Schlagwort: Südkreuz

  • 23-08-10 Die Abrechnung (kein Kaffee)

    23-08-10 Die Abrechnung (kein Kaffee)

    Der Aufzug fährt. Ich sah, dass der Gerüstaufzug am Haus in der Position „oben“ geparkt war. Madame berichtete davon, dass verschiedene Handwerker (mir ist nicht 100% klar welches Gewerk zuständig ist) einen Durchgang im Dach öffneten und dort einen Tunnel von der Aufzugplattform auf den Dachboden errichteten.

    Damit uns die Baustellen nicht ausgehen, informierte uns die S-Bahn von Gleisbauarbeiten in Hörweite in den kommenden Nächten.

    Wenigstens das Gerüst vor Domino’s Pizza verschwand, so dass dort die Fahrradfahrt etwas einfacher voruberführt.

    Anlässlich der Familienaufdröselung lernte ich, dass „gegenüber von Straßburg“ gar nicht in Nordbaden liegt, sondern Mittelbaden. Und der Familienteil S(ö) demzufolge nicht aus der Schweiz nach Nordbaden zog, sondern nach Mittel- und Südbaden.

    Derweil besuchten zwei Abgesandte von Familienteil S(e) mit ihren beiden Cavalier King Charles Spaniels die Stadt Berlin. Sie reisten aus Luxemburg an. Madame lief mit ihnen die große Spazierrunde vom Stadtschloß die Spree entlang bis zum Hauptbahnhof, dann Kaffee im Futurium und über Kanzleramt/Brandenburger Tor und Unter den Linden zurück zu Dussmann.

    Madame hatte danach 12.000 Schritte absolviert, die Spaniel mit den kurzen Beinchen und ihrem Zick-Zack-Lauf vermutlich um die 80.000 Schritte. Dafür wirkten sie erstaunlich frisch.

    Abends trafen wir uns auf halber Strecke zwischen Hotel und unserer Wohnung. Madame hatte das Phojito („Vietnamese & Tapas in Berlin“) entdeckt. Es gab vietnamesisch beinflusste Tapas. Allein der Anblick von 12 Schälchen mit Dim Sum, Tofucurry, Pfannkuchen, Papayasalat, Sommerrollen et cetera war eine Schau. Auch geschmacklich zu empfehlen. Wir kommen wieder.

    Danach Eis.

    Auffallend. Sowohl bei Phijito als auch in der Eisdiele waren sämtliche Beschriftungen im Raum, die auf Angebote und Karte hinwiesen auf englisch.

    Für den Alltag preppte ich Linsen Stroganoff, für den Crocky umgewandelt nach einem Rezept von Frau Küchenlatein.

    Bergfest! Sofern die Dottores recht behalten, hat Madame die erste Hälfte ihrer Armbruchrekonvaleszenz hinter sich gebracht.

    Nach dem Urlaub habe ich wieder etwas Energie und lebe nicht nur meiner Planung aus dem Frühjahr hinterher, sondern mache Neues. Ich installiere zum Beispiel spontan die App Urban Mind um am Projekt Deine Emotionale Stadt teilzunehmen.

    Der Flurfunk sagt, dass jemand sämtliche freien Parkplätze in der Tiefgarage der Südkreuz Offices mietete. Eigentlich kommen dafür nur das DLR oder Vattenfall in Frage.

    Auch wenn die ganze Gegend um die Südkreuz Offices etwas seltsam ist. Ich mag den Gedanken, dass ich aus der Geschäftsstelle spontan über die Straße gehen könnte und mich in einen Zug nach Prag setzen könnte oder auch nach Interlaken.

    Niemals nach Interlaken

    Richtung Interlaken will ich vielleicht auch nicht. Die Züge kommen ja nie an. Die SBB ist kurz davor, die Deutsche Bahn komplett aus dem Netz zu verbannen. Die irrlichterndern Züge der Deutschen Bahn enttakten das SBB-Netz und aktuell hält die SBB für jeden deutschen Zug einen Schweizer Zug in Reserve.

    Wenn ich richtig rechne, sind wir bei unseren letzten 5 Fahrten nach Basel nicht einmal in dem Zug gefahren, den wir nehmen sollten. Also er war nicht zu spät – oder viel zu spät. Er fuhr nicht.

    Mal nahm Madame den Ersatzzug vom Ersatzzug des Ersatzzugs des Ersatzzugs. Mal fingen wir an, bei Offenburg heftig Verbindungen zu suchen, weil unser Ersatzzug ohne jeden Ersatz in Mannheim aufhören würde. Mal gab es eine stundenlange Evakuierung.

    Ich glaube, das Problem ist, dass es nur eine kleine Zahl an physischen Zügen gibt, die technisch und rechtlich in der Schweiz dürfen – und diese sind alle marode.

    Diesmal: Der Zug fährt erst ab Karlsruhe. Was uns in Basel wenig nutzt. Es gibt einen Ersatz nach Karlsruhe. Der kommt aber erst an, wenn „unser“ ICE70 bereits abgefahren ist. Wir bekommen es gerade noch mit, sprinten zum Bahnhof Lörrach, fahren mit der S-Bahn nach Basel, wo wir in den EC8 fallen (Thank God, betrieben von der SBB) und gerade noch rechtzeitig nach Karlsruhe gelangen.

    Blick aus dem Zugfenster. Strommast, grüner Acker im Hintergrund Unwetterwolken.

    Durch die Überstürzung hatten wir keinen Kaffee mehr. Ich gehe also kurz nach Abfahrt Karlsruhe im ICE von Wagen 2 in Wagen 10 ins Bistro. Dort eine 5-Personen-Schlange. 10 Minuten später ist es eine 4-Personen-Schlange und ich verstehe nicht, was die Dame an der Theke so macht. Weitere 15 Minuten später haben wir Mannheim passiert. Ich stehe vorne. Die Dame sagt „in 50 Minuten erreichen wir Frankfürt Süd. Da gibt es Personalwechsel. Wir müssen das Bistro jetzt zumachen.“ Ich stolpere mit Koffeinmangel zurück, nicht ohne auf dem Rückweg nochmal die Durchsage zu hören „Besuchen Sie auch unseren gastronomischen Service.“

    Abrechnung

    Die Abrechnung der Polen-Reise ist durchgeführt.

    Wir zahlten 1822 Euro. Davon für

    Bahn 239 Euro (2 Personen, Berlin -> Breslau. Breslau -> Warschau. Warschau -> Danzig. Danzig -> Berlin)

    Hotel 796 Euro (2 Personen, 8 Übernachtungen, davon 5 mit Frühstück)

    ÖPNV 60 Euro (2 Personen, jeweils großzügig geschnittene 2/3-Tagestickets)

    Sonstiges 727 Euro (vor allem Essengehen, Eintritte etc.)

    In dem Fall bin ich ungern der Welle voraus: Poland to see growing summer tourism amid climate change, says head of travel giant TUI

    Soultrain / Busspur

    Madame hört „Alles gesagt?“ mit Kevin Kühnert. Kühnert lebte und lebt in der Gegend, in der wir wohnen; er spielte Jugendhandball und arbeitete einst im Call Center. Ich fühle mich verbunden.

    Herr Rau testet einen mechanischen Elektrobaukasten.

    Frau Chilli Ciabatta probiert einen Potje aus (ähnlich dem, was in Deutschland Dutch Oven heißt, aber mit rundem Boden).

    Neidisch bin ich auf die Ferienwohnung in der Hufeisensiedlung von Christine Cazon.

    Nachwirkend von der Hochzeit, überlegte ich, wie so ein Paar-und-Trauzeugen-Let’s-Get-Loud-Einzug wohl aussehen könnte. Das prodancersstudio auf youtube scheint mir ein paar Ideen zu haben. Das ist die Version, die für Normalsterbliche machbar sein könnte. Wer höher hinaus will, kann sich auch am LD Dance Studio orientieren. (Man achte allein auf das deutlich höhere Tempo).

    Wo wir bei Tanz-Videos sind. Im Laufe der Hochzeit stellte es sich heraus, dass ich Madame noch nie zu Soul-Train-Video-Schau-Sessions gezwungen habe. Das gilt es nachzuholen: Soul Train Line Dance to Jungle Boogie (1973)

    Falschparker auf Berliner Busspuren sollen zukünftig mit Kameras aufgezeichnet werden.

  • 23-08-05 Voyager en voiture couchette

    23-08-05 Voyager en voiture couchette

    Weihnachten 2015 fuhren wir mit einem der letzten Nachtzüge der Deutschen Bahn, und dachten, wir werden nie wieder Nachtzug fahren können. Welch Irrtum.

    Donnerstag wurde in Lörrach Käsegebäck gebacken, denn ein Familienfest rückte näher.

    Nachdem ich meine Beschäftigung mit Mensch-Maschine-Schnittstellen beendet hatte, begannen wir das Packen. Es begann mit Vernichtung von Essensresten (Butter Chicken, Paprika, Frühlingszwiebeln, Käsekuchen) und setzte sich mit dem Heraussuchen von Kleidung aus.

    Die Ruhe-vor-dem-Aufbruch – wenn alles fertig gepackt ist, aber der Zug noch nicht fährt – fiel über uns. Ungewohnt, dass diese um 20 Uhr stattfindet.

    Anscheinend soll es mein Schicksal werden, am Home-Office-Tag privat am Büro vorbeizufahren. Ich winkte der Geschäftsstelle aus dem elektrischen 248er-Bus, der uns zum Bahnhof Südkreuz fuhr.

    Donnerstag um 21 Uhr, Geschäfte geschlossen, Bahnhof halbdunkel – ein sehr anderes Erleben als mein normaler Mittagspausenaufenthalt dort.

    In Lörrach wurde derweil Käsegebäck gebacken.

    Der ÖBB Nightjet nach Zürich fuhr ein. Wir suchten Plätze 31 / 32 (unten) in Wagen 311, Liegewagen-6er-Belegung. Im Abteil unseres voiture couchette befand sich bereits eine bezaubernde franko-schweizer-Familie aus Geneva mit zwei Kindern auf der Rückfahrt aus dem Berlin-Urlaub. Die beiden Erwachsenen sprachen ähnlich kompetent deutsch wie wir französisch und so einigten wir uns auf englisch als Konversationssprache.

    (Ehrlicherweise sprachen sie leidlich deutsch wie Madame französisch. Meine Sprachkenntnis ist nicht-existent. Ich freute mich einfach nur in den Sound der Sprache eintauchen zu können, wenn die Familie untereinander kommunizierte.)

    Der Schaffner überzeugte uns, dass er uns morgen keinen Kaffee kochen muss, der Fuchs. Irgendwo in Südbrandenburg kletterten wir in unsere Schlafkojen und schlossen das Rollo. Während aus dem ein oder anderen Erwachsenenbett noch ein Handy leuchtete, war es bei den beiden Kindern (Alter: späte Grundschule, frühe weiterführende Schule) sofort komplett ruhig.

    In Lörrach wurde derweil immer noch Käsegebäck gebacken.

    Längerer Aufenthalt in Leipzig. Wegen Lok-Umkopplung ging zwischenzeitlich die Lüftung aus – es wurde schwül. Einschlafen kurz hinter Leipzig. Das Ruckeln war einschläfernd nicht aufweckend. Irgendwo in Sachsen gelang es der Lüftung auch, die tagsüber angesammelte stickige Luft aus dem Wagen zu blasen.

    Irgendwann nachts in Frankfurt. Vom Tief- in den Halbschlaf. Kopfbahnhof, umkoppeln, Lüftung aus die Nächste. Nur noch im Halbschlaf mitbekommen. Es blieb warm genug, damit ich die Decke als zusätzliches Kopfkissen verwenden konnte.

    In Lörrach wurden um diese Zeit hoffentlich kein Käsegeback mehr gebacken.

    Hinter Frankfurt: weiteres Ruckeln, stehen, weiterschlafen. Später lesen wir etwas von „Zugreparatur in Mannheim.“

    Um 7:38h Ankunft in Basel Badischer Bahnhof, etwa 30 Minuten zugreparaturverspätet.

    Beim Aussteigen sehen wir in den Schlafwagen hinein. Unser Liegewagen war perfekt in Schuss, wir merkten ihm sein Baujahr in den 1960ern/1970ern aber auch deutlich an. Das war Bahnfahren wie es sich in meiner Kindheit anfühlte.

    Der Schlafwagen hingegen, in den wir einen Blick erhaschten, war offensichtlich neu. Das sah aus wie das innere eines Fernseh-Raumschiffs. Ich war schwer beeindruckt und wünsche mir, dass irgendjemand auf der Welt außer der ÖBB neue Schlaf- und Liegewagen bauern lässt.

    Unsere Reiseparter*innen fuhren weiter nach Basel SBB. Sie wollten den Tag über Basel betrachten, abends weiter nach Genf.

    Wir eilen zur S-Bahn, in der Hand das kaffeefreie To-Go-Frühstück zu dem der Schaffner uns hingelenkt hatte. Vor Eil-S-Bahn-Schreck vergesse ich, ein Foto vom Nachtzug zu machen.

    In Lörrach nimmt die Käsegebäckproduktion wieder fahrt auf.

    Wir unterbrechen diese zum Frühstücken und Kaffeetrinken.

    Madame bricht wegen Familiengeschäften zu Bank und anderen Orten auf. Den ursprünglichen Plan „ab ins Freibad!“ kann sie wegen Arm nicht umsetzen. Die Käsegebäckproduktion läuft weiter, Ich führe den Schwimmbadplan alleine durch. Und es war alles perfekt:

    Die Anlage des Parkschwimmbads Lörrach war riesig, schick und bis auf die Drehkreuze funktionierte alles als wäre es farbikneu ausgepackt. Sonne und Trockenheit beim Kommen und Gehen, zwischenzeitlich im Wasser Regen. 20 Grad Lufttemperatur, 21,8 Grad Wassertemperatur. Wir teilten uns ein 50-Meter-Becken mit zwei bis sechs Personen. Es gibt wenig, was so herrlich ist, wie Regen wenn man bereits im Wasser ist und schwimmt.

    Gemaltes Bild; Badende mit Ball in der Hand.

    Letztendlich schwamm ich viel und lange wie seit Monaten nicht mehr. Was wunderbar war. Aber es führte dazu, dass ich mich nach dem Heimkommen leider nicht mehr bewegen konnte.

    Währenddessen ging die Käsegebäckproduktion weiter.

    Irgendwann erhob ich mich wieder. Sollte sich ein Muskelkater abzeichnen?

    Die Geschäftsvorgänge wurden trotz der notwendigen Mitwirkung von übersichtlich kompetenten Bankazubis erfolgreich zu Ende gebracht. Madame möchte an die alte Hamburger EC-Karte erinnert werden.

    Das Käsegebäck war vollendet. Es gab Kaffee und Kuchen. Später traf sich der Cousinenchor zur Probe und dann zum Pizzaessen.

    Jetzt wird noch eine Katzenbarbie eingewickelt und der große Tag beginnt.

    2 Fußgänger

    Nachzutragen von Mittwoch: Der Tag begann mit einem Staatsbesuch. Nicht bei mir, aber als ich versuchte, per Rad die Straße zu überqueren. Die Choreographie der Polizei-Motorräder, die in kurzer Zeit rollierend Kreuzungen absperren, um den Besuchstross durchzulassen, fasziniert mich stets.

    Karen fuhr auch Nachtzug. Von Bukarest nach Istanbul. Ich ahne, dass Madame spätestens Montag Reiserouten von Bukarest nach Istanbul recherchieren wird.

    Lörrach besitzt eine „Fahrradstraße – Autos sind hier Gast“. Ich wandelte diese entlang und traf 1 Fahrrad, 2 Fußgänger (einer davon schob ein Fahrrad) und 11 Autos.

    Die Kollegen waren im Fernsehen als sie einen Motorbootkapitän retteten.

    Mein Lieblingsschwimmbad war im Radio. Gleich am Anfang des Beitrags: Wärme der Zukunft – Wie klimafreundlich geheizt werden kann.

    Über Geld reden, heißt darüber reden, was eine Gesellschaft ausmacht. Ich werde sobald ich in Berlin bin, mal suchen, ob ich an die eigentliche Studie komme.

  • 23-08-03 Uffz uch

    23-08-03 Uffz uch

    Wohnungsrenovierende im Kollegenkreis führten Fachgespräche über Schraubendreher-Varianten von Kreuzschlitz zu Vielzahn.

    Des Herzogs 3D-gedruckte Smartiesausgabemaschine ging derweil kaputt. An einem zu harten Smartie verschluckt.

    Vorteil, wenn mensch die IT-Ausgabe für neue Kolleg*innen übernimmt: Man kennt alle neuen Kolleginnen bereits ab dem ersten Tag.

    Madame durfte am Euref-Campus einen Eiskaffee bezahlen, die Bowl-Bezahlung gestaltete sich schwieriger. Derweil erfuhr sie von Plänen zu einer Anwaltskanzler mit Buchstrickecke.

    Am New-German-Style-Garden am Südkreuz lief eine Frau mit Schere fröhlich durch die Beete, um sich einen üppigen Blumenstrauß zusammenzustellen. Erst war ich sehr verblüfft und sprachlos. Nachdem ich sie dann darauf ansprach, verstand sie kein deutsch und begab sich zurück zu Mann und Kinderwagen.

    Seit vielen Wochen sehe ich andauernd Shuttlebusse vom Bahnhof zur Tesla-Fabrik abfahren. Und immer noch denke ich jedes Mal: Mein Gott! Sie existiert wirklich!

    Das neu gebaute Gerüst am Haus stört den Handy-Empfang in der Küche. Andere Räume umgibt es auch – aber anscheinend beeinflusst nur der Knick in der Wohnung, der zu einer doppelten Gerüstecke führt, den Empfang. Mobiltelefongespräche ab jetzt nur noch aus Wohn- oder Schlafzimmer.

    Im zweiten Anlauf steht auch der Dachdecker-Aufzug am Gerüst. Wie geahnt, glücklich für uns, unglücklich für die Nachbarn, vor der anderen Haushälfte. Nun haben wir den Dachausbau nur über dem Kopf, ohne dass uns dauernd Handwerker*innen und Bauschutt vor der Nase herumfahren.

    Dachdecker-Aufzug

    Derweil reißen Handwerker beim Kaptain Fliesen weg und finden Unerfreuliches.

    Madame entwickelte sich von einer Kunststoff-Gips-Trägerin zu éiner Orthesenträgerin.

    Überraschend schnell kam neuer Sanitätsbedarf an. Ein gebrauchter refurbishder Roomba e5152 dreht gerade seine Runden durch die Wohnung. Erster Eindruck: putzig. Und der Boden wirkt sauberer. Nur gelingt dem Gerät die Flucht aus der Küche in den Flur, nicht aber der Rückweg.

    Gooey Chocolate Rugelach

    In Tübingen ging es auf Schatzsuche.

    Die mit-dem-Greyhound-durch-die-USA-fahrende Joanna Pocock war einige Jahre vorher auf einem Ecosex-Festival in Washington State und schrieb darüber in Granta: Surrender.

    In der New York Times war ein Artikel über Kosher Salt. Über den gelangte ich zu den 100 Most Jewish Foods und über diese schließlich zu Laurel Kratochvila.

    Kratochvila stammt aus Massachusetts, lebte einige Jahre in Prag und inzwischen in Berlin. Als sie nach Europa zog, entdeckte wie sie sehr jüdisch-amerikanische Backwaren und klassisches europäisches Angebot miteinander verwoben sind. Nun schrieb sie ein Buch „‘New European Baking: 99 Recipes for Breads, Brioches and Pastries,’“ das laut Rezensent:

    Her collection of 99 recipes for breads, brioches, and pastries touches on all corners of Europe, from the ubiquitous French croissant to unique cross-cultural combinations, like nutty baklava danishes. But at the heart of it all, it’s hard not to notice dos pintele yid––the Jewish spark at the heart of it all.

    Although hers is not an explicitly Jewish cookbook, Kratochvila weaves the history and evolution of Jewish baking into the pages like strands of a challah.

    (Joe Baur: Bringing Jewish Baking Home to Europe)

    Gerade weil wir ja gerade in Polen waren und die Backwaren bewunderten und uns noch gerne an israelische Bäckereien erinnerten: Glauben wir sofort und sind neugierig.

    Neben dem Buch, das wir wohl brauchen, betreibt Kratochvila das Bäckereicafé Fine Bagels. Und da müssen wir auch hin.

    (Von allen Orten in der Warschauer Straße – hier vermute ich aber doch Zufall)

  • 23-07-30 Othello (Schuld und Bommelmütze)

    23-07-30 Othello (Schuld und Bommelmütze)

    Ein Admiral saß auf der Terrasse. Ein General lief über eine Bühne. Aber dazu später mehr.

    Madame betreute telefonisch ein Therapiekatzendrama. Vorher hatte sie das Jüdische Museum besucht.

    Freitagmittag am Bahnhof Südkreuz: Eine junge Frau geht entschlossenen schnellen Schrittes auf die Rolltreppe zu. Etwa zwei Meter hinter ihr läuft eine andere junge Frau, ähnlich schnell. Erstere sagt immer nur „DU bist Schuld! Du bist Schuld! Du bist Schuld!“

    Ähnlich viele Hintergrundinformationen fehlen uns zu den Immobilien-Hallodris im Haus, die ein Büro, fünf Briefkästen und 30 Briefkastenadressen betreiben. (Schätzung – ist alles etwas unübersichtlicht.) Auf jeden Fall waren am Freitagmorgen alle ihre Briefkästen aufgebrochen.

    Auch am Südkreuz: Bei 23 Grad Außentemperatur fangen Menschen an, Bommelmützen zu tragen.

    Auf dem Heimweg: Vor Tinte+Toner steht ein neuer Automat. Beim Vorbeifahren sieht es aber eher nach Essen + Trinken aus als nach E-Zigaretten-Liquids.

    Auf dem wochenendlichen Weg auf die Latifunden führten uns die diversen Sommerferienbaustellen der Stadtautobahn bis nach Spandau. Wir entdeckten beim Vorbeifahren nicht nur eine zweite Filiale Hühnerwald, sondern auch „das größte chinesische Restaurant Deutschlands“ und den Schlemmer-Paradiies-Imbiss (der nicht nur Pulled-Pork-Pommes anbietet sondern auch einen monatlichen Stammtisch mit dem Hertha-BSC-Präsidenten Kay Bernstein).

    Bildungslücken taten sich auf: Madame aß noch nie in ihrem Leben Freibadpommes!

    Nacht-Stadtautobahn-Begegnung: ein Konvoi auf vier neuen, nicht gekennzeichneten Kleintransportern, der mit Blaulicht reichlich schnell die Stadtautobahn entlang fuhr. Wohin sie wohl wollten? Was sie transportieren? Zu wem sie gehörten?

    James Grieve

    Im Garten finden die Schmetterlingsfestspiele statt. Neben Admiralen (Admirälen?), die auch gerne des Nachbarn Schmetterlingsflieder aufsuchen, fallen die Kohlweißlinge auf, die über die Wiese torkeln. Kommt man der Wiese näher, stiebt ein Dutzend ätherisch aussehener Bläulinge auf, von den vielen ununterscheidbaren mittelgroßen braunen Schmetterlingen gar nicht zu reden.

    James Grieve! Ausgerechnet James Grieve! Der Apfelbaum, der immer etwas kleiner, verkümmerter und weniger tragend war als seine größere Nachbarin Alkmene weiß dieses Jahr überhaupt nicht mehr wohin mit den ganzen Äpfeln. Nur an vorreifen Fallobst fiel diese Woche ein halber 10-Liter-Eimer voll – ohne dass es am Baum einen erkennbaren Unterschied machte. Wobei halt die gesamte Ernte der letzten Jahre zusammen etwa einen 10-Liter-Eimer voll ausgäbe. Das wird noch spannend.

    Neben Schmetterlingen waren auch weitere Insekten unterwegs. Spannend: Die Raubfliege, die versuchte eine knapp doppelt so große erbeutete Raupe an der Hauswand hochzuschleppen. Und wir fanden eine weitere unbekannte Fliege: Nach der Durchsicht vieler Fliegenbestimmungsseiten halte ich sie für eine Raupenfliege der Gattung Gymnosoma. Ich lernte aber auch: die einzelnen Arten lassen sich nicht mehr an der Zeichnung unterscheiden, sondern an deren Merkmalen für die man die Fliege einfangen, einfrieren und dann mit Pinzette und Mikroskop untersuchen muss. Oder man zieht DNA. Ist mir im Garten beides zu aufwendig.

    Raupenfliege an Mazedonischer Witwenblume (Knautia)

    Desdemona im Schwimmbad

    Das Latifundenwochnenende wurde von einem Kulturschwimmbadbesuch unterbrochen. Wir hatten dem Motorradmeister zum Geburtstag einen Besuch der Shakespeare Company Berlin geschenkt. Wir trafen uns zum Auftaktessen bei Sagar. Das Ta Panta Ri, bei dem auch schon manches Geburtstagessen mit Meze-Platten stattfand, schloß leider die Tage.

    Nach Butter Chicken und Biryani machten wir uns auf den Weg zum Insulaner. Denn das Shakespeare-Theater steht auf der (ehemaligen) Liegewiese des Sommerbads am Insulaner.

    Dort führe ich mich eh zu Hause. Und wenn dann noch unter freiem Himmel wunderbare Kultur hinzukommt. Die Company versucht sich an Shakespeare zu orientieren: Volks- und Unterhaltungstheater mit Tiefgang zu inszenieren. Spärliches Bühnenbild, relativ viel Musik, spezielle Kostüme, vor allem aber die Shakespearische „Wortkulisse.“

    Und spannend: Bei Shakespeare und diesen Inszenierungen funktioniert, was bei mir bei Sprechtheater nur selten funktioniert: Ich habe den Eindruck, emotional involviert zu sein, die ganze Vielfalt und Abgründe der armen, kleinen, fehlbaren Menschenwesen auf der Bühne dargestellt zu bekommen.

    Othello hatte ich bisher komplett ignoriert. Großes Stück, schöne Inszennierung.

    Lebensziele

    Das Kulturphänomen Barbenheimer ist zumindest soweit nach Deutschland vorgedrungen, dass es einen Wikipedia-Artikel (samt abgewiesenem Löschantrag darauf) gibt.

    Die New York Times porträtiert einen New Yorker, der vielleicht 77 Jahre alt ist, vielleicht auch 97 Jahre alt und dessen Aufgabe im Leben aktuell darin besteht, Pickleball-Spielern auf die Nerven zu gehen. Schon das klingt erstrebendwert. Am ertrebenswertesten aber fand ich den Satz:

    His name is Paul Owens (or maybe Paul Rubenfarb or Paul Rosenberg); he claims to be 97, and his cryptic business card reads “Let’s go dancing,” while listing a variety of genres like “doo-wop” and “1950s red-light mambo.”

    Auch ein spannendes Proträt: Mike Masnick. Der Outsider/Insider der amerikanischen Techszene, der mir schon durch meine Magisterarbeit 2000 durchgeholfen hat – und immer noch derjenige ist, der Techfreak ist und trotzdem einmal am Tag ruft: Der Kaiser ist nackt!

    Die Turku -> Istanbul-Reisebeschreibung kam bei der Etappe Wien->Bukarest an. Ich musste Madame davon abhalten, spontan rumänische Bahnfahrtkarten buchen zu wollen.

  • 23-07-04 Bau auf, Gerüst, bau auf

    23-07-04 Bau auf, Gerüst, bau auf

    In der Straße parkt der Botschafter Somalias. Seinem BMW ist nicht anzusehen, was der Begehr des Besuchs ist.

    KK wird nach Schottland fliegen, um dort mit Gepäck und ihrer Tochter durch die Highlands zu wandern.

    Die Kollegen streiten, ob die Taubenkolonie in der Tiefgarage, nervig, furchtbar oder mittlerweile ernstlich gesundheitsgefährdend ist. Es scheint je nach Ecke der Tiefgarage zu variieren. Aber die durchgehende Taubenkotbesatz in dieser fast fabrikneuen Tiefgarage ist auf seine eigene Art wahrlich spektakulär.

    Madame wachte auf mit den Worten: „Das ist die Elster.“

    Madame erntete direkt nach der Kirschernte noch mehr Kirschzweige als vorher Sauerkirschen. Das Obstbaumschnittbuch sagt: Ungefähr die Hälfte der Masse entnehmen.

    Und obwohl wir gar keine richtige Hecke haben, schnitt sie sie dennoch. Denn es war Johanni.

    Der Lokalzeitung entnahmen wir, dass an der Schöneberger Fahrraddemo etwa 800 Räder teilgenommen haben. Davon viele Kinder- und Laufräder.

    Die Einsendeaufgaben Investition und Finanzierung sind deutlich verständnisfreudiger als die mathematischen. Aber bei meinem Vorbereitungsstand brauche ich trotzdem für eine (von insgesamt sechs) der Aufgaben je einen kompletten Abend.

    Ich begann, mein Spielzeug einzurichten. Der wichtigste Punkt funktionierte bereits: Windows 11 läuft. Weniger, weil ich Windows-11-Fan bin, aber ich bin Fan langjährig unterstützter Betriebssysteme. Und beim 10-11-Sprung ist schon auf mancher Hardware etwas schief gegangen.

    Alt: Korean Fried Chicken. Neu: Dottoressa

    Ein Kommen und Gehen ist in Berlin: Der altbewährte allein praktizierende Hausarzt bildet plötzlich ein „Medizinisches Versorgungszentrum“ zusammen mit einer Dottoressa. Immerhin, Teil 2 der FMSE-Impfung verlief genauso unkompliziert und nett wie Teil 1 auch schon.

    Die lange Straßenbaustelle der Wasserbetriebe ist fast wieder verschwunden. Anscheinend ging es wirklich nur darum, die Gullideckel zu wechseln und die Straße um diese herum wieder in den rechten Abschüssigkeitsbereich zu bringen.

    Ex-Korean Fried Chicken hat mittlerweile ein arabisches Schild an der Wand. Die ehemalige Klavierstimmerwerkstatt hat noch ihr eigenes Schild, steht aber leer. Dafür eröffnet ein Chef Burger (ehemals Wettbüro), eine Pastaria/italienische Feinkost (ehemals Wettbüro), ein anderer Burgerladen (ehemals „Pizzaria[sic!] Juventus“) und ein Hühnerwald. Beim Hühnerwald erinnern nicht nur der Name sondern auch Farbdesign und Schriftgestaltung an eine andere Hähnchenbraterei mit Österreichbezug.

    Da passt es, dass wir vor dem Einschlafen die ZDF besseresser streamen.

    Vorerst leider ohne Gehen wird wohl das Hinterhofgerüst kommen. Dieses erreichte in seinem ersten Ausläufer unser Stockwerk. Jetzt schauen wir aus dem Kammerfenster hinaus auf Stangen und zur richtigen (falschen) Tageszeit auf Bauarbeiter direkt vor unserer Nase.

    Während ich in der Mittagspause weiterhin den mustergültigen New-German-Style-Garten vor Vattenfall bewundere, schreibt die New York Times den Trendartikel dazu: Corporate Landscaping Lets Its Hair Down.

    Staudengarten mit Flixbussen und Bahnhof Südkreuz im Hintergrund.

    Unschöner dazu der FAZ-Artikel (Paywall) über den Überraschungsrausschmiss des New German Style-Papstes Cassian Schmidt vom Hermannshof: Streit im Garten-Mekka.

    Kitty Koma ist wieder an Bord.

  • 23-06-18 Große Hafenrundfahrt

    23-06-18 Große Hafenrundfahrt

    Freitag arbeitete ich, glaube ich. Wenn ich in den Dunklen Ecken meines Gedächtnisses krame, erinnere ich mich daran, dass es bei Kollege Kiefer dauernd piepte. Vor noch längerer Vergangenheit schwärmte mir der Moabiter von der SAP-Kantine in Walldorf vor. Freitag lief der Bahnhof Südkreuz über mit ankommenden Schulklassen, die von Klassenfahrten zurückkamen.

    Wie schnell ein Tag in Vergessenheit gerät, wenn ein volles Wochenende folgte. Oder eher: ein voller Samstag. Der heutige Sonntag diente dem Erholen. Wir gruschtelten sonntäglich-angemessen zu viert auf den Latifundien, frühstückten so spät, dass wir Honigbrote in der Mittagshitze schmierten. Irgendwie kamen im Laufe des Tages sechs Himbeeren „Autumn First“ in den Boden, frischer Spargel und Kratzete sowie Erdbeeren auf den Tisch.

    Die Knautien können wir langsam in Kubikmetern messen. Die Ramblerrose Apple Blossom beginnt die Blüte, während Ghislaine de feligonde schon blüht – leider in eine Richtung von der niemand außer Traktorfahrern auf dem Feld nebenan etwas hat. Der Liguster des Nachbarn möchte ganz dringend in unseren Garten. Auf der Wiese tummeln sich Glockenblumen und ein Platterbsenfeld.

    Verschiedene Nachbarn berichteten im Verlauf des Wochenendes von den Erfahrungen beim Rentenübertritt.

    Ich las mich durch das Fernunimodul „Investition“. Nach dem Ärmelkanal-im-Sturm-Durchschwimmen – und ich weiß immer noch nicht, ob ich ertrunken bin, (Algorithmische Mathematik) fühlt sich Investition an wie 5 Kilometer im Hallenbad. Aber auch die wollen geschwommen sein. Und auch im Hallenbad kann man ertrinken.

    Noch drei Wochen bis zum letzten Abgabeschluß für Einsendeaufgaben. Das bedeutet noch dreieinhalb Wochen bis Urlaub. Das wird der erste Urlaub-Urlaub ohne jeden Klausurbezug seit Anfang 2022. Langsam habe ich es nötig.

    Aufwachen heute morgen mit wehem Knie. Noch mal eingeschlafen: Knie war okay, dafür wehte der Rücken. Willkommen in der Welt Ü40.

    Es war aber auch ein langer Tag gewesen am Samstag.

    Rein ins Auto, auf nach Richtung Nord. Zwei Zwischenhalte, Parken im Stadthafen Rostock: Auf die Rostocker 7, knapp eine Stunde die Warnow entlang nach Warnemünde. Dort zweimal die Hafenpromenande entlang gelaufen. Bei „Backfisch-Tilo“ verschiedene Backfisch-Varianten gekauft (und diverse Möwenschutzmaßnahmen bewundert). Mit der Rostocker 7 zurück in den Stadthafen. Allgemeine Erschöpfung machte sich breit. Nach der Rückfahrt Abendausklang in Hohen Neuendorf in der Himmelspagode.

    Am „Treffpunkt Riesenrad“ entdeckt, dass man dort dreimal im Jahr im Riesenrad frühstücken kann. Man setzt sich in eine Gondel, das Frühstück wird gebracht und dann fährt man eine Stunde. Mir fallen diverse Menschen ein, denen man das schenken könnte. Aber keinen, den wir bis zum 2. Juli nach Warnemünde locken werden. Von uns vier, hätte nur ich Interesse gehabt.

    Riesenrad vor blauem Himmel mit einzelnen Wolken. Zu seinem Fuß ein Bahnhofsschild "Warnemünde."

    Warnemünde erinnert stark an englische Seebäder zwischen Brighton und Blackpool. Wie ein deutschlandbesuchender Engländer einst sagte: „Endlich mal normale Menschen.“

    An uns vor fuhr eine Hybrid-Motor-Segel-Fähre mit Flettner-Rotor vorbei. Das ist um einiges aufregender als ein schnödes E-Auto.

    Auf der Hinfahrt wunderten wir uns auf der A19 über die verschiedenen Autos mit finnischen Kennzeichen. Nachdem wir den Finnland-Frachter und die verschiedenen Skandinavien-Fähren gesehen hatten, sagten bei jedem der zwei Dutzend norwegischer Autos auf der Rückfahrt „Ja, ist klar.“

    Klimaaktivisten säumen meinen Weg. Nachdem ich auf dem Arbeitsweg regelmäßig an der an-Straßen-festgeklebten-Variante vorbeiradle, versuchten sie nun auf Kanus die AIDAdiva aufzuhalten, die Abends auslaufen wollte.

    Kreuzfahrtschiffe aufhalten erscheint mir inhaltlich sinnvoller und politisch anschlussfähiger zu sein, als Pendler zu nerven. Und ein bestimmt-optimistisches „Smash Cruiseshit“ liegt mir auch stilistisch mehr als dieses selbstmitleidig-egostilisierende „Letzte Generation.“ Ich war sehr erfreut über die Kanut*innen.

    Neben unserer Berliner Wohnung existieren inzwischen so viele Barber Shops, dass nun ein Barber-Shop-Bedarfs-Geschäft öffnete. Eine Straßenecke weiter öffnet ein Juicy Burger, Est. 2023. Und obwohl ich seit Jahren fast täglich an beiden Ladenlokalen vorbeikomme, kann ich um’s Verrecken nicht sagen, was dort vorher für Geschäfte waren.

    Am Blog-lesen liebe ich diesen Einblick in andere Welten:

    Herr Rau hat einen Lauf und erzählt vom Erzählen. Christine Cazon geht an den südfranzösischen Strand. Das immerhin sind Leben, bei denen ich nach Everything Everywhere All at Once denke: hätte ich früher in meinem Leben andere Abzweigungen genommen, könnte ich heute ähnlich leben.

    Überhaupt keine Variante meiner selbst kann ich mir vorstellen, die freiwillig „Mozart!“ das Musical hört. Aber ich bin sehr fasziniert, davon zu lesen.

  • 23-06-08 Denk-Jan

    23-06-08 Denk-Jan

    In den Notizen für das Blog steht Denk-Jan. Ich denke länger: „Was wollte ich mir selber sagen?“, scheitere aber an der Antwort.

    In der Wohnungsbaustelle im zweiten Stock sind die Maler. Ein Zeichen dafür, dass diese Baustelle sich ihrem Ende nähert. Letztens empfing Madame den Schornsteinfeger. Und dieser meinte „Ist schon ein besonderes Haus. Immer so viele Baustellen.“ Das Mittelhausdach bekam derweil in seiner Westhälfte neue Dachpappe. Was noch immer die beiden Szenarien „Dach undicht“ oder „Einbau einer Dachterrasse“ offenlässt.

    Wahrscheinlich wird die Zweite-Stock-Wohnung demnächst möbliert. Und danach für Fantastillarden monatsweise an planlose Neu-Berliner vermietet.

    Wenn ich mich jemals einsam, alleine und verlassen fühle, dann kann ich mich auf den Blutspendedienst des Roten Kreuz verlassen. Kaum bin ich drei Wochen überfällig, schon schreiben sie nicht nur Briefe und Mails sondern rufen auch an.

    Über meine Büro-Gegend schrieb „Entwicklungsstadt Berlin“: Neubau: Am Südkreuz sind Gewerbe- und Wohnquartiere entstanden. Die Entwicklungsstadt-Website verdient ihr Geld von Immobilieninvestoren und dementsprechend lobhudlerisch sind die Artikel normalerweise. Außer wenn es um einen ganz besonderen Bürobau geht:

    Architektonisch wurde hier, zumindest was die Fassadengestaltung angeht, wenig Kreativität eingesetzt. Auch die Gestaltung der Außenräume ist ungemein nüchtern. … Unter den bisher umgesetzten Projekten finden sich sowohl gelungene als auch weniger gelungene Beispiele moderner Architektur. Kommende Projekte sollten aus den Erfahrungen der bisherigen Bauvorhaben ihre Lehren ziehen – und dürfen durchaus mehr Mut bei der Gestaltung der Gebäude zeigen.

    Von meinem ungemein nüchternen Bau aus war ich auf der anderen Seite des Bahnhofs – den Subaru aus der Werkstatt abholen. (Ölwechsel und Inspektion bei 182.000 km) Dort stieß ich auf eine Jelbi-Mobilitätsstation. Wie damals am Ullsteinhaus. Nur dass das Ullsteinhaus noch spannender war als der Bahnhof. Und ich direkt darin arbeiten durfte.

    Wenn die Bahn jemals eine Besenkammer im Südkreuz ausmistet und als Co-Working-Space vermietet: Ich wäre dabei.

    Mehrere Leih-Elektroroller und ein Aufsteller einer "Monilitätsstation" auf Bahnhofsvorplatz

    Ich stellte fest: Fahrten in die Werkstatt sind neben Bahnhofs-Absetz-Fahrten unsere einzigen Autofahrten, die innerhalb des S-Bahn-Rings beginnen und enden.

    Beim Schreiben fiel mir inzwischen auf, dass Denk-Jan wohl Denk-Jam bedeuten sollte. Also so etwas wie Stau im Hirn. Das Gefühl, dass sämtliche Denkwege von linearer Algebra verstopft sind.

    Ich wollte zur Stauauflösung kurzzeitig etwas komplett Anderes unternehmen. Also erfreute ich mich am Deutschlandticket (Ich kann mich einfach so in den Bus setzen und irgendwohin fahren. Und wieder zurück. Wie krass ist das denn!) und fuhr nach Steglitz, Baumarktluft einatmen.

    Madame traf währenddessen eine alte Bekannte – und die hatte Überraschendes zu erzählen. Sie trafen sich unter anderem im Café Peri. Erster Eindruck: Wirkt so wie sie Madame sich Cafés in hippen Istanbuler Stadtteilen vorstellt.

    Herr Rau schrieb einen Wikipedia-Artikel. Und einen Blog-Artikel wie er den Wikipedia-Artikel schrieb. Außerdem empfahl er einen Billy-Joel-Podcast. Den ich mangels ruhiger Hörzeit und wegen zuviel Denk-Jan aber noch nicht hörte.

    Aus Gründen, die ich nicht mehr verstehe, habe ich mich beim Data Science Bootcamp von Openhpi des Hasso-Plattner-Instituts angemeldet. Das startete ausgerechnet jetzt. Und die beiden Bootcampenden sind hinreißend.

    Die Neben-der-Toilette-Kräuter-Gewächshauskästen im Edeledeka Steglitz sind weg. Der Betreiber verschwindet unter bösem Blut aus Europa. „Deutschlands erstes Lebensmittel-Start-Up mit einer Bewertung von über 1 Milliarde US-Dollar“ (=Infarm) hatte 2020 Fünf Millionen Euro Umsatz (das sind 0,5% von einer Milliarde) bei Kosten von 53Millionen (das ist das 10,5-fache des Umsatzes). Seltsam finde ich, dass ein Startup, welches sich Nachhaltigkeit auf Fahnen und Website schreibt an „zu hohen Energiekosten“ scheitert. Aber oh well, so ist das Leben. Aufgefallen ist mir Infarm vor allem, weil ihr ehemaliges Welthauptquartier an meinem Mittagspausenspaziergang am Ullsteinhaus lag.

    Die re:publica ging vorbei und sie lehrt mich etwas über Bubbles. Ich verbringe mein Leben seit Jahren unter gelernten Fachinformatiker*innen (=Ausbildungsberuf). Von denen bisher keiner je von „Europas größter Digitalkonferenz“ gehört hatte. Und wenn man erzählt, klingt es für sie wie so eine typische Laberveranstaltung auf der Chef*innen ihre Zeit verdödeln, um nicht arbeiten zu müssen.

    Karen erzählte etwas über Zeugnisausgaben in Finnland.

    Die Mauersegler fliegen wieder durch den Hinterhof.