Gebe seit Tagen mein Arbeitspasswort am Privatrechner ein und das ist bezeichnend für den Gesamtzustand.
Wie erkältet kann mensch sein? Immerhin haarscharf am Fieber vorbei. Aber einmal nach dem Tee bücken ruft einen mehrminütigen Hustenanfall hervor.
Außenweltwahrnehmung ist auf das nötigste Minimum reduziert.
Habe den obersten Projektleiter der Dachbodenbaustelle kennengelernt, und dafür dass er zwangsweise ganz andere Interessen vertritt als wir, macht er einen guten Eindruck.
Gute Nachricht 1: Frühlingssonne!
Gute Nachricht 2: Die Klausur Betriebliche Informationssysteme ist bewertet und bestanden. 14 down, 1 in Bewertung, 3 more to go.
Bei Höffi blüht etwas Weißes. Vor allem aber regnet es.
Mein neuer Streamingdienst Qobuz irritiert mich. Hätte ich bei der Paris-Playlist eines französischen Unternehmens doch nicht zu 90% englischsprachige Musik erwartet. Allein die List of songs about Paris, und erst recht Chansons sur Paris, bietet doch so viel mehr.
Ankunft in der Verwaltung um 8:23h. Der Energiehaushalt geht aufwärts, die Anzahl der Huster leider auch. Immerhin reichte es heute für die Aufgabe, die ich seit 10 Tagen vor mir herschiebe, weil sie geistige Alertheit und Konzentration erfordert.
Gleichzeitig nimmt aber auch die Hustenfrequenz zu. Ach je.
Madame erläuterte die Wikipedia-Löschkandidaten am lebenden Beispiel.
Weil weder Autobahn (gesperrte Ringbahnbrücke), noch S-Bahn (gesperrte Ringbahn) gerade sonderlich gut funktionieren stieg der Große auf die U-Bahn aus Spandau um.
Geweckt vom Gesang der Kohlmeise
Es wird ein gutes Mohnjahr werden. Die austreibenden Pflanzen sind schon zahlreich zu sehen.
Es wird ein geruchsintensives Jahr werden. Auf dem Acker hinter dem Zaun wird Raps gepflanzt.
Ein Walzen-Wolfsmilch verirrte sich in Beet 2L. Wir staunen. Ihr natürlich angepflanzter Standort ist mehr als 20 Meter entfernt.
Für das nächste Jahr sollten wir uns merken: Mehr Narzissen könnten links des alten Grillplatzes, unter dem Vulkanbeet und unter dem Schlafzimmerfenster.
Wir testeten den neuen Grillplatz, der hoffentlich bequem von Terrasse und Pergola aus erreichbar ist. Auch bestellte ich ein Ersatzprodukt für die Kokoko-Eggs-Grillbriketts, deren Hersteller/Importeur unternehmerisch schlingert. Businessprobleme allüberall.
Die Vögel hielten sich im Vergleich zum letzten Wochenende versteckter. Vielleicht hatte sie der sich anbahnende Regen in die Flucht oder in die Unterstände gejagt. Einzig die Kohlmeise zwitscherte sich wieder die Seele aus dem Leib:
Irgendwann hatten wir uns eine Wildkamera schenken lassen – vor allem aus Neugier darauf, welches Tier seinen Bau im Komposthaufen errichtet hatte. Die Kamera läuft immer nur Nachts. Dann war aber über Monate nie ein Rechner, eine SD-Karten-Leser und die SD-Karte der Kamera am selben Ort.
Bis zum Wochenende. Wir entdeckten einen Marder, ein Rehbock, einen Waschbären (zum Glück nur einmal) und ziemlich oft diesen Kletterkünstler.
Die Bessermenge ist konvex
Es ist so weit. Ich habe auch offiziell ein Bachelorarbeitsthema:
Parametrische Optimierung – Der Einfluss von Schwankungen in den Modellparametern auf die optimale Lösung
Irgendwie wow. Aber auch irgendwie erschreckend. Es ist so greifbar. Es ist so sehr „Warum bloggst/schläfst/schwimmst du gerade, wenn du auch recherchieren/schreiben/an Formeln basteln könntest.“
Bisher konnte ich mir immer noch sagen, „wer weiß ob es das Thema wirklich wird, entspann dich.“ Seit der E-Mail am Montag Nachmittag geht das nicht mehr.
Immerhin hatte ich noch einen entspannten Sonntag mit dem unbachelorarbeitigen Uni-Thema „Mikroökonomik“. Das war nett, tief innerhalb der Komfortzone. Viel Mathe, aber nette Mathe, mit Rechnen, nicht mit Beweisen, Themen, die mir zusagten, und schön geschrieben. Das hätte ich weiter machen können, werde ich weiter machen, denn ich muss dieses Semester ja auch noch zwei Klausuren hinlegen.
Im Internet lese ich erwachsene Menschen Ü50, die die neusten Internet-Trends und Memes referieren und bekomme spontan Mitleid.
Auch im Internet lese ich, „Wirtschaftsinformatik ist das Gegenteil von Informatik“, und der olle Rechthaber in mir muss natürlich widersprechen. Ich nehme mal die drei Punkte, die ich für den Wesenskern der Informatik halte:
Es geht um Information, ist also prinzipiell abstrakt
Es geht immer um Wiederholbarkeit und generelle Verfahren, niemals um Einzelfälle
Maschinen sind beteiligt
Dann würde ich eher sagen, Schnitzen, Töpfern oder Sandburgenbau sind das Gegenteil der Informatik.
Das Fernuni-Sommersemester nähert sich. Ich warte noch auf die Bachelorarbeits-Themenbestätigung, habe aber schon vor der Personalabteilung den rituellen Teilzeitarbeits-Tanz für die Zeit der Bachelorarbeit vorgeführt.
Noch aber kann ich mich den normalen Modulen widmen. Ich begann mit der Mikroökonomik, und wir wurden inhaltlich spontan Freunde. Fast lachen musste ich als ich eine Fußnote am Begriff der „Neoklassischen Theorie“ fand:
Nicht zu verwechseln mit dem sogenannten Neoliberalismus. Die neoklassische Theorie ist eine mathematisch fundierte Theorie, die unter bestimmten Rahmenbedingungen vielfach empirisch überprüft ist. Neoliberalismus ist eine politische Ideologie, die auf dem Glauben beruht..
Die CDU möchte das Informationsfreiheitsgesetz abschaffen und in der Zeitung mit den vier Buchstaben las ich den wildesten Aufhänger dazu „Fler verkracht sich mit seinem Freund Amthor.“
Wobei ich mir nicht sicher, ob ich es schlimmer fände, mit Fler oder mit Philipp Amthor befreundet zu sein.
Im Wohnungs-Treppenhaus wurde Briefkasten 25 aufgehängt. Angesichts von 12 Wohnungen im Haus ist das viel. Es scheint aber diesmal kein Briefkasten zu sein, der zu einer der Immobilienfirmen gehört, die bei uns residieren.
Wahrscheinlich gehört er zum Anbau auf dem Hof, wahrscheinlich waren sie es müde, niemals vom Briefträger gefunden zu werden. Passend: Verlinkte ich Donnerstag noch den Artikel über die wachsende indische Community in Deutschland, wohnen jetzt Kumbukkal und Sunandan bei uns.
Der Große fuhr erstmals mit der S-Bahn zur Arbeit, um das Chaos der gesperrten Autobahnbrücke zu umgehen, die verwirrenderweise Ringbahnbrücke heißt. Und was passiert: Die Ringbahn wird auch gesperrt, weil die Autobahn auf die S-Bahn zu fallen droht.
Madames Töpferkurs hat eine neue Star-Teilnehmerin: Die Brückenbauingenieurin, die einiges über Autobahn-Brücken im Besonderen und Brückensanierung im Allgemeinen zu sagen hatte. Sie rief in Erinnerung: der Brücke wohnt das Problem inne. Denn wäre es einfach an ihrem Standort zu bauen, wäre dort eine flache Straße und keine Brücke.
Der neue, alte Gedarmenmarkt wurde nach seiner Sanierung ziemlich abgewatscht. „Steinwüste“ lasen wir, begleitet von entsprechenden Fotos. Ein Konzert brachte uns nun selber zum Platz: und wir sahen wie suggestiv Fotos wirken können. Was mit dem entsprechenden Weitwinkel aus geschicktem Winkel aussieht, wie eine riesige Steinfläche, ist in echt halt ziemlich klein. Im Vergleich zu den drei Gebäuden dort – Deutscher Dom, Französischer Dom und Konzerthaus – ist das mehr ein Vorplätzchen der drei; selbst wenn es nur aus Stein ist, ist er viel zu klein für eine „Wüste.“
Barockhornsammler
Uns aber führte der Weg einige Treppen hinauf in den Kleinen Saal des Konzerthauses. Die Akademie für Alte Musik (Akamus) hatte zum Kammerkonzert geladen. Oboen- und Hornquartette von bekannteren (Mozart) und unbekannteren (Družecký, Warnitzky, Stamitz) Komponisten standen auf dem Programm.
Während die Solooboistin Xenia Löffler einfach „nur“ gut spielte, war der Solohornist Erwin Wieringa selbst ohne sein schöne hornieren eine Schau. Uns Beide erinnerte er an Mr. Bean – rein optisch, aber auch vom Gefühl her in anderen Sphären zu leben. Dass das Barockhorn maßgeblich gespielt wird, indem die Hand im Schalltrichter bewegt wird, (Siehe Stopfen (Musik)). Das ist eine eindrucksvolle Spieltechnik, sieht aber halt auch leicht bean-esk aus.
Passend dazu die Info, dass Wieringa privat eine große Sammlung von Hörnern besitzt – das passte.
Denn wir konnten es sehen: Der Saal klein, wir in Reihe 2, wohl kein Saal in Berlin mit besserer Akustik für Kammermusik, und alle Bewegungen und jegliches Handwerk der Musiker*innen gut zu sehen. Ein großer Abend.
Treckerclub beim Ausflug
Schweinenacken, immer wieder Schweinenacken.
Während Madame die Kasse des Dauergartenvereins prüfte, überlegte ich am Grillprogramm. So ein ganzer Schweinenacken low&slow vom Grill ist schon sehr lecker. Aber ist es nicht doch etwas langweilig?
Als sie wiederkam fuhren wir zu Rinderstolz&Wildeslust. Auf dem Hof dort ein Oldtimertraktorenclub auf Ausflug. Die Gefährte waren dabei, knatternd und trötend in ihren Deutzes, Bulldogs und Hanomags den Hof zu verlassen, nicht ohne dem Metzger zum Abschied zu Winken.
Nachdem wir sie verabschiedet hatten, kauften wir, natürlich Schweinenacken, der mit Blumenkohl und Tomaten auf den Grill kam.
Madame freute sich am Blühen der Forsythie, denn nun darf sie Rosen schneiden. Hummeln nutzten die Sonnen und besuchten die Taubnesselwälder. Im Beet tauchten weiße Überraschungs-Szillen auf, die frühesten Narzissen sorgen für Ostergefühle und selbst der Pfirsich hat vielleicht Blütenknospen angesetzt.
Die Kranichschwärme beschränkten sich auf einen Einzelkranich, und auch der Hausrotschwanz hielt sich bedeckt. Vielleicht war ihnen auch zu kalt.
Madame wehrtete die WIldkamera aus, die auf den Kompost gerichtet ist, aber dazu vielleicht später mehr. Lustiges Tierleben haben wir.
Letztens stellen wir fest, dass das Saarland das einzige Bundesland ist, in dem wir noch nie waren. Praktischerweise schrieb der Flusskiesel einen Besuchsbericht aus dem Saarland, so dass wir etwas weniger Bildungslücke haben: 2025-03-21 Freitag und 2025-03-22 Samstag.
Abgesehen davon, dass Frau Zimtkringel lecker kocht, schreibt sie auch schön. Und vor allem: man hat immer das Gefühl live in der Küche neben ihr zu stehen: Barraquito nach Chili und Ciabatta
Am Kaiser-Richard-Platz eröffnet ein neues Nagelstudio. Ich versuche, mich daran zu erinnern, was dort vorher war: KfZ-Sachverständigenbüro?
Orange.the.fruit.dude möchte sich mit mir auf Discord anfreunden. Das wirkt vertrauenswürdiger als 90% der LinkedIn-Teilnehmer.
Auf dem Balkon Scherben und Taubeneier.
Seit Tagen vergessen wir Schwarztee zu kaufen und trinken zwangsweise Ingwer-Guacamole-Bockshornklee-Tee. Als ich beim Umstieg von Arbeitsbus auf Blutspendebus an Istanbul Supermarket vorbeilief, machte es endlich mal zur richtigen Zeit „dringelingeling“ im Hirn und ich ging zum Teeregal. Wer winkte mir freundlich entgegen: Madame.
Madame klärte mich auf über das Tagesgeschehen auf: Die laut Zeit „Schlimmste Schule Deutschlands“, liegt zwar in Laufweite. Eigentlich ist ihre direkte Umgebung, und ihr potenzielles Einzugsgebiet, sehr viel puschliger als direkt um unsere Wohnung herum. Aber die Schule besuchen gar nicht die Kinder, die dort wohnen.
Aus Gründen hat die Schule ihr gesamtes natürliches Klientel verloren. Dort landen nur noch Schüler*innen, die anderswo gar nicht erst genommen wurden oder rausgeflogen sind. Und die echten Schüler*innen müssen dann noch jeden Tag stundenlang quer durch Berlin anreisen. Ich würde jetzt mal behaupten, die Schulprobleme haben am wenigsten damit zu tun, wie die Schule intern organisiert ist.
Es sind Fernuni-entspannte Zeiten. Auch alle Feiertage und Urlaube liegen noch ein Stück entfernt. Zeit für das andere Pflichtprogramm wie Zahnarzt und Blutspende.
Sie gaben Häckerle und nahmen Blut. Das DRK zählt mich inzwischen bei Blutspende 19. Obwohl zwischen den einzelnen Terminen Wochen oder Monate liegen, habe ich langsam den Eindruck, ich werde wiedererkannt.
Also wieder nach Arbeit mit dem M85 nach Süden gefahren; an der Schloßstraße die immerwährende Querdenkerdemo passiert und bis zum Klinikum Benjamin Franklin gefahren. Offenbar gab es viele kurzfristige Absagen: So leer war es dort noch nie. So schnell kam ich noch nie durch.
Kaum hatte ich den Zettel ausgefüllt (nein, immer noch keine Tattoos, ja immer noch langer außereuropäischer Auslandsaufenthalt 1993, nein, keine Zahreingung in den letzten Tagen) saß ich auch schon beim Arzt, ließ Temperatur, Blutdruck und Eisengehalt im Blut messen. Adern und Krankenschwester verstanden sich diesmal auch deutlich besser als oft – alles ein Träumchen.
Schließlich saß ich allein am Häckerle-Buffet und konnte mich verwöhnen lassen.
Und weil ich so schnell war, hielt ich auf dem Rückweg noch an der Schloßstraße an, Kreuzkümmel und anderes kaufen.
Es war eine gute Gelegenheit, die Querdenkerdemo näher zu besichtigen. Sie ließen ein Art Podcast laufen zu Corona – ich glaube derselbe wie jede Woche. Die Plakate wabern immer mehr ins Unkonkrete. Teilweise sind sie unverständlich (irgendwas mit Julia Klöckner) teilweise noch unverständlicher (Selensky go home!). Ich beobachte die Verwandlung einer die-Corona-Maßnahmen-sind-uns-zu-heftig-Demo in eine Neonazi-Demo in Superzeitlupe über mehrere Jahre.
Rein persönlich scheint den Demonstrant*innen das ganze übrigens auch nicht gut zu tun. Wirkten die am Anfang wie halt so leicht irres Bildungsbürgertum aus dem reichen Südwesten Berlins, sind sie inzwischen in einem Zustand, in dem man spontan Hilfe anbieten würde, wenn man sie (ohne Plakate) auf der Straße trifft.
Geben und Nehmen 2
Sie gab Zahnpolitur und nahm per Sandstrahler etwas von den Zähnen. Die Uni-Urlaubs-Feiertagsfreie Zeit eignet sich für Sonstiges. Und so lagen Blutspende und Zahnprophlaxe innerhalb einer Woche. (Und natürlich erst Blut, dann Zahn, weil sonst Komplikationen).
Der BVG-Streik vereinfachte die Wahl des Verkehrsmittels: Fahrrad.
Anscheinend hat sich das medizinische Personal diese Woche abgesprochen: Es ging schnell, flüssig und voller Lob wie selten. Und wo wir schon mal alle schnell durch waren und gute Laune hatten, überlegten wir schnell und konstruktiv an einer schon länger währenden Unbequemlichkeit herum.
So schnell hatte ich die Praxis wieder verlassen, und war zurück beim Gefährt, dass ich fast aus lauter Überschwang gleich am Kaiser-Richard-Platz Kreuzkümmel gekauft hätte.
Hauptsache soft
Der Zahnärztin-Termin versprach zwar unkompliziert zu werden. Aber ich freute mich, dass ich für alle Fälle in Vorbereitung schon mal Ilkas Zahn-OP-freundlichen Mahlzeiten nachlesen konnte: Kein Shepherd’s Pie und Dal-Suppe. Nur die pürierte Nudelsuppe klang jetzt nicht ganz so lecker. Von mir gute Besserung!
Amerikanische Jungerwachsene diskutierten im M46er-Bus, ob Lego aus Deutschland und Playmobil aus Dänemark komme, oder umgekehrt. Ich beschloss „der Weg ist das Ziel“ und unterbrach ihre Diskursübungen nicht durch germansplaining.
Arbeitsankunftszeit: 8:53h. Aber mein Bewegungsgefühl beim Radfahren dorthin sagte „Fitter als die letzten Tage“. Anscheinend half die Halbschlaf-Lesekur in den märkischen Hamptons.
Zu den Teilen meiner Arbeit, die ich gerne abgewählt hätte, gehört der Teil „Stellvertretender Konferenzraumtechniker.“ Aber oh well, manchmal muss man dann halt unter dem Tisch kriechend das lose Kabel suchen, während ein Raum voller total wichtiger Menschen zuschaut. Manchmal findet man dann nicht mal ein loses Kabel und muss dann schulterzuckend sagen „wird wohl heute nichts mehr.“
Das Fernuni-Moodle hat mich für die Einheit „Abschlussarbeit“ freigeschaltet. Und ich finde das erschreckend.
Der Zeit entnehme ich, dass wir in Laufweite der „Schlimmsten Schule Deutschlands“ wohnen – was mich immer noch wundert. Denn die Gegend in der sie steht, und damit eigentlich auch das Einzugsgebiet der Schüler*innen, ist eher puschelig.
An der Jugendverkehrsschule Sachsendamm blühen die Forsythien und auch ein rosa Strauch. Selbst an der windumtosten Autobahnebene ist die stadtgewärmte Berliner Natur ihrem Brandenburger Pendant einige Tage voraus.
Holzbiene
Auf den Latifundien täuschte die Forsythie das Aufblühen zwar an, rang sich dann aber doch nicht dazu durch.
Oh Sonne. Freitag abend hatten wir noch die Hymne Echnatons auf Aton, den Sonnengott gelesen, schon strebten wir am Wochenende selber nach der Sonne:
Nicht gleich wie Echnaton in seiner Hymne an die Sonne: Du gehst auf für sie – sie leben,du gehst unter, sie sterben.
Aber doch: Du gehst auf: Wir frühstücken. Du gehst unter: Wir frieren.
Die Südterrasse kann im Sommer eine Belastungsprobe darstellen. Im Restwinterfrühling bei 11 Grad liegt sie perfekt – die Sonne hielt uns genau in der richtigen persönlichen Temperaturspanne.
Ihr mitgebrachtes Musikprogramm bestand aus Hildegard Knef, Lotte Lenya, Edith Piaf, Portishead. Ich sah und hörte ein Muster.
Wir blieben den Tag über in der Sonne. Das Getüm wanderte wieder an seinen Sommerplatz. Ich stieg zu den Tigerschnegeln zum Wasserzähler, Madame produzierte fleißig abgeschnittenes Totholz.
Wir schauten Natur: Der Taubnessenwald, dort wo letztes Jahr der Erdhaufen war. Überraschungs-Anemonen in den Beeten. Die große Holzbiene auf der Suche nach einem Wohnplatz. Die Kohlmeise schauten wir nicht, aber wir hörten sie. Dafür deutlich besitzergreifend von Birne, Palettenstapel und Mirabelle: der Hausrotschwanz.
Wir lasen. Madame: Gewässer im Ziplock. Ich: Das perfekte Grau. Madame: Begeister. Ich: manchmal begeistert, manchmal „muss das jetzt wirklich sein?“
Später, als die Sonner verschwunden war, und wir zum Eichhörnchenofen flüchteten, stöbern durch Qobuz. Das ist Musik für Erwachsene. Sowohl darin, was sie selber hören, als auch in der Herangehensweise (lange hatte nicht mehr das Gefühl, ein Medium nimmt Popmusik so ernst) als auch darin wer ihre Hörer sind. Zu den meistgehörten Alben dort gehören zur Zeit Alben von Steve Wilson, Steve Reich, Anoushka Shankar, Billie Eilish und den Dire Straits.
Niki
Niki will Klebstoff. Und Klebstoff heißt auf französisch colle.
Wir waren im Delphi-Lux-Kino, und sahen den Film Niki de Saint Phalle, ein Biopic über die Person Niki de Saint Phalle. Ehemals Aktionskünstlerin, später als Erschafferin der Nanas das Beste was diversen deutschen Innenstädten (insbesondere Hannover) passieren könnte.
Verarmte Adlige, die ihre Kindheit als Hölle bezeichnete, fast erfolgreiche Schauspielerin, gegen den Willen beider Familien eingeheiratet in das amerikanische Ostküstenestablishment, verließ ihre Kinder und ihren Mann, um Kunst zu machen, wurde durch Gewaltkunst berühmt, um dann mit großen runden freudespendenden Figuren in die Geschichte einzugehen.
Eine der ungewöhnlicheren Frauen des 20. Jahrhunderts.
Die leider einen durchaus gewöhnlichen Film gewidmet bekam.
Der Film war gut erzählt, nett, mit einer herausragenden Schauspielerin, und neugierig machend auf die Person. Aber das Gefühl bleibt: Angesichts dieser Person und dieser Geschichte wäre aber so viel mehr möglich gewesen.
Wenn ich mit einem Tag Abstand über den Film nachdenke, mich frage, was hängen blieb: die großartige Hauptdarstellerin Charlotte Le Bon, die als Niki durch das Gelände der Irrenanstalt (ungewöhnliche Frau halt..) irrt, Kunst schaffen will, aber nicht darf, und verzweifel jede und jeden um Klebstoff angeht.
Was Kino kann, was Streaming niemals schaffen wird: Die Publikumsbetrachtung. Hier ein starkes Übergewicht älterer Kulturdamen1 aus den wohlhabenderen Teilen Berlins. Sehr unterhaltsam die Damen.
Die Zeit widmet sich einem unbekannten Klassiker westdeutschen Designs, den niemand kennt, aber fast jeder schon in der Hand hatte: Der Willibecher. Das deutsche Standard-Kneipen-Bierglas.
Madame brachte eine berufliche Hauptkampfwoche zu Ende, indem sie in der Hafenstadt durch Räume schlenderte und sich Pinnwände erklären ließ.
Sehr geehrter Herr southpark, wir freuen uns, Ihnen mitzuteilen, dass Sie im Sommersemester 2025 an unserem Lehrstuhl eine Bachelorarbeit schreiben können..
Jetzt wird es spannend. Jetzt muss der Lehrstuhl – bwlquam1 – noch das Thema bestätigen – wobei ich mir bei bwlquam ziemlich viele Themen vorstellen kann, die ich gerne schreiben würde.
Auf jeden Fall – ich habe nächste Woche einen Termin in der Verwaltung, in der wir mal ernsthaft über Arbeitszeiten in der heißen Phase der Bachelorarbeit reden werden. Es geht ja viel neben der normalen Arbeit – aber ich glaube das wird dann zuviel.
Aber vorerst ist es noch hin. Noch gehe ich normal in die Südkreuz Offices und verfluche das Rechtemanagement unseres Ticketsystems.
Nach einer ganzen Woche der Arbeitsankunft zwischen 8:50h und 8:58h zeigte sich mein energetischer Aufschwung darin, dass ich Freitag um 8:49h kam – und es sogar schaffte, vorher das Fahrrad aufzupumpen. Ein Leben außerhalb des Lernens ist möglich.
In der Mittagspause schlenderte ich gemütlich durch das Südkreuz. Das Klavier in der Osthalle hat mittlerweile seinen eigenen Zeit-Artikel bekommen. Auch in der Osthalle ist jetzt DönerBiz; ich dachte sie haben erfolgreich expanidert und bespielen jetzt beide Bahnhofsenden. Aber der Westhallenteil ist chiuso.
Weiterhin geöffnet hat Rüyam in Schöneberg – auch ein Dönerladen, der anscheinend weltbekannt im Internet ist. Der beste Döner im weiten Umkreis – aber wir holen ihn selten, zu abschreckend ist die Schlange, die zu jeder Tag- und Nachtzeit vor dem Laden ist.
Da passte es, dass ich einen zweit-Rüyam in Charlottenburg entdeckte. Dieser ist in bequemer Laufweite der Komischen Oper. Denn zu Madames wunderbaren Eigenschaften gehört es, dass man erst mit ihr Döner essen gehen kann und direkt danach eine Oper ohne Handlung von Philipp Glass betrachten kann.
Nefer Kheperu Ra Wa en Ra
Echnaton (Akhnaten), Oper von Philipp Glass, uraufgeführt 1983 an der Staatsoper Stuttgart, 2025 neu inszeniert von Barrie Kosky an der Komischen Oper Berlin. Sie läßt mich leicht sprachlos zurück.
„Die Oper hat keine durchgehende Handlung“ steht in einer Besprechung. Das ist untertrieben. Eigentlich hat sie gar keine Handlung. Glass und Kosky reden wechselnd von „Meditation über Religion“ oder „ein Ritual“.
Einzelne Tableaus, minimal Music mit zahlreichen Wiederholungen, ein spärliches Bühnenbild, das vor allem aus Licht besteht und Chor und Tänzer*innen auf der Bühne, die „Bewegungssequenzen“ absolvieren. Das Libretto besteht historischen Texten in Altägyptisch, altakkadisch und hebräisch.
Über- außerirdisch wie vom Stück verlangt, Countertenor John Holiday. Ein Hüne von Mann steht auf der leeren Bühne, macht den Mund auf, und spontan fragen wir uns beide, wo sie die Sopranistin auf der Bühne versteckt wurde.
Die Geschichte von Echnaton, dem Pharao, der die alte Ordnung stürzen wollte und an seiner eigenen Hybris scheitert, bietet jede Menge Raum für Trump-Assoziationen. Aber das wäre zu wenig, zu flach. So viel mehr steckt in dieser musikalischen Meditation – das muss sacken bevor mir die richtigen Worte dazu einfallen.
Gut zum gedanklichen sacken lassen, war körperliche Arbeit.
Nachdem wir quasi wieder in die Zeitfreiheit zurückkamen, legte der Dauergartenverein den Subbotnik auf den ersten freien Samstag Vormittag. Das war nicht ganz so frei, wie es ich mir gewünscht hätte. Aber Bewegung in der Sonne bei einfachen Tätigkeiten, taten uns sicher nicht schlecht.
Unsere Klein-Arbeitsgruppe mit den Swinging K’s fegte Streugut von den Wegen der Anlage zusammen und sammelte dies wieder ein für den nächsten Winter. Erfolgreich entknirschten wir den Weg, erfuhren Details von der Arbeitsplatzsuche, wenn man zwei Uni-Abschlüsse aber kein Abitur hat.
Im Schwang der Gartenarbeitsgefühle schwang Madame Heckenschere und Astschere und arbeitete sich durch’s Gehölz. Der Rotdorn wurde eine Etage höher gelegt, die Obstbäume nähern sich in ihrer Form wieder dem Lehrbuch an. Es sammelte sich langsam ein zu verbrennender Stapel Rosenholz.
Ich versuchte meinen Plan umzusetzen „wenn mich mein Arbeitgeber ließe, würde ich die ganze Woche durchschlafen.“ Gut, dass ich mich sonnengecremt hatte; der Tag hätte peinlich und schmerzhaft enden können. Immerhin hatte ich währenddessen ein paar spannende Ideen. Mal schauen, ob sie nächste Woche immer noch für gut halte.
Die Forsythie täuscht ein Aufblühen an, hält sich dann aber zurück. Erste zarte Narzissen erscheinen, aber noch blühen 4 von 40 oder so.
Am Himmel ein Schwarm Kraniche. Eine Hornisse begleitete die Streugruppe. Der Vogel des Jahres, der codirosso spazzacamino, auch Hausrotschwanz, kehrte zurück und vergnügt sich bei uns auf Obstbäumen und Palettenstapeln. Vielleicht entdecken wir dieses Jahr, wo er eigentlich sein Nest baut.
Die Frühling kommt, aber erst langsam. Nur die Walzenwolchsmilch überascht uns mit ihrer Blüte.
Doppelinder
Wenn Leute nach Deutschland migrieren, sind es derzeit Inder*innen. Wenn es quasi Muster-Zuzügler sind, dann Inder*innen. Aber vermutlich wäre es vielen Deutschen auch nicht recht, wenn sie dies bewusst wahrnähmen, und ihnen klar würde, dass die Inder*innen in viel besseren Jobs arbeiten als sie selber. Warum der Boom der indischen Community in Berlin kein Zufall ist
Wäre ich das hier schreibe, spielt mir der Streaming-Dienst der Wahl2Bloodywood auf den Lautsprecher, eine Heavy Metal Band aus Neu Delhi. Und meine Güte, Heavy Metal und Bollywood passt so gut zusammen. Ich bin fasziniert.
Die Berliner Ringbahnbrücke ist gesperrt. Bis 2027. Oder kürzer. Oder länger. Genau weiß man es nicht. Diese Brücke betrifft nicht die Ringbahn direkt. Sie führt die Stadtautobahn A100 über die S-Bahn.
Halb Charlottenburg droht in den nächsten Monaten im Verkehrschaos zu versinken. Unsere Anfahrt zu den Latifundien hat sich gerade deutlich verkompliziert und verlängert.
Oh Welt, in der es soviel sexier ist, etwas neu auf die Wiese zu setzen, statt das alte instand zu halten.
In der sonnigen Südkreuz-Mittagspause sehe ich die Shuttlebusse zum Tesla-Werk. Ich staune, wie sich in wenigen Wochen meine Gedanken von „Da fährt die Zukunft. Und das direkt vor meiner Nase.“ verwandelten in „Ein Wunder, dass noch niemand die Busse angezündet hat.“
Langsam wird es auch eng mit Sitzplätzen in meinem ehemaligen Miniatur-Geheimpark, er wird quasi täglich beliebter. Heute lagen schon tschechische Bibeln auf der Bank.
Gute Nachricht: Der Paketdienst brachte rote und rosa Schuhe in den Späti-Paketshop.
Auf der guten Seite: Unsere Dachbaustelle ist im sexy Teil angekommen, wo neues gebaut wird, wo die letzten Teil des Dachstuhls angenagelt werden. Es gibt Chancen, dass zumindest diese Baustelle jemals beendet wird.
Ich habe Hoffnung, dass auch der ganze Baustellengruscht vom Hinterhof verschwindet, der zunehmendes Slalomisieren dort verlangt. Zumal das Autowrack weiterhin keinerlei Anstalten macht zu verschwinden.
Die Spannung der letzten Woche fällt ab. Madame muss Freitag noch Schokostengel übergeben, aber dann sind wir mit den Spätwinterstressungen durch. Ich hätte schon die ganze letzte Woche einfach durchschlafen können, wurde aber mühsam von meinem Arbeitgeber gehindert.
Ich muss dort um 9 Uhr anwesend sein, und es ist selten sinnvoll vor 7:30h zu kommen. Innerhalb dieser Zeitspanne bin ich frei in der Ankunftsgestaltung. An meiner echten Ankunftszeit lässt sich ganz gut die Energie des Tages ablesen. Je früher, desto Energie. Ich glaube die ganze Woche kam ich zwischen 8:50h und 8:58h.
Aber so sehr langsam beginne ich wieder aktiv Außenwelt wahrzunehmen. Bei den Bädern bin ich gerade in ein paar ganz spannende Sachen hineingeraten, und werde demnächst ein wenig Spieltrieb ausleben können.
1e30
Langsam beginne ich auch, über das nächste Fernuni-Semester nachzudenken. Zum Beispiel die Bachelorarbeit. In dieser wird es nach Plan um Lineare Programmierung gehen. Also grob gesagt, um Gleichungssysteme der Form:
Es gibt eine Zielfunktion \[ \max. 30x + 10y + 5z \]
Unter einschränkenden Nebenbedingungen. Also zum Beispiel
\[x \le 10 \]
\[y + z \le 20 \]
\[x – z \le 15 \]
Die Zahl der Nebenbedingungen kann bei eins beginnen und mehrere Tausend umfassen.
Das Lösen solcher Gleichungssysteme ist an sich nicht schwer. Es bedarf nur der Addition und Multiplikation. Allerdings ist das ganze stark Rechenfehleranfällig. Selbst in einfachen Beispielen hat man schnell Dutzende von Rechnungen mit verwirrenden Vorzeichnungen und komischen Brüchen. Wird man realitätsnäher mit einer höheren Anzahl Nebenbedingungen kann man Wochen mit dem Ausrechnen zubringen.
Während ich Seminararbeit noch von Hand rechnete und fluchte, bedarf es für Weiteres der Softwareunterstützung. Dabei lernte ich: Die Sache wächst so schnell so stark, dass selbst im Jahr 2025 viel Software an ihre Grenzen kommt. Softwarelaufzeiten und Laufzeiten der Berechnungen sind hier immer noch ein Thema. Viele der angebotenen Softwarelösungen kommen schnell an ihre Grenzen, wenn die Fragestellungen nur etwas komplexer werden.
Es gibt unfassbar teure Industrielösungen, aber für einfachere Fälle auch alles vom Excel-Plugin bis zu Standanlone-Programmen mäßiger Bedienfreundlichkeit.
Excel kommt mir nicht in Haus. Industrielösungen scheinen mir overkill, die standalone-Programme eigentlich auch.
Da hier im Haushalt in letzter Zeit öfter von der Programmier/Statistiksprache R die Rede war, und weil ich R mag, dachte ich, warum nicht R? Und begann heute mal ganz langsam ein paar Videos zu schauen und Websites zu sichten.
Erste Entdeckung: Fast alle Videos zum Thema wurden von Indern aufgenommen. Zweite Entdeckung: Im Moment scheint die Lösung die beiden Software-Pakete lpsolver und lpsolverAPI zu umfassen. In RStudio die beiden Packages aufrufen und dann alles mit den entsprechenden Daten füttern.
Dritte Entdeckung: Selbst bei einfachen Fragestellungen gibt es hier unerwartete Grenzen. In bestimmten Fällen weist lpsolver gar nicht den echten Wert aus, an dem eine Begrenzung gültig wird, sondern gibt nur an: 1e30, oder \[ 10^{30} \], also sehr viel, bzw. unendlich. Da sollte man bedenken, dass 1e30 heißen kann: Die Lösung ist unendlich groß. Oder: Hier ist ein Bug.
Und solange ich noch gar keine offizielle Bestätigung habe, dass ich Anfangen darf – geschweige denn, dass ich angefangen habe, kann ich ja ein wenig mit Software spielen und mir Videos anschauen.
Gelernt
Hervorragenden Bubble Tea gibt es bei Xing Fu Tang in Flushing, Queens, New York. Denn mein Mastodon-Admin Kunal Mehta verbringt das Jahr 2025 damit Boba Shops in ganz New York zu testen. Boba Quest: Xing Fu Tang
Die Sonnenwende ist kein Tag, sondern ein Zeitpunkt. Dieses Jahr am 20. März um 10:01 MEZ – The Vernal Equinox 2025
Ich habe nichts mit Schul-Digitalsierung zu tun. Aber das Phänomen kenne ich: Man baut analoge Prozesse 1:1 digital nach und hat sich plötzlich in eine Sackgasse manövriert, die das schlechteste aus beiden Welten enthält. Mein persönlicher Lieblingsgegner ist ja inzwischen AdobePro, mit dem sich so schön ausdruckbare Formulare gestalten lassen. Hier ist es die digitale Mappe: Digitale Mappenführung – Sackgasse für die digitale Schulentwicklung?