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  • 24-09-17 Vespermusik – Breslau Anno 1650

    24-09-17 Vespermusik – Breslau Anno 1650

    Der Wind zerriss eine Fahne vor dem Möbelhaus.

    Der Subaru steht weiter vor der Werkstatt. Wird es die Benzinpumpe sein? Lässt sie sich reparieren? Und wie teuer wird es werden? Das liebe Autobesitzer, wird das demnächst das Telefon verraten.

    Madame war beim Sportmopsen im Park. Neue Übung, quer durch die Gruppe: der akzidentelle gegenseitige Nasenstüber. Augen auf bei der artistischen Dehnübung.

    Wohnungsgeschichten aus dem Bekanntenkreis. Einer jungen Familie wurde wegen Eigenbedarf gekündigt. Und damit das emotional überzeugend wirkte, lief die Eigentümerin gleich mit einer handvoll kurzhaariger breitschultriger Männer auf, als sie die Kündigung aussprach.

    Am Wochenende mausrutschte ich beim Internetbanking und landete auf LinkedIn. Hartes Schlucken als ich den Post las „Ich, weiblich 33, ohne Kinderwunsch, suche Job..“

    Manchmal bin ich mir nicht sicher, ob die Uni-Mathematiker nicht einfach nur die Studierenden veralbern wollen.

    Zu Beweisen ist, dass im Ring (Algebra) der Satz gilt:

    \[ 0 * a = a * 0 = 0 \]

    Und der Beweis lautet:

    \[0 = 0 * a – 0 * a = (0 + 0) * a – 0 * a = 0 * a + 0 * a – 0 * a = 0 * a \]

    Letztens wurde ich gefragt, was in einer Mathe-Klausur so für Aufgaben kommen. Ich hatte Probleme, es beschreiben zu können.

    Mit ernst darüber reden, in welchen Ländern man Urlaub machte, die heute nicht mehr zugänglich sind. Russland = unmöglich. Georgien = schwierig. Syrien = unmöglich. Israel = oh je.

    Dabei gehört: die Geschichte des Völkermord-an-den-Armeniern-Engagierten, der extra den teuren unbequemen Lufthansa-Flug in den Kaukasus buchte, um nicht in Istanbul zwischenlanden zu müssen. Und dann fiel Lufthansa aus, die Airline buchte von sich aus auf Turkish Airlines um. Immerhin, er wurde nicht verhaftet.

    „Zettelkasten“ ist ein deutsches Fremdwort im Englischen

    Während Madame viel Kultur machte, machte ich ein wenig Kultur und schreibtischte noch etwas: Stromvertrag suchen; Zugang zu einem Portal rekonstruieren, den ich 2022 über den Arbeitgeberwechsel verloren hatte; Obsidian lernen.

    Es ist mir etwas peinlich, aber ich nutze mit Obsidian eine Wissensorganisations- und Zettelkasten-App, bei der ich kaum wusste wie sie funktioniert.

    Würde Niklas L das wissen, würde er im Grab vor sich hinmurmeln „Es gibt kein handelndes Subjekt. Die Gesellschaft konstituiert sich selbst.“

    Über das Wochende lernte ich mehr zu Obsidian. Jetzt fehlt Praxis. Und die Entscheidung wie ich die Daten über Rechner und Handy und Spielzeug synchronisiere:

    Einfach wären OneDrive oder Dropbox, aber die mag ich beide nicht wirklich. Die cool Kids nutzen Github. Aber das macht gar keinen Spaß mehr, sobald ein Handy beteiligt ist. Die nicht ganz so coolen Kids nutzen Nextcloud. Eigentlich möchte ich über eine NAS gehen – aber die steht noch nicht. Sie bedeutet erstmal am meisten Aufwand, sowohl was mein Engagement als auch die Kosten angeht.

    Vermutlich maile ich mir einfach weiter Dateien.

    Kein Dackelrennen

    Da Subaru vor der Werkstatt stand, blieben die Latifundien sich selbst überlassen. Scarman’s Himalayan Musk musste unbestaunt weiterwachsen. Das Dackelrennen Bärenklau fand ohne unseren Beifall statt.

    Wir feierten das erste Berlinwochenende seit März. Es entwickelte sich zu Kulturrausch mit einem Theaterstück, zwei Konzerten, zweimal essengehen und ein Museumbesuch.

    Freitag: Theater, Shakespeare, war eh geplant.

    Samstag Nachmittag: Titans Rising: Vespermusik Breslau Anno 1650. In einer glücklichen Fügung aus Engagement und Mäzenatentum veranstaltet die Kirche am Lietzensee regelmäßig kostenlose Konzerte mit Alter Musik.

    Eher zufällig stolperten wir in die Saisoneröffnung. Klaus Eichhorn hat Werke des Warschauer und Brelauser Kapellmeisters Marcin Mielczewski aus der Sammlung Böhm im Archiv der Staatsbibliothek ausgegraben. Er stellte diese zu einem Porgramm zusammen, dass 1650 bei einer Vesper in einer Breslauer Hauptkirche gespielt haben könnte.

    Wahnsinnig gute Sänger, drei entzückende Mitglieder eines Knabenchors, ein Orchester mit zwei Zinken (Zinks?) und vier Posaunen. Dazu diese besondere Kirche, der Enthusiasmus aller Beteiligten. Hach, ach, hach.

    Samstag Abend, das nächste Konzert. Dieses überließ ich Madame, ich wollte Privatbürokrempel loswerden.

    Madame fuhr zum Musikfest Berlin: Exaudi (laut Program Vokalensemble mit Affinität für die extremen Ränder Alter und Neuer Musik) sangen chromatische Renaissancemusik. Beeindruckend: die Werke von Nicola Vicentino. Der führte im 16. Jahrhundert eine Unterteilung der Töne in Untertöne ein, die sich sonst erst in der neuen Musik des 20. Jahrhunderts etablierte. Formal strikte Renaissancemusik, mit neutönerischen Elementen. Es muss groß gewesen sein.

    (Mehr Theorie zu Vicentinos Madrigals – als Video)

    Dann ins Jüdische Museum: Sex. Jüdische Positionen. Soviel Input an einem Wochenende kann niemand verarbeiten. Dazu später mehr.

    Kartoffeln in Asche und Rauch

    Frau Brüllen buddelt immer noch:

    [M]ein Hauptlearning ist: wenn ich mal eine Leiche oder überhaupt etwas zu entsorgen habe, werde ich es definitiv nicht im Wald vergraben. Das ist eine unendliche Scheissarbeit, brutal anstrengend, geht endlos und andauernd kommen Leute vorbei.

    Als Kind wollte ich Straßenbahnfahrer werden, um genau diese Straßenbahn zu fahren. Neid ist gar kein Ausdruck.

    Ich las in sechs verschiedenen Blogs, dass die Blogger den Raab-Boxkampf gesehen haben. Alle sechs sind sich sicher, dass Stefan Raab niemand mehr interessiert.

    Das Lumpenpack schaute in den Abgrund der Verzweiflung. Es kam mit schlechter Laune, aber sehr entschlossen zurück: Kruppstahl, Baby.

    (via Heiko Bielinski)

  • 24-09-14 Kabane und Liebe

    24-09-14 Kabane und Liebe

    Der gescheiterte Ampeljongleur der Dominicusstraße zog zum Innsbrucker Platz. Gute Wahl: Mehr Autos, die zusehen müssen, weniger Fußgänger, die ihm durch die Vorstellung rennen.

    Polnisch redende Männer standen auf dem Dachboden und auf dem Gerüst. Madame redete mit ihren Waden, die am oberen Ende unseres Schlafzimmerfensters erschienen. Sie erzählten, dass sie neu sind und jetzt endlich einmal die Baustelle fertig machen wollen.

    Fingers crossed. Vor dem Herbst-Herbst hätten wir gerne ein Dach über dem Kopf und keine Folie.

    Nachdem die Mathe-Grundlagen-Klausur bestanden ist, warf ich einen ersten vorsichtigen Blick in die Lineare Algebra. Gute Nachricht: Mein Mathe-Lesetempo hat sich in den letzten anderthalb Jahren deutlich erhöht; meisten ahne ich beim ersten Anblick der Formel zumindest was sie von mir will.

    Es beginnt mit „Jetzt stellen wir uns mal ganz dumm und fragen: Was ist ein Plus?“

    Schlechte Nachricht: Mir scheint, die Stoffmenge hat gegenüber dem letzten Modul zugenommen. Wenn ich grob überschlage muss ich jetzt ein halbes Jahr lang zwei Kapitel pro Woche durcharbeiten. Ui.

    Immerhin kann ich jetzt kenntnisreich „Abelsche Gruppe“ in ein Gespräch einfließen lassen und verstehe sogar was ich sage.

    Madame bestellte ein.

    Ich kaufte Speiselöwenzahn.

    Sekundärvampire

    Weiter versuche, ich Sekundärliteratur zu lesen, um zu verstehen, was über uns hereinbrach mit den Fearless Vampire Killers. Der Film, der manchmal klassischer Körperslapstick ist, mal Avantgardekino der Vorkriegszeit, dann wieder B-Movie-Horrorflick oder offensichtliches Vorbild für viele spätere Kostümfilme und Tanzszenen; und jede Menge osteuropäischer Shtetl-Romantik.

    Was ich nicht wusste, was aber bei Nachdenken offensichtlich ist: wie sehr Vampirgeschichten und die ewigen antijüdischen Vorwürfe der Ritualmordlegende zusammen hängen. Wie sehr zum Beispiel im Filmklassiker Nosferatu antisemitische Klischees vorkommen. Wie sehr Polanski also im Film auch dieses Stereotyp auf den Kopf dreht, indem die unbeholfen-menschlichen Juden Opfer der teutonischen Vampire werden.

    Mich wundert, wie selten, der Marc-Chagall-Bezug auftaucht. Herrje, die Protagonisten heißen sogar Shagal. Und das Szenenbild sieht mehr als einmal aus wie direkt aus einem Chagall-Gemälde entsprungen. Oder auch hier.

    Leicht fassungslos bin ich weiterhin, dass deutschsprachige Auseinandersetzungen bestenfalls kursorisch streifen, dass die Geschichte im Shtetl spielt; einem in der ersten Hälfte des Films die Szenerie der jüdischen Legenden links und recht anspringt. Selbst die Bundeszentrale für politische Bildung hält es für bemerkenswerter, dass Polanski gerne Ski fuhr und seine Stunts selber drehte, als dass dort Teutonen Juden umbringen.

    Teilweise ist das erklärbar, weil sich das deutsche Wissen über das Judentum sich im Wesentlichen auf die Shoah und den Nahost-Konflikt erstreckt- Im Zweifel erschrecken Deutsche immer, wenn sie „Jude“ sagen müssen. Anderseits muss man nur Polanski zuhören:

    “In the film there’s an Eastern European culture which was desolated by the Germans and that’s been killed off for good thanks to Polish Stalinism,” Polanski told Positif. “It’s the kind of thing that you can see in the work of figures like Chagall and Isaac Babel, and also in certain Polish paintings. This culture, which never reappeared after the war, is part of my childhood memories. There just aren’t any traditional Jews in Poland any more.”

    Nein, halt, eine deutschsprachige Besprechung fand ich, die sich des Themas annimmt – und das obwohl sie den Film nur streift: »No Jews were harmed in this movie« in der Jüdischen Allgemeinen. Mit sehr vielen weiteren Filmtipps, die wir leider jetzt alle sehen müssen.

    Teure Woche

    Der Fahrradmeister war klar, und ich folge: Nach 24 Jahren ist es gut mit Deinem Fahrrad des Theseus. Langsam können wir es nicht mehr zusammenflicken, ohne jedes Jahr ein halbes neues Fahrrad zu bauen. Wenn der Fahrradmeister spricht, sage ich „Aye, aye“, schlage die Hacken zusammen und tue wie mir angewiesen. In diesem Fall also denke ich über ein neues Fahrrad nach.

    Nächster Tag, ich äußere meine Ideen. Der Fahrradmeister winkt ab. Na, jetzt nicht, jetzt hat er es ja gerade wieder fahrfähig für den Winter gemacht. Vielleicht im Frühjahr. „Aye, aye! Neues Fahrrad erst im Frühjahr.“

    Überraschende Entdeckung: Auch der ADAC hat einem Hammer in seinem Werkzeugrepertoire und manchmal haut er auch einfach mit dem Hammer auf das Auto. Half aber auch nicht. Der Subaru erlitt den Klassiker der Autogas-getriebenen Autos: Probleme mit der Benzinpumpe, weil wir diese und das Benzin zu selten nutzten.

    Leider benötigen wir diese Benzinpumpe, um das Auto zu starten und die ersten Minuten zu fahren, bis die Motortemperatur hoch genug für Gasverbrennung ist. Ohne Benzinpumpe kein Fumb.

    Und so spritzt der freundliche Herr Benzin direkt aus der Sprühdose in die Verbrennungskammer, bis der Motor auf warm genug war, auf Gas lief. „Jetzt zur Werkstatt fahren und ja nicht zwischendurch das Auto anhalten. Der springt sonst wieder nicht an.“

    Der Subaru steht vor der Werkstatt, mehr erfahren wir im Laufe der Woche.

    Immerhin hatten wir keine Hemmungen, den Schlüssel in den mäßig gesicherten Werkstattbriefkasten zu werfen. Es ist ja gerade ein Auto mit integrierter Wegfahrsperre.

    Sommerschlüssel Raunachtkomödie

    Im Laufe des Sommers waren wir das ein oder andere mal am Insulaner. Selten aber schafften wir drei Besuche in zwei Tagen.

    Donnerstag Abend: gemeinsamer Saisonabschluss. Ich aus dem Home Office, Madame direkt aus der Hafenstadt zurückkommend. Trotz mäßigem Wetter war das Schwimmbecken voll, viele wollten die letzte Gelegenheit nutzen. Wir kosteten es aus, bis wir zur Schließzeit aus dem Becken geworfen wurden.

    Freitag Nachmittag: Der Saison-Kabanen-Schlüssen wollte zurückgegeben werden. Das Wetter wurde eher als gräuslich beschrieben, Sturm und dauernd erweckte der Himmel den Anschein, als würde er gleich in Starkregen ausbrechen. Aber wo ich schon da war, wollte ich auch schwimmen. Nass werde ich dabei ja eh.

    Und so hatten wir ein 50-Meter-Becken zu viert, am Ende war ich alleine. Und weil es so problemlos mit dem Geradeausschwimmen funktionierte, es sonst aber auch wenig Entertainment gab, zählte ich ausnahmsweise Bahnen. Ich schwamm eine halbe Kaltmamsell, dann musste ich los; zurück nach Hause, bevor es wieder zum Insulaner ging.

    (Damit insgesamt 37 Saisonkabinennutzungen, wie bezahlten also 2,16€ pro Nutzung).

    Ein weiterer Saisonabschluss: die vorletzte Vorstellung der Shakespeare-Company auf dem Freibadgelände. Der Sturm ließ nach, das Wetter nicht mehr ganz so garstig. Auf einer Skala von Sommer zu Weihnachten aber schon ein gutes Stück Richtung Weihnachten:

    Twelfe Night , auf Deutsch Was ihr wollt, wurde aufgeführt. Sie liebten und sie verwechselten sich, die Menschen sind emotional, närrisch, großmütig und durchtrieben wie sie halt sind. Billy, alter Menschenkenner.

    Die Inszenierung älter, die Shakespeare Company hat in den letzten Jahren noch einiges dazu gelernt, aber wie immer unterhaltsam, nachdenklich machend, dezent modernisiert. Wie immer schöne Abende.

    Eating the dogs eating the Mozzarellaplatte

    In Springfield they’re eating the pets. (via Tröt) Gleich mal ins Kaninchenloch gefallen und entdeckt, dass das Internet echt großartig sein kann. Abgefahren: The Kiffness wird in genau einer Woche ein Konzert in Berlin spielen. Bedauerlich: Es ist ausverkauft.

    Feldforschung in der Metzgerei Tag 4 und Tag 5.

  • 24-09-12 Subtraktions-Speedrun

    24-09-12 Subtraktions-Speedrun

    In Kremmen findet eine Demo für Vielfalt und Toleranz statt. Am Freitag, 13. September um 17 Uhr am Marktplatz.

    Am Südkreuz fuhr ein Lastenfahrrad mit breiter Plattform als Ladeplatz. Darauf ein Rollstuhl samt Rollstuhlfahrer. Ich schwankte innerlich zwischen Pfiffig! und Oh Gott, das kann nicht verkehrssicher sein!

    Ich kaufte Stollen-Konfekt und das war gut so.

    Vandalen vandalierten Madames Fahrrad in einer Brandenburger Kleinstadt.

    Das Anhaltinische Theater Dessau bietet eine spannende aussehende Reihe „Puppe ab 18“ mit Puppentheatergastspielen für Erwachsene.

    Die Fernuni Hagen führt den Master Wirtschaftspsychologie ein. Sollte ich also durch den aktuellen Bachelor kommen, stehen mir gleich fünf Master offen (Wirtschaftsinformatik, Data Science, Wirtschaftswissenschaften, Wirtschaftspsychologie und Praktische Informatik).

    Mein Hauptproblem ist, dass ich mich inhaltlich für vier davon interessiere. Und für 80% der übrigen in Hagen angebotenen Master auch noch. Noch schlimmer: Mein anderer Abschluss dürfte mir den Zugang zu den meisten übrigen Mastern ermöglich. Nur Recht und Psychologie könnten schwierig werden.

    Während ich dies schreibe, bekomme ich die Nachricht, dass die Klausur Mathematische Grundlagen von Ende August im zweiten Versuch bestanden ist. Meine Güte. Auf zur Linearen Algebra.

    Leider war ich nicht im Büro als das (kleine) Lager mit auszugebenden und zurückgegebenen Handies gleichzeitig Warntags-warnte,

    Den freien Tag Klausur-Erholungs-Urlaub gab ich zurück, weil ich dachte die Planen-in-mathematischen-Modellen-Klausur wird nicht so schlimm. Ich kann den freien Tag anderswo besser einsetzen. Das war eine teure Entscheidung. Der Arbeitstag war durchgehend fordernd. Die Klausur sah aus der Nähe auch anstrengender und erholungsbedarfinduzierender aus als gedacht.

    700 Zeug

    Gute Nachricht der Planen-mit-mathematischen-Modellen-Klausur. Sie war (Teil-)Open-Book: ich durfte die Kursunterlagen dabei haben.

    Schlechte Nachricht: Ich hätte es wissen müssen, diese Art von Klausuren sind meistens so konzipiert, dass man keine Zeit zum Nachschlagen hat – also bestenfalls gar nicht nachschauen muss, oder wenn, dann zumindest genau wissend, was mensch wo sucht.

    Diese Klausur war ein Speedrun. Ich begann zügig und konzentriert und ohne das Bedürfnis etwas nachzuschlagen.

    Trotz meiner bekannten Schwächen bei Rechenaufgaben der Art \[ 221 – 219 \] verzichtete ich auf’s Nachrechnen – Später!

    Nach einer Dreiviertelstunde dämmerte mir, nach einer Stunde war es klar, dass ich trotzdem hinter der Zeit liege. So würde das nichts mehr. Also Speedrun: Schreiben, Rechnen, den inneren Automatismen freie Bahn lassen mit fliegendem Stift – kein Konzeptpapier mehr sondern gleich in die Finalversion und durch.

    Normalerweise kann man mich mit Textaufgaben erfreuen, bei denen Produzenten veganer Hackfleischsauce, Tischtennisschlägerhersteller oder Sägewerke Probleme wälzen, die man lösen soll. Aber diesmal hatte ich keine Zeit mehr. Ich nahm nur wahr: „700 Zeug nach 4 Dings unter der Bedingung 1 irgendwas + 3 irgendwas“

    Ich kam bis zur Teilaufgabe 4d. Bei 4e wäre ich ganz durchgekommen.

    Nachrechnen, Überlegen – ihr beliebt zu Scherzen. Immerhin sollte es inhaltlich kein Problem gewesen sein – wie viele Punkte mich Rechenfehler, Verleser und unleserliche Schnellschrift kosteten, werde ich in ein paar Wochen erfahren.

    What a Ride!

    Immerhin: Der Internet-Hotspot zur Klausur hielt. Dank Madames Handy und Rechner hatte ich zweieinhalb Stunden unterbrechungsfreies Internet; etwas das DSL+Powerline derzeit nicht hinbekommen.

    TurboPascal

    Zweite gute Nachricht: Ich habe mein Seminarthema grundsätzlich verstanden. Damit ist natürlich keine Seminararbeit geschrieben und auch mathematisch steige ich noch nicht durch. Aber ich verstehe, was die Fragestellung überhaupt soll. Bei Mathe ist das meistens mehr als die Hälfte der Aufgabe.

    Erfreulicherweise schließt es inhaltlich genau an die gerade geschriebene Klausur an. Selten war ich so zielgenau vorbereitet.

    Lustige Erkenntnis: Prof. Hering (unter den Wiwi-Studenten als DER Professor Hering bekannt) schrieb 1990 seine Diplomarbeit über genau dieses Thema. Nur programmierte er damals gleich noch ein Programm in TurboPascal zur Lösung derartiger Probleme. Das muss ich nicht.

    Oy vey, have you got the wrong Vampire

    Kleine Klausurnachfeier: das Odeon-Kino zeigt einmal im Monat einen klassischen Vampirfilm. Diesen Monat: The Fearless Vampire Killers / Tanz der Vampire von 1967.

    What a Ride! Again.

    Wir waren erinnert an Drei Haselnüsse für Aschenbrödel, Das Kabinett des Dr. Caligari, Alien, Dr. Mabuse, die Carry-on-Filme, Willy-Bogner-Filme und jede Menge Kostümdrama. Mir fehlen noch die Worte. Ich sichte Sekundärliteratur, um Worte zu finden.

    Was auffiel: Ein Holocaust-Überlebender drehte 1967 einen Film, in dem eine osteuropäisch-jüdische Familie die Opfer sind, während die Täter (Vampire) Herbert/Otto/Bertha von Krolock heißen – und ich finde bis 2024 nicht eine deutsche Besprechung, die das irgendwie thematisiert.

    Es wunderte mich weniger, dass die deutsche Synchronisation von 1967 auch die Textverweise auf das Judentum tilgte. Unter anderem den schönen Kracher, in der das junge Mädchen den (neu erschaffenen) jüdischen Vampir Yoyneh Shagal mit einem Kreuz abwehren will und er nur kontert: Oy vey, have you got the wrong Vampire.

    Was auch auffiel: die Szenerie erinnerte stark an Bilder von Chagall. Die jüdische Familie heißt Shagal.

    Unter asiatischen Metzgern in Deutschland

    Feldforschung in der Fleischerei Tag 1 und Tag 2 und Tag 3.

  • 24-09-10 Heupferd mit Rotschwäche

    24-09-10 Heupferd mit Rotschwäche

    Madame lies die Wetterwand erröten.

    Madame entrang dem rasenden Bäckereiwagen zwei Stück Endlich-ist-Wochenende-Kuchen, Bohnen und Paprika. Und natürlich Puddingschnecken sowie hervorragende Quarkbällchen.

    Hier geht es zu wie auf Herrn Raus Piratenschiff! ist auf dem besten Weg zur Redensart.

    Noch mehr Heupferde. In allen Größen. Vom Heupferd bis zum Heushetlandpony. Auffallend: Das Exemplar mit nur einem halben linken Vorderbein und Rotschwäche. Erst drückte es sich stundenlang an der roten Außenwand des Bungalows entlang.

    Später begab es sich über die Terrasse; dort lag noch ein Fallapfel mit roter Schale. Die nächsten Stunden saß das Vieh auf dem Apfel.

    Madame notierte sich, dass sie das entlaufene Sedum in der Wiese ausgraben will.

    Großstadt-Hitzglocke: Sonntagabend um 21:15h bei 22 Grad in den Latifundien aufgebrochen, um 22:00h bei 28 Grad in Schöneberg angekommen.

    Auch mit Dauerlüften hält sich die schwere Hitzer – in der Wohnung, im Supermarkt, im Bus und erst recht im 30-Grad-Treppenhaus.

    Ihr seid wirklich sicher, dass wir keine 30-Grad-Tage mehr bekommen, dieses Jahr? Oh, ihr Optimisten!

    Tropennacht hält wach. Irgendwann des Nächtens spielt das Radio eine Interviewwiederholung mit Jens Spahn. Ich bin kurz davor aus dem Bett zu springen und nachts um zwei spontan den Grünen beizutreten. Glücklicherweise hatte der Sleeptimer Mitleid mit mir und schaltet Jens Spahn stumm.

    Derweil führt die SPD die lang vermissten Grenzkontrollen zwischen Deutschland und Dänemark wieder ein. So panisch, wie die Regierung gerade durch die Gegend hühnert; die AfD-Führung muss vor lauter Lachen auf dem Boden rollen und sich die Bäuche halten.

    Ich kaufte Theaterkarten. Die vorkommenden Rollen Europa, Putzkolonne, Regenbogen, Wissenschaftler überzeugten mich.

    Da offensichtlich gerade Herbst ist, begann ich mich gedanklich mit Weihnachts- und Herbst/Winter-Geburtstagsgeschenken zu beschäftigen. Falls mir jemand etwas schenken möchte: ich würde das DEERC DE65 Remote Control Car with 1080P HD Camera nehmen. (und das ist auch auf keiner der „offiziellen“ Wunschlisten drauf)

    Wir folgten den Dönerfluencern zu Mir Döner. Mit etwas rumsuchen auf Youtube fand ich zahlreiche Dönertester, die alle bei Mir waren. Wenn in der Nachbarschaft schon etwas weltberühmt auf Social Media ist, sollten wir hin. Die Schlangen sind wieder etwas geschrumpft. Wir machten uns Montagabend auf den Weg.

    Zu Recht! Durchgehend echtes Fleisch, alles saftig und zart, ungewohnt tomatig mit Anklängen von Bolognese-Sauce. Gerne wieder.

    Madame installierte, inspiriert von Herrn Buddenbohm, eine neue Karten-App. Unabgesprochen installierte ich, inspiriert von Herrn Buddenbohm, eine neue Karten-App. Bisher bin ich glücklich. Die Karte sieht schön aus, sie basiert auf Open Street Map und scheint zu leisten was ich wünsche.

    Letzte Lücken

    Es gilt letzte Lernlücken zu füllen.

    Bei der Klausur darf ich die Skripte nutzen – sogar mit Anmerkungen, also klebe ich ein halbes Dutzend Klebsis an neuralgische Stellen und schreibe mir Formeln an Stellen an denen ich sie schnell wiederfinde. Aber natürlich ist es viel schneller und sicherer, wenn ich die entsprechenden Formeln im Moment des Moments auswendig kenne.

    Selbst die graphische Simplex-Lösung wiederholte ich. Bei der Methode hatte ich einst vor zwei Seminaren beschlossen, dass sie mir zu trivial ist, um mir zu merken wie sie funktioniert. Aber die Antwort: „Habe ich für zu trivial gehalten und deshalb nicht gelernt“, ist eine Antwort, die in der Klausur vermutlich keine Punkte gibt.

    Weiter ging es mit Fakten, die es nie schaffen, sich in meinem Hirn festzusetzen:

    Die Varianz ist \[\sigma^2 \] Die Standardabweichung ist deren Wurzeln, also: \[\sqrt{\sigma^2} = \sigma \] Nicht umgekehrt. Die beiden zu sortieren ist mir schon zu Schulzeiten nicht gelungen; alle Kurse zur empirischen Sozialforschung in den 1990ern halfen nicht und nun auch nicht die diversen Statistikseminare. Ich hoffe, ich kann es für 24 Stunden in meinem löchrigen Hirn halten.

    Zur Bestimmung von (Pseudo-)Zufallszahlen eignet sich die multiplikative Kongruenzmethode. Hier gilt:

    \[ z_{i+1} = z_i * a \mod b \] Dabei ist b ein vielfaches von 2: \[ 2^n\] Die maximale Zahl der bestimmbaren Zufallszahlen beträgt n-2. Ist b also \[ 512 = 2^9 \] lassen sich \[ 2^{9-2} = 2^7 = 128 \] Zufallszahlen damit bestimmen.

    Während ich inhaltlich bisher ein wirklich gutes Gefühl habe, kommt Spannung aus anderer Richtung. Unser Wohnungsinternet neigt den ganzen Montag zu sporadischen Aussetzern – misslich wenn ich eine Onlineklausur mit dauernder Kameraüberwachung schreiben soll.

    Also Montag noch Techniktest mit Ersatzrechner und mobilem Hotspot – scheint zu funktionieren. Fingers Crossed.

    1000 Kilometer

    Wofür das Internet gut ist: mit 40.000 Leuten danach suchen, wer die sechste Person auf einem 2008 hergestellten Stoff ist. Sie wurde gefunden: Celebrity Number Six confirmed.

    Übrig aus Vor-Internet-Zeiten: Stephan Max besucht die Traumathek-Die Traumathek – Kölns letzte Videothek

    Besondere Filme schauen im Kino geht derzeit in Cannes: 5. Deutsches Filmfestival in Cannes

    Dank Ostseereise dieses Jahr bekomme ich regelmäßig Werbemails der litauischen Bahn. Ich lernte, dass es einen Sonderzug „in die Pilze“ gibt. Was mensch sonst noch im Baltikum mit der Bahn machen kann, empfiehlt die Zugpost: Ohne Bus durchs Baltikum: Bahnreisen in Estland, Lettland und Litauen

    (Der Artikel ist aus 2023. Wie wir im Sommer testeten, kommt man seit 2024 wieder komplett mit Bahn von Deutschland dorthin.)

    Andere Fortbewegung: Der erste 1000-Kilometer-Trip mit dem E-Auto.

    Frau Brüllen bohrt

    Wegen der furchtbaren Fruchtfliegenplage in meiner Küche bestelle ich mir aus einer Stimmung heraus eine fleischfressende Pflanze. Dabei nehme ich mir ganz fest vor, sie auf gar keinen Fall ,,Audrey“ zu nennen – auch nicht mit Nummer.

    Feed me.

  • 24-09-07 Sensitivitätsanlayse wegschieben

    24-09-07 Sensitivitätsanlayse wegschieben

    College Football ist dieses Jahr nicht im deutschen Fernsehen zu sehen. Es gibt nicht einmal legales Streaming. Das trifft meine Herbst-Freizeitgestaltung.

    Madame machte drei Kreuze.

    Im Akazienkies Udon-Nudeln, Sommerrollen und Mangosalat.

    Das Theater Chemnitz besitzt das Talent, ein auf den ersten Blick nur mäßig begeisterndes Programm aufzulegen. Und dann schaue ich genauer hin und es sparkt Joy. Und dann sehen wir eine Vorstellung und sind nach Monaten, ach was Jahren!, begeistert.

    Im Internet fand ich eine Vorstellung, die Joy sparkte.

    Der Qualitätspresse entnehme ich, dass Danni Büchner eine eigene Fernseh.-Reality-Show bekommt. Ich finde das spannend:

    Ihr verstorbener Mann, Partyschlagersänger Jens Büchner war zwar nicht wirklich sympathisch, aber zumindest eine echte Rampensau. Der hatte das Talent, nichts peinlich zu finden, wenn es unterhält. Wie gemacht für das Fernsehen. Danni hingegen hat weder Charisma, noch ist sie sympathisch, noch hat sie irgendeine Art von Bühnen- oder Fernsehpräsenz. Aber sie ist eingeführter Charakter im D-Promi-Universum. Das reicht anscheinend um von Sendung zu Sendung gereicht zu werden.

    Im Generalanzeiger ein Porträt des Brandenburg-FDP-Spitzenkandiaten Zyon Braun. Ich erfahre, dass er zweimal studierte, aber nicht was uns wo. Sein Wikipedia-Artikel ist wegen Irrelevanz gelöscht. Im Internet lerne ich schließlich: irgendwas mit BWL an Privat-FHs. Gibt nicht so viel her zum Angeben,

    Immer noch 30 Grad. Ich schwanke zwischen „Möge es endlich vorbei sein. Es ist September!“ und „Wahrscheinlich ist dies das letzte Sommerwochenende des Jahres. Sauge es auf. Du wirst es vermissen!“

    Donnerstag kombinierten wir beides: to summer und to Abkühlung. Knapp anderthalb Stunden im Insulanerbad (ich) bzw eine halbe Stunde (Madane) und danach waren wir schlapp und gut durchgekühlt. (SK 31/32)

    Sternenhimmel, ich seh den Sternenhimmel, huaah! Fast hätten wir Hubert Kah anstimmen können als wir Freitag auf die Latifundien fuhren. Nicht im Süden natürlich, da hängt die LIchtglocke über Berlin – aber im Norden, Osten und Westen: The greatest show on earth!

    Eine Katze lag im Vulkan.

    Madame moppte die Wand des Bungalows.

    Wo sind all‘ die Admirale hin? Vermutlich auf dem Weg nach Südwestdeutschland.

    Dafür Heupferde, jede Menge Heupferde. Die richtig großen. Madame prognostiziert uns nindestens eines im Schlafzimmer.

    Madame entwicklet starke Symapthien für empirische Sozialforschung. hält sie aber für sehr anstrengend.

    Gliederung abzugeben bis zum 31. Oktober

    Der Lehrstuhl bwlquam schickte mir eine längere Mail zum Seminar nächstes Semester. Ich habe ein Seminarthema: Sensitivitätsanalyse bezüglich des Begrenzungsvektors.

    Nicht, dass ich eine Ahnung hätte, worum es dabei geht. Aber es war mein Wunschthema.

    Vielleicht auch, weil ich die anderen Themen genausowenig verstehe.

    Vielleicht war ich bei der Wahl dieses Seminars auch einfach überoptismitisch.

    ABENTEUER.

    In mir strebt alles auf die Bücher, in die Bibliotheksdatenbank und ans Konzeptpapier. Aber noch sollte ich nicht. Noch sollte ich das Thema innerlich wegschieben. Noch wartet eine Klausur; passenderweise beim selben Lehrstuhl bwlquam bei dem das Seminar löuft. Das sollte ich nicht als inkompetent auffallen.

    Alpha ist klar. Aber Phi?

    Also lernen: Metra-Potenzial-Methode, Simplex-Verfahren (einstufig und zweistufig), Branch and Bound, Greedy- und Vogel-Heuristiken, Stochastische Simulation. Das Modul hat Tendenzen in absurde mathematische Bereiche auszureißen – die Klausur wird aber allen Erwartens nach Wiwi-freundlich werden und sich auf angewandte Mathematik beschränken.

    Mechanisch durchrechnen. Textaufgabe in eine Formel umsetzen und dann dem vorgegebenen Programm folgen. Die schwierigste Rechnerei ist sowas wie 0,3 – (2/3 * (-0,5)). Das ist eher banal, aber ich verrechne mich erschreckend oft. Noch zwei Tage.

    Die Klausuren des Lehrstuhl sind formal seit Jahren nahezu identisch und ich habe Vertrauen, dass es so bleiben wird. Inhaltlich hatte ich vieles schon mal im Laufe des Semsters verstanden. Jetzt nachlesen und neu verstehen (zweistufiger Simplex, Branch-and-Bound)

    Nur das mit der Bestimmung der Konfidenzintervalle hakt noch. Immerhin verstand ich inzwischen was ich bisher nicht verstand.

    Et tu, Neil?

    Es war eine Frage der Zeit. Irgendwann wird es einen von mir geschätzten Prominenten mit #metoo erwischen. Es war Neil Gaiman; bekannt als Autor von Sandman oder American Gods. Ich las Anansi Boys und ihn gerne ab und an im Internet. Er wurde wegen sexueller Übergriffe bis hin zur Vergewaltigung angeklagt.

    Hotel Mama fragt, wie ich damit umgehe?

    Ich muss sagen, es traf mich nicht tief. Dafür ist er emotional zu weit weg. Dafür war mir innerlich zu klar, dass irgendwann ein Mann aus meinem persönlicher Bewunderskosmos auffliegen würde. Ein kleiner Stich ins Herz trifft es eher.

    Generell denke ich pragmatisch; ich bin so unwichtig, dass meine Einstellung wirklich null Unterschied auf den Fortgang der Dinge nimmt. Er kennt mich nicht, ich kenne ihn nicht, seine Einstellung mir gegenüber wird „egal“ sein.

    Ich kann ihn innerlich ohne großes Nachdenken von „wirkt symapathisch und schreibt schöne Bücher“ auf „ist Vergewaltiger und schreibt schöner Bücher“ umsortieren. Sollte ich ihm damit wieder erwarten Unrecht tun, wird er davon auch nichts mitbekommen.

    Den Unterschied, den mein Verhalten macht, ist auch nahe Null, aber nicht Null. Ich habe mein einziges Gaiman-Buch vor 15 Jahren gekauft und werde keines mehr ergänzen. Ich habe Gaiman bisher etwa einmal im Jahr irgendwie positiv erwähnt. Das werde ich wohl sein lassen. Sollte ich in eine Situation kommen, in der er positiv erwähnt wird, werde ich widersprechen.

    Noch gerade so ins Insulanerbad

    Poupou telefonierte und winkte mit dem Busfahrer und kam gerade so ins Sommerbad am Insulaner.

    Was machst du eigentlich den ganzen Tag, Trucker-Edition.

    Die Bahn-Auskennerin empfiehlt den Platz zwischen den Sesseln.

    {F}ür alle die ACE-Hemmer (eine Klasse an Blutdrucksenkern) nehmen und generell Medikamente, bei denen im Beipackzettel „Angioödem“ oder „Schwellungen zB im Gesicht“ angegeben sind: das ist kein Spass, das kann auch nach längerer problemloser Einnahme auf einmal auftreten. Es sieht vielleicht erst nur ein bisschen komisch verquetscht aus, aber bitte gehen Sie damit zum Arzt und zwar ohne lang zu warten und erwähnen Sie die Medikamente.

  • 24-08-31 Vom T über a,b,c zu ()()()

    24-08-31 Vom T über a,b,c zu ()()()

    Der Kaptain wirbelte Parmesan.

    In St. Ursanne wurde eine mooh gesichtet.

    Madame liest Platon und Dewey.

    Ich bekomme eine Mail in der jemand fragt, ob mich noch an die Quellen erinnern kann, auf deren Basis ich 2004 einen Wikipedia-Artikel zum Nahost-Konflikt erweiterte.

    Örks, nein, eher nicht. Ich hätte schwören können, dass ich Nahost in Wikipedia immer weiteräumig umging.

    Ich bekomme viele Bestätigungsmails. Jemand nutzt eine sekundäre Mailadresse von mir, um Internet-Kontaktpostfächer zu spammen. Jeden Tag ein halbes Dutzende Bestängungsmail von Versicherungen, Banken und anderen „Wir haben ihre Anfrage erhalten.“

    Das ist nervig. Vor allem wird es früher oder später dazu führen, dass die entsprechende Mailadresse auf Spam-Blacklists landen wird. Zum Glück nutze ich sie nur zum Empfangen, nicht zum Senden.

    Auf Tröt lernte ich, dass die Tierfamilie der Haie (500 Millionen Jahre) ein vielfaches älter ist als der Polarstern (60 Millionen Jahre). Ich mochte es nicht glauben und schlug nach: Stimmt.

    Wobei der Polarstern Teil eines Doppelsternsystems ist. Der fürs Auge unsichtbare Polarstern B hat ein anständiges Sternenalter von 2 Milliarden Jahren.

    Das ändert nichts daran, dass Haie 80% ihrer Existenz zu Zeiten verbracht haben in denen es keinen Polarstern gab.

    Früher habe ich einst fremde Schwimmbäder aufgesucht, um in unbekannte Berliner Stadtteile vorzustoßen. Inzwischen reicht es, einen der letzten Geldautomaten zu suchen.

    Das erste mal seit Monaten in Wilmersdorf. Wir entdeckten eine real existierende Bankfiliale. Und ein Brettspielspezialgeschäft. Und am schönsten, ein Magic-the-Gathering-Turnier, das gerade live in einem Spezialladen durchgeführt wurde. Und alle Teilnehmer*innen waren viel jünger als wir. Ich habe Vertrauen in die Zukunft.

    Freitag Abend in den märkischen Hamptons: 16 Grad Außentemperatur. Ich hätte die Luft umarmen können. Vielleicht habe ich es auch getan. Ich war ja zu dem Zeitpunkt alleine.

    Madame meinte beim Frühstück, ich sähe aus als wollte ich gleich meinen Riesenkürbis auf die Schubkarre laden und zum Riesenkürbiswettbewerb fahren. Ich versuchte, mir eine Version meiner selbst vorzustellen, die Riesenkürbisse züchtet.

    20:36, auflaufendes Wasser

    Madame entdeckte etwas und fragte mich, ob ich beim Umräumen eine alte Uhr aus Konfirmationszeiten wiedergefunden habe. Nein! Die ist brandneu! Quasi ein Selbstgeschenk Matheklausur.

    Denn die Uhr im Retrolook ist wasserdicht! Und aus Plastik gefertigt, das vorher aus dem Meer geborgen wurde. Und sie hat den Farbton seafom. Vor allem aber zeigt sie mir immer die Gezeiten an. Ich kann jederzeit sehen wie die Gezeiten in Büsum sind.

    Okay, fast. Deutsche Gezeiten kann die Uhr nicht. Aber da die Tiden sehr regelmäßig sind, nur von Geograpie und Sonne, Mond und Sternen abhängen, sind die berechenbar. So berechenbar, dass ich La Push im US-Staat Washington fand. La Push hat fast identische Gezeitenzeiten mit Büsum. So weiß ich immer was in La Push das Wasser macht.

    Spannender Ort: 350 Einwohner*innen, fast alle zum Stamm der Quileute gehörend. Die gesamte Wirtschaft in La Push ist in Stammeseigentum, Privateigentum existiert nicht. Dafür Tourismus:

    An der First Beach liegt das Oceanside Resort, das vom Stamm betrieben wird. Die ersten Hütten des Oceanside Resort wurden bereits in den 1930er Jahren errichtet. Heute ist es ein modernes Luxushotel, das als Ziel für Erholungssuchende ohne Fernseher ausgestattet ist. Im Frühjahr ist der Ort Ziel von Walbeobachtern, im Sommer von Anglern und Wanderern und im Herbst und Winter ein Ziel zur Sturmbeobachtung. Der First Beach ist im Sommer und frühen Herbst ein bekanntes Surfgebiet

    Vielleicht muss ich da mal hin.

    Was erlauben Induktion?!?

    Meine Klausurvorhersage für die Mathematischen Grundelagen war korrekt: Achterbahnfahrt.

    Originelle, aber faire Fragestellungen und das Unerwartete. Auf jeden Fall hatte ich Respekt vor der Klausurerstellerin.

    Hätte ich fünf Stunden Zeit gehabt und einen Telefonjoker zu Rate ziehen können, wäre das eine spannende Beschäftigung gewesen. In zwei Stunden ohne Telefonjoker: Achterbahnfahrt.

    Es gab schöne Momente wie die Treppennormalfallformmatrix oder als mir die Umformung der Polynomgleichung mit T, T^2 und T^3 zu a(), b (), c() wieder einfiel.

    Es gab den Moment in denen ich feststelle, dass der Induktionsbeweis – eigentlich immer ein sicherer Punktegarant – plötzlich unerquicklich mit einer Ableitung und einem Division durch Null verknüpft war.

    Und es gab „Prädikantenlogik? WIe Prädikantenlogik?? Die kam seit 2014 in keiner Klausur mehr! Wer soll denn sowas lernen!“

    Eine echte emotonale und intellektuelle Achterbahnfahrt. Aber ich stehe auf sowas. Und bin auch nach Ansicht der Musterlösung recht optimistisch was das Punkteergebnis angeht.

    Nach der Klausur ins Freibad. Dann wieder nach Hause, vergessenen Kabanenschlüssel und Eintrittskärtchen holen. Dann wieder ins Freibad. Es war schwül, es war heiß – Wiesen und Kinderbecken waren soll, Schwimmbecken erfreulich leer. (SK 29 – noch eine Woche ist das Insulanerbad geöffnet)

    Madame malte derweil Auberginen.

    Tirana, Lemberg, Cuxhaven

    Fast gleichzeitig lese ich zwei beachtenswerte Osteuropabuchtipps.

    Frau Maultaschen Ravioli empfiehlt: Philipp Sands: Rückkehr nach Lemberg.

    Christa Chorherr empfiehlt Lea Ypi: Frei – Erwachsenwerden am Ende der Geschichte.

    Ich setze meine Fortbildung „Segel-Navigation im Wattenmeer und drumherum“ fort. Als Träger einer Gezeitenarmbanduhr muss ich davon fasziniert sein.

  • 24-08-29 In Treppennormalform

    24-08-29 In Treppennormalform

    Auf dem Dachboden wird gesägt.

    Madame und Dirk von Lowtzow von Tocotronic sind fast gleichzeitig von Freiburg nach Hamburg gegangen.

    Ich klausurlaube und grummele ob der Hitze und lerne.

    Versuche, der intellektuellen Vertunnelung und der emotionalen Verhöhlung entgegenzuwirken:

    Dienstag Insulanerbad mit Madame (SK 26, 27 – 2,96€ pro Besuch). Es wird mir fehlen.

    Mittwoch Stadtbummel durch die Schloßstraße – langsam wurde es schwierig bei den Außentemperaturen etwas zu unternehmen ohne zu zerfließen. Ich entschied mich für eine Spaziergangsvariante, die diverse klimatisierte Geschäfte auf dem Weg enthielt. Hätte fast im Überschwang einen Kalender für 2025 gelauft. Geld ausgegeben habe ich für den Einkauf beim unklimatisierten Hofladen in der Akazienstraße: Breite Bohnen und Rote Beete.

    Heute angekündigte 34 Grad. Ich versuche noch mich zu entscheiden, ob ein kompletter Wohnungstag oder ein Wohnungstag mit Intensivbratung zwischendurch schlimmer ist. Vielleicht auch Insulaner. Aber Freibad bei 34 Grad will doch auch niemand.

    Madame lernt.

    Raumbildkernstammfunktion

    Noch 24 Stunden bis zur Onlineklausur „Mathematische Grundlagen“.

    Ich lerne unter anderem mit Altklausuren und entwickele großen Respekt für die Klausurerstellerin. Es werden zuverlässig die Hauptthemen und im Wechsel verschiedene Nebenthemen abgeprüft. Dabei wiederholen sich über die Jahre fast nie die Fragenstellungen.

    Die konkreten Aufgaben sind clever gedacht, kombinieren oft sinnvoll verschiedene Themen und erfordern auch fast immer eine gewisse mathematische Kreativität zur Lösung. Aber alles im fairen Bereich: wenn man das Zeug verstanden hat, sollte man auch so kreativ damit umgehen können – und wenn man dann eine Lösung hat, blinken begeistert mehrere Glühbirnen über dem Kopf.

    Stand Dienstag Abend: Mit etwas Glück könnte ich jetzt bestehen. Und ich habe noch zwei ganze Tage zum Lernen!

    Stand Mittwoch Abend: Wenn es normal läuft. mache ich mir keine Sorgen. Beweis per Induktion und Gleichungssysteme per Matrix und Treppennormalform lösen kann ich mittlerweile auf Geschwindkeit Nachts um drei im Halbschlaf.

    Die Logikregeln sind wieder drin. Das ganze Vektor-Vektorraum-Umfornungs-Abbildungs-injektiv-surjektiv-Bild-Kern-Dimension-Basis-Drama habe ich im Großen und Ganzen auch verstanden und kann es anwenden.

    Bei den obskureren Integrationen und Ableitungen weiß ich zumindest wo im erlaubten Spickzettel ich schnell die nötigen Formeln finde. Und selbst bei den konvergierenden Reihen sehe ich in den Beispielaufgaben meistens in welche Richtung es sich bewegt.

    Weiterlernen? Wieviel Schmerz nehme ich für eine bessere Note auf mich?

    Ach stimmt ja. Es gibt nur cool und uncool und wie man sich fühlt b. (bestanden) und n.b. (nicht bestanden). Es gibt in dieser Klausur keine Noten.

    Wieviel Schmerz bin ich bereit auf mich zu nehmen, um auch unter ungünstigen Umständen (aktuelle Selbstüberschätzung meiner Fähigkeiten + schlechter Tag + unglückliche Aufgabenstellungen) durch zu kommen?

    Wähle Sachsen liebenswert

    Mathelernbedingt schaue ich derzeit öfter bei Youtube herein als sonst.

    DorFuchs, MathemaTrick oder MathePeter bedienen ein Nischenpublikum. Dennoch bekomme ich Werbung. Politische Werbung gar gegen die AfD.

    Edeka versucht es gaga: Es gibt kein blaues Gemüse, also auch nicht blau wählen. Das überzeugt mich inhaltlich nicht. Aber ich habe Respekt davor, dass der Konzern sehenden Auges ein Drittel seiner Sächsischen und Thüringen Kundschaft herausfordern mag.

    Noch verwirrender: Wähle Sachsen liebenswert. Ein mittelalte Dame (die den Eindruck erweckt als sollte ich sie kennen) erzählt vom wunderschönen Sachsen und seiner Kultur. Dann bringt sie Kultur-Beispiele, die so traditionell Kultur sind, dass auch der letzte Dorfork sie versteht (Moritzburg, sorbischer Osterritt) und deswegen soll man keine scheinbaren Alternativen wählen. Es endet mit dem sächsischen Wappen und dem Slogan „Wähle Sachsen liebenswert.“ Kein Impressum, keine Angabe von wem die Werbung ist.

    In seiner niederschmetternden Biederkeit wirkt es stark nach CDU-Staatskanzlei. Aber die würde nicht so offensichtlich Wahlwerbung machen.

    Bisher gelang es mir nicht den Urheber der Werbung zu finden. Oder die Dame, die ich vermutlich wiedererkennen sollte. Oder auch nur, den Werbespot wiederzufinden.

    Theta

    Mehr zum Hofladen und Wilmars Gaerten. Der rbb war auch schon da: Wilmars Gaerten – Nachhaltige Landwirtschaft im Süden Brandenburgs und der tip Berlin ohne Paywall: Wilmars Gärten in Brandenburg: Ein Besuch im Gemüsebeet von Mariá Gimenez

    Klimakatastrophe praktisch: Es gibt eine neue überarbeitete Winterhärtezonenkarte für Pflanzen für Europa.

    Sächsische Kultur wie ich sie liebe: DorFuchs und seine Mathesongs. Vor vier Monaten vertonte er das Ergebnis seiner Doktorarbeit. Nicht dass ich inhaltlich etwas verstehe (oder was weiß Euler-Schemata oder akkretive Operatoren sind) – aber ich bin sehr stolz, dass ich zumindest den formalen Aufbau verstehe! Und überhaupt, einfach großartig: Euler-Schemata mit akkretiven Operatoren (Mathe-Song)

    Lieb auch die Kommentare

    Herr Rau fasst die Piraten von North Cothelstone Hall von Lord und Lady Hesketh-Fortescue zusammen. Ich vermute, die Zusammenfassung liest sich zehnmal so interessant wie das Buch.

    Lebensberatung mit Frau Novemberregen (unten).

    Glückstreffer: die Algebra-Hälfte der benötigten Mathe-Definitionen auf einen Blick: Lineare Abbildungen (Dies ist sicher der wichtigste Begriff der linearen Algebra!)