Kategorie: Alltag

  • 25-04-22 Als wir abfuhren, läuteten die Kirchenglocken

    25-04-22 Als wir abfuhren, läuteten die Kirchenglocken

    Paris-Nachhall

    Um diesen Post langweiligstmöglich zu beginnen, zwei Korrekturen zum letzten Post:

    Das Restaurant Le train bleu liegt natürlich nicht im Gare du Nord, sondern im Gare de Lyon. Die opulenten Deckengemälde mit den Reisezielen in Südfrankreich hätten mir eine Erinnerungsstütze sein können.

    Zum Jardin du Luxembourg fuhren wir nicht mit der Metro, sondern mit der RER, der Pariser Version der S-Bahn.

    Ein letztes Paris-Erlebnis: Da wir Karfreitag morgens zum Zug wollten, fragten wir, ab wann Frühstück ist. „Na, um sieben. Wie jeden Tag“ – „Ist das nicht anders, weil morgen Feiertag ist?“ – Der Rezepzionist war mehr verwundert ob unserer Frage. Wir erklären, dass sich in Deutschland die Frühstückszeiten an Wochenenden und Feiertagen ändern. Er, mit einer Fassungslosigkeit tief aus der Seele: „Im Hotel???“. Hätten wir erwähnt, dass sich in Deutschen Hotels Sonntags jeder Gast selbst eine Wurststulle mitbringen muss, er hätte nicht überraschter sein können.

    Trier

    Aber Paris ist schon fast eine Woche her. Der Koffer mit dem Trier-Gepäck hingegen steht noch unausgepackt im Flur. Also eigentlich natürlich der Koffer, mit den Pariser und den Trierer Sachen. Denn wir fuhren von Paris mit dem TGV nach Saarbrücken und von dort mit Regios nach Trier.

    So der Plan.

    Regio und ein TGV fast ausschließlich in Frankreich – was soll schon schief gehen?

    Krieg! Der zweite Weltkrieg. Eine Fliegerbombe. Und plötzlich fuhr unser TGV nicht mehr nach Saarbrücken, sondern nach Mannheim – mit dem Regio zwei Stunden in die falsche Richtung entfernt. Mit uns zusammen wollte der halbe TGV zurück nach Saarbrücken.

    Wir sahen Szenen.. ein Regio bei dem Menschen mit Gesichtern an die Tür gedrückt standen.. Paare die sich lautstark auf dem Bahnsteig anbrüllten.. ein erwachsener Mann der mit voller Wucht auf den Tresen der genervten Warme-Semmel-Verkäuferin schlug. High Life im Regionalverkehr.

    Aber mit Madame kann man selbst unter diesen Umständen gut und entspannt verreisen. Immerhin wissen wir jetzt, dass mensch bei Yormas im Bahnhof Kaiserslautern auch mal eine Stunde warten kann, direkt nebenan sogar noch eine echte Bahnhofsgaststätte existiert.

    Trier, jetzt wirklich

    Wir kamen an. Kellerkind holte uns am Bahnhof ab, setzte uns im Holiday Inn neben Mosel und Freibad ab und erläuterte das weitere Programm.

    Drei Essen

    Drei Abendessen mit Kellerkind und anderen Gästen.

    Kulinarisch am bemerkenswertesten: Die Brasserie Sim, eine langsame Entwöhnung wieder vom Pariser Sieben-Gänge-Menü zum „Mittagstisch im Forum Esswirtschaft / Berlin“. Ich hatte Bouche de la mer (Königinnenpastete mit Meeresfrüchten – passend zum Karfreitag), Madame Cordon Bleu mit Münsterkäse.

    Die Meeresfrüchte-Etagere mit Hummer und Austern versuchte uns. Aber die anderen, uns vorher unbekannten, waren viel zu sympathisch und spannend, um eine Etagere zwischen sie und uns zu platzieren.

    Das speziellste Essen, zwei Tage später im Brauhaus: der Kellner, der mitbekam, dass es etwas zu Feiern gab und spontan Teller und Gabeln für den mitgebrachten Geburtstags- und Taufkuchen brachte und dazu noch einen Cocktail spendierte.

    Drei Städte

    „Immer diese römischen Sarkophage. Immer wenn wir graben, finden wir neue Sarkophage aus antiker Massenfertigung.“, klagte Bruder Gregor, „Die will schon lange kein Museum mehr haben. Aber Schreddern können wir sie auch schlecht. Also haben wir eine Garage angemietet, um sie aufzubewahren, mittlerweile stehen sie auch im Garten des Klosters.“ – Trier in a nutshell.

    Die römische Stadt

    Trier, die älteste Stadt Deutschlands mit der ältesten romanischen Kirche Deutschlands und der ältesten gothischen Kirche Deutschlands, Hauptstadt des römischen Galliens – und seitdem ging es irgendwie bergab.

    Wir liefen mehrfach an der Porta Nigra vorbei, besichtigten die Konstantinbasilika aus dem 4. Jahrhundert und die Kaiserthermen aus ähnlicher Zeit. Letztere ein eindrückliches Beispiel dafür, dass Protzbauten auf der grünen Wiese auch um 380 n. Chr. schon beliebt waren. Was für ein Gangsystem.

    Leichtes Gelächter allerdings bei allen mit der Bahn angereisten, die Triers historischen Bedeutung mit der „verkehrsgünstigen Lage“ erklärt fanden.

    Die katholische Stadt

    Kellerkinds Heimatgemeinde nach Wohnort feiert die Messe nach dem Tridentischen Ritus. Die traditionelle katholische Messe, die seit dem Zweiten Vatikanischen Konzil abgeschafft wurde, von Papst Benedikt in engen Grenzen wieder eingeführt und unter Franziskus nur in sehr viel engeren Grenzen, in wenigen Einzelfällen unter gerade-noch-so-Duldung erlaubt wurde. Wer die Tridentische Messe feiert muss wirklich sehr davon überzeugt sein, zum konservativen Flügel des Katholikentums gehören zu wollen.

    Kellerkind möchte nicht Teil dieser Gemeinde werden.

    Trier, die Stadt in der an jeder Straßenecke eine historische Kirche mit lebendiger Gemeinde steht. Die Stadt, die ihrem bekanntesten Sohn, Karl Marx, die 50 Meter Straße widmete an der das Sex-Kino und die beiden Nachtbars stehen, die Stadt wo es Weihwasser in Kanistern zum Selbstabholen gibt, Trier ist besonders.

    Kellerkind erzählte: Als sie damals nach Trier zog, und kurz darauf der Papst starb, läuteten 30 Minuten lang sämtliche Kirchenglocken der Stadt.

    Die moderne Stadt

    Wir kauften Schuhe und sahen eine Nazi-Demo. Die Stadt war über die Ostertage überfüllt. Die Chance bei Calchera, familiengeführtes italienisches Eiscafé seit 1937, einen Platz zu ergattern, waren Null.

    Wir zogen weiter, fanden einen Schuh-Räumungsverkauf und waren erfolgreich. Kurz darauf fanden wir einen anderen Eiscafé-Platz bei San Marino, saßen friedlich, als plötzlich die Nazi-Demo durch die Stadt zog.

    Der ehemalige Ballermann-Sänger Björn Banane – I kid you not – war Stargast einer Demo irgendwo zwischen Querdenkerdemo und waschechten Neonazis. Die Gegendemo war auch anwesend.

    Er herrschte mittelschweres Weimarer-Republik-Feeling wenn man nichtsahnend in eine friedlichen Kleinstadt kommt und plötzlich linke und rechte Demos an einem vorbeiziehen. Beunruhigend: (1) Sie waren beide ungefähr gleichgroß. (2) Bei der Banane-Demo war ein ganzer Block, der optisch als gewaltbereite Neonazis erkennbar war – der die ganzen anderen Querdenker aber nicht weiter störte. (3) Der im Café herübergewehte Gesprächsfetzen vom Nachbartisch „Irgendwie haben sie ja recht.“

    Wir hatten zum Glück die Gelegenheit uns auch noch länger zu den Omas gegen Rechts zu begeben und etwas mitzudemonstrieren.

    Neben Nazis sahen wir auch einen Stapel Eidechsen. Das war netter.

    Ein Ereignis

    Aber wir waren weder nach Trier gekommen um Schuhe zu kaufen, noch im Römer zu schauen. Das katholische Trier hatte eingeladen. Nun ist Glaube etwas höchstpersönliches; der Versuch eine Glaubensmotiviation nachzuvollziehen schon von Beginn an zum Scheitern verurteilt. Und so bleibe ich beim flapsigen: Kellerkind wurde vom katholischen Trier infiltriert. Aufgewachsen in atheistisch/agnostisch/protestantischer Umgebung, hatte sie sich mit Ü30 entschieden, sich taufen zu lassen – katholisch.

    Als wir hörten „Erwachsenentaufe. In einer Klosterkirche durch die Mönche. In der Osternacht“ wollten wir sofort eingeladen werden und wurden erhört.

    So als quälten wir uns Nachts um 3 aus dem Bett, um uns um 4:05h vom vorbestellten Taxi zur Benediktinerabtei St. Matthias bringen zu lassen. (Mit dem einzigen Apostelgrab nördlich der Alpen – Trier natürlich). Warten auf dem Mönch.

    Ein Mönch verteilte Kerzen (nicht, wie zuerste gedacht: Kaffeebecher; oder Schnapsgläser), das Osterfeier brannte.

    Wir zogen in die dunkle Kirche. Es folgten zweieinhalbstunden Messe. Erst die komplette Osterfeier. Dann ein die Taufe (Kellerkind bekräftigte nachdrücklich den Glauben und widersagte dem Bösen). Dann die Tauferneuerung – Mönche verteilten Taufwasser, dass sich die anwesenden Gläubigen noch einmal aufbringen konnten; der agnoistische und evangelische Teil der Gäste verzichteten – dann ein kompletter Abendmahlsgottesdienst mitsamt Kellerkinds Erstkommunien und einem beträchtlichen Teil der ,Allerheiligenlitanei, endend mit „Heilige Scholastika, bitte für uns.“

    Irgendwann zwischendurch auch noch die Firmung, zu der das Öl offensichtlicht aus dem heiligen Flachmann geschüttet und bereitet wurde.

    Vorher hatte es noch Diskussionen gegeben, ob die Protestanten an der Kommunion teilnehmen können und sollen (alle Anwesenden einschließlich der Mönche im Prinzip dafür, Kirchenrecht dagegen), ich persönlich entschied mich als Freund der Formvorschrift für eine unabendmahlsliche Segnung.

    Durch die Kirchenfenster zu sehen: die Verwandlung der dunklen Nacht über das Morgengrauen in den Tag.

    Danach, frisch errettet und durchgefroren ein kleines Nachgottesdienstfrühstück mit der Gemeinde, danach ein größeres Frückstück mit der Klostergemeinschaft im Refektorium. Am Tisch, Bruder Gregor, ein Mensch mit dem wir noch hätten stundenlang sitzen können und wortwörtlich über Gott und die Welt reden können.

    Ein Abschied, der Papst stirbt

    Am Bahnsteig erfahren wir das der Papst gestorben ist. What’s App meldet – Spiegel und New York Times wissen nichts – aber Bild.de bestätigt. Als wir in den Zug steigen, beginnen die Glocken zu läuten.

    southpark spielt mit ChatGPT

    Auch ein Ergebnis der Reise. Ich spielte viel mit ChatGPT, schaute was geht und was nicht. Aber dazu an anderem Ort mehr. Ich hoffe, ich bin inzwischen wieder auf einem sozialverträglichen Maß des Spielen angekommen. Aber etwas müsst ihr jetzt damit durch.

    Prompt1 : Erstelle mir passend zum Blogtext oben eine Illustration als Ergebnis und verschiedene Empfehlungen. Ergebnis:

    Outfit-Empfehlungen (50 Jahre)
    Frau: Zweireihiger Leinenmantel in Ecru mit handgestickten Details, kombiniert mit Seidentuch aus Lyon.
    → Elegant nostalgisch, kontinentales Flair; tragbar beim Stadtbummel wie zur Tauffeier im Kloster.

    Mann: Marineblauer Sakko-Mantel mit Cordkragen und St. James-Schal, dazu graue Bundfaltenhose.
    → Klassisch-französischer Provinzstil, unauffällig distinguiert; passt in Trier wie Paris, auch im Regionalzug.

    Kulinarik für ein Paar (50 Jahre)
    Gebratener Wolfsbarsch auf Fenchel-Orangen-Bett mit Pastis-Butter, dazu Blätterteig-Tarte Tatin und ein Glas Crémant de Die.
    → Französisch ohne Überladenheit, feierlich, aber nicht prätentiös – perfekt zwischen Baptisterium und Bahnhof.

    Musik
    Lucrecia Dalt – „Atemporal
    → Subtile elektronische Meditation über Zeit, Erinnerung und Identität – für späte Stunden in Klosterfluren oder auf Bahnsteigen.

    Film
    „The Secret of Roan Inish“ (1994) von John Sayles
    → Mythen und Realismus verschmelzen; Erinnerung, Glaube und Zugehörigkeit verankert in Landschaft und Familie – weich und weise erzählt.

    ? Roman
    Ruth Gilligan – „The Butchers’ Blessing“
    → Irische Glaubens- und Übergangsriten, aufgearbeitet in einem Roman über Mütter, Märtyrer und Märkte. Wild, intim und erschütternd schön.

    ? Sachbuch
    Lauren Elkin – „Flâneuse: Women Walk the City in Paris, New York, Tokyo, Venice and London“
    → Essayistischer Spaziergang durch urbane Räume aus weiblicher Perspektive. Reflexion über Öffentlichkeit, Identität und Bewegung – wie geschaffen für Paris-Nachhall-Leser:innen.

    1. Sinngemäß. In Wahrheit waren die Prompts etwas komplexer und auch mehr als einer. ↩︎
  • 25-04-20 Keine Tauben in Paris

    25-04-20 Keine Tauben in Paris

    Ein Versuch das eigene Leben schriftlich nachzuholen, zum Glück ausschließlich erfreulich.

    Von Dienstag bis Freitag: Drei Tage in Paris.

    Ich hatte mir vorgenommen, die Stadt zu ignorieren. Mir war das Film-Fernseh-Paris zu anstrengend. Es gibt viele andere spannende Städte auf der Welt. Aber Madame überzeugte mich und wir blieben von Dienstag Abend bis Freitag früh.

    Fazit: ich könnte dort hinziehen. Ernstlich – mit Geld verdienen, Handwerker suchen, im Berufsverkehr in der Metro – also Alltag leben. Eine Bestätigung für mich: ich bin Stadtmensch. Und: Paris ist Stadt.

    Weil es natürlich viel zu viele der Eindrücke waren, erst ein Ablauf, dann einige Szenen.

    Abfahrt aus Berlin mit dem ICE 9590 aus Berlin Hauptbahnhof nach Gare de L’est. Dort gingen wir zu einer Tür des Bahnhofsgebäudes hinaus, über Bahngelände zu einer anderen Tür wieder hinein und standen im Hotel Okko. Es war inzwischen 21 Uhr – Abendessen im Bouillon Chartrier – das Tagesmenü aus Selleriesalat, Rinderzunge und Milchreise zum schmalen Taler.

    Mittwoch: Bummeln durch den Marais mit Place des Vosges und Pessach-Angeboten der Falafel-Stände (Pastrami-Sandwich in Matze anybody?) – aber wir hatten andere Essenspläne. WIr liefen zu Fuß zum Gare du Nord in Le Train Bleu.

    Wenn schon in Paris, dann richtig.. ein Restaurant-Innenraum, mit der übertriebensten 19.-Jahrhundert-Bahnhofs-Grandezza vorstellbar (Bilder), sieben Gänge beginnend mit Fricassée de morilles et petits pois au vin jaune und drei Stunden später endend mit Fraises, basilic et vanille de Madagascar. Dazwischen wir, mit dem Gefühl an einem Theaterstück teilzunehmen mit dem halben Dutzend Kellner*innen, den Crepes Suzettes am Nebentisch und dem Servierwagen (vermutlich auch aus dem 19. Jahrhundert) mit dem die Lammkeule herangefahren und abgesäbelt wurde.

    Nach drei Stunden des Schlemmens waren wir nicht mehr ganz so energetisch, nahmen eine Metro zur Pont Neuf, von dort ein Boot. Die Dame, die Paris erläuterte hatte ihren allerersten Tag im Job, war dementsprechend nervös, ich lernte aber, dass la tour eiffel auch auf englisch ganz eindeutig eine „she“ ist.

    Die Idee, in der Vor-Oster-Woche unser Glück in Notre Dame zu versuchen – wenig erfolgreich. Die Suche nach Zahnpaste führte uns tiefer in das Viertel um den Gare de L’est, auch Klein-Abidjan, oder Klein-Afrika genannt und schließlich in einen Überraschungs-Laden mit Marienkäfer-Symbol, der vorne nach Späti aussah und durch diverse überraschende Hinterzimmer schließlich ein komplettes Supermarktsortiement samt Tiefkühlung, Kühlung und Haushaltswaren offenbarte.

    Ich glaube irgendwo zwischen Menschen-in-der-Metro-schauen und Klein-Afrika beschloss ich, dass Paris eine Stadt für mich sein könnte. Nur die vielfach versprochenen allgegenwärtigen Tauben sahen wir quasi nie. Kein Berlin-Vergleich. Sie zeigten sich nur als Geheim-Tauben, indem zahlreiche Parkbänke der Stadt in die Unbenutzbarkeit schiessen.

    Donnerstag: Mit der Metro (wieder) zum Place de Republique, schon mal den Anleger am Canal Saint-Martin suchen. Das erwies sich als gar nicht so einfach, aber wir entdeckten: es gibt einen wunderhübschen Park direkt zwischen unserem Gare und dem Anleger, wir hätten uns die Metrofahrt sparen können.

    Richtig mit der Metro zum Jardin du Luxembourg, Stühle, Französischen Senat, Modellboote und Franzosen schauen. Nur die versprochenen schachspielenden Rentner fehlten und danach zu Fuß durchs Viertel (Saint Germain?). Ein zweiter Weg zum Gare und dann durch den entdeckten Park zum Canal – das Boot war da, unser Timing perfekt. Wir hatten den besten Platz auf dem Boot.

    Ein Fahrt folgte über den Kanal – inzwischen ein Bilderbuch-Amelie-Romantik-Paris, ehedem die Kloake der Stadt – und dann einige Kilometer durch den Kanaltunnel unter den Pariser Straßen hindurch. Zum Abschluss nochmal die Seine-Tour, diesmal mit einem Guide, der nahezu perfekt englisch Sprach. Und natürlich „The Eiffel tower. She is..“

    Abendessen wieder im Bouillon Chartier – Frisee-Salat, Rinderfilet, Baba au rhum – wieder fasziniert vom ganzen Bouillon-Konzept. Der Vorteil, wenn das Hotel im Bahnhof ist: man kann den Orient-Express kurz vor der Abfahrt sehen. Es begann mit der inneren Frage „Warum steht ein Blankpoliertes Holzmöbel mit Goldbeschlägen auf dem Bahnsteig.“

    Freitag, ein letzter Tag im Bahnhof, bevor uns ein TGV nach Saarbrücken bringen sollte, aber wir in Mannheim ausstiegen. Aber das ist eine Geschichte für den nächsten Post.

  • 25-04-15 Gare de l’est. Notre terminus.

    25-04-15 Gare de l’est. Notre terminus.

    Ein Glück, dass die Pariser Metro auf gasgefüllten Gummireifen fährt: die Métro sur pneumatiques

    Denn sonst hätten Madame und ich uns vielleicht nie über die Pariser Metro unterhalten. Oder über Paris. Und sie hätte nie erfahren, dass ich noch nie in Paris war. (Außer dem einen Nachtzug 1993, der mich über den Pariser Außenring direkt von Montpellier nach Calais gebracht hat).

    Dann hätte sie mir keinen Paris-Aufenthalt geschenkt. Und ich wäre jetzt nicht im Hotel Okko am Gare de l’est. Und wir wäre davor nicht im Bouillon Chartier gewesen. Und hätten nicht den ICE von Berlin nach Paris genommen mit dem Zugchef mit dem hinreißenden Akzent.

    Alles nur weil die Metro auf Gummireifen fährt.

    Am Wochenende: Manchmal bekommt man einen Baum geschenkt. Vielen Dank.

  • 25-04-12 Die Schlüsselblumen sind Hammer

    25-04-12 Die Schlüsselblumen sind Hammer

    Was ist kalt und springt von Baum zu Baum?

    • Ein Eishörnchen.

    Für solche Inhalte abonniere ich den Oranienburger Generalanzeiger.

    Madame las nachts um drei Urteile des Supreme Courts.

    Wir hören Podcasts zur amerikanischen Politik. Wir haben „mögest du in bewegten Zeiten leben“ lange hinter uns gelassen. Inzwischen müssen die Podcaster Uhrzeiten sagen, zu denen sie aufnehmen, um nicht komplett von der Lage der Welt überholt zu werden.

    Auf dem Baugerüst liegt ein Adventskranz.

    Die Dachziegel liegen weiterhin auf der Straße und nicht auf dem Dach.

    Nachdem Hühnerwald vor kurzem noch das Iftar-Menü zum Ramadan anbot, steht jetzt „Halbes Hendl“ auf der Karte. Ich liebe dieses berlinerische Springen durch die Kulturen.

    Ich bin jetzt auch offiziell für Juni/Juli/August teilgezeitet. Zur Feier des Moments habe ich mir von einem LLM gleich mal einen detaillierten Arbeits- und Ablaufplan Bachelorarbeit bis Ende Juli aufstellen lassen. Wirkt durchaus ambitioniert.

    Es gibt die Freitage an denen man sich das Wochenende nochmal richtig verdient. Immerhin. Am Ende hat wieder alles funktioniert. Wir sind noch nicht sicher, ob wir oder Microsoft schuld waren.

    Zwischendurch mit einer Kollegin gesprochen und festgestellt, dass ich es mag, mit „IT“ in einer Ecke des Arbeitsmarktes angekommen zu sein, bei der die Toleranz gegenüber albernem Quatsch vergleichsweise hoch ist.

    Aurorafalter

    Der Frühling gibt sich nicht mehr mit Vorfrühling ab. Jetzt aber richtig. Die Narzissen blühen wie blöde. Ebenso Schlüsselblumen und Hyazinthen. Alle Bäume und Sträucher, die blühen können, setzen Knospen an – außer dem gelben Ginster. Die Obstbäume haben geschickt gewartet bis der Nachtfrost vorbei ist, setzen mit Blühen gerade an.

    Am Taubnesselvulkan kann man bald mit bloßen Händen Insekten schöpfen. Über dem Rapsfeld die Greifvögel. Die Kohlmeise schaute neckisch. Nur der Hausrotschwanz bleibt verschollen. Am Kompost: Ein Aurorafalter. Ein wirklich schönes Tier und für uns beide soweit wir erinnern die Lebenserstsichtung.

    Die Bratwurstauswahl von Rinderstolz und Wildeslust wird von Woche zu Woche größer. Wir gingen mit Käse-Jalapeno, Wildschwein, Mediterran und Bärlauch. Die Spargelhäuschen haben wieder offen. Der Spargelhof selbst verkauft wieder geschälten Spargelbruch in der großen Tüte für den schmalen Taler.

    Das Zwielicht der Kraniche

    Weiterspielen mit ChatGPT. Und so sehr es gewisse Teile in mir schmerzt: das letzte Mal als ich ein ähnliches Gefühl hatte, war als ich die Existenz von Uni-Bibliotheken entdeckte.

    Nur anders: Denn die starke Seite der Uni-Bibliothek, Fakten-Wissen und Recherche, ist die schwache Seite von ChatGPT. Denn Large Language Models halluzinieren per Prinzip. Wer nur Wörter aneinanderreiht und keinerlei Realitätsbezug hat, kann schlecht Aussagen über Realität machen.

    Was aber unglaublich gut funktioniert: Als Kreativratgeber und Hirnweiterung. Ich darf im 5-Minuten-Takt seltsame Ideen haben, und jemand denkt sie dann zwei drei Schritte weiter, klärt für mich wie seltsam die Idee denn nun wirklich ist.

    Bei der Produktion von Fiktionalem bin ich weiterhin angetan. Lustigerweise fällt selbst hier der fehlende Bezug auf irgendeine Ebene außerhalb des Textes auf. Das LLM kann Stil besser als Handlung oder Plot. Ganz finster sieht es beim Thema Kontinuität aus.

    Aber dann muss man per Prompt nachhelfen. Das klappt. Weiterhin warte ich gespannt auf jede neue Folge der Archenfeld-Saga.

    Gelernt: Schreibe Posts von Blog a im Stil von Blog b klappt sehr verschieden, je nach Blog. Von manchen Blogs bekommt das Werkzeug des Bösen die Tonalität nahezu perfekt hin; bei anderen Blogs von klappt es gar nicht.

    Was gut geht: „Inszeniere eine Oper als wärest du Barrie Kosky von der Komischen Oper im Setting… mit der Handlung.. und der Stimmung…“ Es kommen vielleicht keine funktionierenden Opern dabei raus. Aber es ist erschreckend nah dran, und auf jeden Fall viele Ideen zum Weiterverfolgen.

    Was auch gut geht: Die FIlmreihe „Garten und Film mit Musik und Essen.“ Ich bin kurz davor, sie mit genau diesem Programm durchzuziehen.

    Bald bin ich sicher wieder zu kritischem Denken fähig bei dem Thema.

    Derzeit aber fühle ich mich noch, als wäre Lithium auf Luft getroffen. Leider komme ich gerade zu nichts anderem. Deshalb keine Links. Muss Ideen auf den Chatbot werfen.

  • 25-04-09 In den Raum tritt Dr. Hans-Leopold von Archenfeld, Senior Consultant Emeritus, Träger der goldenen Taschenrechnernadel.

    25-04-09 In den Raum tritt Dr. Hans-Leopold von Archenfeld, Senior Consultant Emeritus, Träger der goldenen Taschenrechnernadel.

    Auf der Straße liegen frische Dachziegel. Vielleicht dürfen wir hoffen, dass diese eines Tages auf den Dachboden hinauffahren und dann vielleicht sogar auf dem Dachstuhl enden.

    Der Bahnhof Südkreuz – voll mit Jugendreisegruppen.

    Das Bahnhofsklavier zog von der Ost- in die Westhalle. Es machte Platz für eine Kulturhauptstadt-Chemnitz-Werbung in der Osthalle.

    Madame bestand 2A1.

    Mastodon streitet, ob wir in den USA gerade einen durchdachten Masterplan sehen oder bodenlose Dummheit. Und die Antwort ist: Beides. Es gibt Menschen mit Masterplan. Aber die Pläne müssen durch einen Menschen durch, der keinerlei Plan und keine langfristigen Ziele hat, aber dafür Bauernschläue und einen instinktiven Hang zu Grausamkeit und Chaos.

    Und dann passiert was halt gerade passiert. Irgendwo zwischen perfider Machtstrategie und der totalen Unfähigkeit zu erkennen, dass Natur- und Marktgesetze halt auch für einen selber gelten.

    Meine Erkältung reist ab. Leider nicht ohne Zwischenstopp bei Madame.

    Rumspielen mit Karpfen

    Weiteres Rumspielen mit ChatGPT. Unter anderem mit den Prompts „Stell Dir vor, du bist ein betrunkener Matrose.. preise OneNote an“, „Stell Dir vor, du bist ein charismatischer Priester der Pfingstgemeinde. Schreibe eine Mail, die Kollegen davon überzeugt, dass Programm A besser ist als B..“, .. „Erzähle ein Märchen, dass sich um .. MS Planner“ und eine Fantasy-Geschichte mit einem unauffälligen Büromitarbeiter, der heimlich Tiermagier ist.

    Ich bin erschüttert, wie gut der Output ist.

    Was ich nicht gedacht hätte, aber um die Zukunft der Gebrauchstextschreiber mache ich mir Sorgen. Und damit meine ich ernsthafte Texte, die echten Menschen Wissen vermitteln soll – die Produktion von Internetmist ist ja eh inzwischen voll automatisiert.

    Ungelogen. Die Fantasy-Geschichte ist besser als ein Großteil dessen, was ich in der Buchhandlung an halbwegs renommierter Fantasy gekauft habe. (Ein Eindruck, der mir auch von Kollegen bestätigt wird.)

    Als mir die freien Prompts ausgingen, saß ich da und dachte „NEIN! Ich will Wissen wie es mit Quintus V. Chartwell – Protokollant der Schatten, Mirella Synk – Die Agile Change Witch und dem Kampfkunstanalyst & Pivot-Schamanen Dr. Hans-Leopold von Archenfeld weitergeht.“

    Sehr beeindruckend und sehr beängstigend.

    Wie man sieht, spielte ich auch wenig mit Bildern. Und mal ehrlich: für so etwas berechnen kommerzielle Berater drei- bis vierstellige Summen. Es ist auch nicht besser als das was ChatGPT in 10 Minuten hinbekam:

    Haltet die Bücher fest

    Das sind doch wirklich sinnvolle Blogartikel: Wo steht die Zählernummer?

    Die Zeit ist gekommen. Verlage wollen keine Bücher mehr verkaufen, sondern nur noch verleihen. Natürlich fangen die wissenschaftlichen Verlage an. Was mir vollkommen entging: On February 18, 2025, Clarivate announced that as part of its “transformative strategy and following changes in demand from libraries” it would “phase out one-time perpetual purchases of print books”

    Als Anhänger von Deutschlandfunk und Architektur des 20. Jahrhunderts doppelt geliebt: Deutschlandradio in Köln: Turm mit Sendungsbewusstsein (via Ligne Claire)

    Wer jemals mehr als fünf Meter durch eine polnische Stadt gelaufen ist, kennt die allgegenwärtige Kiosk-Kette Żabka . Jetzt auch in Potsdam: Kassenloser Żabka Nano in Potsdam: Grüner Smiley im Tarnmodus

  • 25-04-07 Peak Taubnessel

    25-04-07 Peak Taubnessel

    Ein fauler Tag am Sonntag, und das ist auch gut und notwendig so.

    Mir träumte, ich suche einen Kollegen an einer russischen Universität. Ich bin legitim dort, darf also durch das Gebäude im Zuckerbäckerstil laufen. Dennoch ist eine Stimmung von Angst und Furcht greifbar. Wachsoldaten in Camouflage reiten auf Nashörnern und greifen wahllos dunkelhäutige Menschen aus der Menge.

    Nach dem Aufwachen: Das Radio verkündet einen Tarifabschluss im öffentlichen Dienst. Auch nach drei Jahren in diesem Umfeld muss ich mich noch an den Gedanken gewöhnen, dass es dabei um mein höchsteigenes Gehalt geht.

    In der Zeit steht etwas von „Wir linke Bildungsbürger dachten..“ und es beruhigt mich, dass ich bei diesem „wir“ keinesfalls mitgemeint sein kann. Generell wäre es mir unheimlich, wenn ich erfolgreich von einem deutschen Medium gewirzt werde.

    Aus Gründen lese ich derzeit ein paar Unternehmensberatungs-Whitepapers zu KI und muss oft an Debbie denken. In den meisten der Papers könnte man KI durch „Magical Fairy Dust“ ersetzen, ohne dass es an Substanz einbüsste.

    Nachtrag vom Samstag: Anscheinend hat inzwischen wirklich die gesamte Zielgruppe ein bis drei Gasgrills und Außenküchen gekauft. Die entsprechende Abteilung im Baumarkt rüstet auf Pizzaöfen um.

    Das keineswegs perfekte Grau

    Ausgelesen: Das perfekte Grau. Roman, 2024 von Salih Jamal.

    Eine Gruppe von vier Outcasts zieht auf der Flucht vor der Polizei und sich selber vom einem heruntergekommenen Hotel an der Ostsee auf Boot und Fahrrad quer durch die Mecklenburgischen Seen.

    Karls Erdbeerhof hat einen Cameo-Auftritt. Am Ende geht es mit den Zug nach Salzburg und Altötting,. Dort finden sie sich mehr oder weniger selbst. Außerdem beschließen sie, dass das mit der Polizei gar nicht so schlimm ist und es keinen Grund zum Weglaufen gibt.

    Zentraler Teil des Buchs sind die Kapitel zwischen Hotel und Erdbeerhof, die bei mir im besseren Sinn Huckleberry-Finn-Erinnerungen auslösten. Gehobene Unterhaltungsliteratur mit Abenteuerromanflair.

    Beim Lesen war ich weiterhin mittelglücklich. Ich kam zum Fazit, dass es halt ein Jungsbuch ist. Bei der Erkenntnis half, dass sich der Ich-Erzähler gerne auf die beiden berühmten Jungsbücher Herr der Ringe und Betty Blue – 37,2 Grad am Morgen bezieht.

    Mich ärgerte, dass es eigentlich nicht vier Charakter gibt, sondern drei Charaktere und ein Vehikel, um Plot und Charakterentwicklung der Anderen voranzutreiben. Die Rolle des Plot-Vehikels wird von Novelle eingenommen: 20, weiblich, durch sexuellen Missbrauch schwer traumatisiert und in ihrer Stellung im Buch irgendwo zwischen wildem zu zähmenden Tier und MacGuffin.

    Dass Novelle nun auch noch alle 50 Seiten nackt durch die Szene hüpfen muss.. In meinen gnädigeren Momenten denke ich „Jungsbuch halt“, in meinem ungnädigeren „Missbrauch des Missbrauchs.“. Mit einer Schatzkarte als Plottreiberin statt Plotmissbrauch des sexuellen Missbrauchs wäre ich glücklicher gewesen.

    Alkmene sägen

    Die Regionalnachrichten drohen mit Schäden für die Obstbauern durch die kommenden Nachtfröste. Wir haben Glück; unsere windausgesetzte Ecke ist so kalt, dass die Obstbäume noch gar nicht blühen. Und wo keine Blüte ist, kann sie auch nicht erfrieren. Nur die Knospen sind schon da. Dieses Jahr als Premiere auch beim Pfirsich.

    Alle Narzissen sind schon da. Fast alle zumindest. Nächstes Wochenende wird Peak Narzisse.

    Die Taubnessel blühen alle. Größere Taubnesselteppiche neben der Pergola, um den Süd-Sonnenschirmständer herum und am großen Gartenvulkan. Viele der Taubnesseln sind aber offensichtlich kurz vorm Aufgeben. Die allererste Phase des Frühlings geht bereits vorüber.

    Die Wildkamera zog um. Wir gehen seit Jahren davon aus, dass jede Nacht eine Katze einmal über das Auto läuft und dann auf dem Hintern die Frontscheibe herunterrutscht. Aber Samstag, nach eingehender Betrachtung der Fussspuren, hielten wir auch auch einen Waschbären für möglich.

    Na, wozu haben wir eine Kamera: Sie löste aus. Sie zeigt ein unscharfes Tier von hinten, das sowohl Katze wie auch Waschbär sein kann. Das Foto war nichts.

    Und wer ist schuld: Das stark reflektierende Autokennzeichen, dass anscheinend die komplette Nachtoptik des Apparats aus dem Tritt gebracht hat.

    Madame stielsägte Alkmene. Danach saß sie auf der Terrasse und las Mediendidaktik.

    Auf dem Grill dieses Wochenende die Bratwürste von Rinderstolz&Wildeslust. Käse-Jalapeño hat erfreulicherweise gegenüber letztem Jahr deutlich an Jalapeño zugelegt.

    Und der Knecht hieß Malchus

    Was für ein Evangelist. Meine Güte. Was für ein Evangelist.

    Madame meinte, sie hat schon viele sehr gute Evangelisten in Johann Sebastian Bachs Johannespassion singen hören. Aber noch nicht einen solchen. Ich hörte eh viel weniger Aufführungen davon – und stimme zu. Wie Raphael Höhn einen ganzen Abend lang die Spannung seiner Rolle hielt und dabei auch noch so klar sang – große Oper mindestens.

    Selbst das eigenlich auch herausragende Vokalensemble von Vox Luminis und das Freiburger Barockorchester strahlten nicht ganz so herausragend.

    Es war ein eindrucksvoller, erinnerungswürdiger Abend. Im Programmheft lese ich zum Stück „Dramatisch. Den Zeitgenossen zu opernhaft.“ Und große Oper war es wahrhaftig.

    Er begann friedlich am Potsdamer Platz bei Sommerrollen und Teriyaki Duck im Viet Bowl. Dann ein kurzer Bummel, mal die aktuelle Version des Platzes anschauen, dann auf zum Kammermusiksaal der Philharmonie.

    Ein Klassiker des Osterrrepertoirs kam zur Aufführung. Wir beide stellten fest, dass wir das Stück vermutlich noch nie mit einem wirklich guten professionellen Chor gesehen haben – ist es doch auch ein Klassiker für den ambitionierten Hobbychor mit zugekauften Profi-Solostimmen. Aber hier, lauter Schaffende, die sich auf Barockmusik spezialisiert haben.

    Der Saal leider nur zu Dreivierteln voll, dafür akustisch mehr als gefüllt.

    First Class Railway Cookie

    Während wir in einem opernhaften Oratorium waren, besuchte Peter Coles eine echte Oper: The Welsh National Opera’s new production of the Opera Peter Grimes by Benjamin Britten

    Schirn-Sehnsucht. Dort gab es unter anderem “Seven Women Standing in the Way” zu sehen.

    Ich würde morgen nach Wohnungen in Chemnitz suchen, wenn wir nicht die jetzige und die zukünftige sächsischen Landesregierungen miterben würden. (Als Landesbeamte ist das noch einmal ein anderer Deal). Auch Thomas fragt sich: Bleiben oder gehen? Diese Frage stelle ich mir nach jeder Wahl hier im Osten Deutschlands.

    Als wir 2012 das erste Mal nach 30 Jahren bzw. das erste Mal überhaupt in den USA ankamen, war der Abend so geplant, dass wir uns nur noch vom Flughafen Baltimore in das nächste bequeme Hotel shuttlen lassen und da akklimatisieren. Das allererste was wir in den USA bekamen, war DER KEKS. Auf jeden Fall auf ewig wird dieser warme schokoladige Keks die besten Erinnerung in mir wachrufen. Da es auf absehbare Zeit nicht nach Baltimore gehen wird, gibt es bei Frau Küchenlatein ein Rezept: DoubleTree Schokoladenkekse

    Ein Gericht, das First Class Railway Curry heißt, muss einfach gut sein.

  • 25-04-05 Saisoneröffnung am Holzbackofen

    25-04-05 Saisoneröffnung am Holzbackofen

    Vor dem Berliner Wohnungsfenster: Eine Fledermaus. Vor dem Terrassefenster auf den märkischen Hamptons: Erstamsel, Bachstelze und SIngdrossel.

    Der Hausrotschwanz versteckt sich weiter. In der Holzlege ein neues, schön gebautes Nest, aber anscheinend keine Bewohner in der Nähe.

    Der Husten zieht langsam von dannen, lässt eine seltsame Stimmlage zurück. Zwischendurch fühlte ich mich beim Reden, als hätte die zwei Tage zuvor durchgesoffen. Inzwischen stelle ich fest, dass die Stimme ungefähr einen Dreiviertelsatz am Stück durchhält und sich dann ganz verabschiedet. Jede Gesundheist ist gleich, und jede Maladität verschieden!

    Nach drei Tagen in der Wohnung traute ich mich auf die Latifundien, und dann sogar in Bau- und Supermarkt. Aber obwohl meine Tätigkeit im Wesentlichen darin bestand, auf Madame zu warten, hatte ich am Ende doch sehr wacklige Beine und hielt nur aufgrund diverser Kaffeepausen durch.

    Jetzt besitzen wir eine manuelle Säge am Stiel. (nach der elektrischen Heckenschere von Stihl)

    Und wir besitzen Duschgel, das nach Sonnencreme riechen soll. Eine so herzlich sinnlose Errungenschaft der Menschheit, dass ich zugreifen musste.

    Während ich den Baumarktwagen hütete, erreichte mich eine spannende Mail. Vielen Dank!

    Bei der Fahrt durch die Landschaft sahen wir den Saisonaufbruch. Holzbacköfen und Kulturscheunen eröffnen. Motorradclubs haben Ausfahrt. Und die Ortsnazis hissen ihre schönste Kaiserreichs-Flagge.

    Nur bei der Milchtankstelle/Eierautomat nähert sich die Suppenhuhn-Saison dem Ende. Es gibt letzte Exemplare zum Sonderpreis.

    Auf den Latifundien: Genesungstag. Das perfekte Grau weiter gelesen. Weiterhin finde ich ungefähr 18 Seiten super, um dann 2 Seiten lang zu denken „Was für ein Mist“ und dann wieder die nächsten 18 Seiten super zu finden, bevor wieder eine Szene kommt..

    Klassik, Pop et cetera gehört. Es begann mit Wir sind Helden, und damit war klar, wie die Stunde läuft. Musik aus der kollektiven Wohlfühlzone der deutschen Generation X. Nett, aber keine Sendung, bei der intensiveres Zuhören lohnen würde. So war es dann auch.

    Trump, fast grundsätzlich

    Eigentlich wollte ich etwas Längeres darüber schreiben, warum die amerikanische Volkswirtschaft anders funktioniert als alle anderen Volkswirtschaften – und warum King Stupid das gerade zerstört. Er aus Dummheit, andere in/um/hinter seiner Regierung mit Absicht. Aber es war mir dann doch zu mühselig. Zumal ich das ganze, polemisch zugespitzt, über Mastodon fand:

    The American Age Is Over – Emergency Triad: The United States commits imperial suicide.

    Das letzte Mal, als sich die Weltordnung so durcheinanderwirbelte, war in den Jahren zwischen 1900 und 1945. Lasst uns weiter beten, dass es diesmal weniger Fallout gibt.

    Nightcafé

    Letztes gab es in Blogsleben noch eine kleine Diskussion über KI-Bilder in Blogbeiträgen. Weil ich ja gar nicht erst Mitglied einer Community werden will – und sei sie so locker organisiert wie die Blogger – versuchte ich mich zurückzuhalten, habe aber eigentlich eine deutliche Meinung: KI-Bildchen in Blogs sind mäh. Erstens politisch-ökonomisch-ethisch-fragewürdig. Und außerdem durchgehend hässlich.

    Und zwei Tage später entdeckte ich Nightcafé. Und das Spielkind in mir erwachte. Es lässt sich bisher nicht einmal davon abschrecken, dass das System der „Credits“, die man zum dortigen Spielen ausgeben muss, und die Möglichkeiten diese Credits zu bekommen, direkt aus dem Lehrbuch für Dark Patterns entnommen wurden.

    Noch sind die Möglichkeiten stärker. Noch siegt das alberne Spielkind über den missmutigen Erwachsenen. VIelleicht siegte auch nur das erkältete Nebelhirn über andere Beschäftigungen. Ich werde es merken.

    KI-Bild. Entstanden nach einem Prompt, der einen fliegenden Teppich mit der Aufschrift "AI", einen Sonnenuntergang über dem Meer und fliegende Rose Einhörner haben wollte.

    Um der Pflicht genüge zu tun:

    KI präsentiert die Sammlung aller menschlichen Vorurteile, und ist natürlich sexistisch.

    Wikipedia-Spenden finanzieren den Traffic, den AI-Crawler verursachen. Knapp zwei Drittel der Kosten für Bandbreite, die Wikimedia bezahlt, entstehen mittlerweise durch AI Crawler. Für kleinere Open-Source-Projekte kann das existenzbedrohend sein.

    Umwelt-Katastrophe, im Detail durchaus spannend: Whats your chatbots carbon footprint?

    Als Geschäftsmodell taugt es auch nichts: But so far in 2025, 46% of the surveyed companies have thrown out their AI proofs-of-concept and 42% have abandoned most of their AI initiatives

    Cats and measles

    Maynooth University Library Cat Update – That’s what the internet was made for.

    Zum Thema: Wie dumm kann ein Staat sein: Measles continues to spread in Texas and New Mexico, and has spilled into the neighboring states of Oklahoma and Kansas.

    Es gibt eine Formel hinter den Trump-Tarifen. Sie haben Birnen durch Äpfel geteilt, um auf Pflaumen zu kommen. Es wäre fast weniger verrückt, sie hätten nur gewürfelt: Trump’s Tariff Tirade

    Ich glaube, „was ich im .. gelernt“ habe, ist mein Lieblings-Blog-Rückblicksformat. Vielleicht mach ich das auch mal. Oder ich bleibe einfach unflexibel in meinem Dienstag-Donnerstag-Wochenends-Rhythmus.

    Obsidian ist kanadisch und kann Präsentationen. Zum Abschluss ein Wow.