Schlagwort: Rebecca Solnit

  • 25-02-25 Huzur (Linke 24,0%; Grüne 17,7%; AfD 12,3%)

    25-02-25 Huzur (Linke 24,0%; Grüne 17,7%; AfD 12,3%)

    Die Schweizer Quartettmeisterschaft ist zurück. Nach Jahren der Pause findet diese am 30. März 2025 in der Bibliothek Russikon ZH statt. Wie immer gilt: „Mehr ist mehr!“ und wer die meisten Karten hat, gewinnt. 

    Es gibt eine neue Baustelle. Am ehemaligen BSR-Wertstoffhof am Südkreuz rückten nach Jahren der Stille die Abrissbagger an. Der Wertstoffhof verschwindet. Vielleicht entsteht sogar die anvisierte Zentrale der Berliner Stadtreinigung. Wir hoffen seit Jahren auf eine BSR-Kantine in der Nachbarschaft.

    Die Idena-Kantine, in der wir manchmal landen, scheint fest in der Hand russisch-deutschen Personals. Um so überraschter war ich als die neue Mitarbeiterin ein spontanes „perfetto“ fielen ließ. Daraufhin fiel mir auch gleich das „Ciao“ zum Abschied auf.

    Ich beherrsche mich noch, mich von Bundestagswahlanalyse fernzuhalten. Aber dafür halt US-Politik. Ich musste lachen. Ausgerechnet.

    Rebecca Solnits neuer Newsletter scheint einen Schimmer der Hoffnung zu sehen. Es scheint, mehr relevanten Menschen fällt auf, dass der Kaiser nackt ist. Als ich ihn in der Idena-Kantine las, musste ich wirklich laut auflachen:

    What did Trump do this week? At CPAC he declared, “I beat George Washington. I love beating George Washington” and otherwise rambled incoherently and also for about 90 seconds just wandered around stage making awkward dance moves to the Village People’s 1978 disco hit „YMCA.“ At the conference, banners depicting Trump as a Roman emperor announced the „Third Term Project.“ Also this week , the White House, presumably at Trump’s behest, issued a readout of a phone call he had with Prime Minister Trudeau that included the sentence that the Canadian leader „acknowledged that President Trump is the only world leader who can push through a just and lasting peace.” Behind Trump are some very skillful and determined fans of authoritarianism, including many from Project 2025, but the incompetence, distraction, and narcissism at the top are probably rendering the project less effective and certainly less stealthy.

    Überhaupt fazinierend wie oft Solnit das schreibt was ich auch schreiben würde.

    Das Grips Theater1 inszeniert das Stück Bülowstraße, inspiriert von der gleichnamigen Platte von LEA. Das finde ich spannend. Die Bülowstraße kenne ich ja ein wenig.

    Türöffner für freie Wahlen

    Als Wahlhelfer der Reserve war ich sicher, dass ich am Wahlmorgen einen Anruf vom Wahlamt bekommen würde.

    In der Nacht davor allerdings träumte mir, dass es schon kurz nach 9 war und damit wohl doch kein Anruf käme. Dann wächte ich auf und es war kurz nach 1. Das war sehr verwirrend. Dennoch gelang es mir, bis um 7 Uhr halbwegs angezogen und dreiviertel verfrühstückt zu sein.

    Um 7:17h rief Frau O vom Wahlamt an. Ich möge mich umgehend in die Seniorenfreizeitstätte Huzur in der Bülowstraße begeben. Also schnell in die Jeans gewechselt, den letzten Schluck Kaffee getrunken und während ich im Halbschlaf durch die Wohnung torkelte, richtete Madame eine Überlebensbox mit Salamistulle und Trockenmangos.

    Kurz vor acht kam ich an. Von zehn geplanten Menschen des Wahlvorstands waren nur acht erschienen. Ich sprang ein und belegte eine Schicht von 8 Uhr bis 11 Uhr und von 16 Uhr bis Ende.

    Huzur, türkisch für Friede, liegt inmitten eines Wohnblocks. Der Wohnblock umfasst einen kompletten Berliner Häuserblock, ist also dementsprechend gigantisch, und scheint einer 70er-Jahre-Variante des sozialen Bauens zu entstammen.

    Es ist kein Altenheim und kein betreutes Wohnen, aber doch irgendwie auf alte Menschen ausgerichtet. Mir wurde von einer Anwohnerin erzählt, dass das Gebäude informell als „Omabunker“ bekannt ist.

    Huzur, der „Offene Treffpunkt für ältere Menschen mit Migrationshintergrund scheint selbst nur Gast im Wohnblock zu sein. Im Erdgeschoss von Huzur liegt die Freizeitstätte mit einem Saal (Wahllokal 102) und einem Versammlungsraum (Wahllokal 103).

    Wir hatten den Saal gewonnen. Das bedeutete: Wir hatten schönen Gartenblick, eine Bühne mit Piano und Ballondeko an Wänden und Decken. Es bedeutete nicht, dass wir der örtlichen Probleme ledig wären. Dieser Abschnitt der Bülowstraße liegt in den Ausläufern des Schöneberger Straßenstrichs mit entsprechendem Problempublikum.

    Selbst während der Wahl musste die Haustür immer verschlossen bleiben. Die komplette Zeit von 8 bis Ende der Auszählung war immer ein Wahlhelfer abgestellt, der nichts andere machte, als Wahlwilligen und -beobachtern die Haustür zu öffnen.

    Thomas steht für Franziska

    Die morgendliche Unwissenheit, ob ich gleich einen freien Tag haben werde, oder doch von 7 bis 21 Uhr im Wahllokal stehe, nervte. Diese Überraschungs-Wahllokal-Kinderlandverschickung allerdings würde ich jederzeit wieder machen.

    Mein zugeloster Wahlkreis „Nollendorfplatz Nord“ war spannend. Die Gegend ist ein wenig ein Niemandsland zwischen verschiedenen Kiezen. Von Süden streut der queere Kiez südlich des Nollendorfplatzes.

    Straßenstrich Kurfürstenstraße und jahrzehntelanges Schmuddeleckendasein am Ende Westberlins haben ihren Stempel der Gegend hinterlassen: Gefühlt ein Viertel der Wahlberechtigten wohnte in der Wohnpyramide Schöneberg – einem Sozialbau von 1970/1971.

    Aber auch: von der Wahlkreisgrenze aus kann man das KaDeWe sehen; die City West hat erste Ausläufer. Und der neue Gleisdreieckpark ist nicht fern, Berlin Mitte-Mitte eigentlich auch nicht – eine Art edgy Prominenz (siehe die Ochsenknechts, LEA) sind der Ecke beheimatet.

    So war auch das Publikum im Wahllokal: Viel offensichtliche Armut; viele Menschen mit migrantischer Familiengeschichte; viele körperlich eingeschränkte Menschen; viele sehr Junge und sehr Alte – aber auch immer wieder schwule Pärchen oder edel herausgeputzte Menschen.

    Die Wahlergebnisse der letzten Jahre waren weniger eindeutig und zuverlässig als in unserer Wohngegend. Um so gespannter war ich bei der Auszählung.

    Links stark. Sehr stark. Überraschend stark. Grüne und SPD beide deutlich unter meinen Erwartungen. CDU schwach wie zu erwarten war. AfD erschreckend stark und auch das BSW deutlich präsent. Die FDP und sämtliche anderen Kleinparteien nicht vorhanden.

    Irritierend: Zu jeder Partei gibt es ein Schild, bei dem man die Stimmzettel stellen sollte. Auf einem stand „Thomas“. Es war das Schild für die Einzelkandidatin Franziska Thomas, die bei uns allerdings Null Stimmen erhielt.

    Insgesamt (nur Zweitstimmen, gesamtes Ergebnis beim Berliner Wahlamt):

    • Linke 103 Stimmen / 24,0%
    • Grüne 76 Stimmen / 17,7%
    • SPD/CDU je 56 Stimmen / 13,3%
    • AfD 53 Stimmen / 12,3%

    Der Gedanke, dass 53 der netten, spannenden Menschen, die ich in den letzten Stunden sah, AfD-Wähler*innen war, betrübte dann doch.

    Wichtige Info für Wahlhelfende: Der Bär schaut nach links!

    Sumpfbiber Gruftidisco

    Sabine im Mausloch über die 1980er-Grufti-Disco.

    Elke Brüser im Flügelschlag und Leisetreter bei den Nutrias: Vom Sumpfbiber und dem Nutriapelz

    Am Samstag auch ein echtes Erlebnis das erste Mal gehabt. Es standen verschiedene Demos oder Kundgebungen zur Auswahl.

    Frau Novemberregen hatte schlechte Laune und ging deshalb zum Pubquiz.

    Feinanteil war Wahlvorsteher und ging deswegen nochmal zum Friseur:

    Dann war ich dran. Ich sagte dasselbe wie immer (an den Seiten ausrasieren und oben entsprechend kürzer), wurde aber noch »Und Bart?« gefragt. Ich sagte, dass ich nicht weiß, was man damit machen kann, er aber einfach mal was machen soll. Auf Dreitagebart lässt sich zur Not ja alles unterrasieren. Er schnitt mir tiptop die Haare und packte dann am Bart die komplette Show aus. Alles was er so an Bartwichse, Schäumen, Tinkturen und Wässerchen da hatte, wurde angewandt, genauso wie zwei verschiedene Rasierer und ein Rasiermesser. Ich werde nun mit Abstand der schönste Mensch im Wahllokal sein. Ich sehe aus wie ein persischer Prinz. Maria gefällt es auch. Sie sagt, ich würde sehr männlich riechen und soll mir jetzt öfter dort den Bart schneiden lassen.

    Anmerkungen

    1. Ein Jugendtheater. Weltberühmt in Berlin und unter westdeutschen Jugendlichen der 1980er durch ihr Stück Linie 1. ↩︎
  • 25-02-18 Zerreißen sie den Stimmzettel

    25-02-18 Zerreißen sie den Stimmzettel

    Im Feldkampf gegen BV Garding unterlag Achtung Wesselburen nach bewegtem Duell knapp mit zwei Metern Kiek ut. Garding hatte bereits zwei Schott erspielt, musste diese jedoch im Lauf des Matches wieder einsetzen. Leider für Wesselburen entglitt dem 20. Boßler die Kugel stark auf den mit hohem Gras bewachsenen Deich, und das war der Sieg für Garding.

    Auf der Straße: ein Schneeräum-Smart. Den Bus überholte ein Zweisitzer-Smart, vorne mit montierte Schneeschaufel, hinten mit Salz/Kies-Streu-Trommel. Es wirkte durchaus professionell. Nur sehr klein.

    Madame bekam ihren Koffer wieder. Der Kofferreparateur lobte das Modell, hadert aber mit seinem Gestänge.

    Die Lörracher demonstrierten.

    Die Manic Street Preachers veröffentlichten ein neues Album, ich bin unterwältigt.

    Nach der Klausurabgabe Betriebliche Informationssysteme habe ich die Notenstatistik des Vorsemesters angeschaut. Oops, Durchschnitt 3,5, gut ein Drittel der Schreibenden ist damals durchgefallen. Irgendwie hatte ich die Klausur als gar nicht so selektiv im Hinterkopf gespeichert.

    Glücklicherweise muss ich hier nichts über Politik schreiben: Rebecca Solnit nimmt mir in ihrem Newsletter die Worte aus dem Mund . Fast möchte ich sagen, sie schreibt wortwörtlich das, was ich auch schreiben würde. Aber natürlich hat sie es tiefer durchdacht als ich gerade und formuliert besser als ich je könnte: No One Knows How This Will End (But I Do Not Think It Will End Well for Them):

    I don’t know where Trump, Musk, and Vance’s story ends, but I know it doesn’t end with them in power, and I don’t think it will end particularly well for them, though my main concern–and yours, I presume–is trying to prevent damage along the way. And I’m convinced that if we take action, we get to write some of the chapters and maybe revise or erase some of what they’re trying to impose.

    Der Hallig-Gröde-Paragraph

    Madame als Briefwahllokalschriftführerin bekam eine persönliche Schulung im Rathaus durch die Leiter der Briefwahlzentren. Ich als Bundestags-Wahlhelfer der Reserve musste mich mit dem Schulungsvideo begnügen. Gegenüber meiner letzten Urnen-Wahlhilfe entdeckte ich zwei Änderungen:

    • Die Wahllokale sind angehalten, ziemlich genau die Länge der Schlange vor dem Lokal zu monitoren. Zweimal am Tag sollen sie die Zahl der Wartenden melden – vermutlich, damit die Wahlleitung einschreiten kann, wenn Schlangen zu lang werden.
    • Überraschend viel Zeit verwendete die Schulung auf den Sonderfall nach §68 Abs. 2 BWO „Ergibt die Feststellung .. dass weniger als 30 Wähler ihre Stimme abgegeben haben“. In diesem Fall wird unter komplexen Regularien und stringenter Dokumentation nach 18 Uhr das Wahllokal aufgelöst und die Stimmen zusammen mit einem anderen Wahllokal ausgezählt.

    Nicht neu hingegen war der ausführliche Tanz, um Briefwähler*innen, die dann doch im Wahllokal auftauchen. Auch das ein hingebungsvoll choreographierter Akt mit vielerlei Durchschlägen.

    Es läge mir fern, Menschen von der Wahl abzuhalten; aber falls ihr Briefwahl beantragt habt, macht ihr das Leben Eurer Wahlhelfer deutlich einfacher, wenn ihr auch wirklich briefwählt. Und falls nicht: Bringt auf jeden Fall den Wahlschein mit. Sonst werdet ihr zurückgewiesen.

    Falls ihr den Stimmzettel mitbringt, den ihr für die Briefwahl bekommen habt, so ist die Anweisung „zerreißen sie den Stimmzettel vor den Augen des Wahlberechtigten und händigen sie einen neuen aus.“

    Die Jakobsbücher

    Nachdem die Klausur vom Tisch war, konnte ich ein weiteres Opus Magnum beenden. Die Jakobsbücher – begonnen im Sommerurlaub – sind fertig. In Bücherregal meines Inneren teilen sich die Jakobsbücher eine winzige Nische mit dem Zauberberg und Don Quijote. Auf der Nische steht „Mühsam, langweilig, aber so großartig, dass jede Stunde es wert war.“

    Olga Tokarczuk erzählt in den Jakobsbüchern auf etwa 1200 Seiten das Leben des Jakob Frank (geb. Jakub Lejbowicz), Wanderer zwischen den religiösen Welten, Jude und Christ, Religionsgründer und fast-Messias sowie seiner Anhänger durch das Polen des 18. Jahrhunderts.

    Das Buch beginnt vor Franks Geburt und endet nach seinem Tod. Dabei hat die Erzählungen Ausschweifungen und ein Erzähltempo, das eher dem 18. Jahrhundert angemessen erscheint als dem 21. Auf Seite 3 hatte ich den Überblick über alle handelnden Personen verloren. Wechselnde Erzähler, Zeitsprünge und erzählerische Kreisbewegungen lassen das Buch im Stil fast wie eine Andacht oder Meditation wirken.

    Passend zum Thema spielt sich das Buch sowohl in einer realen wie in einer geistigen Welt ab. Dabei hat die reale Welt der Zeit genug Veränderung: es beginnt tief auf dem Land im polnischen Shtetl, geht über Warschau, Tschenstochau und den kaiserlichen Palast in Wien und endet in einem Offenbacher Schloss, während sich die Französische Revolution abspielt.

    Europa tritt aus dem Rest-Mittelalter in die Aufklärung hinein, und mittendrin die Gruppe getaufter Kabbalisten auf ihren seltsamen Wegen. Ein erfreulicher Realismus: da das Buch ein ganzes Leben abdeckt, altern die Protagonisten, man erlebt den Wandel unterschiedlicher Charaktere von der stürmischen Jugend hin bis ins hohe Alter.

    Geographisch gar nicht so weit weg, das nächste angefangene Buch: Dmitrij Kapitelman: „Eine Formalie in Kiew“. Kapitelman, 1991 mit acht Jahre als jüdischer Kontingentflüchtling aus Kiew gekommen, will Deutscher Staatsbürger werden. Dafür benötigt er eine Geburtsurkunde, die nur die ukrainischen Behörden vor Ort ausstellen können. Bisherigerer Eindruck: das Buch ist Satire, aber bitterer und trauriger als der Klappentext vermuten lässt.

    Weil ich gut ignorieren kann, wie viele ungelese Bücher ich noch besitze, führte mich mein Weg zur Stadtbibliothek Schöneberg. Dort wartete Lutz J. Heinrichs Geschichte der Wirtschaftsinformatik – Entstehung und Entwicklung einer Wissenschaftsdisziplin auf mich. Ich bin gespannt, ob es mir gelingt, sie aufzuschlagen, bevor die Leihfrist abläuft.

    Vor der Bibliothek. Im Hintergrund der Vorplatz vor dem Stadtbad Schöneberg. (Leider derzeit Baustelle)

    Klezmer Futura Fediverse

    Wie ein New Yorker Sohn eines Calypsobassisten den Klezmer wiederbelebte: A little thread celebrating one of the great albums of Jewish-American music, DON BYRON PLAYS THE MUSIC OF MICKEY KATZ

    Die Deutschen Bahnhofsschilder seit den 1950ern und wie sie schicker werden. Von Futura nach Arrow., Deutschlands Bahnhofsschilder.

    Herr Rau über den Stand der Demilliardärisierung.

    Der Pixelboomer bastelt derweil daran, eine Instanz im Fediverse aufzusetzen.

    Es ist erstaunlich, wie schlecht Computer (=Rechner) im Wahrheit im Rechnen sind. Wie Hans J- Boehm durch 10 mathematische Theoriekreise stieg, um Android eine funktionierende Taschenrechner-App zu gönnen: „A calculator app? Anyone could make that.“

    Queere Rollatoren gegen Rechts.

  • 25-02-04 Klausur naht, trotzdem da – Teilzeitstudi-Antifa

    25-02-04 Klausur naht, trotzdem da – Teilzeitstudi-Antifa

    Fiat Lux! Madame testete, ob der Baustellenschmodder an unseren Fenstern eher abwaschbarer Schlamm oder eher ewig bliebender Betonmatsch ist. Es sieht nach Schlamm aus. Sie bekam die Fenster ein gutes Stück sauberer.

    Fiat Lux! Selbst an längeren Bürotagen gehe ich im Hellen aus dem Haus und verlasse zumindest in der Dämmerung die Südkreuz Offices.

    Happy office days because of zwei neue Kolleg*innen.

    (Auch Du kannst Nummer 3 werden, wir suchen noch eine:n Teamleiter:in IT-Infrastruktur (d/w/m))

    Mir träumte, dass Anna-Maria aus Bielefeld mir einen bösen Brief schickte, weil ich ihre Rezepte nicht mehr in meinem Blog verlinke. Anna-Maria, ich weiß nicht wer du bist und ob du jenseits des Traums existiert – aber sorry.

    „Bier ist mein Yoga“ titelte ein LKW, der an mir vorbeifuhr. Und damit bringt er viele Probleme von Männlichkeit auf einen Punkt.1

    Letztens gab es eine Suche nach einem Slow Medium, dass die US-Ereignisse zusammenfasst. Ich neige zum neuen Rebecca Solnit-Newsletter Meditations in an Emergency – weil Rebecca Solnit großartig ist. Und weil sie niemals nie dieses verzweifelte Doomscrolling von sich gibt. Gedanklich ist sie schon einen Schritt weiter:

    Underlying all this is an old assumption by many elites, especially the authoritarian and fascist variety, that ordinary people are weak, timid, fearful and pretty much collapse if you say boo to them. They also tend to think we are selfish and operate only out of self-interest because they think we’re like them. They are very often wrong in very consequential ways..

    Some resistance is going to look familiar: protests, marches, demonstrations, blockades. New tactics may emerge, and there is reason to fear that the lawless people who’ve seized our federal government–or rather parts of it–will be ruthless in new ways against civil disobedience. But that’s far from all that’s happening. …

    Some resistance is not going to look like anything at all because we will not see what goes on inside some of those government offices or how a medical worker doesn’t comply with an unjust or inhumane mandate or how local police rebuff ICE (though it’s been great to local police say publicly „here’s how we do not with ICE“), will not see a neighbor quietly reaching out to a targeted individual. All this matters.

    Die Partei die Linke hat 71.000 Mitglieder und damit so viele wie seit 2010 nicht mehr. Vor zwei Wochen waren es noch 60.000. In 14 Tagen 11.000 Mitglieder zu gewinnen ist ein nie dagewesener Rekord. Bei Bündnis90/Die Grünen waren es 5000 neue Mitglieder in fünf Tagen. Sie müsstem damit bei 165.000 Mitgliedern sein: „Seit November haben wir eine riesige Eintrittswelle, seit letzten Mittwoch ist daraus ein regelrechter Ansturm geworden.“

    Oha, das Wikipedia:Café wurde gelöscht. Die eine Seite, die frei von jedem Enzyklopädie- oder Arbeitsgedanken rein der Laberei diente. Prinzipiell fand ich das Konzept sympathisch – praktisch waren die „Diskussionen“ dort meistens komplett unerträglich. Diese Meinungen teilten viele Wikipedistas, wie sich der epischen Löschdikussion entnehmen lässt.

    Über die Mengenlehre zu SAP

    Samstag teilte sich unser temporäres Sextett auf.

    Der jung-dynamische Teil verschwand Richtung Olympiastadion, eine Stadionführung mitmachen. Der ältere gebildete Teil ging erst zum Noonsong und dann ins Museum. Ich ging ein Café suchen.

    Nach kurzen Einkäufen rosenkohliger Art suchte ich mir ein friedliches Café zum Lernen. Samstagnachmittag war die Suche nach einem freien Platz überraschend schwierig. Aber am Ende landete ich im Wiener (Offenbacher) Feinbäcker im Eingang von Rewe. Der Kaffee war vollkommen okay, ich hatte Platz, um mich auszubreiten, ich hatte alle Ruhe der Welt zum Lernen und konnte ab und an Leute schauen. Triple Win.

    Lernen aber tut not. NUR NOCH ZWEI WOCHEN BIS ZUR KLAUSUR! und ich komme immer noch mit der Struktur des Moduls Betriebliche Informationssysteme nicht klar – finde sie im Aufbau so komplett fremdartig und eigentümlich, so wild im Niveau schwankend, dass ich mich nur schwerlich eingrooven kann.

    Er definiert wirklich von ganz unten „Was ist Information?“, „Was ist ein Betrieb?“, „Was ist ein automatisches System“ und bastelt sich langsam hoch. Der Versuch einer mathematischen Denkweise, in der wirklich jeder Schritt sicher und schlüssig auf dem Vorhergehenden aufbaut und ganz genau definiert ist – aber angewandt auf ein realweltliches System. Das ist schräg.

    Noch schräger die gelegentlichen wilden Ausflüge in Mathematik oder Code, die nirgendwo eingeführt werden und dann auch plötzlich wieder enden.

    Aber ich mache glaube ich Fortschritte. Ich glaube zu verstehen, was genau dieser Aufbau und Ablauf beabsichtigen will. Ich finde es immer noch falsch – aber zumindest erkennen ich ein System; es kommen nicht mehr wild blaue und rote Stangen auf mich zu, sondern ich erkenne die gesteckte Slalomstrecke.

    Und am Ende landet alles bei SAP.

    Antipasti Baba Ganoush

    Abends galt es, das Sextett wieder zusammenzusammeln. Nach unseren verschiedenen Exkusionen (Olympiastadion/Hackesche Höfe oder DHM mit zwei Ausstellungen (Aufklärung und Roads not taken) oder Café und lernen) trafen wir uns im Marienkäfer an der Marienstraße. Die osteuropäische Kellnerin servierte uns von Arabern zubereitete Pizza, und es war wie immer großartig.

    Für Mitte-Mitte, für eine Lage nahe von Friedrichstadtpalast, Berliner Ensemble und drölf Millionen Hauptstadtsitzen von Lobbyorganisationen, ist der Laden extrem nett, die Pizza überdurchschnittlich und selbst das Ambiente und die Deko wirklich schön. Wir hörten Erzählungen vom Deutschen Stadion (dem Vorgängerbau des Olympiastadions) und den Wendepunkten deutscher Geschichte.

    Heimfahrt mit dem 100er Bus, noch einmal vorbei an Brandenburger Tor, Reichstag, Schloss Bellevue und Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche. Mit den M46 nach Schöneberg.

    Danach: Alle platt. Alle Bett.

    Plakate mit Faltanleitungen auf der Rückseite

    Sonntag: Platt. Nicht im Bett.

    Denn die CDU und Friedrich Merz nötigten mich zum Aufstehen. Auf zum Reichstag, demonstrieren.

    Die Zahlen sind müßig, wenn Du auf der Straße des 17. Juni stehst und weder ein Ende noch ein Anfang der Demo erahnbar sind; wenn selbst die breite Prachtschneise mit ihren 45 bis 85 Metern Breite nicht mehr ausreicht, die Demo aufzunehmen und diese auf Parallelstraßen ausweicht.

    Ich glaube außer „Silvester 2000 – oh Gott wie bin ich hier hingekommen“ auf derselben Straße war ich noch nie in annähernd so großen Menschenmengen. Und es war komplett friedlich und entspannt. Wieder einmal staunte ich darüber wie normal alle waren. Wie jede zweite Gruppe IKEA oder Umzugs-Kartons wiederentdeckt hatte und mit eigenen Sprüchen verziert. Da war nichts zentral organisiert, nichts gelenkt – es waren einfach sehr sehr viele Menschen, die die Ereignisse der letzten Tage sehr scheiße fanden.

    Zwei Plakate fielen mir besonders auf:

    Kein Lillet trotzdem da – Nina Chuba Antifa. Eine Prise Humor, eine Prise Hedonimus, und ein Zeichen dafür, dass der Protest weit über die üblichen Kreise hinaus trug.2

    Meine Vorfahren kamen nicht her, haben dieses Land aufgebaut und für die Demokratie gekämpft, damit jetzt dies passiert. (Sinngemäß, der Spruch war vergleichsweise lang und komplex). Endlich einmal ein Faschismus-Protest, der anerkennt, dass in Deutschland auch Menschen leben und mitzureden haben, deren Vorfahren 1933 noch nicht in Deutschland lebten. Die haben auch eine deutsche Geschichte und die muss erzählt werden. Davon gibt es auch auf den Demos viel zu wenig.

    Montag nach dem Wochenende: Alle platt. Alle Bett.

    Kafka Zombie Kürbiseintopf

    Die Washington Post gedachte Jimmy Carter mit einem Rezept und Frau Küchenlatein adaptiert: Kürbis-Erdnusseintopf.

    Thomas Gigold räumt auf: Wenn auf einer internationalen Seite mit 30.000 Followern pro Post noch 3 Likes zusammenkommen weißt du: Organische Reichweite beim dicken blauen Flaggschiff [Facebook] ist tot.

    Herr Rau hadert mit einem Theaterbesuch.

    Sari fährt sehr tapfer sehr oft zum Fußball.

    1. Muss ich erklären, warum? Ich hoffe nicht. ↩︎
    2. Der Wikipedia-Erklärartikel für dienigen, die sich fragen: Lillet? Nina Chuba?: Wildberry Lillet (Lied) ↩︎
  • 24-01-02 Cointreau, Eierlikör, Blaubeere, Ingwer-Orange

    24-01-02 Cointreau, Eierlikör, Blaubeere, Ingwer-Orange

    Sargassum ist die Alge des Jahres 2024.

    Ausweislich des Altpapiercontainers bekamen die Nachbarn Bluetooth-Lautsprecher zu Weihnachten.

    Als wir am 1. Januar im letzten Tageslicht die Wohnung betraten war nichts in der Gegend abgebrannt und auf dem Balkon lagen keine Raketenreste. Das ist nicht selbstverständlich, aber erfreulich.

    Johann Mayer hatte eine extra Abholstation für vorbestellte Pfannkuchen eingerichtet. Aus dem Hof kamen im Halbminutentakt Menschen mit großen Boxen auf dem Arm.

    Die College-Football-Playoffs begannen: Alabama 20 vs Michigan 27 und Texas 31 vs Washington 37. Damit ist Alabama schon wieder raus.

    Die Qualifikation zu den Playoffs läuft nicht über rein sportliche Kriterien. Tatsächlich bestimmt ein Kommittee die Teilnehmer. Und dabei spielen neben der sportlichen Leistung auch die Stellung des Mondes, althergebrachte Vorurteile, das Lieblingsteam des Sohnes eines Teilnehmers und zehn andere Kriterien die Teilnahme.

    Alabama war eigentlich viel zu schlecht dieses Jahr. Eigentlich dominierten die Georgia Bulldogs wieder einmal alle Ligen. Nur verloren die Bulldogs das allerletzte Spiel unglücklich gegen Alabama. Und hups, war Alabama unter wilden Diskussionen in den Playoffs. Und ist gleich wieder raus.

    Neujahr bedeutete: Abgelaufene Gutscheine aus Coronazeiten wegwerfen und diese innerlich als Kulturunterstützung verbuchen.

    Haus am See

    Überraschende Erkenntnis: Wir wohnen auf einem Seegrundstück. Umso überraschender, da wir uns dort schon einige Jahre aufhalten. Nur der See ist neu. Der Mais-Acker hinter den Latifundien enthält immer mal wieder eine größere Pfütze. In einigen Jahren nahm diese auch das Format „Tümpel“ an. Aber dass dort ein ausgewachsener See liegt, ist neu.

    Der Kaptain kündigte einen sofortigen Besuch mit Liegestuhl und Büchern an.

    Schön: Das Feuerwerk der Nachbarn spiegelte sich sehr picturesque im See.

    Schön: Andere Menschen müssen Seehund-Eisrobben-Clubs gründen, um zum neujährlichen Eisbaden zu kommen. Bei mir reichte das Abdrehen des Bungalow-Wassers. Der Haupthahn liegt in einem Schacht. Dieser Schacht wiederum war hüfttief mit winterlichem Wasser gefüllt. So super für den Kreislauf.

    Abgesehen von unserer permanenten Wochentagsverwirrung gestaltete sich Silvester as every year. Teelicht-Raclette mit gebackenem Gemüse, Lesen, Musik hören. Gegen 22 Uhr beginnt die Schläfrigkeit, gegen 24 Uhr stoßen wir mit dem geöffneten Rotwein an und schauen das Feuerwerk der Nachbarn. Mit Götz Alsmann und dem Deutschlandfunk geht es schnell ins Bett.

    Madame las Lili Grüns „Junge Bürokraft übernimmt auch andere Arbeit …“ und Manfred Krugs „Ich bin zu zart für diese Welt“ und empfiehlt beides. Ich las weiter in Rebecca Solnits „Orwell’s Roses„, das Klimawandel, Natur-und-Politik, Stalin, Tina Modotti, Orwell-als-Vater, den spanischen Bürgerkrieg und Emma Goldmann streift. Weiterhin ein Buch, das ich gerne geschrieben haben würden möchte und damit natürlich mehr als nur eine Empfehlung.

    Die Fernuniskripte machten nur geringe Fortschritte. Recht früh begannen wir mit dem Sekt und danach war an Mathe-Verständnis nicht mehr zu denken.

    Zum Feuerwerk aßen wir die Pfannkuchen Cointreau und Eierlikör, am Nachmittag des Neujahrstags dann Blaubeere und Ingwer-Orange.

    Jahresmotto 2024: Pogo-stick

    Allüberall auf den Blogspitzen sehe ich Jahresrückblicke sitzen. Als Leser bin ich überfordert und kann nicht mehr auswählen. Am erschreckendsten/beeindruckendsten/überraschendsten das Konvolut aus 337 Jahresrückblicken epischer Länge, die mittels betreutem Bloggen entstanden sind. Formal sind sie dank der Betreuung alle sehr ähnlich, inhaltlich doch sehr verschieden, wenn auch mit starken Schwerpunkt auf das Leben als beginnende Coach-Solo-Shepreneurin.

    Dort lernte ich: Das Jahr braucht ein Motto. Das gebe ich doch gerne. Das Jahresmotto 2024 lautet Pogo-Stick. Mehr Details in Annex D.

    Was war so in 2023:

    • Das Jahr Klimakatastrophe kicked in. Um uns persönlich zog sie dieses Jahr einen Bogen. Diverse Hitze- und Waldbrand-Meldungen aus zum Beispiel Kanada oder Südeuropa hätte sich vor 15 Jahren nicht mal ein Klimawandel-Fernsehspiel getraut, weil es zu drastisch gewirkt hätte.
    • Fünf Klausuren bestanden (und damit eine mehr als der Studienplan vorsieht. Yeah!)
    • Überhaupt die Endgegner-Klausur „Algorithmische Mathematik“ überstanden.
    • Wir beiden hatten am 31. Dezember denselben Arbeitsvertrag bezogen auf den selben Arbeitsort wie am 1. Januar des Jahres. Das kam seit 2018 nicht mehr vor.
    • Madames Armbruch überstanden.
    • Neun Tage in Polen plus drei Tage in Polen,
    • Soviel Zug gefahren wie seit 2013 nicht mehr.
    • Dadurch übernachtet in 9 Bundesländern und 4 Woiwodschaften.
    • Soviel Präsenz-Kultur wie seit dem Studium nicht mehr.
    • Madame bekam lebenslänglich.
    • Ein Dithmarscher Wohnzimmer unter Wasser.
    • Eine Dezember-Geburtstagsfeier
    • Eine spektakuläre Hochzeit
    • Keine teuren Schäden am Subaru, nur ein arg unpassender.
    • DER MASTERPLAN entstand.
    • B->HEI (Pfingsten, Advent), HEI->OHV (Geburtstag), B->LÖ (Ostern, Weihnachten), LÖ->OHV (Sommer).
    • Der Angriff auf die Ukraine geht weiter. Polen wählt die PiS ab. Ein Hamas-Pogrom neben dem Gazastreifen.

    Und 2024 könnte kommen:

    • Sieben Klausuren (ohne Endgegner vermutlich) und die Anmeldung zu DEM SEMINAR.
    • Eine Zitronenpresse-Veröffentlichung (wobei ich mir zeitnah überlegen sollte was für eine).
    • Am 1. Mai das zweijährige BBB-Jubiläum und damit der Zeitpunkt, an dem ich mir Gedanken machen wollte, ob das eigentlich eine gute Idee ist.
    • Mit dem Zug von Lettland nach Litauen.
    • Eine goldene Hochzeit.
    • Weiterhin die Suche nach einem Bildungsurlaub der weder „resilientes Waldbaden“ noch „Kulturbusfahren mit pensioniertem Erdkundelehrer“ ist.
    • Mehr in AnnexD.

    Steak Bake

    Während ich Rebecca Solnit über „Bread and Roses“ las, die die Notwendigkeit sozialer Gerechtigkeit und das notwendige „mehr“, die metaphorischen Rosen, las, starb Torsun (Egotronic), „der Erfinder der hedonistischen linksradikalen Tanzfläche“. Linus Volkmann schrieb einen Nachruf.

    McDonalds ist nicht mehr der beliebteste Frühstücksort der Briten. Es ist nun Greggs: How a Super Affordable Bakery Chain Became a British Culinary Icon

    Das Rezept des World Famous Greggs Steak Bake: STEAK OUT Greggs has now revealed the exact recipe of their famous steak bakes & people in lockdown are desperate to try them

    Regisseur John McTierman zum Thema „Ist Die Hard ein Weihnachtsfilm?“ Den Kaptain wird freuen, dass McTierman sich auf „Ist das Leben nicht schön?“ bezieht? (Warning: McTiermans amerikanisches Englisch ist selbst für US-English sozialisierte nicht ganz einfach zu verstehen).

  • 23-12-28 Orwells Rosen leben noch

    23-12-28 Orwells Rosen leben noch

    Sonne – Wasser- frische Kakis vom Baum – ab dem zweiten Weihnachtstag begann die vorsichtige Rückwendung zur Welt da draußen.

    Die große Tischplatte verschwand wieder im Keller.

    Nach dem Bahnenziehen im Hallenbad Lörrach stellte ich fest, noch nie die legendäre Hauptstraße Weil am Rhein gesehen zu haben. Wir stiegen spontan vor dem Hallenbad in den Bus, passierten zwei Staatsgrenzen, stiegen wieder aus und wanderten die Hauptstraße ab – vom Leinen-Fachgeschäft und dem Märklin-Laden bis hin zu dutzendweise türkischen und chinesischen Restaurants, badischen Fleischereien und Bäckern. Die Schweiz is near.

    Am Ende der Straße liegen Kaufring, der Endpunkt der Basler Tram und der traurige Abstieg zum Bahnhof. Einst der wichtigste (Güter-)bahnhof in hunderten Kilometern Umkreis, der Weil zur Eisenbahnerstadt machte. Und jetzt, zwei traurige Gleise, kaum auffindbar, an denen gelegentlich mal eine S-Bahn oder ein Regio hält.

    Die S5 brachte uns zurück nach Lörrach Grand Central.

    Rombitombi stieß sich den Kopf am Klavierpedal.

    Mannheim ist laut Bahnhof Mannheim eine „Eishockeystadt.“

    Kurz fasste ich den Plan, Silvester und Neujahr kein Uni-Skript anzuschauen, denn es ist Feiertag. Dann dachte ich: „Bin ich bescheuert? Mir macht das ja Spaß. Mir Spaß entsagen, weil Feiertag ist. Soweit kommt’s noch.“

    Die Deutsche Bahn is on a run. Auf meiner Rückfahrt war wie immer der physische Zug defekt, der die deutsch-Schweizer-Grenze überqueren sollte. Aber die Bahn war in der Lage, rechtzeitig fahrenden Ersatz bereitzustellen. Gar als Uprade sehe ich es, dass meine IC-Fahrkarte Basel-Mannheim nun von einer ICE-Garnitur bedient wurde. (IC2870 – Ad-hoc-Zug ersetzte EC6 – Deutschland-Schweiz)

    Ab Mannheim ging es weiter wie gebucht. Ich hatte mir für insgesamt 62 Euro (mit Reservierung; ohne Rotwein) des Luxus eines 1-Klasse-Supersparpreises Basel-Bad->Südkreuz geleistet und Rotwein-an-den-Sitz im ICE594 (Linie 11 ICE München–Stuttgart–Frankfurt–Erfurt–Berlin); daran könnte ich mich gewöhnen.

    Vorher aber galt es, Weihnachten fertig zu feiern. Mit Kuchenresten, Hühnerfrikassee in Pastetchen, gemeinsamem Youtube-sehen und dem Empfang weiterer Familienteile, die auf ihrem eigenen Feierrückweg im Markgräflerland vorbeischauten.

    Billet – Nicht-Billet – Fast-Billet

    Nach Weil brachte uns das Deutschlandticket. Ich schätze es, irgendwo in Deutschland an einer Bushaltestelle zu stehen, zu denken „Ach, wäre praktisch“. Und weder muss ich ergründen welche Tarifzonen der Bus passieren wird, noch ob die Fahrerin mir überhaupt gegen Bargeld ein Ticket verkauft, noch sonstwas. Sehr sehr schön.

    Auch schön: Das erste Mal seit Umstellung der DB-App funktionierte mein Komfort-Check-Inn.

    Weniger Erfolg mit den Tickets, hatte ein Gast in meinem ICE. Der Zugbegleiter, unweihnachtlich-streng orientiert, ließ den Gast in Erfurt von 4 Bundespolizist*innen aus dem Zug hinausbegleiten. Der Versuch, mit dem „Screenshot eines abgelaufenen Deutschlandtickets“ unbemerkt 1. Klasse ICE zu fahren, war vielleicht doch zu sportlich. Da kein Ausweis = Polizei.

    Kurz vor Berlin das nächste Zugbegleiterdrama. Zwei Personen hatten versucht, Bahnbonus-Punkte in Freifahrten umzuwechseln. Soweit ich der Diskussion gewahr wurde, hatten sie bezahlt, aber formal nicht korrekt gebucht. Folge: Eine von beiden hatte technisch kein gültiges Ticket. Zugbegleiter 1 hat es nicht bemerkt (bemerken wollen) und die beiden eingecheckt.

    Bei allen weiteren Konrollen galten ihre Plätze als „schon kontrolliert“. Kein Problem.

    Hinter Leipzig leerte sich der Zug. Eine der beiden Personen setzte sich auf einen anderen Platz. Das provozierte eine neue Kontrolle. Ergebnis: Ungültiges Ticket. Großes Drama. Der Zugbegleiter wollte „nur“ die Daten aufnehmen und das ganze wegen „ist kompliziert und wir sind in 10 Minuten in Berlin“ zur Entscheidung an die Zentrale weitergeben. Die beiden Fahrenden fühlten sich des Schwarzfahrens bezichtigt und waren entsprechend aufgewühlt.

    Ich dachte gleichzeitig „Ey, Weihnachten. 22:30h; kein böser Wille; in 20 Minuten ist der Zug am Endbahnhof. Die beiden sitzen problemlos seit Stuttgart im Zug. Ein Auge zudrücken?“ und „Ey, ihr habt genug Bahnbonus-Punkte für zwei 1.-Klasse-Freifahrten quer durch Deutschland; da darf man auch ein bißchen Bahn-Erfahrung und -Kompetenz bei der Buchung erwarten.“

    Ein weiterer Fahrgast sprach den Auge-Zudrücken-Gedanken laut aus, und alles eskalierte noch weiter.

    *Der Autor seufzt*

    Die Pfeife fehlte

    Wenn nicht Sitz-externes Drama meine Aufmerksamkeit auf sich zog, schaltete ich gelegentlich das Handy live. Und ab Fulda trötete jedes mal eine neue Katwarn-Hochwassermeldung eines anderen Landkreises auf. Wasser sah ich keines, Nachts ist es dunkler als draußen.

    Untrötend konnte ich bei den Nachbarn linsen. Es wurde gelesen: ich konnte drei Sitze einsehen, auf dreien war ein Buch in Nutzung: (1) Das dritte Herz des Oktopus (2) School of Life (3) 1984.

    Auch ich las:

    • „Spektrum der Wissenschaft“ (u.a. wie man an zufällig bekannten Seriennummern die Gesamtgröße einer Serie abschätzen kann. Auch online: German Tank Problem).
    • Natürlich das Mathe-Skript. Über die Feiertage hatte ich, vom Flow überströmt, teilweise drei, vier Seiten am Stück gelesen und fand das schon beim Lesen suspekt. Es zeigte sich: natürlich blieben Lücken. Also backtracking im gewohnten Tempo: eine Seite lesen. Dann mindestens 20 Minuten die Konzentrationsfähigkeit regenieren. So zockelte ich durch die Homomorphismen.
    • Das Theoretische-Informatik-Buch. Da das „extern“ und nicht prüfungsrelevant ist, erlaube ich mir hier schnelleres Lesen auf Lücke. Immerhin brachte es die schöne Formel:

    |- (A -> ((A -> A) -> A)) -> ((A -> (A -> A)) -> (A -> A))

    • (Ein Teil einer formalen Fingerübung für das Hilbert-Kalkül, mit dem hier nachgewiesen wird, dass der Satz „Wenn A, dann A – formal: A -> A“ allgemeingültig ist.)
    • Vor allem las ich Orwell’s Roses. Essays über George Orwell, Gärtnern, Rosen, Orwell und Gärtnern, Gärtnern und Schreiben, Schreiben-als-Beruf, Nazis, Sozialismus und Cox Orange. In anderen Worten: ein Buch von dem ich wünschte, ich hätte es geschrieben haben würden. Leider bin ich schon an dem Punkt, an dem ich Angst habe, weiter zu lesen, DENN DANN IST ES JA BALD ZU ENDE!!!
    • Auch mit Zitat: „Most of writing is thinking, not typing.“ Bestärkt meinen Vorsatz für 2024, mehr Zeit und Gelegenheit zum Denken und Träumen zu finden.

    Silent night, lonely night

    Kurz hatte im Raum gestanden, dass wir den Freiluft-Weihnachtsgottesdienst in Stetten besuchen. Was nicht passierte. Aber ein Blogbeitrag zum Gottesdienst existiert dennoch: So war mein Weihnachten 2023, ein Open Air Gottesdienst

    Weihnachten allein versus Weihnachten einsam: So, 24.12.2023 – Holynight

    Von selbstgeschaffenen Weihnachtstraditionen: Weihnachten und die Weihnachtszeit bei den Farnientes

    Heiligabend mit Turkuer Friedensgruß: Heiligabend 2023

    Schon einen Schritt weiter beim Thema Jahresrückblick. Rezepte nach CO2: Foodblog-Bilanz 2023: Das Jahr bei Klimafreundlicher Kochen

    Der heutige Beitrag zum Thema „Ey, Berlin, WTF?“:

    Seit vielen Jahren gibt es die Forderung, den Nahverkehr auf der Straße zu beschleunigen. Warum hat sich so wenig getan?
    Ich weiß es selbst nicht. 2006 wurden für die Fußballweltmeisterschaft Vorrangschaltungen für die Straßenbahn abgeschaltet. Das sollte damals nur für das Turnier gelten. Doch die Vorrangschaltungen sind bis heute nicht wieder alle in Betrieb. Das ist einfach absurd

    Ganzes Tagesspiegel-(Paywall)-Interview: Experte rechnet mit Berlins Verkehrspolitik ab: „Der Fokus auf das Fahrrad macht Dinge kaputt“

  • 23-12-26 et gloriam plebis tuae Israhel

    23-12-26 et gloriam plebis tuae Israhel

    Merken: Der Ausziehtisch im Aquazimmer lässt sich bedienen, indem erst auf der einen Seite (Richtung Straße) die Verriegelung gelöst wird. Dann Beine und Gestell (nicht die Platte) herausziehen. Die Verlängerungs-Platte aus dem Unterboden heben und in das Gestell einsetzen.

    Traditionelle Familienspiele zeichnen sich dadurch aus, dass die Spielmarken aus Inflationsmünzen von 1923 bestehen. Der persönliche Einsatz lag bei 32000 Reichsmark. Drumherum Käsefondue (Variante Gruyere, nicht Vacherin), Feuerwehrkuchen, Kartoffelsalat.

    Die Rollschuhtãnzerin gewann mit einer Mariage. Passend: Sie hatte das Hochzeitsfotobuch mitgebracht.

    Ausgleich für die Badewanne und 10 Kilo Kartoffeln..

    Geschenke: Damaskus – Paula – Zwetschgen – Wolken. Mehr Details in Annex D [unveröffentlicht].

    In den Leerzeiten: Isomorphe Vektorrãume.

    Verdauung mit Hilfe des Hallenbads Lörrach. Dort Badisch-Berliner Bekanntschaft getroffen.

    Madames gebraucht-Airpods heißen anscheinend Hans-Peter.

    Aus dem Bekanntenkreis zweiter Hand: ICE-Rãumung auf der Fahrt nach Göttingen

    Der Zug den ich zur Rückfahrt zu nehmen plane, fiel die letzten beiden Tage aus. Bleibt spannend. Immerhin werde ich auf der Rückfahrt das erste Geschenk „Orwell’s Roses“ von Rebecca Solnit lesen.

    Gloria in excelsis Die Hard

    So viele Gottesdienste, so viel Auswahl: Von Krippenspiel über Musical und Gospel-Gottesdienst bis hin zur Mitternachtsmesse. Wir entschieden uns für den „normalen Gottesdienst“ um 18 Uhr.

    Dank Kirchenrenovierung wurde im Gemeindesaal gegottesdienstet.

    Mich erinnerte es an die Kindheit, in der die Gemeinde im Neubaugebiet immer Wichtigeres wollte, als ein Kirchengebãude zu errichten – meine komplette evangelische Sozialisation fand in einem Gemeindesaal statt.

    Nebeneffekt: Dank großer Fensterfront im Saal und großer Fensterfront und großem Fernseher im Nachbarhaus, konnte bei Bedarf auch ohne Ton der Actionfilm geschaut werden, der beim Nachbarn im Fernseher lief.

    Predigt über Simeon und die Tugend des Wartens. Wem dieser Teil der Weihnachtsgeschichte nicht mehr präsent ist: Simeon ist ein alter, frommer Jude, dem von Gott versprochen worden war, er werde den Heiland noch vor seinem Tod sehen.

    Und am Tag kurz nach Jesu Geburt, wurde Jesu in den Tempel gebracht und Gott Gebot Simeon auch in den Tempel. Und Voila, versprechen gehalten.

    Das Wort, dass ich neben dem Warten noch in dieser Predigt erwartet hãtte, wãre Demut gewesen – auch ein zentrales christliches Konzept.

    Vielleicht nicht einmal als Demut vor Gott, aber als Demut im Wissen um die eigene Begrenztheit. Das würde einiges an menschlichem Zusammenleben erleichtern. Und vielleicht den einen oder die andere auch psychisch entlasten, wenn klar ist, dass der Zustand der Menschheit nicht an einem selber hängt.

    Un-Demut

    Das klassische Gegenteil von Demut ist der Stolz. Nahe heran kommt die Rechthaberei. Christa Chorherr zum Thema: Rechthaberei bitte rechtzeitig im Leben ablegen: Un-weihnachtliche Überlegungen.

    Auch un-weihnachtlich: Ein Jahr Arbeitsamt.

    Weihnachtlicher: Herr Raus Weihnachtskrippe.

    Westfãlischer Grünkohl. Eins und zwei.

  • 23-12-24 Urbilder; eine Zugreise

    23-12-24 Urbilder; eine Zugreise

    The Arbeitsyear ended with a bang.

    Nach genau einem Jahr verließ uns die Büropflanze wieder.

    (Kein Zusammengang).

    Kellerkind fuhr Ende der Woche an die Ostsee. Mit doppelter ICE-Räumung.

    Unsere Bahnhofserlebnisse blieben friedlicher. Freitag der Coca-Cola-Zug. Wenn der schon direkt neben der Verwaltung am Gleis steht, dann will ich den auch sehen.

    Samstag die Frau, die den Bahnsteig entlang sprintete, um recht professionell jedes S-Bahn-Graffiti zu fotografieren. Optisch wãre sowohl Szene-Mitglied wie auch schlecht bezahlte Bahn-Hilfskraft denkbar. Vielleicht auch beides.

    Geschenkübergaben- Abensessen mit Zia benessere und Zio macchina bei Ente Vindaloo und Butter Chicken. Nach halbem Mahl hagelte es, dann donnerte es und dann fielen 10 Zentimeter Schnee. Das kam überraschend.

    Auf dem Heimweg durch Berlin-Innenstadt überholten uns zwei gallopierende Füchse. Das kam überraschend.

    Die Deutsche Bahn zeigte sich fahrtechnisch von ihrer besten Seite. Dank ICE599 (Südkreuz-Frankfurt) und ICE77 (Frankfurt-Basel) kamen wir fast komplikationsfrei an. Der abschließende Gepäcksprint zur S-Bahn in Basel (2 Bahnsteige weiter links in 90 Sekunden) nahmen wir als Erlebnisabschluss nach langem Sitzen.

    Auf nebenliegenden Vierern freundeten sich verschiedenen allein reisende Damen miteinander an. Nach allgemeinen Gesprãchen über Politik (keine Nazis, keine Querdenkerinnen), folgten Gesundheitstipps und schließlich Lebensgeschichren. Es sprach die weißhaarige ehemalige Chemie-Ingeneurin mit der Charité-Medizinstudentin. Irgendwie niedlich die Frau, die jeden Sommer mit ihrer Mutter mit der Fähre in deren Geburtsland Litauen fährt und jetzt gleich zum Studium an den Fãhr-Abfahrtsort nach Kiel zog.

    Um etwa 2030 Ankunft im Weihnachtsdomizil. Aber das ist eine andere Geschichte und soll ein andermal erzählt werden.

    Hilberts Hotel

    Madame las auf Platz 112 in Wagen 3 Rebecca Solnits Men explain things to me und kann es sehr empfehlen.

    Ich hatte Skripte mitgenommen. Im Matheskript (Aktuell: Vektorrãume, ihre Dimensionen, Erzeugungssysteme und Basen) lese ich weiterhin im Tempo: 2 Seiten, dann 30 Minuten Pause zum erholen.

    Deshalb hatte ich noch ein Gut-Glück-Bibliotheksbuch mitgenommen: Theoretische Informatik. Das wirkt auf den ersten Blick harmloser, das Layout ist eher Schulbuch als wissenschaftlicher Text, der Autor ist definitiv schwatzhafter als die Skript-Schreibenden, aber dann geht es doch schnell zur Sache.

    Und schon wieder ein Kapitel Mathe. Hallo Mengen, hallo Abbilder, Urbilder und Bilder allgemein.Gallo Mächtigkeit und Kardinalitãt.

    Der Themenkomplex ist so grundlegend. Vermutlich kann mensch es wirklich nicht ist genug wiederholen.

    Und am Ende das Hilbert-Hotel mit unendlich vielen Zimmern, die alle belegt sind. Dann kommt ein Hilbert-Bus mit unendlich vielen Busreisenden, die alle ein Zimmer benötigen – wo bringen Sie sie unter?

    Honigparadies Bielefeld

    Ich entdeckte die großartige Welt der Zugnummern.

    Lila im Norden von Israel.

    Frau Rabe erfreut sich an Supermãrkten.

    Wenn die Rettung im Cabrio kommt und Hawaii-Hemd trägt (von der Bedeutung deutlicher Aussprache).

    „Gruß an Bord“: Weihnachts-Botschaften für Seeleute in aller Welt – wird 70.