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  • 25-01-02 Breit, feierlich – Schnell und energisch – Cadenza (Silvesterrakete explodiert in Wohnung)

    25-01-02 Breit, feierlich – Schnell und energisch – Cadenza (Silvesterrakete explodiert in Wohnung)

    Hobbybrauer können seit dem 1. Januar 500 Liter jährlich steuerfrei brauen. Die Quote erhöht sich von 200 Litern im Jahr 2024. Auch neu: Deutsche Staatsangehörige müssen in deutschen Hotels keine Meldezettel mehr ausfüllen.

    Wenn ich also endlich meine Kleinbrauerei in einem Hotelzimmer öffne, kann ich mein kleines Reich der Anarchie eröffnen.

    Der Urlaub ist vorbei. Madame kehrte mit dem ICE 845 von Hannover-Hauptbahnhof nach Berlin-Südkreuz zurück. Ich kutschierte den Kaptain durch Regen und Sturmböen zurück von der Conti-Fabrik nach Dithmarschen. Mittwoch arbeite ich mobil aus der Ferne.

    Ob ich noch einmal an den Deich komme? Der erste Versuch blieb Mittwoch aus. Irgendwann sollte auch ich akzeptieren, dass die Natur sagt „Shelter in space.“

    Die Nordseeküste kann nicht nur dichten Nebel im Winter. Sie kann auch Orkanregen. Wieder Wasser von oben, von unten, von links und von rechts. Wieder würden mich Quallen in der Luft nicht wundern. Nur würden sie mir jetzt mit 100 km/h direkt ins Gesicht fliegen. Und das muss nich.

    Action?

    Herr southpark. Ich Vorsatz für das neue Jahr war „mehr Action!“ Wie haben Sie denn Silvester verbracht?

    Also um Mitternacht saß ich auf dem Bett mit einer Tasse Ingwertee in der Hand. Wir schauten fern. Aber davor war ich auf einem Konzert. In einer Kirche. Mit Mama.

    Morgens absolvierten wir eine Hannover-Stadtrundfahrt entlang des Maschsees nach Hemmingen, zurück an den Nanas vorbei, die Uni passiert und die Herrenhäuser Gärten umrundet. Da also wohnt die EKD! Über den goldenen Bahlsen-Keks ging es zurück auf die Memory Lane nach Langenhagen. Das Eiscafé Venezia existiert noch und verkauft weiterhin Spaghetti-Eis. Das andere Café wechselte Besitzer und Namen, verkaufte uns aber Silvester-Pfannkuchen (Variante Schornsteinfeger, Mehrfrucht und Champagner.)

    Mehr Action

    Ein eindrucksvoller Start in das Jahr. WIe ging es weiter?

    Am Neujahrsmorgen um 10:34 legten wir eine filmreife „Mann läuft zum Bahnhof und kriegt aus dem abfahrenden Zug etwas gereicht“ hin.

    Ein Konzert. Wir waren auf einem Konzert. Vor Beginn entledigte ich mich der Jacke, und gab Madame mein Portmonnaie zur Verwahrung in die Handtasche. Und dann war das Konzert vorüber, ich musste Ingwertee trinken und fernsehen und hatte keine Aufmerksamkeit für den Geldbeutel.

    Am 1. verabschiedete sich Madame Richtung Bahnhof, ich wollte noch duschen, Sachen verstauen, den Kaptain einsammeln et cetera. Irgendwann überlegte ich, wo ich das Portmonnaie während der Autofahrt verwahren sollte.

    Wo war es überhaupt? Ich überlegte „Madames Handtasche. Am Bahnhof. Kurz davor einen Zug nach Berlin zu besteigen.“

    Es war 10:16h, das Hotel liegt eine U-Bahn-Station vom Bahnhof entfernt, der Zug sollte um 10:31h fahren. Ich versuchte, beide Schuhe und die Jacke gleichzeitig anzuziehen und kontaktierte Madame (die bestätigte den Standort der Brieftasche). Ich begab mich so schnell mich morsche Knochen und mangelnde Kondition lassen, zur Bahn. Drei Minuten Wartezeit. Abfahrt 10:27. Madame morst derweil Bahnsteig und ihren Standort durch.

    Ankunft an der Bahnstation Bahnhof 10:30, ich stürme schleiche, aber so schnell wie seit 2013 nicht mehr, Richtung Bahnsteig. Madame meldet 3 Minuten Verspätung des Zugs der gerade einsteigt. Auf zu Gleis 10. Unten orientieren: wo ist Abschnitt D? Rolltreppe hochgehastet. Meine Luft! Mein Atem!

    Ich sah von der Treppe aus die ersten Füße auf dem Bahnsteig und hörte „Zug blabla Gleis 10 fährt ab. Richtung Berlin. Bitte treten sie von den Türen zurück.“ Auf den Bahnsteig gesprungen. Madame stand noch an der Tür, wedelte mit dem Geldbeutel. Mit letzter Kraft dorthin gelaufen, ihr die Brieftasche aus der Hand gerissenund das überraschende Gefühl von Seitenstechen erlebt.

    Der ICE fuhr derweil ab.

    Das sollte eigentlich reichen für ein Jahr. Aber es sollte noch dramatischer kommen.

    Vorher aber ein kurzes Andante.

    Andante

    Das Silvesterkonzert: in Hannovers Hauptkirche, der Marktkirche, spielten der Marktkirchen-Organist Ulfert Schmidt und der Nachwuchstrompetengott in spe Matvey Ovchinnikov. Sie führten ein Konzert für die Drei Orgeln der Marktkirche sowie Piccolo, D-und B-Trompete auf.

    Wie es sich für einen solchen Anlass gehört, spielten sie ein schönes Potpourri aus Loeillet, Telemann, einem schwedischen Weihnachtslied und anderen. Mein musikalisches Highlight: Alexander Arutjunjan mit seinem Concerto in As-Dur und den Sätzen Breit, feierlich – Schnell und energisch – Cadenza.

    Das Publikum: die bessere Hannoveraner Stadtgesellschaft mit starkem Hang zum Grauhaarigen. Sie nahmen das Kulturangebot an, bevor sie um Mitternacht zur privaten Silvesterfeier gelangten.

    Es war festlich, es war schön, es war nachdenklich, jubelnd, lustig, wie es sein sollte.

    Vorher: Garten. Gärten. Herrenhäuser Gärten. Vielleicht das Hannover-Highlight mit seinem Barock-Garten. Als guter Barock-Garten hat er genug Architektur, Hecken und Spaliere, um auch im Winter zu funktionieren. Vielleicht funktioniert er zu dieser Jahreszeit sogar besser, denn die Architektur der Gestaltung lässt sich ohne störende Blätter besser erkennen.

    So eine Pracht nur fünf Bahnstationen von der Innenstadt entfernt.

    Überraschend: die Grotte der inoffiziellen Stadtkünstlerin Niki de Saint Phalle. Diese durfte das heilige Gelände der Herrenhäuser Gärten mit ihrer Kunst schmücken. Zurecht.

    Noch mehr Action

    Dieses Silvester lernte ich was eine Kugelbombe ist.

    In Kremmen, nahe der Latifundien, sprengte sich ein Mann mit einer Kugelbombe in die Luft und starb.

    Eine andere Kugelbombe explodierte in Schöneberg. Sie beschädigte sieben Gebäude und barst in einem Wohnhaus sämtliche Scheiben. Sie brachte mehrere Menschen ins Krankenhaus.

    Es traf keine direkten Nachbarn. Aber das Haus liegt noch locker in dem Bereich, den ich Alltagskiez nennen würde. Einst residierte nebenan mein Zahnarzt, ein Haus weiter links befindet sich ein Stammlokal. Ganz allgemein fühlt sich die Gegend zu sehr nach „zu Hause“ an, als dass ich dort mehrere Kilo Sprengstoff haben möchte.

    Als wir die Nachricht von Hannover aus mitbekamen, schauten wir uns an, und dachten, gut, dass wir nicht in Berlin waren. Gut, dass auf dem Balkon nichts Brennbares ist. Little did we know.

    Madame kam in die Wohnung und meldete „alles okay.“ Dann meldete sie „Löcher im Fenster (Oberlicht der Balkontür)“ und Raketenreste im Wohnzimmer.

    Dann rief sie die Polizei. Die kam und zusammen rekonstruierten sie: Anscheinend hatten Menschen (okay, Männer.. immer Männer) von der Straße aus versucht, unter die Dachfolie zu schießen. Dabei hatte eine Rakete beide Altbaufenster über der Balkontür zerschlagen.

    Die Rakete war gegen die Zimmerdecke geschlagen. Von der Decke prallte sie Richtung Boden. Sie traf auf dem Wohnzimmertisch eine Notenmappe. Dort prallte sie wieder ab, diesmal gegen die Zimmerwand. An der Wand explodierte sie. Die explodierenden Reste stürzten auf den Boden, wo sie dem Einband des „Wikipedia-Lexikon in einem Band“ landeten, das als Türstopper dient.

    Das Wikipedia-Lexikon erwies sich als brandresistent.

    2025. Das Jahr, in dem wir erst filmreife Abschiedsszenen hinlegen und uns dann ein Wikipedia-Einbänder vor einem Wohnungsbrand rettet. Und das war nur Tag 1.

  • 24-12-26 Es geschah zur Zeit da Quirinius Statthalter in Syrien war

    24-12-26 Es geschah zur Zeit da Quirinius Statthalter in Syrien war

    Ein Kind ward geboren. Die Eltern werden für die nächsten 18 Jahre das Geburtstagsgeschenk am frühen Morgen und Bescherung am Abend in Einklang bringen müssen. Willkommen E!

    Die heilige Nacht in Berlin von ungeahnter Ruhe. Selbst das immerwährende großstädtische Hintergrundrauschen verstummte. Um so auffallender vereinzelte Martinhörner, gegen 3 Uhr Nachts etwas das klang als würde ein Kind sein neu erhaltenes Alarmanlagen-Radau-Gerät ausprobieren.

    Beim Blick in die leeren Busse, die vor der Haustür fahren, der kurze Gedanke „das wäre etwas für mich.“ Busfahren an Heilig Abend ist eine dieser unwirklichen Zwischenwelten, nur halb in dieser Realität, die mich reizen. Leider dürfte ich die Busse aber nicht an Heiligabend fahren, sondern müsste auch wochentags zur Rush Hour ran. Weit weniger reizvoll.

    Das Internet rotiert, denn Elon Musk rief dazu auf, keineswegs für Wikipedia zu spenden. Dazu möchte ich sagen: Geld hat Wikipedia genug. Wer helfen will, möge sich praktisch beteiligen. Wikipedia braucht kein Geld, sondern Zeit, Grips und neue Gedanken.

    Der Tag vor dem heiligen Abend verlief mit Werken: Sachen sortieren, Müll rausbringen, Rombitombi anfeuern – höchst unheilige Geschäftigkeit. Am späten Nachmittag brach Madame zum ersten Auftritt auf, ich blieb in letzter Geschäftigkeit.

    Nach ihrer Rückkehr begann der heilige Abend: Fondue Irlandaise, weihnachtliche Shanties und die Paris-Playlist. Eine große rote Kerze substituierte als Weihnachtsbaum, Madame reichte Sloe Gin aus eigener Ernte und Gurkensorbet. Insbesondere das Experimentalfondue mit Lauch in der Chaddar-Guiness-Käsemischung erwies sich als überraschend großartig. Gerne wieder. Zum Beispiel diese Woche. Und die nächste. Sowie die Woche danach.

    Ich begleitete zum zweiten Auftritt.

    Mittwoch ging es gen Norden. In Berlin fuhren wir bei leichtem Hochnebel los. Kurzer Zwischenstopp um die Rosen zu streicheln. In Dithmarschen kamen wir in einer Wassersuppe an. Schon wieder eine unwirkliche Zwischenwelt im Nebel, an der die Grenze zwischen den Realitäten zu verschwimmen scheinen, normal unmögliches möglich erscheint.

    Wie es sich gehört, selbst die leuchtende und blinkende Raffinerie war nicht mehr zu sehen. Dithmarschen, das Land das eigentlich Wasser ist. Dem Meer von Hand abgerungen, und doch bedarf es nur eines solchen Tages und die Grenzen verfließen. Ist das wirklich noch Erde? Ist es schon Unterwasser? Die Jahreszeit in der das Land zu sich selber kommt.

    Kyrie Kyrie

    Dienstag absolvierte Madame zwei Auftritte:

    Nachmittags sang sie in Alt-Schöneberg im frugalen Ritus, mit lebendiger Arche auf dem Kirchhof: Alpakas, Ziegen und Esel vor der Kirche und einer Pfarrerin, die von Gott wechselnd in der männlichen und weiblichen Form redet.

    Abends ging ich mit in die Kirche. Auf ins gutbürgerliche Bayerische Viertel zum Heilsbronnen. Frugal blieb nichts.

    Nur selten denke ich bei evangelischen Gottesdiensten „Zweites vatikanisches Konzil“. Hier lag der Gedanke nahe. Die drei gottesdienstenden Damen (immerhin, dort blieb es evangelisch) in weißen Prunkgewändern. Die Liturgie weitgehend gesungen, wie es sich einst gehörte mit dem Rücken zur Gemeinde, Gesicht zum Altar. Die Weihnachtsgeschichte wurde gelesen und wie es sich für eine Messe geziemt, wurde das Abendmahl gereicht.

    Eine Hälfte von mir dachte „Yeah, Pathos, Ritual, Bling-Bling!“, die andere norddeutsch-evangelisch sozialisierte Hälfte dachte „Heidentum! Tanz um das Goldene Kalb! Hokus-Pokus!“

    Aber es ist Weihnachten. Wann wäre die Zeit für die große übertriebene Geste, wenn nicht an Weihnachten?

    Das Fürbittengebet schloß die „Soldaten an der Front“ ein. Ich überlegte kurz, ob ich mich im Jahrhundert geirrt hatte. Aber nein. Passt schon leider.

    Du weißt dass du in Berlin bist, wenn du die Evangelische Messe mit High Church Ritus in der vollen Kirche verlässt, 150 Meter läufst und dann in der U-Bahn Menschen beim Crack-Rauchen siehst.

    Gare de l’Est

    In vielen Familien gibt es den Brauch, dass sich Erwachsene nichts zu Weihnachten schenken. Das ist sehr vernünftig. Aber würden wir das auch so halten, käme ich dieses Jahr nicht nach Paris, und das wäre ja schade.

    Um es mit Joseph Hader zu sagen: Der Eine kommt nach Paris. Der Andere kommt nicht nach Paris. Wie das Leben halt so is. Dededipdebndipdebn..

    Nach Plan also werde ich 2025 von der Andere zu der Eine wechseln. Ich beginne schon einmal mein Paris-Bild von den drei Klischees „Eiffelturm-Selfie, niedliches kleines Café und Mona LIsa“ zu überarbeiten und stelle fest: doch eine echte Metropole. Mit Geographie und Geschichte. Und mittelalterlichem Stadtkern, spannenden Schwimmbädern, historischen Passagen voller indischer Restaurants – es wird spannend.

    Außerdem darf ich in Berlin Hauptbahnhof in einen Zug zeigen, an dem das Fahrtziel „Paris“ steht. Und besser kann es nicht werden.

    Durch

    Weihachten ist Zeit zum Lesen. Vielleicht nicht den Zauberberg. Der ist eher ein Jahresprojekt. Holger schreibt fast alles, an was ich auch beim Lesen dachte: Durch: Der Zauberberg

    Der letzte Tag vor Weihnachten im Leben einer Einkaufszentrumsbuchhändlerin: Unzählige Bücher und Spiele habe ich verkauft (sogar eine Kuschelschlange in lebensgroß hatte ich an der Kasse).

    Einschulung in den USA (speziell in Washington, D.C.). Annegret Hünerfürst: Hurra ich bin ein Schulkind – #Elternalltag

  • 24-12-22 Borneo

    24-12-22 Borneo

    Schlafen, schlafen, müde, müde, schlafen, schlafen. Der letzte Arbeitstag des Jahres ist überstanden, meine weitere Jahresplanung lässt sich als schlafen, schlafen, müde, müde zusammenfassen.

    Mir ist gar nicht so klar, was genau so anstrengend war in den letzten Wochen aber schlafen, schlafen, müde, müde.

    Erfreulicherweise ließ sich der Freitag aller Freitage auf Arbeit so an, wie erhofft. Ich sah Kaminfeuer auf Monitoren, Tumbleweed auf den Fluren und laut verleumderischer Gerüchte – die ich natürlich nicht glaube – soll es sogar zu vereinzeltem Trinken von Glühwein im Büro gekommen sein.

    Letzte Aufgaben: Etwas Weihnachtsplanen. Langsam tauchen die mitte Dezember verlorenen Pakete wieder auf und machen Einsammelrunden erforderlich. Selbst die BBB-Weihnachts-Aufmerksamkeit fand sich wieder bei einer Überraschungsnachbarin.

    Dafür verschwinden alte Klamotten, Bücher und sonstiges aus dem Haushalt.

    Die Filiale von Bäckerei Thoben schloss. Die Shell-Tankstelle Platinum verkauft kein Autogas mehr. Im DHL-Späti3 hingen lauter Palästina-Flaggen im Innenraum. Im GLS/UPS-Späti hing ein handgeschriebener Zettel von Lena & Charlotte „Lieber Onkel. Es ist toll, dass Du da bist.“

    Der Fernuni-Kurs Betriebliche Informationssysteme schickte Klausurinfos. Die ganzen Code- und SAP-Detail-Aufgaben aus dem Kurs sind wirklich nicht klausurrelevant; dabei sind sie eigentlich ganz spannend.

    Eben wegen dieses Kurses stieß ich auf einen Wikipedia-Gletscher. Der Artikel Webservice hat seit 2012 einen Hinweis, dass er überarbeitet werden sollte. Er wurde sogar überarbeitet. 2020. Aber noch läuft die Diskussion, ob der Hinweis damit wieder weg kann.

    An der Hausfassade nutzte ein erster Graffitisprayer das weiterhin herumstehende Gerüst für eine Verewigung im zweiten Stock. Brutaler ging jemand anderes vor, der eine Scheibe in der Haustür des Mehrfamilienhauses einschlug.

    Nachbar 2L, den ich im Treppenhaus traf, war aufgeregt. Vermutlich hatte er recht. Ich kann mich nur noch zu „War nicht die Erste. Wird nicht die letzte sein.“ aufraffen.

    Dafür weiß ich endlich, wem das futuristische E-Auto im Hinterhof gehört. Bei Gelegenheit werd‘ ich ihn ansprechen, wie er das hier in der Gegend mit dem Aufladen macht.

    Madame spielte mit ihrem neuen Geburtstagsspielzeug. Dafür musste sie das Eisfach entleeren und verarbeitete tiefgefrorene Pomeranzen in Marmelade. Eine Verwöhnwoche für mich steht an mit Rehgulasch aus dem Slow cooker und Eggs Benedict zum Frühstück.

    Nicht-Weihnachtskleinfamilienfeier bei Sagar mit Thali und Ente Malai. Angesichts des Anlasses erfreulich unweihnachtlich. Wir lernte, dass le pianiste langsam in eine familienähnliche Gemeinschaft mit dem Sohn von Frank Zander integriert wird.

    Erste Gedanken eines Jahresrückblicks: Acht Klausuren, eine Seminararbeit, eine Pergola, eine Freibadkabane; zwei Wochen Abenteuer im Baltikum, eine Goldene Hochzeit. Das Auto fährt wieder (Meine Güte), der Abfluss läuft (Meine Güte), Dach fehlt weiterhin (Meine Güte). Bei einer gewissen Anstalt öffentlichen Rechts setzte sich nach zwei Jahren des Anschiebens einiges an Bewegung; was nun Action erfordert und noch mehr Action erfordern wird.

    Hauptsache ich brauche keine Raunächte für das Jahresendnachdenken. Diese brandneu erfundene ewige Tradition ist milde amüsant, aber in ihrer „wir-brennen-schon-seit-1000-Jahren-Räucherstäbchen-für-Odin“-Variante auch manchmal anstrengend.

    Uneins waren wir, ob die DDR die Drei-Haselnüsse-für-Aschenbrödel-Begeisterung in die Deutsche Einheit eingebracht hat. Für mich war das immer ein Film, der im Westen zwar im Fernsehen kam, aber nicht niemals nie auf einem Level mit zum Beispiel Sissi oder dem Kleinen Lord stand. Während die Ostbekanntschaft ihn immer als DEN Weihnachtsfilm ansah. Gefühl kolonisiert er auch die West-Weihnachtsbräuche jedes Jahr mehr, ist dabei Sissi oder Loriot weit hinter sich zu lassen.

    Planungen für den Jahresanfang: Endlich das Spotify-Abo kündigen. Aktueller Alternativplan: Qobuz für Musik und die Apple-Podcast-App für Podcasts.

    Resilienz und Bettelampel

    Ein 85. Geburtstag im Bohrerhof.

    Gelernt bzw. wiedererinnert: Bettelampel heißt das: Bedienungsanleitung Ampel.

    Waffle House ist ein Phänomen der amerikanischen Südstaaten. Eine Kette, die alle verbindet. Im Waffle House kann mensch beim 24-Stunden-Frühstück alle Einheimischen aus allen Ways of Life finden. Sie ist einfach immer offen und da. Wie sehr sie da ist, zeigt dass die FEMA, die amerikanische Katastrophenschutzbehörde, einen Waffle House Index hat: Dort wo selbst Waffle House geschlossen hat, ist die Katastrophe am katastrophalsten.

    USA Today berichtet darüber wie Waffle House seine Resilienz erreicht: Viel Logistik (z.B.: wenn ihr wist dass ein Hurricane kommt, mahlt Kaffeebohnen für mehrere Tage vor – ihr wisst nicht ob ihr Strom haben werdet, gut für den Fall ausgebildete Employees und freiwillige in Jump Teams, die nach der Katastrophe kommen: ‚Waffle House Index‘ is a real thing during disasters. How does the restaurant chain do it?

    UCLA, eine der besten staatlichen Unis der USA, bietet einen neuen KI-generierten Kurs zur Literaturgeschichte an. Es ist noch schlimmer als man denken könnte: UCLA’s new AI-designed literature course has the worst-looking textbook cover I’ve ever seen.

    Warum weg von Spotify. Der Dienst erfindet Künstler und flutet seine Playlists mit ihnen, um Tantiemen zu sparen: The Ugly Truth About Spotify Is Finally Revealed

  • 24-12-07 Wenn die Nacht am tiefsten ist, ist der Tag am nächsten

    24-12-07 Wenn die Nacht am tiefsten ist, ist der Tag am nächsten

    DM am Südkreuz nahm eine Batterie SB-Kassen in Betrieb.

    Das Klavier vor jenem DM floriert weiter. Langsam stehen Leute daneben und filmen mit. Ich hatte den Eindruck es gab sogar eine Schlange potenziell Spielender.

    Falls die Bauarbeiter vom Dachboden noch vor Weihnachten ein fertiges Dach produzieren wollen, wäre es langsam Zeit für die Errichtung des Dachstuhls. Immerhin ließ sich aus unserer Wohnung ein neues Brett am Rand des Dachboden-Bodens erkennen. Es soll offenbar eine Auffang- oder Stützfunktion haben.

    Die Sonne geht heute um 15:52 unter. Wie auch gestern und vorgestern und wie die nächsten zehn Tage. Danach wird es besser. Wir haben Peak Sonnenuntergang bereits erreicht.

    Meine Erfolgssträhne mit der Ordnungsamt-App geht weiter. Diesmal musste ich nur daran denken, die Big Bags mit Bauschutt, die seit Wochen nahe der Bushaltestelle stehen, dort zu melden – schon waren sie am nächsten Tag verschwunden.

    Offenbar haben die Berliner Medien zu oft über Gefahrbremsungen der Busse berichtet. An ebenjener Haltestelle stieg ein Mensch mit aufgesetztem Helm und Signalweste zu.

    Da schaut man mal eine Woche lang nicht genau hin, und ein ganzer Staat kollabiert. Es bleibt den Syrer*innen zu wünschen, dass sie die Bürgerkriegs-Warlord-Phase überspringen und danach eher im Modell Türkei als im Modell Afghanistan landen.

    Der Termin am Nikolaus war Zufall: Aber der zweite Teil Ticketsystem-API-Schulung fühlte sich an wie ein Geschenk. Ein ganzes Universum an Möglichkeiten öffnete sich. Ich habe so viele lustige Ideen, was mensch mit diesem Ticketsystem so anstellen kann. Nur blinken, flackern und überraschende Farbwechsel werden wohl nicht funktionieren.

    Mein Plan: das Fernuni-Modul Informationsmanagement dieses Wochenende abschließen und dann bis in den März hinein ignorieren harrt noch der Umsetzung. Nachdem die ersten Studienbriefe sich wirklich sehr schleppten, geht es jetzt in raschem Tempo voran.

    Offenbar hat der schreibende Informationsmanagement-Lehrstuhl den Punkt erreicht, wo er nicht mehr das Material seiner Vorgängerin überarbeiten musste (der alte Kurs der vorherigen Lehrstuhlinhaberin war berüchtigt) und ist jetzt bei seinen eigenen Themen angekommen: IT-Out und-Insourcing, Sinn- oder Unsinn von Cloudlösungen und Service Management (ITIL). Es ist richtig gut, es ist verständlich geschrieben und erreicht ungeahnte inhaltliche Tiefe. Ich stelle fest, wie sich im Hinterkopf bei mir der Gedanke „Vielleicht-was-für-eine-Abschlussarbeit“ bildet.

    Positiver Nebeneffekt der Glasfaser-Einrichtung: Die ganze Infrastruktur-Ecke der Wohnung sieht ordentlich aus wie seit Jahren nicht mehr.

    Weil das mit dem Glasfaser-Anschluss so gut funktionierte, und ich nach Weihnachtsgeschenken gedrängt werde, rechechierte ich ein wenig nach Technik-Spielzeug. Tja nun, das Fundstück sprengt jeden Preisrahmen.

    Läuft

    Wir sind beide sehr überrascht. Die Glasfaser läuft, dieser Blogpost erscheint über Glasfaser.

    Doppelt überrascht: Als wir Ende September den Anschluss beaufragten wurde uns der Februar 2025 als Termin genannt. Jetzt haben wir Dezember – und hätten wir mehr Tempo gemacht, hätte das alles vermutlich schon MItte November funktioniert.

    Vor allem aber: Es war komplikationsfrei. Alle vier Schritte (Umstellung DSL-Anschluss auf anderen Anbieter, Austausch Router, Bau-einer-Wohnungs-Glasfaserdose-und-Verlegung-der-Lichtwellenleiter-in-die-Wohnung sowie Aktivierung Glasfaser) verliefen überraschend schmerzlos.

    Leichtes haken drohte nur beim LWL-in-Wohnung-Teil – was eher an der schwierigen Situation im Haus und mit der Hausverwaltung liegt.

    Sonnabend die letzte Etappe: Glasfaser live schalten. Größtes Problem: Die Wandhalterung für das Modem an der Wand befestigen, die an dieser Stelle aus bröseligem Gips besteht.

    Kleinere Schwierigkeit: den Router (Fritzbox 7590, gekauft, nicht gemietet) mit der Leitung verbinden. Bis ich herausgefunden hatte, dass es in der Fritzbox-Oberfläche einen einfachen Assistenten gibt, bei dem ich nur „jetzt bitte Glasfaser“ clicken muss, hatten wir doch einige Zeit mit DuckDuckGo1, diversen Hilfeseiten und der komplett nutzlosen Magenta-App verbracht. Nachdem Madame mich auf den richtigen Weg zum Knopf gebracht hatte: ein Traum.

    Manchmal fühlt diese Gegenwart gewordenen Zukunft sich doch auch nach erstrebtem Fortschritt an.

    Chile – una geografia loca

    Beständigkeit hingegen ist das Wesenselement der Eckneipe Resonanz. Die Pace-Fahne an der Wand stammt vermutlich von den Anti-Irak-Kriegsdemos der frühen 2000er. Das Chile – una geografia loca – Poster sieht nach den Achtzigern aus. Und der handgeschriebene Spruch „Wenn die Nacht am tiefsten, ist der Tag am nächsten2 stammt vermutlich entweder aus den aktiven Jahren von Ton, Steine, Scherben oder aus den Gründungszeiten der Resonanz.

    Das Personal ist dasselbe wie immer, die Musik bleibt sich treu. Die einzige Änderung der Karte seit 2008 ist neben den gestiegenen Preisen der Hinweis auf Lesebrillen, die verliehen werden. Einzig die Ent-Raucherkneipung samt Raucheraquarium im Nebenraum sorgte für einschneidende Veränderungen.

    Das Publikum hat sich in den letzten Jahren deutlich verjüngt. Aber auch weiterhin kommen sie zum Klönen, Kartenspielen, Brettspiel-Spielen, Tatort schauen, Flirten oder einfach allein herumsitzen. Die Resonanz, ein Ort der Konstanz im Berliner Hamsterradwahnsinn.

    Ein schöner Ort für ein Projekt, dass sich Langlebenkeit und Verlässlichlkeit auf die Fahnen geschrieben hat: die Wikipedia. Über viele Jahre fand dort der Wikipedia-Stammtisch statt. Dann machte die ganze Berliner Community in Projekten und Arbeitstreffen und alles wurde irgendwie verkrampfter und anstrengender.

    Und seit einiger Zeit veranstaltet Poupou l’quourouce wieder Stammtische in der Resonanz. Wir waren zu sechst, fünf WP-Veteran*innen aus den frühen 2000ern und ein kompletter Newbie, der mit seinem starken Enthusiasmus und voller Energie auf die starre Wikipedia traf – und nun nach Hilfe dabei sucht sich aus den entstehenden Kalamitäten wieder herauszumanövrieren.

    Wir sprachen über alte Zeiten (natürlich), den aktuellen Wikipedia-Klatsch&Tratsch, wissenschaftliche Redlichkeit und das „P-Wort“, Gendern in wissenschaftlichen Veröffentlichungen (so selbstverständlich, dass es bei der Generation U60 nicht mal mehr Thema ist), PAKs in Parkett (Fazit: lieber Gebäude verschenken als das Zeug entsorgen müssen); große Augen am Tisch als WiseWoman beiläufig den Satz fielen ließ „Ich habe mal einen Artikel in Nature veröffentlicht“.

    Sofern etwas zu verstehen war (die Resonanz machte an diesem Abend ihrem Namen alle Ehren) ist jeder der Abende ein wilder Ritt durch die seltsamsten Themen. Und genau deshalb so schön.

    Es ist kurz nach Acht. Aber bei einem Wikipedia-Treffen kann man nie sicher sein, dass die Uhren der Anwesenden auf ME(S)Z eingestellt sind.

    Salzpfad- Zeitstrahl – Pressspann

    Beim Schreiben gefunden, im New York Magazine Berlins, dem Tip, ein Führer durch Kneipen in Schöneberg: Neuer Kult um alteingesessene Eckkneipen (bei dem Teil den ich kenne, kann ich alles bestätigen (Zudem klärt der Artikel eine Frage, die wir uns vor kurzem stellten: Willi Mangler ist eine Nichtraucherkneipe mit Raucherraum. Keine Raucherkneipe. Wir müssen endlich mal hin)).

    Herr Rau sucht eine Dramenaufbau-Zeitstrahl-Software

    Poupou kauft keine Pressspannplatten.

    Thomas Gigold über den Salzpfad. Ist fürs Kinoprogramm vorgemerkt

    Fußnoten

    1. Ursprünglich stand dort Google. Ich stelle überrrascht fest: Es war einfach die Standard-Suchmaschine zu ändern (seit vielleicht zwei Jahren schon) als den eigenen Sprachgebrauch. ↩︎
    2. Spontangedanke. Vielleicht pilgere ich einfach mal an Rios Grab vorbei heute. ↩︎
  • 24-11-12 Im Treppenhausdunkel gedeihen sogar hohe Pflanzen, dorthin traue ich mich nicht. Im kaum merklichen Rhythmus der Wellen schaukeln sie da.

    24-11-12 Im Treppenhausdunkel gedeihen sogar hohe Pflanzen, dorthin traue ich mich nicht. Im kaum merklichen Rhythmus der Wellen schaukeln sie da.

    Über Jahre höre ich den Begriff E-Invoicing in Meetings – so sehr dass er zum Running Gag wird. Und niemand bemerkt dazu, dass es einen Standard mit dem wunderbaren Namen ZUGFeRD gibt. Ich möchte mich beschweren.

    Madame erklärte Relevanzkriterien – das missverstandenste Konzept der ganzen Wikipedia.

    Madame kehrte mit dem ICE1605 von Hamburg nach Südkreuz zurück. Nicht ohne vorher den koreafahrenden Komponisten zu treffen. Nach ihrer Rückkehr joggte sie durch’s Stadtbad Lankwitz.

    Auf dem Hof kurzzeitig ein Auto von Stromnetz Berlin. Es gibt diverse Baustellen, die es hätte betreuen können.

    Auf dem Hof steht ein alter Passat – dem fehlt die Heckscheibe, die Sitze bedeckt ein weißes Pulver. Das Kennzeichen (ohne Zulassung, ohne TÜV) ist mit Kabelbindern am Auto befestigt.

    Haruki Murakami vergleicht in einem seiner Romane (Zeitschriften-)Schreiben mit Schneeschaufeln. Kaum ist ein Text geliefert, der Schnee entfernt, wartet auch schon der nächste. Ein ewiges Hin- und her. Die Sysyphusarbeit der Notwendigkeit.

    Ein wenig ähnelten dem die letzten Tage. Alltag, an allen drei Hauptaufenthaltsorten. Der Versuch, Zeug wegzuschaffen und loszuwerden. Manchmal wörtlich (leere Tonerkartuschen), manchmal übertragen.

    Nachdem Mandelentzündung/Chemnitz/Rohrprobleme den Ablauf auf dem Gleis warfen, wieder in die Alltagsschiene zurückkommen.

    Wichtig dabei: die Pflicht-Einsendearbeit angewandtes Bullshit-Bingo Informationsmanagement ist bei der Uni gelandet. Jetzt kann ich mich mit Speed dem Seminar widmen.

    Kollege Herzog 3D-druckte mir ein Spielzeug, um meine Hände während der Arbeit zu beschäftigen.

    Heilige Dreieinigkeit mit Lauch

    Immerhin hatte ich wieder genug Kapazitäten, um nicht nur einfach Gemüse zu kaufen und irgendwie in die Pfanne zu werfen, sondern ein echtes Gericht mit einem Namen und nach Plan zu kochen/backen. Es gab Cajun-Tarte frei nach Sophies Andouille-Tarte.

    Klassischer Mürbeteig in eine Springform verteilen. Den Boden mit Andouille Chorizo angebratener Salsiccia pepe auslegen. Darauf die ebenfalls angebratene Holy Trinity der Cajun-Küche (Zwiebeln, Paprika, Stangensellerie, hier Sellerie ersetzte durch Lauch), dann eine Masse aus Ei und Sahne (Sahne stark reduziert, weil das Gemüse ja schon Flüssigkeit bringt) und auf dem Dach schließlich Gruyere. Alles 40 Minuten in den Ofen.

    Rohr frei!

    Mir träumte, ich sei in einer russischen Tiefgarage, während Männer in abgewrackten Autos hineinfahren. Ich gehörte nicht dazu. Zum Glück fand sich plötzlich ein Limonadenstand, dessen Betreiberin Deutsche in Russland war und mich in die Runde einführte.

    Mir träumte, ich gehe mit Bekannten in das Spielabteil eines französischen Zugs. Der Einstieg ging hinab. Auf dem Boden eine große Spielfläche. Die Sitze waren einzeln stehende Stapel-Stühle, die auf einem Podest am Fenster standen.

    Mir träumte, ich schraube Rohre auseinander und flute dabei die Wohnung kniehoch.

    Wo der letzte Traum herkam, wundert mich nicht. Nach zwei Wochen des Rohrverstopfungsdramas (und während mein Unbewusstes die ganze Zeit am Thema war), kein Wunder, dass das Thema in die Träume kriecht.

    Die zweite Sanitärfirma schickte Klempner drei und vier in die Wohnung. Diesmal hatten wir Glück. Klempner vier hatte einen geschienten Arm und kam eher auf türkisch beratend mit. Klempner drei hingegen hatte mit Pümpel, Heißwasser und überzeugend aussehendem Handwerk Erfolg, wo die anderen beiden mit viel Werkzeug und auseinander geschraubten Rohren scheiterten.

    Wir haben wieder eine bewohnbare Wohnung. So schön. Werde ich gut schlafen, wenn der unbewusste Unruheherd sich erledigt hat.

    Offensichtlicher Soundtrack die letzten zwei Wochen. Dotas Die Flut:

    Seitdem leb ich hier ziemlich langsam und fast ohne Schwerkraft, mal zieht’s mich hinunter, mal spült ’s mich hinauf.
    In den schattigen Winkeln unterm Tisch und unterm Schrank lauern mir oft große Raubfische auf.

    Im Treppenhausdunkel gedeihen sogar hohe Pflanzen, dorthin trau ich mich nicht.
    Im kaum merklichen Rhythmus der Wellen schaukeln sie da ihre schlingernden Rankenarme um sich.

    Das F-Wort

    Britta von Briganti’s Kosmos war auf ihrer ersten Parteiversammlung.

    Berliner, die wahlhelfen wollen, wenden sich bitte hier entlang: Bereitschaftserklärung für Wahlhelfende.

    Ich fragte mich, kann man das aktuelle politische Geschehen als Faschismus bezeichnen. Und stellte fest, das mit der Faschismus-Forschung ist schwierig. Fernando Esposito: Faschismus – Begriff und Theorien

    In Williamsburg, New York öffnete eine chassidische Mall. Das New York Magazine war zu Gast: Attention, Satmar Shoppers: A Visit to Williamsburg’s W Mall. A milchig food court and a refuge for weary mothers.

    I’m in a long black skirt and long-sleeved cardigan, but I no more “pass” than if I were wearing a tank top and miniskirt. I was raised Orthodox enough to have eaten at many pizza-and-sushi restaurants, but Teaneck Modern Orthodox isn’t Williamsburg Hasidic, no matter how hard you broaden your vowels. My Russian is good, which helps in conversation with several shop owners, but my Yiddish is not, which is a barrier to conversing with customers. Almost no one I talk to will share a last name.

    Ich hoffe doch, die öffentlich-rechtlichen Youtube-Formate überleben den aktuellen Frontalangriff der Politik. Schönes Stück von Was kostet die Welt über Aufstieg und Fall von Oatly.

  • 24-10-17 Entalgebrat

    24-10-17 Entalgebrat

    Bauhaus baut um. Trotz Labyrinthlaufs um die Absperrbänder war es ein kleiner Feiertag für mich. Denn ich durfte Mehrfachsteckdosen kaufen.

    Am Mittwoch, 23. Oktober um 17 Uhr feiert die Mittelpunktbibliothek Schöneberg Geburtstag mit Torte und Blaskapelle.

    Vor dem Ausgang S-Bahn-Schöneberg markieren gelbe Kreide(?)-Striche der Polizei eine Unfallstelle. Auf dem Gehweg ist es ein noch deutlicheres Memento-mori denn auf der Straße.

    Staunend erfahre ich, dass der ehemalige Ofenhandel Kamine und Wein, aus dem unser Bungalow-Eichhörnchen-Ofen stammt, inzwischen ein Nachbarschaftstreff wurde. Er gewann den deutschen Nachbarschaftspreis, wird unseren Ofen aber vermutlich bei Bedarf nicht mehr reparieren.

    Von den Latifundien bekommen wir Signal-Nachrichten von Entenbuffet, Liegestuhlsessions und Frühstück Karl-Friedrich.

    In der Mittagspause zufällig mit Büronachbarn vom DLR gesprochen. Sie schwärmten von ihrem Arbeitgeber. Ein seltenes Verhalten. Kurzes Nachschlagen zu Hause: in die-beste-Arbeitgeber-Deutschlands-Rankings kommt das DLR wahrhaftig in die Top 10. Aber sie haben keine passenden Jobs in Berlin. Dang.

    Gutes auf Arbeit: Viele Projekte werden nach Monaten der Vorbereitung gerade umgesetzt. Schlechtes auf Arbeit: Das betrifft sowohl unsere eigenen Projekte, als auch die Ideen anderer Abteilungen für die wir zeitnah zuarbeiten müssen. Es war schon gemütlicher. Dieser leere Blick, wenn sich der Feierabend nähert, sollte keine Gewohheit werden.

    Zeichen der Erschöpfung: Im Lidl fragte ich mich einige Minuten zu lange, warum es jetzt MeToo-Schokoriegel gibt? Irgendwann merkte ich: Es handelt sich um MrTom.

    Ringloses Semester

    Allerdings beschloss ich auch etwas gegen die Erschöpfung zu machen. Die Einsendeaufgaben in Lineare Algebra liefen okay. So, dass ich halbwegs ordentlich durchkommen sollte – aber sie liefen nicht so hervorragend, dass ich mir Freiraum und Freizeit in den nächsten Wochen erkämpfe.

    Das hätte geheißen: Nach den Einsendeaufgaben ist vor den Einsendeaufgaben. Während gleichzeitig die verschiedenen Seminar-Deadlines näher rücken. Zwei zeitraubende Module in einem Semester ist eines zu viel.

    Ich habe das Szenario ein paar Monate in die Zukunft gedacht und sah zwei Optionen: Entweder ich werde in einer der beiden Veranstaltungen durchfallen. Oder ich verzichte neben Arbeit und Studium auf jegliches Leben, und wanke mich am Rande meiner Kräfte zu zweimal „gerade so bestanden.“

    Beides keine gute Optionen. Variante eins erscheint mir besser. Noch besser erscheint mir, ich wähle selber, welches Modul dieses Semester nichts wird. In dem Fall gewinnt Zweitstudium (Wirtschaftsinformatik) gegen Drittstudium (Mathematisch-technische Softwareentwicklung). Die Lineare Algebra mit ihren Ringen, Körpern und Gruppen muss gehen.

    Dafür jetzt mit Karacho auf den Seminarstoff.

    (Vielleicht allerdings belege ich die imprative Programmierung nach. Die hat nur 5 ECTS statt die 10 der Linearen Algebra. Alle Erfahrungen bisher sagen, dass die Informatikmodule deutlich weniger Aufwand verursachen als die Mathemodule)

    Unser Auto, unser Internet, meine Unterhosen

    Bereits mehrere Tage liegen hinter uns an denen nichts mehr kaputtging oder brach. Langsam trifft Ersatz ein oder wir schaffen es zu reparieren. Wlan läuft wieder, Madame hat wieder ein funktionierendes Handy, CO-Meter läuft wieder, auseinanderfallende Kleidung ersetzt und selbst der nicht-dringliche-Handy-Ersatz für mich ist eingetroffen.

    Vor Begeisterung bestellte ich eine Musik-CD.

    Die Benzinpumpe überstand nicht nur die lange Seereise aus Japan, sondern sie wurde auch eingebaut. Und voller Enthusiasmus hat die Werkstatt nicht nur die Inspektion durchgeführt – für die wir ja schon den Termin hatten, der ausfiel weil das Auto gar nicht mehr fuhr – sondern das Gefährt auch durch den TÜV gebracht.

    Unser Plan, 10-Jahre-altes-Auto-kaufen-und-dann-10 Jahre-fahren, hat Chancen, zwei Jahre fortzuschreiten. Dann wären wir bei acht Jahren Fahrzeit angekommen.

    Heile heile Boches

    Zur Klimakatastrophe ist alles schon vielfach gesagt. Selten so auf den Punkt wie von Rebecca Solnit: Is it worse to have no climate solutions – or to have them but refuse to use them?

    Die Kaltmamsell ruft in mir heftige Damals-mit-der-Hamburger-Schule-Erinnerungen hervor. Wobei ich mit den großen Bands (Die Sterne, Blumfeld) immer fremdelte bzw. (Tocotronic) aus großer Liebe krasse Enttäuschung wurde.

    Zufällig lieferte sie mir eine Erklärung für das Fremdeln. „Universal Tellerwäscher“ als „Hymne der Generation Praktikum.“ Die Generation, der ich vom Alter her angehöre, die ich aber – in ihrer Komfortzonen-Rebellion mit fester Karriereplanung – nie verstand oder verstehen wollte. Die Sterne waren in dieser Generation zu anschlussfähig.

    Dann doch lieber Kolossale Jugend („Der Text ist meine Party„), Huah! („Was soll ich mit der Welt wenn ich dich nicht hab“ – großartiges zeitdokumentarisches Video) oder gleich nach East Kilbride und Jesus and Mary Chain hören.

    Sofort verstehe ich den Impuls, einen Wikipedia-Editathon im Hammam zu veranstalten. So geschehen in Istanbul. Ladet mich nächstes mal ein.

  • 24-10-06 Ist es eine Möwe? Nein! Ein Reiher? Nein! Es ist zwei Regenbrachvögel!

    24-10-06 Ist es eine Möwe? Nein! Ein Reiher? Nein! Es ist zwei Regenbrachvögel!

    Vor Edeka steht eine Stiege Kohl – wie es sich gehört.

    Am Erntedankfestswochenende wird geerntet. Auf den Straßen fährt jeden Kilometer ein Traktor. Sie transportieren Möhren von Nord nach Süd. Oder Grünschnitt von Süd nach Nord. Oder leere Anhänger in alle Richtungen,.

    Ein Kind schluchzte. Es wirkte in seinen Grundfesten erschüttert. Seine Überzeugungen und Glaube an die Welt zertrümmert. Ein Schrei aus dem tiefsten Innern der Seele drang hervor, als es an uns vorüberzog. Nur mühsam waren seine Worte zu vernehmen: „Ich will Pommes!“

    Wir beendeten das lange Dithmarschen-Geburtstags-Wochenende mit einem Besuch im feindlichen Ausland: Eiderstedt/Nordfriesland, um genau zu sein Sankt-Peter-Ording. Wir bekamen Eiscreme, das Kind bekam in diesem Moment nichts, und erst recht keine Pommes.

    Vorher: Heide. Marktstadt im Nordseewind. Fischstände auf dem Wochenmarkt bestaunen (vermutlich bester Fisch der Nordseeküste) und Gemüsestände und alles was ein Bauernmarkt in einer stolzen Landwirtschafsregion hervorzaubern kann. Wir musterten Schaffelle und Lammsalami.

    Währenddessen mit Gewinn: Zufällig in die kurze Wochenend-Andacht in der St.-Jürgen-Kirche in Heide am Markt geraten.

    Davor: Die Besorgungsrunde – Besuch bei Peter Benzin, Baumarkt, Media Markt, Edeka und Fahrradmanufaktor.

    Davor: Rosenkohl und Wildbraten und Schweizer Rotwein bei Kerlins Kupferpfanne, schon wieder in Eiderstedt, Eidersperrwerk, Krabbenkutter-im-Einsatz-Ballett und Strand Wesselburenerkoog.

    Davor: Spätes Frühstück, Geschenke, Schokotorte, Aufbau der Mathestaffelei und Anlesen des ersten Romans.

    Wenig von der Welt mitbekommen in diesen Tagen. Aber mitbekommen: Extinction Rebellion hat eine Discobedience-Tanzgruppe.

    Auch mitbekommen, mit Trauer: Wir trauern um unseren Kirchenmusiker Thomas Noll

    Wer ist Moni?

    Zu lesen begonnen: Alina Bronsky: Pi mal Daumen. Ein Roman über ein ungleiches Paar (er 17, ehrgeiziges Mathe-Genie / sie Anfang 50, Putzfrau/Hotelrezeptionistin, wundersamerweise an der Uni in Mathematik eingeschrieben) und ihr Mathe-Studium.

    Ich musste natürlich und bin bei der Hälfte. Schöner Roman; er fühlt sich in seiner Uni/Campuslastigkeit und seinem klaren Auge für gesellschaftliche Klassen arg englisch oder amerikanisch an. Ich erkenne Vieles von meinen rudimentären Mathe-Uni-Versuchen wieder.

    Aber auch: alle sind durchgehend am Leiden über all‘ die Arbeitshefte, Aufgaben und dem Zwang immer am Stoff bleiben zu müssen. Dieses Problem kenne ich ja auch – und werde jedes Mal daran erinnert, dass ich gerade einen Roman lese und nicht das Lineare-Algebra-Skript. Das Wintersemester 24/25 ist sechs Tage alt und ich habe schon das Gefühl hinterherzuhecheln.

    Heide-Cortina

    Wie sehr ich vergesse, wie autozentriert der ländliche Raum ist. Vor dem Bäcker gestanden. Eine Schlange von etwa 20 Personen mit mir. Davon kam einer zu Fuß (ich), einer mit dem Rennrad und 18 mit dem Auto. Wenn (fast) alle etwas machen, kann mensch auch sicher sein, dass es an Strukturen liegt und nicht an Personen.

    Die Seltsamkeit von 2024 zeigt sich darin, dass ich verkündete „Genug gekauftes Weihnachtsgebäck für dieses Jahr“ und erst danach das erste Spaghetti-Eis des Jahres verzehrte. Aber Spaghetti-Eis muss in Eisdielen gegessen werden, die Dolomiti oder Venezia oder Cortina heißen, seit den 1950ern/1960ern in Familienhand sind, und die im Winter schließen, weil alle zurück in die Dolomiten fahren.

    So eine Eisdiele beherbergt Heide. Wir aßen bei Cortina, eine Woche vor Saisonschluss, das erste Spaghetti-Eis 2024.

    Heide beherbergt auch die Buchhandlung Boyens-Scheller. In dieser wiederum stehen drei Aufsteller mit prominent aufgestellten Büchern. Aufsteller 1: Empfehlungen der Mitarbeiter*innen. Aufsteller 2: Nominiert für den Deutschen Buchpreis. Aufsteller 3: Seenotrettung (von Flüchtlingen) im Mittelmeer. In einer konservativen ländlichen Gegend: Respekt.

    In Sankt-Peter-Ording hingegen schloß die Buchhandlung. Den dortigen Strand stört dies nicht. Der ist atemberaubend wie immer.

    Bildungslücke Schleusung

    Hach, welch Premiere. Neben der ersten Dithmarscher Queller-Sichtung meines Lebens bot das Eidersperrwerk einen weiteren seltenen Anblick. Krabbenkutter im Einsatz. Vier Stück zogen ihre Runden direkt in Sichtweite der staunenden Tourist*innen: Netz nach unten: Geradeausfahren. Netz hochziehen: um die Kurve. Netz wieder nach unten: Weiter gerade aus.

    Und weil das Eidersperrwerk zum Feiertagswochenende im Entertainment-Modus war, schloß Madame ihre Bildungslücke „Schiffsdurchfahrt durchs Sperrwerk“. Die Adler II passierte das Sperrwerk gleich mehrfach. Ein Segelboot schloß sich an, um dann im Slalom an den Krabbenkuttern vorbei zu kommen.

    Peinlich: Wir waren bei absolutem Hochwasser an der Badestelle Wesselburenerkoog, hatten aber trotz Gezeitenarmbanduhr nicht daran gedacht, Badesachen mitzunehmen. 14 Grad Wassertemperatur laden nicht zu stundenlangem Schwimmen ein. Aber so ein paar Züge, Salzwasser, Sonne und Wind – das wäre etwas gewesen: Nächstes Mal.

    In den Salzwiesen, zwei Vögel. Gräulich. Erster Verdacht: Möwe. Passt fasst immer. Diesmal aber nicht. Irgendwie die falsche Form. Touristen neben uns vermuteten einen Reiher – aber im Leben nicht.

    Die Form erinnerte mich an einen Brachvogel. Aber dafür stimmte wiederum die Farbe nicht. Zu hell war das. Erst das Internet nach der Rückkehr brachte die Aufklärung: Neben den großen Brachvögeln existieren auch Regenbrachvögel. Diese sehen sich sehr ähnlich. Sind aber gräulich und insgesamt heller. Hurra! Persönliche Erstsichtung.

    Auf den Feldern Schafe und Kohlernte.

    Destroyed by war

    Last year Ukraine’s Wiki Loves Monuments organising team inaugurated a special category “German Heritage” in partnership with the Council of Germans of Ukraine (CGU). As this year’s contest just started, and the special category is on for the second time during October, let’s look at 2023 results and best photos: “German Heritage” in Ukraine’s Wiki Loves Monuments photo contest: 2023 results, 2024 plans

    (Ein bißchen scrollen, dann kommen die Fotos. Und ja es gibt eine Kategorie „Destroyed by war“).