Schlagwort: Mathe

  • 24-10-21 Chillen und Grillen

    24-10-21 Chillen und Grillen

    Montag Morgen begann with a bang. Vermutlich war den Dachbodenbauarabeitern etwas umgefallen. Punkt 7 begann das Hämmern und Bohren. The marvelous Frau Z, die zum Putzen kam, hatte Mitleid mit uns.

    Aber ich freue mich über jedes Anzeichen, dass die Dachbodenbaustelle weitergeht. Ihr stetiger Arbeitsbeginn genau um 7, spricht zudem für eine Grundprofessionalität, die in diesem Hause ungewöhnlich ist.

    Am Südkreuz recherchierte ich Parkplätze. Es gibt Ebenerdig-Tempelhof, Ebenerdig-Schöneberg und Parkhaus-Süd. Alle drei kosten denselben Stundenpreis (2,50€)1, haben aber alle verschiedene Tagespreise (E-T: 27€, E-S 30€, PH: 25€). Mein Lieblingsparkplatz dort ist allerdings das Parkhaus-Nord: Dem gönnte die Bahn nicht einmal eine Auffahrt, so dass es seit Jahren als Lost Place mitten am ICE-Bahnhof steht.

    Die Bahn spendierte Madame eine knappe Stunde Aufenthalt in Zeuthen. Das war nicht der Tagesauftakt, den sie sich vorstellte.

    Der tip besuchte das Botanische Bistro Talea. Langsam wird es peinlich, dass wir immer noch nicht da waren. Vermutlich wird es in der New York Times stehen, bevor wir hinkommen.

    Roastbeef? Rumpsteak?

    Madame und Euphegenia sammelten die letzten Schlehen und setzten Sloe Gin an.

    Samstag bei Donna Rosa fragte Mio macchina, was der Platz für den Rest des Wochenendes sei? Nichts. Chillen. Ach ja. Und Grillen. Ausnahmsweise weder Gemüse noch Schweinekamm, noch Spezialbratwürste sondern Steaks.

    Es gab Unklarheiten, was wir gekauft hatten: Roastbeef oder Rumpsteak. Anforderung an die Verkäuferin war gewesen: „Ein ganzes Stück Rindfleisch aus dem man gut Steaks schneiden kann.“ Wir bekamen ein Kilostück schön aussehendes Fleisch. Auf dem Schild stand Rumpsteak. Der Metzger sprach von Roastbeef. Wikipedia klärte auf: Rumpsteak ist Roastbeef.2

    Am Ende egal. Aufgrund mangelnder Steak-Übung schlug ich nach: Beide Sorten fallen unter „mittelfestes Rindfleisch“.

    Ich schnitt das Kilostück in zwei Scheiben (500 Gramm, etwa 4 cm dick), heizte den Grill auf etwa 280 Grad.

    Die Scheiben kamen einige Minuten direkt über die Hitze (etwa 3 Minuten von jeder Seite – bis sie recht aussahen) und etwa 20 Minuten bei 270 Grad in die indirekte Hitze. Vor dem Servieren wurden beide Scheiben geviertelt und über den Salzstein gezogen.

    Werden wir wiederholen.

    Die Gottesanbeterin vom Samstag tauchte wieder auf, selbe Zeit, selber Ort. Auf den Astern machte es sich ein Distelfalter bequem. Madame bezwang in herkulischer Aufgabe den nicht-mehr-nötigen Maschendrahtschutz um Apple Blossom. Bei der Gelegenheit dezimierte sie auch verschiedene der Fremdbäume, die sich im Rambler-Konglomerat angesiedelt hatten.

    Die Mathe-Tafel feierte ihre Premiere auf der Terrasse. Wir müssen mit dem Wind aufpassen, sonst ist sie ebenso praktisch wie ausnehmend dekorativ. Überhaupt gönnte der Oktober zum Hochzeits-Nachtag unseren Gästen einen ausgesprochen dekorativ-spätsommerlichen Abschied.

    Harzen

    Über das Wochenende las ich zwei Filmbesprechungen, die mich interessieren: Zone und Rumours.

    Zone spielt im Nachkriegsharz. Versucht sich daran, die deutsche Geschichte mit ihren beiderlei Lagern auszutreiben:

    Friedrich exorziert die deutsche Geschichte, aber sie tut es in Bildern, die man so noch nicht gesehen hat. In der Zone herrschen die beiden Wächter (Tobias Ofenbauer und Jonas Schlagowsky) in ihren Großvater-Pullovern. Beim täglichen Putzritual müssen die Kacheln mit Essiglösung geschrubbt werden, die besonders hartnäckigen Flecken auch mit der Rasierklinge. Alles muss picobello sein! Zum Abendbrot gibt es Blut- und Leberwurstbrote. Draußen lebt ebenfalls unter strenger Aufsicht der Wächter ein russischer Soldat in einem Hundezwinger. Nur manchmal tut sich ein Fenster auf: In einer Szene liegt das Mädchen da, nackt auf dem Boden, nur bedeckt mit Blättern, und beißt in eine Ananas. (Peter Neumann: Zum Fürchten gut)

    Beim Lesen dachte ich noch: Nanü? Wie kommt dieser Film auf diese Website? Das ist viel zu sehr außerhalb des Gängigen für deutsches Feuilleton. Der Film kommt mir deutlich zu sperrig vor, um in gängingen Diskursen anschlussfähig zu sein.

    Weitere Recherchen erbrachten, ich hatte Recht. Die Filmbesprechung kam offenbar nicht über die üblichen Marketingkanäle zustande. Filmstart war am 3. Oktober. Eigentlich ist Zone schon wieder aus den Kinos raus. Offenbar hat ein Autor/ ein Hinweisgeber den Film gesehen, und dann überzeugt.

    Kurze Recherche nach dem Autor: Schreibt auch über die Soziologin Eva Illouz, Lyotard + Snoop Dogg (in einem Artikel), Interview mit der Philosophin Maria-Sibylla Lotter über Rache – passt.

    Der zweite Film spielt auch im Harz, ist anders ungewöhnlich. Aber immerhin hat er dank Cate Blanchett Star-Power. Ich warte auf den deutschen Kino-Release:

    [Rumours] a stylized and self-aware satire set during a G7 summit hosted by the German prime minister (played by Blanchett); things go horribly and hilariously wrong when these leaders of the world’s most advanced economies find themselves lost in a primeval forest and are set upon by onanist bog-men, Scandinavian witches, and a giant glowing brain, as well as their own petty, childish regrets. (Bilge Ebiri: How Did Cate Blanchett Wind Up in the Year’s Funniest Movie?)

    Schnitzel und Elternzeit

    Die FAZ veröffentlichte einst ein Best of Google Streetview Berlin 2008. Ich werde meine Bibliothekszugänge durchforsten müssen, um den ganzen Artikel zu sehen.

    Vincent Klink über Wiener Schnitzel: Wiener Schnitzel, seltenes Vergnügen (via Nils Minkmar/der Siebte Tag)

    Elternzeit und Berufsleben. Für einen Mann im Bildungssystem Österreichs: Vater werden ist nicht schwer, Vater sein dagegen sehr und für eine Frau bei einer deutschen Behörde. (Zurück ins Berufsleben – ein neuer Alltag)

    Ach du Scheiße. Haltet durch!

    Anmerkungen

    1. Für vorsichtig-regeltreue Menschen könnte der Preis im Parkhaus besser sein, da nur die wirklich geparkte Zeit bezahlt wird; im Gegensatz zur Vorauskasse des Parkplatz-Parkscheins. Für verwegen-rücksichtlos Parkende gilt das Gegenteil. ↩︎
    2. Zumindest wenn ich dem Roastbeef-Artikel der Wikipedia glaube. Der Rumpsteak-Artikel sieht es schon wieder anders. ↩︎
  • 24-10-17 Entalgebrat

    24-10-17 Entalgebrat

    Bauhaus baut um. Trotz Labyrinthlaufs um die Absperrbänder war es ein kleiner Feiertag für mich. Denn ich durfte Mehrfachsteckdosen kaufen.

    Am Mittwoch, 23. Oktober um 17 Uhr feiert die Mittelpunktbibliothek Schöneberg Geburtstag mit Torte und Blaskapelle.

    Vor dem Ausgang S-Bahn-Schöneberg markieren gelbe Kreide(?)-Striche der Polizei eine Unfallstelle. Auf dem Gehweg ist es ein noch deutlicheres Memento-mori denn auf der Straße.

    Staunend erfahre ich, dass der ehemalige Ofenhandel Kamine und Wein, aus dem unser Bungalow-Eichhörnchen-Ofen stammt, inzwischen ein Nachbarschaftstreff wurde. Er gewann den deutschen Nachbarschaftspreis, wird unseren Ofen aber vermutlich bei Bedarf nicht mehr reparieren.

    Von den Latifundien bekommen wir Signal-Nachrichten von Entenbuffet, Liegestuhlsessions und Frühstück Karl-Friedrich.

    In der Mittagspause zufällig mit Büronachbarn vom DLR gesprochen. Sie schwärmten von ihrem Arbeitgeber. Ein seltenes Verhalten. Kurzes Nachschlagen zu Hause: in die-beste-Arbeitgeber-Deutschlands-Rankings kommt das DLR wahrhaftig in die Top 10. Aber sie haben keine passenden Jobs in Berlin. Dang.

    Gutes auf Arbeit: Viele Projekte werden nach Monaten der Vorbereitung gerade umgesetzt. Schlechtes auf Arbeit: Das betrifft sowohl unsere eigenen Projekte, als auch die Ideen anderer Abteilungen für die wir zeitnah zuarbeiten müssen. Es war schon gemütlicher. Dieser leere Blick, wenn sich der Feierabend nähert, sollte keine Gewohheit werden.

    Zeichen der Erschöpfung: Im Lidl fragte ich mich einige Minuten zu lange, warum es jetzt MeToo-Schokoriegel gibt? Irgendwann merkte ich: Es handelt sich um MrTom.

    Ringloses Semester

    Allerdings beschloss ich auch etwas gegen die Erschöpfung zu machen. Die Einsendeaufgaben in Lineare Algebra liefen okay. So, dass ich halbwegs ordentlich durchkommen sollte – aber sie liefen nicht so hervorragend, dass ich mir Freiraum und Freizeit in den nächsten Wochen erkämpfe.

    Das hätte geheißen: Nach den Einsendeaufgaben ist vor den Einsendeaufgaben. Während gleichzeitig die verschiedenen Seminar-Deadlines näher rücken. Zwei zeitraubende Module in einem Semester ist eines zu viel.

    Ich habe das Szenario ein paar Monate in die Zukunft gedacht und sah zwei Optionen: Entweder ich werde in einer der beiden Veranstaltungen durchfallen. Oder ich verzichte neben Arbeit und Studium auf jegliches Leben, und wanke mich am Rande meiner Kräfte zu zweimal „gerade so bestanden.“

    Beides keine gute Optionen. Variante eins erscheint mir besser. Noch besser erscheint mir, ich wähle selber, welches Modul dieses Semester nichts wird. In dem Fall gewinnt Zweitstudium (Wirtschaftsinformatik) gegen Drittstudium (Mathematisch-technische Softwareentwicklung). Die Lineare Algebra mit ihren Ringen, Körpern und Gruppen muss gehen.

    Dafür jetzt mit Karacho auf den Seminarstoff.

    (Vielleicht allerdings belege ich die imprative Programmierung nach. Die hat nur 5 ECTS statt die 10 der Linearen Algebra. Alle Erfahrungen bisher sagen, dass die Informatikmodule deutlich weniger Aufwand verursachen als die Mathemodule)

    Unser Auto, unser Internet, meine Unterhosen

    Bereits mehrere Tage liegen hinter uns an denen nichts mehr kaputtging oder brach. Langsam trifft Ersatz ein oder wir schaffen es zu reparieren. Wlan läuft wieder, Madame hat wieder ein funktionierendes Handy, CO-Meter läuft wieder, auseinanderfallende Kleidung ersetzt und selbst der nicht-dringliche-Handy-Ersatz für mich ist eingetroffen.

    Vor Begeisterung bestellte ich eine Musik-CD.

    Die Benzinpumpe überstand nicht nur die lange Seereise aus Japan, sondern sie wurde auch eingebaut. Und voller Enthusiasmus hat die Werkstatt nicht nur die Inspektion durchgeführt – für die wir ja schon den Termin hatten, der ausfiel weil das Auto gar nicht mehr fuhr – sondern das Gefährt auch durch den TÜV gebracht.

    Unser Plan, 10-Jahre-altes-Auto-kaufen-und-dann-10 Jahre-fahren, hat Chancen, zwei Jahre fortzuschreiten. Dann wären wir bei acht Jahren Fahrzeit angekommen.

    Heile heile Boches

    Zur Klimakatastrophe ist alles schon vielfach gesagt. Selten so auf den Punkt wie von Rebecca Solnit: Is it worse to have no climate solutions – or to have them but refuse to use them?

    Die Kaltmamsell ruft in mir heftige Damals-mit-der-Hamburger-Schule-Erinnerungen hervor. Wobei ich mit den großen Bands (Die Sterne, Blumfeld) immer fremdelte bzw. (Tocotronic) aus großer Liebe krasse Enttäuschung wurde.

    Zufällig lieferte sie mir eine Erklärung für das Fremdeln. „Universal Tellerwäscher“ als „Hymne der Generation Praktikum.“ Die Generation, der ich vom Alter her angehöre, die ich aber – in ihrer Komfortzonen-Rebellion mit fester Karriereplanung – nie verstand oder verstehen wollte. Die Sterne waren in dieser Generation zu anschlussfähig.

    Dann doch lieber Kolossale Jugend („Der Text ist meine Party„), Huah! („Was soll ich mit der Welt wenn ich dich nicht hab“ – großartiges zeitdokumentarisches Video) oder gleich nach East Kilbride und Jesus and Mary Chain hören.

    Sofort verstehe ich den Impuls, einen Wikipedia-Editathon im Hammam zu veranstalten. So geschehen in Istanbul. Ladet mich nächstes mal ein.

  • 24-10-15 Waffeln im Sturm

    24-10-15 Waffeln im Sturm

    When life gives you Mangoes – eat them. Dieses Jahr treffen im Wochentakt Mangos unserer Crowdfarming-Adoptionsbäume ein. Ich könnte mich daran gewöhnen, den Herbst mit Mangos einzuleiten. Die Mango-Festwochen erscheinen mir als gutes Übergangsritual aus dem Sommer heraus.

    Gleich mal den Italopop rausholen und Angelina Mango abspielen.

    Von den ehemals sechs Tonnen Betonestrich vor dem Haus sind fünf Tonnen bereits auf dem Dachboden gelandet. Bisher scheint das Dach zu halten.

    Ein Dachboden-Baustellenchef rief an: Er würde gerne in unserer Wohnung etwas machen. Meine spontanen Gefühle rufen gleichzeitig aus: „Geh weg! Lass unsere schöne Wohnung mit Deiner Baustelle in Ruhe!“ und „Sehr gut, es wirkt koordiniert und planvoll und gut wenn sie wissen was sie tun.“

    Auf jeden Fall wird es sinnvoll sein, einen direkten Kontakt mit dem Baustellenchef zu haben und nicht über den Umweg Wir-> Vermieter -> Hausverwaltung -> Dachbodeneigentümer -> Baustelle kommunizieren zu müssen.

    Die Taschenlampenzeit im Treppenhaus ist vorbei. Strom und Licht im Treppenhaus, ebenso wie im Hinterhof, funktionieren wieder. Leise frage ich mich, welcher Handwerker zwischen 20 und 21 Uhr arbeitet. Aber vielleicht war es wirklich nur eine Sicherung und es dauerte drei Tage, den Mensch mit dem Schlüssel zum Sicherungskasten aufzutreiben.

    Die Hansenet-Zeit in diesem Haushalt nähert sich dem Ende. In einem größeren Paketaustausch mit verschiedenen Nachbarn gelangte der neue Router in den Haushalt. Das O2-Gerät wird uns demnächst zusammen mit O2 verlassen. Wir wechseln pragmatisch-langweilig zu einer Fritzbox.

    Am Wochenende auf dem dörflichen Herbstfeuer gelernt: Im Schneewinter 1978 haben sie in den Märkischen Hamptons Wege quer über die Felder freigeräumt. Auf den Straßen war es unmöglich. Der Weg über das Feld war kürzer und an den Seiten waren die Schneeberge noch nicht so hoch.

    Ich glaube der Erzähler war auch froh, dass wir die einzigen Anwesenden waren, die die Geschichte noch nicht gehört hatten.

    Neben Mangos und Herbstfeuer gehört derzeit auch der Semesterauftakt zum Herbst. Genauer: der Einsendeaufgabeneinsendeschluss. Ich stelle fest, der Kurs geht davon aus, dass ich Linearfaktorzerlegung noch aus der Schule kenne, und sie deshalb nicht erklärt werden muss. Sie wird eigentlich auch nicht abgeprüft – eigentlich geht es um Polynome mit Komplexen Zahlen, die Zerlegung ist da eher Verzierung.

    Ich gehe davon aus, dass ich mich an komplett gar nichts mehr meiner Schulmathematik erinnern kann, und drehe ein paar Extrarunden im Crash-Wiederholungs-kurs Polynome in ihre Faktoren zerlegen.

    Madame joggt derweil durch das Stadtbad Wilmersdorf I.

    Vielleicht sollten wir den Herbst in Mango-Astern-Zeit umbenennen.

    Tausche Rosengarten gegen Kohltrüffel

    Zusammen mit den Wochenend-Westlern traf ein letztes Geburtstagsgeschenk ein: die Rosengarten Zweibrücken wird ihre Ranken zukünftig an der Südwestecke der Pergola ausstrecken, uns mit ihrer Farbe und ihrem Duft betören. Im Austausch erhielten die beiden ein best-of-Dithmarschen-Paket.

    Nachmittag und Abend prägten Lebensphasenübergangsgespräche. Dazu Brandenburger Fleisch und bestes Dithmarscher Gemüse vom Grill. Vorher Zwetschgenkuchen mit Zwetschgen vom Bäcker und Waffeln mit Puderzucker.

    Die für sechs Personen kleine Wohnküche im Bungalow veranlasste dazu, das Kochen nach Draußen zu verlegen. Während das Grillen eh unser Sommer-Ess-Standard ist, zog auch das Waffeleisen nach draußen. Madame und Zia sociale trotzten Sturm und kurzen Regenschauern und entwanden dem Wetter ein Dutzend Waffeln.

    Umsetzungsprobleme

    Aus der Serie Zeitungsüberschriften bestätigen das Offensichtliche: „Riesengemüsezucht ist eine männliche Domäne.“ (und wie das so ist im Journalismus 2024 – die Süddeutsche änderte mittlerweile die Überschrift)

    Eine ganz neue alte Erfahrung: Ich sehe ein neu produziertes Auto und es sparkt innerlich Joy bei mir. Ich stelle fest, dass ich das Gefühl seit etwa 2010 nicht mehr hatte. Aber den Fiat Grande Panda mag ich.

    (Überhaupt ist Stellantis bei mir on a run: Renault 5 electric, Renault scenic electric, Jeep Avenger. Es scheinen alles Autos zu sein, die in ihrer Nutzung Sinn ergeben, und weder totlangweilig sind noch Aggressivität verströmen. Überhaupt „no more grey!“ ist ein Ausspruch auf den ich in der Automobilindustrie seit Jahrzehnten warte.)

    Wenig Joy sparkt Energiewende beim Heizen. Frau Herzbruch über den vergeblichen Versuch, eine Wärmepumpe einzubauen.

  • 24-10-13 Das Internet kam mit Uber Eats

    24-10-13 Das Internet kam mit Uber Eats

    Hausrotschwanz und Schopftintling sind Vogel bzw. Pilz des Jahres 2025. Ich werde es dem Hausrotschwanz ausrichten, wenn ich ihn das nächste mal sehe.

    Die Kneipe an der Bushaltestelle verkauft Hardalk flaschenweise. Eine Flasche Jägermeister und sechs Red Bull kosten 75 Euro.

    Eine wissenschaftliche Mitarbeiterin der Fernuni beantwortete mir eine Fragemail – am Sonntag. Den bis dahin ratlosen Studenten in mir freut das. Der Angestellte in mir schüttelt „tss, tss“-machend den Kopf.

    x+yi

    Ich reichte Klausurlaub für 2025 ein. Seltsames Gefühl: Wenn alles glatt geht, nehme ich am 16. September den letzten Klausurlaub im Bachelor Wirtschaftsinformatik – meines Lebens. Denn dann schreibe ich nach Plan die letzte Klausur. Das Ende kommt erstaunlich nahe.

    Immerhin bemerkte ich kurz vor Schluss, dass Fernuni-Klausuren sich doch als Bildungsurlaub qualifizieren. Glaubt nicht alles, was ihr im Internet lest. Fragt einfach mal Menschen, die sich damit auskennen!

    Das Ende des Bachelors Mathematisch-technische Softwareentwicklung hingegen liegt in weiter Ferne. Nah liegt derzeit nur das Ende der Einsendeaufgaben Lineare Algebra. Gefühlt habe ich je eine halbe Stunde Zeit, um die Komplexen Zahlen zu verstehen, oder die Ideale (Ringtheorie) („Ideale können als Verallgemeinerung von Zahlen angesehen werden“), oder die Polynomdivision – es bleibt sportlich.

    Aber ich denke auch an eine Feststellung in Alina Bronskys Pi mal Daumen: Am Anfang wird ihnen die Mathematik sehr fremd und rätselhaft vorkommen. Aber mit der Zeit werden sie immer mehr Bekanntes sehen. Und irgendwann werden sie es flüssig lesen können.

    Ich bin weit davon entfernt, die Mathemodule flüssig zu lesen. Aber ich habe den Punkt verlassen, an dem jedes einzelne Zeichen Rätsel aufwirft,. Inzwischen bin ich zu dem Punkt fortgeschritten, an dem ich wie ein kleines Kind lese: Jeden Buchstaben einzeln. Aber am Ende ergeben die ganzen Buchstaben Wörter und Sätze.

    Auf die Decke hämmern

    Der Freitag begann Punkt 7 mit Baumstammwerfen. Wir freuen uns über jedes Anzeichen, dass die Dachbodenbaustelle Fortschritte macht. Manchmal müssen wir uns erst daran erinnern, dass wir uns freuen.

    Madame mutmaßte: sie hauen mit Hämmern direkt auf die Decke über unseren Köpfen. Ich zweifelte.

    Später gesehen: Vor dem Haus liegen ein paar Tonnen Estrichbeton, am Rand des Dachbodens ist eine Verschalung zu sehen. Sie bauten die Betonverschalung. Also waren sie wirklich mit Hämmern direkt über unseren Köpfen zugegen.

    1026

    Anderswo gab es Los Wochos Mexicanos . Hier gibt es Los Wochos kaputos. In den letzten Tagen verbrachten wir deutlich zu viel Zeit mit Organisieren und Ersetzen und Workarounds finden und anstrengenden Sachen.

    Am Horizont immerhin dämmert es – die Benzinpumpe ist aus Japan angekommen. Madames abgestürzter Handyersatz ist vor Ort – aber trotzdem haben wir gerade Probleme gegen die Materie anzugehen.

    Letzter Fall: Strom (und damit Licht) im Treppenhaus verschwand seit Freitag Abend. Ich habe die Dachbodenbauarbeiter im Verdacht, die entweder eine Leitung anbohrten oder die Sicherung zum Platzen brachten.

    Das letzte mal mit einer Taschenlampe durch’s Treppenhaus ging ich um 1999 in Leipzig, und da wohnte ich in einem echten Abrisshaus.

    Vorletzter Fall: Ich versuche Donnerstag, etwas auszudrucken. Drucker will nicht. Erste Überprüfung: kein Toner. Ersatz war immerhin in der Wohnung. Ich wechselte. Drucker ging immer noch nicht.

    Nächster Check: kein Netzwerk? Nach etwas Suchen stellte sich heraus, dass der Wlan-Repeater seinen Geist aufgab. Ohne Repeater kein Netz im Bürzelbüro und kein Netz für den Drucker.

    Also gemacht, was wir gerade zu oft machen: Ersatz besorgt.

    Ich wählte das preiswerteste Angebot, bei dem ich mir sicher, war, dass der Händler wirklich existiert. Für weitergehende Gedanken fehlten mir inzwischen jegliche Nerven. Damit landete ich bei Media Markt. Und dann staunte ich: in Berlin liefert Media Markt mit Uber Eats aus.

    An einem Donnerstag Abend, eine knappe Stunde nach Bestellung, stand Sudhir vor der Tor und fragte mich nach einer PIN. Nachdem ich wie gefordert „1026“ gesagt hatte, drückte mir Sudhir einen neuen Repeater in die Hand.

    Madame fragte, ob er auch Pakete mitnimmt. Nein, leider, Uber Eats nimmt keine Pakete an.

    The return of the Brombeere

    Oktober ist Kranichzeit. Dutzende, wenn nicht Hunderte, in der Thermik über den benachbarten Feldern. Ab und an unterbrochen durch Gänseschwärme. Selbst Stare fliegen noch durch die Kolonie.

    Wir haben einen neuen Überraschungs-Garten-Bewohner. Und wie geplant: Wenn Gäste um die Ecke gehen, dann sind sie überrascht und erfreut. Selbst wenn ich um die Ecke gehe, bin ich nicht überrascht, aber erfreut.

    Nach fünfmaligen Ausgraben scheinen wir uns unserer höchsteigenen Brombeere erfolgreich erwehrt zu haben. Dafür warf uns die Welt, oder eher, der Dauergartenverein, neue Brombeeren in die Wege.

    Ein Brombeergetüm auf dem Weg entlang der Ausgleichsfläche Nord. Ein weiteres auf dem anderen Weg entlang der Ausgleichsfläche Süd. Und das Grundstück, von dem wir immer dachten, es gehört gar nicht zum Verein, das sich in eine einzige Brombeerhecke verwandelt hatte. So viele wehrhafte Brombeeren.

    Der Vereins-Subbotnik verschaffte mir Wiener und Bratwurst und Bier, sowie 10.000 Schritte Komposttransport zwischen Parkplatz und Komposthaufen sowie lahme Arme durch Überkopfastscherennutzung. Er verschaffte mir auch viele neue Erkenntnisse.

    Erstaunlich viele der Erkenntnisse mündeten in: Die Brombeerhecke muss weg. Und die andere Brombeerhecke auch.

    Immerhin: Zwoi, die Hausbrombeere, bleibt verschwunden.

    Quittengelee

    Es empfiehlt sich, Rezepte ganz zu lesen bevor man mit dem nachkochen beginnt. So auch das Rezept für Quttengelee nach Art von Herrn Raus Eltern:

    […] Die ein wenig abgekühlten Quittenteile und ihr Saft kommen dann in eine solche Saftpresse.. (Wenn man keine solche Saftpresse hat, kann man kein Quittengelee nach Art meiner Eltern machen.) […]

    So sollen Rezepte sein. Ist halt nur blöd, wenn man das erst auf halber Strecke bemerkt.

  • 24-10-10 Wie retten wir Fotos eines iPhones, das einen defekten Bildschirm hat?

    24-10-10 Wie retten wir Fotos eines iPhones, das einen defekten Bildschirm hat?

    Ninja Warrior Germany startet am 18. Oktober.

    Das CO-Meter bekam neue Batterien. Wenn schon Kohlenmonoxidvergiftung, dann bitte begleitet von einem heulendem Warnton.

    Die Elster erhielt sich wie erwartet. Das ist erfreulich.

    Weiterhin wildes Getöse auf dem Dachboden. Dem Geräusch nach werden dort Wettbewerbe im Baumstammwurf veranstaltet – aber immerhin passiert etwas.

    Auf dem Hinterhof verlor die Birke einen Fünf-Meter-Ast. Insofern gut, dass der Subaru gerade in der Werkstatt steht und nicht auf dem Hinterhofparkplatz.

    Ein Makler führte zwei junge Männer über den Hof. Leider war ich nicht spontan genug auszurufen „Lauft! Solange ihr noch könnt.“

    Madame joggte durch das Stadtbad Wilmersdorf I. Sie berichtete von vielen motivierten Schwimmer*innen selbst auf der Plansch- und Schwaderbahn.

    Andere Fahrradfahrer klingeln mich wild an, weil ich in der Konstellation grüne Autoampel – rote Fahrradampel stehen bleibe.

    Anscheinend gibt es wieder Autobahnprobleme. Auf der Ausweichstrecke zum Innsbrucker Platz stauen sich die Autos. Auf dem Platz selber stehender Verkehr in alle Richtungen und wildes Gehupe. Hätte ich nicht schon andere Pläne gehabt, hätte ich den Mittwoch Abend damit verbracht, mir am Späti eine Dose Bier zu besorgen, und dann von einer Bank aus zuzuschauen wie sich Autofahrer gegenseitig beschimpfen.

    Am Bahnhof Südkreuz steht seit einiger Zeit ein Sperrholz-Wartehäuschen, das so aussieht als hätte es ein Schausteller auf Durchreise vergessen. Im Stil irgendwo zwischen Weihnachtsmarkt und Landesgartenschau; in seiner provisorischen Holzigkeit am Beton-Glas-Monster Bahnhof Südkreuz maximal fehl am Platz. Heute sah ich das Schild: Pilotprojekt ressourcenschonendes Bauen in innovativer Holzleichtbauweise.

    Fände ich spannend. Es wäre aber ein maximaler Wandel der DB-Architektur.

    Horror-Zecke erobert Deutschland informiert mich das Zeitungsregal bei Edeka. Das war es dann mit der Ampel. Sicher möchte Horror-Zecke nach erfolgreicher Eroberung auch Kanzler werden.

    Immerhin: ZDF-Sommerinterview mit Horror-Zecke klingt spannender als dieselbe Veranstaltung mit Olaf Scholz.

    Am Mittwoch absolvierte ich online das erste Tutorium Lineare Algebra. Es bestätigte meine Vermutung: der Stoff ist krass viel. In Anderthalb Stunden kam der Dozent vielleicht durch ein Viertel von Kapitel 1, das eigentlich komplett abgehandelt werden sollte. Leider war das auch das Viertel, das ich im Prinzip verstanden habe. Die anderen drei Viertel aus Kapitel 1 werfen bei mir mehr Fragen auf.

    Ich lernte dort: „Assoziativtität zu beweisen ist entweder sehr einfach oder sehr lästig.“

    Tragik des Informationsmanagements-Moduls: Ich las mittlerweile mehr und studierte ihre Moodle-Seiten. Sie geben sich richtig viel Mühe, das Modul interessant zu machen und die Student*innen zu involvieren. Leider bin ich richtig motiviert, all mein persönliches Involvement auf andere Module zu werfen und für Informationsmanagement nur gerade eben soviel zu tun wie zwingend nötig zum Bestehen ist.

    Mit Streifen ohne Daten

    Es gibt so Zeiten im Leben. Der Subaru wartet weiterhin auf seine Benzinpumpe, und dann verabschiedet sich auch noch Madames iPhone. Am Bahnhof der Hafenstadt stürzte es sich in den Abgrund.

    Nun funktioniert es im Prinzip noch. Aber das nutzt wenig wenn der Bildschirm nur noch bunte Streifen zeigt. Eine Reparatur würde den Zeitwert des historischen Geräts um ein mehrfaches überkosten. Also besorgen wir ein neues historisches Gerät.

    Nun aber die Frage: wie bekommen wir Daten und Einstellungen von Einem zum Anderen? Für sachdienliche Hinweise sind wir dankbar. Rudimentärbedienung des Handies ist noch möglich – ein „Ok“-Button ließe sich vermutlich identifizieren und clicken. MacBook ist hier nicht vorhanden, ließe sich im Notfall aber ausleihen.

    Mit dem Zug nach Südkreuz

    Kaum hatten wir dem Kaptain abschiedsgewinkt, standen auch schon Euphegenia und Dr D an Gleis 8 im Südkreuz. Die Deutsche Bahn hatte die Strecke Basel->Berlin wider allen Erwartungen tadellos gemeistert. Umstieg in den Rennpolo – dank zweier artistischer Hinterbanksitzerinnen gelangten wir zu viert im Polo auf die Latifundien.

    Für eine angemessene Gartenwürdigung war es zu nass und zu dunkel. Aber wir haben ja noch den Bungalow, wo Madame schon Flammkuchen mit Feigen, Ziegenkäse und Speck vorbereitet hatte. Die beiden packten aus, wir packten ein und ließen uns nach Kremmen an den Bahnhof bringen.

    Aus den märkischen Hamptons empfangen wir Berichte von Blumenzwiebelpaketen, Schornsteinfegern und Bäckern. Wir fuhren mit dem Prignitz-Express über Spandau und Charlottenburg zurück zum tösenden Dachboden.

    Mit dem Zug nach Laibach

    Es geht nicht nur um Musik in diesem Blog: Schreiben und Zeichnen mit Tinte aus Schopftintlingen

    Einst fuhr ich meine allererste Interrail-Eisenbahnstrecke von Villach nach Ljubljana. Damals galt Interrail noch nicht im Wohnland (Deutschland). Die Deutsche Grenze galt es ohne Interrail zu überwinden, so dass mich ein Mitfahrzentralaudi nach Villach fuhr.

    Am Villacher Bahnhof musste ich mich einmal am Schalter zusammenstauchen lassen, weil ich Ljubljana gesagt hatte anstelle von Laibach. Dann aber fuhr ich, kompett übermüdet und vor allem schlafend in die weite Welt.

    Bahnreisen Richtung Ljubljana sprechen mich besonders an. Zumal wenn sie so schön beschrieben sind, wie beim Kieselblog (auch lesenswert, die andere Reiseeinträge rechts und links davon): 2024-09-30 Montag: Slowenien 5, Von Koper nach Ljubljana

    Dazu passend: Kürzlich fand ich mich in einer lustigen Diskussion wieder, in deren Verlauf ich gewagt hatte, die Meinung in den Raum zu werfen, dass man innerhalb Europas eigentlich nicht zu fliegen braucht.

    Kürzer im Ort, weiter im Herzen: Teen Herzbruch macht Sozialpraktikum in der Demenz-Tagespflege.

  • 24-10-06 Ist es eine Möwe? Nein! Ein Reiher? Nein! Es ist zwei Regenbrachvögel!

    24-10-06 Ist es eine Möwe? Nein! Ein Reiher? Nein! Es ist zwei Regenbrachvögel!

    Vor Edeka steht eine Stiege Kohl – wie es sich gehört.

    Am Erntedankfestswochenende wird geerntet. Auf den Straßen fährt jeden Kilometer ein Traktor. Sie transportieren Möhren von Nord nach Süd. Oder Grünschnitt von Süd nach Nord. Oder leere Anhänger in alle Richtungen,.

    Ein Kind schluchzte. Es wirkte in seinen Grundfesten erschüttert. Seine Überzeugungen und Glaube an die Welt zertrümmert. Ein Schrei aus dem tiefsten Innern der Seele drang hervor, als es an uns vorüberzog. Nur mühsam waren seine Worte zu vernehmen: „Ich will Pommes!“

    Wir beendeten das lange Dithmarschen-Geburtstags-Wochenende mit einem Besuch im feindlichen Ausland: Eiderstedt/Nordfriesland, um genau zu sein Sankt-Peter-Ording. Wir bekamen Eiscreme, das Kind bekam in diesem Moment nichts, und erst recht keine Pommes.

    Vorher: Heide. Marktstadt im Nordseewind. Fischstände auf dem Wochenmarkt bestaunen (vermutlich bester Fisch der Nordseeküste) und Gemüsestände und alles was ein Bauernmarkt in einer stolzen Landwirtschafsregion hervorzaubern kann. Wir musterten Schaffelle und Lammsalami.

    Währenddessen mit Gewinn: Zufällig in die kurze Wochenend-Andacht in der St.-Jürgen-Kirche in Heide am Markt geraten.

    Davor: Die Besorgungsrunde – Besuch bei Peter Benzin, Baumarkt, Media Markt, Edeka und Fahrradmanufaktor.

    Davor: Rosenkohl und Wildbraten und Schweizer Rotwein bei Kerlins Kupferpfanne, schon wieder in Eiderstedt, Eidersperrwerk, Krabbenkutter-im-Einsatz-Ballett und Strand Wesselburenerkoog.

    Davor: Spätes Frühstück, Geschenke, Schokotorte, Aufbau der Mathestaffelei und Anlesen des ersten Romans.

    Wenig von der Welt mitbekommen in diesen Tagen. Aber mitbekommen: Extinction Rebellion hat eine Discobedience-Tanzgruppe.

    Auch mitbekommen, mit Trauer: Wir trauern um unseren Kirchenmusiker Thomas Noll

    Wer ist Moni?

    Zu lesen begonnen: Alina Bronsky: Pi mal Daumen. Ein Roman über ein ungleiches Paar (er 17, ehrgeiziges Mathe-Genie / sie Anfang 50, Putzfrau/Hotelrezeptionistin, wundersamerweise an der Uni in Mathematik eingeschrieben) und ihr Mathe-Studium.

    Ich musste natürlich und bin bei der Hälfte. Schöner Roman; er fühlt sich in seiner Uni/Campuslastigkeit und seinem klaren Auge für gesellschaftliche Klassen arg englisch oder amerikanisch an. Ich erkenne Vieles von meinen rudimentären Mathe-Uni-Versuchen wieder.

    Aber auch: alle sind durchgehend am Leiden über all‘ die Arbeitshefte, Aufgaben und dem Zwang immer am Stoff bleiben zu müssen. Dieses Problem kenne ich ja auch – und werde jedes Mal daran erinnert, dass ich gerade einen Roman lese und nicht das Lineare-Algebra-Skript. Das Wintersemester 24/25 ist sechs Tage alt und ich habe schon das Gefühl hinterherzuhecheln.

    Heide-Cortina

    Wie sehr ich vergesse, wie autozentriert der ländliche Raum ist. Vor dem Bäcker gestanden. Eine Schlange von etwa 20 Personen mit mir. Davon kam einer zu Fuß (ich), einer mit dem Rennrad und 18 mit dem Auto. Wenn (fast) alle etwas machen, kann mensch auch sicher sein, dass es an Strukturen liegt und nicht an Personen.

    Die Seltsamkeit von 2024 zeigt sich darin, dass ich verkündete „Genug gekauftes Weihnachtsgebäck für dieses Jahr“ und erst danach das erste Spaghetti-Eis des Jahres verzehrte. Aber Spaghetti-Eis muss in Eisdielen gegessen werden, die Dolomiti oder Venezia oder Cortina heißen, seit den 1950ern/1960ern in Familienhand sind, und die im Winter schließen, weil alle zurück in die Dolomiten fahren.

    So eine Eisdiele beherbergt Heide. Wir aßen bei Cortina, eine Woche vor Saisonschluss, das erste Spaghetti-Eis 2024.

    Heide beherbergt auch die Buchhandlung Boyens-Scheller. In dieser wiederum stehen drei Aufsteller mit prominent aufgestellten Büchern. Aufsteller 1: Empfehlungen der Mitarbeiter*innen. Aufsteller 2: Nominiert für den Deutschen Buchpreis. Aufsteller 3: Seenotrettung (von Flüchtlingen) im Mittelmeer. In einer konservativen ländlichen Gegend: Respekt.

    In Sankt-Peter-Ording hingegen schloß die Buchhandlung. Den dortigen Strand stört dies nicht. Der ist atemberaubend wie immer.

    Bildungslücke Schleusung

    Hach, welch Premiere. Neben der ersten Dithmarscher Queller-Sichtung meines Lebens bot das Eidersperrwerk einen weiteren seltenen Anblick. Krabbenkutter im Einsatz. Vier Stück zogen ihre Runden direkt in Sichtweite der staunenden Tourist*innen: Netz nach unten: Geradeausfahren. Netz hochziehen: um die Kurve. Netz wieder nach unten: Weiter gerade aus.

    Und weil das Eidersperrwerk zum Feiertagswochenende im Entertainment-Modus war, schloß Madame ihre Bildungslücke „Schiffsdurchfahrt durchs Sperrwerk“. Die Adler II passierte das Sperrwerk gleich mehrfach. Ein Segelboot schloß sich an, um dann im Slalom an den Krabbenkuttern vorbei zu kommen.

    Peinlich: Wir waren bei absolutem Hochwasser an der Badestelle Wesselburenerkoog, hatten aber trotz Gezeitenarmbanduhr nicht daran gedacht, Badesachen mitzunehmen. 14 Grad Wassertemperatur laden nicht zu stundenlangem Schwimmen ein. Aber so ein paar Züge, Salzwasser, Sonne und Wind – das wäre etwas gewesen: Nächstes Mal.

    In den Salzwiesen, zwei Vögel. Gräulich. Erster Verdacht: Möwe. Passt fasst immer. Diesmal aber nicht. Irgendwie die falsche Form. Touristen neben uns vermuteten einen Reiher – aber im Leben nicht.

    Die Form erinnerte mich an einen Brachvogel. Aber dafür stimmte wiederum die Farbe nicht. Zu hell war das. Erst das Internet nach der Rückkehr brachte die Aufklärung: Neben den großen Brachvögeln existieren auch Regenbrachvögel. Diese sehen sich sehr ähnlich. Sind aber gräulich und insgesamt heller. Hurra! Persönliche Erstsichtung.

    Auf den Feldern Schafe und Kohlernte.

    Destroyed by war

    Last year Ukraine’s Wiki Loves Monuments organising team inaugurated a special category “German Heritage” in partnership with the Council of Germans of Ukraine (CGU). As this year’s contest just started, and the special category is on for the second time during October, let’s look at 2023 results and best photos: “German Heritage” in Ukraine’s Wiki Loves Monuments photo contest: 2023 results, 2024 plans

    (Ein bißchen scrollen, dann kommen die Fotos. Und ja es gibt eine Kategorie „Destroyed by war“).

  • 24-09-19 Miss Hawaiian tropics first runner up

    24-09-19 Miss Hawaiian tropics first runner up

    Springer zerschlagen! Einem Private-Equity-Fonds gelang, woran Generationen von Linken scheiterten. Wie lange sich Bild und Welt und Co noch halten können ohne Quersubventionierung aus den Preisvergleichsportalen?

    Eltern im Büro versuchen, sich gegenseitig Elternabende zuzuschieben.

    Madame verabschiedete sich von Hansenet. Nicht ohne dabei mit Wehmut an die Zeit zu denken, als ein Nicht-Telekom-Vertrag wild und exklusiv und nur unter großen Mühen zu bekommen war.

    Bei jedem Gang am weit geöffneten Fenster vorbei, möchte ich dieses aus Reflex schließen. Dann denke ich „Halte ein! Du erlebst die glücklichen Tage, in denen die Außentemperatur einfach stimmt.“

    Ich kaufte Dominosteine. Das war gut so.

    Die U-Bahnlinie U4 scheint Abends nur noch im 30-Minuten-Takt zu fahren. Das ist einigermaßen absurd. Die U4 ist Berlins kürzeste Linie. Innerhalb von 30 Minuten können die meisten prospektiven Fahrgäste die komplette Strecke zu Fuß ablaufen.

    Wenn eine Stadt Probleme hat, ihren öffentlichen Nahverkehr am Laufen zu halten, dann greift das die Gesellschaft in ihren Grundfesten an.

    Ich gebe Studienbriefe aus den ersten Semestern ins Altpapier. Dabei wundere ich mich, wie andere Menschen ihre Studienbriefe verkaufen können. Meine sind so verknickt, verkaffeefleckt und wild vollgemalt -die will niemand haben.

    Die Post brachte die gedruckte Bestätigung, dass ich die Mathematischen Grundlagen bestand.

    Ein paar Seiten dachte ich bei der Lektüre der Linearen Algebra, dass das jetzt zwar herausfordernd ist, aber eigentlich ganz fluffig voran geht. Und dann kam ein kleiner Schlenker in die Zahlentheorie mit Restklassenringen und Primzahlringen und ich bin wieder in meinem Standard-Mathe-Modus: What the Fuck? Was wollen die von mir?

    自動車

    In meiner späten Jugend waren Japanimporte etwas Besonderes: Immer etwas teurer, aber exklusiv und oft auch besonders edel. Bei uns ging es meist um CDs, anderswo um Mangas. Konsum zum Staunen.

    25 Jahre später im Leben verwandelten sich CDs in Benzinpumpen; auch diese exklusiv und vermutlich teuer. Macht dennoch weniger her als damals die CDs. Die neue Benzimpumpe wird ein direkter Japanimport

    Sie wird hoffentlich bald auf das Schiff geladen, und dann können wir uns vorstellen, wie sie an Taiwan vorbei, durch den indischen Ozean schippert. Sie wird das Rote Meer passieren (dabei hoffentlich nicht von Houthis beschossen) und gelangt in einen Hafen in Europa. Antwerpen? Rotterdam? Hamburg? Doch Genua? Dann geht es mit dem Container vermutlich mit anderen Ersatzteilen ins deutsche Zentrallager und schließlich nach Berlin-Schöneberg.

    Derweil sind wir autolos. Dafür gibt es gute Zeitpunkte und es gibt jetzt. Aber so be it. Immerhin fand ich meine Log-in-Daten für das Cambio-Carsharing wieder.

    Anekdote am Rande. Madame erzählte le pianiste, dass wir sie gerne mal wieder in den Garten einladen würden. Aber ist schwierig, wir wissen selbst nicht, wie wir hinkommen: Auto – Benzinpumpe – Werkstatt. Er: Das trifft sich gut. Unser Auto steht mit Benzinpumpe in derselben Werkstatt.

    Popfeministischer Diskurs (historisch)

    Vor dem Kino: die Outdoor-Sekt-und-Aperol-Spritz-Bar. Im Kino: Ein signifikanter Teil Gäste, die jünger waren als der gezeigte Film.

    Neben den Vampirfilmklassikern laufen im Odeon auch RomCom-Klassiker. Diesen Monat: Legally blonde aus dem Jahr 2001. Elle Wood (Reese Witherspoon), blondes Hollywoodgirl und Miss Hawaiian tropics first runner up, will aus enttäuschter Liebe zur Harvard Law School. Ihr gelingt die Aufnahmeprüfung, wo sie als blond-rosa girly of the girlies unter all den ehrgeizig-strebsamen Trägern gedecktfarbener Pollunder arg auffällt. Aber mit Fleiß, Ehrgeiz und einem guten Herz setzt sie sich durch. Sie erreicht ihre Ziele. Die Bösen werden bestraft.

    Geschult am Irrsinn von Opernlibretti las ich den Plot im Voraus.

    Erster Gedanke: Meine Güte. Da habe ich schon Zahnpastawerbung gesehen, deren Handlung gehaltvoller war.

    Zweiter Gedanke: Und doch wurde der Film ein Klassiker. Die Umsetzung muss meisterhaft sein.

    In der Anmoderation tauchten sogar Begriffe wie popfeministischer Diskurs und Patriarchat auf.

    Den Sturz des Patriarchats vermag ich nicht zu erkennen. Die Aussage „Du kannst als Frau alles erreichen – Hauptsache du bist jung, schön, reich, intelligent und fleißig“ erscheint mir nur mäßig revolutionär.

    Vielleicht sollte ich die Aussage anders lesen: Selbst wenn du als Frau jung, schön, reich, intelligent und fleißig bist, musst Du um Anerkennung kämpfen; Erfolg gibt es nur in märchenhaften Settings.

    Aber die Umsetzung: Wie konnte ich Reese Witherspoon gedanklich unter „irgendsoeine Schauspielerin“ einsortieren? Wie sie gleichzeitig komplett hinreißend und sehr entschlossen ist – atemberaubend. Ein Spiel der Charaktere untereinander, das so dezent überzeichnet ist, um ein realistischen Umgang erst erkennen zu lassen. Überhaupt: eine RomCom, die ins märchenhafte abdriftet, von satirischer Überzeichnung lebt – aber Charaktere und Umfeld komplett ernst nimmt.

    Ein überraschend großer Film.

    Das Bild täuscht. Wir waren früh. Zum Filmstart war das Odeon fast voll.

    Eruv Gartenakademie

    Mehr zur Straßenbahn Hannover: Bremsen ist möglich, anhalten nur schwer

    Feldforschung Tag 9: mit motivierten Asiat*innen (Mitte/Ende 20) und unmotivierten Menschen aus der Region (15/16/17) in derselben Berufsschulklasse.

    Beim Einbürgerungstest in Angermünde.

    Das 4. Deutsche-Defa-Filmfestival in Cannes.

    Zürich bekommt einen Eruv, soweit ich sehe wird es damit die zweite deutschsprachige Stadt nach Wien mit einem solchen Bezirk.

    Immer lesenswert: Interviews mit Gabriella Pape von der Königlichen Gartenakademie. Wenn sie zudem noch auf Jacques Tati bezugnimmt, wird alles gut: „Unfassbar langweilige Parkanlagen“

    Ein Garten entfaltet sich. Man kann eine Vorstellung davon entwickeln, aber kein Endprodukt liefern. Meine Gärten sehen zum Zeitpunkt der Fertigstellung immer am Scheußlichsten aus. Dann muss ich die Kunden überzeugen, sie zu pflegen und abzuwarten. Wenn das klappt, können sie, zusammen mit den Pflanzen und der Zeit, helfen ein Kunstwerk sichtbar zu machen, welches mehr oder weniger intendiert war.