Auf dem Weg zur Arbeit sehe ich Menschen mit Sonnenbrillen.
Madame wird vielleicht eine nicht-private Kontaktaufnahme aus Ludwigsburg bekommen.
Ich versuchte den Tee Zauber der Zwerge. Schmeckt und riecht wie eine Mischung aus preiswertem Wackelpudding und Spülmittel. Falls das jemand spontan anspricht, hätte ich noch eine Woche lang eine angebrochene Packung zu verschenken. Sonst wird sie im Müll landen.
Lagrange
Morgen ist Klausur. Viele sitzt – hoffe ich. Ein paar Formeln zeigen sich widerständig. Noch 18 Stunden um das folgende Programm auch im Tiefschlaf anwenden zu können:
Lagrange-Gleichung zum Produktionsprogramm
Jeweils nach \( x_a \), \( x_b\) und \( \lambda\) differenzieren und gleich Null setzen. Gleichungssystem ausrechnen.
Dito für H2/q_2 und H3/q_3. Ergibt so viele Gleichungen wie Variablen. (Hier drei Gleichungen für q1, q2, q3). Das Gleichungssystem lässt sich auflösen.
KGA =KVA in flexiblen Teilkosten = Istkosten – Verrechnete Teilkosten
Vollkosten -> Teilkosten bedeutet die Sollkosten werden variabel. -> Teilkosten auf flexible Teilkosten bedeutet auch der Verrechnungssatz wird variabel.
Frage: Woran bemerken Sie die Endphase der Klausurvorbereitung?
Antwort: Irgendwie hat sich der gute Casio fx87 auf den sonntäglichen Frühstückstisch geschlichen. Während die Mathematiker den Zahlen abhold sind, wird in BWL vor allem gerechnet. So auch ich diese Wochen.
Die Vorratsmenge s an Schwarztee ist unterschritten.
Um 0:30h klingelte das Brot. Madame öffnete.
Auf dem Schwanteland-Gelände eröffnete die Landfleischerei Rinderstolz & Wildeslust. Sollten wir dort einmal zu Geschäftszeiten vorbeikommen, wird getestet.
Am Südkreuz stehen auf dem Vattenfall-Parkgelände Außenstühle und -Tische gestapelt. Die Chance auf ein Café wächst.
Am Montag am Südkreuz interviewte ein Drei-Mensch-Team des RBB Fernbusfahrende. Ich vermute auf der Suche nach O-Tönen zum Bahnstreik. Ich bewundere sie dafür, für jeden Streik neue O-Töne zu sammeln und nicht einfach immer dieselben aus dem Archiv zu nehmen.
Dienstag war wieder ein Interviewender unterwegs. Hier aber balancierte ein Mann alleine Kamera, Stativ und Mikrofon. Vermutlich war er nicht öffentlich-rechtlich.
Es galt zwei schwäbische Geburtstage zu feiern. Wir überlegten, nur eine Karte für beide zu schreiben und um Austausch untereinander zu bitten – Schwaben sollten sich bei dieser Sparmaßnahme doch in ihrem Wesen gesehen fühlen.
Die Josef-Hader-Tickets lagen in der Post. Ich fand es schön, dass die Adresse handgeschrieben war.
Auch in der Post: Zwölf Kilo Schweizer Kaffee und das Signature Type Cover, welches ich mir nach den überstandenen Mathe-Informatik-Klausuren gegönnt hatte – und das seitdem eine Lieferodysee hinter sich brachte.
Zeitlich vor das Lernen hat der Alltag die Arbeit gesetzt. Es waren zwei äußerst lehrreiche Tage in der Verwaltung – im guten Sinne. Nach den langen Tagen merkte ich aber auch, dass klausurenbedingt mein Input-Level derzeit am Anschlag ist.
Wie bei Monty Don
Gibt es Meisenschwärme? Madame und ich scheuchten am Sonntag auf den Latifundien etwa 20 Meisen aus dem Apfelbaum auf. Uns beiden war neu, dass sich Meisen in solch großen Gruppen zusammenfinden. Aber ich habe ja auch keine Ahnung von Meisen.
Bei Sonne und Wind konnten wir dem Maisacker-See beim Schrumpfen zusehen. Wie langsam Furchen aus dem Wasser heraustreten, sich am Rand ein schlickes Ufer bildet – ich fühlte mich ans Wattenmeer versetzt.
In jedem Osterglockenbüschel beginnt eine einzelne Osterglocke zu blühen. Gelb leuchtende Wochen stehen uns bevor. Das Büschel, das genau durch die gelagerte Palette wachsen wollten, konnten wir noch rechtzeitig entknoten.
Für den Herbst: Südlich der Mirabelle ist ein leerer Fleck.
Die ersten Hummeln suchen das Lungenkraut und die Krokusse.
Im Bad fand sich ein Tagpfauenauge. Nachdem dieses vor die Tür kam und sich ein paar Stunden aufgewärmt hatte, flog es davon.
Madame ist endlich wieder mit den Ivington Diaries des Monty Don vereint.
Suhl/Los Angeles: Vielleicht gewinnt Sandra Hüller heute Nacht ein oder zwei Oscars.
Die Regionalzeitung berichtet, dass zwei Männer versuchten, einen gefüllten Einkaufswagen mit Süßigkeiten für 200 Euro aus einem Discounter zu stehlen. Sie waren erfolglos, aber entkamen. Einen Supermakt später gelang der Raubzug.
Madame überlegt, wie sich die RAF aus Sicht des Projektmanagements darstellt. Später schrieb sie mit dem roten Stift.
Lange haderte ich, meinen zwangsmigrierten Google-Small-Business-Account zu kündigen, weil ich nicht genau einschätzen konnte, was das mit dem alten Blog oder meiner Mail-Adresse anrichtet. Inzwischen war ich genervt genug vom Konzern und dachte „Ach, was, Augen zu und durch. Wenn Blog und Mailadresse weg sind, geht das Leben auch weiter.“ Und es passierte gar nichts. Hätte ich früher machen sollen.
Wir suchten am langen Wochenende die Latifundien auf. In einem glücklichen Moment gelang mir die Spontanreparatur des Eichhörnchenofens.
Störrisch war der Ofen trotzdem. Ich verbrachte den Großteil des Wochenendes mit Skript und Stift in der Hand, während Madame gärtnerte.
Zwischendurch Einkaufsexkursion: Putenhack und Chicoree. Während ich gedanklich das Produktions- und Logistikmodul durchging, sehen wir ein großes Plakat: das Lidl-Logistikzentrum in Kremmen hat Sonderverkauf. Das ist wie die dortige Angebotsecke – aber halt im Lagerhallenformat. Anscheinend hat diese Veranstaltung die Coronapause überlebt.
Reisende und Kommissionäre
Welches Vorzeichen hat die Preiselastizität wenn ein Snob-Effekt vorliegt?
Die Klausursaison nähert sich dem Ende. Diese Woche schreibe ich BWL Gedöns (aka „Interne Kostenrechnung / Produktion + Logistik / Marketing“).
Produktion + Logistik mag ich echt. Der Kurs ist aktuell, gut gemacht und hat beim zweiten Lesen mehr Tiefe als beim ersten Lesen.
Die Kostenrechnung wurde offensichtlich 1990 zuletzt ernstlich überarbeitet und atmet den Geist von handgeschriebenen Materialzetteln und Großrechnern mit Lochkarten.
Der Marketing-Teil war 2004 ambitioniert. Ich vermute aber, dass inzwischen das Internet eine größere Rolle im Marketing spielt als damals und Handelsreisende und Kommissionäre eine kleinere.
Immerhin bin ich ausnahmsweise in der glücklichen Position zu glauben, dass ich alles verstanden habe – aber jeglicher Hochmut fällt schnell auf die Nase wenn ich versuche Altklausuren und Übungsaufgaben durchzugehen. Dass ich prinzipiell die Anbaumethode der Kostenrechnung verstanden habe, bedeutet nicht, dass ich diese wirklich sicher an einem Beispiel durchrechnen kann. Immerhin: noch habe ich diverse Abende Zeit, für Übungsaufgaben, Übungsaufgaben, Übungsaufgaben.
Wenn ich die Übungsaufgaben nicht mehr sehen kann, wandere ich gedanklich in spätere Semester. Wenn ich nicht an eigener Blödheit scheitere oder zwischen demotiviert bin, sollte bis zum Wirtschaftsinfo-Master nichts mehr schief gehen. Ich gelange ja langsam ins Reich der Wahlpflicht und dort sollte ich an nichts mehr inhaltlich scheitern. Mein Problem ist eher, dass ich ungefähr 40 der angebotenen Module inhaltlich spannend finde, mir inklusive Rest-Bachelor und Master aber nur noch 16 Module zur Verfügung stehen. Aber anyway, das ist lange hin.
Beim Snob-Effekt steigt die Nachfrage, wenn die Preise steigen (siehe: Armbanduhren, Sportschuhe, Rennräder). Das Vorzeichen ist also positiv.
Mais-Acker-Wattenmeer
Madame ging ihrer liebsten Gartenbeschäftigung nach. Wir haben genug Material für ein Osterfeuer.
Überall auf den Latifundien wacht das Leben auf. Knospen, Triebe, erste Blüten. Wohin man schaut.
Im geheizten Bungalow tauten dutzende Fliegen auf und wollten nach draußen. Interessanterweise keine Marienkäfer.
Wilhelm und Wilhelmina waren wieder da und wirken so tatendurstig wie seit Jahren nicht mehr.
Noch ist das winterliche Wasser da. Der Abstieg in den Revisionsschacht zum Hauswasser-anstellen bedeutet weiterin ein bauchnabeltiefes Bad in Eiswasser. In der Nachbarschaft immerhin hielten alle Keller dicht.
Hinter dem Haus der See. Dieses Wochenende mit Kranichen, die im feuchten Boden suchen, was Kraniche halt so suchen.
Sie staksen wie Giraffen durch Schlamm und Wasser. In der rötlich scheinenden Morgensonne könnten wir sie fast für Flamingos halten.
Kranichbeobachtung vom Frühstückstisch. Hätte ich mir auch nicht vorstellen können, als wir das dortige Grundstück besichtigten. Nur die Terrassentür können wir nicht öffnen. Sonst verschrecken wir die Vögel.
Sie wuschelt sich die Haare selbst auf
Der Tagesspiegel interviewt einen protestierenden Bauern. Eigentlich möchte ich jeden einzelnen Satz kommentieren, verfalle dann aber wieder in Sprachlosigkeit, weil es zu viel ist. Auf jeden Fall sind das keine sponaten empörten Bauern. Zitat.
Ich war nicht nur die vergangenen Monate auf der Straße, ich bin seit vier Jahren auf der Straße. […] Diese Absprachen laufen fast nur noch mündlich, in den Chatgruppen wird das nicht mehr kommuniziert. Erstens liest dort die Polizei mit […] Alles läuft über Absprachen. Man trifft sich irgendwo, sammelt Mitstreiter ein, fährt weiter zum nächsten Punkt und begegnet dort weiteren Teilnehmern. Und so weiter. So ging es dann von Stendal in Richtung Berlin.
Inspiriert und verlinkt von der Kaltmamsell, schreibt Joel, was ein Maskenbilder so macht. Datenblätter zum Beispiel: Donnerstag mit viel Schreibkram eines Ablaufes. (Ausschnitt „00:50: C. nach Kostümwechsel mit der Wasserspritze auf den Kopf und die Stirn Wasser sprühen so als ob er geschwitzt hätte)
Merke: Nicht „die Jana“ verwechseln mit „Diana“; auch nicht am Telefon.
Neben Verwaltung und Klausurvorbereitung bleibt wenig Energie. Immerhin reicht es zu einem zimtkringelschen Gnocchi-Huhn.
Das Internet empfiehlt mir Resident Alien. Aber ich fürchte bis zum 21. März ist meine Freizeit-Konzentration nicht ausreichend für irgendeine Art der Fiktion.
Währenddessen warnt Katwarn vorm Eintreten von Trümmern in die Erdathmosphäre.
Die „Vulkangruppe“ verhinderte, dass ich Gemüse kaufen konnte. Neben dem Tesla-Werk liegt das Edeka-Zentrallager und seine jetzt stromlose Kühlung.
Nicht einmal Manja Schreiner konnte verhindern, dass die Hauptstraße fahrrad- und busfreundlicher umgebaut wird. Als mittelbare Anwohner der kommenden Bauarbeiten klebte eine Nachricht an unserer Haustür – und das war ein Wochenhighlight.
Go Shnelli
Wir sind Mitglieder des Star-Clubs geworden. Dabei lernte ich: Die Finnlady wurde in Italien gebaut und ihre Reederei ist letztendlich italienisch. Sie hat 11 öffentliche Decks. Auf dem obersten Deck ist das Restaurant. Wlan kostet extra.
Madame setzte erste Ideen zur Urlaubsplanung um. Sie lautet derzeit 2 Ostsee, 1 Helsinki (Töölö Towers), 2 Talinn (Go Shnelli), 2 Riga, 2 Vilnius, 1 Warschau (Polonia Palace).
Bis zum Sommer werde ich auch noch beherrschen, wie sich Tallinn schreibt.
Vorher buchte ich für den März noch einen Flixtrain von Berlin nach Hamburg-Bergedorf.
Ihr liewe Leit
Die Kaltmamsell inspirierte mich, Konzerttickets zu kaufen. Beziehungsweise: Gibt ein musizierender Kabarettist Konzerte? Sind es Darbietungen? Aufführungen? Ich kenne mich in der Gattung so nicht aus.
Nachdem ich in Ticketkauflaune war, machte ich weiter. Da ich seit 2001 keine Ahnung mehr von aktuellen Bands habe, suche ich lateral. Ich habe einige bevorzugte Konzertorte, schaue in deren Programm und entdecke Acts, die demnächst auftreten.
Segen des Internets. Sogar Videos von Liveauftritten sind normalerweise verfügbar. Die Suche liefert spannende Entdeckungen.
Play that Funky music. Zu den drei möchte ich ganz dringend hin, leider an einem komplett unpassenden Termin: Say She She. Mit den Vibes, die ich bei einem Livekonzert erleben möchte. Ich will da wirklich hin. Aber, ach.
Und die Finnen wieder. Einst vor langer Zeit fragte ich eine finnische Band beim Interview, warum so viele schräge Bands aus Finnland kommen. Ihre Antwort: All brown. Everything is brown. Brown sand everywhere. No color. (Ich habe keine Ahnug von Finnland. Aber es klingt plausibel)
Melodiöser Mitsingpop mit Texten zum aus dem Fenster springen. Ein Journalist schrieb vom „glamor of downright misery“: Mausetot Maustetytöt. (Auch schlechter Termin)
Eine wichtige Rolle dabei spielte Brigitte Brigitta Birgitta Fuchs.
Der Fahrstuhl am Innsi ist schon wieder kaputt. Selten hörte ich so berechtigtes Fluchen wie das des Rollstuhlfahrers am Bahnsteig.
Die ehemalige Spielhalle Neptun ist provisionsfrei zu mieten.
Ich meldete mich für eine Tagebuchstudie zur Stressbewältigung; nicht ahnend, dass ich dreimal täglich einen zehnminütigen Fragebogen ausfüllen soll. Ne, Leute, das ist mir echt zu stressig.
In Brandenburg offenbaren sich weiterhin ungeahnte Seenlandschaften. Inzwischen ragen die Spitzen des Winterweizens über die Seeoberfläche.
Der Kaptain fand die Fotos und Filme aus dem Wunderland wieder.
Die zunehmende Alterung der Gesellschaft bemerkt man in der Schweiz daran, dass das Wahlvolk einer Rentenerhöhung zustimmt. In Deutschland fällt es mir auf, wenn im Fußballstadion Bandenwerbung für Waldbestattungen gezeigt wird.
11 Tage bis Krabbenbrötchen
Wesselburener Fußgängergespräche. Erst die m.E- korrekte Feststellung, dass man fast nur Rumän*innen im Stadtbild sieht. Etwas später die Diskussion darüber, dass der Edeka von In-der-Stadt umziehen will nach neben-das-Ortsschild. Ich kann mir die Bemerkung nicht verkneifen, dass beides daran liegt, dass die eingeborenen Wesselburener sowieso nicht zu Fuß gehen. Sie nutzen konsequent das Auto.
Angesichts des strahlenden Sonnenscheins versuche ich dagegen zu halten und mich als Tourist aus der Stadt zu outen. Ich laufe einmal über den Marktplatz, bestaune das Krokusmeer an den historischen Grabplatten und laufe eine Dreiviertelstunde Zick-Zacks durch die Innenstadt.
Für einen sonnigen Frühlingssonntag in einem beschaulichen Städtchen kommt es mir leer vor. Aber siehe oben.
Seit Freitag gibt es wieder Eis bei DaPino. Der Imbiss am Eidersperrwerk öffnet am 16. März. Dann gibt es direkt am Sperrwerk wieder Kaffee und Krabbenbrötchen.
Krabbenbrötchen gibt es auch bei Fisch-Möller. Dort, wo es ebenfalls Scholle gibt. Und dann siegt meistens die Scholle über das Krabbenbrötchen. Auch hier hat die Saison noch nicht ganz begonnen – noch ist die Sonnenterrasse am Hafen geschlossen, Kurkröten und Ditschis aber nutzten die Sonnetage, um durch Büsum zu flanieren und bei Fisch-Möller einzukehren.
Wir bekamen einen Platz. Knapp.
Die Preis sind gestiegen. Aber nicht so sehr. Ein kompletter Schollenteller kostet den Gegenwert von 3 1/2 durchschnittlichen Dönern in Berlin. Das war schon teurer. Die Scholle selber wie immer vortrefflich. Nichts ist besser als frisch.
Dies ist ein ERSATZZUG
Die Fahrt nach Dithmarschen funktionierte unglaublich gut. Selbst der letzte 2-Minuten-Umstieg hätte das erste Mal seit 2021 funktioniert. Das hatte die Bahn anscheinend auch schockiert. Sie gab sich auf dem Rückweg mehr Mühe.
In Kürze: Ein kombinierter Polizei/Notarzteinsatz. Ein Abbruch der Fahrt. Ein überfüllter Zug. Ein Ersatzzug und ein Gleiswechsel. Faszinierenderweise hatte ich am Ende nur 10 Minuten Verspätung. Aber das mag an der geplanten (und fast ausgeschöpften) Umsteigezeit von 59 Minuten gelegen haben.
RE6 kam pünktlich. Dann stand er 25 Minuten am Bahnhof. Soweit mir geschildert wurde, ein psychisch kranker Mensch, der ohne Schuhe und mit zerrissener Hose durch den Zug lief. Passagiere riefen den Notarzt. Der Notarzt rief zur Unterstützung die Polizei. Und bis die alle eingetroffen waren, dauerte es.
Nach Abfahrt: In Hamburg ist heute Großbaustelle. Wir fahren nur bis Elmshorn. Warten sie dort 20 Minuten und eine Regionalbahn wird sie nach Altona bringen. Der Zugbegleiter bat in seinen Durchsagen darum, nicht zu kratzen, zu beißen oder zu treten wenn er rumkommt.
Neben mir im Wagen ein Paar. Er nahm es gelassen. Sie steigerte sich immer weiter in Beschwerden über die Bahn, die Polizei, die Sanitäter und ganz Hamburg hinein – ich glaube, es hätte sie komplett aus der Fassung gebracht, wenn ihr Anschluss dann doch funktioniert hätte.
(Fairerweise sollte man sagen, dass anscheinend sie die Reise geplant hatte und sich für ihr Gelingen verantwortlich fühlte. Er war Passagier).
Elmshorn also. Wieder einmal im Dunkeln dicht gedrängt auf dem Bahnsteig 2/3. Wieder einmal verwirrt, dass die Abschnitte (A, B, C usw.) auf Bahnsteig 2 ganz anders liegen als auf Bahnsteig 3. Wieder einmal irritiert von den Fernzügen, die ungebremst am Bahnsteig durchrauschen. Wieder einmal inmitten einer großen Menschenmenge aus gestrandeten Zügen, die versucht sich in eine Miniaturregionalbahn zu zwängen. Ach, Elmshorn.
In Altona eilte ich zügigen Schrites in den ICE2939, ein Ersatz für ICE699. Leider auch ein ICE1 statt ein ICE4 mit gänzlich anderen Wagenaufteilungen – und Nummern.
Wieder eine Frau in Rage. Diese bestand darauf, dass ihr ob der Strapazen ein Erster-Klasse-Platz zusteht ganz ohne Erster-Klasse-Ticket.
Bis hinter im Hamburg folgten im Fünfminutentakt die immer genervteren Durchsagen des Zugchefs: „Dies ist ein ERSATZZUG. Die Aufteilung der Wagen ist anders. Reservierungen können nicht eingehalten werden. BITTE setzen sie sich irgendwo hin.“
David Bowie in Langenhagen
Die BZ informiert mich, dass wieder ein Stück altes Westberlin verschwindet. John Glet, der Arbeitskleidungsladen in dem auch David Bowie shoppte schließt. Soweit so wenig überraschend. Überraschend, dass John Glet noch eine weitere Filiale betreibt: In Langenhagen bei Hannover.
Mir träumte Freitag, ich hätte einen bestimmten Kollegen in Badehose im Schwimmbad beim Schunkeln gesehen. Und mir schien das ein sicheres Zeichen für Wochenendbedürftigkeit zu sein.
Freitag blieb etwas Zeit für virtuelle Bastelarbeiten. Mr. Elliott erzählte derweil, dass er gerade versucht einen kompletten lauffähigen UNIX-Computer zusammenzubauen, in dem jedes Einzelteil älter ist als er selber.
Es kam eine Waldbezogene Rundmail. Mehr dazu in Annex D.
Freitagabend: ICE 708 und RE6 mit längerem Zwischenstopp in Altona nach Heide. Im Zug gedöst und gelegentlich Klausurgelesen (BPMN). In Altona der Versuch, über den Bahnhof zu schlendern ohne dauernd der WWF-Drückerkolonne in die Arme zu laufen.
Nach Ankunft folgte bald lineares Fernsehen (Let’s Dance) zum Einschlafen. Gefühlt kommen aber selbst dort inzwischen 90 der „Prominenten“ aus dem nichtlinearen Internetkosmos.
Samstag: Internes Rechnungswesen (Alternative und Kumulative Abweichungsanalyse nach Plan-Ist und Ist-Plan) + Wirsingbouletten + Eidersperrwerk.
Wir fuhren zum Hochwasser ans Meer. Die erste Dithmarscher Sonne seit vielen Wochen. Ungewohnt windstill. Der Wasserstand außergewöhnlich hoch.
Wenn das Wasser steigt und die Eider rückwärts durch das Sperrwerk fließt, strudelt sie. Aber selten so still wie diesmal. Wenige Wellen, wenige Bewegung, tiefes Wasser.
Rückwegs über Tönning. Die zahlreichen Gänse im Katinger Watt bestaunen. Uns an allerliebsten Minilämmlein erfreuen.
Abends Nordseemüdigkeit. Lineares Fernsehen zum Einschlafen.
Höffi renoviert das Erdgeschoss. Möbelverkauf und Kochmütze sind weiterhin geöffnet.
Madame überlegte einen Nicht-Masterplan. Sie plante einen Termin für 2025.
Der Tagesspiegel attestierte jemand eine „380-Grad-Wendung.“
Ähnlich orientierungslos wie nach einer solchen fühlte ich mich Dienstag Abend.
Ich weiß nicht, was es war. Aber irgendwas wollte anscheinend die nachlassende Spannung nach dem Klausurenblock nutzen, um sich einzunisten. Von Dienstag Mittag bis Mittwoch früh war mein Körper energisch damit beschäftigt, es via Fieber, Frost, Durchfall und anderen unterhaltsamen Sachen wieder loszuwerden. Immerhin, Mittwoch fühlte mich durchgeschüttelt aber gesund.
In Vorbereitung derselben Klausur las ich den schönen Satz „Erratische Abläufe, auch wenn sie sich wiederholen, sind kein Geschäftsprozess.“ Da schrieb jemand mit Praxiserfahrung.
Dieselbe Prüfungsvorbereitung bescherte mir den Klausurenstift-Testsieger, den Uni-ball Signo 207 Premier mit Gelkissen. Da bekomme ich immerhin viele Buchstaben für mein Geld. Erste Tests am Blatt Papier verliefen vielversprechend.
Uni-ball gehört zur Mitsubishi Pencil Company; wie seit gestern auch das alte deutsche Familienunternehmen Lamy.
Ich passierte einen Friseursalon. In ihm gestikulierten zwei Männer; einer anscheinend der Friseur. Der andere trug einen Verband um sein Ohr.
An der Bushaltestelle unterhielten sich drei Männer inmitten einer eindrückliches Alkoholdunstfahne. Ich konnte ihr Gespräch nicht verstehen (Polnisch?). Aber anscheinend ging es um Hitler.
Im Bus einem Telefongespräch auf türkisch zugehört. Dabei gelernt, der Ausdruck „Ach so!“ scheint sich im Berlin-türkischen als Fremdwort zu etablieren.
Der Kaptain war im Wunderland und besiegte die Hamburger Parkplätze. Ich bin sehr stolz.
Für Euch getestet: Wenn man Reste von Chai-Tee, Schwarztee und Haselnuss-Haferdrink zusammenschüttet, ist das Ergebnis trinkbar.
Im Supermarkt schweifte mein Blick die TeemischungZauber der Zwerge. Ich sah sofort den grummligen Gimli aus dem Herrn der Ringe vor mir, der Kräutern umweht wird, während eine lyrische Melodei spielt. Natürlich konnte ich nicht widerstehen. Die Frontseite der Verpackung verspricht „Holunderblüte & Waldmeister“, die Zutatenliste vor allem „Hagebutte, Aroma und Süßkraut“. Ich werde berichten.
Die Tage lernte ich von einer weiteren prominenten Ex-Kommilitonin. Seltsamerweise spielt Birgit Hogefeld (Magister in Psychologie Literaturwissenschaft) in der Fernuni-Pressearbeit weit weniger eine Rolle als andere Prominente.
Lernen für die Klausur BWL-Gedöns. Der Teil zur „internen Kostenrechnung“ ist der originellste. Er wirkt er mir der so, als wäre zu Zeiten konzipiert als Computer mit Lochkarten arbeiteten und normale Verwaltung an Schreibmaschinen mit Hilfe von Zetteln erfolgte. Die im Studienbrief geschilderten Probleme, Bestände zu erfassen und Zwischenrechnungen zu machen, stehen in seltsamer Diskrepanz zu heutigen Logistikketten, in denen Barcodes und RFID-Chips allgegenwärtig sind.
An sich ist das alles nicht schwer: Es gibt vielleicht 20 Größen (Menge, Preis, Arbeitszeit, Material, produzierte Produkte, fehlproduzierte unverkäufliche Produkte etc. jeweils „geplant“ und „tatsächlich“). Die werden zueinander in Verhältnisse gesetzt. So wie „Sollkosten sind gleich Plan-Lohnkosten multipliziert mit Ist-Arbeit„. Da kommt nichts vor, was schwieriger als ein Dreisatz ist.
Und doch, die Kombinationsmöglichkeiten sind vielfältig. Mit vielen Dutzend sehr ähnlichen Bezeichnungen, die teilweise je nach Kontext Verschiedenes bedeuten, verlangt das ein höheres Maß an Auswendiglernerei.
Ein Witz
Ein Ingenieur sitzt am Schreibtisch, sieht wie in seinem Papierkorb ein Feuer entsteht. Der blickt auf, sieht einen Feuerlöscher und löscht den Brand.
Ein Physiker befindet sich in derselben Situation, blickt auf. Beginnt hektisch Formeln zu schreiben und zu rechnen. Am Ende nimmt er ein Glas Wasser vom Schreibtisch und löscht mit minimalen Aufwand das Feuer.
Nun der Mathematiker. Er sieht das Feuer, blickt auf, sieht den Feuerlöscher. Er denkt sich „Gut. Das Problem ist lösbar.“ und schreibt weiter.
Ich musste kurz auflachen bei dem Zitat aus der Daniela-Klette-Berichterstattung
„Ein ahnungsloser Bewohner des Nachbarhauses ist fassungslos, als er erfährt, dass er neben der gesuchten RAF-Terroristin gewohnt hat. „Da habe ich jahrelang neben der Genossin gewohnt, das gibt’s ja nicht“, sagt er und verabschiedet sich mit der Parole „Rotfront“.“