

    Da Madame wusste, wo man auf dem Dorf spontan große Gläser Ayvar bekommt (Lidl), konnte ich eine Balkan-Platte zubereiten. Das schöne: das Gemüse reicht aufgebraten noch für den nächsten Tag, das Fleisch noch für die nächste Woche und danach haben wir länger keinen Fleischhunger mehr.

    Überhaupt schön, einen richtigen handwerklichen Schlachter nahe der Latifundien zu haben – der erfüllt sämtlichen Bedarf an Fleisch- und Wurstwaren.

    Çay istiyorum

    Verschiedene meiner Kleidungsstücke sind in den letzten Monaten altersbedingt auseinandergefallen. Ich beschloss dieses Problem anzugehen. Erst einmal mit der einfachsten Variante: zu TKMaxx am Kaiser-Richard-Platz fahren und dort Socken kaufen. Am Quengeltisch gab es dann noch sehr schöne hellblaue Macarons.

    Wo ich aber schon am Richard-von-Platz war, galt es Veränderungen zu sehen. Das neu eröffnete Restaurant Sultan entpuppte sich als Hühnerbraterei, die auf den ersten Blick auch nicht anders aussieht als die sieben anderen Hühnerbratereien der Straße.

    Besser waren die Nachrichten von Öz Gıda/ Öz Gida. Dies war immer der spannendste der diversen „türkischen“ Supermärkte der Gegend. Das größte, vielfältigste Angebot, die gigantische Fleischtheke mit dem weltbesten Köfte-Fleisch, die Şarküteri, schon früh gab es „deutsche“ Produkte wie Frischilch, deutsche Käsesorten et cetera. Im Schaufenster die Lobpreisung von Tim Raue. Es war immer eine große Schau.

    Letztens fuhren wir im Bus am Laden vorbei und sahen aus dem Fenster nur leere Flächen. Oh nein! Wieder ein Opfer der absurd anziehenden Gewerbemieten der Stadt?

    Da ich gerade in der Ecke war, also ein kurzer Gang der Neugier und ein Gang des Aufatmens. Öz hat umgebaut, die Blumenkränze von der Wieder-Eröffnung hingen noch an der Kasse. Weg vom „türkischen“ Supermarkt, hin zum „Multikulti Supermarkt.“ Der ganze Laden wirkt größer und edler. Die Produkte sind weiter diversifiziert, das Regal mit den Teekochern verschwand zum Beispiel ganz.

    Die schriftliche Kommunikation verläuft komplett auf deutsch. Selbst auf der Website fand ich nur mühsam einen türkischen Teil, wo der Laden noch (eigentlich korrekt) Öz Gıda geschrieben wird und nicht Öz Gida.

    Denn, das blieb von den ehemaligen Türkisch-Kursen hängen. Das ı, also das I ohne Punkt, ist ein eigenständiger Laut, ein Stoßlaut, etwa entsprechend dem e im Wort Dschungel. (oder genauer: der ungerundete geschlossene Hinterzungenvokal (IPA ɯ))

    Deshalb gibt es im Türkischen auch ein großes I mit Punkt: İ.

    Das andere was vom damaligen Kurs hängenblieb, ist der Satz Çay istiyorum – ich hätte gerne jetzt einen Tee.

    Frisbee

    Mein Herz blutet ein wenig. Im Odeon-Kino um die Ecke läuft eine Wes-Anderson-Retrospektive und ich lasse mir gerade Grand Budapest Hotel, Darjeeling Limited und Rushmore entgehen.

    Aber nachdem das lange Wochenende (geplant) nur sehr langsames vorsichtiges Herantasten an die Bachelorarbeit enthielt, wollte ich das Tempo erhöhen. Erstmal wieder ins Thema kommen.

    Ich absolviere noch einmal den Hasso-Plattner-Kurs zur Programmiersprache R, der mich damals überhaupt erst auf den Geschmack mit der Sprache gebracht hat – und ich schaue Youtube-Videos zur Linearen Programmierung und zum Simplex-Algorithmus.

    Die üblichen Mathe-Tutorials helfen mir nicht viel. Die sind als Lockerungsübungen ganz okay. Aber die beschreiben halt die Anwendung „du hast ein lineares Gleichungssystem und willst es mit Simplex lösen – was machst du?“

    Die Frage, die mich ja interessiert, geht eher in die Richtung: Warum und wie funktionierst das überhaupt? Wie kann es sein, dass eine ziemliche einfache Handlungsanweisung (Suche das Element – bringe es auf 1 – subtrahiere und addiere ein bißchen durch die Zeilen) so viel an Erkenntnis bringt und auf so viele Fälle anwendbar ist?

    Um so mehr freute mich das Video 15. Linear Programming: LP, reductions, Simplex der MIT OpenCourseWare. Es handelt sich anscheinend um eine abgefilmte Informatik-Vorlesung des MIT mit Dozent Srinivas Devadas. Die Vorlesung beantwortet nicht alle meine Fragen – aber dafür auch andere gute Fragen, die ich mir selber gar nicht erst gestellt hätte.

    Auch fasziniert bin ich von der didaktischen Methodik: Ein Mann, eine Tafel, Kreide; keinerlei Multimedia-Schnick-Schnack, fast keine Gimmicks – und doch klebe ich geradezu an seinen Lippen, weil es so mitreißend ist. Endlich auch mal ein Mensch mit einem vernünftigen Redetempo.1 Fast lachen musste ich beim Abschnitt, dass die Gleichungssysteme aus Gleichungen (equalities) und Ungleichungen (inequalities) besteht, und „The inequalities, they are the fun part.“

    Der einzige Gimmick: Student*innen, die eine Frage gut beantworten, bekommen als Belohnung beiläufig eine lila Frisbeescheibe von einem Stapel lila Frisbeescheiben zugeworfen. Das passt vom Stil.

    Vier Hochzeiten und eine Brennesselsuppe

    Nils Minkmar hat schlechte Laune und sein Newsletter ist noch besser als sonst:

    Die extreme Rechte ist auf Massenmedien angewiesen, es ist eine historisch bewährte Partnerschaft. Schon dort vorzukommen ist ein Erfolg. Die meisten Menschen denken nicht radikal, möchten aber informiert bleiben und wenn dann die Themen, Vorschläge und Personen der Rechten abgebildet werden, unabhängig von ihrer realen exekutiven Macht, dann nimmt das Publikum all das ernst.

    Eine große Hürde beim Thema Demiliardärisierung stellen Zahlungssysteme dar. Irgendwie gibt es faktisch fast nur noch Visa, Mastercard oder Paypal. Um so gepannter verfolge ich die europäische Alternative Wero. Mit der kann man sich schon länger als Privatperson Geld schicken, jetzt wird expandiert: Wero für Solo-Selbstständige geht in Betrieb

    Mein Internet war damals so ähnlich. via (louise)

    Margrit erzählte wie sie und Wally viermal heirateten: Private FeierEingetragene LebenspartnerschaftErster Versuch der Umwandlung in eine EheHochzeit im Standesamt

    Noch ein Freund des grillifrlns.

    Joel aß Brennesselsuppe (via readinginsweden)

    Sonst habe ich nicht viel gesehen an diesem Tag. Aber immerhin einen Geldautomaten, der mit kurz aufflammender Leidenschaft angetanzt wurde.

    south spielt mit dem Halluzinator

    Hallo Halluzinator, illustriere den vorhergehenden Text und gib mir ein paar Empfehlungen.

    Who let the dog out?

    Empfehlungen

    Outfit: Ein leichtes, gewaschenes Leinenhemd, offen über einem Pride-T-Shirt, kombiniert mit bequemen Workwear-Hosen mit großen Taschen (für Notizbuch, Taschenmesser, Macarons). Dazu alte, gut gepflegte Wanderschuhe.
    → Begründung: Urbaner Waldläufer trifft re:publica-Geist, mit dem Körperbewusstsein eines Holzhackers und dem Stil eines Flaneurs.

    Kulinarik: Geräucherte Aubergine mit Minze, Granatapfelkernen & veganem Joghurt
    Getränk: Ein trockener Raki mit eiskaltem Wasser Warum:
    Ein Echo der Şarküteri, ein Gruß an das Multikulti-Bord des ehemaligen Öz Gıda. Räuchrig, frisch, kühlend – ein Auftakt, der Flieder und Sprachen öffnet.

    Film: „Gleaners and I“ von Agnès Varda – urbane Blicke auf das Übersehene, zwischen Sperrmüll und Macaron.

    Buch; Henri Lefebvre – Die Produktion des Raumes / Für das Denken von Infrastruktur, Verputzarbeiten und Supermarkträumen als gesellschaftlich konstruierte Bühne.

    Musik: Sezen Aksu – Gülümse (Ein melancholischer Optimismus, wie eine Kranichformation, die zu früh oder zu spät aufbricht.)

    Ein türkischer Limerick

    Bir pencere sıvayla dolmuş,
    Dış dünya içten unutulmuş.
    Çoraplar renkli,
    Ayvar’la denkli —
    Gündelik rüya gibi solmuş.

    Ein Fenster vom Putz überzogen,
    hat Außen und Innen verbogen.
    Die Socken sind bunt,
    der Ayvar gesund –
    der Alltag: ein Traum, leicht verflogen.

    Erklärung:

    Reimschema: AABBA – wie im klassischen Limerick.
    
    "dolmuş / unutulmuş / solmuş" bildet den äußeren Rahmen (A-Reim): alle mit dem Past Participle -muş, was perfekt zur leicht resignativen Stimmung passt.
    
    "renkli / denkli" bilden den B-Reim in der Mitte – farbig & passend.
    
    "Ayvar’la denkli" ist bewusst leicht schräg – es suggeriert „im Einklang mit Ayvar“, also dass auch Farben, Alltag und Speisen in Harmonie stehen.
    
    „Gündelik rüya gibi solmuş“ – der Alltag ist wie ein verblassender Traum.
    1. Okay, der Effekt funktioniert vermutlich nur, wenn man ein Herz für lineare Gleichungssysteme, erklärt auf englisch, hat. ↩︎
  • 25-03-31 Parametrische Optimierung – Der Einfluss von Schwankungen in den Modellparametern auf die optimale Lösung

    25-03-31 Parametrische Optimierung – Der Einfluss von Schwankungen in den Modellparametern auf die optimale Lösung

    Bei Höffi blüht etwas Weißes. Vor allem aber regnet es.

    Mein neuer Streamingdienst Qobuz irritiert mich. Hätte ich bei der Paris-Playlist eines französischen Unternehmens doch nicht zu 90% englischsprachige Musik erwartet. Allein die List of songs about Paris, und erst recht Chansons sur Paris, bietet doch so viel mehr.

    Ankunft in der Verwaltung um 8:23h. Der Energiehaushalt geht aufwärts, die Anzahl der Huster leider auch. Immerhin reichte es heute für die Aufgabe, die ich seit 10 Tagen vor mir herschiebe, weil sie geistige Alertheit und Konzentration erfordert.

    Gleichzeitig nimmt aber auch die Hustenfrequenz zu. Ach je.

    Madame erläuterte die Wikipedia-Löschkandidaten am lebenden Beispiel.

    Weil weder Autobahn (gesperrte Ringbahnbrücke), noch S-Bahn (gesperrte Ringbahn) gerade sonderlich gut funktionieren stieg der Große auf die U-Bahn aus Spandau um.

    Geweckt vom Gesang der Kohlmeise

    Es wird ein gutes Mohnjahr werden. Die austreibenden Pflanzen sind schon zahlreich zu sehen.

    Es wird ein geruchsintensives Jahr werden. Auf dem Acker hinter dem Zaun wird Raps gepflanzt.

    Ein Walzen-Wolfsmilch verirrte sich in Beet 2L. Wir staunen. Ihr natürlich angepflanzter Standort ist mehr als 20 Meter entfernt.

    Für das nächste Jahr sollten wir uns merken: Mehr Narzissen könnten links des alten Grillplatzes, unter dem Vulkanbeet und unter dem Schlafzimmerfenster.

    Wir testeten den neuen Grillplatz, der hoffentlich bequem von Terrasse und Pergola aus erreichbar ist. Auch bestellte ich ein Ersatzprodukt für die Kokoko-Eggs-Grillbriketts, deren Hersteller/Importeur unternehmerisch schlingert. Businessprobleme allüberall.

    Die Vögel hielten sich im Vergleich zum letzten Wochenende versteckter. Vielleicht hatte sie der sich anbahnende Regen in die Flucht oder in die Unterstände gejagt. Einzig die Kohlmeise zwitscherte sich wieder die Seele aus dem Leib:

    tsi-da … tsi-da … tsi-da..zi-da-tit … zi-da-tit … zi-da-tit

    Irgendwann hatten wir uns eine Wildkamera schenken lassen – vor allem aus Neugier darauf, welches Tier seinen Bau im Komposthaufen errichtet hatte. Die Kamera läuft immer nur Nachts. Dann war aber über Monate nie ein Rechner, eine SD-Karten-Leser und die SD-Karte der Kamera am selben Ort.

    Bis zum Wochenende. Wir entdeckten einen Marder, ein Rehbock, einen Waschbären (zum Glück nur einmal) und ziemlich oft diesen Kletterkünstler.

    Nagetier (vermutlich Ratte, eventuell auch eine andere Maus) klettert am Drahtgitter eine selbst gebautes Gartentores nach oben. Aufnahme bei Nacht  mit Nachtsicht.

    Die Bessermenge ist konvex

    Es ist so weit. Ich habe auch offiziell ein Bachelorarbeitsthema:

    Parametrische Optimierung – Der Einfluss von Schwankungen in den Modellparametern auf die optimale Lösung

    Irgendwie wow. Aber auch irgendwie erschreckend. Es ist so greifbar. Es ist so sehr „Warum bloggst/schläfst/schwimmst du gerade, wenn du auch recherchieren/schreiben/an Formeln basteln könntest.“

    Bisher konnte ich mir immer noch sagen, „wer weiß ob es das Thema wirklich wird, entspann dich.“ Seit der E-Mail am Montag Nachmittag geht das nicht mehr.

    Immerhin hatte ich noch einen entspannten Sonntag mit dem unbachelorarbeitigen Uni-Thema „Mikroökonomik“. Das war nett, tief innerhalb der Komfortzone. Viel Mathe, aber nette Mathe, mit Rechnen, nicht mit Beweisen, Themen, die mir zusagten, und schön geschrieben. Das hätte ich weiter machen können, werde ich weiter machen, denn ich muss dieses Semester ja auch noch zwei Klausuren hinlegen.

    KI wird uns retten

    Der zweite Weltkrieg – Inspirierende Geschichten für Kinder

    Das Schwimmbad in Schwedt öffnet wieder.

  • 25-03-20 Lpsolver API

    25-03-20 Lpsolver API

    Die Berliner Ringbahnbrücke ist gesperrt. Bis 2027. Oder kürzer. Oder länger. Genau weiß man es nicht. Diese Brücke betrifft nicht die Ringbahn direkt. Sie führt die Stadtautobahn A100 über die S-Bahn.

    Halb Charlottenburg droht in den nächsten Monaten im Verkehrschaos zu versinken. Unsere Anfahrt zu den Latifundien hat sich gerade deutlich verkompliziert und verlängert.

    Oh Welt, in der es soviel sexier ist, etwas neu auf die Wiese zu setzen, statt das alte instand zu halten.

    In der sonnigen Südkreuz-Mittagspause sehe ich die Shuttlebusse zum Tesla-Werk. Ich staune, wie sich in wenigen Wochen meine Gedanken von „Da fährt die Zukunft. Und das direkt vor meiner Nase.“ verwandelten in „Ein Wunder, dass noch niemand die Busse angezündet hat.“

    Langsam wird es auch eng mit Sitzplätzen in meinem ehemaligen Miniatur-Geheimpark, er wird quasi täglich beliebter. Heute lagen schon tschechische Bibeln auf der Bank.

    Gute Nachricht: Der Paketdienst brachte rote und rosa Schuhe in den Späti-Paketshop.

    Auf der guten Seite: Unsere Dachbaustelle ist im sexy Teil angekommen, wo neues gebaut wird, wo die letzten Teil des Dachstuhls angenagelt werden. Es gibt Chancen, dass zumindest diese Baustelle jemals beendet wird.

    Ich habe Hoffnung, dass auch der ganze Baustellengruscht vom Hinterhof verschwindet, der zunehmendes Slalomisieren dort verlangt. Zumal das Autowrack weiterhin keinerlei Anstalten macht zu verschwinden.

    Die Spannung der letzten Woche fällt ab. Madame muss Freitag noch Schokostengel übergeben, aber dann sind wir mit den Spätwinterstressungen durch. Ich hätte schon die ganze letzte Woche einfach durchschlafen können, wurde aber mühsam von meinem Arbeitgeber gehindert.

    Ich muss dort um 9 Uhr anwesend sein, und es ist selten sinnvoll vor 7:30h zu kommen. Innerhalb dieser Zeitspanne bin ich frei in der Ankunftsgestaltung. An meiner echten Ankunftszeit lässt sich ganz gut die Energie des Tages ablesen. Je früher, desto Energie. Ich glaube die ganze Woche kam ich zwischen 8:50h und 8:58h.

    Aber so sehr langsam beginne ich wieder aktiv Außenwelt wahrzunehmen. Bei den Bädern bin ich gerade in ein paar ganz spannende Sachen hineingeraten, und werde demnächst ein wenig Spieltrieb ausleben können.

    1e30

    Langsam beginne ich auch, über das nächste Fernuni-Semester nachzudenken. Zum Beispiel die Bachelorarbeit. In dieser wird es nach Plan um Lineare Programmierung gehen. Also grob gesagt, um Gleichungssysteme der Form:

    Es gibt eine Zielfunktion \[ \max. 30x + 10y + 5z \]

    Unter einschränkenden Nebenbedingungen. Also zum Beispiel

    \[x \le 10 \] \[y + z \le 20 \] \[x – z \le 15 \]

    Die Zahl der Nebenbedingungen kann bei eins beginnen und mehrere Tausend umfassen.

    Das Lösen solcher Gleichungssysteme ist an sich nicht schwer. Es bedarf nur der Addition und Multiplikation. Allerdings ist das ganze stark Rechenfehleranfällig. Selbst in einfachen Beispielen hat man schnell Dutzende von Rechnungen mit verwirrenden Vorzeichnungen und komischen Brüchen. Wird man realitätsnäher mit einer höheren Anzahl Nebenbedingungen kann man Wochen mit dem Ausrechnen zubringen.

    Während ich Seminararbeit noch von Hand rechnete und fluchte, bedarf es für Weiteres der Softwareunterstützung. Dabei lernte ich: Die Sache wächst so schnell so stark, dass selbst im Jahr 2025 viel Software an ihre Grenzen kommt. Softwarelaufzeiten und Laufzeiten der Berechnungen sind hier immer noch ein Thema. Viele der angebotenen Softwarelösungen kommen schnell an ihre Grenzen, wenn die Fragestellungen nur etwas komplexer werden.

    Es gibt unfassbar teure Industrielösungen, aber für einfachere Fälle auch alles vom Excel-Plugin bis zu Standanlone-Programmen mäßiger Bedienfreundlichkeit.

    Excel kommt mir nicht in Haus. Industrielösungen scheinen mir overkill, die standalone-Programme eigentlich auch.

    Da hier im Haushalt in letzter Zeit öfter von der Programmier/Statistiksprache R die Rede war, und weil ich R mag, dachte ich, warum nicht R? Und begann heute mal ganz langsam ein paar Videos zu schauen und Websites zu sichten.

    Erste Entdeckung: Fast alle Videos zum Thema wurden von Indern aufgenommen. Zweite Entdeckung: Im Moment scheint die Lösung die beiden Software-Pakete lpsolver und lpsolverAPI zu umfassen. In RStudio die beiden Packages aufrufen und dann alles mit den entsprechenden Daten füttern.

    Dritte Entdeckung: Selbst bei einfachen Fragestellungen gibt es hier unerwartete Grenzen. In bestimmten Fällen weist lpsolver gar nicht den echten Wert aus, an dem eine Begrenzung gültig wird, sondern gibt nur an: 1e30, oder \[ 10^{30} \], also sehr viel, bzw. unendlich. Da sollte man bedenken, dass 1e30 heißen kann: Die Lösung ist unendlich groß. Oder: Hier ist ein Bug.

    Und solange ich noch gar keine offizielle Bestätigung habe, dass ich Anfangen darf – geschweige denn, dass ich angefangen habe, kann ich ja ein wenig mit Software spielen und mir Videos anschauen.

    Gelernt

    Hervorragenden Bubble Tea gibt es bei Xing Fu Tang in Flushing, Queens, New York. Denn mein Mastodon-Admin Kunal Mehta verbringt das Jahr 2025 damit Boba Shops in ganz New York zu testen. Boba Quest: Xing Fu Tang

    Die Sonnenwende ist kein Tag, sondern ein Zeitpunkt. Dieses Jahr am 20. März um 10:01 MEZ – The Vernal Equinox 2025

    Ich habe nichts mit Schul-Digitalsierung zu tun. Aber das Phänomen kenne ich: Man baut analoge Prozesse 1:1 digital nach und hat sich plötzlich in eine Sackgasse manövriert, die das schlechteste aus beiden Welten enthält. Mein persönlicher Lieblingsgegner ist ja inzwischen AdobePro, mit dem sich so schön ausdruckbare Formulare gestalten lassen. Hier ist es die digitale Mappe: Digitale Mappenführung – Sackgasse für die digitale Schulentwicklung?

  • 25-01-19 Grundschöttel! (Hagen)

    25-01-19 Grundschöttel! (Hagen)

    Nena kommt aus Hagen. Nina Hagen hingegen kommt aus Berlin.

    Ich bin körperlich wieder in Berlin, gedanklich aber noch in Hagen.

    Am Bahnhof Hagen fuhr ICE 859 nahezu pünktlich mit angekündigten Wagen in der angekündigten Reihenfolge ein. Vorher genoss ich das Spektakel der An- und Abreisenden in der Hagener Bahnhofshalle.

    Davor gab es Znüni im Café Vicenzo.

    Denn Café Vicenzo löste mein samstagliches Zeitproblem. Das Zimmer musste ich bis spätestens um 10 Uhr verlassen, den Zug durfte ich frühestens um 12:30h besteigen. Reisezeit vom Zimmer zum Zug: Eine gute halbe Stunde.

    Also dachte ich, ich fahre erstmal in die Stadt. Dann steige ich an einem Punkt aus, von dem aus selbst ich zu Fuß den Bahnhof finde. Und dann wird es wohl eine Bäckerei geben, in der ich noch Kaffee und ein zweites Frühstück bekomme und etwas Zeit verbringen kann.

    Ich fuhr bis zum Theaterplatz. Dort gab es keine Bäckerei, aber etwas viel Besseres: Café Vicenzo. Rein äußerlich eine Mischung aus Italianita, Shabby Chic und Hagen-Style. Am Tresen hing ein Poster, dass Vicenzo selbst ein Konzert zum 20jährigen Café-Jubiläum geben wird.

    Auf der Karte die üblichen Kaffeespezialitäten und eine kleine Frühstückskarte mit Brötchen und Rührei. Das Café gut gefüllt, anscheinend fast alles Stammgäste. Ich fiel mit großem Koffer sofort auf – und wurde ausnehmend herzlich behandelt. Nach etwa einer Dreiviertelstunde Aufenthalt hatte ich den Eindruck, selber kurz vorm Einzug in die Stammgastkategorie zu sein.

    Aber leider – so schön wie es alles war – baldige Rückkehr nach Hagen ist für mich nicht zu erwarten.

    Aufgewachsen im Schatten der Müllverbrennungsanlage Krefeld

    Aber bevor ich aus Hagen aufbrach, galt es dort Donnerstag und Freitag zu verbringen.

    Der Rest der Woche begann mit dem Seminar. Ich war ja durch, konnte also unbeschwert zuhören. Es gab drei Themenblöcke:

    (a) Eher abstrakt zum Thema Postoptimalitätsanalyse in der Linearen Programmierung. In diesem Block war ich mit meinem Vortrag gelandet. Grob gesagt geht es dabei um eine Problemstellung, der der ich etwas maximieren (Ertrag) oder minimieren (Abfall, Co2, Kosten) möchte – unter bestimmten Rahmenbedingungen.

    Um ein Beispiel zu bringen: Ich möchte C02 mininierem, muss aber innerhalb eines Tages drei Wölfe, eine Tonne Salat und eine Schafherde über den Fluss bringen. Dafür stehen mir verschiedene Transportmittel zur Verfügung mit jeweils eigener CO2-Erzeugung und Transportkapazitäten. Was ist die optimale Mischung an Transportmitteln?

    Dabei bestimmte ich im ersten Schritt mathematisch eine optimale Lösung. Im zweiten Schritt kann ich aus dem Ergebnis der Berechnung diverses Anderes ablesen – um die Frage nach dem „Anderen“ dreht sich die Analyse nach (post) Bestimmung der optimalen Lösung; also die Postoptimalitätsanalyse.

    (b) Block 2: Effizienmesseung bei Banken. Hier lag die Herausforderung darin, dass es bei Banken gar nicht so einfach ist zu sagen, was relevanter Input und was relevanter Output ist. Einzelne Werte (zB Menge der vergebenen Kredite) wird mal als Input und mal als Output gewertet,

    (c) Block 3: Multikriterielle Entscheidungsprobleme am Beispiel Abfallswirtschaft.

    Wir müssen eine Entscheidung treffen- zum Beispiel über die Anschaffung von Müllwagen, Standorte von Abfallverbrennungsanlagen, Auswahl der Müllbehandlungsmethode. Dafür gibt es verschiedene Ziele und Kriterien (ökonomisch, ökologisch, sozial). Die Ziele widersprechen sich in Teilen und funktionieren in verschiedenen „Einheiten“. Es lässt sich also nicht einfach drei Geld minus vier Sozialeinheiten rechnen. Wie formuliere ich dennoch ein abstraktes mathematisches Modell für solche Themen?

    Die Teilnehmer*innen waren überwiegend Ingenieure und BWLer – beides keine Gruppen, die für ihre unkonventielle Herzlichkeit bekannt sind. Ich glaube, es war die erste Uni-Veranstaltung meines Lebens bei der sich auch die Studierenden untereinander siezten.

    Aber im Laufe der Tage lockerten sie auf.

    Irgendwann zeigte sich auch, dass wir am Lehrstuhl Wirtschaftsmathematik unterwegs waren und nicht etwa bei Marketing oder Controlling. Irgendwann schimmerte unter den weißen und karierten Hemden und den Kostümchen doch deutlich das Nerdtum hervor. Und da wurde es auch menschlich spannend.

    Aber ich hatte mir nach dem Seminar noch etwas Zeit für die Stadt und Sightseeing gegönnt.

    Besuchen sie unser gemütliches Wohnzimmercafé mit dem Flughafenabsperrband

    Links! Welch Idee!

    Nach Verlassen der Bildungsherberge wendete ich mich automatisch immer nach rechts (Nordost), denn dort liegen Uni, Edeka und der Umstieg zum Westfalenbad. Nun empfahl Thomas in den Kommentaren:

    Wenn du die Eppenhauser Straße stadteinwärts gehst (von der Herberge aus Feithstraße nach links und dann an der Aral-Tankstelle rechts)..

    Potzblitz! Ich kann ja einfach mal vom Grundstück kommen und dann nach links laufen! Er hat recht. Und so lief ich links, dann an der Araltankstelle rechts und dann die Eppenhauser Straße hinunter.

    Ein wenig fühlte ich mich wie in New York. Ehrlicherweise lag es vermutlich weniger an Hagen – mehr daran, dass mein letzter Gang alleine eine unbekannte lange Straße entlang Richtung Stadtzentrum 2015 entlang des Broadways verlief.

    Auf dem Weg in die Stadt passierte ich den „Schwedischen Kiosk“ und „Golden Dog Beauty“. Dort schaute mich der Golden Dog, ein Labrador mit großen Augen, hingebungsvoll direkt durch das Schaufenster an, so dass alle bösen Gedanken an überschminkte Kampfhundausführerinnen sofort von mir wichen.

    Ich lief weiter in die Stadt, staunte über die vielen authentisch aussehenden italienischen Eiscafés und das Café de Paris – landete aber im Colazione. Einem Café inmitten eines halbleeren Einkaufszentrums, das versuchte Gemütlichkeit mittels Polstermöbeln herzustellen.

    Es hätte allerdings geholfen, wenn diese Möbel alt. luxuriös und shabby gewesen wären, nicht offensichtich brandneu und preiswert. Auch die Lage inmiten der großen Einkaufszentrumshalle, von dieser getrennt durch Flughafenabsperrbänder, half nicht.

    Ach, Hagen, Du unvollendete. Wie wirst du mir immer sympathischer. Ich nahm einen Kaffee und begann im Wikipedia-Artikel zur Stadt zu schmöckern.

    Der Wikipedia-Eintrag zu Hagen bot manchmal wenig überraschendes:

    Das Risiko, beim Radfahren in Hagen zu verunglücken ist gegenüber dem Bundesdurchschnitt um den Faktor 10 erhöht.[35] Hagen belegt in Fahrradklima-Tests des ADFC[36] regelmäßig den letzten Platz unter allen deutschen Großstädten, so zuletzt 2020.[37]

    Er bot Fakten, die inhaltlich nicht überraschten, aber doch in ihrer Form:

    Die größten Steigungen (mit mindestens 20 %) innerhalb des Hagener Stadtgebiets:

    • Treppenstraße in Altenhagen mit 28 %
    • Böhmerstraße in der Stadtmitte mit 27 %
    • Ewaldstraße in Wehringhausen mit 27 %
    • Rehstraße in Wehringhausen mit 26 %
    • Tunnelstraße in Wehringhausen mit 26 %

    und er bot gänzlich Überraschendes:

    Im Jahr 2017 wurde Hagen in die 27. Auflage des Duden aufgenommen.

    Weitere Wege führten mich zur Buchhandlung am Rathaus. Auch die wäre eine Abschweifung wert, die später kommen wird. Wie so oft in der Stadt das Erlebnis: Meine Güte, sind die alle herzlich hier. Noch ein Laden, bei dem ich nach 20 Minuten das Gefühl hatte, schon halb zur Stammkundschaft zu gehören.

    Hohenlimburg via Donnerkuhle

    Bei meiner Planung der restlichen freien Zeit hatte ich ein Problem. Einerseits dachte ich, ich habe noch so wenig von Hagen gesehen; gerne würde ich in der Stadt bleiben. Andererseits wollte ich natürlich auch das Deutschlandticket ausfahren. Im ÖPNV lernt man viel über eine Gegend.

    Ich studierte den Netzplan mit dem Wasserlosen Tal, dem Felsental, Wetter und Witten und stolperte über einen Eintrag: Grundschöttel.

    Auch eine Gemeinde? Oder einfach ein Ausruf des Kartographen? „Grundschöttel aber auch! Was hier wieder ist!“

    Eine Lösung meines Problems allerdings brachte nicht der Plan, sondern Wikipedia:

    Diese informierte mich, dass Hohenlimburg 1975 nach Hagen eingemeindet wurde. Kurz darauf sah ich einen Bus mit Ziel „Hohenlimburg Bf.“ und dachte Heureka! Mein Problem ist gelöst, wie ich gleichzeitig in Hagen bleiben und doch durch die Gegend fahren kann.

    Ich suchte den nächsten 522er Bus, fuhr vom Rathaus Hagen nach „Hohenlimburg Mitte.“ Wie zu erwarten führte die Strecke über einen Berg und verlief entlang eines Waldes. Der Bus hielt in Heidnocken, Hünenpforte, Totenhofweg und Donnerkuhle. Selbst eine große Farbrikanlage fand sich an der Strecke: „Bilstein – ein Name im Kaltband!“

    Nur als ich in Hohemlimburg ausstieg, entfuhr mir ein „Grundschöttel! Was ist denn hier passiert?“

    Nach einigen Metern Fußweg entdeckte ich, dass mich der Bus an der schlimmsten Ecke von Hohemlimburg-Zentrum vor die Tür gesetzt hatte. Immerhin gab es fünfzehn Meter weiter um die Ecke eine funktionsfähige Trinkhalle.

    Weiter hinein ins Zentrum: Ein kleiner sympathischer Wochenmark und eine „gemeinnützig geführte“ Buchhandlung. Die Fußgängerzone mit ihren geschwenkten Gäßchen, dem leichten auf- und ab und den alten Häusern, hätte Märklin-Modellanlagenpontenzial.

    Aber hier herrschte nicht das pralle Leben, sondern ein Leerstand, der schon nicht mehr erschreckend war. Wenn ich im Zentrum der Fußgängerzone durch eine Schaufensterscheibe sehe, und im Inneren des Ladens liegt Schutt; an der Wand im Innenraum ist ein großer gezeichneter Penis und daneben steht „Gangbang.“ So richtig aufmunternd wirkt das nicht.

    Nach meiner Runde also zum Hohenlimburger Bahnhofsrewe, Vorräte aufstocken, und im Nebel zurück zur Herberge. Das Westfalenbad wartete erneut. Aber dazu später mehr.

    Merken: Desmos

    Gelernt: Desmos ist ein schikes Onlinetool, um Graphen und ähnliches darzustellen.

    Rein äußerlich war ich extrem begeistert vom Gebäude der Tanzschüle Siebenhühner. The sixties are alive and swinging.

  • 25-01-12 Wie kann ich Salat verkaufen?

    25-01-12 Wie kann ich Salat verkaufen?

    Die Autobahn Gmbh des Bundes beginnt, die Dauerbeleuchtung der Berliner Stadtautobahn abzuschalten. Ich warte darauf, dass Matthias Döpfner sich an der Rudolph-Wissel-Brücke festkettet.

    Dafür beschloss jemand, unsere Treppenhausbeleuchtung auf Dauerbetrieb zu stellen. Aus Gewohnheit drücke ich trotzdem bei jedem zweiten Treppenhausgang den Lichtschalter.

    Auch aus Gewohnheit wollte ich in den Südkreuz Offices wieder die Treppe nehmen. Aber ein hilfreicher Kollege erinnerte mich an die guten Vorsätze – also nahm ich brav den Fahrstuhl.

    Der Fahrradmeister kehrt am 20. Januar aus dem Urlaub zurück. Am 17. Januar beginnt die BVG zu streiken. Vermutlich darf ich mich mit gestrandeten BVG-Nutzern und deren ausgebuddelten Kellergefährten um Reparaturtermine für das malade Fahrrad streiten.

    Madame empfiehlt die vierte Staffel der dänischen Fernsehserie Borgen, um die politische Situation Grönlands zu verstehen. Die Staffel dreht sich um genau um das Thema Grönland und die Dänen – und wenige andere fiktionale Formate sind derart genau und präzise wenn es darum geht, echte Politik in ihrem Ablauf zu schildern.

    Dumpfe Geräusche gehen des Nachts vom Haus aus. Ich vermute, Schnee rutscht von der Dachersatzplane hinab, um auf Gerüst, Nebenhaus oder Hof zu fallen. Ich versuche die Geräusche nicht allzu beunruhigend zu finden und freue mich über die schneefreie Wettervorhersage der nächsten Tage.

    Nachbar 3L hat sich entschieden, seine eigene Wohnung zu kaufen. Einerseits keine schlechte Idee. Andererseits habe ich immer die Worte des ehemaligen Hausmeisters im Ohr „Abreissen! Alles abreissen! Das Haus ist nicht mehr zu retten!“.

    Madame unterhielt sich mit einer Bekannten, die in Schöneberg auf halber Strecke zwischen uns und dem Kugelbombenhaus wohnt. Sie berichtete von einer Art Osterfeuer in der Silvesternacht direkt vor ihrem Erdgeschoss-Fenster – improvisiert aus Mülltonnen und dem was die Freunde des rabiaten Silvesterfestes so fanden. Am Ende brannte das Osterfeuer alleine, weil die Freunde des Böllerns weiterzogen. Dieselbe Bekannte verbringt seit Jahren Silvester in Berlin, weil sie das Gefühl hat, auf ihre Wohnung aufpassen zu müssen.

    Mein Arbeitgeber investiert Geld, schickt mir (und vermutlich allen anderen Angestellten) per Briefpost eine Aufforderung, sich als Wahlhelfer zu registrieren. Ich bin kurz davor zurückzuschreiben „Bin ich doch schon längst!“ Aber das bringt mir auch nichts.

    Eine halbe Stunde Meditation und Musik

    Berlin ist überraschend. Entdeckte ich noch letzte Woche das Pop-Art-Brutalismus Wunderwerk U-Bahnhof-Schloßstraße, fand Madame den Noonsong in der Kirche am Hohenzollernplatz.

    Der Evensong ist in der anglikanischen Kirche eine gesungene Form des Abendgottesdienstes, der in größeren Kirchen meist als Choral Evensong, also als größtenteils vom Chor gesungener Gottesdienst ausgeführt wird. Bei jedem Aufenthalt in Großbritannien ein empfehlenswertes Erlebnis.

    Nach 16 Jahren in Berlin entdeckt: Es gibt einen Noonsong – also einen samstäglichen evangelischen Mittagsgottesdienst mit gesungener Liturgie – zeitlich passend zum Markt vor der Kirche und gesungen von Profisängern. Es bedurfte 697 Durchführungen bevor wir ihn entdeckten.

    Überraschend: Obwohl die Veranstaltung alle Pflichtelemente der evangelischen Liturgie umfasste, gilt sie anscheinend nicht als Gottesdienst. Angekündigt wird sie als „Meditation und Musik.“

    Beeindruckende Veranstaltung – beeindruckende Kirche. Leider ohne mich, denn ich bastelte an Folien.

    Geistig umschalten

    Hagen, die Metropole Südwestfalens, ist spannend. Ich glaube, ich habe in meinem Leben noch keine derart autogerechte Stadt erlebt. Und das sage ich als gebürtiger Hannoveraner.

    Obwohl ich mit ÖPNV anreisen werde, freue ich mich auf die Stadt. Irgendwie clickte es beim letzten mal, und ich hatte mich in all ihrer Seltsamkeit in „das Tor zum Sauerland“ verliebt.

    Aber die Welt schickt mich nicht nur zum Vergnügen nach Hagen. Vorher muss ich das Uni-Seminar „Angewandte Optimierung“ mit meinem Vortrag „Sensitivitätsanalyse des Begrenzungsvektors“ bestehen.

    Ich versuche, mich geistig neu zu arrangieren. Nach Weihnachten in Dithmarschen, Silvester in Hannover und der letzten intensiven Arbeitswoche, versuche ich mich voll in die gedankliche Welt „Uniseminar in Hagen“ zu werfen. Es knirscht im gedanklichen Gebälk.1 Aber es wird.

    Schritt 1: Meine Seminararbeit in Folien packen und dabei die Hinweise des Lehrstuhls berücksichtigen. Irgendwie hilf- aber auch arbeitsreich: „In Tabelle 2.2 ist ein Tippfehler“ oder „Überprüfen sie nochmal die Ergebnisse in Gleichung 3.7.“

    Das verspricht noch einige Arbeit, deren Ergebnis am Ende vermutlich eine geänderte Ziffer irgendwo in der Tabelle sein wird.

    Dabei überlegen: Stelle ich alles unter das plakative Motto „Wie kann ich Salat verkaufen“? Das wird vermutlich Anschaulichkeit und Erinnerungswert des Vortrags erhöhen. Aber vielleicht senkt es das Vertrauen in die mathematisch-wirtschaftswissenschaftliche Seriösität des Vortragenden.

    Aber, da es mein Vortrag ist, werde ich ihn natürlich unter das Motto stellen.

    Schritt 2: Die eigentliche Reise nach Hagen vorbereiten – insbesondere mich selbst koordinieren wann ich mit welchem Material wo sein muss. Ich fange damit an, dass ich die Präsentation in mindestens drei Kopien dabei haben möchte. Ich behalte im Hinterkopf, dass die Bildungsherberge, die mich beherbergen wird, am Ende der Welt liegt und ich ferienwohnungsartig selbst für mein Frühstück sorgen muss.

    Noch weiter verbuddelt im Hinterkopf beginne ich auch schon innerlich den eigentlichen Vortrag vorzubereiten. Dafür benötige ich immerhin kein Material und kann das auch im Zug oder in der Herberge fortsetzen.

    Gute Sache: Ich bin der allererste Vorturner im Seminar-Programm. Das heißt, ich bin im Mittwoch Vormittag durch und kann danach bis Samstag Spaß am Seminar und in Hagen haben.

    Madame, die ja unter anderem „Selbstorgansation während des Studiums“ unterrichtet, empfiehlt als Vortragsvorbereitung Mai Thi Nguyen-Kims Vortrag So hältst du einen guten Vortrag. Ich schließe mich dem an.

    The State of Wikipedia

    Zwischen Arbeitsmodus und Unimodus hatte die Welt in Form von Madame einen Wikipedia-Stammtisch angesetzt. Wieder in der Resonanz, wieder in kleiner Runde und wieder extrem angenehm.

    Thema: Sekundärzitäte und deren Problematik.

    Thema: Als Elter möchte man nicht im Berlin in der Kneipe sitzen und dann von zu Hause aus Potsdam die Nachricht kriegen „Wo ist der Verbandskasten?“ Immerhin verlief alles glimpflich. Es war eine Blutwunde, aber keine schlimme.

    Thema: Ein eisiger Wind zieht auf. Die Heritage Foundation (der Trump-nahe Think Tank) versucht den feuchten Traum jeglicher Diktatoren und Faschisten zu erfüllen: Anonyme Wikipedia-Autor*innen aufspüren und öffentlich machen, die ungenehmes Schreiben. Leider wird eine Bewegung, die sich im Umfeld von Elon Musk, Peter Thiel und den Tech-Mogulen from hell bewegt, sowohl das Geld wie auch die technische Expertise haben, um das umzusetzen.

    Wir fragen uns, ob Wikimedia dem etwas entgegensetzen kann. Die Organisationen haben soviel Geld und Mitarbeiter wie – aber auch so wenig Ahnung von der Wikipedia wie es jeden Außenstehenden erschüttern würde.

    Merken: Die heiße Zitrone ist echt lecker.

    Wir sind keine 80 mehr

    Die American Mathematical Society veröffentlicht einen Artikel: An der Wikipedia mitmachen für Mathematiker. (Princ-wiki-a Mathematica: Wikipedia Editing and Mathematics)

    In Friedberg (Hessen) erfand sich ein Jugendstil-Hallenbad als Theater wieder.

    Wie es der Zugbegleiterin ergeht, wenn sich Menschen vor den Zug stürzen. Hauptaufgabe: Verhindern, dass die Menschen im Zug am Rad drehen: Samstagsplausch 25/2 „Schattenseiten“

    Alle 56 Parteien, die an der Bundestagswahl teilnehmen möchten. Die müssen noch vom Bundeswahlleiter zugelassen werden. Bei der DÖNER-Partei oder der iNSDAP sehe ich wenig Chancen. (via mthie)

    Christa Chorherr kann schreiben Wir sind keine 80 mehr, geht aber noch mit den Enkeln in neumodische Restaurants.

    1. Etwas blöd, dass ich Montag keinen Urlaub genommen habe, und die ganzen Arbeitsgedanken noch nicht ganz so weit aus den aktiven Hirnregionen schieben kann, wie ich gerade gerne würde. ↩︎
  • 24-11-26 (Gal, 1973, S. 70)

    24-11-26 (Gal, 1973, S. 70)

    Madame testete zum Abendesse eine Speise aus Goldfischfutter Sojageschnetzeltem. Sie fand es in der Konsistenz besser als Tofu; ich bin skeptisch. Aber ich mag Tofu auch lieber als sie es mag. Auf jeden Fall ist der Goldfischfutterbeutel ein platzsparender Proteinvorrat in der Küche für Momente des Einkaufsnotstands.

    An den Folgetagen betätigte sie sich als Leguminati. Der der kleine Crocky kam wieder einmal dafür zum Einsatz, Linsen zuzubereiten. Alleine dafür lohnte seine Anschaffung. Und Milchreis könnte er auch mal wieder herstellen.

    Holt schon mal die Schilder aus dem Keller und sucht die Trillerpfeifen. Ein Kollege machte mich darauf aufmerksam, dass am 31.12. der TVÖD ausläuft und Tarifverhandlungen anstehen. Ich rechne zumindest mit symbolischen Streiks.

    #TeamHabeck ist bereits jetzt anstrengend. Dabei findet die Bundestagswahl erst in 12 Wochen. Ich sehe es kommen, am Ende wähle ich aus lauter Genervtheit die Partei für ganzheitliche Gesundheitsforschung.

    Die Steiermark und Rumänien wählten. Die Ergebnisse liegen jenseits meiner Kommentarfähigkeit. Gleichzeitig stimmte die Schweiz gegen Autobahnausbau. Würden die Menschen am Ende nicht immer Faschisten wählen, fände ich die aktuelle Unberechenbarkeit des Wahlvolks hochspannend.

    Picobello sauber ist kein Begriff der dieses Mietshaus bezeichnet. Aber auch hier gibt es Abstufungen: Montag morgen hatte jemand einen kompletten Karton mit neuen Dokumentenhüllen direkt vor die Haustür gekippt. Warum?

    Auch die Dachbodenbaustelle ist fleißig. Seit dieser Woche auch mit kräftiger Baustellenbeleuchtung für Arbeiten nach Sonnenuntergang.

    Nur der Taubenschwarm, der sich friedlich auf dem verlassenen dachlosen Dachboden eingerichtet hatte, irrt immer noch etwas verloren durch das Baugerüst.

    b_{NN} \leq 20 \pm \delta

    Meine Haushaltsarbeit hält sich in Grenzen. Zu sehr thront noch die Seminararbeitsdeadline in der Woche. Einzig die Erwerbsarbeit ist kaum verhandelbar. Sonst versuche ich möglichst komplikations- und aufwandslos an den Schreibtisch zu gelangen und dort zu bleiben.

    Die Seitenzahl stieg inzwischen auf 10 (von notwendigen 12). Inhaltlich geht es voran. Ich denke, wenn ich gleich sofort abgeben müsste, würde ich mit Überleitungen und Erläuterungen schon auf die geforderte Länge kommen. Jetzt geht es vor allem darum, die Qualität emporzuheben aus den Niederungen meines bisherigen Unwissens.

    So arbeite ich mich durch Dantzig (1947), Manne (1953), Gal (1973), Gal (2001), Stepan / Fischer (2009) und Bergonovo (2017) im Versuch meinen Erklärungen etwas mehr Substanz zu verleihen. Inzwischen denke ich auch, mein Nugget-Pommes-Modell könnte etwas mehr mathematischen Glanz vertragen – aber erst einmal den Rest fertig machen bevor ich mir dort wieder Arbeit aufhalse.

    Extraherausforderung: mein erstes echtes Dokument von >1 Seite in LaTeX. Ich fühlte mich bestätigt: ich kann den größten Stuss schreiben und es sieht trotzdem extrem professionell aus. Auch bestätigt: Die Kontrolle, die ich über Aussehen und Anordnung der Arbeit habe, ist phänomenal.

    Aber auch den Erwartungen entsprechend: Hätte ich nicht eine Suchmaschine zu Hilfe, in der ich andauernd Syntax und Befehle nachschlagen könnte, wäre ich im gegebenen Zeitrahmen hoffnungslos verloren.

    Vielleicht ergründe ich auch noch, warum das Symbolverzeichnis inzwischen „Symbolverzeichnis“ (auf deutsch) heißt, die Ebene darunter aber trotzdem von „Symbols“ und „Descriptions“ redet.

    Kanon

    Ich fürchte die Schilderung ist mehr oder weniger real so passiert.

    Die NZZ kürt einen Kanon der 100 wichtigsten Bücher des 21. Jahrhunderts. Zumindest bei den Büchern, die ich davon kenne, wie Löwen wecken oder Die Jakobsbücher, würde ich mich der Wertung anschließen.

    Nicht kanonisch aber ikonisch für das Kino des 20. Jahrhunderts ist der gelbe Trainingsanzug von Bruce Lee. Ich wiederentdeckte ihn durch seine nicht ganz so sportliche Reinkarnation als Taskmaster-Phil-Wang-Bekleidung.

    Die städtebauliche Umgebung um die Südkreuz Offices hat starkes Verbesserungspotenzial. Nein, eigentlich besteht sie nur aus Verbesserungspotenzial. Aber es gibt einen Anfang. Die Bauzäune sah ich schon live:

    Die Bürgersteige und Knotenpunkte werden barrierefrei gestaltet und ein neuer Radweg auf dem Niveau des Bürgersteigs geschaffen. Vom Autoverkehr trennt ihn künftig ein kombinierter Park- und Pflanzstreifen. Außerdem geplant ist, schattenspendende Bäume zu pflanzen. (Eine Straße verändert ihr Gesicht)

  • 24-10-31 Metall auf Metall (Berlin -> Chemnitz)

    24-10-31 Metall auf Metall (Berlin -> Chemnitz)

    Letzte Woche fragte Madame einen Teilnehmer des Wikipedia-Stammtischs woher sein ungewöhnlicher Nickname kommt. Antwort: Das ist mein bürgerlicher Name.

    Beim Postwestfalen lerne ich, dass in Löhne (Ostwestfalen) eine schwule Schafherde entsteht. Das erfreut mein Herz. Vor meinem inneren Auge sehe ich sofort Schafböcke in Togen (Togas?) gewandet, die durch Dampfbäder streichen – vermutlich Erkältungsnachwehen.

    Erfreulicherweise bringt der Postbote den vor zwei Wochen bestellten Sommer: Eine CD italienischen Discopops mit Annalisa.

    Italopop-in-Dauerschleife gehört zu allen ernsthafteren Fernuni-Aktionen. Vor mir liegt eine DIE Seminararbeit.

    Ich habe genug Literatur, um eine Masterarbeit zum Thema Sensitivitätsanalyse zu schreiben. Leider verstehe ich die Literatur nur mäßig und habe auch nur 12 Seiten Platz.

    Selten wird unsere Abteilung vom Thema „Technische-Infrastruktur für Aquafit-Kurse“ gestreift. Für ein Spielkind für mich natürlich ein Festtag, wenn plötzlich eine große Boombox mit schwimmbadfähigem Lautsprecher und High-Energy-Music-Mix im Büro steht. Die Szenen im Büro waren genau so. I swear.

    Metall auf Metall (Geräusch) erklingt von der Dachbodenbaustelle. Da wir mandelentzündungsbedingt mehr Zeit in der Wohnung verbringen, bekommen wir mehr von den Geräuschen mit. Manchmal klingt es auch so, als wäre die Baustelle direkt neben mir. Dann zucke ich zusammen. Insgesamt überwiegt bei mir die Hoffnung auf ein wiederkehrendes echtes Dach jegliche Baustellengenervtheit.

    ich hab‘ kein bock auf kompromisse

    Metall auf Metall (Kraftwerk-Song) erklingt aus Madames Rechner. Diese bereitet eine Einheit zum Thema Urheberrecht vor – erklärt am Beispiel Metall auf Metall.

    Metall auf Metall ist ein Kraftwerk-Song, den die Band 1977 auf dem Album Trans-Europa Express veröffentlichten. 1997 sampelte Moses Pelham zwei Sekunden „Beat“ aus Metall auf Metall für Sabrina Setlurs Nur mir.

    Seitdem streiten sich Pelham und Kraftwerk darüber, ob Pelham das durfte? Ist dieses samplen legal? Der Streit hat inzwischen viele Runden beim OLG Hamburg gedreht, war fünfmal beim BGH, einmal beim Bundesverfassungsgericht und liegt seit September 2023 zum zweiten Mal bei EuGH. Sowohl Kraftwerk wie Pelham sind in der Sache Überzeugungstäter und bereit, das Thema bis zum bitteren Ende auszufechten.

    Didaktisch ist das Stück schön, den man ganz von Anfang an durchkaspern „Was ist Urheberrecht? Was schützt es? Was sind Deine Grenzen?“ in quasi beliebiger Komplexität. Inhaltlich kann sich unter so einem Sample spätestens nach dem Hörbeispiel jede*r etwas vorstellen und einen gewissen Unterhaltungswert hat es auch.

    Wer sich weiter durchkaspern will. Ganz grundsätzlich bei arte: Seit 20 Jahren vor Gericht wegen 2 Sekunden Musik zur aktuellsten Volte seit 2023 bei der Legal Tribune Online: Kraft­werk-Fall geht noch mal zum EuGH

    Rechnen

    Noch bevor ich hustend daniedersank, beendete ich Pi mal Daumen. Im zweiten Teil des Romans nimmt eine gewöhnliche Handlung mehr an Fahrt auf. Dafür geht es weniger ums Mathestudium.

    Zwischenzeitlich erinnere ich mich wieder, warum ich damals mit Scherbenpark haderte: Es riecht nichts. Trotz aller treffender Beobachtungen: Alles wirkt immer etwas konstruiert und trotz Ich-Erzählers wie durch eine Glasscheibe betrachtet. Der Autorin möchte ich gelegentlich zurufen: Einmal Anlauf nehmen und einfach mit Schwung in die Situation reinwerfen, weniger überlegen, ohne Nachdenken ab ins Getümmel!

    Was wenig daran ändert: Kurzweiliges, sehr schönes Buch. Ich fühle meine rudimentären Mathe-Studiums-Erlebnisse gut beobachtet und beschrieben. Im Roman kommt Mathematik nur mal als Schlagwort vor – keine Sorge, keine Formeln, keine Zahlen – aber es freut mich natürlich wenn die beiläufigen gedroppten Mathebegriffe richtig und stimmig sind an dieser Stelle.

    Ein Sonderlob möchte ich auch noch aussprechen: Der Roman hat eines der schönsten Enden, die ich je in einem Roman las.

    Fahr’n fahr’n fahr’n

    Wenn meine Abteilung maßgeblich ist, wird nächste Woche ganz Deutschland krankgeschrieben sein. Immerhin wechselte ich von (ungeplanter) Krankschreibung in den (geplanten) Urlaub, und werde mich Montag überraschen lassen, ob außer mir noch jemand anwesend sein wird.

    Die Gesamtkonstitution des Haushalts reicht wieder für Aktivitäten. Auf zum traditionellen Halloween-Burger-Trip nach Chemnitz. Wir verzichteten auf das Abenteuer Deutsche Bahn (RE8 nach Elsterwerda, dann ein anderer RE nach Chemnitz), sondern gönnten dem Subaru nach der Reparatur Auslauf.

    Die Autobahnen blieben feiertagsleer. Das 50s Ville Diner wartete schon auf uns. Und es ist genauso liebevoll gemacht wie ehedem. Die Halloween-Deko im Diner winkte uns schon (Animatronic!. Das Personal war so herrlich blutverschmiert und spinnennetzbehangen wie erwartet. Das Zimmer hatte mehr 1950er-Jahre-Flair als die CDU. Bevor wir uns aber Samhain-Burger und Radioactive lemonade widmen konnten, erfolgte ein weiterer traditioneller Programmprunkt: das smac im Schocken.

    Häckseln

    In einem Blog lese ich von Firmware-Updates des Autos und alles in mir schreit „Neeeein“. Ich möchte bitte ein Gefährt, dass so mechanisch wie möglich ist, und welches das Wort Software nur aus weiter Ferne kennt.

    Dann lieber Zug fahren. Zum Beispiel von Hamburg nach Brüssel oder von Brüssel nach London.

    Nicht mehr mit dem Zug machbar: In einer Gewalttour von Berlin über Istanbul nach Almaty und weiter nach Jarkent an der chinesischen Grenze in etwas weniger als 24 Stunden.

    Anke Cras häckselt Mais.

    Bei Frau Brüllen erntet Sellerie.

    Armin Hanisch telefonierte einst mit Peter Norton.